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Übersetzung aus: Beihefte Zentrale Information; 2 / 19651

Weinberg-Bericht

INHALT

Erklärung des Präsidenten

Zusammenfassung und grundsätzliche Empfehlungen

A. Empfehlungen an die technische Gemeinschaft
B. Empfehlungen an die Regierungsdienststellen

Teil 1: Das Wesen des Informationsproblems

A. Wieviel Infomationsaustausch ist nötig?
B. Gute wissenschaftliche Information ist kein Ersatz für gute Leitungstätigkeit

Teil 2: Merkmale und Probleme des Informationsflusses und der Informationssysteme

A. Die Kette der Informationsvermittlung
B. Der Informationsprozeß als Teil des Forschungsprozesses
C. Die Dualität von Fachgebiet und Aufgabe
D. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Informationsmaterial erarbeitenden Gemeinschaften; finanzielle Probleme
E. Die Schwierigkeiten der Berichts- und Vorabdruckliteratur
F. Entwicklung der Informationstechnik
G. Der Studierende
H. Internationale Aspekte der wissenschaftlichen Information

Teil 3: Vorschläge: die technische Gemeinschaft

A. Die Autoren müssen sich mehr für das Wiederauffinden von Informationsmaterial verantwortlich fühlen
B. Unnötige Veröffentlichungen sollten unterbleiben
C. Die amerikanischen Bücher auf dem Gebiet der Technik müssen verbessert werden
D. Die technische Gemeinschaft sollte dem Rezensenten größere Anerkennung geben
E. Moderne psychologische Erkenntnisse über die Nachrichtenübermittlung sollten nutzbar gemacht werden
F. Unsere Wissenschaftler und Ingenieure sollten sich klar ausdrücken
G. Die Informationstechnik muß breit gelehrt werden
H. Der technische Dokumentalist muß anerkannt und unterstützt werden
I. Neue Vermittlungsmethoden müssen entwickelt und geprüft werden
J. Zentral-Depots sind eine attraktive Möglichkeit
K. Mehr und bessere Fach-Informationszentren werden benötigt
L. Die Mechanisierung kann bedeutungsvoll, aber nicht allbedeutend werden
M. Zitier-Indizes dürften nützlich sein
N. Die Bedeutung der Übereinstimmung
O. Das nichtstaatliche technische Publikationswesen wird vom Staat subventioniert werden müssen

Teil 4: Vorschläge: Die Regierungsddienststellen

A. Was nutzlos ist, muß ausgeschieden werden
B. Wertvolles muß seinen Standort erhalten und aufbewahrt werden
C. Kritische Übersichten über Berichtsliteratur sind erforderlich
D. Regierungs-Depots sollten Großvertriebsstellen für Dokumente sein
E. Die Regierungsstellen müssen informationsbewußter werden
F. Die Zusammenarbeit der Regierungsstellen ist erforderlich
G. Clearingstellen auf gesamtstaatlicher Ebene erforderlich

Teil 5:  Das Verhältnis zwischen den Regierungs- und den privaten Informationssystemen

A. Regierungsstellen müssen weitgehende Verantwortung übernehmen
B. Das Informationswesen ist ein ständiges Problem

Mitglieder des Arbeitskreises für wissenschaftliches Informationswesen

Wissenschaftlicher Beratungsausschuß des Präsidenten


1. Herausgeber und Redaktion: Zentralinstitut für Information und Dokumentation Abteilung Zentrale Information (Leiter: Siegfried Langhans)
108 Berlin, Unter den Linden 8
Telefon: 20 01 11, App. 254

Nachdruck - auch auszugsweise nur nach Genehmigung der Redaktion
Gesamtherstellung: Zentralinstitut für Information und Dokumentation, Abteilung Druck und Vertrieb


ERKLÄRUNG DES PRÄSIDENTEN

Eine der Hauptmöglichkeiten, die Wirksamkeit unserer nationalen wissenschaftlichen und technischen Bemühungen sowie des Nutzeffektes der Leitung von Forschung und Entwicklung durch die Regierung zu erhöhen, liegt in der Verbesserung unserer Fähigkeit, Informationen über laufende Forschungsarbeiten und die Ergebnisse früherer Arbeiten zu vermitteln.

Dieser Bericht des wissenschaftlichen Beratungsausschußes lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit einer guten Nachrichtenübermittlung für die modernen Bemühungen auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet. Er leistet einen willkommenen Beitrag zum besseren Verständnis für die Probleme wissenschaftlicher und technischer Nachrichtenübermittlung sowohl innerhalb wie außerhalb der Regierung sowie die Schritte, die zur Überwindung dieser Probleme unternommen werden können.

Wie der Bericht deutlich macht, ist eine leistungsfähige Wissenschaft und Technik eine nationale Notwendigkeit, und Voraussetzung für eine starke Wissenschaft und Technik ist eine dementsprechende Nachrichtenübermittlung.

Die Ausführungen des Arbeitskreises verdienen ernstliche Berücksichtigung seitens der in Forschungs- und Entwicklungsarbeit stehenden Wissenschaftler und Techniker und seitens derer, welche die großen Forschungs- und Entwicklungsprogramme der Regierung verwaltungsmäßig zu betreuen haben.
Weißes Haus, 10. Januar 1963   (gez.) John F. Kennedy


ZUSAMMENFASSUNG UND GRUNDSÄTZLICHE EMPFEHLUNGEN

Die Vermittlung von Informationen ist ein untrennbarer Teil von Forschung und Entwicklung. Alle, die auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung tätig sind - Wissenschaftler und Ingenieure, industrielle und akademische Forschungseinrichtungen, technische Gesellschaften, Regierungsdienststellen -,müssen die Verantwortung für die Vermittlung von Informationen im gleichen Umfange und im gleichen Geist auf sich nehmen, wie sie die Verantwortung für Forschung und Entwicklung selbst tragen.

Die letzten Funktionen im Prozeß der Informationsvermittlung, wie z. B. das Wiederauffinden von Informationen, werden in starkem Maße von dem Verständnis und den Praktiken der Verfasser wissenschaftlicher Informationsquellen bestimmt. Der Wissenschaftler muß deshalb einen Teil der Verantwortung übernehmen, die bisher aus Tradition dem Berufsdokumentalisten oblag. Generell muß die moderne, technisch ausgerichtete Gesellschaft einen größeren Anteil ihrer Zeit und Mittel als bisher für die Erfassung und Aufbereitung der ständig zunehmenden Informationsquellen bereitstellen. Wird hier nicht genügend getan, so führt das zu einer Zersplitterung und Einengung von Wissenschaft und Technik.

Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen des Arbeitskreises. Zur Erarbeitung der Schlußfolgerungen hat sich der Arbeitskreis bemüht, den Prozeß der Informationsvermittlung zu erkennen und jene Probleme zu erfassen, die für die Informationsvermittlung wegen des ständigen Anwachsens der wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse einer Lösung bedürfen. Daher werden in den ersten beiden Teilen des nachfolgenden Berichtes einige Wesensmerkmale des Informationsprozesses und verschiedener Informationssysteme dargelegt.

Da eine leistungsfähige Wissenschaft und Technik eine nationale Notwendigkeit sind, eine gut organisierte Informationsbereitstellung aber eine unabdingbare Voraussetzung für eine leistungsfähige Wissenschaft und Technik ist, muß das reibungslose Funktionieren der technischen Informationsmittel eine Sorge der Regierung sein. Außerdem muß die Regierung, da sich die Informationssysteme der Regierungsdienststellen mit den nichtstaatlichen Systemen überschneiden, beiden ihre Aufmerksamkeit zuwenden.

Die Regierung muß sich auch noch aus einem anderen, weniger offensichtlichen Grund um die nichtstaatlichen Informationssysteme kümmern. Die technische Literatur mit ihrer seit langem entwickelten Selbstkritik wirkt allein schon durch ihr Vorhandensein richtungweisend für die Wissenschaft, insbesondere für die Grundlagenforschung. Die Regierung als der größte Träger der Grundlagenforschung hat deshalb großes Interesse daran, diese Wirkungsweise kritischer Berichterstattung in den Bereichen der Wissenschaft, die sie unterstützt, lebensfähig zu erhalten.

Die Beziehung der Regierung zum technischen Gedankenaustausch ist durch die Verbindung der modernen Wissenschaft und Technik mit der nationalen Verteidigung erschwert. Bestimmungen für geheimzuhaltende Informationen, die im nationalen Interesse nicht verbreitet werden sollen, müssen festgelegt und laufend den erforderlichen Bedingungen angepaßt werden. Unser Arbeitskreis hat im einzelnen die schwierigen Fragen der Geheimhaltung und Klassifikation nicht untersucht; sie sollten vielleicht Gegenstand einer speziellen Untersuchung einer anderen Gruppe sein.

Da unsere Systeme der Informationsvermittlung sowohl die Regierung als auch Technik und Wissenschaft angehen, hat der Arbeitskreis spezielle Vorschläge, die auf unseren grundsätzlichen Empfehlungen beruhen, an die technische Gemeinschaft und an die Regierungsdienststellen gerichtet.

A. Empfehlungen an die technische Gemeinschaft

1. Die technische Gemeinschaft muß erkennen, daß der Umgang mit technischer Information ein wesentlicher und integrierender Teil der Wissenschaft ist.
Wir werden mit der explosionsartigen Zunahme der Informationsquellen auf die Dauer nur dann fertig werden, wenn einige Wissenschaftler und Ingenieure bereit sind, sich nur der Aufgabe des Sichtens, der Aufbereitung und des Zusammenfassens von Informationsquellen zu widmen, d. h., Information mit Sinn und Verstand - und nicht nur rein mechanisch - zu betreiben. Solche Wissenschaftler müssen neues Wissen auslösen und nicht nur Dokumente hin und her schieben: ihre Tätigkeit der Berichterstattung, des Verfassens von Büchern, der kritischen Wertung und des Zusammenfassens von Informationsquellen ist ebenso ein Teil der Wissenschaft, wie das die traditionelle Forschung ist. Wir empfehlen der technischen Gemeinschaft mit allem Nachdruck, diesen Persönlichkeiten jenes Maß an Achtung entgegenzubringen, das der Wichtigkeit ihrer Aufgaben entspricht, und sie für ihre Tätigkeit entsprechend gut zu honorieren.
2. Der einzelne Autor muß sich stärker für das spätere Wiederauffinden seiner Veröffentlichung verantwortlich fühlen.
Die einzelnen Wissenschaftler und Ingenieure müssen sich an dem Prozeß der Informationsvermittlung beteiligen, anstatt die ganze Verantwortung dem Berufsdokumentalisten zu überlassen. Wir geben deshalb den Autoren von technischen Abhandlungen folgende Anregungen:

a) den Titel aussagekräftig und informativ zu gestalten;

b) die Veröffentlichungen mit Schlüsselwörtern aus standardisierten Begriffssammlungen (Thesauri) zu versehen; wissenschaftliche Gesellschaften und Herausgeber werden aufgefordert, solche Thesauri, wo immer es sich als praktisch erweist, einzuführen;

c) informative Referate zu schreiben;

d) von unnötigen Veröffentlichungen Abstand zu nehmen.

3. Die Techniken des Arbeitens mit Informationsmaterial müssen gelehrt werden.
Die Kenntnis der neuesten Methoden der Informationstechniken ist für den modernen Wissenschaftler und Ingenieur notwendig. Unsere Bildungsstätten und Universitäten müssen den Unterricht über diese Methoden als Teil in den wissenschaftlichen Lehrplan einbeziehen. Sie müssen auch, damit die Belastung des Ingenieurs vermindert wird, mehr Fachleute heranbilden, die die Technik des Arbeitens mit Informationsmaterial beherrschen, und neue Methoden des Wiederauffindens von Informationsmaterial erarbeiten.
4. Die technische Gemeinschaft muß neue Austauschmethoden entwickeln und nutzbar machen.
Das Netzwerk der Vermittlung von Informationen wird durch ein Aufgebot von Schalteinrichtungen zusammengehalten, die den Interessenten an das von ihm benötigte Informationsmaterial (im Gegensatz zu den Dokumenten) heranführt. Da die Anzahl der Informationsquellen anwächst, wird zunehmend Erfindungskraft benötigt, um wirksame Schaltmechanismen auszubilden, allein deshalb, weil der Fähigkeit des menschlichen Gehirns zur Aufnahme von Informationen eine Grenze gesetzt ist. Die technische Gemeinschaft muß mutig neue Methoden der Aufbereitung und des Wiederauffindens von Informationsmaterial erforschen. Zu diesen Methoden, denen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist, gehören u.a.:

a) Fachliche Informationszentren

Der Arbeitskreis erblickt im fachlichen Informationszentrum einen wichtigen Schlüssel für die Rationalisierung unseres Informationssystems. Letzten Endes sind wir der Ansicht, daß das fachliche Informationszentrum zum allgemein anerkannten 'Kleinverteiler" von Informationsmaterial wird. Es bearbeitet das Informationsmaterial, vermittelt es und beschafft es dem einzelnen Nutzer von den Zentral-Depots und Zeitschriften-Archiven. Der Arbeitskreis empfiehlt deshalb dringend die Errichtung von mehr und besser ausgerüsteten Zentren.

Wir meinen, daß das fachliche Informationszentrum in erster Linie eher ein technisches Institut als eine technische Bibliothek sein sollte. Es muß von hauptberuflichen Fachwissenschaftlern und Ingenieuren geleitet werden, die engsten Kontakt mit ihren Spezialgebieten aufrechterhalten und die, da sie den fachlichen Fakten nahe sind, neue sachliche Verknüpfungen schaffen können, die denen versagt bleiben, die nicht über die fachlichen Einzelheiten verfügen. Informationszentren sollten dort errichtet werden, wo Wissenschaft und Technik in voller Blüte stehen. Wir sind der Meinung, daß die großen, von der Regierung unterstützten Laboratorien zu geeigneten Stätten zur Bildung von Gruppen verwandter fachlicher Informationszentren werden könnten.

b) Zentral-Depots

Die Zentral-Depots, bei denen Autoren Manuskripte einreichen können, welche angekündigt und dann auf Anforderung zur Verfügung gestellt werden, können vielleicht die technischen Probleme der raschen Vermittlung von Quellen zwischen Nutzern (insbesondere dem Fachzentrum) und den Quellen erleichtern. Zentral-Depots sind bereits von verschiedenen Regierungs-Informationszentren gebildet worden, und über ihre Zweckmäßigkeit bestehen kaum Zweifel. Obwohl der Arbeitskreis die Schwierigkeiten für ein Ersetzen der traditionellen Informationsvermittlung durch Veröffentlichungen in Zeitschriften erkennt, empfiehlt er trotzdem den technischen Gesellschaften dringend, Versuche mit Zentral-Depots oder einer Variante von diesen (wie das von der American Physical Society getan wird), zumindest für einen Teil ihrer Literatur, anzustellen.

c) Automatisierung des Infomationsprozesses

Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß sich durch die Automatisierung eine Vereinfachung des Infomationsproblems erhoffen läßt. Doch eine im Handel erhältliche Anlage ist nicht in jedem Fall das geeignete Mittel. Wirtschaftlichkeit, Größe, Benutzungshäufigkeit, Zuwachsrate, Breite und Feingliederung der Sachverhaltsaufschlüsse müssen für jeden Bereich im einzelnen untersucht werden, bevor ein Informationssystem automatisiert werden kann. Es besteht ein spezieller Bedarf für Anlagen, die für das Wiederauffinden von Infomationsquellen aus sehr großen Sammlungen geeignet sind. Die kürzlich vom Council of Library Resources veranlaßte Studie, welche die Automatisierung der Kongreßbibliothek empfiehlt, sollte hinsichtlich ihrer Realisierung als ein Weg zur Verbesserung der Dienstleistungen der Bibliothek und auch als Förderung der Entwicklung des automatischen Wiederauffindens von Informationsquellen eingeschätzt werden.

d) Entwicklung der Methodik für die Automatisierung der Informationsarbeit

Die maschinelle Ausrüstung allein genügt nicht für die Beseitigung der Schwierigkeiten beim Wiederauffinden von Informationsquellen. Die Methodik für die Automatisierung der Informationsarbeit wie das Aufbereiten, Klassifizieren und Programmieren ist mindestens ebenso wichtig für ein erfolgreiches Wiederauffinden von Informationsquellen. Der Arbeitkreis möchte die Aufmerksamkeit der technischen Gemeinschaft auf eine aussichtsreiche neue Methode des Erschließens der Literatur, citation index genannt, lenken: eine Zusammenstellung von Arbeiten, die dem Erscheinen einer Originalarbeit folgt und sich auf diese Originalarbeit bezieht bzw. sie zitiert.

5. Einheitlichkeit und Verträglichkeit sind erwünscht.
Da das Informationssystem als Ganzes, ein Netzwerk von verschiedenen Untersystemen ist, kommt es wesentlich auf eine schnelle und brauchbare Schaltung zwischen den verschiedenen Elementen des Systems an. Diese Schaltung wird nur dann voll wirksam, wenn die verschiedenen Untersysteme nach einheitlichen Richtlinien referieren und klassifizieren. Wir sprechen dem Office of Science Information Service (OSIS) der National Science Foundation unseren Glückwunsch für den Versuch aus, Ordnung in das Chaos der Uneinheitlichkeit zu bringen. Wir glauben, daß die Regierung auf Grund der finanziellen Unterstützung, die sie privaten Informationsdiensten gibt, ihren Einfluß auf die wissenschaftlichen Gesellschaften ausüben kann, daß diese sich einheitliche Verfahrensweisen zu eigen machen.

B. Empfehlungen an die Regierungsdienststellen

Unseren Empfehlungen für die Regierungsdienststellen setzen wir die Feststellung voran, daß es unzulässig sein durfte, durch die Maßnahmen der Regierung auf dem Gebiet des Informationswesens die nichtstaatliche Initiative zu erdrücken. Das besondere Einfühlungsvermögen der nichtstaatlichen, dezentralisierten Informationsdienste in die Erfordernisse der Nutzer sowie die Mannigfaltigkeit der von diesen Diensten gebotenen Informationsmöglichkeiten sind wertvoll und müssen erhalten bleiben. Eine Unterstützung durch die Regierung bedeutet nicht notwendigerweise eine Beherrschung durch die Regierung, jedoch muß man die darin liegende Gefahr sorgfältig und laufend beobachten.

1. Jede Regierungsdienststelle, die sich mit Wissenschaft und Technik befaßt, muß sich für die Informationstätigkeit auf den Gebieten, die für ihre Aufgabe von Bedeutung sind, verantwortlich fühlen. Jede Dienststelle muß einen beträchtlichen Teil ihrer Fachkräfte und Mittel der Unterstützung der Informationstätigkeit widmen.

Da die Information ein Teil von Forschung und Entwicklung ist, übernehmen die Regierungsdienststellen, welche Forschung und Entwicklung auf den für ihre Aufgaben wichtigen Gebieten unterstützen, die Verantwortung für die Unterstützung und für die Durchführung der verschiedenen Informationstätigkeiten auf diesen Gebieten. Jede aufgabenorientierte Dienststelle sollte zur Leitstelle für Information für die innerhalb ihrer Aufgaben liegenden Gebiete werden. Auf diesen Gebieten sollten die Regierungsdienststellen ein festes, internes Informationssystem unterhalten, und sie sollten die nicht staatlichen Informationsdienste unterstützen und dabei immer bestrebt sein, die staatlichen und die nichtstaatlichen Informationssysteme zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden.

2. Um dieser weitreichenden Verantwortung gerecht zu werden, sollte jede Regierungsdienststelle auf hoher Ebene einen Schwerpunkt der Verantwortung für die Information schaffen, die ein Teil des Forschungs- und Entwicklungszweiges, nicht aber irgendeines Verwaltungszweiges der Dienststelle ist.

Wir betonen, daß die technische Information einer Dienststelle Teil von Forschung und Entwicklung, nicht Teil der Verwaltung sein muß.

3. Das gesamte Netz der staatlichen Informationssysteme sollte unter der Überwachung durch den Federal Council for Science and Technology (FCST) stehen.

Wir begrüßen die vom FCST vor kurzem vorgenommene Einsetzung eines für alle Dienststellen zuständigen Ausschusses für wissenschaftliche Information (Committee on Science Information). Von diesem Ausschuß wird unter anderem erwartet, daß er Überschneidungen und Auslassungen verhindert, da die Dienststellen auf verschiedenen Gebieten von Wissenschaft und Technik federführend werden.

4. Die verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Systeme müssen mittels der nachstehend aufgeführten Clearingstellen klar gegliedert und miteinander verbunden werden.

a) Current Efforts Clearinghouse
Wir empfehlen, daß der Science Information Exchange (SIE), der Informationen über laufende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beschafft, ausgebaut wird und besondere Unterstützung erfährt, damit er nicht von den Dienststellen, durch die er freiwillige Beiträge erhält, abhängig wird. Es sollte ein Technological Efforts Exchange - entweder als Teil des SIE oder in enger Zusammenarbeit mit diesem wirkend - errichtet werden.
b) Verzeichnis und Verteilung von Reports
Wir empfehlen, daß das Office of Technical Services of the Department of Commerce als Vertriebsstelle für sämtliche technischen Berichte eingesetzt wird. Es sollten ihm genügend Mittel zur Verfügung gestellt werden, so daß es das Verzeichnis der Reports jeweils umgehend herausgeben und Kopien von jedem freigegebenen technischen Regierungs-Report billig liefern kann.
c) Retrospektive Literaturrecherchen und Auskunftsdienst
Wir billigen die von der National Science Foundation (NSF) und der Library of Congress als Teil der Bibliothek kürzlich gemeinsam vorgenommene Errichtung eines National Technical Referal Center.

Ergänzend empfehlen wir, daß der National Referal Service ein Handbuch der Fachinformationszentren und ein Verzeichnis der einschlägigen technischen Tagungen zusammenstellt und herausgibt.

5. Jede Dienststelle muß ihr staatliches System voll arbeitsfähig erhalten.

Das staatliche Informationssystem beruht weitgehend auf technischen Reports. Wir geben folgende Empfehlungen zur Verbesserung der Verbreitung und des Wiederauffindens der in den technischen Reports enthaltenen Informationen:

a) Technische Reporte sollten lektoriert oder auf andere Weise inhaltlich überprüft werden, bevor sie in das staatliche Informationssystem Eingang finden.

b) Die Dienststellen müssen darauf bestehen, daß ihre Auftragnehmer ihren vertraglichen Verpflichtungen zur Abgabe ausreichender technischer Reports nachkommen. Wir glauben, daß zuweilen Fragen des geistigen Eigentums für einen richtigen Informationsfluß hinderlich sind. Wir empfehlen, daß den gesamte Problem, was bei Staatsaufträgen geistiges Eigentum ist oder nicht, Gegenstand einer Studie auf breiter Grundlage werden sollte.

c) Obwohl der Arbeitskreis keinen Anlaß zur Beunruhigung hat hinsichtlich der Art und Weise, wie die Geheimhaltung gegenwärtig von Regierungsdienststellen gehandhabt wird, so ist diese Annahme doch weitgehend intuitiv. Wir empfehlen deshalb, die Fragen der Sicherheit und der Freigabe von einer für diesen Zweck zu bildenden Ad-hoc-Gruppe des Federal Council´s Committee on Information behandeln zu lassen.

d) Da die Report-Literatur häufig dürftig ist, spielt ihre kritische Bearbeitung eine bedeutende Rolle. Die von der Atomic Energy Commission herausgegebenen review journals mit kritischen Referaten haben sich als allgemein erfolgreich erwiesen; wir legen es anderen Dienststellen, namentlich der National Aeronautics and Space Administration und dem Department of Defense, dringend nahe, ähnliche Veröffentlichungen auf ihren Interessengebieten zu entwickeln. Derartige Referatezeitschriften könnten durchaus zu einem höchst wichtigen Produkt der fachlichen Informationszentren werden.

e) Wir glauben, daß das große Zentral-Depot sich darauf konzentrieren sollte, eine Großvertriebsstelle fror Infomationsquellen zu sein, und daß dort, wo fachliche Informationsstellen bestehen, von ihnen die Aufgabe des Verfassens von Übersichten über den Stand der Wissenschaft und die sonstige Literaturauswertung übernommen werden sollte.

f) Da diese letztgenannten Tätigkeiten so wichtig für den Informationsfluß sind, glauben wir, daß die davon betroffenen Dienststellen aktiv weitere fachliche Informationsstellen bei geeigneten Einrichtungen fördern und unterstützen sollten.

6. Den Problemen der wissenschaftlichen Information sollte von seiten des President's Science Advisory Committee ständige Aufmerksamkeit zugewendet werden.

Die Probleme der wissenschaftlichen Information sind sehr komplex und werden uns ständig begleiten. Wir empfehlen deshalb, daß der wissenschaftlichen Information und insbesondere dem Gleichgewicht zwischen staatlicher und privater Initiative von seiten des President's Science Advisory Committee ständig Aufmerksamkeit geschenkt wird.


Teil 1: 
DAS WESEN DES INFORMATIONSPROBLEMS

Wissenschaft und Technik können nur dann gedeihen, wenn eine Wechselwirkung zwischen jedem einzelnen Wissenschaftler und seinen Kollegen und seinen Vorgängern besteht und wenn jeder Wissenschaftszweig mit anderen Wissenschaftszweigen zusammenwirkt. In diesem Sinne muß die Wissenschaft eine Einheit bleiben, wenn sie wirksam bleiben soll. Die Ideen und Fakten, die die Substanz von Wissenschaft und Technik bilden, sind in der Literatur niedergelegt. Nur dann, wenn auch die Literatur eine Einheit bleibt, kann die Wissenschaft selbst einheitlich und lebensfähig sein. Doch infolge des kolossalen Anwachsens der Literatur besteht die Gefahr, daß die Wissenschaft in eine Vielzahl sich ständig wiederholender Entdeckungen zerfällt, oder schlimmer noch, in miteinander im Widerstreit stehende Spezialfächer, die noch nicht einmal als miteinander unvereinbar erkannt werden. Dies ist der Wesenskern der "Krise" auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Information.

Da die Regierung z. Z. drei Viertel der gesamten naturwissenschaftlichen und technischen Forschung trägt, ist sie auch verantwortlich, daß unser wissenschaftlich-technisches Gefüge einfach deswegen zu einer Anhäufung von Überschneidungen oder Widersprüchen wird, weil die Verbindung zwischen den spezialisierten Fachbereichen oder zwischen den Mitgliedern eines einzelnen Bereiches zu kompliziert geworden ist. Da aber ferner eine gute Verständigung ein notwendiges Werkzeug für eine gute Leitungsarbeit ist, hat die Regierung als der größte Unternehmer auf dem Gebiete von Forschung und Entwicklung ein starkes Interesse für die Aufrechterhaltung eines wirksamen Verständigungssystems aufzubringen.

Das Problem besteht natürlich nicht nur für die Regierung. Wissenschaft und Technik sind die Aufgaben vieler, die außerhalb der Regierung stehen: der technischen Berufsverbände, der Universitäten und der privaten Industrie. Alle diese Einrichtungen haben Methoden entwickelt, um mit den Schwierigkeiten der Informationsvermittlung fertig zu werden, einige von ihnen erfolgreicher (z. B. die Physiker) als andere. Da sich aber diese Informationssysteme isoliert voneinander entwickelt haben, tendieren sie allzuoft dahin, unser unkoordiniertes Gefüge der Wissenschaft noch weiter zu zersplittern. Lediglich die Regierung steht in Beziehung mit allen Teilen unserer Informationssysteme. Nur sie ist imstande, das Gesamtproblem von allgemeiner Warte aus zu untersuchen und Maßnahmen zu einer Vereinheitlichung unseres Informationswesens festzulegen oder zu fördern und so jene Einheit von Wissenschaft und Technik zu erhalten, die unerläßlich für einen wirksamen Fortschritt ist.

Ein weiterer Grund für das Interesse der Regierung an der Aufrechterhaltung eines gesunden Zustands unserer wissenschaftlichen Informationssysteme liegt in der Daseinsberechtigung unserer Wissenschaft. Die moderne Wissenschaft und Technik erhalten von unserer Gesellschaft enorme Summen, und deshalb ist unsere Gesellschaft berechtigt, entsprechende Leistungen für ihr Geld zu fordern. Ein großer Teil der Gegenleistung von Wissenschaft und Technik ist greifbar und zu erkennen: bessere Verteidigung, bessere Nahrungsmittel, mehr Energie. Doch die vielen technischen Arbeiten, die nicht direkt zu greifbaren Ergebnissen führen, müssen ebenfalls ihre Existenz gegenüber der sie unterhaltenden Gesellschaft rechtfertigen. Dabei spielt der Prozeß der wissenschaftlichen Berichterstattung mit seiner langen Tradition unerbittlicher Selbstkritik eine unerläßliche Rolle. Die Existenz eines gesunden, einheitlichen, unparteiischen und hochentwickelten Systems der wissenschaftlichen Berichterstattung - einer tatsächlich wissenschaftlichen Kritik - hilft der Gesellschaft die Gewißheit zu geben, daß die von ihr unterhaltene Wissenschaft ein verantwortungsbewußtes und lohnendes Unternehmen und nicht bloß ein Weg zur Eigenbefriedigung einer Elitegruppe ist.

Die Haltung der Regierung gegenüber der Verbreitung wissenschaftlicher Information steht notwendigerweise im Zusammenhang mit dem Einfluß der Wissenschaft auf unsere nationale Lage. Die idealistische Motivierung für die Wissenschaft, und die für die schöpferische Persönlichkeit am stärksten überzeugende, ist die menschliche Wißbegierde; eine Gesellschaft, die diese Motivierung ignorierte, erzielte zwar noch für eine kurze Weile einige materielle Fortschritte, doch sie würde auch den Funken des tiefsten menschlichen Strebens ersticken. Die Wissenschaft wird jedoch nicht allein um der Erbauung des Menschen willen betrieben oder nur wegen der Verbesserung unseres sozialen und materiellen Wohlstandes; Teile der Forschungs- und Entwicklungsarbeit zielen auch darauf ab, unsere militärische Stärke um der Erhaltung des Friedens willen weiter auszubauen. Die Ergebnisse dieser technischen Arbeiten können nicht so frei weitergegeben werden wie die der nichtmilitärischen Wissenschaft und Technik; andererseits ist im Bereich militärischer Forschungsinstitutionen eine schnelle, fachlich ausgerichtete Information über Erkenntnisse wesentlich. Die miteinander im Widerstreit stehenden Forderungen nach Geheimhaltung einerseits und nach freiem Austausch andererseits, die so sehr die Unterschiedlichkeit unserer technischen und wissenschaftlichen Ziele widerspiegeln, komplizieren das Problem einer wirkungsvollen Informationsvermittlung.

Sowohl die Legislativ- wie die Exekutivorgane der Regierung haben dem wachsenden Problem der Ordnung des Informationswesens bereits große Aufmerksamkeit gewidmet. Auf der Legislativseite haben das Senate Committee on Government Operations und dessen Subcommittee on Government Reorganization and International Organizations das Problem studiert und mehrere Berichte darüber herausgegeben. Auf der Exekutivseite hat ein früherer Arbeitskreis den President´s Science Advisory Committee (PSAC) unter dem Vorsitz von W. O. Baker die Frage untersucht, ob die Regierung eine einzige, alles umfassende, zentralisierte wissenschaftliche Information von ähnlichem Ausmaß wie das Allunionsinstitut für wissenschaftliche und technische Information der UdSSR aufbauen sollte, als ein Mittel, dem drohenden Zusammenbruch auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Information entgegenzutreten. Der Baker-Arbeitskreis kam zu dem Schluß, daß eine derartig drastische Maßnahme z. Z. nicht erforderlich sei, daß aber die Rolle der National Science Foundation als eines Koordinators der wissenschaftlichen Informationsdienste verstärkt werden sollte. Im Mittelpunkt der Empfehlung des Baker-Arbeitskreises stand die Errichtung des Office of Science Information Service (OSIS). Das OSIS besteht seit 1959 und hat viele Aufgaben, die der Baker-Arbeitskreis dafür im Auge hatte, erfüllt. Dieser Arbeitskreis legte ferner den unabhängigen Berufsverbänden dringend nahe, sich aktiv an einem ausgedehnten Informationssystem für Wissenschaft und Technik zu beteiligen.

Der Rahmen der Studie unseres Arbeitskreises ist etwas breiter als der des früheren PSAC-Arbeitskreises, denn wir können unter anderem einschätzen, wie die früheren Empfehlungen verwirklicht wurden. Außer der Untersuchung über die Rolle der Regierung und die Beziehungen zwischen den staatlichen und den nichtstaatlichen Informationssystemen haben wir auch den Prozeß der wissenschaftlichen Information selbst zu ermitteln versucht: wie Informationsmaterial erarbeitet, gespeichert, wiederaufgefunden und zusammengefaßt wird. Unser Bericht und unsere Empfehlungen sind deshalb nicht nur an die Regierungsdienststellen, sondern auch an private Einrichtungen sowie an die einzelnen Wissenschaftler und Ingenieure gerichtet. Wir hoffen, Wissenschaftler und Ingenieure hiermit über das gegenwärtige Problem der Information unterrichtet zu haben und sie damit anzuregen, sich sowohl als Einzelpersönlichkeiten wie auch in Kollektiven mit diesen Fragen zu befassen.

A. Wieviel Informationsaustausch ist nötig?

Jeder, der mit Wissenschaft zu tun hat - der wissenschaftlich Tätige, der Wissenschafts-Administrator, der Leiter einer wissenschaftlichen Einrichtung -, erkennt, daß wissenschaftliche Informationsvermittlung notwendig ist; die Frage ist nur: wieviel ist notwendig? Ein Informationssystem zu erweitern oder dort, wo heute keines vorhanden ist, eines zu schaffen, erfordert Geld und Arbeitskräfte. Da es keine eindeutigen Kriterien dafür gibt, was ein wirksames Informationssystem ist, weshalb sollte sich dann jemand dazu entschließen, mehr für die Informationsvermittlung aufzuwenden, besonders wenn das bedeutet, für etwas anderes weniger Mittel einsetzen zu können, oder wenn die Aufwendungen, die dafür erforderlich sind, in der Hauptsache anderen zugute kommen? Wie soll sich der Leiter einer Regierungsdienststelle über die angemessene Größe seines Informationsdienstes entscheiden? Wie soll der Publikationsausschuß eines Berufsverbandes über eine neue Zeitschrift entscheiden? Wie soll sich ein wissenschaftlich Tätiger entscheiden, ob er mehr Zeit in der Bibliothek verbringen soll? Wegen der nur schwer feststellbaren Qualität der wissenschaftlichen Information und weil nur wenige Kriterien für eine Entscheidung darüber vorliegen, wieviel Informationsvermittlung erforderlich ist, werden derartige Entscheidungen im allgemeinen intuitiv, wenn nicht sogar vom Zufall diktiert, getroffen. Der experimentell arbeitende Wissenschaftler oder Ingenieur betrachtet die mit der Auswahl von Informationsmaterial oder mit dem Schreiben von Berichten verbrachte Zeit oft als eine überflüssige Zeitverschwendung, die besser zur Erarbeitung von Erkenntnissen angewandt werden könnte, von denen er glaubt, sie seien neu. Für den Wissenschafts-Administrator ist das Informationswesen nur eines von vielen ihm wichtig erscheinenden Problemen, das gegenüber den Bedürfnis, eine zusätzliche Rechenanlage oder mehr Wissenschaftler oder mehr Schreibkräfte zu erhalten, abgewogen werden muß.

Es ist kein Wunder, daß der Wissenschafts-Administrator, insbesondere in den höchsten Regierungsdienststellen, so häufig kein Verständnis für die Dringlichkeit der Informationsvermittlung oder für die Notwendigkeit, mehr zur Verbesserung der Situation aufwenden zu müssen, hat. Er wird von allen Seiten von Spezialisten bedrängt, von denen jeder einzelne die Situation in seinem Bereich als krisenhaft bezeichnet und nur in der Bereitstellung von weiteren Mitteln eine Lösung sieht. Die Informationsvermittlung ist nur eine der fachlichen Besonderheiten; sie zieht im Vergleich mit anderen Fragen, wie etwa der maschinellen Datenverarbeitung, den kürzeren, da hier nämlich der Einsatz der Datenverarbeitungsanlage die Entwicklung eines Unternehmens sichtbar ausweist, während das Ergebnis des Informationssystems den Weg eines Unternehmens oft nicht direkt, sondern nur auf längere Sicht beeinflußt. Wir waren nicht in der Lage, konkrete Angaben darüber zu machen, welche Größe ein Informationssystem haben soll. Offensichtlich ist es besser, gewisse Erkenntnisse noch einmal zu erarbeiten, als sie aus Informationen zu gewinnen. So berechnen einerseits zum Beispiel viele Wissenschaftler das Quadrat einer Zahl lieber neu, als es in den BARLOW-Tabellen nachzuschlagen. Andererseits wird man normalerweise selbst in einem gut ausgerüsteten Laboratorium den Schmelzpunkt von LiF lieber nachlesen, als ihn selbst zu messen. So ist die Frage, wann man ein wissenschaftliches Resultat neu entwickeln und wann man Informationsmaterial benutzen soll, eine Sache der relativen Kosten und der Vertrautheit mit dem Informationssystem. Ein Wissenschaftler greift dann zur Information, wenn er es für leichter oder aufschlußreicher hält, die in der Literatur niedergelegten Ergebnisse zu nutzen, als das Experiment selbst noch einmal vorzunehmen. Es kann jedoch sein, daß die Vorstellungen des Wissenschaftlers, was er aus der Information entnehmen kann, nicht dem entsprechen, was er wissen möchte, um seine Arbeit nutzbringend durchführen zu können. Die Mängel der Information haben einige Wissenschaftler dazu gebracht, sich aktiv dagegen zu sträuben, informiert zu werden.

Eine vom Arbeitskreis angestellte Analyse des Prozeßablaufes einer technischen Entdeckung zeigte, daß ein einzelner Theoretiker im Durchschnitt seine Gesamtproduktivität wesentlich steigern kann, wenn er die Hälfte seiner Zeit zur Schaffung von neuem wissenschaftlichem Informationsmaterial verwendet und die andere Hälfte dazu, die Arbeit anderer zu durchdenken und seine eigene weiterzuvermitteln. Dieses Ergebnis scheint recht wenig den Werten der Parameter zu entsprechen, die benutzt wurden, um die Prozesse des Wiederauffindens und der Erarbeitung von Informationsmaterial zu charakterisieren. Wir möchten deshalb annehmen, daß auf ähnlicher Linie liegende mathematische Modelle einiges Licht in die Frage bringen, welche Mittel für die Anschaffung eines Informationssystems aufgebracht werden sollten, ganz gleich, ob es sich um das einer Einzelperson, eines Berufsverbandes oder einer Regierungsdienststelle handelt. Doch das ist eine Spekulation, deren Richtigkeit die weitere Arbeit bestätigen oder verneinen kann. Bis dahin haben wir genügend Wirklichkeitssinn, um zu sagen, daß erhebliche Anstrengungen in den meisten Fällen mehr, als heute aufgewendet wird - für die wissenschaftliche Information erforderlich sind und daß die erforderlichen Anstrengungen wachsen werden.

B. Gute wissenschaftliche Information ist kein Ersatz für gute Leitungstätigkeit.

Da die Information über das, was vor sich geht, notwendig für das Treffen von Leitungsentscheidungen ist, wird eine Verbesserung auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Information bisweilen als ein Allheilmittel für eine schlechte praktische Leitung von Forschung und Entwicklung angesehen. Wenn es auch zutrifft, daß eine schlechte Leitungstätigkeit trotz des besten Informationssystems vorkommen kann und auch tatsächlich vorkommt, so führt eine mangelhafte Information doch stets zu einer schlechten Leitungspraxis.

Wir greifen diesen Punkt deshalb auf, weil von einigen einflußreichen und interessierten Wortführern zumindest dem Sinne nach das Problem der Information mit dem Problem der praktischen Leitung von Wissenschaft und Entwicklung vermischt worden ist. In Diskussionen über die Zweckmäßigkeit der Errichtung eines selbständigen Department of Science haben Unzulänglichkeiten im wissenschaftlichen Informationssystem Anlaß dazu gegeben, die Verschmelzung aller Wissenschaftszweige des Staates in einem selbständigen Ministerium rechtfertigen zu helfen. Das ist jedoch eine allzu starke Vereinfachung diesen komplizierten Probleme. Ob es die Information verbessern würde, wenn man das gesamte Informationssystem der Regierung organisatorisch unter ein Dach brächte, beruht in erster Linie auf Vermutungen; auf jeden Fall würde, selbst wenn dadurch die gewünschte Verbesserung erzielt werden könnte, daraus nicht automatisch eine bessere praktische Leitung von Forschung und Entwicklung folgen. Die Information ist eines von vielen Hilfsmitteln, über das der Leiter von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten verfügen muß. Der Nutzen, den er durch die Information haben kann - ja, die Sorgfalt und Verantwortung, die er bei der Recherche nach Informationsquellen aufbringt -, wird lediglich von seiner eigenen Fähigkeit als Leiter bestimmt. Aus der Zentralisation der Information Wunder für die Leitungstätigkeit zu erwarten ist ein nicht zu rechtfertigender Optimismus, insbesondere, weil viele wichtige Aspekte der Leitung von Forschung und Entwicklung dezentralisiert sind und es auch bleiben müssen.


Teil 2:
MERKMALE UND PROBLEME DES INFORMATIONSFLUSSES UND DER INFORMATIONSSYSTEME

Das Informationsproblem besteht aus vielen Einzelproblemen, weil auch der Informationsprozeß aus vielen Einzelprozessen besteht. Außerdem wird Informationsmaterial in verschiedenen Systemen erarbeitet, und jedes Informationssystem dient vielen unterschiedlichen Gruppen, von denen jede ihre eigenen Interessen und Zielsetzungen hat. In diesem Teil unseres Berichts werden wir einige charakteristische Merkmale und die damit verbundenen Probleme der Erarbeitung von Informationsmaterial darstellen sowie die Systeme - staatliche und nichtstaatliche -, die entwickelt wurden, um die wissenschaftliche und technische Information durchzuführen. Vorschläge zur Lösung der Probleme sowohl von privater Seite als auch durch die Regierung werden anschließend dargelegt.

Der Grundlagenwissenschaftler, der Techniker und der Administrator sehen die Ausmaße und das Wesen des Problems der wissenschaftlichen Informationsvermittlung von verschiedenen Standpunkten aus. Die meisten Grundlagenwissenschaftler beschränken ihre Interessen auf ein oder auf einige engbegrenzte Spezialgebiete; der Umfang jedes Spezialgebietes wird vor allem von der Wirksamkeit des Informationssystems des betreffenden Wissenschaftlers bestimmt. Wird der Informationsaustausch zu einem benachbarten Gebiet zu schwierig, so beschränkt der Grundlagenwissenschaftler unmerklich sein Interesse auf diejenigen Dinge, von denen er glaubt, daß er sich über sie selbst informieren kann. Daher hat es den Anschein, als liege das Informationsdilemma dem Grundlagenwissenschaftler relativ fern. Doch selbst auf dem Gebiet der Grundlagenforschung bedeutet die Einengung der Interessensphäre des Wissenschaftlers einen gefährlichen Kurs. Wie wir bereits gesagt haben, ist die Wissenschaft unteilbar. Wenn sie sich in eine Vielzahl völlig getrennter Spezialfächer aufspaltet, wobei sich jedes Spezialfach ständig weiter verengt und die Anzahl der Spezialfächer mit der Zeit immer mehr anwächst, wird die Wissenschaft als ein Instrument zur Untersuchung der Natur in großem Maße unwirksam werden. Außerdem tendiert die moderne Wissenschaft trotz der Hindernisse für eine funktionierende Informationsvermittlung dahin, die Einzeldisziplinen mehr und mehr miteinander zu verknüpfen. Mag ein Wissenschaftler auch sein Fachgebiet einengen wollen, die Wissenschaft selbst bringt eine ständig zunehmende Anzahl potentieller Kontakte zwischen dem eingeengten Fachgebiet dieses Wissenschaftlers und den Nachbargebieten hervor. In Zukunft erfordert die erfolgreiche Tätigkeit in einem Spezialfach einen engen Kontakt mit den unterschiedlichsten Teilen der Literatur.

Der Ingenieur steht dem Grundlagenforscher diametral gegenüber. Er kann sich nicht den Luxus leisten, den Umfang seines Interessengebietes der Leistungsfähigkeit eines Informationssystems anzupassen. Seine Aufgabe ist es, eine Rakete oder ein Nachrichtensystem oder einen Reaktor zu konstruieren, und sein Auftraggeber wird sich nicht mit einem unzulänglichen Entwurf zufriedengeben, nur weil dem Konstrukteur einige Erkenntnisse außerhalb seines eigentlichen Fachgebietes fehlten. Er muß für Hinweise aus allen Bereichen der Wissenschaft und Technik aufgeschlossen sein. Die mit seinem Fachgebiet verwandten Bereiche nicht zu beachten bedeutet eine große Gefahr, besonders, wenn das von ihm geschaffene Produkt sehr teuer ist. Das Problem des Zugangs zur Information ist für ihn wichtiger als für den Grundlagenwissenschaftler.

Die Informationsbedürfnisse des technischen Administrators überschneiden sich mit denen des Wissenschaftlers und des Ingenieurs, aber ihr Schwerpunkt ist anders gelagert. Auch er muß große Gebiete der technischen Information erfassen; doch der Leiter benötigt nicht nur die technischen Ergebnisse einer bestimmten Forschung, sondern auch Informationen darüber, was von wem getan wird und wer welche Arbeiten übernehmen kann. Diese Art von Information werden wir "scientific intelligence" nennen. Auf jeder Leitungsebene, sei es in einer Regierungsdienststelle oder in einer Forschungseinrichtung, greift der Administrator zur "scientific intelligence", wenn er ein Forschungsprogramm aufstellt, ein neues Projekt vorschlägt oder sich entschließt, auf ein altes zurückzugreifen.

In gewissem Sinne ist jeder einzelne Wissenschaftler oder Ingenieur ein Forschungsleiter. Zu Beginn einer neuen Forschung muß er über seine Strategie entscheiden (einschließlich des Einsatzes seiner persönlichen Hilfsmittel); er muß sogar entscheiden, ob er die Forschung überhaupt beginnen soll oder nicht. Bei solchen Entscheidungen macht auch er von der "scientific intelligence" Gebrauch; da bei diesen Entscheidungen viel mehr Menschen beteiligt sind als bei den Entscheidungen eines hauptamtlichen Forschungsleiters, ist sich der Wissenschaftler seiner Bedürfnisse an "scientific intelligence", wenn sie auch insgesamt wichtig sind, nicht voll bewußt.

A. Die Kette der Informationsvermittlung

Der Informationsprozeß umfaßt einzelne Schritte oder "Einzeloperationen": die Abfassung von Veröffentlichungen, die Aufzeichnung und Bekanntmachung, das Katalogisieren, das Speichern und Vermitteln, das Wiederauffinden und Verwenden durch den Nutzer. Da diese Schritte so untereinander verbunden sind, daß die nachfolgenden Schritte von den vorhergehenden abhängen, ist der ganze Informationsprozeß kettenartig. Wir werden ihn die Kette der Informationsvermittlung nennen. Die ersten beiden Schritte in der Kette - die Abfassung von Veröffentlichungen sowie die Aufzeichnung und Bekanntmachung - werden von dem Ingenieur und den Organisationen, die ihn unterstützen, durchgeführt, die späteren Schritte von den hauptberuflichen Dokumentalisten und den Organisationen, die sich mit Information befassen, sowie von den Nutzern.

Die Informationskette funktioniert wie ein Schaltsystem. Letztes Ziel ist, an den Nutzer schnell und wirksam die geeignete Information, und zwar nur die für ihn geeignete Information, zu vermitteln. Doch ist ein absolut genaues Schalten weder möglich noch wünschenswert. Man kann nicht im voraus festlegen, welche Information die geeignete ist. Das Schaltsystem muß stets die Möglichkeit zu Einblicken auch in die Nachbargebiete offenlassen. Außerdem wird das System durch das Leistungsvermögen des Nutzers im Hinblick auf seine Aufnahmefähigkeit für Informationen begrenzt. Es wird immer offensichtlicher, daß der Umfang der wissenschaftlichen Literatur, die der Nutzer aufnehmen kann, begrenzt ist. Eine von den "Biological Abstracts" durchgeführte Erhebung zeigt, daß ein Biologe durchschnittlich im Jahr 5.000 Zeitschriftentitel oder Referate sinnvoll erfassen kann. Daher muß das Informationsschaltsystem, um sinnvoll zu sein, mehr als nur ein passives Schalten sein: es muß Informationsmaterial für den einzelnen Nutzer so auswählen, komprimieren und darbieten, daß der Nutzer wirklich erfassen kann, was ihm zur Verfügung gestellt wird, und daß er nicht mit Unwichtigem oder nicht zur Sache Gehörigem belastet wird. Die grundsätzliche Aufgabe des Schaltsystems ist es, Informationen, nicht aber Dokumente zu vermitteln.

Das meiste von dem, was über das Informationsproblem geschrieben wird, betrifft die späteren Schritte in der Kette der Informationsübertragung: das Aufbereiten, das Klassifizieren, das Speichern, die Bereitstellung und das Zusammenstellen der gespeicherten Informationen nach den Informationswünschen. Die in der populärwissenschaftlichen Literatur und in der Fachliteratur des Bibliothekswesens beschriebenen komplizierten automatischen Systeme befassen sich ausschließlich mit diesen späteren Schritten der Verarbeitung von vorhandenen Informationen, aber nicht mit der Entstehung von Informationen. Wir sind der Ansicht, daß das Informationsproblem durch die Trennung der Tätigkeiten des Dokumentalisten und des Autors erschwert wird: daß die ersten und die späteren Schritte in der Kette nicht so voneinander getrennt sind, wie es aus der Tradition heraus angenommen wird, und daß eine Verbesserung der ersten Schritte, vor allem im Hinblick auf das spätere Wiederauffinden, die späteren Schritte erleichtern würde.

B. Der Informationsprozeß als Teil des Forschungsprozesses

Indem wir die Gedanken aus dem vorigen Abschnitt weiter fortführen, kommen wir zu dem vielleicht wesentlichsten Merkmal des Informationsprozesses: der Informationsprozeß ist ein integrierender Teil von Forschung und Entwicklung. Forschung und Entwicklung sind nicht ohne Bekanntgabe ihrer Ergebnisse vorstellbar; dazu kommt weiter, daß eine solche Bekanntgabe in enger Verflechtung alle Bereiche der technischen Gemeinschaft und nicht nur die der Dokumentalisten einschließt. Die Einstellung und die praktische Haltung zur Information seitens derer, die mit Forschung und Entwicklung verbunden sind, dürfen sich nicht von ihrer Einstellung und Haltung zu Forschung und Entwicklung unterscheiden. Das ist das zentrale Thema unseres Berichtes.

Wir legen besonderen Nachdruck auf diese Tatsache, die so selbstverständlich erscheint, weil in den Anfängen der Wissenschaft die Probleme des Gedankenaustausches beiläufig behandelt werden konnten. Jeder einzelne Wissenschaftler konnte sein eigenes persönliches Nachrichtensystem ausarbeiten, das seinen eigenen Bedürfnissen entsprach, und da die Anforderungen an das System relativ gering waren, konnte die Angelegenheit nebenbei gehandhabt werden. Doch mit dem Anwachsen der Wissenschaft kann eine gleichgültige Haltung gegenüber dem Informationsproblem nur zu einer unzureichenden Information führen. Die einzelnen Wissenschaftler, die technischen Gesellschaften, die Forschung und Entwicklung fördernden Dienststellen müssen einsehen, daß eine ausreichende Information nicht noch länger entbehrt werden kann. Die Vermittlung von Informationen kann nicht mehr lediglich als eine Tätigkeit der Bibliotheken angesehen werden, d. h. als Aufgabe, die nicht Teil der Wissenschaft selbst ist. Ein beträchtlicher und steigender Teil der Hilfsmittel der Wissenschaft - einschließlich eng mit der Sache verbundener Fachleute und finanzieller Mittel - wird unvermeidlich für daß Informationssystem, das die Wissenschaft hervorbringt, aufzubringen sein.

Die Wissenschaft kann letzten Endes mit der Ausweitung der Informationsflut nur dann fertig werden, wenn eine genügende Anzahl ihrer begabtesten Fachleute zu ihrem eigenen Vorteil wie zum Nutzen der stärker spezialisierten Wissenschaftler die Literatur komprimieren, referieren und auswerten. Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß eine solche Tätigkeit in der Wissenschaft in der Zukunft eine Stellung einnehmen wird, die vergleichbar mit der Stellung der theoretischen Physik in der heutigen Physik ist. Die Anerkennung der Bedeutung derartiger wissenschaftlicher Verbindungsleute wird durch die Einrichtung sogenannter spezialisierter Informationszentren, in denen Informationen bearbeitet und ausgewertet werden, deutlich sichtbar. Der Arbeitskreis erblickt in den spezialisierten Informationszentren ein entscheidendes Mittel zur endgültigen Lösung der Krise in der wissenschaftlichen Information.

C. Die Dualität von Fachgebiet und Aufgabe

Für einen bestimmten Zweck geschaffenes Informationsmaterial ist oft auch für andere Zwecke nutzbar. Der Dokumentalist sieht sich daher dem schwierigen Gebiet der Klassifikation gegenübergestellt: nach welchem Prinzip soll er einen Wissensteil so klassifizieren, daß ihn alle, die ihn benötigen, wiederauffinden, daß dabei aber ein zu weit gehendes Ankündigen, Referieren und Auswerten vermieden wird?

Die Wissenschaft war noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach klassischen Disziplinen wie Chemie, Physik, Physiologie usw. unterteilt, jede mit ihrem eigenen Informationssystem. Solange es nur wenige Berührungspunkte zwischen den Disziplinen gab, arbeitete das Informationssystem jeder Disziplin in strenger Isolierung von den Systemen anderer Disziplinen. Nachdem die Grenzen der verschiedenen Disziplinen fließend wurden und die Literatur immer mehr anwuchs, wurden die Schwächen der streng fachlichen Klassifikation des gesamten Wissensbereiches offenbar. Chemiker sowohl wie Physiker benötigen Informationen über die Infrarotspektren der Kohlenwasserstoffe; Referate über dieselben Veröffentlichungen zu diesen Fragen begannen daher sowohl in den "Chemical Abstracts" als auch in den »Physical Abstracts" zu erscheinen. Die Sekundärliteratur weitete sich aus und trug zusätzlich zum Informationsproblem bei.

Die wachsende Bedeutung der zu mehreren Disziplinen gehörenden Bereiche hat zu einer gewissen Doppelarbeit in den Informationssystemen geführt. Eine weit stärkere Überschneidung hat sich jedoch aus dem außerordentlichen Anwachsen der aufgabenorientierten Forschung, insbesondere bei der von Regierungsdienststellen unterstützten Forschung mit ziemlich fest umgrenzten Aufträgen, ergeben. So fördert die von der National Aeronautics and Space Administrations (NASA) unterhaltene Forschung und Entwicklung die praktische Aufgabe dieser Behörde, nämlich die Erforschung des Weltraumes. Diese Tätigkeit fällt in fast alle Bereiche der traditionellen Wissenschafts-Disziplinen: in die Chemie, Physik, Astronomie, Biologie usw. Die auf diesem Gebiet Tätigen sind Weltraumforscher oder Ingenieure, die sich der Ausführung der der NASA gestellten Aufgabe widmen; sie sind gleichzeitig Raketenforscher in Chemie und Physik, Physiker für Fernlenkung, Physiologen für den schwerelosen Zustand und dergleichen. Das von diesen verschiedenen Spezialisten geschaffene Informationsmaterial sollte in einen aufgabenorientierten Informationssystem (in diesem Fall: Weltraumforschung) gesammelt, verbreitet und überprüft werden, da das, was der Physiologe über die Fragen der Schwerelosigkeit erfährt, auch für den Ingenieur bei der Entwicklung der Weltraumkapsel von Bedeutung ist. Aber die von den Physiologen erarbeiteten Erkenntnisse über die Schwerelosigkeit sind zugleich auch für den in der Grundlagenforschung tätigen Physiologen, der sich für das kinetosensorische System interessiert, von Nutzen. Der in der Grundlagenforschung tätige Physiologe wird aber wahrscheinlich nicht - und das kann von ihm auch nicht erwartet werden - die Literatur auf dem Gebiet der Raumforschung lesen; daher müssen die im aufgabenorientierten NASA-Informationssystem enthaltenen Informationen auch in dem fachorientierten Informationssystem der American Physiological Society erscheinen. Die Situation ist auch umkehrbar: in vielen Fällen muß die Information, die in das fachorientierte System aufgenommen wurde, auch in das aufgabenorientierte System Eingang finden. Daher erkennen wir eine grundsätzliche Dualität der nach Aufgabe oder Fachdisziplin orientierten Informationssysteme an, mit der alle vertraut sind, die in einem großen Laboratorium gearbeitet haben, wo eine ähnliche Dualität oft unter dem Namen Systemforschung bekannt ist. Die technische Gemeinschaft selbst hat auf die Dualität von Aufgabe und Fachdisziplin auf die Weise reagiert, daß sie sich in horizontalen, fachorientierten Gesellschaften wie der American Physical Society und in vertikalen, aufgabenorientierten Gesellschaften wie der American Rocket Society organisierte. Ein auf dem Raketengebiet arbeitender Physiker wird gewöhnlich sowohl der American Physical Society wie der American Rocket Society angehören. Er wird die gleichen Resultate seinen Kollegen in beiden Gesellschaften mitteilen; in dem einen Fall wird der Schwerpunkt seiner Mitteilung mehr auf der Physik als auf der Raketentechnik und im anderen Fall mehr auf der Raketentechnik als auf der Physik liegen.

Obwohl sich diese Dualität von Aufgabe und Fachdisziplin allmählich entwickelt hat und von Natur aus der modernen wissenschaftlichen Information eigen ist, trägt sie viele Komplikationen in das Informationssystem. Erstens bringt sie Doppelarbeit mit sich, wenn auch eine notwendige Doppelarbeit. Derselbe Wissenschaftler muß oft seine Abhandlung zweimal vorlegen, einmal seinen fachorientierten und einmal seinen aufgabenorientierten Kollegen. Das belastet nicht nur den Autor von Ergebnissen. sondern auch, nach der Veröffentlichung, die zu Informierenden. Denn die Literatur ist nun um zwei Abhandlungen, statt nur um eine angewachsen, und das Wiederauffinden ist komplizierter geworden. Zweitens muß die Sekundärliteratur - d. h. Referate, Schlagwortregister, Titelverzeichnisse - des einen Systems schließlich auch in dem anderen erscheinen. Das bedingt unvermeidlich Zeitverluste. Endlich ist, selbst wenn ein aufgabenorientiertes System sich mit verschiedenen fachorientierten Systemen überschneidet, die Überlappung unvollständig. Findet der an der Kernstruktur interessierte Physiker das von ihm benötigte Material besser im Teil Kernforschung von "Physics Abstracts" oder im Teil Physik von 'Nuclear Science Abstracts"? Da sie die Antwort nicht a priori wissen, informieren sich viele Physiker bei beiden Zeitschriften.

Die Dualität von Aufgabe und Disziplin ruft auch grundsätzliche Fragen in bezug auf die Informationssysteme der Regierungsdienststellen hervor. Regierungsdienststellen haben gewöhnlich ziemlich festumrissene praktische Aufgaben. Man kann annehmen, daß alle für die Dienststelle tätigen Technologen und Administratoren der Forschung und Entwicklung durch ein gemeinsames Interesse verbunden sind - die Erfüllung der Aufgabe der Dienststelle. Für diesen, von einem gemeinsamen Zweck zusammengehaltenen Interessenkreis ist ein von der Regierungsdienststelle betriebenes, aufgabenorientiertes internes Informationssystem sinnvoll. Doch wie steht es mit Regierungsdienststellen, deren Aufgaben so breit sind (wie z. B. beim Department of Defense), daß sie fast alle Wissensgebiete umfassen, und die sehr viele Spezialaufgaben haben? Wie ist es mit einer Regierungsdienststelle wie der National Science Foundation, deren Hauptaufgabe die Förderung der Grundlagenforschung auf allen Gebieten ist? Was nun den Fall der National Science Foundation (NSF) angeht, wer möchte von einem System informiert werden, das zwar sonst vollständig ist - mit einem Referatedienst und bibliographischen Nachweis-Dienst -,das aber nur jene Teile der Grundlagenforschung umfaßt, die von der NSF finanziert werden, und von dem fast jede nützliche Information schließlich auch in den bekannten Systemen der Fachdisziplinen erscheinen dürfte? Der Unterhaltsträger ist kein gültiges Kriterium für die bibliographische Einordnung. Abgesehen von der Tatsache, daß derartige Systeme zwar gewöhnlich schneller als fachorientierte Systeme sind, sind die auf dem Kriterium der Unterhaltsträger basierenden Informationssysteme für den Grundlagenforscher nur von relativ geringem Nutzen, es sei denn, daß das Informationssystem eines Unterhaltsträgers die große Masse eines Wissenschaftsgebiets unter seiner Kontrolle hat. So unterstützt die NSF nur einen kleinen Teil der gesamten amerikanischen Arbeit auf dem Gebiet der Kernphysik, und ein Informationssystem, das nur den Teil umfaßt, der von der NSF finanziert wird, wäre für einen Kernphysiker von geringem Nutzen; andererseits finanziert die AEC den größten Teil der im Lande geleisteten Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Kernphysik, und ein Informationssystem der AEC kann, besonders wenn es nicht nur auf den Teil der von der ABC finanzierten Forschung beschränkt ist, sowohl für den innerhalb wie auch für den außerhalb der AEC arbeitenden Kernphysiker nützlich sein,

Doch die Regierungs-Informationssysteme sind auch noch für andere als rein wissenschaftliche Zwecke bestimmt. Für den Administrator, den Manager in Forschung und Entwicklung, das Unternehmen, das einen Liefervertrag zu bekommen versucht, oder für das mit einer Untersuchung betraute Kongreß-Mitglied, das wissen will, was vor sich geht - nicht, weil es das Material bis ins letzte wissenschaftlich ausschöpfen möchte, sondern, weil es die Informationen benötigt, um sich ein Urteil bilden zu können sind solche Sammlungen von Informationsmaterial von unschätzbarem Wert. Die Sammlung wird in diesem Fall als eine Quelle wissenschaftlicher Auskunft, nicht aber für wissenschaftliche Information benutzt und sollte als solche erkannt werden. Viele Forschungseinrichtungen legen aus Tradition periodisch den Bericht über ihre Arbeit als Ganzes vor, selbst wenn diese Tätigkeit sich auf viele verschiedene Gebiete erstreckt; solche "Berichte für den Aufsichtsrat" sind in der wissenschaftlichen Welt üblich. In gewissem Maße ist das Informationssystem einer Dienststelle, besonders für die Grundlagenforschung, ein fortlaufender Bericht für die Leitung der Dienststelle, um dieser eine Vorstellung davon zu geben, was von wem getan wird. Diese Berichte sind aber kein wirksames bibliographisches Instrument für die Grundlagenforschung wegen der Begrenzung der von ihnen erfaßten Gebiete, was von ihrer inneren Voraussetzung als bibliographisches Instrument her in ernst zu nehmender Weise unvorteilhaft ist.

Das für eine Dienststelle entwickelte Informationssystem hat im allgemeinen weit mehr Gültigkeit für das Gebiet der Technik als für die Grundlagenwissenschaften, da die Technik selbst stark aufgabenorientiert ist und von vielen Einzeldisziplinen abhängt. Ein auf die technischen Aufgaben orientiertes Informationssystem ist deshalb sinnvoll und richtig. Außerdem ist die technische Literatur im allgemeinen weniger gut organisiert als auf dem rein wissenschaftlichen Gebiet; die technische Literatur, die oft in Form zwangloser Berichte vorliegt, kann außerhalb eines Informationssystems einer Dienststelle keine Heimstätte finden. Wäre sie nicht in Informationssystemen der Dienststellen erfaßt, wurden viele spezielle technische Berichte niemals festgehalten und wären für immer verloren.

D. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Informationsmaterial erarbeitenden Gemeinschaften; finanzielle Probleme

Die Unterschiedlichkeit der Informationssysteme läßt viele juristische und finanzielle Fragen aufkommen. Wie wir gesehen haben, wird Informationsmaterial von vielen verschiedenen Gemeinschaften erzeugt und bearbeitet: von technischen Gesellschaften, Regierungsdienststellen, privaten Verlegern sowie von technisch orientierten Firmen. Die Funktionen vieler dieser Organisationen überschneiden sich, einmal, weil einige dieser Gruppen um eine Aufgabe und einige um eine wissenschaftliche Disziplin herum ausgerichtet sind, zum anderen, weil in einer freien Gesellschaft eine Überschneidung und ein Verwischen scharfer Grenzen unvermeidlich ist. Daher sind manche Regierungsdienststellen in vieler Hinsicht wie ein regelrechtes technisches Verlagshaus tätig. Zum Beispiel gibt die AEC Bücher, Monographien und Zeitschriften heraus, die sie als sachdienlich für die Kernenergie erachtet. Parallel dazu wurden auf dem Gebiet der Kernenergie außerdem Publikationsbemühungen von zahlreichen privaten Verlagern unternommen; z. Z. gibt es in englischer Sprache drei Serien von Monographien über Fragen der Kernenergie, wovon eine von der AEC ins Leben gerufen und zum Teil subventioniert wird, während zwei von privaten Verlagern herausgegeben werden. In ähnlicher Weise überschneiden sich oft die Informationsprogramme der technischen Gesellschaften mit denen der Regierungsdienststellen; vor allem dort, wo eine aufgabenorientierte technische Gesellschaft gegründet wurde, um den Anforderungen der für eine bestimmte Regierungsdienststelle Arbeitenden zu entsprechen. Als zum Beispiel noch alles, was mit dem Gebiet der Kernenergie zusammenhängt, geheim war, wurden die gesamten Mitteilungen auf diesem Gebiet - Berichte, Tagungsveröffentlichungen, selbst Zeitschriften - von der ABC herausgegeben. Jetzt, da große Gebiete der Kernenergie nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen, ist ein großer Teil im Informationsprozeß von den aufgabenorientierten Gesellschaften, die sich um den Bereich der Kernenergie gruppiert haben, übernommen worden, z. B. von der American Nuclear Society, der Health Physics Society, der Radiation Research Society, der Society of Nuclear Medicine. Doch diese Übernahme ist nicht vollständig erfolgt; die AEC hält weiterhin die gesamte Literatur auf dem Gebiete der Kernforschung unter bibliographischer Kontrolle und sorgt für Informationsdienste, die von den der Regierung nicht unterstehenden Einrichtungen nicht erhältlich sind.

Das Überschneiden von privaten und öffentlichen Informationsdiensten, in diesem Falle von Informationssystemen, ist in unserer Gesellschaft traditionell. Können wir Kriterien dafür festlegen, die uns die Entscheidung ermöglichen, welche Teile des Informationssystems zum direkten Verantwortungsbereich der Regierung gehören, welche Teile von der Regierung subventioniert werden, aber unter privater Kontrolle bleiben, welche Teile vollständig privat sein sollten? Die Informationssysteme der Regierungsdienststellen haben sich entwickelt, ohne daß auf Regierungsebene irgendeine Richtung festgelegt worden wäre, die ihr Verhältnis zu entsprechenden Funktionen privater und gemeinnütziger Unternehmen bestimmt hätte; diese verwickelte Frage bedarf aber einer gewissen Lenkung.

Viele Regierungs-Informationssysteme sind besser finanziert als die nichtstaatlichen - zumindest ist die Regierung oft besser in der Lage, die Kosten eines Informationssystems, das sich nicht selbst trägt, aufzufangen, als eine private Institution, ob sie nun nach Gewinn trachtet oder gemeinnützig ist. Vor allem, wenn sie in den Händen eines energischen Direktors liegen und wenn der Administrator Interesse zeigt, können Regierungs-Informationssysteme sich durchaus leichter entwickeln als die nicht zur Regierung gehörenden, und diese Entwicklungsmöglichkeit könnte zu einer Erschwerung der Lage der privaten Informationssysteme führen. 'Wir müssen die Frage stellen, ob es eine solche Entwicklung gibt, und wenn es der Fall ist, ob es, alles in allem wünschenswert ist, daß das Endergebnis zu einem mehr oder weniger wirkungsvollen Informationssystem führt.

Es ist nicht etwa so, daß die finanziellen Schwierigkeiten unserer nichtstaatlichen Informationsorgane in einem beträchtlichen Ausmaß durch die Konkurrenz der staatlichen Informationsmaßnahmen verursacht wurden; die Hauptursache liegt in dem zu schnell gewachsenen Umfang der Informationsquellen. Die "Chemical Abstracts" enthielten im Jahre 1930 54.000 Referate; ein Abonnement durch Privatpersonen kostete 7.50 Dollar im Jahr, ein Abonnement durch eine Institution 12 Dollar. 1962 veröffentlichten die "Chemical Abstracts" 165.000 Referate, und 1963 wird der Preis für Mitglieder der American Chemical Society sowie für Colleges und Universitäten 500 Dollar im Jahr betragen und 1.000 Dollar im Jahr für alle übrigen Abonnenten. Obwohl mit diesen Preisen die Kosten für die Herausgabe der "Chemical Abstracts" in vollem Umfang gedeckt werden, bleibt dabei nichts übrig, um die Kosten für dringend erforderliche Experimente zur Erschließung neuer Wege für Referiermethoden und das Sachverhaltsaufschlusses chemischer Literatur zu decken. Insoweit die Bundesregierung der Hauptförderer sowohl der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung ist, ist sie für die finanzielle Lebensfähigkeit der Informationsorgane verantwortlich, ganz gleich, ob sie innerhalb oder außerhalb der Regierung liegen. Wenn die "Chemical Abstracts" oder die „Biological Abstracts" aus finanziellen Gründen ihr Erscheinen einstellen müßten, dann dürfte die Bundesregierung dem nicht untätig zusehen.

Schließlich kommen wir zu einer äußerst heiklen und vielleicht entscheidenden Frage bei der Diskussion über die Rolle der Regierung in Zusammenhang mit den technischen Informationssystemen. Die traditionellen, gewöhnlich durch die Einzeldisziplinen organisierten Informationskanäle stehen stark unter der Kontrolle der in der Praxis tätigen Techniker. Ein Informationssystem, das von denen kontrolliert wird, denen es dient, ist vielleicht in mancher Hinsicht weniger wirkungsvoll als ein monolithisches Regierungssystem; es hat jedoch den entscheidenden Vorteil, den Bedürfnissen seiner Nutzer gegenüber feinfühlig zu sein. Es war in allererster Linie diese wesentliche Eigenschaft des gegenwärtigen, sonst ziemlich auf dem Zufall beruhenden Informationssystems, daß sich der Baker-Ausschuß gegen die Errichtung eines allumfassenden, von der Regierung betriebenen Informationssystems wandte, bei dem die Kontrolle den Praktikern aus der Hand genommen ist, wenn auch die Absicht noch so gut sein mag. Diesem vom Baker-Ausschuß aufgeworfenen Gesichtspunkt muß große Aufmerksamkeit gewidmet werden, bevor eine starke Ausweitung des regierungseigenen Informationssystems in Betracht gezogen wird. Nichtsdestoweniger müssen wir erkennen, daß unsere Hauptsorge die Erhaltung der Stärke unserer Wissenschaft und Technik zu sein hat. Wir müssen nach Mitteln suchen, mit denen wir die Wirksamkeit unseres Informationssystems verbessern können, ohne die unseren traditionellen Methoden und Organisationen innewohnenden Werte zu opfern.

E. Die Schwierigkeiten der Berichts- und Vorabdruckliteratur

Für viele Berufsbibliothekare, besonders für diejenigen, die Bibliothekare wurden, bevor die formlosen Forschungs- und Entwicklungsberichte ihre jetzige dominierende Stellung einnahmen, ist der technische Bericht, soweit es sich um Regierungsberichte handelt, der Schwerpunkt der gegenwärtigen Krise des Informationswesens. Und der Berufsbibliothekar hat wirklich Grund zur Beunruhigung. In den USA werden täglich über 100.000 formlose Regierungsberichte - davon haben 75.000 keinen geheimen Charakter - gegenüber 450.000 Arbeiten, die in den amerikanischen technischen Standardzeitschriften erscheinen, geschrieben. Das Material, das in den Standardzeitschriften erscheint, steht unter bibliographischer Kontrolle; es wird im allgemeinen referiert und wird damit zu einem Teil des ständigen Informationsbestandes. Dies ist bei Forschungs- und Entwicklungsberichten, von denen die meisten die Ergebnisse der Arbeiten in den regierungseigenen Laboratorien oder der Vertragsforschung enthalten, zu selten der Fall. Die an der Dokumentation Beteiligten haben eine zwiespältige Meinung gegenüber den formlosen Berichten; in einigen Fällen wird ihr Bestehen anerkannt und ihr Inhalt in die Referatezeitschriften aufgenommen, in anderen Fällen werden sie nicht anerkannt. Sie sind es angeblich nicht wert, als Teil des ständigen Informationsbestandes festgehalten zu werden, sofern ihr Inhalt nicht schwarz auf weiß in einer Standardzeitschrift erscheint. Ob diese Einstellung gerade für die Grundlagenforschung tragbar ist, ist die Frage; sie ist sicher nicht tragbar für die technologische Entwicklung. Hier war der formlose Bericht schon immer mehr als der Zeitschriftenartikel zum Hauptträger der Publikation geworden. Viele Firmen, die Entwicklungsarbeiten durchführen, besaßen lange vor der während des Krieges entstandenen Sintflut von Regierungsberichten völlig ausgearbeitete interne Berichtssysteme. Weil jetzt so viel Entwicklungsarbeit vom Staat geleistet wird, ist ein großer Teil aller technischen Informationen, besonders auf dem Gebiet der Entwicklung, in der staatlichen Berichtsliteratur enthalten: das war ein unbedeutendes Problem, solange die Entwicklungsarbeit des Staates unbedeutend war, heute verursacht es, da die von der Regierung geförderte Entwicklungstätigkeit beherrschend geworden ist, heftiges Kopfzerbrechen.

Einige Grundlagenwissenschaftler sehen in einer Variante des formlosen Berichts - dem Vorabdruck (preprint) - den Beginn für den Zusammenbruch des Informationssystems der Grundlagenforschung. Auf vielen, miteinander in Wettstreit liegenden, sich schnell entwickelnden Gebieten der Grundlagenforschung, wie z. 3. der Molekularbiologie, ist die Publikationsmaschinerie der Standard-Zeitschriften zu langsam, um den Bedürfnissen der Wissenschaft in vollem Maße zu dienen. Daher ist es unter den Wissenschaftlern üblich geworden, Vorabdrucke von Artikeln unter Kollegen auszutauschen. Eine derartige Form der Verbreitung, die auf die frühesten Tage der Wissenschaft zurückgeht, als neue Ergebnisse durch persönliche Briefe mitgeteilt wurden, hat den Vorzug, schnell zu sein. Sie trägt aber auch den Keim ernstlicher Störungen für die Wissenschaft in sich; denn eine solche Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse wird weder inhaltlich noch bibliographisch kontrolliert (das geht so weit, daß viele Bibliothekare nicht einmal etwas von deren Existenz wiesen). Die Verteilerliste für Vorabdrucke umfaßt gewöhnlich einige hundert Kollegen des Autors, und das steht im Widerspruch zur weitgehenden Verbreitung der Wissenschaft. Ein Vorabdruck muß nicht über einen kritischen Referenten gehen, die Vorabdruck-Literatur ist verantwortungsfrei und gibt daher nicht der Gesellschaft, wie das bei der referierten Literatur der Fall ist, die Gewißheit über die Zuverlässigkeit der von ihr unterhaltenen Wissenschaft. Insgesamt gesehen, hat das System der Vorabdrucke auf einigen Gebieten der Grundlagenwissenschaft ein Informationsproblem hervorgerufen, das in bestimmter Hinsicht ebenso ernst ist wie das von den formlosen Berichten geschaffene: in beiden Fällen handelt es sich um ein nichtredigiertes Produkt, es wird privat verbreitet, es ist nicht referiert und schwer wiederaufzufinden. Die Wissenschaft muß nach Möglichkeiten suchen, wie sie die Schnelligkeit des Vorabdrucks erhalten und doch dessen privaten Charakter und seine Verantwortungsfreiheit vermindern kann. Eine schnelle Veröffentlichung von Vorabdrucken in Standardzeitschriften und das Zurückziehen von Vorabdrucken, die schon veröffentlicht wurden, könnten offensichtlich Hilfe bringen.

F. Entwicklung der Informationstechnik

Die Zunahme von veröffentlichtem Informationsmaterial hat die Erfindung vieler neuer Verarbeitungs- und Suchmethoden begünstigt. Am bekanntesten sind die auf automatischen Maschinen beruhenden Systeme für das Wiederauffinden. Zusätzlich gibt es sinnvolle neue Wege zum Katalogisieren von Titeln, z. B. Titel-Permutationen x), zum Zugänglichmachen der Literatur (Zitierindizes), zur Herstellung von Referaten oder Übersetzungen (auf automatischem Wege), zum Reduzieren des äußeren Umfangs von Dokumenten (Mikrofilm, Mikroplanfilm) und zum Vervielfältigen gedruckten Materials.

Die Erfindung der neuen Methoden des Wiederauffindens beginnt jetzt Einfluß auf unsere traditionelle Informationsvermittlung auszuüben. Es ist möglich, daß die bisherigen Formen des Buches, der Zeitschrift und der Nachdrucke einer maschinellen Speicherung von graphischen und digitalen Informationen und maschinell hergestellten Vervielfältigungen weichen werden. Das technische Verlagswesen wird vielleicht nach und nach zu einer Einrichtung der Informationstechnik umgewandelt, bei dem die Druckerpresse als ein Mittel der Massenherstellung identischer Dokumente nicht länger eine entscheidende Rolle spielt.

Die mechanischen Anlagen sind in zwei Verfahren geteilt, in graphische und digitale. Jene behandeln das direkte Fotografieren von Dokumenten und sie erfordern eine Interpretation (d. h. Lesen) durch den Menschen, um die in ihnen enthaltene Information zu ermitteln. Die digitalen Verfahren, die Informationen verarbeiten, umfassen ein weites Feld.

Das eine Extrem speichert im automatisch hergestellten Register in der Maschine einige wenige Schlag- oder Schlüsselwörter des geistigen Inhalts eines Dokuments. Diese Systeme können die gewünschte Information automatisch wiederauffinden, wenn sich die Frage in adäquater Weise in solchen einfachen Begriffen darstellen läßt. Indessen ist das Ausmaß an menschlicher Arbeit, das benötigt wird, um einen Informationsbereich intensiv zu indexieren, ein ernster Nachteil solcher Systeme. (So würden z. B. 10 000 Chemiker ein Jahr lang arbeiten müseen , um alle Chemiepatente der USA aufzubereiten).

Im anderen Extrem könnte der gesamte Text digital gespeichert werden, so etwa mit Hilfe des Lochstreifens, der zur Herstellung eines Buches bei der Monotype-Setzmaschine benutzt wird. Faktisch gibt es bisher keine geeigneten Methoden für das rein mechanische Wiederauffinden aus einem solchen Speicher, wenn es allerdings auch zu erwarten ist, daß in den nächsten zehn Jahren solche Methoden entwickelt werden.

Ein Charakteristikum jedes nicht-trivialen Systems des Wiederauffindens von Informationen ist die erforderliche große Anzahl von Informationen in Form gespeicherter Bits und der geringe Umfang des maschinellen Prozesses (im Vergleich zur numerischen Datenverarbeitung). Eine auf dieses Charakteristikum ausgerichtete Anlage steht noch nicht zur Verfügung, ist aber technisch möglich.

Weil viele Methoden und Anlagen zur Bearbeitung von Informationen so neu sind, werden ihre Grenzen noch nicht voll erkannt; insbesondere wird gewöhnlich nicht erkannt, daß die neuen Systeme im allgemeinen nicht so sehr "Informationen" als vielmehr "Dokumente" liefern. Diejenigen, die neue Systeme vorschlagen, empfehlen diese den interessierten Informationskreisen oft sehr eindringlich und voller Eifer und Enthusiasmus und der Dokumentalist oder Administrator muß dann entscheiden, wieviel er davon akzeptiert oder ablehnt. Es wurden komplizierte automatische Systeme sowohl innerhalb wie außerhalb des Regierungsbereiches gekauft, bevor ihre tatsächliche Nützlichkeit eingeschätzt worden war. Es ist daher von Bedeutung, die Möglichkeiten und Grenzen der automatischen Systeme zum Wiederauffinden von Informationsmaterial zu kennen. Administratoren und Dokumentalisten müssen sich ein besseres Verständnis für die moderne Informationstechnologie aneignen, so daß sie komplizierte und kostspielige Rechenmaschinen nicht mehr als ein magisches Allheilmittel für ihre Informationsnöte ansehen.

G. Der Studierende

Die Größe des Informationsproblems sowie die Weiterentwicklung der Informationstechnik legen dem Studierenden neue Belastungen auf. Er muß viel mehr über sein Fachgebiet lernen und er muß viel mehr als die Studenten früherer Generationen lernen, wie er die Verbindung mit seinem Fachgebiet aufrechterhalten kann. Würden wir nicht das Informationsproblem verbessern, wenn wir verlangten, daß jeder junge Wissenschaftler oder Techniker über die Methoden der Informationsvermittlung Bescheid weiß, ebenso wie wir jetzt damit beginnen, von ihm das Verständnis für die Technologie der Rechenmaschinen zu verlangen? In vielen wissenschaftlichen und technischen Ausbildungseinrichtungen wurden von Fall zu Fall Kurse über die Benutzung von Literatur und über die Informationsvermittlung geboten. Würden mehr solcher Kurse und eine weitere Verbesserung des Lehrstoffes helfen, auf dem laufenden über neue Informationstechnologien zu bleiben? Diesen Fragen soll im Teil 3 dieses Berichtes nachgegangen werden.

H. Internationale Aspekte der wissenschaftlichen Information

Schließlich berühren wir noch kurz Probleme, die entstanden, weil Wissenschaft und Technik internationale Unternehmungen sind. Historische Zufälle haben die Welt politisch zerstückelt und diese politische Zerstückelung steht im Widerspruch zur Einheit der Wissenschaft. Dessenungeachtet haben Wissenschaftler im Laufe der Jahre ziemlich wirksame Methoden entwickelt, um ihre politische und geographische Isolierung zu überwinden - sie haben internationale Vereinigungen gegründet, sie tauschen Sonderdrucke aus, sie führen viele internationale Treffen durch. Doch das Wachstum der Wissenschaft komplizierte die Arbeit dieser internationalen Instrumente, die entstanden waren, um den Wissenschaftlern des einen Landes den Meinungsaustausch mit denen eines anderen Landes zu ermöglichen. Alle Probleme, die für die Informationsvermittlung im eigenen Land von Einfluß sind, gelten auch für den internationalen Gedankenaustausch, jedoch mit einer gewissen zusätzlichen Komplizierung; am sichtbarsten ist der Sprachunterschied. Erhebliche Fortschritte wurden auf dem Gebiet der maschinellen Übersetzung wissenschaftlichen Materials erzielt, und der Arbeitskreis glaubt, daß die maschinelle Übersetzung das Erlernen von Fremdsprachen vermindern könnte.

Weiter kompliziert die geographische Zersplitterung die Dualität von Aufgabe und Fachdisziplin: zu den aufgaben- und fachdisziplinmäßig organisierten Informationssystemen kommen die nach geographischen Gebieten organisierten Informationssysteme hinzu, und eine Verbindung zwischen diesen Systemen ist schwer herzustellen. So haben alle Atomenergiekommissionen - die französische, britische, sowjetische z. B. ebenso wie die amerikanische - ihr eigenes Informationssystem. Innerhalb des französischen und des britischen, bis zu einem gewissen Grade auch innerhalb des sowjetischen Systems entstandene nicht geheime Berichte werden auch im amerikanischen System gesammelt und referiert, und umgekehrt; aber die ausländischen Berichte finden nur relativ langsam Eingang in das inländische System, und es gibt viel Doppelarbeit. Was für das Informationssystem auf dem Gebiet der Kernenergie gilt, trifft sogar noch stärker für Informationssysteme von Fachgebieten zu, die eine lange unabhängige nationale Publikationstradition haben: hier gibt es Überschneidungen, Doppelarbeit und eine generelle geringe Wirkung. Ein der Überlegung werter Schritt zur Verbesserung wäre, im Ausland eine Anzahl von technischen Depots einzurichten, vergleichbar mit den 12 regionalen Depots, die gemeinsam von Department of Defense, National Aeronautics and Space Administration, Atomic Energy Commission und National Science Foundation errichtet wurden. Diese Zentren sind zweckdienliche Hilfsmittel zur Auswertung von Regierungsberichten, und sie können helfen, unsere in vielen Ländern bestehenden Informationsmöglichkeiten zu verbessern.

Ein Aspekt der internationalen Informationsverbindung verleiht dieser eine einzigartige Bedeutung. Die Wissenschaft als gemeinsames Unternehmen der Menschheit besitzt große Kraft als ein Erzeuger eines internationalen guten Willens. Die internationalen wissenschaftlichen Organisationen, wie die internationalen Vereinigungen, wurden ursprünglich gegründet, um das Problem des wissenschaftlichen Meinungsaustausches zu lösen, und im allgemeinen bedeutete internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft in erster Linie Zusammenarbeit beim Austausch wissenschaftlicher Ergebnisse. Jede weitere Verbesserung des internationalen Systems der wissenschaftlichen Informationsvermittlung wird direkt zum Grundgedanken internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft vordringen und eine entsprechende Auswirkung haben, nämlich die Wissenschaft zu einem kraftvolleren Instrument für die internationale Verständigung machen.


x) Die früheste Erwähnung dieses Prinzips erscheint bei A. Crestadoro: "Art of Making Catalogues of Libraries", London 1856


Teil 3: 
VORSCHLÄGE: DIE TECHNISCHE GEMEINSCHAFT

Im vorhergehenden Abschnitt haben wir verschiedene ungelöste Probleme unseres Informationssystems dargelegt. Wir unterbreiten in diesem und im nächsten Abschnitt Vorschläge für die technische Gemeinschaft und für die Regierungsdienststellen zur Behebung einiger der von uns festgestellten Mängel. Unsere Vorschläge für die technische Gemeinschaft werden überwiegend die Verbesserung des Informationsflusses betreffen, insoweit dieser Prozeß mehr vom geschriebenen als vom gesprochenen Wort abhängt; unsere Vorschläge für die Regierung werden darauf abzielen, die Regierungsorganisationen, die sich mit der Bewältigung von Informationsmaterial befassen, zu stärken.

A. Die Autoren müssen sich mehr für das Wiederauffinden von Informationsmaterial verantwortlich fühlen

Wir haben gesehen, daß die Informationsvermittlungskette in diejenigen Teile zerlegt werden kann, die dem Autor (Initialerzeugung) obliegen, und in solche, die dem Dokumentalisten und dem Nutzer obliegen (Verbreitung, Katalogisieren, Speichern und Wiederauffinden). Traditionsgemäß haben die Autoren nur eine geringe Verantwortung für die späteren Glieder der Informationsvermittlungskette. Diese strenge Aufgabentrennung vermehrt die Schwierigkeiten des Wiederauffindens von Informationsmaterial. Die Autoren sollten ihre Artikel weit mehr unter verständnisvoller Berücksichtigung der späteren Verbreitung und des Wiederauffindens schreiben als das bisher bei ihnen Brauch war. Die Verantwortlichen von Primärveröffentlichungen (Herausgeber, Verleger, technische Gesellschaften) müssen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, das Wiederauffinden der von ihnen veröffentlichten Informationen zu erleichtern.

Der einzelne Autor kann auf vielfache Weise helfen. So sollte der Titel eines technischen Artikels eines der einfachsten und wirksamsten Mittel des Ankündigens und Wiederauffindens sein; jedoch sind die Titel, besonders von Patentschriften, oft inhaltslos. Der Wert eines Titels als eines bibliographischen Hilfsmittels hängt davon ab, wie gut und wie präzise er die Substanz des Artikels vermittelt. Die Autoren sollten spezifische und aussagekräftige Wörter verwenden, die wirklich nützlich für denjenigen sind, der versucht, den Inhalt eines Artikels vom Titel her zu beurteilen. Lektoren, Herausgeber von Zeitschriften und Patentprüfer verlangen häufig, daß schlecht abgefaßte Artikel oder Patentschriften noch einmal geschrieben werden; sie müssen auch fordern, daß schlecht betitelte Artikel oder Patentschriften neu betitelt werden.

Eng verknüpft mit Titeln sind Schlüsselwörter und Thesaurus-Klassifikationen. Viele Zeitschriften verlangen heute von ihren Autoren, daß diese ihre Artikel mit Schlüsselwörtern kennzeichnen, die einem verbindlichen Thesaurus entnommen sind. Auf einigen Gebieten, zum Beispiel in der Kernspektroskopie, fallen die Daten unter derart festumrissene und unveränderliche Kategorien, daß die Autoren mit der Angabe von Schlüsselwörtern eine sehr vollständige Darlegung des Inhaltes ihrer Artikel liefern können. Selbst auf einem so ausgedehnten Gebiet wie der Technik wird das Kennzeichnen mit Schlüsselwörtern erfolgreich praktiziert. Das American Institute of Chemical Engineers fordert heute Schlüsselwörter zu jedem Artikel, und der Engineers Joint Council bereitet einen Thesaurus für das Gebiet der Technik vor. Einige Fachgebiete, besonders jene, in denen viele Disziplinen miteinander verknüpft sind, eignen sich nicht so gut für eine Schlüsselwörter-Kennzeichnung, dennoch rechtfertigt die Nützlichkeit von Schlüsselwörtern, besonders beim Wiederauffinden mittels Rechenmaschinen, deren möglichst weitgehende Anwendung.

Was für Titel und Schlüsselwörter gilt, trifft auch für Referate zu. Keiner kann einen Artikel ökonomischer referieren als der Autor; jedoch verlangen viele Zeitschriften kein Autorenreferat. Wir möchten vorschlagen, daß jedem Artikel ein Autorenreferat beigegeben und das vom Herausgeber der Zeitschrift akzeptiert wird und daß jeder Herausgeber (vielleicht in einem besonderen Übersichtsteil) auf Referate besteht, deren Form und Inhalt den Lesern der Fachzeitschrift am besten dient.

B. Unnötige Veröffentlichungen sollten unterbleiben

Eine einfache aber dringende Empfehlung an die Autoren ist, von unnötigen Veröffentlichungen Abstand zu nehmen. Die Literatur ist schon immer mit dürftigen und überflüssigen Beiträgen durchsetzt gewesen und wird es wohl auch bleiben. Schließlich spiegelt die Qualität des Veröffentlichten den guten Geschmack und das Urteilsvermögen des einzelnen Autors wider. Eine an die Autoren gerichtete Mahnung, voreiliges und unnötiges Publizieren zu vermeiden, wird nur von geringer Wirkung sein, solange die Haltung der gesamten technischen und wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht Zurückhaltung und guten Geschmack fördert. Doch es gibt weit mehr, was zur Quantität als zur Qualität von Veröffentlichungen drängt. Diejenigen, die die Forschungsarbeiten unterstützen, können viel leichter beurteilen, wie viele Artikel veröffentlicht wurden, als daß sie deren Wert beurteilen könnten. Wenn der Umfang der Veröffentlichungen auf einem Fachgebiet so groß wird, daß viele Beiträge ungelesen bleiben, dann vermindert sich das Ansehen, das sonst mit Recht der Abfassung eines Artikels beigemessen werden kann. Der technische Artikel als eine Werteinheit zur Einschätzung des Ansehens eines Wissenschaftlers wird entwertet, und die Administratoren sollten dies beachten, wenn sie auf häufiges Publizieren bestehen.

Auch unzulängliche Verbindungen zwischen Informationssystemen begünstigen ein überflüssiges Publizieren. Wenn diejenigen, die an bestimmten Resultaten eines Wissenschaftlers interessiert sind, nicht zum Leserkreis einer Zeitschrift gehören, dann sieht sich der Wissenschaftler genötigt, das gleiche Material nicht nur einmal, sondern zweimal oder sogar noch öfter zu publizieren. Da die z. Z. vorhandene Informationsvermittlung auf Zeitschriften orientiert ist, ist solche Doppelarbeit wichtig, wenn die Information an den möglichen Interessentenkreis vermittelt werden soll. Die Notwendigkeit der Doppelpublikation kann verringert werden, indem die Überwachung des Schriftgutes aller Art so verbessert wird, daß sie zuverlässiger und in größerem Umfang leistungsfähiger wird.

In einem gewissen Maße wird doppeltes Publizieren immer notwendig sein; insbesondere muß infolge der Dualität von Aufgabe und Fachgebiet das gleiche Material für die Benutzer der aufgabenorientierten wie der fachorientierten Systeme leicht verfügbar sein. Doch den Erfordernissen der Benutzer beider Systeme könnte besser durch eine Veröffentlichung in nur einem System gedient werden, wenn der Informationstausch - in Form von Titelankündigungen, Referaten, Nachweisdiensten - zwischen den beiden Systemen schnell und leistungsfähig wäre. Verbesserungen dieser Zusammenarbeit, zum Beispiel in Form eines schnellen Austauschs von permutierten Titellisten, sind technisch jetzt durchführbar und sollten weitgehend angewandt werden.

Viele Regierungsdienststellen haben versucht, eine Publikation des gleichen Primärmaterials sowohl in ihrem Berichtssystem wie in den damit sich deckenden Systemen technischer Gesellschaften zu vermeiden, indem sie die Primärpublikation in der zugänglichen (gewöhnlich auf der Fachgrundlage beruhenden) Literatur begünstigten. Sonderdrucke des so publizierten Materials werden von dem Dienststellensystem erworben, und diese Sonderdrucke werden archiviert und in der regulären Titel- oder Referatezeitschrift des Dienststellensystems angezeigt. Diese Methode funktioniert dort gut, wo das Arbeitstempo des Dienststellensystems und das der fachorientierten Systeme miteinander vergleichbar sind. Leider kann, besonders auf dem Gebiet der Technik, eine sich schnell entwickelnde Dienststelle das Tempo ihres Informationssystems nicht dem einer archivalisch verfahrenden fachorientierten technischen Gesellschaft anpassen. Dennoch sollten die Dienststellen in größtmöglichem Ausmaß für Primärpublikationen die zugängliche Literatur empfehlen, und sie sollten dazu bereit sein, sich bessere Austauschverfahren zwischen ihrem System und der zugänglichen Literatur zu eigen zu machen, sobald solche verfügbar werden.

C. Die amerikanischen Bücher auf dem Gebiet der Technik müssen verbessert werden

Die bisherigen Vorschläge beziehen sich auf diejenigen Teile der Informationsvermittlungskette, bei denen die Überschneidung der Aufgaben des Autors mit denen des Dokumentalisten klar zu erkennen ist. Bei anderen Teilen deckt sich die Aufgabe des Autors nicht so deutlich mit der des Dokumentalisten; diese Teile betreffen den Inhalt und die Ausdrucksweise dessen, was der Autor übermitteln will, ganz gleich, ob es sich um eine bereits bekannte oder um eine neue Information handelt. Kurz, wir meinen, daß ein klares und knappes Schreiben an sich schon die Wege der Information ebnen und die Mechanismen zum Wiederauffinden verbessern dürfte.

Wir sind der Überzeugung, daß zu viele wissenschaftliche Bücher hastig und ohne die Sorgfalt geschrieben werden, die ihre Themen erfordern. Ein gutes Buch zu schreiben erfordert einen großen Aufwand an Zeit und Arbeit. Dazu gehört auch die Klärung vieler Gedanken, die man ausreifen lassen will, das Durcharbeiten einer umfangreichen, sich wiederholenden, oft unklaren Literatur sowie die sorgfältige Gliederung und Neufassung des gesamten Themas. Eine Hauptaufgabe, vor der unsere amerikanische technische Gemeinschaft steht, ist es, nicht nur mehr, sondern bessere Bücher zu schreiben.

Ein Weg, zu besseren Büchern zu kommen, besteht darin, anerkannte Autoritäten als Autoren zu gewinnen und sie für ihre Tätigkeit wirklich gut zu bezahlen. Wir möchten den Regierungsdienststellen wie allen anderen Institutionen dringend nahelegen, das Schreiben von Büchern, die Übersichten oder Zusammenfassungen geben, in gleicher Weise wie die Forschung zu fördern. Nach unserer Meinung sollten die Dienststellen hinsichtlich der Honorierung der Autoren eine Politik einschlagen, die das Schreiben von Büchern durch kompetente, in den Dienststellen wirkende Persönlichkeiten eher begünstigt als hindert. Insbesondere meinen wir, daß die Regierungsstipendien für Forschung und Ausbildung auch für das Schreiben von Büchern zur Verfügung gestellt werden sollten.

D. Die technische Gemeinschaft sollte dem Rezensenten größere Anerkennung geben

Wissenschaftliche Übersichten, Artikel und empfehlende Bibliographien spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Milderung der Informationskrise. Sie dienen den spezifischen Bedürfnissen sowohl des mit dem Gebiet vertrauten Forschers als auch des fortgeschrittenen Studierenden, der in das Arbeitsgebiet eintritt, wie auch den Bedürfnissen des Nichtspezialisten. Das Schreiben von Übersichten ist eine Aufgabe, würdig der besten Köpfe, die fähig sind, große Gesamtheiten von Ergebnissen zu überblicken, sie kritisch zu untersuchen, sie miteinander zu vereinen und sie erneut zu verdeutlichen. Die Beziehung des Rezensenten zu den vorhandenen, aber weit verstreuten Einzelfakten des Wissens ähnelt der Beziehung des Theoretikers zu den verfügbaren Einzelfakten experimentell gewonnenen Informationsmaterials. Um die wachsende Bedeutung des Rezensenten und auch die zunehmenden Schwierigkeiten, denen er gegenübersteht, hervorzuheben, sollten wissenschaftliche und technische Gesellschaften seine Arbeit durch gute Bezahlung und mit der gleichen Achtung lohnen, die bislang dem Entdecker experimenteller Information vorbehalten blieb. Die Persönlichkeiten, die gebeten werden sollen, Übersichten (thematische Fortschrittsberichte) zu schreiben, oder aufgefordert werden, Übersichtsartikel über ein bestimmtes Thema zu liefern, sollten von den wissenschaftlichen Gesellschaften ebenso sorgfältig ausgewählt werden wie diejenigen, denen Ehrungen zuteil werden oder die in den Lehrkörper einer Universität berufen werden sollen.

Hand in Hand mit der steigenden Anerkennung des Autors von Übersichten sollte gehen, daß dieser in zunehmendem Maße seine wachsende Verantwortung selbst erkennt. Er sollte seinen Gegenstand unparteiisch prüfen und seinem eigenen Beitrag die gleiche Aufmerksamkeit wie den Beiträgen anderer zuwenden. Er sollte nach nicht gelösten Problemen und erfolgversprechenden Gebieten für die zukünftige Arbeit mit derselben Sorgfalt suchen, wie er bereits vorhandene Erkenntnisse beurteilt. Er sollte auch auf Bereiche hinweisen, auf denen ein weiteres Arbeiten notwendig ist.

E. Moderne psychologische Erkenntnisse über die Nachrichtenübermittlung sollten nutzbar gemacht werden

Neue Informationen könnten leichter assimiliert und dementsprechend leichter wiederaufgefunden werden, wenn die Autoren besser schrieben. Wir verstehen den Übermittlungsprozeß noch nicht gut genug, um zu erkennen, wie unsere natürliche Sprache zu einem Instrument für die wirksamste Darbietung wissenschaftlicher und technischer Information gemacht werden kann; immerhin sind Fortschritte gemacht worden. Diese Fortschritte in unserem Verständnis für den Übermittlungsprozeß sollten den Autoren und denen, die Informationsmaterial bearbeiten, bekannt werden, und sie sollten zur Verbesserung unseres technischen Schrifttums eingesetzt werden. Es sollten aber auch andere Hilfsmittel außerhalb der Verbesserung des natürlichen sprachlichen Ausdrucks nicht außer acht gelassen werden. Wenn wir auch die Gefahr der Schaffung zu vieler hochspezialisierter Sprachen erkennen, so weisen wir doch darauf hin, daß Symbole oder Konventionen statt allgemein bekannter Ausdrücke oder zur Beschreibung der Instrumentationsmethoden Umfang der Literatur vermindern und ihr Wiederauffinden erleichtern könnten. Oder es könnten auch verständig angewendete journalistische Techniken wie verschiedene Schrifttypen, kennzeichnende Satzanordnung, verschiedene Farben helfen, die technische Literatur leichter aufnehmbar zu machen. Viele dieser Techniken werden vielleicht von denen, die in einer konservativen Gelehrtentradition erzogen wurden, abgelehnt werden, doch wenn weitere Studien und Experimente die Wirksamkeit dieser Techniken erweisen, sollte die technische Gemeinschaft ihre Anwendung in Betracht ziehen.

F. Unsere Wissenschaftler und Ingenieure sollten sich klar ausdrücken

Sehr viel offenkundiger als irgendein Versagen unseres Verständnisses für den Informationsprozeß selbst oder für die mögliche Anwendung journalistischer Techniken ist unsere Unfähigkeit, die englische Sprache richtig zu gebrauchen. Unser Arbeitskreis ist - ebenso wie viele andere, die über das Informationsproblem geschrieben haben - ernstlich darüber besorgt, daß so viele amerikanische Wissenschaftler und Ingenieure weder ein einwandfreies Englisch sprechen noch schreiben können, daß die neue Sprache der Wissenschaft und Technik schwülstig, schwerfällig und unklar ist. Dies ist aber ein Problem, das über die Aufgaben des Arbeitskreises hinausgeht. Die Saat für einen guten sprachlichen Ausdruck wird in der Familie sowie in der Grund- und Oberschule gesät. Dennoch empfehlen wir nachdrücklich, daß die wissenschaftlichen und technischen Fakultäten viel mehr schriftliche Ausarbeitungen als Teil der normalen Vorlesungsarbeiten verlangen sollten, und daß die Fähigkeit des klaren Ausdrucks von unseren technischen Schulen zu einer feststehenden Forderung für die erfolgreiche Graduierung gemacht wird.

G. Die Informationstechnik muß breit gelehrt werden

Doch unsere Schulen und Hochschulen werden noch mehr zu tun haben, als lediglich auf der Beherrschung der Sprache zu bestehen. Sie werden auch auf der Beherrschung der Technik des Wiederauffindens von Informationsmaterial zu bestehen haben. Der Ingenieur trägt als Autor zur explosionsartigen Ausweitung des Informationsmaterials bei; als Benutzer von Informationen wird er von dieser Explosion überwältigt. Deshalb muß er imstande sein, sich nicht nur selbst klar, kurz, präzise sowie unter gebührender Berücksichtigung des späteren Wiederauffindens des von ihm Geschriebenen auszudrücken; er muß auch die neue Technik und die Geräte für die Informationsverarbeitung kennen. Diese Fertigkeiten unserer jungen Technikergeneration zu übermitteln, ist Aufgabe unserer Hochschulen, Universitäten und technischen Lehranstalten. Sie müssen die Technik der Infomationsvermittlung viel nachdrücklicher lehren, als sie das in der Vergangenheit getan haben.

Die wissenschaftlichen und technischen Hochschulen haben einige Ausbildungsmöglichkeiten in der Benutzung von Literatur und in der Technik der Informationsvermittlung geboten, doch waren ihre Bemühungen sporadisch. Nur auf den Gebieten, in denen die Informationskrise klar erkannt wurde, namentlich in der Chemie, hat man eine gute Ausbildung im Auffinden von Literatur vermittelt. Einige chemische Fakultäten haben von ihren Studenten schon seit Jahren verlangt, daß sie an Kurzlehrgängen über Literaturbenutzung teilnehmen, und viele sind zu dem wirksameren Verfahren übergegangen, die aktive Literaturarbeit zu einem Bestandteil der Arbeit in den Kursen, wie z. B. für qualitative organische Analyse, zu machen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, daß der in der Praxis stehende Chemiker später eine größere Fertigkeit in der Literaturbenutzung als die meisten seiner Kollegen in anderen Wissensdisziplinen zeigt. Andererseits erhalten Techniker kaum eine Schulung in der Literaturarbeit, und sie verrichten ihre tägliche Arbeit, ohne die gewaltigen Hilfsmittel zu beachten, die ihnen zur Verfügung stehen. Wir freuen uns, daß der Engineers` Joint Council diesen ernsten Mangel erkannt hat und jetzt Pläne macht, um dieser Situation abzuhelfen. Wir möchten noch einen Schritt weiter gehen und vorschlagen, daß alle fachlich orientierten Gesellschaften auf den Gebieten der Wissenschaften und der Technik es zu ihrer offiziellen Aufgabe machen, eine Ausbildung im Abfassen und im Benutzen von Literatur als Teil des Lehrplans zu verlangen. Die Gremien zur Akkreditierung von Hochschulen sollten nicht nur, wie in der Vergangenheit, die Brauchbarkeit der Bibliothek, sondern auch die Methoden, die ihre Benutzung fördern und erleichtern, untersuchen. Dies wurde bereits seit vielen Jahren von dem Komitee für Fachausbildung der American Chemical Society getan. Regierungsdienststellen, welche die Forschungsarbeit an einer Universität unterstützen, sollten die Unterstützung der Bibliothek als eine berechtigte Ausgabe anerkennen.

Die Bemühungen, mehr für eine angemessene Schulung auf dem Gebiet der Informationsvermittlung und des Wiederauffindens von Informationsmaterial zu sorgen, stoßen auf verschiedene Schwierigkeiten. Man muß dafür die Unterstützung durch die Hochschulverwaltungen und die Leiter der Fakultäten gewinnen. Es gibt zu wenig Professoren, die selbst genügend Erfahrungen in der Literaturarbeit haben, um in der Lage zu sein, die modernen Techniken wirksam zu lehren. Die Studenten selbst müssen sich dafür begeistern, zu erlernen, wie sie die Informationsprobleme, auf die sie in ihrer Laufbahn sicherlich stoßen werden, meistern können. Man sollte nicht übersehen, daß Anfänger in wissenschaftlichen und technischen Berufen für ihr berufliches Verhalten gewöhnlich das ihres Fachtutors zum Vorbild nehmen. Nur, wenn die technische Gemeinschaft selbst ein positives und aktives Verhältnis zur Information gewinnt, wird dies auch bei ihren Studenten der Fall sein.

Wir anerkennen und unterstützen die Programme der NSF, die die Ausbildung von Lehrern für das Gebiet der wissenschaftlichen Dokumentation zum Ziel haben. Wir empfehlen auch, daß mehr Lehrmaterial, insbesondere Bücher, als Unterlagen für Jahrgänge auf dem Gebiet der technischen Information vorbereitet wird. Es stimmt zwar, daß Bücher zu diesem Thema zur Verfügung stehen; jedoch wurden die meisten davon zu einer Zeit geschrieben, in der das Problem der wissenschaftlichen Information weniger kritisch war als heute. Sie zielen im allgemeinen nur darauf ab, dem Autor zu helfen, seine Ideen und seine Persönlichkeit hervorzuheben. Was zusätzlich gebraucht wird, das sind Bücher, in denen die vollständige Rolle des Autors in der Informationsvermittlungskette erfaßt wird und die neuesten Entwicklungen sowohl auf dem Gebiet der Informationstechnik als auch jener Teile der Psychologie und Informationstheorie, die sich auf das Informationsproblem beziehen, beschrieben werden.

H. Der technische Dokumentalist muß anerkannt und unterstützt werden

Selbst wenn der einzelne Wissenschaftler und Ingenieur eine größere Fertigkeit in der Literaturarbeit erlangt, so gibt es offensichtlich doch mehr veröffentlichte Literatur, als der einzelne im Durchschnitt in allen Einzelheiten bewältigen kam. Der Mann der Technik bedarf daher der ständigen und zunehmenden Unterstützung von Fachleuten, die wirklich wissen, wie man die Literatur in vollem Umfang ausnutzen kann, und die in der Lage sind, weitere Verbesserungen in der Technik des Informationsflusses zu entwickeln.

Deshalb unterstützen wir nachdrücklich die Bemühungen der NSF, Hochschul- und Universitätsprogramme mit dem Ziel zu entwickeln, mehr Studenten der Wissenschaften und der Technik für eine Laufbahn in der technischen Information zu gewinnen. Ein wissenschaftlicher oder Ingenieurgrad mit einem zusätzlichen Diplom auf dem Gebiet der technischen Dokumentation könnte ein passendes Vorbild sein. Wir empfehlen auch, daß die Berufsberater der Oberschulen mehr über die Möglichkeiten einer Laufbahn im modernen technischen Bibliothekswesen erfahren. Die Bibliothekare haben bisher sehr zögernd auf die vollständig neuen Methoden des Verbreitens, Speicherns und Wiederauffindens von Informationen reagiert. Wir glauben, daß diese Unzulänglichkeit überwunden werden kann, wenn mehr fähige Wissenschaftler und Ingenieure in das technische Bibliothekswesen gehen.

I. Neue Vermittlungsmethoden müssen entwickelt und geprüft werden

In den vorausgegangenen Abschnitten haben wir einige Maßnahmen vorgeschlagen, die Autoren zur Erleichterung des Informationsflusses vom Autor zum Nutzer anwenden können. Nunmehr betrachten wir, was getan werden kann, um jene Teile der Informationsvermittlungskette zu verbessern, die direkter unter der Kontrolle des Dokumentalisten und des Nutzers stehen, dazu gehören das Verbreiten, das Speichern und das Wiederauffinden.

Wie wir bereits sagten, kann das Grundproblem des Zugangs zur Literatur als ein Schaltproblem angesehen werden - d. h. ein Weiterleiten von Informationen, nicht von Dokumenten. Die grundlegende Forderung besteht darin, jeden Nutzer so nahe wie möglich an die von ihm benötigte (und sogar ein wenig mehr als die benötigte) Information heranzubringen. Die Informationsfachleute sind bereits mit zahlreichen, in diesem Zusammenhang vielversprechenden Entwicklungen sowohl technischer Geräte als auch Methodiken hervorgetreten. Einige dieser Methoden, wie z. B. der Zitier-Index (citation indexing) oder die Herausgabe einer täglich erscheinenden wissenschaftlichen Zeitung sind entweder überhaupt noch nicht oder nur in kleinem Maßstab erprobt worden. Permutierte Titelregister beginnen sich jetzt nach dem Vorbild der Zeitschrift "Chemical Titles" zu verbreiten und die Register jeder Nummer der "Biological Abstracts" sind wegweisend. Daten- und Informationszentren haben weithin Anerkennung gefunden. In den folgenden Abschnitten werden wir einige dieser neuen Übermittlungsmethoden erörtern. Unser Hauptanliegen ist dabei nicht so sehr eine spezielle Methode vor einer anderen zu empfehlen, als vielmehr die Notwendigkeit von modernen Methoden und schöpferischen Ideen zu unterstreichen. Neue Verfahren müssen untersucht und neue Ansätze unterstützt werden. Dabei werden Fehler, von denen einige kostspielig sein werden, unterlaufen. Doch nichts Neues zu tun ist wohl der schlimmste Fehler. Die Flut ungeordneten Informationsmaterials wird sicherlich unsere Wissenschaft überschwemmen und sie zu zusammenhanglosen Bruchstücken zerschlagen, wenn wir nicht die von uns zur Lenkung dieser Flut benutzten traditionellen Methoden ändern. Einige Gesellschaften, namentlich die American Physical Society und die American Chemical Society, haben eine nachahmenswerte Initiative beim Entwickeln neuer Methoden gezeigt; andere sind weniger aktiv gewesen. Wir legen es allen Organisationen, die sich mit technischer Information befassen, dringend nahe, die neuen Verfahren und Ideen zu untersuchen und gegenüber den Neuerungen in der Informationsarbeit eine wohlwollende Haltung einzunehmen. Wir möchten insbesondere der NSF für ihre Unterstützung der Forschung auf diesem Gebiet die Anerkennung aussprechen und vor allem für die Unterstützung der experimentellen Testung neuer Methoden technischer Übermittlungsverfahren.

J. Zentral-Depots sind eine attraktive Möglichkeit

Eine attraktive technische Lösung des Problems der Vermittlung und des Wiederauffindens von Dokumenten ist das Zentral-Depot. Dieses erwirbt Dokumente auf einem speziellen Fachgebiet und verbreitet in einem regelmäßig erscheinenden Ankündigungsblatt deren Referate; Kopien des vollen Wortlauts der Dokumente können vom Depot angefordert werden. Die an das Depot eingesandten Artikel stehen zur Veröffentlichung in Zeitschriften frei zur Verfügung, wodurch die Zeitschriften ermutigt werden, ihre lebenswichtige und führende Funktion hinsichtlich der Bereitstellung ausgewählter Artikel bei Beachtung des Qualitätsprinzips fortzusetzen und auszubauen. Dieses System ist bereits jetzt teilweise wirksam für Regierungsberichte, die von der AEC, dem DOD und der NASA herausgebracht werden. Persönliche Stipendiaten und Vertragspartner dieser Institutionen nehmen auch daran teil, insbesondere durch die Verbreitung technischer Berichte, die sonst nirgends veröffentlicht werden.

Das Zentral-Depot bietet einige Vorteile als Ersatz oder besser als Ergänzung für die herkömmliche Publikationsform. Es ist sehr schnell; es rationalisiert den Vorabdruck; es komprimiert die im Umlauf befindliche Literatur; es leitet das auf einem bestimmten Gebiet zu sammelnde Material an eine Stelle, um ein wirksames Wiederauffinden zu sichern. Indem es die konventionellen Zeitschriften von der ihnen obliegenden Verpflichtung befreit, jeden Beitrag abzudrucken, der für die Wissenschaft nützlich sein könnte, kann es diesen die mehr schöpferische und leichter durchzuführende Aufgabe überlassen, die besten Beiträge auszuwählen und deren weitere Verbreitung zu übernehmen. Zentrale Einrichtungen können auch Mittelpunkte für die Entwicklung der automatischen Reproduktionstechnik werden, die für weit verstreute Dienste unwirtschaftlich ist. Die Speichersysteme der Atomic Energy Commission und der Armed Services Technical Information Agency (ASTIA) haben ihre Leistungsfähigkeit für technische Berichte bereits bewiesen. Die ASTIA kommt Anforderungen von Dokumenten in drei bis sechs Tagen nach und plant, bald noch schneller zu liefern. Die von großen Depots benutzten neuen Kopiereinrichtungen über Mikrofilm bringen die Qualität der Kopie nahe an die des Originaldokuments heran.

Trotz der technischen und möglicherweise sogar der wirtschaftlichen Vorteile eines sich auf ein Zentral-Depot stützenden Vermittlungs-Zentrums muß noch eine Anzahl von Problemen gelöst werden, bevor diese Methode ernstlich als die primäre Verbreitungsmethode gesehen werden kann. Vielleicht kommen die Haupthindernisse für ihre allgemeine Anwendung aus der Einstellung einiger Kreise der technischen Gemeinschaft selbst. Es ist nicht sicher, wie die Wissenschaftler auf die Schaffung eines solchen Systems reagieren würden, da allen früheren Experimenten (zum Beispiel dem American Documentation Institute) einige für ein erfolgreiches Zentral-Depot wesentlichen Züge fehlten: abgestimmter fachlicher Bereich, ein umfassender Ankündigungsdienst, Referatezeitschriften und Wiederauffindungsdienste als Auswahlhilfe, ausreichende finanzielle Unterstützung, Billigung durch führende Kreise der Wissenschaft und Regierung. Einige Mitglieder den Arbeitskreises sind optimistischer als andere hinsichtlich der Leichtigkeit, mit der die traditionelle Zeitschrift - mit dem Prestige, das naturgemäß mit einer Publikation entsprechend den konservativen Traditionen verbunden ist - dazu gebracht werden kann, sich ihre Aufgaben mit dem Zentral-Depot zu teilen, selbst unter der Erkenntnis einer dadurch vergrößerten Möglichkeit, die Einheit und Wirksamkeit der Wissenschaft zu unterstützen. Auf jeden Fall sind koordinierte Systeme, die durch die Initiative wissenschaftlicher Gesellschaften entwickelt wurden, aus vielerlei Gründen denen vorzuziehen, die auf der zentralen Entscheidung einer Regierungsbürokratie beruhen. Tatsächlich ist auf solchen Gebieten wie der Grundlagenforschung in Physik und Chemie, wo sich starke wissenschaftliche Gesellschaften herausgebildet haben, die Aussicht auf leistungsfähige, die allmähliche Entwicklung von Zentral-Depots in sich schließende Informationssysteme relativ günstig. Diesen Bemühungen sollte, als dem Lösungsweg des Infomationsproblems, bei dem die Wissenschaftler die entscheidendste Rolle spielen, jede nur mögliche Förderung zuteil werden.

Wir sind sehr beeindruckt von der sinnreichen „Zwischenlösung" des Problems der Zentral-Depots, das von der American Physical Society ersonnen werde, Die Gesellschaft teilt ihre Beiträge ein in solche, die sehr aktuell und besonders wichtig sind, und in solche, die weniger aktuell und mehr archivalischen Charakters sind. Die ersteren werden in gekürzter Form mit einem Zeitfaktor von weniger als einem Monat in den "Physical Review Letters" veröffentlicht. Die letztgenannten werden vollständig in 'The Physical Review' mit einem vier- bis sechsmonatigen Zeitfaktor veröffentlicht; Referate der in "The Physical Review" erscheinenden Artikel werden den "Physical Review Letters" beigegeben. "The Physical Review" ist auf dem Wege, eine Art Zentral-Depot zu werden; mehr und mehr Physiker lesen nur das Referatebulletin und schlagen die vollständigen Artikel in ihrer Bibliothek nach oder bekommen vom Autor Sonderdrucke. In einer anderen Untersuchung hat die American Chemical Society über die große Popularität eines Vorabdruck-Dienstes für die Zeitschrift „Industrial and Engineering Chemistry" berichtet; Beiträge für diese Zeitschrift werden umgehend angezeigt und Vorabdrucke werden noch vor der Veröffentlichung der Artikel zur Verfügung gestellt.

Von diesen Einrichtungen bis zum wirksamen Depot scheint dies nur ein relativ kleiner Schritt zu sein. Wenn sich die einzelnen Wissenschaftler erst einmal daran gewöhnt haben, Referate oder Titel-Listen zu benutzen, um auf dem laufenden zu bleiben, dann sollte der geheimnisvolle Zauber, der von den traditionsreichen Fachzeitschriften mit ihrem extrem langen Zeitfaktor ausgeht, verschwinden.

Der Ausblick auf andere Wissensgebiete, zum Beispiel auf die biologische und medizinische Forschung ist durch komplizierte Wechselbeziehungen der Themen mit denen sich z. B. die Biologen befassen, und durch das Fehlen umfassender technischer Organisationen, vergleichbar der American Chemical Society oder der American Physical Society, getrübt. Das Informationsproblem auf diesen Gebieten durfte nicht gelöst werden, bevor die auf diesen Gebieten Tätigen, möglicherweise mit Unterstützung der Regierung, vergleichbar feste zentrale Organisationen bilden.

K. Mehr und bessere Fach-Informationszentren werden benötigt

Das Dokumenten-Zentral-Depot ist in erster Linie eine Verteilungsstelle für Dokumente; im allgemeinen versucht es nicht, Informationen aus den Dokumenten herauszuziehen, sondern es liefert lediglich geeignete Dokumente an die Nutzer. Aber das Wiederauffinden von Dokumenten ist nicht das gleiche wie das Wiederauffinden von Informationen. Ein technischer Spezialist benötigt in Wirklichkeit die in der veröffentlichten Literatur enthaltene Information, nicht jene selbst. Um Informationen - im Gegensatz zu Dokumenten - wiederaufzufinden - hat die technische Gemeinschaft das fachliche Daten- und Informationszentrum geschaffen.

Ein Fach-Informationszentrum macht es sich zur Aufgabe, alles zu kennen, was auf seinem Spezialgebiet, z. B. Kernspektroskopie oder thermophysikalische Eigenschaften chemischer Verbindungen, veröffentlicht wurde, es sammelt und vergleicht die Daten und versorgt seine Subskribenten mit regelmäßig erscheinenden Zusammenstellungen, kritischen Übersichten, Fachbibliographien und ähnlichen Materialien. Was bei ihm eingeht, ist zugleich das Ausgabematerial des Zentral-Depots. Es gibt in den Vereinigten Staaten gegenwärtig rund 400 solcher Zentren; ihre Anzahl ist im Steigen, obgleich einige Fach-Informationszentren eingehen werden oder eingehen sollten, da die Wissensgebiete, denen sie dienen, keine aktive Rolle mehr spielen. Wie ursprünglich vorgesehen, sammelten die Zentren Daten oder das "Know-how" im Gegensatz zu Informationen; eines der ältesten Daten-Zentren stellen die "International Critical Tables" dar. Viele Daten-Zentren haben sich zu Informationszentren entwickelt, die nicht nur Daten sammeln, sondern sich auch über alle Entwicklungen auf ihrem Fachgebiet auf dem laufenden halten.

Wir glauben, daß die Fach-Informationszentren, gestützt auf große Zentral-Depots, zu dem beherrschenden Mittel für die Vermittlung technischer Informationen werden können. In diesem Stadium der Entwicklung von Fachzentren obliegt es der technischen Gemeinschaft zu erkennen, welche Bedeutung ein gutes Fachzentrum hat, und danach neue zu planen.

Um voll und ganz wirken zu können, müssen die Fach-Informationszentren in engster Verbindung mit den auf dem Gebiet tätigen Wissenschaftlern und Ingenieuren arbeiten. Die Tätigkeit der erfolgreichsten Zentren ist ein untrennbarer Bestandteil von Wissenschaft und Technik. Die Zentren verbreiten und ermitteln nicht nur Informationsmaterial, sie schaffen selbst auch neue Informationen. Eine differenzierte Auswahl von Daten vorzunehmen, wie das bei der Aufstellung der "International Critical Tables" geschah, erfordert wissenschaftliche Einsicht hohen Grades und ist selbst eine wichtige wissenschaftliche Leistung. Der Prozeß der Auswahl großer Mengen von Daten führt oft zu neuen Verallgemeinerungen. Das Nuclear Data Center, welches Informationen über die statischen Eigenschaften von Atomkernen sammelt und verbreitet, trug zum Beispiel in bemerkenswerter Weise zur Entwicklung den Kernschalenmodells, eines der größten theoretischen Unterfangen der modernen Kernphysik, bei. Was für das Nuclear Data Center gilt, trifft zweifellos auch für andere Zentren zu. Kurz, kenntnisreiche wissenschaftliche Interpreten, die imstande sind, wichtige Fach-Daten zu sammeln, ein Gebiet zu überblicken und spezifische Informationen zu einem technischen Problem zu ermitteln, sind für den überlasteten Wissenschaftler eine größere Hilfe, als ein bloßer Haufen technischer Dokumente. Solche kenntnisreichen wissenschaftlichen Mittelsmänner, die selbst zur Wissenschaft beitragen, bilden das Rückgrat des Informationszentrums; sie machen ein Informationszentrum mehr zu einem technischen Institut als zu einer technischen Bibliothek. Die Hauptsache für ein gutes technisches Informationszentrum ist, daß in ihm hochqualifizierte, in der Praxis stehende Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten - Persönlichkeiten, die in der Arbeit des Zentrums eine Gelegenheit sehen, ihre eigene, persönliche Verbindung zu ihrer Fachwissenschaft und -technik zu fördern und zu vertiefen. Die Entwicklung der Fachinformationszentren wird daher viele solcher "Informationswissenschaftler" erfordern: der Sache ergebene und kenntnisreiche Männer, die helfen, die Literatur für andere auf dem Fachgebiet Arbeitende zu interpretieren und zu erschließen.

Da das technische Informationszentrum in diesen Sinne ein Teil von Wissenschaft und Technik sein muß, ist es zweckmäßig, daß es dort seinen Standort erhält, wo die Fachwissenschaft erfolgreich betrieben wird. Der Arbeitskreis empfiehlt deshalb dringend, daß neue Informationszentren bei öffentlichen oder privaten Institutionen eingerichtet werden, nicht aber als Anhängsel von allgemeinen Bibliotheken, Publikations-Unternehmen oder Zentral-Dopots. Wo Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Regierung geleistet werden - in Regierungslaboratorien, nationalen Laboratorien, Universitäten oder Industrielaboratorien sollten Informationszentren für das entsprechende Fachgebiet gefördert werden. Wir stellen lobend fest, daß die AEC bereits etwa ein Dutzend solcher Zentren bei ihren nationalen Laboratorien eingerichtet hat und wir meinen, daß diese Praxis auch andere Regierungsdienststellen ermutigen sollte.

L. Die Mechanisierung kann bedeutungsvoll, aber nicht allbedeutend werden

Die Herausbildung des Informationszentrums mit dem Schwerpunkt, Informationen im Gegensatz zu Dokumenten wiederaufzufinden, bedeutet nicht, daß das Wiederauffinden von Dokumenten überflüssig wäre. Im Gegenteil, die wachsende Menge von Publikationen zwingt die technische Gemeinschaft mehr und mehr, mit sinnreichen Methoden die wirksame Vermittlung von Dokumenten, wenn auch nicht an den einzelnen Nutzer, so doch an die Informationszentren, durchzuführen. Es ist tatsächlich so, daß die Herausbildung der Informationszentren zweifellos die Forderung an die allgemeinen Großvertriebsstellen von Dokumenten - Bibliotheken und Regierungsdienststellen - zur Stärkung und Rationalisierung ihrer Dokumenten-Auffindungsysteme erhöhen wird.

Das Wiederauffinden von Dokumenten erfordert sowohl 'hardware' als "software'. Unter "hardware" sind jene mechanischen Hilfsmittel (von Randlochkarten bis zu komplizierten digitalen Rechenanlagen) zu verstehen, welche Signaturen für Dokumente identifizieren und sogar Originale oder Kopien von Dokumenten liefern können, wenn diese erst einmal in geeigneter Weise mit Indexen versehen oder anderweitig identifiziert worden sind. Unter "software" ist die wachsende Vielfalt der Methoden zu verstehen, mit denen Suchsysteme selektiv das Dokument erreichen können: herkömmliche Katalogeintragungen, Schlüsselwörter, Referate, permutierte Titelregister, Zitier-Indizes usw. und die Programmierungssysteme, die es uns ermöglichen sollen, den vollen Nutzen aus solchen Verfahren zu ziehen. Ohne ausreichende Software kann Hardware nichts helfen und bisweilen sogar schaden.

Dort, wo die Software vorhanden ist oder rechtzeitig verfügbar gemacht werden kann, sind die Möglichkeiten der Hardware tatsächlich imponierend, aber die Anforderungen, die gestellt werden, sind ebenfalls imponierend. Die Library of Congress enthält beispielsweise über 10 Millionen nachgewiesene Erwerbungen, die 10hoch13 bits gespeicherter Informationen entsprechen. Jeder Neuzugang erfordert für seine Katalogisierung etwa 2 000 bits Informationen. Allein für das Erfassen des Katalogs ist ein Speicher mit einer Leistungsfähigkeit von mehreren Zehnmillionen bits erforderlich. Für die laufende Benutzung sind je Minute 200 Zugriffe für gleichzeitig 200 Benutzer nötig. Eine mit Leichtigkeit erreichbare Verbesserung des Systems würde eine Steigerung der Leistung um das Zehnfache erfordern (z. B. mehr Kreuzverweise) und könnte eine Steigerung der Benutzung um das Zehnfache ermöglichen. Die dafür notwendigen spezifischen Eigenschaften weisen die zur Zeit im Handel erhältlichen Geräte nicht auf, sie sind aber heute technisch erreichbar.

Obgleich ein solches System für die Library of Congress annähernd 50 Millionen Dollar kosten dürfte, glauben wir doch, daß sich eine derartige Ausgabe lohnen würde, da die Verbesserung in der Technologie des Wiederauffindens, die die größte Bibliothek des Landes oder zumindest ihre Abteilung Wissenschaft und Technik dadurch erzielen würde, allen Bibliotheken zugute käme. Wir empfehlen deshalb, daß der kürzlich unter der Leitung des Council of Library Resources aufgestellte Bericht, in dem die Automatisierung der Library of Congress angeraten wird, auf die Möglichkeit seiner praktischen Durchführung sorgfältig geprüft werden sollte.

Aus der Erkenntnis heraus, daß ein zentraler Beratungsdienst sehr nützlich wäre, wo Dokumentalisten und andere Informationsfachleute unparteiisch über den Einsatz und die Möglichkeiten von Rechenanlagen beraten werden können, unterstützte die NSF 1959 die Einrichtung eines solchen Dienstes beim National Bureau of Standards.

Wir empfehlen den Dokumentalisten, besonders den innerhalb der Regierungsdienststellen tätigen, diesen Dienst zu Rate zu ziehen, bevor sie sich auf sehr kostspielige und komplizierte automatische Systeme zum Wiederauffinden von Dokumenten festlegen. Vor allem sollen Regierungs-Informationsdienste sich Informationen auch über andere, weniger ins Gewicht fallende, aber sehr wichtige Aspekte des technischen Hilfsgeräts zum Wiederauffinden von Dokumenten verschaffen, z. B. über Reproduktions- und Mikroaufnahmegeräte. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß das erwähnte Büro Informationen auch über solche Geräte wie über Rechenanlagen gibt. Der Arbeitskreis empfiehlt, daß die Dienste dieses Büros weithin in Anspruch genommen und vielleicht besser propagiert werden.

M. Zitier-Indizes durften nützlich sein

Zugleich mit der Entwicklung der "hardware" müssen selbstverständlich scharfsinnige Überlegungen über die "software" angestellt werden, d. h. die Kennzeichnung und die Aufbereitung von Dokumenten für das spätere Wiederauffinden. Von den neuen Möglichkeiten auf diesem Gebiet hat den Arbeitskreis insbesondere der Zitier-Index beeindruckt. Wir möchten die Aufmerksamkeit der technischen Gemeinschaft auf dieses offensichtlich wirksame, wenn auch relativ wenig benutzte neue Suchhilfsmittel lenken.

Jeder von uns ist mit Literaturverzeichnissen am Schluß eines Artikels vertraut. Solche Verzeichnisse ermöglichen es dem Leser, die dem durchgelesenen Artikel zeitlich vorangegangenen Arbeiten zu verfolgen. Jeder Wissenschaftler hat schon von derartigen Verzeichnissen Gebrauch gemacht, um tiefer in das von ihm studierte Gebiet einzudringen. Aber diese Literaturangaben bringen nur zeitlich zurückliegende Arbeiten; sie geben keine Hinweise darauf, welchen Einfluß ein bestimmter Artikel, nachdem er im Druck erschien, auf die weitere Entwicklung des Problems gehabt hat. Der Zitier-Index ist ein Verzeichnis der Arbeiten, die sich nach dem Erscheinen eines ursprünglichen Artikels auf diesen beziehen oder ihn zitieren. Er ermöglicht, die gegenseitige Verbindung der Literatur zeitlich nach vorn zu verfolgen, so wie man sie bereits jetzt mittels Literaturverzeichnissen zeitlich zurückverfolgt. Weil beim Aufstellen von Indizes die Beurteilung des Materials durch die Auswahl des Autors und nicht durch die des Index-Verfassers bestimmt wird, entsprechen sie mehr dem Gesichtspunkt den Nutzers und nicht dem des Index-Verfassers.

Die Juristen benutzen einen Zitier-Index, „Shepard's Citations", seit über hundert Jahren. Alljährlich verzeichnet der „Shepard" alle Berufungsentscheidungen, die irgendwelche früheren Fälle zitiert haben. Da die Rechtsprechung etwa in der gleichen Weise wie die Wissenschaft nach einheitlichen Gesichtspunkten vorgeht, insofern, als die Regel der Präzedenzfälle spätere Ereignisse mit früheren in Verbindung bringt, überrascht es nicht, daß ein für den Juristen so nützliches Hilfsmittel auch für andere Wissenschaftler nützlich sein kann. Die National Science Foundation unterstützt Versuche mit Zitier-Indizes auf den Gebieten der Genetik, der Statistik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der Genetik-Index zum Beispiel wird die gesamte Literatur über Genetik von 1959 bis einschließlich 1963 erfassen und wird in einem einzigen Band veröffentlicht werden; er wird durch jährliche Ergänzungsbände auf dem laufenden gehalten. Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß das Aufstellen von Zitier-Indizes besonders in Kombination mit Indizes permutierter Titel, in großem Umfang verwendet werden wird und daß ihre Benutzung auch die Art unseres Hineindenkens in die technische Literatur und unseres praktischen Umgangs mit ihr verändern wird.

N. Die Bedeutung der Übereinstimmung

Das Anwachsen der Literatur nach Menge und Vielfältigkeit wird uns unvermeidlich mehr größere Austauschstellen bringen, verteilt auf Fach-Informationszentren, Referatezeitschriften, Zentral-Depots und technische Bibliotheken, dazu eine steigende Flut von Quellen, Referaten" Titel- und Schlüsselwörterverzeichnissen, aufgeteilt auf konventionelle Zeitschriften, Referatezeitschriften, Berichte und archivierte Manuskripte. In dem Maße, wie die Informationssysteme wachsen, werden immer stärker Hindernisse einen kontinuierlichen Informationsfluß unmöglich machen. Das größte dieser Hindernisse ist die fehlende Abstimmung.

Für einander überschneidende Informationssysteme ist es nützlich, synonyme Schlüsselwörter in exakter Weise durch identische zu ersetzen. Und dasselbe Referat kann vielleicht für zwei oder mehr Referatezeitschriften brauchbar sein. Je größere Teile des Informationssystems berücksichtigt werden müssen, um so schwieriger werden die Probleme. In welchem Umfang können dieselben Prinzipien für die Auswahl von Schlüsselwörtern oder das Schreiben von Referaten angewendet werden? Wann müssen zwei Systeme denselben Artikel von verschiedenen Gesichtspunkten aus analysieren?

In Erkenntnis der Wichtigkeit einheitlicher Methoden beim Referieren und Aufstellen von Indizes hat die National Science Foundation die National Federation of Science Abstracting and Indexing Services (NFSAIS) unterstützt. Dieses Forum von einigen zwanzig gemeinnützigen und Regierungsdiensten arbeitet daran, eine größere Einheitlichkeit unter den vielen, einander überschneidenden Informationsdiensten zu erzielen. Weil die meisten Dienste isoliert ihre eigenen Gewohnheiten und Traditionen herausgebildet haben, stehen die NFSAIS verständlichen Schwierigkeiten bei der Herstellung der Einheitlichkeit gegenüber. Dennoch ist der Arbeitskreis der Ansicht, daß vieles getan werden kann und empfiehlt der NSF und den NFSAIS, weiter zu versuchen, eine größere Ordnung in das chaotische Meer der Uneinheitlichkeit zu bringen.

Die Vorteile sowohl der Automatisierung als auch der Übereinstimmung sind größer, wenn eines dieser Merkmale bereits gegeben ist. In dem Maße, wie Herausgeber sowohl von Primär- wie von Referatezeitschriften Übereinkünfte über miteinander abgestimmte Formate treffen und Artikeln bereits vor ihrer Drucklegung feste Seitenziffern zuweisen können, wäre es möglich, mittels photographischer Reproduktion viele Referate herauszubringen, sobald - oder sogar noch bevor - die Artikel veröffentlicht werden. Ein Austausch von Titel- und Schlüsselwörterverzeichnissen zwischen mechanisierten Systemen ist leicht, wenn Titelformate und Schlüsselwörter miteinander übereinstimmen - d. h. leicht gegenseitig austauschbar sind -, andernfalls aber sehr schwierig. Präzise Übereinkommen bieten noch weitere Vorteile, wenn auch nicht so viele wie für nicht-autmotisierte Systeme. Übertragen und Verschmelzen übereinstimmender Titel und Schlüsselwörterlisten können in großem Maße durch die Mechanisierung beschleunigt werden. Wenn sich ein Austausch von Lochstreifen durch den Postversand als unzulänglich erweist, ist eine direkte Übermittlung zwischen Schnellzugriffspeichern möglich. Zur Zeit laufen Versuche, wie zum Beispiel die Medlars-Methode (Medical Literature Analysis and Retrieval System) - eine Methode, die das System der National Library of Medicine und die der Satellitenzentren auf medizinischen Spezialgebieten verbinden soll. Es wird sich bald zeigen, wie weit und wie schnell wir auf dem Wege zu solch einer vollständigen Mechanisierung vorgehen sollten. Der Arbeitskreis glaubt, daß entsprechende Mittel für ein schnelles Vermitteln, von denen die Übereinstimmung an erster Stelle steht, in großem Maße die Schwierigkeiten erleichtern können, die durch einander überschneidende Systeme (Dienststelle mit Fachdisziplin, Dienststelle mit Dienststelle oder Fachdisziplin mit Fachdisziplin) verursacht werden.

O. Das nichtstaatliche technische Publikationswesen wird vom Staat subventioniert werden müssen

Wie sollen wir unsere nichtstaatlichen Informationssysteme finanzieren? Da der Staat gegenwärtig drei Viertel aller wissenschaftlichen und technischen Arbeiten unterstützt, wird offensichtlich das Geld für das Publizieren auch durch nichtstaatliche Institutionen letzten Endes weitgehend vom Staat gezahlt. Es erhebt sich dabei die Frage, welche angemessenen Wege man für das Überweisen von Staatsgeldern an die technischen Publikationsorgane wählen soll. Vor allem, was ist die vernünftigere Politik - Regierungsmittel direkt einem gemeinnützigen Publikationsorgan zuzuführen, oder das Geld indirekt (über den Seitenpreis) zuzuweisen?

Die Regierung hat über den Federal Council for Science and Technology bereits zugunsten einer seitenweisen Bezahlung Stellung genommen. Bis jetzt haben nicht alle technischen Gesellschaften das Prinzip der Finanzierung nach Seitenpreisen übernommen. Vielen Wissenschaftlern ist die seitenweise Bezahlung nicht angenehm, da sie eine Veränderung eines gewohnten und seit langem bestehenden Brauches darstellt. In der Industrie erscheint sie vielen ein Widerspruch zu der grundsätzlichen Bestimmung des Patentsystems zu sein, daß der Entdecker technischer Informationen dafür entschädigt werden soll, daß er seine Information publik macht. Diese Ansicht steht im Gegensatz zu der von uns in diesem Bericht betonten. Wir glauben, daß die Information ein Teil der Forschung ist: daß die einzelnen Glieder der Informationsvermittlungskette aneinandergeschweißt sind und daß in dieser Zeit der Informationskrise der Schöpfer der Information soviel wie möglich Verantwortung für die nachfolgende Verbreitung und das Wiederauffinden der von ihm geschaffenen Information übernehmen muß. Die seitenweise Bezahlung legt dem technischen Autor eine finanzielle Verantwortlichkeit auf, die mit dieser Ansicht von der Informationsübermittlungskette übereinstimmt. Deshalb empfehlen wir den technischen Gesellschaften dringend, ohne Rücksicht auf ihre Tradition zur Finanzierung nach Seitenpreisen überzugehen.

Die Bezahlung nach Seiten dient nicht den Bedürfnissen der Sekundärpublikationsorgane, den Referatezeitschriften und Indizes. Artikelgebühren (vielleicht ein einheitlicher Betrag je Artikel) könnten dazu dienen, das Anfertigen von Referaten und Indizes durch einschlägige Sekundärorgane zu unterstützen. Da ausländische Referateorgane über fast die Hälfte des Inhalts vieler amerikanischer Referatezeitschriften berichten, könnte es auf den ersten Blick scheinen, daß die Bezahlung nach Artikeln ein unbilliger Weg zu einer solchen Unterstützung wäre. Doch wenn wir berücksichtigen., daß jeder Artikel, sofern er sorgfältig abgefaßt wurde, bereits die Ergebnisse sekundärer Publikationsorgane in sich aufgenommen hat, dann erscheinen Artikelgebühren annehmbar. Auf jeden Fall sehen wir, außer in den wenigen Fällen, wo Abonnements die tatsächlichen Kosten für Referate decken, keine andere Alternative zu einer direkten Zahlung von Regierungssubventionen an die Hersteller von Sekundär-Literatur. Eine solche Subvention dürfte sich 1970 auf annähernd 30 Millionen Dollar für das Jahr belaufen.


Teil 4: 
VORSCHLÄGE: DIE REGIERUNGSDIENSTSTELLEN

Die Regierung steht zwei verschiedenen, wenn auch miteinander verwandten Informationsproblemen gegenüber: sie muß ein wirksames internes Vermittlungssystem unterhalten, und sie muß darauf achten, daß ein wirksames allumfassendes Übermittlungssystem aufrechterhalten wird. Die Verknüpfung der Regierung mit dem gesamten Informationssystem hat wiederum zwei unterschiedliche Seiten: 1) Die staatlichen und die nichtstaatlichen Systeme sind miteinander verflochten, deshalb muß der Staat den nichtstaatlichen Systemen seine volle Aufmerksamkeit zuwenden, wenn er will, daß sein eigenes System leistungsfähig bleibt. 2) Da die Information ein Bestandteil der Forschung ist, muß die Regierung Verantwortung auch gegenüber jenen Teilen des nichtstaatlichen Systems übernehmen, die nicht auf ihr eigenes übergreifen, und zwar einfach deswegen, weil der Staat eine so große Verantwortung der Forschung gegenüber übernommen hat. Unsere Vorschläge für die Regierung zielen daher einerseits auf eine Verbesserung des internen Informationssystems ab, andererseits auf eine Klarstellung der Regierungsverantwortung gegenüber den nichtstaatlichen Informationssystemen und die Verbesserung der Verbindung zwischen den staatlichen und den nichtstaatlichen Systemen.

DAS INTERNE INFORMATIONSSYSTEM

Vier Fünftel der Staatsgelder für Forschung und Entwicklung werden für die Entwicklungsarbeit ausgegeben; von dem Geld für die Entwicklungsarbeit werden über 90 Prozent an drei Dienststellen vergeben: an das Department of Defence, an die Atomic Energy Commission und an die National Aeronautics and Space Administration. Der größte Teil der sich aus dieser Tätigkeit ergebenden Informationen erscheint in etwa 100.000 formlosen technischen Berichten jährlich.

Der Schwerpunkt des internen technischen Informationsproblems, vor dem die Regierung steht, liegt in der Wertung und Verbreitung der in diesen Berichten enthaltenen Informationen und deren Erschließung. Genauer gesagt, die Regierung muß Wertvolles bewahren, Wertloses ausscheiden; und sie muß die Erkenntnisse schnell und wirksam zusammenfassen, nach Sachverhalten aufschließen, referieren und verbreiten.

Die Belastung, sich auf dem laufenden über die von Regierungsstellen herausgegebenen Berichte zu halten, wird weit stärker vom Techniker und vom Administrator der Technik als vom Grundlagenwissenschaftler getragen werden. Das heißt nicht, daß die Berichtsliteratur das einzige Problem ist oder daß die Grundlagenforscher nicht davon profitieren würden, wenn die Regierung ihre Dokumente besser und wirkungsvoller aufbereitete. Die verschiedenen, von Regierungsstellen, von Fachzentren und von technischen Gesellschaften unterhaltenen Informationssysteme sind miteinander verwoben; Verbesserungen des einen Systeme nützen auch den anderen. Über einen beträchtlichen Teil der von der Regierung geförderten Entwicklungsarbeit wird außer in direkten Berichten auch in der traditionellen Literatur, auf technischen Tagungen sowie durch formlose mündliche Mitteilung berichtet. Doch verglichen mit der Berichtsliteratur stehen diese anderen Übermittlungsformen kein so dringendes Problem dar.

Die unvollständig kontrollierte Berichtsflut schafft ein internes Informationsproblem, und da diese Flut der konventionellen Literatur überlagert ist, verschärft sie beträchtlich das Gesamtproblem der Information.

A. Was nutzlos ist, muß ausgeschieden werden

Zunächst, was kann die Regierung tun, um sicherzustellen, daß von ihr gesammelte Berichte des Aufbewahrens wert sind? Es könnte argumentiert werden, daß alles über die von der Regierung finanzierte Forschungs- und Entwicklungsarbeit veröffentlicht werden sollte, begrenzt lediglich durch Sicherungserfordernisse, da die Ergebnisse der von der Regierung veranlaßten Forschungsarbeit letzten Endes dem Volk gehören. Manche Verwaltungsfachleute meinen deshalb, daß über alle von der Regierung finanzierten Forschungs- und Entwicklungsunternehmen berichtet werden sollte und daß die Ergebnisse verbreitet werden müßten. Eine Folge davon ist, daß das interne Berichtssystem der Regierung mit wertlosem Material überhäuft ist, welches keineswegs einen Teil der ständigen Berichterstattung bilden sollte.

Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß die Regierung alle wesentlichen Informationen über Forschung und Entwicklung veröffentlichen, ihr System jedoch nicht mit Informationsmaterial belasten sollte, das noch nicht ausgereift ist oder das besser neu zu erarbeiten wäre, als es zu speichern. Wir sind uns darüber klar, daß es äußerst schwierig ist, von vornherein zu entscheiden, was neu zu schaffen, was zu speichern ist - d. h., was erhalten, was vergessen werden sollte. Die übliche Antwort lautet: alles aufbewahren. Doch das ist keine erschöpfende Antwort. Der einzelne Mensch als Nutzer ist ein Teil der Wiederauffindungskette; seine Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, setzt dem Wiederauffindungssystem eine Grenze, die durch noch so großartige automatische Geräte nicht überwunden werden kann. Es ist unwahrscheinlich, daß ein stark mit bedeutungslosen Dokumenten überladenes Informationssystem imstande sein wird, die richtige Information für den richtigen Nutzer zu finden. Das Problem besteht darin, wie aus dem Durcheinander von Forschungsberichten, Patenten, Entwurfsstudien, technischen Zeichnungen und anderen von der Regierung bezahlten, nicht konventionellen Forschungs- und Entwicklungsdokumenten das Material auszuwählen ist, das wert ist, verbreitet und wiederaufgefunden zu werden. Alles übrige aber ist wegzulassen.

Die Berichtsliteratur unterscheidet sich von der konventionellen Literatur in einem wesentlichen Punkt: konventionelle Artikel werden in allgemeinen lektoriert, Berichte dagegen nicht. Möglicherweise hat die Informationsflut das Niveau der konventionellen Literatur gesenkt, dennoch ist sicher, daß Berichte meistens nicht so gut wie konventionelle Artikel geschrieben sind. Andererseits haben Berichte einen günstigen Zeitfaktor, und sie sind oft umfangreicher, wenn nicht vollständiger als Artikel. Der Bericht war ursprünglich - und ist es noch heute - als ein Arbeitsmittel gedacht, und es war nicht beabsichtigt, ihn zu einem Teil der allgemeinen Archivliteratur werden zu lassen; was für die Dauer nützlich erschien, besonders in einem Abschlußbericht, mußte gegebenenfalls herausgezogen und in der konventionellen Weise publiziert werden. Aber das zwangsläufige Ausdehnen der staatlichen Informationssysteme führte zu einer festeren Form der bis dahin formlosen Berichte. Der Bericht hat nun eine Archivierungsform erhalten, die über die ursprüngliche Absicht hinausgeht. Doch hat sich die Qualität des Berichte nicht in entsprechender Weise verbessert.

Können wir die Qualität der Berichtsliteratur verbessern, ohne ihre Aktualität oder ihre Vollständigkeit zu opfern? Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß viel getan werden kann, wie folgendes Beispiel zeigt. Jede Dienststelle, die große Mengen von Berichten herausgibt, namentlich die ABC, das DOD und die NMA, sollte am Sitz der wichtigsten Vertragspartner Lektoren und Zweigstellen etablieren, um die Berichte vor deren Weiterleitung an das System der Dienststelle redaktionell so zu bearbeiten, wie das üblicherweise mit dem Material der konventionellen Publikationen geschieht.

Diese Lektoren sollten fachkundige technische Mitarbeiter des Vertragspartners sein, und sie müssen sowohl das zentrale Informationssystem wie die in Frage kommenden technischen Probleme kennen. Man kann erwarten, daß im Laufe der Jahre diese ständigen Lektoren eines Vertragspartners eine ausgeprägte geistige Grundhaltung entwickeln und viele Vorschläge zur Qualitätsverbesserung der technischen Berichte verlegen werden. Dieses System muß nicht unbedingt in vollkommener Weise funktionieren, wir glauben jedoch, daß sein bloßes Vorhandensein helfen wird, dem staatlichen technischen Bericht etwas von jener Tradition der Vorzüglichkeit und des hohen Wertes zu verleihen, die heute die im allgemeinen bessere konventionelle Literatur besitzt.

Das Lektorieren der Berichtsliteratur muß den Zeitfaktor nicht entscheidend verlängern. Die Lektoren werden es lernen, bei ihren Beurteilungen die Aktualität als wichtiges Kriterium zu betrachten. Ein Musterbeispiel, das einige der für den Lektor technischer Berichte in Frage kommenden Aspekte aufweist, existiert bereits. Die AEC akkreditiert jetzt am Sitz jedes größeren Vertragspartners verantwortliche Referenten, die darüber entscheiden, welche Berichte freizugeben sind. Und dieses System funktioniert schon jahrelang mit nur geringer Verzögerung.

Gut arbeitende Forschungsinstitutionen überprüfen im allgemeinen kritisch alles von ihnen herausgegebene Material. Solche Einrichtungen wie die erfahrenen NASA-Laboratorien oder das National Bureau of Standards, die sich der Aufgabe des Erarbeitens von Informationsmaterial bewußt sind, haben den höchsten Standard für ihre technischen Berichte aufrechterhalten. Demgegenüber ist es kaum wahrscheinlich daß Vertragspartner, deren Aufgabe die Herstellung eines konkreten Objekts ist, ihre Berichte kritisch überprüfen.

Der ständige Lektor nimmt die kritische Überprüfung eines Berichts frühzeitig am Beginn der Informationsvermittlungskette vor. Wenn auch eine noch frühere Durchsicht wünschenswert ist, so werden formlose Berichte oft erst dann redigiert, wenn sie den Einwirkungsbereich des Autors verlassen haben. Mehrere Dienststellen sichten die Berichte, nachdem diese ihren Zentral-Depots eingereicht wurden. 1949 wurden alle beschlagnahmten deutschen technischen Berichte von mehreren hundert, vom Office of Technical Services (OTS) vertraglich dafür verpflichteten amerikanischen Experten überprüft. Nur 20 Prozent der Berichte überstanden die Prüfung der Sachverständigen und gingen in das OTS-System ein. Den Leitern der technischen Informationssysteme werden zweifellos noch andere Methoden der technischen Überprüfung von Berichtsliteratur einfallen. Wir betonen nachdrücklich, daß eine solche Bewertung dringend notwendig ist und daß sie von Sachverständigen, in der Praxis stehenden Ingenieuren, die mit dem Autor Kontakt haben, vorgenommen werden muß.

B. Wertvolles muß seinen Standort erhalten und aufbewahrt werden

Das Problem der Berichtsliteratur besteht nicht nur darin, wertloses Informationsmaterial zu eliminieren, sondern auch darin, Wertvolles zu beschaffen. So schätzt ASTIA - der Informationsdienst des Department of Defense (DOD) daß er nicht mehr als 40 Prozent des auf DOD-Kosten geschaffenen Informationsmaterials erhält. Wir müssen deshalb Mittel und Wege finden, die Vertragspartner dazu zu bringen, vollständige und genaue Berichte über alle ihre Tätigkeiten, die nicht in ausreichender Weise durch die traditionelle Literatur erfaßt sind, in leicht wiederauffindbarer Form einzureichen.

Die von uns geschilderte Lektoratsmethode sollte den informatorischen Gehalt, nicht aber den Umfang der in das Regierungssystem eingehenden Berichte erhöhen. Außerdem könnte die Nützlichkeit vieler Berichte, insbesondere periodischer allgemeiner Fortschrittsberichte gesteigert werden, wenn ihr Inhalt klassifiziert oder nach Fachgebieten gegliedert würde. Weil solche Berichte eine große Fülle verschiedener Themengebiete umfassen, sind sie in fast idealer Weise geeignet, ihre bibliographische Erfassung zu erschweren. Wir behandeln ein bestimmtes Heft einer wissenschaftlichen Zeitschrift nicht als ein Einzeldokument: insoweit umfangreiche zusammenfassende Berichte eher Quellen von Informationen als direktes Wissen sind, gibt es auch für sie keinen triftigen Grund, sie wie ein Einzeldokument zu behandeln.

Doch es genügt nicht, die Qualität und die Zugänglichkeit zu verbessern. Es gibt Hindernisse für den Informationsfluß vom Vertragspartner zur Regierung, und diese müssen aufgedeckt und beseitigt werden. Vielleicht ist am wichtigsten, daß viele Vertragspartner und Verwaltungsleiter der unteren Ebene Berichte nur als Nebenprodukt der Entwicklung eines konkreten Objektes ansehen. Wenn der hergestellte Gegenstand gut funktioniert - weshalb soll man sich da mit dem Bericht herumplagen? Der Vertragspartner verkauft ein Gerät, nicht Informationsmaterial, und der für das Projekt zuständige Beamte wird nach dem Resultat, nicht nach dem Bericht beurteilt. Außerdem werden große Entwicklungsprojekte gewöhnlich von Ingenieuren geleitet, die eine relativ geringe Tradition in der schriftlichen Mitteilung haben. Deshalb möchten wir lobend erwähnen, daß das DOD jetzt 10 Prozent der Zahlungen an ein Vertragsunternehmen zurückhält, bis die schriftliche Berichterstattung laut Vertrag erfüllt ist. Wir sind der Meinung, daß auch dem für den Vertrag zuständigen Verantwortlichen bei seinen Bemühungen um die Erfüllung dieser Erfordernisse genügend technische Hilfe zu geben ist, um beurteilen zu können, ob das eingereichte Informationsmaterial tatsächlich einen ausreichenden Bericht über das, was getan wurde, gibt oder nicht. Es wäre zu verlangen, daß der für den Vertrag zuständige Verantwortliche bei diesen Beurteilungen eng mit dem Sachverständigen des Vertragspartners zusammenarbeitet.

Ein zweites mögliches Hindernis für eine vollständige Verbreitung von Informationsmaterial ist eine zu starre Auslegung der Sicherheitsvorschriften. Der Arbeitsausschuß ist sich der Unterschiedlichkeit in der Art und Weise bewußt, wie die kommunistische und wie die nichtkommunistische Welt mit Informationsmaterial verfahren. Wir glauben, daß bei einem gegenseitigem Abwägen unsere liberalere Politik zu größerer, nicht zu weniger Sicherheit führt. Demnach dürfte es nicht im öffentlichen Interesse liegen, ständig automatisch auf stärkere Verbreitung der Informationen zu drängen. Jeder Fall muß für sich entschieden werden. Unser allgemeiner Eindruck ist, daß die Sicherheitsvorschriften, wie sie heute von der AEC und vom DOD ausgelegt werden, das Regierungsinformationsystem weder ernstlich belasten - noch ermöglichen, daß zuviel Informationsmaterial bekannt gemacht wird: diese Schlußfolgerungen beruhen allerdings nur auf intuitiven Urteilen, und wir haben nicht genau untersucht, welche Kriterien für die Geheimhaltung den Interessen der Nation am besten dienen würden. Wir möchten empfehlen, daß eine hierfür besonders zu bildende Gruppe des Ausschusses für Informationsfragen beim Federal Council diese Frage weiterhin prüft. Ein damit verwandtes Problem, die Regelung des Rechtes, notwendigerweise etwas zu erfahren, ist offensichtlich durch die kürzlich unternommenen Schritte der ASTIA verbessert worden.

Schließlich berufen sich in vielen Fällen Vertragspartner auf angebliche Urheberrechte, um nützliches Material aus dem Informationsfluß herauszuhalten. Urheberrechte bei Regierungsaufträgen werfen verwickelte und schwierige juristische Fragen auf, die über das Thema der Informationsvermittlung hinausgehen. Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß die gegenwärtigen Bemühungen, eine einheitlichere Politik aller Regierungsstellen auf dem Gebiet der Patentrechte bei Forschungs- und Entwicklungsaufträgen der Regierung zu entwickeln, dahingehend erweitert werden sollten, daß sie auch nichtpatentfähige Urheberrechte umfassen. Eine solche Politik würde den für Verträge zuständigen Verwaltungsleitern bei der Entscheidung helfen, ob ein Lieferant berechtigt ist, Informationsmaterial zurückzuhalten. Anerkennend stellen wir fest, daß das DOD kürzlich dieser Frage seine Aufmerksamkeit zugewendet hat. Wir sind jedoch der Meinung, daß dies eine alle Regierungsstellen betreffende Angelegenheit ist, welche die Beachtung durch das Federal Council for Science and Technology erfordert.

C. Kritische Übersichten über Berichtsliteratur sind erforderlich

Weil es so viele technische Berichte gibt und die meisten von ihnen unredigiert und von unterschiedlicher Qualität sind, können Übersichten über technische Berichte als differenzierter Führer zur Literatur besonders nützlich sein. Der Bearbeiter der Berichtsliteratur darf nicht nur eine zusammenhängende Darstellung geben; er muß auch Lektor sein, indem er Falsches vom Richtigen trennt. Er muß ferner, um seinen Überblick in vollem Umfang wirksam werden zu lassen, die einschlägige zugängliche Literatur in die Bewertung mit einbeziehen.

Die Erfahrung hat bereits den Wert kritischer Übersichten über die Berichtsliteratur und die in Beziehung dazu stehende zugängliche Literatur erwiesen. Die Atomic Energy Commission gibt fünf vierteljährlich erscheinende Übersichts-Zeitschriften heraus: Nuclear Safety, Power Reactor Technology, Nuclear-Materials, Reactor Fuel Processing und Isotopes and Radiation Technology.x2) Diese von in der Praxis stehenden Fachleuten geschriebenen Übersichten sind von der technischen Gemeinschaft begeistert aufgenommen worden. Was auf dem Gebiet der Atomenergie so gut funktioniert, dürfte auch auf den anderen Gebieten gut funktionieren, wo Regierungsstellen die technische Entwicklung leiten, wie z. B. in der Raumfahrt- und Militärtechnik. Deshalb stimmen wir dem Plan der NASA zur Gründung solcher kritischen Übersichtszeitschriften zu und legen dem DOD dringend nahe, auf entsprechenden Gebieten das gleiche zu tun. Wo nichtstaatliche Gruppen in der Lage sind, solche Übersichtszeitschriften herauszugeben, sollten sie gefördert werden.

Es ist zu erwarten, daß derartige Zeitschriften am wirksamsten bei Fach-Informationszentren werden können; ja diese Zeitschriften könnten selbst das wichtigste Produkt des Fach-Informationszentrums sein. Da das Schreiben von Übersichten schwierig ist und Zeit kostet, benötigt das Fach-Informationszentrum zur Herstellung der Zeitschrift oft die Hilfe seiner Trägerinstitution. Daraus wird erneut klar, daß die Fach-Informationszentren und besonders die Übersichtszeitschrift für technische Berichte besser in großen Zentren technischer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten als in einem Zentral-Depot oder in einem Verlag entstehen sollten.

D. Regierungs-Depote sollten Großvertriebsstellen für Dokumente sein.

Selbst wenn die Informationssysteme der Regierungsdienststellen alle wertvollen und gut durchdachten Forschungs- und Entwicklungsberichte - und nur diese - enthielten, würde ein wirksames Weitervermitteln der in den Berichten enthaltenen Informationen an die Vielzahl potentieller Nutzer eine gewaltige Aufgabe bleiben. Der Arbeitskreis ist der Ansicht, daß letzten Endes das Weiterleiten von Informationen (nicht von Dokumenten) an die einzelnen Benutzer Aufgabe der Fachinformationszentren sein sollte. So kommen wir wieder darauf zurück, das Informationssystem als eine Hierarchie zu organisieren, wobei die Fach-Zentren eine Schlüsselstellung zwischen den großen Regierungs- oder anderen Depots und den einzelnen Nutzern einnehmen. Damit eine solche Methode wirksam wird, muß die Zahl der Fach-Zentren wesentlich zunehmen, vor allem mit Unterstützung und Förderung durch die Regierung. Eine derartige Entwicklung würde eine viel größere Zuweisung von Forschungsmitteln für die Arbeit mit Informationsmaterial erfordern, als es jetzt der Fall ist; aber das ist, wie wir zu wiederholten Malen betont haben, unerläßlich, wenn Wissenschaft und Technik lebensfähig erhalten werden sollen.

Große Regierungs-Depote, wie z. B. die Armed Services Technical Information Agency (ASTIA) des DOD oder die Division of Technical Information Extense (DTIE) der AEC oder das Office of Scientific and Technical Information (OSTI) der NASA würden nach diesem Plan in erster Linie die Verteiler von Dokumenten werden. Sie werden sich darauf konzentrieren müssen, Dokumente vor allem an Fach-Zentren und technische Bibliotheken statt an Einzelpersonen zu liefern; sie werden nicht neue Informationen hervorzubringen oder das von ihnen zu verteilende Material kritisch zu überprüfen haben. Diese prinzipielle Teilung der Arbeit zwischen den Regierungs-Depots und den Fach-Zentren bietet eine gute Grundlage für die folgenden Gedanken. Erstens: Das kritische Bearbeiten von Informationsmaterial ist eine Aufgabe des Wissenschaftlers, nicht des Dokumentalisten. Die zur Erfüllung dieser Aufgabe fähigsten Wissenschaftler werden erkennen, daß das Fachzentrum eine für sie angemessenere Heimstätte als das Regierungs-Depot ist. Zweitens: Da der Umfang der Literatur wächst, werden die Ankündigungsdienste der Zentral-Depots dem einzelnen immer weniger dienen; so ist der vom OTS des Department of Commerce zweimonatlich herausgegebene Schlüsselwörterindex, der alle Regierungspublikationen umfaßt, für den Bibliothekar oder für den Informationswissenschaftler deshalb nützlich, weil er ein so weites Gebiet umfaßt; doch aus dem gleichen Grunde überwältigt er den an bestimmten Projekt oder Fachgebiet interessierten Einzelnutzer. Außerdem sammelt das große Regierungs-Depot oft nur Berichte über die von einer einzelnen Dienststelle finanzierten Arbeiten, wohingegen das Fach-Zentrum ohne Ansehen der Finanzierungsquelle Berichte sammelt, die für sein Fachgebiet oder seine Aufgabe von Bedeutung sind. Der einzelne Nutzer, ganz gleich, ob er auftrags- oder fachorientiert ist, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit das von ihm Benötigte in den Ankündigungsbulletins des Fach-Zentrums als in denen des Regierungs-Depote finden. Die Interessen des Fach-Zentrums entsprechen sozusagen in differenzierter Weise denen des einzelnen Nutzers, und es ist für ihn daher wirksamer als das große Depot.

E. Die Regierungsstellen müssen informierter werdenx3)

Wenn wir auch erwarten, daß die Fach-Zentren schließlich eine zentrale Rolle übernehmen werden, so können wir doch nicht mit Sicherheit sagen, wann das sein wird. Inzwischen werden die Systeme der Regierungsstellen weiterhin sowohl Einzelpersonen als auch Bibliotheken im Auge behalten müssen und Auskünfte an die mit der Bearbeitung von Lieferungsverträgen betrauten Verwaltungsleiter sowie Informationsmaterial für technische Spezialisten zu geben haben. Wie gut kommen die Regierungsstellen diesen unterschiedlichen Aufgaben, dem Sammeln, Verbreiten und Wiederauffinden von Dokumenten, die von Dienststellen hervorgebracht wurden, ihren Kunden gegenüber nach? Können die Regierungsstellen diese Aufgaben besser durchführen? Man kann hier nur wenig verallgemeinern; die Regierungsstellen unterscheiden sich voneinander weitgehend in der Art und Weise, wie sie ihr Informationsmaterial verbreiten, und was noch wichtiger ist, in ihrer Einstellung zur Information. Das ist teils deshalb zu erwarten, weil der aus den Forschungsprogrammen der Regierungsstellen hervorgehende Stoff so unterschiedlich ist, teils deshalb, weil bei manchen Regierungsstellen die Information ein Teil der gesetzlich festgelegten Aufgaben, bei anderen aber nicht ist. So gibt die NSF, die sich in erster Linie mit Grundlagenforschung befaßt, wovon die meisten Ergebnisse in der Standardliteratur erscheinen, keine Ankündigungen der von ihren Vertragspartnern oder Konzessionären herrührenden Berichte heraus; das DOD, welches sich zumeist mit technischen Entwicklungen befaßt, kündigt diejenigen ihrer Berichte an, die in das ASTIA-System eingehen. Das Gesetz weist einige Regierungsstellen, namentlich die AEC, das Department of Agriculture und die NASA an, Informationsmaterial zu verbreiten; andere, so das DOD, haben keine derartigen gesetzlich festgelegten Direktiven. Natürlich nehmen Regierungsstellen, die die Information als Teil ihrer Aufgabe ansehen, deren Verbreitung ernster als jene, denen diese Verantwortlichkeit nicht übertragen wurde.

Ob der Anlaß dazu nun in unterschiedlichen Kongreßdirektiven oder in den Unterschiedlichkeiten des zu behandelnden Stoffes liegt, die Regierungsstellen weichen jedenfalls voneinander höchst auffallend in der Bereitstellung potentiell nützlichen Materials ab. Wir haben bereits erwähnt, daß die ASTIA, die Dienststelle für technisches Berichtsinformationswesen des DOD, nicht mehr als 40 Prozent der Berichte sammelt, die Nebenprodukte der Forschungs- und Entwicklungsprogramme des DOD sind. Die DTIE, das AEC-Gegenstück zur ASTIA, bezieht nicht nur sämtliche aus der AEC hervorgegangenen Berichte mit ein, sondern auch alle Publikationen - aus der freigegebenen Literatur und aus nicht von der AEC stammenden technischen Berichten -, die sich mit Kernwissenschaft und -technik befassen. Die DTIE ist sozusagen ein "Handlungsbevollmächtigter" für alle Dokumente, die sie als mit der Kernwissenschaft in Verbindung stehend erklärt. Die NSF bemüht sich nicht speziell, Berichte, die aus der unter ihrem Patronat stehenden Forschung hervorgehen, zu sammeln und auf Anforderung zugänglich zu machen. Ihre Forschungsarbeiten werden als Teil der regulären Literatur veröffentlicht und durch die üblichen Kanäle der wissenschaftlichen Gesellschaften übermittelt.

Es bestehen Widersprüche zwischen den Praktiken der verschiedenen Dienststellen selbst dort, wo ähnliche Situationen vorzuliegen scheinen. Die AEC fördert viele Forschungsarbeiten, die ebenso zur Grundlagenforschung gehören (und ebensowenig aufgabenorientiert sind) wie alles, was von der NSF gefördert wird; aus welchem Grunde sollten Resultate dieser Forschungsarbeit in das AEC-System aufgenommen und von ihm verbreitet werden, während Resultate der NSF-Forschung in keinem Regierungsstellensystem zu finden sind? Ferner: Die NASA und das DOD subventionieren beide die Entwicklung von Großraketen - doch findet das Informationsmaterial, das aus dem von der NASA subventionierten Programm hervorgeht, seinen Weg in das NASA-System eher als das ähnliche Material aus der Trägerschaft des DOD seinen Weg in dessen System.

Die Widersprüche zwischen den Verfahrensweisen der Regierungsstellen beschränken sich nicht auf die Auswahl dessen, was zu erfassen ist. Nehmen wir nur einmal die Angelegenheit der Verteilung: Einige Regierungsstellen verteilen gewohnheitsmäßig nicht weniger als 1.000 Kopien an andere Organisationen, die als potentielle Nutzer angesehen werden; andere, die die gleiche Art Material bearbeiten, verteilen weniger als 100 Kopien. Jedes Regierungssystem hat sein eigenes System für das Ankündigen, das Erschließen und das Referieren von Berichten. Einige der Schlüsselwörter-Indexsysteme sind aufeinander abgestimmt, andere nicht; manche Systeme verwenden gar keine Schlüsselwörter.

Die technischen und mechanischen Unterschiede zwischen Regierungsstellen-Informationssystemen - Unterschiede im Format, in der Erschließungsmethode, in der Vergleichbarkeit der Referatedienste, in der Verteilung und dergleichen - sind ziemlich komplizierte Angelegenheiten, die unter der Leitung des Office of Science Information Service der NSF allmählich gebessert werden. Demgegenüber sind Widersprüche in der Einstellung von Dienststellenleitern zum Informationswesen eine andere Angelegenheit; so lange Information von einigen Dienststellen für wichtig, von anderen aber für unwichtig gehalten wird, werden einige von ihnen ein aktives technisches Informationssystem haben, andere dagegen nur ein schwaches.

Unsere an jede einzelne Regierungsstelle gerichtete grundsätzliche Empfehlung lautet daher, die Information ernst zu nehmen; alle Dienststellenleitungen müssen die Information als ein wichtiges Produkt ihres Wirkens erkennen, ganz gleich, ob der Kongreß dies bestimmt hat oder nicht, die Lenkung und Verbreitung von Informationen sind als ein lebenswichtiger Teil von Forschung und Entwicklung anzuerkennen. Jede Regierungsstelle sollte einen Schwerpunkt der Verantwortlichkeit für die technische Information schaffen - bei einem hochgestellten Beamten, der darauf zu achten hat, daß die Informationstätigkeit in seiner Dienststelle sowohl vernünftig als auch energisch betrieben wird. Solch ein Schwerpunkt der Verantwortlichkeit muß ein Teil der technischen, nicht etwa der Verwaltungsleitung der Dienststelle sein. Der Verantwortliche hätte darüber zu entscheiden, in welchem Umfang und in welcher Art das Informationsmaterial bearbeitet werden müßte; es wäre von ihm zu verlangen, daß er die Infomationstätigkeit seiner Dienststelle mit der anderer Dienststellen vergleicht; kurz, er hätte auf einer zweckmäßigen Behandlung der technischen Literatur zu bestehen, für die seine Dienststelle verantwortlich ist.

F. Die Zusammenarbeit der Regierungsstellen ist erforderlich

Wenn jede sich mit technischen Arbeiten beschäftigende Regierungsstelle einen Schwerpunkt der Verantwortlichkeit für Informationsfragen geschaffen und die damit betraute Persönlichkeit mit genügend Handlungsvollmacht ausgestattet hat, dann sollte eine allmähliche Verbesserung der Verfahrensweise erwartet werden dürfen, in der die staatlichen Dienststellen das von ihnen erarbeitete Informationsmaterial behandeln. Doch mit der Initiative der getrennt für sich handelnden Regierungsstellen ist es noch nicht getan. Weil das von der einen Regierungsstelle bearbeitete Informationsmaterial auch für andere nützlich ist, werden dringend Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Dienststellen erforderlich. Wir begrüßen es daher, daß der Federal Council for Science and Technology ein Informationskomitee gegründet hat, das unter anderem versuchen soll, für alle Regierungsstellen gültige Standards für die Bearbeitung von Informationsmaterial zu schaffen. Dieses Komitee wird auch die Aufmerksamkeit auf viele der offensichtlichen Widersprüche in der Behandlung vergleichbarer Probleme durch verschiedene Regierungsstellen zu lenken haben; es wird zum Beispiel zu fragen haben, weshalb die AEC in bezug auf die Kernwissenschaft und -technik handlungsbevollmächtigt sein soll, nicht aber die NIH hinsichtlich der Molekularbiologie, oder weshalb der von verschiedenen Regierungsstellen für Information aufgewandte Betrag im Verhältnis zu der von ihnen für Forschung und Entwicklung insgesamt ausgegebenen Summe so sehr differiert. Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, und die richtige Antwort lautet auch nicht in allen Fällen, daß mehr für Informationsdienste aufzuwenden ist. Außerdem gibt es viele technische Details, die bei einer einheitlichen Behandlung seitens der verschiedenen Dienststellen zu einer leichteren Informationsübermittlung zwischen den einzelnen Dienststellensystemen führen würden. Diese Detailfragen werden zweifellos die ständige Beachtung seitens des Informationskomitees erfordern.

Die Arbeit des Informationskomitees wird vom Office for Science Information Service der NSF unterstützt werden. Dieses Amt weiß am besten über die staatlichen und nicht-staatlichen Informationsprobleme Bescheid, und es wird weiterhin die wichtige Rolle spielen, wie sie in Titel 9 des Gesetzes über die Erziehung zur nationalen Verteidigung in bezug auf die Rationalisierung der Regierungs-Informationsdienste definiert ist. Da jedoch die NSF selbst eine Regierungsstelle auf gleicher Ebene wie die übrigen Dienststellen ist, kann sie andere Dienststellen in der Hauptsache nur überzeugen, nicht aber anweisen, sich an die für alle Regierungsstellen geltenden Standards zu halten oder angemessene Verantwortlichkeiten für die Behandlung ihres Informationsmaterials auf sich zu nehmen.

Die Anleitung auf der Ebene des Gesamtbereiches der Regierung muß in erster Linie vom Federal Council for Science and Technology ausgehen, größtenteils über dessen Informationskomitee, zum Teil mit Unterstützung durch seine leitenden Mitarbeiter, und wenn notwendig über seinen Vorsitzenden, den Sonderbeauftragten des Präsidenten für Wissenschaft und Technik. Infolgedessen muß die Verantwortlichkeit für Probleme der wissenschaftlichen und technischen Information in den Rahmen des neuen Amtes für Wissenschaft und Technik einbezogen werden.

G. Clearingstellen auf gesamtstaatlicher Ebene erforderlich

Clearingstellen auf gesamtstaatlicher Ebene werden benötigt, um die Regierungsstellensysteme miteinander und mit den nichtstaatlichen Informationssystemen zu integrieren. Voraussetzungen für die benötigten Clearingstellen bestehen bereits, aber diese müssen grundsätzlich verstärkt werden.

1. Auskunft über laufende Forschungsarbeiten

Von den Clearingstellen wird eine als geeignetes Fach-Zentrum benötigt, die auf die Frage Antwort geben kann: Wer führt wo welche Forschungsarbeit durch? Diese Arbeit sollte damit beginnen, daß zunächst nur die mit staatlicher Unterstützung durchgeführte Forschung herangezogen wird, später könnte sie aber auf freiwilliger Basis auch auf nichtstaatliche Arbeiten ausgedehnt werden. Es wäre höchst zweckmäßig, wenn die Clearingstelle für laufende Arbeiten eine erweiterte und verstärkte Form des Science Information Exchange (SIE) sein wurde. Der SIE erfaßt gegenwärtig etwa 75 Prozent dar vom Staat subventionierten Forschung auf dem Gebiet der Biologie und hat gerade damit begonnen, die physikalischen Wissenschaftszweige zu erfassen. Wir sind der Ansicht, daß dieser Austauschdienst so erweitert werden sollte, daß er sowohl alle unter dem Patronat der Regierung stehenden als auch alle übrigen physikalischen und biologischen Wissenschaftszweige mit einbezieht, daß eine Clearingstelle für technologische Entwicklungsarbeiten (als Teil des SIE oder diesem angegliedert) errichtet werden sollte und daß der Austauschdienst zweckmäßig durch Zurverfügungstellen besonderer Fonds und nicht durch freiwillige Beiträge der beteiligten Dienststellen subventioniert werden sollte. Alle sich mit Forschung und Entwicklung beschäftigenden Regierungsstellen können dem Austauschdienst viel helfen, indem sie mit Eifer und Sorgfalt Auskünfte über laufende Arbeiten sammeln und diese an jenen leiten.

2. Ankündigung und Verbreitung von Berichten

Die staatlichen Berichte und andere technische Dokumente werden gegenwärtig durch das Office of Technical Services des Department of' Commerce (OTS) und durch den Superintendent of Documents des Government Printing Office (GPO) angekündigt und vertrieben. Das GPO kündigt nur solches Material an und verkauft es, das es selbst druckt. Demgegenüber kündigt. das OTS, obwohl es nur die Dokumente verkauft, mit denen sich das GPO nicht befaßt, durch sein Bulletin "U.S. Government Research Reports" sowohl Titel aller zugänglich gemachten technischen Berichte von Forschungs- und Entwicklungsdienststellen - hauptsächlich der AEC, der NASA und des DOD - wie auch jene GPO-Dokmente mit technischem Inhalt an. Das OTS war bisher in seiner Arbeit behindert, weil nicht alle Dienststellen ihr Material beigesteuert haben und weil es mehr Geld benötigt, um seine Aufgaben optimal lösen zu können. Wir sind der Ansicht, daß das OTS so ausreichend subventioniert werden sollte, daß es schnell ankündigen und an alle Kunden billig eine Kopie aller zugänglichen technischen Berichte des Staates liefern kann - kurz, daß es zu einer Vertriebsstelle für alle technischen Berichte der Regierungsstellen werden sollte.

3. Retrospektive Suche und Quellennachweisdienst

Das Netzwerk der technischen Information ist bereits jetzt ein verwickeltes Konglomerat von Regierungsstellensammlungen, technischen Bibliotheken, Fach-Zentren und privaten Diensten; in dem Maße, wie unsere Technik wächst, wird das gesamte System komplizierter werden. Wie soll jemand, der Informationsmaterial sucht, wissen, wo er mit der Suche nach einem bestimmten Sachverhalt beginnen soll, und welche Hilfe kann er bei dieser Suche erwarten? Wenn der Suchende über die Regierungsstellen Bescheid weiß und wenn seine Frage präzise zum Bereich einer bestimmten Institution gehört, mag das Problem einfach sein. Doch die meisten Anfragen sind nicht so einfach zu behandeln. Es ist unwahrscheinlich, daß der gelegentliche Nutzer des Regierungs-Informationssystems weiß, daß Material über Bioagrikulturforschung nicht nur in der Nationalbibliothek für Landwirtschaft, sondern auch in der Nationalbibliothek für Medizin, in der Kongreßbibliothek, bei der Division of Technical Information Extension der Atomic Energy Commission und an vielen anderen Stellen aufbewahrt wird. Ein nationaler Quellennachweisdienst, der alle Anfragenden an die richtige Bibliothek oder den richtigen Informationsdienst verweisen könnte, ist offensichtlich erforderlich, denn sonst gibt es nur ein dürftig miteinander verbundenes System von Informationssystemen. Der Arbeitskreis billigt deshalb nachdrücklich die kürzlich unternommene gemeinsame Aktion der National Science Foundation und der Kongreßbibliothek zur Einrichtung eines National Technical Referral Center als Teil der Kongreßbibliothek.

Das geplante nationale Quellennachweiszentrum sollte alle Fach-Informationszentren im Auge behalten und die Nutzer mit dem geeigneten in Verbindung bringen. Im Hinblick auf unsere Voraussage, daß die Menge der Fach-Informationszentren wahrscheinlich merklich zunehmen wird, glauben wir, daß dies eine besonders wichtige Tätigkeit des Quellennachweiszentrums sein muß.

Wir möchten ferner vorschlagen, daß dieses Zentrum ein auf dem laufenden gehaltenes Verzeichnis aller regulären technischen Tagungen führt und daß es periodisch Ankündigungen dieser Tagungen vornimmt, und zwar am besten nach Fachgebieten untergliedert.


x2) Das Erscheinen der ersten Ausgabe von "Isotopes and Radiation Technology" ist für April 1963 vorgesehen.
x3) In diesem und dem folgenden Abschnitt stützt sich der Arbeitskreis weitgehend auf die Arbeit einer speziellen Studiengruppe, aus J. H. Crawford jr. als Vorsitzendem und G. Abdian, W. Fazar, S. Passman, R. B. Stegmaier jr. und Joshua Stern. Der Arbeitskreis erkennt die sehr wichtigen Beiträge dieser Gruppe dankbar an.


Teil 5: 
DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN DEN REGIERUNGS- UND DEN PRIVATEN INFORMATIONSSYSTEMEN

Wo endet die Verantwortung der Regierung für die Bereitstellung von Informationsmaterial, sei es als "Großverteiler" oder als "Kleinverteiler"? In bezug auf die vom Staat oder seinen Vertragspartnern herausgebrachten technischen Berichte und Dokumente gibt es darüber keine Frage; die Regierung ist selbstverständlich für das Verbreiten und Wiederauffinden ihrer eigenen Berichtsliteratur verantwortlich. Eine Frage aber bedarf der Klärung: Um wieviel weiter geht die Verantwortung der Regierung - wie sollte sie mit anderem Informationsmaterial als ihren eigenen Berichten, das für ihre Aufgabe wichtig ist, verfahren?

Wir haben gesehen, wie verschieden die Dienststellen auf diese zentrale Frage reagieren. Das eine Extrem wird von der AEC und der NASA gebildet; diese Dienststellen sind Handlungsbevollmächtigte auf den Gebieten der Atomenergie und der Raumfahrttechnik. Sie legen ihre Verantwortung sehr weitgehend aus; die DTIE, der AEC versucht deshalb, alle Informationen über Atomenergie zu bekommen, ganz gleich, ob sie innerhalb der Atomic Energy Commission oder anderswo entstanden sind. Ihre Referatezeitschrift und ihre technischen Übersichten umfassen sowohl die Regierungs-Literatur als auch die übrige, und sie unterhält einen voll ausgebauten Informationsdienst für Atomenergiefragen, nicht bloß ein Depot für technische Berichte; außerdem fördert sie das private Informationswesen auf dem Gebiet der Atomenergie. Das andere Extrem stellt das DOD dar, dessen zentrales Informationssystem, die ASTIA, sich nur mit DOD-Berichten befaßt. Sollten nicht auch andere Dienststellen als die AEC und die NASA zu Handlungsbevollmächtigten für das Verbreiten von Dokumenten auf ihren jeweiligen Gebieten werden, d. h., sollten sie in ihren Zentral-Depots alles für ihre Aufgaben wichtige Informationsmaterial sammeln und verbreiten, unabhängig davon, ob es aus von ihnen unterstützter Arbeit herrührt oder nicht?

Ein offensichtlicher Vorteil der Beauftragung einer einzigen Dienststelle als Handlungsbevollmächtigter für ein besonderes Gebiet besteht in der großen Bequemlichkeit für die Nutzer; ein Raumfahrtwissenschaftler oder -Informationszentrum braucht nur auf das von der NASA bereitgestellte Material zu achten, da die NASA durch Verschmelzung ihres eigenen Ankündigungsdienstes mit dem des nichtstaatlichen Institute of Aeronautical Sciences alle Literatur über Raumfahrtforschung erfaßt. Andererseits wäre es unnatürlich und unklug, wenn eine Dienststelle durch ihre Aufgabe auf einen nur kleinen Ausschnitt eines Gebietes beschränkt ist, aber das ganze Gebiet für sich beanspruchen wollte. Daher muß jeder Fall im einzelnen geprüft werden.

Die Atomic Energy Commission und die NASA sind bereits Handlungsbevollmächtigte auf den Gebieten der Atomenergie und der Raumfahrtforschung. Wir meinen, daß dies gerechtfertigt ist und auch gut funktioniert. Selbstverständlich kann das DOD wegen des Umfangs und der Mannigfaltigkeit seiner Interessen nicht zu einem Handlungsbevollmächtigten für die gesamte Technik werden. Dennoch sind wir der Ansicht, daß das DOD ein Handlungsbevollmächtigter für bestimmte aufgabenorientierte Gebiete werden könnte und sollte, zum Beispiel für Unterwasserkriegführung, Radarwesen, Zivilverteidigung. Für diese Gebiete sollte das DOD die gleichen bibliographischen Materialien und Informationsdienste zur Verfügung stellen wie das die AEC auf dem Gebiet der Atomenergie oder die NASA auf dem Gebiet der Raumfahrtforschung tut. Es sollte aktiv die private Initiative im Informationswesen unterstützen, und es sollte seine eigenen Dienste mit denen der privaten Stellen verknüpfen. Dort hingegen, wo die Gebiete sehr breit und nicht klar aufgabenorientiert sind, wie etwa die Chemie oder Physik, kann das DOD selbstverständlich nicht Handlungsbevollmächtigter sein - wenn auch die Überschriften "Chemie" und "Physik" weiterhin im Ankündigungsbulletin der ASTIA erscheinen sollten.

Wir glauben, daß unsere Empfehlungen an das Kriegsministerium recht gut auch auf die National Institutes of Health anwendbar sein könnten: daß die NIH spezielle Gebiete festlegen könnten, die für ihre einzelnen Institute von besonderer Bedeutung sind, und daß alle Institute die Schaffung von Fachinformationszentren, die der gesamten biomedizinischen Gemeinschaft zur Verfügung stehen, erwägen sollten. Der ganze Komplex der NIH-Informationszentren könnte in den Bereich der Nationalbibliothek für Medizin und insbesondere in das Medlarssystem einbezogen werden, Von dem Verantwortlichen innerhalb der NIH wäre zu verlangen, daß er Überschneidungen und Lücken in ihrem System beseitigt.

A. Regierungsstellen müssen weitgehende Verantwortung übernehmen

Wenn eine Regierungsstelle zum Handlungsbevollmächtigten für ein bestimmtes Gebiet wird, muß sie über das bloße Sammeln, Ankündigen und Referieren des einschlägigen Materials hinaus weitere Verantwortung übernehmen. Sie muß bei der Errichtung und Unterstützung von Fachinformationszentren auf ihrem Gebiet mithelfen; sie muß förderungswürdige Publikationen unterstützen, die sonst keine Unterstützung erhielten. Sie muß ganz allgemein aktiv sein bei der Entwicklung einer besseren Informationsvermittlung auf ihrem Fachgebiet, und zwar innerhalb und außerhalb der Regierung. Wir schlagen vor, daß die Dienststellen als Handlungsbevollmächtigte für die Gebiete, mit denen sie sich befassen, die Bedeutung haben, die das NSF-OSIS für die wissenschaftliche Information im allgemeinen hat. Das ist durchaus zu begründen. Die Information ist ein wesentlicher Teil der Forschungsarbeit; wenn eine Regierungsstelle zur Unterstützung ihrer Aufgaben die Forschungsarbeit fördert, so sollte sie auch Mittel bereitstellen zur Unterstützung des für ein wirkungsvolles Durchführen jener Forschung notwendigen Informationsflusses.

Die Teilung der Verantwortung zwischen der NSF und den Dienststellen entspricht der Dualität von Aufgabe und Fachrichtung, die wir in Teil 2 erörtert haben. Die Regierungsstellen hätten aufgabenorientierte Informationstätigkeiten, die NSF fachorientierte zu unterstützen. Wenn zum Beispiel das American Institute of Physics einen Versuch mit einem Zentral-Depot zu machen wünschte und dafür staatliche Unterstützung benötigte, würde es zur NSF gehen; wenn die American Nuclear Society ähnliche Unterstützung brauchte, würde sie sich an die AEC wenden. Ein Fachinformationszentrum für Kristallographie würde zum Verantwortungsbereich der NSF gehören, eines für Virusforschung zu dem der NIH. Die Trennung zwischen Aufgabe und Fachrichtung ist nicht eindeutig, und eine gewisse Überschneidung zwischen der NSF und anderen Dienststellen ist zu erwarten. Das Informationskomitee des FCST sollte gerade ein solches Überschneiden oder solche Lücken beobachten und dazu beitragen, daß das ganze System vernünftig und wirksam bleibt.

Die Einbeziehung der Regierung in das Wissenschaftliche Informationswesen geht ständig weiter, wie auch ihre Verflechtung mit Wissenschaft und Technik zunimmt. Kann dieser wachsende Einfluß so gelenkt werden, daß die auf die Nutzerbedürfnisse eingestellten privaten Informationssysteme nicht von komplizierten, auf den Einzelbenutzer wenig Rücksicht nehmenden Regierungssystemen fortgeschwemmt werden? Das Eingehen auf den Nutzer bei den besseren Informationssystemen technischer Gesellschaften ist sehr wertvoll; wir sollten nicht leichtfertig diese Systeme durch solche von Staatsbürokraten hervorgezauberten Ad-hoc-Systeme ersetzen. Nach unserer Ansicht vermeiden die von uns gemachten Empfehlungen diese Gefahr. Erstens haben wir darauf bestanden, daß der Schwerpunkt der Verantwortung in jeder Dienststelle ein Teil ihrer Forschungs- und Entwicklungsleitung zu sein habe. Ein großer Teil des den Regierungsinformationssystemen fehlenden Eingehens auf die Bedürfnisse der Benutzer kommt, wie wir meinen, daher, daß sie eher ein Teil der Verwaltung als der Forschung sind. Zweitens wird bei der Übertragung der Verantwortung für die Behandlung der aufgabenorientierten Information an aufgabenorientierte Dienststellen die Regierung durch Ingenieure dieser Stellen vertreten, die meist mit der Aufgabe dieser Dienststellen vertraut sind. Von ihnen wäre zu erwarten, daß sie beide Sprachen sprechen, die der technischen Gemeinschaft und die des Dokumentalisten; wenn sie die Information fördern, könnte von ihnen auch erwartet werden, daß sie alle expansionistischen Neigungen der Regierung mit ihrem Verständnis für das, was das Fachgebiet wirklich benötigt, abbremsen. Schließlich weisen wir darauf hin, daß die Unterstützung einer Forschungsaufgabe durch den Staat nicht notwendigerweise dessen Vormachtstellung bedeutet. Wir denken dabei daran, daß vieles von dem, was eine Regierungsstelle für die Beschaffung von Informationsmaterial ausgibt, über Verträge an private Institutionen zu vergeben wäre. Das NSP-OSIS hat erfreulich hohe Maßstäbe für die Unterstützung ausgearbeitet, ohne damit die Herrschaft über die wissenschaftliche Information auszuüben.

B. Das Informationswesen ist ein ständiges Problem

Um mit den durch das Anwachsen von Wissenschaft und Technik entstehenden Informationsproblemen fertig zu werden, bedarf es der Hilfe aller Wissenschaftler, nicht nur der Informationsspezialisten: es bedarf der Hilfe sämtlicher Regierungsstellen durch Zurverfügungstellen von Geldern für Wissenschaft und Technik, nicht nur seitens derjenigen Stellen, die vom Kongreß beauftragt wurden, die Information zu subventionieren. In diesem Bericht haben wir deshalb auch zwei Hauptpunkte hervorgehoben.

Erstens: Die Information ist ein Teil von Forschung und Entwicklung.

Zweitens: Alle, die in Forschung und Entwicklung arbeiten - die einzelnen Wissenschaftler und Ingenieure, private Institutionen, die Industrie und die Regierungsstellen müssen eine bewußte Einstellung zur Information gewinnen und dieser einen größeren Teil ihrer Kräfte und Mittel widmen.

Doch auch dann, wenn unser Rat ernst genommen wird, werden Informationsprobleme bestehen bleiben. Wir sind deshalb der Ansicht, daß der Wissenschaftliche Beratungsausschuß des Präsidenten entweder durch wiederholte Berufung von Ad-hoc-Arbeitsausschüssen oder durch einen kleinen ständigen Arbeitsausschuß mit wechselnder Mitgliedschaft dem wissenschaftlichen und technischen Informationswesen ständige Beachtung zuwenden sollte.

Ein solcher Arbeitsausschuß hätte die Probleme zu beraten, die von uns nur flüchtig berührt wurden: zum Beispiel die Festlegung von Normen hinsichtlich des Umfangs der benötigten Information oder die Einschätzung des technischen Wertes bestimmter Methoden zum Aufbereiten des Informationsmaterials oder auch die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen unserem nationalen Informationssystem und dem internationalen System. Vor allem muß dem Gleichgewicht zwischen Regierungs- und privaten Institutionen ständige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wir müssen im Interesse sowohl der Regierung wie der technischen Gemeinschaft stets darauf bedacht sein, daß das Regierungsinformationssystem zwar funktionsfähig bleibt, aber nicht die bestehenden privaten Systeme erdrückt, daß sich unsere Regierungs- und privaten Systeme weiterhin zu einer in zweckmäßiger Weise miteinander verknüpften Einheit entwickeln, welche stets aufgeschlossen für die sich wandelnden Bedürfnisse unserer Wissenschaft und Technik ist.


MITGLIEDER DES ARBEITSKREISES FÜR WISSENSCHAFTLICHES INFOFMTIONSWESENX4)

William O. Baker, Vice President (Research), Bell Telephone Laboratories
Karl Cohen, Manager, Advanced Engineering, Atomic Power Experiment Department, General Electric Co.
James H. Crawford, Jr., Editor, Journal of Applied Physies, Oak Ridge National Laboratory
Louis P. Hammett, Mitchill Professor Emeritus of Chemistry, Columbia University
A. Kalitinsky, Program Director, NOVA, General Dynamics/Astronautics
Gilbert W. King, Director of Research, IBM Research Center
William T. Knox, Manager-Planning, Esso Research & Engineering Co.
Joshua Lederberg, Stanford University Medical Center
Milton O. Lee, Executive Secretary, Federation of American
Societies for Experimental Biology
John W. Tukey, Professor of Mathematics, Princeton University, and Associate Executive Director, Bell Telephone Laboratories
Eugene P. Wigner, Thomas D. Jones Professor of Mathematical Physics,.Princeton University
Alvin M. Weinberg, Director, Oak Ridge National Laboratory (Chairman)
Jay Hilary Kelley, Office of Science and Technology, Executive Office of the President, Staff Assistent


x4) Der Arbeitsausschuß möchte seine Anerkennung aussprechen für die ihm geleistete Unterstützung durch F. Kertesz, Oak Ridge National Laboratory, beim Protokollieren und Zusammenstellen der Sitzungsberichte des Arbeitsausschusses sowie für den Beitrag der Gruppe für Sonderaufgaben des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Wissenschaft und Technik; die Mitglieder dieser Gruppe sind in der Fußnote x3 aufgeführt.


WISSENSCHAFTLICHER BERATUNGSAUSSCHUSS DES PRÄSIDENTEN

John Bardeen, Professor of Electrical Engineering and Physics, University of Illinois
Harvey Brooks, Dean, Division of Engineering and Applied Physics, Harvard University
Paul M. Doty, Professor of Chemistry, Harvard University
Richard L. Garwin, Watson Research Laboratory, Columbia University - International Business Machines
Edwin R. Gilliland, Professor of Chemical Engineering, Massachusetts Institute of Technology
Donald F. Hornig, Professor of Chemistry, Princeton University
George B. Kistiakowsky, Professor of Chemistry, Harvard University
Robert F. Loeb, Bard Professor of Medicine, Columbia University
Colin M. Macleod, School of Medicine, New York University
Wolfgang K. H. Panofsky, Director, Stanford Linear Accelerator Center, Stanford University
Frank Press, Director, Seismological Laboratory, California Institute of Technology
Edward M. Purcell, Professor of Physics, Harvard University
Frederick Seitz, President, National Academy of Sciences
John W. Tuckey, Professor of Mathematics, Princeton University
Alvin M. Weinberg, Director, Oak Ridge National Laboratory
Jerrold R. Zacharias, Professor of Physics, Massachusetts Institute of Technology
Jerome B. Wiesner, Special Assistant to the President for Science and Technology, The White House (Chairman)


Last update: 30. November 1997 / © by Walther Umstaetter