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of Prof. Walther Umstätter
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von
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
Von der Schrift, der Gesamtheit der in einem System zusammengefaßten graphischen Zeichen, mit denen Sprache sichtbar festgehalten und lesbar gemacht wird, unterscheiden sich ihre Vorstufen dadurch, daß sie noch nicht alle ihre Merkmale aufweisen: die gegenständlichen Vorstufen, wie Grenzsteine, Kerbhölzer, Knotenschnüre (Quipu) u.ä., können zwar Erinnerungs- oder Mitteilungszwecken dienen, sind aber nicht graphisch fixiert; die zeichnerischen Vorstufen sind zwar graphisch hervorgebracht, erfüllen aber keinen Mitteilungszweck. So waren die Felsbilder, die an Felswänden, besonders in Höhlen, auf Steinplatten und Felsblöcken angebrachten Darstellungen verschiedenen Inhalts, vor allem von Tieren, wie sie sich insbesondere in zahlreichen Höhlen Westeuropas finden, vermutlich nicht zur Information von Menschen bestimmt; vielmehr dürften diese ältesten, in ihrem Alter gesicherten Dokumente der Menschheit (30000 -8000 v.Chr.) wohl kultischen Zwecken, möglicherweise auch nur als Äußerung des Kunst- oder Spieltriebes gedient haben. Aber auch die frühen Bilderschriften erlaubten zwar Mitteilungen, waren aber noch ohne Sprachbindung.
Die Anfänge der Bilderschrift, einer Schrift, die Wörter, Begriffe oder gedankliche Zusammenhänge in bildhafter Form darstellt, sind in die Zeit um etwa 10000 v.Chr. zu datieren. Die frühen Bilderschriften zeigten Gegenstände, Tiere, Pflanzen, Tätigkeiten in stilisierter, aber noch ohne weiteres erkennbarer Gestalt. Bilderschriften dieser Art waren die ältesten Schriften überhaupt: die archaische Bilderschrift der Sumerer (Keilschrift [3500 v.Chr.]) und die Vorläufer der ägyptischen Hieroglyphen(3000 v.Chr.).
Die "Erfindung" der Schrift gehört zu den entscheidenden Wendepunkten innerhalb der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Die Schrift entstand zwischen Mitte und Ende des 4. Jtsd. v.Chr. im Vorderen Orient mit der Keilschrift der Sumerer (3500 v.Chr.) und den Hieroglyphen der Ägypter (3000 v.Chr.) sowie im Fernen Osten mit den Ideogrammen der Chinesen (chinesische Schrift [2. Jahrtsd. v.Chr.]).
Ton als Beschreibstoff benutzten bereits Ende des 4.
Jtsd. v.Chr. die Sumerer. Auf Tausenden von
Tontafeln sind die Schriftzeugnisse der
Babylonier
und Assyrer überliefert. Als eine der berühmtesten
Tontafelsammlungen
gilt die in Ninive gefundene Bibliothek des assyrischen Königs
Assurbanipal
(668 bis etwa 627 v. Chr.) (heute zum größten Teil im
Britischen
Museum, London). Sie enthält u.a. die frühbabylonischen
Fragmente
des Gilgamesch-Epos (um 2000 v.Chr.), die zu den ältesten erhaltenen
"Büchern" (in Form von Tontafeln) gehören.
Der Ton wurde für Schreibzwecke in verschiedenen Qualitäten
verarbeitet. Als Schreibgerät diente der aus hartem Schilfrohr (auch
aus Knochen oder Metall) hergestellte, vorn abgeschrägte Griffel mit
rechteckigem oder dreieckigem Querschnitt, mit dem die (Keil-)
Schriftzeichen
in den weichen Ton gedrückt wurden. Die Tafeln wurden an der Sonne
getrocknet oder auch, um sie dauerhafter zu machen, im Feuer gebrannt.
Der Stempel- und Siegeldruck war als
ältestes
Druckverfahren in den frühen mesopotamischen und ägyptischen
Kulturen
(4./3. Jahrtsd. v.Chr.) bekannt und
später im antiken Rom weit verbreitet: Stempel in Form von Stein-,
Ton-
oder Metallplatten mit Bild- und/oder Schriftgravierungen dienten vor
allem
zu Beurkundungen und zur Kennzeichnung keramischer Erzeugnisse
(Töpfe,
Schüsseln, Ziegelsteine). Rollsiegel benutzte man in Mesopotamien
Anfang
des 3. Jtsd. v.Chr.
Der Schritt von diesem frühen Druckverfahren zur systematischen
Vervielfältigungstechnik wurde nicht getan. Stempel und Siegel sind
für verschiedene Zwecke bis heute in Gebrauch geblieben.
Zu den organisierten Nachrichtenübermittlungseinrichtungen
gehören
die Verkehrsmittel (Fahrzeuge). Mit dem Verkehr entstand das
Bedürfnis,
Neuigkeiten über immer größere Entfernungen hinweg (wie
Waren)
auszutauschen.
Am Anfang der technischen Entwicklung von Fahrzeugen standen das Rad, die
Straße und der Ersatz menschlicher Muskelkraft durch Zugtiere.
Der Wagen, ein meist zweiachsiges Fahrzeug
mit
Rädern, im engeren Sinn ein bespanntes, z.B. von Pferden gezogenes
Fahrzeug,
im weiteren Sinn der Kraftwagen und der Eisenbahnwagen, entwickelte sich
mit der Erfindung des Rades im 4. Jtsd.
v.Chr.
Die ältesten Wagen in Nordsyrien und Sumer waren zweirädrig,
und
ihre Räder bestanden aus zwei oder drei rund zugeschnittenen
hölzernen
Teilen, die mit hölzernen oder bronzenen Klammern zusammengehalten
wurden.
Mit Hilfe von Wagenrädern ließen sich schwere Lasten leichter
und rascher von einem Ort zum anderen transportieren, überdies in
größeren Mengen als durch Tragtiere und Menschenkraft.
Die Ursprünge der Karten (kartographischen Darstellungen von
Erscheinungen
und Sachverhalten der Erde, anderer Weltkörper oder des Weltraumes
in
einer Ebene) reichen bis ins Altertum zurück.
Die älteste bisher bekannte "Landkarte"
wurde als Tontäfelchen bei Nuzi, dem heutigen Jorgan Tepe,
südwestlich
von Kirkuk, Irak, gefunden und dürfte um 3800
v.Chr. entstanden sein. Sie zeigt Nordmesopotamien mit Bergen,
Fluß und Städten.
Als früheste Schrift der Menschheit gilt die der Sumerer, der
ältesten
seit dem 4. Jtsd. v.Chr. geschichtlich bezeugten Einwohner
Südmesopotamiens. Ihre ab etwa 3500
v.Chr. für die Zwecke der zentralen Tempelverwaltung als
Gebrauchsschrift geschaffene reine Bilderschrift wurde bereits um 3000
v.Chr.
bei weitgehender Phonetisierung zu völlig abstrakten Formen
umgebildet.
Um 2800 v.Chr., als die Akkader in das Gebiet der Sumerer eindrangen und
deren Wort- und Silbenschrift ihrer semitischen Sprache anpaßten,
entstanden keilförmige Zeichen, welche senkrecht, waagerecht und
querschief
zu Gruppen geordnet, die Schrift ergaben. Diese sogenannte
Keilschrift wurde im 2. Jahrtsd. v.Chr. von
den Babyloniern und Assyrern weiter ausgebildet bzw. abgewandelt und
vereinfacht.
Im 2. Jahrtsd. v.Chr. galt die Keilschrift im gesamten alten Orient als
internationale Verkehrsschrift, bis ab dem 8. Jh. v.Chr. allmählich
die mesopotamischen, in den folgenden Jahrhunderten auch die anderen
Keilschriften verdrängt wurden.
Schreibmaterial für die Keilschriften waren Tontafeln, seltener
Stein
(z.B. Bildstelen), vereinzelt Metall (z.B. Gefäße), im 1.
Jtsd.
v.Chr. auch Wachstafeln.
Die Kenntnis der Keilschrift ging verloren. Erst 1802 gelang Georg
Friedrich
Grotefend der erste Schritt zu ihrer Entzifferung.
Faßt man die von amerikanischen Computerkonstrukteuren erfundenen
Ausdrücke "Hardware" (engl."harte Ware", Metallwaren) als
Sammelbegriff
für die maschinentechnische Ausrüstung (Bauelemente,
Geräte)
einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage und "Software" (engl.-
"weiche
Ware") als Sammelbegriff für die nichtapparativen Bestandteile
(Programme,
Betriebsanleitung u.a.) nicht allzu eng, d.h. versteht man unter Software
die ersten Zahlzeichen und die frühen Zahlensysteme und zählt
man
zur Hardware Finger, Zehen, Rechensteine und Rechenstäbchen, so
entstanden
aus dieser Hardware und dieser Software die Rechenmaschinen, als die
ältesten "Computer".
Die einfachste Rechenmaschine war der vermutlich um
3000 v.Chr. von den Babyloniern
erfundene
Abakus (griech.= Brett), der, von mehreren
Kulturkreisen übernommen, als Rechenhilfe für die vier
Grundrechnungsarten benutzt wurde und als erstes Hilfsmittel der
manuellen
Datenverarbeitung angesehen werden kann. In Europa wurde der Abakus bis
zum
Aufkommen des Rechnens mit indisch-arabischen Ziffern (15./16. Jh.)
verwendet.
Ursprünglich in Form eines mit Sand bestreuten Holzbrettes, auf dem
die Zahlzeichen geschrieben wurden, entwickelte sich der Abakus zum
hölzernen Rechenbrett mit frei beweglichen oder in Rillen
verschiebbaren
Rechensteinen, von deren Stellung ihr Zahlenwert abhing.
Von den Römern wurde das Rechenbrett um 300 v.Chr. zu einem
handgroßen
Gerät ("Handabakus") weiterentwickelt. Die Chinesen rechneten seit
dem
11. Jh. v.Chr. mit dem Abakus, von dessen verschiedenen Systemen der
"Suan-pan"
(übersetzt - Rechenbrett) am weitesten verbreitet war. Im 10. Jh. n.
Chr. gab es das chinesische Rechenbrett mit durchbohrten, auf Stangen
aufgefädelten Rechenkugeln.
Der chinesische Suan-pan gelangte im 16. Jh. nach Japan, wurde nur wenig
abgeändert und hieß hier "Soroban".
Ebenfalls von China aus dürfte das Rechenbrett nach Rußland
und
in den Fernen Osten gekommen sein. Rußlands Abakus mit dem Namen
"Stschoty"
wurde noch im 20. Jh. erfolgreich verwendet.
Die altägyptische Hieroglyphenschrift
(Hieroglyphen [griech.] - heilige
Schriftzeichen),
eine Bilderschrift, die aus Wort- und Silbenzeichen und Einzelkonsonanten
bestand, ist seit etwa 3000 v. Chr.
nachweisbar.
Die Hieroglyphen wurden mit dem Meißel in Stein gehauen, aber auch
mit dem Pinsel auf Papyrus, Gefäße oder Wandflächen
geschrieben.
Neben der meist für kultische Zwecke verwendeten hieroglyphischen
Monumentalschrift entwickelte sich die für profane Zwecke gebrauchte
hieratische (priesterliche) (Buch-) Schrift, eine der Handschrift
angepaßte
Kursive, seit etwa 2500 v.Chr. nachweisbar. Diese wurde im 7. Jh. v.Chr.
von der seit dem 10. Jh. v.Chr. entstandenen stark vereinfachten
demotischen
(volkstümlichen) Schrift ersetzt; die hieratische Schrift wurde
seitdem
nur noch für heilige Schriften benutzt. Im 3. Jh. n. Chr. setzte
sich
die seit dem 2. Jh. v.Chr. in Ägypten verwendete griechische
Schrift,
vermischt mit Resten der demotischen Schrift, als sogenannte koptische
Schrift
durch. Die Kenntnis der ägyptischen Hieroglyphen schwand seit der
römischen Kaiserzeit. Erst die Entdeckung des Steins von Rosette
(1799)
und seine Entzifferung (1822) durch Jean François Champollion
machten
das Lesen altägyptischer Texte wieder möglich.
Schriftzeichen und deren Träger sind von jeher Ziele obrigkeitlicher Vernichtungsaktionen gewesen. Die Vernichtung steinerner Inschriften ist aus Ägypten bereits im Alten Reich (2260 -2160 v.Chr.) bekannt: Namenskartuschen verstorbener Herrscher oder in Ungnade gefallener Personen wurden ausgemeißelt.
Aus dem ägyptischen Totenglauben ist die Sitte zu verstehen, dem Verstorbenen Texte (Totenliteratur) mit ins Grab zu geben, sei es als Inschrift auf den Grabwänden der Pyramiden (Pyramidentexte [- königliche Totentexte], seit Ende der 5. Dynastie [2470 - 2320 v.Chr.] und während der 6. Dynastie [2320 -2160 v.Chr.]), auf den Särgen (Sargtexte, im Mittleren Reich [2040 - 1785 v.Chr.], nicht mehr an den König gebunden) oder auf Papyrusrollen (Totenbücher, seit dem neuen Reich [1552 - 1070 v.Chr.]). Die Texte sind religiöse Spruchsamlungen zum Gebrauch der Toten gegen Gefahren und Entbehrungen im Jenseits. Gleichzeitig schuf das Neue Reich mit den Unterweltsbüchern neue königliche Totentexte, die der Beschreibung des Jenseits dienen.
Zahlenvorstellungen wurden nachweislich schon in der Jungsteinzeit
entwickelt
und waren vermutlich sowohl kultischen als auch praktischen Ursprungs.
Finger,
Hände und Zehen dürften einen entscheidenden Einfluß auf
die Entwicklung von Zahlzeichen und
Zahlensystemen gehabt haben. So rechneten
die
Chinesen, Mayas, die Griechen und Römer entsprechend den fünf
Fingern
einer Hand mit einem Fünfer-System, Ägypter, Sumerer und
Babylonier
hatten, indem sie beide Hände heranzogen, ein Zehner-System. Inder
und
Mayas bauten unter Zuhilfenahme der Zehen in ihre Zahlensysteme noch eine
Zwanziger-Stufung ein. Sumerer und Babylonier mischten das Zehner-System
mit einem Sechziger System. Der Ursprung für die Basis 60 wird in
ihrer
Jahreseinteilung in 6 x 60 = 360 Tage gesehen.
Ein schriftlich festgehaltenes Zahlensystem wurde erstmals mit einer
Tontafel
aus Uruk (3. Jahrtsd. v.Chr.)
überliefert. Sie enthält Aufzeichnungen über Tiere und
Getreide
in dem gemischten Zehner-Sechziger-System.
Papyrus, der Vorläufer des Papiers, war
der erste aus einer Pflanze, der in den Nilsümpfen wachsenden
Papyrusstaude,
hergestellte Beschreibstoff in Blatt-, Rollen- und Buch- (Codex-)
form.
Zur Papyrusherstellung wurde das entrindete Stengelmark in dünnste
Streifen
geschnitten, die in einer senkrechten und einer waagerechten Schicht
aufeinandergelegt wurden. Durch den stärkehaltigen Zellsaft
entstanden
beim Pressen und Klopfen fest verklebte Doppelschichten, die, egalisiert,
getrocknet und poliert, als (allerdings nur auf einer Seite gut
beschreibbare)
Einzelblätter oder, in beliebiger Zahl aneinandergeleimt, als Rollen
in den Handel kamen. Papyrus läßt sich als Beschreibstoff in
Ägypten für den Beginn des 3. Jtsd.
v.Chr. nachweisen.
Zum Schreiben diente ein schräg gekappter Binsenhalm, seit dem 3.
Jh.
v.Chr. der (Schilf-) Rohrhalm mit gespaltener Spitze.
Papyrus gelangte als wichtiger Exportartikel Ägyptens in die ganze
antike
Kulturwelt und wurde erst ab dem 2. Jh.n.Chr. allmählich vom
Pergament
verdrängt.
Tinten (von lat. tingere - färben,
wäßrige Lösungen färbender Stoffe) und
Tuschen (von frz. toucher berühren,
wäßrige Pigmentaufschwemmungen oder Farbstofflösungen mit
hohem Bindemittelanteil) werden zum Schreiben, Zeichnen und Malen
verwendet.
Das höhere Alter hat die Tusche. Tuschen wurden unabhängig
voneinander
in China und Ägypten schon zu Beginn des 3.
Jtsd. v.Chr. aus Lampenruß (Ruß aus verbranntem
Sesamöl) und Leim hergestellt. Sie wurden in getrockneter Form
geliefert
und mußten bei der Verwendung erst mit Wasser angerieben
werden.
Es wurde meistens mit schwarzer Tusche (aus Ruß) geschrieben;
für
Initialen und Überschriften verwendete man oft rote Tusche (aus
Zinnober).
Die Schrift hielt sich im allgemeinen vorzüglich, während sich
die späteren Sepia- und Metalltinten weniger bewährten.
Die Tinten des klassischen Altertums bestanden gewöhnlich aus
schwarzem
Farbstoff (Ruß aus Harz oder Pech, Sepia) in einer Gummi- oder
Leimlösung.
Im 19. Jh. wurden für die Tuschen- und Tintenherstellung die
natürlichen Farbstoffe von den synthetischen abgelöst.
Die Buchform im alten Ägypten und im Kulturbereich der Griechen und
Römer war die Rolle aus Papyrus und Pergament. Das Format der
Buchrolle schwankte zwischen 5 und 40 cm
Höhe
(durchschnittlich 20 -30 cm) und bis zu 20 m und mehr Länge.
Beschrieben
wurde sie im allgemeinen nur einseitig mit von rechts nach links einander
folgenden Spalten, deren Breite im Durchschnitt etwa 50 -60 Buchstaben
betrug.
Die Zeilen liefen parallel zur Längsseite der Rolle. Die Herstellung
von Papyrusrollen ist in Ägypten schon um 3000
v.Chr. nachzuweisen. (Möglicherweise war aber die
Lederrolle
noch vorher in Gebrauch.) Als älteste erhaltene beschriebene
Papyrusrolle
(und zugleich als ältestes erhaltenes "Buch" der Welt) gilt der
sogenannte
Papyrus Prisse, eine Sammlung von Weisheitslehren, in hieratischer
Schrift
mit schwarzer und roter Tinte geschrieben und wahrscheinlich im 3.
Jahrtsd.
v.Chr. entstanden. Benannt wurde dieses ägyptische Rollenbuch nach
dem
französischen Orientalisten Achille Constant Théodore Emille
Prisse d'Avennes (* Avesnes-sur-Helpe 1807, Paris 1879), der es in
einem thebanischen Grab fand (heute in der Bibliothèque Nationale,
Paris).
Von Ägypten aus verbreitete sich die Buchrolle aus Papyrus über
die ganze antike Welt und lebte, als sie seit dem 2. Jh. n. Chr. nach und
nach durch den Codex verdrängt wurde, in der Pergamentrolle des
Mittelalters, in der Thorarolle sowie in der Urkundenrolle bis heute
fort.
Die Uranfänge der Nachrichtenübermittlung
(Nachrichtenbeförderung) liegen im Dunkel der Geschichte. Sehr
wahrscheinlich ist das Botenwesen als eine
Form
der Nachrichtenübermittlung schon bald nach den ersten
Staatengrundungen
entstanden; denn jeder Herrscher brauchte Boten für die Zustellung
von
Nachrichten, z.B. um in entfernten Teilen seines Reiches seinen Willen
kundzutun.
In der um 2500 v.Chr. entstandenen
Pyramide
des Numchorem, eines hohen Beamten des Pharaos, fand man die Scherben
einer
Vase mit der ersten überlieferten bildlichen Darstellung eines
(ägyptischen) Boten.
Das Kommunikationsmittel "Brief" (zu lat.
brevis
[libellus ] - kurzes Schriftstück), eine schriftliche, meist
verschlossen
übersandte Mitteilung an einen abwesenden Adressaten, gab es schon
im
Alten Orient. So sind aus allen altägyptischen Geschichtsperioden
geschriebene Briefe, zumeist auf Papyrus, auch auf Scherben zerbrochener
Gefäße (griech.- Ostraka), erhalten. Persönliche Briefe
von
Königen an vertraute Beamte sind in Abschriften in den
Beamtengräbern
abgebildet. Als ältester bekannter (umfangreicherer) Brief ist eine
Kopie eines im Original auf Papyrus geschriebenen Königsbriefes aus
der Zeit um 2200 v.Chr. durch den
Empfänger Horchuf, einen Gaufürsten von Assuan,
überliefert,
der den Text auf die Wand seines Grabes in Assuan meißeln
ließ.
(In diesem Brief gibt König Phiops [Pepi] II. [ etwa 2160
v.Chr.
] Horchuf, der in Afrika einen Pygmäen gefunden hatte, Anweisungen
für
den sicheren Transport des Zwerges in die Residenz.)
Um die Mitte des 2. Jahrtsd. v.Chr. bedienten sich die Pharaonen im
diplomatischen Verkehr mit den vorderasiatischen Fürsten der
babylonischen
Sprache und der Keilschrift auf Tontafeln, wie die in der
mittelägyptischen
Ruinenstätte Tell el-Amarna (1888) gefundenen "Amarna-Briefe" (nach
1400 v.Chr.) und ähnliche Funde beweisen.
In der babylonischen Überlieferung sind
Briefe vor 1850 v.Chr. selten. Danach sind
Tausende
von Tontafelbriefen (in Keilschrift) durch Ausgrabungen zutage
gefördert
worden, so aus der assyrischen Handelsniederlassung in der anatolischen
Stadt
Kanisch (heute Kültepe), Geschäftsbriefe aus dem 19./18.
Jh.v.Chr.
und aus den Archiven der Könige von Babylon und Mari die
administrative
Korrespondenz aus dem ausgehenden 18. und 17. Jh. v.Chr.
Miniaturbücher sind (nach Meinung der Mehrzahl ihrer Sammler) heute Bücher, die in der Höhe und in der Breite ihres Einbandes nicht größer als 76,2 mm (3 inches) sind. (Es gibt auch auf die Seitengröße oder sogar auf den Satzspiegel bezogene Definitionen.) Das früheste bekannte Beispiel für ein Miniatur-"Buch" ist ein sumerisches Tontäfelchen aus der Zeit um 2060-2058 v.Chr. mit den Maßen 33 x 40 mm. Der Keilschrifttext handelt von Gold, wertvollen Steinen und Kupfer.
Das Alphabet ist die Gesamtheit der Schriftzeichen eines Schriftsystems
in
ihrer herkömmlichen Anordnung (benannt nach den ersten beiden
Buchstaben
des griechischen Alphabets [Alpha und Beta]). Die Anordnung der
europäischen Alphabete geht auf das älteste semitische Alphabet
(vermutlich aus dem 2. Viertel des 2. Jahrtsd.
v.Chr.) zurück.
Das älteste bekannte, wahrscheinlich zwischen 1600 und 1200 v.Chr.
niedergeschriebene Alphabet findet sich in
Keilschrift auf einer Tontafel, die 1949 in Ugarit, dem heutigen Ras
Schamra,
Syrien, gefunden wurde (heute im Syrischen Nationalmuseum, Damaskus).
Den "Briefumschlag" kannten schon die
Babylonier
zu Beginn des 2. Jahrtsd. v.Chr. :
Bei
Ausgrabungen fand man (gebrannte) Tontafelbriefe, die, wohl zur Wahrung
des
Briefgeheimnisses, mit einer Tonschicht umhüllt waren. Ein solcher "
Umschlag", der sich mit der inliegenden Tontafel beim Brennen seinerseits
nicht verband, ließ sich zur Herausnahme des Briefes vom
Empfänger
leicht zerstören.
(Bei den folgenden Beschreibstoffen Papyrus, Pergament, Papier rollte
bzw.
faltete man bis zur Erfindung des heutigen Briefumschlages [1820] den
Brief
derart, daß die Schrift nach innen zu liegen kam; das Ganze
verschnürte man mit einer Kordel und versiegelte es [mit Wachs,
Siegellack,
Oblaten u.ä.].)
Die aus einer Bilderschrift hervorgegangene chinesische
Schrift ist im Prinzip eine Wortschrift, deren einzelne
Schriftzeichen
ganze Wörter darstellen; sie war zu Ausgang des
2. Jahrtsd. v.Chr. schon voll
ausgebildet.
Da die chinesische Schrift in der Folgezeit nicht mehr grundsätzlich
verändert wurde, ist sie das einzige alte Schriftsystem, das heute
noch
gebraucht wird.
(Im 4./5. Jh. übernahmen die Japaner, vor allem durch koreanische
Vermittlung, die chinesische Schrift, paßten sie aber im 9./10. Jh.
teils durch begriffswertige, teils lautwertige Verwendung der Wortzeichen
und durch die Entwicklung einer Silbenschrift den Eigenheiten der
japanischen
Sprache an.)
Bedeutsame Keilschrifttexte wurden nicht in Ton eingedrückt, sondern
in Stein gemeißelt. Ein Zeugnis hierfür ist die in der ersten
Hälfte des 18. Jh. v.Chr.
geschaffene,
2,25 m hohe (Diorit-) Gesetzesstele des
altbabylonischen Königs Hammurapi (Chammurapi, Hammurabi) (1728 -
1686
v.Chr.), die (mit einem Hochrelief mit dem König vor dem Sonnengott
Schamasch am oberen Ende) die älteste erhaltene Gesetzsammlung der
Welt
("Codex Hammurapi") (und zugleich die umfangreichste Kodifikation des
babylonischen Rechts) eingemeißelt enthält. Die Stele wurde
1902
in Susa gefunden und befindet sich heute im Louvre, Paris.
(Die aus Steininschrift und Bildrelief bestehende Gesetzesstele ist
zugleich
ein Beispiel für die Anfänge der "Textillustration".)
Hauptinformationsquellen der (auf die Praxis [Feldvermessung , Handel, Verwaltung] ausgerichteten) frühen ägyptischen Mathematik sind: der"Moskauer Papyrus" (Papyrus Moskau) aus dem 18. Jh. v.Chr. (enthält geometrische und stereometrische Aufgaben des täglichen Lebens und ist das älteste erhaltene ägyptische mathematische "Buch"), der "Papyrus Rhind" (benannt nach A. Henry Rhind, der ihn 1858 erwarb) aus dem 17. Jh. v.Chr., wohl nach Vorlagen des 19. Jh. v.Chr., bezeichnet auch als Rechenbuch des Ahmose (Ahmes), des Schreibers des Papyrus, (enthält Aufgaben meist arithmetischen, geometrischen und stereometrischen Inhalts) und eine Lederrolle aus dem 17./16. Jh. v.Chr. (enthält eine Reihe von Stammbruchzerlegungen).
Haupterzeugnisse der altägyptischen Medizin sind acht bisher bekannte Papyri, von denen die bedeutendsten der"Papyrus Edwin Smith" (heute in New York, Historical Society) und der "Papyrus Ebers" (heute in Leipzig, Universitätsbibliothek) sind. Der Papyrus Edwin Smith (benannt nach dem amerikanischen Ägyptologen Edwin Smith[* 1822, 1906], der ihn 1862 erwarb) beschreibt chirurgische Praktiken und stammt aus der Zeit um 1550 v.Chr., geht jedoch vermutlich auf eine Vorlage aus der Zeit um 2500 v.Chr. zurück. (Er dürfte das älteste chirurgische "Buch" sein.) Der Papyrus Ebers (1873 entdeckt von dem deutschen Ägyptologen Georg Ebers[* Berlin 1837, Tutzing 1898]) enthält eine Rezeptsammlung für den Gebrauch von Gewürzen, Drogen, Pflanzen und stammt aus der Zeit um 1500 v.Chr.
Das seit etwa 1500 v.Chr. auf den Wänden der Königsgräber, später auch auf Papyri und Särgen aufgezeichnete ägyptische Buch "Amduat" (ägypt.- was in der Unterwelt ist), das in Bild und Text den Weg des Sonnengottes Re durch das unterweltliche Totenreich beschreibt, ist das älteste durchgehend illustrierte Buch der Literaturgeschichte. Es wurde zum Vorbild einer ganzen Gattung von sogenannten Unterweltsbüchern.
In Ägypten wurden spätestens seit etwa 2000 v.Chr. Kartographie und Vermessungskunde gepflegt. Im 13. Jh. v.Chr. entstand eine auf Papyrus gezeichnete Landkarte des nubischen Goldminenbezirks ("Goldminenpapyrus", heute im Museo Egizio, Turin). Sie gilt als älteste Berkwerkskarte.
Schriftenvernichtung (durch Zerschlagung) wird Moses, nach dem Alten Testament dem Führer der Israeliten aus der ägyptischen Unterdrückung und ihrem Gesetzgeber, zugeschrieben, der, sofern authentisch, um 1250 v.Chr. die steinernen Gesetzestafeln am Fuß des Berges Sinai zerschmettert hat. Er wird deshalb gelegentlich der erste Buchvernichter (Buchzerstörer) genannt.
Das älteste bekannte Traumbuch Ägyptens (mit Beschreibungen und Deutungen von Träumen), in hieratischer Schrift beschriebene Papyrusrollen (heute im Britischen Museum, London), stammt aus der Zeit um 1200 v.Chr., geht aber sehr wahrscheinlich auf wenigstens 600 Jahre ältere Vorlagen zurück.
Zur Nachrichtenübermittlung hat der mitteilungsbedürftige
Mensch
schon früh Hilfsmittel herangezogen. Das erste und einfachste war
wohl
die menschliche Stimme, d.h. vermutlich war der Kehlkopf der erste
Sender,
das Ohr der erste Empfänger. Neben Stimme und Ohren hat der Mensch
indessen
auch die Augen benutzt, um Botschaften auf Distanz auszutauschen. Deshalb
war neben der akustischen "Telegrafie" ein
weiteres
altes System der Nachrichtenübermittlung die Lichttelegrafie, die
Übermittlung von Nachrichten durch Lichtzeichen (Feuerzeichen,
Rauchwolken,
Spiegelung der Sonnenstrahlen). Sie kann als Vorläufer der optischen
Telegrafie betrachtet werden.
So soll der Fall Trojas im Jahre 1184
v.Chr. mit Hilfe von Rauchsignalen über eine Entfernung
von
555 km und neun Fackelstationen hinweg nach Argos gemeldet worden sein.
Das
behauptet wenigstens der griechische Dichter Aischylos (* Eleusis. 525
v.Chr.,
Gela [Sizilien] 456 v.Chr.) in seinem Drama "Agamemnon".
Von dem griechischen Geschichtsschreiber Thukydides (* Athen um 460
v.Chr.,
nach 400 v.Chr.) stammen erstmals genauere Aufzeichnungen
über
die Anwendung von vorher verabredeten Feuerzeichen (die Rauchtelegrafie
erlaubt
nicht die Übertragung frei formulierter Nachrichten), so im
Peloponnesischen
Krieg, 431-404 v.Chr.
Die Entstehung der griechischen Schrift war für das Abendland von entscheidender Bedeutung, insofern die Griechen, die wohl gegen Ende des 11. Jh. v.Chr. die Buchstabenschrift von den Phönikern übernahmen, auch Vokale schrieben und somit eine volle lautliche Wiedergabe ermöglichten (Lautschrift). Die ältesten Funde griechischer Schriftdenkmäler stammen jedoch erst aus dem 8. Jh. v.Chr. Ursprünglich wurden nur große Buchstaben (Majuskeln) verwendet (eckig als Kapitalschrift, gerundet als Unzialschrift); seit dem 2. Jh. v.Chr. gab es eine Geschäftsschrift (Kursive) für Briefe, Urkunden u.ä.; seit dem 9. Jh. n. Chr. entstand die Kleinbuchstabenschrift (Minuskelschrift). Die ältesten Zeugnisse griechischer Schrift sind meist als Inschriften in Stein überliefert; erst seit dem 4. Jh. v.Chr. ist die Schrift auf Papyrus bekannt ("Timotheos-Papyrus").
Die hebräische Schrift ist seit dem 11./10. Jh. v.Chr. als die der phönikischen nahestehende althebräische Schrift nachweisbar. Seit etwa dem 5./4. Jh. v.Chr. wurde sie durch eine Abart der damals weit verbreiteten aramäischen Schrift (des Verständigungsmittels für den ganzen Orient im 9. bis 7. Jh. v.Chr.) verdrängt und entwickelte sich im 2. bis 1. Jh. v.Chr. zu der heute gebräuchlichen hebräischen Quadratschrift. Die hebräische Schrift, die ursprünglich nur aus Konsonantenzeichen bestand, verwendete ab dem 8. Jh. n. Chr. Vokalbezeichnungen (durch Punkte und Striche), vor allem für Bibeln, Gebetbücher und Sprachlehren.
Tauben wurden wegen ihres guten Orientierungssinns und ihrer
Flugtüchtigkeit (durchschnittliche Fluggeschwindigkeit ca. 60 km/h)
schon früh zur Überbringung von (Brief-) Nachrichten eingesetzt
(Brieftauben).
In Ägypten und anderen Ländern des Mittleren Ostens wurde die
Taubenpost um 1000 v.Chr.
eingeführt. Etwa 500 Jahre später nutzten auch die
Griechen
und Römer Tauben zur Beförderung von Briefnachrichten. Die
Araber
setzten im 12. Jh. eine planmäßige
Brieftaubenpost für Staatszwecke ein.
In Europa verwendete man Brieftauben erst im 16. Jh., u.a. im
niederländisch-spanischen Krieg. In der Mitte des 19. Jh. bestanden
Brieftaubenpostverbindungen u.a. zwischen Brüssel, Antwerpen und
Paris,
die vor allem für das Übermitteln von Börsennachrichten
und
Zeitungsmeldungen genutzt wurden; in Aachen unterhielt die
Nachrichtenagentur
Reuter ab 1849 eine Taubenpost.
Mit der Entwicklung der Telegrafie verlor die Brieftaubenpost
allmählich
ihre Bedeutung.
Neben den im Altertum als billiges Schreibmaterial anstelle des teuren
Papyrus
für Rechnungen, Quittungen, kurze Geschäftsbriefe, Notizen
u.ä.
verwendeten Scherben von zerbrochenen (Ton-) Gefäßen (griech.-
Ostraka) kam in der Alten Welt als weiterer Schriftträger die
wiederverwendbare Wachstafel im
1. Jahrtsd. v.Chr. (etwa um 300 v.
Chr.
in Ägypten, von Homer [ 8. Jh. v.Chr.] bezeugt) auf, die dann vor
allem
bei Griechen und Römern weite Verbreitung fand.
Die Wachstafel, eine zumeist mit schwarzgefärbtem Bienenwachs
ausgegossene
flach ausgehöhlte Holztafel, wurde mit dem Griffel aus Metall,
Knochen
oder Elfenbein beschrieben, der an einem Ende zum Einritzen der
Schriftzeichen
zugespitzt, am anderen Ende zum Löschen von Geschriebenem
falzbeinartig
platt war.
Im kaiserlichen Rom wurde es üblich, Wachstafeln paarweise zum
sogenannten
Diptychon (griech.), zu dritt zum Triptychon (griech.) und in einer
größeren Anzahl zum Polyptychon (griech.) beweglich
zusammenzufügen, indem man sie an einer Kante durch Ringe, Riemen,
Scharniere u.ä. miteinander verknüpfte. Diese
Mehrtafelbücher
scheinen das unmittelbare Vorbild für den Codex gewesen zu sein.
Die Lehrdichtung (lehrhafte Dichtung) ist der Sammelbegriff für die auf die Vermittlung von Wissen bzw. auf die Belehrung in poetischer Form abzielende Literatur. Die ältesten überlieferten Lehrdichtungen (in Hexametern) sind die Epen "Theogonia" (griech.Göttergeburt) und "Erga kai hemerai" (griech.- Werke und Tage) des griechischen Dichters Hesiod (Hesiodos) aus Askra in Böotien (um 700 v.Chr.).
Obwohl das alte Kulturland Ägypten durch die Hieroglyphenschrift,
die
Fabrikation des Papyrus als Beschreibstoff und die Ausbildung der
Buchrolle
für das Buchwesen eine große Bedeutung hatte, sind in ihm
keine
eigentlichen Bibliotheken, sondern nur Archive und kleine Sammlungen
kultischer
Schriften in den Tempeln nachweisbar.
Die älteste bekannt gewordene Bibliothek
ist die Tontafelsammlung assyrisch-babylonischer Literaturdenkmäler
des assyrischen Königs Assurbanipal (668
bis
etwa 627 v.Chr.) in Ninive, die in den Jahren 1845 - 1854
ausgegraben
wurde. Sie befindet sich heute zum größten Teil im Britischen
Museum, London.
Die lateinische Schrift entwickelte sich seit dem 7. Jh. v.Chr. unter starkem Einfluß des Etruskischen aus der griechischen Schrift. Älteste lateinische Schriftdenkmäler stammen aus dem 6. bis 4. Jh. v.Chr. Die lateinische Schrift wurde mit der lateinischen Sprache (ursprünglich Sprache der Römer) zunächst über den westlichen Teil des Römischen Reichs und schließlich, besonders mit der Ausbreitung des Christentums, weltweit verbreitet.
Der vielleicht älteste Fall von obrigkeitlicher Schriftenvernichtung durch Feuer fand (laut dem biblischen Buch Jeremias) um 604 v.Chr. statt: Von einer Buchrolle, in die der Prophet Jeremias die ihm von Jahwe offenbarten Warnungen an das Haus Juda hatte schreiben lassen, schnitt Jojakim, König von Juda (608 -598 v.Chr.), jedesmal, wenn er einige Spalten gelesen hatte, sie ab und warf sie ins Feuer.
Die erste bekannte und einzig erhaltene (im Britischen Museum, London, aufbewahrte) Weltkarte stammt aus spätbabylonischer Zeit (um 600 v.Chr.): eine schematische, in eine Tontafel eingeritzte Darstellung der Welt als einer im Weltmeer schwimmenden Scheibe mit Babylon in der Mitte.
Die Geheimschrift, die verschlüsselte
oder
unsichtbar gemachte und nur für Eingeweihte lesbare Schrift, ist
wohl
so alt wie die schriftliche Kommunikation überhaupt.
Wie in der griechischen Antike die Spartaner Nachrichten
verschlüsselten,
beschrieb der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarch
(Plutarchos)
(* Chaironeia um 46 n.Chr., um 120): Zur Übermittlung
geheimer
Nachrichten mußten Absender und Empfänger beide eine
sogenannte
Skytale haben, das waren zwei zylindrische Stäbe mit genau dem
gleichen
Radius. Der Absender wickelte einen schmalen Papyrus- oder
Pergamentstreifen
spiralförmig um seinen Stab und schrieb dann der Länge nach
seine
Nachricht auf den Streifen. War der Streifen abgewickelt, konnte nur
derjenige
die Nachricht lesen, der einen Stab genau desselben Umfangs besaß.
Mit diesem Chiffriersystem, bei dem die Buchstaben des Klartextes zwar
erhalten
bleiben, aber umgestellt oder versetzt (verwürfelt) werden
(Transposition,
Versetzung oder Verwürfelung), ließen ab etwa dem
6. Jh. v.Chr. die Ephoren, die
höchsten
Beamten Spartas, im Kriegsfall Generälen des spartanischen Heeres
geheime
Nachrichten zukommen.
Der Perserkönig Dareios I. (* 550 v.Chr., 486 v.Chr.; seit
522 v.Chr. König) soll laut dem
griechischen Geschichtsschreiber Diodor (1. Jh. v.Chr.) ein ausgebautes
Nachrichtensystem in seinem Reich unterhalten haben: Posten auf Bergen
und
Türmen schrien nacheinander Nachrichten und Befehle weiter. Auch die
Gallier sollen im 1. Jh. v.Chr. ein ausgeklügeltes
Rufposten-Kommunikationssystem aufgebaut haben, beschrieben von Gaius
Iulius
Caesar (* Rom 100 v.Chr., ebd. 44 v.Chr.) in "Commentarii de bello
Gallico" (52/51 v.Chr.).
Weitere Fälle der akustischen Telegrafie
(bei der Schallwellen als Übertragungsmedium verwendet werden)sind
außer dem Vorgang der unmittelbaren Nachrichtenübermittlung
durch
Rufposten die Technik, die menschliche Stimme durch Röhren zu leiten
(älteste gefundene Sprachrohrverbindung um 1000 v.Chr. in der
Nuraghe
"Su Nuraxi", Sardinien) sowie die bei vielen Naturvölkern noch heute
verbreitete Trommeltelegrafie, bei der Trommeln nach einem festen
Signalcode
benutzt werden.
Die erste griechische Weltkarte (Erdkarte, die Wiedergabe der gesamten Erdoberfläche in einer geographischen Karte) soll der griechische Naturphilosoph Anaximander (Anaximandros) (* um 610 v.Chr., um 546 v.Chr.) um 560 v.Chr. verfertigt haben.
Aus der von alters her bekannten Nachrichtenübermittlung durch laufende, reitende und fahrende Boten hat sich das heutige Postwesen als eine öffentliche Dienstleistungseinrichtung entwickelt. Die Entwicklung nahm ihren Ausgang von dem Postsystem, das der Perserkönig Kyros II., der Große, (König seit 559 v.Chr., 529 v.Chr.) um 550 v.Chr. für sein großes Reich organisiert hatte: Den amtlichen Nachrichtendienst des Königs mit seinen Statthaltern vermittelten regelmäßig reitende Eilboten (Angaroi [griech. aus pers.]), die an festen Stationen Reiter und Pferde wechselten (Stafette). Dieses von Alexander dem Großen, König von Makedonien (336-323 v.Chr.), und den Seleukiden (312 -64 v.Chr.) beibehaltene persische Postsystem (Angaroin [griech.]) wurde später Vorbild für die Staatspost des Römischen Reiches (cursus publicus).
Die Grammatik (Sprachlehre) als Wissenschaft
entstand im indogermanischen Sprachraum unabhängig voneinander im
6./5.
Jh. v.Chr. in Indien und im 5. Jh.
v.Chr.
in Griechenland.
Die älteste erhaltene Sanskrit (altind. zurechtgemacht) - Grammatik
und die zugleich älteste Grammatik überhaupt ist die von dem
indischen
Grammatiker Panini (6./5. Jh.v.Chr.) im 5. Jh. v.Chr. verfaßte
"Ashtadhyayi" (sanskr.- Acht Bücher grammatischer Regeln). (Das
altindische
Sanskrit ist die noch heute in Indien verwendete Literatur- und
Gelehrtensprache.)
Privatbibliotheken (Bibliotheken im Besitz von Privatpersonen) sind im alten Griechenland erstmalig ab dem 5. Jh. v.Chr. nachweisbar. Die bedeutendste private Büchersammlung war die des Aristoteles (* Stagira 384 v.Chr., bei Chalkis [auf Euböa] 322 v.Chr.).
Das früheste römische Gesetzgebungswerk ist die um 451/450 v.Chr. von einer Zehnmännerkommission geschaffene "Lex duodecim tabularum" (lat. Zwölftafelgesetz), die das bis dahin geltende Gewohnheitsrecht teils fixierte, teils modifizierte und bis in die frühe Kaiserzeit Grundlage für das gesamte private und öffentliche Rechtsleben war.
Laut einem Bericht des griechischen Geschichtsschreibers Polybios (*
Megalopolis
um 200 v.Chr., um 120 v.Chr.) erfanden um 450
v.Chr. Kleoxenos und Demokleitos eine
Fackeltelegrafie, mit der die Buchstaben des
Alphabets mit Hilfe einer schachbrettförmig in fünf mal
fünf
Felder mit den 25 Buchaben unterteilten quadratischen Tafel in zwei
aufeinanderfolgenden Phasen durch Fackelzeichen übermittelt werden
konnten.
(Wurden z.B. auf der linken Seite der Telegrafenstation drei Fackeln in
die
Höhe gehalten, so war von der Gegenstation der übermittelte
Buchstabe
in der dritten waagerechten Reihe der Tafel zu suchen. Wurden
anschließend
zwei Fackeln auf der rechten Seite hochgehalten, so wurde die zweite
senkrechte
Reihe angezeigt; das Feld im Schnittpunkt beider Reihen ergab den
gewünschten Buchaben.)
War es mit der Lichttelegrafie bisher nur möglich, zuvor
abgesprochene
Nachrichten zu bestätigen oder zu verneinen, so ließen sich
jetzt
mit der neuen "Fernschrift" auf Sichtweite erstmals vollständige
Unterhaltungen führen. Allerdings konnten mit diesem etwas
umständlichen Verfahren längere Texte nur langsam
übermittelt
werden. (Irgend jemand hat ausgerechnet, daß allein zur
Übermittlung
der Nachricht "Einhundert Kreter desertiert" eine halbe Stunde als
Übertragungszeit anzusetzen war.)
Herodot (Herodotos) (* Halikarnassos [heute Bodrum] um 490 v.Chr., um 425 v.Chr.) verfaßte mit seinem Geschichtswerk "Histories apodexis" (griech.Forschungsbericht), entstanden um 445 v.Chr., die erste historische Darstellung des Abendlandes und begründete die griechische Geschichtsschreibung.
Nach antiken, aber sehr wahrscheinlich zu bezweifelnden Berichten soll im alten Griechenland die erste Bücherverbrennung 415 oder 411 v.Chr. auf dem Marktplatz in Athen stattgefunden haben. Verbrannt wurden die Schriften des griechischen Philosophen Protagoras (`Abdera um 481 v.Chr., * um 411 v.Chr.), der wegen seiner skeptisch-atheistischen Schrift "Über die Götter" aus Athen verbannt wurde.
Der griechische Dichter Timotheos von Milet (* um 450 v.Chr., um 360 v.Chr.) schrieb einen Nomos (eine poetisch-musikalische Weise für kultische Zwecke) mit dem Titel "Persai" (griech.- Die Perser), als Fragment überliefert auf einer Papyrusrolle aus dem 4. Jh. v.Chr., die 1902 in einem Grab des Dorfes Abusir (Unterägypten) gefunden wurde. Der Timotheos-Papyrus ist das älteste erhaltene griechische Buch.
Die Enzyklopädie (frz. aus
griech.-mlat.,
"Grundlehre aller Wissenschaften und Künste") ist ein
Nachschlagewerk,
in dem der gesamte Wissensstoff aller Disziplinen oder nur eines
Fachgebietes
in systematischer oder alphabetischer Anordnung dargestellt ist. Für
ein alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk für alle Wissensgebiete
oder ein bestimmtes Sachgebiet ist die Bezeichnung "Lexikon" (griech.)
(Wörterbuch) gebräuchlich.
Die Anfänge der systematischen Enzyklopädie werden auf den
griechischen
Philosophen und Neffen Platons Speusippos (* um 408 v.Chr., Athen
339 v.Chr.) zurückgeführt, von dessen Enzyklopädie
allerdings
nur wenige, vor allem naturhistorische, mathematische und philosophische
Fragmente erhalten sind.
Versuche im alten Griechenland, eine Art Stenographie (Kurzschrift) (Tachygraphie [ griech. Schnellschrift]) zu entwickeln, gehen auf das 4. Jh. v.Chr. zurück. Allerdings sind nur einige wenige Beispiele für dieses aus Teilen griechischer Buchstaben gebildete Kurzschriftsystem an Bauten, auf Wachstafeln und papyri erhalten, und nur wenige konnten entziffert werden.
Seit dem Beginn menschlicher Kultur haben Mineralien und Gesteine als
Rohstoffe
für Werkzeuge eine Rolle gespielt. Die in der Frühzeit
vorhandenen
Kenntnisse sind uns jedoch nicht überliefert. Ernsthafte
Bemühungen,
die Mineralien zu klassifizieren, unternahmen erst die Griechen und
Römer.
Das erste erhaltene, zusammenfassende Werk, das sich ausschließlich
mit Mineralien befaßt, ist die Schrift
"Peri lithon" (griech.- Über die Gesteine) des griechischen
Philosophen
und Naturforschers Theophrast (Theophrastos) (* Eresos auf Lesbos 371
v.Chr.,
Athen 287 v.Chr.).
Der Periplus (griech.- Umsegelung) (Pl.:
Periploi,
auch Periplen) war im Altertum eine Beschreibung von Meeresküsten,
Erdteilen, Ländern oder Inseln, auch mit nautisch-technischen
Angaben.
Einer der ältesten im Griechischen erhaltenen Periploi
(4. Jh. v.Chr.) trägt den Namen
des Skylax von Karyanda, der Ende des 6. Jh. v.Chr. auf Befehl des
Perserkönigs Dareios I. (522-486 v.Chr.) eine Forschungsreise bis
zur
Mündung des Indus unternahm. Im Mittelalter hießen solche
Küstenbeschreibungen Portolane.
Der griechische Mathematiker und Astronom Autolykos von Pitane (4. Jh. v.Chr.), ein älterer Zeitgenosse von Euklid, verfaßte um 330 v.Chr.(?) eine Schrift über "die bewegte Kugel" (Geometrie der Kugel unter astronomischen Aspekten), die das älteste vollständig erhaltene mathematische Werk der griechischen Literatur ist.
Der griechische Mathematiker Euklid (Eukleides) (* um 365 v.Chr., um 300 v.Chr.) ist der Verfasser des ältesten vollständig erhaltenen Lehrbuches der griechischen Mathematik "Ta stoicheia"(griech.- Die Elemente) (entstanden um 325 v.Chr.), das bis ins 19. Jh. die grundlegende Einführung in die Mathematik blieb. (Erste Druckausg. [lat.]: Venedig 1482, [griech.]: Basel 1533.)
Unter Ptolemaios II. Philadelphos, König des hellenistischen
Ägyptens
(283 -246 v.Chr.), entstand die
älteste
griechische Übersetzung des hebräischen Alten
Testaments, die sogenannte Septuaginta (lat.: septuaginta-
siebzig;
nach der Legende von 72 jüdischen Gelehrten angefertigt), meist mit
LXX bezeichnet.
Die Septuaginta wurde in zahlreichen Handschriften überliefert, von
denen die älteste erhaltene aus dem 2. Jh. v.Chr. stammt (Fragmente
des Deuteronomiums). (Der LXX-Text wurde erstmals in der
Polyglottenbibel,
Alcalá de Henares 1514 - 1517, gedruckt.)
Von den in der hellenistischen Zeit entstandenen Öffentlichen
Bibliotheken
ist die älteste und bedeutendste die aus zwei Teilbibliotheken
bestehende
Bibliothek in Alexandria (Alexandrinische
Bibliothek
[Ptolemäische Bibliothek]), gegründet von Ptolemaios I. Soter
(305-283 v.Chr.) und Ptolemaios II.
Philadelphos (283 -246 v.Chr.). Die große Alexandrinische
Bibliothek
(im Museion) mit etwa 700.000 Buchrollen wurde 47 v.Chr. durch Brand
größtenteils zerstört, die kleinere (im Serapeion) mit
über
40.000 Buchrollen wurde 391 n. Chr. vernichtet.
Ein 1914 in Oxyrhynchos,einer antiken Stadt in Mittelägypten, heute
El-Behnesa, aufgefundener Papyrus verzeichnet die Gelehrten, die der
Alexandrinischen Bibliothek von Anbeginn bis 145 v.Chr. vorstanden.
Zenodot
(Zenodotos), alexandrinischer Grammatiker des 3.
Jh. v.Chr. aus Ephesus, war ihr erster Vorsteher.
Tierhäute gehören zu den ältesten Beschreibstoffen. Zu
Leder
gegerbt und in Rollenform wurden sie wahrscheinlich noch vor der
Papyruszeit
in Ägypten verwendet.
Eine spezielle Bearbeitung der Tierhaut führte zum
Pergament. Pergament ist ein Beschreibstoff
aus enthaarten, geglätteten, oft eingekreideten, ungegerbten
Tierhäuten (Schaf-, Ziegen-, Kalbfelle), die nach einem Kalkbad
unter
Spannung getrocknet werden. Pergament wurde angeblich im
3. Jh. v.Chr. erfunden, als
Ägypten
die Ausfuhr von Papyrus nach Pergamon sperrte, um die Konkurrenz der
pergamenischen Bibliothek (begründet von Eumenes II. Soter,
König
von Pergamon [seit 197 v.Chr., 160/159 v.Chr.]) mit der
alexandrinischen
Bibliothek zu verhindern. (Pergament dürfte es aber schon viel
früher
gegeben haben, wenngleich Nachrichten über die Herstellungsart erst
aus dem Mittelalter überliefert sind. Mit Sicherheit kann nur gesagt
werden, daß das Pergament nach der Stadt Pergamon benannt
wurde.)
Haltbarer und zur Beschriftung besser geeignet als Papyrus, notfalls nach
Abschabung der Schrift auch erneut beschreibbar, trat Pergament seit dem
4./5. Jh. als Schreibmaterial an dessen Stelle. Nach Erfindung des
Papiers
verlor das Pergament seit dem 15./16. Jh. an Bedeutung.
Schreibgerät für das Pergament war die Rohrfeder
(Gänsefeder,
gelegentlich die Metallfeder).
Eine bis in die Antike zurückreichende Wurzel der
Computerentwicklung
ist der Automat (griech.Selbstbeweger), ein
System (Maschine, Vorrichtung), bei dem nach einer Schaltbetätigung
(Auslösung) ein programmierter Prozeß selbsttätig
abläuft.
Automaten gab es mit Sicherheit schon im 3. Jh.
v.Chr. So beschrieb der griechische Mechaniker Philon von
Byzanz
(2. Hälfte des 3. Jh. v.Chr.) in seiner "Mechanike syntaxis" nach
pneumatischen Gesetzen gebaute Apparate. In dieser Zeit waren auch
automatische
astronomische Anzeigegeräte in Gebrauch. Ein berühmtes Beispiel
für Automaten waren die sich selbsttätig öffnenden
Tempeltüren, die der griechische Mechaniker und Mathematiker Heron
von
Alexandria (1. Jh. n.Chr.) gebaut hatte.
Auch im Mittelalter übten Automaten (mechanische Puppen, Spieluhren,
Uhren mit Figurenwerk, Glockenspiele u.ä.) eine große
Faszination
aus. Nicht minder beeindruckend waren die mechanischen Musikinstrumente,
die im 16. Jh. auftauchten. In der Renaissance fertigte man
lebensgroße
Menschen- und Tierfiguren an, die allerlei Bewegungen ausführen
konnten.
Im 18. Jh. artete der Bau möglichst naturgetreuer Automaten,
sogenannter
Androiden, zu einer regelrechten Manie aus. (Beispiele sind der
mechanische
Flötenspieler [1738] und die gehende, schnatternde, fressende und
verdauende
Ente [1741] des Automatenherstellers Jacques de Vaucanson[* Grenoble
1709,
Paris 1782.].)
Mit zunehmender Komplexität der Androiden entwickelten sich die
Prinzipien
einer mechanischen Steuerungstechnik, so daß es nur ein
kleiner Schritt
zur Programmsteuerung von Spezialmaschinen mit wirtschaftlicher Bedeutung
(z.B. Webstühlen) war (1728). Gegen Ende des 18. Jh. erlosch das
Interesse
an den Unterhaltungsautomaten.
In der Antike wurden geheime Nachrichten nicht nur verschlüsselt,
sondern
auch mit Geheimtinten geschrieben.
Geheimtinten (sympathetische Tinten) sind
Flüssigkeiten, die beim Schreiben eine unsichtbare Schrift
hinterlassen,
welche durch chemische oder physikalische Behandlung sichtbar gemacht
werden
kann. Zur Herstellung von Geheimtinten gibt es viele Rezepte.
Ein Verfahren kannte bereits der griechische Mechaniker Philon von Byzanz
(2. Hälfte des 3. Jh. v.Chr.).
Der griechische Gelehrte und Dichter Kallimachos (* etwa 305 v.Chr., etwa 240 v.Chr.) stellte, fußend auf den Beständen der Alexandrinischen Bibliothek (im Museion), um 250 v.Chr. mit seinem 120 Bücher umfassenden (verloren gegangenen) Bibliothekskatalog, den sogenannten Pinakes (griech.- Verzeichnisse [aller griechischen Schriftsteller und ihrer Werke]), die erste Bibliographie (Literaturverzeichnis) griechischer Literatur zusammen.
Der hellenistische Gelehrte Eratosthenes von Kyrene (* Kyrene [heute Schahhat, Libyen] um 284 [oder 274] v.Chr., Alexandria um 202 [oder um 194] v.Chr.) entwarf um 240 v.Chr. in seiner "Geographika" (griech.Geographiebücher) (auf der Grundlage des kartographischen Gradnetzsystems aus Längen- und Breitenkreisen) die erste Gradnetzkarte der damals bekannten Welt.
Im Jahre 213 v.Chr. ließ der
chinesische Kaiser Ch'in Shih Huang-ti (221 -210 v.Chr.; König seit
246 v.Chr.) alle
Bücher der
konfuzianischen Opposition (Werke des chinesischen Philosophen
Konfuzius[*
Qufu 551 v.Chr., ebd. 479 v.Chr. ] und die sich mit seiner Lehre
befassenden Schriften) verbrennen. Verschont blieben nur Bücher
über
Medizin, Landwirtschaft und Zauberei. (Überdies kam es zur
Hinrichtung
von angeblich 460 Gelehrten.)
Sieht man von der nicht authentisch überlieferten
Bücherverbrennung in Griechenland von
415
v.Chr. ab, so war dies die erste historisch nachweisbare
Bücherverbrennung
der Weltgeschichte.
Ein ab etwa 200 v.Chr. geschaffenes altrömisches Stenographiesystem, das fast ein Jahrtausend lang in Gebrauch war, stammt in seinen Anfängen (mit rd. 1100 Kurzschriftzeichen) wohl von dem lateinischen Dichter Quintus Ennius (* Rudiae [ Kalabrien]239 v.Chr., 169 v.Chr.).
Von der Bibel ist kein einziges Buch in eindeutig originaler Textgestalt
überliefert. Die ältesten bekannten Handschriften des
(ursprünglich hebräisch und nur in wenigen Kapiteln
aramäisch
aufgezeichneten) Alten Testaments stammen
aus
dem 10. Jh. (Codex von Aleppo [um 930], Codex Leningradensis [1008],
abgesehen
von nur einigen wenigen älteren Fragmenten).
Seit den Funden in der Genisa (Schatzkammer) der Synagoge von Kairo
(19.Jh.)
und seit den ersten Funden aus den Höhlen bei Qumran, einer
Ruinenstätte am Toten Meer, (1947) hat sich die Zeitgrenze für
die ältesten überlieferten hebräischen Handschriften des
Alten
Testaments bis ins 2. Jh. v.Chr.
zurückgeschoben; denn von sämtlichen Büchern des Alten
Testaments
(mit Ausnahme von Esther) liegen jetzt zumindest Fragmente vor.
Der griechische Grammatiker Dionysios Thrax (2. Jh. v.Chr.) verfaßte die erste bekannte griechische Grammatik ("Techne grammatike"), die bis ins 18. Jh. maßgebend galt.
Die Chinesen sind die Erfinder des Papiers (mhd. papier von lat. papyrum,
griech. pápyros - Papyrus [ staude]), eines aus Fasern meist
pflanzlicher
Herkunft durch Verfilzen und Verleimen hergestellten blattförmigen
Erzeugnisses. Mit dem Papier wurde ein
völlig
neuartiger Beschreibstoff geschaffen, der die Verbreitung von Information
und Wissen entscheidend verbesserte.
Daß der Chinese Cai Lun (* um 50, 114), der als Eunuch am
kaiserlichen Hof der östlichen Han-Dynastie (25 -220) diente, lange
als Erfinder des Papiers (105 n.Chr.) galt, entspricht heute nicht mehr
der
historischen Wahrheit, da aufgrund von Papierfunden dieses Jahrhunderts
in
China die Erfindung bereits für das 2. bis
1. Jh. v.Chr. anzusetzen ist. Allerdings hat Cai Lun wohl
vorangegangene Versuche mit Verfilzung von Faserstoffen zum
Abschluß
gebracht und zur Verbreitung des bisher nur für Verpackung und
andere
Zwecke verwendeten Papiers als eines neuen Beschreibstoffes beigetragen,
der zu einer mächtigen Konkurrenz für Bambus, Seide und
Holztäfelchen wurde. Hierfür wurde er (nach einer chinesischen
Quelle des 5. Jh.) im Jahre 105 vom chinesischen Kaiser belobigt.
Von China aus verbreitete sich die Papierherstellungstechnik im 7. und 8.
Jh. nach Korea und Japan. 751 (Sieg bei Samarkand) wurde die Kunst des
Papiermachens im arabischen Kulturkreis durch cinesische Kriegsgefangene
bekannt und gelangte von dort über Bagdad (793), Damaskus und Kairo
(10. Jh.) nach Europa (Spanien [wahrscheinlich 11./12. Jh., mit
Sicherheit
Xativa, vor 1150], Italien [Fabriano, 1276], Frankreich [Troyes, 1338 ],
Deutschland [Nürnberg, 1390], England [Hertford, 1494] u.a.).
Der römische Staatsmann und Schriftsteller Marcus Porcius Cato (* Tusculum [beim heutigen Frascati] 234 v.Chr., Rom 149 v.Chr.) schrieb ab 168 v.Chr. eine Geschichte Roms und Italiens ("Origines" [lat.- Ursprünge]), mit der er, entgegen seinen griechisch schreibenden historiographischen Vorläufern, das erste Beispiel für ein Geschichtswerk in lateinischer Sprache gab.
Der römische Staatsmann und Schriftsteller Marcus Porcius Cato (* Tusculum [beim heutigen Frascati] 234 v.Chr., Rom 149 v.Chr.) hatte in seinen um 150 v.Chr. entstandenen "Libri ad Marcum filium" (lat.- Bücher an den Sohn Marcus) einen Zyklus von Fachdisziplinen Landwirtschaft, Medizin, Rhetorik und Kriegswissenschaft) behandelt und damit die erste lateinische (pädagogische) Enzyklopädie geschaffen.
Wie die Griechen haben auch die Römer geheime Nachrichten
verschlüsselt. Der römische Schriftsteller Sueton (Gaius
Suetonius
Tranquillus) (* Hippo Regius [?] um 70, um 130) beschrieb in
seinen
Kaiserviten ("De vita Caesarum") ein
Chiffriersystem, das der römische
Feldherr
und Staatsmann Gaius Iulius Caesar (* Rom 100 v.Chr., ebd. 44
v.Chr.)
für vertrauliche Mitteilungen an Cicero u.a. verwendet haben soll.
Caesar
verschlüsselte eine Nachricht dadurch, daß er jeden Buchstaben
durch den drei Stellen weiter im Alphabet stehenden Buchstaben ersetzte.
Auch Kaiser Augustus (* Rom 63 v.Chr., Nola 14 n.Chr.) hat, so
Suetonius,
von diesem Ersetzungsverfahren (Substitution oder Verschiebung) Gebrauch
gemacht; allerdings hat er das Geheimtextalphabet gegenüber dem
Klartextalphabet nur um einen Buchstaben verschoben.
Die von Caesar und Augustus benutzten Verschlüsselungen, bei denen
jeder
Buchstabe des (Klartext-) Alphabets stets zu demselben (Geheimtext-)
Buchstaben
chiffriert wird, heißen monoalphabetische Chiffrierungen und sind,
steht genügend Material zur Verfügung, relativ leicht durch
Häufigkeitsbetrachtungen zu brechen, denn die einer Sprache
eigentümliche Häufung bestimmter Buchstaben bleibt bei der
Verschlüsselung, wenn auch in Umsetzung, erhalten. So gelang es um
1400
den Arabern, Substitutionen zu entschlüsseln.
(Wesentlich schwieriger ist es, einen polyalphabetischen Schlüssel,
bei dem derselbe Klartextbuchstabe nicht stets mit demselben
Geheimtextbuchstaben
verschlüsselt wird, zu brechen, weil hier statistische
Erwägungen
nicht ohne weiteres angewendet werden können.)
Marcus Tullius Tiro, ein freigelassener Sklave und Freund Ciceros, (1. Jh. v.Chr.) verbesserte das altrömische Stenographiesystem des Quintus Ennius (200 v.Chr.) und erweiterte es um etwa 4.000 neue Zeichen. Für 63 v.Chr. ist die Verwendung der sogenannten Tironischen Noten (Bezeichnung seit dem 16. Jh.) im römischen Senat bezeugt. Das römische Kurzschriftsystem war mit rd. 13.000 Tironischen Noten noch bis ins 12. Jh. in den Kanzleien der Merowinger und Karolinger im Gebrauch. Dann gerieten die Tironischen Noten in Vergessenheit. Nur die tironische Abkürzung "&" für "und" (in Verbindung mit Firmennamen) hat sich bis heute erhalten.
"Acta diurna" (lat.- Tagesberichte), ein von Gaius Iulius Caesar (* Rom 100 v.Chr., ebd. 44 v.Chr.) während seines Konsulats im Jahr 59 v.Chr. gegründeter römischer Staatsanzeiger, war die erste "Tageszeitung" des Abendlandes. Von der wohl öffentlich auf einer weißen Tafel ausgestellten offiziellen Version der Nachrichten über das Kaiserhaus, den Senat und die Stadt Rom (Maueranschlag) zirkulierten Abschriften in Rom und in der Provinz. Die Zeitung erschien bis mindestens 235 n.Chr., wenn auch wahrscheinlich nicht immer täglich.
Der römische Feldherr und Staatsmann Gaius Iulius Caesar (* Rom 100 v.Chr., ebd. 44 v.Chr.) schrieb mit seinen im Winter 52/51 v.Chr. entstandenen "Commentarii de bello Gallico" (lat.= Aufzeichnungen über den Gallischen Krieg) (in 8 Büchern; 8. Buch von Aulus Hirtius [ 43 v.Chr.]) die erste authentische Kriegsberichterstattung.
Als erster namentlich bekannter römischer Verleger gilt der hochgebildete, vermögende römische Ritter und und Schriftsteller Titus Pomponius Atticus (* 110 v.Chr., 32 v.Chr.), der ab etwa 49 v.Chr. zeitgenössische Literatur, u.a. Ciceros Werke, in Abschriften durch Sklaven vervielfältigt, verbreitete.
Die älteste bekannte Bibliotheksverwaltungslehre verfaßte um 45 v.Chr. der römische Gelehrte und Schriftsteller Marcus Terentius Varro (* 116 v.Chr., 27 v.Chr.) mit seinem aus drei Büchern bestehenden Werk "De bibliothecis" (lat.- Über Bibliotheken), das allerdings verlorengegangen und nur durch literarische Quellen überliefert ist.
Gaius Asinius Pollio, römischer Staatsmann und Schriftsteller, (* 76 v.Chr., 5 n.Chr.) stiftete 39 v.Chr. die erste Öffentliche Bibliothek in Rom, die im Atrium Libertatis, dem Sitz der Zensoren, eingerichtet wurde. Zudem förderte er die großen Dichter seiner Zeit (Vergil, Horaz) und war der erste Rezitator eigener Werke vor einem Kreis geladener Gäste.
Nach dem Vorbild der persischen Post
richtete
Kaiser Augustus (* Rom 63 v.Chr., Nola 14 n.Chr.; Kaiser seit
27 v.Chr.) die Staatspost des
Römischen
Reiches ("cursus publicus") ein: An den Hauptstraßen lagen die
Poststationen, die "mutationes" (lat.: mutatio Wechsel,
Veränderung),
wo die Pferde gewechselt wurden, und die Raststätten (Herbergen),
die
"mansiones" (lat.: mansio - Aufenthalt) für Boten und Reisende.
Dem römischen Cursus publicus, der mit dem Ende des Römischen
Reiches
in Europa aufhörte zu bestehen, verdanken alle nachfolgenden der
Nachrichtenbeförderung dienenden Einrichtungen den Namen "Post"
(abgeleitet
aus spätlat.: posita [ statio oder mansio] festgesetzt [er
Aufenthaltsort]
zu lat.: positum und unter Einfluß von ital.: posta - Poststation).
Die zehn Bücher "De architectura" (lat.- Über die Baukunst), um 25 v.Chr. verfaßt von (Marcus) Vitruv(ius) Pollio, einem römischen Baumeister und Ingenieur unter Caesar und Augustus, (1. Jh. v.Chr.) ist das einzige aus dem Altertum erhaltene architekturtheoretische Werk, das zudem auf Jahrhunderte zum grundlegenden Lehrbuch der Baukunst wurde. (Erstdruck: Rom um 1487; erste deutschsprachige, mit Holzschnitten illustrierte Ausg.: Nürnberg 1548.)
Die mutmaßlich älteste alphabetische Enzyklopädie ist das um die Zeitwende von dem lateinischen Grammatiker der Augusteischen Zeit Marcus Verrius Flaccus verfaßte lexikalische Werk "De significatu verborum" (lat.Über die Bedeutung der[ seltenen lateinischen ] Wörter). (Von ihm ist nur der 2. Teil in der Fassung des römischen Grammatikers Sextus Pompeius Festus [ 2. Hälfte des 2. Jh. ] und ein Auszug von dem Geschichtsschreiber Paulus Diaconus [ 8. Jh.] erhalten.)
Der Codex (von caudex [lat.] - urspr.
Holzklotz,
später Bez. für Schreibtafel [aus Holz]) war die Buchform der
Spätantike und des Mittelalters. Ein Codex besteht aus mehreren
gefalteten,
ineinandergelegten und gehefteten (Papyrus-, Pergament- oder Papier-)
Blättern, die zwischen zwei (mit Leder oder Metall überzogenen)
Holzdeckeln befestigt sind. Die Urform des Codex waren die miteinander
verbundenen Schreibtäfelchen der Antike (Polyptycha). Die heutige
Buchform
geht unmittelbar auf den Codex zurück.
Nach literarischer Überlieferung gab es Ende des
1. Jh. Homer- und Vergilausgaben in
Codexform. Das älteste erhaltene Codexfragment stammt aus dem 2. Jh.
(Fragment der "Kreter" des Euripides[* 485/484 oder um 480 v.Chr.,
406 v.Chr.]).
Der Codex, der zunächst neben der Buchrolle bestanden hatte,
verdrängte diese bis Ende des 5. Jh. Diese Entwicklung wurde dadurch
begünstigt, daß mit dem Aufkommen der Codexform man statt des
leicht brechenden Papyrus zunehmend das schmiegsame Pergament als
Beschreibstoff
verwendete. Im 13. Jh. entstanden die ersten Papiercodices.
Soll es literarischen Quellen zufolge schon in der Perikleischen Zeit (5. Jh. v.Chr.) etliche Kochbücher gegeben haben, so stammt das erste unter dem Namen "Apicius" überlieferte Kochbuch der Antike erst aus der römischen Kaiserzeit. Es wird dem römischen Feinschmecker Marcus Gavius Apicius aus der Zeit des Augustus und des Tiberius zugeschrieben. Seine etwa 30 n. Chr. entstandene Schrift "De re coquinaria libri decem" (lat.- Zehn Bücher über die Kochkunst) dürfte aber bis zum Entstehen der uns überlieferten Fassung gegen Ende des 4. Jh. mehrfach umgearbeitet, um neuere Rezepte erweitert und wieder gekürzt worden sein. (Älteste erhaltene Apicius-Handschrift: 9. Jh. [in Biblioteca Vaticana, Rom]; Erstdruck: Venedig o. J. [1486].)
Der aus Spanien stammende römische Schriftsteller Pomponius Mela (1. Jh.) verfaßte um 44 eine Erdbeschreibung ("De chorographia" [lat.- Über die Länderbeschreibung]), die das älteste erhaltene geographische Werk der römischen Literatur (und in lateinischer Sprache) ist.
Das erste maßgebende arzneikundliche Werk der Antike war die um 77/78 zuerst in griechischer Sprache in Umlauf gekommene Schrift "Peri hyles iatrikes" (griech.Über Arzneimittel) des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides aus Anazarbos in Kilikien (1. Jh.), die für mehr als eineinhalb Jahrtausende das Standardlehrbuch der Pharmakologie und Pharmazie blieb. Von dem Text existieren zahlreiche Handschriften, auch in lateinischer Übersetzung u.d.T. "De materia medica" (lat.- Über Heilstoffe). (Erstdruck: [lat.] : Colle [Toskana] 1478, [griech.]: Venedig 1499.)
Die in der Antike und im Mittelalter maßgebende naturwissenschaftliche Enzyklopädie war die im Jahre 77 erschienene "Naturalis historia" des römischen Schriftstellers Plinius d.Ä. (Gaius Plinius Secundus) (* Comum [ heute Como ] 23 oder 24, Stabiae [heute Castellamare di Stabia] 79 beim Ausbruch des Vesuvs). In seiner 37 Bücher umfassenden "Naturgeschichte" hat Plinius als erster in enzyklopädischer Kompilation den gesamten Wissensstand seiner Zeit in sämtlichen Disziplinen der Naturforschung dargestellt. Dem ersten Buch, das Inhalts- und Quellenverzeichnisse der einzelnen Bücher enthält, folgen die anderen Bücher einem Aufbau nach Wissensgebieten: Kosmologie (Buch 2), Geographie und Ethnologie (3 -6), Anthropologie (7), Zoologie (8 - 11), Botanik (12 - 19), pflanzliche und tierische Heilmittel (20 -32), Mineralogie und Verwendung der Metalle und Steine, besonders in der Kunst (33 -37). Insgesamt sind nahezu 500 Autoren verarbeitet, und zwar rd. 100 Primärquellen und fast 400 Sekundärquellen, die, entgegen der sonstigen antiken Praxis, alle namentlich angegeben sind. (Erstdruck: "Historiae naturalis libri XXXVII", Venedig 1469; erste dt. Übers.: "Natürlicher History Fünff Bücher", Straßburg 1543 [ nur Buch 7 - 11].)