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Die vorliegenden Ausschnitte aus "Little Science Big Science" sollen auf drei wichtige Punkte aufmerksam machen:
Das Buch von Derek J. de Solla Price ist zweifellos eines der einflußreichsten für die Scientometrie, die Bibliometrie und damit auch für die Bibliothekswissenschaft.
Gerade darum ist es unabdingbar auf die Fehler in diesem Buch hinzweisen. Es handelt sich dabei um die typischen Fehler, die meist am Anfang einer neuen
Wissenschaft stehen und keinesfalls dem bahnbrechenden Wissenschaftler zum Vorwurf gemacht werden können. Es handelt sich um Fehler die dadurch entstehen,
daß man erste Entwicklungseinschätzungen falsch extrapoliert, dadurch daß man bestimmte Einschätzungen noch zu vorsichtig oder auch zu spektakulär angeht und
dadurch, daß man bestimmte Begleiterscheinungen nicht als solche erkennt.

(Fehler bei der Digitalisierung des Textes bitte ich zu entschuldigen bzw. mir mitzuteilen.)                                                         Prof. Dr. Walther Umstätter (W.U.)

Zum Thema: Politische Strategie für Big Scientists

Derek J. de Solla Price: Little Science, Big Science

Suhrkamp Verl. 1974

Bei unserer Analyse des Wissenschaftswachstums sind wir zu einem Grundverständnis des normalen exponentiellen Wachstums und der Verteilung von Begabung und Produktivität gelangt. Wenden wir unsere Aufmerksamkeit jetzt dem Außergewöhnlichen zu - das heißt, den Dingen, die sich nicht in das Schema einordnen lassen. Ohne Zweifel, das anomalste Ding in diesem Zeitalter der Big Science ist das Geld. Der Geldbedarf der Wissenschaft fällt ganz aus dem Rahmen, und da er für die meisten sozialen und politischen Folgerungen entscheidend ist, muß unsere Untersuchung hier beginnen.

Wenn die Kostspieligkeit der Wissenschaft genauso verteilt wäre wie ihre Produktivität oder Qualität, läge hier kein Problem. Wenn wir pro Wissenschaftler zu jeder Zeit gleich viel ausgeben müßten, würden die Kosten nur proportional zu ihrer Anzahl wachsen und sich somit alle 10 - 15 Jahre verdoppeln. In Wirklichkeit aber verdoppeln sich unsere Ausgaben alle 5 1/2 Jahre, so daß sich die Kosten pro Wissenschaftler alle 10 Jahre verdoppelt haben. Dabei ist der Wertverlust des Dollars berücksichtigt. Anders gesagt, die Ausgaben für die Wissenschaft wachsen mit dem Quadrat der Anzahl der Wissenschaftler.

Die Tatsache, daß Wissenschaft eine so hohe Attraktivität hat, daß sie immer mehr Geld an sich zieht, ist weniger ein Zeichen dafür daß sie immer teurer wird, als vielmehr dafür, daß Wirtschaft und Staat erkannt haben, daß sich Big Science auch dann lohnt, wenn man immer mehr in sie investiert. Entsprechendes gilt auch für die hohe Arbeitslosigkeit in der zur Zeit entstehenden Wissenschaftsgesellschaft, die nicht genug qualifizierte Wissenschaftler findet, aber einen großen Überhang an nicht ausreichend qualifizierten Arbeitslosen hat. Diese weitaus zu hohe Zahl an Arbeitslosen kann in den postindustriellen Ländern nur aufgrund der äußerst leistungsfähigen Wissenschaft auf so hohem Niveau erhalten werden. Ansonsten muß bei den Berechnungen von De Solla Price berücksichtigt werden, daß hier Größen mit eingehen, die nicht unkritisch der Wissenschaft zugeordnet werden können. Da ein Wissenschaftler im Vergleich zum Rest der Bevölkerung in den postindustriellen Staaten nicht mehr sondern heute eher weniger verdient, kann Wissenschaft so betrachtet nicht teurer werden als zur Zeit der Little Science. Hier muß das Wachstum der Wisssenschaft und damit die Investition in die Zukuunft berücksichtigt werden. Diese Betrachtung ist insbesondere im Bezug auf die Studienkosten wichtig, weil man oft davon ausgeht, daß die Investition in ein Studium sinnvoll ist, weil man als Absolvent nicht nur zur geistigen Elite gehört, sondern damit auch zur verdienenden Elite. Dies ist jedoch falsch, da in einer Big Science, in der die Minderheit von Wissenschaftlern in eine Mehrheit übergeht, nicht überdurchschnittlich verdient werden kann. (W.U.).

Da die Zahl der durchschnittlichen Wissenschaftler im allgemeinen mit dem Quadrat der Anzahl der hervorragenden, hochproduktiven wächst, leiten wir das erschreckend kostspielige Prinzip ab, daß die Forschungsausgaben mit der vierten Potenz der Zahl der hervorragenden Wissenschaftler ansteigen. Wir haben bereits abgeschätzt, daß die Vereinigten Staaten genug Begabungsreserven besitzen, um die Zahl ihrer ausgezeichneten Wissenschaftler auf das Fünffache vergrößern

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zu können. Wir wollen uns einmal vorsichtig eine Zukunft vorstellen, in der sie nur auf das Dreifache angewachsen ist, was durchaus einige Zeit vor dem Jahr 2.000 erreicht sein könnte. Bis dahin hätten sich unsere Ausgaben nach dem eben abgeleiteten Prinzip auf das 81fache vermehrt und wären dann doppelt so groß wie unser ganzes Brutto-Sozial-Produkt.

Es scheint unbestreitbar, daß die Kosten der Wissenschaft derartig angewachsen sind. Die gesamten Ausgaben der Nation für Forschung und Entwicklung betrugen im Jahre 1950 drei Milliarden Dollar und 13 Milliarden im Jahre 1960 - mehr als eine Verdoppelung alle 5 Jahre. Die 15 Prozent Anstieg pro Jahr muß man mit einem Wachstum des Brutto-Sozial-Produkts von nur 3 1/2% vergleichen. Bei der gegenwärtigen Zuwachsrate werden die Ausgaben für die Wissenschaft bereits 1973 10% des Brutto-Sozial-Produkts erreichen. Schon heute liegen sie je nach Definition bei 2- 3 %.

Nehmen wir einmal optimistisch an, daß das Brutto-Sozial-Produkt weiter anwächst und daß das Anwachsen der Zahl qualifizierter Wissenschaftler nicht durch Arbeitskräftemangel aufgehalten wird. Stellen wir uns noch einmal die Frage, ob die Ausgaben pro Wissenschaftler auch steigen müssen. Daten von den Bundesbehörden, die jetzt so viele Forschungsarbeiten unterstützen, zeigen deutlich, daß die Kosten pro Projekt schnell gestiegen sind. Das »National Institute of Health« nennt für die durchschnittlichen Ausgaben pro Projekt 9.649 Dollar im Jahr 1950 und 18.584 Dollar im Jahr 1960, also fast eine Verdoppelung.1 Johnson und Milton untersuchten sehr verschiedene Forschungsvorhaben in Industrie, an Universitäten und in Instituten der Regierung2 und kamen zu dem Ergebnis, daß sich in einem Jahrzehnt die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zahlenmäßig lediglich

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verdoppelten, obwohl die Gesamtkosten auf das 4 1/2fache gestiegen waren.

Price hat in einer späteren Publikation gezeigt, daß Wissenschaftler weder leistungsfähiger noch leistungsschwächer werden. Sie publizieren in erster Näherung immer konstant eine Publikation pro Jahr. In gewisser Hinsicht definiert sich aus dieser Feststellung ein Wissenschaftler, da wir auch Absolventen einer Universität, die beispielsweise 10 Jahre lang nichts publiziert haben nur schwer zu der Zahl der Wissenschaftler rechnen können. Diese Wissenschaftler haben zu Zeiten der Little Science meist eine Publikation pro Jahr allein verfaßten, und publizieren heute jährlich vier Publikationen zu viert. Außerdem fand Price, daß die Zahl der gemeinsamen Publikationen mit der Höhe der Projektgelder korreliert. Dies ist insofern naheliegend, als wir daraus erkennen, daß mit steigenden Projektgeldern auch die Zahl der Mitarbeiter und damit meist auch die Interdisziplinarität in einem Projekt steigt. (W.U.)

Im Grunde scheinen wir, wenn wir immer mehr Forschung betreiben, zwar unseren gewohnten und erwarteten Zuwachs an Ergebnissen zu brauchen, aber er scheint immer schwerer erreichbar zu sein. Die Folge davon ist, daß wir immer stärkeren Anreiz schaffen, indem wir Gehälter erhöhen, mehr Unterstützung bereitstellen und den Forschern bessere Hilfsmittel für ihre Arbeit in die Hand geben. Dies ist im wesentlichen die gleiche Situation wie beim Fechnerschen Gesetz, die wir schon beschrieben haben, wobei die Wirkung dem Logarithmus des Anreizes proportional ist. Es ist jedoch offensichtlich nötig, Einheiten der finanziellen Gewichtigkeit doppelt so schnell aufzubrauchen wie Einheiten der wissenschaftlichen Gewichtigkeit.

Wir können jetzt fragen, warum die Kosten der Forschung pro Forscher im Vergleich zum Brutto-Sozial-Produkt in allen Zeiten bis etwa zum Zweiten Weltkrieg anscheinend konstant geblieben sind und erst seit dieser Zeit ein Anwachsen zeigen, das mit dem Anwachsen der wissenschaftlichen Manpower Schritt hält.

Als Interpretation, nicht als Antwort, könnte ich vorschlagen, daß es sich um die kybernetische Rückkoppelung handelt, die jetzt versucht, das Wissenschaftswachstum zu verlangsamen und schließlich anzuhalten, wenn der maximalmögliche Umfang erreicht ist. Wir behaupten, daß dies die wichtigste Ursache dafür ist, daß die Kurve gegenwärtig eher logistisch als exponentiell verläuft. Dies ist der Unterschied zwischen Big Science und Little Science. Aber wir können den direkten Grund nicht entdecken, bevor wir uns nicht über die nationale Situation hinaus die Weltsituation angesehen haben und uns nicht eingehender mit der Motivation des Wissenschaftlers beschäftigt haben.

Damit ging Price in den sechziger Jahren davon aus, daß Wissenschaft in absehbarer Zeit gegen eine Sättigung geht. Dies hat sich bis heute keinesfalls bestätigt und ist momentan auch nicht zu erwarten. Im Gegensatz dazu ist zu beobachten, daß sich noch riesige Potentiale an Wissenschaftlern in den Ländern, die erst in den kommenden Jahrzehnten die postindustrielle Phase erreichen, entfalten werden. Es gibt auch keinen vernünftigen Grund anzuenhmen, daß wissenschaftliches Denken in Zukunft nicht gebraucht wird. Weitaus größer dürfte die Gefahr sein, die schon heute vorhandene Macht in Händen von Menschen su sehen, die nicht wissen (im Sinne von Wissenschaft) was sie tun (W.U.).

Prüfen wir zuerst die Weltsituation und betrachten dabei all die verschiedenen Länder mit ihrem unterschiedlichen wissenschaftlichen Gewicht. In erster Näherung sind diese

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gesetzmäßig verteilt wie die Größe von Städten in einem Land, mit einer Rangordnung von den wenigen großen bis hinunter zu den vielen kleinen. Es gibt ein gleichmäßiges exponentielles Wachstum, wie bei den Städten. Wie bei der nach Größe geordneten Aufstellung der Städte ändert sich die Rangordnung ein wenig, wenn wir ihre Entwicklung durch die Geschichte beobachten, aber die Verteilung bleibt stabil. Im Laufe der Jahre gibt es Veränderungen, bei denen manche Länder abwechselnd die Führung erobern und hinter andere zurückfallen. Es ist ein langsamer Prozeß, obgleich die Erkenntnis für die Uninformierten ein Schock sein kann, wie etwa im Falle Sputnik.

Im Verlauf unseres Jahrhunderts hat die Wissenschaft ihre nationale Aufteilung fast systematisch verändert. Betrachten wir die Zahlen, die die Beiträge verschiedener Länder an der Produktion wissenschaftlicher Aufsätze angeben, die in Chemical Abstracts besprochen wurden (Abb. 20). Am einen Ende ist der Anteil der alten und stabilen wissenschaftlichen Kultur des Britischen Commonwealth im wesentlichen konstant geblieben, und der Frankreichs hat einen leichten aber ständigen Rückgang erlitten. Am anderen Ende haben die UdSSR, Japan und in der Tat die Gesamtheit aller wissenschaftlich kleineren Länder ihre Weltposition von etwa 10 Prozent am Anfang des Jahrhunderts auf fast 50% heute spektakulär verbessert. In der Mitte werden die beiden großen chemischen Nationen, Deutschland und die Vereinigten Staaten, von dieser Expansion zusammengepreßt. Ihr gemeinsamer Anteil ist von 60 auf 25% gefallen, wobei die Vereinigten Staaten offensichtlich während der beiden Weltkriege einen großen Teil des deutschen Anteils absorbiert haben, während Deutschland auf ein Fünftel seines ursprünglichen Anteils zusammengeschrumpft ist.

Insgesamt haben die Vereinigten Staaten, abgesehen von ihren Gewinnen von Deutschland während der Kriegszeiten, etwa ihre relative Position gehalten. Sie haben vielleicht sogar die Verluste Frankreichs ausgeglichen. Erinnern Sie sich

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daran, daß hierin das ständige exponentielle Wachstum mit einer Verdoppelungszeit von 10 Jahren für die ganze Erde nicht enthalten ist. Die auffällige Tatsache ist nicht, daß die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land diese Wachstumsrate schaffen und damit seine Position konstant halten kann, sondern daß unbestreitbar die UdSSR, Japan und die wissenschaftlich kleineren Länder während dieses Jahrhunderts fähig waren, die Weltwachstumsrate derartig zu übertreffen, daß sie aus der Bedeutungslosigkeit fast bis zu einer Mehrheit angewachsen sind. Zusammen scheinen sie die Bühne der Wissenschaft mit einer Wachstumsrate gestürmt zu haben, die ihren gesetzmäßigen Anteil an der wissenschaftlichen Explosion um etwa 6 Prozent im Jahr übertraf. Folglich stehen wir jetzt vor einer spektakulären Abnahme der traditionellen Fähigkeit der großen Nationen, allein eine absolute Mehrheit in der Wissenschaft zu bilden. Sie stehen einer Pareto-Verteilung kleiner Länder gegenüber, deren Gesamtmenge an wissenschaftlicher Produktion bald die der USA und der UdSSR übertreffen wird. Japan, die UdSSR und die Vereinigten Staaten geben gegenwärtig alle zwischen zwei und drei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Wissenschaft aus. Wie ist es möglich, daß ihre relative Produktion sich langsam aber ständig verändert? Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl das ständige Ansteigen der Kosten für die Wissenschaft, wenn diese Aktivität sich in einer Gesellschaft ihrem Sättigungsgrad nähert. Ein ergänzender Effekt liegt darin, daß es billiger und leichter als gewöhnlich zu sein scheint, die Wissenschaft in das »Vakuum« eines Entwicklungslandes hineinexplodieren zu lassen. Die gegenwärtig große Aktivität, die exakten Wissenschaften und ihre Technologien auf die kleinen Nationen auszudehnen, macht es für uns lohnend, uns die Zeugung und die Geburt einer modernen und technologischen Zivilisation genau anzusehen. Wir müssen sorgfältig zwischen dem Typ von wissenschaftlicher Explosion unterscheiden, mit dem wir uns jetzt beschäftigen, nämlich dem Emporkommen eines Landes im Vergleich zu
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allen anderen, und zwischen dem gewöhnlichen explosiven Wandel, dem alle Länder im Verhältnis ihres Rangplatzes unterworfen sind.

Die meisten Länder halten nur den gleichen Platz in der Rangordnung und beklagen sich dabei, wie Alice im Wunderland, bitter, daß sie so schnell rennen müssen, um an derselben Stelle bleiben zu können. Die jüngsten Äußerungen über wissenschaftliche Manpower, die das Zuckerman-Komitee in England gemacht hat, scheinen in diese Richtung zu gehen. Wenn ein Land beschließt, daß es sich nicht leisten kann, die Wissenschaft schneller wachsen zu lassen als die Volkswirtschaft, und daß Angebot und Nachfrage nach wissenschaftlicher Manpower sich in Richtung auf Gleichheit bewegen dürfen, dann ist das gleichbedeutend mit einem selbstmörderischen Rückzug aus dem wissenschaftlichen Rennen. Wahrlich, gerade Großbritannien, ein Land ohne große Bodenschätze oder Landwirtschaft, sollte diesem Wettrennen vor allen anderen Vorrang geben!

Wie kann es kommen, daß gelegentlich arme Schlucker wissenschaftliche Millionäre werden, wo es doch eine Kristallisation der Wissenschaft gibt, die dazu neigt, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen? In einem speziellen Fall hat die Geschichte die vollständige Folge der Stufen vorgeführt, in welcher eine plötzlich emporkommende Nation schneller explodieren konnte als der Rest der wissenschaftlichen Welt. Eine Untersuchung der Daten Japans kann als Musterbeispiel verwendet werden (Abb. 21). Im Jahr 1869, zu Beginn der Meiji-Ära (ca. 1868), brach Japan mit der Tradition und ermunterte die Einführung der holländischen Wissenschaft, wie unser westliches Produkt damals genannt wurde.3

Wir wollen nun die Fortschritte einer einzigen Wissenschaft

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verfolgen, der Physik. Der erste Schritt war der Import ausländischer wissenschaftlicher Lehrer aus den Vereinigten Staaten und aus Großbritannien und die Aussendung junger japanischer Studenten an ausländische Universitäten zum Zweck fortgeschrittener Ausbildung. Die Schockwelle der westlichen Wissenschaft traf das Land plötzlich und ließ die Zahl japanischer Physiker in nur sechs Jahren von einem auf 15 emporschnellen. Etwa um 1880 hatte die Schockwelle angefangen, sich zu verlaufen, zunächst schnell, als die Fremden nach Hause gingen, dann langsamer, indem im Ausland ausgebildete Studenten und Lehrer sich zurückzogen und starben, so daß diese Welle um 1918 zu Ende war. Aber im Jahr 1880, als die importierte Welle ihr Maximum erreicht hatte, war eine neue Welle in schnellem Wachstum; dies war die erste Generation japanischer Studenten, die von den vorher erwähnten Ausländern und ihren Schülern ausgebildet wurden.

Die erste Studentengeneration war eine kleine Gruppe; im Jahr 1880 waren es 10, und ihre Anzahl stieg niemals über 22, da sich ein stabiles Gleichgewicht zwischen neu Ausgebildeten und Todesfällen einstellte. Später, um die Zeit des Ersten Weltkriegs, verringerte sich ihre Zahl deutlich, und der letzte starb 1928.

Die zweite Studentengeneration wurde nun von Japanern in Japan ausgebildet. Sie begann 1894 und wuchs bis zum Jahr 1900 auf 60 Graduierte an. Wenig später stellte sich das normale Wachstumsmuster ein, mit einer Verdoppelungszeit von 10 Jahren. Dieses Wachstum setzte sich ohne wesentliche Unterbrechung oder Störung fort und führte zu dem Zustand, in dem sich die Physik in Japan während des 2. Weltkriegs befand.

Die Auswirkung der Schockwelle und des Stoßes der ersten Studentengeneration ist, daß das exponentielle Wachstum beginnt. Projiziert man die Wachstumskurve, die sich schließlich ergab, zurück, so verhält sie sich fast genauso, als sei sie dem ersten Höhepunkt der Schockwelle entsprungen; das

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heißt, als hätte sie mit 12 Physikern im Jahre 1881 angefangen. Festzuhalten bleibt jedoch, daß das Wachstum nicht sofort einsetzte; es gab eine Lücke von fast 20 Jahren, während sich die zweite Generation vorbereitete. Es erscheint wichtig, daß der stationäre Wachstumszustand erst einsetzte, als diese völlig im eigenen Lande ausgebildeten Physiker da waren. Das Bild ist jedoch nicht vollständig. Wir haben die wichtige Tatsache außer acht gelassen, daß die Grund- und Oberschulausbildung fast zur gleichen Zeit mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Wir haben den entscheidenden Punkt vernachlässigt, daß die Entscheidung über die Unterrichtssprache ungeheuer schwierig war. Vor der zweiten Generation war es gar nicht möglich, die Muttersprache zu wählen, und auch dann mußte man vorher neue Begriffe erfinden und neue Wörterbücher zusammenstellen.

Trotz aller Vereinfachungen haben wir jetzt die grundlegende zeitliche Skala und die Form der Differentialgleichungen für die wissenschaftliche Manpower in einem Entwicklungsland, und wir haben wenig Grund zu zweifeln, daß der Fall typisch ist. Besonders wichtig ist die Lücke, während man auf eine Generation wartet, und dann der Zwischenspurt, der schneller ist als das normale exponentielle Wachstum. Dies ist ein weiterer Fall von reifen Äpfeln, die leicht vom Baum fallen. Die Äpfel sind hier nicht Entdeckungen, sondern Menschen mit den Anlagen zu guten Physikern in einem Land, wo keine Physik getrieben wird. Dieser Aspekt zeigt das genaue Gegenteil zu einem wissenschaftlich hochentwickelten Land.

Die explosionsartige Ausdehnung der Wissenschaft kann demnach, wenn ernstliche Anstrengungen unternommen werden, in einem Entwicklungsland viel schneller vor sich gehen als dort, wo die Wissenschaft bereits etabliert ist. Im Fall der größeren Bevölkerungsgruppierungen der Welt ist dieser Prozeß teils bekannt und teilweise Anlaß zu ernster Besorgnis.

Die Explosion in ein Vakuum ist der tiefere Grund dafür, daß die Vereinigten Staaten, die mit ihrer wissenschaftlichen

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Revolution viel später begannen als Europa, schneller vorankommen konnten, bis sie Europa eingeholt und überholt hatten. Genau in der gleichen Weise war die UdSSR, die viel später als die Vereinigten Staaten anfing, in der Lage, ihre Wissenschaft mit einer größeren exponentiellen Wachstumsrate auszudehnen - die Verdoppelungszeit betrug wohl eher 7 als 10 Jahre. Ähnlich steht es mit China, das jetzt wissenschaftlich hervortritt, was man daran ablesen kann, daß wir jetzt die wichtigsten chinesischen Zeitschriften routinemäßig übersetzen, wie wir es mit den russischen schon seit Jahren machen. Man kann erwarten, daß China in den nächsten 10 oder 20 Jahren gleichzieht. Die Zahl der Wissenschaftler verdoppelt sich in China etwa alle drei Jahre.4

Wir haben also zwischen den großen Gruppierungen der Weltbevölkerung ein Wettrennen mit einem automatischen Ausgleich. Je später ein Land beginnt, sich entschieden anzustrengen, moderne Wissenschaft zu treiben, desto schneller kann es dabei wachsen. Man kann deshalb vorhersehen, daß wir irgendwann in den nächsten Jahrzehnten einen Endspurt mit eng zusammenliegendem Feld erleben werden, nach einem Rennen, das mehrere Jahrhunderte lief. Die Länder mit älterer wissenschaftlicher Tradition werden notwendig an ihrem reifen Zustand der Sättigung ankommen, und die Bevölkerungsmassen in China, Indien, Afrika und anderen Ländern, die sich erst neuerdings mit Wissenschaft befassen, werden fast gleichzeitig an der Ziellinie ankommen.

Ich behaupte, daß dieser Prozeß historisch unausweichlich ist und daß wir uns deshalb ein Gefühl für Gleichgewicht erhalten müssen, anstatt in Panik zu verfallen, wenn die künftigen Wellen Sputnik-ähnlicher wissenschaftlicher Fortschritte in Ländern über uns hinwegrollen, die bisher auf dem

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Gebiet anspruchsvoller Wissenschaft und Technologie als zweitrangig angesehen wurden.

Wenden wir uns jetzt der Verteilungskurve für das Auftreten wissenschaftlicher Begabung in einem Lande zu. Obwohl wir kein objektives Maß für die Begabungsreserven in einem Entwicklungsland haben, ist die Annahme plausibel, daß sie ebenso verteilt sind wie in hochentwickelten Ländern, mit relativ wenig Hochbegabten und einer Anzahl von weniger Begabten, die immer mehr wächst, wenn man sich der Qualifikationsgrenze für einen Wissenschaftler nähert. Wie wir gesehen haben, erreicht man im allgemeinen durch eine Vergrößerung der Gesamtzahl an Wissenschaftlern, daß sich die weniger Begabten schneller vervielfachen als die Hochbegabten, die die Szene beherrschen und die Hälfte des wissenschaftlichen Fortschritts produzieren.

Solange ein Land relativ wenig entwickelt ist, wird die Anzahl der Wissenschaftler zu klein sein, als daß sie viel Kristallisation in Gruppen und Eliten benötigten, denn alle zusammen werden die Creme sein, die den Aufstieg geschafft hat. Wenn sich das Land entwickelt, beginnt die Kristallisation in Gruppen, sozusagen in wissenschaftliche Städte, und die relative Ausbeute an erstklassigen Wissenschaftlern beginnt sich zu vermindern. In der Tat wird immer mehr von dem äußersten Bereich aus dem Schwanz der Verteilungskurve aufgebraucht, und demnach besteht die Tendenz, einen immer längeren Abschnitt des Schwanzes aufzubrauchen und Wissenschaftler aus Leuten zu machen, die immer weniger über normale Begabung hinausragen.

Auch hier wird wieder das in hohem Maße elitäre Denken von de Solla Price deutlich, in dem er Wissenschaftler und geistige Elite stillschweigend gleichsetzt. Im Prinzip folgt er hier der inzwischen überholten Vorstellung der Ortege Hypothese, nach der nur eine geringe Zahl an Wissenschaftlern wirklich wesentliche Erkenntnisse hervorbringen, während ein großer Teil an Wissenschftlern diesen Namen eigentlich nicht verdient. Während J.R. Cole and S. Cole, die mit ihrer Arbeit zur Ortega Hypothese,( Science 178  S.368-375  1972), noch deutlich machen wollten, daß wir auf die zahlreichen mittelmäßigen Wissenschaftler verzichten könnten, weil nur wenige wirklich Begabte substanzielles zu leisten vermögen, gelangten S. Cole und G. Meyer 1985 zu der Auffassung, daß eine direkte Korrelation zwischen der Zahl an Wissenschaftlern und der Zahl an substantiellen Publikationen besteht. Damit stehen unsere großen bzw. bekannten Wissenschaftler eindeutig nicht nur auf den viel zitierten Schultern von Giganten, sondern auch auf den zahllosen Schultern der wissenschaftlichen Basis, aus der sie, aus welchem Gründe auch immer, hervortraten.

In der Ortega Hypothese werden bedauerlicherweise die viel zitierten Autoren mit geistiger Elite gleichgesetzt werden. Dies ist um so erstaunlicher, als gerade der über Jahre hinweg am häufigsten zitierte Autor, Oliver H. Lowry, hinsichtlich seines, gemeinsam mit N.J. Rosebrough, A.L. Farr und R.J. Randall 1951 publizierten Aufsatzes über die Proteinbestimmung schrieb: "I am afraid it does not signify great scientific accomplishment" (Garfield, E. 1973). Auch eine Reihe anderer most cited articles sind schlichte Methoden, da neue und geniale Theorien am ehesten in abgewandelter Form übernommen werden können, ohne daß sich Autoren verpflichtet fühlen sie zu zitieren. Dazu kommen die Beispiele von viel zitierten Autoren, die lediglich durch die Kumulation von Falsifikationen bekannt wurden. Sie gehören sicher nicht zur geistigen Elite der Wissenschaft (W.U.).

Es muß betont werden, daß wir nicht behaupten, die minimalen Anforderungen an einen Wissenschaftler würden gesenkt. Es scheint lediglich, daß die Anstrengung, mehr Wissenschaftler zu bekommen, die Zahlen auf den unteren Niveaus stärker vergrößert als auf den höheren. Obwohl man also die Zahl der Spitzenleute immer noch vergrößern kann, geschieht dies auf Kosten der Qualität des Durchschnitts. Aus der Natur dieses Prozesses folgt, daß man irgendwo zwischen

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Unterentwicklung und Hochentwicklung aufhört, den Rahm abzuschöpfen; die Gesellschaft muß dann anfangen, gegen die natürliche Verteilung der Begabung zu arbeiten. Es ist offensichtlich unvermeidlich, daß verbesserte Anreize und Möglichkeiten zu einer kleineren und weniger guten relativen Ausbeute führen, während andererseits das Anwachsen der absoluten Anzahl an Spitzenleuten so groß ist, daß sich der Prozeß für lange Zeit eindeutig lohnt.

Es ist unsere These, daß das logistische Aufhören des jahrhundertelangen Wachstums stattfindet, weil auf diese Weise nur noch in den Resten am Boden des Fasses herumgekratzt wird. Es könnte der Punkt kommen, an dem es sich nicht mehr lohnt, unter solchen Opfern Anreize und Möglichkeiten zu verbessern, wenn das einzige Resultat ein sinkender Qualitätsdurchschnitt ist. Diese These ist schwer zu verteidigen, denn man könnte durchaus sagen, daß es sich immer lohnt, sich anzustrengen und Geld auszugeben, solange dadurch erstklassige Wissenschaftler entstehen und solange die, die es schon gibt, weiter so unterstützt werden können, daß sie ihre erstklassige Arbeit fortsetzen. Diese Argumentation übersieht meiner Meinung nach den allgemeinen Mechanismus einer jeden Annäherung an logistischen Stillstand. Die Kräfte des Wachstums sind dann ihres gewohnten Erfolges beraubt und wenden sich anderswohin, und eine Menge neuer Schwierigkeiten entsteht. Bei der wissenschaftlichen Manpower zeigt es sich auf mehrere verschiedene Arten, wenn wir uns dem Ende unserer Reserven nähern. Am auffälligsten ist vielleicht, daß das traditionelle und natürliche Gleichgewicht zwischen Disziplinen und zwischen Ländern aussetzt. Die Tradition kam von der natürlichen Rangordnung des Wachstums in den verschiedenen Gebieten; die neue Anordnung hängt weitgehend von der Größe der Kräfte ab, die zu logistischen Verlangsamungen gehören.

Auf Gebieten wissenschaftlichen Forschens, auf denen sich die Leute früher ganz natürlich auf verschiedene Gegenstände warfen, entsprechend ihren Neigungen und der Laune von

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Gelegenheit und Inspiration, dort bietet die Gesellschaft heute verschiedene Anreize und Vorteile an, um die Leute auf bestimmte Bereiche zu lenken. So beginnt das Gesetz von Angebot und Nachfrage diesen andersartigen Kräften zu folgen, und die Verteilung verändert sich genauso wirkungsvoll, als gäbe es bei gleichbleibendem Angebot eine schnell wachsende Nachfrage. Es gibt tatsächlich das Äquivalent eines begrenzten Angebots bei den hochbegabten Arbeitskräften, so daß ein verstärkter Wettbewerb entsteht, um eine hohe Konzentration solcher Begabungen zu sichern, mitten in der abnehmenden Dichte der Begabung.

In dieser Wettbewerbssituation machen Gebiete mit hohen Anreizen in starker Abweichung von der Tradition Gewinne gegenüber denen mit geringen Anreizen. In den Vereinigten Staaten und in England kann man heute leicht solchen Wettbewerb sehen zwischen glänzenden Gebieten, die die Leute bekommen, und weniger glänzenden, die leer ausgehen. Man fällt in Medizin, Ingenieurwissenschaften und Erziehungswissenschaften deutlich hinter die erwartete Wachstumsrate der weiterführenden Ausbildung zurück, und das könnte darauf zurückgeführt werden, daß man sie in Physik, Mathematik und Astronomie halten kann.

Ähnlich scheint es auf der internationalen Szene unter den Wissenschaftlern eine Tendenz zu geben, die Länder zu verlassen, wo schon kleinste Anreize und Gelegenheiten ausreichen, Manpower zu produzieren, und in Länder auszuwandern, wo man die Arbeit äußerst attraktiv machen muß, damit man sie überhaupt getan bekommt, vor allem in die Vereinigten Staaten. Vielleicht macht gerade die Internationalität der Wissenschaft solche Wanderungsbewegungen für Wissenschaftler leichter möglich als für andere soziale Schichten. Demgemäß beklagen sich die Länder des britischen Commonwealth und Europas bitter über ihren Verlust an hochbegabter Manpower durch Auswanderung; und wir leiden unter den Schwierigkeiten, die sich aus dem Zustrom aus Gegenden des Mangels in Gegenden des Überflusses ergeben, und unter dem

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Auskristallisieren der weltweiten Nährflüssigkeit der wissenschaftlichen Manpower, das solche Manpower dazu bringt, sich in bereits überquellenden Zentren zu versammeln.5

Genau derselbe Prozeß wie zwischen den Ländern findet auch zwischen den Disziplinen statt. Wir wollen ihn mit der Struktur weiter untersuchen, die wir bereits gefunden haben, nämlich, daß sich in jedem größeren Gebiet kleine unsichtbare Kollegien bilden, die aus etwa 100 hervorragenden Leuten bestehen. Wenn eine solche Gruppe sich zu einer handlungsfähigen Einheit entwickelt, wächst ihre Wirksamkeit an und ihre Fähigkeit, die Aktivitäten einer großen Zahl von Menschen und ihre Projekte zu koordinieren, und dann scheint die Macht der Gruppe noch schneller zu wachsen als ihre Größe. Mit Sicherheit werden ihre Ausgaben, wie wir gesehen haben, mit dem Quadrat der Größe wachsen. Demnach liegt hier positive Rückkoppelung vor; je mächtiger eine solche Gruppe wird, um so mehr Macht kann sie an sich reißen. Wer da hat, dem wird gegeben, scheint es, und das bringt es automatisch mit sich, daß dem genommen wird, der nichts hat.

Im Kern ist es die gleiche Motivation, aus der heraus türkische, jugoslawische, kanadische und brasilianische Wissenschaftler in die Vereinigten Staaten auswandern, die auch potentielle Medizinstudenten dazu bringt, sich um einen Doktorgrad in Physik zu bemühen. Länder mit Big Science und Fachgebiete mit Big Science müssen beide zusätzlichen Anreiz bieten, um ihr normales Wachstum aufrechtzuerhalten, und dabei neigen sie dazu, auf Little Science und kleine Länder zurückzuwirken.

Bis zu diesem Punkt kann uns die vorliegende mathematische Analyse des Zustandes der Wissenschaft bringen, aber wir haben bisher kaum angefangen, die wesentlichsten Probleme des Zeitalters der Big Science auch nur aufzuwerfen. Als nächstes

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müssen wir soziologisch und psychologisch nach der Erklärung für die eigenartige Kraft von Anreiz und Gelegenheit im Bereich der großen Prozesse der Wissenschaft forschen. Wir haben bereits festgestellt, daß die Motivation der Wissenschaftler und die Rolle des wissenschaftlichen Publizierens durch das Auftauchen unsichtbarer Kollegien verändert werden, und wir müssen das jetzt genauer prüfen.

Wenn es mehr Wissenschaftler geben soll als gerade die, die wie reife Äpfel vom Baum fallen, mit dem festen Willen, ihr gestecktes Ziel unter allen Umständen zu verfolgen, dann sind Anreize notwendig. Während der letzten paar Jahrzehnte ist der soziale Status des Wissenschaftlers in den Vereinigten Staaten und der UdSSR, in geringerem Maße auch im Rest der Welt, deutlich gestiegen. Da er gebraucht wurde, da einiger Wettbewerb entstand, stiegen allgemein Gehälter und Forschungsmittel an, wobei der Anstieg sich nach dem Prestige und dem Cargo-Ku1t6 der modernen Wissenschaft richteten. Wir diskutieren im Augenblick nicht darüber, ob die Ergebnisse die wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Investitionen rechtfertigen oder nicht. Es mag genügen, darauf hinzuweisen, daß sich jeder Zuwachs an Prestige ohne Zweifel durch mehr Resultate auszahlt, daß er aber auch verstärkten Wettbewerb schafft, der die Hindernisse für die nächste Runde erhöht. Wenn wir erst einmal dazu verpflichtet sind, Wissenschaftler nach ihrem Wert oder nach der Nachfrage für ihre Dienste zu bezahlen, anstatt ihnen, wie anderen geweihten Gruppen, nur das zum Überleben Nötige zu geben,

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dann scheint es kein Zurück mehr zu geben. Es scheint in mir offensichtlich, daß die Wissenschaftler, die den gerechten und angemessenen Lohn für solche Anerkennung erhalten, eine ganz andere Art von Wissenschaftlern sind als die, die unter den alten Herrschaftsbedingungen lebten, in denen die Gesellschaft fast ihre Existenz bedrohte.

Die Sache wäre nicht so beängstigend, wenn der einzige Weg, ein Wissenschaftler zu werden, der wäre, die entsprechende Begabung zu besitzen; das heißt, wenn die Leute Radioastronomen würden, weil sie das am besten können, und nicht durch sonderbare Umstände und weil sie in das Gebiet hineinrutschen. Aus neuen Untersuchungen über kreative Fähigkeit auf dem Gebiet der exakten Wissenschaft geht hervor, daß allgemeine und spezielle Arten der Intelligenz überraschend wenig mit großen Erfolgen zu tun haben. Im besten Fall braucht man ein bestimmtes, recht hohes Minimum, aber jenseits dieser Barriere scheinen die Chancen, ein besonders erfolgreicher Wissenschaftler zu werden, fast zufällig verteilt zu sein. Eine Qualifikation, die festgestellt wurde, ist eine bestimmte Gabe, die wir mavericity nennen werden; das ist die Eigenschaft, in Ideen ungewöhnliche Zusammenhänge herzustellen, das Unerwartete zu tun. Der Wissenschaftler könnte der Mann sein, der beim Wort-Assoziations-Test auf »schwarz« nicht mit »weiß« antwortet, sondern mit »Kaviar«. Solch ein schizoides Charakterbild zeigt sich klar im ganzen, besonders esoterischen Humor von Lewis Carrolli und auch in Tausenden von Flugblättern und Bekanntmachungen an schwarzen Brettern von wissenschaftlichen Instituten.

Dies widerspricht dem Prinzip der Wissenschaft insofern, als gerade der Wissenschaftler sich dadurch auszeichnen sollte, daß er bei bestimmten Problemen nicht wahllose bzw. unsinnige Assoziationen entwickelt, sondern nur solche, die plausibel, logisch bzw. wissenschaftlich stringent sind. Daß diese für Laien außergewöhnlich erscheinen können ist eine völlig andere Frage (W.U.).

Wir stellen beiläufig fest, daß gerade die Reaktion auf diese mavericity die ebenso charakteristische Objektivität und Vorsicht des guten Wissenschaftlers verursacht, den Widerstand, den er gegenüber Entdeckungen und verrückten Assoziationen zeigt, ob er nun selbst oder ob andere darauf gekommen sind, das Gefühl, daß der andere Unrecht haben muß.7 Der

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Wissenschaftler ist der Gefangene einer heftigen Interaktion zwischen leidenschaftlich freier Schöpfung auf der einen Seite und angeborener objektiver Vorsicht auf der anderen. Nach Mac Kinnen8 könnte man den hochgradig schöpferischen Wissenschaftler geradezu als das seltene Individuum definieren, das die scharfe Spannung zwischen Theorie und Ästhetik überleben kann, als den Seiltänzer zwischen Wahrheit und Schönheit. Vielleicht braucht man dafür einen eigenartig stabilen schizophrenen Charakterzug, stabilisiert nämlich dadurch, daß man Wissenschaftler geworden ist.

Big Science neigt dazu, gewisse Ausdrucksformen von mavericity zu unterdrücken. Die Entwicklung von Gemeinschaftsarbeit und von unsichtbaren Kollegien, gerade die Bereitstellung hervorragender Arbeitsmöglichkeiten, alles zusammen wirkt auf spezielle Ziele der Forschung hin. Diese Umstände scheinen Druck auszuüben, damit der wissenschaftliche Fortschritt auf die Ziele hin erfolgt, für die die Gruppe oder das Projekt geschaffen worden ist. Dies ist ein altes Argument gegen Forschungsplanung, und es ruft immer die Antwort hervor, daß wir eben darauf achten müssen, jedem Mitarbeiter seinen eigenen Kopf zu lassen, daß wir ihm erlauben müssen, der Spur zu folgen, wohin sie auch führen mag. Wir können aber auf keine Weise sicherstellen, daß der Mann auch ein Motiv hat, der Spur zu folgen, wenn Ansehen und Status von der Anerkennung durch die Gruppe abhängen.

Wenn Ansehen und Status eines einzelnen schon hoch genug sind oder wenn aus einem anderen Grunde die Gruppe zum Mitgehen angeregt werden kann, erzielt sie einen Durchbruch. Das ist heute eine wohlbekannte Erscheinung, die eine beträchtliche Statuserhöhung mit sich bringt. Obwohl die Gruppe aus diesem Grunde das Zeigen von mavericity in gewisser Weise ermuntert, könnte es durchaus sein, daß das nur in speziellen Fällen zutrifft und daß wir heute vielleicht

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in anderen Richtungen mavericity verschwenden. Vielleicht ist eine aktive Anstrengung nötig, damit Forschung ohne vorgegebenes Ziel ausreichend unterstützt wird, Finanzierung ohne Projekt möglich wird und damit Mittel für Studium und Status ohne die Verpflichtung, sich einem speziellen Ziel zu verschreiben, zu bekommen sind. Solche Möglichkeiten werden zur Zeit teilweise in Instituten für fortgeschrittene Studien und durch Forschungs-Professorate mit hohem Ansehen geboten.

Kehren wir nun zu der Frage zurück, ob die systematische Belohnung in der Big Science eine Generation von Wissenschaftlern hervorbringt, die sich von denen der Little Science wesentlich unterscheiden. Hierzu wollen wir uns die charakteristischen Eigenschaften betrachten, die bei allen Untersuchungen von Gruppen bedeutender Wissenschaftler gefunden wurden. Galton, einer der ersten Forscher, bemerkte, daß mehr als die Hälfte seiner Gruppe berühmter Wissenschaftler das älteste oder das einzige Kind in ihrer Familie waren, und dieses Verhältnis, das weit über dem Durchschnitt liegt, ist seither in verschiedenen Untersuchungen bestätigt worden. Galton beobachtete auch, daß ein ungewöhnlich hoher Anteil seiner Fälle besonders an einem Elternteil hing, meistens an der Mutter. Als Erweiterung dieser Beobachtung ist später darauf hingewiesen worden, daß viele große Wissenschaftler in früher Jugend (vor dem zehnten Lebensjahr) einen Elternteil verloren und sich stark an den anderen anschlossen.9 Fallstudien zeigen, daß spätere Wissenschaftler oft einsame Kinder sind, die es leichter finden, sich mit Dingen auseinanderzusetzen als mit Menschen. Kurzum, spätere Wissenschaftler scheinen viele eigentümliche Züge der Persönlichkeit gemeinsam zu haben.10

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Ich würde meinen, daß alle diese Kennzeichen auf Leute zutreffen, die in den Tagen der Little Science berühmt wurden, und daß wir noch keine große Ahnung haben, was für neue Eigenschaften durch den Übergang zu den neuen Bedingungen der Großforschung ans Licht gekommen sind. Viele der Charakterzüge, die man früher fand, scheinen zu der Hypothese zu passen, daß viele Wissenschaftler sich diesem Beruf zuwandten, um eine emotionale Befriedigung zu finden, die ihnen sonst fehlte. Wenn das wahr ist, und sei es auch nur eine teilweise Erklärung, so kann man doch immer noch sehen, wie umwälzend die Wirkung sein muß, wenn sich die emotionalen Belohnungen im Leben des Wissenschaftlers ändern. Wenn Wissenschaftler im ganzen relativ normale Leute wären, vielleicht gerade noch etwas intelligenter, vielleicht auch nur in einigen speziellen Richtungen, wäre es nicht so schwierig. Nachdem es aber so aussieht, als seien Wissenschaftler besonders empfänglich für ihre Arten der Befriedigung und für dieselben Persönlichkeitszüge, die sie Wissenschaftler werden ließen, muß man alles sehr genau studieren, was an diesem System der Belohnungen herumpfuscht oder sie ändert. Jede solche Änderung wird aus Wissenschaftlern in der Großforschung Menschen machen, die sich in Temperament und Persönlichkeit von jenem Typ unterscheiden, an den wir uns im Bereich der Little Science als traditionellen Fall gewöhnt haben.

Die neue Phase der Wissenschaften hat anscheinend das System der Belohnung auf zwei Arten verändert. Einmal haben wir die Belohnung des allgemeinen sozialen Status und der guten Bezahlung eingeführt, wovon es vorher äußerst wenig gab. Zum anderen haben wir den Wissenschaftler dazu gebracht, die Anerkennung seiner Kollegen anders zu suchen. Der Mann, der die Maxwellschen Gleichungen fand, unterschied sich grundsätzlich von dem, der den Salk-Impfstoff erfand. Obwohl nach der herrschenden Mythologie ein Wissenschaftler auf ewig nur von angeborener Neugier, wie die Dinge funktionieren und was sie tun können, angetrieben

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wird, gibt es heutzutage einen etwas anderen gesellschaftlichen Mechanismus, durch den ein Mensch zu dem Gefühl gebracht wird, andere Menschen würden anerkennen, daß seine persönliche Inspiration und mavericity über Unbeweglichkeit und Vorsicht der Umgebung ebensosehr wie über das Geheimnis der Natur triumphiert haben.

Wenn das auf dem höchsten Niveau zutrifft, dann ist auch klar, daß in weniger hochliegenden Gegenden die unsichtbaren Kollegien und alle kleinen Gruppen Status verleihen und die Mittel vergeben, die zur Führung eines guten Lebens gehören. Sie üben Macht aus, und je mehr Macht einer in solch einer Gruppe hat, desto besser kann er die besten Studenten auswählen, die größten Finanzquellen anzapfen und die größten Projekte in die Tat umsetzen. Solche Macht ist natürlich kein Zeichen für eigensüchtige Gier des Wissenschaftlers. Die Gesellschaft unterstützt diese Struktur und bezahlt dafür mehr und mehr, weil die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit für die Stärke, Sicherheit und öffentliche Wohlfahrt aller entscheidend sind. Wenn gesagt wird, daß alles von Wissenschaftlern abhängt, von der Verhütung militärischer Angriffe bis zur Verhütung von Krankheiten, dann hält der Wissenschaftler nunmehr die Drähte des ganzen Staates in der Hand.

Ich hoffe, nicht zu sehr zu dramatisieren, wenn ich die gegenwärtige Position unserer wissenschaftlichen Führung mit der vergleiche, die in anderen Ländern und in diesem Land zu anderen Zeiten die Gruppen innehatten, welche die Mittel kontrollierten, die über das Schicksal der Nation entschieden. Zuweilen hatte die militärische Macht das Obergewicht, und dann zogen die Generäle die Drähte, hinter jeder Palastrevolution und jeder Kabinettssitzung. Anderswo waren die Hochfinanz und die Kontrolle über das Kapital die Haupttriebfeder des Staates und das Werkzeug der Entscheidung; bei Herrschaftsformen, die vor allem auf einem System von Gesetzen beruhten, konnte man an der entscheidenden Stelle Männer mit juristischer Ausbildung sehen. In einer Demokratie

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sind wir es gewohnt, daß die Führung von Männern übernommen wird, die aus allen diesen Gebieten kommen, die für das Schicksal der Welt schon einmal entscheidend waren. Bis vor kurzem war der Wissenschaftler, wenn er überhaupt eine nütz1iche Rolle in Staatsangelegenheiten spielte, ein passives Instrument, das wie ein Lexikon konsultiert wurde, um die richtige Antwort auf eine angefallene Frage zu finden. Eine Reihe Wissenschaftler und Nichtwissenschaftler hält es für wünschenswert, daß angesichts all der Schwierigkeiten dieser Zustand bestehen bleiben soll. Der Wissenschaftler soll Entscheidungshilfen geben, aber nicht entscheiden. Ohne die ethische Seite des Falls zu diskutieren, kann man sehen, daß der positive Rückkopplungsmechanismus, der die Macht der Wissenschaftler laufend steigert, diesen Zustand zu ändern trachtet. Die steigende Bedeutung der Wissenschaftler und der wissenschaftlichen Arbeit macht sie zunehmend lebensnotwendig für den Staat und drängt diesen mehr und mehr dazu, technische Entscheidungen in technische Hände zu legen.

Ich argumentiere jedoch nicht so sehr dafür, daß die Wissenschaftler die Kontrolle aller Angelegenheiten übernehmen sollten, auf die sich ihr technischer Sachverstand bezieht, als vielmehr dafür, sie in ihrer neuen Tendenz zu ermutigen, in die politische Front einzutreten. Sie tun es als Repräsentanten einer Gruppe von Leuten, die die Drähte unserer Zivilisation ziehen. In der Sättigungsperiode wird es selbstverständlich wichtiger, die vorhandenen Mittel richtig zu nutzen, als zu versuchen, die Quellen zu erweitern.

In Großbritannien und den Vereinigten Staaten haben sehr wenige - weniger als 3% - der Senatoren, Abgeordneten und der aktiven Politiker eine naturwissenschaftliche oder technologische Ausbildung. Bei den Deputierten des Obersten Sowjets der UdSSR überschreitet diese Zahl jetzt 25%11 , und

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ich sehe unsere Zukunft in dieser Richtung, auch wenn sich die Regierungsmaschinerien unterscheiden.

In den alten Tagen der Little Science stellten sich die Wissenschaftler selbst gegen eine politische Aktivität. sie waren einsame Wölfe, sie schätzten ihre Unabhängigkeit, sie liebten die Dinge, aber die Menschen nicht besonders. Ihr Lohn war die Anerkennung durch die Kollegen, und es sollte ihnen nicht nach Bewunderung durch den Mann auf der Straße gelüsten oder nach einem höheren sozialen Status innerhalb der Gesellschaft. Ob sie es wollen oder nicht, jetzt haben sie diesen Status und leben in wachsendem Wohlstand. Sie sind allgemein bekannt und anerkannt. Als ich miterlebte, wie sich vor meinen Augen die Comic-strip-Figur Superman, die früher genau wie ein Football-Nationalspieler ausgesehen hatte, in einen amerikanischen nationalen Kernphysiker verwandelte, wurde mir klar, daß das alte Spiel aus ist. Der übernächste Präsident könnte sehr wohl ein Exnaturwissenschaftler sein.

Das ist die Habenseite, die einige der anderen nicht so positiven Veränderungen ausbalanciert, die in der ersten Generation der Big Science eintraten. Der Wissenschaftler ist von der Gesellschaft akzeptiert worden und muß auch seine Verantwortung ihr gegenüber tragen. Die ziemlich egoistische freie Expansion und das Privateigentum an wissenschaftlichen Entdeckungen müssen in der logistischen Phase eingeschränkt werden. Einfach loszurennen, um vor dem anderen da zu sein, könnte sich auf lange Sicht als unmögliche, unverantwortliche Handlungsweise herausstellen.

Es muß sicherlich zum Prinzip werden, daß ein Land, das die wissenschaftliche Sättigung erreicht hat, also logistisch erwachsen geworden ist, sich erwachsen und weise verhalten soll; es muß den jüngeren Ländern, die ringsum heranwachsen, führend helfen, auch wenn seine wissenschaftliche Überlegenheit allmählich verloren geht.

Meiner Meinung nach reift unter den Wissenschaftlern eine gewisse verantwortliche Haltung, analog zu der, die in fast

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prähistorischen Zeiten Ärzte zum Konzept des Hippokratischen Eides brachte. Entgegen der allgemeinen Ansicht geschah das nicht, weil sich Ärzte in ungewöhnlichem Maße dem Beruf oder dem Allgemeinwohl verschrieben haben, sondern weil sie allzuoft von ihren Patienten für Vergiftungen, Fehlbehandlungen und ähnliche Dinge persönlich verantwortlich gemacht wurden. Der Wissenschaftler hatte es viel schwerer, dahin zu gelangen, da sein Kunde gewöhnlich der Staat und nicht eine Einzelperson ist. Seine Schuld besteht mehr in den Augen der Welt als in den Augen eines Individuums. Ich beziehe mich hier nicht nur auf solche Sachen wie Atombomben und radioaktive Verseuchung, sondern auch auf so allgemeine Fragen, welchen Dienst die Wissenschaft dem Allgemeinwohl leistet, ob sie eine höhere Einsicht des Menschen begünstigt. Die unsichtbaren Kollegien haben heute die Macht, ihre »Giftmischer und Abtreiber« auszuschließen, sie des Deckmantels der Uninteressiertheit zu berauben, der sie in den Tagen der Little Science schützte.

Trotz einiger vielzitierter Gegenbeispiele können wir erleichtert feststellen, daß die große Mehrzahl der Wissenschaftler der ganzen Welt während der letzten Jahre ein bemerkenswert einmütiges politisches Urteil und Übereinstimmung in den öffentlichen Aktionen im Zeitalter der Big Science zeigte. Robert Gilpins12 Analyse dieser Übereinstimmung ist ein sehr hoffnungsvolles Dokument.

Die Wissenschaftler beginnen gerade erst zu entdecken, daß sie die Macht in ihren Händen kaum nutzten. Der Rang der Spitzenwissenschaftler und Großadministratoren der Wissenschaft ist jetzt bis zu einem Punkt angewachsen, wo es nach meiner Meinung nicht mehr lange dauern wird, bis manche von den guten kräftig in die Politik einsteigen werden. Wir brauchen solche Leute, auf der nationalen wie auf der internationalen Szene. Wir brauchen sie für den internen Umbau der

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ganzen sozialen Fabrik der Wissenschaft und für die externen Probleme der Wissenschaft im Dienste der Menschheit.

Ich hoffe, daß ich in diesen Vorträgen über meine eigene Eitelkeit und meine Vorurteile meiner Interpretation der Daten hinaus zeigen konnte, daß eine ganze Reihe von Ärgernissen und Schwierigkeiten mit der wissenschaftlichen Manpower und Literatur Teil des großen Umwandlungsprozesses sind, der den 300 Jahre alten Zustand der Wissenschaft verändert. Das neue Stadium wissenschaftlicher Erwachsenheit, das in den nächsten Jahren auf uns zurollt, wird unsere Zivilisation regieren oder zerstören, uns reifer machen oder vernichten. In der Zwischenzeit müssen wir um ein generelles Verständnis für das Wachstum der Wissenschaft ringen. Wir müssen die Übernahme eines beträchtlichen Teils der Macht durch verantwortliche Wissenschaftler anstreben, die sich der demokratischen Kontrolle unterziehen und die besser als irgendwelche anderen Menschen zu irgendwelchen anderen Zeiten wissen, wie ihr Haus in Ordnung zu halten ist.

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Von Little Science zu Big Science
Lotka´s Gesetz
Anzahl der Wissenschaftler
Die unsichtbaren Kollegien
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1 . Dale R. Lindsay und Ernest M. Allen, Medical research pastsupport, future directions, in: Science 134, (Dezember 1961), 2017-24.
2. Redaktionell berichtet in Science 132 (August 1960), 517.
3. Ich bin Eri Yagi Shizume von der Universität Yale für die Erlaubnis dankbar, ihre Daten benutzen zu dürfen, die veröffentlicht werden sollen in Proceedings XII. International Congress for the History of Science Ithaca and Philadelphia, August 1962.

4. Sowjetunion 1950 
ungefähr   500 Zeitschriften
                 1960 ungefähr 1.500 Zeitschriften  
            1949 ungefähr      0 Zeitschriften  
            1959 ungefähr   400 Zeitschriften
5. Für eine meisterhafte und tiefempfundene Analyse dieses Problems siehe Stevan Dedijer, Why did Daedalus leave? in: Science 133, (Juni 1961), 2047-52.
6. Der Zuwachs an Status ist analysiert in Bentley Glass, The academic scientist 1940-1960 in: Science 132 (September 1960), 598-6037 Dieser Begriff wird von Anthropologen benutzt, um die Reaktion primitiver Völker auf Bootsladungen von Zivilisationsgütern zu beschreiben. Als während des 2. Weltkrieges die Marine auf den Pazifischen Inseln landete, waren die Hütten der Eingeborenen mit Bambus-Faksimiles von Radar-Antennen versehen. Sie waren dort angebracht worden, damit die neuen Götter gnädig auf sie herab lächeln sollten und ihnen Reichtum gewähren würden. Die Geschichte wird erzählt von A. Hunter Dupree in Public education for science and technology, in: Science 134, (September 1961), 717.
7. Bernard Barber, Resistance by scientists to scientific discovery, in: Science 134 (September 1961), 596-602.
8. Donald W. MacKinnon, What makes a person creative? in: Saturday Review XLV (Februar 1962), 15-17, 69; The Nature and Nurture of Creative Talent, Bingham Lecture, Yale University (April 1962).
9. Newton, Kelvin, Lavosier, Boyle, Huygens, Count Rumford, Mme. Curie und Maxwell sind hierfür Beispiele.
10. Sehr wenige Arbeiten sind über die Psychologie der Wissenschaftler veröffentlicht worden. Die einzigen Bücher, die mir bekannt sind, stammen von Anne Roe, The Making of a Scientist (New York, Reprint A-23) und Bernice T. Eduson, Scientists: Their Psychological World, New York (1962).
11. Nach einer Übersicht von Science Service, redaktionell berichtet in Science 132, (Septernber 1960), 885.
12. Robert Gilpin, American Scientists and Nuclear Weapons Policy, Princeton 1962.


Abb. 20

Abb.20. Prozentuale Anteile der Nationen an der Weltgesamtproduktion von Aufsätzen in den Chemical Abstracts, 1910- 1960.

S. 107
Abb. 21

Abb. 21. Zahl der ausgebildeten Physiker in Japan als eine Funktion der Zeit.

Die »Import«-Kurve zählt Europäer und solche Japaner, die in Europa ausgebildet wurden. Die nächste Kurve stellt die Zahl ihrer Studenten dar. Die dritte Kurve gibt die Zahl der japanischen Studenten an, die zu Hause von japanischen Lehrern ausgebildet worden sind. Diese Zahl wächst, als ob sie von der ursprünglichen Schockwelle ausgehe und exponentiell bis zum heutigen Tage gewachsen sei; allerdings gilt dies erst nach einer Wartezeit von ungefähr 15 Jahren, während der die erste Generation ausgebildet worden ist.

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Last update: 18.2.1999 © by Walther Umstaetter