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Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

Vorwort

Der Mensch besaß von jeher die Fähigkeit, sich zu verständigen, eine Information (lat.: Bildung, Belehrung), d.h. eine Mitteilung, Nachricht weiterzugeben, zunächst - so muß man wohl annehmen - durch Laute, Gebärden und Mimik, dann in gesprochenen Wörtern, schließlich mit den Mitteln der Schrift, durch welche Sprache aus der Hörbarkeit in die Sichtbarkeit umgesetzt wird.

Die kulturelle Leistung der Schrift besteht darin, daß durch Zeichnen, Einkerben, Ritzen, Drucken o. ä. von Schriftzeichen auf feste Beschreibstoffe (Stein, Ton-, Holz- und Wachstafeln, Papyrus, Pergament, Papier u. a.) sprachliche Aussagen dauernd verfügbar und transportabel werden. Damit ermöglicht die Schrift erstmals eine differenzierte Kommunikation (lat.: Gemeinsamkeit, Mitteilung, Unterredung, Verständigung), d.h. eine Übermittlung und einen Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehreren Partnern, ohne den für das Gespräch notwendigen direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Schließlich kann auf der Basis der Schrift allererst eine vom Gedächtnis und von müdlicher Überlieferung unabhängige Literatur und Wissenschaft entstehen.

Information und Kommunikation sind heute zentrale Begriffe im Alltag unserer Gesellschaft, werden aber im Durchschnittsverständnis oft miteinander gleichgesetzt und auch in den wissenschaftlichen Disziplinen, in denen sie verwendet werden, nicht einheitlich definiert.

Sieht man von den vielfältigen Ausprägungen des Informations- und Kommunikationsbegriffes ab, so besteht Kommunikation immer aus zwei Grundvorgängen: der Informationsabgabe durch einen Sender (Kommunikator) und der Informationsaufnahme durch einen Empfänger (Rezipient), wobei Sender und Empfänger ihre Rollen wechseln können. Dieser stets über eine Vermittlungsinstanz (Medium) verlaufende Kommunikationsprozeß umfaßt die zwischenmenschliche Kommunikation (direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht mittels Sprache, Mimik, Ausdruck als Verständigungsmittel) ebenso wie die Informationsübertragung mit Hilfe technischer Nachrichtensysteme (indirekte Kommunikation). Für Kommunikationsprozesse mittels technischer Medien haben sich die Bezeichnungen Massenkommunikation und Telekommunikation durchgesetzt.

Dabei ist Massenkommunikation vor allem dadurch gekennzeichnet, daß die Mitteilungen in großer Zahl an ein unbestimmtes Publikum (d.h. an eine dem Kommunikator als Personen unbekannte Menge von Rezipienten) verbreitet werden und prinzipiell für jedermann zugänglich sind. Außerdem ist Massenkommunikation immer Übertragung, niemals Austausch von Mitteilungen; streng genommen findet nicht Kommunikation, sondern Informationsvermittlung und -verteilung statt.

Die Öffentlichkeit der Mitteilungen und die Massenhaftigkeit ihrer Verbreitung werden durch technisch-organisatorische Einrichtungen, durch Massenmedien, erreicht. Sie werden unter Bezug auf die spezielle Technik, mit der sie produziert und verbreitet werden, eingeteilt in Druck- oder Pressemedien (Buch, Zeitung, Zeitschrift u. a.), Funkmedien (Hörfunk, Fernsehen) sowie Bild- und Tonträgermedien (Film, Schallplatte u. a.).

Der Begriff Telekommunikation, der ursprünglich nur die Telegrafie und die Telefonie umfaßte, bezeichnet alle Formen von Kommunikation zwischen Menschen und/oder Geräten mit Hilfe nachrichtentechnischer Übertragungsverfahren. Die wichtigsten Formen sind Sprachkommunikation (Fernsprechen, Hörfunk u. a.), Textkommunikation (Fernschreiben, Teletex, Bildschirmtext, Videotext u. a.) und Datenkommunikation (Datenübertragung, Datenfernübertragung u. a.).

An den Telekommunikationsformen wird eine charakteristische Eigenschaft der sogenannten neuen Medien oder neuen Informations- und Kommunikationstechniken (Abk.: IuK) deutlich, von denen man in Deutschland seit Beginn der 1970er Jahre spricht: Die Grenzlinien zwischen Massenkommunikation und Individualkommunikation, zwischen öffentlicher und privater Kommunikation werden immer unschärfer; neue Medien kombinieren Elemente verschiedener herkömmlicher Kommunikationstechniken und verbinden diese darüber hinaus mit Elementen der Computertechnologie.

Die zunächst als neue Medien bezeichneten technischen Neuerungen oder Weiterentwicklungen wie Telex, Teletex, Bildschirm-, Videotext, Telefax, Bildplatte, Bildtelefon, Kabel- und Satellitenrundfunk u. a. waren vor allem bedingt durch elektronisch leistungsfähigere, schnellere und flächendeckendere Übertragungs-, Wiedergabe- und Speichereinrichtungen, insbesondere durch Digitalisierung von Information, computergestützte Steuerung des Übertragungsprozesses und Vernetzung von Medien und Nutzern.

Die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Informations- und Kommunikationstechniken zeigen sich erst, wenn ihre Geräte (zur elektronischen oder nachrichtentechnischen Übermittlung, Speicherung und Verarbeitung von Text, Fest- oder Bewegtbild, gesprochener Sprache oder Daten) über vorhandene und neu zu schaffende Übertragungswege weltweit miteinander, d.h. durch ein globales Vermittlungsnetz verbunden werden, bei dem über Glasfaserkabel und Satelliten jede digitalisierte Form der Information und Kommunikation an jeden Ort, unabhängig von räumlichen Distanzen und zeitlicher Präsenz, übertragen werden kann.

Dieser Verbindung der beiden auf den gleichen Basistechnologien (Digitaltechnik, Halbleitertechnologie, Mikro- und Optoelektronik) beruhenden Gebiete der elektronischen Datenverarbeitung und der Telekommunikation wird eine solche Bedeutung beigemessen, daß die Amerikaner von der Zukunft als dem "Age of Compunication" sprechen. Für diesen aus "computer" und "communication" zusammengesetzten Begriff haben die Franzosen das Wort "télématique" geprägt; im deutschen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung "Telematik" (Kw. aus Telekommunikation und Informatik) durchgesetzt.

Da in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts mehr Informations- und Kommunikationstechniken als in den zwei Jahrtausenden zuvor erfunden wurden, ist Informationsgesellschaft ein weit verbreitetes Schlagwort für die Epoche, deren Beginn wir gerade miterleben. Sie ist u. a. dadurch gekennzeichnet, daß die Techniken der Information und Kommunikation bestimmenden Einfluß in Politik und Wirtschaft, Kunst und Bildung, Arbeit und Freizeit, in der Öffentlichkeit wie in der privaten Sphäre nehmen. Dabei nimmt die gesellschaftliche Bedeutung der Medien zu; wohin dieser Prozeß führt, läßt sich noch nicht genau sagen.

Umso mehr bietet sich vielleicht an, Rückschau zu halten, wie die Informationsübertragung in die Zukunft nach Art der Schrift durch eine Reihe von Erfindungen (Buchdruck, Photographie, Schreibmaschine, Schallplatte, Film, Magnetbandaufzeichnung u.a.) verbessert und ergänzt wurde und wie die sprachliche Verständigung des Menschen durch technische Neuerungen (Telegraf, Telefon, Hörfunk, Fernsehen u. a.) sich zu einem erdweiten Netz der Fernkommunikation entwickelt.

So ist dieses Buch ein Versuch, in chronologischer Übersicht die wichtigsten Erfindungen, Ereignisse, Daten u. ä. aus dem Bereich der Information und Kommunikation zusammenzustellen. Daß ein solcher Überblick nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, erklärt sich schon daraus, daß der zeitliche Bogen von den Anfängen bis in die Gegenwart gespannt ist.
Die Stoffauswahl ist zudem vor allem dadurch bestimmt, daß immer nur das aufgezeigt wird, was sich zum erstenmal ereignete. Ferner ist die Darstellung insbesondere auf europäische, oft auch nur auf deutsche Entwicklungen ausgerichtet.

Die Antworten auf die Frage nach den frühest datierbaren Ereignissen finden sich (wenn überhaupt) zwar verstreut in vielen literarischen Quellen; doch sie ausfindig zu machen, ist meistens zeitraubend. Zielsetzung dieses Nachschlagewerkes war es deshalb auch, durch eine einzige Informationsquelle die Suche zu erleichtern.

Die herangezogenen zahlreichen und verschiedenartigen Quellen, die wohl verständlicherweise hier nicht aufgezählt werden können, zeigen in der Datierung oft Abweichungen voneinander, so daß nicht behauptet werden kann, daß alle Ergebnisse der Nachforschungen unanfechtbar wären, wenn auch zur Klärung des Sachverhaltes versucht wurde, auf die letzten erreichbaren sekundären Schriften zurückzugreifen.

Da die vorliegende Chronologie nicht für den Experten, sondern in erster Linie für den auszubildenden Bibliothekar sowie alle diejenigen bestimmt ist, die an dem Thema interessiert sind, erschöpft sich der Text nicht in einer bloßen Anhäufung von Fakten, sondern es sind, sofern es notwendig erschien, Begriffe erklärt sowie Entwicklung und Zusammenhänge beschrieben worden.

Damit die chronologisch angelegte Übersicht sich auch zum "Blättern" eignet, sind in der zeitlichen Reihung die einzelnen Sachverhalte am Rand durch schlagwortartige Informationen gekennzeichnet.

Die gezielte Suche erfolgt über ein kombiniertes Personen- und Sachregister. In ihm sind Personen nur genannt, sofern ihr Werk, ihre Tätigkeit o. ä. eine Eigenleistung darstellt oder von besonderer Bedeutung ist. Gemäß der in Lexika heute allgemein üblichen Form folgen Namen und Sachbegriffe einander nach dem ABC. Umlaute (ä, ö, ü) sind wie einfache Vokale eingeordnet. Artikel und Präpositionen bleiben bei der Einordnung unberücksichtigt. Die Ziffern verweisen auf die Jahre; die in Klammer stehende Zahl gibt die entsprechende Stelle innerhalb des Jahres an.

Verwendete Abkürzungen sind in einem Abkürzungsverzeichnis zusammengestellt.


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Last update: 22. October 1997