Zur Person von Dr. Margarete Rehm

Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993
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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

1835-1869

Buntpapier, das seine Farbigkeit durch Farbaufstrich oder Bedrucken und andere Oberflächenbehandlung erhält (im Gegensatz zum farbig eingefärbten Papier), wird bei Büchern als Vorsatz-, Umschlag- oder Überzugspapier verwendet.
Die maschinelle Buntpapierfabrikation in Deutschland begann um 1835 bei der "Buntpapierfabrik AG Aschaffenburg" (gegr. 1810).

Die Zugehörigkeit zum deutschen Sprachraum brachte es mit sich, daß in Österreich auch deutsche Nachschlagewerke verbreitet waren.
Die erste national ausgerichtete österreichische Enzyklopädie war die "Österreichische National-Encyclopädie oder alphabetische Darlegung der wissenswürdigsten Eigenthümlichkeiten des österreichischen Kaiserthumes", 6 Bde., 1 Suppl.-Bd., Wien 1835 - 1838.

1835 soll der schottische Verleger Archibald Leighton das Leinen als Überzugsstoff für Bucheinbände (Leineneinband) eingeführt haben. Die Werke des englischen Dichters George Gordon Noel Byron, gen. Lord Byron, (* London 1788, † Mesolongion [Griechenland ] 1824) waren die ersten in Leinen gebundenen Bücher.
Nach Leightons Vorbild verwendete als (vermutlich) erster Buchbinder in Amerika Benjamin Bradley in seiner 1834 in Boston (Mass.) gegründeten Buchbinderei Leinen als Einbandmaterial.

Die erste kontinentaleuropäische Dampfeisenbahn nahm auf dem belgischen Schienenweg von Brüssel nach Mecheln am 3. Mai 1835 den Betrieb auf.

In Deutschland wurde die erste Dampfeisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth am 7. Dezember 1835 mit der von George Stephenson (* Wylam 1781, † Chesterfield 1848) gebauten Lokomotive "Adler" eröffnet.
Es folgten 1837 die Linie Leipzig - Althen, 1838 die Strecken Braunschweig - Wolfenbüttel und Potsdam - Zehlendorf.

Autographen (von ihren Verfassern eigenhändig geschriebene oder handschriftlich ergänzte Schriftstücke) sind bei bedeutenden Persönlichkeiten als Urheber begehrte Sammelobjekte. Das erste Handbuch für Autographensammler war das "Manuel de l'amateur d'autographes", Paris 1836, von P. Jules Fontaine.

Die erste Auktion von Musikautographen veranstaltete der Musikverlag Breitkopf & Härtel, Leipzig, im Jahre 1836.

Das erste deutsche Buchhandelslehrbuch verfaßte der Buchhändler (und Leiter der Buchhaltung bei F. A. Brockhaus, Leipzig) Albert Höpstein (* Gerbstedt [Kr. Hettstedt, Bez. Halle/Saale] 1796, † Leipzig 1851) mit "Praktisches Handbuch der Buchführungskunde für den deutschen Buchhandel zur klarsten Geschäfts- und Vermögensübersicht", 2 Bde., Leipzig 1836 und 1838.

Der französische Publizist Emile de Girardin (* Paris 1806, † ebd. 1881) führte mit dem Erscheinen der von ihm gegründeten Tageszeitung "La Presse" (Paris [1.7.] 1836 - 1932) die Werbung in der Presse ein in der Absicht, durch umfangreiche Anzeigenteile (und hohe Auflagen) die Zeitung zu einem für alle erschwinglichen Verkaufspreis anbieten zu können. Er war damit der Begründer der Massenpresse.
Ferner erschienen in seinem Massenblatt (seit 1.7.1836) regelmäßig Romane in Fortsetzungen. Schließlich führte Girardin auch das Zeitungsabonnement ein.

Der deutsche Astronom, Physiker und Techniker Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870), der sich auf Anregung von Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber mit der praktischen Durchführung der elektromagnetischen Telegrafie beschäftigte, erfand 1836 den ersten schreibenden Telegrafen (Schreibtelegrafen), der die zu übermittelnde Nachricht (den Text) in einer Punktschrift auf einem Papierstreifen aufzeichnete. Steinheils Schreibtelegraf wurde im Juli 1837 auf der 20 km langen Strecke zwischen München und Bogenhausen in Betrieb genommen.

Als sich herausstellte, daß die durch das Verfahren der Stereotypie nach Originalsatz und -druckstöcken hergestellten druckfähigen Duplikate (Bleistereos) für den Druck besonders hoher Auflagen nicht widerstandsfähig genug waren, es aber kein härteres Gießmetall als Blei gab, bestand nur die Möglichkeit, die fertigen Bleistereotypplatten mit einem härteren Metallüberzug zu versehen.
Dies gelang dem Physiker Moritz Hermann von (seit 1842) Jacobi (* Potsdam 1801, † Petersburg 1874), Professor in Dorpat und Petersburg, indem er die von ihm 1837 - 1839 entwickelte Galvanoplastik (Verfahren, Gegenstände auf elektrochemischem Wege mit Metall zu überziehen) zur Anfertigung von Druckplatten technisch verwertete.
Die nach Jacobis Verfahren hergestellten sogenannten Galvanos, die erstmals von der russischen Staatsdruckerei 1839 verwendet wurden, bewährten sich vor allem im Buchdruck mit der Schnellpresse bis hin zur Buch-Rotationsmaschine, werden aber seit der Verdrängung des Hochdrucks durch den Offsetdruck kaum noch angewandt. (Die nicht galvanisierten Stereos behaupteten ihren Platz insbesondere im Zeitungsdruck, bis auch sie von aktuelleren Verfahren abgelöst wurden.)

Das von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (Thorwaldsen) (* Kopenhagen 1770, † ebd. 1844) gestaltete erste Gutenbergdenkmal wurde 1837 von der Stadt Mainz eingeweiht.

Am 12. Juni 1837 erhielten der britische Elektrotechniker William Fothergill Cooke (* Ealing [heute zu London] 1806, † Farnham [Cty. Surrey] 1879) und der britische Physiker Charles Wheatstone (* Gloucester 1802, † Paris 1875) ein britisches Patent für einen elektrischen Telegrafen, der über fünf Drähte und fünf Magnetnadeln steuerte, wobei immer zwei von ihnen den jeweils zu übertragenden Buchstaben anzeigten. Das Gerät wurde von der britischen Eisenbahn eingesetzt. Der erste praktische Telegrafieversuch fand am 25. Juli 1837 statt; die 2,4 km lange Teststrecke lag zwischen den im heutigen London gelegenen Stationen Euston Square und Cambden Town.
1838 errichtete Cooke eine Telegrafenlinie, die erste elektrische in England, zwischen Paddington und West Drayton (20 km) für den regelmäßigen Betrieb mit einem Zweinadeltelegrafen.
Am 6. Mai 1845 erhielten Wheatstone und Cooke ein britisches Patent für einen Einnadeltelegrafen, der noch 80 Jahre später in England im Einsatz war.

1837 reichte der amerikanische Maler und Erfinder Samuel Finley Breese Morse (* Charlestown [heute zu Boston, Mass.] 1791, † New York 1872) beim US-Patentamt die Beschreibung eines von ihm seit 1833 entwickelten Telegrafen ein, der nur mit einem elektrischen Draht als Mittel zur Nachrichtenbeförderung arbeitete.
Mit diesem ersten kommerziell erfolgreichen elektrischen Schreibtelegrafen (Morseapparat, Morsetelegrafen; 1838 patentiert) wurden die Buchstaben in Form von kurzen und längeren Stromstößen oder Punkten und Strichen, den berühmten Morsezeichen übertragen, die von einer Feder auf einen Papierstreifen als Zickzackschrift aufgezeichnet wurden.
1840 verbesserte Morse die elektrische Telegrafie durch die Aufstellung eines eigenen Telegrafen-Alphabets (Morsealphabets), d.h. durch Schaffung eines Binärcodes, bei dem Buchstaben, Ziffern, Satz- und Sonderzeichen durch Kombination von Punkten und Strichen (Punkt-Strich-Schrift) dargestellt werden. Dies war die für eine optimale Nutzung der Telegrafenwege notwendige erste konsequent eingeführte Nachrichtenverschlüsselung (Codierung der zu übermittelnden Informationen).
Am 4. September 1837 führte Morse seinen Telegrafen einigen Freunden vor. Der Wortlaut des dabei gesendeten ersten Morse-Telegramms (in Zickzackschrift) war: "Successful experiment with telegraph September 4th 1837" (engl.= Gelungener Versuch mit Telegraph 4. September 1837).

Die ersten Papierschneidemaschinen (noch mit feststehendem Messer) wurden in Frankreich 1837 nach Entwürfen des Maschinenbaumeisters Thirault (Vorname unbekannt) gebaut. Es folgten die 1844 und 1852 patentierten (mit beweglichem Messer arbeitenden) Hebel- bzw. Radschneidemaschinen des Franzosen Guillaume Massiquot (* 1797).

Abgesehen von einzelnen Textabbildungen in den noch von Renatus Gotthelf Löbel bearbeiteten Teilen der ersten Auflage des Brockhaus-Lexikons (ab 1796) war das erste (mit über 1200 in Kupfer gestochenen Textabbildungen und 45 ebenfalls in Kupfer gestochenen Landkarten) illustrierte Brockhaus-Lexikon das "Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk. Ein Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und zur Unterhaltung", 4 Bde., Leipzig 1837 - 1841.
(Brockhaus stattete dann erstmals die 13. Auflage [1882 - 1887] mit Tafeln aus, während die 14. Auflage [1892 - 1895] auch im Text bebildert war.)

Die Bahnpost umfaßt die in Eisenbahnzügen, meist in posteigenen Bahnpostwagen eingerichteten Postdienststellen, die während der Fahrt die Postsendungen ordnen, verteilen und an die Postanstalten oder andere Bahnpost abgeben. Die Bahnpost verkehrt regelmäßig und nach Fahrplan. Mit der Einführung der Bahnpost wurde ein doppelter Zeitgewinn erreicht: schnellere Beförderung (gegenüber der Postkutsche) und Wegfall der stationären Sortierzeit.
Die erste Bahnpost wurde 1838 in England auf der Strecke London - Birmingham eingerichtet.

Seit Gutenbergs Zeiten bis fast zur Mitte des 19. Jh. wurde der Schriftguß mit dem Handgießinstrument ausgeführt. Versuche zur Konstruktion einer Letterngießmaschine gingen zwar bis Anfang des 19. Jh. zurück, doch war die erste brauchbare Maschine erst die von dem Amerikaner David Bruce in New York entwickelte und 1838 in Brooklyn vorgestellte "Handgießmaschine", die seit 1845 auch in Deutschland Verwendung fand. In Preußen wurde sie 1844 für Eduard Haenel, Berlin, patentiert. (Diese Schriftgießmaschine erleichterte die Arbeit des Schriftgießers nur zum Teil, da sie keine gebrauchsfertigen, sondern nach dem Gießvorgang noch zu bearbeitende Drucklettern lieferte.)

Am 18. April 1838 erhielt der britische Elektrotechniker William Fothergill Cooke (* Ealing [heute zu London] 1806, † Farnham [Cty. Surrey] 1879) ein britisches Patent auf den ersten tragbaren elektrischen Telegrafen, der von Eisenbahnzügen mitgeführt werden konnte.

Die älteste, heute noch bestehende englischsprachige Zeitung in Indien ist "The Times of India", die Ende 1838 in Bombay von britischen Kaufleuten als "Bombay Times & Journal of Commerce" gegründet wurde und seit 1861, nach Zusammenlegung mit der (1780 gegründeten) Zeitung "The Bombay Courier" den jetzigen Titel trägt.

Das von dem britischen Ingenieur Isambard Kingdom Brunel (* Portsmouth 1806, † Westminster [heute zu London] 1859) gebaute 400 PS starke, 1320 t schwere und 72 m lange britische Dampfschiff "Great Western" startete am 8. April 1838 seine Jungfernfahrt von Bristol nach New York und eröffnete damit die regelmäßige transatlantische Dampfschiffahrt. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,30 km/h dauerte die Fahrt 15 Tage und 5 Stunden. Auf dem Schiff konnten 120 Personen in der ersten Klasse, 20 in der zweiten und 100 auf dem Zwischendeck untergebracht werden. Bis 1844 wurde der Dampfer auf Transatlantikrouten eingesetzt und überquerte dabei 70mal den Ozean.

0tto August Schulz (* 1803, † 1860) gab 1839 in Leipzig erstmals das "Adreßbuch des deutschen Buchhandels" heraus (1888 vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler übernommen). Dieses (bis 1948 erschienene) erste deutsche Buchhandelsadreßbuch war der Vorläufer des heutigen "Adreßbuches für den deutschsprachigen Buchhandel", Frankfurt/M. 1952 ff.

Im Jahr 1839 verhalfen zwei Erfinder, Daguerre und Talbot, der Photographie zu ihrem entscheidenden Durchbruch. Der Franzose Louis Jacques Mandé Daguerre (* Cormeilles-en-Parisis 1787, † Bry-sur-Marne [bei Paris] 1851), von Haus aus Maler, erfand, auf Joseph Nicéphore Niepces Erfahrungen aufbauend, ein Verfahren, ein latentes Jodsilberbild (auf einer Metallplatte) durch Quecksilberdämpfe zu entwickeln und mit Kochsalzlösung zu fixieren. Dieses photographische Verfahren (mit nicht kopierbaren Photos auf Metallplatte) und das mit ihm geschaffene Lichtbild bezeichnete man als Daguerreotypie. Die älteste erhaltene Daguerreotypie, mit der der Erfinder einen Winkel seines Studios ablichtete, stammt aus dem Jahre 1837 (heute im Besitz der Société Française de Photographie, Paris). Aber erst 1839 hielt Daguerre seine Methode für praxisreif, die am 19. August 1839 in der Pariser Akademie der Wissenschaften durch den französischen Astronomen, Physiker und Politiker Dominique Franþois Jean Arago (* Estagel [bei Perpignan] 1786, † Paris 1853) bekanntgegeben wurde. Dieser Tag gilt als der Start der Daguerreotypie, des ersten in der Praxis verwendbaren und (bis etwa 1860) gewerblich äußerst erfolgreichen photographischen Verfahrens. Trotzdem fehlte der Daguerreotypie als ein entscheidendes Merkmal der modernen Photographie die Vervielfältigungsmöglichkeit der photographischen Aufnahmen, die stets Unikate blieben.

Ein ernsthafter Konkurrent erwuchs dem Franzosen Louis Jacques Mandé Daguerre (* Cormeilles-en-Parisis 1787, † Bry-sur-Marne [bei Paris] 1851), einem der Erfinder der Photographie, in dem englischen Physiker und Chemiker William Henry Fox Talbot (* Melbury House [Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877), dem Schöpfer des photographischen Negativ-Positiv-Verfahrens. Talbot hatte entdeckt, daß er ein unsichtbares Negativbild auf einem stark belichteten Papier sichtbar machen konnte, wenn er es mit einer Entwicklerlösung aus Gallussäure und Silbernitrat behandelte. Diese Methode erlaubte ihm, die Belichtungszeiten auf weniger als eine halbe Minute herabzusetzen und durch Kontaktabzüge Positive herzustellen. Damit wurde die photographische Abbildung praktisch unbegrenzt reproduzierbar. Talbot gab seine Erfindung am 31. Januar 1839 bekannt. Sie war bereits 1835 verwertbar; er verbesserte sie aber bis 1841und nannte sie dann Calotypie (Kalotypie), die später ihm zu Ehren in Talbotypie umbenannt wurde (1841 patentiert).

Die ersten für den Verkauf bestimmten und damit die ersten serienmäßig hergestellten photographischen Kameras (Geräte für die photographische Aufnahme nach dem Prinzip der Camera obscura) wurden von dem Pariser Kamerafabrikanten Alphonse Giroux im Auftrag von Louis Jacques Mandé Daguerre nach den von ihm entwickelten Apparaten gebaut und ab September 1839 angeboten.

Die erste (hölzerne) Daguerreotypie-Kamera aus dem Jahr 1839 hatte im geschlossenen Zustand die Maße 26,7 cm x 31,1 cm x 36,8 cm. Giroux betrieb auch das erste Photogeschäft der Welt, in dem er alles anbot, was fu die Daguerreotypie notwendig war.

Das Wort "Photographie" (griech.) wurde erstmals von dem deutschen Astronomen Johann Heinrich Mädler (* Berlin 1794, † Hannover 1874) 1839 und etwa gleichzeitig von dem britischen Astronomen John Frederick William Herschel (* Slough 1792, † Collingwood [bei Royal Tunbridge Wells] 1871) verwendet; im deutschen Sprachraum wurde damals schon die Bezeichnung Lichtbild üblich.

Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801, † München 1870), Professor der Mathematik und Physik an der Universität München, konstruierte 1839 eine tubusförmige Kamera aus verschiebbaren Pappröhren, mit der er zusammen mit seinem Kollegen Franz Ritter von Kobell (* München 1803, † ebd. 1882), Professor für Mineralogie, Gebäude in München (u.a. die Glyptothek, die Türme der Frauenkirche) photographierte. Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Photographien waren keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner Kamera nochmals auf. Die runden Photos hatten einen Durchmesser von vier Zentimetern.

Im gleichen Jahr baute Steinheil die erste (tubusförmige) Metallkamera, mit welcher Daguerreotypien im Bildformat von 8,5 x 11 mm für Schmuckstücke und Medaillons hergestellt wurden. Sie war die erste Kleinstbildkamera der Welt, von der in Deutschland mindestens zehn Exemplare produziert wurden.

Die erste mit Balgen (einem ausziehbaren Verbindungsteil zwischen Objektiv und Photoapparatgehäuse) ausgerüstete photographische Kamera (für Daguerreotypien) (Balgenkamera) stellte der Franzose Armand Pierre de Séguier 1839 in Paris vor. Doch gab es diesen Kameratyp (teils aus Holz, teils aus Metall) für den allgemeinen Gebrauch erst ab 1851.

Die Balgenkameras, die sich zusammenklappen ließen, waren im Vergleich zu den Schiebekastenkameras ein großer Fortschritt und blieben auch noch nach Einführung der Glasplatte als Träger des photographischen Negativs aktuell.

Durch die Erfindung der Vergoldepresse wurde im Gegensatz zum handwerklichen Verzieren des Bucheinbandes mit Gold (Handvergoldung) die maschinelle Preßvergoldung möglich.

In Deutschland wurde die erste (überwiegend noch aus Holz bestehende und nach dem Kniehebelprinzip funktionierende) Vergoldepresse von Karl Alexander Hensel konstruiert und in wenigen Exemplaren von den Leipziger Maschinenfabriken Harkort & Co. sowie Götz & Nestmann gebaut; sie konnte sich jedoch nicht durchsetzen. (Größere Verbreitung fand erst die 1857 von Karl Krause[* 1823, † 1902], Leipzig, gebaute, völlig aus Eisen bestehende "Kniehebelpresse für Blinddruck und Vergoldung".)

1839 baute der schottische Schmied Kirkpatrick Macmillan in Courthill, Dumfriesshire, das erste Zweirad (Draisine), das vorwärtsbewegt wurde, ohne daß der Fahrer mit seinen Füßen den Boden berührte. Es besaß an langen Pedalstäben angebrachte Fußtritte, die über Schubstangen und Kurbeln das Hinterrad antrieben. Indem Macmillan zum erstenmal den Tretantrieb für das Hinterrad seiner Draisine verwirklichte, baute er einen Vorläufer moderner Fahrräder.

Der deutsche Chemiker Justus Freiherr von (seit 1845) Liebig (* Darmstadt 1803, † München 1873) begründete mit seinem Werk "Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie", Braunschweig 1840, die moderne Agrikulturchemie.

Die erste brauchbare lautgemäße (phonetische) Kurzschrift veröffentlichte der englische Privatschullehrer und Stenograph Sir Isaac Pitman (* Trowbridge 1813, † Bath 1897) in seinem "Manual of phonography", London 1840.

1837 schlug der Engländer Rowland Hill (* Kidderminster 1795, † Hampstead [bei London] 1879), ein vormaliger Lehrer und späterer Generalpostmeister, dem Parlament die Einführung eines einheitlichen Portosatzes von einem Penny für den Brief vor. Seinen Vorschlag veröffentlichte Hill in einem Privatdruck mit dem Titel "Post 0ffice Reform; its importance and practibility", London 1837. Im August 1839 wurde vom britischen Parlament die Ein-Penny-Grundgebühr gesetzlich anerkannt. Ab 10. Januar 1840 galt im ganzen Empire das Penny-Porto, und am 6. Mai 1840 wurden in Großbritannien die für den allgemeinen Gebrauch bestimmten ersten aufklebbaren Postwertzeichen (zu 1 Penny schwarz und 2 Pence blau) ausgegeben. Dieser Tag gilt als der offizielle Tag der Einführung der ersten Briefmarke in der Welt.

Die auf Papierbögen gedruckten Briefmarken wurden ursprünglich auseinandergeschnitten. Die ersten perforierten (gezähnten) Postwertzeichen wurden in England 1854 (dank der von dem Engländer Henry Archer 1847 konstruierten ersten Perforiermaschine) hergestellt. Die Briefmarke verbreitete sich bald in der ganzen Welt: 1843 in der Schweiz und in Brasilien, 1847 in den USA. In Deutschland führte Bayern am 1. 11. 1849 die ersten Postwertzeichen ein, 1849 Frankreich und Belgien, 1850 Spanien, Österreich, Preußen u.a.

Am 1. 1. 1872 erschienen die ersten Marken der Deutschen Reichspost; ab 1920 gab es für ganz Deutschland gültige Postwertzeichen.

Der Turnpädagoge Adolf Spieß (* Lauterbach [Hessen] 1810, † Darmstadt 1858) begründete u.a. mit seinem Werk "Die Lehre der Turnkunst", 4 Tle., Basel 1840-1846, das deutsche Schulturnen.

1840 entwickelte in Wien Blasius Hoefel (* Wien 1792, † Argen [bei Salzburg ] 1863) die Strichätzung, ein Verfahren, das ermöglicht, Metallplatten stufenweise so tief zu ätzen, daß eine Druckform entsteht, bei der die druckenden Teile erhaben stehenbleiben. Die Strichätzung dient nur zur Reproduktion von Vorlagen, die aus gleichmäßig getönten Flächen, Strichen oder Punkten bestehen, also keine Tonabstufungen zeigen.

Die erste deutsche Bibliothekszeitschrift war das von dem Leipziger Stadtbibliothekar Emil Wilhelm Robert Naumann (* Leipzig 1809, † ebd. 1880) herausgegebene "Serapeum. Zeitschrift für Bibliothekswissenschaft, Handschriftenkunde und ältere Literatur", Leipzig 1840-1870, das in bibliographischer Hinsicht durch den von dem Bibliothekar Julius Petzoldt (* Dresden 1812, † ebd. 1891) herausgegebenen "Anzeiger für Literatur der Bibliothekswissenschaft", Dresden und Leipzig 1840-1886 (Titel und Erscheinungsort wechselnd), ergänzt wurde.

England schuf 1840 die erste transatlantische Postdampfschifflinie zwischen Europa (Liverpool/Halifax) und Nordamerika (Boston).

Die erste vollständige Bibelausgabe in Blindenschrift wurde von John Alston († 1846) vom Blindenasyl in Glasgow zwischen 1838 und Dezember 1840 in 19 Bänden (Altes Testament: 15 Bde., Neues Testament: 4 Bde.) und in einer Auflage von 200-250 Exemplaren herausgegeben.

Um die Daguerreotypie, das erste in der Praxis verwendbare photographische Verfahren, entstand in kurzer Zeit ein unvorstellbarer Wirbel: Jedermann wollte so ein Bild von sich und seinen Angehörigen haben. In wenigen Wochen verbreitete sich über Frankreich hinaus in aller Welt eine regelrechte "Daguerreotypomanie". Um 1850 arbeiteten in den USA schon über 1000 Photographen nach Daguerres Methode, davon 75 allein in New York; in München gab es bis 1860 44 Lichtbildner, in Hamburg 170, in Berlin mehr als 200. Neben Porträtphotos reizte es die Daguerreotypisten, Landschaften, Gebäude und auch gestellte Szenen im Bild festzuhalten.

Das erste Porträtphotostudio der Welt wurde am 4. März 1840 in New York von John Johnson und Alexander Wolcott eröffnet.

Die erste photographische Gesellschaft waren die "Freunde der Daguerreotypie", die von Karl Schuh, einem Daguerreotypisten aus Berlin, 1840 in Wien gegründet wurde. (Schuh wurde im darauffolgenden Jahr Österreichs erster Berufsphotograph für Porträts.)

Photographische Techniken haben heute in Wissenschaft und Technik große Bedeutung. Zu den am frühesten erprobten wissenschaftlichen Photoverfahren gehört die Mikrophotographie, die Photographie eines mikroskopischen Bildes, bei der die Kamera an ein Mikroskop angeschlossen ist. (Seit etwa 1930 gibt es die Photo- oder Kameramikroskope als feste Kombination von Kamera und Mikroskop.)

1840 stellte der französische Physiker Jean Bernard Léon Foucault (* Paris 1819, † ebd. 1869) der französischen Akademie der Wissenschaften ein Verfahren vor, nach dem er mit Hilfe der Daguerreotypie erstmals Mikrophotos erzeugte. Benutzte er zunächst Sonnenlicht zur Beleuchtung, so setzte er später zusammen mit dem Histologen Alfred Donné (* Noyon 1801, † Paris 1878) eine Kohlebogenlampe als Lichtquelle ein. Foucault und Donné veröffentlichten 1844 in Paris einen Atlas mit Zeichnungen nach Mikro-Daguerreotypien. (Er war Teil des Werkes "Cours de microscopie complémentaire des études médicales. Anatomie microscopique et physiologie des fluides de l'économie", Paris 1844, von Alfred Donné.) Heute gibt es auch die Möglichkeit, Mikroskope mit Fernsehkameras zu koppeln.

Erste Aufnahmen von Bewegungsabläufen unter dem Mikroskop wurden schon bald nach der Erfindung der Kinematographie erprobt (Mikrokinematographie).

Die Astrophotographie (Himmelsphotographie), die Anwendung der Photographie zur Aufnahme von Himmelskörpern mit Fernrohren, gehört zu den am frühesten erprobten wissenschaftlichen Photoverfahren. Schon Louis Jacques Mandé Daguerre hatte, wenn auch erfolglos, versucht, den Mond aufzunehmen.

Als erster fertigte der Amerikaner John William Draper (* Saint Helens [Engl.] 1811, † Hastings-on-Hudson [N.Y.] 1882) um 1840 Daguerreotypien vom Mond an.

Der erste Apparat zum Schreiben der Blindenschrift wurde von Louis Braille (* Coupvray [Dép. Seine-et-Marne] 1809, † Paris 1852) zusammen mit seinem blinden Freund François-Pierre Foucault 1841 entwickelt. Der Braille-Foucaultschen Schreibmaschine für Blinde, bezeichnet als "Raphigraphe", folgten die verschiedensten Blindenschriftmaschinen.

Als erste gedruckte Kriminalgeschichte gilt "The Murders in the Rue Morgue" des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe (* Boston [Mass.] 1809, † Baltimore [Md.] 1849), die erstmals im Aprilheft 1841 von "Graham's Lady's and Gentleman's Magazine" (Philadelphia [Pa.]) erschien.

Die älteste, noch bestehende Privatbibliothek Großbritanniens ist die 1841 in London auf Initiative des schottischen Schriftstellers und Historikers Thomas Carlyle (* Ecclefechan [bei Dmfries ] 1795, † London 1881) entstandene "London Library". Diese private Leihbibliothek wird ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.

Die älteste ununterbrochen erscheinende satirische Zeitschrift der Welt wurde in London 1841 u.d.T. "Punch or The London Charivari" gegründet; die erste Nummer erschien am 17. Juli 1841. Der an das Pariser Magazin "Le Charivari" (1832-1893, danach mehrfach Neugründungen) anknüpfende Untertitel wurde mehrere Jahrzehnte beibehalten.

Die erste Illustrierte (Kurz-Bez. für "illustrierte Zeitschrift", eine periodisch, meist wöchentlich erscheinende Druckschrift mit Bildberichten und bebilderten Textbeiträgen zum Zeitgeschehen, bebilderten Unterhaltungsbeiträgen, Kurzgeschichte, Fortsetzungsroman u.a.) ist die 1842 in London gegründete und noch heute erscheinende Zeitschrift "The Illustrated London News". Sie wurde Vorbild für ähnliche Gründungen in anderen Ländern.

Der englische Privatschullehrer und Stenograph Sir Isaac Pitman (* Trowbridge 1813, † Bath 1897) war der Herausgeber der ersten englischen stenographischen Zeitschrift "The Phonographic journal", Bath 1842-1844. Sie war ganz in Kurzschrift abgefaßt.

Dem Amerikaner John William Draper (* Saint Helens [Engl.] 1811, † Hastings-on-Hudson [N. Y.] 1882), einem der Pioniere der Astrophotographie, gelang 1842 die erste photographische Aufnahme (Daguerreotypie) des Sonnenspektrums.

Augusta Ada Byron, Gräfin Lovelace (* 1815, † 1852), Tochter des Dichters Lord Byron und Bewunderin von Charles Babbage, entwarf für die von ihm konzipierte Rechenmaschine (1833) zahlreiche Programme (veröffentlicht in: Scientific Memoirs. Selected from the transactions of foreign academies and in foreign journals, London 1843). Sie gelten als die ersten Computerprogramme, die je geschrieben worden sind.

(Der "Ahnfrau" der Computertechnik, Lady Ada Lovelace, zu Ehren heißt eine 1980 entwickelte Programmiersprache "Ada" und stiftete die Digital Equipment Corporation in Maynard [Mass.][gegr. 1957] zur Anerkennung für besondere Leistungen auf dem Computersektor einen Ada-Lovelace-Preis.)

Der Verleger Johann Jakob Weber (* Siblingen [bei Schaffhausen ] 1803, † Leipzig 1889) gründete in Leipzig am 1. Juli 1843 die erste deutsche Illustrierte, die "Illustrirte Zeitung" (1944 erloschen). Weber hatte in seiner Illustrierten die Rubrik "Briefwechsel - Mit allen für alle" eingeführt, eine Spalte, in der Leserzuschriften beantwortet wurden und die in der deutschen Presse Schule machte.

Die erste französische Illustrierte erschien mit dem Titel "L'Illustration" in Paris 1843-1944.

Das Zeitalter der Bildtelegrafie (Bildübertragung durch Elektrizität, genauer: Festbildübertragung von Halbtonbildern mit beliebigen Grauwerten [z.B. Photographien] sowie von [fast nur Schwarzweißwerte enthaltenden] Zeichnungen, Texten oder Dokumenten über Draht [Bildtelegramm] oder Funk [Funkbild]) begann 1843.

Seit diesem Jahr arbeitete der schottische Uhrmacher Alexander Bain (* 1810, † 1877) an der Entwicklung von Kopiertelegrafen zur Übertragung von Schriftzügen und zeichnerischen Darstellungen und entdeckte das Prinzip, Bilder elektrisch punkt- und zeilenweise abzutasten, um sie telegrafisch zu übertragen. Seine technische Realisierung scheiterte daran, daß der erforderliche Gleichlauf zwischen Sender und Empfänger nicht aufrecht erhalten werden konnte.

Auch ein anderer Forscher auf diesem Gebiet, der Engländer F. C. Bakewell, hatte nicht mehr Erfolg, wenn er auch 1847 in London die erste handschriftliche Nachricht übermitteln konnte. (Die Bildübertragung beruhte empfangsseitig auf der chemischen Umsetzung von Stoffen, die bei Stromdurchgang einen Farbumschlag zeigen; senderseitig wurde ein Metallblatt durch einen Kontaktstift abgetastet, auf das mit nichtleitender Tinte das Bild aufgezeichnet war. Dieses Verfahren blieb Vorbild für alle folgenden elektrochemischen Kopiertelegrafen.)

Der Amerikaner Charles Thurber erfand 1843 die erste, "Chirographer" genannte Schreibmaschine mit Typenrad. Für die Einfärbung verwendete er ein Farbkissen.

Die erste öffentliche Telegrafenlinie wurde im Mai 1843 in England zwischen den Stationen Paddington und Slough der Eisenbahngesellschaft "Great Western Railway Company" eröffnet. Die Geräte dafür stammten von William Fothergill Cooke und Charles Wheatstone, die 1837 ein britisches Patent für einen elektrischen Telegrafen erhalten hatten.

Ein Thomas Home († 1898) erwarb von Cooke die Rechte für die kommerzielle Benutzung des elektrischen Telegrafen, über den am 16. Mai 1843 die ersten bezahlten Telegramme der Welt auf der 32 km langen Strecke durchgegeben wurden. Die Telegrammgebühr betrug, ungeachtet der Zahl der Worte, einen Schilling.

Nach viereinhalb Jahren Betrieb übertrug Home seine Lizenz der Electric Telegraph Company (an sie hatten bereits 1846 Cooke und Wheatstone ihre Patente verkauft); im Juni 1849 wurde die Linie eingestellt.

Der erste weibliche Berufsphotograph war die aus Paris stammende Antoinette de Correvont, die im Jahre 1843 in München ein Daguerreotypie-Porträtstudio eröffnete.

Das erste durch Photographien illustrierte gedruckte Buch ist "The pencil of nature", 6 Tle., London 1844-1846, von William Henry Fox Talbot (* Melbury House [Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877), einem der Erfinder der Photographie. Dieses Werk enthält eine Beschreibung seines 1841 patentierten photographischen Negativ-Positiv-Verfahrens und eingeklebt 24 mit diesem Verfahren aufgenommene Originalphotos (Talbotypien).

Als erster Fortsetzungsroman in einer deutschen Tageszeitung erschien die deutsche Übersetzung "Der ewige Jude" des französischen Romans "Le juif errant" von Eugène Sue (* Paris 1804, † Annecy 1857) 1844 in der (im Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, 1837 gegründeten) Tageszeitung "Leipziger Allgemeine Zeitung", wenige Tage nach dem Beginn seines Abdrucks in französischer Sprache (als Erstveröffentlichung) in dem "Constitutionnel", Paris Juni 1844 - Juli 1845.

1844 erfand der Weber und spätere Mechaniker Friedrich Gottlob Keller (* Hainichen [Sachsen] 1816, † Krippen [bei Schandau] 1895) die Herstellung des Holzschliffs, eines durch Abschleifen von Holz an rotierenden Schleifsteinen unter Zusatz von Wasser gewonnenen Papierrohstoffes. Der Holzschliff machte die Fabrikation eines billigen Massenpapiers, besonders für den Zeitungsdruck, möglich.

Das Kursbuch (Verzeichnis von Fahrplänen der Eisenbahn) ist aus den ausgehängten Fahrplänen entstanden. Das vermutlich erste (gedruckte) Kursbuch der deutschen Eisenbahngeschichte gab der Thurn- und Taxis'sche Oberpostamtssekretär Ulrich Hendschel (* Regensburg 1804, † Frankfurt/M. 1862) 1844 in Frankfurt/M. bei Carl Jügel heraus. Es erschien u.d.T. "Eisenbahn-Atlas von Deutschland, Belgien und dem Elsaß. Mit allen Fahrplänen, Tarifen, Betriebs-Verordnungen und sonst dahin gehörigen Nachweisungen sowie den speciellen Karten der bedeutenderen bis jetzt vollendeten Eisenbahnen. Ein Handbuch für Reisende und für Alle, welche sich dieses großartigen Transportmittels bedienen".

Dieses Kursbuch und noch zwei weitere Ausgaben (1845 und 1847) wurden durch die Monatsausgaben von "Hendschel's Telegraph" (Frankfurt/M. 1846-1930) abgelöst, der nach Hendschels Tod von dessen Sohn Emil Heinrich Hendschel (* 1835) fortgeführt wurde und ein zwar nichtamtliches, aber viel benutztes Kursbuch war.

Das Zeitalter der Telegrafie, der (Fern-) Übermittlung von Informationen (Nachrichten) über Drahtleitungen oder drahtlos durch codierte Signale, begann mit der Einrichtung der ersten (64 km langen) Morse-Telegrafenlinie zwischen Washington (D.C.) und Baltimore (Md.) (1843/1844), auf der am 24. Mai 1844 das erste Telegramm übermittelt wurde. Als Text war das Bibelzitat "What hath God wrought" (engl.- Was Gott doch vermochte) gewählt worden. Morse tastete in Washington die biblische Botschaft hinaus. In Baltimore wurde sie aufgenommen und sofort nach Washington zurückgesendet, wo sie als Punkt-Strich-Nachricht mit großem Applaus empfangen wurde.

Am darauffolgenden Tag wurde der Morsetelegraf erstmals im amerikanischen Präsidentenwahlkampf 1844 eingesetzt: Von dem in Baltimore zusammengetretenen Parteitag der Demokraten wurden die Diskussionen zu den versammelten Kongreßmitgliedern in Washington übertragen, und deren Beiträge und Einwände telegrafierte der Morseapparat nach Baltimore zurück. Hinfort nahm der Telegraf eine stürmische Entwicklung, und der Name Morse wurde zum Synonym für die Telegrafie schlechthin.

Das erste Pressetelegramm schickte ein Reporter am 25. Mai 1844 aus dem Kongreß in Washington (D.C.) an den Herausgeber des "Baltimore Patriot" nach Baltimore (Md.) über einen Morsetelegrafen. Der Text des Telegramms lautete (in deutscher Übersetzung): "1 Uhr - Gerade wurde über die Oregonfrage abgestimmt. Abgelehnt. 79 Ja-, 86 Neinstimmen".

Die vermutlich erste deutsche Zeitschrift für Handarbeit (Sticken, Häkeln Stricken u.ä.) ist das "Journal für moderne Stickerei" (teilw. u.d.T. "Journal für moderne Stickerei, Mode und weibliche Handarbeiten") (Hrsg.: Louise Hertel, 1847 ff.: Natalie von Herder [= Enkelin von Johann Gottfried von Herder], 1853 ff.: Auguste von Horst), Leipzig (1845 ff.: Weimar) 1844-1861.

Die unter dem (an die satirische Tradition der Einblattdrucke des 16. Jh. anknüpfenden) Titel "Fliegende Blätter" von Caspar Braun (* Aschaffenburg 1807, † München 1877) und Friedrich Schneider († 1859) gegründete, in München erstmals am 7. November 1844 erschienene und 1944 erloschene illustrierte humoristische Zeitschrift kann als die erste deutsche satirische Zeitschrift von Rang bezeichnet werden. (Allerdings gab das Blatt vorübergehend die politische Satire auf, um der Zensurmöglichkeit möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten, und wurde zum bloßen [und ersten deutschen]Familienwitzblatt, das "auch die lieben Kleinen nicht vergaß".)

Nach den ersten Versuchen von Carl Christophersson Gjörwell 1777 und 1781, zwei enzyklopädische Werke zu starten, die aber nicht zum Abschluß kamen, gilt als erste (stark von Brockhaus beeinflußte) schwedische Enzyklopädie (Konversationslexikon) das von P. G. Berg herausgegebene "Svenskt Konversations-Lexicon", 4 Bde., Stockholm 1845-1852.

Die elektrische Telegrafie konnte in der Verbrechensbekämpfung erstmals am Neujahrstag 1845 eingesetzt werden: Als John Tawell, ein flüchtiger Mörder einer gewissen Sarah Hart, in Slough (Buckinghamshire) beim Besteigen eines Eisenbahnzuges nach London erkannt wurde, wurden über einen Bahntelegrafen (nach dem System der britischen Erfinder William Fothergill Cooke und Charles Wheatstone) die Beschreibung des Täters (Steckbrief) und der Befehl zur Festnahme zur Londoner Station Paddington durchgegeben, wo Tawell verhaftet wurde.

Um die Wende des 19. Jh. bemühten sich mehrere Erfinder um die Konstruktion einer Rotationsmaschine (Rotationsdruckmaschine, Rotationspresse) für den Hochdruck, d.h. einer Druckmaschine, bei der das Papier zwischen zwei gegeneinander rotierenden Zylindern hindurchläuft und von einer zylindrisch gebogenen, einem der Zylinder anliegenden Druckform bedruckt wird. Der Amerikaner Richard Hoe (* 1812, † 1886) erhielt 1845 ein Patent auf die erste moderne Rotationsdruckmaschine.

Die älteste bekannte indische Enzyklopädie ist die in englischer Sprache abgefaßte (und von K. M. Banerjea herausgegebene) "Encyclopaedia Bengalensis", 12 Bde., Kalkutta 1846-1850.

1846 gründeten die Leipziger Druckereigehilfen den "Gutenberg-Verein", der jedoch schon nach kurzer Zeit verboten wurde, und gaben die Zeitung "Typographia. Wöchentliches Organ für Buchdrucker, Schriftgießer, Xylographen etc.", Leipzig 1846-1848 (Forts. unter verschiedenen Titeln, Leipzig 1848-1933) heraus. Sie gilt als die älteste Gewerkschaftszeitung Deutschlands.

Die erste selbständige Kartonagefabrik in Deutschland wurde 1846 von dem Buchbinder Georg Adler in Annaberg (Erzgebirge) gegründet, wo sie noch heute besteht.

"Der Rätselbote. Zeitschrift zur Übung des Verstandes", Jg. 1 (Nr.1-26), Heilbronn 1846, war vermutlich die erste deutsche (selbständige) Rätselzeitschrift. (Rätsel erschienen sonst in allgemein unterhaltenden Blättern u.ä.)

Die britischen Ingenieure Augustus Applegath und Edward Cooper bauten nach dem Prinzip der 1845 patentierten Rotationspresse des Amerikaners Richard Hoe (* 1812, † 1866) die erste, allerdings noch verbesserte Druckmaschine dieser Art (Patentanmeldung: 21. 8. 1846). 1848 nahm die "Times" in London die erste derartige Rotationsmaschine in Betrieb. Sie konnte 10 000 Bogen pro Stunde drucken. 1862 wurde sie durch eine "Lightning Rotary Press" ("Blitzpresse"), eine 1847 von Richard Hoe herausgebrachte Rotationspresse mit einer Stundenleistung von 20 000 einseitig bedruckten Bogen, ersetzt, allerdings mit 25 Mann Bedienungspersonal; zudem arbeitete sie noch mit Einzelblattzuführung.

Die älteste Schachzeitschrift Deutschlands wurde 1846 in Berlin als "Schachzeitung" gegründet. Seit 1871 heißt sie "Deutsche Schachzeitung" und erscheint (mit Unterbrechung in den Jahren 1944-1950) noch heute.

Die erste deutsche Zeitschrift auf dem Sektor der Technik war "Der Ingenieur. Zeitschrift für das gesammte Ingenieurwesen", Freiberg 1846-1850 (Forts.: Der Civilingenieur. Zeitschrift für das Ingenieurwesen, Freiberg 1853-1896).

Die erste deutsche (selbständige) Fachzeitschrift für Zahnheilkunde begründete der Berliner Zahnarzt Carl Wilhelm Schmedicke mit "Der Zahnarzt. Das Neueste und Wissenswürdigste des In- und Auslandes über Zahnheilkunde", Berlin (1870 ff.: Leipzig) 1846-1872.

Der schottische Uhrmacher Alexander Bain (* 1810, † 1877), der sich seit 1843 mit einem elektrochemischen Telegrafen beschäftigte, führte für ihn (und damit für die elektrische Telegrafie) den gelochten Papierstreifen zur schnelleren Nachrichteneingabe ein. Mit seinem Lochstreifensender (patentiert am 12. Dezember 1846) schuf er die zu seiner Zeit wenig beachtete Grundlage zur späteren Hochgeschwindigkeitstelegrafie.

Die erste (zum Falzen gedruckter Planobogen dienende) Falzmaschine wurde dem Engländer Thomas Birchall am 5. 8. 1847 patentiert.

Die erste deutsche Parteizeitung war die von badischen Liberalen in Heidelberg gegründete, von dem Geschichtsforscher, Literaturhistoriker und Politiker Georg Gottfried Gervinus (* Darmstadt 1805, † Heidelberg 1871) und dem Politiker Karl Mathy (* Mannheim 1806, † Karlsruhe 1868) redigierte Tageszeitung "Deutsche Zeitung", Heidelberg 1847-1850.

In den USA und in Großbritannien bildete sich seit der Mitte des 19. Jh. der Bibliothekstyp der Public library (engl.- öffentliche Bibliothek) heraus, der allen Bevölkerungsschichten sowohl allgemeinbildende als auch wissenschaftliche Literatur in liberaler Weise bereitstellte. Grundlage waren gesetzliche Regelungen ("Public library Acts"), in denen der Staat verpflichtet wurde, sich der öffentlichen Bibliotheken als kultureller Institutionen anzunehmen. In den USA wurde das erste Büchereigesetz 1847 im Staate Massachusetts erlassen; 1854 wurde die erste Public library in Boston (Mass.) eröffnet. Die übrigen Staaten folgten mit entsprechenden Bibliotheksgesetzen.

In Deutschland wurde die Public library bei der Einrichtung der Volksbüchereien zum Vorbild genommen.

Das "Lehrbuch der chemischen Technologie zum Unterricht und zum Selbststudium", 2 Bde., Braunschweig 1847, verfaßt von Friedrich Knapp (* 1814, † 1904), einem Schüler von Justus von Liebig, war das erste deutsche Lehrbuch der chemischen Technologie.

Träger der Telegrafie waren ursprünglich Drähte, Isolatoren, Masten, mit denen ganze Kontinente überspannt waren. Da sich bald die Schwächen dieser Überland-Nachrichtenverbindungen, vor allem durch extreme Witterungseinflüsse, zeigten, fehlte es schon in der Frühzeit der Telegrafentechnik nicht an Versuchen, unterirdisch Leitungen zu verlegen, die aber alle an der mangelhaften Isolierung der Drahtleitungen scheiterten.

Erst das Jahr 1847 ging als ein Markstein in die Telegrafiegeschichte ein: In diesem Jahr erfand Werner von (seit 1888) Siemens (* Lenthe [bei Hannover ] 1816, † Berlin 1892) eine Maschine (Presse) zur Umhüllung eines Leitungsdrahtes mit einem nahtlosen Mantel aus dem isolierenden Guttapercha (malaiisch), einem kautschukähnlichen Produkt aus dem Milchsaft einiger Bäume Südostasiens. Die Erfindung der Guttapercha-Presse im Jahr 1847 wird im allgemeinen als Beginn der Kabeltechnik angesehen, wenn man als Kabel alle mit einer Isolierung umgebenen biegsamen elektrischen Leiter bezeichnet, die in Innenräumen, in der Erde (Erdkabel) und unter Wasser (Unterwasserkabel) verlegt werden können.

1847 ließ die preußische Regierung zwischen Berlin und Großbeeren eine erste unterirdische Telegrafenleitung legen, an der Siemens Untersuchungen für den praktischen Kabelbetrieb vornehmen konnte. Am 1. April 1849 wurde die Telegrafenkabelstrecke Berlin - Frankfurt/M. eröffnet. (Von 1877 bis 1881 erfolgte der Aufbau des "Reichstelegraphen-Untergrundkabelnetzes" zwischen deutschen Großstädten [3. November 1877: Fertigstellung des ersten Teilstücks zwischen Frankfurt/M. und Kiel; 26. Juni 1881: Vollendung des Netzes (5460 km)].)

Die erste deutsche Referatezeitschrift für Physik waren die "Fortschritte der Physik", Berlin u.a. 1847-1919, ergänzt durch das "Halbmonatliche Literaturverzeichnis" (seit 1902) sowie die "Beiblätter zu den Annalen der Physik" (1877-1919). Diese drei Zeitschriften wurden vereinigt zu "Physikalische Berichte", Braunschweig u.a. 1920-1978 (Forts.: Physics briefs. Physikalische Berichte, Weinheim 1979 ff.).

Der britische Mathematiker (Autodidakt) George Boole (* Lincoln 1815, † Ballintemple [bei Cork, Irland ] 1864) veröffentlichte seine ersten Gedanken über die von ihm begründete mathematische Logik in der Schrift "The mathematical analysis of logic, being an essay towards a calculus of deductive reasoning", Cambridge 1847, die ihm zwei Jahre später eine Professur für Mathematik am Queens College in Cork einbrachte. In seiner Abhandlung "An investigation of the laws of thought, on which are founded the mathematical theories of logic and probabilities", London 1854, entwickelte Boole die erste Form seiner Algebra der Logik, die später als Boolesche Algebra bezeichnet wurde.

Boole knüpfte an das schon von Gottfried Wilhelm Leibniz 1679 veröffentlichte (als "dyadisches Zahlensystem" bezeichnete) Dualsystem an, ein Zahlensystem mit der Basis 2 (statt z.B. 10 im Dezimalsystem), in dem sich jede Zahl durch eine Folge von nur zwei Symbolen (meist 0 und 1) als Dualzahl ausdrücken läßt, und ordnete in seinem logischen System jeder wahren Aussage und Aussagenverknüpfung den Wert 1, jeder falschen den Wert 0 zu; als logische Operationen für Aussagenverknüpfungen führte er die Konjunktion ("und"), Disjunktion ("oder") und Negation ("nicht") ein.

Große praktische Bedeutung erlangte die Boolesche Algebra in ihrer Verbindung mit dem Dualsystem und mit elektronischen Schaltungen in der elektronischen Datenverarbeitung, da sich die Zeichen 0 und 1 in die elektrischen Signale "aus" und "ein" (Spannung und Nicht-Spannung) umsetzen lassen und damit die Grundlage für die technisch zu realisierenden logischen Verknüpfungen in der Computerkonstruktion geschaffen waren.

Zwischen Bremen und New York verkehrte ab 1847 der Dampfer "Washington" als erstes deutsch-amerikanisches Postschiff. (Bis zum Ersten Weltkrieg gab es vom Deutschen Reich subventionierte Reichspostdampferlinien, seit 1885 nach Ostasien, Australien und Deutsch-Neuguinea, seit 1890 nach Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika.)

Stephan Born (früher Simon Buttermilch) (* Lissa [heute Leszno ] 1824, † Basel 1898), Sozialist und ursprünglich Schriftsetzer, der 1848 in Berlin die erste deutsche politische Arbeiterorganisation, die "Allgemeine deutsche Arbeiter-Verbrüderung" gegründet hatte, war der Herausgeber der ersten deutschen Arbeiterzeitschrift "Das Volk", Berlin 1848-1849.

Die erste dokumentierte deutsche Buchbindervereinigung war die "Gesellschaft vereinigter Buchbinder von 1848" in Berlin, die sich aber bereits 1850 wieder auflöste.

Als erster Fortsetzungsroman eines deutschen Autors in einer deutschen Tageszeitung wurde "Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphanski" des Schriftstellers Georg Weerth (* Detmold 1822, † La Habana 1856) in der von Karl Marx geleiteten "Neuen Rheinischen Zeitung", Köln, abgedruckt, deren Feuilleton Werth von der ersten Nummer bis zum Tag ihres Erscheinungsverbotes (1. 6. 1848 - 19. 5. 1849) leitete. Der Roman erschien (unvollständig) vom 8. 8. 1848 - 20. 9. 1848.

Die erste europäische Morse-Telegrafenlinie wurde 1848 in Deutschland, und zwar zwischen Hamburg und Cuxhaven eingerichtet. Sie diente dazu, ankommende Schiffe zu melden. (Zuvor hatte 1847 als erste Eisenbahngesellschaft die Hannoversche Staatsbahn den Morsetelegrafen auf ihren Linien eingeführt.)

Die "Frauen-Zeitung", Köln 1848, herausgegeben von Mathilde Franziska Anneke (* Oberlevinghausen [bei Blankenstein] 1817, † Milwaukee [Wis.] 1884), war die erste Tageszeitung für Frauen in Deutschland. (Nach Flucht 1848/1849 in die USA gab sie hier die halbmonatlich erscheinende "Deutsche Frauen-Zeitung", Milwaukee [Wis.], später New York 1852-1854, heraus; sie war die erste von einer Frau in den USA publizierte deutschsprachige Frauenzeitschrift.)

Die älteste, heute noch erscheinende Tageszeitung in Luxemburg ist das in der Hauptstadt 1848 gegründete zweisprachige katholische "Luxemburger Wort / La Voix du Luxembourg".

Die ersten in einer Zeitung veröffentlichten wissenschaftlich erarbeiteten Wetterstandsberichte erschienen ab 31. August 1848 in der 1846 von Charles Dickens gegründeten Londoner Tageszeitung "Daily News". (Dazu wurden jeden Morgen die an mehreren meteorologischen Stationen vorgenommenen Messungen nach London telegrafiert und hier vom Königlichen Observatorium Greenwich für die nächste Ausgabe der Zeitung ausgewertet.)

Die Papierindustrie in Deutschland erhielt ihr erstes Organ mit dem "Journal für Papier- und Pappenfabrikation, Weimar 1848-1854.

"Kladderadatsch" war der Titel eines von dem Schriftsteller David Kalisch (* Breslau 1820, † Berlin 1872) u.a. gegründeten, in Berlin erstmals am 7. Mai 1848 erschienenen und 1944 erloschenen politisch-satirischen, national ausgerichteten Wochenblattes, das zur Zeit Bismarcks große Bedeutung erlangte, dessen Politik es unterstützte. Der "Kladderadatsch" kann als das erste und charakteristische deutsche Tendenzwitzblatt bezeichnet werden. (Das Blatt wurde 1970 in Bonn wiederbegründet.)

In New York schlossen sich 1848 New Yorker Verleger zur "Harbour News Association" zusammen, um gemeinsam die Nachrichtenbeschaffung aus Übersee zu organisieren. Nach verschiedenen Umbenennungen nannte sich diese erste amerikanische Nachrichtenagentur 1892 "The Associated Press (AP)".

In Deutschland führte das Land Baden als erstes die Bahnpost ein. Am 1. April 1848 verkehrten ab Heidelberg die ersten Züge mit Bahnpost. (Es folgten Preußen 1849, Bayern und Sachsen 1851, Württemberg 1852, Hannover 1853 und 1861 die Thurn und Taxissche Post.)

Elizabeth Blackwell (* Bristol 1821, † England [wahrscheinlich Hastings] 1910), deren Familie 1832 nach New York ausgewandert war, hat als erste Frau Amerikas am 23. Januar 1849 an der Medical School in Geneva (N. Y.) zum Dr. med. promoviert. Ihre Dissertation u.d.T. "Ship fever" erschien im "Buffalo medical Journal and monthly review" 4 (1849), S.523-531.  

Die erste deutsche Nachrichtenagentur wurde (nach Freigabe des elektrischen Telegrafen für den privaten Gebrauch) am 27. November 1849 in Berlin von dem Geschäftsführer der Berliner "National-Zeitung" Bernhard Wolff (* Berlin 1811, † ebd. 1879) als "Telegraphisches Correspondenz-Bureau (B. Wolff)" gegründet (später: "Wolffs Telegraphen-Bureau [WTB]", 1934 in dem 1933 entstandenen "Deutschen Nachrichtenbüro [DNB]" aufgegangen).

Wolff benutzte als erster den Telegrafen als Nachrichtenbeförderungsmittel.

Die erste Zeitschrift der Frauenbewegung in Deutschland gründete ihre Hauptvertreterin, die Schriftstellerin und Journalistin Louise (Luise) Otto-Peters, geb. 0tto, Pseudonym 0tto Stern, (* Meißen 1819, † Leipzig 1895) u.d.T. "Frauen-Zeitung" (ab 1851mit dem Untertitel "Ein Organ für die höheren weiblichen Interessen"), Großenhain (später Leipzig und Gera) 1849-1852.

Die älteste deutsche stenographische Zeitschrift war das von dem Berliner Schülerkreis um den Stenographen Heinrich August Wilhelm Stolze (* Berlin 1798, † ebd. 1867) ins Leben gerufene "Archiv für Stenographie", Berlin 1849-1914. Die Zeitschrift war ganz in Stolze'scher Kurzschrift abgefaßt.

Das erste der periodisch erscheinenden biographischen Zeitgenossen-Kurzlexika "Who's who?" (engl.= Wer ist wer?) kam in England auf, wo es in London seit 1849 herausgegeben wird. (Es folgten: USA [seit 1899], Australien [seit 1906] und nach dem Zweiten Weltkrieg auch für die meisten europäischen und einige andere Länder, z.B. Schweiz und Liechtenstein [seit 1950], Frankreich [seit 1953], Österreich [seit 1954 ], Bundesrepublik Deutschland [seit 1956], Sowjetunion [seit 1961].)

Auf keinem Gebiet der Buchherstellung haben sich die althergebrachten handwerklichen Techniken so lange erhalten wie in der Buchbinderei. Durch den Einsatz von Maschinen (Scheide-, Falz-, Heftmaschine u.a.) entstand neben dem Handwerk als zweite buchbinderische Betriebsform die industrielle Großbuchbinderei. Dieser Umbruch begann um 1850 und war bis zur Jahrhundertwende (1900) weitgehend abgeschlossen.

Die "Kölnische Zeitung" (gegr. 1762 in Köln als "Kayserliche Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung", seit 1798 "Kölnische Zeitung" im Verlag Dumont [-Schauberg], 1944 erloschen) veröffentlichte seit 1850 regelmäßig als erste Tageszeitung in Deutschland Fortsetzungsromane deutscher Autoren. Der erste abgedruckte Roman war "Namenlose Geschichten" (1850) des Schriftstellers Friedrich Wilhelm Ritter von (seit 1861) Hackländer (* Burtscheid [bei Aachen] 1816, † Leoni [am Starnberger See] 1877). Ihm folgte im gleichen Jahr (1850) "Der Bauernfürst" von Levin Schücking (* Clemenswerth bei Sögel [Westf.] 1814, † Pyrmont 1883), der 1845-1852 das Feuilleton der Kölnischen Zeitung leitete.

Der Engländer Thomas Cook (* 1808, † 1892), der 1845 in Leicester das erste Reisebüro ("Thos. Cook & Son") gründete, gab mit der Monatsschrift "The Excursionist" ab 1850 die erste Kundenzeitschrift für Reisebüros heraus.

1849 gab der Geheime Sekretär im Preußischen Generalpostamt in Berlin, W. Wölker, die monatlich erscheinende "Deutsche Reisezeitung" (mit Eisenbahnfahrplänen, Postanschlüssen und Fahrplänen der Rheinischen Dampfschiffahrt) heraus, aus der unter Wölkers Mitwirkung 1850 das erste deutsche amtliche Kursbuch u.d.T. "Eisenbahn-, Post- und Dampfschiff-Cours-Buch" hervorging. Es wurde von dem "Cours-Bureau des Königl. General-Post-Amts in Berlin" herausgegeben, von Carl David in Berlin verlegt und erschien jährlich zehnmal. (Mit Inseraten von Hotels, Gewerbetreibenden u.a. enthielt es als erstes amtliches Druckwerk der Post private Werbeanzeigen.)

Zwischenzeitlich umbenannt in "Kursbuch der Deutschen Reichs-Postverwaltung", erschien das erste amtliche Kursbuch ab 1878 als "Reichskursbuch" und wurde 1871-1925 von dem Reichspostministerium, ab 1926 gemeinsam von der Reichspost und der Reichsbahn herausgegeben; seine letzte Ausgabe trägt das Datum vom 3. Juli 1944.

Der Mikrofilm (ein photographischer Film mit Mikrokopien d.h. mit stark verkleinerten, nur mit einer Lupe o.ä. lesbaren bzw. erkennbaren photographischen Reproduktionen ) wurde um 1850 von dem britischen Optiker John Benjamin Dancer (* 1812, † 1887) erfunden. Dancer stellte zahlreiche winzige photographische Diapositive her. Bekannt wurde ein in einen Fingerring gefaßtes Bild, das die britische Königin Victoria im Familienkreis zeigt. Der durchsichtige, als Lupe geschliffene Stein des Ringes diente als Vergrößerungsglas.

Um die Mitte des 19. Jh. wurden zur Herstellung von Landkarten erstmals photographische Vermessungsmethoden (Photogrammetrie [griech.= Bildmessung]) erprobt und zwar zunächst Methoden der Erdbildmessung (terrestrische Photogrammetrie, bei der die Meßbilder von erdfesten Standpunkten aus aufgenommen werden z.B. bei Vermessungen im Hochgebirge) und dann in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Techniken der Luftbildmessung (Aerophotogrammetrie, bei der Flugzeuge mit Reihenmeßkammern eingesetzt werden).

Die Erdbildmessung wurde von dem französischen Geodäsieprofessor und Direktor des "Conservatoire des Arts et Métiers" in Paris Aimé Laussedat (* Moulins [Dép. Allier] 1819, † Paris 1907) eingeführt. Als erstes Objekt nahm er 1850 den Mont Valérien bei Suresnes am linken Seineufer auf und fertigte eine Karte des 162 m hohen Hügels an.

"Harper's Magazine" ist die älteste, noch erscheinende literarische Monatszeitschrift der USA, die 1850 in New York von den vier Brüdern Harper der Verlagsbuchhandlung Harper & Brothers als "Harper's Monthly Magazine" gegründet wurde. 1920-1925 erschien sie u.d.T. "Harper's New Monthly Magazine", danach unter der heutigen Bezeichnung.

An der Hof- und Staatsdruckerei in Wien wurde unter der Leitung ihres Direktors, des österreichischen Buchdruckers Aloys Ritter Auer von Welsbach (* Wels 1813, † Hietzing [heute zu Wien] 1869) um 1850 der galvanoplastische Naturselbstdruck entwickelt, der erstmals eine schonende Abformung des Objekts und damit hohe Auflagen ohne Qualitätsverlust ermöglichte.

Durch Verabschiedung des Büchereigesetzes "The Public libraries Act" am 30. Juni 1850 durch das englische Parlament wurde in England die gesetzliche Grundlage für die Einrichtung der Public libraries geschaffen. (Das Gesetz ermächtigte alle Gemeinden über 10 000 Einwohner, einen Teil der Steuern zur Errichtung einer öffentlichen Bücherei zu verwenden.) Die erste Gründung nach diesem Gesetz erfolgte 1852 in Manchester in Anwesenheit der Schriftsteller Charles Dickens, William Thackeray und Edward George Bulwer. (Entsprechende Büchereigesetze wurden 1854 in Schottland und Irland eingeführt.)

Die Seetelegrafie setzte 1850 ein, als die englischen Brüder Jacob (oder James [?]) Brett (* 1808, † 1898) und John Watkins Brett (* 1805, † 1863) das erste (Guttapercha-) Seekabel zwischen Dover und Cap Gris Nez verlegten. Nach Zerstörung dieses ersten Unterwasser-Telegrafenkabels (angeblich noch in der folgenden Nacht, wofür verschiedene Ursachen angegeben werden) unternahmen die Brüder Brett zusammen mit dem Engländer Robert Stirling Newall (* 1812, † 1889), Besitzer einer Drahtseilfabrik in Gateshead, mit einem verbesserten Kabel 1851 einen zweiten Versuch der telegrafischen Verknüpfung der britischen Insel mit dem Kontinent durch den Ärmelkanal (Dover - Calais; 41 km), nach dessen Erfolg die Linie am 13. November 1851 dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde und bis ins 20. Jh. betriebsfähig blieb. Dies war der Anfang des internationalen Telegrafennetzes.

Der Historiker Friedrich von Raumer (* Wörlitz 1781, † Berlin 1873) gab aufgrund einer Stiftung Anlaß zur Gründung der ersten deutschen Volksbüchereien, die in Berlin 1850 eröffnet wurden. (Diese der ganzen Bevölkerung zugänglichen Volksbüchereien werden heute als "öffentliche Bibliotheken" bezeichnet,verstanden als jedermann offenstehende Bildungs- und Informationseinrichtungen.)

Das erste (und vermutlich einzige) Lexikon (in französischen Bibliotheken) gestohlener Autographen war das von Ludovic Lalanne und Henri Léonard Bordier herausgegebene "Dictionnaire de pièces autographes volées aux bibliothèques de la France", Paris 1851.

Mit dem Papiernegativ von William Henry Fox Talbot (1816) trat die Photographie in die Reihe der vervielfältigenden Techniken. 1851 führte der britische Bildhauer und Photograph Frederick Scott Archer (* Bishop's Stortford 1813, † London 1857) die Glasplatte statt Papier als Träger des photographischen Negativs ein. Das nunmehr erforderliche Bindemittel, das die Silbersalze auf dem Glas haften ließ, fand er im Kollodium (in einer zähflüssigen Lösung von Kollodiumwolle in einem Alkohol-Äther-Gemisch). Der einzige Nachteil war, daß man die Glasplatten nach der Beschichtung noch im nassen Zustand in die Kamera (Plattenkamera) einlegen und belichten mußte. Trotzdem beherrschte das "Nasse Kollodiumverfahren" die zweite Jahrhunderthälfte; denn es vereinigte in sich die Vorteile der Daguerreotypie (Schärfe bis ins Detail und Tonwertreichtum) mit denen der Talbotypie (beliebige Kopierbarkeit auf Papier).

Die Belichtungszeit lag zwischen 0,5 und 30 Sekunden.

Als deutsche Staatsdruckerei (damit erste offizielle deutsche Druckerei) wurde 1851 in Berlin die "Königlich Preußische Staatsdruckerei" zum Druck von Wertpapieren, Behördendrucksachen, Gesetzestexten u.ä., aber auch zur literarischen Produktion gegründet, aus der durch Verschmelzung mit der 1877 vom Deutschen Reich aufgekauften "Königlich Geheimen Oberhofbuchdruckerei" 1879 die "Reichsdruckerei" hervorging, die bis 1945 bestand, 1949 als Staatsdruckerei der Bundesrepublik Deutschland neugegründet wurde und seit 1950 "Bundesdruckerei" heißt.

Die erste (große) spanische Enzyklopädie war die "Enciclopedia moderna", 34 Bde., Madrid 1851-1855 nebst Suppl. 1864-1865, von Francisco de Paula Mellado.

Als zwischen Aachen und Brüssel der Telegrafendienst noch nicht ausgebaut war, eröffnete Paul Julius Reuter (* Kassel 1816, † Nizza 1899) in Aachen 1849 eine Nachrichtenagentur und betrieb zwischen Aachen und Brüssel eine Brieftaubenpost. 1851 verlegte er den Sitz seines Unternehmens nach London und gründete damit die erste englische Nachrichtenagentur: "Mr. Reuter's 0ffice" (seit 1865; Reuter`s Telegram Company, seit 1916: Reuters Ltd.).

Das Barsortiment, eine Form des Zwischenbuchhandels, ermöglicht durch ein umfassendes Lager Sortimentsbuchhandlungen den Bezug von Publikationen verschiedener Verleger zu Originalpreisen aus einer Hand. Der Name geht auf die ursprüngliche Gepflogenheit zurück, nur gegen Barzahlung zu liefern.

Das erste Barsortiment (mit 90 Titeln) wurde 1852 von Louis Zander in Leipzig gegründet (1861 von Friedrich Volckmar übernommen und durch verschiedene Firmenzusammenschlüsse im Laufe der Zeit erweitert).

Den ersten (handschriftlichen) Barsortiments-Lagerkatalog (mit 167 Titeln) stellte 1858 Carl Voerster, Neffe und späterer Schwiegersohn von Friedrich Volckmar, zusammen. (Der Volckmarsche Barsortimentskatalog verzeichnete 1880 ca. 9000 Titel, 1900 ca. 25 000, 1905 ca. 60 000, 1910 ca. 80 000 Titel.)

Der erste amerikanische (und zugleich der erste internationale) Bestseller war der gegen die Negersklaverei gerichtete Roman "Uncle Tom's cabin or Life among the lowly" (engl.= 0nkel Toms Hütte oder Aus dem Leben der Negersklaven), Boston (Mass.) 1852, der amerikanischen Schriftstellerin Harriet Elizabeth Beecher-Stowe (geb. Beecher) (* Litchfield [Conn.] 1811, † Hartford [Conn.] 1896), von dem 1852 über 300 000 Exemplare verkauft wurden.

Der österreichische 0ffizier und Erfinder Franz Freiherr von Uchatius (* 1811, † 1881) entwickelte 1852 ein Verfahren, mit welchem bewegte Bilder (gezeichnete oder gemalte Phasenbilder) durch Projektion auf eine Wand gleichzeitig einem größeren Personenkreis zugänglich gemacht werden konnten. Die Bildprojektion beruhte auf einer Kombination aus den Prinzipien der Laterna magica (lat.- Zauberlaterne), einer seit Mitte des 17. Jh. verbreiteten Vorrichtung zum Projizieren eines transparenten Bildes auf eine Bildwand, und des "Lebensrades" von Joseph Antoine Ferdinand Plateau (1832).(Uchatius verkaufte seine 1853 verbesserte Erfindung an den Wiener Zauberkünstler Ludwig Döbler[* 1801, † 1864], da er in ihr keinen praktischen Anwendungszweck sah.)

Die erste deutsche Buchhändlerschule wurde vom Verein der Buchhändler zu Leipzig als "Deutsche Buchhändler-Lehranstalt" in Leipzig am 29. März 1852 gegründet (Eröffnung am 2. Januar 1853; 1928 vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler übernommen). (1907 durften Frauen erstmals die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt besuchen.)

Die Familienzeitschrift war eine wöchentlich erscheinende meist illustrierte Unterhaltungszeitschrift des 19. Jh. für den bürgerlichen Mittelstand. Vorläufer waren die moralischen Wochenschriften und Kalender des 18. Jh.

Die erste Familienzeitschrift des deutschen Bürgertums waren die "Unterhaltungen am häuslichen Herd", gegründet 1852 im Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, herausgegeben bis 1861 von dem Schriftsteller Karl Gutzkow (* Berlin 1811, † Frankfurt/M. 1878), bis zur Einstellung 1864 von dem Schriftsteller Karl Frenzel (* Berlin 1827, † ebd. 1914) (ohne Illustrationen).

Das Blatt wurde aber bald überflügelt von der illustrierten Wochenzeitschrift "Die Gartenlaube" (1938 ff.: Die neue Gartenlaube), Leipzig 1853-1944, gegründet von dem Publizisten und Buchhändler Ernst Keil (* Langensalza 1816, † Leipzig 1878). Ihre Starautorin war Eugenie Marlitt (* 1825, † 1887), später Hedwig Courths-Mahler (* 1867, † 1950). Die Gartenlaube fand viele Nachahmungen. Die Blütezeit des deutschen Familienblattes endete etwa um 1880.

Der englische Naturwissenschaftler William Henry Fox Talbot (* Melbury House [Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877) erfand 1852 das Prinzip der Halbtonätzung und legte damit die Basis für die Reproduktion von Photographien im Zeitungsdruck. (Bei der Halbtontechnik wird mit Hilfe winziger verschieden großer schwarzer Punkte jeder Grauton des zu reproduzierenden Originalphotos nachgebildet.)

Das Wort "Telegramm" als Bezeichnung für eine durch Telegrafie übermittelte schriftliche oder bildliche Nachricht wurde erst am 6. April 1852 von dem Amerikaner E. P. Smith aus Rochester (N. Y.) im "Albany Evening Journal" anstelle der bisher üblichen umständlichen Benennungen "telegraphische Depesche", "telegraphische Nachricht" u.ä. vorgeschlagen. Smith's kurze und einprägsame Wortbildung hat sich um 1860 durchgesetzt.

Ein Luftschiff ist ein Luftfahrzeug, das durch Füllung mit einem Gas, das leichter als Luft ist (Helium, Wasserstoff), einen Auftrieb erhält und deshalb in der Luft schweben kann. Es wird durch eigenen Antrieb bewegt und ist mit Hilfe von am Heck angeordneten Ruderflächen steuerbar.

Seit den Freiballonaufstiegen der Brüder Étienne Jacques und Michel Joseph de Montgolfier (1783) versuchte man, die Ballons zu steuern oder durch Muskelkraft anzutreiben.

Die ersten Versuche der Motorisierung und der Lenkbarmachung des Freiballons stammen von dem französischen Ingenieur Henry Jacques Giffard (* Paris 1825, † ebd. 1882). Am 24. September 1852 startete Giffard in Paris ein von ihm selbst gebautes, mit Wasserstoff gefülltes EinmannLuftschiff, das mit einer Geschwindigkeit von 8 km/h 27 km weit über Versailles nach Trappes fuhr. Das 44 m lange, spindelförmige Gefährt mit einem Rauminhalt von rd. 2 500 m3 wurde von einer Dampfmaschine mit einer Leistung von 3 PS (2,2 kW) über eine Luftschraube (einen Dreiblattpropeller von 3,35 m Durchmesser) angetrieben; gesteuert wurde es durch ein dreieckiges, vertikal am Heck angebrachtes Segel. Giffards Konstruktion ist das erste bemannte mechanisch angetriebene Luftschiff der Geschichte.

Wegen der bei der elektrischen Telegrafie anfallenden hohen Leitungskosten bemühte man sich schon früh um eine rationellere Ausnutzung der bereits vorhandenen Leitungen. Eine Möglichkeit war die Mehrfachtelegrafie, d.h. die Mehrfachausnutzung ein und desselben Telegrafiedrahtes.

Den ersten wesentlichen Schritt zu ihrer Entwicklung tat der österreichische Physiker und (seit 1849) Telegrafendirektor Julius Wilhelm Gintl (* Prag 1804, † ebd. 1883). Er erfand 1853 das Prinzip des elektrischen "Gegensprechens", d.h. die Möglichkeit, über eine Telegrafenleitung gleichzeitig mehrere Telegramme zu befördern, und zwar auch in entgegengesetzte Richtungen ("Gegensprechen") (Duplextelegrafie).

Obwohl sich hinfort viele Erfinder mit der Mehrfachtelegrafie beschäftigten und sich immer höhere Ziele steckten (Doppelsprechbetrieb [Übertragung von zwei Telegrammen zur gleichen Zeit von derselben Station] und Doppelgegensprechbetrieb [gleichzeitige Beförderung von vier Telegrammen pro Leitung]), entwickelte erst der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison (* Milan [Oh.] 1847, † West Orange [N. J.] 1931) das erste brauchbare Verfahren zum Doppelsprechen und Vierfachsprechen auf Telegrafenleitungen (1874 vollendet).

Waren die ersten stenographischen Zeitschriften ganz in Kurzschrift abgefaßt, so wurden zur Gewinnung eines größeren Leserkreises bald auch stenographische Blätter gegründet, die ganz im Typendruck erschienen. Die erste in Drucklettern veröffentlichte deutsche stenographische Zeitschrift war die "Zeitschrift für Stenographie" (1855 ff.: "und Orthographie"), Berlin 1853-1879.

Für das Schreiben mit der Stahl- oder auch Goldfeder (feine Leute wie der Dichter Lord Byron schrieben schon um 1800 mit Goldfedern) brauchte man einen Federhalter. Federhalter aus Hartgummi führte der amerikanische Chemiker Charles Nelson Goodyear (* New Haven [Conn.] 1800, † New York 1860) 1853 ein.

Die Entwicklung des Flugwesens war langwierig, aber seine Geschichte vom ersten Gleitflugmodell bis zum ersten präzise gesteuerten Motorflug relativ kurz. Seine heutige Bedeutung als öffentliches Transportmittel erlangte das Flugzeug in knapp sechzig Jahren.

Dem Flugzeugbau liegt der Gedanke zugrunde, den Vogelflug zu imitieren. Um 1500 entwarf Leonardo da Vinci (* Vinci [bei Florenz ] 1452, † Schloß Cloux [heute ClosLucé bei Amboise ] 1519) Flugapparate (Ornithopter), deren Flügel durch Muskelkraft bewegt werden sollten. Im Gegensatz zur fruchtlosen Idee, schlagende Flügel zu verwenden, war der Gedanke, den Gleitflug der Vögel nachzuahmen, erfolgreich.

So begann 1792 der britische Erfinder und Flugzeugpionier Sir George Cayley (* Scarborough 1773, † Brompton [heute zu London ] 1857), mit Modellen starrflügeliger Flugapparate zu experimentieren, baute 1809 einen Prototyp, und 1849 hob ein zehnjähriger Junge von einem Hügel aus vom Boden ab. 1852/1853 baute Cayley ein Gleitflugzeug (detailliert beschrieben im "Mechanics Magazine" [London] vom 15. September 1852), das einen Menschen tragen konnte: Die drachenförmigen Tragflächen waren ca. 46 m2 groß, das Gesamtgewicht betrug etwa 150 kg; der Pilot saß in einem bootsähnlichen Rumpf mit dreirädrigem Fahrwerk. 1853 segelte Cayleys Kutscher (vermutlich ein gewisser John Appleby) etwa 500 m weit über eine Talsenke in der Nähe von Brompton.

Als weiterer Pionier des Gleitfluges ragte der Ingenieur 0tto von Lilienthal (* Anklam 1848, †[Absturz] Berlin 1896) hervor, dessen über 2000 systematische Versuchsflüge (1891-1896) bis 300 m Länge das erste gesicherte Wissen über das Fliegen vermittelten, an das die Brüder Wilbur und Orville Wright anknüpften, denen bis 1902 die vollständige Beherrschung des Segelfluges gelang.

Die Rohrpost ist eine mit Saug- oder Druckluft betriebene Anlage zur Beförderung von Schriftstücken, kleinen Gegenständen im Post-, Büro- und Bankbetrieb o.ä. durch Rohrleitungen.

1853 baute der Engländer Latimer Clark die erste Rohrpostanlage in London zwischen der International Telegraph Company und der Börse. Die Sendungen wurden in zylindrische Kapseln eingelegt und diese mit Hilfe eines Unterdrucksystems durch die Röhren gesaugt.

Nachdem der schottische Schmied Kirkpatrick Macmillan 1839 die Draissche Laufmaschine (1817) mit Trethebeln für Hinterradantrieb ausgestattet hatte, konstruierte der deutsche Instrumentenbauer Philipp Moritz Fischer in Oberndorf bei Schweinfurt 1853 das erste mit Tretkurbeln am Vorderrad ausgerüstete hölzerne, eisenbereifte Zweirad.

Der aus Köln gebürtige Buchhändler Carl Schmitt (* 1821, † 1889) eröffnete 1854 im Bahnhof Heidelberg die erste Verkaufsstelle für "Reiseliteralien". Sie ist die älteste, noch bestehende deutsche Bahnhofsbuchhandlung.

Der Augenarzt Friedrich Wilhelm Ernst Albrecht von Graefe (* Finkenheerd [heute zu Brieskow-Finkenheerd, Kr. Eisenhüttenstadt] 1828, † Berlin 1870) gründete die erste augenärztliche Spezialzeitschrift, das "Archiv für Ophthalmologie", Berlin 1854 ff. (ab 1871: Albrecht von Graefes Archiv für Ophthalmologie).

Die erste deutsche Zeitschrift für Photographie erschien u.d.T. "Photographisches Journal. Magazin praktischer Erfahrungen, Fortschritte, Notizen und Neuigkeiten auf dem Gebiete der Photographie", Leipzig 1854-1866.

Der französische Telegrafentechniker Charles Bourseul (* Brüssel 1829, † St. Céré [Lothringen] 1912), der seit 1849 Versuche zur elektrischen Sprachübertragung durchgeführt hatte, beschrieb erstmals ihr Prinzip (Umwandlung von Schallschwingungen in elektrische Signale und Rückwandlung der Signale in Schallschwingungen) und damit das Prinzip des Fernsprechens (Telefonierens) (veröffentlicht u.d.T. "Transmission électrique de la parole" in der Pariser Zeitschrift "L'Illustration" vom 26. August 1854).

Bourseuls "Geber" (Sender) ähnelte den späteren Mikrophonen, doch gelang es ihm nicht, einen für die Sprachübertragung brauchbaren Empfänger zu konstruieren.

Alle Plattenkameras hatten den Nachteil, daß jeweils nur eine Platte eingeschoben und belichtet werden konnte. Um den lästigen Plattenwechsel zu vermeiden, wurden die Möglichkeiten verfolgt, entweder photographische Kameras mit Mehrplattenmagazinen (Magazinkameras) zu bauen oder auf einer Platte mehrere Aufnahmen unterzubringen (Multiplikatorkameras).

Das vermutlich erste Patent auf eine Magazinkamera erhielt 1854 der Engländer Thomas E. Merrit.

Die erste Kaufzeitung Großbritanniens wurde in London 1855 mit dem "Daily Telegraph" gegründet und zum Preis von einem Penny verkauft ("Penny Paper"). Sie erscheint noch heute u.d.T. "Daily Telegraph and Morning Post" in London und Manchester.

Die Litfaßsäule (Anschlagsäule, Plakatsäule), eine von Städten oder Gemeinden öffentlich aufgestellte und zum Anschlagen von (Werbe-) Plakaten verpachtete Säule (2,20-3,60 m hoch; 3,20-3,60 m Umfang), hat ihren Namen nach dem deutschen Drucker Ernst Litfass (* 1816, † 1874), der am 5. 12. 1854 mit dem Berliner Polizeipräsidenten einen Vertrag über "öffentlichen Zettelaushang" an Säulen und Brunneneinfassungen abschloß und (nach englischen und französischen Vorbildern) am 1. Juli 1855 die erste Litfaßsäule in Berlin aufstellen ließ.

Der italienische Rechtsanwalt Giuseppe Ravizza aus Novara baute 1855 die erste mit einem Farbband ausgestattete Schreibmaschine.

Über Klopfer- und Zeigertelegraf entstand der buchstabendruckende Telegraf (Typendrucktelegraf, Drucktelegraf), dessen Weiterentwicklung in dem Fernschreiber unserer Zeit mündete.

Pionier der Fernschreibtechnik war der britische Physiker und Erfinder David Edward Hughes (* London 1831, † ebd. 1900; seit 1838 in USA), der 1855 den ersten Typendrucktelegrafen erfand, der die übermittelte Nachricht nicht mehr chiffriert, sondern in Druckschrift auf einem Papierstreifen sendete. Hughes` Drucktelegraf war neben dem Morseapparat bis zur Entwicklung des Fernschreibers nicht nur in den USA, sondern auch auf dem europäischen Kontinent verbreitet.

Die erste brauchbare Konstruktion einer Petroleumlampe (Lampe, die durch eine nmit Petroleum getränkten Docht brennt) erfand 1855 der amerikanische Chemiker Benjamin Silliman (* North Stratford [Conn.] 1779, † New Haven [Conn.] 1864). Diese unscheinbare Erfindung bewirkte eine schlagartige Ausbreitung der häuslichen Lektüre, vor allem in Arbeiter- und Bauernfamilien.

Bearbeitet von Johannes Günther und 0tto August Schulz war das "Handbuch für Autographensammler", Leipzig 1856, das erste deutsche Handbuch für Autographensammler.

Hatten die Pioniere der Bildtelegrafie Alexander Bain und F. C. Bakewell noch nicht die notwendige Synchronisation zwischen Sender und Empfänger zustande gebracht (1843), so gelang sie dem italienischen Physiker und Geistlichen Giovanni Caselli (* Siena 1815, † Florenz 1891) in Paris 1856 mit der Erfindung eines Bildtelegrafen auf elektrochemischer Grundlage, den er "Pantelegraph" (Universaltelegraph) nannte und den er sich von dem französischen Elektrochemiker Gustave Froment (* 1815, † 1864) perfektionieren ließ. Durch Unterstützung Kaiser Napoleons III. wurde der Pantelegraph zum ersten Testlauf 1860 auf der Linie Paris - Amiens über eine Entfernung von 140 km mit der ersten, werbewirksamen telegrafischen Übertragung eines Autogramms des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini (* 1792, † 1868) von Paris nach Amiens eingesetzt.

Am 16. Februar 1865 wurde die erste öffentliche Bildtelegrafenlinie in Frankreich (unter Einsatz des Pantelegraphen zur telegrafischen Übertragung von Bildern, Zeichnungen und Handschriften) auf der Linie Paris-Lyon eröffnet, die 1867 auf die Linie Lyon - Marseille ausgedehnt wurde. Der "teleautographische Dienst" in Frankreich endete 1871 mit dem Einmarsch der deutschen Armeen in Paris und wurde später nie wieder aufgenommen. Auch in anderen Ländern wurde der Caselli-Bildtelegraf eingesetzt, z.B. in England 1863 auf der Linie London-Liverpool, in Rußland 1864 als Verbindung zwischen Petersburg und den Zarenresidenzen und angeblich sogar in China 1885 auf einigen Linien.

Die Versuche, das Heften von Büchern (d.i. das Verbinden der einzelnen Lagen oder Druckbogen in sich und untereinander zum Buchblock) zu mechanisieren, reichen bis früh in die erste Hälfte des 19. Jh. Das Heften mit der Heftmaschine kann mit Faden (Fadenheftmaschine) oder Draht (Drahtheftmaschine) vorgenommen werden. Nachdem bereits 1832 Philipp Watt und 1842 der Buchbinder Thomas Richardson in England Fadenheftmaschinen konstruiert hatten, die aber für die Praxis nicht brauchbar waren, erfüllte die von dem Amerikaner David McConnel Smyth für den New Yorker Verlag Appleton & Co 1856 entworfene und gebaute Fadenheftmaschine erstmals die Bedingung einer (unter Zugrundelegung der Handheftung als Maßstab) möglichst haltbaren und festen Verbindung der Bogen. Sie konnte sich allerdings erst nach Verbesserungen ab 1889 allgemein durchsetzen.

Die von dem Apothekergehilfen Hermann Mueller aus Bunzlau (Schles.) begründete "Pharmac(z)eutische Zeitung. Central-Organ für Apotheker, Ärzte, Droguisten ...", Bunzlau (1879 ff.: Bunzlau und Berlin, 1886 ff.: Berlin) 1856 ff. (seit 1. 1. 1864 offizielles Publikationsorgan des Norddeutschen, 1872 - 1. 4. 1886 Deutschen Apotheker-Vereins), vertrat erstmals vornehmlich auf kaufmännischem, wirtschaftlichem und gesetzgeberischem Gebiet die Interessen der deutschen Pharmazeuten und war damit das erste (heute noch erscheinende) deutsche pharmazeutische Standesorgan.

Die erste Stahlfedernfabrik in Deutschland wurde 1856 von S. Blanckertz aus Jüchen (Kr. Neuss) in Berlin eröffnet.

Der französische Maler Léon Scott de Martinville konstruierte 1857 einen "Phonoautograph" genannten Apparat, mit dem erstmals Schallschwingungen sichtbar gemacht werden konnten. Das Ergebnis waren wellenförmige Linien auf einem rußgeschwärzten, sich drehenden Papierzylinder, welche die Spitze einer von Schallwellen bewegten Feder geschrieben hatte. Eine Wiedergabe der aufgezeichneten Schallwellen war jedoch nicht möglich. (Verblüffend war die Ähnlichkeit mit Thomas Alva Edisons dreißig Jahre jüngeren Phonographen [1877], der jedoch das, was er aufgenommen hatte, auch wiedergeben konnte.)

War die Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung in der Frühzeit der elektrischen Telegrafie von der manuellen Eingabe der Telegrafenzeichen abhängig, so konnte sie stark beschleunigt werden, nachdem der britische Physiker Charles Wheatstone (* Gloucester 1802, † Paris 1875) im Jahre 1858 das "automatic fast speed printing instrument", den automatischen Schnellschreiber erfunden hatte. Dieser neue Telegraf übernahm die Arbeit des Telegrafisten, indem er mit Lochstreifen arbeitete: Die Nachricht wurde als den Morsezeichen entsprechende Löcher in ein Papierband gestanzt, das der Sender elektromechanisch abtastete und dabei bis 100 Wörter in der Minute übertrug.

Pionier der transatlantischen Telegrafie war der amerikanische Unternehmer Cyrus West Field (* Stockbridge [Mass.] 1819, † Dobbs Ferry [N. Y.] 1892), der (nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen 1857 und 1858) 1858 das erste (4025 [3750?] km lange) Transatlantikkabel (Tiefseekabel) zwischen (Saint John's in) Neufundland und (Valencia Island) Irland verlegen ließ. (Die Verlegung erfolgte durch ein englisches Kriegsschiff und ein amerikanisches Marineschiff mit Spezialausrüstung.) Ein erstes Telegramm über das Transatlantikkabel am 5. August 1858 verkündete die Verbindung zwischen Europa und Amerika und pries Gott: "Europe and America are united by telegraph. Glory to God in the highest; on earth peace, good-will towards men." ("Europa und Amerika sind telegraphisch verbunden. Ehre sei Gott in der Höhe; Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen.")

Nach einmonatigem Betrieb war das Tiefseekabel am 3. September 1858 zerstört, vermutlich gerissen oder undicht geworden. 1865/1866 erfolgte unter Leitung von Field die zweite, diesesmal dauerhafte transatlantische Kabelverlegung (Irland - Neufundland).

Die erste Photographie aus der Luft (Ballonphotographie, Luftaufnahme) wurde in der letzten Woche des Jahres 1858 von dem französischen Schriftsteller, Karikaturisten und Photographen Nadar (eigtl. Gaspard Félix Tournachon) (* Paris 1820, † ebd. 1910) von einem Ballon aus gemacht, als er rd. 80 m über dem Val de Bièrre in der Nähe von Paris schwebte.

(Nadar fertigte auch Aufnahmen in den Katakomben und Abwasserkanälen von Paris an. Es waren die ersten bei elektrischer Beleuchtung hergestellten Photographien. Das dabei angewandte Verfahren wurde 1861 patentiert.) Der Ballonphotographie folgte die Photographie vom Flugzeug aus und schließlich die Weltraumphotographie, die die ersten Gesamtaufnahmen der Erdoberfläche lieferte.

Nach ersten Versuchen im 18. Jh., in Polen ein Lexikon zu erstellen, war die erste bedeutende polnische Enzyklopädie die von dem Buchhändler Samuel Orgelbrand verlegte "Encyklopedja powszechna" (Allgemeine Enzyklopädie), 28 Bde., Warschau 1859-1868.

Der 1859 erschienene Katalog der Lesesaalhandbibliothek (mit 20 000 Bänden) des Britischen Museums, London, war der erste gedruckte Lesesaalkatalog der Welt.

Die erste deutsche Zeitschrift für das Brauergewerbe war "Der Bierbrauer. Monats-Berichte über die Fortschritte des gesammten Brauwesens. Unter Berücksichtigung der Malzbereitung sowie des Hopfenbaues", Leipzig 1859-1904.

Die erste deutsche stenographische Zeitschrift, welche den gleichen Text sowohl in Kurrentschrift (Typendruck) als auch in Kurzschrift brachte, war das "Correspondenz-Blatt des Kgl. stenographischen Instituts zu Dresden", Dresden 1859-1922.

Walter Moseley erfand für den Füllfederhalter die Tintenkammer aus Gummi, die er 1859 in England zum Patent anmeldete.

In Deutschland wurde die erste (dokumentierte) Pappschere (Schneidemaschine für Pappen, z.B. für Bucheinbanddeckel) 1859 von Karl Krause (* 1823, † 1902) angeboten, der 1855 in Leipzig eine Maschinenbauwerkstatt eröffnet hatte.

Der erste in Deutschland erschienene Geschichtskalender war: "Europäischer Geschichtskalender", herausgegeben -von H. Schulthess, Jg. 1-81.1860-1940, München 1861-1942.

Die Groschenhefte (Groschenromane), die in Heftform regelmäßig, meist wöchentlich in hoher Auflage erscheinende billige Massenliteratur mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten (Abenteuer-, Schauer-, Liebesgeschichten, Western u.ä.) und deren Autoren sich oft hinter einem Pseudonym verbergen, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auf.

In den USA, die in vieler Hinsicht die Entwicklung dieser literarischen Konsumware beeinflußten, wurden die Groschenhefte seit Januar 1860 durch Erastus F. Beadle (* 1821, † 1894) als "Dime-Novels" (Romane zum Preis von 10 Cents [amerik.= dime ]) eingeführt.

Die ersten Bemühungen um die Herausgabe einer tschechoslowakischen Enzyklopädie vom Typ des Brockhaus-Lexikons gingen auf den tschechischen Historiker und Politiker Frantisek Palack² (* Hodslavice [Nordmähr. Kr.] 1798, † Prag 1876) zurück, blieben aber wegen fehlender finanzieller Mittel unverwirklicht. Erst dreißig Jahre später wurde sein Vorhaben durch den tschechischen Publizisten und Politiker Franz Ladislaus Rieger (* Semil [Kr. Gitschin ] 1818, † Prag 1903) mit seinem Konversationslexikon "Slovník naucný", 10 Bde., 1 Erg.Bd., Prag 1860-1874, realisiert.

Die Staatsdruckerei der Vereinigten Staaten von Amerika (damit die erste offizielle Druckerei in den USA), das "Government Printing Office" in Washington (D. C.), wurde am 23. Juni 1860 durch den Kongreß gegründet.

Die erste türkische Tageszeitung ("Tercüman-i Ahval" [Dolmetscher der Ereignisse]) erschien in Istanbul 1860-1866.

Die erste deutsche Feuerwehrfachzeitschrift war die "Deutsche Feuerwehrzeitung. Technische Blätter für die deutschen Feuerwehren", Stuttgart (5. 10.) 1860 (1. 9.) 1923. (Anfangs u.d.T. "Technische Blätter für die Stuttgarter Feuerwehr".)

Den ersten Briefmarkenkatalog stellte der Straßburger Buchhändler François Georges Oscar Berger-Levrault handschriftlich u.d.T. "Timbres-poste" zusammen und vervielfältigte ihn im September 1861 auf lithographischem Wege; er war nur für seinen Bekanntenkreis gedacht. (Ein Exemplar befindet sich heute im Britischen Museum, London.)

Der erste für die Öffentlichkeit bestimmte Briefmarkenkatalog war eine überarbeitete Ausgabe des Kataloges von Berger-Levrault, erstellt von dem französischen Staatsbeamten Alfred Potiquet, der im Dezember 1861 in Paris im Druck als "Catalogue des timbres-poste crées dans les divers états du globe" erschien. Er führte nahezu alle bis zu diesem Zeitpunkt in der Welt ausgegebenen Postwertzeichen an.

Ab den sechziger Jahren des 19. Jh. wurden, zunächst in England und Frankreich, die ersten Versuche zur Farbphotographie unternommen. Bis zur Einführung praktikabler Farbphotoverfahren behalf man sich mit dem Kolorieren von Schwarzweißphotos.

Grundlage der Farbphotographie (wie des Farbendruckes und des Farbfernsehens) ist die von dem britischen Physiker Thomas Young (* Milverton [Somerset] 1773, † London 1829) 1801 aufgestellte und von dem deutschen Physiker und Physiologen Hermann Ludwig Ferdinand von (seit 1882) Helmholtz (* Potsdam 1821, † Charlottenburg 1894) weiterentwickelte Dreifarbentheorie. Sie besagt, daß für das Farbensehen des Menschen die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau ausreichen und die übrigen Farbqualitäten durch additive Mischung unterschiedlicher Grundfarben erzeugt werden.

Aufbauend auf der Young-Helmholtzschen Theorie schlug der britische Physiker James Clerk Maxwell (* Edinburgh 1831, † Cambridge 1879) 1855 zur Herstellung farbiger Photos vor, ein Objekt nacheinander durch drei Farbfilter (Rot-, Grün-, Blaufilter) zu photographieren und das Ergebnis, drei Schwarzweiß-Diapositive, mit blauem, grünem und rotem Licht übereinander zu projizieren. Dieses Prinzip (additives oder Spreizverfahren) wurde zu einer der Grundlagen der Farbphotographie. Eine andere Möglichkeit ist das subtraktive oder Siebverfahren, bei dem von den drei Farbauszügen farbige Diapositive hergestellt werden, so daß der blaue Auszug ein gelbes, der grüne ein purpurnes und der rote ein blaugrünes Farbbild liefert. Durchstrahlt man alle drei aufeinandergelegten Diapositive mit weißem Licht, entsteht eine farbige Projektion, bei der die Farben nicht addiert, sondern "abgezogen" oder ausge"siebt" werden. In der Anfangszeit der Farbphotographie wurde ausschließlich nach den additiven Verfahren gearbeitet, die nur Projektions- und Durchsichtsbilder liefern. Am 17. Mai 1861 photographierte Maxwell vor der Royal Institution of Great Britain in London ein Ordensband nacheinander durch drei Farbfilter auf drei Schwarzweiß-Negativplatten. Mit drei Projektoren durch die jeweils gleichen Filter genau aufeinander projiziert, entstand das erste "Farbphoto" nach dem additiven Verfahren, das allerdings nur wissenschaftlichen Wert hatte.

Der Fernsprechdienst (Telefondienst) ist eine Form der Telekommunikation von Sprachinformationen zwischen je zwei Teilnehmern. Das Telefon erfunden zu haben, beanspruchten viele für sich. Fest steht, daß der deutsche Physiker (Autodidakt) und Lehrer in Friedrichsdorf Johann Philipp Reis (* Gelnhausen 1834, † Friedrichsdorf 1874) den ersten funktionsfähigen Apparat zur elektrischen Tonübertragung konstruiert hat und damit als Erfinder des ersten Telefons gilt.

Nicht alle Worte, die bei weltbewegenden Ereignissen gesprochen wurden, sind so gut verbürgt und hatten rd. 528 Millionen Zeugen wie Neil Alden Armstrongs Mondzitat (1969). So gibt es verschiedene Versionen für das erste Telefongespräch am Originalapparat von Johann Philipp Reis. Einer Darstellung zufolge sagte Reis in die Sprech-Ohrmuschel: "Die Pferde fressen keinen Gurkensalat." Ein am anderen Ende lauschender Freund, der Musiklehrer H. F. Peter, der sich für die Telefonexperimente zur Verfügung gestellt hatte, rief zurück; "Das weiß ich schon längst." (Dieses angeblich erste Telefonat der Welt hätte allerdings vorausgesetzt, daß Reis zwei seiner Apparate aufgebaut hatte, denn sonst wäre ein Gegensprechen nicht möglich gewesen.) Am 26. Oktober 1861 hielt Reis vor dem Physikalischen Verein zu Frankfurt/M. einen Vortrag mit dem Titel "Über Fortpflanzung musikalischer Töne auf beliebige Entfernung durch Vermittlung des galvanischen Stromes" (veröffentlicht im "Jahresbericht des Physikalischen Vereins", Frankfurt/M. 1860/1861 u.d.T. "Über Telephonie durch den galvanischen Strom") und führte dabei seinen Fernsprecher, den er "Telephon" nannte, erstmals öffentlich vor. Erstaunt lauschte man einem Waldhornsolo, das aus einem 100 Meter entfernten Gebäude über die Reis-Apparatur in den Vortragssaal übertragen wurde. Auch Sprache ließ sich über den ersten Fernsprecher wiedergeben, doch blieb sie schwer verständlich.

Reis' Erfindung wurde von Alexander Graham Bell zum gebrauchsfähigen Telefon weiterentwickelt (Patent 1876).

Die (nichtamtliche) Postkarte wurde von dem Amerikaner John P. Charlton in Philadelphia (Pa.) erfunden und 1861 urheberrechtlich geschützt. Der Papierfabrikant Harry (oder Hyman [?]) L. Lipman, ebenfalls in Philadelphia (Pa.), erwarb die Rechte für ihre Herstellung und brachte sie mit einer Verzierung sowie dem Aufdruck "Lipman's Postal Card, Patent Applied For" heraus. Diese Postkarte, die wegen ihres Schmuckes zugleich als erste Bildpostkarte bezeichnet werden kann, blieb bis zur Ausgabe der amtlichen US-Postkarten 1873 im Handel.

Ab etwa 1860 wurden in den europäischen Staaten Wettervorhersagedienste eingerichtet, die nach einheitlichen Richtlinien arbeiteten. Eine erste auf diese Weise für die öffentlichkeit erarbeitete Wettervorhersage erschien in der englischen Tageszeitung "The Times" (London) am 1. August 1861.

Die erste grönländische zeitungsähnliche Einrichtung wurde 1861 als Monatsschrift u.d.T. "Atuagagdliutit" (=Etwas Lesenswertes, das nichts kostet) gegründet, die allerdings kleineren Siedlungen wegen Transportschwierigkeiten nur in einer jährlichen Sendung von 12 Nummern (kostenlos) zugestellt werden konnte. Mit ihren lokalen Nachrichten, Berichten aus der "großen Welt" und Erzählungen, z.T. mit Holzschnitten illustriert, entsprach sie den damals in Europa verbreiteten Volkskalendern. (Die Monatsschrift wurde anfangs von drei Einheimischen, die das Druckerhandwerk erlernt hatten, auf einer von der dänischen Regierung der grönländischen Landesverwaltung 1857 zur Verfügung gestellten Handpresse in Godthåb gedruckt.) Heute erscheint die Zeitung (seit 1952 vereinigt mit der dänischen Zeitung "Gronlandsposten" [gegr. 1942]) zweisprachig (eskimoisch und dänisch) alle 14 Tage in Godthåb.

Das erste Mikrophon (Gerät zur Umwandlung von Schallschwingungen in elektrische Wechselspannungen) entstand im Zusammenhang mit der Erfindung des Telefons im Jahr 1861. Sein Erfinder Johann Philipp Reis (* Gelnhausen 1834, † Friedrichsdorf 1874) hatte für sein Telefonmikrophon eine Membran über einen Metallrahmen gespannt. Ein an der Membran befestigter Platinblechstreifen schloß den Stromkreis über einen Platinstift, wenn er in Schwingungen versetzt wurde.

In den USA wurde die erste transkontinentale Morse-Telegraphenlinie zwischen Missouri und Kalifornien am 25. Oktober 1861 in Betrieb genommen.

Wohl in Unkenntnis der Trethebel des schottischen Schmieds Kirkpatrick Macmillan (1839) und der Vorderradtretkurbeln des deutschen Instrumentenbauers Philipp Moritz Fischer (1853) brachte 1855 auch der französische Wagenbauer Pierre Michaux († 1883) in Paris Tretkurbeln am Vorderrad einer Draisine an (1860 patentiert). Michaux gründete das Unternehmen "La Compagnie Parisienne Ancienne Michaux et Cie." und fertigte 1861, bei seinen praktischen Arbeiten unterstützt durch seinen Sohn Ernest, zwei Modelle seines Tretkurbelfahrrads (vermutlich als Musterstücke) und begann im darauffolgenden Jahr mit der Serienproduktion, wobei er den Fahrradrahmen bald aus Eisen statt aus Holz baute. Nachdem die Michaux-Räder den Markt erobert hatten, kam allgemein der Wunsch auf, schneller fahren zu können. Dies ließ sich nur durch Vergrößerung des Vorderrades erreichen, so daß immer gewaltigere Hochräder (mit bis zu 250 cm Durchmesser) herausgebracht wurden, die nicht selten zu gefährlichen Stürzen führten.

Die erste Briefmarkenzeitschrift war "The Monthly Advertiser" (später u.d.T. "Stamp Collectors' Review and Monthly Advertiser"), Liverpool (15. Dezember) 1862 - (Juni) 1864.

Die erste Falzmaschine in Deutschland wurde wahrscheinlich von der Maschinenfabrik Hugo Koch, Leipzig, herausgebracht. Sie wurde 1862 auf der Ostermeß-Ausstellung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler ausgestellt.

Die erste Komplettgießmaschine, die sofort satzfertige Lettern lieferte, wurde von dem Engländer John Robert Johnson ab 1852 entwickelt und gemeinsam mit dem Engländer Stain Atkinson 1862 in London hergestellt. (Während die Tagesleistung mit dem Handgießinstrument durchschnittlich 3000 Lettern betrug, die aber noch bearbeitet werden mußten, lieferte die Komplettgießmaschine je Arbeitstag bis zu 30 000 gebrauchsfertige Typen; und weitere Modelle wurden zur Produktionssteigerung entwickelt, z.B. die mit zwei Gießapparaten arbeitende Doppel-Komplettgießmaschine.)

Das erste philatelistische Handbuch der Welt veröffentlichte der Brüsseler Buchhändler Jean-Baptiste Moens mit "De la falsification des timbres-poste", Brüssel 1862.

Die erste Kaufzeitung Frankreichs gründete der französische Verleger Moise Millaud (* Bordeaux 1813, † Paris 1871) 1863 in Paris mit dem Blatt "Le Petit Journal". Es erschien bis (27. August) 1944.

Die älteste Zeitung im Fürstentum Liechtenstein ist das "Liechtensteiner Volksblatt" (Vaduz 1863-1868; neugegr. 1878; vormals viermal, jetzt sechsmal wöchentlich).

Die erste Fachzeitschrift für Ägyptologie begründete der Ägyptologe Heinrich Karl Brugsch (* Berlin 1827, † ebd. 1894) mit "Zeitschrift für ägyptische Sprache und Alterthumskunde", Leipzig 1.1863 - 78.1943; 79.1954 ff.

Die älteste noch erscheinende alpinistische Zeitschrift ist das "Alpine Journal", das der älteste Alpenverein, der 1857 in London gegründete "Alpine Club" seit 1863 herausgibt.

Als erste deutschsprachige alpinistische Zeitschrift erschienen die von dem 1862 in Wien gegründeten "österreichischen Alpenverein" herausgegebenen "Mittheilungen des österreichischen Alpen-Vereines", Wien 1863-1864.

Die erste deutsche Briefmarkenzeitschrift war das "Magazin für Briefmarken-Sammler. Ein Organ zur Vermittlung des Briefmarkenverkehrs", Leipzig 1863-1867. Herausgeber war das Leipziger Münzen- und Antiquitätengeschäft Zschiesche & Köder.

Carl Gottlieb Röder (* 1812, † 1883), der 1846 in Leipzig eine Werkstatt für Notenstich und -druck gegründet hatte, baute 1863 die erste Notendruckschnellpresse.

Der Amerikaner William Bullock (* 1813, † 1867) erhielt 1863 ein Patent auf die erste Rotationspresse, der das Papier nicht bogenweise von Hand angelegt, sondern von der "endlosen" Rolle zugeführt wird (Rotationspresse für Endlospapier, Rollenrotationsmaschine). 1865 lief die erste Bullock-Maschine bei der Zeitung "The Public Ledger" in Philadelphia (Pa.). Die Stundenleistung lag bei 12 000 beiderseits bedruckten Bogen einer achtseitigen Zeitung.

Die Bedingungen für den Eintritt in den wissenschaftlichen bibliothekarischen Dienst stellte in Deutschland erstmalig 1864 die Königliche Hofbibliothek in München für Bayern.

Das erste speziell für Frauen bestimmte deutsche Stenographielehrbuch war die von Marie Schardius verfaßte "Damen-Stenographie. Versuch, die Frauenwelt mit den Grundregeln der Gabelsberger'schen Stenographie bekanntzumachen", Hamburg 1864.

Der Tischler Peter Mitterhofer (* Partschins [bei Meran] 1822, † ebd. 1893) baute zwischen 1864 und 1869 vier Modelle von Schreibmaschinen, zwei in Holz und zwei in Metall. Sie arbeiteten mit Tasten, deren Buchstabenanordnung der heute üblichen ähnelte, waren mit Typenhebelkorb und Schreibwalze ausgerüstet, und die Schrift wurde, im Gegensatz zu Modellen anderer Erfinder, sofort sichtbar. Diese ersten voll funktionsfähigen Tastenschreibmaschinen fanden keine praktische Anwendung, bildeten aber die Grundlage für weitere Entwicklungen.

Im Jahre 1865 gab es in Deutschland acht Modezeitschriften, die ausnahmslos auch einen Unterhaltungsteil enthielten. Die erste deutsche Modezeitschrift ohne Unterhaltungsteil war "Die Modenwelt. Illustrirte Zeitung für Toilette und Handarbeiten", Berlin 1865-1932, die der Verlagsbuchhändler Franz Josef Freiherr von Lipperheide (* Berleburg 1838, † München 1906) in seinem 1865 in Berlin gegründeten Modeverlag erscheinen ließ. (Doch schon 1874 ging aus ihr die "Illustrirte FrauenZeitung", eine Ausgabe der "Modenwelt" mit Unterhaltungsblatt, hervor.)

Gegenstand der Science-fiction-Literatur (Science fiction [engl.] - Wissenschaftsdichtung) ist die Darstellung einer zumeist in kosmischen Dimensionen gesehenen, zukünftigen Welt, in der den Menschen durch den Fortschritt der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung umwälzende, teils rein phantastische, teils durchaus vorstellbare Möglichkeiten eröffnet werden. Als frühestes Beispiel gilt der Roman "De la terre à la lune. Trajet direct en 97 heures 20 minutes" (frz.= Von der Erde zum Mond, Direktflug in 97 Stunden 20 Minuten), Paris 1865, des französischen Schriftstellers Jules Verne (* Nantes 1828, † Amiens 1905).

Im Jahre 1865 installierte Werner von Siemens (* Lenthe [bei Hannover] 1816, † Berlin 1892) in Berlin die erste deutsche Rohrpostanlage.

Stadtrohrpostanlagen errichtete man auch in Paris (1865), Wien (1875), München (1876), New York (1876) u.a.

In der 1846 von dem Buchbindermeister Heinrich Sperling in Leipzig gegründeten Buchbinderei wurde der Antrieb sämtlicher Maschinen im Jahre 1866 auf Dampfantrieb umgestellt. Die Buchbinderei Sperling war der erste deutsche Betrieb, der die Dampfkraft in vollem Umfang nutzte ("Dampfbuchbinderei").

Als im 19. Jh. zuerst die elektrische Telegrafie als ein neues Kommunikationsmittel die Welt zu erobern begann und dann das Telefon seinen Siegeszug antrat, mußte jedesmal eine stromleitende Verbindung zwischen den Kommunikationsteilnehmern durch Freileitungen oder später Kabel im Untergrund hergestellt werden. Allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, daß der elektrische Strom auch in der Lage sein müßte, eine gewisse Fernwirkung auszuüben, die unter Umständen eine Drahtleitung überflüssig machen würde.

Die erste drahtlose Nachrichtenübermittlung gelang dem amerikanischen Zahnarzt Mahlon Loomis (* Oppenheim [N. Y.] 1826, † Terre Alta [W. Va.] 1886) im Oktober 1866 über eine Entfernung von 22 km zwischen zwei Berggipfeln in West Virginia, wobei er Antennen (Drähte) verwendete, die von zwei von den Gipfeln aufgestiegenen Drachen (jeweils einer von jedem Gipfel) gehalten wurden. Bei den Nachrichten handelte es sich um einfache Signale, die mit den Zeigerausschlägen aus der Frühzeit der Telegrafie zu vergleichen waren. Neu war, daß der verbindende Draht fehlte. Nach weiteren Experimenten erhielt Loomis am 30. Juli 1872 ein US-Patent auf "Verbesserungen in der Telegraphie" als erstes Patent für drahtlose Telegrafie in den USA. Weitere Forschungen des Pioniers der drahtlosen Telegrafie führten, wohl auch wegen fehlender finanzieller Unterstützung, zu keinem nennenswerten Erfolg.

1866 wurde die erste Rollenrotationsmaschine in Europa im Auftrag des "Times"-Verlegers John Walter III. von den Briten J. C. MacDonald und J. Calverley gebaut. Nach dem Auftraggeber wurde sie "Walter-Presse" genannt.

Die erste deutsche Zeitschrift für Anthropologie gründeten der Anatom Alexander Ecker (* 1816, † 1887) und der Prähistoriker Ludwig Lindenschmit (* 1809, † 1893) mit dem "Archiv für Anthropologie", Braunschweig 1866-1943.

"Harper's Bazaar" ist der Titel der ersten (bedeutenden), noch erscheinenden amerikanischen Mode- und Kulturzeitschrift, die (nach dem Vorbild der deutschen Modezeitschrift "Der Bazar", Berlin 1854-1934) 1867 als Zeitschrift des New Yorker Verlages Harper & Brothers (gegr. 1817) gegründet wurde.

Die von dem dänischen Pastor und Direktor der Taubstummenanstalt in Kopenhagen Malling Hansen 1867 fertiggestellte "Skrivekugle" (Schreibkugel) war die erste fabrikmäßig (wohl in einer Serie von 100 Stück) hergestellte Schreibmaschine.

Die 52 Typen dieser aus Messing und Stahl angefertigten, über 80 Kilogramm schweren Maschine waren wie die Stacheln eines Igels halbkugelförmig angeordnet. Zu ihren Konstruktionselementen gehörten Papierführung, Zeilenschaltung, Leertaste und Glockensignal, wenn das Ende einer Zeile erreicht war. Anfangs trieb Hansen seine Skrivekugle (als erster) sogar elektrisch an. Aber schon mit dem zweiten Modell gab er den Elektromotor für die Bewegung des Schreibmaschinenwagens (mit dem Papier) wieder auf.

Mit den Hansen-Maschinen, von denen viele noch während des Ersten Weltkrieges in Betrieb waren, begann das Zeitalter der Schreibmaschinenindustrie.

Der Wunsch nach billigen, aber inhaltlich qualitätsvollen Büchern veranlaßte Verlage zur Herausgabe von Schriftenreihen (Serien), einer mehr oder weniger großen Anzahl gleich ausgestatteter, aber inhaltlich nicht zusammengehörender Bücher, die, bei weit gespanntem Stoffkreis, die Verleger unter einen allgemein gehaltenen Titel, meistens mit ihrem Namen als Bestandteil, erscheinen ließen (Verlegerserien).

Die Schriftenreihen fanden in Deutschland in der von dem Verlagsbuchhändler Anton Philipp Reclam (* Leipzig 1807, † ebd. 1896) in Leipzig 1867 begründeten "Reclams Universal-Bibliothek" ihren ersten Vertreter. Die erste Nummer dieser ältesten Taschenbuchreihe in Deutschland war Goethes "Faust", 1. Teil.

Es folgten Verlegerserien wie die "Sammlung Göschen" (gegr. 1889) der G.(eorg) J.(oachim) Göschen'schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig, und die "Insel-Bücherei" (gegr. 1912) des Insel Verlages, Leipzig.

Ein Engländer namens Madison konstruierte 1867 das erste Fahrrad mit Drahtspeichen.

Als der eigentliche Vater der Farbphotographie gilt der französische Phototechniker Louis Ducos du Hauron (* Langon [bei Bordeaux] 1837, † Agen 1920), der im Anschluß an die Gedanken von James Clerk Maxwell (1855 und 1861) 1868 ein Verfahren der Dreifarbenphotographie und des photographischen Dreifarbendrucks erfand (1869 patentiert). 1869 zeigte er seine ersten farbigen Papierbilder (sogenannte Heliochromien). Das älteste erhaltene Farbphoto von Ducos du Hauron, ein Blick auf die Stadt Angoulême, stammt aus dem Jahr 1877. (Das Verfahren von Ducos du Hauron, das seiner Zeit weit voraus war, konnte sich nicht durchsetzen.)

Der Kunstdrucker und Photograph Joseph Albert (* München 1825, † ebd. 1886) entwickelte nach Versuchen anderer den Lichtdruck zu einem gebrauchstüchtigen (Flachdruck-) Verfahren. 1868 gelang ihm der erste Druck. Der Lichtdruck, nach ihm auch Albertotypie genannt, ermöglicht durch Verwendung von Glasplatten als Träger der Druckschicht und durch erstmaligen Einsatz der Photographie zu Reproduktionszwecken die naturgetreueste Wiedergabe der Vorlage und wird deshalb für wissenschaftlich genaue Reproduktionen und Faksimiles in geringen Auflagen verwendet.

Die Public library in Boston (England) richtete 1868 als erste öffentliche Bibliothek eine Abteilung mit Blindenbüchern ein.

Die erste Vereinigung deutscher Buchdrucker wurde als "Deutscher Buchdrucker-Verein" in Mainz am 15. August 1869 gegründet. (Er gilt zugleich als der erste fachliche Wirtschaftsverband in Deutschland.)  

Nach seinem Vorbild erfolgte die Gründung entsprechender Vereine in Österreich (Wien, 24. Oktober 1869), in der Schweiz (Zürich, 24. Januar 1873) u.a.

Die erste Setzmaschine, die weitere Verbreitung fand, war die Kastenbein-Setzmaschine (1869). Sie geht auf ein Modell eines unbekannten Pariser Schriftsetzers zurück, das nach dessen Tode der deutsche Kaufmann Charles Kastenbein (eigtl. Karl Kastenbein) übernahm und vollendete; 1871 erhielt er ein Patent auf seine Maschine, die von der "Times" in London von 1872 bis 1908 verwendet wurde. In Deutschland wurde sie bei den "Dresdner Nachrichten" und bei der Berliner Reichsdruckerei eingesetzt.

Nachteil der Typensetzmaschine Kastenbeins war, daß der Setzapparat nur den Satz besorgte, während das Ausschließen manuell betrieben wurde und für das Ablegen ein besonderer Apparat notwendig war, der zudem (mit 3700 abgelegten Lettern in der Stunde) hinter der Stundenleistung des Setzapparates (7000 Typen) zurückblieb und schließlich drei bis vier Personen zur Bedienung erforderlich waren.

Für die Dermatologie, die sich in der Mitte des 19. Jh. zu einer Spezialwissenschaft entwickelte, wurde die erste deutsche Fachzeitschrift mit dem "Archiv für Dermatologie und Syphilis", Prag, Wien 1869 ff., gegründet. Nach mehreren Titeländerungen erscheint sie noch heute in Berlin u.d.T. "Archives of dermatological research".

Die erste deutsche Zeitschrift für das Schuhmachergewerbe war die "Deutsche Schuhmacher-Zeitung", die 1869 als Organ selbständiger Schuhmachermeister Deutschlands in Berlin gegründet wurde und bis 1901 bestand.

Die Postkarte ist eine amtlich ausgegebene standardisierte, offene Mitteilungskarte mit aufgeklebtem oder eingedrucktem Postwertzeichen; sie ist auch als illustrierte Postkarte oder Bildpostkarte (Ansichts- oder Glückwunschkarte, Künstlerpostkarte u.ä.) gebräuchlich. In Europa wurde das neue Korrespondenzmedium am 1. Oktober 1869 von der österreichischen Post als "Correspondenzkarte" offiziell eingeführt. Sie hatte ein Format von 8,5 x 12,2 cm. (Einführung der Postkarte in anderen Ländern: Deutschland, Schweiz, Luxemburg, Großbritannien 1870, Belgien, Niederlande, Dänemark, Finnland 1871, Schweden, Norwegen, Rußland 1872, USA, Frankreich, Serbien, Rumänien, Spanien 1873, Italien 1874. Ab 1. 7. 1875 wurde die Postkarte im internationalen Postdienst zugelassen.)

Der erste Roman in Blindenschrift - "The Old Curiosity Shop" (engl.- Der Raritätenladen) von Charles Dickens (* Portsmouth 1812, † Gadshill Place [bei Rochester] 1870) - wurde 1869 vom Perkins-Blindeninstitut in Boston (England) in drei Bänden herausgegeben.

 


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Last update: 27. April 2000 © by Walther Umstaetter