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Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993

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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

Das 16. Jh.

Schon vor der Entstehung der Presse (und auch noch danach) gab es ab dem 16. Jh. geschriebene Zeitungen, d.h. handschriftlich notierte Neuigkeiten, die meist als Anhang zu Privat- und Geschäftsbriefen ausgetauscht wurden.
Am bekanntesten sind die Fuggerzeitungen aus den Jahren 1568 - 1605, eine Sammlung von handschriftlichen Nachrichten ("Zeitungen"), die das Augsburger Handelshaus Fugger aus seiner Korrespondenz und anderen Quellen zusammenstellen ließ. Ein Teil dieser Nachrichten stamte von den berufsmäßigen Nachrichtenhändlern Jeremias Crasser und Jeremias Schiffle in Augsburg, die 1571 ein Zeitungskorrespondenz-Büro gegründet hatten und sich "Nouvellanten" nannten. Der Nachrichtenhandel war bereits im 14. Jh. in italienischen Städten, mit Venedig als Hauptzentrum des Nachrichtenumschlags, aufgekommen. Ebenfalls im 16. Jh. entstand der Beruf des Korrespondenten oder Nachrichtenagenten im Dienst von Hof, Kirche oder Handelshäusern. Dieser "Zeitungsschreiber" war in erster Linie ein diplomatisch-politischer oder kaufmännischer Geschäftsträger, der seinen Berichten besondere Nachrichtenbriefe (Briefzeitungen) zur allgemeinen Information beifügte. Die geschriebenen Zeitungen, die eine Art internes Nachrichtensystem darstellten, waren eine publizistische Wurzel der heutigen Zeitungen, d.h. der periodisch erscheinenden Druckwerke mit aktuellem Inhalt.

Die Technik der Destillation beschrieb der Straßburger Arzt Hieronymus Brunschwig (* um 1452, † 1512) in seinem "Liber de arte distillandi de simplicibus", Straßburg 1500 (sogenanntes Kleines Destillierbuch) und in seinem "Liber de arte distillandi de compositis", Straßburg 1507 (sogenanntes Großes Destillierbuch). Beide Veröffentlichungen stellen die ersten gedruckten Destillierbücher dar.

Der Bleistift, genauer der Graphitstift, ist ein Schreib- und Zeichenstift aus Holz mit eingelegter Graphitmine, die aus Graphit und feinstgemahlenem Ton gepreßt und gebrannt wird.
Runde Scheibchen aus Graphit oder Blei wurden schon in der Antike zum Linienziehen benutzt. Dem gleichen Zweck diente im Mittelalter das "Reißblei", das nicht aus Blei, sondern aus Graphit bestand; mit ihm wurden die Pergament- und später die Papierbögen vor dem Beschreiben liniiert.
Die Bezeichnung "Bleistift" (früher Bley[weiß]stefft) rührt daher, daß man bis zur Einführung des Kunstwortes "Graphit" (von griech. graphein - schreiben) 1791 durch den Mineralogen Abraham Gottlob Werner (* Wehrau [bei Görlitz ] 1749, † Dresden 1817) den Graphit im allgemeinen als Bleiweiß oder Reißblei benannte.
Die ersten Graphitschreibstifte gab es in England um 1500. Für sie wurde das Mineral in Stäbchen geschnitten. Kurze Zeit später erfand man für sie verschiebbare Holzhüllen, damit man beim Schreiben keine schwarzen Finger bekam. (Dieses Verfahren beschrieb als erster der Schweizer Naturforscher Conrad Gesner[* Zürich 1516, † ebd. 1565]in seinem Werk "De omni rerum fossilium genere", Zürich 1565.)

Der spanische Amerikafahrer und Kartograph Juan de la Cosa (* Santaño [bei Santander] 1449 oder 1460, † Cartagena [Kolumbien ] 1510), Begleiter des Christoph Kolumbus (* 1451, † 1506) auf dessen ersten beiden Entdeckungsreisen (1492 - 1496) und von dem spanischen Konquistador Alonso de Hojeda (* um 1473, † 1515/1516) zur Nordküste Südamerikas (1499 - 1500), zeichnete um 1500 eine Weltkarte auf Eselshaut, die 1832 von Alexander von Humboldt (* Berlin 1769, † ebd. 1859) in Paris aufgefunden wurde. Von ihr ist nur die westliche Hälfte erhalten (heute im Museo Naval, Madrid). Sie ist die erste (datierte) Darstellung Amerikas und enthält die Entdeckungen von Kolumbus und Hojeda sowie die Ergebnisse der Fahrten des italienischen Seefahrers Giovanni Caboto (* um 1450, † 1499).

Das erste gedruckte deutsche Rätselbuch, das "Straßburger Rätselbuch" (mit 336 geistlichen, weltlichen, auch obszönen Rätseln und Scherzfragen), erschien im Jahre 1500 und wurde mehrfach nachgedruckt.

Das erste nach heutigem Begriff moderne Titelblatt hat der Leipziger Buchdrucker Wolfgang Stöckel (* um 1473, † 1540) geschaffen. Seine im Jahre 1500 gedruckte Ausgabe des "Exercitium super tractatus parvorum logicalium Petri Hispani" von Johannes von Glogau enthält außer dem Buchtitel auch den Namen des Verfassers, Druckort, Verleger, Drucker, Erscheinungsjahr und sogar die Angabe des Privilegs.
Aber erst um 1520 wurde das Titelblatt zu einer ständigen Einrichtung und nahm die noch heute übliche Form an.

Die Entwicklung des Gesangbuches (einer für eine Glaubensgemeinschaft bestimmten Sammlung kirchlicher, zum Teil auch nur geistlicher Lieder) ist an die Geschichte des Buchdrucks gebunden und beginnt mit einem von den Böhmischen Brüdern 1501 veröffentlichten (verschollenen) tschechischen Gesangbuch. Es war zugleich das erste Gesangbuch, das Lieder in einer Landessprache enthielt.

Der venezianische Buchdrucker Ottaviano dei Petrucci (* Fossombrone [bei Urbino] 1466, † ebd. 1539) erfand ein Notendruckverfahren zur Wiedergabe von Mensuralnoten (Noten mit definierten Tondauern) mit beweglichen Metalltypen. Erster Druck nach diesem Verfahren war eine mehrstimmige Partitur "Harmonice musices Odhecaton A", Venedig 1501. Petrucci war zugleich der erste (bedeutende) Musikverleger.

Das älteste Reichsprivileg (Bücher-, Druckprivileg) wurde dem Humanisten und Dichter Konrad Celtis (* Wipfeld [bei Schweinfurt ] 1459, † Wien 1508) für die von ihm 1501 in Nürnberg herausgegebenen Werke der Roswitha von Gandersheim (* um 935, † nach 973 [?]) erteilt, die er 1493 in einer Handschrift im Kloster St. Emmeran zu Regensburg entdeckt hatte.

Aldus Manutius, italienischer Humanist und Buchdrucker in Venedig (* Bassiano [bei Velletri] 1449, † Venedig 1515), brachte seit 1501 kleinformatige und preisgünstige Bücher griechischer und lateinischer Klassiker als Taschenausgaben in guter Qualität und in hohen Auflagen (1.000 Exemplare statt wie bisher 100 bis 500) auf den Markt. Sie waren erstmals in einer (von dem Bologneser Stempelschneider Francesco Griffo geschnittenen) rechtsschräggeneigten und raumsparenden Antiqua-Kursive gedruckt. Erstes Werk in der Reihe der Taschenklassiker und zugleich das erste gedruckte "Taschenbuch" war eine Vergilausgabe (1501).

"Newe (neue) Zeitungen" ist ein Titel, später ein Gattungsname unperiodischer Ein- und Mehrblattdrucke des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Neuen Zeitungen enthielten bisweilen gereimte und mit Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustrierte Nachrichten ("Zeitungen") oder Berichte über wichtige Ereignisse. Neben politischen, militärischen und religiösen Nachrichten brachten sie oft reine Sensationsmeldungen über Teufelsaustreibungen, Kometen, Mißgeburten, Ketzerverbrennungen u.ä. und wurden auf Märkten und Messen von fliegenden Händlern vorgelesen, auch vorgesungen (als Melodien dienten geistliche oder weltliche Weisen) und verkauft.
Die älteste bekannte (gedruckte) Neue Zeitung, benannt nach einem ihrer Abschnitte "Newe zeytung vom orient vnnd auffgange", stammt vermutlich aus dem Jahr 1502. (Damit ist zum erstenmal in einer gedruckten Nachricht das Wort "Zeitung" nachweisbar.)
Insofern die Neue Zeitung sich durch ihren Aktualitätsanspruch auszeichnete, ist sie als Vorform der heutigen Tageszeitung anzusehen.

Das älteste gedruckte deutsche "Wetterbüchlein" und zugleich die früheste gedruckte deutschsprachige Sammlung von Bauernregeln (Merksprüchen über das Wetter und seine Auswirkungen auf die Landwirtschaft, Regeln über bäuerliche Arbeitstermine, Aderlaß- und Gesundheitsregeln) war die 1505 in Augsburg erschienene Schrift "Von warer erkanntniss des Wetters" des Leonhard Reynmann.

Eins der frühesten bekannten gedruckten Miniaturbücher aus der Nachinkunabelzeit ist das von Lucantonio Giunta in Venedig am 4. Mai 1506 verlegte Stundenbuch "Officium Beatae Mariae Virginis secundum consuetudine romane curie" (72 mm x 51 mm). (Es ist auf Pergament gedruckt und mit illuminierten ganzseitigen Holzschnitten versehen.)

Unter dem Titel "Paesi novamente retrovati" (ital.= Die neugefundenen Länder) des Montalboddo Fracan (Fracanzano), Vicenza 1507, erschien die früheste gedruckte Sammlung von Berichten über Entdeckungsfahrten (so der Seefahrer Alvise Cadamosto, Pedro Alvares Cabral, Vincente Pinzon, Christoph Kolumbus, Amerigo Vespucci, Vasco da Gama).

Die erste gedruckte Osteuropakarte ist die "Tabula Moderna Poloniae ..." aus der römischen Ptolemäusausgabe ("Cosmographia") von 1507.
(Richtigere Vorstellungen von der geographischen Lage und den Umrissen Polens und Litauens finden sich aber erst in der [nur in Bruchstücken erhalten gebliebenen] Holzschnittkarte "Mappa Regni Poloniae ac Magni Dcatus Lithuaniae", Krakau 1526, des Krakauer Kartographen Bernard Wapowski[* 1475, † 1535].)

Der Augsburger Buchdrucker Erhard Oeglin (0cellus) stellte 1507 den ersten deutschen Musiknotendruck mit beweglichen Typen (Typendruck) her: die Odenkomposition "Melopoiae" von Petrus Tritonius (latinisiert aus Peter Treibenreif) (* Bozen um 1465, † Hall in Tirol [?] 1525).

Der Kartograph Martin Waldseemüller (auch Hylacomilus und Ilacomilus) (* Radolfzell um 1470, † St. Dié[Lothringen]um 1518/1520) gab zusammen mit seinem Freund, dem Philologen Matthias Ringmann (* in den Vogesen 1482, † Schlettstadt 1511), eine große Weltkarte (" Universalis cosmographia") heraus, gedruckt in St. Dié 1507, auf der die Neue Welt - eigentlich bloß ihr Südkontinent erstmals den Namen "America" nach dem fälschlich für den Entdecker gehaltenen Amerigo Vespucci (* Florenz 1451, † Sevilla 1512) aufweist.
Auf seiner zweiten Weltkarte, der "Carta marina navigatoria" von 1516, der ersten gedruckten Seekarte, hat Waldseemüller Südamerika jedoch "Terra Nova" genannt. (Zur Karte von 1507 gehörten noch ein Begleittext ["Cosmographiae introductio"] und Segmente eines kleinen Erdglobus.)

Ab dem 16. Jh. war die Bauernpraktik, ein astrologisch-religiöser Haus- und Wetterkalender, sehr verbreitet und neben Bibel und Gebetbuch oft der einzige Lesestoff im Bauernhaus. Sie enthielt neben kirchlichen Festen und den Heiligentagen Wetterregeln, Termine für landwirtschaftlich notwendige Verrichtungen, Aderlaßtermine, Lostage u.ä.
Die erste gedruckte Bauernpraktik, eine "Pawren Practick und regel", erschien 1508, vermutlich in Augsburg; sie wurde ständig vermehrt und noch bis ins 20. Jh. verlegt.

Die ersten Drucker in Schottland waren die Schotten Walter Chepman und Andrew Myllar, die 1508 in Edinburgh eine Buchdruckerei gründeten.

Der Augsburger Drucker Johann Schönsperger d.Ä. († 1520) hat als erster deutscher Buchdrucker öffentliche Anerkennung gefunden: Kaiser Maximilian I. (1508 - 1519) ernannte ihn 1508 zum kaiserlichen Hofbuchdrucker.

Das erste gedruckte deutsche Fahndungsbuch (Gaunerbuch) ist der vermutlich von dem Spitalmeister des Pforzheimer Heilig-Geist-Spitals Matthias Hütlin verfaßte anonym und ohne Druckvermerk um 1509/1511 erschienene "Liber vagatorum. Der Betler orden", als dessen Drucker Thomas Anshelm in Pforzheim festgestellt wurde.
Außer der Beschreibung von 28 Bettler- und Gaunertypen sowie praktischer betrügerischer Vorkommnisse enthält das Buch mit seinem "Vocabularius" das erste gedruckte (219 Wörter umfassende) Lexikon des Rotwelschen, der deutschen Bettler- und Gaunersprache. (Von dem Liber vagatorum gab es im 16. Jh. um die 30 verschiedene Drucke, darunter eine niederdeutsche Ausgabe [um 1510] und eine von Martin Luther u.d.T. "Von der falschen Bettler Büberei" [1528 ].)

Der deutsche Kartograph Martin Waldseemüler (auch Hylacomilus und Ilacomilus) (* Radolfzell um 1470, † St. Dié[Lothringen]um 1518/1520) fertigte die erste gedruckte (selbständige) Europakarte ("Carta itineraria Europaea", St. Dié 1511) an, von deren zweiter Auflage (1520) noch ein Exemplar vorhanden ist (im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck).

Das erste bekannte kaiserliche Bücherverbot, ein Mandat Kaiser Maximilians I. (1508 - 1519) vom 7. Oktober 1512, betraf die "den Juden günstigen, dem Christenglauben nachteiligen Bücher" des deutschen Humanisten Johannes Reuchlin (* Pforzheim 1455, † Bad Liebenzell oder Stuttgart 1522).

Das erste gedruckte Liederbuch (Sammlung von Gesellschaftsliedern und Volksliedern weltlichen wie geistlichen Inhalts), das "Liederbuch zu vier Stimmen" mit Werken von Heinrich Isaac (* wahrscheinlich in Flandern um 1450, † Florenz 1517), Ludwig Senfl (* Basel um 1486, † München um 1543), Paul Hofhaimer (* Radstadt/Salzburg 1459, † Salzburg 1537) u.a., erschien 1512 in Augsburg bei Erhard Oeglin (Ocellus).

Als erster neuzeitlicher Zeitungsberichterstatter kann der Rechtsgelehrte Christoph Scheurl (* Nürnberg 1481, † ebd. 1542) bezeichnet werden, insofern er Verfasser einer großen Anzahl von handschriftlich und auch im Druck erschienenen Neuen Zeitungen war. Seine früheste Neue Zeitung, ein Bericht über den Einzug des Bischofs von Gurk als kaiserlicher Vikar in Rom, ist u.d.T. "Ein Epistel von den Ehrerbietungen, dem Hochwürdigen von Gurk beschehen" am 8. November 1512 niedergeschrieben und von Friedrich Peypus in Nürnberg gedruckt worden. Die letzte bekannte Zeitungsausgabe Scheurls ist am 7. September 1537 niedergeschrieben worden.

Kaiser Maximilian I. (1508 - 1519) ließ die Fraktur, eine Schrift mit gebrochenen Formen, nach Vorlagen des kaiserlichen Sekretärs Vinzenz Rockner durch seinen Hofbuchdrucker Johann Schönsperger d.Ä. († 1520) als Schriftart bibliophiler Prachtausgaben (Gebetbuch [1513], Theuerdank [1517]) in den Buchdruck einführen. In vollendeter Form erschien sie in Nürnberg, von Hieronymus Andreae († 1556) nach Vorlagen des Schreibmeisters Johann Neudörffer d.Ä. (* Nürnberg 1497, † ebd. 1563) geschnitten, im Typendruck der deutschen Ausgabe von Albrecht Dürers "Triumphwagen" (1522) und als Type der theoretischen Werke Dürers (1525 - 1527).
Die Fraktur wurde im 16. und 17. Jh. für fast alle deutschsprachigen Bücher verwendet.

Eucharius Roeßlin (Rößlin) († Frankfurt/M. 1526), Stadtarzt in Frankfurt/M. und Worms, schrieb "Der Swangern Frawen und Hebamen Rosengarten", Worms 1513, das als erstes gedrucktes Buch der Geburtshilfe (Hebammenlehrbuch) gilt und viele Auflagen sowie Übersetzungen erlebte.

Die erste bekannte Landkarte Ungarns ("Tabula Hungariae") war von Lazarus Roseti (* um 1475, † nach 1528), dem Sekretär des Grazer Erzbischofs, 1513 aufgezeichnet worden. Da sie zwischenzeitlich verschollen war, wurde sie erst 1528 von dem Astronomen, Geographen und Mathematiker Petrus Apianus (Peter Apian) (* Leisnig [Sachsen] 1495, † Ingolstadt 1552) in seiner Ingolstädter Offizin gedruckt.

Die älteste, von Konrad Türst handschriftlich angefertigte Landkarte der Schweiz (1496) diente dem ersten Schweizer Kartendruck als Muster, der "Tabula Nova Heremi Helvetiorum", die der Kartograph Martin Waldseemüller (auch Hylacomilus und Ilacomilus) (* Radolfzell um 1470, † St. Dié[Lothringen] um 1518/1520) als eine der modernen Holzschnittkarten im "Supplementum" der von ihm redigierten Ptolemäusausgabe "Geographia", Straßburg: Johann Schott 1513, veröffentlichte.
Zudem enthält diese Ptolemäusausgabe den ersten farbigen Kartendruck, eine in Schwarz-Rot-Grünbraun ausgeführte Karte Lothringens.

Die Radierung ist eine Sondertechnik des Kupferstichs, bei der die Vertiefungen auf der Druckplatte durch ein Ätzverfahren gewonnen werden. ("Radierung" ist auch der nach dem Verfahren der Radierung hergestellte Druck.)
Von dem Schweizer Maler, Kupferstecher und Holzschneider Urs Graf (* Soluthurn um 1485, † Basel 1527/1528) stammt die älteste datierte Radierung (1513) ("Ein Mädchen, das sich die Füße wäscht"; erhalten in einem Exemplar[Kunstmuseum Basel]).

Als besondere drucktechnische Leistung gelten die mehrsprachigen Bibeln (Polyglotten) des 16. Jh. Die erste Mehrsprachenbibel wurde in Alcalá de Henares (bei Madrid) von dem spanischen Buchdrucker Arnao Guillen de Brocar in sechs Bänden in den Jahren 1514 - 1517 gedruckt. Nach dem lateinischen Namen ihres Erscheinungsortes (Complutum) wird sie auch Complutensische Polyglotte genannt. Sie enthält den Text des Alten Testaments in hebräischer, aramäischer, griechischer und lateinischer Sprache und den Text des Neuen Testaments in griechischer und lateinischer Sprache.

Der Nürnberger Mathematiker und Kosmograph Johannes Schöner (* Karlstadt [Franken] 1477, † Nürnberg 1547), der (Holzschnitt-) Erd- und Himmelsgloben serienmäßig herstellte, schuf 1515 den ersten Erdglobus mit dem Erdteil Amerika.

Das älteste gedruckte deutschsprachige Fechtbuch ist die von dem Wiener Fechter André Paurenfeindt verfaßte "Ergrundung ritterlicher Kunst der Fechterey", Wien: Hieronymus Vietor 1516.

Die erste Druckausgabe des griechischen Neuen Testaments brachte der niederländische Humanist und Theologe Erasmus von Rotterdam (* Rotterdam 1466 oder 1469, † Basel 1536) 1516 in Basel bei Johann Froben (* Hammelburg um 1460, begraben Basel 1527) heraus.

Die erste Rabbinerbibel (hebräischer Text, Massora [Textkritik des hebräischen Alten Testaments ], Targum [Übersetzung des Alten Testaments vom Hebräischen ins Aramäische] und rabbinische Kommentare stehen sich in ihr gegenüber) druckte der flämische Drucker und Verleger Daniel Bomberg (* Antwerpen 1470/1480, † Venedig 1550[?]) in Venedig 1516/1517 ("Bomberg-Bibel").

Bereits in einem zwischen König Karl I. von Spanien (1516 - 1556) und den Taxisschen Hauptpostmeistern abgeschlossenen Vertrag vom 12. November 1516 wurde die Möglichkeit eröffnet, das ursprünglich für die Nachrichtenübermittlung eingerichtete Postnetz auch für den Transport von Personen, d.h. das Reisen, einzusetzen.
Hiermit entstand das Prinzip der verschiedenen auf einem Netz durchfürbaren Dienste, das sich aus Gründen der Rationalität und Rentabilität bis in die Gegenwart weiterentwickelt hat. Der Personenverkehr wurde aber praktisch erst nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgenommen, eingeführt durch Friedrich Wilhelm, den Großen Kurfürsten, der Postkurse von Memel nach Danzig, von Königsberg nach Warschau und von Berlin nach Cleve einrichtete. Auf diesen Strecken gab es sogenannte Fahrtposten (im Gegensatz zu den früheren Reitposten), die neben der Post auch Passagiere beförderten. Auch die Taxissche Reichspost betrieb seit 1660 eine Personenpost von Leipzig über Halle und Magdeburg nach Hamburg; weitere Linien folgten. Die Postwagen waren allerdings zu jener Zeit noch sehr unvollkommen und wenig komfortabel, so daß das Reisen mehr oder weniger ein Abenteuer war.

Auf Kaiser Maximilian I. (* Wiener Neustadt 1459, † Wels 1519; König seit 1486, Kaiser seit 1508) geht als eine literarische Gemeinschaftsarbeit (ohne seinen Anteil genau bestimmen zu können) das allegorische Rittergedicht "Die geverlicheiten und eins teils der geschichten des löblichen und hochberümbten Helds und Ritters Tewrdanncks" (Teuerdank [Theuerdank]) zurück. Dieses mit Holzschnitten illustrierte Versepos wurde von Johann Schönsperger d.Ä. in Nürnberg 1517 gedruckt und gilt als das erste bibliophile deutsche Buch.

Johannes Rhau, gen. Grunenberg, von etwa 1508 bis etwa 1525 Drucker und Verleger in Wittenberg, war der erste Drucker für Martin Luther. Wahrscheinlich hat er auch 1517 den nicht erhaltenen Erstdruck seiner 95 Thesen herausgebracht.

Der Rechenmeister Adam Ries (* Staffelstein 1492, † Annaberg 1559) hat durch die zahlreichen Auflagen seiner Rechenbücher wesentlich zur Verbreitung des Dezimalsystems und des schriftlichen Rechnens in Deutschland beigetragen. Das erste Lehrbuch war "Rechnung auff der linihen", Erfurt 1518. (Ihm folgten u.a. "Rechenung auff der Linihen vnd Federn", 1522 [bis 1656 über 100 Aufl.], "Rechenung nach der lenge auff den Linihen vnd Feder", 1550. Dabei bedeutet "Rechnen auf den Linien" das Rechnen auf dem Abakus, "Rechnen mit der Feder" das schriftliche Rechnen mit arabischen Ziffern.)

Die meisten Kulturstaaten der Welt haben eine Nationalbibliothek, eine Bibliothek, die vor allem mit der möglichst lückenlosen Sammlung, Archivierung und bibliographischen Verzeichnung des nationalen Schrifttums betraut ist, in der Regel auch die wichtigste ausländische Literatur aller Fachrichtungen erwirbt und oft Funktionen einer bibliothekarischen Koordinierungsstelle übernimmt.
Die älteste Nationalbibliothek ist die Frankreichs, die Bibliothèque Nationale, Paris, 1518 gegründet als Bibliothèque Royale, seit 1792 unter dem heutigen Namen.

Flugschriften, kleinere, nur geheftete oder broschierte Schriften, vielfach sogar nur Einblattdrucke (Flugblätter), dienen als publizistisches Mittel in Zeiten politischer, religiöser, militärischer, sozialer, wirtschaftlicher u.ä. Auseinandersetzungen. Nachdem Martin Luther (* Eisleben 1483, † ebd. 1546) 1517 (wahrscheinlich am 31. 10. oder etwas später) an der Schloßkirche zu Wittenberg seine 95 Thesen über die Kraft des Ablasses lateinisch und deutsch als Plakatdruck veröffentlicht und damit die Reformation eingeleitet hatte, war sein "Sermon von Ablaß und Gnade" (Inhalt der Thesen deutsch), der erstmals im Januar 1518 (und bis 1520 in 22 Ausgaben) erschien, die erste reformatorische Flugschrift.

Autorenhonorare waren in der ersten Zeit des Druck- und Verlagswesens unbekannt. Ab Mitte des 16. Jh. setzte langsam hin und wieder die Vergütung der Verfasser durch die Verleger und Drucker ein, bis endlich seit dem 18. Jh. die Zahlung eines Honorars üblich wurde.
Thomas Murner (* Oberehnheim [ Obernai bei Straßburg ] 1475, † ebd. 1537) hat für seine Satire "Geuchmatt" (Narrenwiese) (Basel: Adam Petri 1519) ein Honorar erhalten; das war wahrscheinlich der erste Fall einer Honorarzahlung an einen Schriftsteller.

Die Schreibmeister, deren Berufsstand sich im 13. Jh. in den Städten herausgebildet hatte, gaben seit Anfang des 16. Jh. Lehr- und Musterbücher zum Erlernen der verschiedenen Schriftarten (Schreibmeisterbücher) heraus.
Die erste gedruckte deutsche Schreibanweisung ("Fundament" von 1519) stammt von dem bedeutendsten deutschen Kalligraphen Johann Neudörffer d.Ä. (* Nürnberg 1497, † ebd. 1563).

Der Deutsche John Lair oder John Siberch, wie er sich nach seinem Geburtsort Siegburg bei Köln nannte, war der Erstdrucker von Cambridge (England), wo er von 1520 bis Anfang 1523 tätig war.

Der Talmud (hebr.= Lehre) (Sammlung der Gesetze und religiösen Überlieferungen des nachbiblischen Judentums in hebräischer Sprache), entstanden in einem langen Prozeß mündlicher und schriftlicher Traditionsbildung, besteht aus der "Mischna" (Sammlung der im 2. Jh. n. Chr. kodifizierten jüdischen Gesetzeslehre) und deren rabbinischen Kommentaren, der "Gemara". Entsprechend den beiden Zentren jüdischer Gelehrsamkeit in Palästina und Babylonien, entstanden ein palästinischer oder Jerusalemer Talmud (Abschluß etwa Anfang des 5. Jh. n.Chr.) und ein babylonischer Talmud (Abschluß Anfang des 7. Jh.).
Komplette Talmud-Handschriften sind nicht erhalten (vollständigste Handschrift des Jerusalemer Talmuds von 1299 [heute in Universitätsbibliothek Leiden], umfangreichste Handschrift des babylonischen Talmuds von 1343 [heute in Bayerische Staatsbibliothek, München]).
Die erste vollständige Druckausgabe des babylonischen Talmuds erschien in Venedig 1520 - 1522 in 12 Bänden bei dem Drucker und Verleger Daniel Bomberg. (Erstdruck des Jerusalemer Talmuds: Venedig 1523 - 1524.)

Der älteste erhaltene gedruckte Theaterzettel aus dem deutschsprachigen Raum datiert vermutlich aus dem Jahr 1520. Die Ankündigung der Aufführung eines geistlichen Spiels in Rostock (Übertragen aus dem Niederdeutschen) lautet: "Durch Gunst und Erlaubnis der geistlichen und weltlichen Obrigkeit dieser Stadt Rostock wird man hier, will`s Gott, am kommenden Sonntag, als am Tage der Schmerzen Mariä, 22. Juli, zur Ehre Gottes ein schönes, frommes und bemerkenswertes Spiel aufführen ... Wer das zu sehen beliebt, der mag sich auf dem Mittelmarkt verfügen. Dort wird man um 1/2 12 Uhr mittags anfangen. Alles zur Ehre Gottes." Handschriftlich ist hinzugefügt: "Wofern sich das Wetter zur Klarheit schicken wird."

Mit der Bannandrohungsbulle ("Exsurge Domine") Papst Leos X. (1513 - 1521) gegen Martin Luther vom 15. Juni 1520 wurden seitens des Heiligen Stuhls die Verbrennungsbestimmungen von 1487, 1501 und 1515 wieder aufgegriffen, aber diesmal speziell auf die Schriften Martin Luthers bezogen (die "öffentlich und feierlich in Anwesenheit von Klerus und Volk" zu verbrennen sind). Es handelt sich um die erste, die Schriften eines Einzelautors betreffende päpstliche Zensur.

Den Anfang einer staatlichen Bücherzensur in Deutschland machte die erste reichsgesetzliche Regelung der Zensur, die sich (unter Berufung auf die päpstliche Verurteilung von Martin Luthers Lehre) in dem auf dem Reichstag zu Worms erlassenen Edikt vom 25. 5. 1521 (vordatiert auf 8.5.1521) findet. Ihm zufolge konnte in Deutschland kein auf den christlichen Glauben bezogenenes Buch gedruckt und vertrieben werden, das nicht vorher dem Bischöflichen Ordinariat, unter Einschaltung der nächstgelegenen Universität, vorgelegt und von diesem gebilligt worden war. (Erneuerung dieses Zensurgesetzes durch den Reichstag 1524, 1529 und 1530.)

Abgesehen davon, daß bereits von den Griechen und Römern authentische Speisefolgen überliefert sind, also aufgeschrieben worden sein müssen, ist die Erfindung der (handgeschriebenen oder gedruckten) Menükarte in der heutigen Form, welche die Speise- und zumeist auch Getränkefolge eines (Fest-) Essens zu besonderem Anlaß verzeichnet, auf die Wende vom 15. zum 16. Jh. datiert.
Als Geburtsjahr der Menükarte gilt für die einen das Jahr 1521, als beim Reichstag zu Worms Herzog Heinrich von Braunschweig (1514 - 1568) seinen Küchenmeister alle Gerichte eines Festessens für seine Gäste auf Pergament schreiben ließ. Anderen Quellen zufolge soll bereits 1489 auf dem Reichstag von Regensburg eine Menükarte angefertigt worden sein.
Besonders im Barock wurden die Menükarten für die für Hof und Adel, aber auch das gehobene Bürgertum ausgerichteten Festessen individuell und aufwendig, zum Teil von Künstlern gestaltet, bis sie später als Blanko-Menükarten (Speisekarten) zu gebrauchsgraphischen Massenartikeln vor allem für das Gaststättengewerbe wurden.

Die Übersetzung der Bibel aus dem Urtext (Altes Testament: hebräisch, Neues Testament: griechisch) ins Deutsche durch Martin Luther (* Eisleben 1483, † ebd. 1546) begann mit dem Neuen Testament ("Das Newe Testament Deutzsch", Wittenberg: Melchior Lotter d.J. 1522), dem sogenannten September-Testament, dessen Druck nach der Luther-Übersetzung im September 1522 abgeschlossen war.

Auswüchse der Bücherzensur bestanden früher in der den Autoren mißliebiger Schriften auferlegten Strafe, ihre eigenen Bücher aufessen zu müssen. Der älteste bekannte Fall datiert aus dem Jahre 1523. Das Opfer war ein Jobst Weißbrodt in Dresden, der wegen einer aufrührerischen Schrift auf Befehl des sächsischen Kurfürsten sein Pamphlet verzehren mußte.

Die erste deutsche Länderkarte, eine Karte Bayerns ("Obern und Nidern Bairn"), Landshut 1523, gab der Geschichtsschreiber Johannes Aventinus (eigtl. Johannes Turmair) (* Abensberg [Kr. Kelheim ] 1477, † Regensburg 1534) heraus.
(Es folgten die ersten Karten für; Franken [1533], Pfalz [1540], Preußen [1542], Württemberg und Holstein [1559], Sachsen und Meißen [1567] u.a.)

Der schweizerische Buchdrucker und Verleger Christoph Froschauer (* Kastl [bei Altötting] um 1490, † Zürich 1564), der sich in den Dienst der Schweizer Reformatoren stellte, druckte in Zürich 1524 die erste Schweizer Bibel.

Das erste protestantische (evangelische) Gesangbuch ist das von Martin Luther (* Eisleben 1483, † ebd. 1546) herausgegebene sogenannte Achtliederbuch ("Etlich christlich Lieder, Lobgesang und Psalm, dem reinen Wort gemäß"), Wittenberg 1524, das acht vorher schon als Einblattdrucke verbreitete Gesänge zusammenfaßte.

Das von dem protestantischen Kirchenmusiker und musikalischen Berater Martin Luthers Johann Walter (* Kahla 1496, † Torgau 1570) veröffentlichte "Geystlich gesangk-Buchleyn", Wittenberg 1524, mit Vorrede von Luther ist das erste mehrstimmige Gesangbuch der evangelischen Kirche.

Der französische Drucker Pierre Haultin erfand 1525 für den Musiknotendruck mit beweglichen Typen den Eintypendruck, der in einer Type Note und einen Teil des Notenliniensystems vereinigt.
Der Drucker und Verleger Pierre Attaingnant (* Douai [?] um 1494, † Paris 1552) wandte in Paris ab 1528 den Eintypendruck im großen Stil an und löste mit ihm innerhalb weniger Jahre den Zweitypendruck (getrennten Druck Von Noten und Linien) ab.

Das Neue Testament, auf der Grundlage griechischer Handschriften ins Englische übersetzt von dem englischen lutherischen Theologen und Bibelübersetzer William Tyndale (Tindale) (* Grafschaft Gloucester 1490/1495, † Vilvoorde [bei Brüssel] 1536 [von der Inquisition erdrosselt und verbrannt]), in Köln 1525 gedruckt, war die erste Übersetzung, die in englischer Sprache gedruckt wurde.
(Zahlreiche nach England geschmuggelte Exemplare wurden dort auf Veranlassung der Kirchenbehörden verbrannt. Tyndales Neues Testament ist demnach das erste gedruckte Buch, das in England Verboten wurde.)
(Tyndales Bibelübersetzungswerk wurde postum vollendet und ging 1611 in die offizielle anglikanische Bibel [Authorized Version] ein.)

Als erster Monarch veröffentlichte König Heinrich VIII. von England (1509 - 1547) 1526 eine Liste verbotener Bücher. (1538 untersagte er die Einfuhr von im Ausland in englischer Sprache gedruckten Büchern.)

Der lutherische Theologe Johannes Bader (* Straßburg um 1487, † Landau in der Pfalz 1545), der 1522 in Landau die Reformation einführte, verfaßte mit seinem "Gespräch Büchlein" von 1526 den ersten evangelischen Katechismus (Lehrbuch für den christlichen Glaubensunterricht).

Die erste schwedische Übersetzung des Neuen Testaments (1526) stammt von dem schwedischen Reformator Olaus Petri (eigtl. Olof Petersson) (* Örebro 1493, † Stockholm 1552).
(Sein Bruder Laurentius gab die erste schwedische Bibelübersetzung heraus [1541].)

Der im Dienst der Reformation stehende Nürnberger Buchdrucker und Buchhändler Hans Hergot (Hergott) (* Nürnberg, † Leipzig 1527) wurde wegen Vertriebs einer revolutionär-utopischen Schrift ("Von der neuen Wandlung eines christlichen Lebens", 1526 oder 1527 vermutlich von Michael Blum in Leipzig gedruckt) auf Befehl des sächsischen Landesfürsten Georgs des Bärtigen (15001539) am 20. Mai 1527 in Leipzig enthauptet. Hergot ist das erste blutige Opfer der Bücherzensur aus dem Buchgewerbe.

Der Grammatiker und Schulmeister Valentin Ickelsamer (* Rothenburg o.d. Tauber um 1500, † nach 1537) begründete mit seiner Schrift "Die rechte Weis auffs kürtzist lesen zu lernen ..." (um 1527) die Schulfibel nach der Lautiermethode (d.i. die vom einzelnen Laut und seinen Verbindungen ausgehende synthetische Methode des Lesenlernens).

Die gedruckten Fischordnungen erschienen meist als Teilausgaben der großen Landesgesetzwerke und gleichzeitig mit ihnen als zur öffentlichen Bekanntmachung bestimmte kleine Schriften (Libell).
Die erste gedruckte bayerische Fischordnung in Libellform war die "Vischordnung an der Thunaw. Auch an den beyligenden wassern, so jrn gang darein haben", o.O. und Drucker (München: Hans Schobser) 1528.

Der deutsche evangelische Theologe Johann Agricola (eigtl. Johann Schneider oder Schnitter) (* Eisleben 1494 [?] , † Berlin 1566) gab die erste hochdeutsche Sprichwörtersammlung heraus ("Deutsche Sprichwörter", 3 Tle., Hagenau 1528 - 1529, Augsburg 1548).

Das erste biblische Schuldrama (eine für Schüler zur Aufführung an Humanistenschulen bestimmte dramatische Dichtung mit erzieherischer Zielsetzung) verfaßte der niederländische Humanist und Dichter Guilielmus Gnapheus (eigtl. Willem van de Voldersgroft) (* Den Haag 1493, † Norden [Friesland ] 1568) mit seinem "Alcolastus, de filio prodigo comoedia" (lat.= Alcolastus, Komödie vom verschwenderischen Sohn), Antwerpen 1529, einer Paraphrase über das Thema vom verlorenen Sohn. Mit ihm begründete er das protestantische lateinische Schuldrama. (Erste dt. Übers.: Zürich 1530.)

Das erste gedruckte Buch mit naturgetreuen botanischen Illustrationen war die Pflanzenkunde "Herbarum vivae eicones" (lat.= Naturgetreue Darstellungen von Pflanzen), Straßburg: Johann Schott 1530 - 1536, von Otto Brunfels (* 1464, † 1534). Der Autor konnte für die detailgenauen Holzschnittillustrationen der 230 beschriebenen Pflanzenarten den namhaften Künstler Hans Weiditz d.J. (* Freiburg/Br. [?] um 1495, † Straßburg [?] um 1536) verpflichten.

Die erste gedruckte Sammlung von Bergreihen (d.h. von Liedern der Bergleute mit geistlichen und weltlichen Texten aus dem 16. bis 18. Jh., seit dem 18. Jh.: Bergmannslieder) ist W. Meierpegks "Etliche hübsche bergreien, geistlich und weltlich zusammengebracht", Zwickau: W. Meierpegk 1531 (ohne Melodien).

Die älteste noch bestehende deutsche Buchhandlung ist die 1531 gegründete Universitätsbuchhandlung Korn & Berg, Nürnberg.

Während die Frühdrucker ihre Schriften selbst entwarfen, schnitten und gossen, hat der französische Stempelschneider und Schriftgießer Claude Garamond (* Paris um 1480, † ebd. 1561), der ab 1531 eine Reihe von Antiqua-Schriften entwarf, als erster den Schriftentwurf, das Stempelschneiden und den Letternguß vom Drucken getrennt und damit den Beruf des Stempelschneiders und Schriftgießers begründet.

Der deutsche Dramatiker Sixtus Birck, latinisiert Xystus Betuleius (* Augsburg 1501, † ebd. 1564), begründete mit "Die History von der fromen gottsförchtigen Frouwen Susanna", Basel 1532, das biblische Schuldrama in deutscher Sprache.

Die "Carolina", "Constitutio Criminalis Carolina", auch "Peinliche Gerichtsordnung" genannt, ist das erste allgemeine deutsche Strafgesetzbuch, das auf dem Reichstag zu Regensburg 1532 unter Kaiser Karl V. (1519 - 1556) zum Reichsgesetz erhoben wurde.

In Deutschland organisierten sich an vielen Orten die Buchbinder in Zünften, erstmals 1533 in Augsburg (1534 in Wittenberg, 1544 in Leipzig, 1546 in Dresden, 1596 in Erfurt u.a.). (Die Zünfte waren auch Rohstoff-, Kredit- und Absatzgenossenschaften.)

Dem ersten Teil der Bibelübersetzung ins Deutsche durch Martin Luther (* Eisleben 1483, † ebd. 1546), dem sogenannten September-Testament (1522), folgten in regelmäßigen Abständen die einzelnen übersetzten Teile des Alten Testaments, bis die Bibelübersetzung vollständig vorlag.
Die erste Gesamtbibel in der Übersetzung Martin Luthers erschien, reich mit Holzschnitten illustriert,1534 in Wittenberg bei dem Buchdrucker Hans Lufft (* Amberg [?] 1495, † Wittenberg 1584) u.d.T. "Biblia: das ist die gantze Heilige Schrifft Deudsch".

Der Reformator Johannes Bugenhagen, nach seiner pommerschen Heimat auch Pomeranus (lat.) genannt, (* Wollin 1485, † Wittenberg 1558), ein Freund Martin Luthers und Mitarbeiter an dessen Bibelübersetzung, gab die erste niederdeutsche Bibel heraus ("De Biblie ...", Lübeck: Ludwig Dietz 1534 [Bugenhagenbibel] ).

Im gleichen Jahr 1534 wie die Lutherbibel in Wittenberg, aber noch vor dieser, erschien in Mainz (bei Peter Jordan) die deutsche Bibelübersetzung ("Biblia beider Allt unnd Newen Testamenten") des Dominikaners Johannes Dietenberger (* Frankfurt/M. um 1475, † Mainz 1537) (Dietenberger Bibel), die auf der Vulgata basierte, aber auch Luthers Text verwertete. Sie erlangte in katholischen Gebieten weite Verbreitung und gilt als erste deutsche katholische Bibel.

Der humanistische Dichter und Arzt Euricius Cordus, eigtl. Heinrich Ritze, (* Simtshausen [bei Marburg] 1486, † Bremen 1535) schrieb mit seinem "Botanologicon" (1534) das erste deutsche Lehrbuch der Botanik und begründete mit ihm in Deutschland die Botanik als Wissenschaft.

Die erste Fibel mit Holzschnittillustrationen (von Tieren und Gegenständen) war das "Stimmenbüchlein" ("Eyn Besonder fast nützlich stymmen Buchlein ..."), Augsburg 1534, des Geistlichen Jacob Grueßbeutel aus Basel.

Valentin Ickelsamer (* Rothenburg o.d. Tauber um 1500, † nach 1537), Grammatiker und Schulmeister in seiner Vaterstadt, gab um 1534 die erste deutsche Grammatik ("Teutsche Grammatica") heraus.

Die französischen Protestanten erhielten ihre erste Bibelübersetzung 1535 durch den Vetter Johann Calvins, den reformierten Theologen Petrus Robertus Olivetanus (eigtl. Louis Olivier) (* Noyon [Picardie ] 1506 [?], † Ferrara 1538).

Als erstes erhaltenes gedrucktes Buch in estnischer Sprache war 1535 in Wittenberg die Übersetzung von Martin Luthers "Kleinem Katechismus" erschienen. (Dokumentiert ist ein noch früheres, aber verschollenes gedrucktes Buch in estnischer Sprache [1525].)

Der niederländische Arzt, Mathematiker und Astronom sowie Lehrer Gerhard Mercators Rainer Gemma Frisius (eigtl. Rainer van den Steen) (* Dokkum 1508, † Löwen 1555) brachte um 1535 in Löwen den ersten (Erd-) Globus mit Kupferstichsegmenten heraus. Der Stich war eine Früharbeit von Mercator.

Das älteste katholische Gesangbuch ist das "New Gesangbuchlin geystlicher Lieder" von Michael Vehe (Leipzig 1537).

Die erste Bestimmung über Pflichtexemplare (an eine Bibliothek o.ä. vom Verleger bzw. Drucker aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zumeist unentgeltlich abzuliefernde Exemplare eines Druckwerks) wurde in Frankreich 1537 von König Franz I. (1515 - 1547) erlassen.

Das erste Schwimmlehrbuch der Welt ("Colymbetes sive de arte natandi dialogus ..." [lat.= Der Schwimmer oder die Kunst des Schwimmens], Augsburg 1538) schrieb der Züricher Nikolaus Wynmann, Professor der Sprachwissenschaften an der Universität in Ingolstadt.

Der englische Geistliche Miles Coverdale (* in der ehem. Cty. Yorkshire 1488, † London 1569) übersetzte im Anschluß an die Übersetzungsarbeit von William Tyndale (1525) 1534 den Rest des Alten Testaments in die englische Sprache und schuf im Auftrag des englischen Staatsmanns Thomas Cromwell (* Putney [heute zu London] um 1485, † 1540) die "Great Bible", die als erste vollständige gedruckte englische Bibel 1539 in London erschien. Sie wurde 1611 von der offiziellen anglikanischen Bibel (Authorized Version) abgelöst, einer im Auftrag von König Jakob I. (1603 - 1625) durchgeführten Gemeinschaftsarbeit von nahezu 50 Übersetzern (deshalb auch: King James Version), die von da ab Geltung hatte.

Amerikas erster Buchdrucker war Juan Pablos aus Brescia († Mexiko 1561). Er richtete im Auftrag des Druckers Juan Cromberger, dessen Faktor er in Sevilla gewesen war, 1539 in Mexiko (Stadt) eine Druckerei ein, die er seit 1548 bis zu seinem Tode selbständig führte. Bereits 1539 soll er das erste Buch gedruckt haben ("Breve y Mas Compendiosa Doctrina Christina" in Spanisch und Mexikanisch).

Der Theologe, Humanist und Reformator Siebenbürgens Johannes Honterus (Honter) (* Kronstadt 1498, † ebd. 1549) gründete in Kronstadt 1539(?) die erste Buchdruckerei Siebenbürgens.

Der schwedische Kartograph und Geschichtsschreiber Olaus Magnus (eigtl. Olof Måsson) (* Linköping 1490, † Rom 1557) stellte mit seiner (neun Blätter umfassenden) Holzschnittkarte "Carta marina et descriptio septentrionalium terrarum ac mirabilium" die erste detaillierte Karte von Nordeuropa her, 1539 in Venedig erschienen, 1572 in Rom in Kupfer gestochen.

Der schwedische Reformator Laurentius Petri (eigtl. Lars Petersson) (* Örebro 1499, † Uppsala 1573), seit 1531 erster lutherischer Erzbischof Schwedens, gab die erste schwedische Bibelübersetzung ("Gustav-Wasa-Bibel") heraus. Sie wurde 1541 in Uppsala in der Königlichen Druckerei unter der Leitung des deutschen Buchdruckers Georg Richolff d.J. gedruckt. (Von Petris Bruder Olaus stammt die erste schwedische Übersetzung des Neuen Testaments [1526].)

Das von dem ungarischen Humanisten Johannes Sylvester (* Szinyérváralja [heute Seini, Rumänien]um 1504, † Wien um 1552) ins Ungarische übersetzte Neue Testament, 1541 in Ujsziget von Thomas von Nádasdy gedruckt, war das erste in Ungarn selbst und in ungarischer Sprache gedruckte Buch.

Der Mediziner und Botaniker Leonhart Fuchs (* Wemding [bei Donauwörth] 1501, † Tübingen 1566), einer der "Väter" der Botanik, gab in "De historia stirpium commentarii" (lat.= Kommentare zur Geschichte der Pflanzen), Basel: Michael Isengrin 1542, erstmals eine systematische Darstellung der Pflanzen und führte eine wissenschaftliche Benennung ein. Sein ungefähr 400 deutsche und 100 ausländische Pflanzen beschreibendes Kräuterbuch, veranschaulicht durch 512 Holzschnitte, enthält als eines der frühesten gedruckten Bücher die Porträts der Illustratoren (Heinrich Füllmauer und Albert Meyer [Zeichner], Veit Rudolph Speckle [Holzschneider]). (Dt. Ausg. u.d.T. "New Kreuterbuch", Basel: Michael Isengrin 1543.)

Der jüdische Dichter und Grammatiker Elia Levita, auch Bachur, Germanus oder Tischbi genannt, eigtl. Levi Ben Ascher, (* Neustadt a.d. Aisch 1469, † Venedig 1549) verfaßte das erste jiddisch-hebräische Wörterbuch (Isny 1542).

Der Anatom Andreas Vesal (Vesalius) (* Brüssel 1514, † auf der Insel Zakynthos 1564) begründete mit seinem Werk "De humani corporis fabrica" (lat.= Vom Bau des menschlichen Körpers), gedruckt in Basel 1543 von Johannes Oporinus (* Basel 1507, † ebd. 1568), die neuzeitliche Anatomie, gestützt auf einer fünfjährigen Erfahrung als Prosektor der medizinischen Fakultät in Padua. Die Anatomie des Vesalius ist mit prachtvollen Holzschnitt-Tafeln, zum Teil von dem Tizian-Schüler Jan Steven van Kalkar (Calcar) (* Kalkar 1499, † Neapel zwischen 1546 und 1550), versehen, die neue technische Qualitätsmaßstäbe für anatomische Buchillustrationen setzten.

Das erste gedruckte Buch in finnischer Sprache war eine Fibel des finnischen Reformators Mikael Agricola (* Pernaja um 1509, † Uusikirkko 1557), das "Abckiria" (ABC-Buch), Stockholm (vermutlich) 1543.

Der erste gedruckte (unselbständige) Reiseführer in deutscher Sprache ist der von Sebastian Brant (Brandt) (* Straßburg 1457, † ebd. 1521) verfaßte Abschnitt "Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutsches lands ..." in der Chronik ("Ein außerleßne Chronik von anfang der welt bis auff das iar ... 1539", Straßburg 1543) von Caspar Hedio (eigtl. C. Heid) (* Ettlingen 1494, † Straßburg 1552).

Mit seiner Schrift "De revolutionibus orbium coelestium libri VI" (lat.= Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper), Nürnberg: Johannes Petreius 1543, begründete der Astronom und Mathematiker Nikolaus Kopernikus (* Thorn 1473, † Frauenberg 1543) das heliozentrische Weltsystem, nach dem, im Gegensatz zum geozentrischen Weltsystem (u.a. des Ptolemäus), die Sonne den von der Erde und den anderen Planeten umkreisten Mittelpunkt der Welt darstellt.

Die bereits von den Römern benutzten Schreibfedern aus Kupfer- und Bronzeblech wurden im Mittelalter durch die Gänsefedern verdrängt, die ihrerseits vom 16. Jh. an wieder den Metallfedern weichen mußten.
Die erste umfangreiche Anweisung über den Umgang mit (Gänse-) Federkielen gab der Nürnberger Schreibmeister Johann Neudörffer d.Ä. (* Nürnberg 1497, † ebd. 1563) in seiner Schrift "Anweisung vnnd eygentlicher Bericht, wie man eynen yeden Kiel erwölen soll" (1544). (In diesem Buch erwähnte Neudörffer auch erstmals "Eysere und Kupfere Ror, auch Kupfere vnnd Messine blechlein" als Schreibgeräte.)

Den ersten Versuch, das gesamte wesentliche Schrifttum seit Beginn des Buchdrucks zusammenzustellen, m.a.W. eine internationale Allgemeinbibliographie anzufertigen, machte (allerdings beschränkt auf Werke in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache) der Arzt und Naturforscher Conrad Gesner (* Zürich 1516, † ebd. 1565) mit seiner über 12.000 Titel umfassenden "Bibliotheca universalis oder vollständiges Verzeichnis aller lateinischen, griechischen und hebräischen Schriftsteller, der noch lebenden wie verblichenen, der alten und der neueren bis auf den heutigen Tag ...", Zürich: Christoph Froschauer 1545 - 1555.

Der baskische Schriftsteller und Priester Bernart Detxepare (Dechepare, Etxepare) (* Ende des 15. Jh.) ist der Autor des ersten gedruckten Buches in baskischer Sprache: "Linguae vasconum primitiae" (=Anfänge der Sprache der Basken), Bordeaux 1545. (Es besteht aus religiösen und weltlichen, vor allem amourösen Gedichten.)

Seit Mitte des 16. Jh. setzte sich der bildlich oder ornamental verzierte Kupfertitel, ein vollständig in Kupfer gestochenes Titelblatt des Buches, durch. Erstmals findet sich der Kupfertitel in einem in London 1545 mit Kupferstichen erschienenen anatomischen Werk, bearbeitet und kopiert von Thomas Geminus nach der "Anatomia" des Andreas Vesalius (1543).

Die erfolgreichen, jedoch kurzlebigen Teufelsbücher aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. stammten aus der Feder lutherischer Pfarrer in Mittel- und Norddeutschland und sollten - einheitlich in der moralischen Absicht und unterschiedlich in der Form (Traktat, Predigt, Sendschreiben, Drama u.a.) - das Wirken des Teufels im Alltag bekämpfen.
Das erste Teufelsbuch war der "Hoffteuffel", Wittenberg: Veit Creutzer 1545, von einem Johann Chryseus. (Die erste Sammlung von Teufelsbüchern erschien u.d.T. "Theatrum diabolorum" 1569 in Frankfurt/M. bei Sigmund Feyerabend. [Erweiterte Ausg.: 1575, 1587/1588.])

Ab dem 16. Jh. bekamen die seit dem 6. Jh. zahlreich entstandenen, auf ägyptische Vorschriftensammlungen (z.B. Papyrus Ebers) zurückgehenden Rezeptsammlungen verbindlichen Charakter (Dispensatorien, Antidotarien).
Das erste (amtliche) Arzneibuch (Pharmakopöe) (amtliche Sammlung wissenschaftlich anerkannter Regeln über Bereitung, Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe, Dosierung und Bezeichnung von Arzneimitteln) in Deutschland war das "Dispensatorium Pharmacorum" des Arztes und Naturforschers Valerius Cordus (* Kassel 1515, † Rom 1544), das 1546 in Nürnberg gedruckt und eingeführt wurde und bis ins 17. Jh. in vielen Auflagen erschien. Es gilt als das erste amtliche Arzneibuch der Welt.

Das erste Buch in kymrischer (walisischer) Sprache, eine Sammlung von Gebeten, wurde 1546 in London von Edward Whitchurch gedruckt.

Der Humanist, Arzt und Mineraloge Georgius Agricola, eigtl. Georg Bauer, (* Glauchau 1494, † Chemnitz 1555) verfaßte mit "De natura fossilium", Basel 1546, das erste neuzeitliche Handbuch der Mineralogie. In ihm prägte er das Wort "Fossil" für "alles Ausgegrabene", also auch für Mineralien. Für sie lieferte Agricola die erste, sich auf physikalische Eigenschaften gründende wissenschaftliche Klassifikation (entgegen den in der Antike und im Mittelalter hauptsächlich herausgestellten medizinischen und wunderwirkenden Eigenschaften der Gesteine), was ihm den Namen "Vater der Mineralogie" eingetragen hat.

Das erste in litauischer Sprache gedruckte Buch war Martin Luthers "Kleiner Katechismus" in der Übersetzung durch Martynas Mazvydas (* 1520, † 1563), erschienen in Königsberg 1547. Der Katechismus war durch eine Vorrede und eine Fibel (die erste gedruckte Fibel in litauischer Sprache) erweitert.

Die erste Druckausgabe des Neuen Testaments in finnischer Sprache erschien in der Übersetzung durch den Reformator Finnlands Mikael Agricola (* Pernaja um 1509, † Uusikirkko 1557) 1548 in Stockholm.

Das Stammbuch (lat.: Album Amicorum) war (vermutlich von Wittenberg ausgehend und durch die Reformation gefördert) ein während des 16. bis ins 19. Jh. beliebtes Buch, in das sich Freunde und Bekannte des Besitzers besonders mit Versen und Sinnsprüchen o.ä. zur Erinnerung eintrugen. Es war im allgemeinen (durch Genre-, Jagd- und Spielszenen, allegorische Darstellungen, Landschafts-, Städte-, Architekturbilder, Wappen u.ä.) bebildert und prächtig in Leder oder Seide gebunden.
Im Poesiealbum der Schulkinder und im Gästebuch lebt das Stammbuch weiter.
Als älteste bekannte Stammbücher gelten das Album Amicorum des österreichischen Edelmanns Christoph von Teuffenbach, angelegt 1548 (Einträge 1551 - 1568 u.a. von Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Georg Major, Veit Oertel), des Superintendenten in Zerbst Abraham Ulrich, angelegt 1549 (Einträge ab 1551 u.a. von Johannes Bugenhagen, Philipp Melanchthon, Veit Oertel, Caspar Cruziger, Georg Major; weitergeführt bis 1596 von seinem Sohn David Ulrich, Notar in Zerbst), des Burggrafen Achatius von Dohna, angelegt in Königsberg 1550.

Nach dem ersten staatlichen Beispiel der Indizierung mißliebiger Schriften in England 1526 durch König Heinrich VIII. folgte als erster kirchlicher Vertreter der Nuntius Papst Pauls III. (1534 - 1549) in Venedig, Giovanni Della Casa (* La Casa del Mugello [Toskana] 1503, † Montepulciano [Prov. Siena] 1556). 1549 ließ er in Venedig die erste Liste verbotener Bücher drucken. Sie umfaßte 70 Titel.

Das "Common Prayer Book" (engl.- Allgemeines Gebetbuch), liturgisches Buch der Kirche von England und der anglikanischen Kirchengemeinschaft, von dem englischen Erzbischof Thomas Cranmer (* Aslacton [bei Norwich] 1489, † Oxford 1556) 1549 verfaßt und im gleichen Jahr durch Verordnung Eduards VI. (1547 - 1553) in England eingeführt, war das erste liturgische Buch in einer Volkssprache. (Erstdruck u.d.T. "The booke of the common praier and administracion of the sacramentes, and other rites and ceremonies of the churche: after the use of the Churche of England", London: Richard Grafton 1549.)

Das erste preußische Privileg (Bücher-, Druckprivileg) erhielt der Buchdrucker Hans Lufft (* Amberg [?] 1495, † Wittenberg 1584) 1549 in Wittenberg. (Lufft druckte u.a. die erste Ausgabe der Bibel in der Übersetzung Martin Luthers [1534].)

Die erste vollständige dänische Bibel, in der an Luther orientierten Übersetzung durch den dänischen Humanisten Christiern Pedersen (* Helsingor um 1480, † ebd. 1554) ("Christians III. Bibel"), 1543 vollendet, erschien im Druck 1550 in Malmö bei Ludwig Dietz.

Das erste biographische Sammelwerk (im modernen Sinne) ist eine Kunstgeschichte der italienischen Renaissance in einzelnen Biographien ("Le vite de` più eccellenti architetti, pittori et sculptori italiani da Cimabue a' tempi nostri" [ital.= Die Lebensgeschichten der hervorragendsten italienischen Architekten, Maler und Bildhauer von Cimabue bis in unsere Zeit]) des italienischen Malers und Baumeisters Giorgio Vasari (* Arezzo 1511, † Florenz 1574), Erstdruck: Florenz 1550, erweiterte Fassung: Florenz 1568. Diese Sammelbiographie war zugleich die erste moderne Kunstgeschichte.

Der slowenische geistliche Schriftsteller und Prediger an verschiedenen deutschen Orten Primoz Trubar (Primus Truber) (* Rascica 1508, † Derendingen [heute zu Tübingen] 1586) gab mit einem Katechismus und einem Abecedarium, beide in Tübingen 1550 oder 1551 erschienen, die ersten gedruckten Bücher in slowenischer Sprache heraus.

Der französische Übersetzer und Grammatiker Louis Meigret (* Lyon um 1510, † wahrscheinlich Paris nach 1560) veröffentlichte in Paris 1550 die erste französische Grammatik ("Le tretté de la grammere françoeze").

Die erste gedruckte Märchensammlung Europas ist enthalten in der von dem italienischen Dichter Giovan Francesco Straparola (* Caravaggio [bei Cremona] um 1480, † ebd.[?] nach 1557) u.d.T. "Le piacevoli notti" (ital.- Die ergötzlichen Nächte), 2 Bde., Venedig 1550 - 1553, herausgegebenen Sammlung von Novellen, Anekdoten, Rätseln und vor allem Märchen, die durch eine Rahmenerzählung zusamengefaßt sind. (Erste dt. Ausg.: Wien 1791.)

Der Universalgelehrte Conrad Gesner (* Zuich 1516, † ebd. 1565) begründete mit seiner fünfbändigen "Historia animalium" (lat.= Geschichte der Tiere; Tierkunde), Zürich: Christoph Froschauer 1551 - 1587, die moderne wissenschaftliche Zoologie.

Die erste gedruckte bayerische Fischordnung mit naturgetreuen Fischbildern (Holzschnitten) war die (im Rahmen der "Bairischen Lanndtsordnung", Ingolstadt: Alexander und Samuel Weißenhorn 1553) in Libellform erschienene "Vischordnung, wie die auf der Thunaw vnd sonst allenthalb in vnserm Fürstenthumb gehalten werden soll", o.O. und Drucker (Ingolstadt: Alexander und Samuel Weißenhorn) 1553. Im Gegensatz zu den oft fabulösen mittelalterlichen Fischbildern enthält diese Fischordnung die ersten (deutschen) ichthyologischen Buchillustrationen.

Die erste (aufgrund der neuesten maritimen und terrestrischen Kenntnisse) auf exakte Weise dargestellte Europakarte (15 Blätter) schuf der Geograph und Kartograph Gerhard Mercator (latinisiert aus Kremer) (* Rupelmonde [bei Antwerpen] 1512, † Disburg 1594) in Disburg 1554.

Wappen, deren Entstehungszeit sich bis etwa 1130 zurückverfolgen läßt, wurden u.a. seit etwa 1250 durch handschriftliche und seit etwa 1550 durch gedruckte Wappenbücher nachgewiesen. Das wohl erste deutsche gedruckte Wappenbuch, das "Wappenbüchlein", Nürnberg 1555 (mit Holzschnittillustrationen), stammt von dem Kupferstecher und Holzschnittzeichner Virgil Solis (* Nürnberg 1514, † ebd. 1562).

Georgius Agricola, eigtl. Georg Bauer, (* Glauchau 1494, † Chemnitz 1555) verfaßte mit "De re metallica" (lat.= Über das Montanwesen), postum in Basel 1556 veröffentlicht, das erste neuzeitliche (systematische) Handbuch über Bergbau und Hüttenwesen.

Der "Index librorum prohibitorum" (lat.- Verzeichnis der verbotenen Bücher), Kurzbez.: Index, amtliches Verzeichnis der vom Apostolischen Stuhl verbotenen Bücher, wurde als Maßnahme der Überwachung des Schrifttums von Papst Paul IV. (1555 - 1559) 1559 zum erstenmal förmlich erlassen. (Erstdruck: Rom 1559.) Grundlegend wurde der nach dem Trienter Konzil (Tridentium, 15451563) von Papst Pius IV. (1559 - 1564) 1564 erlassene neue Index (Tridentinischer Index), insofern in ihm die allgemeinen Modalitäten für die Indizierung von Büchern festgelegt waren. (Erstdruck: In:"Canones et Decreta ... Consilii Tridentini", Lyon 1564.)
Nach der letzten (510 Seiten und über 6.000 Titel umfassenden) Ausgabe von 1948 mit Ergänzungen bis 1961 wurde der Index librorum prohibitorum mit Wirkung vom 29. 3. 1967 außer Kraft gesetzt.

Die erste vollständige polnische Bibel wurde 1561 in Krakau von Markus Scharfenberg gedruckt.

Die erste Landkarte Schlesiens (Holzschnitt) schuf 1561 der Breslauer Pädagoge Martin Helwig (* 1516, † 1574).

Johannes Weyer (lat.: Wierus), kalvinistischer Arzt, (* Grave [Nordbrabant] 1515, † Tecklenburg 1588) wandte sich als erster öffentlich mit seiner Schrift "De praestigiis daemonum et incantationibus ac veneficiis" (lat.= Von den Blendwerken der Dämonen, von Zaubereien und Giftmischern), Basel 1563, gegen die Hexenverfolgung, besonders gegen den "Hexenhammer" (1487). Weyers Schrift, das erste Anti-Hexenbuch, kam auf den Index. (Letzte gesetzliche Hexenhinrichtungen in Europa: Niederlande 1610, England 1684, Frankreich 1745, Deutschland [Kempten] 1775, Schweiz [Glarus ] 1782.)

Der erste gedruckte (selbständige) Reiseführer in deutscher Sprache ist das von dem Augsburger Schulmeister und Notar Jörg Gail verfaßte, für das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation gültige Routenhandbuch "Ein neuwes nützliches Raißbüchlin", Augsburg 1563.

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. kamen die Trachtenbücher mit Darstellungen über die damals gültigen Kleiderformen auf. Das älteste bekannte gedruckte Trachtenbuch ist das von Ferdinando Bertelli, das u.d.T. "Omnium fere gentium nostrae aetatis habitus" 1563 in Venedig erschien.

Russischer Erstdrucker war Iwan Fedorow († 1583). Er richtete mit Hilfe des Zaren Iwan IV. (1547 - 1584) in Moskau eine Druckerei ein, in der er als erstes gedrucktes Buch am 1. März 1564 eine Apostelgeschichte in kirchenslawischer Übersetzung vollendete.

Meßkataloge waren gedruckte Verzeichnisse der auf den Buchmessen in Frankfurt/M. und Leipzig vom 16. bis 19. Jh. zum Verkauf angebotenen Bücher sowie der unmittelbar in Vorbereitung befindlichen Werke.
Der erste (private) Meßkatalog des Augsburger Buchhändlers Georg Willer (* um 1515, † 1594) erschien 1564 zur Frankfurter Buchmesse. (Ab 1598 amtliche Herausgabe des Willerschen Meßkataloges durch den Rat der Stadt Frankfurt/M. ["Ratsmeßkatalog"] ; erschien bis 1749.)
Den ersten Leipziger Meßkatalog brachte der Buchhändler Henning Grosse (* 1553, † 1621) 1594 heraus. (Erschien unter wechselndem Herausgeber bis 1860.)
Die Meßkataloge waren die frühesten, regelmäßig herausgegebenen Verzeichnisse von Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt (Buchhandelsverzeichnisse).

1565 begann in England nach Erschließung von Graphitgruben die Fabrikation von Graphitstiften.

Die erste spanische Bibelübersetzung für Protestanten erschien in Basel ab 1567.

Das bis in unser Jahrhundert aufgelegte "Betbüchlein", Wittenberg 1567, des evangelischen Theologen Johann Habermann, latinisiert Johannes Avenarius, (* Eger 1516, † Zeitz 1590) dufte das älteste bekannte Erbauungsbuch der lutherischen Kirche sein. (Es wurde auch als "Habermännlein" bezeichnet.)

Das erste gedruckte englische Gaunerbuch (Fahndungsbuch) - "A caveat for common cursetors, vulgarely called vagabones", London 1567 - verfaßte der englische Landgutbesitzer Thomas Harman aus Crayford (Kent). In einem Anhang finden sich, alphabetisch geordnet, namentlich bekannte Gauner, Bettler und Simulanten und ein Lexikon der englischen Bettlersprache.

Das erste schwedische Gesangbuch wurde 1567 von dem schwedischen Reformator Laurentius Petri (eigtl. Lars Petersson) (* Örebro 1499, † Uppsala 1573) herausgegeben.

Zur Zeit der Renaissance und des Barocks kamen die Saalbibliotheken auf, in denen die Bücher nur an den Wänden, teilweise unter Einbau von Galerien, aufgestellt waren, während die Mitte des Saales (abgesehen von Ausstellungsstücken) freiblieb.
Die erste Saalbibliothek Europas ist die 1567 gebaute Bibliothek des Klosterpalastes der spanischen Könige San Lorenzo el Real de El Escorial.

Der französische Ingenieur und Mathematiker Jacques Besson (* Grenoble um 1540, † Orléans um 1576) schrieb das erste maschinentechnische Buch der Neuzeit; "Theatrum instrumentorum et machinarum", Lyon 1569.

Der Geograph und Kartograph Gerhard Mercator (latinisiert aus Kremer) (* Rupelmonde [bei Antwerpen] 1512, † Disburg 1594) schuf mit der für die Seefahrt bestimmten Karte "Nova et accurata orbis terrae descriptio ad usum navigantium emendata accomodata", 18 Blätter, Duisburg 1569, die erste Weltkarte in der (bereits von Erhard Etzlaub[* 1462, † 1532] angewendeten, jedoch nach Mercator benannten) Mercator-Projektion, einer konformen, normalachsigen Zylinderprojektion der Erde, bei der sich die (als Geraden abgebildeten) Längen- und Breitenkreise rechtwinklig schneiden. Die Mercator-Projektion ist wegen ihrer Winkeltreue noch heute für die Navigation von Bedeutung.

Vorläufer des Atlasses (in der Bedeutung von Sammlung [gleichartig bearbeiteter] geographischer Karten in Buchform) waren die ab der ersten Hälfte des 16. Jh. von italienischen Kartenhändlern für ihre Kunden zu einem Band zusammengebundenen Karten verschiedenster Provenienz und damit ganz unterschiedlichen Formats und Maßstabs. Kartenauswahl und -anzahl war Sache des jeweiligen Käufers. Diese Landkartensammlungen wurden nach einem ihrer Verleger, dem in Rom wirkenden Kunstund Kartenhändler Antonio Lafreri (* 1512, † 1577), Lafreri-Atlanten genannt. Ab 1570 gaben ihnen die Verleger sogar ein einheitliches Titelblatt: einen Kupferstich, auf dem der Titan Atlas aus der griechischen Mythologie die Weltkugel auf seinen Schultern trägt. Überdies gab Lafreri in den Jahren 1570 bis 1572 seine Kartenkollektion schon unter einem einheitlichen Titel heraus ("Geografia. Tavole moderne di Geografia de la maggior parte del mondo di diversi autori").

Den ersten Atlas im Sinne der modernen europäischen Kartographie (Sammlung gleichartig bearbeiteter geographischer Karten [d.h. mit einer pro Ausgabe festen Anzahl und Reihenfolge von Karten gleicher Größe] in Buchform) gab der flämische Kosmograph und Kartograph Abraham Ortelius, eigtl. A. Oertel oder Ortels, (* Antwerpen 1527, † ebd. 1598) u.d.T. "Theatrum orbis terrarum" heraus. Der am 20. Mai 1570 bei dem Antwerpener Verleger Gillis Coppens van Diest erschienene Ortelius-Atlas besteht aus 53 Blättern mit 70 Karten (Länderkarten Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens, vier Kontinentkarten und einer Weltkarte), alle gestochen von dem in Köln wirkenden Flamen Franz Hogenberg (* vor 1540, † um 1590). Angefügt ist ein Verzeichnis von Kartographen ("Catalogus auctorum tabularum geographicarum"), deren Karten Ortelius für seinen Atlas stechen ließ. Der Atlas erfuhr bis 1624 41 Auflagen unter Erweiterung auf 121 große und 40 kleinere Karten.

Das Neue Testament, übertragen in die baskische Sprache durch Ioannes Leizarraga († um 1600), erschien 1571 in La Rochelle (in einem Sammelband mit kleineren kalvinistischen Schriften Leizarragas).

Die erste gedruckte Vedutensammlung, eine Sammlung von Abbildungen europäischer sowie einiger außereuropäischer Städte in Kupferstichen, herausgegeben von dem Kölner Kapiteldekan Georg Braun (* 1541, † 1622) unter Beteiligung namhafter Künstler und Gelehrter, erschien u.d.T. "Civitates orbis terrarum" sechsbändig in Köln und zum Teil in Antwerpen von 1572 bis 1618.

Der russische Erstdrucker Iwan Fedorow († 1583), der auch außerhalb des russischen Reiches druckte, gab in Lemberg 1574 einen Nachdruck der Moskauer Apostelgeschichte (1564) sowie eine Fibel (als erstes weltliches Buch) heraus und wurde somit der erste Drucker der Ukraine.

Den ersten gedruckten Bibliothekskatalog Deutschlands gab die Stadtbibliothek Augsburg (gegr. 1532) mit dem "Catalogus Graecorum librorum, manuscriptorum, Augustanae Bibliothecae ...", Augsburg 1575, heraus.

Das erste offizielle Diözesan-Gesangbuch (für Bamberg) erschien in Bamberg 1576.

Die erste gedruckte Sammlung von Volksbüchern, den beliebtesten höfischen Liebesromanen (wie Melusina [Druck 1471], Tristan und Isolde [Druck 1484], Magelone [Druck 1527] u.a.), gab der Frankfurter Verleger Sigmund Feyerabend (* Heidelberg 1528, † Frankfurt/M. 1590) u.d.T. "Buch der Liebe" 1578 und 1587 heraus.

Den ersten England-Atlas schuf der aus Yorkshire stammende Geometer Christopher Saxton (* um 1542, † 1611) mit seinem "Atlas of England and Wales", London 1579 (Kupferstich).

Der Essay (engl.; essay, frz.: essai [literarischer Versuch]) ist als eine eigenständige literarische Form eine Abhandlung (Prosatext), die eine literarische oder wissenschaftliche Frage in knapper und anspruchsvoller Weise erörtert.
Als Schöpfer der Kunstform des Essays gilt der französische Schriftsteller und Philosoph Michel Eyquem de Montaigne (* Schloß Montaigne [bei Bordeaux ] 1533, † ebd. 1592), dessen gesammelte Essays in Buchform erschienen: "Les essais", Bordeaux 1580, erweitert 1588 und 1595.

Das Neue Testament erschien erstmals in slowenischer Sprache, in der Übersetzung durch den slowenischen Schriftsteller Primoz Trubar (Primus Truber)(* Rascica 1508, † Derendingen [heute zu Tübingen] 1586), in Tübingen ab 1557, die Gesamtausgabe 1582.

Die erste vollständige isländische Bibel, in der Übersetzung durch den isländischen Bischof Gudbrandur Thorláksson (* 1541 [1542?], † 1627), wurde in Holum 1584 veröffentlicht.

Die erste slowenische Bibelübersetzung, besorgt durch den slowenischen Theologen Jurij Dalmatin (* Gurkfeld [heute zu Videm-Krsko]um 1547, † Ljubljana 1589), erschien in Wittenberg 1584.

Der niederländische Dichter Hendrik Laurensz(oon) Spiegel (Spieghel) (* Amsterdam 1549, † Alkmaar 1612) verfaßte die erste niederländische Grammatik ("Twe-spraack van de Nederduitsche letterkunst", Leiden 1584).

Der slowenische Schriftsteller Adam Bohoric (* bei Brestanica [Slowenien] um 1520, † in Deutschland um 1600) schrieb die in Wittenberg 1584 erschienene erste slowenische Grammatik ("Arcticae horulae"). (Zudem legte er die bis 1843 gültigen orthographischen Regeln des Slowenischen fest, die Jurij Dalmatin in seiner Bibelübersetzung 1584 benutzte.)

Das älteste bekannte Gutenbergbildnis (das, wie alle anderen Porträts, eine freie Erfindung ist) ist ein Kupferstich eines unbekannten Künstlers, enthalten in einem in Paris 1584 erschienenen Buch von André Thevet über berühmte Leute ("Vrais portraits et vies des hommes illustres").

Der niederländische Kartograph Lucas Janszoon Waghenaer (* 1533[?], † Enkhuizen 1606) schuf die ersten gedruckten Seeatlanten: "Spieghel der Zeevaerdt", Leiden 1584 - 1585, "Thresoor der Zeevaerdt", Leiden 1592 (mit in Kupfer gestochenen Seekarten).

Die Bezeichnung "Atlas" für eine Kartensammlung gab erstmals der Geograph und Kartograph Gerhard Mercator (latinisiert aus Kremer) (* Rupelmonde [bei Antwerpen] 1512, † Disburg 1594), und zwar für das Sammelwerk seiner 107 Karten "Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura", dessen Erscheinen in Disburg 1585 begann und erst 1595, vier Monate nach seinem Tod, von seinem Sohn Rumold (* um 1547, † 1599) vollendet wurde.

Das erste in lettischer Sprache gedruckte Buch ist der katholische Katechismus des ersten deutschen Jesuiten Petrus Canisius (* Nimwegen 1521, † Freiburg [Schweiz] 1597) in der Übersetzung des Jesuiten Erdmann Tolgsdorf (* 1550, † 1620), erschienen in Wilna 1585. (Ihm folgte der 1586 in Königsberg gedruckte Kleine lutherische Katechismus, den Johannes Rivius übertrug.)

Der flämische Mathematiker und Ingenieur Simon Stevin (* Brügge 1548, † Den Haag 1620) legte mit seiner Schrift "De thiende" (niederld.= Der Zehnte), Leiden 1585, die erste systematische Behandlung von Dezimalbrüchen (d.i. die Erweiterung des Dezimalsystems auf Brüche) vor, derzufolge die Dezimalbruchrechnung sich in Westeuropa durchsetzte. (Frz. Ausg.: 1585, engl. Ausg.: 1608, dt. Ausg.: 1965.)

Die erste Künstleranatomie (Lehrbuch der Anatomie für Künstler [Bildhauer, Maler, Graphiker]) schrieb der spanische Goldschmied und Ziseleur Juan de Arphe (* 1535, † 1595[?]), die u.d.T. "Varia commensuration para la escultura y arquitectura" 1585 in Sevilla erschien.

1586 wurde in Rom von dem Kupferstecher und Verleger Simone Verovio († nach 1608) der Notenstich (Musiknotendruck durch Plattendruck [von gestochenen Platten]) eingeführt. Bei diesem im Unterschied zum Blockdruck auf dem Tiefdruckprinzip beruhenden, seit dem 18. Jh. üblichen Verfahren werden Notenlinien, Noten und sonstige Zeichen (Notenhälse, Bögen, Taktstriche), wie beim Kupferstich, in eine Metallplatte (z.B. Kupfer) mit einem Stahlstempel eingeschlagen oder mit einem Stichel eingestochen und die geschwärzte Gravur auf Papier übertragen.

Das (vermutlich) erste gedruckte Trachtenbuch in deutscher Sprache ist das 1586 in Frankfurt/M. bei Sigmund Feyerabend verlegte Frauentrachtenbuch "Im Frauwenzimmer wirt vermeldt von allerley schönen Kleidungen vnnd Trachten der Weiber hohes vnd niders Stands ...". Die Holzschnittillustrationen der Frauentrachten aus verschiedenen deutschen und europäischen Ländern und verschiedener Stände schuf Jobst Amman(n) (* Zürich 1539, † Nürnberg 1591). (Die Verfasserschaft ist nicht eindeutig geklärt, wenn auch das Titelblatt einen Gelehrten namens Thrasibulus Torrentinus nennt.)

Die älteste, heute noch bestehende amtliche (offizielle) Buchdruckerei ist die Vatikanische Druckerei, die an sich auf das Jahr 1561 zurückgeht, in dem Papst Pius IV. (1559 - 1565) Paulus Manutius (* 1512, † 1574), den Sohn des bedeutenden italienischen Frühdruckers Aldus Manutius (* Bassiano [bei Velletri] 1449, † Venedig 1515), mit der Einrichtung einer päpstlichen Druckerei in Rom beauftragte, die gegenreformatorischen Zwecken dienen sollte. Aber erst Papst Sixtus V. (1585 - 1590), der die römische Kurie grundlegend reformierte, gab der von ihm 1587 begründeten Stamperia Vaticana eine dauernde Grundlage und ernannte 1590 Aldus Manutius d.J. (* 1547, † 1597), den Enkel von Aldus Manutius, zu ihrem Leiter. Das erste Buch dieser Presse war die revidierte Vulgata (Biblia Sixtina, 1589.

Die erste Bibelübersetzung in die kymrische (walisische) Sprache, besorgt durch William Morgan (* um 1545, † 1604), erschien in London 1588.

Der französische Geistliche Thoinot Arbeau (eigtl. Jehan Tabourot) (* Dijon 1519, † Langres um 1595), seit 1574 Domherr in Langres, veröffentlichte 1588 in Langres das erste grundlegende Tanzlehrbuch ("Orchésographie et traiclé en forme de dialogue, par lequel toutes personnes peuvent facilement apprendre et practiquer l.honneste exercice des dances") als wichtigste Quelle für die Kenntnis des Tanzes des 16. Jh. und als einen allerdings noch wenig ausgereiften Versuch, den Tanz aufzuzeichnen (Tanzschrift).

Vorläufer der heutigen (Tages-) Zeitungen waren die Meßrelationen, die erstmals regelmäßig und periodisch zu den Verkaufsmessen in Frankfurt/M. und Leipzig herausgegebenen Sammlungen von Berichten ("Relationen") über zeitgenössische (selten geschichtliche)Ereignisse aus Europa.
Herausgeber der frühesten bekannten (auf der Frankfurter Messe verkauften) Meßrelationen war der österreichische Diplomat und Publizist Michael von Aitzing (Eyzinger) (* Obereitzing/Inn um 1530, † Bonn 1598) mit der "Postrema relatio historica" (Köln 1588 - 1593 [halbjährlich]; 1594 - 1597 [jährlich]).

Der Engländer Timothy Bright (* 1551, † 1615) entwickelte das erste neuzeitliche Stenographiesystem, eine geometrische Wortschrift (in Form von Kürzeln aus einfachsten geometrischen Elementen [Strichen, Bögen, Kreisen, Punkten u.ä.]). Er beschrieb es in dem Buch "Characterie: an arte of shorte, swifte, and secrete writing by character" (engl.= Wortdarstellung: eine Kunst des kurzen, schnellen und geheimen Schreibens durch Wortkürzel), London 1588.

Die Lesemaschine (Leserad) (zwei drehbare Radscheiben, zwischen denen auf stets waagerechten Brettern zum Lesen aufgeschlagene Bücher lagen), erfunden von dem Ingenieur Agostino Ramelli (* Mesenzana 1531, † Paris 1608), ist vereinzelt aus dem 16. und 17. Jh., der Zeit der überdimensionalen schweren Folianten, bekannt.
Die erste veröffentlichte Abbildung eines Leserades findet sich in Ramellis in italienischer und französischer Sprache herausgegebenen Werk über Maschinen aller Art "Le diverse et artificiose machine ... composte in lingua italiana et francese", Pargi: A. Ramelli 1588. (Dt. Ausg. u.d.T. "Schatzkammer mechanischer Künste", Leipzig 1620.)

Die erste vollständige ungarische Bibelübersetzung durch den ungarischen Reformator Kaspar Károlyi (* Nagykároly [heute Carei, Rumänien ] 1529, † Gönc [bei Miskolc ] 1591) wurde 1590 in dem ungarischen Dorf Visoly von einem Polen namens Manskovit gedruckt und erlangte in Ungarn die gleiche Bedeutung wie die Lutherbibel in Deutschland.

Die erste Miniaturausgabe des Neuen Testaments in englischer Sprache wurde mit den Maßen 76 mm x 49 mm in London 1591 gedruckt.

Die in Deutschland vom 16. bis 18. Jh. verbreitete Hausväterliteratur (Werke mit Lehren für die Führung des Hauswesens durch den Hausvater) begann mit dem Hausväterbuch "Oeconomia ruralis et domestica" (lat.= Landund Hauswirtschaft), 5 Bde., Wittenberg 1593 - 1599, von Johann Coler (Colerus), Pastor in der Mark Brandenburg (* Adelsdorf bei Goldberg [Schlesien] 1566, † Parchim 1639).

Ein Libretto (ital. eigtl. "kleines Buch") ist ein kleinformatiges Textbuch und der Text selbst zu musikalischszenischen Werken (Opern, Operetten, Singspielen, Musicals).
Das erste Opernlibretto ist der von dem italienischen Dichter Ottavio Rinuccini (* Florenz 1562, † ebd. 1621)geschriebene Text zur ersten Oper "Dafne" ("La favola di Dafne"), 1594 vertont von dem italienischen Komponisten Jacopo Peri (* Rom 1561, † Florenz 1633).
(Die Opernpartitur ist nur fragmentarisch erhalten. Rinuccini schrieb ebenfalls das Libretto zu der ersten erhaltenen Oper "Euridice", 1600 vertont von Jacopo Peri.)

Das erste gedruckte französische Gaunerbuch (Fahndungsbuch) - "La vie généreuse", Lyon 1596, des Pechon de Ruby - ist eine auf eigenen Erfahrungen basierende Schilderung des organisierten Bettler- und Gaunerwesens in Frankreich nebst einer Zusammenstellung von Wörtern und Redensarten aus der französischen Gaunersprache.

Der Arzt und Chemiker Andreas Libavius (eigtl. A. Libau) (* Halle/Saale um 1550, † Coburg 1616) verfaßte das erste systematische (von der Alchimie sich lösende) Lehrbuch der Chemie ("Alchymia", Frankfurt/M. 1597).

Die älteste deutschsprachige Monatszeitung wurde unter dem (variierenden) Jahrestitel "Historische Relatio, und Erzehlung der fürnembsten handlungen vnd Geschichten ..." von Samuel Dilbaum (* Augsburg 1530, † ebd. 1618) herausgegeben und von Leonhart Straub (* 1550, † 1606) in der Nähe von Rorschach erstmals 1597 gedruckt. (Laut Vorankündigungen war ihr periodisches Erscheinen beabsichtigt. Nach einem bisher nur bekannten ersten Jahrgang wurde inzwischen ein zweiter Jahrgang gefunden.)

Mit der Aufführung der Schuldramen der deutschen Humanistenschulen im 16. und 17. Jh. war die Herausgabe von sogenannten Periochen (griech.= Inhaltsangaben) verbunden. Diese in Latein und Deutsch gedruckten, etwa schulheftgroßen Zettel sollten den Zuschauern, besonders denen, welche die lateinische Sprache nicht beherrschten, die Handlung erklären.
Die erste bekannte Perioche stammt aus dem Jahr 1597 und war anläßlich einer Aufführung zur feierlichen Einweihung der Michaelskirche in München gedruckt worden. (Textanfang: "Triumph und Frewdenfest zu Ehren dem Heiligen Ertzengel Michael Als Schutzfürsten und Patron der New geweychten Herrlichen Kirchen ...".)

Der englische Diplomat und Gelehrte Sir Thomas Bodley (* Exeter 1545, † London 1613) begründete durch seine Bücher- und Geldstiftungen 1598 die Universitätsbibliothek Oxford neu, die, 1602 in den wiederhergestellten Räumen des damals zerstörten Bibliotheksgebäudes eingerichtet, nach ihm Bibliotheca Bodleiana (Bodleian Library) genannt wurde. Sie ist die erste öffentliche Bibliothek Englands.

Das erste von einer Frau verfaßte gedruckte Kochbuch in deutscher Sprache ist: Wecker(in), Anna: Ein köstlich new Kochbuch von allerhand Speisen, an Gemüsen' Obs, Fleisch, Geflügel, Wildbret, Fischen vnd Gebachens, Amberg 1598.

Die wissenschaftliche Tierheilkunde begann mit der von Carlo Ruini (* 1530, † 1598) verfaßten ersten Anatomie - des Pferdes "Dell' anatomia, e dell' infermita del cavallo", Venetia 1598 (mit Holzschnitten).


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Last update: 25. April 2000 © by Walther Umstaetter