Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993

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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

Das 15. Jh.

Vorformen der "Massenproduktion" von Büchern finden sich in jenen Handschriftenmanufakturen des 15. Jh., die, im Gegensatz zur bisher üblichen Auftragsarbeit, im Sinne der heutigen Verleger auf Vorrat arbeiteten, d.h. ein Lager solcher Handschriften unterhielten, von denen sie sich einen guten Absatz versprachen und für die sie Werbung betrieben.
Als erster bekannter Inhaber einer größeren Handschriftenmanufaktur gilt der Schreiber und Handschriftenhändler Diebolt (Diebold) Lauber in Hagenau (Elsaß) (dort nachweisbar 1427 - 1467). In seiner Werkstatt arbeiteten 5 Schreiber und 16 Zeichner; sein Absatzgebiet für religiöse, unterhaltende, juristische und naturwissenschaftliche Handschriften in deutscher Sprache reichte von Süddeutschland bis zum Niederrhein.

Die erste und einzige namentlich bekannte deutsche Handschriftenkopistin (Schreiberin), die gewerbsmäßig Handschriften reproduzierte, war die Augsburgerin Klara Hätzerlin, urkundlich bezeugt von 1452 bis 1476. Geschrieben wurde von ihr u.a. ein Liederbuch (1471).

Der erste namentlich bekannte deutsche Kupferstecher ist der Maler Martin Schongauer (* Colmar um 1450, † Breisach 1491). (Seine Stiche sind stets mit den Buchstaben M. S. und einer kreuzähnlichen Hausmarke versehen.)

Die früheste Tanzschrift (griech.; Choreographie, Aufzeichnung von Bewegungsabläufen im Tanz) ist in einem handgeschriebenen Tanzheft im Besitz der Margarete von Österreich (* Brüssel 1480, † Mecheln 1530) aus dem 15. Jh. erhalten. Hier wurde der Ablauf eines Tanzes mit Hilfe von Buchstaben festgehalten.

Als Ende des 14. Jh. die im 13. und 14. Jh. beliebten, auf Pergament gemalten Andachts- und Heiligenbilder im Holztafeldruck vervielfältigt und damit zur populären Massenkunst wurden, gingen aus diesen Einblattdrucken im 15. Jh. als ein neues Kommunikationsmittel die sogenannten Bilderbogen hervor, Bildfolgen mit kurzen, meist gereimten Texten, die auf Jahrmärkten und Kirchenfesten feilgeboten wurden. Da zu den religiösen Motiven auch weltliche traten, waren sie nicht nur zur Erbauung, sondern auch zur Belehrung, Belustigung, zur Verbreitung von Nachrichten und als Mittel im religiösen und politischen Streit bestimmt. Die ursprüngliche Holzschnittechnik wurde später durch den Kupferstich, die ein- und mehrfarbige Lithographie und andere Verfahren verdrängt. Die Bilderbogen blieben bis ins 19. Jh. ein wichtiges Nachrichtenmittel und erreichten durch Massenanfertigung und fabrikmäßige Kolorierung einen ungeahnten Aufschwung. Sie verloren ihre Bedeutung mit dem Aufkommen der Tageszeitungen, der illustrierten Zeitschriften und Bücher. Die Bilderbogen haben sich in den heutigen Comics erhalten.

Bedingt durch die europäischen Wegeverhältnisse blieb bis in das 16. Jh. das Reiten auf Pferden oder Maultieren die Hauptbeförderungsart für Personen.
Mit der Entwicklung der im 15. Jh. aufgekommenen und im 16. Jh. in Europa üblichen von Pferden gezogenen Kutschen, bei denen der Fahrgast mit einer an Gurten über dem Radgestell aufgehängten und mit Fenstern versehenen Kabine saß, und besonders nach Einführung der Stahlfedern zur Federung des Unterwagens im 17. Jh. wurde die Kutsche immer mehr zum universellen Beförderungsmittel für Personen und Güter.
Das Wort Kutsche leitet sich von dem Namen des ungarischen Städtchens Kocs ab, aus dem diese Art des Pferdewagens stammt; es wurde zur allgemeinen Bezeichnung für alle vierrädrigen Pferdewagen mit einem (festen oder zurückschlagbaren) Verdeck. Die Kutsche, aus der sich viele Wagenformen entwickelt haben, lebte noch in der Konstruktion der ersten Eisenbahnen weiter, und selbst Gottlieb Wilhelm Daimler baute 1886 seinen ersten "Wagen ohne Pferde" als Kutsche mit eingebautem Motor.

Aus dem Jahr 1403 stammt ein Dekret eines der koreanischen Könige der Choson-Dynastie (1392 - 1910), mit welchem zur Förderung der Volksbildung der Druck der gesamten koreanischen Literatur mit kupfernen Typen angeordnet wurde. So wurde die erste Gießerei für Metalltypen (Schriftgießerei) in Korea wohl um 1403 offiziell eingerichtet.

Bis zum 14./15. Jh. gab es in Europa keine eigenständigen, unmittelbar verwertbaren Texte zur Kriegstechnik. So gilt als die älteste deutsche Waffenhandschrift auch erst die in lateinischer Sprache abgefaßte Bilderhandschrift "Bellifortis" (lat.= Der Kriegsheld) (1405) des fränkischen Edelmannes Konrad (Conrad) Kyeser von Eichstätt (* 1366, † um 1405). Sie beschreibt (überwiegend in Versen) Waffen und Kriegsmaschinen.

Der Holzschnitt (graphisches Hochdruckverfahren, bei dem eine vorgezeichnete Darstellung [Bild, Text] aus einer später als Druckstock dienenden Holztafel herausgeschnitten wird) ist in Europa seit dem 14. Jh. bekannt. Erste von Holzschnitten hergestellte Druckerzeugnisse (Holztafeldrucke) waren Einblattholzschnitte (Einblattdrucke), d.h. auf einzelnen Blättern abgedruckte Holzschnitte, meist religiösen Inhalts (Blätter zur Erinnerung an Wallfahrten, zur Popularisierung wundertätiger Heiliger u.ä.) sowie Spielkarten.
Die ältesten bekannten und datierten Holzschnitte sind der Brüsseler Einblattdruck einer Muttergottes ("Brüsseler Madonna"), der die Jahreszahl 1418 trägt, sowie eine Darstellung des heiligen Christopherus mit der Jahreszahl 1423, der im Kloster Buxheim bei Memmingen gefunden wurde ("Buxheimer Christopherus").
Es war naheliegend, für einen fortlaufenden Text mit Bildern Holztafeldrucke zu einem "Buch", dem sogenannten Blockbuch, zusammenzufassen, bei dem für jede Seite ein Holzstock (Block) geschnitten wurde. Die ältesten Blockbücher entstanden um 1430 zumeist in Deutschland und in den Niederlanden (ältestes datiertes Blockbuch: 1470); sie wurden mit Beginn des 16. Jh. durch Johannes Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern endgültig verdrängt.

Die erste Landkarte von Skandinavien erschien als neue Beilage einer handschriftlichen Ptolemäusausgabe ("Geographie") 1427, die der dänische Geograph Claudius Clausson Svart (Claudius Clavus Svartbo)(* auf der Insel Fünen 1388) nach älteren Quellen und Berichten skandinavischer Seefahrer gezeichnet hatte. (Die [1830 in Nancy/Frankreich wiederentdeckte] Karte lieferte Martin Waldseemüller für seine Weltkarte von 1507 und seine Ausgabe der "Geographie" des Ptolemäus von 1513 die Informationen über Nordeuropa.)

Eins der ältesten bekannten "Fahndungsbücher" sind die "Basler Betrügnisse der Gyler" (= Bettler), eine im Auftrag des Rates der Stadt Basel angelegte Sammlung von Fahndungsblättern (mit "Erkenntnissen" über 28 verschiedene Bettler- und Gaunertypen), die den Ordnungshütern (auch denen anderer Städte durch Abschriften der "Betrügnisse") zur Erkennung und Ergreifung der Vaganten dienen sollten. Der Stadtschreiber Johannes Zwinger hat dieses Gaunerverzeichnis mit angefügtem kleinem Rotwelsch-Glossar (Wörterverzeichnis der deutschen Gaunersprache) 1430/1440 in einen offiziellen Aktenband der Stadt Basel eingetragen, in dem es erhalten blieb.

Die schon bei den Griechen und Römern bekannte Mnemotechnikxx, ein Verfahren zur leichteren Einprägung von Lerninhalten (Vokabeln, Geschichtsdaten u.ä.) mit Lernhilfen (Merkversen, bildlichen Darstellungen u.ä. ["Eselsbrücken"]), hatte im Mittelalter (bis zum 17. Jh.) große Bedeutung. Die erste deutsche Mnemotechnik (Gedächtnisfibel) schuf der Schriftsteller und Gelehrte Johannes Hartlieb (* in Bayern nach 1400, † 1468) 1430 oder 1432 mit der "Kunst der gedechtnüß".

Das Jahr 1440 ist als das fiktive Jahr der Erfindung des Buchdrucks (Hochdrucks) mit beweglichen Metall-Lettern und des Druckens auf einer Druckerpresse durch Johannes Gutenberg (eigtl. Johannes Gensfleisch zur Laden genannt Gutenberg) (* Mainz zwischen 1397 und 1400, † ebd. 1468) zur Tradition geworden.
Gutenberg unternahm seit etwa 1436 in Straßburg, ab 1440 in Mainz Versuche mit einzelnen, völlig gleich gestalteten, auswechselbaren Metalltypen (Bleilettern), die mit Hilfe geschnittener Stahlstempel, Kupfermatrizen und des Handgießinstrumentes angefertigt wurden. Aus den Lettern fügte er Druckformen zusammen und druckte mit ihnen (ab etwa 1445) auf einer ebenfalls von ihm entwickelten Druckerpresse. Gutenbergs Erfindung war der erste Schritt zur Massenkommunikation, die sich des geschriebenen Wortes bedient.

Die Biblioteca Marciana (Marciana), die von Cosimo de' Medici (dem Alten) (* Florenz 1389, † Villa Careggi [heute zu Florenz] 1464) um 1441 gegründete Bibliothek des Dominikaner-Klosters San Marco in Florenz, war die erste öffentliche Bibliothek Italiens und der Neuzeit (in der christlichen Kultur). Ihren Grundstock bildeten die Cosimo von dem italienischen bibliophilen Humanisten Niccolò de 'Niccoli (* Florenz 1363, † ebd. 1437) hinterlassenen Handschriften.

Durch Rekonstruktion der Entwicklung von Johannes Gutenbergs Drucktype glaubt man, daß der älteste erhaltene Druck in der Urtype Gutenbergs in Mainz um 1445 entstanden ist. Es ist das sogenannte "Fragment vom Weltgericht", ein auf beiden Seiten bedrucktes kleines Papierblatt, das 1892 aus dem Einband eines Rechnungsbuches der Mainzer Universität herausgelöst wurde. Der Text, ein vom Weltgericht handelndes Gedicht, ist ein Bruchstück aus einem um 1360 in Thüringen verfaßten deutschen Sibyllenbuch. Dieser älteste Gutenbergdruck befindet sich heute im Besitz des Gutenberg-Museums, Mainz.

Der Kupferstich ist innerhalb der druckgraphischen Verfahren die früheste Tiefdrucktechnik, bei der die mit einem Grabstichel in eine glattpolierte Kupferplatte eingeritzte Zeichnung nach Einfärbung der Platte durch Druck auf Papier übertragen wird. (Kupferstich ist auch der nach dem Verfahren des Kupferstiches hergestellte Druck.)
Der älteste datierte Kupferstich, die "Geißelung Christi" von einem unbekannten Meister, trägt die Jahreszahl 1446.

Buchhändler benutzten schon im 15. Jh. Anzeigen, deren Aushang oder Verteilung auf Kaufgelegenheiten von Büchern aufmerksam machen sollte.
Die älteste bekannte Bücheranzeige (Buchhändleranzeige) ist 1447 von der Schreiberwerkstatt Diebolt (Diebold) Lauber in Hagenau (Elsaß) (handschriftlich) verbreitet worden. Der Aufzählung der sofort lieferbaren Titel geht folgender Text voraus: "Item welcher hande buecher man gerne hat, groß oder klein, geistlich oder weltlich, hübsch gemolt, die findet man alle bey diebolt louber, schriber in der burge zu hagenow".

Das erste in Deutschland mit beweglichen Lettern gedruckte Schulbuch war ein Lehrbuch der lateinischen Sprachlehre, eine zweiteilige lateinische Grammatik ("Ars minor" für Anfänger, "Ars maior" für Fortgeschrittene [lat.= Kleineres/Größeres Lehrbuch]) des römischen Grammatikers Aelius Donatus (4. Jh.). (Von dieser [auch schon als Blockbuch erschienenen] im Mittelalter maßgebenden Schulgrammatik wurden im 15. Jh. mehr als 350 Ausgaben gedruckt. Aus Gutenbergs Druckerei in Mainz sind allein 24 Ausgaben, gedruckt ab etwa 1448, bekannt.)

Das erste kaufmännische Rechenbuch auf deutschem Boden verfaßte der Regensburger Benediktinerfrater Fridericus Gerhart († 1464 oder 1465) mit seinem "Algorismus Ratisbonensis" (lat.= Regensburger Algorithmus). Der eine umfangreiche Aufgabensammlung ("Practica") aus dem Wirkungsbereich des Kaufmanns, Münzmeisters u.ä. enthaltende Algorismus Ratisbonensis ist in sechs Handschriften (teils lateinisch, teils deutsch, teils in einem Sprachgemisch) überliefert, von denen die älteste 1449 - 1450 geschrieben wurde.

Das erste Altar-Buch (und zugleich das einzig bekannte Beispiel einer solchen Buchform) ist ein für den kunstsinnigen Philipp III., den Guten, (* Dijon 1396, † Brügge 1467), Herzog von Burgund (1419 - 1467), in Flandern um 1450 angefertigtes Gebetbuch, dessen oberer Einbandteil als gotischer Flügelaltar ausgebildet ist (heute im Besitz der österreichischen Nationalbibliothek, Wien). (Faksimileausg. nebst Kommentarbd. von Otto Mazal u.d.T. "Das Buchaltärchen Philipps des Guten", Luzern 1991.)

Die 42zeilige lateinische Bibel (auch Gutenberg-Bibel und B42 genannt) ist das erste im Abendland mit beweglichen gegossenen Typen gedruckte repräsentative Buch und zugleich das einzige Druckwerk, das mit Sicherheit von Johannes Gutenberg in Mainz gedruckt wurde. Diese von 1452 bis 1455 gedruckte (spätestens im Frühjahr 1456 vollendete) Bibel, die früheste gedruckte Bibel überhaupt, besteht aus zwei Bänden, dem Alten und Neuen Testament, und umfaßt 1282 Folioseiten. Der Text der Vulgata ist in zwei Kolumnen (zunächst für einige wenige Seiten zu 40 Zeilen, dann in 41 Zeilen und schließlich in 42 Zeilen) gesetzt; für Buch- und Schriftgestaltung war die zeitgenössische Prachthandschrift das Vorbild. Von den etwa 180 gedruckten Exemplaren der B42 sind heute nur noch 48, teilweise fragmentierte Exemplare (12 davon auf Pergament und 36 auf Papier) erhalten.

Als die ältesten exakt datierbaren (mit beweglichen Lettern hergestellten) Drucke gelten ein in den Jahren 1454 und 1455 gedruckter 30zeiliger und 31zeiliger Ablaßbrief, die aufgrund von Typenübereinstimmungen wohl in Gutenbergs Werkstatt in Mainz entstanden sind. In den Ablaßbriefen (welche die Kirche verkaufte und mit ihnen den Nachlaß von zeitlichen Sündenstrafen versprach) waren die Stellen für Datum des Verkaufs (Ausgabedatum) und Namen des Käufers für den handschriftlichen Eintrag freigelassen. Das älteste Ausgabedatum (22. Oktober 1454) der überlieferten Ablaßbriefe ist das erste sichere Datum für ein Mainzer Druckwerk überhaupt. Die Mainzer Ablaßbriefe gehören zu den ältesten offiziellen Formulardrucken.

Der Buchdruck wurde sehr bald in den Dienst der Politik und Propaganda gestellt. Als erste gedruckte politische Propagandaschrift (Flugschrift) gilt der (aus sechs Quartblättern bestehende) sogenannte Türkenkalender für das Jahr 1455 (beginnend mit: "Eyn Manung der christenheit widder die durken"), der zu einem Kreuzzug gegen die Türken aufrief, die am 29. Mai 1453 Konstantinopel erobert hatten. (Die Kalenderform mit Neumondberechnungen und anderen Kalenderangaben wurde gewählt, um den mutmaßlichen Einfluß der Gestirne für die Kreuzzugszwecke zu nutzen.)
Der Johannes Gutenberg zugeschriebene Türkenkalender wurde nach dem 6. Dezember 1454, aber vor dem 1. Januar 1455 gedruckt, da er einerseits eine erst am 6. Dezember 1454 in Frankfurt eingetroffene Erfolgsmeldung vom Kampf gegen die Türken enthält und andererseits der Text mit "Eyn gut selig nuwe Jar", dem ersten bekannten gedruckten Neujahrswunsch, endet.

Das in der Mainzer Offizin von Johannes Fust und Peter Schöffer gedruckte "Psalterium Moguntinum" (lat.Mainzer Psalter) von 1457 ist das erste in drei Farben gedruckte Buch mit zweifarbigen (rot und blau) gedruckten Initialen und enthält in der Schlußschrift den ältesten Druckvermerk (Impressum) des europäischen Buchdrucks. (Als Hersteller werden der Mainzer Bürger Johannes Fust [* Mainz um 1400, † Paris 1466] und Peter Schöffer aus Gernsheim [* Gernsheim, † Mainz 1503 ]ausgewiesen; als Datum der Fertigstellung wird "anno 1457 am Abend vor Mariä Himmelfahrt" [d.i. der 14. August 1457 ] angegeben.) Schließlich enthält der Mainzer Psalter in einem überlieferten Exemplar zum ersten Mal ein Druckerzeichen (das von Fust und Schöffer) in roter Farbe eingedruckt.

Der Druckfehler (der auf einen oder mehrere falsch gesetzte Buchstaben zurückgehende Fehler im gedruckten Text) ist so alt wie der Buchdruck selbst. Schon eins der frühesten Druckwerke, der Mainzer Psalter von 1457, enthält einen Druckfehler: Auf der letzten Seite steht statt "psalmorum" "spalmorum".

Johann Mentelin (* Schlettstadt um 1410, † Straßburg 1478), Schreiber und Notar, seit 1447 Bürger in Straßburg, gründete dort wahrscheinlich um 1458 die erste Buchdruckerei. (Mit Sicherheit druckte er seit 1460.)

Die im 14. Jh. in Italien entstandene Gotico-Antiqua, eine karolingisch-gotische Mischschrift, wurde die erste Brotschrift (Werk-, Textschrift) der Frühdrucker. Sie wurde erstmals von dem Mainzer Drucker Peter Schöffer in dem 1459 erschienenen "Rationale divinorum officiorum", einem Handbuch über gottesdienstliche Gebräuche, des französischen Kirchenrechtslehrers Guillelmus Drandus (* bei Béziers 1237, † Rom 1296) verwendet.

Albrecht Pfister († 1466), Kleriker der Bamberger Diözese, war der erste Buchdrucker in Bamberg, wo er nachweislich von 1460 bis 1464 wirkte.

Ursprungsort der Drucke volkstümlicher deutschsprachiger Literatur war Bamberg. Hier erschienen bei Albrecht Pfister die ersten gedruckten Bücher in deutscher Sprache und die ersten mit Holzschnittillustrationen versehenen Inkunabeln: "Der Ackermann aus Böhmen", ein Prosadialog zwischen Mensch und Tod über den Sinn des Lebens von Johannes von Tepl (Johannes von Saaz) (* Sitbor oder Tepl [heute Teplá]um 1350, † Prag 1414), gedruckt um 1460, wahrscheinlich 1461, und die Fabelsammlung "Der Edelstein" des Schweizer Ulrich Boner (1324 - 1349 urkundlich in Bern nachgewiesen), gedruckt 1461.

Die Mainzer Kalenderdrucke, die im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte des Buchdrucks genannt werden (Türkenkalender für 1455 [gedruckt 1454]; Aderlaß- und Laxierkalender für 1457 [gedruckt 1456]; Cisianus, deutsch [gedruckt vermutlich 1457]; Astronomischer Kalender für 1448 [gedruckt vermutlich 1457/1458]), stellen keine Kalender im eigentlichen Sinne dar. Vielmehr waren die frühesten gedruckten Kalender die nur für ein Jahr berechneten Kalendereinblattdrucke (Einblattkalender), die neben der Jahreseinteilung Angaben zu Festtagen, Mondphasen und astronomischen Erscheinungen enthielten, die mit astrologischen und pseudomedizinischen Ratschlägen kombiniert waren.
Als der wohl älteste erhalten gebliebene Kalendereinblattdruck gilt der "Wiener Kalender für 1462", gedruckt in Ingolstadt von Ulrich Han (* Ingolstadt um 1425, † Rom 1479 [1480?]).

Titelblatt nennt man das Blatt im Buch, das die bibliographischen Angaben, wie Buchtitel (gebräuchliche Kurzbez.: Titel, d.i. der das Buch kennzeichnende Name), Name des Verfassers, Erscheinungsort, Verlag, Erscheinungsjahr u.a. enthält.
Die frühen Drucke hatten keine Titelblätter, sondern begannen wie die Handschriften auf der ersten Seite mit der Überschrift des ersten Abschnittes des Buches oder sogleich mit dem Text. Angaben über Buchtitel, Verfasser, Druckort, Drucker und Erscheinungsjahr wurden, wenn überhaupt, in der Schlußschrift (Kolophon) gemacht.
Das älteste bekannte Titelblatt findet sich in der von Johannes Fust und Peter Schöffer in Mainz 1463 gedruckten Kreuzzugsbulle von Papst Pius II. Es enthält (in zwei Zeilen) allerdings nur den Titel der Schrift ("Bulla cruciata sanctissimi do-/mine nostri Pape cotra turchos"), gedruckt in einer größeren Type als der folgende Text.
(Das Titelblatt einer von Fust und Schöffer wohl zu derselben Zeit mit denselben Typen gedruckten deutschen Übersetzung gibt den Titel in vier Zeilen an ["Disz ist die bul zu dutsch die vn=/ser allerheiligster vatter der babst/Pius herusz gesant hait widder/die snoden vngleubigen turcken"].)
Auch die erst wieder ab 1470 auftretenden Titelblätter mit schwankender Fassung, zum Teil schon mit mehreren Angaben, blieben vereinzelte Vorläufer des Titelblattes, dessen endgültige Form erst Anfang des 16. Jh. gefunden wurde.

Die erste Buchdruckerei in Italien (und zugleich die erste Druckerei außerhalb Deutschlands) wurde von den beiden deutschen Benediktinern Konrad Sweynheim († 1477) und Arnold Pannartz 1464 in dem Benediktinerkloster Santa Scolastica bei Subiaco in der Nähe von Rom eingerichtet, die 1467 nach Rom verlegt wurde. (Beide Drucker trennten sich 1473; Pannartz druckte noch bis 1476, Sweynheim starb 1477 über dem Druck einer Ptolemäusausgabe.)

Im zweiten Jahrzehnt des 15. Jh. kam in Italien die Antiqua (Littera antiqua [lat.= alte Schrift]) als handgeschriebene Buchschrift auf. Vorbild für ihre Großbuchstaben war das Alphabet der antiken, in Stein gehauenen Inschriften, für ihre Kleinbuchstaben die karolingische Minuskel.
Gefördert durch den Humanismus entstanden 1465 die ersten Drucktypen der Antiqua in der Offizin der deutschen Drucker Konrad Sweynheim und Arnold Pannartz in Subiaco bei Rom.

Das erste in Italien gedruckte Buch war "De oratore" (lat.= Über den Redner) von Marcus Tullius Cicero (* Arpinum [heute Arpino] 106 v.Chr., † bei Formiae [heute Formia] 43 v.Chr.), gedruckt in Subiaco 1465 von Konrad Sweynheim und Arnold Pannartz.

Der Kleriker Ulrich Zell (* Hanau, † Köln 1503), der wahrscheinlich in Mainz bei Johannes Fust und Peter Schöffer den Buchdruck erlernt hatte, ließ sich 1464 in Köln nieder und richtete hier die erste Buchdruckerei ein. Sein erster Druck erschien 1465.

Die erste gedruckte deutschsprachige Bibel (und zugleich die erste gedruckte Bibel in einer lebenden Sprache) erschien 1466 bei dem Drucker Johann Mentelin in Straßburg. Trotz vieler Übersetzungsfehler blieb sie der Standardtext aller deutschen Bibeln vor Luther.

Die erste gedruckte Bücheranzeige ist 1466 bei Heinrich Eggestein in Straßburg erschienen.

Kryptographie (zu griech. kryptós - verborgen) ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Methoden zur Verschlüsselung (Chiffrierung) und Entschlüsselung (Dechiffrierung) von Information (früher auch die Bezeichnung für Geheimschrift). Die Wissenschaft der Kryptographie ist die Kryptologie, die heute als Teilgebiet der Informatik gilt, das enge Beziehung zur Mathematik (insbesondere zur Komplexitätstheorie und Zahlentheorie) hat.
Das erste überlieferte über die Lehre von Geheimschriften verfaßte Manuskript ("De componendis cifris", 1466; Erstdruck in einem Sammelwerk, Venedig 1568) stammt von dem italienischen Humanisten, Künstler und Gelehrten Leon Battista Alberti (* Genua 1404, † Rom 1472), der als eigentlicher Begründer der Kryptologie gilt. (Alberti beschrieb 1466 auch den ersten polyalphabetischen Schlüssel.)

Theaterzettel, Einzelblätter mit Angaben des Theaters über eine angekündigte Aufführung, sind die Vorläufer der Theaterprogramme und -plakate. Die Theaterzettel wurden angeschlagen und durch Zettelträger verteilt. Der älteste, noch handschriftlich überlieferte Theaterzettel aus Deutschland, welcher die Aufführung eines geistlichen Stückes in Hamburg ankündigte, stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1466.

Der erste Buchdrucker in Rom war ab 1467 Ulrich Han (* Ingolstadt um 1425, † Rom 1479 [1480?]) (der hier bereits vor Konrad Sweynheim und Arnold Pannatz tätig war).

Das früheste holzschnittgeschmückte Buch Italiens druckte Ulich Han 1467 in Rom. Es waren die "Meditationes de vita Christi" des spanischen Kardinals Johannes de Turrecremata (Juan de Torquemada) (* Valladolid 1388, † Rom 1468).

Die Rotunda (lat.- die Runde), eine gerundete Abart der gotischen Minuskel, die sich im 13. und 14. Jh. in Italien ausgebildet hatte, wurde erstmals von dem deutschen Drucker Ulrich Han 1467 in Rom benutzt.

Das erste tschechische Buch wurde in Pilsen 1468 von einem unbekannten Drucker gedruckt. Es war die tschechische Übersetzung der "Historia destructionis Troiae" (lat.= Geschichte der Zerstörung Trojas), um 1287 verfaßt von dem in Messina lebenden Juristen Guido de Columnis (G. Colonna, G. delle Colonne) (* um 1210, † nach 1287).

Erstdrucker Augsburgs war Günther Zainer (* Reutlingen, † Augsburg [?] 1478). Sein erster Druck erschien 1468.

In Basel führte Berthold Ruppel, ein Altgeselle Gutenbergs, 1468 den Buchdruck ein.

Erstdrucker in Nürnberg war Johann Sensenschmidt (* Eger, † Bamberg [vermutlich] 1491). Er druckte von etwa 1469 an juristische und theologische Werke. Als die Konkurrenz Anton Kobergers rasch spürbar wurde, siedelte er 1481 nach Bamberg über.

Der Deutsche Johann von Speyer errichtete 1469 in Venedig die erste Presse, die nach seinem Tod (1470) von seinem Bruder Wendelin von Speyer weitergeführt wurde.

Seit dem 8. Jh. bestand die gebräuchlichste Art des Ledereinbandschmuckes in der Verzierung mit ornamentalen oder figulichen Blinddruck-Einzelstempeln. Erst etwa Mitte des 15. Jh. kam die gravierte Rolle (Rollenstempel) auf, so daß anstelle des zeitraubenden Nebeneinandersetzens von Einzelstempeln das Muster durch einfaches Überrollen des Buchdeckels eingeprägt werden konnte.
Solch eine Rollenprägung ist erstmalig auf einem Einband des Kaplans Johann Richenbach aus Geislingen aus dem Jahr 1469 nachweisbar. (Im letzten Viertel des 15. Jh. kam die gravierte Platte [Plattenstempel][mit Vorläufern im 13. und 14. Jh.] auf, die mit der Presse eingeprägt wurde.)

Um der Konkurrenz und dem Nachdruck entgegenzuwirken, wurden in der Frühzeit des Buchdrucks verschiedenen Druckern Privilegien (lat.= Vorrechte, Sonderrechte) durch Behörden erteilt. Mit ihnen wurde entweder zugesichert, daß sich am gleichen Ort bis zu einem gewissen Zeitpunkt kein zweiter Drucker niederlassen durfte (Gewerbe-Privileg) oder es wurde, bezogen auf einzelne Bücher, ihr Nachdruck innerhalb eines bestimmten Gebietes verboten (Bücher-, Druck-Privileg). Die Gültigkeitsdauer schwankte zwischen einem und zehn Jahren und konnte verlängert werden.
Das erste bekannte (auf fünf Jahre ausgestellte Gewerbe-) Privileg erhielt 1469 der deutsche Drucker Johann von Speyer in Venedig.

Die erste gedruckte (große) Autobiographie sind die 397 -398 entstandenen "Confessiones" (lat.= Bekenntnisse) des lateinischen Kirchenlehrers des christlichen Altertums Aurelius Augustinus (* Tagaste [Numidien] 354, † Hippo Regius 430), gedruckt von Johann Mentelin in Straßburg spätestens 1470.

Das erste gedruckte Buch, das die Bezeichnung "Bestseller" (engl.= ein in kuzester Zeit überdurchschnittlich gut verkauftes Buch) verdient, war das Erbauungsbuch "De imitatione Christi" (lat.- Über die Nachfolge Christi) von dem Mystiker Thomas a Kempis (Thomas von Kempen) (* Kempen 1379 oder 1380, † Kloster Agnetenberg bei Zwolle 1471), Augsburg: Günther Zainer 1470 (Erstdruck). In viele Sprachen übersetzt und im ganzen in rd. 5.000 Auflagen wurde es das nach der Bibel verbreitetste Buch der Weltliteratur.

Die deutschen Drucker und Brüder Johann von Speyer und Wendelin von Speyer druckten in Venedig 1470 mit "Il canzoniere" (ital.= Das Buch der Lieder) des italienischen Dichters Francesco Petrarca (* Arezzo 1304, † Arquà bei Padua 1374) das erste italienische Buch.

Erstdrucker von Mailand war Antonio Zarotto, der 1470 seine Buchproduktion, vor allem im Verlegerauftrag, begann.

Der deutsche Buchdrucker Ulrich Gering (* Konstanz um 1445, † Paris 1510) gründete, berufen von zwei Professoren der Pariser Universität, Johann Heynlin aus Stein am Rhein und Guillaume Fichet, mit den deutschen Druckern Michael Friburger aus Kolmar und Martin Crantz aus Straßburg 1470 die erste Buchdruckerei in Paris (eingerichtet in der Sorbonne) (zugleich die erste Druckerei in Frankreich). Ihr erster Druck (1470) und zugleich das erste in Frankreich gedruckte Buch war eine Sammlung von Briefen des Gasparinus de Bergamo, eines bekannten Grammatikers des 15. Jh., wegen seines Geburtsortes auch Barzizius genannt. Die "Epistolae Gasparini" waren als Muster für Studenten gedacht, kunstvoll und elegant Latein zu schreiben.

Die deutschen Drucker Konrad Sweynheim und Arnold Pannartz, Rom, führten 1470 die Praxis ein, in Bücheranzeigen Preis und Auflagenhöhe eines jeden Buches anzugeben.

Der erste Großunternehmer des Druck-, Verlags- und Buchhandelsgewerbes in Deutschland war Anton Koberger (* Nürnberg um 1440, † ebd. 1513), seit 1470 als Drucker in Nürnberg nachweisbar, der eine Zeitlang Druckerei, Verlag und Handel in einer Hand vereinigte, 24 Pressen betrieb, über 100 Setzer, Drucker, Korrektoren, Illuminatoren und Buchbinder beschäftigte und Niederlassungen in mehreren europäischen Städten unterhielt. Der Katalog seiner Firma für die Jahre 1473 - 1513 nennt mehr als 200 Druckwerke (zum Teil mit Holzschnitten) in Auflagen bis zu 1600 Exemplaren. (Kobergers Nachfolgern gelang es nicht, Druckerei und Verlag erfolgreich weiterzuführen; die Druckerei erlosch 1526, 1533 waren sämtliche Betriebe geschlossen.)

Der Jahr für Jahr kontinuierliche Druck von Einblattkalendern (für die bereits im 15. Jh. die Bezeichnung "Almanach" üblich war) ist 1470 von dem Buchdrucker Günther Zainer in Augsburg begonnen worden. (Das Jahr 1470 kann somit als Beginn periodischer Druckerzeugnisse angesehen werden.)

Für die schon zur Zeit der Handschriften bekannte Foliierung oder Blattzählung (gleiche Bezifferung je zwei gegenüberliegender Seiten) wendete der Kölner Drucker Arnold Therhoernen als erster 1470 in seiner Ausgabe "Sermo de praesentatione Mariae Virginis" von Werner Rolevinck gedruckte Blattzahlen an. (Ende des 15. Jh. wurde die Blattzählung von der Seitenzählung [Paginierung] allmählich abgelöst.)

Bevor die Paginierung (Seitenzählung) in Büchern erst zu Anfang des 16. Jh. sich allgemein durchsetzte, dienten als Ordnungshilfen für Lagen und Blätter (auch zur Unterstützung der Signaturen) sogenannte Kustoden (zu lat. custos = Wächter), das sind die auf der vorhergehenden Buchseite (Bogen, Lage) rechts unten angebrachten Anfangsworte der folgenden Seite (Bogen, Lage). Kustoden wurden erstmals in der von Johann und Wendelin von Speyer in Venedig 1470 gedruckten Werkausgabe des römischen Geschichtsschreibers Publius (?) Cornelius Tacitus (* 55 n.Chr.; † 116 n.Chr.) in den Buchdruck übernommen.

War Italien das erste fremde Land, in dem deutsche Buchdrucker 1464 Johannes Gutenbergs Erfindung einführten, so war es auch das erste Land, in dem die deutschen Drucker ihr Monopol verloren: Am 3. August 1470 wurde das erste Buch - die "Institutio oratoria" (lat.= Rhetorische Unterweisung, 12 Bücher) des Marcus Fabius Quintilianus (Quintilian) (* um 30, † 96) - auf der Druckerpresse eines Italieners fertiggestellt; sie gehörte dem aus Messina gebürtigen, in Rom lebenden Johannes Philippus de Lignamine.

Während beim Chiffrieren (Verschlüsseln) ein vorgelegter Text, bestehend aus Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen u.a., (Klartext) unter Verwendung bestimmter Hilfsmittel (Schlüssel) in einen anderen Text (Geheimtext, Kryptogram) umgesetzt wird, wird beim Dechiffrieren (Entschlüsseln) der Geheimtext durch inverse Anwendung des Schlüssels in den Klartext zurückverwandelt.
Die erste Chiffrier- und Dechiffrier- "Maschine" hat 1470 der italienische Humanist, Künstler und Gelehrte Leon Battista Alberti (* Genua 1404, † Rom 1472) erfunden. Sie bestand aus zwei Scheiben mit gemeinsamem Mittelpunkt, an deren Rand jeweils in der üblichen Anordnung die 26 Buchstaben des Alphabets aufgezeichnet waren. Die innere (kleinere) Scheibe war gegenüber der äußeren drehbar, so daß man jede gewünschte Verschiebechiffre (Substitution) einstellen konnte. Bei der Chiffrierung ersetzte man jeden Buchstaben des Klartextes, indem man von der äußeren Scheibe auf die innere überging. Bei der Dechiffrierung arbeitete man in umgekehrter Richtung.

Die erste gedruckte Bibel in italienischer Sprache erschien 1471 in Venedig bei Wendelin von Speyer.

In Florenz wurde der Buchdruck 1471 von Bernardo Cennini eingeführt.

Das erste gedruckte (kriegs-) technische Buch und zugleich das erste gedruckte Buch mit technischen Holzschnittillustrationen erschien 1472 in Verona bei Johannes Nicolai. Es war das von dem aus Rimini stammenden Ingenieur Roberto Valturio (Robertus Valturius) (* 1413, † 1484) um 1460 verfaßte und schon als Handschrift weit verbreitete Werk "De re militari" (lat.= Über das Militärwesen).

Aalst war der erste Druckort in Belgien. Hier nahm Johann von Paderborn 1472 seine Drucktätigkeit auf, nachdem er wahrscheinlich in Venedig gelernt und kurze Zeit in Straßburg gedruckt hatte.

Der Buchdruck in Norddeutschland begann in Lübeck, wo der Erstdrucker Lukas Brandis aus dem sächsischen Delitzsch seit 1472 druckte.

Waren die ältesten gedruckten (Wand-) Kalender noch schmucklos, so stattete erstmals der Drucker Günther Zainer in Augsburg seinen deutschen Kalender auf das Jahr 1472 mit Holzschnittillustrationen (Initiale, Randverzierungen, Spruchband [Neujahrsglückwunsch]) aus.

Der älteste Kartendruck des Abendlandes, eine Karte der westlichen Halbkugel, noch im T-O -Stil (Mönchskarte), findet sich als Holzschnitt in dem enzyklopädischen Werk "Etymologiae", auch: "Origines" (lat.= Ursprünge) des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla (* Cartagena [?] um 560, † Sevilla 636), Augsburg: Günther Zainer 1472.

Um die Vollständigkeit einer Handschrift und später des gedruckten Buches sowie die richtige Reihenfolge der Lagen zu garantieren, führte man die unter dem Satzspiegel angebrachten Signaturen ein, die jede Lage mit einem Buchstaben und die einzelnen Blätter mit einer Zahl kennzeichneten.
Wurden die Signaturen zunächst handschriftlich angebracht, so verwendete als erster (zugleich mit dem Buchtext) gedruckte Signaturen 1472 der aus Lübeck stammende Kölner Frühdrucker Johannes Loelhoff d.Ä. († 1493).

Der erste Drucker in Erfurt war der Buchbinder Johannes Fogel (Foghel), der 1473 einen Ablaßbrief und einen lateinischen Almanach druckte.

Der erste Drucker in Lyon war Guillaume Le Roy aus Lüttich, der bei Johann und Wendelin von Speyer in Venedig den Buchdruck erlernt hatte und in Lyon von 1473 bis 1488 druckte.

Johann Zainer (* Reutlingen, † Ulm[?] nach 1527), wahrscheinlich ein Verwandter des Augsburger Günther Zainer, war der erste Drucker in Ulm. Sein erster datierter Druck erschien 1473.

Der erste Druckort der Niederlande war Utrecht, wo 1473 Nikolaus Ketelaer und Gherard Leempt zu drucken begannen.

Durch Vermittlung der Ravensburger Handelsgesellschaft, der größten Export-Import-Firma des 15. Jh., wurde die erste Buchdruckerei Spaniens 1473 in Valencia eingerichtet; betrieben wurde sie von den deutschen Druckern Lambert Palmart aus Köln, Johann von Salzburg und Paul Hurus aus Konstanz.

Das erste in deutscher Sprache gedruckte Buch der Kinderheilkunde ("Ein regiment der jungen Kinder", Augsburg 1473) stammt von dem Augsburger Arzt Bartholomäus Metlinger († 1491).

Als das älteste gedruckte Musiklexikon (in welchem die Definitionen gebräuchlicher musikalischer Termini alphabetisch angeordnet sind) gilt das "Terminorum musicae diffinitorium", Treviso 1473, des frank-flämischen Komponisten und Musiktheoretikers Johannes Tinctoris (* Braine l`Alleud bei Nivelles [Brabant] um 1435, † Nivelles 1511).

Der Musiknotendruck mit beweglichen Typen (Typendruck) entwickelte sich ab 1473. Die früheste Form war der Zweitypendruck, bei dem Noten und Linien in getrennten Verfahren gedruckt wurden.
Die ältesten "Noten" druckte Conrad Fyner in Urach (Württ.) (1473). Da er nicht über eigene Notendrucktypen verfügte, verwendete er Material aus seinem Setzkasten, das er in die gezeichneten Notenlinien eindruckte.

Die Pest, als die schwerste aller Seuchen des Mittelalters, führte zu einer eigenen Schriftgattung, den Pestbüchern, die Empfehlungen zur vorsorglichen hygienischen Lebensweise, gesundheitspolitische Maßnahmen ("Pestregeln"), aber auch Gebete zu Schutzheiligen u.ä. zum Inhalt hatten.
Das erste gedruckte Pestbuch ist vermutlich das 1473 bei Johann Zainer in Ulm erschienene "Büchlein der Ordnung" ("Pestordnung") des Humanisten, Arztes und Übersetzers Heinrich Steinhöwel (* Weil der Stadt [Württ.] 1412, † Ulm 1482 oder 1483). Es ist zugleich der erste datierte Druck des Ulmer Erstdruckers und das erste gedruckte medizinische Buch eines Zeitgenossen. (In der Frühdruckzeit wurde in erster Linie Altes und Bewährtes gedruckt; Werke lebender Autoren waren selten.)

Der Straßburger Frühdrucker Adolf Rusch führte mit seinem 1474 erschienenen "Rationale divinorum officiorum", einem Handbuch über gottesdienstliche Gebräuche, des französischen Kirchenrechtslehrers Guillelmus Drandus (* bei Béziers 1237, † Rom 1296) die Antiqua in den Buchdruck auf deutschem Boden ein.

Der erste englische Buchdrucker war William Caxton (* in Kent um 1422, † London 1491). Nachdem Caxton als gelernter Kaufmann fast dreißig Jahre in Brügge gewirkt hatte, erlernte er von 1471 bis 1472 in Köln die Buchdruckerkunst, gründete 1473 in Brügge eine Buchdruckerei und druckte als sein erstes Buch 1474 den von ihm ins Englische übersetzten Ritterroman "Recueil des histoires de Troye" von Raoul Lefèvre (mit dem Titel "Recuyell of the histories of Troye"). Es war das erste gedruckte Buch in englischer Sprache.

Verfasser des ersten gedruckten Kochbuches war der italienische Humanist und Verwalter der päpstlichen Bibliothek Bartolomeo Sacchi (* Piadena bei Cremona 1421, † Rom 1481), der sich nach seinem Geburtsort Piadena Battista Platina nannte. Platinas in lateinischer Sprache abgefaßtes Werk "De honesta voluptate et valitudine", eine Kompilation aus anderen Büchern, das in erster Linie dem Vatikan gedient hatte, erschien erstmals um 1474 in Venedig bei Laurentius und Sibyllinus Umber. (Erste dt. Ausg. ["Von der eerliche zimlichen auch erlaubten Wolust des leibs sich inn essen, trincken, kurzweil etc. allerlay und mancherley Creaturen und Gaben Gottes zu gebrauchen"], Augsburg; Heinrich Steiner 1542.)

Ein (Buch-) Prospekt (lat.= Ankündigung, Vorschau), das wichtigste Werbemittel des Buchhandels, erschien zum erstenmal 1474, als der deutsche Mathematiker und Astronom Regiomontanus (lat.= Königsberger, eigtl. Johannes Müller) (* Unfinden bei Königsberg [Franken] 1436, † Rom 1476) eine Titelliste von Büchern aus seiner eigenen Druckerei in Nürnberg versandte, in der er sich 1474/1475 als Frühdrucker betätigte. Er gab genau an, welche der angezeigten Bücher lieferbar und welche noch in Vorbereitung waren.

Die ersten gedruckten deutschen Bibeln waren ohne jeden Bildschmuck und deshalb vermutlich für die Benutzung durch gelehrte Theologen bestimmt. Um wohl auch theologische Laien und leseunkundige Menschen zu erreichen, wurden illustrierte Bibeln geschaffen. 1475 erschien in Augsburg von Günther Zainer und etwa gleichzeitig von dem Augsburger Drucker Jodocus Pflanzmann (* 1430) eine mit Holzschnitten illustrierte deutsche Bibel. Während Zainers Bibel mit 73 großen gedruckten Bildinitialen geschmückt war, welche den biblischen Text illustrierten, hatten sich in Pflanzmanns Bibel die Illustrationen von den Initialen gelöst und waren als 57 selbständige Holzschnitte in die Kolumnen eingefügt. Deshalb gilt Jodocus Pflanzmann als Drucker der ersten illustrierten deutschen Bibel.

Die älteste bekannte hebräische Inkunabel ist ein Pentateuchkommentar des jüdischen Gelehrten Raschi (Akronym aus Rabbi Schlomo Jishaqi; auch: Salomo ben Isaak) (* Troyes 1040, † ebd. 1105). Gedruckt wurde er 1475 von Abraham ben Garton in Reggio di Calabria.

Erstdrucker von Breslau war der Geistliche Kaspar Elyan (* Glogau um 1440, † vermutlich 1486), der seit 1475 Gebrauchsliteratur für die Geistlichkeit herausbrachte.

Das Neue Testament in tschechischer Übersetzung (durch den tschechischen Kirchenreformer Jan Hus [dt. Johannes Huß] [* Husinetz um 1370, verbrannt Konstanz 1415]) wurde erstmals 1475 in Pilsen gedruckt.

Sieht man von dem vermutlich zwischen 1471 und 1482 anonym als Blockbuch erschienenen kaufmännischen Rechenbuch ab, dessen Incipit mit "Regula von drey ist drey dinck" beginnt (heute im Besitz der Staatsbibliothek Bamberg [ "Bamberger Rechenbuch"] ), so ist das älteste (mit beweglichen Lettern) gedruckte Rechenbuch ein anonym erschienener, 1475 in Trient gedruckter deutscher Algorithmus, der sich bis 1945 in der Fürst-Georgs-Bibliothek in Dessau befunden hatte ("Dessauer Algorithmus"), dort aber durch Kriegseinwirkungen verlorenging.

Das erste völlig in Griechisch gedruckte Buch war die 1476 in Mailand erschienene Grammatik "Erotemata" (griech.= Fragen) des byzantinischen Gelehrten und klassischen Philologen Konstantinos Laskaris (* 1434, † Messina 1501). Sie war zugleich die erste gedruckte griechische Grammatik.

Als einziges Land Europas verdankt England die Einführung des Buchdrucks einem Einheimischen; William Caxton (* in Kent um 1422, † London 1491), der 1476 in London die erste Buchdruckerei Englands errichtete. Der zweite Earl of Rivers war der Autor des Buches "Dictes or Sayengis of the Philosophres", das als erstes in England gedrucktes Buch am 18. November 1477 auf Caxtons Presse fertiggestellt wurde.

Die erste Buchdruckerei in Rostock wurde 1476 durch die "Brüder vom gemeinsamen Leben zu St. Michael" (Michaelisbrüder) eingerichtet. Ihr erstes Buch erschien 1476, ihr letztes 1531.

Den ersten Musiknotendruck mit beweglichen Typen (Typendruck), bei dem erstmals die Notenlinien und Noten gleichzeitig mit dem Text gedruckt waren, stellte der in Rom wirkende Ingolstädter Buchdrucker Ulrich Han 1476 in einem Missale ("Missale Romanum") her.

Die erste gedruckte französische Bibel erschien 1477 - 1478 in Lyon bei Guillaume Le Roy.

Die älteste erhaltene handschriftliche Fibel (Übungsbuch zum Lesenlernen) ist der "Modus legendi" von 1477 des deutschen Schulmeisters Kristofferus Hueber (Christoph Huber) aus Landshut.

Versuche, den Kupferstich zu Buchillustrationszwecken zu verwenden, finden sich bereits in der Frühdruckzeit. Das erste mit (drei) Kupferstichen illustrierte gedruckte Buch ("Monte Santo di Dio" von Antonio da Siena) veröffentlichte der aus Breslau stammende deutsche Drucker Nicolaus Laurentii in Florenz im Jahre 1477. (Zuvor [1476] hatte Colard Mansion in Brügge eine Boccaccio-Ausgabe [Giovanni Boccaccio: De la Ruyne des nobles hommes et femmes ]mit eingeklebten Kupferstichen herausgegeben.).

Das Plakat, ein öffentlicher Anchlag behördlichen, kulturellen oder kommerziellen Charakters, angebracht an Mauern, Hauswänden, Zäunen, Anschlagtafeln oder - säulen (Litfaßsäulen) mit dem Zweck, die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit zu erregen, gehört zu den frühesten Mitteln der Massenkommunikation.
Die ersten Plakate waren der "obrigkeitliche Anschlag": In Griechenland wurden für die Öffentlichkeit bestimmte Informationen auf Tontafeln geschrieben und diese auf öffentlichen Plätzen ausgestellt. Die Römer verwendeten das "album" (lat.= weiße Tafel), eine geweißte Holztafel, auf der behördliche Bekanntmachungen in schwarzer Schrift aufgezeichnet wurden. Der Erfindung der Buchdruckerkunst und später der Lithographie verdankt das gedruckte Plakat seine rasche und weite Verbreitung.
Das erste bekannte Plakat in der Geschichte des englischen Buchdrucks wurde 1477 von William Caxton in London gedruckt. Mit ihm zeigte er ein ebenfalls 1477 von ihm gedrucktes Rituale (nach dem in ganz Nordeuropa verbreiteten Text der Diözese Salisbury) an und wandte sich an "alle Geistlichen und Laien", die eine "wirklich billige" und "genaue und sorgfältige" Ausgabe des Festkalenders erwerben wollten.

Das erste gedruckte Wörterbuch in zwei lebenden Sprachen erschien 1477 in Venedig, der damaligen Wirtschaftsmetropole des Mittelmeerraumes. Das italienisch-deutsche Wörterbuch "Vocabulario italiano-teutonico" wurde von dem deutschen Drucker Adam von Rottweil gedruckt.

Im spanischen Bereich erschien als erste gedruckte Bibelausgabe eine katalanische Bibel 1478 in Valencia.

Der Deutsche Theoderich Rood aus Köln war der Erstdrucker von Oxford, wo er zwischen 1478 und 1486 tätig war.

Die von dem Drucker Konrad Sweynheim geplante und seit 1473 vorbereitete, aber erst nach seinem.Tode (1477) von Arnold Bucking in Rom 1478 gedruckte lateinische Ausgabe der "Geographie" des Claudius Ptolemäus zeigte auf 27 hervorragend gestochenenen Landkarten das Bild der Welt, wie man es seit 1.000 Jahren kannte. Sie gehören zu den ältesten gedruckten Kupferstichkarten.

Das älteste gedruckte italienische Rechenbuch ist die anonym erschienene, in Treviso 1478 von einem Drucker namens Manzolo oder Manzolino gedruckte "Arte dell' abbaco" (sogenannte Trevisoarithmetik von 1478).

Das älteste gedruckte Weinbuch ("... von bewarung vnd beraitung der wein ...", Esslingen: Conrad Fyner 1478) ist eine deutsche Übersetzung des "Liber de vinis" (lat.= Weinbuch), einer Abhandlung vom Wein als Heilmittel, die der katalanische Arzt und Mystiker Arnaldus von Villanova (* bei Valencia [?] um 1235, † Genua 1312 oder 1314) um 1310 König Robert von Neapel (1309 - 1343) gewidmet hatte. Der Übersetzer war der Nürnberger Stadthauptmann Wilhelm von Hirnhofen, der den Originaltext noch durch einige Beiträge zur Weinlese, Weinbehandlung, Essigherstellung u.a. erweitert hatte. (Erstdruck der lat. Ausg.: Paris 1500.)

Der erste Zensurprozeß gegen den Autor einer gedruckten Schrift begann 1478 in Köln. Bei dem Druckwerk handelte es sich um eine von der Kölner Geistlichkeit ausgegangene, gegen den Rat der Stadt Köln gerichtete Anklageschrift (u.a. wegen Einschränkung der Rechte der Geistlichkeit durch die Stadtverwaltung) des Titels "Dialogus super libertate ecclesiastica", verfaßt von Heinrich Urdemann, Dechant an St. Andreas in Köln, gedruckt in Köln 1477. (Der von den Kölner Stadtvätern veranlaßte Prozeß dauerte bis 1484.)

Der Brauch, ein Bildnis des Verfassers seinem Werk voranzustellen, stammt aus der griechisch-römischen Antike und wurde vom Mittelalter übernommen.
Im Buchdruck findet sich das früheste Autorenporträt (als Holzschnitt) in dem von den deutschen Druckern Ulrich Scinzenzeller und Leonhard Pachel in Mailand 1479 gedruckten "Breviarium decretorum" des Paulus Attavanti aus Florenz.

Am 18. März 1479 erlangte die Universität Köln auf ihren Antrag durch ein Breve von Papst Sixtus IV. (1471 - 1484) das Recht, gegen Drucker, Käufer und Leser häretischer Schriften einzuschreiten. Dies war die erste Ermächtigung zur Ausübung kirchlicher Zensur über gedruckte Bücher.

In der späteren Buchstadt Leipzig wurde die erste Buchdruckerei erst 1480 durch Marcus Brandis aus Delitzsch eingerichtet (tätig bis 1487). Sein Erstdruck (1481) war ein astrologisches Prognostikon, die "Glossa super Apocalypsim" des Annius von Viterbo.

Das erste gedruckte Buch über die sich auf Überlieferungen aus der Antike stützende Chiromantie (griech.= Kunst der Weissagung aus Form und Linien der Hand) war die von dem Schriftsteller und Gelehrten Johannes Hartlieb (* in Bayern nach 1400, † 1468) um 1448 zusammengestellte "Chiromantie (Buch von der hannd)", die um 1480 in Augsburg (?) als Blockbuch gedruckt wurde.

Der französische Buchdrucker Jean Dupré, der 1481 in Paris eine Druckerei eröffnete und als Geschäftsmann das französische Gegenstück zu dem deutschen Anton Koberger war, brachte die ersten illustrierten Bücher in Frankreich heraus. 1481 führte er die Randleiste und 1486 die Holzschnittinitiale ein; 1490 veröffentlichte er Stundenbücher mit dreifarbigen Metallschnitten.

Der erste in Deutschland gedruckte (Welt-) Atlas (mit 32 doppelseitigen Holzschnittkarten) ist die "Cosmographia" des Claudius Ptolemäus, die in Ulm bei Lienhart Holl(e) 1482 erschien. (Dabei ist "Atlas" hier[wie bei allen gedruckten Ptolemäus-Ausgaben] in der ursprünglichen Bedeutung als Bezeichnung für eine systematische Sammlung von geographischen Karten zu verstehen und noch nicht im Sinne der mit Abraham Ortelius beginnenden Atlaskartographie [1570].)

Die erste lateinische Druckausgabe von Euklids "Elemente" (nach der Ausgabe des Johannes Campanus von Novara [1260?]), die u.d.T. "Elementa Geometriae" (lat.- Elemente der Geometrie) in Venedig bei Erhard Ratdolt 1482 erschien, war das erste gedruckte Buch mit geometrischen Figuren.

Zu den ersten gedruckten amtlichen Bekanntmachungen gehören die "Falsche Gulden-Blätter", Warnungen vor falschen oder schlecht gemünzten Gulden in Form von Einblattdrucken mit Text (Beschreibung) und Bild (Holzschnitt) des Falschgeldes, die öffentlich ausgestellt wurden. Bekannt sind als erste gedruckte Münzwarnungen mehrere Blätter von 1482, die fast alle gleichzeitig entstanden, z.B. der Einblattdruck "Zeichen der falschen Gulden", gedruckt in Magdeburg von Bartholomäus Ghotan.

Während dänische und schwedische Bücher anfangs in Lübeck als dem Hauptsitz der Hanse im Ostseehandel gedruckt wurden, wurde der Buchdruck in Dänemark und Schweden von dem Lübecker Drucker Johann(es) Snell eingeführt: 1482 druckte er in Odense und 1483 in Stockholm.

Im europäischen Mittelalter kamen die auf griechische und römische Orakelbücher zurückgehenden sogenannten Losbücher (Wahrsagungsbücher) auf, die für gläubige ungelehrte Frager bestimmt und deshalb in der Landessprache abgefaßt waren. Sie enthielten Darstellungen mantischer Losverfahren, Schlüssel für die Deutung der Lose sowie häufig umfangreiche Listen erlosbarer Orakel.
Die Mittlerrolle zwischen Mensch und Orakelspruch übernahmen gezogene oder herausgeschüttelte Spielkarten, Würfel, drehbare Zeiger eines Ziffernblattes u.ä.
Der Buchdruck nahm sich sehr bald des beliebten Losbuches an. Erste Drucke erschienen seit 1482, begonnen mit einem deutschen Losbuch ("Sortilogium, so hebet sich hie an gar ain aubentürliches und schons loßpuch", Ulm 1482) und einem italienischen Wahrsagungsbuch ("Libro di ventura" von Lorenzo Spirito [eigtl. Lorenzo Gualtieri aus Perugia, † 1496], Perugia 1482).

Das "Rechenbuch" des Nürnberger Ulrich Wagner († um 1490), in Bamberg von dem gebürtigen Nürnberger Heinrich Petzensteiner 1482 gedruckt, gilt als das älteste gedruckte deutsche Rechenbuch. Allerdings ist es nur in Fragmenten erhalten.

Der 36 Bücher verzeichnende Katalog (1483 - 1484) des Augsburger Druckers Anton Sorg (tätig ab 1475, † 1493) war die erste Bücheranzeige, die nur deutsche Buchtitel enthielt.

Das älteste vollständig erhaltene gedruckte deutsche Rechenbuch erschien u.d.T. "Rechnung in mancherley weys" in Bamberg 1483 bei Heinrich Petzensteiner, der vermutlich auch der Verfasser ist.

Das erste in Italien entstandene Fahndungsbuch (Gaunerbuch) ist der von dem Vikar und Richter Teseo Pini aus Urbino 1484 - 1486 verfaßte "Speculum cerretanorum" (lat.- Spiegel der Scharlatane). (Erstdruck des in Archiven des Vatikans gefundenen Manuskripts in: Piero Camporesi: "Il libro dei vagabondi", Turin 1973.)

Seit dem 14. Jh. erließen die deutschen Landesherrschaften für die Fischerei in fließenden und stehenden Gewässern sogenannte Fischordnungen (Vorschriften über Fischfang, Fischverkauf u.ä.); führend war hierbei das Herzogtum Bayern. Als älteste überlieferte (handgeschriebene) bayerische "Vischordnungen" gelten die für die Donau und ihre Nebengewässer von Herzog Albrecht IV. (1460 - 1508) erlassene Ordnung vom 13. Mai 1484 und die Ordnung von Herzog Georg (1479 - 1503) vom 6. Oktober 1488 (erneuert 1492 und 1500).

Das erste gedruckte Kräuterbuch (Schriftwerk über Pflanzen und deren heilkundliche Anwendungen) war der 1484 bei Peter Schöffer in Mainz gedruckte und mit vielen Pflanzenholzschnitten ausgestattete "Herbarius" in lateinischer Sprache.

Das vermutlich älteste noch bestehende Druck- und Verlagshaus Deutschlands ist das "Magdeburger Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG" in Magdeburg, gegr. 1485 in Leipzig als Buchdruckerei durch den Frühdrucker Konrad Kachelofen (eigtl. Contze Holtzhusen, genannt Kachelofen von Wartberg (* Wartberg [heute Varsberg, bei Metz] um 1450, † Leipzig 1528 oder 1529), seit 1529 in Magdeburg von seinem Schwiegersohn, dem Buchdrucker und Verleger Melchior Lotter d.Ä. (* Aue [Erzgebirge] vor 1470, † Leipzig 1549), fortgeführt, 1730 von G. G. Faber erworben und als Fabersche Buchdruckerei bis zur Enteignung 1945 im Besitz seiner Nachkommen, seit 1.7.1990 unter heutigem Namen.

Das erste gedruckte deutsche Kochbuch ist die "Kuchemaistrey" (Küchenmeisterei), die anonym 1485 bei Peter Wagner in Nürnberg erschien.

Das erste gedruckte Kräuterbuch in deutscher Sprache war der mit zahlreichen Holzschnitten illustrierte "Gart der Gesundheit" (Mainz: Peter Schöffer 1485) von Johannes de Cuba (Johann Wonnecke aus Kaub), Stadtarzt in Frankfurt/M., 1484 - 1503. Der häufig nachgedruckte "Gart der Gesundheit" fand als eine Art Volksarzneibuch weite Verbreitung.

Berthold von Henneberg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz (1484 - 1504), (* 1441 oder 1442, † 1504) führte als erster deutscher Fürst mit einem Edikt vom 22. März 1485 für alle "aus dem Griechischen, Lateinischen oder einer anderen Sprache" ins Deutsche übersetzten Bücher die Zensur ein. Hintergrund dieses ältesten Zensuredikts war das Ziel, bestimmte Kenntnisse und unter Gelehrten diskutierte Meinungen nicht populär zu machen. Außerdem forderte der Bischof 1485 den Frankfurter Stadtrat auf, alle auf der Frühjahrsmesse ausgestellten gedruckten Bücher auf ihren Inhalt zu prüfen und in Zusammenarbeit mit kirchlichen Behörden ggf. zu unterdrücken. Zu diesem Zweck gründeten das Kurfürstentum Mainz und die Freie Reichsstadt Frankfurt im Jahre 1486 gemeinsam die erste weltliche Zensurbehörde.

Der niederländische Maler und Zeichner Erhard Reuwich (* Utrecht um 1445, † Mainz[?]nach 1505), ab etwa 1465 in Mainz tätig, begleitete 1483 den Mainzer Domherrn Bernhard von Breydenbach (* um 1440, † Mainz 1497) auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land und schmückte dessen in Mainz 1486 lateinisch und deutsch erschienenen Bericht ("Peregrinatio in terram sanctam"[lat.= Reise in das Heilige Land])mit 24 Holzschnitten (nach eigenen Zeichnungen). Er ist das erste gedruckte Buch mit naturgetreuen Bildern von fremden Städten, Menschen und Tieren und ist als erste "Bildreportage" in die Geschichte des Buchdrucks eingegangen.
Ob Reuwich, der als erster Buchillustrator im Impressum genannt wird, den Reisebericht der Schlußschrift zufolge auch gedruckt hat, wird bezweifelt, da die Typen des Druckes von Peter Schöffer stammen.

Eine der frühesten bekannten Miniaturinkunabeln (Miniaturbücher aus der Frühzeit des Buchdrucks [vor 1501]) ist ein "Officium Beatae Virginis Mariae", das Mathias Moravius in Neapel 1486 druckte. Mit Einband mißt es 76 mm x 51mm.

Der Buchdrucker und Verleger Erhard Ratdolt (* Augsburg 1447, † ebd. 1527 oder 1528), der 1476 - 1486 in Venedig, anschließend in Augsburg vorwiegend liturgische, astronomische und mathematische Werke druckte, führte die in Italien entstandene Rotunda in Deutschland ein. Mit seinem 1486 veröffentlichten Schriftmusterblatt, der ältesten erhaltenen Druckschriftenprobe, stellte er seinem Kundenkreis u.a. auch die Rotunda vor. Ratdolt wendete zudem als erster den Mehrfarbenholzschnitt im Buchdruck an.

Der Humanist Konrad Celtis (* Wipfeld [bei Schweinfurt] 1459, † Wien 1508) erhielt als erster Deutscher am 18.4. 1487 von Kaiser Friedrich III. (1452 - 1493) in Nürnberg die Dichterkrone.

Die systematische Hexenverfolgung, eingeleitet durch die Hexenbulle Papst Innozenz' VIII. (1484 - 1492) (Summis desiderantes affectibus, 1484), wurde in Deutschland durch den von den päpstlichen dominikanischen Inquisitoren Heinrich Institoris (eigtl. Heinrich Krämer; * um 1430, † in Mähren 1505) und Jakob Sprenger (* Rheinfelden um 1436, † Straßburg 1495) u.d.T. "Malleus maleficarum" (lat.= Der Hexenhammer) verfaßten Kommentar zur Hexenbulle (Erstdruck: Köln 1487) entscheidend forciert.
Der Hexenhammer, das erste zusammenfassende Werk über das Hexenwesen, wurde von 1487 bis 1669 in weiteren 29 Auflagen gedruckt und stand am Anfang aller Hexenbücher, deren große Zahl erst im 18. Jh. abnahm.

Neben dem Typendruck ist der Blockdruck (Holztafeldruck) ein mögliches Verfahren des Musiknotendrucks. Noten im Blockdruck sind seit etwa 1487 bis ins 17. Jh. nachweisbar. Durch Blockdruck hergestellt wurden vor allem musiktheoretische Werke mit kuzeren Notenbeispielen, aber auch größere Musikdrucke wie die Gesangbücher der Reformationszeit.

Aus der Erkenntnis von Kirche und Staat, daß durch den Buchdruck unliebsame oder gefährlich erscheinende Ideen schnell und weit verbreitet werden können, wurde die Zensur bald zur allgemeinen Übung, und zwar als Präventivzensur (Schriftstücke müssen vor der Drucklegung einer Zensurbehörde zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden) und Repressivzensur (Zensur der gedruckten Bücher mit Verbot und Beschlagnahme als eventuelle Folgen).
Mit fast gleichlautenden Bullen (Inter multiplices) ordneten Papst Innozenz VIII. (1484 - 1492) am 17. November 1487 und Papst Alexander VI. (1492 - 1503) 1501 die Zensur für alle (noch nicht gedruckten und alle bereits gedruckten) dem "rechten Glauben zuwiderlaufende, unfromme und skandalöse"Schriften an, deren Verbrennung auch vorgesehen war. Dies waren die ersten Zensurmaßnahmen der römischen Kurie.
(Erneuerung der Bulle von 1487 durch Papst Leo X. [1513 - 1521] mit Bulle [Inter solicitudines] vom 4. Mai 1515, welche für ohne kirchliche [Vor-]Zensur erschienene Schriften die "öffentliche Verbrennung" vorsah.)

Die erste hebräische Bibel druckte in Soncino 1488 Josua Salomon Soncino († 1492), ein Mitglied einer jüdisch-italienischen Druckerfamilie, die sich nach ihrem Ursprungsort Soncino in der Provinz Cremona nannte und die 1488 - 1547 in Soncino und verschiedenen Städten Italiens und der Türkei meist hebräische Bücher verlegte.

Die erste vollständige gedruckte tschechische Bibel erschien in Prag 1488.

Schwabe & Co. AG, Verlag und Buchdruckerei in Basel, hervorgegangen aus der 1488 in Basel von dem aus Langendorf bei Hammelburg in Franken stammenden Buchdrucker Johannes Petri (* 1441, † 1511) gegründeten Buchdruckerei, ist der älteste, noch bestehende deutschsprachige Verlag. Seine Hauptverlagsgebiete sind Medizin, Psychologie, Philosophie, Theologie, Kultur- und Kunstgeschichte.

Schulszenen darstellende Holzschnitte mit der Bandinschrift "Accipies tanti doctoris dogmata sancti" (lat.= Vernimm die Glaubenslehren des heiligen Doktors [d. i. Thomas von Aquin]), sogenannte Accipiesholzschnitte, traten vornehmlich in Schul- und Lehrbüchern des ausgehenden 15. Jh. als Titelholzschnitte auf.
Eine erste solche Darstellung findet sich 1490 bei dem Kölner Drucker Heinrich Quentell (* Straßburg, † Köln 1501).

Die ältesten Monatsbilder (anschauliche Darstellungen der jedem Monat eigenen ländlichen Arbeiten, Freuden und Feste, oft in Parallele zu den Tierkreiszeichen) finden sich in einem "Teutschen Kalender" für 1490, von Johann Schönsperger d.Ä. († 1520) in Augsburg gedruckt.

Der erste gedruckte Portolan (mittelalterliches Segelhandbuch) erschien 1490 in Venedig bei Bernardino Rizo. Der Verfasser ist unbekannt, vermutlich der italienische Seefahrer in portugiesischen Diensten und Afrikareisende Alvise Cadamosto (* Venedig um 1426, † Rovigo 1483).

Als das älteste (Bücher-, Druck-) Privileg eines Territorialherrn gilt ein Privileg des Bischofs Heinrich von Bamberg für ein Missale der Bamberger Kirche aus dem Jahre 1490.

Ende des 15. Jh. übernahm die Familie Taxis (frühere Schreibweise Tassis, später Thurn und Taxis) die Trägerschaft des Nachrichtenwesens in weiten Teilen Deutschlands und Mitteleuropas.
Nachdem Angehörige des ursprünglich lombardischen Geschlechtes Taxis im 15. Jh. wiederholt im päpstlichen Kurierdienst tätig gewesen waren, richtete 1451 Roger de Tassis im Auftrag Friedrichs III. in Tirol und in der Steiermark für Heer und Verwaltung eine auf Stationen aufgebaute Briefbeförderung ein. Sein Sohn Franz von Taxis (* 1459, † 1517) schuf auf Veranlassung von Maximilian I. 1490 die erste durch Deutschland führende Postlinie von Innsbruck nach Mecheln (bei Brüssel), die sich schnell zu einem europaweiten postalischen Netz ausbreitete. Private Briefe wurden auf den staatlichen Postkursen spätestens ab 1506 befördert. Kaiser Rudolf II. erklärte 1597 die Post zu einem kaiserlichen Regal. Am 1. 7. 1867 übernahm Preußen gegen eine Entschädigung von 3 Mio. Talern die Thurn und Taxissche Postverwaltung. Dies war der erste Schritt zu einer einheitlichen deutschen Post (mit einheitlichem Postgesetz und einheitlichen Postgebühren).

1491 wurden von Sweipolt Fiol († 1525), einem Drucker aus Franken, in Krakau die ersten Bücher in kirchenslawischer Sprache und in kyrillischer Schrift gedruckt.

Der niederländische Drucker-Verleger Gheraert Leeu aus Gouda († 1493) (tätig ab etwa 1477 in Gouda, seit 1484 in Antwerpen) gab für die von ihm am 9. 2. 1491 fertiggestellte niederländische Übersetzung der "Schönen Melusine" ("Die Historie Van Melusin") die erste illustrierte Bücheranzeige (mit Holzschnitt "Melusine im Bade", Antwerpen 1491, 17,6 cm x 25 cm) heraus.

Das erste gedruckte medizinische Handbuch erschien als "Fasciculus medicinae" des Johannes de Ketham, Venedig: Johannes de Forli 1491. Der mit wirklichkeitsgetreuen Holzschnittbildern illustrierte Fasciculus (darunter eine Harnuntersuchung und eine anatomische Sezierszene) ist eine Sammlung von zum Teil aus dem Mittelalter stammenden medizinischen Texten, die alle durch praktische Erfahrungen anerkannt waren, weshalb das Werk in handschriftlichen Fassungen weit verbreitet war.
Johannes de Ketham war wohl nicht der Verfasser der Texte, sondern vielmehr als Johannes von Kirchheim (um 1460 Professor der Medizin in Wien) der Besitzer einer solchen Handschrift, die dem Fasciculus als Druckvorlage diente; der italienische Drucker schrieb ihm unter Änderung seines Namens das Werk zu.

Nach dem Tode des ersten englischen Buchdruckers William Caxton (1491) führte seine Druckerei sein aus Wörth (Elsaß) stammender Gehilfe Wynkyn de Worde († 1535) weiter, der viel, aber ohne nennenswerte Qualität druckte. Er verlegte Bücher zum Gebrauch der Lateinschulen, aber auch Schulreformer (John Colet, Erasmus von Rotterdam u.a.) und kann als erster Schulbuchverleger bezeichnet werden.

Nach unsicheren Überlieferungen über Erfinder bzw. Erfinder-Nachfolger des Globus (einer verkleinerten Nachbildung der Erde, eines anderen Weltkörpers oder der scheinbaren Himmelskugel) (wie Anaximander aus Milet[* um 610 v.Chr., † 546 V.Chr.], Endoxos aus Knidos [* 410 v.Chr., † 355 v.Chr. ], Archimedes aus Syrakus [* um 285 V.Chr., † 212 v.Chr. ]und Krates von Mallos [2. Jh. v.Chr.]) gilt als sicher, daß die ältesten Himmelsgloben aus dem 1. Jh. v.Chr. stammen. Der älteste, heute noch (im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) erhaltene Erdglobus ist der 1491/1492 von Martin Behaim, einem Reisenden, Kaufmann und Kosmographen (* Nürnberg 1459, † Lissabon 1507) entworfene und 1492 vollendete "Erdapfel".
Da man bei der Herstellung der pergamentüberzogenenen Holzkugel (in Nürnberg durch N. Kalperger und Georg Albrecht Glockendon d.Ä.[ † 1514]) von einem amerikanischen Kontinent noch nichts wußte (am 12. Oktober 1492 landete Christoph Kolumbus an der Küste der Neuen Welt), blieb der Globus nur wenige Monate aktuell.

Die "Grammatica castellana", auch; "Arte de lengua castellana" (span.= Spanische Grammatik, auch: Spanische Sprachkunst), Salamanca 1492, des spanischen Humanisten Elio Antonio de Nebrija (eigtl. E. A. Martínez de Cala) (* Lebrija [bei Sevilla] um 1442, † Alcalá de Henares 1522) ist die erste (systematische) Grammatik einer romanischen Volkssprache.

Als Initiator der heutigen Straßenkarten gilt der Nürnberger Kartograph, Mathematiker und Astronom Erhard Etzlaub (* 1462, † 1532). Von den von ihm angefertigten Verkehrskarten sind zwei Holzschnittkarten überliefert, geschnitten und gedruckt in der Nürnberger Offizin der Familie Glockendon.
Die erste ist eine nichtdatierte, vermutlich um 1492 entstandene Karte Mitteleuropas: "Der Romweg", eine Straßenkarte für die deutschen Rompilger, die wohl älteste Straßenkarte jener Zeit. (Die Reiserouten waren durch Punkte markiert, wobei jeder Punkt eine deutsche Meile [ca. 7400 m ]bedeutete.)
Inhaltsreicher ist die "Straßenkarte des Römischen Reichs", ein kolorierter Holzschnitt von 1501. Sie ist die erste politische Karte Mitteleuropas, da auf ihr, zwar ohne eingezeichnete Landesgrenzen, jedes Land in einer anderen Farbe koloriert ist.

Der rumänische Erstdrucker war der Mönch Macarius (Makarije) († 1541), der 1493/1494 in Cetinje ein Gebetbuch in kirchenslawischer Sprache und mit kyrillischen Typen druckte.

Im letzten Jahrzehnt des 15. Jh. erschienen in Deutschland im Druck die (etwa 8 - 11 Blatt umfassenden) sogenannten Fischbüchlein ("Vischpiechl") oder Fischfangrezeptarien im Kleinoktavformat, die praktische Empfehlungen für den Fischfang enthielten.
Das erste deutsche Fischbüchlein wurde in Heidelberg 1493 von Jakob Köbel († Oppenheim 1533) gedruckt, und zwar, nach eigenen Angaben, auf der Grundlage eines ihm von einem Johannes Rittershofen (einem für die Jahre 1491 und 1493 urkundlich nachgewiesenen Stadtschreiber aus Neustadt an der Hardt [heute an der Weinstraße]) zugegangenen "kleinen Tractetleins".(Köbels Fischbüchlein ist nur als Nachdruck [u.d.T. "Die kunst wie man Visch vnd Vogel fahen sol"], Augsburg; Hans Froschauer 1518, überliefert.)

Christoph Kolumbus, Columbus (ital. Cristoforo Colombo, span. Cristobal Colón), der Entdecker Amerikas (* Genua 1451, † Valladolid 1506), der auf seiner ersten Seefahrt (3. 8. 1492 - 15. 3. 1493) drei Inseln (am 12. 10. Guanahani, 27. 10. Kuba, 6. 12. Haiti) und damit, ohne es bis zu seinem Lebensende zu wissen, einen neuen Kontinent entdeckt hatte, verfaßte in Briefform und in spanischer Sprache einen Bericht über "neuentdeckte Inseln" an seine Gönner Ferdinand und Isabella von Spanien. Dieser sogenannte Kolumbusbrief, der 1493 in Barcelona von Pedro Posa gedruckt und in vier kleinen, mit Holzschnitten illustrierten Folioseiten zeitungsähnlich verbreitet wurde (heute nur noch in einem Exemplar in der New York Public Library erhalten), ist der erste Bericht aus der Neuen Welt. (Erste lat. Übers. u.d.T. "Epistola de insulis nuper inventis", Rom: Stephan Plannck 1493; erste dt. Übers. u.d.T. "Eyn schön hübsch lesen von etlichen insslen ...", Staßburg: Bartholomäus Kistler 1497.)

Die älteste Tabulatur (Normenbuch des Meistersangs mit poetischen und musikalischen Regeln) entstand in Straßburg 1493.

Die erste gedruckte Weltkarte und die erste gedruckte Deutschlandkarte finden sich in der von dem Humanisten, Geschichtsschreiber und Nürnberger Stadtarzt Hartmann Schedel (* Nürnberg 1440, † ebd. 1514) verfaßten Weltchronik (Nürnberg: Anton Koberger 1493). Sie erschien in zwei Ausgaben, am 12. Juli 1493 lateinisch ("Liber chronicarum") und am 23. Dezember 1493 in deutscher Übersetzung (Nürnberger Mundart) ("Das Buch der Cronicken und ... geschichten") und ist mit ihren 1809 Holzschnitten die am reichsten illustrierte Inkunabel.

Das erste gedruckte Algebrabuch war die "Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportionalita" (1487, gedruckt Venedig 1494) des italienischen Mathematikers Luca Pacioli (* Sansepolcro [bei Arezzo]um 1445, † Rom [?] 1514). Es enthält zudem die erste Abhandlung über die doppelte Buchführung als Beschreibung der Praxis venezianischer Kaufleute.

Die früheste gedruckte Bibliographie (Schrifttumsverzeichnis) verfaßte der Humanist und Abt von Sponheim bei Mainz, später des Schottenklosters St. Jakob zu Würzburg Johannes Trithemius (d.i. Johannes Zeller) (* Trittenheim [Kr. Trier] 1462, † Würzburg 1516) mit seinem "Liber de scriptoribus ecclesiasticis", Basel 1494, einer Sammlung von Lebensbeschreibungen bemerkenswerter Persönlichkeiten mit anschließendem Schrifttumsverzeichnis (Biobibliographie).

Die erste deutsche Narrendichtung ist die von dem Juristen und Dichter Sebastian Brant (Brandt) (* Straßburg 1457, † ebd. 1521) verfaßte und in fast alle europäische Sprachen übersetzte Verssatire "Das Narren Schyff", Basel: Johann Bergmann von Olpe 1494, mit Holzschnitten zum Teil von Albrecht Dürer, in der er Laster und Torheiten von Personen, Berufen und Ständen in Gestalt von Narren darstellte. "Das Narrenschiff" wurde der erste Verkaufserfolg ("Bestseller") der deutschsprachigen Literatur.

Die erste Papiermühle Englands wurde 1494 in Hertford in Betrieb genommen.

Die "Rimkroniken" (dän.= Die Reimchronik), eine dänische Geschichte in Versform, häufig auch "Den danske Rimkronike" (dän.- Die dänische Reimchronik) genannt, ist das erste im Druck erschienene dänische Buch. Es wurde 1495 von dem Erstdrucker Kopenhagens, dem Niederländer Gotfred af Ghemen aus Gouda (in Kopenhagen tätig bis 1510) gedruckt. Der Ghemen-Druck ist die einzige bekannte Inkunabel in einer nordischen Sprache.

Vorformen der Reiseführer, die dem Reisenden für Reiserouten, Unterkunfts- und Einkehrmöglichkeiten Empfehlungen geben, Sehenswürdigkeiten unter Angabe von kultur-, kunstgeschichtlichen und historischen Daten verzeichnen u.ä., sind seit der Antike bekannt. Neben den frühen handschriftlichen Routenzusammenstellungen der Romreisenden, der Palästina- oder Santiago-Pilger gab es gegen Ende des 15. Jh. bereits gedruckte Pilgerreiseführer ("Mirabilia Romae" [Blockdruck], Rom um 1475 u.ö.); als erster mit Typen gedruckter Pilgerführer gilt "Die Walfart und Strasz zu Sant Jacob", die, von dem Mönch Hermann Künig von Vach für den Weg nach Santiago de Compostela in Reimen verfaßt, erstmals in Straßburg 1495 erschien und bis 1521 mehrmals an verschiedenen Orten neu gedruckt wurde. (Die Reiseführer der heutigen Form entwickelten sich in eins mit der zunehmenden Reisetätigkeit seit dem Beginn des 19. Jh.)

Juliana Berners (* um 1388), die als Priorin eines Nonnenklosters bei St. Albans, England, Erfahrungen auf dem Gebiet des Angelns gesammelt hatte, verfaßte das erste Fachbuch über die Angelfischerei; Treatyse of fysshynge wyth an angle, Westminster: Wynkyn de Worde 1496.

Die älteste (selbständige) Landkarte der Schweiz ist eine Handzeichnung (mit Tusche auf Pergament) aus dem Jahre 1496 von Konrad Tust (* zwischen 1450 und 1460, † 1504), dem Leibarzt Maximilians I. (1486 - 1519). Die Karte entstand, wie aus einem 1496 - 1498 gesondert erschienenen Begleitheft hervorgeht, aufgrund örtlicher Landvermessungen.

Die erste Druckfehlerberichtigung nahm der italienische Buchdrucker Aldus Manutius (* Bassiano [bei Velletri] 1449, † Venedig 1515) vor, indem er seine griechische Aristoteles-Ausgabe (1495 - 1498), in der eine ganze Zeile ausgefallen war, mit einem Korrekturstreifen versah.

Um 1470 entwickelte sich in Deutschland als seinem Ursprungsland das Exlibris (lat.: ex libris = aus den Büchern [der Büchersammlung] von ... ), ein auf die Innenseite des vorderen Buchdeckels geklebtes, kleinformatiges, künstlerisch gestaltetes und durch Druckgraphik oder Buchdruck vervielfältigtes Blättchen mit (der Aufschrift "Exlibris" oder "Ex libris" und) dem Namen des Eigentümers.
Das älteste in der Darstellung datierte Exlibris ist ein Holzschnitt für den Basler Suffraganbischof Telamonius Limberger aus dem Jahr 1498. Im Laufe des 16. Jh. fand das Exlibris auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes Verwendung.

Die wahrscheinlich früheste gedruckte bildliche Darstellung einer abendländischen Buchdruckerei und Buchhandlung ist als Holzschnitt (13,5 cm x 17 cm) in einer anonym erschienenen Totentanzfolge ("La Grant Danse macabre", Lyon: Matthias Husz 1499) enthalten


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Last update: 26. April 2000 © by Walther Umstaetter