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Vorträge



Ohne Bibliotheken keine Aus- und Weiterbildung
- ohne Aus- und Weiterbildung keine Zukunft

Walther Umstätter

Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin

Zusammenfassung

Bibliotheken waren bereits vor der Industrialisierung die wichtigste Rationalisierungsmaßnahme von Wissenschaft und Forschung in der Geschichte der Menschheit. Nur durch sie ließ und lässt sich auch heute noch überflüssige Doppelarbeit in der immer teurer werdenden Wissenschaft vermeiden. In den USA wurde man sich dieser Tatsache insbesondere durch den Sputnik-Schock 1957 sehr bewusst. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam eine weitere Rationalisierungsfunktion der Bibliotheken hinzu - die der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Nicht nur die Hochschulbibliotheken, sondern auch die sogenannten public libraries und die Schulbibliotheken, von denen es allein in den USA rund Einhunderttausend gibt, spielen hier eine wichtige Rolle, die in Deutschland nie ernst genug genommen worden ist, obwohl schon F.v. Raumer, C. Nörrenberg und F. Milkau vor einem Jahrhundert auf die Überlegenheit der USA im Bibliothekswesen hingewiesen haben. Nun, wo es um eine neue, geradezu paradigmatische, Rationalisierung der Ausbildung, im Sinne des lifelong learning geht, bauen die USA erneut ihren Vorsprung aus, in dem sie weltweit verfügbare Fernstudiengänge anbieten. Sie tun dies wiederum auf der Basis von Bibliotheken, die allerdings als off campus library services operieren. Ein leistungsfähiges Fernstudium, ohne ein darauf abgestimmtes Bibliothekswesen, und dies zeigen auch unsere eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet, ist abwegig. Hier ist begleitende Bibliothekswissenschaft dringend von Nöten, und für das Umdenken deutscher Politiker ist höchste Eile geboten. Die dafür erforderliche Beratungsfunktion durch die Bibliothekarinnen und Bibliothekare in Deutschland muss stärker in den Vordergrund treten. Die Wissensversorgung eines Landes ist nicht weniger Wichtig als ihre medizinische Versorgung und sie hat keinen geringeren ethischen Stellenwert. Sie erfordert aber eine weitere Vorausschau, weil Versäumnisse nicht so rasch sichtbar werden.

Zum Thema

Es ist eines der typischen Merkmale heutiger Themenstellungen, dass wir uns mit falsch formulierten Titeln beschäftigen, um eine gewisse Rhetorik zu erreichen. Klassische Beispiele sind: „Der Weg ist das Ziel“ oder auch „Die virtuelle Realität“. Tageszeitungen und Wochenmagazine sind ein permanenter Quell solcher feuilletonistischer Anakoluthen und Aberrationen, die nur das Ziel haben, Aufmerksamkeit zu erregen. In dieses Bild passt auch der Gedanke der Vermarktung von Wissenschaft, bei der Marketing nicht selten als Legitimation für betrügerische Terminologie missverstanden wird. Wissenschaft muss diese Entwicklung mit aller Entschiedenheit entgegentreten.

In gewisser Hinsicht ist auch der Titel: Ohne Ausbildung keine Zukunft – beim diesjährigen Bibliothekartag zu sehen. Er klingt wie die Drohung: Geld oder Leben. Eine Zukunft gibt es natürlich immer, die Frage ist nur welche. Folglich müsste es hier lauten: Wie entwickelt sich diese Zukunft ohne Ausbildung oder auch ohne Bibliotheken? Aber auch diese Frage ist im Prinzip noch falsch gestellt, weil sie absurd ist. Bibliotheken, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen können nicht plötzlich verschwinden. Es geht also eigentlich um die Frage, wie sich Aus- und Weiterbildung auf der Basis von Bibliotheken entwickeln müssen, damit Deutschland, Europa bzw. diese Welt eine humane, genauer gesagt, eine auf echte Bildung ausgerichtete Zukunft hat. Das schließt die ökologischen, ökonomischen und ethischen Ziele mit ein. Wissenschaft bedeutet daher immer, als erstes die richtigen Fragen zu stellen. Diese Frage muss lauten: Wie ist Forschung, Wissenschaft, Aus-, Fort- und Weiterbildung in der heutigen Zeit, der Big Science, noch zu finanzieren? Und die Antwort soll hier schon vorweggenommen werden.

Dies kann nur auf der Basis einer massiven Rationalisierung von Aus-, Fort und Weiterbildung sowie der von Forschung und Wissenschaft auf der Basis von Bibliotheken geschehen, zu der wir dringend bibliotheksbasierte Studienführerkonzepte brauchen.

Bibliotheken waren und sind auch heute mehr denn je die wichtigste Rationalisierungsmaßnahme in Wissenschaft, Forschung - Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Sie führen zu:

  1. Vermeidung von Doppelarbeit (Sputnik-Schock in den USA)
  2. Wettbewerbsfähigkeit in der Wissenschaft durch Kenntnis des gesamten publizierten Wissens der Welt
  3. Forschungsfreiheit durch die freie Wahl der eigenen Präferenzen
  4. optimaler Zeitnutzung durch die Möglichkeit des asynchronen und selbständigen Lernens, und sie bilden das
  5. Fundament des distance learning mit Hilfe der off campus libraries.

Zu den Aufgaben der Bibliotheken

Den meisten Laien, und damit natürlich auch den Anfängern dieser Ausbildung, ist nicht klar wie bedeutsam Bibliotheken für den Aufstieg ihrer geistigen Kultur war, es ist ihnen noch weniger deutlich, warum Bibliotheken während der Industrialisierung eine exponentielle Verbreitung fanden und es ist ihnen gänzlich unbekannt, dass die postindustrielle Gesellschaft, die hauptsächlich von der wissenschaftlichen Produktion lebt, ohne ein zeitgemäßes Bibliothekswesen überhaupt keine Chance hat. Dass der wirtschaftliche Aufstieg der USA in erster Linie auf seinem Bibliothekswesen begründet ist, könnte man als eine etwas kühnen Behauptung abtun, weil es sicher auch andere Gründe gibt, die man ins Feld führen kann. Da sind zunächst die Bodenschätze, die den USA Energie und industrielle Produktionskapazität sicherten, die aber nur mit dem entsprechenden know how nutzbar sind. So gibt es Länder, die ebenfalls solche Schätze haben, ohne sie selbst in vergleichbarem Maße nutzen zu können. Auch die geografische Lage der USA ist sicher von Vorteil gewesen, weil dieser Kontinent in seiner Selbstständigkeit kriegerisch nicht so bedroht war, wie die historisch gewachsenen Länder Europas. Trotzdem wären die Auseinandersetzungen der Nord- und Südstaaten bzw. die mit Mexiko eine ausreichende Basis für Eskalationen gewesen, wenn man sich nicht für eine ausreichende Bildungspolitik, hin zum mündigen demokratischen Bürger, entschieden hätte. Als der wohl bekannteste und auch wahrscheinlichste Einfluss auf die Prosperität der USA wird im allgemeinen der brain drain angesehen, bei dem insbesondere ausgebildete Kräfte aus Europa in die USA einwanderten. Schätzungsweise, 32 Millionen Menschen gingen von 1821 bis 1932 in die USA. In dieser Zeit verließen 52 Millionen Europa.

In seiner Abschiedsrede am 11.5.1932 im Reichstag, sagte Theodor Heuss (1963), dass bis zu den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, "Jahr um Jahr Hunderttausende mit deutschem Geld geschulter und ausgebildeter Menschen nach Übersee" gegangen sind, um "von dorther Konkurrenz" zu machen. Heuss fuhr damals mit der Bemerkung fort: "das Beste an Rohstoff ... was Deutschland besitzt, das ist nämlich nicht seine Kohle oder sein Kali, sondern das Hirn seiner Erfinder, die Ausbildung seiner Menschen, die Konstruktionskraft seiner Ingenieure, die Zuverlässigkeit seiner Leistung im deutschen Facharbeiter, der Wagemut des unternehmenden Kaufmanns." Er richtete sich damit an die Adresse der anwesenden Nationalsozialisten, die schon damals den erkennbaren wirtschaftlichen Fehler begingen, diesen brain drain zu verstärken.

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Einwanderung aus Asien. So sollen nach Adams, W. (1968) 90% aller Studierenden aus Asien, die in den frühen 60er Jahren nach USA gekommen waren, dort geblieben sein.

Wie aktuell diese Thematik ist erkennt man nicht nur an der Diskussion über green cards in Deutschland, auch Australien, Israel, Kanada oder die USA denken verstärkt über ihre geistigen Ressourcen nach, und darüber, wie man geistige Eliten aus anderen Ländern abwirbt. So wurde in den USA der Bringing Resources from Academia for the Industry of our Nation Act - bill, H.R. 2687 (BRAIN) vor wenigen Jahren verabschiedet. Das "Tech” Visum ist ein fünf jähriges Projekt, das Studierenden, mit Abschlüssen in den USA in Naturwissenschaft und Technik die Möglichkeit gibt zunächst im Lande zu bleiben und zu arbeiten.

Es wäre aber falsch zu glauben, dass Menschen in den USA auch Spitzenleistungen hervorgebracht hätten, wenn die Bedingungen für eine wissenschaftliche Arbeit nicht vorhanden gewesen wären. Namen wie: Berl, E.; Bertalanffy, L. v.; Braun, W. v.; Einstein, A.; Förster, v. K.H.; Franck, J.; Ladenburg, R.; Morgenstern, O.; Neumann, J. v.; Oberth, H.; Szilard, L.; Wiener, N. u.v.a. belegen zwar, dass ein Wissen, das die Welt fundamental verändert hat, aus Europa ausgewandert ist, es konnte sich aber nur weiterentwickeln, weil diese Wissenschaftler in den USA die notwendige wissenschaftliche Infrastruktur fanden, die sie brauchten. Die Sowjetunion ist ein interessantes Gegenbeispiel, weil auch in dieses Land Raketenspezialisten aus Deutschland gelangten, die mit dazu beitrugen, dass es zum Sputnik-Schock in den USA kommen konnte. In der UdSSR wurden aber im Gegensatz zu den USA erhebliche Anstrengungen für eine leistungsfähige Dokumentation unternommen, die als wesentlicher Grund für den damaligen Erfolg der Sowjetunion gelten. Allerdings unterlag der Kommunismus im Wettbewerb mit den USA, weil das Wissen auf einzelne Gebiete und auf die dazugehörigen Spezialisten beschränkt blieb, weil es aus Geheimhaltungsgründen zu stark gegen das Ausland abgeschottet und insbesondere deshalb weil es ideologisch gefärbt war. In der allgemeinen Bevölkerung konnte es sich nicht ausreichend rasch ausbreiten.

Blüten trieb diese Ideologie in der Genetik und der Kybernetik, die beide als bourgeoise Theorien angesehen wurden. Geradezu dramatische Folgen hatte der kommunistische Neo-Lamarckismus zu Stalins Zeiten, so wie er von T. D. Lyssenko vertreten wurde, weil er so manchen Wissenschaftler nach Sibirien brachte. Ein freies und leistungsfähiges Bibliothekswesen hätte solche geistigen Verirrungen zweifellos unterbunden, und gerade darum musste es verboten werden.

Bei der Einführung der Kybernetik, die im zensierten Ostblock nur langsam mit dem Marxismus-Leninismus, über den dialektischen Materialismus, in Einklang zu bringen war, brauchte diese, 1943 in den USA begründete Wissenschaft, bis 1961 zu ihrer Akzeptanz.

Es soll mit diesen Beispielen nicht der Anschein erweckt werden, dass ein ideologiefreies Bibliotheks- oder Dokumentationswesen eine Garantie dafür ist, dass wissenschaftliche Irrwege ausgeschlossen bleiben, aber sie haben zumindest nicht so verheerende Folgen. Außerdem zeigen diese Beispiele, dass Bibliotheken neben einer ausreichenden Zahl und Verfügbarkeit auch eine entsprechende Qualität gewährleisten müssen, die sich in erster Linie in der Meinungsvielfalt wiederspiegelt. Eine solche Meinungsvielfalt kann einzig und allein durch Bibliotheken gewährleistet werden, weil die Zahl an Büchern, Zeitschriften und anderen Informationsmedien privat unbezahlbar ist.

Die Erkenntnis, dass das Bibliothekswesen für Wissenschaft und Ausbildung unverzichtbar ist, blieb in Deutschland bis zum heutigen Tag in so hohem Maße unbekannt, dass sich immer wieder Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft finden, die meinen besonders visionäre Qualitäten an den Tag zu legen, wenn sie den Untergang des Bibliothekswesens durch das Internet prophezeien. Sie ahnen nicht wie offensichtlich ihre Unkenntnis für den Fachmann zutage tritt. Sie sind sich nicht bewusst, dass Urheberrechte bzw. Copyrights nur gesichert werden können, wenn der freie Zugang zu der bereits vorhandenen Literatur gesichert bleibt, weil man nur so Plagiat verhindern kann. Sie sind sich nicht darüber bewusst, dass auch und gerade das Internet von Bibliothekaren archiviert werden muss. Deutschland versäumt zur Zeit die Archivierung der digital vorhandenen Informationsmedien, ohne sich darüber im klaren zu sein, dass die USA diesen Marktvorteil längst nutzt. Sie archivieren bereits seit Jahren große Teile des Internets.

Ein Dokument, dass unter Verschluss liegt, oder so teuer ist, dass man sich die Einsicht nicht zu leisten vermag, kann nicht als im eigentlichen Sinne publiziert, oder um es juristisch zu sagen, als erschienen gewertet werden. Jeder, der etwas publiziert, das mit einem solchen unzugänglichen Dokument übereinstimmt, kann nicht als Plagiator angesehen werden, weil er ja keinen Zugang dazu hatte. Einen solchen Zugang aber sichern nur Bibliotheken. Außerdem sichern Bibliotheken das Urheberrecht noch auf eine weitere Art, in dem sie für die Authentizität der archivierten Dokumente einstehen. Ein Dokument, dessen Archivierung nur vom Urheber bzw. Verleger selbst gesichert wird, könnte von diesem verändert werden. Es wäre folglich denkbar, dass ein Verlag ein Dokument veröffentlicht, in dem sich ein gravierender Fehler befindet, der zu Regressansprüchen führt. Daraufhin berichtigt der Verlag diesen Fehler und behauptet, dass das original Fehlerfrei sei, und dass der Besitzer des Dokuments nur eine Fälschung besäße. Hier sind die Pflichtexemplare an die entsprechenden Bibliotheken, wie sie nicht von ungefähr durch den Buchhandel gefordert worden sind, von essentieller Bedeutung. Wie allgemein bekannt, ist die Deutsche Bibliothek in Leipzig aus gutem Grund eine Errungenschaft des Buchhandel gewesen.

Die Big Science braucht die Bibliotheken mehr denn je.

Auch wenn schon die Schulpflicht 1619 in Weimar und 1717 in Preußen ein Signal dafür waren, dass die Entscheidungsträger der damaligen Zeit das Lesen, Schreiben und Rechnen für zunehmend unverzichtbar hielten, setzte es sich trotzdem erst zur Zeit Goethes und Schillers durch. 1807 fand Madame de Stael in Deutschland mit Erstaunen Bücher lesende Arbeiter, Gastwirte und Zollbeamte. In Wirklichkeit waren aber 1800 erst etwa ~25% der Deutschen über 6 Jahre lesefähig. Wobei man keinesfalls der allgemeinen Ansicht war, dass Lesen etwas gutes ist. Vielmehr befürchtete man, es gäbe "keine Kinder mehr - man macht sie gleich zu Männern, zu altklugen Buben".

In Preußen waren um 1850 nur noch etwa 20% der Bevölkerung, über 10 Jahre, Analphabeten, etwa gleichviel wie in Schottland, aber doppelt so viele wie in Schweden.

Die wirkliche allgemeine Schulpflicht konnte in Deutschland erst 1938 wirksam werden. Von 1871 – 1910 stieg die Zahl an Studierenden von 20.000 auf 68.000, während die Bevölkerung von 41 Mio. auf 65 Mio. wuchs. Zum Vergleich hatte Deutschland

1999/2000 eine Einwohnerzahl von 81 Mio. mit 37.8 Mio. Haushalten, von denen 13,5 Mio. Einpersonenhaushalte ware

1.777.794  

 Studierende (an Universitäten 1.304.427)

  10.049.896  

 Schüler

2.657.645 

 Berufsschüler

792.524   

  Lehrer

216.425  

 Hochschullehrer

So dass sich ein Verhältnis von 16 Schülern zu Lehrern und 8 Studierenden zu Hochschullehrern ergibt.

Die Alphabetisierung betrug in     

D     99%
GB    99%
USA    95%
CDN    96%

Zum Vergleich waren in Frankreich von den Ausgehobenen 1841 45% Analphabeten, 1850 39% und 1854 noch 37%. Und im gleichen Jahr mussten beim Eintrag ins Heiratsregister 34% der Männer und 46% der Frauen mit einem Kreuz unterschreiben. Die eigentliche Analphabetenquoten war bei noch älteren Menschen sicher etwas höher als bei den jungen. Gerade in Frankreich waren die Lesegesellschaften ein deutliches Zeichen der gebildeten Klasse, wobei dieses Land, nicht von ungefähr, die schmerzliche Revolution erfuhr.

Private und kommerzielle Leih-, Literatur- und Lesegesellschaften, -institute, -vereine oder -zirkel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts können als die Vorläufer des öffentlichen Bibliothekswesens angesehen werden. Etwa 500 Lesegesellschaften dürften es in Deutschland damals gewesen sein. Auf diesem Boden wuchs und vermehrte sich das publizierte liberale und demokratische Gedankengut, weil Demokratie ein ausreichendes demokratisches Wissen erfordert. Schon damals wollte man über das was man gelesen hatte auch sprechen – wenn möglich mit Gleichgesinnten. Eine Emanzipation des gehobenen Bürgertums, dass sich damit auch als geistige Elite sah, ging folglich einher. Elitär denkende Zeitgenossen sprachen von einer "Lesewut" und von dem "Schaden", den die "Vielleserey" auslösen könnte.

So erschien in Leipzig 1650 die erste Tageszeitung der Welt unter dem Titel: "Einkommende Zeitungen". Schon Ende des 17. Jh. waren es 70 Zeitungen. Die durchschnittliche Auflage der frühen deutschen Tagespresse lag bei 350 bis 400 Exemplaren und reichte, wie im Falle des Frankfurter Journals 1680 bis zu 1.500 Exemplaren. Am Ende des 17. Jh. kann man bereits mit einer Reichweite von ca. 200.000 Personen rechnen.

In der Verfassung der Vereinigten Staaten wurde 1790 in der 1st Amendment die Garantie der Pressefreiheit gewährleistet. Es war die Zeit, in der ein heftiger Kampf um die Meinungs- und Gedankenfreiheit als Menschenrecht entbrannt war, was sich in der Weltliteratur wohl nirgends dramatischer Zeigt, als in den Worten Schillers, „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ Sire.

Wenn Schillers kleinere prosaische Schriften in vier Teilen bei Crusius (C.W.Vogel) 31,20 Mk. (3 Rthlr. 8 gr.) kosteten, so war dies im Vergleich zum Lebensunterhalt einer Familie mit etwa 600 Talern im Jahr, etwa der 10 bis 20fache von heute.

Dass die Karlsbader Beschlüsse zur Bekämpfung "revolutionärer Umtriebe" von 1819, und dann wieder die Abschaffung der Vorzensur, angesichts der Revolution von 1848, ein Zeichen dafür sind, dass Deutschland unter der Last seiner Geschichte und seiner geografischen Lage schwer zu tragen hatte kann nicht übersehen werden. So muss die Revolution von 1848 nicht zuletzt als ein Zeichen der Versäumnisse in der Bildungspolitik angesehen werden. Die Leser erreichten einen kritischen Gesellschaftsanteil. So wie die Zahl an studierten heute einen kritischen Gesellschaftsanteil erreicht, weil der Übergang von einer Minderheit, die sich als geistige Elite versteht, zu einer Mehrheit, immer zu massiven sozialen Spannungen führt. Dabei dürfte es gleichgültig sein, ob sich die Geistige Elite durch die Fähigkeit lesen, schreiben und rechnen zu können definiert, oder durch den Abschluss eines Hochschulstudiums. Der Verlust an elitären Privilegien schwindet beim Übergang von der Minderheit zur Mehrheit.

Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass wir uns heute, nach einer so kritischen Phase vor etwa zweihundert Jahren, nur schwer damit abfinden können, dass wir noch immer etwa 1-3% Analphabeten haben. Ob wir in einigen Jahrzehnten über die letzten Prozent, die noch immer keinen Hochschulabschluss haben, ebenso hart diskutieren werden, wird die Zukunft zeigen. Zumindest können sich heute nur wenige Menschen vorstellen, dass wir nach der "Lesewut" vor 200 Jahren, bald eine „Wissenschaftswut“ haben werden, obwohl das Wort von der „Wissensgesellschaft“, die eigentlich eine Wissenschaftsgesellschaft ist, längst die Runde macht. Bei einer solchen absehbaren Entwicklung über die Schließung von Bibliotheken zu diskutieren hat abenteuerliche Züge.

Schon am Ende des 18. Jahrhunderts zeichneten sich die USA als besonders fortschrittlich aus, weil sie mehr Zeitungen pro Kopf hatten als ihre europäischen Mutterländer.

Auch in England waren 1840 etwa ein Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen Analphabeten. Während man in Russland zu diesem Zeitpunkt mit noch 90% und in Ungarn mit 40-50% Analphabeten rechnete.

Mit der Industrialisierung wurde immer deutlicher, wie gefährlich die Klassengegensätze, die sich als Bildungsgegensätze äußerten, waren. Daraus ergab sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast zwangsläufig, der Bedarf an zunächst kleinen, öffentlichen Volksbibliotheken, die insbesondere von sozial bzw. christlich eingestellten Personen getragen wurden. Interessanterweise haben die Spannungen zwischen Ober- und Unterschicht bzw. zwischen links und rechts, die Revolution von 1848 und auch die Schwächung der Regierungen in dieser Zeit, die Entwicklung, den USA gegenüber, erheblich gebremst.

Wie weit der Blick auf die angelsächsischen Public Libraries, z.B. durch Friedrich v. Raumer (1781-1873) und Constatin Nörrenberg (1862-1937) bei der Aufarbeitung des Nachholbedarfs wirklich eine Rolle spielte, ist schwer zu entscheiden, da Nörrenberg 1893 in den USA gewesen war, und solche Vorbilder oft auch dazu beitragen, dass nationalistisch denkende Menschen mit natürlichem Widerspruchsgeist, nun gerade einen anderen Weg suchen. Für Deutschland kann dies durchaus festgestellt werden. Hier wurde der modernen Dokumentation der Vorzug gegeben, die damit den Widerpart zum Bibliothekswesen übernahm, was in den USA weitaus weniger in Erscheinung trat.

Karl Benjamin Preusker (1786-1871) drängte mit Blick auf die USA in den 30er und 40er Jahren auf ein Netz von Stadt-, Dorf-, Kreis- und Wanderbibliotheken, die eine klare Antwort auf die Herausforderungen der Industrialisierung zu verstehen waren. Friedrich v. Raumer (1781-1873) schlug in seiner Denkschrift vor, in Berlin vier Volksbibliotheken zu eröffnen (1846). Ein privater Verein sollte dazu 4.000 Taler stiften, während die Stadt sich bereit erklären sollte, für den weiteren Unterhalt zu sorgen.

Zum Vergleich dazu hat Andrew Carnegie’s (1835 – 1919) insgesamt 2.500 Bibliotheken mit $39.172.981 (von insgesamt $350 Mio.) unterstützt. Ab 1919 flossen seine Mittel in die Bibliothekarsausbildung. Er erkannte die hervorragende Bedeutung der Bibliotheken als Zukunftsinvestition.

Eduard Reyer (1849-1914) wirkte in Wien durch eine Veröffentlichung im Centralbl. f. Bibl. (1886) in die gleiche Richtung. All dies blieb von geringer Wirkung, während die deutsche chemische Industrie sich anschickte, das beste Dokumentationswesen der Welt aufzubauen.

Kein geringerer als Friedrich Althoff (1839 – 1908) sorgte 1905 für einen Professorenaustausch mit den USA, den auch Adolf von Harnack (1851 – 1930) unterstützte,

nachdem bereits 1893 in Chicago und 1904 in St. Louis Unterrichtsausstellungen aus Deutschland stattfanden, die er mit initiiert hatte. Althoff erhielt als einer der ganz wenigen am 27.6.1906 die Ehrendoktorwürde der Harvard Universität.

Neben Althoff und Harnack, die 1907 beide in die sogenannte Amerikanisierungsdebatte gerieten, hat auch Fritz Milkau (1859-1934), der Nachfolger Harnacks in der Leitung der Preußischen Staatsbibliothek und Begründer des Instituts für Bibliothekswissenschaft in Berlin (1928) war, 1914 empfohlen, den Blick auf das amerikanische Bibliothekswesen, mit seinen seit jahrzehnten gelobten Freihandbibliotheken zu richten.

Die USA und Großbritannien waren die beiden Länder, die die public libraries als öffentliche Lese- und Bildungseinrichtungen zu etablieren begannen.

Zur Rolle der Dokumentation in Deutschland

Obwohl Martin Schrettinger (1772 - 1851) mit seinem Buch "Bibliothek-Wissenschaft" (1826) bereits eine Grundlage zur wissenschaftlichen Bibliotheksverwaltung geschaffen hatte und diese auch mit seinem geistigen Gegner, Friedrich Adolf Ebert (1791 - 1834), der als Vorkämpfer des bibliothekarischen Berufs in Deutschland gelten kann, hart diskutierte, verlor Deutschland bereits in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts an Boden auf diesem Terrain. Als Indiz hierfür kann unter anderem die Übernahme des sogenannten Lesesaalkatalogs angesehen werden, so wie ihn Karl Dziatzko (1886) nach dem Vorbild des British Museum in Breslau erstmals einführte. Unter diesem Blickwinkel müssen die Versuche Althoffs, Harnacks und Milkaus als eine Zrückgewinnung verlorenen Terrains gesehen werden, die allerdings, durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten, im nachhinein als gescheitert anzusehen ist.

Mit diese Machtübernahme 1933 und der nachfolgenden "Gleichschaltung" in Kultur und Wissenschaft waren alle Bemühungen um eine Modernisierung des Bibliothekswesens in Deutschland mit einem Schlag gestoppt. Das Institut für Bibliothekswissenschaft in Berlin wurde nach nur fünf Jahren wieder geschlossen.

Dies hatte zwei Gründe:

  1. Der erste lag darin, dass Deutschland seit 1830 einer moderneren Entwicklung als der des Bibliothekswesens gefolgt war, der des Dokumentationswesens. Als Markstein kann dabei das "Chemisches Zentralblatt" von 1830 (zu Beginn als "Pharmaceutisches Central-Blatt" bezeichnet, mit 400 Referaten pro Jahr) gelten, weil es den Beginn einer kontinuierlichen exponentiellen Entwicklung in der Dokumentation kennzeichnet. Dieses deutsche Referateorgan musste 1969 mit 200.000 Referaten pro Jahr sein Erscheinen einstellen, da immer deutlicher wurde, dass ein Publikationsaufkommen dieser Größenordnung mit konventionellen Methoden nicht mehr wirtschaftlich zu beherrschen war. Inzwischen wurde es daher durch ein anderes großes internationales Dokumentationssystem ersetzt, die amerikanischen computerisierten und damit digitalisierten Chemical Abstracts. Auch das was wir heute Faktenbanken nennen fand ihre weltweit führenden Vorläufer in Deutschland. Dazu gehörte "Gmelins Handbuch für theoretische Chemie", das später als "Handbuch der anorganischen Chemie" und der "Beilstein", das "Handbuch der organischen Chemie", die beide ebenfalls im 19. Jahrhundert entstanden waren. Nicht weniger erwähnenswert sind auch Springers Referateblätter, sowie das Zentralblatt der Mathematik.
  2. Der zweite Grund ist sicher auch in der wirtschaftlichen Bedeutung des Dokumentationswesens zu sehen, die im sogenannten Dritten Reich weitaus weniger auf eine Aufklärung der allgemeinen Bevölkerung ausgerichtet war, als vielmehr auf die Förderung von Wissenschaft, Forschung als Machtfaktor. So fand die geheime Dokumentationstätigkeit in der Industrie und im militärischen Bereich ein besonderes Interesse. Dies gilt sicher nicht nur für das Dokumentationswesen im Dritten Reich, sondern auch für das spätere Dokumentationswesen VINITI der Sowjetunion oder auch das der DDR. Weil Wissenschaft und Forschung in bestimmten Bereichen des internationalen Wettbewerbs der Geheimhaltung bedarf. Insofern dürfen speziell an dieser Stelle die Ziele der Bibliotheken und der Dokumentationseinrichtungen nicht verwechselt werden.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragikkomik, dass Henri Lafontaine 1913 den Friedensnobelpreis für seine Idee der Weltbibliographie im Dienste des weltfriedens erhielt, und damit für die Förderung der Dokumentation, die von ihm und Otlet gerade als Dokumentation publizierter Information gedacht war, und damit zu einer Erleichterung des Zugangs zum Wissen dieser Welt. Dass diese Dokumentation allerdings im zweiten Weltkrieg beispielsweise von Naisbit dazu verwendet wurde, um möglichst umfassend alle Todesanzeigen in deutschen Publikationen zu erfassen, um so die wahren Kriegsverluste abschätzen zu können macht deutlich, wie unterschiedlich die Anwendungsbereiche dieser Methode sind.

Wenn Deutschland ein leistungsfähiges Dokumentationssystem hatte, das zweifellos an seinen technischen und wissenschaftlichen Fortschritten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beteiligt war, und wenn VINITI in der UdSSR sicherlich auch seinen Betrag zum Sputnik-Schock der USA geleistet hat, so darf man nicht übersehen, dass das Wissen in diesen Fällen auf einzelne Gebiete beschränkt war, teilweise ideologisch Färbung hatte und aus Geheimhaltungsgründen abgeschottet blieb. Gerade damit verstößt es aber gegen die Grundprinzipien eines Bibliothekswesens das die USA srark gemacht hat.

Zur Rolle der Bibliotheken in den USA

Die Überlegenheit der USA beruht auf ihrem Bibliothekswesen!

  • Nicht auf dem brain drain, wie oft angenommen,
  • nicht auf der Ansammlung besonders begabter Menschen,
  • nicht auf dem Schulwesen,
  • nicht auf den Bodenschätzen und auch
  • nicht auf seinen geografischen Besonderheiten.

Bereits

1876 etablierte sich die American Library Association (ALA), die heute 57.000 Mitglieder hat. Sie publizierte das American Library Journal. Der ALA folgte schon ein Jahr später

1877 die Library Association (LA) in Großbritannien.

1883 entwickelte Melvil Dewey seine Vorstellungen für eine Bibliotheksschule, die

1887 in der School of Library Economy at Columbia College ihre Umsetzung fanden. Damit war ein unübersehbares Zeichen gesetzt, dem

1900 3 weitere Bibliotheksschulen in den USA folgten.

1900 richtete die ALA das Committee on Library Training ein, das

1903 zu einem standing committee der ALA wurde.

1915 folgte die Association of American Library Schools (AALS), die sich später zur Association for Library and Information Science Education (ALISE) wandelte. Von erheblichem Einfluss war

1923 der Williamson Report (1918-1923), der die Ausbildung in den

1920 existierenden 14 Schulen, von denen 3 in Universitäten angesiedelt waren, weiter verbessern sollte. Eine Welle von Neugründungen folgte dem Sputnik- Schock von 1957, als

1961 - 1976 23 neue Bibliotheksschulen in den USA entstanden, die nun auch das Wort Information im Zusammenhang von information studies oder science im Namen trugen.

1965 sorgte der Elementary and Secondary Education Act dafür, dass auch Geld für die Schulbibliotheken verfügbar wurde. Das es in den Jahren

1978 – 1992 auch zu 17 Schließungen von Bibliotheksschulen kam muss eher als eine Frage der Qualität angesehen werden. So gab es in dieser Zeit auch in England drohende Schließungen, wenn die Ausbildung nicht den modernen Erfordernissen entsprach. In der Alliance on Excellence der

1980's entstand bereits im Zusammenhang mit der Distance education, das Library and Information Science Distance Consortium (LISDISC). In diese Zeit,

1987 fällt auch die Weiterentwicklung der International School for Information Management (ISIM) in Santa Barbara, California, mit ihrem electronic classroom. Ihre Wurzeln gehen auf 1960 zurück, als sie mit dem Namen International Academy gegründet wurde. Ihr Ausbildungsziel ist der Master of Science degree im Information Resources Management. Mit den

1990 neu festgelegten guidelines für das extended campus program. Wurde diese Entwicklung des distance learning auf eine breite Basis gestellt.

1993 haben die Canadian Association of College and University Libraries und Canadian Library Association die Guidelines for Library Support of Distance Learning in Canada bestätigt.

1996 sind es bereits 150 Ausbildungseinrichtungen, in den USA distance education anbieten, um mit Hilfe des virtual college die Kosten der Ausbildung zu senken.

 

1997 fand die White House Conference on Library and Information Services statt, die ebenfalls den Stellenwert des Bibliothekswesens in den USA deutlich macht. Wobei die Herausforderung der distance education, die auch als ein Teil der heutigen Globalisierung zu sehen ist,

1998 von der ALA, mit der Einrichtung einer Distance Learning Section beantwortet wurde. Im gleichen Jahr kam es auch zur Revision der sog. Information Power: Building Partnerships for Learning

Insbesondere die Schulbibliotheken werden in den USA durch das „Dedicate Funding to Strengthen School Library Centers“ unterstützt, weil man in den USA die Rolle der Bibliotheken als eine Form der Begabtenförderung, deutlicher vor Augen hat, als in Deutschland. Das dabei die Elektronik als wichtigstes Instrument gesehen wird, um den Zugang zu den Bibliotheken und insbesondere zu den Depository Libraries zu erleichtern ist bekannt. Es geht um den Aufbau einer neuen Generation von Bibliotheken, die in Großbritannien als Hybrid Libraries bezeichnet werden, um deutlich zu machen, dass sie alte, neue und digitale Medien enthalten, und die in den USA als Digital Libraries bezeichnet werden. In jedem Fall spielt die Digitalisierung die entscheidende Rolle, gleichgültig ob es um die wirklich Virtuelle Bibliothek, die automatisierte Elektronische Bibliothek oder um die Digitalisierung alter Bestände geht. In dieser Digitalen Bibliothek ist das gedruckte Buch eine, wenn auch die wichtigste, von mehreren Möglichkeiten digital gespeicherte und übertragene Informationen auszugeben.

Schlagworte, wie: “Designate Libraries as Educational Agencies”, “Fund Libraries Sufficiently to Aid U.S. Productivity” und “Ensure Statutory Support for Library Role in America 2000” machen die Einschätzung der Amerikaner ihrem Bibliothekswesen gegenüber deutlich. Trotzdem wird immer wieder aufgerufen, diese Anstrengungen weiter zu erhöhen, wenn es um die Herausforderungen unserer zeit geht: „Increase Library Allocation As Centerpiece in Education Initiative“, „Recognize Libraries As Partners in Lifelong Education“ oder „Train Students in Use of Library and Information Services“

Sogar in den amerikanischen Spielfilmen lässt sich seit langem immer wieder der dortige Stellenwert des Bibliothekswesens erkennen. So wurde in "Desk Set" bereits 1957 mit Spencer Tracy als Computerexperten und Katherine Hepburn als Bibliothekarin die Problematik der Computerisierung in den amerikanischen Bibliotheken gezeigt. Zum Vergleich dazu sollte man Dieter Borsche als Bibliothekar Christian mit Marianne Koch, in dem 1956 erschienenen Film „Wenn wir alle Engel wären“ sehen.

Der Aufbau einer nationalen Wissensbank wurde mit dem Regierungsantritt von Bill Clinton zu einer nationalen Aufgabe erklärt. Sie stand in Verbindung mit der Fortentwicklung des Internets zum National Research and Education Network (NREN).

Die Wissensversorgung eines Landes ist nicht weniger Wichtig als ihre medizinische Versorgung. Sie hat keinen geringeren ethischen Stellenwert, auch wenn sie eine weitere Vorausschau erfordert, weil Versäumnisse nicht so rasch sichtbar werden.

Trotz der weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten die wir heute haben, sind die Standortvorteile der Länder mit einem leistungsfähigen zeitgemäßen Bibliothekssystem unübersehbar. Dabei geht es nicht nur um den Bestand an Büchern, Zeitschriften PCs oder Internetzugängen, es geht auch und insbesondere um die Qualität, die Vielfalt und die Inhalte.

Von rund 15.000 OCLC-Bibliotheken in den USA sind Bücher wie die von

  • John Naisbitt: Megatrends: Ten New Directions Transforming Our Lives
  • John Naisbitt and Patricia Aburdene: Megatrends 2000: Ten New Directions for the 1990’s
  • Alvin Toffler: The Third Wave
  • Alvin Toffler: Future Shock

die am weitesten verbreiteten Titel, die unzweifelhaft deutlich machen, mit welchem Aufklärungsverständnis diese Bibliothekare und Bibliothekarinnen ihr Geschäft betreiben.

Eine neue Initiative ist auch PAT (Parents as Teachers), die im Zusammenhang mit HIPPY (Home Instruction Program for Preschool Youngsters) eine bibliotheksunterstützte Lernsituation für Kleinkinder bieten soll.

Zu den Schulbibliotheken der USA

Insgesamt gibt es in den USA 76.347 Grundschulen und 22.833 weiterführende Schulen (1994/95). Das sind 99.180 Schulen insgesamt, die fast ausnahmslos mit Schulbibliotheken ausgestattet sind. Die Einschulungsquote liegt bei 91,6%. Probleme in den Schulen sind bekanntlich, Gewalttaten und Drogen. Ein solches Schulsystem, das auch 5 % Analphabeten hinterlässt kann sicher kein Vorbild für andere Länder sein. Das es trotzdem einen so erfolgreichen Staat hervorbringt liegt an seinen Schulbibliotheken, die es den lernwilligen Schülerinnen und Schülern erlaubt ihren Interessen und Begabungen zu folgen. Diese Schulbibliotheken werden von noch besseren Universitätsbibliotheken ergänzt.

Unter den 3.700 Universitäten und Colleges zählen die ältesten immer noch zu den rennomierten: Harvard (gegründet 1636), College of William and Mary (1693), Yale (1701) und Princeton (1746). 14,5 Millionen Studierende sind an diesen Colleges und Universitäten eingeschrieben.

Mit solchen Zahlen relativiert sich das beeindruckende Angebot der University of Phoenix, einem Ableger der Apollo Group, die über 42.000 erwachsene Studierende hat. Sie ist die zweitgrößte private Universität der Vereinigten Staaten und operiert auf 50 satellite campuses and learning centers. Über 6.000 ihrer Studierenden sind Fernstudenten (New Yorker, (20 and 27 October 20 1997). Sie macht Reklame mit dem Hinweis: "Imagine yourself in a class with a senior engineer from Switzerland, an investment banker from New York, and a marketing consultant from Chicago," und "I started one class while on business in Japan. I finished it from my living room in Texas."

In der Übersicht gestaltet sich das amerikanische Bibliothekswesen am Ende des 20. Jh. wie folgt:

8.967  

         mit 16.090  

Public libraries (administrative units)     

 Buildings

3.408   Academic Libraries 
 98.169   School Libraries
9.993  

   341

1.411  

 Special Libraries 

 Armed Forces Libraries

 Government Libraries 

122.289  

  Total  

Zur Art der Ausbildung

Es muss hier weniger um die Bildungsziele der Aus und Weiterbildung gehen, als vielmehr um die Art der Ausbildung und die Inhalte, die schon heute, und in Zukunft noch sehr viel stärker, eine permanente Weiterbildung in sich schließen, wie es das sog. lifelong-learning seit langem fordert.

Innerhalb der Ausbildungsarten geht es inzwischen hauptsächlich um den optimalen Medieneinsatz. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass bei jedem neuen Informationsmedium, modern gesinnte Zeitgenossen die Meinung vertreten, dieses Medium werde nun alle veralteten vom Markt verdrängen, es ist aber ein deutliches Zeichen an mangelhafter Geschichts- und meist auch an Sachkenntnis. Andererseits haben wir natürlich die ewig Gestrigen, die jede Innovation nur als das Zerstörerische des bereits Bewährten betrachten.

Seit 1995 wird am Institut für Bibliothekswissenschaft (IB) der Humboldt-Universität zu Berlin das postgraduale Fernstudium "Wissenschaftlicher Bibliothekar/-in" angeboten. Dazu kam 1998 ein Magister-/Masterfernstudiengang "Bibliotheks- und Informationswissenschaft" mit Videokonferenztechnik. Über die Erfahrungen und Probleme des Routineeinsatzes hat Jänsch, W. (1997) und Büttner, S. (2000) berichtet. Das Grundprinzip ist ein hypermediales Studienführerkonzept, das bewusst auf die Nutzung von Bibliotheken zurückgreift.

Unsere bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiet haben bisher eines deutlich gemacht, das Internet und auch die Videokonferenztechnik sind nicht in der Lage die persönliche Diskussion zwischen Menschen in einem Raum zu ersetzen. Ebenso wenig ersetzt ein elektronisches Buch in einem Rechner das Gedruckte Buch auf dem Tisch. Das erste was wir tun, wenn wir ein interessantes Buch im Internet gefunden haben, das wir wirklich lesen möchten, ist – wir drucken es aus. Wenn wir es, wie beispielsweise ein Lehrbuch, sogar genau studieren müssen, werden wir es sogar als gebundenes Exemplar im Buchhandel erwerben, weil wir nur so vernünftig und wiederholt damit arbeiten können.

Das gedruckte Buch als Archivmedium hat vor rund vierzig Jahren seine Bedeutung schrittweise aufzugeben begonnen, als Ausgabemedium ist es in der heutigen Wissenschaftsgesellschaft wichtiger denn je.

Als elektronisches Buch hat es seine Bedeutung ebenfalls vermehrt und nicht, wie viele glauben, vermindert. Es wird mehr gelesen denn je, weil Westeuropa kaum noch Analphabeten hat, und immer mehr Berufe das Lesen, Schreiben und Rechnen zwingend erfordern. Die Schulpflicht wurde 1619 im Fürstentum Weimar und 1717 in Preußen eingeführt. Trotzdem ist sie verfassungsrechtlich erst im Art.145 WV (Weimarer Verfassung) von 1919 Realität geworden.

Die gegenwärtige Ausgestaltung und Gliederung der allgemeinen Schulpflicht in die Pflicht zum Besuch der Volksschule und die sich anschließende Pflicht zum Besuch einer Berufsschule ließ weitere 20 Jahre auf sich warten, ehe sie im Reichsschulpflichtgesetz vom 6.7.1938 ihre gesetzliche Grundlage erhielt.

Diese Entwicklung hat 1807 Madame de Stael in Deutschland sehr erstaunt, als sie Bücherlesende Arbeiter, Gastwirte und Zollbeamte fand, denn immerhin hatte Deutschland schon 1800 einen etwa 25%igen Anteil von Lesefähigen bei den über Sechsjährigen.

Bereits damals tauchte die Befürchtung auf, es gäbe "keine Kinder mehr - man macht sie gleich zu Männern, zu altklugen Buben", weil sie Texte zu lesen vermochten, die für Erwachsene gedacht waren. Heute sehen viele Beobachter das gleiche Problem im Fernsehkonsum der Kinder.

Zum Inhalte der bibliothekarischen Ausbildung

Die Inhalte der Ausbildung müssen sich an der zentralen Aufgabe der Bibliothek orientieren und damit an der Definition: Die Bibliothek ist eine Einrichtung, die unter archivarischen, ökonomischen und synoptischen Gesichtspunkten publizierte Information für ihre Benutzer sammelt, ordnet und verfügbar macht. (Ewert, G. und Umstätter, W.; S.10; 1997)

Diese funktionale Definition der Bibliotheksaufgaben sind auch offen für die zunehmende digitale Konvergenz, die im Bibliothekswesen schon vor einem viertel Jahrhundert zu vernetzten Strukturen und damit erweiterten Formen kooperativer Zusammenarbeit geführt hat. Auf diese Tatsache stellen sich die Bibliotheken immer stärker ein. Wir können daher Bibliotheksverwaltung nicht mehr nur auf Einzelbibliotheken beschränken, sondern müssen sie auch im erweiterten Sinne als gemeinsame Aufgabe betrachten. Ein Beispiel für diese Entwicklung sind unter anderem die Konsortien.

Bibliotheksverwaltung im erweiterten Sinne umfasst alle Handlungen (Operationen), die zur Leitung und Organisation von bibliotheksspezifischen Arbeits‑, Informations‑ und Kommunikationsprozessen im weltweit strukturierten Bibliothekssystem erforderlich sind, einschließlich der Fragen nach den Gebäuden, Einrichtungen und ihrer Vernetzung untereinander sowie der nach den Qualifikationen des Personals (Ewert, G. und Umstätter, W.; S.159; 1997).

Verbundkatalogisierung, gemeinsame Speicherung von Bibliotheksgut oder auch arbeitsteilige Erwerbung, wie sie sich beispielsweise in den Sondersammelgebieten niederschlägt, sind hierfür nationale Beispiele. Für Deutschland seien auch noch der CIP-Dienst der Deutschen Bibliothek genannt, der auf der Zusammenarbeit mit den Verlagen basiert, und das Speicherbibliothekswesen, wie es in Bochum, Halle oder München geschaffen wurde. Auch auf diesem Gebiet waren die USA mit der 1941 eingerichteten Cooperative Storage Library (Krabbe, W.; Luther, W.M.; S.18; 1953).

Derartige bibliothekarische Kooperation kann in Deutschland bis auf den Tübinger ‘Professor-Bibliothekar’ Robert von Mohl 1869 zurückverfolgt werden. Seine Überlegungen führten auf Anregung Adolf von Harnacks 1907 zum Preußischen Beirat für Bibliotheksangelegenheiten, dessen Aufgabe es war, „Fragen der Zentralisation und Dezentralisation, allgemeine Ordnung des Beamtenwesens, grundsätzliche Fragen der Katalogisierung und des Gesamtkatalogs, der Benutzung und des Leihverkehrs, der Pflichtexemplarlieferungen, des Dublettentausches“ etc. zu klären (Krabbe, W.; Luther, W.M.; S.121; 1953).

Harnack: Die Bedeutung eines Landes hängt von seiner „Wehrkraft“ und „Wissenschaft“ ab, dafür rationalisiert er die Bibliothek.

Zur Aus- und Weiterbildung

Schrettinger und seine, unter den historischen Gegebenheiten der Säkularisation entwickelte Definition von „Bibliothek-Wissenschaft“ muss unter dem Druck gesehen werden, dass in der Münchener „Kgl. Hof- und Centralbibliothek“ massenhaft Bücher abgeliefert und ordnungsgemäß erfasst werden mussten. Sein Lehrbuch „Versuch eines vollständigen Lehrbuchs der Bibliothek‑Wissenschaft oder Anleitung zur vollkommenen Geschäftsführung eines Bibliothekars“ (1808-1810) definierte daher Bibliothekswissenschaft mit den Worten: „der auf feste Grundsätze systematisch gebaute und auf einen obersten Grundsatz zurückgeführte Inbegriff aller zur zweckmäßigen Einrichtung einer Bibliothek erforderlichen Lehrsätze“.

Unter heutigen Bedingungen haben Bibliotheken dagegen die Aufgabe Ausbildung, Lehre, Forschung und Wissenschaft im lifelong learning der Wissenschaftsgesellschaft massiv zu rationalisieren.

Eine der wichtigsten Fähigkeiten im lifelong learning ist dabei in den USA der professionelle Umgang mit der Digitalen Bibliothek, also das was dementsprechend information literacy genannt wird. Daher sollte in allen Fernstudienangeboten ein Anteil an bibliothekarischen und somit auch an informationswissenschaftlichen Grundkenntnissen enthalten sein.

Dabei wird mit erheblichen Einsparungen durch Beseitigung der classroom lectures gerechnet, weil sich neben der Reduktion der Personalkosten durch Selbststudium auch eine weltweite Kooperation der Lehrangebote abzeichnet. Demnach soll das sogenannte

E-learning nach amerikanischen Schätzungen zu jährlichen Einsparungen von über 16 Millionen US-Dollar führen.

In diesem Zusammenhang muss auch auf die Tatsache hingewiesen werden, dass die deutschen Fachhochschulen, mit ihrer weitaus zu hohen Lehrbelastung der Dozenten und Dozentinnen, mit ihren eher unzureichenden Bibliotheken und der zu geringen Forschungskapazität, die in der Präsenz eines zu verschulten Studiums verloren geht, der Weg in die Falsche Richtung ist. Wenn man Hochschulen nicht nur nach der Zahl an Absolventen beurteilt, sondern auch nach ihrer wissenschaftlichen Produktion, so kommt man zweifellos zu erheblich schlechteren Ergebnissen bei den Fachhochschulen. Schon allein die oft unterschätzte Produktion an Wissen, die sich aus den Dissertationen ergeben, schlägt hier in hohem Maße zubuche.

Die Big Science macht nicht nur einen hohen Bedarf an wissenschaftlich ausgebildeten Kräften erforderlich, sie verlangt auch nach neuen Problemlösungen zur Bewältigung der sogenannten Massenuniversitäten. Hier kann die Antwort nur im bibliotheksgestützten Selbststudium unter optimaler Nutzung aller modernen informations- und wissensverarbeitender Systeme liegen.

Mit Recht beklagte schon F.E.D. Schleiermacher (1768 – 1834), dass so manche Vorlesung zu seiner Zeit den Eindruck machte als wäre der Buchdruck noch nicht erfunden. Dies gilt in noch stärkerem Maße bis heute, wo man sich bei so mancher Studienform fragt, ob die Möglichkeiten der Digitalen Bibliothek schon zur Kenntnis genommen worden seien. Am Rande sei an dieser Stelle bemerkt, dass der Darmstädter Bibliothekar A.A.E. Schleiermacher, der sein bibliographisches System 1852 in 2 Bänden veröffentlicht hatte, damit noch einen Einfluss ausübte, der bis in die USA reichte.

Zum Fernstudium

Die Academic and Public Libraries in den USA erwarten eine wachsende Klientel an Fernstudenten. Darum wurden im Herbst 2000 vom Board der Association of College and Research Libraries und dem ALA Standards Committee die “Guidelines for Distance Learning Library Services” verabschiedet. Ebenso richtete die Association of College & Research Libraries (ACRL) eine spezielle Distance Learning Section ein.

E-learning soll nach amerikanischen Schätzungen zu Einsparungen von über 16 Millionen US-Dollar jährlich führen.

In moderner Diktion wird hier vom Spektrum der digital libraries gesprochen, die bis zu den knowledge networks in der virtual educational structure reichen, in der die web-based tutorials einen wichtigen Beitrag zur Standardisierung und zur Rationalisierung der Lehre liefern. Schon der Buchdruck, und damit die Verteilung von Büchern auf die Bibliotheken der Welt, hat in der Geschichte der Menschheit so manche „Vorlesung“ überflüssig gemacht. Nun geht es darum, in den Off-campus library services speziell für die distance-learning programs ein bibliotheksbasiertes Lernen auf der Basis der Digitalen Bibliothek neu zu konzipieren. Die Bibliothek verliert damit nicht an Bedeutung, sie gewinnt.

Die Web-based courseware, die nicht nur dazu geeignet ist, dass man (wie bei Büchern) lernen kann, wann und wo man will, sondern dass man dies auch interaktiv und in Zusammenarbeit von verschiedenen Orten der Erde aus tun kann, bietet Möglichkeiten, die noch ausgetestet werden müssen. Dies ist eines der Ziele des Fernstudiums am Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Dabei sollte man allerdings die courseware 10.0pt;mso-bidi-font-style:italic">, deren Name eine deutliche Verwandtschaft zu hard-, soft- group- oder shareware verrät, nicht mit den Inhalten, die sich in solche Programme einpassen lassen, verwechseln. Schon bei den Datenbanken hatten und haben wir noch immer mit der mangelhaften Unterscheidung zwischen Datenbanksoftware und den sich darin gespeicherten Dokumenten (oft irreführend als Datenbasis bezeichnet) eine Vielzahl an Missverständnissen beim Gebrauch dieser Modeworte. Die Wahl der richtigen courseware für die dafür geeigneten Inhalte ist zur Zeit noch Forschungsgegenstand und weniger Routine. Darum geht es innerhalb der Ausbildungsarten inzwischen hauptsächlich um den optimalen Medieneinsatz.

Am Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin wird seit 1995 das Fernstudium "Wissenschaftlicher Bibliothekar/-in" postgradual angeboten.

Seit 1998 kam der Magister-/Masterfernstudiengang "Bibliotheks- und Informationswissenschaft" mit Videokonferenztechnik hinzu, die rasch deutlich machte, dass der Einsatzbereich dieser Technik zur Zeit nur einen schmalen Bereich im Gesamtangebot an Vorlesung, Seminar und Diskussionsforum abdeckt.

Das Studienführerkonzept, bei den genannten Fernstudiumangeboten zur Bibliothekswissenchaft basiert bewusst auf der Einbeziehung von Lehrbüchern, Bibliotheken, E-mail-Diskussionen, Internetangeboten, CD-ROMs, Videokonferenzen und persönlichen mündlichen Diskussionen, die in einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung unverzichtbar sind.

Die Verbindung von Bibliothek zu modernem Fernstudienangebot wird in den USA an verschiedenen Stellen deutlich:

So hat die University of Minnesota ein Dreijahresprogramm von der Bush foundation für für $350.000 zur Entwicklung eines Bibliotheksdienstes für Fernstudenten erhalten.

Die University of Michigan hat auf rund 23.226 m2 tausend Workstations mit 1 Mio. Bibliotheksbänden und Teleconferencingstudios.

Auch die University of South Florida bietet einen speziellen Distance Learning Library Services an.

Insbesondere um die ländlichen Gebiete kümmert sich DERAL (Distance Education in Rural Areas via Libraries).

Die Newfoundland Distance Education hat 1996 damit begonnen einen LIB-line service mit 62 teleconference sites einzurichten.

Speziell die Off-campus library services sind Bibliotheken, die sich zur Aufgabe gemacht haben distance-learning programs zu begleiten.

Seit mehreren Jahren bietet daher die James Cook University eine Off-Campus Support Unit für ihre Fernstudenten, die weiter als 50 Kilometer vom Campus entfernt sind. Dazu gehört Buchausleihe, Titelempfehlungen, Katalogunterstützung Photokopiedienst und Zugang zu sogenannten remote study centres. Die Bücher können auch per Post zugeschickt werden.

Ein Zeichen für die hohe Bedeutung der Fernstudienangebote ist sicher auch das wachsende Angebot an Publikationen auf diesem Gebiet.

Das Ziel des Studienführerkonzepts im Fernstudium ist neben der Förderung des selbständigen und eigenverantwortlichen Studierens, auch das der kompetenten Informations- und Wissensgewinnung aus den Digitalen Bibliotheken der Welt. Der Umgang mit Daten- und Wissensbanken wird dabei in der Recherche nicht weniger wichtig sein, als auch im Aufbau eigener Daten- und Wissensbanken, weil die Kooperation von Wissenschaftlern nur noch begrenzt auf herkömmlichen Publikationen in Büchern und Zeitschriften beruht.

Zur Zukunft

Wir beobachten im Zusammenhang mit der Wissenschaftsgesellschaft, die zunehmend von der Wissenschaft lebt, eine Kommerzialisierung der Hochschulausbildung, bei der sich die Vereinigten Staaten von Amerika anschicken, zum Exportland des know hows per distance learning zu werden. Dieses Geschäft der higher education wird in den USA als ein 250 Milliarden Dollar Geschäft eingeschätzt (Business Week, 22 December 1997).

Selbstverständlich finden sich bei solchen Betrachtungen sofort Firmen wie die IBM, die ihr DB2 Digital Library-Programm in diesem Markt etablieren möchten. Dabei sollte man allerdings nicht übersehen, dass hier der Begriff Digital Library für ein e-commerce-Unternehmen missbraucht wird.

Schluss

Die deutsche Bildungspolitik übt sich in der Tugend der Sparsamkeit im Bereich des Bibliothekswesens auf eine erschreckend teure Art, weil es kaum etwas teureres gibt als die Einsparung von Rationalisierungsmaßnahmen im Bereich von Bildung und Wissenschaft.

Ohne Zweifel sollte man Vorbilder aus anderen Ländern nicht übernehmen, wenn man deren Folgen für das eigene Land nicht in etwa abzuschätzen vermag. Wenn man ihre Vorzüge aber bereits seit einem Jahrhundert beobachten kann, ist es töricht, sich dieser Vorbilder zu verschließen, nur weil man befürchtet, wieder die klassische Amerikanisierungsdebatte heraufzubeschwören.

In den USA wird erwartet, dass Bibliotheken durch die Off-Campus-Entwicklung noch stärker als bisher zusammenarbeiten und dass sie sich weniger als Konkurrenzunternehmen verstehen. Das entspricht eher dem Gegenteil dessen, was man in Deutschland diskutiert, dass Bibliotheken in ihren „Marketingstrategien“ in einen verstärkten Konkurrenzkampf treten. Das Distributed Model of Library Support for Distance-learning Programs ist eindeutig ein Kooperationsmodell, bei dem nicht die Bibliotheken in einem Land in Konkurrenz treten, sondern die Bibliothekskooperationen der Länder gegen die internationalen Wettbewerbspartner.

Stichworte wie "open plan" und "open access" sind nicht zufällig amerikanisch, sie verbinden sich mit dem Bildungsverständnis der Amerikaner, die insbesondere nach dem 2. Weltkrieg sich darin bestätigt sahen, dass das Recht auf freien Zugang zur Information von fundamentaler Bedeutung ist, und Bibliotheken damit das einzige Instrument sind, mit denen man ideologische Indoktrination, wie im dritten Reich, verhindern kann. Das Wort vom free flow of information wurde zu stehenden Begriff, so dass die ALA bis heute in der Library Bill of Rights ihre Aufgabe darin sieht den Freien Zugang zu „all points of view on current and historical issues” zu gewährleisten. Dass dem free flow of information der USA, in den unterentwickelten Ländern zunehmend das balanced flow of information gegenübergestellt wird, sollte aber nicht verschwiegen werden.

Es war und ist eine politische Erfahrung in den USA, dass nur der freie Zugang zur Information die Gefahr von gefährlicher Ideologie und geistigem Stillstand verhindern kann. Diese Überzeugung findet nicht zuletzt im Internet ihre Bestätigung und hat im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Kommunismus eine wichtige Rolle gespielt.


Last update: 16.5.2001 © by Walther Umstaetter