Wissenschaftskunde Betriebswirtschaftslehre

INHALT:

1 GLIEDERUNG DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE

2 GRUNDBEGRIFFE DER ALLGEMEINE BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
2.1 Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre
2.2 Die Betriebswirtschaft als Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften
2.2.1 Wirtschaften als rationales menschliches Handeln
2.2.2 Das ökonomische Prinzip
2.2.3 Der Betrieb als Wirtschaftseinheit
2.2.4 Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre
2.3 Betrieb und Betriebswirtschaftslehre
2.3.1 Betrieb und Unternehmung
2.3.2 Betriebstypen

3 RECHTSFORMEN VON BETRIEBEN
3.1.1 Die Rechtsform als Strukturmerkmal
3.1.2 Übersicht der Rechtsformen
3.1.3 Kriterien für die Wahl der Rechtsform
3.1.4 Einzelne Rechtsformen

4 BETRIEBSVERBINDUNGEN
4.1 Entstehungsursachen und mögliche Vorteile von Betriebsverbindungen
4.2 Ausgewählte Betriebsverbindungen
4.2.1 Kartelle
4.2.2 Konzerne als Spezialfall verbundener Unternehmen
4.2.3 Fusion
4.2.4 Konsortium

5 ENTSCHEIDUNGSFINDUNG
5.1 Grundbegriffe
5.2 Das Leitungsgefüge
5.3 Die Ablauf-Organisationsentscheidungen

6 PRODUKTIONSFAKTOREN
6.1 Die menschliche Arbeitsleistung
6.2 Lohngerechtigkeit
6.3 Die Theorie der Leistungsmotivation
7 Kleine Auswahl weiterer Begriffe aus der BWL


1 Gliederung der Betriebswirtschaftslehre



Die Betriebswirtschaftslehre kann zunächst in eine allgemeine Betriebswirtschaftslehre und in spezielle Betriebswirtschaftslehren unterteilt werden. Im Rahmen der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre will man zu allgemeingültigen Aussagen kommen, die für alle Betriebe gültig sind. Die speziellen Betriebswirtschaftlehren bauen auf der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre auf und vertiefen und erweitern ihre Aussagen für ihren Bereich.

Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre kann weiter unterteilt werden in eine Betriebswirtschaftstechnik, eine Betriebswirtschaftstheorie und eine Betriebswirtschaftspolitik.

Zur Betriebswirtschaftstechnik gehören u.a. die Buchhaltung, das Wirtschaftsrechnen, die Finanz- und Versicherungsmathematik, die kaufmännische Korrespondenz, die Warenkunde. Die Beherrschung einiger dieser Techniken ist Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftstheoretischen und -politischen Sachverhalten.
Die Betriebswirtschaftstheorie richtet sich auf das Erkennen funktionaler Zusammenhänge von betriebswirtschaftlichen Faktoren und hält festgestellte Gesetzmäßigkeiten in betriebswirtschaftstheoretischen Aussagen fest.
Die Betriebswirtschaftspolitik macht unter Zugrundelegung der in der Betriebswirtschaftstheorie gewonnenen Erkenntnisse Aussagen darüber, wie zur Erreichung eines vorgegebenen Zieles der Betriebsprozeß zu gestalten ist.
Der weiteren Unterteilung der speziellen Betriebswirtschaftslehren liegt kein einheitliches Gliederungskriterium zugrunde. Bei der funktionalen Gliederung wird von den im Betrieb erforderlichen Tätigkeiten ausgegangen. Als spezielle funktionale Betriebswirtschaftslehren haben sich besonders aus der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre herausgebildet:

Die institutionelle Gliederung beruht auf der Einteilung der Betriebe nach Wirtschaftszweigen. Grundsätzlich läßt sich natürlich für jeden Wirtschaftszweig eine spezielle Betriebswirtschaftslehre entwickeln. Eine Bedeutung haben bisher erlangt:

Als spezielle Betriebswirtschaftslehre wird weiter die Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung angesehen, die der privaten Betriebe wird hingegen von der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre abgedeckt.


2 Grundbegriffe der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre

2.1 Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre

Die Betriebswirtschaftslehre befaßt sich mit den in Betrieben zu treffenden Entscheidungen. Sie zeigt Mittel und Wege auf, einzelwirtschaftliche Ziele optimal zu erreichen.

2.2 Die Betriebswirtschaft als Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften

2.2.1 Wirtschaften als rationales menschliches Handeln

Wirtschaftliche Probleme beruhen auf der Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Menschen und den Mitteln, die den Menschen zur Verfügung stehen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Die Mittel, die der Bedürfnisbefriedigung dienen, werden als Güter bezeichnet. Bezogen auf die menschlichen Grundbedürfnisse sind die meisten Güter knapp und stehen ihm nur begrenzt zur Verfügung. Ein Höchstmaß an Bedürfnisbefriedigung an knappen Gütern wird erreicht, wenn die Güter zweckgerichtet eingesetzt werden (Rationalprinzip).

Grundsätzlich können Güter eingeteilt werden in:

  1. freie und knappe Güter: Gegenstand des Wirtschaftens waren in der Vergangenheit nur die knappen Güter, alle Güter, die vermeintlich unbegrenzt zur Verfügung standen, wurden als freie Güter verstanden, die nicht planvoll eingesetzt werden müssen (Bsp: Luft);
  2. Sachgüter und Dienstleistungen: Das Gut wird definiert als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, daher gehören neben den Sachgütern auch Dienstleistungen zu den Gütern;
  3. Konsum- und produktionsgüter: Das Konsumgut dient der unmittelbaren menschlichen Bedürfnisbefriedigung, während das Produktionsgut zur Erstellung anderer Güter eingesetzt wird. Manche Güter haben keine eindeutige Zuordnung, so kann z.B. ein Auto gleichzeitig Konsum- als auch Produktionsgut sein;
  4. Verbrauchs- und Gebrauchsgüter: Güter, die bei einem einmaligen Einsatz verzehrt werden, bezeichnet man als Verbrauchsgüter (z.B. Lebensmittel). Güter längerer Haltbarkeit sind Gebrauchsgüter (z.B. Gläser, Kleidung);
  5. öffentliche und private Güter: Private Güter sind solche, die ausschließlich von einer einzigen Person benutzt werden (z.B. Bücher, Füllfederhalter). Wenn Güter nicht ausschließlich von einer Person genutzt werden, sondern deren öffentliche Benutzung möglich ist, werden sie als öffentliche Güter bezeichnet (z.B. Bibliotheken, Fahrt mit einer Untergrundbahn);
  6. materielle und immaterielle Güter: Materielle Güter sind stoffliche körperliche Güter (z.B. Häuser, Maschinen); immaterielle Güter sind unstofflich bzw. unkörperlich (z.B. Patente, Rechte);
  7. homogene und heterogene Güter: Güter sind dann homogen, wenn sie aus der Sicht des Nachfragenden als gleichartig angesehen werden. Heterogene Güter sind entsprechend verschiedenartig;
  8. substitutive und komplementäre Güter: Wenn Güter gegeneinander austauschbar sind, bezeichnet man sie als substitutiv( z.B. Butter und Margarine). Sind einzelne Güter nicht unabhängig voneinander einsetzbar, so spricht man von komplementären Gütern (z.B. Computer und Energie).

2.2.2 Das ökonomische Prinzip

Das ökonomische oder Wirtschaftlichkeitsprinzip lautet:

Handle so, daß bei gegebenem Mitteleinsatz ein Maximum an Nutzen erreicht wird! (Maximalprinzip)oder: Handle so, daß bei vorgegebenem Nutzen der Mitteleinsatz minimiert wird! (Minimalprinzip)

2.2.3 Der Betrieb als Wirtschaftseinheit

Gegenstand des Wirtschaftens sind die knappen Güter. Den Vorgang der Transformation von unbearbeiteten Güter in neue Güter, die zum Konsum geeignet sind, bezeichnet man als Produktion. Güter produzierende Wirtschaftseinheiten sind die Betriebe; konsumierende Wirtschaftseinheiten sind die Haushalte. Die Betriebe produzieren Güter für die Fremdbedarfsdeckung. Das Ziel der Fremdbedarfsdeckung wird verfolgt, um ein höheres Ziel zu erreichen. Für privatwirtschaftliche Betriebe gilt meistens das Ziel der Gewinnmaximierung, während bei öffentlichen Betrieben häufig das Ziel der bestmöglichen Versorgung der Bevölkerung mit einen bestimmten Gut aufgrund einer Gesetzesvorschrift definiert ist. Für alle Betriebe ist das Vorhandensein eines Zieles charakteristisch, um dessen Erreichung willen Güter für die Fremdbedarfsdeckung produziert werden. Betriebe sind stets um das wirtschaftliche Produzieren bemüht, damit das Ausmaß der Zielerfüllung maximiert wird.

Der Betrieb ist eine nach dem ökonomischen Prinzip handelnde Wirtschaftseinheit, in der zur Erreichung bestimmter Ziele Güter für die Fremdbedarfsdeckung produziert werden.

2.2.4 Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre

Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre stellen zusammen die Wirtschaftswissenschaften dar. Ausgangspunkt betriebswirtschaftlicher Betrachtungen und Untersuchungen ist der Betrieb als eine Einzelwirtschaft. Im Rahmen der Betriebswirtschaftslehre werden die wirtschaftlichen Prozesse in den Betrieben analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse zu betriebswirtschaftlichen Theorien zusammengefaßt.

Darüber hinaus analysiert die Betriebswirtschaftslehre auch die wirtschaftlichen Beziehungen der Betriebe untereinander aus der Sicht des Einzelbetriebes. Die Volkswirtschaftslehre dagegen untersucht die wirtschaftlichen Vorgänge zwischen den Wirtschaftseinheiten aus gesamtwirtschaftlicher Sicht.

Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre haben als gemeinsamen Untersuchungsgegenstand das Phänomen Wirtschaft. Verschieden sind nur die Perspektiven.

2.3 Betrieb und Betriebswirtschaftslehre

2.3.1 Betrieb und Unternehmung

Die in Abschnitt 1.2.3 genannte Definition des Betriebes ist keineswegs unumstritten, es soll hier aber davon ausgegangen werden. Es gibt auch keine einheitliche Abgrenzung der Begriffe Betrieb und Unternehmung in der Literatur, so daß im folgenden diese Begriffe synonym verwendet werden. Es soll nur erwähnt werden, daß aus dem allgemeinen Sprachgebrauch die Auffassung herrührt, daß der Betrieb die technische Einheit (Produktionsstätte) einer Unternehmung darstellt und somit der Betrieb die untergeordnete Einheit ist. Eine andere Abgrenzungsmöglichkeit geht auf E._Gutenberg zurück, der den Betrieb als Oberbegriff ansetzt und den Unternehmensbegriff auf Betriebe in marktwirtschaftlichen Systemen eingrenzt.

2.3.2 Betriebstypen

Die Wahl eines geeigneten Kriteriums für eine Einteilung der Betriebe ist vom jeweiligen Untersuchungsziel abhängig zu machen:



3 Rechtsformen von Betrieben

3.1.1 Die Rechtsform als Strukturmerkmal

Bei jeder Betriebsgründung muß eine Rechtsform festgelegt werden. Diese kann zwar während des Betriebsprozesses geändert werden, hat aber dennoch für die meisten Betriebe langfristigen Wirkungscharakter.

Die Wahl einer bestimmten Rechtsform hat unmittelbar betriebswirtschaftliche Konsequenzen zur Folge, z.B. bezüglich der Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten.

3.1.2 Übersicht der Rechtsformen

3.1.2.1 Rechtsformen privater Betriebe



Private Betriebe können entweder in Form einer Einzelunternehmung oder in Form einer Gesellschaft geführt werden. Eine Einzelunternehmung hat einen, eine Gesellschaft mehrere Betriebseigner. Gründen mehrere Personen einen Betrieb, so können sie zwischen Personalgesellschaften und Kapitalgesellschaften wählen. Juristisch gesehen, stellen nur die Personengesellschaften Gesellschaften dar, während Kapitalgesellschaften juristisch zu den Vereinen zählen; d.h. Kapitalgesellschaften sind juristische Personen und somit mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit ausgestattet; dies trifft für Personengesellschaften nicht zu. Bei Rechtsgeschäften, wie z.B. bei Vertragsabschlüssen, tritt bei Kapitalgesellschaften die Gesellschaft selbst auf, z.B. als Vertragspartner, bei Personengesellschaften die Gesellschafter. Bei Personalgesellschaften stehen somit die Gesellschafter, bei Kapitalgesellschaften die Gesellschaft selbst im Vordergrund. Als weitere Rechtsformen kommen die Genossenschaften und kombinierte Rechtsformen in Betracht.

3.1.2.2 Rechtsformen öffentlicher Betriebe

Eine Gliederung öffentlicher Betriebe nach den Rechtsformen kann nach dem Ausmaß der organisatorischen bzw. wirtschaftlichen und rechtlichen Selbständigkeit der Betriebe erfolgen.

Reine Regiebetriebe sind organisatorisch nicht von der Verwaltung ihrer Trägerkörperschaft getrennt, so daß die Wirtschaftsrechnungen dieser Betriebe voll in den Haushaltsrechnungen der angehörenden Trägerkörperschaften integriert sind.

Zu den verselbständigten Regiebetrieben gehören z.B. die Eigenbetriebe und die ehemaligen Wirtschaftskörper ohne eigene Rechtspersönlichkeit wie die Bundesbahn (heute Aktiengesellschaft) und Bundespost.

Als juristische Person des Privatrechts können öffentliche Betriebe in den Rechtsformen der AG, GmbH oder Genossenschaft geführt werden (z.B. die Ruhrkohle AG). Ist die öffentliche Hand alleiniger Betriebseigner, spricht man von reinen öffentlichen Betrieben. Setzen sich die Betriebseigner aus privaten Betrieben und/oder natürlicher Personen und der öffentlichen Hand zusammen, liegen gemischtwirtschaftliche Betriebe vor.

Als juristische Personen des öffentlichen Rechts kann ein öffentlicher Betrieb die Rechtsform der Stiftung, der Anstalt oder der Körperschaft des öffentlichen Rechts annehmen. Beispiele für Stiftungen sind die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Stiftung Warentest. Als Beispiele für öffentliche Anstalten sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Landesbanken, die öffentlichen Bausparkassen u.a.m. zu nennen. Wirtschaftskammern, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern stellen Beispiele für Körperschaften des öffentlichen Rechts dar.

3.1.3 Kriterien für die Wahl der Rechtsform

Einige wesentliche Aspekte sind bei den einzelnen Rechtsformen gesetzlich unterschiedlich geregelt:

3.1.3.1 Haftung

Wichtig ist die Frage, wie weit die Haftung der Betriebseigner reicht, also wie groß das finanzielle Risiko für den Betiebseigner schlimmstenfalls werden kann. Grundsätzlich stehen den Betriebseignern zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder sie beschränken ihre Haftung auf das von ihnen in den Betrieb eingebrachte Kapital (beschränkte Haftung) oder sie haften mit ihrem gesamten Kapital, also möglicherweise auch mit ihrem persönlichem (unbeschränkte Haftung). Die Höhe des Haftungskapitals kann im Falle der beschränkten Haftung über das von den Betriebseignern eingebrachte Kapital hinausgehen. Im Konkursfalle besteht dann in Höhe der Differenz zwischen eingebrachten und haftendem Kapital für die Betriebseigner eine Nachschußpflicht.

3.1.3.2 Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten

Die Höhe des potentiell zu beschaffenden Eigenkapitals von außen wird wesentlich von der Anzahl der möglichen Betriebseigner, von dem von diesen zu tragenden Risiko (z.B. beschränkte oder unbeschränkte Haftung), von der Dauer der Kapitalbindung und den sonstigen Rechten und Pflichten der Betriebseigner bestimmt. So können z.B. Anteilshaber an Aktiengesellschaften jederzeit ihre Beteiligungen an der Börse verkaufen und sind somit bei der Hergabe von Eigenkapital nicht langfristig gebunden. Diese Faktoren werden bei den verschiedenen Rechtsformen unterschiedlich geregelt, so daß von der jeweiligen Rechtsform ein unmittelbarer Einfluß auf die Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten ausgeht.

3.1.3.3 Betriebsleitung

Die Organisation der Betriebsleitung wird überwiegend von der gewählten Rechtsform bestimmt. Sie legt fest, welche Organe über welche Kompetenzen verfügen. Daneben wird die Organisation der Betriebsleitung auch von der Betriebsgröße abhängig sein; Großbetriebe in der Rechtsform einer Personengesellschaft oder einer Einzelgesellschaft lassen sich nur selten finden.

3.1.3.4 Gewinnverteilung

Die Gewinnverteilung wird im allgemeinen im Gesellschaftervertrag festgelegt. Nur wenn dort keine eindeutigen Richtlinien vereinbart sind, wird auf die entsprechenden Rechtsvorschriften der gewählten Rechtsform zurückgegriffen.

3.1.3.5 Steuerliche Belastung

Größere Unterschiede in der steuerlichen Belastungen zeigen sich bei den Personengesellschaften sowie Einzelunternehmungen einerseits und den Kapitalgesellschaften andererseits. Die Kapitalgesellschaften haben als juristische Person eine eigene Rechtspersönlichkeit und sind infolgedessen selbst steuerpflichtig. Wird in einer Kapitalgesellschaft ein Gewinn erwirtschaftet und an die Gesellschafter ausgeschüttet, so hat zunächst die Kapitalgesellschaft selbst den Gewinn in Form der Körperschaftssteuer (=Einkommenssteuer bei Kapitalgesellschaften) zu versteuern. Der um die Körperschaftssteuer gekürzte, an die Gesellschafter ausgeschüttete Gewinn unterliegt bei den Gesellschaftern nochmals der Kapitalertragssteuer. Diese Doppelbesteuerung gilt nicht für Einzelunternehmungen und Personengesellschaften, da diese keine eigene Rechtspersönlichkeit darstellen und somit nicht steuerpflichtig sein können.

3.1.3.6 Mit der zu wählenden Rechtsform verbundene Aufwendungen

Auch bei diesem Faktor gibt es Unterschiede bei den verschiedenen Rechtsformen. So entstehen z.B. bei Aktiengesellschaften Aufwendungen für Druck und Ausgabe der Aktien, für die Veröffentlichung des Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung), für den Druck der Geschäftsberichte, für die Einberufung und Durchführung von Hauptversammlungen und Aufsichtsratssitzungen, für die jährlichen externen Pflichtprüfungen, für die Vergütung des Aufsichtsrats - Aufwendungen, die bei anderen Rechtsformen nicht oder nur zum Teil anfallen.

3.1.3.7 Publizitätspflicht

Für die Aktiengesellschaften und für die Kommanditgesellschaften auf Aktien besteht die Pflicht zur Veröffentlichung des Jahresabschlusses und des Geschäftsberichtes. Seit 1969 besteht diese Pflicht für alle Großbetriebe unabhängig von ihrer Rechtsform, wenn zwei der folgenden drei Kriterien am Abschlußtag erfüllt sind:

3.1.4 Einzelne Rechtsformen

3.1.4.1 Einzelunternehmung

Rechtliche Grundlage für die Einzelunternehmung ist das Handelsgesetzbuch (HGB). Die Einzelunternehmung hat nur einen Betriebseigner, der mit seinem Gesamtvermögen haftet. Die Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten von außen sind auf das Vermögen des Betriebseigners beschränkt. Die Möglichkeiten zur Beschaffung von Fremdkapital werden wesentlich von der Höhe des Gesamtvermögens des Betriebseigners bestimmt. Die Leitung des Betriebes steht dem Betriebseigner ausschließlich zu, ebenso der Gewinn, der nicht der Körperschaftssteuer, wohl aber der Einkommenssteuer des Betriebseigners unterliegt.

3.1.4.2 Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Rechtliche Grundlage der Gesellschaft bürgerlichen Rechts sind die §§ 705-740 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die GbR hat mindestens zwei Gesellschafter. Diese Rechtsform wird gern benutzt, wenn der gemeinsame Zweck, zu dem man sich zusammenschließt, in relativ kurzer Zeit erreichbar ist und andere Rechtsformen nicht in Frage kommen, so wird die GbR oft als Rechtsform von Arbeitsgemeinschaften von Bauunternehmungen zwecks gemeinsamer Erstellung größerer Projekte gewählt. Der große Vorteil der GbR ist darin zu sehen, daß sowohl ihre Entstehung als auch ihre Auflösung ohne größere Formalitäten erfolgen können. Der Gesellschaftervertrag kann formlos, also sogar stillschweigend geschlossen werden. Eintragungen in das Handelsregister sind nicht erforderlich.
Die Gesellschafter haften persönlich mit ihrem gesamten Vermögen. Die Geschäftsführung erfolgt gemeinschaftlich; für jedes Geschäft ist die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich. Die Gewinnverteilung erfolgt erst nach Auflösung der Gesellschaft, nur wenn die Gesellschaft länger besteht, wird die Gewinnverteilung nach Ablauf eines Geschäftsjahres vorgenommen. Sofern der Gesellschaftervertrag keine andere Regelung vorsieht, sind alle Gesellschafter einer GBR an Gewinn und Verlust gleichberechtigt beteiligt, ohne Rücksicht auf die Art und Größe eines Gesellschafterbeitrages zum Gesellschaftsvermögen.

3.1.4.3 Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die rechtliche Grundlage der OHG ist im HGB festgelegt. Die OHG ist eine Gesellschaft, deren Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher Firma gerichtet ist. Die Gesellschafter haften den Gesellschaftsgläubigern mit ihrem gesamten Vermögen. Die OHG ist die am weitesten verbreitete und nach der AG die wirtschaftlich wichtigste Form der Handelsgesellschaften.
Als Eigenkapitalgeber kommen alle Gesellchafter in Betracht. Damit sind im Vergleich zur Einzelunternehmung auch neben einer besseren Eigenkapitalbeschaffung auch die Fremdkapitalbeschaffungsmöglichkeiten besser.
Sofern nichts anderes vereinbart wurde, steht die Geschäftsführung allen Gesellschaftern zu. Im Gegensatz zu den GbRs sind die Gesellschafter berechtigt, bei Widerspruchsrecht der übrigen Gesellschafter, die Geschäfte einzeln zu führen. Ebenso verfügt jeder Gesellschafter über die Einzelvertretungsbefugnis, es sei dennn, er wurde durch den Gesellschaftsvertrag von der Vertretung der Gesellschaft nach außen ausdrücklich ausgeschlossen oder die Vertretung wurde an einen Prokuristen übergeben. Als Personengesellschaft ist die OHG nicht einkommenssteuerpflichtig, der Gewinn unterliegt nur bei den Gesellschaftern der Einkommenssteuer. Als mit der Rechtsform verbundene Aufwendungen treten bei Personengesellschaften im wesentlichen nur einmalige Kosten auf bei der Gründung, wie z.B. Ausgaben für die Eintragung in das Handelsregister, für die Beurkundung des Gesellschaftsvertrages und eventueller Grundstücksankäufe.
Die Publizitätspflicht besteht nur für den Fall, daß die OHG die oben genannten Kriterien erfüllt, was aber aufgrund der Ausprägung der Kriterien Haftung, Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten und Betriebsleitung selten der Fall sein wird.

3.1.4.4 Kommanditgesellschaft (KG)

Die KG ist im Handelsgesetzbuch als eine Gesellschaft definiert, deren Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher Firma ausgerichtet ist, wie auch bei der OHG. Der Hauptunterschied der KG zur OHG erweist sich in bezug auf die Haftung der Gesellschafter. Bei mindestens einem Gesellschafter ist die Haftung gegenüber den Gesellschaftsgläubigern auf den Betrag einer bestimmmten Vermögenseinlage bestimmt (Kommanditist). Mindestens ein Gesellschafter in der KG muß unbeschränkt haften (persönlich haftender Gesellschafter).

3.1.4.5 Stille Gesellschaft

Die stille Gesellschaft ist eine Personengesellschaft, bei der sich der stille Gesellschafter am Handelsgewerbe des tätigen Gesellschafters (des Komplementärs) in der Weise beteiligt, daß die Kapitaleinlage in dessen Vermögen übergeht und der stille Gesellschafter jedenfalls am Gewinn teilnimmt; dagegen kann der Anteil am Verlust vertraglich ausgeschlossen werden.

3.1.4.6 Aktiengesellschaft (AG)

Das Aktiengesetz definiert als Aktiengesellschaft (AG) eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, für deren Verbindlichkeiten den Gläubigern nur das Gesellschaftsvermögen haftet. Die Gesellschafter der AG heißen Aktionäre. Das von den Aktionären in die Gesellschaft einzubringende bzw. eingebrachte Kapital heißt Grundkapital und wird in Aktien verbrieft.
Der AG bieten sich von allen Rechtsformen die besten Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten. Die Vorteile für den Kapitalgeber bestehen darin, daß er sein zu tragendes Risiko auf einen relativ geringen Betrag begrenzen kann (Mindestnennbetrag einer Aktie beträgt 50.- DM) und jederzeit durch den Verkauf seiner Aktien sein finanzielles Engagement beenden kann.
Die Leitung der AG obliegt dem Vorstand, der aus einer oder mehreren Personen bestehen kann. Die Vorstandsmitglieder werden vom Aufsichtsrat auf höchstens fünf Jahre bestellt. Die Hauptaufgabe des Aufsichtsrates besteht in der Überwachung der Geschäftsführung, weshalb ein Aufsichtsratsmitglied nicht gleichzeitig Vorstandsmitglied, dauernd Stellvertreter von Vorstandsmitgliedern, Prokurist oder zum gesamten Geschäftsbetrieb ermächtigter Handlungsbevollmächtigter der Gesellschaft sein darf.
Die Hauptversammlung ist die Einrichtung, in der die Aktionäre ihre Rechte ausüben können. Jeder Aktionär hat ein Stimmrecht. Abgestimmt wird nicht nach Köpfen, sonder nach Aktiennennbeträgen. Außer der Bestellung des Aufsichtsrates kommen der Hauptversammlung diverse weitere Entscheidungen wie z.B. Verwendung des Bilanzgewinns, Satzungsänderungen u.a.m. zu. Über Fragen der Geschäftsführung kann die Hauptversammlung ebensowenig entscheiden wie der Aufsichtsrat; es sei denn, daß der Vorstand dies ausdrücklich verlangt. Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung werden auch als Organe der AG bezeichnet. Die AG unterliegt als eigene Rechtspersönlichkeit der steuerlichen Dopppelbelastung (vergl. dazu Abschnitt 3.1.3.5). Publizitätspflicht besteht für alle Aktiengesellschaften.

3.1.4.7 Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Die KGaA kann als eine Kombination der Kommanditgesellschaft und der Aktiengesellschaft angesehen werden. Wie auch die KG hat die KGaA mindestens einen Komplementär, der unbeschränkt haftet, und mindestens einen Kommanditisten, dessen Haftung auf seine Einlage beschränkt ist. Gemeinsam mit der AG hat die KGaA die Verbriefung des Geschäftskapitals in Aktien. Die Kommanditisten der KGaA sind daher auch als Kommanditaktionäre anzusprechen und haben die gleiche Stellung wie die Aktionäre der AG. Sie können jederzeit ihre Aktien durch Verkauf in Liquidmittel umwandeln und üben auf der Hauptversammlung ihre Rechte aus.
Die Organe der KGaA sind die Komplementäre, denen wie bei der KG Geschäftsführung und Vertretungsmacht zustehen (einen Vorstand gibt es nicht), der Aufsichtsrat und die Hauptversammlung. Im übrigen gelten die bei der AG angeführten rechtlichen Bestimmungen.

3.1.4.8 Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Zur Gründung einer GmbH ist nur ein Gesellschafter notwendig. Die GmbH ist eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit. Für die Schulden der Gesellschaft haftet den Gläubigern nur das Gesellschaftsvermögen. Die Haftung aller Gesellschafter ist damit auf die Höhe ihrer Kapitalanteile beschränkt. Der Gesellschaftsvertrag kann jedoch eine Nachschußpflicht der Gesellschafter vorsehen.
Die Einlagen der Gesellschafter bilden zusammen das Stammkapital, welches bei der Gründung mindestens 50.000.- DM betragen muß. Die Einlagenhöhe eines Gesellschafters, die sogenannte Stammeinlage, muß mindestens 500.- DM betragen. Die Geschäftsanteile sind wie bei der AG, veräußerlich und vererblich, bedürfen jedoch zur Abtretung eines in notarieller Form geschlossenen Vertrages. Der Gesellschaftsvertrag kann die Abtretung der Geschäftsanteile an weitere Voraussetzungen binden, insbesondere von der Genehmigung durch die Gesellschaft abhängig machen. Hieraus ergibt sich, daß im Vergleich zur AG die Beschaffung von Eigenkapital bei der GmbH auf engere Grenzen stößt.
Die Organe der GmbH sind der bzw. die Geschäftsführer, der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung.
Die Gewinnverteilung erfolgt gemäß dem Verhältnis der Geschäftsanteile der Gesellschafter. Die steuerliche Doppelbelastung der GmbH gleicht der der AG.

3.1.4.9 Genossenschaft (eG)

Die Genossenschaft ist eine juristische Person. Die Zielsetzung von Genossenschaften ist nicht primär die Gewinnerzielung, es sollen sich aber für die Mitglieder der Genossenschaften (Genossen) wirtschaftliche Vorteile ergeben. Es schließen sich Betriebe oder Haushalte zu Genossenschaften zusammen, indem sie der Genossenschaft gleichartige Aufgaben übertragen, um aufgrund dieser Aufgabenkonzentration Rationalisierungsvorteile, eine bessere Marktstellung oder sonstige Vorteile zu erhalten. Die wichtigsten Genossenschaftsarten sind:

Die Genossenschaft ist eine Gesellschaft von nicht geschlossener Mitgliederzahl, muß aber mindestens aus sieben Genossen bestehen. Für die Verbindlichkeiten haftet den Gläubigern nur das Vermögen der Genossenschaft, die Haftung der Genossen ist somit auf ihren Geschäftsanteil beschränkt; im Konkursfall besteht allerdings eine Nachschußflicht.
Die Organe der Genossenschaft sind der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Generalversammlung. Dem Vorstand obliegt die Geschäftsführung und die Vertretung der Genossenschaft nach außen. Er besteht aus zwei Mitgliedern, die von der Generalversammlung gewählt werden und die nur gemeinschaftlich zur Vertretung der Genossenschaft befugt sind. Der Aufsichtsrat besteht aus drei von der Generalversammlung zu wählenden Mitgliedern. Da die Hauptaufgabe des Aufsichtsrates die Überwachung des Vorstandes ist, dürfen Mitglieder nicht gleichzeitig in beiden Organen amtieren. Bei Genossenschaften mit mehr als 500 Arbeitnehmern ist laut Betriebsverfassungsgesetz der Aufsichtsrat zu einem Drittel mit Vertretern der Arbeitnehmer zu besetzen. Die Genossen nehmen ihre Rechte durch Beschlußfassung in der Generalversammlung wahr.
Die Gewinnverteilung, im Statut der Genossenschaft festgelegt, erfolgt nach den Geschäftsanteilen bzw. die auf den Geschäftsanteil geleisteten Einzahlungen (Kapitalbeteiligungsdividende).
Die Genossenschaft unterliegt als juristische Person der Körperschaftssteuer. Einige Genossenschaftsformen, z.B die Kreditgenossenschaften und die gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften unterliegen einer verminderten bzw. keiner Körperschaftssteuer. Auch die Genossenschaften müssen ihre Jahresabschlüsse und die Bewegungen bei den Mitgliederzahlen veröffentlichen, können aber im Gegensatz zu den AGs von der Publizitätspflicht befreit werden, wenn die Kosten die Genossenschaft unverhältnismäßig belasten würden.

3.1.4.10 Sonstige Rechtsformen

Neben den beschrieben Rechtsformen von Betrieben gibt es noch die Möglichkeit der kombinierten Rechtsform. Dazu gehört die GmbH & Co KG, welche die steuerlichen Vorteile der Personengesellschaft (KG) mit der beschränkten Haftung der GmbH kombiniert. Ähnliche Motiven liegen bei der Gründung einer sogenannten Doppelgesellschaft zugrunde.


4 Betriebsverbindungen

4.1 Entstehungsursachen und mögliche Vorteile von Betriebsverbindungen

Ursache für Unternehmenszusammenschlüsse sind zunächst die vergrößerten Märkte mit härteren Wettbewerbsbedingungen, z.B. durch japanische Unternehmen. Unternehmen der gleichen Produktions- oder Handelsstufe reagieren darauf, indem sie sich sich zu sogenannten Verbünden zusammmenschließen, da sie dann durch Spezialisierung und höhere Serienfertigung eine kostengünstigere Produktion erzielen. Daneben können sie aufgrund des höheren Auftragsvolumens bessere Einkaufsrabatte erhalten. Aber auch Unternehmen aufeinanderfolgender Produktionsstufen versuchen durch vertikalen Zusammenschluß ihre Wettbewerbssituation zu verbessern. Konglomerate Zusammenschlüsse nennt man Verbindungen von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die über eine Diversifikation (erweitertes Produkt/Dienstleistungsangebot) ihr Existenzrisiko vermindern, da so technologische Umbrüche oder verändertes Konsumverhalten leichter aufgefangen werden können als in einem hochspezialisierten Unternehmen.
Eine weitere Ursache für die Unternehmenskonzentation liegt in der Benachteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen im Wettbewerb gegenüber den Branchenriesen. Ihnen wird vom Gesetzgeber eine Mittelstandkooperation zugebilligt, da nur so die extrem personal- und materialintensive Forschung und Entwicklung getragen werden kann. Allerdings finden sich auch vermehrt sogenannte strategische Allianzen von weltweit operierenden Unternehmen zusammen, um bestimmte Aktivitäten gemeinsam durchzuführen, z.B. die IBM-Siemens-Zusammenarbeit bei der Entwicklung des 64-Megabit-Chips. Hier soll eine Marktstellung angesichts übermächtiger Konkurrenz gesichert werden. Als weitere Motive für Unternehmenszusammenschlüsse werden angesehen:

4.2 Ausgewählte Betriebsverbindungen

Die hauptsächlichen Formen der Kooperation und Konzentration von Unternehmen in Deutschland sind das Kartell, die verbundenen Unternehmen, die Trusts und das Konsortium.

4.2.1 Kartelle

Als Kartell bezeichnet man jede wettbewerbsbeschränkende Absprache zwischen Unternehmen, die rechtlich und wirtschaftlich selbständig bleiben. Nach dem Kartellgesetz sind Kartelle grundsätzlich verboten. Das Gesetz sieht aber für einige Kartellarten Ausnahmen vor, die beim Bundeskartellamt wirksam gemacht werden müssen.

4.2.2 Konzerne als Spezialfall verbundener Unternehmen

Verbundene Unternehmen sind bei Wahrung der rechtlichen Selbständigkeit wirtschaftlich eng verbunden. Dies kann durch Mehrheitsbeteiligungen begründet sein, aber auch durch eine einheitliche Leitung. In diesem Fall spricht man von einem Konzern. Das Aktiengesetz unterscheidet zwei verschiedene Arten von Konzernen:

4.2.3 Fusion

Als Fusion (Verschmelzung) bezeichnet man einen Zusammenschluß, bei dem mindestens ein Unternehmen neben seiner wirtschaftlichen auch seine rechtliche Selbständigkeit aufgibt. Auch die Fusion unterliegt dem Kartellgesetz.

4.2.4 Konsortium

Das Konsortium ist eine vertragliche Bindung von Unternehmen zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe. Ein Beispiel ist die Errichtung eines Staudammprojektes in Brasilien durch ein Konsortium von Bauunternehmen.


5 Entscheidungsfindung

5.1 Grundbegriffe

Wichtigste Aufgabe der Betriebsführung ist es, in den zentralen Fragen der Unternehmenspolitik Entscheidungen zu fällen.
Die Führungsaufgabe kann allgemein beschrieben werden als die Ausrichtung von Menschen und Mitteln auf bestimmte Ziele hin.
Manche Betriebe erhalten diese Ziele von außen vorgeschrieben, z.B. durch die Gesetzgebung bei den öffentlichen Betieben, oder die Unternehmensleiter, z.B. die Gesellschafter einer OHG, legen selbst die anzustrebenden Ziele fest. Die Überlegungen, welche Menschen wie, wann und wo mit welchen Mitteln am zweckmäßigsten einzusetzen sind, lassen sich auch als Planung bezeichnen. Am Ende der Planung steht die Entscheidung und die Festlegung einer bestimmten Vorgehensweise zur Umsetzung. Im Anschluß daran sind Maßnahmen und Regelungen zu treffen, die sicherstellen, daß das Geplante auch verwirklicht werden kann; d. h. die einzelnen Stellen eines Betriebes müssen koordiniert werden (Organisation). Im Anschluß an die Realisation des Geplanten muß ein Soll-Ist-Vergleich stattfinden, d.h. eine Kontrolle vorgenommen werden. Planung, Organisation und Kontrolle sind somit die sich aus der Führungsaufgabe ergebenden Funktionen.

5.2 Das Leitungsgefüge

Das Leitungsgefüge dient der Verknüpfung der einzelnen Stellen im Betrieb unter dem Aspekt der Weisungsbefugnis bzw. Weisungsgebundenheit. Man unterscheidet :

Im Liniensystem hat jede Stelle nur eine einzige unmittelbar vorgesetzte Stelle. Der Vorteil dieses System liegt in der eindeutigen Weisungsstruktur; nachteilig ist der möglicherweise (zu) lange Dienstweg und die Überlastung der höchsten Führungskräfte.



Im Stabliniensystem wird der Einzelstelle eine Stabsstelle zugeordnet, welche die Entscheidungsvorbereitung zur Aufgabe hat und damit die jeweils weisungsberechtigte Linienstelle unterstützt. Die Stabsstelle hat aber keine Anordnungs-, sondern nur Beratungsbefugnis. Eher negativ dagegen wirkt sich die Trennung von Vorbereitung und Treffen der Entscheidungen aus, weshalb immer mehr Unternehmen die von den Stabsstellen geleisteten Dienstleistungen extern vergeben.



Im Funktionssystem kann jede Stelle mehrere unmittelbar vorgesetzte Stellen haben, wobei jede dieser Stellen nur hinsichtlich bestimmter Aufgaben (Funktionen) weisungsberechtigt ist. Der Vorteil dieses Systems besteht in der Beseitigung der langen Dienstwege; eventuell könnten Konflikte durch sich widersprechende Anweisungen entstehen.



Die Sparten-(Geschäftsbereich-)Organisation findet man häufig bei einem stark differenzierten Produktionsprogramm. Für jede Produktgruppe wird eine Sparte gebildet, die die operativen Aufgaben hinsichtlich der jeweiligen Prouktgruppe wahrnimmt. Dadurch werden schwer überschaubare und schwer zu leitende Großbetriebe in übersichtliche und leicht zu steuernde Teilbetriebe aufgelöst, die dann auch eine verbesserte Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen aufweisen. Problematisch erweist sich die Neigung der Spartenleiter, einen großen Anteil der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Investitionsmittel für die eigene Division zu beanspruchen. Die Gesamtleitung muß hier für eine abwägende Verteilung sorgen, die das Optimum des Gesamtunternehmens erreicht.



5.3 Die Ablauf-Organisationsentscheidungen

Die Ablauforganisation befaßt sich mit der unmittelbarenGestaltung des Arbeitsablaufs in einem Unternehmen (Ordnung des Arbeitsinhaltes, Ordnung der Arbeitszeit, Ordnung des Arbeitsraumes, Arbeitszuordnung). So werden beispielsweise vor der Errichtung eines "Großprojektes" die folgenden ablauforganisatorischen Fragen zu klären sein:

Hauptaufgabe der Aufbauorganisation ist die Analyse und Zerlegung der Gesamtaufgabe des Betriebes (Aufgabenanalyse) und die Zusammenzufassung der Einzelaufgaben (Aufgabensynthese).


6 Produktionsfaktoren

Das Hervorbringen von Leistungen in einem Betrieb erfordert den Einsatz von produktiven Faktoren:

Betriebsmittel sind dadurch gekennzeichnet, daß sie Leistungen zur Erstellung wirtschaftlicher Güter abgeben, ohne selbst Bestandteil dieser Güter zu werden (z.B. Grundstücke, maschinelle Einrichtungen, Know how).
Werkstoffe sind alle materiellen Güter, die entweder unverändert oder nach Bearbeitung direkt Bestandteil der Fertigungserzeugnisses werden.
Menschliche Arbeitsleistung ist u.a. abhängig von den Arbeitsbedingungen, sozialen Arbeitsumweltbedingungen, Selbständigkeit der Arbeiten, der Eignung des Mitarbeiters, Mitbestimmung, Arbeitszeit. Die Zielsetzung der Gestaltung menschlicher Arbeitsprozesse ist einmal von der kapitalorientierten Betrachtungsweise (Streben nach optimaler Ergiebigkeit der Arbeitskraft) und zum anderen von der arbeitsorientierten Betrachtungsweise (Steigerung der Zufriedenheit durch bessere Arbeitsbedingungen) zu sehen.

6.1 Die menschliche Arbeitsleistung

Die zu erbringende Arbeitsleistung eines Menschen wird von dem Ausmaß seiner Leistungsfähigkeit und seiner Leistungsbereitschaft bestimmt. Ein wichtiges Kriterium für die Leistungsbereitschaft eines Menschen ist neben den Arbeitsbedingungen (z.B. Mitbestimmungsrechte, Betriebsklima) und der Eignung eine gerechte Entlohnung. Sein Arbeitsentgelt sollte dem Mitarbeiter das Bewußtsein verleihen, daß er im Vergleich zu anderen gerecht entlohnt wird.

6.1.1 Lohngerechtigkeit

Eine relative Leistungsgerechtigkeit in der Entlohnung ist dann gegeben, wenn die Höhe des Entgeltes ausschließlich von der Leistung bestimmt wird. Der Leistungsumfang wird duch die Arbeitsschwierigkeit und die Menge der geleisteten Arbeiten definiert. Die für die Arbeitsbewertung entwickelten Maßstäbe orientieren sich an Anforderungsarten wie z.B. körperliche und geistige Anforderungen, äußere Einflüsse, Verantwortung etc. Das analytische Rangreihenverfahren ist ein gängiges Verfahren zur Ermittlung von Arbeitsbelastungen. Dabei wird zunächst eine Normalleistung justiert, für deren Anforderungsarten in einem Punktesystem Bewertungen vorgenommen werden. Daneben wird ein Gewichtungsschema aufgestellt, welches die unterschiedliche Bedeutung der einzelnen Anforderungsarten wiederspiegelt. Aus Gewichtungsschema und Punktzahlen läßt sich dann für jeden Arbeitsplatz ein Arbeitswert ermitteln, der Auskunft über den Schwierigkeitsgrad eines Arbeitsplatzes bei Normalleistung gibt. Nach Ermittlung ihrer Arbeitswerte werden die Arbeitsplätze den entsprechenden Lohngruppen zugeordnet.

6.1.2 Die Theorie der Leistungsmotivation

Die Theorie geht davon aus, daß jede Person Erfolg sucht (Motiv der Erfolgsuche: ME) und Mißerfolg vermeidet (Motiv der Mißerfolgsvermeidung: MM). Je nachdem welches Motiv stärker ist, ist jemand ein Erfolgssucher (ME > MM) oder ein Mißerfolgsmeider (ME < MM). Die zentrale Aussage der Theorie der Leistungsmotivation lautet dann, daß die größte Tendenz zur Leistung erreicht wird

Der Motivationstyp eines Individuums liegt fest und daher sollte man den Mitarbeitern die ihnen gemäßen Aufgabenbereiche zuweisen.


7 Kleine Auswahl weiterer Begriffe aus der BWL

Abschreibung

Unter Abschreibung ist eine Form der Erfassung von innerhalb einer Rechnungsperiode eintretenden Wertminderungen derjenigen Betriebsmittel zu verstehen, die über mehrere Rechnungsperioden eingesetzt werden (Betriebsmittel mit mehrjähriger Lebensdauer). Da sich Abschreibungsbeträge bilanziell sowohl als Verminderungen der Wertansetze der Vermögensgegenstände als auch als Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen, dienen sie der zutreffenden und zweckentsprechenden Darstellung des Vermögens und des Erfolges eines Unternehmens.

Ausschreibung

Für öffentliche Betriebe gelten einige Besonderheiten im Rahmen der Beschaffungspolitik. So berücksichtigen öffentliche Betriebe bei ihrer Auftragsvergabe neben betriebswirtschaftlichen Zielen oftmals volkswirtschaftliche, vor allen Dingen beschäftigungspolitische und regional-politische Aspekte. Zusätzlich wirkt sich die starke Gebundenheit der staatlichen Beschaffungsorgane an die Haushaltsgesetzgebung nachteilig aus. Eine grundsätzlich erfolgende öffentliche Ausschreibung soll das Beschaffungsverfahren objektivieren und die Einkaufsentscheidung überprüfbar machen, indem auch bei der Nachfrage nach individuellen Leistungen ein Anbieterwettbewerb initiiert wird.

Investition

Unter Investition wird im weitesten Sinne die Verwendung von Kapital verstanden. Im engeren Sinn umfaßt der Investitionsbegriff nur die Kapitalverwendung zur Beschaffung und Erhaltung von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens; also von Gütern, die dem Betrieb über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen.

Joint venture

Unternehmenszusammenschlüsse und -verbindungen vollziehen sich in zahlreichen, sehr unterschiedlichen Formen. Unter einem Joint venture versteht man ein Gemeinschaftsunternehmen, welches wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehreren voneinander unabhängigen Unternehmungen - den sog. Gesellschafterunternehmen praktiziert. Es wird meistens ein rechtlich selbständiges Unternehmen gegründet oder erworben mit dem Ziel, Aufgaben im gemeinsamen Interesse der Gesellschafterunternehmen auszuführen.

Marketing

Der Begriff Marketing ist mit dem deutschen Begriff Absatz gleichzusetzen. Zur Absatzpolitik gehört die Produktionspolitik (Entwicklung neuer Erzeugnisse, Garantieleistungen usw.), Preisspolitik (Rabatte, Preis in Abhängigkeit der Stellung auf dem Markt)und Werbepolitik. Ziel des Mitteleinsatzes der Betriebe ist, den Markt zu ihren Gunsten zu beeinflussen und den Absatz ihrer Produkte zu vergrößern.

Steuern

Man unterscheidet direkte und indirekte Steuern.
Direkte Steuern sind z.B. die Einkommenssteuer (Lohnsteuer, als besondere Erhebungsform der Umsatzsteuer, wie Tabak-, Mineralöl-, Branntwein-, Bier-, Leuchtmittelsteuer. Sämtliche Güter und Dienstleistungen werden mit Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) belastet. Sie beträgt derzeit (1994) 7,5% für Nahrungsmittel, Bücher u.ä. und 15% für andere Waren. Die Umsatzsteuer wird pro Gut und Dienstleistung nur einmal erhoben. Bereits entrichtete Abgaben (mit Ausnahme von Zöllen und Abschöpfungen), z.B. in der Produktion und im Zwischenhandel werden in Abzug (Vorsteuerabzug) gebbracht. Besonders wichtig sind steuerrechtliche Aspekte auch in bezug auf die Wahl der Unternehmensform s. 3.).


Literatur

1. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Gutenberg, E.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre. 3 Bände, ersch. 1983-1990. Berlin, Heidelberg, New Yorck : Springer.
ISBN 3-540-09904-2

Schmalen, Helmut: Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft : Lehrgrundlage für Studium und Weiterbildung .../ [Hrsg.: Verein für Didaktik - Wirtschaft, Technik, Gesellschaft e.V., Köln] . - Köln: Wirtschaftsverlag Bachem, 1993. - (Didaktische Reihe Ökonomie)
ISBN 3-89172-266-4
(Grundlage für dieses Skript)

Wöhe, Günter: Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre. - 18. überarb. und erw. Aufl. - München : Vahlen, 1993
ISBN 3- 8006-1728-5

Wolff, Reinhard: Betriebswirtschaftslehre: eine Einführung unter besonderer Berücksichtigung öffentlicher Betriebe. - 2., überarb. u. erw. Aufl. - Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz : Kohlhammer, 1983.
ISBN 3-17-007682
(Grundlage für dieses Skript)

2. Management

Ackoff, R.: Management in 52 Lektionen. - Hamburg : McGraw-Hill, 1988.
ISBN 3-89028-216-4

Hax, A.: Strategisches Management : ein integratives Konzept aus dem MIT. . Frankfurt : Campus-Verlag, 1991.
ISBN 3-593-338335

Krüger, W [Hrsg.]: Projekt-Management in der Krise : Probleme und Lösungsansätze. - Frankfurt : Lang, 1988. - (Schriften zur Unternehmensführung ; 5)
ISBN 3-8204-9808-7

3. Marketing

Berckoven, Ludwig: Grundlagen der Absatzwirtschaft. - 4. Aufl. - Herne [u.a.] : Verlag Neue Wirtschaftsbriefe, 1989.
ISBN 3-482356394-2

Bott, Dietrich: Lernbuch Marketing. - München [u.a.] : Hanser, 1981.
ISBN 3-446-13021-7

Hill, Wilhelm, Rieser, Ignaz: Marketing Management. - 5., unveränd. Aufl. - Bern [u.a.] : Haupt, 1982.
ISBN 3-7910-0513-8

Kotler, Philip: Marketing-Management : Analyse, Planung und Kontrolle. - 7., vollst. neubearb. und erw. Aufl. - Stuttgart: Poeschel, 1992.
ISBN 3- 79100504-9

Raffée, Hans, Wiedmann, Klaus-Peter: Strategisches Marketing. - 2.Aufl. Stuttgart: Poeschel, 1989.
ISBN 3-7910-0513-8

4. Organisation

Bühner, R.: Betriebswirtschaftliche Organisationslehre. - 6., verb. und erg. Aufl.
München [u.a.] : Oldenbourg, 1992.
ISBN 3-484-21299-0

Dörler, K.: Reorganisation in mittleren Unternehmen. - Bern : Haupt, 1982. - (Führung und Organisation in der mittleren Unternehmung ; 39)
ISBN 3-258-03940-2

Zimmer, A: Bürokommunikation : Wege zur Rationalisierung und Effizienz . - Heidelberg : Decker, 1988.
ISBN 3- 8226-0888-2

5. Rechnungswesen

Eisele, W: Technik des betrieblichen Rechnungswesens : Buchführung, Kostenrechnung, Sonderbilanzen. - 5. überarb. und erw. Aufl. - (Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
ISBN 3-8006-1669-6

Schötter, Jürgen: Technik des betrieblichen Rechnungswesens. - 3., völlig überarb. Aufl.. - München [u.a.] : Oldenbourg, 1989.
ISBN 3-486-213156

Weber, H. K.: Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen. - 3., neubearb. Aufl. - München : Vahlen. 1988. - (Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Bd.1: Bilanz und Erfolgsrechnung
ISBN 3-8006-1295-X

Wedell, H.: Grundlagen des betrieblichen Rechnungswesens : Aufgaben ; Instrumente ; Verrechnungstechnik. - 6., überarb. Aufl. - Herne : Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, 1993. - (NWB-Studienbücher Wirtschaftswissenschaften)
ISBN 3-482-58276-9