Erste Auflage:
[Rezension
über:] "Beutekunst". Materialien zu einer Bibliographie des neueren
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und
Bibliotheksbestände) = Trofejnoe iskusstvo = Looted art / zsgest. von
Peter Bruhn. Berlin: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, 1997.
- VI,146 S. - (Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz:
Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung; 21) (Literaturnachweise zu
aktuellen Russland-Themen; 1) - ISBN 3-88053-065-3
Ersch. in: Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen
der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung (ABDOS) / Mitteilungen. Jg.
17.1997, Nr. 2, S.16
Das
in der anzuzeigenden Veröffentlichung am Ende beigegebene Auswahlverzeichnis
der Publikationen Peter Bruhns erklärt zur Genüge, warum dieser willkommene
bibliographische Gruß aus dem Ruhestand vorliegt. Es ist einfach unvorstellbar,
daß der Bibliograph im Ruhestand Däumchen dreht. Den Kenner überrascht
es nicht, er nimmt es, in seiner Meinung bestätigt, dankbar zur Kenntnis.
Das
Vorwort (S.III-V) führt in die Problematik aktueller Informationen über
Rußland ein und legt Rechenschaft ab über die stille, zähe bibliographische
Arbeit an einem brisanten Thema. Den notwendigen Begrenzungen ist zuzustimmen,
die Anordnung der etwas mehr als 1153 Monographien, Zeitschriftenbeiträge
und Presseartikel ist übersichtlich und sachlich unanfechtbar (Benutzungshinweis,
S. VI). Den erfahrenen und geübten Bibliographen spürt man in jedem Detail.
Von
jeder Spalte des in seiner Beschränkung auch mit Zustimmung zu versehenden
zweispaltigen Personenregisters (S. 141ff.) hat der Rez. Stichproben vorgenommen,
die zu keinen Fehlern führten. Aufgefallen ist nur das Fehlen einer Rezension
zu Nr. 0428, in Nr. 0006 und 0375 müßte es wohl 'Kerndl', in Nr. 0540
'its' heißen.
Mit dieser zuverlässigen und gründlichen Bibliographie hat der Vf. auf
ein aktuelles Thema sachgemäß reagiert. Er hat damit auch eine neue Reihe
(Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen) begründet. Die Fachwelt
und die an Rußland Interessierten können also darauf hoffen, über aktuelle
Fragen Rußlands kontinuierlich informiert zu werden. Wer wäre dafür
ausgewiesener und geeigneter als der Vf., dem für den Startschuß dieser
bibliographischen Reihe schon jetzt uneingeschränkt Dank gebührt?
[Rezension
über:] "Beutekunst": Materialien zu einer Bibliographie des neueren
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und
Bibliotheksbestände) = Trofejnoe iskusstvo = Looted art / zsgest. von
Peter Bruhn. Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz,
Osteuropa-Abteilung, 1997. - VI,146 S.; 30 cm. - (Veröffentlichungen der
Osteuropa-Abteilung, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz;
21) (Literaturnachweise zu aktuellen Russland-Themen; 1).- ISBN 3-88053-065-3.
- (Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Allgemeine Verwaltung,
Publikationen, 10102
Ersch. in: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB). Besprechungsdienst
und Berichte; Deutsches Bibliotheksinstitut Berlin, Jg.5.1997, S.?
Die
"Beutekunst" ist seit der Wende in der ehem. Sowjetunion eines der in der
deutschen Presse am meisten diskutierten Themen im Verhältnis der beiden
Länder. Die vorliegende Bibliographie, die erste Nummer in der neuen Reihe
Literaturnachweise zu aktuellen Russland-Themen ist nicht zuletzt als
Beleg dafür zu werten, daß Literaturdokumentation in einer derzeit von
politischer Entspannung gekennzeichneten Situation auch weiterhin nützlich
und erforderlich ist, auch wenn die finanziellen Mittel, die unter anderen
politischen Verhältnissen der deutschen Osteuropa-Forschung reichlich
zur Verfügung standen, inzwischen (kurzsichtig) stark reduziert wurden.
Die Bibliographie verzeichnet 1153 durchnumerierte Titel chronologisch
nach dem Erscheinungsjahr (von 1990 bis Mai 1997), innerhalb nach den Publikationsformen
Monographien (42), Zeitschriften- (171) und Zeitungsartikel (über 900).
Wenn erforderlich, sind die Titel knapp annotiert. Überwiegend sind deutschsprachige
Veröffentlichungen verzeichnet, daneben auch englisch- und russischsprachige.
Obwohl der Bearbeiter Defizite bei der Auswertung der deutschen regionalen
Presse einräumt und zu Recht mit dem geringen Neuigkeitswert dieser Artikel
entschuldigt, hätte sich der Rezensent in diesem Bereich eine eher noch
striktere Auswahl gewünscht. Das Register erschließt allein die Namen
der Verfasser sowie die der handelnden Personen (El'cin, Kohl etc.) während
man bei der Suche nach einzelnen Objekten (z. B. Schatz von Troja) aufs
Blättern in der Bibliographie angewiesen ist. Ein weiterer Wunsch des
Rezensenten betrifft die Berücksichtigung des in anderen osteuropäischen
Ländern verwahrten deutschen Kulturguts, so vor allem der Bibliotheksbestände
(nicht zuletzt derjenigen der diese Bibliographie ausgebenden Staatsbibliothek
zu Berlin) in Polen.
[Rezension
über:] Bruhn, Peter: Beutekunst. Materialien zu einer Bibliographie
des neueren Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von
der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv-
und Bibliotheksbestände). Trofejnoe iskusstvo. Looted art. Berlin: Staatsbibliothek
zu Berlin 1997 (Staatsbibliothek zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz.
Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung. Bd.21) 148 S.
Ersch. in: Osteuropa - Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens.
Jg. 49.1999, 3, S.325
Peter
Bruhn hat der Forschung über Rußland und Osteuropa durch mehrere Bibliographien
gute Dienste geleistet. Eine seiner letzten Arbeiten war die umfangreiche
Zusammenstellung "Bibliographien zum Schrifttum aus und über Osteuropa.
Katalog des Bibliographischen Lesesaales der Bibliothek des Osteuropa-Instituts"
(München 1992), die in den Bibliographischen Mitteilungen des Osteuropa-Instituts
an der FU Berlin erschienen ist. Seine neue Bibliographie trägt zur
Aufarbeitung des seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vieldiskutierten
Problems der "Beutekunst" bei, also jener deutschen Kulturgüter, die die
Rote Armee nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem von ihr besetzten Gebiet
in die UdSSR verbracht hat. Es handelt sich insbesondere um Museumsgüter
(Gemälde u.a.), Archive und etwa 2 Millionen wertvoller Bücher. Diese
Riesenbestände wurden in der Sowjetunion versteckt gehalten, also keineswegs
als berechtigte Kriegsbeute angesehen. Erst Evgenij Sidorov gab als Kulturminister
Rußlands 1994 auf eigene Verantwortung die Weisung, daß diese Kulturgüter
allgemein zugänglich gemacht werden sollten (Moskovskie novosti, 18.9.1997).
Das Verzeichnis enthält 1153 nach Jahren geordnete Titel, darunter 42
Monographien, 171 Zeitschriftenartikel und vor allem Zeitungsartikel.
Bruhn
war um Vollständigkeit und Internationalität bemüht, selbstverständlich
überwiegen deutsche Beiträge. Um mehr Informationen zu liefern als den
Verfassernamen, den Publikationsort und den Umfang, der bei Zeitungsartikeln
unbekannt bleibt, hat Bruhn einen Teil der Titel kurz annotiert.
Zwei
Autoren hebt er heraus: Klaus-Dieter Lehmann und Ingo Kolasa. Sie sind
auch die Herausgeber des 1993 erschienenen Bandes über das Moskauer Treffen
von sechzig Bibliotheksdirektoren (45 russischen und 15 deutschen) vom
Dezember 1992 mit dem Titel "Restitution von Bibliotheksgut". Auf Wolfgang
Eichwede als weiteren Spezialisten stößt man über das Namenregister.
Das Fehlen eines Sachregisters, das auch der Bibliothekar Klaus Schreiber
(in den von ihm herausgegebenen "Informationsmitteln für Bibliotheken",
IfB) bedauert, dürfte finanziell bedingt sein. Schreiber weist auch darauf
hin, daß entsprechende Bibliographien zu den in anderen Ländern des ehemaligen
Ostblocks, insbesondere der in Polen verwahrten Bestände, nötig wären.
In seiner Einleitung prangert Bruhn an, "daß die der deutschen Ostforschung
zur Verfügung stehenden Mittel derzeit nicht unerheblich reduziert werden".
Bereits die aktuelle politische Relevanz von Bruhns guter Dokumentation
des sowjetischen Kunstraubs sollte jedoch Sinn und Vielfalt der deutschen
Ostforschung über die Grenzen der Osteuropahistoriker hinaus deutlich
machen.
[Rezension
über:] "Beutekunst": Materialien zu einer Bibliographie des neueren
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und
Bibliotheksbestände) = Trofejnoe iskusstvo / zsgest. von Peter Bruhn.
[Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz]. - Berlin: SBB-PK,
1997. - VI,146 S.; 30 cm. - (Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen;
1) (Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung / Staatsbibliothek zu Berlin;
21). - ISSN 0175-5528; ISBN 3-88053-065-3; kein Pr. genannt
Ersch. in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie,
45.1998, 1, S.108-109
"Beutekunst"
hat sich als Oberbegriff für die Objekte eingebürgert, für die deutsch
zeitweilig der sperrige Begriff 'Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut' zu
nutzen versucht wurde und die russisch als 'Trophäengut/kunst/bücher'
bezeichnet werden. Der lange Zusatz zum Sachtitel dieser Bibliographie
verdeutlicht: bibliographischer Gegenstand sind die bereits während des
Zweiten Weltkriegs von sowjetischen Fachleuten sachkundig und akribisch
ausgewählten und in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach der Sowjetunion
verbrachten Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände - als rechtlich
umstrittene Kompensation eigener, ungeheuerlicher Kriegsverluste. Der Autor,
Slawist und Bibliothekar, bezeichnet seine Zusammenstellung der ihm zur
Kenntnis gelangten Publikationen zu diesem Thema aus den Jahren 1990 bis
1997 wohl im Hinblick auf die anhaltende Aktualität des Restitutionsstreits,
in dem es gegenwärtig leider keinerlei Anhaltspunkte für eine Beilegung
gibt, nur als 'Materialien' zu einer Bibliographie. Nach den acht Erscheinungsjahren
und weiter nach Monographien, Zeitschriftenaufsätzen und Zeitungsartikeln
geordnet, hat er 1.553 Literaturnachweise zusammenstellen können - ein
Zeichen für den großen Widerhall, den dieses emotionsgeladene Thema ganz
besonders auch in der Presse gefunden hat, nicht immer zum Nutzen der Sache.
Dabei hat er die Artikel der Regionalpresse nur in Ausnahmefällen erfaßt.
Seine Quellen waren die Datenbank Rußland/UdSSR/GUS des entsprechenden
Dokumentationszentrums und ein persönliches Archiv aus dem Museum für
Vor- und Frühgeschichte, Berlin, wie auch die Osteuropa-Abteilung der
SBB-PK.
Ein Verzeichnis deutsch-, russisch-, englischsprachiger und weiterer
Quellen zu einem Thema wie der Beutekunst, das seit Glasnost in Rußland
unvermindert aktuell ist und bei dem die Wogen nach neuen Verhandlungsergebnissen,
Hoffnungen und Enttäuschungen immer wieder hochschlagen, war ein guter
Auftakt für eine bibliographische Reihe zu aktuellen Rußlandthemen der
Osteuropa-Abteilung der SBB-PK, die damit andernorts entstandene Lücken
verkleinern will. Eine breite Aufmerksamkeit über die Fachöffentlichkeit
hinaus wird der Bibliographie gewiß sein. Und letztere im In- und Ausland
wird vor allem über ein auch formal sachkundig erarbeitetes Verzeichnis
erfreut sein. Die Titelaufnahmen sind genau, die russischen Titel sind
jeweils dreifach wiedergegeben: in kyrillischer Schrift, in der Transliteration
und als Übersetzung. Sammelwerke sind analytisch verzeichnet, wichtige
Beiträge annotiert. Einzige Anmerkung: Vom Titel 613 hätte auch auf 101,
wie umgekehrt geschehen, verwiesen werden sollen (Katalog deutscher Drucke
des 16. Jh.
in der Rudomino-Bibliothek). Die
in vielfältiger Schreibweise auftretenden Namen russischer Autoren und
weiterer mit der Beutekunst-Problematik befaßter Personen sind zuverlässig
unter der transliterierten Form im Personenregister zusammengeführt -
für einen Slawisten nichts besonderes, aber doch im Hinblick auf die mangelnde
Exaktheit in anderen Publikationen zum Thema. Die Bibliographie hat den
Stand vom Mai 1997. Es darf angenommen werden, daß ihr Bearbeiter sie
fortführt.
[Rezension über] "Beutekunst": Materialien zu einer Bibliographie des neueren Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände) = Trofeinoe iskusstvo = Looted Art [Subtitle: Toward a Bibliography of Recent Writings on the Fate of Cultural Property Looted by the Red Army in Germany during the Second World War]. Ed. Peter Bruhn. Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin-Preußischer Kulturbesitz, Osteuropa- Abteilung, 1997. vi, 146 p.; 30 cm. (Veröffentlichungen der Osteuropa- Abteilung, Staatsbibliothek zu Berlin-Preußischer Kulturbesitz, 21) (Literaturnachweise zu aktuellen Russland-Themen, 1) ISBN 3-88053-065-3 (Staatsbibliothek zu Berlin-Preußischer Kulturbesitz, Allgemeine Verwaltung, Publikationen, D-10102 Berlin)
Ersch in: AP -- Information Science, Archives, Libraries, Museums,
Pos. 97-3/4-288
Ever
since the fall of Communism, "looted art" from Germany that ended up in
the former Soviet Union has been, in the German press, one of the most-discussed
aspects of the relationship between the two states. This bibliography of
writings on the topic is the first in a new series of reference works dealing
with current Russian studies. The bibliography has 1,153 numbered entries
that run chronologically according to their publication dates (from 1990
to May 1997) within the generic classifications of monographs (a total
of 42), journal articles (171) and newspaper articles (over 900). The titles
have short annotations as necessary. German-language titles predominate,
but some English- and Russian-language materials are included as well.
Even stricter selection criteria would have been desirable. The index references
names of authors as well as of topical personalities (e.g., Helmut Kohl),
but the individual art objects themselves are left unindexed. A further
wish would be consideration of German cultural objects dispersed in other
eastern European countries, not the least of which would be the library
holdings of the State Library of Berlin-- publishing body of this bibliography--that
are still held in Poland. [sh/rdh]
[Rezension
über] Bruhn, Peter: "Beutekunst": Materialien zu einer Bibliographie
des neueren Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von
der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv-
und Bibliotheksbestände). Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin, 1997. 146
S. (Staatsbibliothek zu Berlin -Preußischer Kulturbesitz: Veröffentlichungen
der Osteuropa-Abteilung. 21.) ISBN 3-88053-065-3 ISSN 0175-5528
Ersch. in: Bibliothek: Forschung und Praxis. - Göttingen. Jg.23.1999,
3, S.423
Der
Bibliothekar und Slawist Peter Bruhn, der sich mit seinem "Gesamtverzeichnis
russischer und sowjetischer Periodika und Serienwerke in Bibliotheken der
Bundesrepublik und Westberlins" (Bd 1-3, 1962-1973) und der "Bibliographie
zum Schrifttum aus und über Osteuropa: Katalog des Bibliographischen Lesesaals
des Osteuropainstituts Berlin" (zusammen mit Volkhard Thiede, 1992) große
Verdienste weit über Deutschland hinaus erworben hat, legt zwei Veröffentlichungen
zu aktuellen Rußland-Themen vor. "Beutekunst" enthält chronologisch geordnet
1153 Titel von Monographien, Zeitschriftenbeiträgen und Presseartikeln
aus den Jahren 1980-1997 zu einem Thema, dem wegen des Restitutionsstreits
anhaltende Aktualität bescheinigt werden kann. Es ist die Vorstufe zu
einer hoffentlich bald von Peter Bruhn vollendeten annotierten Bibliographie.
Dieter Schmidmaier.
Zweite
Auflage:
[Rezension
über:] "Beutekunst": Bibliographie des internationalen Schrifttums
über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände)
zusammengestellt von Peter Bruhn. Zweite sehr vermehrte und verbesserte
Auflage. Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz.
Osteuropa-Abteilung 1999. X,247 S. (Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung.
Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz. 24. - Literaturnachweise
zu aktuellen Russland-Themen. 1). ISBN 3-88053-078-5)
Ersch. in: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB). Besprechungsdienst
und Berichte; Deutsches Bibliotheksinstitut Berlin, Jg. 7.1999, 1/4,
S.152
Erst
vor zwei Jahren veröffentlichte Peter Bruhn die erste Auflage seiner Bibliographie
zu dem brisanten Thema des Verbleibs der wertvollen Kunst- und Bibliotheksbestände,
die von der Roten Armee im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg in die
UdSSR verbracht worden sind. Das Interesse an diesen "Materialien zu einer
Bibliographie" war groß, und sie waren schnell vergriffen. Dankenswerter
Weise hat der ehemalige Bibliothekar des Osteuropainstituts der FU eine
auf den neuesten Stand gebrachte Neuauflage erarbeitet: Die Erstauflage
mit 1153 gut kommentierten Titeln wurde mit 877 Titeln jenes Zeitraums
ergänzt und um 821 für die Zeit von Mai 1997 bis August 1999 erweitert.
In diese Zeit fällt der vergebliche Versuch Jelzins und des russischen
Kulturministers Sidorow zu verhindern, daß die Duma die gesamte Beutekunst
zum nationalen Eigentum Rußlands erklärte. Die ausführlicheren Textauszüge
aus russischen Beiträgen russisch und übersetzt mögen die Aufnahme solcher
Titel kyrillisch und transliteriert erklären, aber es bleibt zweifelhaft,
ob sich das die Bibliothekspraxis übersteigende Verfahren lohnt. Die Zitate
selbst aber heben die Bibliographie über den Wert einer Titelsammlung
wesentlich hinaus.
Wolfgang
Kasack
[Rezension über:] Peter Bruhn: "Beutekunst" : Bibliographie des internationalen Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände 1990-1999) = Trofejnoe iskusstvo = Looted Art. - Berlin: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz 1999. - X,247 S. - (Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz: Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung ; 24) (Literaturnachweis zu aktuellen Russland-Themen ; 1)
Ersch. in: Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen
der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung (ABDOS) / Mitteilungen. Jg.19.1999,
Nr.2/3, S.17
Wie
schön, eine zweite Auflage anzeigen zu können. Mit vollem Recht ist von
einer "sehr vermehrte(n) und verbesserte(n) Auflage" die Rede. Die Zahl
der nachgewiesenen Titel wurde im Vergleich zur 1. Auflage mehr als verdoppelt:
Nur 821 von ihnen gehen auf das Konto der Erweiterung des Berichtszeitraums,
877 neue Titel betreffen den Berichtszeitraum der 1. Auflage (S.VIII).
Wenige Exponenten erhöhen die Zahl von 2851 Eintragungen geringfügig.
Die zweispaltig angeordneten Register (S.232ff.) mit einem Register kyrillisch
geschriebener Namen (S.245ff.) haben sich nach Stichproben von jeder Spalte
als zuverlässig erwiesen.
Das chronologisch nach Erscheinungsjahr angeordnete Verzeichnis,
unterteilt nach Monographie, Zeitschriften-Beiträge und Zeitungs-Artikel,
leitet ein Ausschnitt aus dem Vorwort zur 1. Auflage (S.Vff.) ein, gefolgt
von einem Vorwort zur 2. Auflage (S.VIIIf.) und Benutzungshinweisen (S.X).
Die Rechenschaft, die P. Bruhn dabei von seinem Tun ablegt, überzeugt
bibliographisch wie politisch. Hervorheben muß man den Wert der zahlreichen
Kommentierungen, die den Arbeitsaufwand des Bibliographen erheblich vergrößerten.
"Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen" im Rahmen der von F.
Görner herausgegebenen "Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung der
SB Berlin" gewinnen mit dieser Veröffentlichung weiter an spürbarem Gewicht.
-
Horst
Röhling
[Rezension über] BRUHN, Peter: "Beutekunst". Bibliographie
des internationalen Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg
von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-,
Archiv- und Bibliotheksbestände) 1990-1999. Zweite, sehr vermehrte und
verbesserte Auflage, Berlin 1999, X, 247 S. (Literaturnachweise zu aktuellen
Russland-Themen, 1 = Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz,
Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung, 24), ISBN 3-880563-078-5,
ISSN 0175-5528
Ersch. in: Biblos, 48.1999, 2, S.351.
Mit beeindruckendem Fleiß sind in diesem bibliographischen Werk einschlägige
Veröffentlichungen akribisch verzeichnet, die sich mit dem leider ins
nächste Millennium hinüberreichenden Thema befassen. Ab 1990 begann die
Sammlung einschlägiger Wortmeldungen. Es sind in chronologischer Anordnung
Monographien (verständlicherweise in der Minderzahl), Zeitschriftenbeiträge
und, das Hauptkontingent bildend, Zeitungsartikel. Die Zitate sind 1ff.
durchnumeriert. Man hätte gerne an prominenter Stelle die ausgewerteten
Zeitungen überblickt, allein, dieses Service wird nicht geboten. Erst
beim Blättern entdeckt man, daß auch russische Zeitungen als Quelle benützt
wurden, "aus der vorzüglichen Online-Datenbank RussGUS", wie es im Vorwort
(VII) heißt. Sonst ist man auf die Kenntnis der Zeitungsnamen angewiesen
und kann ein Personenverzeichnis (das sind die Verfasser der verzeichneten
Beiträge und Personen, die mit dem Gegenstand maßgeblich befaßt waren,
232-244, russische Namen 245-247 in russischer Schreibung) konsultieren.
Ein Sachregister wurde nicht angelegt. Auf der Suche nach dem Medienecho
zu den Pehlevi-Papyri der ÖNB, die sich seit dem Kriegsende in der Eremitage
befinden, mußte das ganze Opus durchgeblättert werden. Letztlich korrekt,
denn dabei ist es nicht Beute aus Deutschland, sondern aus Österreich,
was inzwischen auch von den russischen Behörden so gesehen wird. Es zeigte
sich, daß die Auswahl der Quellen erdrückend auf den Zeitungen Deutschlands
liegt, aus Österreich wurden nur drei ausgewertet, und auch da nicht wirklich
vollständig. Ähnlich knapp werden Schweizer Zeitungen benützt. Vor dieser
Lücke muß der Historiker gewarnt werden, denn ohne Frage wird diese Titanenarbeit
als Quellenmaterial von der Historie ab sofort herangezogen werden. Durch
die chronologische Ordnung und die dem jeweiligen Artikel beigegebene kurze
Inhaltscharakterisierung spiegelt sich ganz deutlich der Entwicklungsgang
des Themas mit seinen vielen "Ups" und weitaus mehr "Downs". Selbst wenn
man nur in wenigen Seiten dem referierten Geschehen rund um die Beutekunst
folgt, braucht man sehr bald die Magenwände stärkende Mittel, so deprimierend
und letztlich abstoßend ist das, was man hier erfährt. Keinem darin verwickelten
und daran beteiligten Politiker wird man die heftigsten Vorhaltungen ersparen
können, denn kaum einmal erfährt man von einem verantwortungsvollen Handeln
(oder wenigstens Sprechen), da es sich doch um Weltkulturgüter handelt.
Einzig politische Motive werden geäußert. Nicht selten könnte man als
Kurzcharakteristik auch einfach "Zynismus und Eitelkeit" zu den referierten
Statements dazuschreiben. Ein hohes Lob dem Sammler. Es werden sine ira
et studio die Tatsachen berichtet. Es wird keine Meinung offen oder getarnt
mitgeliefert.
Hermann
Harrauer
[Rezension über] Bruhn, Peter: "Beutekunst": Bibliographie des
internationalen Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg
von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-,
Archiv- und Bibliotheksbestände) / zsgest. von Peter Bruhn. [Staatsbibliothek
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz]. - 2., sehr verm. und verb. Aufl.
- Berlin: SBB-PK, 1999. - X,247 S.; 30 cm
(Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen; 1)
(Veröffentlichungen der Osteuropa-Absteilung / Staatsbibliothek zu
Berlin- Preussischer Kulturbesitz; Bd.24) Parallelsacht.: Trofejnoe iskusstvo
- ISBN 3-88053-078-5 kart.
Ersch. in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie.
Jg. 47.2000, 4, S.348-351.
Die
Tatsache, dass die zweite Auflage einer Bibliographie bereits nach zwei
Jahren den Berichtszeitraum der ersten Auflage um 877 Titel ergänzt und
für den neuen Zeitraum weitere 821 Titel aufführt, deutet darauf hin,
dass der Gegenstand der Bibliographie ein sehr aktueller sein muss. Die
besprochene Bibliographie nimmt als Titel ein Wort auf, nämlich "Beutekunst",
welches sich landläufig fast unbemerkt für "kriegsbedingt, während des
zweiten Weltkrieges verlagerte Kulturgüter" eingebürgert hat und welches
der russischen Variante "Trophäenkunst" eigentlich in seiner zweifelhaften
Bedeutung in nichts nachsteht. Machen doch beide Begriffe deutlich, dass
bisher sämtliche Versuche, kriegerische Auseinandersetzungen durch völkerrechtliche
Kodexe, wie die Haager Landkriegsordnung oder die Konvention zum Schutz
der Kulturgüter, im Fall eines bewaffneten Konfliktes zu regeln, nur von
geringem Erfolg gekrönt waren. Der Begriff spiegelt unterschwellig die
jahrhundertealten Gewohnheiten kriegführender Parteien, Beute und Trophäen
zu machen umgangssprachlich wieder - als besonders demütigende Variante
galt es, dem Gegner nationale Symbole wie etwa bedeutende Kulturgüter
zu rauben und den eigenen Sammlungen einzuverleiben.
Das Thema ist und bleibt brisant. War nach der Entscheidung des Russischen
Verfassungsgerichts zunächst Ratlosigkeit eingekehrt, man hatte nicht
damit gerechnet, dass sich die Russische Föderation über bestehende völkerrechtliche
Verträge hinwegsetzt, muss man jetzt ausloten, welchen Spielraum die bestehende
russische Gesetzgebung für weitere Verhandlungen und konkrete Restitutionsprojekte
bietet und wie die Entscheidung des Russischen Verfassungsgerichts von
den russischen staatlichen Stellen ausgelegt wird. Gewisse Ansätze, die
Anlass zur Hoffnung geben, sind vorhanden. Leider bergen alle Gesten guten
Willens von deutscher Seite die große Gefahr, dass die russische Seite
darin die Anerkennung ihres Gesetzes und somit des Eigentumwechsels sehen
wird. Es ist also in der gegenwärtigen Situation größte Vorsicht geboten.
Die einseitige Erklärung Russlands, dass die in Deutschland während
und nach dem Zweiten Weltkrieg erbeuteten Kulturgüter nun russisches Eigentum
sind, wird auf Dauer nicht zu halten sein, insbesondere wenn Russland sich
stärker an Europa annähern und zu rechtsstaatlichen Prinzipien übergehen
will. Aufklärung ist in diesem Zusammenhang wichtig. Ein wertvoller Beitrag
dazu ist ohne Zweifel die vorliegende Bibliographie, die man auch im Internet
unter http://www.ib.hu-berlin.de/~pbruhn/b-kunst.htm findet.
Der Bibliograph Peter Bruhn ist von einer vereinfachenden Sicht der
Dinge weit entfernt, bereits im Vorwort der ersten Auflage lässt er, ohne
persönliche Betroffenheit zu leugnen, keinen Zweifel daran aufkommen.
Die Brisanz des Themas, die Tatsache, dass man von der Lösung der Probleme
angesichts kontroverser Standpunkte noch weit entfernt ist, was sich nicht
zuletzt im Umfang der aktuellen Literatur zu diesem Thema dokumentiert,
machen die Bibliographie an sich schon zu einem wertvollen Hilfsmittel.
Um Objektivität bemüht, weist Peter Bruhn im Vorwort der zweiten Auflage
darauf hin, dass er bei der Ermittlungsarbeit zur zweiten Ausgabe stärkeres
Augenmerk auf die Erfassung russischer Titel gerichtet hat.
Die Bibliographie ist - zumindest im deutschsprachigen Raum -
einzigartig im Bezug auf Umfang und Vollständigkeit. Bisher gab es nur
Auswahlbibliographien und Literaturverzeichnisse weit geringeren Umfangs,
meist unter juristischem bzw. völkerrechtlichem Blickwinkel, wie z.B.
die Auswahlbibliographie in dem Band "Internationaler Kulturgüterschutz
und die deutsche Frage: völkerrechtliche Probleme der Auslagerung, Zerstreuung
und Rückführung deutscher Kulturgüter nach dem zweiten Weltkrieg / Hrsg.:
Wilfried Fiedler. - Berlin, 1991. - 332 S. (Forschungsergebnisse d. Studiengruppe
f. Politik und Völkerrecht / Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen;
Bd.7)" oder dem Literaturverzeichnis in "Schorlemer, Sabine von: Internationaler
Kulturgüterschutz: Ansätze zur Prävention im Frieden sowie im bewaffneten
Konflikt. - Berlin, 1992. - 682 S. (Schriften zum Völkerrecht; 102)".
Die letztgenannte Arbeit taucht in der vorliegenden Bibliographie von Peter
Bruhn leider nicht auf.
Es wurde bereits darauf verwiesen, dass der zweiten Auflage der Versuch
anzumerken ist, stärker russische Titel zu berücksichtigen. Dies ist
in erstaunlichem Maße gelungen, wenn man berücksichtigt, wie schwer es
ist, die russische Presse und das Verlagswesen angesichts der anhaltenden
Veränderungen in der Russischen Föderation auf diesem Gebiet zu beobachten.
Eine Aufgabe, an der selbst russische Kollegen verzweifeln. Angesichts
dieser Umstände ist es verzeihlich, dass nicht jeder russische Zeitungsartikel
seinen Niederschlag fand. Angesichts ständig neu auftauchender Zeitungen
und Zeitschriften ein ohnehin schier unlösbares Problem. Wie umfangreich
und umfassend die vorliegende Bibliographie ist, lässt sich nicht nur
am Umfang von 2851 Titeln, sondern auch an der Tiefe der Erschließung
und der Breite des erfassten Materials nachvollziehen. Um die Bandbreite
des verzeichneten Materials anzudeuten, sei an dieser Stelle beispielhaft
auf die Einträge Nr.0177 bzw. Nr.1956 hingewiesen. Der erste Eintrag verweist
auf einen Artikel, der einen Fernsehbeitrag ankündigt, den ein gewisser
Herr Svytkoj 1992 über geheime Depots mit "Beutekulturgütern" drehte.
Interessant sind eigentlich alle Einträge zu diesem Namen, da Herr Svytkoj
seit kurzem der neue russische Kulturminister ist und sich seit längerem
mit den Problemen der kriegsbedingt verlagerten Sammlungen beschäftigt
und wohl auch in Zukunft von Amts wegen mit dem Thema beschäftigt sein
wird. Der zweite, als Beispiel herausgefischte Titel, quasi als Kontrastprogramm,
weist auf einen Artikel in der "Frankenpost" hin. Unter dem Eintrag Nr.1956
wird auf einen Beitrag von Erich Kuby mit der Überschrift "Klischees verboten!"
verwiesen. In der Annotation wird erläutert, dass sich der Artikel mit
den verschiedenen deutschen Standpunkten zur Beutekunst auseinandersetzt.
Bei näherer Betrachtung (das Internet macht's möglich) erweist sich der
Artikel als eine, wenige Zeilen umfassende Kolumne, in der der Verfasser
auf mehr oder weniger originelle Weise sein Verhältnis zu diversen Politikern
beleuchtet, wohl eher zufällig an ihrem Standpunkt zum Thema "Beutekunst"
festgemacht. Diese Glosse verweist aber immerhin auf weitere Zeitungs-
bzw. Zeitschriftenartikel zu dem Thema "Beutekunst".
Die Kompetenz von Peter Bruhn als Bibliograph, Slawist und Bibliothekar
dokumentiert sich in der vorliegenden Bibliographie auf treffliche Weise.
Das Material ist in der Bibliographie chronologisch geordnet, grob strukturiert
nach Monographien, Zeitschriftenbeiträgen und Zeitungsartikeln. Diese
Art der Anordnung des Stoffes ist für historische Betrachtungen besonders
gut geeignet, offenbaren doch gewisse "Peaks" in den Veröffentlichungszahlen,
welche Brisanz dem Thema in dem bestimmten Zeitabschnitt zukam, andererseits
kommt diese Art der Verzeichnung der Suche nach bestimmten Themenkomplexen
weniger entgegen. Hilfreich ist das umfassende Register der Personennamen,
welches über ein reines Verfasserregister weit hinausgeht. Angesichts
der umfangreichen Transliterationen ist das in kyrillischer Schrift vorliegende
Register der russischen Namen sehr nützlich. Leider gibt es kein Sachregister
und kein Register zu Körperschaften, was die themenorientierte Suche in
der Bibliographie etwas erschwert.
Die Qualität der Titelbeschreibung ist über jeden Zweifel erhaben
und lässt kaum Wünsche offen. Es gibt sehr viele und umfangreiche Annotationen, teilweise
sogar zweisprachig. Besonders zu loben ist die Verweisung auf vorhandene
Rezensionen zu den Titeln. Wichtig und gut in diesem Zusammenhang ist,
dass die verzeichneten russischen Titel immer auch in kyrillischen Buchstaben
in russischer Sprache neben der Transliteration abgebildet sind. Dies macht
die Bibliographie für "Insider" sicher noch wertvoller, auch die zweisprachig
gehaltenen Inhaltszusammenfassungen sind lobenswert, ganz abgesehen von
der Tatsache, dass interessierte russische Kollegen in Ermangelung ähnlicher
Bibliographien im eigenen Land damit leichter umgehen können.
Dies ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt, stellt man doch immer
wieder fest, wie wenig russische Kollegen über die "Trophäenkommissionen"
und die Ereignisse im Umfeld dieser Einrichtungen wissen, obwohl die Dokumente
darüber in russischen Archiven für sie leichter zugänglich sind als
für uns. In diesem Zusammenhang sei auf eine Neuveröffentlichung hingewiesen,
die für jeden auf diesem Gebiet interessierten ein absolutes Muss sein
sollte. Die amerikanische Kollegin Patricia Kennedy Grimsted hat ein Nachschlagewerk
unter dem Titel "Archives Of Russia" im M.E. Sharp Inc. Verlag veröffentlicht.
Es stellt aus meiner Sicht das Umfassendste dar, was je zu diesem Thema
erschienen ist1. Bezeichnenderweise ist das Werk wiederum nicht von einem
russischen Kollegen, sondern von einer amerikanischen Kollegin geschrieben
worden.
Als Fazit bleibt festzustellen, dass die "zweite, sehr vermehrte und
verbesserte Auflage", wie es auf dem Titelblatt dieser Bibliographie heißt,
dieses Prädikat in vollem Umfang verdient. Für die dritte Auflage wäre
es wünschenswert, dass die punktuelle Suche, welche über die reine Suche
von Personennamen hinausgeht, durch zusätzliche Sachregister erleichtert
wird.
Die wenigen kritischen Anmerkungen des Rezensenten sollen jedoch keineswegs
den Wert der Bibliographie schmälern. Es handelt sich um ein einzigartiges
Informationsmittel, akribisch mit größtem Sachverstand zusammengestellt
und durch weit über die in der Bibliothekspraxis üblichen Bibliographieeinträge
hinausgehende Titelbeschreibungen ein Arbeitsmittel für Interessierte
und Fachkundige. Es ist wünschenswert, dass dieses Werk kontinuierlich
fortgeschrieben wird.
Ingo Kolasa
1
Rezension demnächst in ZfBB
[Rezension
über] Bruhn, Peter: Beutekunst: Bibliographie des internationalen Schrifttums
über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände)
1990-1999. 2., sehr vermehrte und verbesserte Aufl. Berlin: Staatsbibliothek
zu Berlin, 1999. X, 247 S. (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer
Kulturbesitz; Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung; 24) ISBN 3-88053-078-5;
ISSN 0175-5528
Ersch. in: Bibliothek: Forschung und Praxis. - München. New
York. Oxford.
Paris. 24.2000, 2, S.264-265, Pos.139
Aus
der ersten Ausgabe mit einem Nachweis von 1153 Titeln (Monographien, Zeitschriftenartikel
und Pressebeiträge) auf 146 Seiten (s. Bibliothek 23 (1999) S. 424, Nr.
207) ist eine Neuauflage mit 2851 Titeln auf 247 Seiten geworden. Für
die Zeit 1997-1999 wurden 821 Titel hinzugefügt, 877 Titel konnten aus
dem Berichtszeitraum der ersten Ausgabe ergänzt werden. Die Titelaufnahmen
wurden innerhalb der Chronologie alphabetisch geordnet, wichtige Beiträge
kurz annotiert und um Hinweise auf Rezensionen ergänzt.
Peter Bruhn kommt das große Verdienst zu, das Dauerthema „Beutekunst“
in akribischer Arbeit bibliographisch überschaubar gemacht zu haben. Das
Heft gehört in den Bestand aller größeren Öffentlichen und Wissenschaftlichen
Bibliotheken und Spezialbibliotheken und sollte auch den Politikern in
Deutschland, Rußland und Polen, die sich mit dem Thema befassen, in die
Hand gegeben werden.
Dieter Schmidmaier
[Rezension über:] "Beutekunst". Literaturhinweise zu aktuellen
Russland-Themen. Materialien zu einer Bibliographie des neueren Schrifttums
über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände),
zusammengestellt von Peter Bruhn (=Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung
21, 24, Berlin: Staatsbibliothek 1997 und 1999, 1. und 2., sehr vermehrte
und verbesserte Auflage), 146 und 247 S.
Ersch. in: Österreichische Osthefte, 2000, 1,S.265-266
Das
Schlagwort Beutekunst zieht aufgrund der politischen Brisanz des Themas
seit Jahren eine rege Berichterstattung nach sich. Kein Wunder: Nach Schätzungen
der deutschen Regierung befinden sich noch immer rund 200 000 Museumsgüter,
zwei Millionen Bücher und mehrere Regalkilometer Archivgut, die von den
Sowjets im Zweiten Weltkrieg systematisch abtransportiert wurden, in oft
ungeeigneten Lagerräumen in den Ländern der GUS. Auch nach dem vorläufigen
Ende, nach dem Urteil des russischen Verfassungsgerichtes vom 20. Juli
1999, das die gesamte Beutekunst zum nationalen Eigentum Russlands erklärte,
wird die Auseinandersetzung auf breiter Front fortgesetzt.
Das
vor allem in Deutschland und Russland ausgeprägte Interesse an diesem
Themenbereich erklärt auch das Zustandekommen - und den Erfolg -
dieses seriösen bibliographischen Unterfangens. In Zeiten der immer knapper
werdenden Ressourcen sind die von der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin herausgegebenen Bibliographien eine wahre Rarität. Fast 3000
Einträge verzeichnet die zweite, gründlich überarbeitete Auflage, die
das neuere Schrifttum über die von der Roten Arnee im Nachkriegsdeutschland
erbeuteten Kulturgüter übersichtlich aufbereitet. Zeitlich spannt sich
der Bogen von den ersten, noch unter Gorbačev publizierten Enthüllungsberichten
des Jahres 1990 bis zum Sommer 1999. Die Titel sind nach Erscheinungsjahren
und nach dem Alphabet geordnet, innerhalb der einzelnen Jahre geteilt in
Monographien, Zeitschriftenbeiträge und Zeitungsartikel. Ergänzt werden
die Hinweise durch ein russisches und deutsches Personenregister sowie
eine durchgehende Übersetzung der russischen Kurztexte. Die beiden Bibliographien
zeugen vom großen Bedarf an Literaturhinweisen, der gerade hinsichtlich
aktueller Themen besteht. Bezeichnenderweise war die erste Auflage rasch
vergriffen.
Waltraud
Bayer
Dritte
Auflage:
[Rezension
über] Peter Bruhn: "Beutekunst" : Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und
Bibliotheksbestände) 1990-2000 = Trofejnoe iskusstvo = Looted Art.
3., wiederum verm. u. verb. Aufl. - Berlin : Staatsbibliothek zu Berlin
- Preußischer Kulturbesitz, 2000. - 366 S. - (Staatsbibliothek zu Berlin
- Preußischer Kulturbesitz : Veröffentlichung der Osteuropa-Abteilung
; 26) (Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen ; 1) - ISBN 3-88053-082-3
Ersch. in: Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen
der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung (ABDOS) / Mitteilungen.
- Herne, 20.2000, 3, S.18-19
Bemerkenswerterweise ist für die anzuzeigende Bibliographie in außerordentlich
kurzer Zeit eine dritte Auflage nötig. Der Vf. nennt in seinem Vorwort
(S.7) überzeugende Gründe dafür. Nicht ohne Schmunzeln registriert der
Rez. aber auch die dort genannten und vom Bibliographen zu meisternden
Schwierigkeiten, die im allgemeinen hochgelobte moderne Informationsmöglichkeiten
dem Bearbeiter bieten. Diese sind wohl doch nicht so perfekt, wie man immer
hört. Nachdem die 1. Auflage 1153 Nummern enthielt, brachte es die zweite
auf 2851, während die vorliegende dritte Auflage 4037 Eintragungen bis
zum Erscheinungsjahr 2000 vereint. Dem Rezensenten fiel nur erneut
auf, daß für die Nr. 0608 eine weitere Besprechung nachzutragen ist.
Stichproben des Personenregisters haben dieses als zuverlässig erwiesen.
Es hieße wirklich Eulen nach Athen tragen, wollte man die überreichen
bibliographischen Erfahrungen und Fähigkeiten Peter Bruhns erneut
- und was diese Bibliographie anbelangt in so kurzer Zeit - betonen.
Interessant ist aber die Frage, warum sie auf so vehementes Interesse stößt,
das Kunst allein nie hervorrufen würde. Man geht wohl nicht fehl in der
Annahme, daß es das Zusammentreffen vom Geschichte, Recht, Politik und
Kunst ist, das mit dieser Problematik verbunden ist. Es sind verschiedene
Aspekte, die indirekt der Kunst und Kunstwerken eine öffentliche Aufmerksamkeit
verschaffen, die man ihnen sonst nur wünschen kann.
Die Bibliographie verdeutlicht, gerade auch, weil sie nüchtern registriert
und nur selten wertet, die politische Dimension des Problems in eine bestimmte
Richtung. Gemeint ist eine Einsicht, die dem Rez. vor Jahrzehnten zugewachsen
ist und die man mit "Geduld als politische Tugend" bezeichnen kann. Freilich
gehört dazu, daß ein so angegangenes Problem eingebettet sein muß in
ein gutes, vertrauensvolles Gesamtklima, das unabhängig von Tagesfragen
kontinuierlich die Politik bestimmen muß. Es ist diese Botschaft, die
die Bibliographie implizit enthält. Ihre Fruchtbarkeit wäre der schönste,
verdiente Dank an den Bibliographen, dem diese Zusammenhänge zweifellos
bewußt sind
Horst
Röhling
"Beutekunst":
Bibliographie des internationalen Schrifttums über das Schicksal des im
Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-,
Archiv- und Bibliotheksbestände); 1990-2000 = Trofejnoe iskusstvo = Trophy
Art / zsgest. von Peter Bruhn. - 3., wiederum verm. und verb. Aufl. - Berlin:
Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz, Osteuropa-Abteilung,
2000. - 366 S.; 30 cm. - (Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung,
Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz; 26) (Literaturnachweise
zu aktuellen Russland-Themen; 1). - ISBN 3-88053-082-3; Kostenlos für Bibliotheken.
- (Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, IIID, 10772
Berlin)
Ersch in: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) Besprechungsdienst
und Berichte. - Stuttgart 8.2000, S.173-174
In
der Rez der ersten Auflage 1997 dieser Bibliographie in IFB 97-3/-288 wurde
das Thema der nach dem Krieg in die Sowjetunion verbrachten deutschen "Beutekunst"
als eines der im Verhältnis der beiden Länder "meistdiskutierten" bezeichnet.
Diese Diskussion hat in der deutschen und russischen Presse seitdem ständig
zugenommen. Nach zwei Jahren brachte Peter Bruhn eine über das Doppelte
auf 2851 Titel erweiterte Neuauflage heraus (Rez. IFB 99-1/4-060). Im August
2000, also nach einem weiteren Jahr, bedingten Nachfrage nach dieser Bibliographie
und Weiterentwicklung des Problems bereits die dritte Auflage. Sie führt
bis Anfang Juli 2000 und verzeichnet 4037 Titel. In die Zeit bis zur zweiten
Auflage fielen die vergeblichen Versuche Jelzins und des russischen Kulturministers
Sidorow, zu verhindern, daß die Duma die gesamte Beutekunst zum nationalen
Eigentum Rußlands erklärte. In die Phase bis zur dritten Auflage fallen
die Unterzeichnung des umstrittenen "Beutekunst"-Gesetzes durch Putin am
25.05.2000 und die ersten kleinen wechselseitigen Rückgaben von Kulturgütern,
die seit dem Zweiten Weltkrieg in Rußland bzw. Deutschland lagerten, ferner
der warnende Hinweis des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz,
Klaus-Dieter Lehmann, auf die erheblichen Schäden, welche die völkerrechtswidrige
(Haager Konvention) in die Sowjetunion verbrachten Kunstschätze, Bücher
und Archivbestände durch unsachgemäße Lagerung bereits erlitten hätten.
Die Art der Titelaufnahmen und die Ordnung wurden beibehalten, so hat
auch die Neuauflage ihren besonderen Wert durch die Annotationen mit -
bei russischen Quellen - zweisprachigen Textauszügen. Bruhn verweist darauf,
daß er beim Recherchieren "zunehmend auch auf die Benutzung zahlreicher
Datenbanken angewiesen" war, und bedauert, daß "es leider nicht zu vermeiden
war, daß die dort nicht selten anzutreffenden Abweichungen von bibliographischen
Prinzipien bzw. Erfordernissen ihre Auswirkungen vermutlich leider auch
auf die Wiedergabe des Materials hier und da in diesem Verzeichnis gefunden
haben". Der anwachsende Umfang macht das Bedürfnis nach einem - allerdings
schwer zu erarbeitenden - Sachregister neben dem vorhandenen Namenregister
noch deutlicher als bei der ersten Auflage, in der bereits sein Fehlen
bedauert wurde. Das für Wissenschaft und Politik von der Osteuropaforschung
Geleistete ist hoch anzuerkennen und hat bleibenden Wert.
Wolfgang
Kasack
"Beutekunst":
Bibliographie des internationalen Schrifttums über das Schicksal des im
Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes
(Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände) 1990-2000. Zusammengestellt
von Peter Bruhn. Dritte, wiederum vermehrte und verbesserte Auflage. Berlin:
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Osteuropa-Abteilung
2000 (Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung. Staatsbibliothek zu
Berlin - Preußischer Kulturbesitz, 26; Literaturnachweise zu aktuellen
Rußland-Themen, Bd. 1). X,247 S.
Ersch in: Osteuropa. - Stuttgart, 51.2001, 1, S.113
Bereits
zwei Jahre nach der Erstauflage von 1997 (vgl. W. Kasack in: Osteuropa,
3/1999, S.325) hatte Peter Bruhn eine über das Doppelte auf 2851 Titel
erweiterte Neuauflage seiner Bibliographie zur Diskussion der nach dem
Krieg in die Sowjetunion verbrachten deutschen "Beutekunst" herausgebracht.
Im August 2000, also nach einem weiteren Jahr, bedingten die Nachfrage
nach diesem Handbuch und die Weiterentwicklung des Problems bereits die
dritte Edition. Sie führt bis Anfang Juli 2000 und verzeichnet 4037 Titel.
In die Zeit bis zur zweiten Auflage fielen die vergeblichen Versuche
El'cins und des russischen Kulturministers Sidorov, zu verhindern, daß
die Duma die gesamte "Beutekunst" zum nationalen Eigentum Rußlands erklärte.
In meinem Interview mit Sidorov, das "Die Welt" (9.1.1998) abdruckte, fehlt
ein wichtiger Satz: Er hatte die Rückgabeabsicht auf Bücher in gotischer
Schrift beschränkt.
Zu den Kernpunkten der dritten Auflage gehören die Unterzeichnung
des umstrittenen "Beutekunst"-Gesetzes durch Putin am 25. Mai 2000 und
die ersten kleinen wechselseitigen Rückgaben von Kulturgütern, die seit
dem Zweiten Weltkrieg in Rußland bzw. in Deutschland lagerten, ferner
der ernste, warnende Hinweis des Präsidenten der Stiftung Preußischer
Kulturbesitz, Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, auf die erheblichen Schäden,
welche die völkerrechtswidrig (Haager Konvention) in die Sowjetunion verbrachten
Kunstschätze und Bücher durch unsachgemäße Lagerung bereits erlitten
haben.
Der besondere Wert der Zusammenstellung von Peter Bruhn basiert darauf,
daß er keine einfache Titelliste bietet, sondern ein Forschungsergebnis
mit nun noch ausführlicheren zweisprachigen Textauszügen (russisch und
deutsch) oder gut informierenden Kurzkommentaren. Bedauerlich ist, daß
auch die dritte Auflage kein Sachregister, nur ein Namenregister hat. Die
starke Nachfrage bestätigt zum einen, daß die "Beutekunst" eines der
meistdiskutierten Themen im Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland
ist, und zum anderen, daß die deutsche Osteuropaforschung -
Bruhn und die Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin
- mit diesem Werk Wissenschaft und Politik einen hervorragenden Dienst
leistete und weiter leistet.
Wolfgang
Kasack
Vierte Auflage:
Vorbemerkung
des Herausgebers der Schriftenreihe der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin
Enth. in: Peter Bruhn, Beutekunst / Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände)
4. Auflage; München: Verlag Otto Sagner, 2003.
Drei
Auflagen der von Peter Bruhn bearbeiteten „Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände)“
sind in rascher Abfolge in den Jahren 1997, 1999 und 2000 erschienen. Druck
und Vertrieb erfolgten über die Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Das öffentliche Interesse an der
Publikation war groß, so dass die drei Auflagen relativ schnell vergriffen
waren.
Wer
die nicht wenigen Publikationen von Peter Bruhn kennt und genutzt hat,
- dies betrifft insbesondere seine Schaffensperiode als Direktor der Dokumentationsstelle
und der Bibliothek des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin
- weiß, mit welcher zielsicheren Exaktheit diese erarbeitet waren. Dieser
Name bürgt für Qualität. Wir danken dem Bearbeiter, dass er nunmehr
auch die vierte, erheblich erweiterte Auflage seiner Bibliographie der
Schriftenreihe der Osteuropa-Abteilung der SBB-PK anvertraut. Dank gilt
auch Herrn Generaldirektor a.D. Dr. Jammers, der dem Werk Unterstützung
hat zukommen lassen, ebenso dem Verlag Otto Sagner, der den Druck übernommen
hat.
Zur
Thematik hat Peter Bruhn in den Vorworten zu den vier Auflagen Stellung
genommen; wir empfehlen, insbesondere auch den letzten Absatz des Vorworts
zur vierten Auflage als ehrliche und ernstgemeinte Aussage zu werten. Die
bisherigen Rezensionen sowie des Echo insgesamt auf die Publikation der
dritten Auflage waren überwiegend positiv. Es gab indessen auch kritische
Stimmen gegenüber der herausgebenden Institution, die eine Parteinahme
und das Vergessen „der anderen Seite“ vermuteten. Dies trifft nicht
zu. Wenngleich die Staatsbibliothek vom Verlust erheblicher Bestände betroffen
ist, so sind doch die „von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg in West-
wie in Osteuropa verursachten Kulturgutverluste“ (Bruhn) auch hier bewusst.
Was beim Rückgabeverlangen auf deutscher Seite nach Einschätzung des
Unterzeichneten wohl mehr hätte beachtet werden können, war die noch
lebendige Erinnerung der russischen Öffentlichkeit an die Barbarei. mit
der ihrem Land Millionen Menschenopfer und auch der unwiederbringliche
Verlust von Kulturgütern zugefügt wurde. Dies ist dort noch nicht vergessen.
Hier mag es an Sensibilität auf unserer Seite gefehlt haben. Dieses nach
1945 in die damalige Sowjetunion verbrachte Schrifttum hat auch Symbolcharakter
als letztes Pfand für die, die zwar letztlich siegten, aber doch mehr
erleiden mußten als die Besiegten. Sehen wir auch das verlorene Schrifttum
in Relation zu den Verlusten der Lebensbereiche von Millionen Menschen
und der Veränderung der Landkarten in Europa, dann bekommt die „Beutekunst“
auch die richtige Dimension, und wir erliegen nicht der Verengung eines
einseitigen Besitzdenkens.
Walter
Andreesen
Waldemar
Ritter
Große
Bibliographie zur «Beutekunst» erschienen
(Peter
Bruhn weist Weg im komplizierten Ineinander von Kultur, Wissenschaft und
Politik)
(dpa-Meldung vom 09.06.2003)
In zum Teil leicht abgewandelter Form ersch. u.a.
am ??.06.2003 in: Badische Zeitung
am 21.06.2003 in: Ostthüringer Zeitung
am 05./06.07.2003 in: General-Anzeiger (Bonn)
am 10.07.2003 in:
Mitteldeutsche Zeitung
am 19.07.2003 in: Nordkurier
Als
der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder
Ende Mai das mit deutscher Hilfe rekonstruierte Bernsteinzimmer der Öffentlichkeit
übergaben, flammte nicht zufällig die Diskussion um die Rückgabe der
«Beutekunst» wieder auf - eines der größten ungelösten Probleme
zwischen Russland und Deutschland. Dies belegt die Aktualität einer völlig
neu bearbeiteten Bibliographie des internationalen Schrifttums über das
Schicksal des im Zweiten Weltkrieg und danach von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes.
Peter Bruhn, ehemaliger Direktor der Dokumentation und der Bibliothek
des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin, hat diese zweibändige
Bibliographie über die Staatsbibliothek in zwei Bänden veröffentlicht.
Die von Bruhn praktizierte Hinzufügung von Inhaltsangaben, Annotationen
und Zitaten zu den rein bibliographischen Daten ist weiter ausgebaut, so
dass der eilige Benutzer des Verzeichnisses bereits schon durch Einsichtnahme
in diese Bibliographie in die Lage versetzt wird, sich zumindest einen
gewissen Eindruck vom Gang der Dinge zu verschaffen. Das gilt insbesondere
für russische Quellen, bei denen Bruhn gelegentlich auch die Aufnahme
längerer Zitate nicht gescheut hat, "wenn sie namentlich für den deutschen
Leser einen interessanten Gedankengang oder hierzulande weniger bekannte
Informationen aufweisen".
Bruhn unterstreicht in seinem Vorwort: «Angesichts der teilweisen
Brisanz der Thematik enthalten viele der das Geschehen kommentierenden
Publikationen eine Fülle unterschiedlicher Argumente - gutartige und bösartige,
richtige und falsche, wohlmeinende und polemische, überzeugende und vorgeschobene...»
Das Besondere an dieser großen Arbeit besteht darin, dass die kulturelle,
die völkerrechtlich-zivilisationsgeschichtliche und die politische Dimension
des Themas authentisch transparent wird. Exemplarisch ist das Werk auch
für das komplizierte Ineinander von Kultur, Wissenschaft und Politik.
Eine Fundgrube für Politologen, Historiker und Juristen. Unentbehrlich
aber auch für Politiker und Journalisten.
Manchmal sind die Quellenangaben mit inzwischen weitgehend in Vergessenheit
geratenen Politikeräußerungen, dem sogenannten "Geschwätz von gestern"
durchaus enthüllend und erkenntnisfördernd ergänzt. Dazu gehören etwa
die Aussage des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin, er wisse
genau, wo sich das Original-Bernsteinzimmer befinde, oder einige Pirouetten der beiden ehemaligen Kulturstaatsminister Naumann
und Nida-Rümelin, oder die Feststellung des früheren russischen Kulturministers
"keine Kompensation" für die Rückführung der Kunstschätze nach Deutschland,
oder der Direktorin des Puschkinmuseums Antonova, wenn das Bernsteinzimmer
wieder in Russland steht kommt auch der Schliemann-Schatz nach Deutschland,
oder der amtierende russische Kulturminister Schwidtkoy, dem das russische
Beutekunstgesetz nicht gefällt, bis zu Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).
Dieser hatte 1997 nach seinem Besuch in Moskau bei Präsident Jelzin die
Überzeugung geäußert, daß das Problem der Beutekunst noch im gleichen
Jahr gelöst werden würde.
Solche Fehleinschätzungen lassen befürchten, dass die Beutekunst
Deutsche und Russen noch länger beschäftigen wird. Um so erstaunlicher,
dass der wissenschaftliche "Einzelkämpfer" Bruhn keine Hilfe für seine
Weiterarbeit haben soll. Bruhn hat diese Bibliographie in mühsamer Eigeninitiative
geschaffen. Es wäre wünschenswert, dass künftige Aktualisierungen des
wichtigen Werks mit fast 7000 Literaturhinweisen und vielen nützlichen
Registern sichergestellt werden könnten - etwa durch öffentliche Hilfen
in Form einer wissenschaftlichen Hilfskraft. Was machen denn eigentlich
die Wissenschaftler oder die Journalisten, wenn sie diese unersetzliche
Quellensammlung künftig nicht einmal im Internet mehr haben? Gibt es niemanden,
der einen halben wissenschaftlichen Hilfsarbeiter zur Verfügung stellen
kann? Man braucht nur zu schauen, wen und was die eigentlich zuständigen
Stellen alles machen oder unterstützen und was dabei nicht herauskommt.
Vielleicht liegt es ja auch nur an der neudeutschen "interamtlichen Kommunikationsdisparität"
dieser Behörden. Ein Besuch im Berliner Gripstheater könnte zur Zeit
hilfreich sein. Vielleicht liegt es nur an einem Telefon ohne Gebrauchsanweisung.
Möglicherweise aber am mangelnden Unterscheidungsvermögen, was wichtig
ist in Kultur, Wissenschaft und Politik.
Jetzt haben wir jedoch jeden Grund zur Freude, dass dieses stattliche
Werk mit fast 7000 Literaturhinweisen und vielen nützlichen Registern
für den anspruchsvollen Leser da ist.
(Der
Rezensent war früher Koordinator des Bundes für die Rückführung kriegsbedingt
verlagerter Kulturgüter)
Peter Bruhn: Beutekunst. Bibliographie Verlag Otto Sagner,
München Band 1: 1990-1999, 494 Seiten; Band 2: 2000-2003; 294
S.
Euro 62,-- (ISBN 3-87690-835-3 (Bände 1 und 2))
[Rezension
über:] Peter Bruhn: Bibliographie des internationalen Schrifttums über
das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände).
- 4., völlig neu bearb. Aufl. mit umfangreichem Registerteil. - 2 Bde.
- München: Verlag Otto Sagner, 2003. - 494, 294 S. 4° - (Staatsbibliothek
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz: Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung
; Bd. 30). - ISBN 3-87690-853-3
Ersch. in: Arbeitsgemeinschaft der Bibliotheken und Dokumentationsstellen
der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung (ABDOS) / Mitteilungen. Jg.23.2003,
Nr.1/2, S.35-36.
Die
ersten drei Auflagen dieser Bibliographie sind in den Jahren 1999 bis 2000
in schneller Folge im Selbstverlag der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz erschienen. Das Problem des in der
Folge des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland in die UdSSR verlagerten
Museums-, Bibliotheks- und Archivguts konnte bislang nicht gelöst werden,
es ist - worauf Walter Andreesen in seiner Vorbemerkung als Herausgeber
der Schriftenreihe hinweist - nur Teil eines größeren Problems.
Die Stärke der von Peter Bruhn in der gewohnten bibliographischen Qualität
vorgelegten Bibliographie liegt gerade in der thematischen Konzentration.
6465 Titel zum Thema, überwiegend Zeitungsartikel, aber auch Parlamentsprotokolle
und selbstverständlich die fachliche Auseinandersetzung in Monographien
und Aufsätzen in allen Sprachen, hat Bruhn erfasst, großenteils annotiert,
die Slavica zudem übersetzt. Das lesenswerte Vorwort (S.6-11) soll hier
nicht wiederholt werden.
Der
erste Band erfasst in chronologischer Ordnung nach den Erscheinungsjahren
4747 Titel aus den Jahren 1990 bis 1999, bei denen - so Bruhn mit
Recht - Ergänzungen kaum noch zu erwarten sind. Der zweite Band
dokumentiert die Titel der Erscheinungsjahre 2000-2002 und enthält dazu
eine knappe chronologische Übersicht der wichtigsten Entwicklungen (S.182-183)
und die bewährten und neue Register der "Beutekunst-Arten", der Schadensorte
und Verbringungsorte, der Schwerpunkt-Themen, ein Register der außerhalb
Deutschlands erschienenen Titel nach den Erscheinungsländern von Aserbeidschan
bis Weißrussland, nach den Sprachen, in denen die Titel publiziert wurden,
eines der ausgewerteten Periodika und zwei Personenregister, neben einem
Gesamtregister, das die russischen Namen in Transliteration verzeichnet,
in kyrillischer Schrift ein eigenes Register der russischen Personennamen
aus den verzeichneten russischsprachigen Texten. Mit den erweiterten Registern
wird diese in jeder Hinsicht vorbildliche Bibliographie noch mehr Nutzen
bringen. -
K.
[Rezension über] Peter Bruhn: Beutekunst : Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes (Museums-, Archiv und Bibliotheksbestände)
Band 1: 1990-1999; Band 2: 20002002, Register. 4., völlig neu bearb. Aufl.
mit umfangreichem Registerteil. München: Sagner, 2003. - 494 S.; 294 S.
ISBN 3-87690-835-3
Ersch. in: ProLibris, 2003, Heft 3
Wenn
eine Bibliographie zwischen 1997 und 2003 vier Auflagen1
erfährt, und sich neben Ergänzungen durch bibliographische Verfeinerungen
und gesteigerte professionelle Leistung auszeichnet, bei gleichbleibender
Akribie und Zuverlässigkeit, so hat der Rezensent es immer schwerer, die
Arbeit des Bibliographen angemessen zu würdigen, zumal dahinter jahrzehntelange
Leistung und Erfahrung stehen.2
Außer der Bibliographie enthalten die zwei Bände eine Vorbemerkung
des Herausgebers, Aus dem Vorwort zur 1. Auflage (S. 4ff.), Vorwort zur
4. Auflage (S. 6ff.), Benutzungshinweise (S. 12) und Register (II, S. 186f.)
Es sind diese neun Register, sieben davon zweispaltig, zwei davon dreispaltig
angeordnet, auf die der Rezensent besonders aufmerksam machen will, um
ihre Nützlichkeit und die damit verbundene aufgewendete Arbeit und Mühe
hervorzuheben und zu würdigen.
Die neun Register umfassen 105 Seiten; zweispaltig sind die Register
der Hochschulschriften zur Beutekunst-Thematik (S. 186), der Beutekunst
Arten (S. 186 ff.), der Schadensorte und Verbringungsorte (S. 190ff.),
der Schwerpunkt Themen (mit zahlreichen Unterteilungen; S. 203f), 'der
fremdsprachigen Publikationen (S. 212ff.), der ausländischen Publikationen
(S. 215ff.), der Periodika (S. 220ff.), dreispaltig die beiden Personenregister
(S. 245ff. lat.; S. 282ff. kyrillisch). Beachtet man dabei, dass die ausgewerteten
ausländischen Publikationen aus 26 Ländern stammen und die fremdsprachigen
Publikationen in neun Sprachen geschrieben sind, so dürften diese Zahlen
und Angaben über die Register allein hinlänglich aussagekräftig sein
für die geleistete Arbeit.
Die Bibliographie weist 6465 Nummern nach, hinter denen durch Exponenten
eine höhere Titelzahl steht. Stichproben aus den Registern förderten
zum wiederholten Mal die Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Bibliographen
zu Tage.
Das hinter dieser Bibliographie stehende Problem ist gegenwärtig das
einzige, das zwischen Deutschland und Rußland steht. Wenn die Politiker
und Juristen bei seiner Lösung den gleichen Erfolg haben wie der Bibliograph
Peter Bruhn mit seiner Arbeit, dann wäre es aus der Welt geschafft. An
einem solch guten Ausgang hätte dann wohl auch der Bibliograph seinen
nicht ungewichtigen Anteil. Angesichts seiner vielfältigen kontinuierlichen
bibliographischen Leistung soll diese Rezension nicht nur mit einem Dank
schließen, der selbstverständlich unüberhörbar und nachhaltig genannt
sei, sondern mit dem Vorschlag, Peter Bruhn eine angemessene Ehrung zuteil
werden zu lassen, erkennbar für die Fachzunft und die Öffentlichkeit.
Horst
Röhling, Witten
1
ABDOS Mitteilungen 17,2, 1997, 5.16; 19,2-3, 1999; S. 16; 20,3, 2000, S.
18f.; siehe auch Band 1, S. 9, Fußnote 3.
2 Mitteilungsblatt 18. 1968, S.234;29. 1979, 5.422; 31. 1981, 5.356;
32. 1982, S. 198f.; ZfBB 23. 1976,S,318„
24. 1977, S. 141 f; 27. 1980,
S. 66ff.
[Rezension
über] BRUHN, PETER: Beutekunst : Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes ; (Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände)
/ Peter Bruhn. [Hrsg.: Walter Andreesen). – Gedr. als Typoskript. –
München: Sagner, 2003. – 29 cm
(Literaturnachweise zu aktuellen Russland-Themen ; 4) (Veröffentlichungen
der Osteuropaabteilung / Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
; Bd. 30) Parallelsacht.: Trofejnoe iskusstvo ISBN 3-87690-835-3 kart.
: EUR 62.00
Bd. 1. 1990 – 1999. – 4., völlig neu bearb. Aufl. mit umfangreichem
Reg.-Teil. – 494 S. Bd. 2. 2000 – 2002 : Register. – 4., völlig
neu bearb. Aufl. mit umfangreichem Reg.-Teil. – 294 S.
Ersch. in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie,
Jg.51.2004, 1, S.52-54
Um
es vorwegzunehmen: Die vorliegende Bibliografie mit einem Umfang von nunmehr
bereits 6.465 Einträgen kann eigentlich nur mit Superlativen im positiven
Sinne bedacht werden.
Dass das Thema »Beutekunst« nicht an Aktualität und Bedeutung verloren
hat, belegt schon allein der Umfang der Bibliografie, der bereits auf zwei
Bände angewachsen ist.
Die Tatsache, dass sich die Verhandlungen über die Rückführung der
kriegsbedingt während und nach dem Zweiten Weltkrieg auf das Gebiet der
ehemaligen Sowjetunion verlagerten Kulturgüter nunmehr bereits über zehn
Jahre ohne nennenswerte Ergebnisse hinziehen, die gesamte Entwicklung dieses
Prozesses mit allen ihren Höhen und Tiefen, vor allem der Widerhall in
der Öffentlichkeit der Bundesrepublik und der Russischen Föderation,
ist in dieser zweibändigen Bibliografie akribisch verzeichnet.
Die Beweggründe von Peter Bruhn, sich zunächst im Alleingang der
Zusammenstellung einer solchen Spezial-Bibliografie zu widmen, sind in
seinem Vorwort zur 4. Auflage einfühlsam erläutert. Er berichtet vom
Abtransport der etwa 100.000 Bände umfassenden Bibliothek der Fürsten
zu Stolberg-Wernigerode aus dem historischen Bibliotheksgebäude seiner
Heimatstadt durch sowjetische Besatzungstruppen. Häufig sind es die ganz
persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen, die den Anstoß geben, sich zu
engagieren. Dem Autor dieser Rezension sind beim Lesen dieser Zeilen im
Vorwort von Peter Bruhn sofort die vielen Bände mit den Stempeln eben
dieser Bibliothek eingefallen, die er in den unterschiedlichsten Sammlungen
von »Beutebüchern« in russischen Bibliotheken in den unterschiedlichsten
Teilen Russlands bei Recherchen zu Gesicht bekam. Die Sammlung ist offensichtlich
in alle Teile Russlands und der ehemaligen Sowjetrepubliken verstreut worden,
leider sind dem Autor auch sehr viele bereits stark geschädigte Bände
in die Hände gefallen, die jahrelang unzulänglich gelagert wurden. In
gewisser Weise dokumentiert dies die gesamte Tragik des Themas, das bis
heute nichts an Brisanz verloren hat.
Neue
Aspekte
Der
Autor hat bereits die 2. Auflage der vorliegenden Bibliografie rezensiert,
daher kann er sich in dieser Besprechung auf neue verbesserte Aspekte konzentrieren.
Auf die Wahl des Titels der Bibliografie, nämlich »Beutekunst«,
geht Peter Bruhn im Vorwort sachkundig ein. Der mittlerweile auf beiden
Seiten umgangssprachlich eingebürgerte Begriff, der jedoch nicht unproblematisch
ist, wird durch den Untertitel »Bibliographie des internationalen Schrifttums
über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes« geklärt. Andererseits sind Bibliografien, wie
Peter Bruhn treffend anmerkt, im buchhändlerischen Sinne keine Bestseller,
der Begriff »Beutekunst« ist aber immer noch ein Reizwort bzw. -thema;
insofern ist wohl die Entscheidung für eine zweibändige Druckausgabe,
deren Interessenten sicher weit über einschlägige Spezialistenkreise
hinausgehen, nicht unklug gewählt.
Es steht außer Frage, dass die vorliegende Bibliografie mit diesem
Thema nach Umfang und Qualität ohne Konkurrenz in Deutschland, Russland
und mit Sicherheit auch in Europa ist. Die Bibliografie beweist die Qualitäten
von Peter Bruhn als Bibliograf, als sachkundiger Slawist und als Bibliothekar
auf überzeugende Weise.
Besondere
Verdienste
Auf
den Umfang der Veröffentlichung wurde bereits verwiesen, die Zahl der
Einträge spricht für sich! Auch wenn Peter Bruhn bescheiden darauf verweist,
dass die Bibliografie ungeachtet dieses Umfangs keinerlei Anspruch auf
Vollständigkeit erhebt, sollte man bei realistischer Betrachtung zu dem
Schluss gelangen, dass das vorgelegte Ergebnis wohl das Optimum von Aufwand
und Ergebnis darstellt. Dies gilt in gleichem Maße auch für die Tiefe
der Erschließung der bibliografischen Angaben. Sie ist schlicht bemerkenswert,
die Zahl der ausgewerteten und zitierten Regionalzeitschriften bzw. -zeitungen,
besonders der russischen, verlangt Respekt ab, insbesondere wenn man die
Möglichkeiten des Bibliografen, die er selbst eingehend schildert, in
Betracht zieht. Der Ausbau von Quantität und Qualität von Inhaltsangaben,
Annotationen, auch Zitaten zu den rein bibliografischen Daten ist im Vergleich
zu den vorangegangenen Auflagen weiter gestiegen, was den Überblick über
Inhalte, besonders russischer Quellen, sehr verbessert. Die Bandbreite
des angezeigten Materials ist mit Abstand das vollständigste, was es auf
dem Gebiet derzeit gibt.
Die chronologische Ordnung des Materials ist beibehalten worden, auch
die bewährte Strukturierung nach Monografien, Zeitschriftenbeiträgen
und Zeitungsartikeln wurde beibehalten. Dem aufmerksamen Leser der Bibliografie
bleibt auf diese Weise nicht verborgen, dass im Jahre 1997 die meisten
Beiträge verzeichnet sind (1.126), in jenem Jahr, als Bundeskanzler Kohl
die Erwartung äußerte, dass das Problem der Beutekunst noch bis Ende
des Jahres zu lösen sei – Peter Bruhn kommentiert dies in seinem Vorwort
mit der Bemerkung, dass dies »an der Realität völlig vorbeiging«. Im
Jahr 2000 ist noch einmal eine hohe Zahl von Beiträgen (841) aufgelistet,
in jenem Jahr, als die Auseinandersetzungen um das russische »Beutekunstgesetz«
ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Stellungnahme des Russischen Verfassungsgerichts
erreichten, danach sinkt die Zahl der zitierten bibliografischen Quellen,
was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass dieses zwischen der Russischen
Föderation und der Bundesrepublik nach wie vor ungelöste Konfliktthema
weiter eine Belastung der Kulturbeziehungen beider Staaten darstellen wird.
Was an der vorliegenden »4., völlig neu bearbeiteten Auflage mit
umfangreichem Registerteil« besonders hervorzuheben ist, sind eben diese
Register. Wenn auch Peter Bruhn anmerkt, dass aus seiner Sicht »das komplette
Erstellen eines brauchbaren detaillierten Sachregisters für diese Bibliographie«,
angesichts der Komplexität des Themas, »kaum vorstellbar« ist, so hat
aus Sicht des Rezensenten gerade dieser Teil das Optimum im Verhältnis
von Aufwand und Machbarkeit erreicht. Der Registerteil ordnet nach »Hochschulschriften
zur Beutekunst- Thematik«, »Beutekunstarten« (Archivgut / Grafik, Gemälde
/ Bibliotheksgut/ Museumsgut), es gibt einen alphabetischen Index der Schadensorte
und Verbringungsorte (ein in seiner Nützlichkeit für nach Sammlungen
Suchende kaum zu überschätzender Registerteil), weiterhin gibt es ein
Register der Schwerpunktthemen, welches mit großer Sachkunde zusammengestellt
wurde. Ein Register fremdsprachiger Publikationen, ein Register ausländischer
Publikationen, ein Periodika- und Personenregister und sogar ein in russischer
Sprache angelegtes Namensregister. Mit Hilfe dieser Register wird der Zugang
selbst für wenig sachkundige Interessenten an der Thematik erleichtert.
Nochmals lobend hervorgehoben werden soll die von Peter Bruhn vorgenommene
jeweils dreimalige Wiedergabe russischer Sachtitel in Kyrilliza, in Lateinschrift-Transliteration
und deutscher Übersetzung. Dies erleichtert, ebenso wie die Auflistung
der in den russischen Nachweisen vorkommenden russischen Personennamen
in dem eigenen, in russischer Schrift gehaltenen Register, die Nutzung
für ausländische, besonders russische, Benutzer der Bibliografie, zumal
es in Russland nach wie vor keine vergleichbare Publikation gibt.
Ansichtssache
Der
Herausgeber der Schriftenreihe der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek
zu Berlin, in der die Bibliografie erschienen ist, Walter Andreesen, schreibt
in seiner Vorbemerkung zur 4. Auflage der vorliegenden Bibliografie: »Was
beim Rückgabeverlangen auf deutscher Seite nach Einschätzung des Unterzeichneten
wohl mehr hätte beachtet werden können, war die noch lebendige Erinnerung
der russischen Öffentlichkeit an die Barbarei, mit der ihrem Land Millionen
Menschenopfer und auch der unwiederbringliche Verlust von Kulturgütern
zugefügt wurde. Dies ist dort noch nicht vergessen. Hier mag es an Sensibilität
auf unserer Seite gefehlt haben. Dieses nach 1945 in die damalige Sowjetunion
verbrachte Schrifttum hat auch Symbolcharakter als letztes Pfand für die,
die zwar letztlich siegten, aber doch mehr erleiden mußten als die Besiegten.
Sehen wir auch das verlorene Schrifttum in Relation zu den Verlusten der
Lebensbereiche von Millionen Menschen und der Veränderung der Landkarte
Europa, dann bekommt die ›Beutekunst‹ auch die richtige Dimension,
und wir erliegen nicht der Verengung eines einseitigen Besitzdenkens.«
Diese Ansicht kann der Rezensent nicht ganz teilen. Bereits vor über
10 Jahren, als sich beide Seiten vorsichtig an die Problematik herantasteten,
ist die deutsche Seite immer sehr sensibel bei der Verhandlungsführung
mit diesem Thema umgegangen, es hat nicht an Kompromissbereitschaft gefehlt,
die russische Seite ist auch nicht zur Unterzeichnung völkerrechtsverbindlicher
Verträge gedrängt oder gezwungen worden. Es ist auch nicht nachvollziehbar,
was ein symbolträchtiges »Pfand« nützt, wenn es zu Teilen nicht benötigt
wird oder verrottet. Es ist auch genauso wenig nachvollziehbar, wie eine
Gutenberg-Bibel als Kompensation für eine Nowgoroder Ikone angesehen werden
kann. Was nutzen z. B. regional-historische Schriften aus Hanse-Archiven
in entlegenen sibirischen Bibliotheken? Wer sucht sie dort, welcher russische
Wissenschaftler benötigt sie?
Bei den Verhandlungen auf der Fachebene unterhalb der Regierungskommissionen
standen solche emotionalen Fragen nie zur Debatte. Sie waren stets von
großer Sachlichkeit (zumindest im Bibliotheksbereich) und gegenseitigem
Verständnis getragen.
In diesem Zusammenhang muss immer wieder bedauert werden, dass bisher
fast ausschließlich ausländische Autoren bemüht waren, Licht in die
Ereignisse um die Trophäenkommissionen der Roten Armee zu bringen, der
Zugang zu den notwendigen historischen Unterlagen in russischen Archiven
ist heute wieder schwieriger als vor einigen Jahren – auch für russische
Wissenschaftler. Das Thema Beutekunst muss 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg
sachlich wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Bisher ist das Interesse
von russischer Seite zur Aufarbeitung dieses Teils der Geschichte nur rudimentär
erkennbar. Leider hat auch die deutsche Seite aus der Sicht des Rezensenten
zu wenig unternommen, um in der russischen Öffentlichkeit über die Vorgehensweise
der »Trophäenkommissionen der Roten Armee« zu informieren. Es geht hier
um historische Fakten und nicht um propagandistisch gefärbte »Überlieferungen«
aus der Sowjetzeit.
Die vorliegende Bibliografie ist ebenfalls nicht in Russland erstellt
worden, sondern auf der Grundlage der Initiative und des Engagements des
Bibliothekars Peter Bruhn dessen Leistung an dieser Stelle nicht hoch genug
eingeschätzt werden kann. Gerade in Bezug auf Sachlichkeit, Wissenschaftlichkeit
und die notwendige Distanz kann man ihm keinesfalls Einseitigkeit vorwerfen.
Ganz im Gegenteil: Die vorliegende Bibliografie ist in dem oben ausgeführten
Sinne ein wertvolles Informationsmittel für beide Seiten, besonders da
sie alle Facetten der nun schon über ein Jahrzehnt andauernden öffentlichen
Auseinandersetzung widerspiegelt.
Verdienst
des Autors
Wenn
Peter Bruhn bescheiden davon spricht, dass er mit der 4. Auflage der Bibliografie
ein »nunmehr konsolidiertes Werk« vorlegt, so kann man dies getrost als
Untertreibung werten. Man vergegenwärtige sich nur einmal, dass der Bibliograf
»zur Minderung der Herstellungskosten selber für alle Einzelheiten der
Anordnung und Typographie des Textes nebst Seitengestaltung einschließlich
eines vernünftigen Umbruchs gesorgt hat und das Werk auf diese Weise schließlich
in Form einer ganz und gar druckfertigen Vorlage ablieferte«!
Es handelt sich im Hinblick auf Aufwand und Ergebnis, wie schon mehrfach
betont, um eine erstklassige, einzigartige Bibliografie, die wohl in Zukunft
qualitativ kaum noch zu übertreffen sein wird und mit der Peter Bruhn
einen wertvollen Beitrag für die Wissenschaft abgeliefert hat.
Ingo
Kolasa
[Rezension
über] Peter Bruhn. Beutekunst. Bibliographie des internationalen Schrifttums
über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland
erbeuteten Kulturgutes. 2 Bände (Bd 1: 1990-1999, Bd 2: 2000-2002).
4., völlig neu bearbeitete Auflage mit umfangreichem Registerteil. München:
Verlag Otto Sagner 2003. 494
S. (Bd 1), 294 S. (Bd 2) Euro 62,-
In:
Osteuropa – Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens. –
2004, 7, S.103-106
Hoffnung,
Ernüchterung und Geduld – diese drei Begriffe finden
sich einige Male in der von Peter Bruhn sehr sorgfältig zusammengestellten
Bibliographie zum Beutekunst-Schrifttum im Zeitraum von Februar 1990 bis
August 2002. Hoffnung, Ernüchterung und Geduld charakterisieren auch zutreffend
den Umgang mit der Beutekunst-Thematik seit nunmehr über zehn Jahren.
Daß
es sich dabei um ein hochkomplexes Areal handelt, wird nicht zuletzt dadurch
deutlich, dass sich historische, rechtliche, politische und moralische
Aspekte begegnen. In diesem problematischem Feld eine Übersicht und Orientierung
für den Interessenten zu schaffen, ist eine schwierige Aufgabe -
dies um so mehr, als es in der jahrelangen Auseinandersetzung in dieser
brisanten, historisch und politisch hochsensiblen Thematik nicht zuletzt
auch diverse Interessen gibt, die miteinander kollidieren.
Eine
besondere Form der Orientierung schafft die nunmehr in der vierten Auflage
zweibändig vorliegende Bibliographie "Beutekunst" des Osteuropa-Bibliographen
und Slavisten Peter Bruhn. "Beutekunst" ist ein Werk, das in seiner Form
nicht nur einzigartig, sondern – gerade vor dem Hintergrund oftmals emotional
geführter Diskussionen – auch angenehm neutral, objektiv und zugleich
hochinformativ ist.
Dank
der umfangreichen weiterführenden Anmerkungen stellt der Band die zahlreichen
Höhen und Tiefen der nationalen und internationalen Beutekunst-Ereignisse
von 1990 bis 2002 dar. Daß dabei terminologische Ungenauigkeiten und Fehler
bereits in den Primärquellen vorkommen wie etwa im Fall der im April 2001
avisierten Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt
entzogener Kulturgüter, die unzutreffenderweise unter Beutekunst-Kommission
firmiert (s. Bd. 2, Nr. 5879), dokumentiert nicht nur die Authentizität
der Bibliographie, sondern wirft zudem ein bezeichnendes Licht auf die
bereits terminologisch nicht ohne Schwierigkeiten geführte Diskussion.
Die
in "Beutekunst" auf insgesamt ca. 800 Seiten über 6400 verzeichneten Titel
des nationalen und internationalen Schrifttums werden durch teilweise ausführliche
Textauszüge bzw. Übersetzungen und Anmerkungen zu den Primärquellen
ergänzt und vermitteln dem Leser damit ein noch plastischeres Bild der
jeweiligen Publikation. Zum Vergleich: Die erste Auflage dokumentierte
1997 bereits 1153 Titel auf 146 Seiten, die zweite Auflage 1999 schon 2851
Titel auf 247 Seiten und die dritte Auflage (2000) 4037 Titel auf 366 Seiten.
Allein diese Zahlen illustrieren das im Lauf der Jahre stetig gewachsene
Interesse des In- und Auslands an der Beschäftigung mit der Beutekunst-Thematik,
sei es nun in Form einer Monographie, eines Zeitungs- oder eines Zeitschriftenartikels.
Bei
den aufgelisteten Titeln machen
zwar die deutschen Publikationen den größten Teil aus, dass sich aber
auch Nennungen aus Russland, den USA, Frankreich, Österreich, Polen, China,
Moldawien und Belgien darunter finden, demonstriert unter anderem den globalen
Ansatz, den Bruhn mit seiner Bibliographie verfolgt und das Bemühen, die
Thematik möglichst umfassend dokumentarisch auszuleuchten.
In
diesem Zusammenhang wäre es natürlich illusorisch – und Bruhn bringt
auch in dem Vorwort zur vierten Auflage den hier beinahe ironisch klingenden
Hinweis an, dass das Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe -,
mit dem Gedanken eben dieser Vollständigkeit an das Werk heranzugehen.
Dies ist auch gar nicht notwendig. Denn Bruhn skizziert mit den Ereignissen
u.a. ausgehend von den deutsch-russischen Verhandlungen Anfang der neunziger
Jahre, den Ausstellungen deutscher Objekte in der Rußländischen Föderation
und den Rückführungen aus Georgien und Armenien in der zweiten Hälfte
des Jahrzehnts sowie den Entwicklungen zu Beginn dieses Millenniums bereits
nahezu lückenlos die Eckpfeiler der aktuellen Geschichte um die Beutekunst.
Denjenigen,
die an der Anziehungskraft einer derartigen Schrifttums-Sammlung zweifeln,
sei nur der Vortrag von Jan Philipp Reemtsma anlässlich der Hamburger
Provenienzforschungskonferenz von Februar 2002 ans Herz gelegt (in: Museen
im Zwielicht – die eigene Geschichte. Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle
für Kulturgutverluste, Bd. 2. Magdeburg 2002, S.447). Reemtsma gelingt
es auf sehr beeindruckende, spannende und originelle Weise allein durch
das Zitieren entsprechender Medien-headlines, die Entwicklung und die Diskussion
der Beutekunst- bzw. Raubkunst-Thematik darzulegen.
Bruhn
reagierte auf die Resonanz gegenüber den ersten drei Teilen im Hinblick
auf die Erschließung der Bände durch verschiedene Register u.a. zu Beutekunst-Arten,
Schadens- und Verbringungsorten, Schwerpunktthemen, fremdsprachigen bzw.
ausländischen Publikationen, Periodika und Personen (jeweils zentral in
Band 2) und machte die Arbeit mit dem Werk einfacher und benutzerfreundlicher.
Und
diese Arbeit sollte nicht nur den Bibliothekaren vorbehalten bleiben: Angesichts
personeller Veränderungen in den Reihen derjenigen, die die Beutekunst-Thematik
über die Jahre hinweg begleiten, und der Tendenz, aufgrund der Flüchtigkeit
dieses Medienzeitalters den jeweils aktuellen Ereignissen die größte
Aufmerksamkeit zu schenken, bewahrt "Beutekunst" nicht nur die
Basis in Form neutraler Dokumentation – bis zu einem gewissen Grad dienen
die Bände darüber hinaus auch als Indikator für die realistische Einschätzung
der aktuellen Lösungsansätze vor dem Hintergrund der bisherigen vielfältigen
Ideen und Maßnahmen und im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung.
Auch
aus diesem Grund ist der Wunsch von Ingo Kolasa in dessen Rezension zur
2. Auflage (in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 2000,
S.348f.), dieses Werk kontinuierlich fortzuschreiben, aktueller denn je.
Und weiter überlegt: In "Beutekunst" werden Randgebiete wie etwa die Schnittmenge
zwischen zunächst NS-verfolgungsbedingt entzogenen und anschließend kriegsbedingt
verbrachten Kulturgütern, also der Raubkunst und der Beutekunst, gestreift
(siehe etwa Band 1, Nr. 2603, 3308, 4013ff.), aber dann auch konsequenterweise
wieder ausgeblendet. Sinnvoll wäre es, ein zu "Beutekunst" analoges Werk
für Raubkunst zu entwickeln – allerdings stellen sich wie so häufig
hier die Fragen: Wie kann so etwas konkret aussehen? Wer übernimmt eine
solche Aufgabe? Wer finanziert sie?
Peter
Bruhn empfiehlt sich mit der neuen Auflage seines Werkes nicht nur als
ein hoch engagierter und unermüdlicher Wissensmanager par excellence.
"Beutekunst" ist in Idee und Ausführung allein auf ihn zurückzuführen
– eine Leistung, die höchstes Lob verdient und die das Lebenswerk des
mittlerweile Siebenundsiebzigjährigen, der vor zwölf Jahren aus dem aktiven
Arbeitsleben ausschied, um einen weiteren wichtigen Eckpfeiler ergänzt.
Peter Bruhn ist zudem einer der wichtigsten und – durch die unaufdringliche
und unspektakuläre, aber zugleich fundierte Art seines Werks – überzeugendsten
Chronisten der Beutekunst-Diskussion des alten und des neuen Millenniums.
(Buchrezension
über) Peter Bruhn, Beutekunst
In:
Wostok – Informationen aus dem Osten für den Westen. – Berlin,
2004, 3, S.81
In
vierter völlig überarbeiteter Neuauflage hat der mittlerweile 77jährige
Slawist Peter Bruhn seine umfassende Bibliographie des internationalen
Schrifttums über das Schicksal des im zweiten Weltkrieg von der Roten
Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes herausgegeben. Die beiden Bände
decken den Zeitraum 1990 bis 1999 und 2000 bis August 2002 ab und sind
dankenswerterweise mit einem unfangreichen weiterführenden Anmerkungsteil
versehen. Aufgenommen sind bereits mehr als 6400 Publikationen und Beiträge,
deren größter Teil deutsche Titel sind, aber es finden sich unter anderem
auch Titel aus Österreich, Russland, Frankreich, den USA, Polen und selbst
aus China. Als große Handreichung für den Interessierten gibt es zu einer
ganzen Reihe der Nennungen Textauszüge und Anmerkungen zu den Primärquellen.
(bw) Verlag Otto Sagner, 494 S. (Bd.1), 294 S. (Bd.2), 62,00 Euro
Deutschland:
BIBLIOGRAPHIEN: Erbeutetes deutsches Kulturgut in Rußland
In:
Informationsmittel (IFB) : digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und
Wissenschaft; http://www.bsz-bw.de/ifb ; 04-1-039
Beutekunst
: Bibliographie des internationalen Schrifttums über das Schicksal des
im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes
(Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände) = Trofejnoe iskusstvo = Trophy
art / Peter Bruhn. [Hrsg.: Walter Andreesen]. - 4., völlig neu bearb.
Aufl. mit umfangreichem Registerteil. Gedr. als Typoskript. - München
: Sagner. - 28 cm. - (Literaturnachweise zu aktuellen Rußland-Themen ;
4) (Veröffentlichungen der Osteuropaabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin
- Preußischer Kulturbesitz ; 30). - ISBN 3-87690-835-3 : EUR 62.00
[7504]
Bd.
1. 1990 - 1999. - 2003. - 494 S.
Bd.
2. 2000
- 2002, Register. - 2003. - 294 S.
Das
Thema "Beutekunst" beschäftigt nicht nur die beiden Nationen, die direkt
von dem "im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten
Kulturgut" betroffen sind, sondern findet zunehmend auch Interesse in Zeitschriften
und der Presse in Ländern außerhalb Deutschlands und Rußlands, ohne
daß ein Ende der Literaturflut abzusehen ist. Glücklicherweise haben
wir in Peter Bruhn einen Lotsen durch diese Flut, hat er doch bereits in
drei in kurzem Abstand erschienenen Bibliographien dieses Thema mit ständig
vermehrter Titelzahl für alle Interessierten gesichtet.1 Die neueste,
4. Aufl., die jetzt ohne die Anführungszeichen um die Beutekunst in einem
Verlag erscheint, zeugt eindrucksvoll von der Vermehrung der Literatur,
wobei der Bibliograph auch noch zahlreiche Titel für die früheren Erscheinungsjahre
seiner chronologisch geordneten Bibliographie nachgetragen hat. Verzeichnete
die 3. Aufl. für die Berichtszeit 1990 - 1999 3507 Nummern, so sind es
jetzt für denselben Zeitraum nicht weniger als 4747, was einem Zuwachs
um gut ein Drittel entspricht. Auf die Berichtszeit 2000 - 2002 entfallen
weitere 1728 Titel. Die Anlage hat sich nicht geändert: innerhalb eines
Berichtsjahrs sind die Titel in drei Rubriken verzeichnet: 1. Monographien
(Verfasseralphabet); 2. Zeitschriftenaufsätze (Alphabet der Zeitschriftentitel);
3. Zeitungsartikel (chronologisch). Die Titelaufnahmen sind exakt mit allen
wünschbaren Angaben versehen (bei denen ohne Autopsie mit zwangsweisen
Abstrichen), russische Titel in kyrillischen Lettern mit hinzugefügter
Transliteration. Von besonderem Wert sind die z.T. umfänglichen Annotationen,
Inhaltsangaben und Zitate, die - nicht nur bei russischen Titeln - ggf.
das Lesen des Originals ersparen helfen.
Das
Auffälligste an der 4. Aufl. ist - von der Vermehrung der Titel abgesehen
- die Beigabe zahlreicher formaler und sachlicher Register, die zu dem
Personenregister der 3. Aufl. hinzukommen und die die Benutzung dieser
Bibliographie wesentlich erleichtern, auch wenn nicht alle von gleichem
Nutzen sind (so die Register 1, 5 und 6): 1. Hochschulschriften; 2. Beutekunst-Arten;
3. Schadens- und Verbringungsorte; 4. Schwerpunkt-Themen (von Trophäenkommissionen
über Beutekunst-Tagungen bis zu Koordinierungsstelle und Internet2); 5.
Fremdsprachige Publikationen; 6. Ausländische Publikationen; 7. Periodika;
8. Personen; 9. Russische Personen in kyrillischer Schrift.
Man
kann mit Sicherheit davon ausgehen, daß uns in Anbetracht der nicht endenden
Publikationsflut der "bibliographische Ruheständler" Bruhn bald wieder
in einem erweiterten und fortgeschriebenen Bd. 2 seine Dienste als Lotse
anbieten wird.
Klaus
Schreiber
1
1. Aufl. 1997 (146 S.). - Rez.: IFB 97-3/4-288. - 2. Aufl. 1999 (247 S.).
- Rez.: IFB 99-1/4-060. - 3. Aufl. 2000 (366 S.). - Rez.: IFB 00-1/4-061.
2
Das Internet spielt inzwischen eine ganz wichtige Rolle bei der Thematik
Beute- bzw. Raubkunst. Speziell zur russischen Beutekunst vgl. neuerdings:
Neue russische Homepage zu verlagerten Kulturgütern / Olaf Hamann. //
In: Bibliotheksdienst. - 37 (2003),7, S. 869 - 875. - Internetadressen
und eine Auswahlbibliographie zum Thema allgemein in: Kunstchronik. - 56
(2003),6, S. 297 - 298 im Rahmen eines thematischen Blocks (S. 294 - 317)
mit fünf Beiträgen speziell zu den "Beute/Raubkunst-Beziehungen" zwischen
Polen und Deutschland.
01.08.2004