PERSONALIA / RUHESTAND
In:
FU-INFO.
Das Magazin der Freien Universität Berlin.
Berlin: Nr.1 vom 31.01.1992, S.22

Am 1. Oktober 1991 ist Herr Peter Bruhn, Leiter der Gemeinsamen Bibliothek des Osteuropa-Instituts und Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationszentrums für das Schrifttum aus und über Rußland/UdSSR desselben Instituts, in den Ruhestand getreten. Mit ihm verließ ein weiterer Repräsentant der alten Bibliotheksgarde die FU, nachdem 1991 bereits der ehemalige Leiter der UB, Prof. Liebich, aus dem aktiven Dienst der FU ausgeschieden war.

Herr Bruhn wurde am 3. September 1926 in Wernigerode/Harz geboren. Er studierte von 1947 bis 1951 an der Martin-Luther-Universität Halle Slavistik, Anglistik und Bibliothekswissenschaft, um dann an derselben Universität 1951/52 als Lehrbeauftragter/Lektor für Russisch tätig zu sein. Im selben Jahr begann er seine Ausbildung als Referendar im Höheren Bibliotheksdienst, zuerst an der Öffentlich-wissenschaftlichen Bibliothek, dann an der Humboldt-Universität Berlin. Nach Teilnahme am Aufstand des 17. Juni verließ er die DDR und ging nach West-Berlin, wo er seine bibliothekarische Ausbildung im Jahr 1955 abschloß und im selben Jahr in den Dienst der UB der FU trat. Seit dem Jahre 1956 bis zum Ende seiner Dienstzeit hat er dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Redakteur des Gesamtverzeichnisses russischer und sowjetischer Periodika, Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationszentrums und Leiter der Gemeinsamen Bibliothek ununterbrochen am Osteuropa-Institut Dienst getan. In sein engeres Wirken für das Bibliothekssystem der Freien Universität fällt die streckenweise äußerst konfliktbeladene Durchsetzung der Integration von 14 Abteilungsbibliotheken zur gemeinsamen Institutsbibliothek mit 350.000 Bänden, die damit eine der größten Osteuropa-Sammlungen der Bundesrepublik besitzt. Ganz besonders am Herzen hat ihm die Schaffung eines benutzerfreundlichen Bibliographischen Lesesaals gelegen, dessen überregionale Bedeutung für die Osteuropa- und Sowjetunionforschung die intensive Nutzung durch auswärtige Wissenschaftler bezeugt. Dieser bibliographische Lesesaal stellt die Verbindung zu der anderen Präokkupation von Herrn Bruhn, nämlich zu Bibliographie und Dokumentation her. Denn er war nicht nur der Leiter des Dokumentationszentrums für das Schrifttum aus und über Rußland/UdSSR, sondern auch sein Gründer und nimmermüder Propagator. Diese Institution ist in ihrer Bedeutung und Wirksamkeit weit über die Bedürfnisse der Freien Universität hinausgewachsen und ist unterdessen als Online-Datenbank des deutschsprachigen Schrifttums über Rußland/UdSSR mit über 100.000 Literaturhinweisen einem internationalen Benutzerkreis zugänglich. Zugleich hat diese in der Bundesrepublik einzigartige Stelle bisher über ein Dutzend Bibliographien unter der Leitung von Herrn Bruhn herausgegeben. Sein bibliographisches magnum opus ist das vierbändige "Gesamtverzeichnis russischer und sowjetischer Periodika und Serienwerke in Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins", kurz "der Bruhn" genannt. Bis heute stellt es für jeden einschlägig tätigen Wissenschaftler und Bibliothekar ein unverzichtbares Arbeitsinstrument dar. Daß sich Herr Bruhn über die Belange seines engeren fachlichen Bereichs an der FU hinaus als bewußtes Mitglied dieser Universität fühlte, beweist sein nachdrückliches hochschulpolitisches Engagement zu Apo-Zeiten als Kuratoriumsmitglied in der Ära Kreibich. Wenn bei aller Diskussion um das Osteuropa-Institut dessen Bibliothek und Dokumentationszentrum unangefochten dastehen, so verdanken sie dies nicht zuletzt der langjährigen beharrlichen Tätigkeit von Peter Bruhn.

Dr. Plähn


Mail an Peter Bruhn

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