Ausgewählte Zitierungen des
Dokumentationszentrums...Rußland/UdSSR/GUS
Jg. 2006
[Rezension über] Peter Bruhn: Bibliographie Bernsteinzimmer.
Zweite, erweiterte Auflage. Berlin: Verlag Bock und Kübler 2004. 468 S. Euro 24,80
Ersch. in: Osteuropa. - 2006, 1, S.483
1904 beschrieb der schwedische Mathematiker Helge von Koch (1870-1924) zum ersten Mal ein Fraktal in Form einer Schneeflocke. Dabei handelt es sich um eine Figur, die sich in einem stetig kleiner werdenden Maßstab in sich selbst wiederholt und damit letztlich aus zahlreichen verkleinerten Formen ihrer selbst besteht.
An dieses Fraktal der Kochschen Schneeflocke wird erinnert, wer die 3815 nationalen und internationalen Eintragungen betrachtet, die Peter Bruhn für den Zeitraum von 1790 bis zum 28. Juni 2003 in seiner Bibliographie zum legendären Bernsteinzimmer dokumentiert, das Friedrich Wilhelm I. 1716 Peter dem Großen schenkte und das seit 1941 verschollen ist.
Mit diesem Buch ist Bruhn, der bereits mit seiner mittlerweile in vierter Auflage vorliegenden Bibliographie zur Beutekunst (München 2003; Rezension in: OSTEUROPA, 7/2004, S.103ff.) einen zentralen und bedeutenden Beitrag zur Transparenz des Themas der kriegsbedingt verbrachten Kulturgüter geleistet hat, allein mit den Mitteln der Dokumentation ein gelungener Einblick in den Mythos Bernsteinzimmer gelungen.
Bruhn führt den Leser dabei sicher über die einzelnen historischen und bibliographischen Eckdaten wie etwa eine der ersten Erwähnungen des Bernsteinzimmers im Schrifttum, dessen Verlust, die zahl-, aber auch zugleich bis heute erfolglosen Versuche der Wiederauffindung, das Auftauchen der Kommode und des Mosaiks mit deren Übergabe an Rußland und dessen Rekonstruktion in St. Petersburg.
Dabei konnte Bruhn den Umfang gegenüber der ersten Auflage von 1999 mit damals 915 Titeln mehr als vervierfachen. Dies zeigt das ungebrochene in- und ausländische Interesse am Thema sowie die hohe Akribie, mit der Bruhn nationale und internationale Quellen zu Medienberichten, Büchern und Filmen zusammengetragen hat. Daß Bruhn dabei auch Skurriles (Nr.0625: "Tote bewachen Bernsteinzimmer", Nr.1100: "Führt ein Weg ins Nichts zum goldenen Zimmer?") berücksichtigt, dient der Vollständigkeit der Bibliographie und belegt, worin sich die Legende Bernsteinzimmer begründet und über Jahrzehnte am Leben gehalten wird.
Zur Erschließung der Bibliographie dienen mehrere Register, von denen eines auch Eintragungen zu den Orten verzeichnet, an denen das verschollene Bernsteinzimmer vermutet wird. Hier erfährt der Leser auch von den eher unbekannten, möglichen Belegenheitsorten wie etwa Sibirien, dem Ural, den USA und den Fidschi-Inseln. Löst man sich von den knapp 4000 Einzeleintragungen, eröffnet die Bibliographie Bruhns dem Leser mit Hilfe dieser Register zugleich eine Metaebene etwa im Hinblick auf die Jahrzehnte übergreifenden Beinahe-Erfolge (Nr.0242: "Die DDR will das Bernstein-Zimmer der Zaren gefunden haben", Nr.0616: "Bernsteinzimmer angeblich entdeckt", Nr.2909: "Bernsteinzimmer fast gefunden") und Mißerfolge (Nr.0368: "Da unten ist nichts", Nr.0415: "War es nur eine Ente? Suche nach Bernsteinzimmer beendet", Nr.1710: "Statt Bernstein nur Bruchstein"). Gerade Eintragungen wie die letztgenannten verdeutlichen, daß sich vieles in den vergangenen Jahrzehnten auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer wiederholt hat.
Bruhns Verdienst ist, daß er mit diesem in hoher bibliographischer Qualität gefertigten Findmittel zum Mythos Bernsteinzimmer Ordnung und Systematik in die nahezu unüberschaubare Menge von Publikationen gebracht hat. Dabei richtet sich die Bibliographie an alle diejenigen, die sich beruflich oder privat mit dem Bernsteinzimmer und dessen Schicksal auseinandersetzen.
Bei der Kochschen Schneeflocke ist die Zahl der ständig kleiner werdenden Kopien der Ausgangsfigur theoretisch unbegrenzt. Und so steht letztlich auch die Eintragung Nr.1094 von 1997 symbolisch für die bisherigen und auch wohl zukünftigen Aktivitäten um das verschollene "Achte Weltwunder": "Bernsteinzimmer und kein Ende."
Michael Franz
Ulrich Crüwell
Auf dem Grund der Ostsee
Ein Rentner aus Zossen liefert eine neue Theorie zum Bernsteinzimmer
In: Märkische Allgemeine Zeitung, vom 28.12.2006
Kurt Henschel kennt viele der Legenden über das Bernsteinzimmer. Jüngst entdeckte der Rentner aus Zossen in der MAZ die Nachricht, dass in Königsberg weiter nach dem berühmten Zimmer gegraben wird. Henschel aber vermutet das legendäre Bernsteinzimmer auf dem Grunde der Ostsee...
Peter Bruhn hält die Geschichte für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich. "Ich wüsste nicht, warum sie nicht stimmen sollte", sagt der 89-Jährige. Der frühere Bibliotheksleiter am Osteuropa-Institut der Berliner Humboldt-Universität pflegt die größte Datenbank über die Bernsteinzimmerliteratur und glaubte, bisher jede Legende zu kennen. "Diese Geschichte habe ich noch nie gehört", sagt er zu Henschels Erzählung.