| Internationale Tendenzen,
nationale Probleme, lokale Lösungen. Neuerscheinungen bibliothekarischer
Fachliteratur.
Eine Sammelbesprechung
von Elisabeth Simon (info)
Coal City Libraries, Volume
1, 2004 Maiden Edition. Ed. by Mrs. N.E.E. Achebe, Journal of the
Nigerian Library Association Enugu State Chapter 

Achleitner, Herbert; Dimchev, Alexander [Hrsg.] (2005) Libraries,
Globalisation and Cooperation Papers from the International Conference
held in Sofia, Bulgaria 3-5 November 2004, Sofia, 310 S.,
ISBN 0-934068-15-1 

Walravens, Hartmut (2006) International Newspaper Librarianship
for the 21st Century. (IFLA Publications, 118) München:
K.G. Saur 2006, 298 S., ISBN 3-598-21846-X 

Walravens, Hartmut in Zusammenarbeit mit Schilling, Marieluise (2005)
Newspapers in Central and Eastern Europe. Zeitungen in Mittel
und Osteuropa. Papers presented at an IFLA conference held in Berlin
2003, München: K.G. Saur, 251 S., ISBN 3-598-21841-9


Evans, Edward G.; Zarnosky Saponaro, Margaret (2005) Developing
Library and Information Center Collections, 5. Ausgabe,
Westport, Connecticut: London Libraries Unlimited, 446 S., ISBN
1-59158-219-9 
Wenn in der bibliothekarischen Fachliteratur
der Begriff Globalisierung auftaucht, bezeichnet dieser Terminus
in den meisten Fällen eine Entwicklung im zeitgenössischen
Bibliothekswesen, dessen Potential erkannt und in vielen Fällen
auch gefürchtet wird. Die Entwicklung der Informationstechnologie
hat die Bibliotheks- und Informationswissenschaft ungleich stärker
beeinflusst als manch andere Gebiete. Sie hat den Zugang zu den
Informationen mit noch unüberschaubaren Folgen revolutioniert.
Sie hat Möglichkeiten der Informationsvermittlung eröffnet,
die vor Jahren noch undenkbar schienen. Entwicklungsländer,
an erster Stelle z.B. in Afrika glaubten, jetzt am weltweiten Austausch
der Informationen und Wissenschaften teilzunehmen. Auch die Dokumentenlieferung
– ein Problem über Jahrhunderte vom Ende der Antike und
den ersten Klosterbibliotheken bis in die 1980er Jahre – erscheint
weltweit durch Scannen und Digitalisierung realisierbar. Nicht nur
Fakten und Daten, sondern endlich auch ein Dokument bzw. ein ganzes
Buch, also ein physisches Stück Information, können in
alle Welt geschickt werden.
Ein Blick in die Geschichte der Fachliteratur
zeigt uns, dass Bibliothekswissenschaft immer international ausgerichtet
war. Das wird besonders durch die Weltorganisation des Bibliothekswesens,
den IFLA-Verband[Fn1],
deutlich. Welche Berufsorganisation leistet sich jedes Jahr eine
internationale Tagung, deren Besuch auch noch bei einem Berufsstand,
dessen Gehälter nicht zur Spitzenklasse gehören, relativ
teuer ist? [Fn2]
Es war aber nicht nur die IFLA allein, deren
deutsche Vertretung auch durch ein Nationalkomitee gesichert wurde,
sondern eine Vielzahl von internationalen Gremien und Verbänden
für die einzelnen Berufsgruppen. Auch EBLIDA[Fn3]
als europäische pressure group demonstrierte das internationale
Interesse der Berufsvertreter. Es gab und gibt auch das für
die Evaluierung des Bibliothekswesens bedeutsame ISO[Fn4]
und es gab internationale Verbände für die Bibliotheken
der Technischen Hochschulen, der Schulbibliotheken, der Werksbibliotheken
u.a. Gerade die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts erlebten
eine Blütezeit dieser internationalen Zusammenschlüsse,
ein sichtbares Zeichen für die zunehmende Internationalisierung
des Bibliothekswesens[Fn5],
die dann mit der neuen technologischen Entwicklung einen Teil dieser
Basis verlor. Manche Verbände und Zusammenschlüsse hatten
Probleme, ihre Berechtigung weiterhin deutlich zu machen, E-Mails
und Diskussionsgruppen übernahmen den internationalen Austausch.
Die Ursache für diese Entwicklung lag nicht allein
im technologischen Fortschritt, der eine große Umstrukturierung
des Bibliothekswesens nach sich zog und weiterhin wirksam bleiben
wird, sondern auch in der fehlenden Umsetzung internationaler Themen
und Entwicklungen in die nationalen Bibliothekssysteme. Die Informationsvermittlung
und die nationalen/lokalen Bibliothekssysteme waren kulturellen
Strukturen von langer Dauer in viel größerem Maße
unterworfen, als dass es den meisten Berufsvertretern bewusst war.
Oft wurden die Gründe nicht erkannt, warum Erfahrungen und
Beschlüsse internationaler Tagungen und Gruppen so schwer Zugang
in die nationalen Bibliothekssysteme fanden. Untersuchungen über
dieses Phänomen gibt es nur vereinzelt, aber der Grund ist
vielleicht im Spannungsfeld zwischen internationaler Öffnung
und lokaler Gebundenheit der Bibliothekssysteme zu suchen. Vermutlich
sind deshalb die einzelnen nationalen und auch lokalen Bibliothekssysteme
oft resistent gegen Änderungen und Reformen.
Nachfolgend werden in diesem Zusammenhang fünf
jüngere Publikationen betrachtet.
Coal City Libraries, Volume 1, 2004 Maiden
Edition. Ed. by Mrs. N.E.E. Achebe, Journal of the Nigerian Library
Association Enugu State Chapter
Die Nigerian Library Association präsentierte
zum IFLA-Kongress 2005 das erste Heft ihrer Fachzeitschrift Coal
City Libraries.[Fn6]
Als Zeitschrift eines Landesverbandes ist sie
in Nigeria als dem größten und bevölkerungsreichsten
Landes Afrikas eine fachliche Stimme, deren Wert ebenso wie der
Bildung eines Herausgebergremiums und der Sammlung von neun Aufsätzen
zu verschiedenen nationalen Themen nicht hoch genug anzusetzen ist.[Fn7]
Der darin veröffentlichte Artikel von Nancy
Acheb „An Empirical Study of Professional Development for
Job Enrichment and Enhancement of Librarians in Nigeria“ konzentriert
sich z.B. auf die Situation vor Ort und ist deshalb von großem
Informationswert, da sehr oft die afrikanische Fachliteratur und
mit ihr das Fachpersonal völlig von angelsächsischen Erfahrungen
und Vorbildern abhängig sind. Sehr oft sind die Bibliothekare
in den USA oder im Vereinigten Königreich hervorragend ausgebildet
und nehmen nach ihrer Ausbildung dann die Arbeit vor Ort mit fehlender
Infrastruktur auf, was vieles Gelernte versanden lässt. Hinzu
kommt, dass die sehr oft desolate Lage durch fehlende politische
Einsicht und damit fehlenden politischen Willen verschärft
wird.[Fn8]
Bei der Betrachtung des afrikanischen Bibliothekswesens überwiegen
die internationalen Stimmen.[Fn9]
Realistische Beschreibungen der Situation vor Ort und der Aufbau
eines lokalen Bibliotheksystems stehen nicht im Vordergrund der
Betrachtung.[Fn10]
Daher ist die Herausgabe dieser Zeitschrift eine Pionierarbeit,
um die Aufmerksamkeit auf das lokale Bibliothekssystem des nigerianischen
Staates zu lenken.
Achleitner, Herbert; Dimchev, Alexander [Hrsg.]
(2005) Libraries, Globalisation and Cooperation Papers from the
International Conference held in Sofia, Bulgaria 3-5 November 2004,
Sofia, 310 S., ISBN 0-934068-15-1
Was bringt nordamerikanische und bulgarische Bibliothekare
zu einer engen Zusammenarbeit, um ein ehrgeiziges Tagungsprogramm
mit einer eng abgestimmten Beteiligung von nordamerikanischen und
bulgarischen Fachleuten im November 2004 der Fachwelt vorzustellen?
An der Konferenz nahmen rund 150 Spezialisten aus 20 Ländern
teil: Europa, (Griechenland, Polen, Niederlande, Mazedonien, Albanien,
Litauen, Estland, Belgien, Montenegro, Tschechische Republik, Irland
und Italien) den USA und Thailand, deren Themenkatalog ein international
breites Spektrum aufwies:
- Libraries,
- Cooperation and Collaboration in the Global World,
- National Information Infrastructure and Global Information Infrastrucutre,
- Information Transfer and Technology,
- Publishing in the Digital Age,
- Knowledge,
- Management and the Information Economy,
- Intellectual Property and Copyright, Information,
- Security and Ethics, Information Standards,
- Education and Distance Learning,
- Digital Rights Management,
- The Impact of European Union Policies and Libraries Globally.
Eine besondere Betonung der Konferenz lag auf: Globalisation
and Cooperation Trends in Library and Information Science Education,
wobei man sich besonders mit dem Thema New Librarians, Challenges
and Opportunities beschäftigte. An den Sitzungen dazu
nahmen 13 Studierende aus den USA, der Tschechischen Republik, Deutschland
und Bulgarien teil. Die meisten Beiträge kamen von Teilnehmern
aus den USA und aus Bulgarien und bewegten sich auf einem gleich
hohen Niveau. Erfreulicher Weise wurden diese mit Erhebungen und
Befragungen aus den eigenen Ländern unterstützt.
Die Konferenz wie auch die herausgegebenen Proceedings
sind in erster Linie den internationalen Tendenzen gewidmet. Trotzdem
ist die vorliegende Veröffentlichung ein gutes Mittel zur Lösung
der nationalen Probleme und der zukünftigen Entwicklung des
eigenen Bibliothekssystems in Bulgarien. Wir haben anfänglich
gefragt, was wohl die Vereinigten Staaten und Bulgarien dazu gebracht
hat, eine solche Kooperation zu beginnen, die mit einem so guten
Produkt wie diesen Proceedings sehr erfolgreich gewesen sein muss.
In erster Linie war es die internationale Hilfe der Emporia
School of Library and Information Management (USA) für
die Universität Sofia.
Hier haben sich also drei Partner gefunden,
die internationale Visionen in die lokale Umgebung bringen wollen.
Es ist aber nicht nur dieser Wunsch, der hier zu dieser guten Partnerschaft
führte. Bulgarien, wenn auch unter sehr verschiedenen Aspekten
und Bedingungen wie die Vereinigten Staaten, ist ein Land mit einer
tiefen Lese- und Buchkultur. Die Öffnung zu einer Informationskultur
ist das Anliegen von Alexander Dimchev, das er hier sehr klug und
mit internationaler Hilfe verfolgt. Dabei versicherte er sich der
Hilfe des bulgarischen Bibliotheksverbandes[Fn11],
was eine kluge Strategie ist, da er versucht, die lokale Basis in
die internationalen Themen einzubinden und so die internationale
Diskussion und Bibliothekare vor Ort miteinander zu vernetzen.
Walravens, Hartmut (2006) International Newspaper
Librarianship for the 21st Century. (IFLA Publications, 118) München:
K.G. Saur 2006, 298 S., ISBN 3-598-21846-X
Zeitungen sind scheinbar ein ungeliebtes Kind der
Bibliotheken, wie sich in diesem Jahr in Diskussionen der Maillingliste
INETBIB-Liste beobachten ließ, als die Bibliothekare recht
willig waren, diesen Service aufzugeben, da aus Zeitungslesern keine
regulären Bibliotheksbenutzer werden. Das Für und Wider
soll hier nicht diskutiert werden. Zeitungen sind eine ausgezeichnete
Quelle für historische, kulturelle und soziale Studien und
sie werden noch an Wert gewinnen. Je mehr Gemeinschaften und Staaten
daran interessiert sind, Faktoren des inneren Zusammenhaltes von
Gemeinschaften zu ergründen, desto mehr wird der Quellenwert
der Zeitungen steigen, geben sie doch ein unverfälschtes, lebendiges
Bild der lokalen Entwicklung wieder. Deshalb müssen Zeitungen
bewahrt und zugänglich sein oder gemacht werden. Sie sind die
Basis aller local studies, deren Popularität und Wert
in den letzten Jahren innerhalb verschiedener Wissenschaftsdisziplinen
unvermindert anhält.
Die zeitliche und regionale Reichweite machen
das Buch zu einem Standardwerk. Es enthält Beiträge der
Sitzungen der IFLA Newspaper Section in den Jahren 2003-2005.
Dabei liegt der Fokus auf der durch die Digitalisierung möglichen
Erschließung der Zeitungsbestände für ein breites
Publikum und die unterschiedlichen nationalen Lösungen vom
skandinavischen Projekt „Tiden“ bis zur Digitalisierung
französischer Zeitungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
bis 1944.[Fn12]
Gerade das skandinavische Projekt zeigt den hohen
Standard und das Ansehen, das Zeitungen in den nordischen Ländern
haben. Es werden auch die Bestände verschiedener Bibliotheken
vorgestellt. Dem folgt das Augenmerk auf die verschiedenen technischen
Lösungen für die Zugänglichkeit und Konservierung,
z.B. der Digitalisierung aus dem Dokument direkt oder über
den Mikrofilm, die besonders bei wertvollen Beständen und solchen,
die sich in einem schlechten Zustand befinden, eingesetzt werden.
Trotz dieser eingesetzten technischen Mittel und der damit einfacheren
Zugänglichkeit ist die Gewichtung zwischen Aufbewahrung/Konservierung
und Zugang weiterhin ein dynamischer Prozess, der immer wieder andere
Strategien und Lösungen erfordert.
Die Verantwortlichen sind sich auch darüber im
Klaren, dass man heute die Haltbarkeit digitaler Formen noch nicht
abschätzen kann. Zu unterschiedlich sind die Aussagen und man
hat erst im geringen Maße zeitliche Erfahrungen. So muss sich
ein Konservierungskonzept für Afrika von einem in den westlichen
Ländern grundlegend unterscheiden. Weiterhin sind Fragen des
Urheberrechts ungeklärt oder soweit bedrohlich, dass sich die
meisten Länder zur Digitalisierung älterer Zeitungsbestände
und solchen in public domains als ersten Schritt entschlossen haben.
Das Buch ist zweisprachig, d.h. für jeden Beitrag
existiert eine englische Übersetzung. Nicht glücklich
ist die Veröffentlichung der PowerPoint-Präsentationen.
Sie sind nichtssagend und damit für den Leser relativ wertlos.
Walravens, Hartmut in Zusammenarbeit mit Schilling,
Marieluise (2005) Newspapers in Central and Eastern Europe. Zeitungen
in Mittel und Osteuropa. Papers presented at an IFLA conference
held in Berlin 2003, München: K.G. Saur, 251 S., ISBN 3-598-21841-9
Mit Bedacht hatte die IFLA-Sektion für
Zeitschriften, die bis zum Jahre 2002 nur als ein Round Table existiert
hatte, im Jahre 2003 das obige Thema für die Konferenz in Berlin
gewählt. Damit wurde die Aufmerksamkeit erneut auf Quellen
gelenkt, die jetzt zugänglich sind und auf ihre Bearbeitung
warten. Als Beispiel sei hier nur der Aufsatz „Die Moskauer
Deutsche Zeitung 1870- 1914“ genannt.[Fn13]
Der damalige Herausgeber der „Moskauer
Deutschen Zeitung“ handelte sich mit einem Kommentar, der
sich wie eine Äußerung zur gegenwärtigen Migrantenproblematik
liest, massive Anfeindungen ein: „Die spezifischen Interessen
der Deutschen in Russland stünden, ungeachtet der sprachlichen
Einheit, in entschiedenem Gegensatz zu den spezifischen Interessen
der Deutschen in Deutschland. Es sei falsch, von den Deutschen in
Russland zu fordern, sie sollten ein Pfahl im Fleische Russlands
ein, in Russland ein Staat im Staate bilden [...].“ Eine solche
Meinung war damals nicht angesehen, sie wurde gar verfolgt und ist
doch für die heutige Entwicklung in Deutschland erhellend.
Es zeigt sich hier, wie lebendig Zeitungen als Quellen sind.
Die hier besprochene Publikation ist wiederum
in die üblichen Problemkreise unterteilt: Nach einer sehr informativen
Einleitung von Hartmut Walraven und dem Aufsatz von Hans Bohrmann
„Erforschung der Zeitung in Deutschland, Journalistik und
Kommunikationswissenschaft im Wandel“[Fn14]
werden aus regionaler/nationaler Sicht die Themen
Acquisition and Access, Copyright Issues,Digitisation
Projects and Electronic Newspaper und Preservation
abgehandelt. Sehr nützlich ist der Anhang Short Biographies
of the Authors, der die Kontaktadressen der Autoren enthält
und so zu einem inoffiziellen und lockeren Austausch von Erfahrungen
und zur Diskussion einlädt.
Evans, Edward G.; Zarnosky Saponaro, Margaret
(2005) Developing Library and Information Center Collections, 5.
Ausgabe, Westport, Connecticut: London Libraries Unlimited, 446
S., ISBN 1-59158-219-9
Der ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftsrates Prof.
Dr. Karl Max Einhäupl wurde am 23. Januar dieses Jahres während
eines Vortrags in der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung von Prof. Dr. Schwan,
Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt
(Oder) gefragt, wann er an seiner medizinischen Fakultät den
Bachelor einführen würde. Er lehnte das empört ab,
mit der Begründung, ein Medizinstudium mit derartigen Abschlüssen
wäre undenkbar. Mittlerweile bieten die ersten medizinischen
Fakultäten Bachelor- und Masterstudiengänge an. Das Angebot
weitet sich auf, und wird wohl in den nächsten Jahren alle
Universitäten erfassen.
Die neuen Studiengänge – den Studienkonzepten
aus dem angelsächsischen Bereich und aus den USA entlehnt –
gehen von einem anderen Wissenschaftsbegriff aus, als die deutsche
Tradition. Dies mag für den bibliothekarischen Beruf und der
Ausbildung ganz nützlich sein, hat er doch von jeher eine praktische,
berufsorientierte und eine wissenschaftliche Seite. Bei einer stärkeren
Straffung des Ausbildungsweges sind aber gute und nützliche
Lehrbücher gefordert, so wie es in den USA, Australien und
Kanada üblich ist, also Länder deren Ausbildungswege und
Institutionen einer regelmäßigen Evaluierung und der
damit verbundenen Akkreditierung unterworfen sind. Deshalb haben
sich in den USA bestimme Lehrbücher durchgesetzt, die auch
in dessen föderaler Struktur durchweg in zahlreichen Universitäten
zur Erreichung des Bachelorgrades (undergraduate studies) eingesetzt
werden.
Die Publikation ist für Studierende konzipiert
„who will begin developing the collections of the future and
their instructors who will assist them in their learning.”
Sie beginnt mit der Diskussion, wie Bestände definiert werden
sollen. Verschiedene Autoren benutzen verschiedene Begriffe, so
dass hier Library Materials als Oberbegriff festgelegt wird: „Library
materials is a non specific term with respect to format which is
otherwise incluse. This we use throughout this text.” Einen
ähnlichen klaren Weg zu einer heute zutreffenden Definition
findet sich in dem Kapitel Collection development and the Community,
das kurz und knapp die Ziele der Bestandsentwicklung beschreibt,
die gravierenden Änderungen, die sich in den letzten Jahren
zugetragen haben und die damit verbundenen organisatorischen Strukturen.
Im Kapitel Collection Development and Institutional Environment
finden sich Lehrsätze wie:
“1. As the size of the service community
increases the degree of divergence in individual needs increases”
“2. as the degree of divergence in individual information
needs increases the need of resource sharing increases”
“3. it will never be possible to satisfy all of the information
needs of any individual or class of clientele in the service community.”
Genau so knapp und präzise sind die praktischen
Aspekte der Bestandsentwicklung zusammengefasst:
- developing collections
- planning new services
- locating service points
- assessing physical facility requirements
- adjusting staffing patterns
- assessing collections and services and
- planning budgets.
Jedes Kapitel schließt mit einer knappen Zusammenfassung
und Empfehlungen zur weiteren Lektüre. Es können hier
nicht alle behandelten Aspekte von gedruckten und elektronischen
Zeitschriften, politischen Informationen, über Audiovisuellen
Medien, Buchhändlern und Vendors bis hin zum Steuerrecht,
dem Löschen in den Beständen (es wird hier deselection
genannt und dem alten Begriff weeding gleichgesetzt), der Zensur
und der intellektuellen Freiheit aufgeführt werden.
Es ist ein breit einsetzbares und klar strukturiertes
Buch. Man wundert sich nicht, dass es bereits die 5. Auflage erreicht.
Die Anzahl dieser Lehrbücher in englischer (amerikanischer)
Sprache ist weitaus größer als z.B. in Deutschland (wobei
der englischsprachige Markt natürlich größer ist,
aber auch der deutschsprachige Markt ist nicht klein). Das liegt
nicht nur in dem größeren Sprachraum begründet,
sondern darin, dass Bachelor- und Master-Studiengänge in Großbritannien,
den Vereinigten Staaten, Australien und Kanada eine grundlegende
Basis geschaffen haben,[Fn15]
auf die dann die Spezialisierung an den verschiedenen Universitäten
ansetzt. Es könnte sein, dass dies auch die zukünftige
Entwicklung in Deutschland bestimmen wird. Auf jeden Fall wird man
ähnliche Lehrbücher wie die erwähnten gebrauchen
können.
.
Fußnoten
[Fn 1]
International Federation of Library Associations and Institutions
(Weltbibliotheksverband). (zurück)
[Fn
2]
In diesem Jahr 500 Euro. Aber diese Entwicklung ist nicht neu. Leider
wird der Besuch aber dadurch eingeschränkt. Neben dem Weltkongress
ist die IFLA in den einzelnen Sektionen u.a. professionell tätig.
(zurück)
[Fn
3]
European Bureau of Library, Information and Documentation. (zurück)
[Fn
4]
International Organisation of Standardization. (zurück)
[Fn
5]
Detaillierte Informationen über diese Entwicklung siehe in:
Elisabeth Simon und Gertrud Seydelmann (2001) Austausch, Teilhabe,
Erfahrungen, Bibliothekarische Auslandsarbeit in den Jahren 1963-
2000. Berlin(zurück)
[Fn
6]
Volume 1, 2004 Maiden Edition. Ed. by Mrs. N.E.E. Achebe, Journal
of the Nigerian Library Association Enugu State Chapter (zurück)
[Fn
7]
vgl. dazu Simon, Elisabeth: Weisheit und Erfahrung. Von Geschichtenerzählern
und Bibliotheken. Beobachtungen aus dem Norden Nigerias. In: BuB
(2002) 5. S. 321-328. Die Bibliotheken Nordnigerias und die Bibliothek
der Universitätsstadt Maiduguri gehören zu den gut entwickelten
und vergleichsweise reichen Bibliotheken des Landes. Trotzdem haben
die Bibliotheken mit großen Problemen zu kämpfen: Mangel
an Büchern, Fehlen eines Buchmarktes mit Verlagen, teures Papier,
immer wieder unterbrochene Kommunikation etc. durch Stromausfall
und Wasserknappheit. (zurück)
[Fn
8]
vgl. Balliah, Dinesh (2004) Against the e-Odds. A History of the
Internet in South Africa 1989-1999, Berlin. Es ist eine erschütternde
Darstellung, wie das Apartheid Regime (und die internationale Reaktion
auf dieses Regime) wie auch die nachfolgende demokratische Regierung
durch die politischen Strukturen einer Entwicklung im Wege stand,
die geholfen hätte, den Information Gap zu den westlichen Ländern
aufzuholen. (zurück)
[Fn
9]
Während des Kongresses des VAD (Verein der Afrikanisten in
Deutschland) im Juli dieses Jahres www.vad-ev.de/2006
wurden auch u.a. zwei Panels angeboten,
die sich auf unser Thema beziehen: Panel 40: Exchange of Knowledge.
Projects and Thoughts on the Accessibility of Scientific Results
in Africa. und Panel 28: Dimensions of the Information Society in
Africa. (zurück)
[Fn
10]
Dies zeigt sich sehr oft bei der Förderung der Bibliothekssysteme.
Die Einrichtung von Konsortien war in Afrika besonders mit kulturellen
und sozialen Schwierigkeiten belastet. Siehe dazu: Ivana Kadlecova,
Elisabeth Simon (2003) Elektronische Informationen. Möglichkeiten
und Formen der Wissensorganisation am Beispiel von Konsortien, Berlin.
Über die kulturellen Schwierigkeiten der Fortbildung, gerade
bei dem Einsatz der Informationstechnologie berichtet Maike Hartmann:
Das Internet als Hilfsmittel für das akademische Studium. In
: Medienkompetenz/ Literacy. Wie lehrt und lernt man Medienkompetenz/
How to learn and to teach Information Literacy. Berlin 2003: 98
S. (zurück)
[Fn
11]
Union of Librarians and Informations Services Officers Bulgaria.
4, Slaveykov Sq. room 609 Sofia 1000. Tel/Fax +3592 987 0734,
www.lib.bg.
E-Mail: board@llib.bg (ULISO) Der Bibliotheksverband
besitzt ein Zentrum für die Weiterbildung: Center for Continuing
Education for Librarians CCEL. (zurück)
[Fn12]
von Pascal Sanz, Director des department Droit Economie, Politique
an der Nationalbibliothek Paris.
(zurück)
[Fn
13]
eine deutsche Zeitung aus dem Herzen
Russlands und die östlichste deutsche Zeitung Europas von Gottfried
Kratz. (zurück)
[Fn
14]
Dr. Hans Bohrmann, ehem.
Direktor des Instituts für Zeitungsforschung, hat sich in seinem
gesamten Berufsleben nicht nur für den Stellenwert der Zeitung,
sondern auch für die internationale Zusammenarbeit eingesetzt.
So hat er im Rahmen des Kulturaustausches Bibliotheken in Lateinamerika
über Konservierungsmaßnahmen beraten. (zurück)
[Fn
15]
siehe auch William L. Whitesides
(1998) Reinvention of the Public Library of the 21st Century. Colorado.
(zurück)
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