| Bücher auf Rädern
in Berlin Mitte.
Der Fahrbibliotheksdienst
der Berliner Jerusalem-Bibliothek [Fn1]
von der LIBREAS-Redaktion
Teil 1: Theorie:
Hintergrund
| Zielgruppe
| Erwerbung
| Versorgung
| Nutzung
| Teil 2: Praxis
Teil 1: Theorie - Ein Gespräch mit Christiane Schulze am 22.
Juni 2006
Die Fahrbibliothek ist ein Symbol dafür, dass
das (amerikanische) öffentliche Bibliothekswesen ein früher
Ort der Emanzipation der Frau war, denn die Erfindung des mobilen
Büchereidienstes verdankt die Bibliothekswelt einer solchen.
Mary Lemist Titcombs Interesse als Bibliothekarin der Washington
County Free Library im US-Bundesstaat Maryland konzentrierte
sich auf die Frage, wie auch in ländlichen Regionen eine bibliothekarische
Versorgung gewährleistet werden kann. Von Hagerstown, dem Verwaltungssitz
des Bezirks im Westen von Maryland, forcierte sie zunächst
die Eröffnung von Zweigstellen, erkannte jedoch bald, dass
man auch mit einem Zweigstellensystem nur einen Teil der nichtstädtischen
Bevölkerung erreicht. Ein Problem, das Mary Lemist Titcomb
sah, war die Tatsache, dass besonders in den abgelegenen Gebieten
häufig wenig Interesse an Büchern bestand und zudem der
Weg zum nächst größeren Ort mit einer Zweigstelle
zu weit wäre. Wenn die Bibliothek die dort lebenden Menschen
erreichen möchte, muss sie sie direkt aufsuchen. Und so zog
sie ab 1905 mit ihrem pferdebespannten Book Wagon als Vorreiterin
dessen los, was man in den USA gemeinhin als Outreach bezeichnet.
In Deutschland war es der „Verband der Volksbüchereien
des Saargebiets“, der ab Dezember 1927 fünfzehn Grenzorte
mittels mobiler Bibliothek versorgte.
Weitere Pioniere der Fahrbibliotheken in Deutschland
fanden sich erstaunlicherweise mitten in einer Großstadt:
in Dresden. Dort wurde eine Autobücherei als Versuchsfeld für
ein modernes flexibles städtisches Bibliothekswesen verstanden,
das schnelles, bedarfsgerechtes Agieren ermöglicht. Der große
Aufschwung erfolgte in der Bundesrepublik in der zweiten Hälfte
der 1960er Jahre, als an dieser Stelle massiv investiert und ausgebaut
wurde. Im Bibliotheksplan ’73 wurde eine flächendeckende
Versorgung des ganzen Landes durch auf Kreisebene organisierte Fahrbibliotheken
angestrebt.
Dieses hehre Ziel wurde dann doch nicht so ganz
erreicht und da die Bücherbusse und Fahrbibliotheksangebote
mehr oder weniger freiwillig auf Kreisebene betrieben werden, wird
hier seit den 1990er Jahre unglücklicherweise seitens der Entscheidungsträger
recht spontan eingespart und eingestellt oder in die Verantwortung
der Kommunen abgeschoben wie zuletzt z.B. im schleswig-holsteinischen
Kreis Stormarn[Fn2].
Hier zeigt sich die fatale Situation, dass Öffentliche Bibliotheken
ohne gesetzliche Rückkopplung immer in gewisser Weise „Spielball“
und von der Prioritätensetzung (oder auch der Einsicht) der
verwaltungspolitisch Verantwortlichen abhängig sind.
Im Berliner Stadtbezirk Mitte hat man an dieser Stelle
bislang großes Glück. Der flächenmäßig
kleinste der zwölf nach der Bezirksgebietsreform von 2001 bestehenden
Bezirke weist die dritthöchste Einwohnerzahl und gleichzeitig
die höchste Bevölkerungsdichte auf. Für die Öffentlichen
Bibliotheken bilden entsprechend etwa 322.000 Einwohner in den Ortsteilen
Tiergarten, Mitte, Gesundbrunnen, Wedding und Moabit die potentielle
Zielgruppe. Und obschon man es hier mit einem hoch verdichteten
Stadtraum mit einer relativ hohen Dichte an Stadtbibliotheken zu
tun hat, findet sich auch hier ein Fahrbibliotheksangebot.
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| Ausgangspunkt für jeden Bus- und Les'tag:
Die von Theodor "Teddy" Kollek nach seiner Heimatstadt
benannte "Jerusalem Bücherei" |
Um herauszufinden, wieso und für
wen diese Bibliotheken auf Tour gehen, trafen wir uns mit Christiane
Schulze, die das Büro der Fahrbibliothek Mitte leitet.[Fn3]
Hintergrund
Seit den 1970er Jahren gab es im Stadtbezirk Wedding
einen sehr hohen Anteil an ausländischen Gastarbeiterkindern,
die man heute als Zuwanderer- oder Migrantenkinder bezeichnet.
Auch ohne Pisa hatte man seinerzeit festgestellt, dass diese Kinder
von den allgemeinen „normalen“ Bildungsinstrumenten
kaum erreicht werden.
Dem Bus kam nun die Aufgabe zu, diejenigen Kinder
„abzuholen“, die in einem Alter waren, in dem sie
noch nicht allein in die Öffentliche Bibliothek bzw. die
Kinderbibliothek gehen können. Dieser Service war (und ist)
ein wichtiger Schritt, frühzeitig eine Vertrautheit mit bibliothekarischen
Angeboten zu schaffen, da die „Schwellenangst“ mit
zunehmenden Alter immer größer wird.
Das Kernproblem ist jedoch die mangelnde Bildungserziehung:
Ein großer Teil der Kinder stammt aus Familien, in denen
ein Bibliotheksbesuch nicht unbedingt zum Alltag gehört und
es lässt sich vermuten, dass die Kinder die Bibliothek vermutlich
nie von selbst betreten würden. Aber unabhängig von
Herkunft und Bildungshintergrund besuchen sie eine Grundschule.
Der Bücherbus fuhr daher die Schulen an, die nicht über
eine eigene Schulbücherei verfügten. Einige Schulen
waren räumlich nicht anfahrbar und es gestaltete sich schwierig,
die recht große Zahl der Einrichtungen mit nur einem Bus
abzudecken. Daher fand sich im „Haltestellenplan“
des Bücherbusses neben täglich zwei Schulen am Vormittag
eine weitere Haltestelle, die sich nicht unbedingt an einer Schule,
sondern mitten im Wohngebiet befand.
Nach der Bezirksfusion 2001 veränderte sich
die Situation grundlegend. Aus den kleinen Bezirken Wedding, Tiergarten
und Mitte wurde ein großer Bezirk Mitte. Da das Personal
in den Stadtbibliotheken benötigt wurde, schloss man die
Schulbibliotheken in den Ortsteilen Tiergarten und Mitte. Die
dort ausscheidenden Mitarbeiter konnten nicht mehr über Neueinstellungen
ersetzt werden. Die einzige Möglichkeit, die die Leitung
in Mitte sah, war, die Schulbibliotheken nicht weiter personell
zu unterstützen und die Bibliotheken entweder zu schließen
oder in die Verantwortung der Schulen zu geben. Einige Lücken
sollten mit dem Einsatz des Bücherbusses ausgeglichen werden.
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| "Drück schnell ab, da
ist noch einer!" : Der Bücherbus aus dem Bezirk
Mitte ist ein fester Bestandteil des Straßenbilds im
Wedding. |
Zielgruppe
Die Zusammensetzung der Zielgruppe für das
Angebot hat sich über die Jahre zum Teil verändert.
Stabil geblieben ist der Anteil der Zuwandererkinder bei über
90 % an fast allen Grundschulen in Wedding und Tiergarten. Eine
Ausnahme bilden kleine Teile in den Bezirken Tiergarten und Mitte-Alt,
wobei man dort überwiegend Kinder aus Osteuropa findet, die
einen ganz anderen Bildungshintergrund mitbringen. Dies ist eine
ganz neue Klientel für die Fahrbibliotheken. In Wedding und
Tiergarten hingegen hat die Vielfalt der Herkunftsnationen zugenommen
– an manchen Schulen sind es zwanzig verschiedene. Der Anteil
türkischstämmiger Kinder ist zurückgegangen.
Auf den Straßen Berlin Mittes fahren momentan
ein großer und zwei kleinere Bücherbusse, die den Vorteil
besitzen, dass man sie auch mit einem normalen PKW-Führerschein
fahren darf. Mit diesen sind die Diplombibliothekarinnen eigenständig
auf Tour. Sie sind also Fahrerin und Bibliothekarin in einem und
sitzen mal am Lenkrad und mal am Arbeitstisch. Der große
Bus erfordert die Führerscheinklasse 2 und ist immer doppelt
besetzt.
Erwerbung
Die Erwerbung erfolgt in Kooperation mit einer Kreuzberger
Buchhandlung, die jahrelange Erfahrung mit der Literaturerwerbung
für die Zielgruppe der Fahrbibliotheken hat. Es werden allerdings
nicht für jede Heimatsprache entsprechende Titel besorgt.
Der Erwerb von z.B. mongolischen, ukrainischen, serbo-kroatischen
oder ghanischen Kinderbüchern ist nicht beabsichtigt. Die
Gründe dafür sind, dass teilweise gar keine adäquate
Literatur in diesen Sprachen erhältlich ist und die Zusammenarbeit
zudem mit Schülern der ersten bis vierten Klasse erfolgt,
die noch nicht oder erst in Anfängen lesen können. Dies
gilt sowohl für die Sprache des Herkunftshintergrundes wie
auch für die deutsche.
Außerdem steht natürlich der Erwerb von
Literatur in deutscher Sprache im Zentrum, die angebotenen Lernhilfen
sind grundsätzlich in deutscher Sprache. Fremdsprachige Literatur
findet sich dann im Bestand, wenn sie sich in den Unterrichtsfächern
der Schulen widerspiegelt. Z.B. wird eine Europa-Schule versorgt,
in der es entsprechende Schwerpunkte in Englisch, Französisch
und Spanisch gibt. Die Jerusalem-Bibliothek hat ein entsprechend
umfangreiches Angebot und einen Teil dieser Lernhilfen in den
Bücherbussen. Auch für alle anderen Fächer wird
unterstützend „schülerrelevante Literatur“
geboten. Dafür gibt es sogar einen gesonderten Etatposten.
Reine Schulbücher sind jedoch nicht im Bestand. Dazu gehören
natürlich heute nicht mehr nur Bücher, sondern verschiedene
Medientypen.
Der Bildungsgedanke steht nach wie vor an erster
Stelle und mit diesem das klassische Buch. Den Kindern wird –
neben dem Parallelangebot von Hörspiel-Medien, DVDs und Play-Station-Spielen
– immer auch das Buch vermittelt und sei es in einem Medienmix.
Die AV-Medien sind dabei natürlich Zugpferde und oft werden
sie zum „Anfüttern“ der jungen Menschen verwendet,
da sonst das Interesse zum Teil schwer zu wecken ist.
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| Doppelt bedacht: Der Buchbestand der
Fahrbibliothek. |
Versorgung
Bei der konkreten Versorgung sind drei Arten zu
unterscheiden:
Erstens gibt es die individuelle Nutzung vor Ort.
Die Kinder nehmen ihren Bibliotheksausweis und leihen für
sich persönlich Medien aus.
Zweitens wird die berühmte „Medienkiste“
als Material für den Unterricht angeboten. Auf den Wunsch
des Lehrers wird dabei eine Kiste zu einem bestimmten Thema zusammengestellt
und mit dem Bücherbus angeliefert. Die Themen sind recht
vielfältig und natürlich durch den Unterricht oder auch
Projekte bestimmt. Die „Griechen“ und die „Römer“
werden ebenso wie die üblichen „Berlin-Themen“
häufig nachgefragt. Zudem reagieren die Lehrer auf neue Situationen
oder Anregungen in ihrer Klasse: So wurde etwa, nachdem an einer
Schule ein Kind aus der Karibik neu eingeschult wurde, von einer
Lehrerin entsprechend ein Projekt gestaltet und eine thematisch
passende Kiste angefordert. Die Medienkisten der ekz.bibliotheksservice
GmbH kann sich die Jerusalem-Bibliothek allerdings nicht leisten.
Vielleicht findet sich dafür irgendwann ein Sponsor…
Drittens gibt es die Veranstaltungen, naturgemäß
eher in den ortsfesten Bibliotheken wie der Jerusalem-Bibliothek.
In den Bussen selbst sind es meist Einführungen in die Bibliotheksbenutzung.
Die Standzeiten der Busse richten sich nach dem
Bedarf, d.h. nach der Zahl der zu erwartenden Nutzer. Der Fahrplan
muss sich natürlich nach der Strukturierung des Schultags
richten – entsprechend wird er zum neuen Schuljahr angepasst.
Bei einem klassischen Schultag von 8 Uhr bis 13.30 Uhr haben sich
Standzeiten von 2 Stunden und 2 ½ Stunden angeboten. „Generell
ist zu sagen, dass die Kolleginnen in den zwei Stunden unter Hochdruck
arbeiten“ und die Leiterin manchmal selbst staunt, wie sie
das schaffen.
Seit etwa drei Jahren sind die Fahrbibliotheken
im VÖBB (Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins)
integriert und über Funknetz online an den Verband angeschlossen.
Dies hat natürlich Vor- und Nachteile. Ein großer Nachteil
ist, dass die Kinder die gleichen Mahngebühren zahlen müssen,
wie sie es auch in jeder anderen Öffentlichen Bibliothek
tun müssen. Dies ist für eine bestimmte Herkunftsschicht
ein großes Problem. Die Gebühren liegen momentan bei
10 Cent pro Medium pro Tag, was erst einmal nicht allzu hoch klingt.
Stellt man sich aber vor, dass hier sieben Medien mit einer Woche
Verspätung abgegeben werden, summiert sich das schon. Der
Senat hat dies leider so bindend festgelegt. Die einzige Möglichkeit,
die bleibt, ist die Menge der ausleihbaren Medien zu reglementieren.
Die Kinder dürfen für sich je nach Altersgruppe zwischen
drei und fünf Medien auf einmal ausleihen. Wenn Eltern dabei
sind, können es auch noch einige mehr sein. Dies kommt an
Nachmittagshaltestellen häufiger vor, allerdings besteht
nicht selten eine Sprachbarriere.
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| Drei, denen ein Bus nicht langt: Sitana,
Robsan und Burukti sind Intensivnutzer in der Jerusalem-Bücherei |
Nutzung
Bei den Kinderbibliotheken im Bezirk zählt
die Jerusalem-Bibliothek zu den ausleihstärksten Einrichtungen,
was sich aus der Tatsache der Präsenz begründet: Die
Schüler können einfach in der Pause zwischen zwei Stunden
vorbeikommen bzw. geben viele Lehrer ihren Schüler die Möglichkeit,
auch während des Unterrichts den Bücherbus zu besuchen.
Werden die Kinder so herangeführt, nehmen sie das Angebot
erfahrungsgemäß gern an.
Obwohl die primäre Zielgruppe an den Bussen
Schüler der Klassen 1-4 sind und davon auszugehen ist, dass
die Kinder höheren Alters die Öffentliche Bibliothek
benutzen, da sie dort vielmehr Möglichkeiten geboten bekommen,
besuchen an den Nachmittagshaltestellen mitunter Schüler
bis zur siebten und achten Klasse die Busse. Sie werden quasi
als „Fanclub“ bezeichnet, dessen Hauptinteresse allerdings
weniger den Büchern, sondern vielmehr den CDs, DVDs und Play-Station-Spielen
gilt. Das eigentliche Lesen interessiert bestenfalls noch die
Mädchen, die Jungs steigen spätestens mit dem Eintritt
in die Oberschule aus. Dann greifen sie höchstens noch auf
Sachbücher zurück.
Als die zwei neuen Bücherbusse ihre Arbeit
aufnahmen, bestand zunächst die Sorge, dass sich die ortsfeste
Bibliothek eventuell selbst die Kunden „wegnimmt“.
Die Grundlage der finanziellen Ausstattung bildeten ausschließlich
die Ausleihzahlen und mit den Bücherbussen verändert
sich natürlich der Ausleihort. Mittlerweile werden glücklicherweise
auch diese Besucher berücksichtigt. Dies ist für ein
realistisches Bild sehr notwendig, da sich die ortsfesten Bibliotheken
häufig mehrere Stunden am Tag mit Kindern beschäftigen,
die aber nichts ausleihen dürfen, können oder wollen.
Momentan sitzen im Gebäude der Jerusalem-Bibliothek
zwei Einrichtungen mit ähnlicher Zielgruppe in einem Haus.
Entsprechend können die Nutzerdaten abgeglichen werden. Es
ist in der Tat so, dass es einen sehr hohen Anteil an Doppelnutzern
gibt. Die Grundschüler werden über die Fahrbibliotheken
angeworben und sehen dann vor Ort in der Kinderbibliothek, dass
es eine viel größere Auswahl an Büchern, DVDs,
Play-Station-Spielen und Tonträgern als im Bus gibt –
und dazu auch noch Hausaufgabenhilfen und Lesewelt-Vorlesenachmittage.
So werden sie für etwa vier Jahre Doppelnutzer, bevor sie
sich dann auf die Stadt- bzw. Kinderbibliothek konzentrieren.
Die Busse sind dahingehend eine Art Vorarbeit. Den
Kindern dient der Bus als „erster Schritt“: Sie sehen,
dass es etwas gibt, das ihnen etwas bringt und gar nicht so schwer
zu benutzen ist. Mit dem Bibliotheksausweis und der entsprechenden
Grundvertrautheit in der Tasche trifft man sie auch ohne Weiteres
an den Regalen in einem Bibliotheksgebäude.
Teil 2: Praxis - Der Busbesuch auf dem
Hof der Hansa-Grundschule
Natürlich interessierte uns nach dem Gespräch
in der Jerusalem-Bibliothek die konkrete Einsatzssituation der Busse
und entsprechend suchten wir einige Tage später zur angebenen
Standtzeit einen Bus vor Ort auf.
Der Bücherbus ist schattig eingeparkt und wirkt
ein bisschen versteckt und verloren auf dem Schulhof der Hansa-Grundschule
im ehemaligen Bezirk Berlin-Tiergarten. Einige Kinder tollen herum,
allerdings abseits der mobilen Bibliothek an den Spielgeräten.
Vor dem Bus treffen wir eine junge Frau und ein Mädchen, die
sich als Frau Karakaya und ihre Tochter Ayçha vorstellen.
Sie warten, denn noch ist die Tür, die in die blauweiße
Bibliothek führt, verschlossen. „Komme gleich wieder“
steht auf dem kleinen Zettel an der Tür. Entsprechend warten
wir mit auf die Wiederkehr der Bibliothekarin und so ergibt sich
schnell ein kleines Gespräch.
Frau Karakaya leiht regelmäßig mit ihrer
siebenjährigen Tochter Bücher, Videofilme und CDs aus.
Ayçha ist Erstklässlerin und steht erst am Anfang ihrer
„Karriere“ als Leserin und Bibliotheksnutzerin. Entsprechend
freut sich Frau Karakaya einerseits, dass sie im Angebot der Fahrbibliothek
passende Literatur in großen Mengen vorfindet und andererseits,
dass sie Ayçha in ihrer Lesebegeisterung sogar bremsen muss
und ihrer Tochter erst dann die Ausleihe eines neuen Titel zugesteht,
wenn diese einen anderen fertig gelesen hat und zurückbringt.
Ayçha ihrerseits beeilt sich und nach zwei bis drei Wochen
liegen die Titel dann in der Rückgabekiste, während die
junge Bücherfreundin mit neuer Lektüre auf dem Heimweg
ist. In die „stationäre“ Stadtbibliothek geht Ayçha
noch nicht – bislang konnte die Fahrbibliothek alle Wünsche
erfüllen und nachgefragte Titel, die nicht vorrätig sind,
schreibt sich die Bibliothekarin auf und bringt sie beim nächsten
Besuch mit. Frau Karakaya und ihre lesebegeisterte Tochter sind
jedenfalls sehr glücklich, dass es die Einrichtung gibt und
strahlen, als die Bibliothekarin Frau Sommerfeld nach drei Minuten
um die Ecke des umgebauten Transporters tritt und die Bibliothek
öffnet.
Sonst sind es mehr Kinder hier, aber die meisten von
ihnen seien heute schon vor einer Stunden da gewesen, um ihre Bücher
abzugeben, erzählt die Bibliothekarin, denn im Moment sind
Projekttage und außerdem stehen die Ferien vor der Tür.
Da wird nicht mehr viel ausgeliehen.
Jeden Donnerstag ab 11 Uhr steht die fahrende Bibliothek
in der Hansastraße 47-48. Früher waren es zwei Stunden,
nun sind es mindestens drei bis vier Stunden, die Frau Sommerfeld,
der man im positiven Sinne ihren Beruf als und ihre Berufung zur
Kinderbibliothekarin auf den ersten Blick ansieht, hier mit den
Kindern verbringt. Für die Schule ist die Bibliothek eine sehr
willkommene Bereicherung, wirkt sich das möglichst frühzeitige
Vertrautmachen der Schüler mit der Bibliothek letztlich positiv
auf deren Leseinteresse und Lesefähigkeiten aus. Bibliothekarin
und Lehrer sprechen sich über Lektüre ab und Frau Sommerfeld
geht auch schon mal durch die Klassen, um auf das Angebot aufmerksam
zu machen.
Während wir über die Bibliothek und ihre
Rolle an diese Stelle plaudern, sucht Ayçha mit ihrer Mutter
eifrig in den bis in die letzten Winkel gefüllten Regalen der
kleinen bunten Bücher- und Medienwelt des kleinen Bibliotheksraumes
nach neuem Lesestoff.
Doch die Ausleihe ist nur eine der Dienstleistungen
für die Schüler. Parallel werden regelmäßig
Lesestunden und Filmschauen für die Grundschüler angeboten.
Und so ist das Angebot bei den Kindern ausgesprochen beliebt, was
man auch an den beiden hereinstürmenden jungen Menschen sehen
kann, die eine Projektpause noch einmal schnell nutzen möchten,
um einfach noch einmal durch ein paar Bücher zu blättern.
 |
| Bibliothek frontal: Der Bus, der Schule
machen kann.. |
Fußnoten
[Fn 1]
siehe www.kulturamt-mitte.de/bibliothek/fahrbibo/index.html (zurück)
[Fn
2]
vgl. http://fahrbibliothek.twoday.net/stories/2246119/
(zurück)
[Fn
3]
Die LIBREAS-Redaktion dankt an dieser Stelle Christiane Schulze
ganz herzlich für die umfänglichen Auskünfte. (zurück)
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