| Rezension
Rezension zu Allan, Barbara: Project management: tools and techniques
for today’s LIS professional. London: Facet, 2004. VIII, 193
S., $ 75,00.
von Christof Capellaro (info)
Ganz egal, ob es sich um Bauplanung, den Umzug
von Bibliotheksbeständen, die Einrichtung eines Learning
Resource Centers oder den Relaunch einer Website handelt, ohne
Projektarbeit geht im BID-Bereich (fast) gar nichts mehr, teils
– so ist man geneigt ein wenig sarkastisch zu sagen –
weil vielfach überhaupt nur noch das Zauberwort "Projekte"
die Herzen und Brieftaschen von Unterhaltsträgern und Bibliotheksfördereinrichtungen
zu öffnen vermag, teils weil die Umsetzung bestimmter Vorhaben
im Rahmen von Projekten in der Tat besser bewältigt werden
kann als durch das blindwütige Hineinpressen derselben in den
Routinebetrieb. Gelingen kann Projektarbeit freilich nur dann, wenn
sich die Beteiligten rechtzeitig über die Spezifika dieser
Arbeitsform informiert haben.
Eine Möglichkeit dazu bietet Barbara Allan,
Lektorin an der Business School der University of Hull
(GB) und Inhaberin nicht weniger als fünf akademischer Abschlüsse,
darunter auch ein Master in Informationswissenschaft [Fn1],
mit ihrem knapp zweihundert Seiten starken Buch „Project management:
tools and techniques for today’s LIS professional“.
Allans Ziel war es, auf der Grundlage eigener Erfahrungen als Mitarbeiterin
in Projekten ein praxisorientiertes Handbuch zu schreiben.
Das Buch gliedert sich in insgesamt drei Teile[Fn2].
Teil 1 (Introduction) gibt einen detaillierten Überblick
über den Aufbau des Buches und stattet den Leser mit ersten
Grundkenntnissen zum Thema Projektarbeit aus. Die Autorin erläutert
hier etwa, welche Arten von Projekten voneinander unterschieden
werden können oder befasst sich mit der Frage „Why projects
go wrong?“. Zentrale Begriffe wie z.B. „Projektmanagement“
werden erklärt.
Dabei geht es Allan weder um eine ausführliche
theoriebildende Typologisierung noch um umfangreiche abwägende
Begriffsklärungen, sondern um pragmatische, praxisorientierte
Erstinformationen.
Teil 2, „The project life cyle, systems
and processes”, schlüsselt – wie bereits der Titel
dieses Abschnitts nahe legt – in chronologischer Folge sämtliche
Arbeitsschritte auf, die im Verlauf der Umsetzung eines (bibliothekarischen)
Projektes in Angriff zu nehmen sind: Analyse – Planung –
Implementierung – Evaluation mit den jeweils zugehörigen
Unterschritten, die detailliert dargestellt werden. Durch die Beschreibung
der einzelnen Arbeitsschritte in ihrer idealtypischen Folge gelingt
es der Autorin hier den prozessualen Charakter von Projektarbeit
zu unterstreichen. Ferner ermöglicht diese Anordnung des Stoffes
dem Praktiker, der mit der Planung und Umsetzung eines Projektes
betraut ist, während jeder einzelnen Projektphase schnell auf
das entsprechende Kapitel bzw. Unterkapitel des Buches zuzugreifen
und dieses als Wegweiser und Checkliste für die eigene Arbeit
zu nutzen.
Dies gilt umso mehr, als die Autorin zu allen Arbeitsschritten
konkrete Handlungsanweisungen gibt: So wird nicht bloß auf
die Bedeutung des Projectbriefs – also einer kurzen
schriftlichen Zusammenfassung der Ziele und Inhalte des Projektes,
die am Anfang erstellt werden sollte – hingewiesen, sondern
detailliert erklärt, welche Gliederungspunkte ein solches Dokument
enthalten und wie das Projectbrief in der Praxis gestaltet
werden soll.
Die beiden abschließenden Kapitel des zweiten
Teils widmen sich schließlich der Finanzierung von Projekten
und dem Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie
bei der Projektadministration.
Anders als in den vorangegangenen Kapiteln des zweiten
Teils stehen hier weniger die einzelnen Arbeitsschritte und deren
Abfolge im Vordergrund, sondern eher grundsätzliche bzw. strukturelle
Überlegungen. So erläutert Allan in Kapitel 6 („The
money side of projects“) etwa, wo mögliche Finanzierungsquellen
für bibliothekarische Projekte liegen oder macht darauf aufmerksam,
dass externe Financiers i. d. R. die Durchführung eines Auditingprozesses
zum Nachweis über die widmungsgemäße Verwendung
der bereitgestellten Finanzmittel erwarten.
Auch verweist sie auf ein kurzes Glossar von Finanzbegriffen
am Ende des Buches (Appendix A: The language of funding. S. 185-189).
Dieses Glossar erklärt einige einschlägige Grundbegriffe
zur Projektfinanzierung (z.B.: Match funding, Auditor) – wiederum
in Form pragmatischer Kurzdefinitionen. So erfährt der Leser
beispielsweise, dass es sich bei Public-Private Partnership (PPP)
um „a relationship between a public and private sector organization.
This may be an informal relationship or a contractual one.”
(S. 187) handle.
Der dritte Teil des Buches widmet sich den Menschen,
die in Projekten arbeiten. Hier geht Allen der Frage nach, welcher
Personenkreis überhaupt unter welchen Bedingungen Projektarbeit
leistet bzw. optimal leisten kann. Sie beschreibt Organisationsmodelle
für reale und virtuelle Arbeitsgruppen, gibt Hinweise für
die Vermeidung von Konflikten und Missverständnissen bei der
Zusammenarbeit von Projektmitarbeitern, die unterschiedlichen Kulturkreisen
angehören und erörtert die persönlichen Entwicklungschancen,
die den Mitarbeitern die Beteiligung an Projekten bieten kann.
Auch die spezifischen, für die Projektarbeit
benötigten Kenntnisse sowie deren Vermittlungswege werden berücksichtigt.
Allans Beschäftigung mit dem „Faktor Mensch“ bei
der Projektarbeit steht sowohl unter strukturellen wie unter prozessualen
Gesichtspunkten; so werden etwa die Stages der Teamentwicklung benannt
und dann Charakteristika jeder einzelnen Phase in einer Tabelle
zusammengefasst.
Die Kapitel des Buches sind sämtlich stark unter-,
bisweilen auch zergliedert; Teilaspekte des jeweils behandelten
Themas begründen unzählige Untereinheiten deren Einzelaspekte
häufig wiederum in Form tabellarischer Aufzählungen, Checklisten
oder in Spielgelstrichlisten dargestellt werden. Dieser starken
Untergliederung des Stoffes entspricht in gewisser Weise, dass eine
große Zahl interner Verweise das Buch durchzieht, die vor
allem für den selektiven Leser von Vorteil sind, die durchgängige
Lektüre aber deutlich erschweren und manchmal den Verdacht
aufkommen lassen, Allan habe Probleme gehabt zu einer stringenten
Anordnung der zu vermittelnden Inhalte zu finden.
Ist von der Verweisstruktur innerhalb des Buches die
Rede, so soll auch auf das Register eingegangen werden, das leider
mangelhaft ist. Anlass zu diesem Urteil geben vor allem die viel
zu sparsame Begriffsindexierung sowie das Fehlen jeglicher Siehe-
und Siehe-auch-Verweise. So wird zwar im Haupttext (S.45) erläutert,
was Milestones im Projektzusammenhang sind und warum diesen
eine große Bedeutung zukommt. Der Leser, der den Begriff „Milestones“
im Register nachschlagen will, wird aber enttäuscht. Nicht
anders ergeht es demjenigen, der dort nach Sponsoring oder
Fundraising sucht: Er wird nicht zum von der Autorin bevorzugten
Begriff „Bidding“ verwiesen.
Fasst man den Inhalt des Buches zusammen, so
kann man sagen, dass Allan in den prozesshaft getrimmten Kapiteln
3-10 alle relevanten Schritte nicht bloß benennt, sondern
auch vernünftig beschreibt und anleitet, während in den
übrigen Kapiteln doch eine deutlich subjektiv gefärbte
Auswahl einzelner Themen stattfindet: So wird etwa der internationalen
Zusammenarbeit, die für bibliothekarische Projekte ein wichtiges
Arbeitsfeld darstellt (und im Übrigen auch im Erscheinungsjahr
des Buches schon darstellte), nur geringe Berücksichtigung
zu Teil.
Auch dass Allan stillschweigend davon ausgeht,
jedes bibliothekarische Projekt sei an einem bestimmten Punkt vollständig
abgeschlossen und sich die Autorin daher nicht mit Methoden zur
nachhaltigen Sicherung und Bewahrung[Fn3]
von Projektergebnissen oder zur Überführung von Projekten
in dauerhafte Angebote auseinandersetzt, stimmt angesichts der vielen
auch bibliothekarischen „Projektruinen“, auf die man
im Internet stoßen kann, nachdenklich.
Ein besonderer Vorzug des Buches besteht darin,
dass es der Autorin gelingt, ihre Darstellung durchgängig mit
überaus anschaulichen und klug gewählten Beispielen aus
der – im weiteren Sinne bibliothekarischen – Praxis
zu illustrieren.[Fn4]
Auch vermittelt sie eine Reihe verblüffender, aus ihrer eigenen
Tätigkeit in Projekten gewonnene Einsichten, so etwa jene,
dass regelmäßige Teambesprechungen unter bestimmten Voraussetzungen
schlichtweg überflüssig sein können. Gleichfalls
positiv ist, dass nicht nur die Bedürfnisse großer finanzstarker
Projekte berücksichtigt werden, sondern ebenfalls solche kleinerer
und finanziell schlechter ausgestatteter. So beschreibt Allan etwa
nicht nur wie umfangreiche Projekte mit Hilfe teurer Software administriert
werden können, sondern geht auch darauf ein, wie man in kleinen
und finanzschwachen Projekten Abläufe mittels einfacher Mittel
wie Post-It-Zetteln sinnvoll planen kann.
Allans Buch ist keine wissenschaftliche Monographie,
da ein theoretischer Überbau und das an einem bestimmten Erkenntnisinteresse
orientierte Gegeneinanderführen kontroverser Positionen, teils
auch der kritische Blick, den der theoretisch arbeitende Bibliothekswissenschaftler
auf die Bibliothekspraxis lenken kann, fehlen. So wird der Umstand,
dass Mitarbeiter in Projekten ihren beruflichen Status und ihre
Zukunftsperspektiven oftmals als prekär und ungesichert erleben,
zwar kurz benannt aber nicht weiter problematisiert. Auch die abwägende
Diskussion verschiedenartiger Theorien zum Projektmanagement wird
man bei Allan vergeblich suchen. Als Handbuch kann das Buch –
teils aus den eben genannten Gründen, teils weil Allan viel
Relevantes lediglich kurz anreißt – ebenfalls nur in
einem eingeschränkten Sinn gelten.
Geboten wird in einer einfachen und klaren Sprache,
die nur wenige Fachtermini aufweist, Grundlagenwissen und eine Orientierung,
die besonders für denjenigen Leser nützlich ist, der bisher
nichts mit Projektarbeit zu tun hatte und sich nun in die Lage versetzt
sieht, die praktische Durchführung eines Projektes rasch selbst
in Angriff nehmen zu müssen.
So kann man zusammenfassend sagen, dass es sich bei Allans Buch
weniger um ein Handbuch als vielmehr um ein gut gemachten Einsteigerkompass
und Praxisguide handelt, der dem Praktiker uneingeschränkt,
dem Studierenden der sich einen Einstieg in das Thema sucht, mit
einigen Einschränkungen empfohlen werden kann.
[Fn 1]
Vgl.www.hull.ac.uk/hubs/staff/profiles/ballan.htm
und http://aslib.com/training/speakers.html
(letzter Zugriff auf diese und die im Folgenden zitierten Internetquellen
13.03.2006) (zurück)
[Fn
2]
Das Inhaltsverzeichnis kann übrigens auf den Seiten der Library
and Information Science Library der University of Illinois Urbana-Champaign
unter http://www.library.uiuc.edu/lsx/books/Feb05/allan.htm eingesehen
werden.(zurück)
[Fn
3]
Vgl. dazu z.B. Schulz, Manuela; Capellaro, Christof: Bibliotheksarbeit
für Mukoviszidose-Betroffene. Das Projekt Mukowiki. In: Kaden,
Ben; Kindling, Maxi (Hrsg.): Soziale Bibliotheksarbeit. (Arbeitstitel)
Berlin 2006 [in Arbeit] (zurück)
[Fn
4]
Auch hier bleibt ein kleiner Wehmutstropfen leider nicht aus: Im
Gegensatz zu den Tabellen und graphischen Darstellungen, die am
Beginn des Buches systematisch aufgelistet und dadurch schnell (wieder)gefunden
werden können, sind Allans Praxisbeispiele nirgends zusammenfassend
verzeichnet. (zurück)
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