| Viva el
bibliotecario?
Zum Image der Bibliothekarsausbildung
in Mexiko
Ein Interview mit José Luis Almanza Morales
(Coordinador de la Biblioteca "Samuel Ramos" FFYL/UNAM)
Interview durchgeführt und übersetzt
aus dem Spanischen von Julia Pagel
en español
Können Sie einige Worte zum Bibliothekarsberuf
in Mexiko sagen?
Es wird eine Ausbildung von Fachleuten angestrebt,
die Informationen auswählen, organisieren, verbreiten und (wieder-)gewinnen,
und die außerdem den Gebrauch von Information in den verschiedenen
Sektoren der mexikanischen Gesellschaft fördern sollen. Damit
tragen sie zur wissenschaftlichen, technologischen, kulturellen
und erzieherischen Entwicklung des Landes bei.
Welches sind die Arbeitsfelder für einen Bibliothekar
in Mexiko?
Er kann in Bibliotheken und Informationszentren
u.a. im Rahmen eines gesetzgebenden, sowie im Ausbildungs-, Gesundheits-,
Finanz-, Informationshandels- und Wahlsektor arbeiten.
Sind die Arbeitsfelder eher im privaten oder im öffentlichen
Sektor angesiedelt?
Zu einem großen Teil befinden sich die Arbeitsfelder
des Bibliothekars im öffentlichen Sektor und besonders in den
Universitätsbibliotheken.
Welche Informationsquellen werden den Nutzern zur Verfügung
gestellt? Handelt es sich eher um Bücher, Datenbanken oder
andere Informationsquellen?
Die meisten mexikanischen Bibliotheken speichern
Informationen in Papierform wie Bücher und andere Publikationsformen,
Videos etc. Außerdem haben die Universitäts- und Fach-bibliotheken
zusätzlich zu den wichtigen Papiersammlungen vor über
10 Jahren elektronische Referenzdatenbanken entwickelt. Es sind
gegenwärtig auch Volltextdatenbanken erstellt worden, zu denen
die Nutzer online Zugang haben. Außerdem werden Beiträge
aus Zeitschriften und anderen Publikationen als elektronische Volltexte
zur Verfügung gestellt.
Gibt es für Bibliothekare Weiterbildungen, die sich
z.B. mit der Leseförderung befassen?
Selbstverständlich. Einige der Fächer,
die für den Abschluss mit der licenciatura
(= akademischer Abschluss) angeboten werden, beinhalten Themen wie:
das Lesen, die Leser und Bibliotheken, die Didaktik der Bibliothekswissenschaft
u.a.
Zu welchem Anteil beschäftigt sich der Studiengang
mit bibliographischer Einordnung und der Katalogisierung?
Im 7. und 8. Semester werden verschiedene Aufgaben
wie die dokumentarische Organisation, die Dewey-Klassifikation,
die Klassifikation der Library of Congress und die Verzeichniserstellung
behandelt.
Wie werden die neuen Medien in den Lehrplan integriert?
Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien
werden als ein Medium und nicht als der Schwerpunkt im bibliothekswissenschaftlichen
Bereich angesehen. Trotzdem werden während des Studiums 7 Fachgebiete
zu Computern, Datenbanken, Telekommunikation, Systemen und automatisierten
Programmen, Systemhandhabung, digitale Ressourcen und den Multimediabereich
angeboten. Zusätzlich können, wenn der Lehrstuhl die Freiheit
dazu hat, was besonders in der Universidad Nacional Autónoma
de México (UNAM) der Fall ist, die Professoren die neuen
Technologien gemäß der Thematik in ihren Unterricht integrieren.
Wie viele Studenten beenden den Studiengang mit dem licenciado
(=akademischer Grad)/Master/Promotion?
In der Zeit von 1995 bis 2004 schlossen 324 Studenten
mit der licenciatura ab. Den Master erlangten 46 Absolventen und
zwischen 2002 und 2004 promovierten 4 Personen. Es ist dennoch wichtig
zu erwähnen, dass die Zahl der Abschlüsse mit der licenciatura
um 30% gewachsen ist.
Wie viele der Studenten gehen in die bibliothekswissenschaftliche
Forschung?
Die Zahl der Studenten, die nach dem akademischen
Abschluss des Masters oder der Promotion in die Forschung im Centro
Universitario de Investigaciones Bibliotecológicas (CUIB
- Universitätszentrum für bibliothekswissenschaftliche
Forschung) geht, ist gering. Trotzdem ist es wichtig, darauf hinzuweisen,
dass die Studenten während ihrer Ausbildung vorbereitet werden,
Forschungsarbeiten anzufertigen. Dafür werden Fächer wie
„Methoden der Forschung“ und „quantitative“
bzw. „qualitative Forschung“ angeboten.
Welches Bild hat man in Mexiko von den Bibliotheken und
den Bibliothekaren?
Die bibliothekswissenschaftlichen Schulen können
die Nachfrage des Marktes nicht abdecken und das professionelle
Personal ist in dieser Disziplin nicht ausreichend. Deswegen ist
das Personal, welches den Bibliothekar unterstützen soll, meist
nur mit Basiswissen über die Bibliothekswissenschaft ausgestattet.
D.h. , die Personen haben grundlegende Qualifikationen erworben,
aber keine Berufsausbildung. Aus diesem Grund sind die zur Verfügung
gestellten Dienstleistungen und der Service absolut nicht zufrieden
stellend. Das Bild, das man vom Bibliothekar und den öffentlichen
oder schulischen Bibliotheken hat, ist nicht besonders gut. Auf
der anderen Seite und angesichts der Tatsache, dass die professionellen
Bibliothekare in Institutionen für die höhere Ausbildung
und der Forschung tätig sind, ist das Bild, das die Benutzer
der Bibliotheken von ihnen haben recht gut. Das hat vor allem mit
der Art der Information zu tun, die verwaltet und zur Verfügung
gestellt wird sowie mit der Qualität des Informationsservices,
der angeboten wird, und mit der Nutzung der neuen Informationstechnologien.
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