| Rezension zu: Wolfgang
Ratzek (Hrsg.) (2008) Wissenszentren – intellektualnyje centry:
Beispiele deutsch-russischer Bibliothekskooperation. Simon
Verlag für Bibliothekswissen, 179 Seiten, 25,90 €, ISBN
978-3-940862-04-4
von Agnieszka Twardak (info)

In Wolfgang Ratzeks Buch, welches
von deutsch-russischer Bibliothekskooperation handelt, wird vor
allem ein Projekt und seine praktische Umsetzung in den Vordergrund
gestellt. Studierende der Hochschule der Medien Stuttgart führten
im Wintersemester 2006/2007 ein deutsch-russisches Projekt unter
dem Namen „Kinderbibliothek 24“ (K 24) durch. Ziel war
es, die betreffende Bibliothek in ein Wissenszentrum umzuwandeln
und sie sowohl räumlich wie auch inhaltlich neu zu gestalten.
Bis auf einige wenige Beiträge, die für den russischsprachigen
Leser nicht von relevanter Bedeutung wären, sind diese sowohl
in deutscher wie auch russischer Sprache in der gleichen Ausgabe
abgedruckt.
Nach einem Vorwort des Simon-Verlags für Bibliothekswissen
folgt eine Einführung des Herausgebers, in der kurz auf die
Bibliothekskooperation zwischen Deutschland und Russland eingegangen
und das Projekt K 24 vorgestellt wird. Weiterhin führt er den
Leser kurz in die folgenden Beiträge ein und stellt deren Autoren
vor. Die Beiträge, die folgen, beziehen sich vor allem auf
das Projekt K 24. Außerdem sind auch Beiträge von anderen
Autoren veröffentlicht, die über das russische Bibliothekssystem
und die deutsch-russische Bibliothekskooperation berichten. So vermittelt
Irina Jewgenjevna Kolodjazhnaja sehr übersichtlich die Arbeitsorganisation
der kommunalen öffentlichen Bibliotheken in Russland an konkreten
Beispielen.
Der Beitrag von Maria Schleining geht auf das System
der Intellektzentren in Moskau ein, welches anhand der folgenden
Berichte über das Projekt K 24 praktisch erläutert wird.
Dabei weist die Autorin darauf hin, dass das Besondere an den Intellektzentren
– im Gegensatz zu herkömmlichen Bibliotheken –
die Einführung von elektronischen Ressourcen und modernen Informationstechnologien
ist.
Im Folgenden stellt Elisabeth Klett das neue Leitbild
der K 24 als Beispiel einer zukunftsorientierten Profilbildung von
Bibliotheken mittels Schwerpunktsetzung und anderem als Intellektzentrum
dar. Bei der Erstellung des neuen Leitbildes für die Moskauer
Kinderbibliothek richtete man sich sowohl nach bereits erprobten
Methoden, als auch nach Zielvorgaben und Angeboten der K 24 in Moskau
und eigenen Ideen der studentischen Arbeitsgruppe aus Stuttgart.
Die darauf folgenden Beiträge berichten über
die Ideen der praktischen Umsetzung und sind von den Mitgliedern
der Arbeitsgruppe der Hochschule der Medien Stuttgart verfasst.
Diese setzen sich aus Studenten und gerade graduierten tatkräftig
engagierten Personen zusammen.
So wird zuerst über die „Konzeption des Bestandsaufbaus
und der Raumgestaltung für das Intellektzentrum“ berichtet.
Dabei wird unter anderem mit einer Skizze des Grundrisses des Intellektzentrums
detailgetreu auf die Raumaufteilung und sehr konkret auf die verschiedenen
zukünftigen Bestände in einem deutsch-russischen Lesesaal
eingegangen.
Im Beitrag „Interkultureller Dialog“ wird
dem Leser vermittelt, wie ein Dialog zwischen Deutschland und Rußland
auf dieser Ebene zustande kommen kann. So bietet die Autorin verschiedene
Vorschläge für Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Ausrichten
eines interkulturellen Weihnachtsfestes an, um den Kindern „fremde“
Kulturen näherzubringen.
„Das Leit- und Orientierungssystem“ von Maja Benz hat
die Beschilderung der Bibliothek zum Thema. Dabei geht sie auf alle
Bereiche der Bibliothek ein und entwickelt auch Ideen für das
Design der Beschilderung. Auch Maria Hartwig beschäftigt sich
mit Design, diesmal jedoch mit dem der Informationsmaterialien.
Die Autorin zeigt dabei auf, wie man mit Farbe, Schrift, Format
und Logo Faltblätter kreieren kann, die die richtigen Zielgruppen
erreichen sollen. Der Beitrag von Eva Lax beschreibt die Einrichtung
eines Lernateliers in der Kinderbibliothek nach der Grundidee des
„Lebenslangen Lernens“. Dabei geht sie sowohl auf das
räumliche Konzept wie auch auf die Unterstützung des Lernens
durch Spiele, verschiedene Kurse, elektronische Medien und natürlich
Bücher ein.
Das nächste Thema in diesem Buch beschäftigt
sich mit der Gestaltung von „Medienralleys“ in der Bibliothek,
in denen Kinder lernen sollen, sich auf spielerische Weise in der
Bibliothek zu orientieren und sich neues Wissen anzueignen. Es werden
verschiedene Beispiele für Deutschralleys vorgestellt, sowohl
für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Das Konzept
der Medienralleys kann natürlich auf alle anderen Wissensbereiche
angewandt werden.
Als Abschluss der Berichte über das Projekt K
24 liefert Elisabeth Klett einen Erlebnisbericht über die Anfänge
des Projekts so wie den Aufenthalt in Moskau und zieht ein Resümee.
Die Berichte über das Projekt der Arbeitsgruppe aus Stuttgart
werden durch vier weitere Beiträge ergänzt, auf die hier
nur kurz eingegangen werden soll. Maria Baranova beschreibt in „Besuch
in Petersburger Bibliotheken – Juli 2007“ die Entwicklung
des russischen Bibliothekssystems und zeigt dabei Probleme und Chancen
auf. In Peter Vodoseks Beitrag „Stuttgart – Rußland:
Ein Jahrzehnt Kooperation in Forschung und Lehre“ wird die
rege Zusammenarbeit der Fachhochschule Stuttgart mit bibliothekarischen
Institutionen in Russland beschrieben, und darauf eingegangen, wie
der Austausch von Studierenden, Dozenten und Nachwuchswissenschaftlern
möglich gemacht wurde. Im Bericht über „Das Deutsch-Russische
Zentrum für Bibliothekswissenschaft in Moskau“ werden
die Hauptaufgaben dieses Zentrums erläutert. Sie lassen sich
in drei große Bereiche gliedern:
1. Herstellung wissenschaftlicher Kontakte durch
Informationsreisen, Praktika, Studienaufenthalte und so weiter
2. Förderung wissenschaftlicher Publikationen
russischer Wissenschaftler in Deutschland und umgekehrt
3. Organisation eigener wissenschaftlicher Konferenzen
Der letzte Beitrag handelt vom Informations- und Literaturaustausch
zwischen Deutschland und Russland. Die RBA – Die Russische
Bibliotheksassociation – und die russischen Bibliotheken haben
gemeinsam mit dem Internationalen Informationszentrum Moskau –
Berlin ein System entwickelt, das den internationalen Buchaustausch
erleichtern soll. Die Bestellungen von russischen Büchern erfolgen
dabei auf vereinfachte Weise und die russischen Bibliotheken profitieren
nicht nur finanziell, sondern auch, indem sie dadurch internationale
Partnerschaften aufbauen können.
Das Buch „Wissenszentren – intellektualnye
centry. Beispiele deutsch-russischer Bibliothekskooperation“
zeigt auf eine lebendige und anschauliche Weise wie Bibliothekskooperation
zwischen Deutschland und Russland aussehen kann. Durch die vielen
praktischen Beispiele, die die Umsetzung des Projekts K 24 beschreiben,
kann sich der fachlich interessierte Leser für eigene Projekte
inspirieren lassen. Der Teil des Buches über das Projekt K
2 ist jedoch sehr detailliert und speziell auf die Umwandlung einer
Kinderbibliothek ausgerichtet. Der eher an allgemein deutsch-russischer
Bibliothekskooperation interessierte Leser wird jedoch durch die
übrigen Berichte entschädigt.
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