| Hybrides Publizieren und Verlage.
Ein Standpunkt
von Britta Kamp (info)

Verlage und Open Access – das passt doch nicht
zusammen! Wenn jeder Publikationen frei zugänglich im Internet
finden kann, wer kauft denn dann noch Bücher?!
So oder ähnlich denken viele Wissenschaftsverlage
und sträuben sich noch immer vehement gegen die freie elektronische
Veröffentlichung ihrer Bücher, indem sie ihren Autoren
das Recht dazu verweigern. Dass sie damit eine nicht mehr zeitgemäße
Publikationspolitik verfolgen, scheint ihnen (noch) nicht bewusst.
Dabei wird besonders das Finanzierungsmodell der klassischen Verlage,
die sog. Doppelfinanzierung durch die öffentliche Hand –
öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse müssen von
staatlichen Geldern zurückgekauft werden – als ein Hauptgrund
für den Strukturwandel der Informationsversorgung angesehen.
Doch auch dieser Umstand kann die meisten Fachverlage nicht zum
Umdenken bewegen, und das obwohl dieses Geschäftsmodell immer
mehr in die Kritik gerät. Open Access macht ihnen schlichtweg
Angst.
Wir denken darüber aber ganz anders! 'Wir', das
ist das kleine Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat mit Sitz im
schönen Münster. Mit unserer Edition „MV-Wissenschaft“
führen und pflegen wir ein eigenes wissenschaftliches Segment
und veröffentlichen seit 2001 wissenschaftliche Werke aus nahezu
allen Fachbereichen und vielen renommierten Instituten und Institutionen.
Neben wissenschaftlichen Monographien, Habilitationen und Dissertationen
werden auch verschiedene universitäre Reihen und Forschungsberichte
bei uns publiziert.
Für uns stellen Wirtschaftlichkeit und Open Access in der Verlagswelt
keinesfalls Widersprüche dar. Dass wir dadurch eine Sonderstellung
einnehmen, ist uns klar – aber das finden wir gut!
Wir wissen, dass der Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse
schnell und effizient verbreitet sehen möchte, ebenso wie der
Nutzer einfach und schnell auf diese Arbeiten zugreifen möchte.
Open Access ist hier ideal. Wir sind der Ansicht, dass Open Access
auf Dauer nicht nur unverzichtbar sondern auch aus Sicht aller Beteiligten
wünschenswert ist.
Unsere Überzeugung: Bücher, die als
freie Online-Versionen für jedermann zugänglich sind,
fungieren als sog. „full-range-teaser“ und damit als
kostenlose Werbung im Internet: Ist der Nutzer mittels Volltextsuche
o.ä. auf eine Publikation gestoßen und hat er sich von
deren Relevanz überzeugt, wird er zur intensiveren Auseinandersetzung
auf eine Printversion zurückgreifen, da dies eindeutig komfortabler
ist. Unser Vorschlag für eine Lösung aus dem ganzen Dilemma
ist daher das Modell des „hybriden Publizierens“. Es
handelt sich dabei um das gleichzeitige Veröffentlichen eines
Textes in elektronischer und in gedruckter Form, also um ein und,
nicht um ein oder . Dadurch werden die Vorteile beider Publikationen
vereint und gleichzeitig deren spezifische Nachteile ausgeräumt.
Die Realisierung kann zum einen durch die wissenschaftliche Institution
allein erfolgen, die ihre Publikationen z.B. im Selbstverlag herausbringt.
Eine viel elegantere und auch einfachere Lösung
bildet hier aber eine Kooperation zwischen der Einrichtung und einem
Verlag, der vielmehr als Verlagsdienstleister fungiert. Die Institution
veröffentlicht ihre Dokumente online im Open Access, parallel
dazu erscheinen sie – vollkommen textidentisch – als
reguläre Verlagspublikation in einheitlicher Aufmachung. Die
Infrastruktur ist weitgehend ausgelagert, der wissenschafltichen
Institution verbleiben bei der letztgenannten Lösung nur wenige
administrative Aufgaben.
Ein Großteil der Arbeiten rund um die
Veröffentlichung, also Druckvorbereitung und Druck, die Distribution
sowie die Fakturierung werden durch den Verlag übernommen.
„Publishing on demand“ erweist sich dabei als nahezu
kostenneutraler Weg der Herstellung, denn die Bücher werden
nur entsprechend der Nachfrage hergestellt. So können sie außerdem
zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden. Es wird keine
Auflage gefertigt, deren Kosten in klassischen Fachverlagen zu einem
Großteil der Autor übernehmen muss. Das hat den Vorteil,
dass sich viel mehr Autoren zu einer Publikation ihrer Arbeit entschließen
können, was der Forschung nur zweckdienlich sein kann. Zugleich
entscheidet ausschließlich die Wissenschaft, was veröffentlicht
werden soll und nicht mehr der kommerzielle Verlag, der sich z.T.
stark in inhaltliche Fragen einmischt. Die Begutachtung der Texte,
das sog. „Peer review“ erfolgt durch das universitäre
Netzwerk von Wissenschaftlern.
Einrichtungen, wie z.B. Universitäten,
die auf diese Weise ihren wissenschaftlichen Output managen, bauen
sich so schnell ein bedeutendes Renommee auf, das sie für ihre
Arbeit zuvor auch schon verdient hätten, welches aber die kommerziellen
Verlage für sich beansprucht haben.
Eine Ablehnung der hybriden Publikation wissenschaftlicher
Forschungsergebnisse durch den Verleger ist unserer Meinung nach
weder gegenüber den wissenschaftlichen Ansprüchen, noch
aus wirtschaftlichen Gründen vertretbar, zumal sich unbewegliche
Verlage – unserer Meinung nach zurecht - hier in Zukunft sicherlich
einem stark zunehmenden Druck von Seiten der Wissenschaft ausgesetzt
sehen werden.
WWW: http://www.mv-verlag.de/
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