| Rezension zu: Doreen
Lutze (2007) Die moderne Patientenbibliothek: Herausforderungen
im Spannungsfeld von Gesundheitspolitik und Informationsgesellschaft.
Saarbrücken: VDM Müller. 97 S., € 49, ISBN 978-3-8364-5061-4
von Susanne Amberg und Birgit Schlauß (info)

Die an der Humboldt-Universität eingereichte
und von Doreen Lutze verfasste Magisterarbeit[Fn1]
ist seit Dezember 2007 im VDM Verlag
Dr. Müller verlegt. Die 97-seitige Monografie mit 18 Abbildungen,
Literaturverzeichnis und im November 2007 überprüften
Internetquellen wendet sich nach einer Standortbestimmung der Patientenbibliothek
im 21. Jahrhundert, die sich durch hohen Servicecharakter auszeichnet,
ihrer therapiebegleitenden Funktion und dem ihr möglichen und
unverzichtbaren Beitrag einer Bibliothek auf dem Weg zur Informationsgesellschaft,
trotz des Titels „moderne Patientenbibliothek“, überwiegend
der historischen Entwicklung zu. Diese ist unterteilt in die Abschnitte:
Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg,
der getrennten Betrachtung der Entwicklung in der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bis 1989.
Einen verhältnismäßig kleinen Anteil (eine Seite),
nimmt die Zeit ab 1990 ein.
Ein umfangreicher kommunikationstheoretischer
Exkurs bestimmt die Grundlagen des benutzerfreundlichen Services
der Patientenbibliothek. Die Einordnung der Patientenbibliothek
als öffentliche Bibliothek, eingebettet in Bibliotheksplanzahlen
und Richtlinien für Krankenhausbibliotheken, führt zur
Definition der Krankenhausbibliotheksarbeit als sozialer Bibliotheksarbeit.
Des Weiteren folgt ein Blick auf Beitragsleistung zu Chancengleichheit
und Wissensvermittlung für besondere, eingeschränkte Benutzergruppen.
Ein Exkurs zur Gesundheitspolitik in Deutschland und dem sich durch
die Diagnosis Related Groups (DRG)[Fn2]
massiv verändernden System Krankenhaus lässt Schlussfolgerungen
für die Patientenbibliothek zu, die sich trotz sinkender Verweildauer
der Patienten Existenzberechtigung verschaffen muss: eine aktive
Rollen in der Informationsgesellschaft als Weg in die Zukunft, der
Bibliothekar als Medienvermittler, zuverlässige Gesundheitsinformationsbeschaffung
innerhalb des Krankenhaussystems und die Möglichkeit für
Patienten soziale Kontakte außerhalb der Institution Krankenhaus
zu pflegen. Die Öffnung des Medienangebots in Richtung audiovisueller
Medien, leider lediglich beschränkt auf Hörbücher,
findet ebenso Erwähnung wie die Ausleihe von Abspielgeräten.
Die Organisation der Patientenbibliothek
umfasst einen relativ geringen Anteil und macht das Manko der gut
recherchierten und gegliederten Arbeit mit ihrem geschichtlichen
Schwerpunkt deutlich: Die Arbeit verpasst die Chance, das durch
den Titel geweckte Interesse zu befriedigen. Die Verfasserin kennt
die Literaturlage zum Thema, zitiert Richtlinien und Verlautbarungen,
bettet die Patientenbibliothek in die Bibliothekslandschaft ein
und platziert aber keinen visionären Wegweiser, der in der
Wirklichkeit praktischer Arbeit und erlebtem Patientenkontakt gestaltbar
ist.
Die theoretische Arbeit, deren
Ansatz von der Autorin mit hoher Objektivität begründet
wurde, macht sich verdient in Begriffsklärungen und Exkursen
um das Feld „Krankenhausbibliothek“ und vermittelt,
dass die Autorin sich mit dem Thema in seiner Komplexität übernommen
hat. Bei gründlicher Lektüre lassen sich Argumente für
den praktischen Überlebenskampf der modernen Patientenbibliothek
entschlüsseln, die allerdings auch aus den „Richtlinien
für Patientenbibliotheken“ (1995) oder der „Erklärung
zur Stellung der Patientenbibliotheken in Krankenhäusern“
(2003) hervorgehen. Zum Einlesen geeignet, für Kenner an den
entscheidenden Punkten zu sehr den Exkursen zu Lasten der Patientenbibliothek
verhaftet: eingeschränkte Leseempfehlung aufgrund anderer,
fehlender Neuerscheinungen zum Thema.
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