| Rückschau: Zukunft &
Visionen für OA-Repositories
Protokollarische Zusammenfassung zum Workshop „Förderung
der wissenschaftlichen Informationslandschaft in Deutschland“
von DFG und DINI e.V. am 26.-27.02.2008
von Maxi Kindling und Sandra Lechelt (info)

Dem einen oder anderen Teilnehmer
mag das flinke Klappern der Tasten am Rande des Workshops
aufgefallen sein, das von vorne links durch den Konferenzraum im
Erwin Schrödinger-Zentrum hallte. Und damit das Echo nicht
undokumentiert bleibt, gibt es im folgenden Bericht eine kleine
Zusammenfassung dessen, was wir an unserem Tisch von den Vorträgen
und Diskussionen des Workshops zur „Förderung der wissenschaftlichen
Informationslandschaft in Deutschland“ [Fn1]
aufschnappen konnten. Die zumeist nicht unwichtigeren Gespräche
und Vertragsabschlüsse zwischen den Reihen finden die Leser
hier nicht festgehalten, aber man darf hoffen, das ein oder andere
offiziell über diverse Kommunikationskanäle zu erfahren.
Am 26. und 27. Februar 2008 veranstalteten die
Arbeitsgruppen „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und
Informationssysteme“ (LIS) der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) und „Elektronisches Publizieren“ der Deutschen
Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) ihren zweitägigen
Workshop in Berlin Adlershof. Dieser lockte rund 120 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer an den Rand Berlins –
von der Berlin-Mitte-Perspektive munkelt man hin und wieder
von den Anstrengungen einer Tagesreise, was aber nur stimmt, wenn
der ÖPNV gerade streikt. Zu diesem Zeitpunkt tat er es glücklicherweise
noch nicht und so stand der Diskussion aktueller OA-Projekte und
Chancen und Strategien beim Aufbau und der Vernetzung von Repositorien
auf nationaler und internationaler nichts Verkehrstechnisches im
Wege. Die einzelnen Vorträge wären selbstverständlich
auch dann auf der DINI-Website abrufbar.[Fn2]
Als Startschuss in die Veranstaltung gab Dr.
Johannes Fournier – neben der allgemeinen Vorstellung des
DFG-Förderprogramms „Aufbau und Vernetzung von Repositorien“
[Fn3]
eine Reihe von besonderen Denkanstößen zu den gegenwärtigen
Entwicklungen im Bereich rechtlicher Auflagen im US-amerikanischen
und europäischen Kontext wie beispielsweise die Open Access-Mandate
für Bewilligungsempfänger der National Institutes of Health
(NIH), die den freien Zugang zu von ihnen geförderten wissenschaftlichen
Publikationen fordern, sowie die Verabschiedung der „Council
conclusions on scientific information in the digital age: access,
dissemination and preservation“ durch die Europäische
Kommission [Fn4].
Fournier forderte generell eine Publikationsinfrastruktur, über
die Inhalte frei verfügbar verbreitet und langfristig verfügbar
gemacht werden können. Um eine solche zu fördern [Fn5],
unterstützt die DFG bereits Projekte beim Aufbau elektronischer
Zeitschriften. Dies wird in Zukunft noch intensiviert, wenn der
Schwerpunkt einer stärkeren Verzahnung zwischen Forschungsmaterialien,
den eigentlichen Publikationen der Wissenschaftler und den Primärdaten,
greift. Damit können elektronische Zeitschriften im wissenschaftlichen
Umfeld weiter an Attraktivität gewinnen. Qualitativ hochwertige
Ansätze sind bereits vorhanden: Jetzt gilt es, diese zu nutzen
und auszubauen.
Davon abgesehen, dass zukünftige Initiativen
im OA-Bereich einen hohen innovativen Faktor aufweisen müssen,
wurde an dieser Stelle deutlich, dass Wissenschaftler und Autoren
von der Leistungsfähigkeit des OA-Publizierens, der Infrastruktur
der Repositorien und ihrer Mehrwertdienste wie Nutzungs- und Zitationsstatistiken
oder dem Metadatenimport und -export überzeugt werden müssen.
Um eine verstärkte Anbindung der Wissenschaft an die Repositorien
zu erreichen, sollte zudem die Wirkung des deutschen Forschungsbeitrages
durch eine verbesserte nationale und internationale Sichtbarkeit
der Wissenschaftsproduktion verstärkt werden. Mit Blick auf
die schnell ansteigende Wachstumsrate von Repositorien in Deutschland
(und weltweit) müssen Wege aufgezeigt werden, wie eine gezielte
Ansprache der wissenschaftlichen Communities erfolgen kann –
beispielsweise durch die verstärkte Einbindung der jeweiligen
Fachgesellschaften.
Ein richtungsweisendes Projekt ist hier das
DFG-geförderte und von DINI koordinierte OA-Netzwerk (Laufzeit:
9/2007-9/2009) [Fn6].
In diesem Zusammenhang gibt es zwei sehr interessante weitere Projekte:
OA-Statistik und OA-Zitation. Beide fokussieren Serviceleistungen
wie Nutzungsstatistiken und Zitationsanalysen, was alle Sziento-
und Bibliometriker begeistern dürfte, aber auch jenseits der
Wissenschaftsforschung spannende Mehrwerte produzieren kann.
Ausgehend von den Ergebnissen der CNI-JISC-SURF-Konferenz
„Making the Strategic Case for Institutional Repositories“
[Fn7]
im Mai 2005, möchte man mit dem Projekt
„OA-Statistik“ die Infrastruktur für standardisierte
Nutzungsstatistiken unter besonderer Berücksichtigung institutioneller
Repositorien untersuchen und dem Projektziel einer Entwicklung nicht
nur näher kommen, sondern dieses möglichst auch mit Bravour
erreichen. Zusammen mit dem Projekt „OA-Zitationen“,
das mithilfe von DOARC [Fn8]
(Distributed Open Access Reference
Citation Services) Zitationen erschließt und zur Verbesserung
des Impact-Faktors von OA-Publikationen führen wird, erfolgt
damit eine dringend notwendige Harmonisierung und Standardisierung
im Bereich der institutionellen Dokumentenserver.
Die theoretischen Hinweise ergänzte Thomas
Severiens vom Fachbereich Mathematik der Universität Osnabrück
mit seinem praktischen Blick auf eine nötige infrastrukturelle
Vernetzung der Repositorien um die technische Realisierung. So gehören
zu Mehrwertdiensten beispielsweise ein übergreifendes Retrieval
in den Metadaten und Volltexten, ein ebenfalls übergreifendes
Browsing unter Zuhilfenahme der Dewey Decimal Classification (DDC)
und vertiefender Fachklassifikationen sowie diverse Exportschnittstellen
für Printing on demand, OAI-Dataprovider und Alert-Dienste.
Dr. Wolfram Horstmann vom paneuropäischen
Projekt DRIVER [Fn9]
(Digital Repository Infrastructure Vision for European Research)
befasste sich in seinem Beitrag mit der Einbettung deutscher Vorhaben
in den europäischen und internationalen Rahmen. Dabei gab er
einen kurzen Überblick über die nationale (z. B. DARE
in den Niederlanden, SHERPA in Großbritannien und DINI in
Deutschland) und die internationale Infrastruktur-Landschaft
(auf EU-Ebene: e-infrastructures, USA: cyberinfrastructure).
Die sich anschließenden Vorträge
bezogen sich auf den konkreten Aufbau und die Gestaltung von „Green
Road“-Angeboten wie eSciDoc [Fn10]
und das Social Science Open Access Repository (SSOAR).
eSciDoc ist ein Projekt der Max-Planck-Gesellschaft,
das zwar disziplinübergreifend angelegt ist, aber eine vereinheitlichte
Infrastruktur mit einer service-orientierten Architektur besitzt,
so dass es durch jeweils spezialisierte Einzellösungen (Solutions)
auf fachbezogene Repositorien angepasst werden kann. Dies umfasst
auch die Verfügbarmachung von Experimental- und Rohdaten.[Fn11]
Der fachspezifische Dokumentenserver SSOAR [Fn12]
ist aus der OA-Zeitschrift FQS [Fn13]
entstanden, die als eigenständige Marke mit internationaler
Relevanz bereits als etabliert gilt. Ausschlaggebend für Erwägungen
in Richtung Green Road waren die Aktivitäten des Central Repository
PsyDok. Bei diesem Projekt spielt der Beirat von SSOAR eine interessante
Rolle, stammen seine Mitglieder doch direkt aus dem Kern der Wissenschaftscommunity,
was einer starken fachlichen Einbindung „Türen öffnet“.
Ein begeisterter Fachkollege wirkt manchmal weitaus überzeugender
als ein enthusiastischer DINI-Pionier.
Zusätzlich präsentierte Dr. Michael
Diepenbroek vom World Data Center for Marine Environmental Sciences
(WDC-Mare) [Fn14]
PANGAEA (Publishing Network for Geoscientific & Environmental
Data) [Fn15],
ein vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
und der Universität Bremen betriebenes Weltdatenzentrum. Hier
werden seit 15 Jahren äußerst erfolgreich geowissenschaftliche
und umweltbezogene Daten weltweit frei zur Verfügung gestellt.
Das Projekt wurde zuletzt im November 2007 von der Zeitschrift InfoWorld
mit einem Award ausgezeichnet.[Fn16]
Die Verbindung des Institutional Repository der Universität
des Saarlandes mit der lokalen Hochschulbibliographie stellte Ulrich
Herb von der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek
vor. So bilden SciDok und PsyDok eine technisch hervorragend ausgestattete
Infrastruktur zum Self-Archiving. Das Institutional Repository ist
mittlerweile fester Bestandteil der Jahresbibliographie. Durch die
Offenlegung von Primärdaten sollen nicht zuletzt auch die Transparenz
und die Akzeptanz für OA-Repositorien wie SciDok gestärkt
werden. Eine Evaluierung mit transparenten Daten aus der traditionellen
Evaluation mit Publikations- und Zitationsstatistiken zur Ermittlung
des Impact-Faktors und der gleichzeitigen Anwendung von neuen Methoden
wie OA-Statistik/OA-Zitationen kann hier wunderbar zum Ziel führen,
wenn eine gemeinsame Schnittmenge vorliegt bzw. eine verstärkte
Vernetzung mit dem Angebot kommerzieller Datenbankanbieter erfolgt.
Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im wirklich
hervorragenden Köpenicker Ratskeller, wobei es zur Wahl der
Speisen und zum Tischgespräch keine überlieferten Notizen
gab.
Am zweiten Tag des Workshops drehte sich alles weniger
um die Teilnehmer als hauptsächlich um die Publikationsform
eJournals als mittlerweile eine der wichtigsten in vielen wissenschaftlichen
Disziplinen und vielfältigen Open Access-Geschäftsmodellen.
Das elektronische Publizieren nach den Open Access-Prinzipien führt
zu einem allgemeinen Wandel in der wissenschaftlichen Kommunikationskultur.
Daher sind, so Fournier, immer auch wieder neue Entwicklungen bei
den Publikations- und Geschäftsmodellen zu verzeichnen, die
zukünftig die technische Infrastruktur von Repositorien beeinflussen,
wenn diese als Fachrepositorien mit sehr strengen Qualitätskriterien
betrachtet werden.
Mit der Präsentation des DFG-Projekts „GIGA
Journal Family – Open Access“ [Fn17]
(Laufzeit 12/2007-11/2009) durch Wenke Siedersleben (Leibniz-Institut
für Globale und Regionale Studien), das als Querschnittsprojekt
des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) der Leibniz-Gemeinschaft
und der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) fünf
Print-Fachzeitschriften aus den Bereichen Asien, Afrika und Lateinamerika
nun online herausgibt, kam der während des ersten Workshoptages
häufige Wunsch nach einer verstärkten Kooperation zwischen
OA-Repositorien und der wissenschaftlichen Community der jeweiligen
Fachdisziplin durch die fachliche Unterstützung im Beirat des
Projekts und besonders im Rahmen der redaktionellen Arbeit ganz
praktisch zur Sache. Das Journal nimmt in den OA-Bestrebungen der
Leibniz-Gemeinschaft (im Dezember 2007 gab die Leibniz-Gemeinschaft
ihre Empfehlungen zu Open Access heraus) eine Pionier-Position ein.
Geplant ist nach einer fünfstufigen Umsetzungsphase eine Hybridkonstruktion
aus Open Access- und Printausgabe. Finanziert wird dieses Konzept
durch ein Mischfinanzierungsmodell, das über Cost-Sharing auf
fünf Säulen gestützt die einzelnen Medien nicht gegeneinander
ausspielt, sondern kombiniert:
- Printeinnahmen auf Grundlage der Abo- und Subskriptionsstruktur
- Author pays-Modell (Article fees)
- Fondsmodell/Fundraising: Patenschaften
- Burdensharing: internationale Partner im Bereich
Area Studies im Sinne von inhaltlicher Kooperation und Gastherausgeberschaften
- Tax Payer Funded Research (Stiftung GIGA hat den
Publikationsauftrag)
Durch die Weiterführung von bereits etablierten
Zeitschriften mit einem festen Leser- und Autorenstamm kann die
Heranführung von Autoren und Lesern an Open Access wesentlich
vereinfacht werden.
Ulrich Korwitz vom Open Access-Portal German
Medical Science [Fn18]
der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) vermittelte
einen Einblick in die Kundenorientierung für Content-Anbieter
im medizinischen Bereich. Neben Fachzeitschriften und Kongresspublikationen
werden Forschungsberichte Open Access gestellt. Die ZB MED will
durch ihre Aktivitäten im Open Access-Bereich von der passiven
Rolle der Bibliothek weg zum primären aktiven Content- und
Serviceprovider werden, um so auch in der Zukunft ihre Nutzer zu
erreichen und damit ihre Existenz zu sichern. Das Motto lautet demnach:
Agieren statt Reagieren. Nach einer Anschubfinanzierung durch die
DFG und das Bundesgesundheitsministerium basiert das Portal mittlerweile
sowohl auf einer institutionellen Trägerschaft durch die Fachgesellschaften,
die ZB MED und das Deutsche Zentralinstitut für Medizinische
Dokumentation und Information (DIMDI), als auch auf einer Quersubventionierung
durch Kongresse und Print, Refinanzierung durch Werbung und Publikationszuschüsse
(z. B. durch die DFG) sowie Spenden.
Zu den Erfolgsfaktoren des Portals zählen
ein strenges Peer-Review-Verfahren, die hohe Publikationsqualität,
die Zuverlässigkeit von Redaktion und Technik, ein gutes Marketing
sowie regelmäßige Herausgebertreffen und eine turnusmäßige
Evaluation. Vor allem die Wahrung eines unabhängigen Peer Review-Verfahrens
bildet hier ein gewichtiges Argument, mit dem sich Vorwürfen
seitens der Verlage nach einem Verlust der Qualität im wissenschaftlichen
Publizieren wirksam entgegen treten lässt.
Dass Open Access längst auch die Geisteswissenschaften
erreicht, zeigt die Plattform „perspectivia“ [Fn19]
der Deutschen Historischen Institute (DHI) im Ausland. Diese wird
ab Oktober 2008 ausgewählte Publikationen der geisteswissenschaftlichen
Auslandsinstitute kostenlos zur Verfügung stellen. Als Projektträger
treten dabei die Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute
im Ausland und das DHI in Paris (in Kooperation mit der BSB München)
auf. Die Referenten Gudrun Gersmann und Michael Kaiser betonten,
dass derartige Projekte nur auf Basis der Freiwilligkeit funktionieren
und die Autoren von der erhöhten Sichtbarkeit im Netz überzeugt
sein müssen. Das Konzept von perspectivia beruht auf dem Ziel
einer „doppelten Vermittlung“. Das bedeutet, dass deutsche
Forschung in andere Wissenschaftskulturen übertragen wird und
Impulse ausländischer Forschung in die deutsche Wissenschaft
mit einfließen. Publiziert werden die Beiträge mithilfe
eines gemischtes Modells bzw. nach dem Moving Wall-Prinzip: 12 Monaten
nach der Erstpublikation dürfen die Dokumente aus der Printversion
auch online gestellt werden. Diskutiert wurde vor allem die Rechteproblematik
in Bezug auf die Internationalität und die Retrodigitalisierung.
Das OA-Journal „Economics – The
Open-Access, Open-Assessment E-Journal“ [Fn20]
des Instituts für Weltwirtschaft und der Zentralbibliothek
für Wirtschaftswissenschaften gehört zum Fachgebiet Volkswirtschaftslehre
und erscheint nur noch online – bzw. e-only, wie man es unter
Fachleuten nennt. Das Besondere an der Zeitschrift ist, dass den
Lesern die Möglichkeit zum Bewerten und Kommentieren von Artikeln
eingeräumt wird. Damit erreicht man eine besondere Beteiligung
der Fachcommunity mit allen Vor- und Nachteilen. Zudem werden Download-Zahlen
sowie Zitationen der Artikel gezählt, was eine direkte Nutzungsrückkopplung
ermöglicht und u. U. einen zusätzlichen Nutzungsanreiz
darstellt. In Zukunft werden vor allem Marketingaktivitäten
in der wissenschaftlichen Community (z. B. Beiträge auf Fachkonferenzen)
Priorität haben. Paper, die nicht den Qualitätskriterien
von Economics genügen, werden häufig als Diskussionsgrundlage
veröffentlicht und können so in der Community diskutiert
werden.
Die Volltexte von Economics werden in einem Repositorium abgelegt
– hier liegt also eine schöne Verbindung bzw. Schnittstelle
für die Verzahnung von Repositorien und Journals vor.
„Verzahnung“ war auch das Leitthema in
der abschließenden Podiumsdiskussion zur Fragestellung „Wie
ist Deutschland aufgestellt im Bereich der digitalen Repositorien?“.
Allerdings ging es nicht nur um das Zusammenwirken von OA-Publishern
und Repositorien, sondern generell um eine intensive Kommunikation
zwischen Bibliotheken, Medien- und Rechenzentren und der Wissenschaft.
Die Schaffung einer Open Access-Infrastruktur in Verbindung mit
einem gut ausgebauten Angebot an Mehrwert-Diensten soll die wissenschaftliche
Community stärker an Open Access-Repositorien binden und ihnen
den Wert von Open Access für die eigene Forschung verdeutlichen,
so der allgemeine Tenor.
Weiterhin ist zu beachten, dass es nicht einen Königsweg
oder einen Anlaufpunkt für alle wissenschaftlichen Communities
geben kann, so dass sich die Förderungspolitik in Deutschland
möglichst auf einzelne, für Fachcommunities zugeschnittene
Lösungen, konzentrieren muss. In Ergänzung dazu wurde
auf die Vision einer Infrastruktur „One infrastructure fits
all“ anstelle von „One size fits all“ hingewiesen
– Repositorien müssen sich fachspezifisch ausrichten
und so die Infrastruktur mit der wissenschaftlichen Community zusammenbringen.
Die Repositorien und die wissenschaftlichen Communities
miteinander zu verknüpfen, ist eines der festen Ziele von DINI,
so das DINI-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Peter Schirmbacher. Allerdings
ist dieses Ziel längst noch nicht, sondern nur im Ansatz durch
die OA-Plattform erreicht worden.
Dr. Stefan Gradmann benannte das fehlende prägende
deutsche Profil im internationalen Kontext der Repositorien trotz
der sehr guten Aufstellung deutscher Repositorien im Allgemeinen
als ein Defizit – hier sei auch ein DINI-Zertifikat
[Fn21]
nicht ausreichend. So sind die Geistes- und Sozialwissenschaften
in den Maps of Science auf Basis bibliometrischer Daten nur spärlich
vertreten. An dieser Stelle kann z. B. hinsichtlich der Frage, welche
community-spezifischen Erfordernisse an Open Access aus den Human
and Social Sciences gestellt werden, ein wichtiger Beitrag von deutscher
Seite geleistet werden. Die Auseinandersetzung mit komplexen digitalen
Objekten ist ebenfalls ein wichtiger (deutscher) Ansatz. Im geisteswissenschaftlichen
Bereich kann man davon ausgehen, dass die deutsche Sprache als Publikationssprache
weiterhin eine tragende Rolle spielen wird, während der STM-Bereich
zunehmend ausschließlich englischsprachig publiziert. Die
Erhaltung der sprachlichen Diversität ist dennoch vor allem
für die europäische Agenda von Bedeutung.
Dr. Fournier wies in seinem Statement noch einmal
auf die sich unterscheidenden Bereiche Bibliotheken und Rechenzentren
einerseits und die wissenschaftlichen Communities andererseits,
die selbst Publikationssysteme aufsetzen können, hin. Bislang
gibt es nur wenige und in jedem Fall zu wenige Berührungspunkte.
Aufgabe der Repositorien wird es sein, sich überschneidende
Aktivitäten zu erkennen und zu fördern. Natürlich
muss auch geprüft werden, „ob die Community diese spezifischen
Projekte bzw. Dienste braucht.“ Im Vorfeld ist es allerdings
wichtig, die Wissenschaftler zu überzeugen, da diese den Nutzen
und die Bedeutung der Repositorien und eJournals erkennen müssen,
betonte Gudrun Gersmann. Sie sollten vor allem in Ergänzung
zu Workshops stärker auf Fachkonferenzen Präsenz zeigen.
Neben dem Ausbau einer serviceorientierten Architektur muss man
an der Erstellung von konsistenten Data Policies arbeiten,
die auch die Nutzung und Bereitstellung von Primärdaten mit
einschließt.
Peter Schirmbacher fasste als Gastgeber schließlich
die Ergebnisse des Workshops als formulierten Auftrag an die DINI
zusammen, den Versuch zu unternehmen, eine stärkere Verbindung
und Nähe der wissenschaftlichen Community zur Repositorien-Infrastruktur
und zur Open Access-Politik durch eine verstärkte Einbindung
von Fachwissenschaftlern z. B. in das OA-Netzwerk herzustellen.
[Fn 1] Workshop-Seite:
http://www.dini.de/veranstaltungen/workshops/
oa-netzwerk-2008, letzter Abruf: 02.03.2008:
(zurück)
[Fn
2] http://www.dini.de/veranstaltungen/workshops/oa-netzwerk-2008/programm/,
letzter Abruf: 11.03.2008 (zurück)
[Fn
3]. Ausschreibung der DFG: http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/
download/ausschreibung_vernetzung_repositorien_080308.pdf,
letzter Aufruf: 02.03.2008. (zurück)
[Fn
4] siehe dazu: http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/
doc/scientific_information/communication_de.pdf,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn
5] DFG-Positionspapier: „Wissenschaftliche
Literaturversorgungs- und
Informationssysteme: Schwerpunkte der Förderung bis 2015“:
http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/
wissenschaftliche_infrastruktur/lis/ download/positionspapier.pdf,
letzter Abruf: 02.03.2008.
(zurück)
[Fn
6] OA-Netzwerk: http://www.dini.de/oa-netzwerk/,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn
7] Konferenzbericht: http://www.surffoundation.nl/download/
report%20cni-jisc-surf-conference.pdf,
letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)
[Fn
8] DOARC: http://doarc.projects.isn-oldenburg.de/,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn
9] Projekt DRIVER: http://www.driver-repository.eu/,
letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)
[Fn
10] eSciDoc: http://www.escidoc-project.de/,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn
11] eSciDoc Days am 9. und 10. Juni 2008 in Berlin: http://www.escidoc-project.de/JSPWiki/en/EscidocDays,
letzter Abruf: 11.03.2008. (zurück)
[Fn12]
SSOAR: http://www.ssoar.info/,
letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)
[Fn
13] Zeitschrift FQS: http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs.htm,
letzter Abruf: 02.03.2008. (zurück)
[Fn 14]
WDC-Mare: http://www.wdc-mare.org/,
letzter Abruf: 02.03.2008.
(zurück)
[Fn 15]
PANGEA: http://www.pangaea.de/,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn 16]
Infoworld: http://www.infoworld.com/article/
07/11/12/46FEinfoworld100-01-alphabetical_1.html,
letzter Abruf: 02.03.2008 (zurück)
[Fn 17]
GIGA Hamburg Publikationen:
http://www.giga-hamburg.de/index.php?
file=publikationen.html&folder=publikationen,
letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)
[Fn 18]
Portal German Medical Science:
http://www.egms.de/de/,
letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)
[Fn 19]
Perspectivia: http://www.perspectivia.net,
letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)
[Fn 20]
eJournal Economics: http://www.economics-ejournal.org/,
letzter Abruf: 04.04.2008. (zurück)
[Fn 21]
DINI-Zertifikat: http://www.dini.de/service/dini-zertifikat/,
letzter Abruf: 04.04.2008 (zurück)
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