| Rezension zu: Christian
Woll (2006) Bibliotheken als Dienstleister im Publikationsprozess.
Herausforderungen und Chancen des wissenschaftlichen Publizierens.
Saarbrücken: VDM, € 59,00 (gebundene Ausgabe), ISBN: 978-3-86550-336-7
von Elise Harder (info)
Vielerorts müssen Bibliotheken ein Zeitschriftenabonnement
nach dem anderen kündigen, denn ihre Etats reichen für
die ständig steigenden Zeitschriftenpreise schon lange nicht
mehr aus – die „Zeitschriftenkrise“ grassiert
an unseren Bibliotheken und findet immer neue Opfer.
Nein, ein Allheilmittel dagegen hält auch Christian Woll nicht
bereit, aber er zeigt, wie mit Hilfe alternativer Publikationsstrukturen
versucht wird, der Marktüberlegenheit großer wissenschaftlicher
Verlage entgegenzuwirken.
Dabei geht der Autor zunächst auf die konventionellen
„Abwehrstrategien“ der Bibliotheken ein: verzweifeltes
Abbestellen der Printabonnements (z.T. zugunsten von E-Ausgaben),
das Bilden von Konsortien wie auch das Erhöhen von Bibliotheksetats;
allesamt Lösungen, die leider nur einen Tropfen auf den heißen
Stein darstellen, wenn nicht gar das Gegenteil des gewünschten
Effekts veranlassen.
Im Anschluss daran betrachtet Woll, welche Lösungen
der Bereich des Open Access bisher herbeizuführen im Stande
ist, bzw. einmal sein könnte. Hierbei erläutert er, wie
sich der Weg des freien Zugangs von Information im Netz bisher gestaltet
hat, was es mit Begriffen wie Self-Archiving, also institutionellen
und fachlichen Repositorien auf sich hat und welche Einschränkungen
dazu führten und noch führen, dass sich der Weg des Open
Access beschwerlicher gestaltet, als ursprünglich angenommen.
Dabei geht Woll auch gezielt auf Vorurteile und Ängste ein,
die als Ursachen für diese Hemmnisse in der Entwicklung alternativer
Publikationsstrukturen zu sehen sind, als da wären Angst vor
Plagiaten, urheberrechtliche Bedenken etc. Wie Bibliotheken den
Open Access-Gedanken für sich nutzen und z.B. gegenüber
ihren Geldgebern rechtfertigen können, wird leider nur sehr
oberflächlich besprochen. Hier hält der Titel leider nicht
ganz, was er verspricht.
Erst das letzte Drittel der Publikation beschäftigt
sich näher mit der Rolle von Bibliotheken im Publikationsprozess.
So wird hier beispielsweise auf die Thematik der Hochschulverlage
eingegangen, an deren Durchführung nicht selten die Bibliotheken
beteiligt werden, um zusätzliche Stellen einsparen zu können.
Abschließend geht Woll auf die Bedeutung der
Bibliothek als Informationsvermittler im zunehmend digitalen Zeitalter
ein. Leider finden auch in diesem Bereich manche Aspekte nur kurz
in der Zusammenfassung Erwähnung, die gerade für Leser
aus dem bibliothekarischen Bereich genauer hätten dargelegt
werden können. Der Autor verweist dabei auf zukünftige
Entwicklungen im Bibliothekswesen, ohne die nötigen Schritte
zu erläutern, die Bibliotheken dafür umzusetzen haben.
Mit „Bibliotheken als Dienstleister im Publikationsprozess“
hat Woll dennoch ein Buch vorgelegt, dass sich durch seine kurz
und prägnant gehaltenen Abschnitte auszeichnet, welche die
wichtigsten Aspekte rund um die aktuellen Entwicklungen im Bereich
des wissenschaftlichen Publizierens leicht verständlich erläutern.
Es ist dadurch ein gelungenes Überblickswerk entstanden, das
sowohl Studenten der bibliothekarischen Fachrichtungen als auch
Fachleuten aus der Bibliothekspraxis den Einstieg in die Thematik
wesentlich erleichtern wird. Es werden sonst für den Laien
oft undurchsichtig erscheinende Zusammenhänge logisch und einfach
dargelegt, was Neulingen sehr zugute kommen wird, Spezialisten in
diesem Bereich jedoch nur wenig wirklich neue Erkenntnisse liefern
dürfte. Das sollte jedoch nicht dem Autor zur Last gelegt werden,
sondern ist in vielen Bereichen, die das Buch anspricht, schlicht
der Tatsache geschuldet, dass (tiefer gehende) Erfahrungen aus dem
deutschen Raum fehlen.
Das Buch zeichnet sich neben den kurzen Erläuterungen
von Fachtermini im Bereich der alternativen Publikationsstrukturen
– ein Abkürzungsverzeichnis wäre sicherlich zusätzlich
sinnvoll gewesen – ebenso aus, wie vor Allem auch durch seine
sehr ausführlichen Recherchen, die sich im umfangreich angelegten
Anhang widerspiegeln. Hier finden sich neben einer Auflistung sämtlicher
Dokumenten- und Publikationsserver deutscher Universitäten
auch die eigens vom Autor recherchierten Profile sämtlicher
deutscher Hochschulverlage.
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