| Bibliothek(swissenschaft)
2.0. Neue Auflage oder Wende in Forschung und Lehre?
von Hans-Christoph Hobohm (info)
Vortrag auf dem 2.
gemeinsamen Bibliothekstag Berlin/Brandenburg am
29. September 2007 in Frankfurt/Oder
Versionierung
| Trendforschung: OCLC, Horizon,
Taiga | Neue
Erklärungsmuster für die Bibliothek
| Neues Paradigma für die
Bibliothekswissenschaft | Schluss
Versionierung
Als nach der New Economy-Blase das Internet totgesagt wurde und
der O’Reilly-Verlag 2004 das Catch-Word Web 2.0 kreierte,
ahnte keiner, was in den folgenden Monaten passieren würde.[Fn1]
Jetzt sind wir sogar bei Computer 2.0
und Bibliothekswissenschaft 2.0 angekommen. Die dritte Version ist
im Anzug. Selten ist ein Begriff so schnell von den Medien und den
unterschiedlichsten Fachwelten aufgenommen worden. Handelt es sich
nur um einen so genannten Hype? Nun: Hype kommt von Hyperbel, der
rhetorischen Figur für Übertreibung und der mathematischen
Figur einer meist stark abfallenden Kurve (mir würde in beiden
Disziplinen allerdings besser die Parabel gefallen...). Ein Redakteur[Fn2]
der Technology Review von Heise nannte dies treffend die „Fieberkurve
der Aufmerksamkeit“. In der Tat befindet sich Web 2.0 auf
dieser Kurve auf dem Abstieg in das Tal der Enttäuschungen.
Dies ist ja das Thema einer Reihe von Beiträgen in der Blogosphäre
in der letzten Zeit. Es erstaunt im Grunde immer wieder, wie exakt
die Gartner Hype Cycle-Kurve[Fn3]
vor allem technologische Entwicklungen vorhersagen kann.
Der Begriff Library 2.0 war ebenfalls sehr schnell
auf der Agenda. Früh kreierte die ALA ihr tag „ALAL2“
und ihr Weblog „Library 2.0“. Schnell endete aber auch
das Interesse der ALA daran.[Fn4]
Macht es Sinn, trotz abfallender Hype-Kurve und nachlassender Aufmerksamkeit
hierzulande noch von Bibliothek 2.0 zu sprechen? Und noch dazu von
einer neuen Version der damit befassten Wissenschaft? Ich finde
ja, auch wenn man sich trefflich über die Art der Namensgebung
und die Auflagennummer streiten kann.
Allerdings muss man sich von der strikten Definition
trennen, die neue Version hätte primär etwas mit neuer
Technologie zu tun. Gartners Hype Cycle suggeriert dies zwar, aber
gerade damit sind wir bei einem Hauptproblem der Informationswissenschaft
und wir sollten uns hüten, diesem erneut zu verfallen. Zu oft
wird Information mit Informationstechnik gleichgesetzt. Bezeichnend
ist in diesem Zusammenhang das vor einem Jahr viel diskutierte „Librarian
2.0 Manifesto“ von Laura Cohen[Fn5].
Hier ist nicht die Rede von neuer Informationstechnik, sondern von
einer neuen Unternehmenskultur, die auf Kundenorientierung, Kreativität
und Vertrauen setzt.
Schon vor ziemlich genau zehn Jahren hatte
ich die Gelegenheit, auf den notwendigen grundlegenden Mentalitätswandel
im Bibliothekswesen hinzuweisen[Fn6].
Damals entdeckte man im Bibliothekswesen und in der Informationswissenschaft
ganz allmählich den schon lange in den Unternehmensfluren zu
hörenden Ausspruch des Wandels von Verkäufer- zum Käufermarkt.
Das ging soweit, dass man den Paradigmenwechsel mit dem Begriff
der „just-in-time-Bibliothek“ beschrieb. Nicht mehr
lange Dokumentlieferzeiten, sondern ggf. elektronische, sofortige
– subito(!) – Lieferung der Informationen und Volltexte.
Es war die Zeit der beginnenden Internet-Ära. Eine Etappe in
der Geschichte der Beschleunigung der Welt. Alle lernten HTML.
Und die Bibliothekare stellten sich Schilder
vor den Auskunftsplatz, der sie als Search Engine und eben nicht
mehr als Librarian auswies. Die berühmte Karikatur[Fn7]
von Dave Coverly hängt immer noch in den meisten Bibliotheken.
Bezeichnenderweise hängt an der Wand der dort abgebildeten
Bibliothek eine Aufforderung, der armen Bibliothek zu helfen. Man
spürt schon die Angst im Nacken. Aber hilft da ein „Umlabeln“:
Die Bibliothekarin wird zur Suchmaschine? (bzw. die Bibliothekarin
1.0 zur Bibliothekarin 2.0?). Noch problematischer wird es, wenn
die Bibliothekarin sich die neue Welt nur in Form von T-Shirts überzieht,
deren Aufschrift an den Google-Schriftzug erinnern soll. Das Spiel
mit Namen, Begriffen und Buchstaben ist gefährlich. Ontologen,
wie es die Bibliothekare sind, sollten besser hellhörig werden:
Hier stimmt etwas nicht so recht. Flugs ist auch schon Ms. Dewey
zur Stelle, die die leibhaftige Bibliothekarin ganz ersetzt hat
und auf die Frage nach der Bibliothekswissenschaft etwas nervös
reagiert.[Fn8]
An die Stelle der Bibliothekarin, die (informations)kompetent die
richtigen Auskünfte erteilt, sind – machen wir uns nichts
vor – Google und Wikipedia getreten. Da hilft ein Austauschen
der Label und Namensschilder nichts.
Das Problem liegt immer noch in der erwähnten
Verwechslung von Information mit Informationstechnik. Dieses Problem
bescherte uns die nachrichtentechnische Informationstheorie und
die darauf aufbauende Informationswissenschaft aus dem Geiste der
Datenbankforschung. Als man in den 1990er Jahren von der Informationsgesellschaft
sprach, meinte man ausschließlich die Informationstechnikgesellschaft.
Und auch die jüngsten nationalen und internationalen Gipfeltreffen
zu dem Thema zeichnen sich dadurch aus, dass sie von der IKT-Industrie
dominiert werden und die Stimme von Zivilgesellschaft und Informationswissenschaft
ausblenden.[Fn9]
Noch während – oder gerade während
– der Kulminationsphase des New Economy-Internet-Hypes, erscheinen
zwei wichtige Statements, die Einiges plötzlich (?) ganz anders
sehen. Die Harvard-Wirtschaftsprofessoren John Seely Brown und Paul
Duguid beschreiben eindringlich, dass die Spezies „Information“
zu der Gattung der Lebewesen gehört: „The Social Life
of Information“ öffnet vielen die Augen. Ziemlich genau
zur gleichen Zeit veröffentlicht eine Gruppe von Wirtschaftspraktikern
und Wirtschaftspublizisten[Fn10]
um David Weinberger eine Liste von Statements zum wahren Charakter
des Internets und seiner Wirtschaftskraft. Es handelt sich um die
95 Thesen des „Cluetrain Manifesto“, dessen Hauptaussage
der Hinweis ist, dass die Kunden im Zeitalter des Käufermarktes
Gespräche führen, miteinander reden, über Mund-zu-Mund-Propaganda
über Wohl und Wehe eines Produktes und einer Firma entscheiden
können und dies mit Hilfe des Internets so schnell und effektiv
wie nie zuvor tun. Neben der Kernthese „Märkte sind Gespräche“
finden sich darin aber auch so kryptische Aussagen wie „Menschen
erkennen einander am Klang ihrer Stimme.“ Wir schreiben das
Jahr 2000, nicht das Weblog-Jahr 2001, das Web 2.0-Jahr 2004 oder
das Second Life-Jahr 2007. Die Cluetrain-Thesen klingen in manchen
Ohren zu provokativ und die These von der sozialen und eben nicht
technischen Grundbedingung von Information, wie sie die Wirtschaftswissenschaftler
formulieren, war wohl noch zu kompliziert, so dass der semantische
Raum trotz allem frei blieb für ein neues Label, ein frisches
Branding, eben „Web 2.0“. Dass dieses mit einer Versionsnummer
versehen war, zeugt lediglich davon, dass auch im O’Reilly-Technikuniversum
ein Paradigmenwechsel erkannt wurde. Dass diese Versionierung sich
in den letzten Jahren so häuft, deutet darauf hin, dass es
sich in der Tat in erster Linie um ein erfolgreiches Branding handelt.
Etwas Besseres konnte dem Verlag nicht einfallen.
Trendforschung: OCLC, Horizon, Taiga
Dass sich die Welt grundlegend – gerade auch
im Zusammenhang mit der Entwicklung des Internet – ändert,
ist spätestens seit Manuel Castells Mitte der 1990er Jahre
weit rezipierter Trilogie „Aufstieg der Netzwerkgesellschaft“
akzeptierte Tatsache. Lediglich die Akzente und Erklärungsmuster
unterscheiden sich. Dass der Wandel grundlegender sein könnte,
als frühere gesellschaftliche Entwicklungen des 20. Jahrhunderts,
lässt sich an einer kaum übersehbaren Konjunktur von Zukunftsforschungen
und Trendanalysen erkennen. Delphi-Befragungen, Zukunftswerkstätten
und Szenariotechniken werden sozialwissenschaftliche Erhebungsmethoden
erster Wahl. Paul Miller vom Softwareunternehmen TALIS thematisiert
genau diese, in der Szenariotechnik so wichtigen und eben nicht
vorhersehbaren disruptiven Innovationen, mit denen sich gerade auch
die Bibliothekswelt auseinandersetzen muss.
OCLC, das Online Computer Library Center in
Dublin/Ohio, griff diese Frage nach der Zukunft ebenfalls schon
2003 in der von der angloamerikanischen Bibliothekswelt viel beachteten
Studie Environmental Scan 2003 auf, mit der OCLC eine ganze Reihe
von Trendstudien zur Unterstützung der Neudefinition der Mitgliedsbibliotheken
startete[Fn11].
Mit Spannung wird derzeit der Report 2007 zu Social Networking unter
dem Titel „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“
erwartet[Fn12]
.
Educause, die US amerikanische Non-profit Organisation
zur Entwicklung und Beobachtung neuer IT-basierter Ansätze
für den tertiären Bildungssektor, gibt ebenfalls orakelgleiche
Trendprognosen heraus[Fn13].
Der so genannte „Horizon Report“ des Jahres 2007 betont
hier z.B. die aktuelle Bedeutung der Diskussion um den User Generated
Content und Social Networking („Time-to-Adoption: One Year
or Less“) – die,, sagen wir, „Dislokalisierung“
der Welt mit dem Trend zum Einsatz von Mobiltelefonen und virtuellen
Welten im Lernen („Time-to-Adoption: Two to Three Years“)
und einer am Horizont nahenden gänzlich neuen Praxis des wissenschaftlichen
Publizierens sowie des Einsatzes von „Massively Multiplayer
Educational Gaming“ („Time-to-Adoption: Four to Five
Years“). Auffällig ist hier im Vergleich zum Bericht
des letzten Jahres eine deutliche Rücknahme rein technologischer
Hightech-Visionen wie Enhanced Reality u.a. sowie eine Stärkung
inhaltlicher, nicht primär technologischer Trends.
Eine Gruppe amerikanischer Bibliotheksdirektoren nahm
sich im März 2006 ebenfalls der Erforschung der eigenen Zukunft
an und kam zu dem provozierend-pessimistischen Schluss, dass für
Hochschulbibliotheken die nächste Zukunft eher einer Verödung
gleich kommt: Sie nannten sich deshalb „Taiga Forum“,
tatsächlich in Assoziation zur bekannten unwirtlichen Klimazone
der Nordhalbkugel. Ihre zentrale These ist: In fünf Jahren
wird die Bibliothek nicht mehr sein, was sie war, vor allem weil
die physisch vorhandenen Objekte und Einrichtungen bis hin zum Personal
stark ausgedünnt werden und Google die Rolle der wissenschaftlichen
Informationsvermittlung übernommen hat. Hier treffen sich die
Prognosen ziemlich genau mit den Einschätzungen von Horizon
2007.
Im OCLC-Newsletter „Nextspace“ wurde
2006 explizit der Einfluss von Web 2.0 auf die Bibliothek diskutiert[Fn14].
Zukunftsforscherin Wendy Schultz entwirft dort das optimistischere
Bild der „Bibliothek 4.0“ und sie macht die Versionierung
nicht an der technologischen Entwicklung fest, sondern eher an prinzipiellen
Überlegungen zu Aufgabe und Funktion von Bibliotheken. Wird
die aktuelle Bibliothek (1.0) eher als Wirtschaftsfaktor gesehen[Fn15],
ist die nächste Ausprägung der Bibliothek die eines spezifischen
Angebotes oder Produktes in der vernetzten Welt, wo die technischen
Errungenschaften des Web 2.0 neue partizipative Möglichkeiten
für bibliothekarische Dienstleistungen ergeben. Ihre dritte
Versionsnummer entspricht eher den verschiedenen technologischen
Trends, die vermuten lassen, dass die „Gaming Generation“
auch tatsächlich nur noch über Online-Games und virtuelle
Welten ansprechbar ist. Hier werden jedoch gerade die Bibliothekare
aktiv beratend, vernetzend und bewertend „unterwegs“
sein werden, – als Avatare – vielleicht menschlicher
als die oben erwähnte Ms Dewey. In dieser „3D-Bibliothek“
werden „die Leute eher Bibliothekare sammeln als Bücher“,
schreibt Wendy Schultz.
Die ultimative Zukunftsvision „Bibliothek
4.0“ wird die Wissensinspirationsquelle der Erlebnisgesellschaft
sein. Es wird der Ort sein, der gerade eine Zuflucht bietet vor
der technisierten Welt mit seinen ubiquitären Computern, eine
WLAN-freie Zone, in der man sich treffen kann wie in der guten alten
County House Bibliothek, bei Kaffee, gutem Whiskey und Gesprächen,
ohne dass die modernen multimedialen Möglichkeiten der Ideenfindung
und Kreativität verbannt wären: ein zeitgemäßer
„Knowledge Spa“. Ganz so utopisch wie es sich anhört,
ist dieses Bild nicht – ich möchte nur an die Idea Stores
im Londoner Bezirk Tower Hamlets erinnern[Fn16],
die vieles vorwegnehmen, was Wendy Schultz noch 2006 als ferne Vision
zeichnet.
Selbst wenn hier die „Versionierungsmarotte“
– sicher auch ironisch – übertrieben wird und utopische
Elemente bleiben werden, die Basiseinteilung vor allem in die ersten
drei und den vierten, die anderen integrierenden Typus, trifft den
Kern einer Reihe von Argumenten, die schon seit Jahren immer wieder
mit Bibliotheken in Verbindung gebracht werden[Fn17],
deren Widerhall wir in mancher wirtschaftswissenschaftlichen oder
allgemeinen soziologischen Diskussion wie z.B. dem Cluetrain Manifest
oder Manuel Castells Gesellschaftsanalyse auch finden.
Neue Erklärungsmuster für
die Bibliothek
Auch Ulrike Steierwald betonte z.B. in ihren
„Thesen zur Bibliothekswissenschaft in Deutschland“
unlängst die Besonderheit der aktuellen gesellschaftlichen
Situation. Sie spricht von einem medienwissenschaftlichen Umbruch,
der eine grundsätzliche Neuorientierung in der „Rollendefinition
zukünftiger Vermittler in einem dynamischen Bildungsprozess“
erfordert[Fn18]
.
Es dreht sich eben gerade nicht in erster Linie
um die Komponente „Auskunft“, die die Web 2.0-basierte
Bibliothek angesichts des stets anwachsenden Übermaßes
an Information perfektionieren könnte, sondern um gänzlich
andere Qualitäten, um eine Wiedergewinnung ursprünglicher
Funktionen. Sicher ist die Beherrschung des steten Wachstums der
Bibliothek ihr wichtigstes Arbeitsfeld. Aber schon für S.R.
Ranganathan ist es erst das fünfte seiner Gesetze, die ersten
vier beziehen sich ausschließlich auf Kundenorientierung [Fn19],
auch wenn sich dabei ähnlich wie bei Martin Schrettinger sein
Hauptaugenmerk auf die Erschließung richtet.
Aber haben wir nicht doch, erstarrt vor dem Faszinosum
der exponentiellen Kurve des Wachstums des Bücherberges, das
Wesentliche aus den Augen verloren? Schon die genauere Betrachtung
des Wortes „Bibliothek“ zeigt sie uns mitnichten als
Theke für die Vermittlung oder Aufbewahrung von Büchern.
Der Wortbestandteil „Biblio-“ verweist genauso wie das
Wort „Buch“ selbst nicht auf die Gutenbergsche Form
der Massenproduktion von Kodices, sondern auf zeit- und kulturspezifische
Beschreibstoffe, auf die mediale Form des Informationsträgers,
während die „Theke“, die ebenso kultur- bzw. ggf.
medienspezifische Organisationsform beinhaltet ursprünglich
mit Sicherheit die etymologisch korrekte „Kiste“, später
als Volksetymologie tatsächlich die Theke, die jetzt zum mehr
oder weniger barrierefreien Internetportal mutiert, ist.
In dem, in diesem Jahr erschienenen, letzten
neuem Kapitel seiner Kleinen Bibliotheksgeschichte erläutert
Uwe Jochum unter der Überschrift „Hybride Bibliotheken“,
was inzwischen passiert ist[Fn20].
Unter der technischen Oberfläche des Internets macht er die
Wiederkehr des Ortes aus. Aus ökonomischer, juristischer und
sogar technischer Hinsicht ergibt sich eine kulturelle Rekontextualisierung
der Bibliothek als Konsequenz der technischen Globalisierung. Man
denke nur an IP- gesteuerte Zugänge zu Datenbanken und Textarchiven,
die nur in den Räumen der Bibliothek benutzbar sind, oder an
die oft landesspezifischen Urheberrechtsregelungen. Gerade die ökonomischen
Zwänge, beispielsweise ausgelöst durch die Zeitschriftenkrise,
werfen die Bibliothek bei der finanziellen Rechtfertigungsdebatte
mit dem Unterhaltsträger auf den ureigenen, lokalen Nutzungszusammenhang
zurück.
Die Rekontextualisierung der Bibliothek beinhaltet
nicht nur eine Aufwertung des realen Ortes und eine Besinnung auf
die Zeit im Sinne von Überlieferung und Geschichte, sondern
betreibt eben auch die Wiederhereinnahme des Analogen, wie es das
Konzept der hybriden Bibliothek beschreibt. Es wird aber deutlich,
dass die zaghafte Frage nach der Hybridisierung der digitalen Bibliothek
ganz andere Konsequenzen hat, denn:
„[...] die langjährige Fixierung
auf die Datentechnik hat die Bibliotheken in ihrem Selbstverständnis
zu reinen Zukunftseinrichtungen stilisiert, die ihre Modernität
[...] durch Adaptation an die jeweils neueste Datentechnik sichern
wollten.“ (Jochum, S. 237)
Während man damit mehr oder weniger erfolgreich
versuchte, das Status- und Imageproblem von Bibliotheken zu lösen,
handelte man sich durch den Verlust an eigener Geschichte (zumindest
im Curriculum) auch den Verlust an eigener Identität ein und
verbaute sich zusätzlich den Blick auf die Gegenwart, in der
unzählige andere Medien um die Aufmerksamkeit der Nutzer buhlen.
Die Karikatur der Librarian Search Engine zeugt unfreiwillig davon.
Genau wie Wendy Schultz’ „Neo-Library 4.0“ muss
eine Hybridisierung in dieser Form nicht bedeuten, auf den datentechnischen
Zukunftsstrom ganz zu verzichten. Es geht um das Finden eines ausgewogenen
Verhältnisses zwischen linker (digitaler) und rechter (analoger)
Gehirnhälfte[Fn21].
In unserer reinen buch- und schriftorientierten, männlichen
Kultur wird ohne Zweifel die linke, kognitive Gehirnhälfte
bevorzugt. Dass die Wiedergewinnung der rechten Gehirnhälfte
auch für wirtschaftliche Zusammenhänge bedeutsam ist,
weiß das Marketing schon lange, wenn es sich mit Lebensstilen
und affektiven Komponenten bei der Produktwahrnehmung beschäftigt.
Georg Franck und Joseph Pine machten darauf
aufmerksam, dass in unserer heutigen Zeit neben den rationalen Umsatzzahlen
gerade auch im weiteren Sinne affektive Komponenten unser Handeln
bestimmen. Unser Verhalten, d.h. die Aufmerksamkeit, die wir bestimmten
Dingen bevorzugt widmen, ist bestimmt von unseren Erfahrungen. Die
Alltagserkenntnis, dass positiv besetzte Erfahrungen und Erlebnisse
unsere Aufmerksamkeit später erneut stärker anziehen als
negative, macht sich die Aufmerksamkeitsökonomie zu Nutze.
Die vier Bibliothekstypen von Wendy Schultz folgen denn auch dem
Muster von Pine’s Experience Economy: während Waren und
Güter austauschbar, Produkte zumindest fassbar (tangible)
und Dienstleistungen immateriell sind, sind Erfahrungen und Erlebnisse
erinnerbar[Fn22].
Starbucks verkauft keinen Kaffee mehr, sondern dass Erlebnis des
Kaffeetrinkens in ästhetischer Atmosphäre. Die hier deutlich
werdende Verbindung von Erfahrung und Erinnerung verschärft
Georg Franck, wenn er sagt[Fn23],
„Wir erleben nicht einfach, was uns die
Umwelt [...] präsentier[t]; wir erleben, worauf wir [...]
zu achten gelernt haben.“
Die Betonung von Erlebnisqualität und Aufmerksamkeitswert
von Produkten und Dienstleistungen hat also nicht nur etwas mit
der akuten Reizüberflutung zu tun, sondern geht auf Grundzüge
des Menschen ein[Fn24].
Auch das Internet, jenes unendliche Informationsarchiv, das manche
die Bibliothek nennen, erhält seinen hohen Aufmerksamkeitswert
nicht durch die vielen Datenbanken, die dort recherchierbar sind.
Es sind die Personen, die etwas ins Netz stellen, die sich dort
zur Schau stellen und über sich erzählen. Das Web ist
schon immer eher ein Kommunikationsmedium als ein „Informationscontainer“
gewesen – noch bevor es spezielle sog. Soziale Software dafür
gab. David Weinberger erläutert in seiner „Unified Theory
of the Web“ wie sehr auch diese Kommunikation einen eher affektiven
Hintergrund hat: es sind die Personen, die uns interessieren und
uns gar unterhalten und nicht die Wissens- und Informationsstückchen
der publizierten Texte und Bilder. Diese erhalten für uns erst
Sinn durch ihren personellen Kontext. Ähnlich wie Uwe Jochum
kommt er zu dem Schluss, dass es gerade das anonyme, unpersönliche
Web ist, das uns wieder auf die emotionalen, ja körperlichen
Bedingungen zurückbringt. Das eigentliche „Wissen“,
das uns im Netz interessiert, ähnelt eher einem „Joke“
– Witz hört sich hier zu pejorativ an. Ein Witz ist gekennzeichnet
dadurch, dass er etwas Unerwartetes als Pointe bringt, was uns zum
Lachen bringen kann. Witze stellen unerwartete Kontexte her. Ein
Lachen ist meist Ausdruck plötzlichen Wissens. Datenbanken
bringen nichts prinzipiell Unerwartetes hervor; Flugpläne,
Kataloge und Behördeninformationen sind im Grunde langweilig.
Das, was das Web interessant macht, ist das, was wir nicht erwarten,
wo wir abdriften, zu surfen beginnen, oft ohne es zu wollen[Fn25].
Diese „Gewitztheit“, Spaß und „Erlebnisse“
lassen es uns unterhaltsam erscheinen, genau wie Geschichten, Lieder
und Musik Emotionen ansprechen.
Umberto Eco[Fn26],
hat das gleiche einmal für die Bibliothek beschrieben:
“Eines der Missverständnisse,
die den allgemeinen Begriff der Bibliothek beherrschen, ist
die Vorstellung, dass man in die Bibliothek geht, um ein bestimmtes
Buch zu besorgen, dessen Titel man kennt. [...] Die Hauptfunktion
einer Bibliothek [...] ist die Möglichkeit zur Entdeckung
von Büchern, deren Existenz wir gar nicht vermutet hatten,
aber die sich als überaus wichtig für uns erweisen.”
„So erlebt wird die Bibliothek zu einem Abenteuer“
Ob Eco diese Gewitztheit der Bibliothek im Blick
hatte, als er in seinem Roman „Der Name der Rose“ über
den Verlust des zweiten Buches der Poetik von Aristoteles, dem Teil
zur Komödie, im Zusammenhang mit einer brennenden Bibliothek
nachdachte?
Eine der Ausgangsüberlegungen von Weinberger bezieht sich auf
die Arbeiten des Kognitionswissenschaftlers und Sprachphilosophen
Andy Clark, der u. a. die These vertritt, dass unser Wissen von
den Dingen, die uns umgeben von unserem Körper abhängig
ist – nicht nur vom Funktionieren unseres Gehirns. Wissen
findet eben nicht nur in der Suchmaschine statt, sondern auch im
menschlichen Körper[Fn27].
Das weniger Rationale ist auch die zentrale These des Cluetrain
Manifestos: der Markt als Gespräch und nicht als gezielte Preisinformation.
Erzählen, Dialog, persönliche Erfahrungen sind dabei auch
Schlüsselbegriffe des modernen Wissensmanagements, und Weinberger
deutet dazu sogar die Hierarchie von „Daten, Information und
Wissen, Weisheit“[Fn28]
(DIKW) um zu „Daten, Information, Geschichten“ (DIS)[Fn29].
Und wirklich: „story telling“ – oder auf Deutsch:
das „Harun-al-Raschid-Prinzip“ – ist im (betrieblichen)
Wissensmanagement ein wichtiges Instrument.
Die dialogische Komponente daran bringt uns
schließlich zu einer Synopse von Michael Giesecke, die das
Gesagte auf die eingangs zitierten Trendforschungen beziehen lässt.
Im Hinblick auf kommunikative Kooperationsformen stellt er eine
ähnliche Hierarchie auf, wie wir sie schon bei Wendy Schultz
und Joseph Pine gesehen haben. „Kommunikative Kooperationsformen“
gehen im steigenden Grad ihrer Komplexität vom Beschreiben
(1) und Argumentieren (2) zum Erzählen (3) und dem Dialog (4).
Diesen vier Ebenen zugeordnet sind verschiedene ihnen entsprechende
Tätigkeiten, Rollen und professionelle Ausprägungen. Auf
der ersten Ebene dreht es sich um den reinen Ausgleich eines Informationsdefizits
durch einen Experten im Sinne der z.B. schulischen Instruktion.
Die zweite Ebene ist die der Reflexion und Argumentation zwischen
Experten, während die dritte auf menschlichen Erfahrungen basiert
und die Entlastung des Erzählers (vielleicht auch im übertragenen
Sinn) erreicht. Meines Erachtens geht dies, wenn die Kommunikation
besonders gelingt, fließend in den fruchtbaren Dialog, der
vierten Ebene über, wo sich Standpunkte verflüssigen und
dabei kollektives Wissen hervorgebracht wird. Hier wirkt die sog.
kollektive Intelligenz[Fn30]
der „Vielen“ in ihrer persönlichen und kulturellen
Unterschiedlichkeit.
Neues Paradigma für die Bibliothekswissenschaft?
Dialog, Erfahrung, Erzählen, Aufmerksamkeiten,
Raum, Zeit, Körper und Kognition sind Themen, die bisher kaum
in der Bibliothekswissenschaft behandelt wurden. Sie sind aber,
wie ich versucht habe zu zeigen, „en vogue“ (der „Hype“)
im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs. Und ob man es will oder
nicht: Bibliotheken sind immer Teil der sie tragenden Organisationen
und Systeme – ob national oder lokal: sie sind gesellschaftliche
Institutionen und Orte und haben gesellschaftliche, bzw. organisationsinterne
Aufgaben und Funktionen.
Waren in den 1990er Jahren Kundenorientierung, Qualitätsmanagement
und Sozialforschung – also die Entdeckung des Managements
– zentrale Fragestellungen, so haben sich jetzt – nach
einigem Erreichten – neue Themen ergeben. Manche wurden wiederentdeckt,
einfach weil sie lange verschüttet waren; manche traten zu
Tage gerade durch die globale und allgegenwärtige Technisierung
der Lebenswelten. Die Einführung des Managements war im Grunde
noch recht einfach, konnte man sich oft fast Eins-zu-Eins der Methoden
der Wirtschaftswelt bedienen. Schwierig war und ist der individuelle
Mentalitätswandel, den die Management durchdrungene heutige
Welt verlangt. Die Anforderungen, die eine Neo-Library 4.0 an die
professionellen Kompetenzen und Hintergrundreflexionen (also an
die Bibliothekswissenschaft in Forschung und Lehre) stellt, sind
ungleich komplexer und werden sich sicher nicht so einfach in Weiterbildungszertifikatskursen
abarbeiten lassen. Dass manche Unterhaltsträger diese Situation
verstanden haben, davon zeugen eine Reihe spektakulärer, realisierter
und geplanter Bibliotheksbauten, auch in der Region Berlin-Brandenburg,
die genau die oben erwähnte vierte Ebene ansprechen.
Es wird zunehmend deutlich, dass die große
Errungenschaft der Bibliothekswissenschaft der 1970er Jahre, „Bibliotheken
als spezielle Informationssysteme“ zu bezeichnen[Fn31],
zumindest um die eine oder andere Dimension soziologischer, philosophischer,
medienwissenschaftlicher, neurophysiologischer und anderer Art erweitert
werden muss – genau wie dies in den sie umgebenden Wissenschaften
und gesellschaftlichen Diskursen geschieht. Schon 1995 hatte Uwe
Jochum vor einer allzu starken Bindung an die Informationstechnik
und den Verlust des Selbstverständnisses[Fn32]
als historisch gewachsener gesellschaftlicher Institution gewarnt.
Natürlich wird es sich hier nicht um eine Neuauflage alter
Traditionen, einer der Bibliotheksgeschichte oder philologischen
Bestandbetrachtungen verschriebenen Bibliothekswissenschaft handeln.
Es wird vielmehr um systematisches Ausloten des Standpunktes der
Institution Bibliothek in ihrem jeweiligen Kontext gehen. Eine „Bibliothekssoziologie“
gibt es schon längere Zeit, doch auch sie bedarf einer Anpassung
an die Netzwerk- und Erlebnisgesellschaft und die Aufmerksamkeitsökonomie.
Dass dies insgesamt bereits eine epistemologische
Wende, also ein Paradigmenwechsel, sei, vermag ich nicht zu postulieren.
Genauso, wie sich der Übergang vom Leser zum Kunden in der
Bibliothek 1.0 langsam vollzog, wird die Anpassung von Praxis und
Wissenschaft an die wieder komplexer gewordene Gesellschaft, ihre
kulturelle Rekontextualisierung, eher inkrementell vonstatten gehen.
Anders gesagt kann man behaupten, dass dies schon auf dem guten
Weg ist, wenn man beispielsweise die seit den 1990er Jahren mehr
oder weniger regelmäßig stattfindenden skandinavisch-amerikanischen
Konferenzreihen CoLIS „Conceptions of Library and Information
Science“ und ISIC „Information Seeking in Context“
verfolgt. Manche Protagonisten der internationalen Informationswissenschaft,
sprechen tatsächlich von einer „Wende“, die ihren
vorläufigen Kulminationspunkt im Jahr 2005 erreichte, als Peter
Ingwersen und Karvelo Järvelins Buch „The Turn –
Integration of Information Seeking and Retrieval in Context“
und Karen Fishers Sammelband „Theories of Information Behavior“
erschienen.
Diese stehen für die Loslösung der
Retrievalforschung, der Kerndisziplin der Informationswissenschaft,
von ihrer rein experimentellen Datenbanktechnologie aus dem Geiste
der Ingenieurwissenschaften zu Fragen der beruflichen und „sozio-kognitiven
Kontexte“[Fn33].
Der erste Schritt dahin war, wie in der Bibliothekswissenschaft,
die Entdeckung der Kundenorientierung, hier unter dem Stichwort
„Usability“, der nächste war Qualitätsmanagement
und Controlling, der vierte Schritt, auch hier wie bei den Bibliotheken:
die Outcome-Forschung[Fn34].
Der Weg bis zur vierten Dimension im Sinne von Wendy Schultz oder
Michael Giesecke ist eingeschlagen, aber doch noch weit und steinig[Fn35]
.
Auch wenn uns gerade der Bologna- Prozess an
den Hochschulen diesen Weg noch weiter erschwert, ist auf jeden
Fall ein Mehr an Wissenschaft und Reflexion notwendig. Vor zehn
Jahren waren die Bibliotheken dabei, überhaupt erst „Produkte“
zu entwickeln und schließlich zum Dienstleister zu werden.
Aber die eigentlichen Marktmechanismen werden meist immer noch nicht
verstanden, weil nicht definiert wurde, wer die Zielgruppen sind,
wer der eigentliche Kunde ist. Wir merken jetzt, dass alle schönen
Bibliotheksmanagementansätze hilflos bleiben, weil den Bibliotheken
in unserer Gesellschaft die Erklärungsmuster fehlen, denn das
Google-T-Shirt kann es nicht sein. Es handelt sich hierbei um ein
fatales Abhandensein von Theorie: als würde man ein Auto bauen
und verkaufen wollen, von dem man gar nicht versteht, warum es fährt
und wofür es verwendet werden kann.[Fn36]
Insofern handelt es sich ja vielleicht doch um eine
Art Neuauflage des intensiveren Nachdenkens bei gleichzeitiger Hinwendung
zum modernen (und postmodernen) Menschen.
Schluss
Borges sagte bekanntlich, er hätte sich
das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt, die er dann
in seiner Novelle „Die Bibliothek von Babel“ als fraktales,
sechseckiges Labyrinth detailliert beschrieb. Umberto Eco hat diese
bibliothekswissenschaftliche Idee des argentinischen Nationalbibliothekars
in seinem Roman „Der Name der Rose“ weiterverarbeitet:
Adson, der junge Mönch, formuliert daher das Wesen der Bibliothek
so[Fn37]
:
“Bisher hatte ich immer gedacht,
die Bücher sprächen nur von den menschlichen oder
göttlichen Dingen, die sich außerhalb der Bücher
befinden. Nun ging mir plötzlich auf, dass die Bücher
nicht selten von anderen Büchern sprechen, ja, dass es
mitunter so ist, als sprächen sie miteinander. Und im Lichte
dieser neuen Erkenntnis erschien mir die Bibliothek noch unheimlicher.
War sie womöglich der Ort eines langen und säkulären
Gewispers, eines unhörbaren Dialogs zwischen Pergament
und Pergament? Also etwas Lebendiges, ein Raum voller Kräfte,
die durch keinen menschlichen Geist gezähmt werden können,
ein Schatzhaus voller Geheimnisse, die aus zahllosen Hirnen
entsprungen sind und weiterleben nach dem Tod ihrer Erzeuger?”
Ersetzen wir hier „Pergament“ mit
neuen, vielleicht noch nicht gedachten medialen Erscheinungsformen
unserer Gesellschaft, bekommen wir eine Ahnung von den Gedankenparadiesen,
die die neue Bibliothekswissenschaft noch vor sich hat.
Literatur:
Alexander, Sascha (8.8.2007) Gartner.
Welche Technologietrends Unternehmen fundamental verändern
werden. URL:www.computerwoche.de/produkte_technik/software/597986/index.html
(geprüft 29.9.2007)
Assmann, Aleida und Jan [Hrsg.] (2001) Aufmerksamkeiten.
München: Fink. (Archäologie der literarischen Kommunikation,
7)
Brown, John Seely; Duguid, Paul (2000) The Social
Life of Information, Boston: Harvard Business School Press
Castells, Manuel (2002-2003) Das Informationszeitalter.
3 Bde. Opladen: Leske + Budrich
Clark, Andy (1997) Being There. Putting Brain,
Body, and World Together Again. Cambridge, Mass: MIT Press
Eco, Umberto (1987) Die Bibliothek. München:
Hanser.
Fisher, Karen; Erdelez, Sandra; Mckechnie, Lynne
(2005) Theories of Information Behavior. Medford, N.J: Information
Today (ASIST Monograph Series)
Franck, Georg (1998) Ökonomie der Aufmerksamkeit.
Ein Entwurf. München: Hanser
(Edition Akzente)
Frenzel, Karolina; Müller, Michael; Sottong,
Hermann J. (2006) Storytelling. Das Harun-al-Raschid-Prinzip. Die
Kraft des Erzählens fürs Unternehmen nutzen, Ungekürzte
Ausg, München: Dt. Taschenbuch-Verl.
Giesecke, Michael (2002) Von den Mythen
der Buchkultur zu den Visionen der Informationsgesellschaft. Trendforschung
zur kulturellen Medienökologie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp
Heyde, Konrad (2007) Erlebnis Bibliothek. In:
Laurentius, 17 (2000) 3. S. 129-134
Hobohm, Hans-Christoph (1991) Der ästhetische
Text als Depositum von Weisheit. In: Assmann, Aleida [Hrsg.] (1991)
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(geprüft 30.09.2007)
Fußnoten
[Fn 1] Tim O’Reilly
war selbst überrascht, wie er am 30.9.2005 gesteht: What Is
Web 2.0
Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software,
www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html.
(zurück)
[Fn
2] vgl. Honsel, 2006. (zurück)
[Fn
3] www.gartner.com/pages/story.php.id.8795.s.8.jsp
(zurück)
[Fn
4] Der Blog hat nur Einträge für das Jahr 2006: http://library2.0.alablog.org/
(zurück)
[Fn
5] „Library 2.0: An Academic's Perspective“ Weblog von
Laura B. Cohen, Web Support Librarian, University at Albany, SUNY,
http://liblogs.albany.edu/library20/2006/11/a_librarians_20_manifesto.html
(zurück)
[Fn
6] vgl. Hobohm, 1997 (zurück)
[Fn
7] vgl. www.cartoonistgroup.com/store/add.php?iid=654
(zurück)
[Fn
8] Ms. Dewey (www.msdewey.com/)
zückt von Zeit zu Zeit eine Maschinenpistole, wenn ihr die
Wartezeit zu lang wird. Bei mir holte sie die Waffe gerade raus,
als ich die Frage nach der Library and Information Science stellte.
Microsoft stellt sie sich selbst als die Suchmaschine der Zukunft
vor. (zurück)
[Fn
9] gemeint ist z.B. der WSIS (hierzu
berichtet Rainer Kuhlen detailliert), aber auch der IT-Gipfel in
Potsdam (zurück)
[Fn
10] Levine et al., 2000 (zurück)
[Fn
11] vgl. Wilson u.a., 2004 (zurück)
[Fn12]
vgl. LIS in Potsdam (Weblog-Beitrag): OCLC Studie zu Social Networking,
Vorveröffentlichung: http://hobohm.edublogs.org/2007/05/28/oclc-studie-zu-social-networking-vorveroffentlichung/
(zurück)
[Fn
13] zusammen mit „New Media
Consortium“ (zurück)
[Fn
14] Schultz, 2006 (zurück)
[Fn
15] und das ist auch noch
nicht überall akzeptiert: vgl. Hobohm, 2007 (zurück)
[Fn
16] vgl. ebd., 639 (zurück)
[Fn
17] vgl. z.B. Heyde, 2007
(zurück)
[Fn
18] vgl. Steierwald, 2005, S. 150(zurück)
[Fn
19] 1) Books are for use, 2) Every book its reader, 3) Every reader
his book, 4) Save the time of the reader, 5) A library is a growing
organism (zurück)
[Fn
20] vgl. Jochum, 2007 (zurück)
[Fn
21] vgl. Giesecke, 2002, 262ff.
(zurück)
[Fn
22] Pine, 1999, S. 11f. (zurück)
[Fn
23] Franck, 1998, S. 58 (zurück)
[Fn
24] Jochum zieht hier aber mit Aleida Assmann noch weitergehende
Folgerungen für Bibliotheken, in dem er betont, dass diese
Art Aufmerksamkeitsbildung auch bei der Bildung eines kulturellen
Kanons am Werk ist, und dass dies ohne institutionelle Steuerung
nicht funktioniert. Vor allem wegen der aktuellen Ausweitung der
Kommunikation kommt es ggf. zurzeit zu einer Art Aufmerksamkeitsimplosion.
Er sieht eindeutig hier die zentrale Rolle von Bibliotheken, im
Überlieferungsstrom Aufmerksamkeiten kanonisierend zu bündeln.
(a.a.O. 240; Assmann, 2001, S. 13f.)
(zurück)
[Fn
25] „Unlike databases, jokes, the other form of Knowledge
on the Web, reveal what you weren’t expecting. [...] Jokes
promise their own intrinsic reason for being interesting, just as
does a story or a song. Jokes reveal a link we hadn’t seen,
an unfolding we hadn’t anticipated. Laughter is the sound
of sudden knowledge. [...] The Web is useful because of the database
applications [...] the Web is exciting because it gives us a punch
of a joke. Jokes are all about context.“ Weinberger, Small
Pieces, S. 144 (zurück)
[Fn
26] Eco, Die Bibliothek,
S. 24+26 (zurück)
[Fn
27] Weinberger, 2002, S.
137 (zurück)
[Fn
28] zu der Beziehung von
Wissen, Weisheit und Text vgl. Hobohm, 1991
(zurück)
[Fn
29] Weinberger, 1999 (zurück)
[Fn
30] Surowiecki, 2005 (zurück)
[Fn
31] Kaegbein, 1973. S. 425-442
(zurück)
[Fn
32] Jochum, 1995 (zurück)
[ Fn 33] Ingwersen/Järvelin, 2005, S. 322,
Fig.7.2. (zurück)
[ Fn 34]
zur Outcome-Forschung vgl. Hobohm, 2007
(zurück)
[ Fn 35]
vgl. auch Hobohm, 2005a (zurück)
[ Fn 36]
Davon aber, dass der richtige Weg eingeschlagen
wurde, zeugen beispielsweise ein paar willkürlich herausgegriffene
Themen von aktuellen Abschlussarbeiten an der Fachhochschule Potsdam,
an denen man die Etappen von der Bibliothek 2.0 zur Neo-Library
und zum interkulturellen Dialog erkennt: von „Social Bookmarking
als Angebot von Bibliotheken“ (Kerschis), „Weblogs als
Marketing Instrument“ (Weinert), „Virtuelle Ausstellungen
in Bibliotheken“ (Petrov), bis zu „Bibliotheken in Second
Life“ (Tan), „Lebende Bücher in der Bibliothek
– das Konzept der Living Library“ (Schachner), und zu
„Geschlechtsspezifische Leseförderung durch Bibliotheken“
(Meiners) oder „Diversity Management“(Kaiser).
(zurück)
[ Fn 37] Eco,
1987, S. 366 (zurück)
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