Humboldt-Universität zu Berlin

Philosophische Fakultät I, Institut für Bibliothekswissenschaft

Prof. Dr. Konrad Umlauf

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030/2093-4493, -4230, -4236
030/2093-4335, -4206
konrad.umlauf@rz.hu-berlin.de
 

Medienkonzepte:
Konzepte des Bestandsaufbaus
(Vorlesungsskript)

Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin 2002-2014
(Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft.
79) = http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h79/

Abstract:
Diese Überblicksvorlesung vermittelt Kenntnisse von Konzepten des Bestandsaufbaus. Themen sind: Ziele und Profile des Bestandsaufbaus, qualitative und quantitative Elemente in Bestandskonzepten, Etatbedarf, Etatverteilung, Conspectus, Arbeitsbogen für Lektoren, Informationsquellen für den Bestandsaufbau, Organisation des Bestandsaufbaus, Personalbedarf.

1 Einführung
   1.1 Definition
   1.2 Bestandsaufbau im Berufsbild 2000
2 Zielbestimmung, Leitbild, Einflussfaktoren
   2.1 Ziele und Profile
   2.2 Leitbilder
   2.3 Informationslogistische Rollen
   2.4 Einflussfaktoren auf die Ziele

3 Etatbedarf, Etatverteilung
   3.1 Kriterien zur Ermittlung des Etatbedarfs
   3.2 Etatbedarf von Hochschulbibliotheken
   3.3 Etatbedarf Öffentlicher Bibliotheken
   3.4 Kriterien für die Etatverteilung
   3.5 Etatverteilungsmodelle für
         wissenschaftliche Bibliotheken
   3.6 Etatverteilungsmodelle für
         Öffentliche Bibliotheken
4 Elemente von Erwerbungsprofilen
   4.1 Qualitative Elemente
   4.2 Quantitative Elemente
5 Modelle
   5.1 Conspectus
   5.2 Arbeitsbogen für Lektoren
   5.3 Beispiele aus wissenschaftlichen Bibliotheken
   5.4 Informationsquellen für den Bestandsaufbau
  6 Organisation
   6.1 Aufbauorganisation
   6.2 Bestellung, Erwerbung, Lieferantenauswahl
   6.3 Ablauforganisation, Geschäftsgang
   6.4 Personalbedarf, Zeitbedarfe
  

1. Einführung
1.1 Definition

Umlauf (1997d), Konrad: Bestandsaufbau an öffentlichen Bibliotheken. Frankfurt a.M.: Klostermann (Das Bibliothekswesen in Einzeldarstellungen), S. 311-312
Griebel (1994), Rolf; Werner, Andreas; Hornei, Sigrid: Bestandsaufbau und Erwerbungspolitik in universitären Bibliothekssystemen. Berlin: Dt. Bibliotheksinstitut (Dbi-Materialien 134), S. 20-21
Wiesner (2004), Margot; Werner, Andreas; Schäffler, Hildegard: Bestandsaufbau. In: Die moderne Bibliothek. Frankenberger, Rudolf; Haller, Klaus (Hrsg.) München: Saur, S. 166-221.
Bibliotheken und Informationsgesellschaft in Deutschland (2011). Plassmann, Engelbert; Rösch, Hermann; Seefeldt, Jürgen; Umlauf, Konrad. 2., aktualis. Aufl. Wiesbaden: Harrassowitz, S. 278-297.
Schade (2012), Frauke; Umlauf, Konrad: Bestandsmanagement im Rahmen von Marketing-Management Öffentlicher Bibliotheken. In: Handbuch Bestandsmanagement in Öffentlichen Bibliotheken. Umlauf, Konrad; Schade, Frauke (Hrsg.) unter Mitarb. von Tom Becker. Berlin: De Gruyter Saur, S. 117-204.

Ein Bestandskonzept (= acquisition policies = Bestandskonzeption = Erwerbungspolitik = Erwerbungsprofil = Bestandsrichtlinie = Erwerbungsrichtlinie = erwerbungspolitisches Konzept) gibt an,

Bei WBen stehen Aussagen über Auswahlkriterien im Vordergrund (soweit Archivierungsfunktion); Erwerbungsprofil, Erwerbungsrichtlinie. Bei ÖBen und WBen ohne Archivierungsfunktion geht es auch um Aussagen über Bestandsabbau und SOLL-Bestandsgrößen (Bestandskonzept). Der Ausdruck Erwerbungsrichtlinie betont den Zusammenhang mit innerbetrieblichen Anweisungen und kann detaillierter und handlungsorientiert formuliert sein. In deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken wird der Ausdruck Erwerbungsprofil bevorzugt und ohne Unterscheidung zum Begriff Erwerbungsrichtlinie verwendet. Die Ausdrücke Bestandskonzeption und Bestandsrichtlinie waren in der DDR üblich.

1.2 Bestandsaufbau im Berufsbild 2000

Berufsbild 2000 (1998). Bibliotheken und Bibliothekare im Wandel. Erarbeitet von der Arbeitsgruppe Gemeinsames Berufsbild der BDB unter Leitung von Ute Krauß-Leichert. Berlin: Bundesvereinigung Dt. Bibliotheksverbände =  Download als .doc- oder .rtf-Datei unter www.bideutschland.de/download/file/berufsbild2000.pdf
Georgy (2012), Ursula: Handlungsfelder und Qualifikationen.  In: Handbuch Bestandsmanagement in Öffentlichen Bibliotheken. Umlauf, Konrad; Schade, Frauke (Hrsg.) unter Mitarb. von Tom Becker. Berlin: De Gruyter Saur, S. 103-116.

In diesem Berufsbild legen die bibliothekarischen Verbände erstmals sparten- und laufbahnübergreifend Kompetenzen und Handlungsfelder bibliothekarischer Tätigkeiten dar. Auszug:


Bestandsaufbau und Erwerbung

Die Grundlage einer gut funktionierenden benutzerorientierten Bibliothek ist eine geplante, gezielte und konsequent durchgeführte Bestandspolitik. Hierbei sind sowohl die Unterschiede der einzelnen Bibliothekstypen als auch die damit einhergehenden unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen ihrer Kunden zu berücksichtigen.

Die Ziele von Bestandsaufbau und Erwerbung sind,
  • eine optimale Medienversorgung für die unterschiedlichen Kunden zu gewährleisten
  • dem Kunden der Bibliothek die benötigten Medien und Dokumente schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen
  • den zukünftigen Bedarf vorab zu erkennen, aber auch
  • die entsprechenden Medien zu sichern
  • die Haushaltsmittel effektiv und effizient einzusetzen.

Die große und breite Palette der Buch- und Medienproduktion erfordert eine gründliche und fachgerechte Sichtung. Jede Bibliothek muß schon allein aus finanziellen, räumlichen und sachlichen Gründen eine Auswahl treffen.

Die Auswahl erfolgt unter Berücksichtigung des Bestandskonzepts der Bibliothek, d. h.

  • der speziellen Aufgabe der Bibliothek
  • der Komplettierung vorhandener Bestände und
  • der Sammelschwerpunkte
  • von Absprachen auf regionaler und überregionaler Ebene
  • der Benutzerbedürfnisse
  • der Etathöhe
  • der Medienqualität (Autor, Inhalt, Darstellung)
  • von Aktualität und
  • zukünftiger Bedeutung und
  • Archivierungsrelevanz der Medien.

Der Kauf- bzw. Beschaffungsentscheid kann von einer Person oder als abgestimmte kooperative Erwerbung in Zusammenarbeit mit Nutzern und Kollegen, den Mitarbeitern eines Unternehmens oder bei Hochschul- und Spezialbibliotheken auch gemeinsam mit den Wissenschaftlern herbeigeführt werden.

Voraussetzungen zur Auswahl von Medien sind:

  • Überblick über die Medienproduktion
  • gründliche Kenntnis der Bibliographien und Angebote des Buchhandels und
  • anderer Anbieter, Auswahllisten, Besprechungsdiensten, Verlagsprofilen
  • Kontakt zur aktuellen Forschung und Lehre
  • Kenntnis der neuesten Entwicklungen der Wissenschaften und Literatur
  • Kenntnis der Erwerbungsrichtlinien
  • Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Verfahren zur Evaluierung des Bestandsaufbaus
  • Kenntnisse soziologischer Methoden zur Erkundung des Bedarfs.

In diesen Zusammenhang gehört auch das Aktualisieren des Bestandes, das besonders in Öffentlichen Bibliotheken auch das Aussondern von veralteten Medienbeständen beinhaltet.

Bibliothekare sind Spezialisten zur Beschaffung von Medien.

Sie beschaffen

  • Print-Medien und Non-book-Materials
  • CD-ROM, Mikroformen und Online-Dokumente
  • schwer lieferbare, graue Literatur.

Sie wählen verschieden Beschaffungsarten, z. B.:

  • Kauf, Leasing, Miete, Tausch
  • sie erbitten Geschenke, fordern Pflichtexemplare ein und
  • erwerben auf Auktionen.

Sie suchen den günstigsten Beschaffungsweg (schnell, preiswert, erfolgversprechend), z. B.:

  • handeln Lieferkonditionen, Konsortialverträge, Lizenzen aus
  • erstellen Lieferprofile oder
  • vergeben „Standing Order"
  • beauftragen Zeitschriftenlieferdienste und -Agenturen
  • oder bestellen direkt und einzeln.

Sie verantworten das Beschaffungsmanagement vom Ordern bis zur dublettenfreien und revisionssicheren Inventarisierung. Sie bearbeiten die Rechnungen und überwachen den Haushaltsansatz.

Aufgrund der zunehmenden Automatisierung werden die Arbeitsabläufe von der Bestellung bis zur endgültigen Erschließung zunehmend zu einem integrierten Geschäftsgang zusammengefaßt.

In großen Bibliotheken wird die Arbeit oft durch die Art des Beschaffungswegs aufgeteilt. Es gibt Spezialisten für den Erwerb, den Tausch und die Bearbeitung von Geschenken und Pflichtexemplaren. Zudem kommt eine Trennung nach Publikationsformen vor. Die Zeitschriften- und Serienabteilung unterscheidet sich von der Dissertationsstelle und der Monographienerwerbung und der Mikroformstelle.

In kleinen Bibliotheken erledigt ein Bibliothekar die gesamte Palette der Arbeitsvorgänge allein.

Neben den erwerbungsspezifischen Kenntnissen zum Beschaffungsmanagement sind Recherche- und Katalogisierungskenntnisse nötig, um eine Vorakzession erfolgreich zu erledigen. Bei Nutzung von Fremdleistungen in Verbundsystemen muß der richtige Datensatz gefunden und ausgewählt werden, an dem die Bestellung angelegt wird. Bei fortschreitender Integration der Arbeitsabläufe bis hin zur abschließenden Erschließung werden vertiefte Kenntnisse über Datennetze, Verbundstrukturen und Katalogsysteme vorausgesetzt.

Betriebswirtschaftliche Kompetenz

ist nötig, um den Spagat zwischen steigender Medienproduktion und schrumpfenden Budgets auszuführen. Kaufmännische, haushaltstechnische und steuerrechtliche Kenntnisse werden gebraucht. Neue Organisationsformen müssen beurteilt werden, es muß aber auch mit alten Variablen, wie Währungs- und Preisschwankungen, marktwirtschaftlichen Entwicklungen und wechselnden Haushaltsansätzen gearbeitet werden, um die jeweils wirtschaftlich günstigste Lösung zu finden.

Soziale Kompetenz

und Geschick ist beim Verhandeln mit den Lieferpartnern gefragt, beim Abfassung von Briefen ebenso wie dem Aushandeln von Konditionen und Verträgen.

Soziale Kompetenz ist der Schlüssel zur erfolgreichen Teamarbeit und zum Umgang mit dem Kunden, dem Besteller, anderen Spezialisten oder dem Geldgeber.

Technologische Kompetenz

Zunehmend werden umfassende Kenntnisse über Aufbau, Inhalt und Nutzung regionaler und überregionaler Datenbanken und des Internets unentbehrlich. Elektronische Publikationen müssen beurteilt und bearbeitet werden. Der elektronische Geschäftsverkehr nimmt zu.

Wissenschaftliche Kompetenz

wird bei dem Erstellen des Bestandsprofils, der Bestandsauswahl und der Bedarfsberechnung eingesetzt.

Die Zuordnung von Tätigkeiten und Qualifikationen ist weitgehend von der Größe und den Aufgaben der Einrichtung abhängig.

Universitätsstudium

Fachhochschulstudium

  • Erstellen des Bestandskonzeptes
  • Inhaltliche Verantwortung für die Beschaffung
  • Verantwortung für Erwerbungsetat
  • Koordinierung des Bestandsaufbaus
Berufsausbildung
  • Beschaffungsmanagement
  • Aushandeln von Lieferkonditionen, Konsortialverträgen, Lizenzen
  • Korrespondenz mit den Lieferanten
Anlerntätigkeit
  • Vorakzession am vorhandenen Bestand
  • Durchführen der Inventarisierung
  • Rechnungsbearbeitung
  • Führen von Haushaltsüberwachungslisten
  • Führen und Überwachen von Zugangslisten, Karteien oder Datenpools
  • Anlegen von Statistiken
  • Annahme von Lieferungen
  • Schreiben und Übermitteln von Bestellungen.
  • Erledigung von postalischen Gängen

Bestandsaufbau und Erwerbung haben erfolgreich gearbeitet, wenn die vom Kunden gesuchten Medien zur Verfügung stehen. Dieses Ziel sollte in angemessener Zeit, kostengünstig und revisionssicher erreicht sein.

Neue Organisationsformen haben in die interne Medienbearbeitung Einzug gehalten. Verwaltungstechnische Vorgänge können weiter automatisiert, verbilligt und an andere Anbieter vergeben werden etwa durch:
  • integrierte Geschäftsgänge
  • Bestellkatalogisierung
  • Fremddatenübernahme
  • Outsourcing.

Jede Bibliothek wird die für sie kostengünstigste Lösung finden müssen.

Der Markt verlagert sich:

  • Die Auswahl des Einzelmediums geht zurück. An seine Stelle treten kommerzielle Lieferdienste, die den Bestandsaufbau auf Grund von Erwerbungsprofilen pflegen und die Medien benutzungsfertig anbieten.
  • Verstärkt verbreiten und vermarkten Verlage ihre Produkte direkt über elektronische Medien. Die Bibliotheken werden zunehmend Anbieter und Vermittler, deren Hauptaufgabe in der Erschließung liegt.
  • Die kritische Auswahl von digitalisierter Information wird an Bedeutung gewinnen.

In wieweit diese Publikationsform in den Beschaffungsprozeß eingebunden wird, setzt die Klärung der Frage voraus, ob und wie diese flüchtigen Publikationen aufbewahrt werden, um der zukünftigen Forschergeneration zur Verfügung zu stehen.

Der elektronische Geschäftsverkehr zwischen Lieferanten und Abnehmern wird zur Selbstverständlichkeit. Es kann elektronisch angeboten, bestellt, vermittelt und gespeichert werden.

Die betriebswirtschaftliche Kompetenz wird stärker in den Vordergrund treten, da Lizenz- und Nutzungsverträge ausgehandelt und verglichen werden müssen. Diese Kompetenz ist auch sehr gefragt, wenn durch einen möglichen Wegfall der Preisbindung neue Auswahlkriterien erforderlich sind und intensivere Marktprüfungen vorgenommen werden müssen.

2 Zielbestimmung, Leitbild, Erwerbungsprofil
2.1 Ziele und Profile

Die Zuordnung der Bibliothek zu einer Funktionsstufe ergibt einen Rahmen für das Bestandskonzept.

4 Funktionsstufen:

Raum-
ordnung
Bedarf Funktions-
stufe
wichtigste
Funktionen
wichtigste
Leistungsmerkmale
Bibliotheken Kooperation
Klein-
zentrum;

Unter-
zentrum

Grund-
bedarf
Funktions-
stufe 1
  • Information für das öffentliche Leben, schulische u. berufliche Ausbildung, Beruf, Alltag, Freizeit
  • Leseförderung
  • Integration
  • Kulturarbeit
  • 2-3 ME/Ew
  • mind. 10.000 ME
  • 5-10 % Bestands-
    erneuerung /Jahr
  • Zeitungen u. Zeitschriften
  • 20 % AV-Medien
  • Zugriff auf elektronische Medien
  • mind. 35 Öffnungsstunden /Woche
  • Anschluss an Verbünde
  • ausreichend. Fachpersonal
  • ÖB der Grund-
    versorgung
  • Funktionale Einheit in Form eines Verbundes, nach Möglichkeit in Form eines Systems
  • Leihverkehr
Mittel-
zentrum
erweiterter Grund-
bedarf
Deckung des Grund-
bedarfs und darüber hinaus:
  • Bestands-zentrum
  • Leihverkehrs-
    zentrale
  • Auskunfts-
    bestände
  • überörtliche Leistungskraft
  • Mittelpunkt-
    bibliotheken
 
Ober-
zentrum
gehobener
Bedarf
Funktions-
stufe 2

Stufe 2 schließt Funktionen und Leistungen der Stufe 1 ein.:

  • wissenschaft-
    liche Betätigung
  • Lernzentrum
  • ausgebaute multimediale Angebote
  • Auskunftsdienst
  • Kinder-, Jugend-, Schulbibliothek
  • Musikbibliothek
  • Artothek
  • Mediothek
  • Computer- u. Software-
    bibliothek
  • Zentral-
    bibliothek großstädtischer Bibliotheks-
    systeme
  • Zentrale Einrichtung eines lokalen oder regionalen Bibliothekssystems
  • Leihverkehrs-
    zentrale
Landes-
ebene
spezialisier-
ter Bedarf
Funktions-
stufe 3
  • Information und Medien für Forschung u. Hochschullehre
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung auch in spezialisierten Bereichen
  • Wirtschafts-
    information
  • Überlieferung
  • ausreichende Bestände u. Etats
  • Freihand-
    aufstellung
  • lange Öffnungszeiten
  • moderne Technik
  • Bestands-
    erhaltung
  • Hochschul-
    bibliotheken
  • Landes-
    bibliotheken
  • Spezial-
    bibliotheken
  • Zentral-
    bibliotheken großer Großstädte
  • Katalogisierungs-
    verbünde
  • Leihverkehr
Bundes-
ebene
hoch-
spezialisier-
ter Bedarf
Funktions-
stufe 4
  • Umfassende Medienbestände
  • dokumenta-
    risches Material
  • international
  • Archivierung
  • direkte Benutzer-
    bestellung
  • delivering on demand
  • Zentrale Dienstleistungen
  • arbeitsteiliger Bestandsaufbau
  • Leihverkehr

Die Raumordnungskategorien sind folgendermaßen zu verstehen:

Funktionsstufen 1 und 2:

Aufgaben Erläuterungen, Beispiele für relevante Medienangebote Funktionsstufe
  • Die professionelle und systematische Befriedigung der Informationsbedürfnisse der gesamten Bevölkerung, darüber hinaus als wichtigste Funktion die Deckung der Informationsbedürfnisse relevanter Zielgruppen in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur-, Bildungs- und sozialen Institutionen, insbesondere für:
Der Bestand soll kein Sammelsurium von Medien sein, sondern die ausgewählten Medien sollen in einem sinnvollen Zusammenhang untereinander stehen und auf den Bedarf der Zielgruppen ausgerichtet sein. Stufe 1: Grundbedarf der gesamten Bevölkerung,

Stufe 2: darüber hinaus den gehobenen Bedarf ausgewählter Zielgruppen

  • Teilnahme am öffentlichen Leben, bürgerschaftliches und politisches Engagement
vor allem Zeitungen, politische Magazine, Stadt- und Programmzeitungen, Medien zur politischen Meinungsbildung, z.B. politische Materialien zur Stadtplanung, Gemeinderatsdrucksachen Stufe 1 und Stufe 2 gleichermaßen
  • schulische und berufliche Ausbildung
schul- und ausbildungsrelevante Materialien wie z.B. Lehrbücher, elektronische Lehr- und Lernressourcen, Lektüren, Berufswahl-Ratgeber Stufe 1: Grundbedarf mit Blick auf die Schulen und Ausbildungsrichtungen am Ort,

Stufe 2: gehobener Bedarf auf dem Level der Sekundarstufe II, teilweise auf dem Level des tertiären Bildungssektors

  • Berufsausübung, berufliche Fortbildung
berufliche Fachliteratur und Fachzeitschriften, digitale Wirtschaftsinformation Stufe 1: Grundbedarf

Stufe 2: gehobener Bedarf

  • allgemeine Weiterbildung
populäre Sachbücher und Zeitschriften, Infotainment-CD-Roms, Programmverzeichnisse von Weiterbildungsträgern Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Persönlichkeitsentwicklung und Sinnorientierung
Psychologische Ratgeber, künstlerische Anleitungen, Esoterik-MCs, philosophische Schriften Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Alltagsmanagement
Ratgeber, Verbraucherinformation, Erziehungshilfen, Broschüren von Krankenkassen, Finanzamt, Verbänden Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Hobby und Freizeit
Reiseführer, Hobbyanleitungen, Unterhaltungsromane, Musiktonträgern Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • wissenschaftlich orientierte Betätigung
wissenschaftliche Bücher, Zeitschriften, Bibliographien Stufe 2
  • Orientierung in der Medienvielfalt und die Verknüpfung der elektronischen mit den Printmedien durch multimediale Angebote
Verzeichnisse lieferbarer Bücher und anderer Medien, integrierte Aufstellung der verschiedenen Medienarten Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • der allgemein-öffentliche Zugang zu allen, insbesondere auch zu neuen Medientechnologien; die Bibliothek fordert zum kreativen Mediengebrauch heraus
20 % audiovisuelle und digitale Medien, Anschlüsse an Datennetze, Geräte zum Ausprobieren neuer Medien Stufe 2

Stufe 1 in Auswahl

  • Leseförderung durch Schaffung geeigneter Medienangebote und die Kooperation mit Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen der Leseerziehung
Kinder- und Jugendbücher und andere -medien Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Förderung des individuellen Lernens und des Lernens in Gruppen durch geeignete Raumangebote
ruhige Arbeitsmöglichkeiten (Tische, Stühle, Licht) für Benutzer

Räume für Gruppen

Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Kulturarbeit in der Kommune, insbesondere: Ausstellungen, Veranstaltungen, Literatur- und Kunstförderung
Diese Aufgabe wird in mehr oder minder enger Verzahnung mit dem Bestand wahrgenommen. Stufe 1 und 2 gleichermaßen
  • Unterstützung freier Kulturarbeit und bürgerschaftlichen Engagements durch Kooperation mit örtlichen und regionalen Initiativen
Diese Aufgabe wird in mehr oder minder enger Verzahnung mit dem Bestand wahrgenommen. Stufe 2

Stufe 1 in Auswahl

  • die Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen durch Information und Kommunikation
Medien und Veranstaltungen, die sich in Thema und Sprache an die zu integrierenden Bevölkerungsgruppen richten Stufe 2: differenzierte fremdsprachige Medienangebote zur Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen
  • für Menschen mit deutscher Muttersprache,
  • für Migranten, die Deutsch lernen wollen,
  • für ausländische Mitbürger, die in ihrer Heimatsprache lesen und hören möchten

Funktionsstufe 3:

Landes- und Regionalbibliotheken
Forschungsbibliotheken Geisteswissenschaftliche Bibliotheken außerhalb der Hochschulen, die aufgrund ihrer außerordentlichen Bestände Forschung fördern und eigene Forschungstätigkeit wahrnehmen, z.B. 
Universitätsbibliotheken
Fachhochschulbibliotheken
  • Sammlung entspricht dem Fächerprofil der FH
  • Hoher Anteil von Lehrbüchern und Studienliteratur, oft in Mehrfachexemplaren
  • Hoher Anteil an Firmenschriften, Patentinformation, Normen und technischen Regelwerken, anwendungsbezogenen Fachzeitschriften
  • meistens unter 1.000 laufende Zeitschriften
  • Zielgruppen sind neben Angehörigen der Fachhochschule auch hochqualifizierte Berufstätige, z.B. Marketingleiter, Ingenieure, bes. aus der mittelständischen Wirtschaft
  • Beispiele: 
    FH Amberg-Weiden
    FH Merseburg
    FH Osnabrück
    FH Lausitz
Bibliotheken an Kunst- und Musikhochschulen
Spezialbibliotheken  

Funktionsstufe 4 :

Funktionsstufen 3 und 4:

2.2 Leitbilder

Die Ziele und Profile werden in einem Leitbild festgehalten. Daraus wird die Erwerbungsrichtlinie abgeleitet.

Beispiele:

2.3 Informationslogistische Rollen und Versorgungskonzepte 

Informationslogistische Rollen

Problem: Aus den im Kapitel 2.1 Ziele und Profile angeführten  Funktionen der Bibliotheken der Funktionsstufen 1 und 2 ergibt sich zwar ein Rahmen für das Bestandskonzept, jedoch ist das Spektrum der danach zu erwerbenden bzw. zu lizenzierenden Medien so umfassend, dass es in der Regel nicht realisierbar ist. Daher Beschränkung auf wenige informationslogistische Rollen.

Umlauf (1997d), Konrad: Bestandsaufbau an öffentlichen Bibliotheken. Frankfurt a.M.: Klostermann (Das Bibliothekswesen in Einzeldarstellungen), S. 66-78.
Becker (2012), Tom; unter Mitarb. von Andrea Born, Frauke Schade, Konrad Umlauf: Informationslogistische Rollen im Bestandsmanagement. In: Handbuch Bestandsmanagement in Öffentlichen Bibliotheken. Umlauf, Konrad; Schade, Frauke (Hrsg.) unter Mitarb. von Tom Becker. Berlin: De Gruyter Saur, S. 205-223.

Rollen
beispielhafte Merkmale
höchstrangige Zielgruppen
höchstrangige Niveaus
höchstrangige Medienfunktionen
höchstrangige Mediengattungen
Kommunaler
Treffpunkt
  • Kultur-
    veranstaltungen
  • Veranstaltungen der
    Erwachsenenbildung
  • Bürgergruppen-
    veranstaltungen
  • Ausstellungen
  • zum Aufenthalt einladende Räume,
    z.B. ein Lesecafé
  • Internetcafé
  • ratsuchende Laien
  • Eltern
  • Frauen
  • Männer
  • Senioren
  • Laien Anfänger
  • Laien fortgeschritten
  • öffentliches
    Engagement
  • Urteilsbildung
  • Wissens-
    popularisierung
  • Unterhaltung
  • Info-Broschüren
  • Zeitungen
  • Zeitschriften
  • Fakten-, Zahlen-, Namen-, Waren-, Bildverzeichnis
  • Report, Gutachten, Behördenbericht
  • Fakten-Datenbanken
  • populäres Sachbuch
Kommunales
Infozentrum
  • Bürgerinformation über die Stadt
  • Blätter örtlicher Vereine, Kirchen, Initiativen, Behörden
  • Verbraucher-
    information
  • Jobbörse
  • Broschürensammlung
  • Zeitungen, Lokal-, Bezirks-
    zeitungen
  • Stadtzeitungen
  • Zeitschriften zum Zeitgeschehen
  • Zusammenarbeit mit Behörden, Bürgerberatung
  • Sprechstunden der
    Stadtverordneten,
    Stadträte, Bürgermeister
  • Höchste Aktualität
  • Beteiligung am kommunalen Internetportal
  • ratsuchende Laien
  • engagierte Bürger
  • Verbraucher
  • Arbeitslose
  • Eltern
  • Frauen
  • Männer
  • Senioren
  • Laien Anfänger
  • Laien fortgeschritten
  • Laien spezialisiert
  • öffentliches
    Engagement
  • Hobby
  • Wissens-
    popularisierung
  • Recht, Geld,
    Verbraucher
  • Familie
  • Freizeit-Reisen
  • Haushalt
  • Alltagstechnik
  • Heimwerken
  • Gesundheit
  • Infobroschüren
  • Zeitungen
  • Ratgeber, Anleitung
  • Fakten-, Zahlen-, Namen-, Waren-, Bildverzeichnis
  • Quelle, Dokumentation, Normen-, Gesetzessammlung und -kommentar
  • Faktendatenbanken
  • populäres Sachbuch
  • Reiseführer
  • Karten und Pläne
  • Report, Gutachten, Behördenbericht
Bildungs-,
Ausbildungs-
unterstützung
  • Schülerliteratur
  • Studienliteratur
  • Klassensätze
  • Klassenapparate
  • Fachliteratur zur
    Berufsausbildung
  • Beachtung der Wirtschafts-
    und Berufsstruktur
  • Beachtung der Lehrpläne
  • Beachtung der Literatur-
    empfehlungen der örtlichen Bildungs-
    einrichtungen
  • Kooperation mit Schulen
  • Maßnahmen zur Leseförderung
  • Vermittlung von Informationskompetenz
  • Schüler
  • Azubis
  • Umschüler
  • Arbeitslose
  • Studenten
  • Gymnasium
  • Berufsausbildung
  • Realschule
  • Hauptschule
  • Fachschule
  • Fachhochschule
  • Universität
  • Lernen und
    Ausbildung
  • berufliche
    Fortbildung
  • Berufsausübung
  • Lehr-, Lern-, Übungsmaterialien
  • Elektronische Lehr-, Lern-, Übungsressourcen
  • Schulbuch
  • Fachbuch
  • Hörbuch mit Sachprogramm
Rollen
beispielhafte Merkmale
höchstrangige Zielgruppen
höchstrangige Niveaus
höchstrangige Funktionen
höchstrangige Mediengattungen
Individuelles Bildungszentrum
  • Literatur zur beruflichen
    Fortbildung
  • Medienangebote für
    VHS-Kurse
  • Medienangebote für Lernen in
    der Freizeit (Sprachen....)
  • Medienangebote für Selbstbildung (Selbsterfahrung, Psychodrama, ...)
  • Lernzeitschriften (écho...)
  • Vermittlung von Informationskompetenz
  • Selbstlerner
  • Berufstätige
  • Senioren
  • Frauen
  • Männer
  • Arbeitslose
  • Laien fortgeschritten
  • Laien spezialisiert
  • Berufsausbildung
  • Fachschule
  • Fachhochschule
  • Universität
  • Wissens-
    popularisierung
  • Urteilsbildung
  • Job
  • berufliche
    Fortbildung
  • Berufsausübung
  • Selbsterkenntnis
  • populäres Sachbuch
  • Fachbuch
  • Lehr-, Lern-, Übungsmaterialien
  • Elektronische Lehr-, Lern-, Übungsressourcen
  • Lexikon
  • Sprachwörterbuch
  • Hörbuch mit Sachprogramm
Zentrum
populärer
Medien
  • Unterhaltungsromane
  • populäre Sachbücher
  • Hobbybücher
  • Populäre Zeitschriften
  • Musiktonträger, Videospielfilme
  • Starke Staffelung der
    meistgefragten Titel
  • gebührenfinanzierte
    Bestseller
  • Hohe Aktualität
  • Internetcafé
  • Frauen
  • Männer
  • Eltern
  • Senioren
  • Laien Anfänger
  • Laien fortgeschritten
  • Hauptschule
  • Realschule
  • Unterhaltung
  • Hobby
  • Freizeitreisen
  • Gesundheit
  • Heimwerken
  • Familie
  • Ratgeber, Anleitung
  • Reiseführer
  • Roman
  • Comics
  • CD-Audio Musik
  • Musik zur Onleihe
  • Game
  • Spielfilm
  • Unterhaltungsmedien zur Onleihe
Tor zum Lernen
für Schüler
  • unterhaltende Kinderbücher
  • Nonprint-Medien für Kinder
  • Kindercomics
  • Kooperation mit Schulen
  • Maßnahmen zur
    Leseförderung
  • Blockausleihe an
    Kindereinrichtungen
  • Games, Serious Games, Lernspiele
  • Starke Staffelung der
    meistgefragten Titel
  • Vermittlung von Informationskompetenz
  • Internetplätze mit Filtersoftware
  • Kinder
  • Schüler
  • Vorschule
  • Grundschule
  • Lernen und
    Ausbildung
  • Unterhaltung
  • Urteilsbildung
  • Selbsterkenntnis
  • Wissens-
    popularisierung
  • Lehr-, Lern-, Übungsmaterialien
  • Elektronische Lehr-, Lern-, Übungsressourcen
  • Bilderbuch
  • Kinder- und Jugendsachbuch
  • Kinder- und Jugenderzählung, -roman
  • CD-Audio Kinder- und Jugendprogramm
  • Game
  • Serious Game
  • Comics
Rollen
beispielhafte Merkmale
höchstrangige Zielgruppen
höchstrangige Niveaus
höchstrangige Funktionen
höchstrangige Mediengattungen
Auskünfte
und
Alltagsinfo
  • Ratgeberliteratur
  • Auskunftsdienst, Beteiligung an Auskunftsverbund
  • Nachschlagewerke,
    Adressbücher
  • Wirtschaftsinformation
  • Internet zusätzlich am Auskunftsplatz
  • Beteiligung an der dt. Internetbibliothek
  • ratsuchende Laien
  • Verbraucher
  • engagierte Bürger
  • Frauen
  • Männer
  • Senioren
  • Arbeitslose
  • Laien Anfänger
  • Laien fortgeschritten
  • Laien Verbraucher
  • öffentliches Engagement
  • Job
  • Recht, Geld, Verbraucher
  • Haushalt
  • Alltagstechnik
  • Familie
  • Info-Broschüre
  • Zeitung
  • Fakten-, Zahlen-, Namen-, Waren-, Bildverzeichnis
  • Ratgeber
  • Quelle, Dokumentation, Normen-, Gesetzessammlung und -kommentar
  • Faktendatenbanken
  • bibliografische Datenbanken
Forschungs-
zentrum
  • wissenschaftliche Fachliteratur
  • bibliografische Datenbanken
  • Handbücher aller
    Wissenschaften
  • Fach- und wiss. Zeitschriften
  • Internetzugang
    an jedem Lesesaalplatz
  • Bestände digitalisieren
  • digitale Bibliotheken lizensieren
  • Beteiligung an der Pflege von Fachportalen
  • Vermittlung von Informationskompetenz
  • Selbstlerner
  • engagierte Bürger
  • Laien spezialisiert
  • Universität
  • Urteilsbildung
  • öffentliches Engagement
  • Hobby
  • Forschung und Wissenschaft
  • Faktendatenbanken
  • bibliografische Datenbanken
  • wiss. Monografie
  • Fach- und wiss. Zeitschriften, vor allem elektronische
  • Handbuch
  • Report, Gutachten, Behördenbericht
  • Quelle, Dokumentation, Normen-, Gesetzessammlung und -kommentar
  • Fakten-, Zahlen-, Namen-, Waren-, Bildverzeichnis

Rollen und Kapazitäten:

Prioritäten

Zentralbibliotheken

Zweigbibliotheken

Kapazitäten

höchste

1-2

1

40-50 %

nachgeordnet

1-2

1-2

30-40 %

peripher

die übrigen

1-2

20 %

Versorgungskonzepte

Auch für Hochschulbibliotheken ist das komplette Aufgabenspektrum laut Kapitel 2.1 nicht mehr finanzierbar. Daher Entscheidung für eines der folgenden Versorgungskonzepte:

Vogel (2005), Bernd; Cordes, Silke: Bibliotheken an Universitäten und Fachhochschulen. Organisation und Ressourcenplanung. Hannover: Hochschul-Informations-System (Hochschulplanung. 179), S. 48, 111-129.

Versorgungskonzept

Qualitative Merkmale Quantitative Merkmale

Versorgungskonzept A: Universelle Bibliothek als Informationszentrum

  • Bereitstellung und Betreuung konventioneller und digitaler Information

  • Archivierung digitaler und konventioneller Information

  • Alle Fächer außer Ingenieurwissenschaften und außer Medizin

  • Betreuung der Hard- und Software und des Multimediabereichs

  • Enge Kooperation, ggf. Fusion mit Rechen- und Multimediazentrum

  • Kompetenzzentrum für weitere (kleinere) Bibliotheken

  • Grundbestand: 1.600.000 Bände in Freihand bzw. Freihandmagazin
  • Archivierungsbestand: 1.600.000 Bände in Magazin
  • Neuzugang pro Jahr: 35.550
  • 6.350 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 30.000

Versorgungskonzept B: Universelle Bibliothek als Zentralbibliotheks-System

  • einschichtige Zentralbibliothek in einem Gebäude

  • alle bibliothekarischen Aufgabenfelder incl. Archivierung

  • Alle Fächer

  • Variante BA: wie B, aber wesentlich mehr Nutzerarbeitsplätze

  • Grundbestand: 2.000.000 Bände in Freihand bzw. Freihandmagazin
  • Archivierungsbestand: 2.000.000 Bände in Magazin
  • Neuzugang pro Jahr: 43.300
  • 9.660 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 40.000

Versorgungskonzept C: Gebrauchsbibliothek als Zentralbibliothekssystem

  • Wie Konzept B, jedoch ohne Archivierungsfunktion

  • Vor allem FH-Bibliotheken, auch kleine Univ. mit wenigen Fächern, künstlerische oder theologische Hochschulen

  • Nicht: Naturwissenschaften, Medizin, Rechtswissenschaften (Fächer, die nur an Universitäten gelehrt werden)

  • Grundbestand: 190.000 Bände in Freihand
  • Neuzugang pro Jahr: 4.330
  • 966 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 4.000

Versorgungskonzept D: Gebrauchsbibliothek als Zweigbibliotheks-System

  • Wie C, aber mit Zweigstellen. Diese haben ein reduziertes Dienstleistungsspektrum, sind hauptsächlich räumlich verteilte Buchaufstellorte

  • Die Zentrale soll mindestens 100.000 ME umfassen (FH: mind. 50.000 ME)

  • eine Fächergruppe, z.B. Sprach- und Kulturwissenschaften

  • Grundbestand: 100.000 Bände in Freihand
  • Neuzugang pro Jahr: 4.330
  • 100 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 4.330

Versorgungskonzept E: Digitale Bibliothek als Zweigbibliotheks-System

  • Wie D, aber als digitale Bibliothek, d.h. das ganze Aufgabenspektrum mit Ausnahme konventioneller Medien

  • Nur als Teil eines verteilten Versorgungskonzepts

  • drei Fächergruppen, z.B. Ingenieur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

  • Grundbestand: 50.000 Bände in Freihand
  • Neuzugang pro Jahr: 2.500
  • 1.000 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 2.500

Versorgungskonzept F: Virtuelle Bibliothek als Zweigbibliotheks-System

  • Neben einer Zentralbibliothek werden Zugänge zu verteilten Informationsressourcen geschaffen

  • Nur als Teil eines verteilten Versorgungskonzepts, vor allem in den Naturwissenschaften

  • ergänzend für ein Fach oder eine Fächergruppe

  • Grundbestand: 5.000 Bände in Freihand-Präsenz
  • Neuzugang pro Jahr: 250
  • 1.000 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 250

Versorgungskonzept G: Gebrauchsbibliothek als Bereichsbibliotheks-System

  • Funktonal einschichtiges Bibliothekssystem, in dem die Bereichsbibliotheken relativ eigenständig sind, gegenüber der Zentralbibliothek aber ein reduziertes Dienstleistungsspektrum abdecken

  • Die Bereichsbibliotheken sollen nicht unter 150.000 ME umfassen und haben keine Archivierungsfunktion

  • eine Fächergruppe, z.B. Naturwissenschaften

  • Grundbestand: 150.000 Bände in Freihand bzw. Freihandmagazin
  • Neuzugang pro Jahr: 4.330
  • 500 laufende Zss
  • Aussonderungen pro Jahr: 4.330

2.4 Einflussfaktoren auf die Ziele

Dorfmüller, Kurt (1989): Bestandsaufbau an wissenschaftlichen Bibliotheken. Frankfurt a.M.: Klostermann (Das Bibliothekswesen in Einzeldarstellungen), S. 36-38.
Vogel (2005), Bernd; Cordes, Silke: Bibliotheken an Universitäten und Fachhochschulen. Organisation und Ressourcenplanung. Hannover: Hochschul-Informations-System (Hochschulplanung. 179).
Schade (2012), Frauke; Umlauf, Konrad: Bestandsmanagement im Rahmen von Marketing-Management Öffentlicher Bibliotheken. In: Handbuch Bestandsmanagement in Öffentlichen Bibliotheken. Umlauf, Konrad; Schade, Frauke (Hrsg.) unter Mitarb. von Tom Becker. Berlin: De Gruyter Saur, S. 117-204.

Bei Bibliotheken, die von der öffentlichen Hand finanziert werden, ist der verwickelte Zusammenhang zwischen Geldgeber, Bibliothek und Nutzern zu beachten (anders als bei privatwirtschaftlichen Unternehmen):

[Fortsetzung]