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Philosophische Fakultät I, Institut für
Bibliothekswissenschaft |
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Prof.
Dr. Konrad Umlauf |
Telefon |
030/2093-4493, -4230, -4236 |
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Die Öffentliche Bibliothek als Lernort
Bestandsaufnahme
und Perspektiven
(Berliner Handreichungen zur
Bibliothekswissenschaft. 76)
http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h76/
- überarbeitete Fassung Stand September 2001 -
Abstract
Der Beitrag geht der Frage
nach, wieweit die Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland heute Dienstleistungen
erbringen oder Anknüpfungspunkte dafür bieten, die im Kontext des lebenslangen
selbstgesteuerten Lernens stehen. Ein geschichtlicher Rückblick zeigt die
Herkunft der Öffentlichen Bibliotheken aus Bildungsbewegungen. Das heutige
Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliotheken umfasst ein sehr breites Aufgabenprofil,
darunter auch Bildungsfunktionen und die Funktion als Lernort. Einzelne
Dienstleistungsbereiche – Bestände, Räume, Möblierung, virtuelle Angebote,
Kooperationen mit Erwachsenenbildungseinrichtungen – werden untersucht.
Aktuelle Managementtechniken werden der Frage unterzogen, wieweit sie einer
Profilierung der Bibliothek als Lernort förderlich oder hinderlich sind. Die
Frage wird angesprochen, auf welche Weise die Funktionen der Bibliothek für
Lernen als persönliche Kompetenzerweiterung gemessen werden können.
2 Der
institutionelle Rahmen der Gegenwart
5 Dienstleistungen
und Bestände
5.1 Raumgebundene
Angebote und Kooperationen
6 Bestandserschließung
und –präsentation
Die Öffentliche Bibliothek
in Deutschland ist aus Bildungsbewegungen hervorgegangen; man sollte meinen,
dies präge ihr heutiges Erscheinungsbild und prädestiniere sie zum Lernort. Der
folgende Beitrag geht der Frage nach, wieweit diese Vermutung zutrifft und,
wenn Einschränkungen erkennbar werden, welche Voraussetzungen verändert werden
müssen, um die Öffentliche Bibliothek als Lernort erlebbar zu machen. Die
bisherigen Ergebnisse des Projektes EFIL (Entwicklung und Förderung innovativer
Lernarrangements[1]) des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung
und der Planungen der Stadtbücherei Stuttgart[2]
werden dabei nur gestreift, da sie an anderer Stelle ausführlich dargestellt
werden; sie sind indessen der Hintergrund, auf dem der folgende Beitrag
einzuordnen ist.
In allen Großstädten, in
rund 94 % der Mittelstädte und etwas mehr als 40 % der Städte mit
5.000 bis unter 20.000 Einwohnern bestehen Öffentliche Bibliotheken mit
hauptamtlichem Personal. Von den Gemeinden unter 5.000 Einwohnern verfügen weit
unter 10 % über eine hauptamtlich besetzte Bibliothek. Insgesamt leben
knapp 70 % der Bevölkerung in Deutschland in Orten mit Bibliotheken, in
denen hauptamtliches Personal für Dienstleistungen zur Verfügung steht.
Eine durchschnittliche
Einrichtung dieser etwa 3.900 Öffentlichen Bibliotheken (gezählt einschließlich
der Zweigbibliotheken, die in Groß- und Mittelstädten ein wohnortnahes Angebot
darstellen) lässt sich etwa folgendermaßen beschreiben:
Der Träger ist die Stadt
bzw. Gemeinde, vereinzelt der Landkreis. Auf gut 400 Quadratmetern stehen 25.000
Medieneinheiten zur Ausleihe bereit. 32 Zeitschriftentitel liegen auf, ein PC
mit Internetanschluss steht zur Verfügung. Der Einzugsbereich der Bibliothek umfasst
etwa 20.000 Einwohner. Davon haben zwar rund zwei Drittel irgend wann einmal
schon eine Bibliothek aufgesucht. Im vergangenen Jahr tätigten freilich rund
15 % der Einwohner mindestens eine Entleihung; 41.000 Besucher wurden
gezählt. Der Bibliothek stehen 3,3 Personalstellen zur Verfügung, und sie hat
24 Stunden pro Woche geöffnet. Fast jede Woche findet eine Veranstaltung statt,
der weit überwiegende Teil richtet sich an Kinder. Öffentliche Bibliotheken
sind mit Abstand der wichtigste Veranstaltungsort der Kinderkultur. Die
überwiegende Zahl der Nutzer ist unter 18 Jahre alt. Regelmäßig besuchen
Schulklassen und Kindergartengruppen die Bibliothek, oder die Bibliothek stellt
ihnen eine wechselnde Auswahl von Büchern und anderen Medien jeweils befristet
zur Verfügung, passend zu Unterrichtsprojekten (beispielsweise: „Wie leben
Kinder ferner Länder?“, Verkehrserziehung, Umweltfragen) oder zur Jahreszeit.
Diese Größenordnungen und Profilierung wird weiter unten zu diskutieren sein.
Daneben bestehen rund
8.200 nebenamtlich betriebene kleine Bibliotheken mit einem Angebot von durchschnittlich
3.600 Medieneinheiten. Der wichtigste Träger dieser kleinen Bibliotheken sind
die Kirchen.
Von überlegener
Leistungskraft sind die Zentralbibliotheken der Großstädte und etlicher
Mittelstädte. Hier schließen die Bestände ein differenziertes Angebot an Fach-
und fremdsprachiger Literatur, an speziellen Nachschlagewerken und eine
nennenswerte Anzahl elektronischer Medien ein. Vorbildhaft, aber auch singulär
in Leistung und Qualität des Angebots, ist die MedienBibliothek der
StadtBibliothek Köln. Eröffnet 1997, ist sie eine Spezialbibliothek für
Kommunikationstechnologie und neue Medien für die breite Öffentlichkeit[3].
Da Multimedia ein Sammelschwerpunkt ist, sind 40 % des Bestandes
Nonprint-Medien. CD-ROMs stehen in thematischer Gliederung zur Ausleihe bereit.
Ferner stehen PCs mit Spiel- und Lernsoftware zur Verfügung. An 36 PCs
kann jedermann, ggf. unter Anleitung des Personals, Computerprogramme und elektronische
Publikationen testen und nutzen, darunter auch sehr teure und spezialisierte
Software etwa zum Sprachenlernen, für Managementtraining oder
Rechtsinformation.
Die Öffentliche Bibliothek
in Deutschland entwickelte sich weitgehend im Zusammenhang mit Bildungsbewegungen[4],
ein Zusammenhang, der im Lauf ihre Geschichte immer schwächer wurde.
Der Durchbruch der
Industrialisierung in den 1860er Jahren ließ die Arbeiterbewegung erstarken und
führte einem Teil des liberalen Bürgertums bald vor Augen, dass das staatliche
Bildungssystem den wirtschaftlich-technischen Anforderungen nur ungenügend nachkam,
ein für Deutschland geradezu typischer Zustand. Auf diesem Hintergrund
entstanden wenig miteinander verbundene Bildungsbewegungen: die Arbeiterbildungsbewegung,
konfessionelle Bildungsbewegungen und bürgerlich-liberale Bestrebungen zur Hebung
der Volksbildung. Während die Arbeiterbildungsbewegung trotz etlicher
Initiativen auch zu Bibliotheksgründungen keine nachhaltigen Wirkungen im
Bibliothekswesen hervorbrachte, ließen die konfessionellen Bestrebungen eine
große Zahl von kleinen, fast immer nebenamtlich betriebenen Büchereien
entstehen. Sie standen ursprünglich im engen Zusammenhang mit der Inneren
Mission und der Bekämpfung antikirchlicher Tendenzen durch die Verbreitung von
religiösen Büchern, haben sich heute aber zu Bibliotheken mit einem überschaubaren
Sortiment an Büchern und anderen Medien für Lebenshilfe, Unterhaltung und
Leseförderung emanzipiert.
Nachhaltig für die
Bibliotheken waren die Wirkungen der bürgerlich-liberalen Volksbildungsbestrebungen.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier das Modell der amerikanischen Public
Library theoretisch rezipiert. Die Forderungen richteten sich auf Öffentliche
Bibliotheken mit folgenden Merkmalen:
·
weltanschauliche
Neutralität,
·
fachliche Leitung und
gute finanzielle Ausstattung,
·
günstige Öffnungszeiten
und Zugänglichkeit für jedermann,
·
ein gut sortiertes
Sortiment an Büchern für Erwachsene und Kinder, die Kenntnisse vermitteln, aber
auch unterhalten und zerstreuen.
Bildungsziel sollte „die
harmonische Durchdringung der Person zur sittlichen und geistigen Freiheit“
(Constantin Nörrenberg) sein. Diese Forderungen führten in der Tat zu einem bis
dahin undenkbaren Aufschwung allgemein öffentlich zugänglicher Bibliotheken,
teils in Trägerschaft von Vereinen und Stiftungen, teils in Trägerschaft der
Kommunen.
Freilich beschritten die
deutschen Öffentlichen Bibliotheken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
einen Umweg. Zwar wurde bald die Verbindung zu den entstehenden Volkshochschulen,
deren Arbeit damals vor allem durch Vorträge zur Wissenspopularisierung
bestimmt war, gestärkt. Mancherorts standen Bücherei und Volkshochschule unter
gemeinsamer Leitung. Aber das bibliothekarische Selbstverständnis war bis in
die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts von sozialpädagogischen, auf die
Vermittlung nebuloser Werte des „Echten“ zielenden Ansprüchen geprägt, die bei
teilweise tiefen Gegensätzen doch soviel gemeinsam hatten, dass erstens der
freie Zugang der Leser zu den Bücherregalen die Ausnahme blieb – der
Bibliothekar, in der Praxis fast immer eine Bibliothekarin, sollte durch
individuelle Empfehlung dem Leser den Weg vom Kitsch zur Kunst weisen -,
dass zweitens die Moderne in der Literatur kaum Eingang in die Bestände fand.
Im Buchangebot dominierten der bürgerliche Realismus des 19. Jahrhunderts und seine
Epigonen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von diesem Ansatz konnte kein
Weg zum Verständnis der Bibliothek als Ort selbstgesteuerten Lernens führen.
Erst in den 60er Jahren
wurde diese Art von Büchereipädagogik vollständig überwunden. Auf dem Hintergrund
einsetzender Bildungsreformen, der Ablösung der restaurativen politischen
Kultur der Adenauer-Ära durch einen emanzipatorisch-technokratischen Optimismus
verstanden sich die Öffentlichen Bibliotheken als Informationszentrum, weiteten
die Sach- und Fachbuchbestände massiv aus, profilierten sich vielerorts als
kommunales Kommunikationszentrum und traten mit einem Feuerwerk kultureller
Veranstaltungen hervor[5].
Im Wesentlichen bis Mitte der 70er Jahre fand eine beispiellose quantitative
Ausweitung (Zahl der hauptamtlichen Bibliotheken und Mitarbeiter, Umfang der
Bestände) statt. Seitdem geht es weniger um Ausweitung, mehr um
Qualitätssteigerung, Modernisierung, ständige Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen,
auch um innerbetriebliche Rationalisierung
Im medialen Angebot wurden
Nachschlagewerke, Lehrbücher, Ratgeber, Hörkassetten Standard; Videos, CD-ROMs,
Internetanschluss und seit Ende der 90er Jahre DVDs sind in größeren
Bibliotheken üblich und stehen auch in etlichen kleineren Bibliotheken bereit.
Stühle, Tische, Sessel, Fotokopierer gehören zur Grundausstattung;
schreibtischmäßige Arbeitsplätze für Benutzer, wie sie in den Lesesälen
wissenschaftlicher Bibliotheken üblich sind, findet man meistens nur in
großstädtischen Bibliotheken.
In der DDR[6]
standen die Öffentlichen Bibliotheken unter einseitig ideologischen Vorgaben
und waren von den freien Medienmärkten abgeschnitten. Freilich verfügten sie
über ein der geringen Mobilität der Bevölkerung angepasstes außerordentlich
dichtes Netz von Filialen und Ausleihstellen, wenn auch die meisten von ihnen
räumlich viel zu beengt, in ungeeigneten Gebäuden, z.B. in verwinkelten
Wohnräumen im Erdgeschoss von Plattenhochhäusern, und oft sogar baufällig
untergebracht waren. Aufenthaltsqualitäten, Plätze zu anhaltendem,
konzentriertem Arbeiten fehlten infolge dieser Enge ebenso weitgehend wie
animierende Browsing-Angebote. Was den Zugang zu Medien, vor allem Bücher und
Vinylschallplatten seitens der Bevölkerung anging, hatten die Öffentlichen
Bibliotheken dank einer Art Vorkaufsrecht für die oft in zu niedrigen Auflagen
hergestellten Neuerscheinungen eine partielle Monopolstellung im Rahmen der
staatlich zentral geregelten Mediendistribution. Dominantes Angebotssegment
waren oft in vielen Mehrfachexemlaren bereit gestellte Bücher zur Unterstützung
des schulischen und beruflichen Lernens und der berufsbezogenen Weiterbildung,
vor allem auf technischen Gebieten. Überall standen in großen Stückzahlen wenig
genutzte Bücher, die die jeweils offizielle Staatsideologie enthielten, in den
Regalen. Auf sie griff die Bevölkerung im Allgemeinen nur zur Vorbereitung auf
Prüfungen zurück, in denen der einschlägige Stoff zusätzlich zum Fachwissen abgefragt
wurde. Besonders während der 80er Jahre eroberten nicht wenige Öffentliche
Bibliotheken der DDR in Veranstaltungen mit Autoren, Übersetzern und
Verlagslektoren gewisse Freiräume. Inhalte, die in gedruckter Form nicht
möglich gewesen wären, fanden auf diese Weise in Bibliotheken offene Ohren.
Nicht wenige Bibliothekare nahmen berufliche Nachteile in Kauf, sei es, dass
sie bei Leistungszulagen nicht berücksichtigt oder bei Beförderungen übergangen
wurden, weil sie Bibliotheksführungen nicht zur geforderten Propaganda für
Wehrerziehung und vormilitärische Ausbildung nutzten[7].
Der Anteil an SED-Mitgliedern unter den Bibliothekaren war geringer als bei
anderen Berufsgruppen vergleichbarer Qualifikationsebenen.
Anfang der 90er Jahre fassten
die Bibliothekare an Öffentlichen Bibliotheken ihr Selbstverständnis folgendermaßen
zusammen[8].
Die Zentralbibliotheken großstädtischer Bibliothekssysteme sollen folgende
Funktionen durch entsprechende Angebote an qualifiziertem Personal, Medien, Räumen
und technischem Equipment erfüllen:
·
professionelle und systematische Befriedigung der
Informationsbedürfnisse der gesamten Bevölkerung, darüber hinaus als wichtigste
Funktion die Deckung der Informationsbedürfnisse relevanter Zielgruppen in
Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur‑, Bildungs‑ und sozialen
Institutionen, insbesondere für
o
die Teilnahme am öffentlichen Leben,
o
bürgerschaftliches und politisches Engagement,
o
schulische und berufliche Ausbildung,
o
Berufsausübung,
o
berufliche Fort- und allgemeine Weiterbildung,
o
Persönlichkeitsentwicklung und Sinnorientierung,
o
Alltagsmanagement,
o
Hobby und Freizeit,
o
wissenschaftlich orientierte Betätigung;
·
Orientierung in der Medienvielfalt und die
Verknüpfung der elektronischen mit den Print-Medien durch umfassende multimediale
Angebote;
·
allgemein-öffentlicher Zugang zu allen,
insbesondere auch zu neuen Medientechnologien; die Bibliothek fordert zum
kreativen Mediengebrauch heraus;
·
Leseförderung durch Schaffung geeigneter
Medienangebote und die Kooperation mit Schulen, Kindergärten und anderen
Einrichtungen der Leseerziehung;
·
Gestaltung der Freizeit und Erholung durch
geeignete Medienangebote und zielgruppengerechte, ästhetisch hochwertige
Raumangebote;
·
Kulturarbeit in der Kommune, insbesondere
o
Ausstellungen,
o
Veranstaltungen,
o
Literatur- und Kunstförderung,
o
Unterstützung freier Kulturarbeit und
bürgerschaftlichen Engagements durch Kooperation mit örtlichen und regionalen
Initiativen,
·
Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen
durch Information und Kommunikation.
Die Bibliothek für den gehobenen Bedarf ist sowohl
Informations- und Kommunikationszentrum als auch Lern- und Spielort,
Begegnungsstätte und Marktplatz im umfassenden Sinn. Sie erkundet die
jeweiligen Informationsbedürfnisse und geht mit entsprechenden Dienstleistungen
auf die Zielgruppen zu.
Damit verstehen sich die
Öffentlichen Bibliotheken u.a. eben auch als Lernort - in der Tat entspricht
das Leistungsspektrum der Zentralbibliotheken der meisten Großstädte der zitierten
Funktionsbeschreibung. Auch eine Reihe großer Mittelstadtbibliotheken reicht
mehr oder minder an diese Leistungskraft heran. Die durchschnittliche
Mittelstadtbibliothek, vor allem die Bibliotheken in Orten unter 20.000
Einwohnern können naturgemäß nur einen mehr oder minder schmalen Ausschnitt aus
dieser Dienstleistungspalette anbieten. Die Definition des örtlich angemessenen
Ausschnitts und die offensive Realisierung gerade dieses Ausschnitts, um durch
Beschränkung in der Breite der Dienstleistungspalette mehr Leistungskraft für
die angebotenen Dienstleistungen zu gewinnen, ist seit den frühen 90er Jahren
eines der bedeutenden Themen der bibliothekarischen Fachliteratur. Es scheint,
dass Bibliothekare eher den überbordenden Ehrgeiz haben, ein möglichst breites
Dienstleistungsspektrum mit begrenztem Niveau anzubieten statt ein klares
Profil mit hoher Leistungskraft auf begrenzten Feldern.
Erst in den 90er Jahren
beginnt unter den Bibliothekaren an deutschen Öffentlichen Bibliotheken eine
Fachdiskussion[9], die vom
Gattungsleitbild zum Individualleitbild[10]
führen kann. Die oben angerissene Büchereipädagogik war ein Gattungsleitbild in
dem Sinn, dass in ihr ein Selbstverständnis artikuliert wurde, welches die
Praxis der Öffentlichen Bibliotheken schlechthin bestimmen sollte und auch
weitgehend dominiert hat. Ebenso ist die in den 60er Jahren gefundene Formel
von der Informationsbibliothek[11]
als Gattungsleitbild zu werten. Mit der Rezeption des Marketingansatzes[12]
seit den späten 80er Jahren waren die Grundlagen für ein auf die jeweiligen
örtlichen Gegebenheiten und ausgewählte Zielgruppen abstellendes Dienstleistungsprofil
gegeben. Freilich hat bisher keine Öffentliche Bibliothek in Deutschland ihr
Leitbild so radikal formuliert wie etwa sie St. Louis Public Library (USA)[13]:
The St. Louis Public Library will provide
learning resources and information services that support and improve
individuel, family, and community life. Freilich führt die St. Louis Public Library natürlich auch
Unterhaltungsromane, Musik der aktuellen Charts und belanglose Spielfilme auf
Videos. Es geht aber um Schwerpunkte.
Das in der Mitte der 90er
Jahre ins Blickfeld der Bibliothekare gerückte Thema des selbstgesteuerten lebenslangen
Lernens, wiewohl noch keineswegs umfassend rezipiert, bietet auf diesem
Hintergrund Chancen und Gefahren.
Die Chancen können darin bestehen, dass jener
Profilierungsprozess der einzelnen Bibliothek Stoff und Richtung erhält. Unter
den Auspizien verschärfter kommunalpolitischer Verteilungskämpfe und eines erhöhten
Legitimationsdrucks können Bibliotheken, indem sie sich als Stützpunkt
lebenslangen Lernens ausweisen, ihre Stellung im kommunalpolitischen und
finanziellen Gefüge stabilisieren, wenn das Thema kommunalpolitisch auf der
Agenda steht.
Gefahren können drohen,
wenn dieses Thema für die einzelne Bibliothek als bloß additive Erweiterung des
realisierten Ausschnitts aus dem sehr langen Aufgabenkatalog der Öffentlichen
Bibliotheken missverstanden würde. Dann fühlten sich viele Bibliothekare
überfordert: Sie sollen laufend kurze Einführungkurse ins Internet veranstalten,
mehr oder minder jede Woche Klassenführungen anbieten, permanent Kulturarbeit
leisten, Informations-Broschüren von Behörden und Sozialversicherungen
bestellen und zur Mitnahme auflegen, jede Woche mindestens eine Pressemitteilung
verfassen – und das alles zusätzlich zur Routine des Ausleihbetriebs, zur
täglichen Benutzerberatung und zum Management des Betriebs. Und dann käme eine
weitere Aufgabe dazu: die Gestaltung der Bibliothek als Lernort. In den 80er
Jahren verstanden zunächst viele Berufsangehörige Marketing als zusätzliche
Aufgabe, auf die sie mit dem Hinweis auf ohnehin starke Belastungen abwehrend
reagierten. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Marketing
keine Aufgabenerweiterung, sondern eine kundenorientierte Art der
Betriebsführung ist.
Das Konzept einer
Bibliothek als Lernort wird dann Erfolg haben können, wenn es gelingt,
Der Begriff Lernort darf
dabei nicht im Sinn einer hergebrachten Lerninstitution missverstanden werden,
zu der man sich mit dem Zweck des Lernens freiwillig (z.B. Volkshochschule)
oder unfreiwillig (z.B. Berufsschule) hinbegiebt. Vielmehr muss Lernort hier verstanden
werden im Sinn des von der Pädagogik in den 90er Jahren entwickelten Begriffs
Lernarrangement. Ein Lernort in diesem Sinn ist ein realer oder virtueller Ort,
der Lernarrangements bietet.
Der Begriff
Lernarrangement[14] reflektiert
die Veränderung des Lernens in der Wissensgesellschaft:
o
Fernunterricht in
Kombination mit gelegentlichen Konsultationen,
o
training on the job,
o
interaktive
Selbstlernprogramme,
o
interaktive Hilfen,
die auf der Basis knapper Einführungen fallweise benutzt werden (z.B. die ausgefeilten
Hilfefunktionen in guter Standardsoftware),
o
Abendunterricht,
o
Tageskurse,
o
Selbstlerngruppen
ohne Lehrkraft.
o
Bildungsinstitution,
o
Partnerinstitution,
die z.B. über spezielle Hard- oder Software verfügt,
o
eigener Betrieb,
o
Fremdbetrieb,
o
Exkursion,
o
Wohnung.
o
Sachqualifizierung,
o
soziale Qualifizierung,
o
Handlungsqualifizierung,
o
Methodenqualifizierung.
Auf diesem Hintergrund
gewinnt das Lernarrangement als neue Komponente im Lernprozess an Bedeutung.
Ein Lernarrangement ist zielgruppenorientierte Bündelung der Elemente
·
Lernanlass,
·
Lernbegleitung,
·
Lernort und
·
Lerninhalt.
Es hat folgende
Funktionen:
In Bezug auf Bibliotheken
kann das Konzept des Lernarrangements bedeuten[15]:
·
In den Räumen der
Bibliothek geben Bibliothekare und Bildungsanbieter eine Beratung zur
individuellen Auswahl geeigneter Lernangebote von traditionellen Lehrbüchern
und Multimedia-CD-ROMs über herkömmliche Kurse bis hin zu Online-Kursen.
·
In der Bibliothek
wird durch Veranstaltungen, bereits durch Display, Raumorganisation und
Warenleitbilder[16] eine
einladende Atmosphäre erzeugt, die neugierig macht, zu Entdeckungen verlockt,
Lust auf Unbekanntes weckt.
·
Da Lernen außerhalb
akademischer Zusammenhänge selten den Einteilungen der Wissenschaftsdisziplinen
folgt, sondern komplex, gegenstands-, ‑problemlösungs- und –anlassbezogen
ist, werden Medien nicht gemäß wissenschaftsorientierter Klassifikationen
präsentiert, sondern in thematischen Gruppierungen, die auf eben jene Anlässe,
Probleme und auf Zielgruppen bezogen sind.
Unter dem Leitstern des
Lernarrangements gewinnen Bibliotheken folgende Funktionen oder bauen sie aus[17]:
Auf diesem Hintergrund
können Bibliotheken zu lernbezogenen Kommunikationsorten, Motivationsorten und
Wissensbrokern werden – wobei jeder dieser drei Aspekte real und virtuell zu
denken ist.
Im Folgenden sollen diese Bedingungen,
unter denen das Konzept der Bibliothek als Lernort Erfolg haben kann,
beleuchtet werden. Der Fokus liegt auf den Aspekten:
·
Dienstleistungen und
Bestände,
·
Bestandserschließung
und ‑präsentation,
·
Management,
·
Nutzer und Nutzungen.
Es soll der Status Quo
herausgearbeitet werden, wobei teilweise Beispiele verallgemeinernd beschrieben
werden; die Fragen richten sich auf Anknüpfungspunkte, aber auch entgegen
stehende Tendenzen.
Voraussetzung, damit die
Bibliothek als Lernort in irgendeiner Bedeutung des Wortes genutzt werden kann,
sind geeignete Medien und Aufenthaltsmöglichkeiten.
Der Anteil, den Medien zum
Lernen an den Beständen oder an den Entleihungen ausmachen, kann nicht angegeben
werden, denn das Merkmal Zum Lernen
ist weniger eine Eigenschaft der Medien selbst als vielmehr ein Aspekt ihrer
Verwendung. Denkt man im engeren Sinn an Medien mit didaktisierten Inhalten, so
ist zunächst festzustellen, dass über deren Anteil keinerlei Untersuchungen
oder Statistiken vorliegen. Die üblicherweise geführten Statistiken erfassen
Sachgruppen-Zuordnungen (z.B. Biologie, Psychologie, Geschichte) ohne
Kennzeichnung der Mediengattung (Lehrbuch, Ratgeber usw.). Die Sachgruppe
Geografie beispielsweise hat in einer durchschnittlichen Öffentlichen
Bibliotheken einen Anteil an den Entleihungen der Sachbücher von etwa 13 %[20]
und besteht vor allem aus Reiseführern, enthält also kaum didaktisiertes
Material. Dagegen umfasst die Sachgruppe Sprachwissenschaft in Öffentlichen
Bibliotheken (Ausleihanteil durchschnittlich 6 %) weitgehend
Sprachlehrbücher mit audiovisuellen und multimedialen Begleitmaterialien.
Was Materialien für die
berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung angeht, kann man festhalten:
Der Titelzahl und den
Umsätzen nach stehen auf den Medienmärkten mit großem Abstand die wissenschaftliche
und berufsbezogene Fachinformation im Vordergrund; so sind die umsatzstärksten
Verlage hauptsächlich Fachverlage. Wachsende Bedeutung gewinnen die Informationen
zur Freizeitgestaltung, während die Medien zur Wissenspopularisierung und
Unterhaltung in vergleichsweise kleinen Titelzahlen, aber in hohen Auflagen
erscheinen. Die wissenschaftliche Fachinformation spielt gemäß den Aufgaben der
Öffentlichen Bibliotheken, wie sie in ihren oben zitierten
Selbstverständnispapieren[21]
dargelegt sind, und gemäß der hinsichtlich der Nutzerzahlen beschränkten
Verbreitung des Bedarfs nur in sehr großen Bibliotheken eine Rolle, und auch
hier nur mit Einschränkungen, nämlich hauptsächlich bezogen auf grundlegende
Studienliteratur, die allerdings in Hochschulstädten sehr stark auch aus
öffentlichen Bibliotheken entliehen wird. Ebenfalls stark selektiv verfahren
die meisten öffentlichen Bibliotheken mit berufsbezogener Fachinformation,
obwohl der gesellschaftliche Bedarf hier allgegenwärtig ist. Freilich sind die
Nachfragen hier ganz überwiegend thematisch eng fixiert, so dass stets gut
ausgebaute und hochaktuelle Bestände benötigt würden, was die meisten
Öffentlichen Bibliotheken angesichts ihrer Etats kaum oder nur um den Preis
klarer Schwerpunktbildungen leisten könnten. Ähnliches gilt für berufsbezogene
Ausbildungsliteratur. Stärker ausgebaut, aber gegenüber dem Marktangebot und
der Nachfrage noch immer schwach vertreten sind Medien mit Ausbildungsfunktionen
für Schüler, insbesondere der Sekundarstufe II.
Dagegen sind die Angebote
für Alltagsmanagement, für die Freizeitgestaltung und Persönlichkeitsentwicklung,
zur Wissenspopularisierung sowie für viele Hobbys deutlich besser ausgebaut.
Gemäß dem überdurchschnittlichen Bildungsstand der Bibliotheksbenutzer
gegenüber der Gesamtbevölkerung enthalten diese Medien zu einem erheblichen
Teil qualifizierte, intellektuell anspruchsvolle Inhalte. Einen hohen Anteil an
den Beständen haben Medien mit Unterhaltungsfunktionen: der allergrößte Teil
der Belletristik, nahezu das gesamte Tonträgersortiment und der überwiegende
Teil der Videos[22] gehören
dazu, mit Einschränkungen auch die Spiele.
Doch ist seit Mitte der
90er Jahre ein verstärkter Ausbau der Medienangebote zugunsten von allgemein
auf schulische Ausbildung, Berufsorientierung, Erfolg am Arbeitsplatz, persönlicher
Kompetenzerweiterung bezogenen Themen zu beobachten. Diese werden oft in
hervorgehobener Weise präsentiert. Darauf ist im Kapitel 5 näher einzugehen.
Das Beispiel der
Stadtbibliothek Hamm[23],
die im Lauf der 90er Jahre schrittweise moderne und anregende
Präsentationsformen einführte und durch Neustrukturierung der Regalaufstellung neue
Impulse zur Mediennutzung erzeugt, zeigt, dass eine Renaissance der Benutzerarbeitsplätze
in der Bibliothek stattfindet.
So hat beispielsweise die
Stadtbibliothek Gütersloh 1999[24]
im Zusammenhang mit themenentsprechenden Medienangeboten jeweils einen PC mit
Programmen, elektronischen Publikationen, Internetportalen und elektronischen
Tutoren zu einem bestimmten Lernbereich ausgestattet, u.a. den Lernbereichen
Bewerbungen, Büroanwendungen, Netzkommunikation, Bild- und Tonbearbeitung.
In der 1999 umgebauten
Zentralbibliothek Essen[25]
sind, was eine positive Ausnahme darstellt, Gruppenarbeitsräume eingerichtet
worden.
Noch in den 60er Jahren
verfügten viele größere Öffentliche Bibliotheken über Lesesäle nach dem Vorbild
von Universitätsbibliotheken, wenn auch wesentlich kleiner in der Zahl der
Tische und Stühle und vor allem der Bestände. Sie wurden indessen wenig
genutzt; im Zuge des Wachstums der Bestände bei gleichzeitig konstant
bleibenden Flächen opferte man nach und nach diese Leseplätze, um mehr und mehr
Regale aufzustellen. Wo Neu- oder Umbauten mustergültige Lösungen mit
großzügigen Flächen realisierten (beispielsweise in den 80er Jahren die
Stadtbibliotheken Reutlingen und Gütersloh, in den 90er Jahren viele Mittel-
und Kleinstädte in Süddeutschland in historischen, für die Bibliothek unter
Beachtung von Gesichtspunkten des Denkmalschutzes umgenutzten Gebäuden, so in
Konstanz, Offenburg, Ditzingen bei Stuttgart, Memmingen, Rosenheim,
Überlingen), handelte es sich bei den Leseplätzen um freizeitmäßige Sessel-, Sofa-
und Nischenangebote. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre werden allmählich
nicht nur Internet-PCs als Surfplätze, wie sie vereinzelt in großen Stückzahlen
als Gerät, an dem man steht, nicht sitzt (Kioskstationen)[26],
ohne Tisch und Drucker, aufgestellt wurden, sondern es werden Multimedia-Arbeitsplätze
mit vernetztem PC, Drucker und ausreichendem Platz für Bücher, Arbeitsmaterialien
und unmittelbarer Nähe zu körperlichen Medien implementiert[27].
In der Dresdner Jugendbibliothek unter dem beziehungsreichen Namen medien@age[28]
wurden Internet- und PC-Plätze auf 104 Zentimeter breiten Tischen mit
Flachbildschirmen eingerichtet – gute Voraussetzungen, um die Funktion der
öffentlichen Einrichtung gegenüber einem kommerziellen Internet-Café wirksam werden
zu lassen.
Diese Strukturen können zu
Lernateliers weiterentwickelt werden, wenn sie thematisch entsprechend gefüllt
werden.
Dies war Inhalt eines
frühen deutschen Projektes[29],
in dem die Rolle der Öffentlichen Bibliothek als Stützpunkt lebenslangen
Lernens fortentwickelt wurde; es fand auf Initiative des Deutschen Bibliotheksverbands 1997/98 in Sachsen statt. Beteiligt
waren die Öffentlichen Bibliotheken in Delitzsch, Döbeln, Glauchau und Plauen,
Bibliotheken mit 40.000 bis 150.000 Medieneinheiten Bestand in Orten mit 25.000
bis 72.000 Einwohnern, sowie die Staatlichen Fachstellen für Öffentliche
Bibliotheken in den Regierungsbezirken Chemnitz und Leipzig.
·
die Bestände um CD-ROMs
zu den Themen Ausbildung, Beruf, Wirtschaft, ferner um berufsbezogene
Fachliteratur orientiert am örtlichen Bedarf erweitert,
·
Videos über
Ausbildung und Berufsbilder in die Bestände aufgenommen,
·
multimediale
Benutzerarbeitsplätze in den Bibliotheken eingerichtet,
·
Kooperationen mit
Arbeitsämtern und Einrichtungen der Aus- und Fortbildung begonnen, die u.a.
dazu führten, dass die Bundesanstalt für Arbeit ihre Publikationen in den
Bibliotheken auslegt,
·
einschlägige
Adressdatenbanken aufgebaut,
·
differenzierte Formen
und Angebote zur Vermittlung von Medienkompetenz eingesetzt,
·
einschlägige
Schulungen für Bibliotheksmitarbeiter und Nutzer etabliert.
Gemessen am oben zitierten
Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliothek sind all diese Maßnahmen keineswegs
innovativ. Es bedurfte aber eines Projekts, um sie zur Anwendung zu bringen.
Unabhängig von Projekten
ergreifen immer wieder einzelne Bibliotheken die Initiative zur Einrichtung
eines Bereichs mit besonders zum Lernen anregenden Medien, oft im Zusammenhang
mit einem von außen einwirkenden Impuls, der zur Entwicklung eines Profils oder
Leitbilds führt. Als Beispiel kann die Stadtbibliothek Rosenheim[30]
genannt werden. Der Umzug in neue und großzügige Räume war Anlass, zu einem geschärften
Profil zu kommen; sie versteht sich nun als Zentrum lebenslangen Lernens und
richtete einen Bereich Berufs-Info mit einschlägigen Büchern, Videos, CD-ROMs,
Zeitungen und Zeitschriften ein. Dieser Bereich wurde in der Nähe der bereits
vorhandenen Bereiche Internet-Arbeitsplätze, Schülerhilfen und Infothek
platziert.
Ungewöhnlich ist die
Entwicklung in Emden[31].
Die extrem eng untergebrachte Stadtbibliothek mit weitgehend veraltetem Bestand
war äußerst unattraktiv. Um sie fortzuführen, übergab die Stadt die Bibliothek
der Volkshochschule, die in Emden als Verein geführt wird, und verpflichtete
sich zu einer laufenden Finanzhilfe für den Betrieb. Die Bibliothek wurde
gemeinsam mit der VHS untergebracht, räumlich wesentlich erweitert und
erneuert, technisch modernisiert. Bibliotheksauskunft und VHS-Sekretariat sind
zu einem gemeinsamen Servicepunkt zusammengefasst. Das Medienangebot der
Bibliothek ist mit Bildungsprogrammen und Veranstaltungen der VHS verknüpft.
Eine Infothek für Ausbildung, Beruf und Weiterbildung wird aufgebaut. Ein
weiterer Schwerpunkt ist die Leseförderung (Medienangebote für Kinder). Für das
Personal beider Einrichtungen entstehen nach und nach Mischarbeitsplätze, die
sich nicht mehr an den traditionellen Berufsbildern des Bibliothekars
einerseits und des Erwachsenenbildners andererseits orientieren.
Insgesamt sind
Kooperationsprojekte zwischen Bibliothek und Volkshochschule selten, auch wenn
etliche Bibliotheken mehr oder minder regelmäßig Medienempfehlungen auf Faltblättern
gezielt für VHS-Veranstaltungen erstellen. Als herausragend und wegweisend muss
das 1997 eröffnete Medienforum in Potsdam-Kirchsteigfeld eingeschätzt werden[32].
Hintergrund der Planung war die Errichtung eines neuen Stadtviertels für 7.500
Einwohner im Südosten der Brandenburgischen Landeshauptstadt; das Projekt war
zum Zeitpunkt des Baubeginns 1993 das größte Wohnungsbauvorhaben in den neuen
Bundesländern. Kernidee des Medienforums, das organisatorisch als Filiale der
Stadt- und Landesbibliothek Potsdam geführt wird und im Zentrum des Ortsteils
untergebracht ist, war die synergetische Verknüpfung der Lern- und Bildungsangebote
von Bibliothek und Volkshochschule. Der Medienbestand wurde mit Blick auf den
Aus-, Fort- und Weiterbildungsbedarf, die Unterstützung lebenslangen Lernens
und der Förderung der Medienkompetenz profiliert. Die Volkshochschule richtete
drei multimediale Selbstlernplätze mit Internetanschluss, CD-ROM-Laufwerk sowie
Büroanwendungssoftware ein. Dieses Lernstudio wird außerhalb der Öffnungszeit
der Bibliothek im Rahmen von VHS-Kursen, während der Bibliotheksöffnungsstunden
individuell kursunabhängig genutzt. An ein bis zwei Terminen pro Woche steht
unabhängig von Kursangeboten ein VHS-Dozent für spezielle Fragen und
individuelle Beratung zur Verfügung. Während der übrigen Öffnungsstunden wird
das Lernstudio vom Bibliothekspersonal betreut. Dieses Konzept geht insofern
weit über die ebenfalls nicht sehr verbreitete Einrichtung von Arbeitskabinen
mit Multimedia-PCs hinaus, wie sie im 1998 eröffneten Neubau der
Stadtbibliothek Saarbrücken[33]
installiert wurden. Ein ähnliches Konzept wie Potsdam verfolgen ‑ wenn
auch gewiss in kleinerem Maßstab –Stadtbücherei und Volkshochschule in
Schwerte (53.000 Einwohner, Nordrhein-Westfalen). Bereits jetzt sind beide
Einrichtungen im selben Gebäude untergebracht, nutzen dieselben
Veranstaltungsräume, bieten gemeinsame Literaturveranstaltungen, betreiben
wechselseitige Werbung. Geplant ist (Stand: Frühjahr 2001) ein gemeinsamer
Internet-Raum, der während der Öffnungszeiten der Bibliothek durch deren
Benutzer genutzt und vom Bibliothekspersonal betreut wird; außerhalb der
Öffnungszeiten steht er Kursen der VHS zur Verfügung. Dagegen ist der übliche
Internet-Anschluss in einer Öffentlichen Bibliothek wie ein Surfplatz im
Internetcafé angelegt, d.h. er ist entweder ein im Stehen oder Sitzen zu
bedienender Netz-PC ohne Drucker und ohne oder mit sehr begrenzten Flächen zur
Ablage von Büchern und Materialien, also zur intelligenten Verwendung wenig
geeignet.
Die Stadtbücherei
Flensburg[34] realisierte
1999 eine Werkstatt neuer Medien
gemeinsam mit der Volkshochschule: In einem separierten Raum stehen fünf PCs
mit Internetanschluss, Bürosoftware und CD-ROM-Laufwerken zur Verfügung. Der
Raum wird während der Öffnungszeiten der Bibliotheken für Bibliotheksnutzer,
betreut von Mitarbeitern der VHS, sonst durch Kurse der VHS genutzt.
Weniger punktuell ist die
Zusammenarbeit zwischen Stadtbücherei, Volkshochschule und weiteren Bildungsanbietern
in Hagen[35]. Bibliothek
und Volkshochschule sind im selben Gebäude untergebracht. Innerhalb der
kommunalen Verwaltung bilden bildet die Stadtbücherei zusammen mit der Hagen Weiterbildung Volkshochschule mit
einem breit gefächerten Programm für alle Gruppen der Bevölkerung und der IQW Weiterbildungsberatung als
Ansprechpartnerin in Fragen der beruflichen Fort- und Weiterbildung das Amt für Weiterbildung und Medien.
Darüber hinaus kooperiert die Stadtbücherei mit Institutionen, deren Bibliotheken
in Ergänzung ihrer eigenen Bestände genutzt werden können (Bibliotheken der
Märkischen Fachhochschule und der Fernuniversität).
In Brandenburg werden seit
1993 Öffentliche Bibliotheken und Kreisbildstellen organisatorisch zusammengeführt[36],
ein langwieriger Prozess, gegen den die Betroffenen sich zunächst gewehrt
haben, in den sie sich dann aus der Einsicht heraus, dass ohne Zusammenführung
jeweils eine der beiden Einrichtungen ersatzlos gestrichen würde, fügten. Im
Zentrum der örtlichen Fusionsprozesse stand die Entdeckung, dass die
Arbeitsinhalte in der jeweils anderen Einrichtung nicht grundverschieden sind,
dass hier wie dort mit umfangreichen Medienbeständen gearbeitet wird, dass
Arbeitsplätze zukünftig multimedial sein werden – die Chance zu einem
konzeptionellen Neuanfang, nämlich zu einer Profilierung der fusionierten
Einrichtung als dem Nukleus kommunaler Lernnetzwerke wurde nicht flächendeckend
genutzt.
Vereinzelt gehen
Bibliotheken auch Kooperationen mit Jugendeinrichtungen ein, die einen Bezug
zum außerschulischen Lernen aufweisen. Die Dresdner Jugendbibliothek mit dem
zielgruppenorientierten Namen medien@age[37]
betriebt gemeinsam mit der Jugendinformationsstelle des städtischen Jugendamts
Internet- und PC-Arbeitsplätze in der Bibliothek; diese bringt folgende Inhalte
in das Bibliotheksangebot ein: Einsatz neuer Medien als Gebrauchsgegenstand im
Alltag, Jugendberufshilfe (Erschließung neuer Berufsbilder, Einsatz der neuen
Medien zu Berufsinformation), Medienschutz (kritische Auseinandersetzung mit
Medieninhalten und ‑erstellungsformen).
PCs mit Internetzugang
sind heute weit verbreitet in Öffentlichen Bibliotheken. Dagegen ist es eine Minderheit
der Öffentlichen Bibliotheken, meistens Großstadtbibliotheken, aber auch eine
Reihe von Mittelstadtbibliotheken und auch einige kleine Bibliotheken, die mit
eigenen Seiten ins WWW gegangen sind. Meistens handelt es sich um einen soliden
werblichen Auftritt im Rahmen der Darstellung der Kommune, der über Angebote,
Dienstleistungen, Öffnungszeiten, Gebühren informiert, zunehmend auch um den
eigenen Katalog, der über das WWW abfragbar gemacht wird (WWW-OPAC).
Eine Reihe von
Bibliotheken, sowohl Großstadtbibliotheken als auch mittlere und kleinere
Bibliotheken, bieten darüber hinaus eine mehr oder minder substanzreiche
Auswahl von Links zu fremden Websites. Die von Öffentlichen Bibliotheken
durchgeführten ehrgeizigen Projekte BINE[38]
(abgeschlossen 1998) und ILEKS[39]
(laufend, in Kooperation der Stadtbibliotheken Bremen und Paderborn, der
Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der Büchereizentrale
Schleswig-Holstein) verfolgen das Ziel, in Form einer Datenbank, nicht nur als
mehr oder minder übersichtlich gegliederte Liste, Internetressourcen unter
Qualitäts- und Profilgesichtspunkten intellektuell zu selektieren, zu
evaluieren und systematisch zu erschließen.
Insgesamt haben rund zwei
Dutzend Öffentliche Bibliotheken umfangreichere Linksammlungen ins Netz gestellt.
Die Themenschwerpunkte reichen von Backen über Existenzgründung und
Verbraucherinformation bis Online-Zeitungen[40].
Mehrere Bibliotheken haben den Akzent auf Ressourcen gelegt, die online oder
als Programmhinweis der Erwachsenenbildung dienen, führend sind hier die
Zentral- und Landesbibliothek Berlin[41],
die Stadtbücherei Stuttgart[42]
und die Stadtbibliothek Ludwigsburg mit teilweise gemeinsamen Seiten, ferner
die Öffentlichen Bibliotheken Heidelberg[43]
und Biberach[44] sowie das
Medienzentrum Ostprignitz-Ruppin[45]
(Brandenburg).
Überraschend ist, dass
kaum eine Öffentliche Bibliothek ihren Netzauftritt als Knotenpunkt im
kommunalen Lernnetz gestaltet; diesen Ansatz verfolgen die Stadtbücherei
Stuttgart, indem sie u.a. Links zu den zahlreichen, meistens
privatwirtschaftlich betriebenen Sprachschulen in der Stadt legt, und die
Stadtbücherei Hagen[46]
mit einer umfangreichen Linksammlung zu Bildungsanbietern von den
Gewerkschaften bis zum Institut der Deutschen Wirtschaft, von Telekolleg bis
zur Bundesanstalt für Arbeit, von regionalen und nationalen
Weiterbildungsdatenbanken zu den Volkshochschulen. Die Stadtbücherei Stuttgart
und die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen[47]
sind die einzigen Öffentlichen Bibliotheken, die einen Link zum Projekt Tandemlernen[48]
gelegt haben. In diesem Projekt, betrieben von zwölf Universitäten in zehn
Ländern, sollen sich über das Internet Partner finden, die ihre Kompetenz in
einer Sprache und ihr Motiv, eine Fremdsprache zu lernen, je spiegelbildlich
teilen. Links von den Seiten der Bibliotheken zur örtlichen VHS und weiteren
Weiterbildungseinrichtungen mit ihren Programmangeboten sind ebenso wenig verbreitet
wie zum Deutschen Bildungsserver[49],
zu regionalen Bildungsservern und zur Zentrale
für Unterrichtsmedien im Internet
(ZUM[50])
mit ihrer schul- und schülerorientierten Linkdatenbank. An dieser Stelle setzt
das Projekt INFOL@B in Rheinland-Pfalz an. Ziel des Projektes ist es, die
Bürgerinnen und Bürger über die örtlichen Stadt- und Gemeindebibliotheken sowie
über Schulbibliotheken beim lebenslangen Lernen zu unterstützen. Dazu soll eine
Plattform im Internet geschaffen werden, die einen einfachen Zugang zum Netz
und vor allem zu Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten schafft[51].
An dem Projekt unter Federführung der Firma BOND-Bibliothekssysteme sind
beteiligt: zehn Pilotanwenderbibliotheken in der Pfalz, das Landesarbeitsamt
Rheinland-Pfalz, die Universität Koblenz-Landau, die IHK für die Pfalz, der
Landesverband des Deutschen Bibliotheksverbandes, die EDV-Kommission für
Schulbibliotheken sowie die Firma ac@demy Internet-Training-Institute AG
beteiligt. Mehr noch als das Produkt des Projektes – vergleichbare
Internet-Portale gibt es bereits, auch in der Regie von Bibliotheken, wie die
Modelle der Stadtbücherei Stuttgart, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
und der weiteren erwähnten Beispiele zeigen – scheint die Zusammenarbeit
der Partner zu zeigen, in welche Richtung man im Sinn von
Public-Private-Partnership denken kann und soll: Einerseits sind Unternehmen
beteiligt, deren Interesse ohne Zweifel auch darin besteht, ihre
Internet-Kompetenz im Bildungssektor unter Beweis zu stellen und womöglich über
den Werbekanal Bibliothek Kunden zu gewinnen, andererseits mit Landesarbeitsamt
und IHK Körperschaften, die auftragsgemäß die Kompetenzentwicklung ihrer
Klientel forcieren sollen.
Weit verbreitet sind
kurze, in der Bibliothek für körperlich anwesende Nutzer durchgeführte
Einführungen in neue Medien und Internetnutzung, meistens 30 bis 120 Minuten
lang, in der Regel auf eine Zielgruppe, etwa Senioren oder junge Mütter, oder
ein Thema, beispielsweise Stellensuche und Bewerbung oder Newsgroups
spezialisiert. Die Stadtbücherei Biberach[52]
stellte fest, dass ein Viertel der Teilnehmer ihrer Kurse bisher keine Bibliotheksbenutzer
waren und gut die Hälfte noch nicht im Internet gesurft hatten.
In der Tat haben nicht nur
die Öffentlichen Bibliotheken, sondern die Masse der Verbraucher das Internet
als Lernmedium noch kaum entdeckt. Zwar sind inzwischen fast 40 % der
Deutschen ab 14 Jahren online, doch mit Abstand im Vordergrund der Nutzung[53]
(mindestens einmal wöchentlich) stehen E-Mail, zielgerichtete Informationssuche
und zielloses Surfen, aktuelle Nachrichten über Tagesgeschehen und Sport, Infos
über PC, Software, Wirtschaft und Börse, Downloaden von Dateien, Homebanking.
Bei den 14- bis 19-Jährigen spielen auch Chatten und Newsgroups, Unterhaltung
und Musik-laufen-lassen eine herausragende Rolle.
Nach den
ARD/ZDF-Online-Studie 2000[54]
und 2001[55] haben die
meisten Internet-sem Medium eine nüchtern-pragmatische Einstellung, während die
Rezipienten an das Medium Fernsehen stark emotional gebunden sind. Die
überwiegend funktionale Nutzungserwartung wird indessen von charakteristischen,
angebotstypischen Defiziten in erheblichem Maß enttäuscht. Sowohl
Online-Neulinge wie auch mehrjährig erfahrene WWW-Nutzer klagen über den
Aufwand, den das gezielte Auffinden von Informationen bereitet, über unübersichtliche
Homepages, veraltete Links, störende Werbung und unvollkommen arbeitende
Suchmaschinen, ferner über technische Mängel wie langsamen Seitenaufbau, langwieriges
oder nicht funktionierendes Herunterladen von Software bzw. über das oft überhaupt
erforderliche Herunterladen und Installieren zusätzlicher Software, um Seiten betrachten
zu können. Frustrationsfördernd wirkt sich aus, dass die Nutzer sich häufig
selbst nicht in der Lage sehen, die Validität der gefundenen Informationen
einzuschätzen.
Hier können die
Öffentlichen Bibliotheken ansetzen, indem sie ihre Web-Auftritte ausbauen und
unter entsprechenden Gesichtspunkten optimieren: Werbefreie, vorbildlich übersichtliche
Seiten mit einer hochqualifizierten, kommentierten Auswahl von Links ausschließlich
zu seriösen, in ihrer Kompetenz unstrittigen Anbietern.
Generell und in besonderem
Maß bei Bildungsanbietern muss die einzelne Bibliothek im konzeptionellen
Kontext die Frage klären, ob und wieweit sie Links zu kostenpflichtigen
Angeboten legen will. Drei Grundvarianten sind hier zu unterscheiden:
Zunehmend verbreiten sich
Mischformen, etwa das Angebot xipolis.net[59]
der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Stuttgart, und des Verlags
Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim, eine Internet-Plattform,
die die Suche in mehreren Lexika und Zeitschriften mit der Suche im Internet verknüpft.
Ein Teil der Lexika ist kostenlos nutzbar, während die Suche in den
umfangreicheren Nachschlagewerken sowie in den Archiven von Zeitschriften wie DER ZEIT und Spektrum der Wissenschaft gebührenpflichtig ist. Vorbild ist das Microsoft-Angebot
encarta.com[60]: Um ein
intelligentes, kostenfreies Produkt – hier das Lexikon Encarta - wird
ein Netz aus Zugängen zu und Werbung für kostenpflichtige Produkte, die sich an
dieselbe Zielgruppe richten, gelegt. Zunehmend wird Werbung nur noch in
derartigen Umfeldern wahrgenommen, ohne einen informationellen Mehrwert nicht
akzeptiert, so dass die Kombination zukunftsträchtig wird. Encarta.com ist vor
allem ein Portal zu kommerziellen Angeboten zum Lernen und für praktische
Alltagsfragen, teils online, teils in Form von Büchern oder Werkzeugen, die man
sich gegen Bezahlung schicken lassen kann.
Die Initiativen
Öffentlicher Bibliotheken, die eine Erschließung von Web-Ressourcen versuchen,
müssen sich an der Qualität dieser Angebote messen lassen.
In Hochschulen ist ein
EDV-Netz mit Internetschnittstelle Standard, über das die Bibliothek auch
Bibliografien, Lexika und andere Informationsmittel auf CD-ROM, seltener multimediale
Lehr- und Lernmittel campusweit verfügbar macht. Ziel ist, multimediale Lehr-
und Lernmittel, ob auf WWW-Servern oder auf CD-ROM verfügbar, unter einer
einheitlichen Benutzeroberfläche sowohl von den Campus-PCs aus als auch von den
häuslichen PCs der Hochschulangehörigen aus zugänglich zu machen[61].
In Öffentlichen Bibliotheken sind EDV-Netze weniger verbreitet und bedienen
meistens nur das Katalogisierungs- und Verbuchungssystem, sind hier in der
Regel weder mit einem CD-ROM-Server noch mit dem Internet verknüpft; vielmehr
werden für CD-ROMs meistens Einplatzsysteme und für den Internetzugang wieder
andere PCs verwendet. Im Sinn eines Lernorts wäre die Verknüpfung sehr
sinnvoll, setzt aber drei Dinge voraus: Die Öffentliche Bibliothek muss
Hier fällt den Bibliotheksverbänden
eine Lobbyaufgabe zu.
Standard in
Freihandbibliotheken ist die systematische Aufstellung des Bestandes. In
Freihandbibliotheken ist der mit Abstand wichtigste Suchweg der Benutzer der
Gang ans Regal. Katalogsuche ist von nachgeordneter Bedeutung. Einen
herausragenden Stellenwert hat deshalb eine gut ausgeschilderte, für die Nutzer
nachvollziehbare Bestandsgliederung und –präsentation. Die in Öffentlichen
Bibliotheken in Deutschland verbreiteten Systematiken[62]
orientieren sich mehr oder minder eng an Wissenschaftsfächern.
Der Vorteil ist, dass
damit eine klare und weniger subjektive Zuordnung der Medien zur Klassifikation
möglich wird, dass auch differenziertere Bestände von einigen Zehntausend
Bestandseinheiten angemessen erschlossen werden können. Besonders dringlich ist
der Bedarf nach differenzierter Erschließung gemäß den Beständen der
Bibliotheken bei den Themen EDV (das die Allgemeine
Systematik für Öffentliche Bibliotheken mit 38 Systematikgruppen hinreichend
differenziert darstellt) und bei verschiedenen Hobby- und Freizeitthemen (z.B.
Kochen und Basteln).
Nachteile der Orientierung
an Wissenschaftsfächern sind:
·
Orientierungsschwierigkeiten
für Nutzer/innen, die mit der Gliederung der Wissenschaftsfächer wenig vertraut
sind, beispielsweise für Schüler/innen. Schüler/innen suchen Literatur zum
Thema Vulkane in der Regel in der Sachgruppe Geografie, weil das Thema im
Geografieunterricht behandelt wird. Dagegen schlagen die Bibliotheken gemäß
ihrer wissenschaftssystematisch ausgerichteten Klassifikationen das Thema den
Naturwissenschaften zu (Vulkanismus als Thema der Geowissenschaften, die als
Teilgebiet der Naturwissenschaften aufgefasst werden).
·
Zerstreuung von
Themenaspekten, die in lebenspraktischen Zusammenhängen gemeinsam auftreten,
trotz thematischer Divergenz für dieselbe Zielgruppe besonders interessant sind
oder oft im selben Verwendungszusammenhang gesucht werden. Beispielsweise lesen
junge, intensive EDV-Nutzer überdurchschnittlich häufig Sciencefiction; oder
junge Eltern finden Medien zur speziellen Kompetenzerweiterung aufgrund ihrer
persönlichen Lebenssituation in einer wissenschaftsorientierten Systematik
verstreut in den Sachgruppen Psychologie, Pädagogik, Medizin, Hauswirtschaft,
Recht und weiteren.
Auf diesen Nachteil
wissenschaftsorientierter Klassfikationen reagieren seit den 50er Jahren Public
Libraries in USA mit Reader Interest Classfications (RIC)[63].
Ihre Merkmale sind:
·
Die Klassenbildung
erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Zusammenfassung von häufigen Benutzerfragestellungen.
Auf diese Weise werden Medien zusammengeführt, die in stark
wissenschaftssystematisch ausgerichteten Klassifikationen verschiedenen Klassen
zugewiesen werden (z.B. der handwerklich-technische, der künstlerisch-gestalterische
und der innenarchitektonisch-planerische Aspekt der Wohnungseinrichtung).
·
Der thematische
Umfang der einzelnen Klassen ist weiter als bei herkömmlichen
Aufstellungssystematiken, ihr Inhalt ist aus wissenschaftssystematischer Sicht
teilweise inhomogen. Browsing soll angeregt werden und wird verlangt.
·
Die
Klassenbenennungen sind kurz und allgemein verständlich.
·
Die Notationen sind
sehr kurz, hierarchieabbildend, alphanumerisch oder bestehen nur aus Buchstaben,
bevorzugt mnemotechnisch. Teilweise werden anstelle von Notationen verbale
Benennungen verwendet.
·
Die Hierarchie ist
extrem flach, umfasst i.d.R. nur zwei Hierarchiebenen.
·
Die Zahl der Klassen
liegt deutlich unter 100.
Reader Interest Classification
wird in folgenden Varianten angewendet:
·
In größeren
Bibliotheken wird ein Teil des Bestandes nach der RIC aufgestellt (Browsing-Zone);
teilweise handelt es sich um Doppelstücke zu Grundexemplaren in der üblichen
klassifikatorischen Aufstellung.
·
In kleinen
Bibliotheken wird der gesamte Bestand nach RIC aufgestellt.
·
Die RIC ist eine
Erschließungsstruktur im Freihandbereich, die über dauerhaft oder vorübergehend
aus der üblichen Aufstellung in den RIC-Bereich versetzte Medien in Form einer
Regalbeschilderung gelegt wird. Die hierfür in Frage kommenden Medieneinheiten
werden mit zwei an der Medieneinheit sichtbaren Notationen versehen: Erstens
der Notation nach der üblichen Klassifikation, zweitens der Notation nach der
RIC.
Diese Praxis wurde in Deutschland
bis in die 70er Jahre kaum rezipiert. Der Grund mag sein, dass die in deutschen
Öffentlichen Bibliotheken angewendeten Klassifikationen weniger strikt
wissenschaftssystematisch ausgerichtet sind als die in USA übliche Dewey Decimal
Classification. Obwohl in Deutschland kaum keine ausdrückliche
Auseinandersetzung mit Formen der Reader Interest Classfication stattfand,
entdeckten die deutschen Öffentlichen Bibliotheken seit den 70er Jahren
vergleichbare Formen der Bestandserschließung. Hierbei wenden sie fast
ausschließlich verbale Benennungen statt Notationen an, wodurch der Ansatz der
Reader Interest Classification gewissermaßen radikalisiert wird.
Diese Formen der
Bestandserschließung wurden in Deutschland, auch in Frankreich[64]
unter dem Begriff Interessenkreiserschließung weit verbreitet. Bis in die erste
Hälfte der 90er Jahre wurde indessen eine Interessenkreiserschließung bevorzugt
zur Erschließung der Belletristik und Kinder- und Jugendliteratur eingesetzt
(typische Interessenkreise sind etwa: Abenteuer,
Bewährte Unterhaltung, Klassiker). Seitdem die Stadtbücherei
Münster in ihrem 1993 eröffneten Neubau schwerpunktmäßig Sachliteratur in einer
Erschließung nach Interessenkreisen zusätzlich zur weiter bestehenden
fachsystematischen Aufstellung anbietet[65],
wenden große Teile der Öffentlichen Bibliotheken irgend eine Art von Interessenkreiserschließung
zusätzlich zur Klassifikation, die weiterhin die Hauptmasse der Sachliteratur
erschließt, an; in den neuen Bundesländern ist diese Praxis wesentlich weniger
ausgeprägt, was man mit der dort traditionell höheren Wertschätzung von Ordnung
und Hierarchie assoziieren mag.
Erstaunlicherweise wurde
die Akzeptanz dieser Praxis bei Benutzern bisher kaum durch Befragungen eruiert;
die Bibliotheken begnügten sich mit der überall gemachten Erfahrung, dass die
Ausleihen infolge dieser Angebotsformen steigen und immer wieder positive
Äußerungen von Benutzern zu hören sind. Im Projekt EFIL (Entwicklung und
Förderung innovativer Lernarrangements) des Deutschen
Instituts für Erwachsenenbildung wurde in 2000 am Beispiel der
Stadtbücherei Stuttgart die Akzeptanz der Interessenkreiserschließung erfragt:
Zwei Drittel der Benutzer gaben an, durch Präsentation und Themeninszenierungen
auf Medien aufmerksam geworden zu sein, die sie eigentlich gar nicht gesucht
haben[66]
– ein Wert, der typisch sein dürfte für die Masse der Bibliotheken, die ihre Bestände
in modernen Angebotsformen darbieten. In den alten Bundesländern (Werte für die
neuen Bundesländer wurden nicht erfragt) stuft fast ein Viertel der
Bibliotheksnutzer das Angebot als unübersichtlich ein[67].
Im Folgenden sollen einige
weitere Beispiele für umstrukturierte Bestandspräsentationen in Öffentlichen
Bibliotheken aus den letzten Jahren erwähnt werden.
auch solche Ziele eine Rolle,
durch die die Bibliothek als Lernort und Lernressource profiliert werden soll:
Konkret werden diese Ziele
durch Schaffung entsprechender Themenbereiche der Bestandspräsentation
umgesetzt. Insgesamt umfasst das Spektrum der Themenkreise folgende Rubriken:
Als Fazit lässt sich
festhalten, dass die Praxis bei Bestandserschließung ‑präsentation
herausragende Anknüpfungspunkte bietet, wenn es darum geht, die Öffentlichen Bibliotheken
stärker als bisher als Lernort zu profilieren.
Das Management
Öffentlicher Bibliotheken unterliegt Einflüssen aus der Ausbildung der
Personals, aus den über Fortbildungsveranstaltungen und der Fachliteratur
vermittelten bibliothekarischen Fachdiskussionen und vor allem aus den
kommunalpolitischen Rahmenbedingungen.
Im kommunalpolitischen
Rahmen bedürfen Bibliotheken, da sie freiwillige Einrichtungen der Kommunen
sind, einer besonderen Legitimation. Sie nimmt in der Regel auf den oben
zitierten Funktionskatalog der Öffentlichen Bibliotheken Bezug, bleibt
vielerorts freilich im Allgemeinen. Eine indessen wachsende Minderheit der
Öffentlichen Bibliotheken handelt mit der politischen Führung ein klares Profil
aus, das Arbeitsgrundlage und vor allen Dingen Basis der Budgetentscheidungen
werden kann. Beispielhaft für diese Minderheit seien die drastischen Worte des
Bibliotheksleiters im Berliner Verwaltungsbezirk Tempelhof zitiert[72],
der mit seinem Team eine Antwort auf Haushaltskrise und gewandeltes Staatsverständnis
gefunden hat:
Auch die Bibliotheken
werden befragt: Was leistet Ihr? Welche Relevanz haben Eure Dienstleistungen?
Können die Leute sich dette nicht selber kofen? ... Zum Grundsatz unserer
Bestandspolitik haben wir eine schlichte Maxime gemacht: „Die Bibliothek wird
sich in Zukunft auf die Bereiche zu konzentrieren haben und dort
Leistungsstärke beweisen müssen, deren gesellschaftlicher Nutzen auf der Hand
liegt.“ ... Von dieser Prämisse haben wir Prioritäten abgeleitet. Die erste:
Informationsversorgung. Sie umfaßt Medien für Beruf, Aus- und Weiterbildung,
daneben die Bürgerinformation mit aktueller Sachliteratur, Ratgebern, Broschüren,
Bürgerberatung und so weiter. Die zweite: Leseförderung und Vermittlung von
Medienkompetenz. ... Der Stellenwert der Freizeit- und Unterhaltungsangebote
für Erwachsene wird drastisch eingeschränkt. ... Mit der Beschränkung machen
wir Bibliothekpolitik. ... Unsere Schwerpunkte gelten uns, und so verkaufen wir
sie mit wachsendem Erfolg nach außen.
In diesen Zusammenhang
gehören auch die Anläufe zur Verwaltungsmodernisierung, die seit den frühen
90er Jahren in den Kommunen unternommen werden. Haushaltskonsolidierung und
Verwaltungsmodernisierung sind während der 90er Jahre insgesamt diejenigen
Problembereiche, von denen in der Wahrnehmung der kommunalen
Entscheidungsträger der höchste Handlungsdruck auf Rat und Verwaltung ausgeht,
gefolgt von wirtschaftlichem Strukturwandel und Arbeitsmarkt[73].
In der Tat haben einige Großstadtbibliotheken dank der Einführung der
Ergebnisverantwortung zusätzliche Entscheidungsspielräume gewonnen, oft auf
Basis abgesenkter Haushaltsmittel. Einige Bibliotheken wurden mit anderen
Einrichtungen, nicht selten der VHS, organisatorisch oder budgetmäßig
zusammengefasst, ohne dass damit inhaltlich-konzeptionelle Ziele verbunden
wären.
Verstärkt fragen
Kommunalpolitiker nach den Kosten einzelner Dienstleistungen; mancherorts
können sie tatsächlich angegeben werden, weil zusätzlich zur Kameralistik eine Kostenrechnung
betrieben wird. In Ermangelung eines verbindlichen Kostenrahmens sind indessen
die ausgewiesenen Kosten für gleich benannte Produkte (etwa: Ausleihe, Beratung,
Lesesaalnutzung...) nicht vergleichbar. Nirgendwo werden Kostenstellen, ‑arten
oder –träger ausgewiesen, die das Konzept eines Lernateliers abbilden könnten,
wenn man darunter mehr versteht als eine abgrenzbare Fläche mit bestimmten
Medien darauf. Ein Projekt, das sich mit innovativen Lernarrangements in
Bibliotheken befasst, sollte zur Sicherung der Übertragbarkeit Passfähigkeit zu
Themen und Kategorien der kommunalen Verwaltungsstrukturreformen herstellen.
Das Münchner
Bibliothekskonzept von 1997[74]
nennt grundlegende Bibliotheksfunktionen im Sinn eines Leitbildes: Öffentliche
Bibliotheken verwirklichen den freien
Zugang zu Information und geben dem
individuellen Anspruch auf die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung eine
wichtige Grundlage. Die Münchner Stadtbibliothek fühlt sich auf dieser
Folie folgenden Grundsatzaufgaben gleichberechtigt verpflichtet:
·
allgemeinen Informationsinteressen,
·
individuellen Aus- und Weiterbildungszielen,
·
in Teilbereichen als Basis der Forschung,
·
dem kreativen Freizeit- und Unterhaltungsbedarf,
·
sozialen Bibliotheksaufgaben und
·
allgemeiner und stadtteilnaher Kulturarbeit.
Die Bildungsaufgaben sind
in München integraler Bestandteil der Bibliotheksaufgaben insgesamt, die sich
bei dem Bibliothekssystem einer der größten deutschen Städte auf ein
außerordentlich breites Spektrum beziehen. Indessen sind die als Dienstleistungsbereiche
ausgewiesenen Produktgruppen des Produktkatalogs unspezifisch formuliert,
weisen also keinen Bezug zu Bildung und Lernen auf. Dasselbe gilt für die
Kennziffern, mit denen die Produkte, d.h. hier die Abgabe der Dienstleistungen
gemessen werden sollen.
Bislang singulär bleibt
das von der Stadtbibliothek Paderborn[75]
entwickelte Steuerungsmodell, das Zielsetzung und Controlling so miteinander
verknüpft, dass die gewollten und kommunalpolitisch durch Ratsbeschluss
abgesicherten Prioritäten sowohl bei der Verteilung der zur Verfügung stehenden
Mittel wie auch bei der Kontrolle auf Zielerreichung quantitativ umgesetzt
werden können. Dieses Steuerungsmodell beruht auf einer Hierarchisierung der
Prioritäten in Bezug auf Funktionen für Bildung
und Wissen, Information und Ratgeber,
Unterhaltung und Freizeit bei jedem
der Kabinette; das sind thematisch abgegrenzte Großbereiche der Bibliothek
(z.B. Computerbibliothek, Sprache und Literatur, Freizeit / Hobby).
Die Einführung
betriebswirtschaftlicher Methoden in kommunalen Bibliotheken wurde in den 90er
Jahren durch zwei Projekte der Bertelsmann Stiftung, an denen sich einige Dutzend
Städte beteiligt haben, vorangetrieben, nachdem erste Ansätze dazu in den 70er
Jahren[76]
keine Resonanz fanden. Das Projekt Betriebsvergleich[77]
zielte darauf, durch Gewinnung und Erprobung eines Kennziffernsystems und durch
Kostenrechnung Bibliotheksleistungen transparent, vergleichbar und mithin die
Bibliotheksbetriebe effizienter steuerbar zu machen. Nach Abschluss des Projekts
werden die Kennziffernsysteme in Vergleichsringen beteiligter Bibliotheken mehr
und mehr angewendet. Die Kennziffern greifen bekannte Messgrößen auf, ergänzen
einige bislang selten oder nicht verwendete Größen und fügen sie handhabbar
zusammen, etwa:
·
Bestand je Einwohner,
·
Anzahl der für das
Publikum zur Verfügung stehende Mitarbeiter je Öffnungsstunde,
·
Besuche je Einwohner,
·
Vorortnutzung (Anteil
der Besucher, die keine Entleihung tätigen, sondern Dienstleistungen in der Bibliothek
nutzen, z.B. Zeitung lesen oder Internet surfen),
·
Ausgaben je
Einwohner,
·
Anteil der
Fortbildung an der Arbeitszeit je Mitarbeiter u.a.m.
Anhand der Kennziffer Anzahl der durchschnittlich für das Publikum
zur Verfügung stehenden Mitarbeiter je Öffnungsstunde kann beispielhaft aufgezeigt
werden, dass die Indikatoren nicht geeignet sind, den Betrieb unter dem
Gesichtspunkt eines inhaltlich ausgewiesenen Konzepts, sei es die Profilierung
der Bibliothek als Ort selbstgesteuerten Lernens, sei es als virtuelle
Informationsvermittlungsstelle, zu steuern. Die Kennziffer wird als Indikator
für das Bereitstellen direkter Dienstleistungen interpretiert. Indessen käme
eine Bibliothek mit einem veralteten Verbuchungssystem, das viel
Personalkapazität bindet und für Beratung kaum Personalressourcen übrig lässt,
auf einen relativ hohen Indikatorwert für direkte Dienstleistungen – ebenso wie
eine Bibliothek, die ein automatisches Verbuchungssystem einsetzt, das die
Medien- und Nutzerdaten beim Durchschreiten einer elektronischen Schranke durch
Funksignale erkennt, und so die gewonnene Personalkapazität für Lernberatung
oder Auskünfte über Sprachlehrmaterialien einsetzt.
Auf dem Hintergrund des
Projekts Betriebsvergleich entwickelte die Bertelsmann Stiftung ein zusammenfassendes
Indikatorensystem, das die Leistung Öffentlicher Bibliotheken in einem Ranking
abbilden soll: Bibliotheksindex (BIX)[78].
Folgende Kennzahlen gehen gewichtet in Rangplätze ein; die Rangplätze der an
diesem Betriebsvergleich teilnehmenden Bibliotheken werden für jeden Indikator
einzeln und außerdem aggregiert ausgewiesen, so dass es im Ergebnis eine Nummer
eins, eine Nummer zwei usw. für jede der gewählten Einwohnergrößenklassen gibt:
·
Bestandseinheiten je
Einwohner
·
Mitarbeiter je 1000
Einwohner
·
Besuche je Einwohner
·
Entleihungen je
Einwohner
·
Umschlag des
Bestandes
·
Öffnungszeiten
·
Medienetat je
Entleihung
·
Mitarbeiterstunden
(gesamt) je Öffnungsstunde
·
Besucher je
Öffnungsstunde
·
Ausgaben (gesamt) je
Besucher
·
Verfügbarkeitsquote
(Anwesenheitsquote des Personals)
·
Fortbildungsquote
·
Fluktuationsrate des
Personals (Mittel über mehrere Jahre).
·
Anteil von
VHS-Teilnehmern unter den Bibliotheksbenutzern,
·
Anteil von
Bibliotheksbenutzern unter den VHS-Teilnehmern,
·
Anteil von
Bibliotheksbenutzern unter den Schülern, Umschülern, Auszubildenden in der
Gemeinde,
·
Verfügbarkeit von
Lernmedien (die Verfügbarkeit insgesamt oder von Unterhaltungsromanen wäre hier
kein brauchbarer Maßstab),
·
Anteil der Lernmedien
an Bestand und Ausleihe,
·
Nutzungsgrad von
Selbstlernplätzen,
·
Umfang der
einschlägigen Linksammlung auf der Homepage.
Die Öffentliche Bibliothek
der Zukunft, verstanden als Ort des lebenslangen selbstgesteuerten Lernens,
wird ebenso ein virtueller wie ein realer Ort sein. Als realer Ort liegt eine
raumorganisatorische Zusammenfassung mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung
nahe. Sie könnte folgendermaßen gestaltet sein.
Das gemeinsame Gebäude
entfaltet sich als mehrflüglige Anlage um einen überdachten, natürlich belichteten
Innenhof, zu dem sich breite Galeriegeschosse öffnen. Diese sind
Medienaufstellorte und Angebotsflächen für vernetzte Multimedia-Stationen,
Nutzerarbeitsplätze, Leseplätze. Die Galerien führen zu den Lernräumen, die
sich entlang der Außenhaut des Gebäudes entwickeln. Die Lernräume werden von
Kursgruppen und von individuellen Lernern benutzt. Das Personal vereinigt in
sich traditionell bibliothekarische Kompetenzen (Informations- und
Medienmanagement) mit Kompetenzen der Erwachsenenbildung und fokussiert beide
mit Blick auf Lernberatung. An den Beratungsplätzen kann das Publikum ebenso
Auskünfte über individuell geeignete Medien – ggf. nach Durchlaufen eines
kurzen Tests zur Feststellung der persönlichen Kompetenzen und des individuellen
Lernstils – wie über empfehlenswerte Lernsettings und Kurse bekommen und
Kursbelegungen anmelden. Die Frage, ob diese Einrichtung eine Bibliothek oder
eine Volkshochschule ist, interessiert weder das Personal noch die Kunden.
Zusammenfassend kann
festgehalten werden:
[2] Jouly (1996), Hannelore: Bibliotheken,
Stützpunkte und Atelier für selbstgesteuertes Lernen = www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/jouly1.htm
Auer (1997), Johannes: Bibliothek als Lernort, Stadtbücherei Stuttgart = www.s.shuttle.de/buecherei/druck/auer4.htm
Auer (1998), Johannes: Vom
futuristischen leses@lon zur Bibliothek 21 = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/bibliothekarstag98.htm
Bussmann (1998), Ingrid: Bibliothek 21 - Modell eines modernen Stützpunkts für
das selbstgesteuerte lebenslange Lernen = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/bussmann_lernen.htm
Jouly (1999), Hannelore: Begegnung mit dem Unerwarteten = http://www.die-frankfurt.de/zeitschrift/499/Begegnung.htm
Bibliothek 21 in Stuttgart 21, Raumprogramm (1998) = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/b21/b21_rp.htm
Bibliothek 21 FAQ - oft gestellte Fragen (2000) = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/b21/b21faq.htm
Bussmann (2001), Ingrid: Die Bibliothek als Atelier des innovativen Lernens.
In: Bibliothek in der Wissensgesellschaft. Festschrift für Peter
Vodosek. Hrsg. von Askan Blum. München: Saur 2001, S. 186-191. - Bibliotheken
und lebenslanges Lernen (2001). Stang, Richard; Puhl, Achim (Hrsg.). Bielefeld:
Bertelsmann.
[3] Preugschat (1997), Judith: Eine Spezialbibliothek für alle! Die neue
MedienBibliothek der StadtBibliothek Köln. In: BuB 49, S. 316-323.
[4] Thauer (1990), Wolfgang; Vodosek, Peter:
Geschichte der Öffentlichen Bücherei in Deutschland. 2. Aufl. Wiesbaden:
Harrassowitz.
[5] Schneider (2000), Ronald: Vom Bildungsgut
zur Unterhaltungsware. In: BuB 52, S. 342-350 u. 450-459.
[6] Geschichte des Bibliothekswesens in der DDR
(1999). Hrsg. von Peter Vodosek und Konrad Marwinski. Wiesbaden: Harrassowitz
(Vorträge der ... Jahrestagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für
Bibliotheksgeschichte ... 9) (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des
Buchwesens Bd. 31). - Marwinski (1990), Konrad: Zur Entwicklung und zum Stand
des Bibliothekswesens in der DDR. In: Bibliotheksdienst 24, S. 890-899. -
Alltag in öffentlichen Bibliotheken der DDR (1998). Hrsg. von Helmut Göhler.
Bad Honnef: Bock und Herchen (Bibliothek und Gesellschaft).
[7] Hopfe (1991), Gerhard: Bibliothekswesen
“DDR”. In: BuB 43, S. 329-333.
[8] Bibliotheken '93 (1994).
Strukturen, Aufgaben, Positionen. Berlin, Göttingen: Bundesvereinigung
Deutscher Bibliotheksverbände.
[9] Schneider (1996),
Ronald: Der lange Abschied von der Bibliothek für alle. In: BuB 48, S.
759-764 u. 831-838.
[10] Umlauf (1999a), Konrad: Leitbilder als
Instrument der Profilierung und kommunalpolitischen Verankerung Öffentlicher
Bibliotheken. Inhalt, Funktion. Zielgruppen, Entwicklung, Anforderungen,
Motive, Umsetzung. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft der
Humboldt-Universität zu Berlin (Berliner Handreichungen zur
Bibliothekswissenschaft. 55) = http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h55/.
[11] Süberkrüb (1976), Hansjörg: Die Aufgabe der
öffentlichen Bücherei. In: Die gesellschaftliche Rolle der deutschen
Öffentlichen Bibliothek im Wandel 1945-1975 (1976). Hrsg. von Tibor Süle.
Berlin: Dt. Bibliotheksverband (AfB-Materialien ; 15) S. 124-134. Der Beitrag
wurde zuerst 1966 als Vortrag veröffentlicht.
[12] Die effektive Bibliothek (1992). Endbericht
des Projekts "Anwendung und Erprobung einer Marketing-Konzeption für
Öffentliche Bibliotheken". Red.: Peter Borchardt. Band 1: Texte; Band 2: Anhänge. Berlin:
Deutsches Bibliotheksinstitut (Dbi-Materialien 119).
[13] www.slpl.lib.mo.us/using/mission.htm.
[14] Bibliotheken und lebenslanges Lernen (2001). Stang, Richard; Puhl, Achim (Hrsg.). Bielefeld: Bertelsmann.
[15] Puhl (2001), Achim: Lernarrangements und
Lernorte – die Bibliothek der Zukunft. In: BuB 53, S. 172-176.
[16] Kreft (1993), Wilhelm: Ladenplanung.
Leinfelden-Echterdingen: Koch.
[17] Puhl (2001), Achim: Lernarrangements und
Lernorte – die Bibliothek der Zukunft. In: BuB 53, S. 172-176, hier S. 175.
[18] Umlauf (1999h), Konrad: Lernstoff aus dem Internet.
(Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft. 64: Materialien zur
Fortbildung. 8) = http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h64/.
[19] Umlauf (1993c), Konrad: Öffnungszeiten in
Öffentlichen Bibliotheken. Ergebnisse einer Befragung von Bibliotheken zur
Bewertung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen und bibliothekspolitischer
Optionen. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft u.
Bibliothekarausbildung der Freien Universität Berlin (Berliner Handreichungen
zur Bibliothekswissenschaft und Bibliothekarausbildung. 10).
[20] Umlauf (1997d), Konrad: Bestandsaufbau an öffentlichen Bibliotheken.
Frankfurt a.M.: Klostermann (Das Bibliothekswesen in Einzeldarstellungen), S.
121.
[21] Bibliotheken '93 (1994). Strukturen, Aufgaben, Positionen. Berlin
Göttingen: Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände.
[22] Laut Sommerfeld (1993) machen 62 % der Videobestände in
öffentlichen Bibliotheken Spielfilme, Kinder- und Musikvideos aus.
[23] Pirsich (2000), Volker: Ein neues
Bibliothekskonzept – auch ohne Baumaßnahme. In: BuB 52, S. 281-287.
[24] Reuther (1999), Wolfgang:
Computerbibliothek rundet E-Medien-Angebot ab. In: BuB 51, S. 518.
[25] Brenner (2000), Reinhard: Zum Lesen allein
viel zu schade. In: BuB 52, S. 276-280.
[26] Ingwersen (2000), Bernd: Die
Internetinitiative der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen. In: BuB 52, S.
351-358.
[27] Beispiel für die Praxis einer
Stadtteilbibliothek: Waltemathe-Heinrichs (2000), Gudrun: Neue Angebote in Kiel-Mettenhof.
In: BuB (52), S. 517-520.
[28] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei
medien@ge! Neue Dresdner
Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.
[29] Öffentliche Bibliotheken als Stützpunkte
des lebenslangen Lernens in der Informationsgesellschaft (1998).
Abschlußbericht. Berlin: Dt. Bibliotheksverband.
[30] BuB 50 (1999), S. 89-90.
[31] Burggraf (1999), Dietrich: Lesen und Lernen
unter einem Dach. In: BuB 51, S. 439-442.
[32] Mattekat (1998), Marion: Medienforum
Kirchsteigfeld – innovatives Projekt trotz(t) Sparzwang. In: BuB 50, S.
588-589.
[33] Theobald (1999), Hans-Josef: Die neue
Hauptstelle der Stadtbibliothek Saarbrücken. In: BuB 51, S. 33-35.
[34] Jahre (1999), Lutz: Umbau und
Modernisierung der Stadtbücherei Flensburg. In: BuB 51, S. 190-193.
[36] Kraft (1998), Jürgen: Bibliotheken und
Bildstellen im Doppelpack. In: BuB 50, S. 540.
[37] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei
medien@ge! Neue Dresdner
Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.
[51] bibliotheken info-comp@ct. Neustadt/Weinstr.: Staatliche
Büchereistelle Rheinhessen-Pfalz, Heft 1/2001. - http://www.bond-online.de/Infolab.htm.
[52] Lintner (1999), Martina; Raumel, Frank:
Internetkurse in der Stadtbücherei Biberach. In: BuB 51, S. 243-244.
[53] Eimeren (2001), Birgit
van; Gerhard, Heinz; Frees, Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2001. In: Media
Perspektiven 2001, S. 382-397.
[54] Eimeren (2000), Birgit van; Gerhard, Heinz: ARD/ZDF-Online-Studie
2000. In: Media Perspektiven 2000, S. 338-349.
[55] Eimeren (2001), Birgit van; Gerhard, Heinz; Frees,
Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2001. In: Media Perspektiven 2001, S. 382-397.
[61] Stock (1997), Karl F.: Von der Lehrbuchsammlung
zum multimedialen Lehrmittelnetzwerk = http://info.uibk.ac.at/sci-org/voeb/vm51-34.html.
[62] Zwei Drittel der Öffentlichen Bibliotheken
in den alten Bundesländern verwenden die ASB (Allgemeine Systematik für
Öffentliche Bibliotheken). In den neuen Bundesländern wird nahezu
ausschließlich die KAB (Klassifikation für Allgemeinbibliotheken) angewendet,
die auf Vorläufer aus der DDR zurückgeht und nach der Wende „entideologisiert“
wurde. Beide sind gedruckt erschienen im Deutschen Bibliotheksinstitut, Berlin.
[63] Umlauf (1989), Konrad: Angebotspräsentation
und Aufstellungssystematik in der Öffentlichen Bibliothek. In: Das Buch in
Praxis und Wissenschaft. Hrsg. von Peter Vodosek. Wiesbaden: Harrassowitz
(Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München. Bd.
25), S. 512-540.
[64] Roy (1986),
Richard: Classer par centres d’intérêt. In: Bulletin des Bibliothèques de
France. 31, S. 224-231.
[65] Rasche (1995), Monika; Glaas, Helga:
Jenseits von Marketing? In: BuB 47, S. 134-142 u. 269-278.
[66] BuB 52 (2000), S. 479-480.
[67] Betriebsvergleich an Öffentlichen
Bibliotheken (1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 2:
Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl.
Bertelsmann Stiftung, S. 149.
[68] Stein (1999), Anette: Intuitive
Kundenführung. In: BuB 51, S. 340-342. - BuB 50 (1998), S. 41-42.
[69] Eisermann (1998), Ralf: Kultur rundum – die
Stadtbibliothek Offenburg im Kulturforum. In: BuB 50, S. 275-278.
[70] Hansen (1999), Peter: Bestandspräsentation
der Bücherhalle Harburg. In: BuB 51, S. 330-335.
[71] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei
medien@ge! Neue Dresdner
Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.
[72] Boese (1997), Engelbrecht: Roman adé!
Kultur adé! – Tabula rasa in Tempelhof. In: BuB, Sonderh. Bibliothekskongreß
Dortmund, S. 6-8.
[73] Difu-Bericht 1/1999, S. 4-5.
[74] Schneider (1998), Werner: Ein wichtiger
Beitrag zur Zukunftssicherung. In: BuB 50, S. 108-111.
[75] Kranstedt (1999), Dieter: Das Placet der Politik
einholen. In: BuB 51, S. 336-339.
[76] Beyersdorff (1974), Günter:
Kosten-Leistungs-Analyse in öffentlichen Bibliotheken des Bundesgebietes.
Berlin: Arbeitsstelle für das Bibliothekswesen (AfB-Materialien. 10).
[77] Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken
(1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 1: Empfehlungen und
Arbeitsmaterialien für ein output-orientiertes Berichtswesen. Band 2:
Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl.
Bertelsmann Stiftung. – Öffentliche Bibliotheken im Betriebsvergleich (2000).
Büning, Petra (Bearb.) Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung.
[78]
http://www.stiftung.bertelsmann.de/projekte/bereiche/index.htm.
[79] McClure
(1998), Charles R.; Bertot, John Carlo: Public Library Use in Pennsylvania.
Final Report. Harrisburg: Pennsylvania Dept. of Education = www.istweb.syr.edu/~mcclure.
[80] McClure
(1998), Charles R.; Bertot, John Carlo: Public Library Use in Pennsylvania.
Final Report. Harrisburg: Pennsylvania Dept. of Education = www.istweb.syr.edu/~mcclure, S.
65.
[81] Linley
(1998), Rebecca; Usherwood, Bob: New Measures for the New Library. Sheffield:
Dept. of Information Studies.
[82] Hobohm (1999), Hans-Christoph: Was
Bibliotheken wert sind. In: BuB 51, S. 36-43.
[83] Hohlfeld, Klaus (1973): Die Bibliothek in
der menschlichen Stadt. In: Die gesellschaftliche Rolle der deutschen
öffentlichen Bibliothek im Wandel 1945-1975 (1976). Hrsg. von Tibor Süle. Berlin:
Dt. Bibliotheksverband (AfB-Materialien. 15), S. 189-195.
[84] Betriebsvergleich an Öffentlichen
Bibliotheken (1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 2:
Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl.
Bertelsmann Stiftung, S. 148.
[85] Leseverhalten in Deutschland 1992/93
(1993). Mainz: Stiftung Lesen.
[86] Besucherumfrage in der Münchner
Stadtbibliothek am Gasteig. In: BuB 49, S. 235-238.