Humboldt-Universität zu Berlin

Philosophische Fakultät I, Institut für Bibliothekswissenschaft

Prof. Dr. Konrad Umlauf

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Die Öffentliche Bibliothek als Lernort

Bestandsaufnahme und Perspektiven

(Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft. 76)

http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h76/

- überarbeitete Fassung Stand September 2001 -

 

Abstract

 

Der Beitrag geht der Frage nach, wieweit die Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland heute Dienstleistungen erbringen oder Anknüpfungspunkte dafür bieten, die im Kontext des lebenslangen selbstgesteuerten Lernens stehen. Ein geschichtlicher Rückblick zeigt die Herkunft der Öffentlichen Bibliotheken aus Bildungsbewegungen. Das heutige Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliotheken umfasst ein sehr breites Aufgabenprofil, darunter auch Bildungsfunktionen und die Funktion als Lernort. Einzelne Dienstleistungsbereiche – Bestände, Räume, Möblierung, virtuelle Angebote, Kooperationen mit Erwachsenenbildungseinrichtungen – werden untersucht. Aktuelle Managementtechniken werden der Frage unterzogen, wieweit sie einer Profilierung der Bibliothek als Lernort förderlich oder hinderlich sind. Die Frage wird angesprochen, auf welche Weise die Funktionen der Bibliothek für Lernen als persönliche Kompetenzerweiterung gemessen werden können.

 

1    Einleitung. 1

2    Der institutionelle Rahmen der Gegenwart 2

3    Geschichtlicher Rückblick. 3

4    Heutiges Selbstverständnis. 5

5    Dienstleistungen und Bestände. 13

5.1    Raumgebundene Angebote und Kooperationen. 13

5.2    Virtuelle Angebote. 18

6    Bestandserschließung und –präsentation. 23

7    Management 28

8    Nutzen und Nutzungen. 32

9    Vision. 34

10     Zusammenfassung. 34

 

1                Einleitung

 

Die Öffentliche Bibliothek in Deutschland ist aus Bildungsbewegungen hervorgegangen; man sollte meinen, dies präge ihr heutiges Erscheinungsbild und prädestiniere sie zum Lernort. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, wieweit diese Vermutung zutrifft und, wenn Einschränkungen erkennbar werden, welche Voraussetzungen verändert werden müssen, um die Öffentliche Bibliothek als Lernort erlebbar zu machen. Die bisherigen Ergebnisse des Projektes EFIL (Entwicklung und Förderung innovativer Lernarrangements[1]) des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung und der Planungen der Stadtbücherei Stuttgart[2] werden dabei nur gestreift, da sie an anderer Stelle ausführlich dargestellt werden; sie sind indessen der Hintergrund, auf dem der folgende Beitrag einzuordnen ist.

 

2                Der institutionelle Rahmen der Gegenwart

 

In allen Großstädten, in rund 94 % der Mittelstädte und etwas mehr als 40 % der Städte mit 5.000 bis unter 20.000 Einwohnern bestehen Öffentliche Bibliotheken mit hauptamtlichem Personal. Von den Gemeinden unter 5.000 Einwohnern verfügen weit unter 10 % über eine hauptamtlich besetzte Bibliothek. Insgesamt leben knapp 70 % der Bevölkerung in Deutschland in Orten mit Bibliotheken, in denen hauptamtliches Personal für Dienstleistungen zur Verfügung steht.

 

Eine durchschnittliche Einrichtung dieser etwa 3.900 Öffentlichen Bibliotheken (gezählt einschließlich der Zweigbibliotheken, die in Groß- und Mittelstädten ein wohnortnahes Angebot darstellen) lässt sich etwa folgendermaßen beschreiben:

 

Der Träger ist die Stadt bzw. Gemeinde, vereinzelt der Landkreis. Auf gut 400 Quadratmetern stehen 25.000 Medieneinheiten zur Ausleihe bereit. 32 Zeitschriftentitel liegen auf, ein PC mit Internetanschluss steht zur Verfügung. Der Einzugsbereich der Bibliothek umfasst etwa 20.000 Einwohner. Davon haben zwar rund zwei Drittel irgend wann einmal schon eine Bibliothek aufgesucht. Im vergangenen Jahr tätigten freilich rund 15 % der Einwohner mindestens eine Entleihung; 41.000 Besucher wurden gezählt. Der Bibliothek stehen 3,3 Personalstellen zur Verfügung, und sie hat 24 Stunden pro Woche geöffnet. Fast jede Woche findet eine Veranstaltung statt, der weit überwiegende Teil richtet sich an Kinder. Öffentliche Bibliotheken sind mit Abstand der wichtigste Veranstaltungsort der Kinderkultur. Die überwiegende Zahl der Nutzer ist unter 18 Jahre alt. Regelmäßig besuchen Schulklassen und Kindergartengruppen die Bibliothek, oder die Bibliothek stellt ihnen eine wechselnde Auswahl von Büchern und anderen Medien jeweils befristet zur Verfügung, passend zu Unterrichtsprojekten (beispielsweise: „Wie leben Kinder ferner Länder?“, Verkehrserziehung, Umweltfragen) oder zur Jahreszeit. Diese Größenordnungen und Profilierung wird weiter unten zu diskutieren sein.

 

Daneben bestehen rund 8.200 nebenamtlich betriebene kleine Bibliotheken mit einem Angebot von durchschnittlich 3.600 Medieneinheiten. Der wichtigste Träger dieser kleinen Bibliotheken sind die Kirchen.

 

Von überlegener Leistungskraft sind die Zentralbibliotheken der Großstädte und etlicher Mittelstädte. Hier schließen die Bestände ein differenziertes Angebot an Fach- und fremdsprachiger Literatur, an speziellen Nachschlagewerken und eine nennenswerte Anzahl elektronischer Medien ein. Vorbildhaft, aber auch singulär in Leistung und Qualität des Angebots, ist die MedienBibliothek der StadtBibliothek Köln. Eröffnet 1997, ist sie eine Spezialbibliothek für Kommunikationstechnologie und neue Medien für die breite Öffentlichkeit[3]. Da Multimedia ein Sammelschwerpunkt ist, sind 40 % des Bestandes Nonprint-Medien. CD-ROMs stehen in thematischer Gliederung zur Ausleihe bereit. Ferner stehen PCs mit Spiel- und Lernsoftware zur Verfügung. An 36 PCs kann jedermann, ggf. unter Anleitung des Personals, Computerprogramme und elektronische Publikationen testen und nutzen, darunter auch sehr teure und spezialisierte Software etwa zum Sprachenlernen, für Managementtraining oder Rechtsinformation.

 

3                Geschichtlicher Rückblick

 

Die Öffentliche Bibliothek in Deutschland entwickelte sich weitgehend im Zusammenhang mit Bildungsbewegungen[4], ein Zusammenhang, der im Lauf ihre Geschichte immer schwächer wurde.

 

Der Durchbruch der Industrialisierung in den 1860er Jahren ließ die Arbeiterbewegung erstarken und führte einem Teil des liberalen Bürgertums bald vor Augen, dass das staatliche Bildungssystem den wirtschaftlich-technischen Anforderungen nur ungenügend nachkam, ein für Deutschland geradezu typischer Zustand. Auf diesem Hintergrund entstanden wenig miteinander verbundene Bildungsbewegungen: die Arbeiterbildungsbewegung, konfessionelle Bildungsbewegungen und bürgerlich-liberale Bestrebungen zur Hebung der Volksbildung. Während die Arbeiterbildungsbewegung trotz etlicher Initiativen auch zu Bibliotheksgründungen keine nachhaltigen Wirkungen im Bibliothekswesen hervorbrachte, ließen die konfessionellen Bestrebungen eine große Zahl von kleinen, fast immer nebenamtlich betriebenen Büchereien entstehen. Sie standen ursprünglich im engen Zusammenhang mit der Inneren Mission und der Bekämpfung antikirchlicher Tendenzen durch die Verbreitung von religiösen Büchern, haben sich heute aber zu Bibliotheken mit einem überschaubaren Sortiment an Büchern und anderen Medien für Lebenshilfe, Unterhaltung und Leseförderung emanzipiert.

 

Nachhaltig für die Bibliotheken waren die Wirkungen der bürgerlich-liberalen Volksbildungsbestrebungen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier das Modell der amerikanischen Public Library theoretisch rezipiert. Die Forderungen richteten sich auf Öffentliche Bibliotheken mit folgenden Merkmalen:

·        weltanschauliche Neutralität,

·        fachliche Leitung und gute finanzielle Ausstattung,

·        günstige Öffnungszeiten und Zugänglichkeit für jedermann,

·        ein gut sortiertes Sortiment an Büchern für Erwachsene und Kinder, die Kenntnisse vermitteln, aber auch unterhalten und zerstreuen.

 

Bildungsziel sollte „die harmonische Durchdringung der Person zur sittlichen und geistigen Freiheit“ (Constantin Nörrenberg) sein. Diese Forderungen führten in der Tat zu einem bis dahin undenkbaren Aufschwung allgemein öffentlich zugänglicher Bibliotheken, teils in Trägerschaft von Vereinen und Stiftungen, teils in Trägerschaft der Kommunen.

 

Freilich beschritten die deutschen Öffentlichen Bibliotheken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Umweg. Zwar wurde bald die Verbindung zu den entstehenden Volkshochschulen, deren Arbeit damals vor allem durch Vorträge zur Wissenspopularisierung bestimmt war, gestärkt. Mancherorts standen Bücherei und Volkshochschule unter gemeinsamer Leitung. Aber das bibliothekarische Selbstverständnis war bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts von sozialpädagogischen, auf die Vermittlung nebuloser Werte des „Echten“ zielenden Ansprüchen geprägt, die bei teilweise tiefen Gegensätzen doch soviel gemeinsam hatten, dass erstens der freie Zugang der Leser zu den Bücherregalen die Ausnahme blieb – der Bibliothekar, in der Praxis fast immer eine Bibliothekarin, sollte durch individuelle Empfehlung dem Leser den Weg vom Kitsch zur Kunst weisen -, dass zweitens die Moderne in der Literatur kaum Eingang in die Bestände fand. Im Buchangebot dominierten der bürgerliche Realismus des 19. Jahrhunderts und seine Epigonen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von diesem Ansatz konnte kein Weg zum Verständnis der Bibliothek als Ort selbstgesteuerten Lernens führen.

 

Erst in den 60er Jahren wurde diese Art von Büchereipädagogik vollständig überwunden. Auf dem Hintergrund einsetzender Bildungsreformen, der Ablösung der restaurativen politischen Kultur der Adenauer-Ära durch einen emanzipatorisch-technokratischen Optimismus verstanden sich die Öffentlichen Bibliotheken als Informationszentrum, weiteten die Sach- und Fachbuchbestände massiv aus, profilierten sich vielerorts als kommunales Kommunikationszentrum und traten mit einem Feuerwerk kultureller Veranstaltungen hervor[5]. Im Wesentlichen bis Mitte der 70er Jahre fand eine beispiellose quantitative Ausweitung (Zahl der hauptamtlichen Bibliotheken und Mitarbeiter, Umfang der Bestände) statt. Seitdem geht es weniger um Ausweitung, mehr um Qualitätssteigerung, Modernisierung, ständige Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen, auch um innerbetriebliche Rationalisierung

 

Im medialen Angebot wurden Nachschlagewerke, Lehrbücher, Ratgeber, Hörkassetten Standard; Videos, CD-ROMs, Internetanschluss und seit Ende der 90er Jahre DVDs sind in größeren Bibliotheken üblich und stehen auch in etlichen kleineren Bibliotheken bereit. Stühle, Tische, Sessel, Fotokopierer gehören zur Grundausstattung; schreibtischmäßige Arbeitsplätze für Benutzer, wie sie in den Lesesälen wissenschaftlicher Bibliotheken üblich sind, findet man meistens nur in großstädtischen Bibliotheken.

 

In der DDR[6] standen die Öffentlichen Bibliotheken unter einseitig ideologischen Vorgaben und waren von den freien Medienmärkten abgeschnitten. Freilich verfügten sie über ein der geringen Mobilität der Bevölkerung angepasstes außerordentlich dichtes Netz von Filialen und Ausleihstellen, wenn auch die meisten von ihnen räumlich viel zu beengt, in ungeeigneten Gebäuden, z.B. in verwinkelten Wohnräumen im Erdgeschoss von Plattenhochhäusern, und oft sogar baufällig untergebracht waren. Aufenthaltsqualitäten, Plätze zu anhaltendem, konzentriertem Arbeiten fehlten infolge dieser Enge ebenso weitgehend wie animierende Browsing-Angebote. Was den Zugang zu Medien, vor allem Bücher und Vinylschallplatten seitens der Bevölkerung anging, hatten die Öffentlichen Bibliotheken dank einer Art Vorkaufsrecht für die oft in zu niedrigen Auflagen hergestellten Neuerscheinungen eine partielle Monopolstellung im Rahmen der staatlich zentral geregelten Mediendistribution. Dominantes Angebotssegment waren oft in vielen Mehrfachexemlaren bereit gestellte Bücher zur Unterstützung des schulischen und beruflichen Lernens und der berufsbezogenen Weiterbildung, vor allem auf technischen Gebieten. Überall standen in großen Stückzahlen wenig genutzte Bücher, die die jeweils offizielle Staatsideologie enthielten, in den Regalen. Auf sie griff die Bevölkerung im Allgemeinen nur zur Vorbereitung auf Prüfungen zurück, in denen der einschlägige Stoff zusätzlich zum Fachwissen abgefragt wurde. Besonders während der 80er Jahre eroberten nicht wenige Öffentliche Bibliotheken der DDR in Veranstaltungen mit Autoren, Übersetzern und Verlagslektoren gewisse Freiräume. Inhalte, die in gedruckter Form nicht möglich gewesen wären, fanden auf diese Weise in Bibliotheken offene Ohren. Nicht wenige Bibliothekare nahmen berufliche Nachteile in Kauf, sei es, dass sie bei Leistungszulagen nicht berücksichtigt oder bei Beförderungen übergangen wurden, weil sie Bibliotheksführungen nicht zur geforderten Propaganda für Wehrerziehung und vormilitärische Ausbildung nutzten[7]. Der Anteil an SED-Mitgliedern unter den Bibliothekaren war geringer als bei anderen Berufsgruppen vergleichbarer Qualifikationsebenen.

4                Heutiges Selbstverständnis

 

Anfang der 90er Jahre fassten die Bibliothekare an Öffentlichen Bibliotheken ihr Selbstverständnis folgendermaßen zusammen[8]. Die Zentralbibliotheken großstädtischer Bibliothekssysteme sollen folgende Funktionen durch entsprechende Angebote an qualifiziertem Personal, Medien, Räumen und technischem Equipment erfüllen:

 

·        professionelle und systematische Befriedigung der Informationsbedürfnisse der gesamten Bevölkerung, darüber hinaus als wichtigste Funktion die Deckung der Informationsbedürfnisse relevanter Zielgruppen in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur‑, Bildungs‑ und sozialen Institutionen, insbesondere für

o       die Teilnahme am öffentlichen Leben,

o       bürgerschaftliches und politisches Engagement,

o       schulische und berufliche Ausbildung,

o       Berufsausübung,

o       berufliche Fort- und allgemeine Weiterbildung,

o       Persönlichkeitsentwicklung und Sinnorientierung,

o       Alltagsmanagement,

o       Hobby und Freizeit,

o       wissenschaftlich orientierte Betätigung;

·        Orientierung in der Medienvielfalt und die Verknüpfung der elektronischen mit den Print-Medien durch umfassende multimediale Angebote;

·        allgemein-öffentlicher Zugang zu allen, insbesondere auch zu neuen Medientechnologien; die Bibliothek fordert zum kreativen Mediengebrauch heraus;

·        Leseförderung durch Schaffung geeigneter Medienangebote und die Kooperation mit Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen der Leseerziehung;

·        Gestaltung der Freizeit und Erholung durch geeignete Medienangebote und zielgruppengerechte, ästhetisch hochwertige Raumangebote;

·        Kulturarbeit in der Kommune, insbesondere

o       Ausstellungen,

o       Veranstaltungen,

o       Literatur- und Kunstförderung,

o       Unterstützung freier Kulturarbeit und bürgerschaftlichen Engagements durch Kooperation mit örtlichen und regionalen Initiativen,

·        Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen durch Information und Kommunikation.

 

Die Bibliothek für den gehobenen Bedarf ist sowohl Informations- und Kommunikationszentrum als auch Lern- und Spielort, Begegnungsstätte und Marktplatz im umfassenden Sinn. Sie erkundet die jeweiligen Informationsbedürfnisse und geht mit entsprechenden Dienstleistungen auf die Zielgruppen zu.

 

Damit verstehen sich die Öffentlichen Bibliotheken u.a. eben auch als Lernort - in der Tat entspricht das Leistungsspektrum der Zentralbibliotheken der meisten Großstädte der zitierten Funktionsbeschreibung. Auch eine Reihe großer Mittelstadtbibliotheken reicht mehr oder minder an diese Leistungskraft heran. Die durchschnittliche Mittelstadtbibliothek, vor allem die Bibliotheken in Orten unter 20.000 Einwohnern können naturgemäß nur einen mehr oder minder schmalen Ausschnitt aus dieser Dienstleistungspalette anbieten. Die Definition des örtlich angemessenen Ausschnitts und die offensive Realisierung gerade dieses Ausschnitts, um durch Beschränkung in der Breite der Dienstleistungspalette mehr Leistungskraft für die angebotenen Dienstleistungen zu gewinnen, ist seit den frühen 90er Jahren eines der bedeutenden Themen der bibliothekarischen Fachliteratur. Es scheint, dass Bibliothekare eher den überbordenden Ehrgeiz haben, ein möglichst breites Dienstleistungsspektrum mit begrenztem Niveau anzubieten statt ein klares Profil mit hoher Leistungskraft auf begrenzten Feldern.

 

Erst in den 90er Jahren beginnt unter den Bibliothekaren an deutschen Öffentlichen Bibliotheken eine Fachdiskussion[9], die vom Gattungsleitbild zum Individualleitbild[10] führen kann. Die oben angerissene Büchereipädagogik war ein Gattungsleitbild in dem Sinn, dass in ihr ein Selbstverständnis artikuliert wurde, welches die Praxis der Öffentlichen Bibliotheken schlechthin bestimmen sollte und auch weitgehend dominiert hat. Ebenso ist die in den 60er Jahren gefundene Formel von der Informationsbibliothek[11] als Gattungsleitbild zu werten. Mit der Rezeption des Marketingansatzes[12] seit den späten 80er Jahren waren die Grundlagen für ein auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und ausgewählte Zielgruppen abstellendes Dienstleistungsprofil gegeben. Freilich hat bisher keine Öffentliche Bibliothek in Deutschland ihr Leitbild so radikal formuliert wie etwa sie St. Louis Public Library (USA)[13]: The St. Louis Public Library will provide learning resources and information services that support and improve individuel, family, and community life. Freilich führt die St. Louis Public Library natürlich auch Unterhaltungsromane, Musik der aktuellen Charts und belanglose Spielfilme auf Videos. Es geht aber um Schwerpunkte.

 

Das in der Mitte der 90er Jahre ins Blickfeld der Bibliothekare gerückte Thema des selbstgesteuerten lebenslangen Lernens, wiewohl noch keineswegs umfassend rezipiert, bietet auf diesem Hintergrund Chancen und Gefahren.

 

Die Chancen können darin bestehen, dass jener Profilierungsprozess der einzelnen Bibliothek Stoff und Richtung erhält. Unter den Auspizien verschärfter kommunalpolitischer Verteilungskämpfe und eines erhöhten Legitimationsdrucks können Bibliotheken, indem sie sich als Stützpunkt lebenslangen Lernens ausweisen, ihre Stellung im kommunalpolitischen und finanziellen Gefüge stabilisieren, wenn das Thema kommunalpolitisch auf der Agenda steht.

 

Gefahren können drohen, wenn dieses Thema für die einzelne Bibliothek als bloß additive Erweiterung des realisierten Ausschnitts aus dem sehr langen Aufgabenkatalog der Öffentlichen Bibliotheken missverstanden würde. Dann fühlten sich viele Bibliothekare überfordert: Sie sollen laufend kurze Einführungkurse ins Internet veranstalten, mehr oder minder jede Woche Klassenführungen anbieten, permanent Kulturarbeit leisten, Informations-Broschüren von Behörden und Sozialversicherungen bestellen und zur Mitnahme auflegen, jede Woche mindestens eine Pressemitteilung verfassen – und das alles zusätzlich zur Routine des Ausleihbetriebs, zur täglichen Benutzerberatung und zum Management des Betriebs. Und dann käme eine weitere Aufgabe dazu: die Gestaltung der Bibliothek als Lernort. In den 80er Jahren verstanden zunächst viele Berufsangehörige Marketing als zusätzliche Aufgabe, auf die sie mit dem Hinweis auf ohnehin starke Belastungen abwehrend reagierten. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Marketing keine Aufgabenerweiterung, sondern eine kundenorientierte Art der Betriebsführung ist.

 

Das Konzept einer Bibliothek als Lernort wird dann Erfolg haben können, wenn es gelingt,

  1. die dafür bereits vorhandenen Anknüpfungspunkte herauszustellen, konzeptionell zu verbinden und so Praxis zu konturieren,
  2. in diesem Sinn den Akteuren Mut zur Profilschärfung zu machen,
  3. entgegenstehende Rahmenbedingungen und Tendenzen zu konterkarieren,
  4. den Unterhaltsträgern, also den Verwaltungsspitzen der Kommunen und den Gemeindevertretungen vor Augen zu führen, welche Bedeutung das selbstgesteuerte lebenslange Lernen für die Entwicklung der Städte und Gemeinden haben wird, welche kommunalpolitischen Aktivitäten erforderlich sind und welche Rolle die Öffentliche Bibliothek hierbei spielen kann.

 

Der Begriff Lernort darf dabei nicht im Sinn einer hergebrachten Lerninstitution missverstanden werden, zu der man sich mit dem Zweck des Lernens freiwillig (z.B. Volkshochschule) oder unfreiwillig (z.B. Berufsschule) hinbegiebt. Vielmehr muss Lernort hier verstanden werden im Sinn des von der Pädagogik in den 90er Jahren entwickelten Begriffs Lernarrangement. Ein Lernort in diesem Sinn ist ein realer oder virtueller Ort, der Lernarrangements bietet.

 

Der Begriff Lernarrangement[14] reflektiert die Veränderung des Lernens in der Wissensgesellschaft:

 

o        Fernunterricht in Kombination mit gelegentlichen Konsultationen,

o        training on the job,

o        interaktive Selbstlernprogramme,

o        interaktive Hilfen, die auf der Basis knapper Einführungen fallweise benutzt werden (z.B. die ausgefeilten Hilfefunktionen in guter Standardsoftware),

o        Abendunterricht,

o        Tageskurse,

o        Selbstlerngruppen ohne Lehrkraft.

o        Bildungsinstitution,

o        Partnerinstitution, die z.B. über spezielle Hard- oder Software verfügt,

o        eigener Betrieb,

o        Fremdbetrieb,

o        Exkursion,

o        Wohnung.

o        Sachqualifizierung,

o        soziale Qualifizierung,

o        Handlungsqualifizierung,

o        Methodenqualifizierung.

 

Auf diesem Hintergrund gewinnt das Lernarrangement als neue Komponente im Lernprozess an Bedeutung. Ein Lernarrangement ist zielgruppenorientierte Bündelung der Elemente

 

·        Lernanlass,

·        Lernbegleitung,

·        Lernort und

·        Lerninhalt.

 

Es hat folgende Funktionen:

 

  1. eine emotional-motivationale Funktion. Diese reflektiert die Erkenntnis, dass für die Entscheidung, Lernanlässe überhaupt wahrzunehmen, eine emotionale Beteiligung des Lernenden am Thema, auch an möglichen Lernformen Voraussetzung ist. Erst emotionale Verknüpfungen, das Erlebnis, dass mich die Sache angeht, erlaubt es, Sinnbezüge herzustellen und als Konsequenz einerseits fehlendes Wissen zu erkennen, andererseits angebotenes Wissen als adaptierenswert einzustufen.
  2. eine inhaltliche Funktion. Sie bezieht sich durchaus auf den angebotenen Lerninhalt, aber davor noch auf
    1. die Vermittlung einer Lernkompetenz, die es erst erlaubt, den Inhalt aufzunehmen, zu verarbeiten und zu erinnern,
    2. Lernkontakte zu anderen Personen, die denselben Inhalt sich aneignen möchten,
    3. konkrete Lernangebote, seien es Kurse oder Medien.

 

In Bezug auf Bibliotheken kann das Konzept des Lernarrangements bedeuten[15]:

 

·        In den Räumen der Bibliothek geben Bibliothekare und Bildungsanbieter eine Beratung zur individuellen Auswahl geeigneter Lernangebote von traditionellen Lehrbüchern und Multimedia-CD-ROMs über herkömmliche Kurse bis hin zu Online-Kursen.

·        In der Bibliothek wird durch Veranstaltungen, bereits durch Display, Raumorganisation und Warenleitbilder[16] eine einladende Atmosphäre erzeugt, die neugierig macht, zu Entdeckungen verlockt, Lust auf Unbekanntes weckt.

·        Da Lernen außerhalb akademischer Zusammenhänge selten den Einteilungen der Wissenschaftsdisziplinen folgt, sondern komplex, gegenstands-, ‑problemlösungs- und –anlassbezogen ist, werden Medien nicht gemäß wissenschaftsorientierter Klassifikationen präsentiert, sondern in thematischen Gruppierungen, die auf eben jene Anlässe, Probleme und auf Zielgruppen bezogen sind.

 

Unter dem Leitstern des Lernarrangements gewinnen Bibliotheken folgende Funktionen oder bauen sie aus[17]:

 

  1. Integration verschiedener Lernorte, die Bibliothek wird selbst zum Ort des Lernens durch geeignete Möbel und Räume, holt Lernveranstaltungen in ihre Räume und verweist auf Lernveranstaltungen an anderen Orten.
  2. Entdeckung neuer Lernorte. Die Bibliothek verknüpft ihre Angebote mit denen anderer Lernanbieter und erlaubt in der Bibliothek durch Raumorganisation und Veranstaltungen neue Lernerfahrungen.
  3. Entwicklung stadtteilbezogener Lernmöglichkeiten.
  4. Entwicklung herausfordernder, integrierender und animierender Arrangements.
  5. Inhaltliche Abstimmung unterschiedlicher Angebote. Bisher gibt es kaum irgendwo einen gebündelten Zugang zu den Angeboten lokaler Bildungsanbieter, vielmehr existieren diese meist unvernetzt nebeneinander. Dagegen sind im Internet Portale im Entstehen, die virtuelle Angebote unter mehr oder minder einheitlicher Oberfläche und unter integrierten Such- und Erschließungsstrukturen zusammenführen[18]. Vereinzelt sind Bibliotheken daran beteiligt, worauf im Kapitel 5.2 näher einzugehen ist.
  6. Zeitliche und räumliche Flexibilisierung von Lernmöglichkeiten. Das setzt einerseits eine massiver Erweiterung der bisher meist beschränkten Öffnungszeiten[19] voraus, andererseits die Schaffung von Angeboten, vor allem im World Wide Web, die ohne Öffnungszeit im herkömmlichen Sinn genutzt werden können.
  7. Lernbegleitende Unterstützung durch Beratung, Informations- und Recherchedienstleistungen, beispielsweise auf der Suche nach geeigneten Lernmedien oder Kursen.
  8. Schaffung von Kommunikationsorten, weil Kommunikation einerseits Anregung bietet, andererseits Erfahrungsaustausch erlaubt. Diese Kommunikation kann face-to-face in der Bibliothek ermöglicht werden, kann sich aber auch in Chaträumen vollziehen, die die Bibliothek einrichtet und moderiert.

 

Auf diesem Hintergrund können Bibliotheken zu lernbezogenen Kommunikationsorten, Motivationsorten und Wissensbrokern werden – wobei jeder dieser drei Aspekte real und virtuell zu denken ist.

 

Im Folgenden sollen diese Bedingungen, unter denen das Konzept der Bibliothek als Lernort Erfolg haben kann, beleuchtet werden. Der Fokus liegt auf den Aspekten:

·        Dienstleistungen und Bestände,

·        Bestandserschließung und ‑präsentation,

·        Management,

·        Nutzer und Nutzungen.

 

Es soll der Status Quo herausgearbeitet werden, wobei teilweise Beispiele verallgemeinernd beschrieben werden; die Fragen richten sich auf Anknüpfungspunkte, aber auch entgegen stehende Tendenzen.

5                Dienstleistungen und Bestände

5.1      Raumgebundene Angebote und Kooperationen

Voraussetzung, damit die Bibliothek als Lernort in irgendeiner Bedeutung des Wortes genutzt werden kann, sind geeignete Medien und Aufenthaltsmöglichkeiten.

 

Der Anteil, den Medien zum Lernen an den Beständen oder an den Entleihungen ausmachen, kann nicht angegeben werden, denn das Merkmal Zum Lernen ist weniger eine Eigenschaft der Medien selbst als vielmehr ein Aspekt ihrer Verwendung. Denkt man im engeren Sinn an Medien mit didaktisierten Inhalten, so ist zunächst festzustellen, dass über deren Anteil keinerlei Untersuchungen oder Statistiken vorliegen. Die üblicherweise geführten Statistiken erfassen Sachgruppen-Zuordnungen (z.B. Biologie, Psychologie, Geschichte) ohne Kennzeichnung der Mediengattung (Lehrbuch, Ratgeber usw.). Die Sachgruppe Geografie beispielsweise hat in einer durchschnittlichen Öffentlichen Bibliotheken einen Anteil an den Entleihungen der Sachbücher von etwa 13 %[20] und besteht vor allem aus Reiseführern, enthält also kaum didaktisiertes Material. Dagegen umfasst die Sachgruppe Sprachwissenschaft in Öffentlichen Bibliotheken (Ausleihanteil durchschnittlich 6 %) weitgehend Sprachlehrbücher mit audiovisuellen und multimedialen Begleitmaterialien.

 

Was Materialien für die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung angeht, kann man festhalten:

 

Der Titelzahl und den Umsätzen nach stehen auf den Medienmärkten mit großem Abstand die wissenschaftliche und berufsbezogene Fachinformation im Vordergrund; so sind die umsatzstärksten Verlage hauptsächlich Fachverlage. Wachsende Bedeutung gewinnen die Informationen zur Freizeitgestaltung, während die Medien zur Wissenspopularisierung und Unterhaltung in vergleichsweise kleinen Titelzahlen, aber in hohen Auflagen erscheinen. Die wissenschaftliche Fachinformation spielt gemäß den Aufgaben der Öffentlichen Bibliotheken, wie sie in ihren oben zitierten Selbstverständnispapieren[21] dargelegt sind, und gemäß der hinsichtlich der Nutzerzahlen beschränkten Verbreitung des Bedarfs nur in sehr großen Bibliotheken eine Rolle, und auch hier nur mit Einschränkungen, nämlich hauptsächlich bezogen auf grundlegende Studienliteratur, die allerdings in Hochschulstädten sehr stark auch aus öffentlichen Bibliotheken entliehen wird. Ebenfalls stark selektiv verfahren die meisten öffentlichen Bibliotheken mit berufsbezogener Fachinformation, obwohl der gesellschaftliche Bedarf hier allgegenwärtig ist. Freilich sind die Nachfragen hier ganz überwiegend thematisch eng fixiert, so dass stets gut ausgebaute und hochaktuelle Bestände benötigt würden, was die meisten Öffentlichen Bibliotheken angesichts ihrer Etats kaum oder nur um den Preis klarer Schwerpunktbildungen leisten könnten. Ähnliches gilt für berufsbezogene Ausbildungsliteratur. Stärker ausgebaut, aber gegenüber dem Marktangebot und der Nachfrage noch immer schwach vertreten sind Medien mit Ausbildungsfunktionen für Schüler, insbesondere der Sekundarstufe II.

 

Dagegen sind die Angebote für Alltagsmanagement, für die Freizeitgestaltung und Persönlichkeitsentwicklung, zur Wissenspopularisierung sowie für viele Hobbys deutlich besser ausgebaut. Gemäß dem überdurchschnittlichen Bildungsstand der Bibliotheksbenutzer gegenüber der Gesamtbevölkerung enthalten diese Medien zu einem erheblichen Teil qualifizierte, intellektuell anspruchsvolle Inhalte. Einen hohen Anteil an den Beständen haben Medien mit Unterhaltungsfunktionen: der allergrößte Teil der Belletristik, nahezu das gesamte Tonträgersortiment und der überwiegende Teil der Videos[22] gehören dazu, mit Einschränkungen auch die Spiele.

 

Doch ist seit Mitte der 90er Jahre ein verstärkter Ausbau der Medienangebote zugunsten von allgemein auf schulische Ausbildung, Berufsorientierung, Erfolg am Arbeitsplatz, persönlicher Kompetenzerweiterung bezogenen Themen zu beobachten. Diese werden oft in hervorgehobener Weise präsentiert. Darauf ist im Kapitel 5 näher einzugehen.

 

Das Beispiel der Stadtbibliothek Hamm[23], die im Lauf der 90er Jahre schrittweise moderne und anregende Präsentationsformen einführte und durch Neustrukturierung der Regalaufstellung neue Impulse zur Mediennutzung erzeugt, zeigt, dass eine Renaissance der Benutzerarbeitsplätze in der Bibliothek stattfindet.

 

So hat beispielsweise die Stadtbibliothek Gütersloh 1999[24] im Zusammenhang mit themenentsprechenden Medienangeboten jeweils einen PC mit Programmen, elektronischen Publikationen, Internetportalen und elektronischen Tutoren zu einem bestimmten Lernbereich ausgestattet, u.a. den Lernbereichen Bewerbungen, Büroanwendungen, Netzkommunikation, Bild- und Tonbearbeitung.

 

In der 1999 umgebauten Zentralbibliothek Essen[25] sind, was eine positive Ausnahme darstellt, Gruppenarbeitsräume eingerichtet worden.

 

Noch in den 60er Jahren verfügten viele größere Öffentliche Bibliotheken über Lesesäle nach dem Vorbild von Universitätsbibliotheken, wenn auch wesentlich kleiner in der Zahl der Tische und Stühle und vor allem der Bestände. Sie wurden indessen wenig genutzt; im Zuge des Wachstums der Bestände bei gleichzeitig konstant bleibenden Flächen opferte man nach und nach diese Leseplätze, um mehr und mehr Regale aufzustellen. Wo Neu- oder Umbauten mustergültige Lösungen mit großzügigen Flächen realisierten (beispielsweise in den 80er Jahren die Stadtbibliotheken Reutlingen und Gütersloh, in den 90er Jahren viele Mittel- und Kleinstädte in Süddeutschland in historischen, für die Bibliothek unter Beachtung von Gesichtspunkten des Denkmalschutzes umgenutzten Gebäuden, so in Konstanz, Offenburg, Ditzingen bei Stuttgart, Memmingen, Rosenheim, Überlingen), handelte es sich bei den Leseplätzen um freizeitmäßige Sessel-, Sofa- und Nischenangebote. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre werden allmählich nicht nur Internet-PCs als Surfplätze, wie sie vereinzelt in großen Stückzahlen als Gerät, an dem man steht, nicht sitzt (Kioskstationen)[26], ohne Tisch und Drucker, aufgestellt wurden, sondern es werden Multimedia-Arbeitsplätze mit vernetztem PC, Drucker und ausreichendem Platz für Bücher, Arbeitsmaterialien und unmittelbarer Nähe zu körperlichen Medien implementiert[27]. In der Dresdner Jugendbibliothek unter dem beziehungsreichen Namen medien@age[28] wurden Internet- und PC-Plätze auf 104 Zentimeter breiten Tischen mit Flachbildschirmen eingerichtet – gute Voraussetzungen, um die Funktion der öffentlichen Einrichtung gegenüber einem kommerziellen Internet-Café wirksam werden zu lassen.

 

Diese Strukturen können zu Lernateliers weiterentwickelt werden, wenn sie thematisch entsprechend gefüllt werden.

 

Dies war Inhalt eines frühen deutschen Projektes[29], in dem die Rolle der Öffentlichen Bibliothek als Stützpunkt lebenslangen Lernens fortentwickelt wurde; es fand auf Initiative des Deutschen Bibliotheksverbands 1997/98 in Sachsen statt. Beteiligt waren die Öffentlichen Bibliotheken in Delitzsch, Döbeln, Glauchau und Plauen, Bibliotheken mit 40.000 bis 150.000 Medieneinheiten Bestand in Orten mit 25.000 bis 72.000 Einwohnern, sowie die Staatlichen Fachstellen für Öffentliche Bibliotheken in den Regierungsbezirken Chemnitz und Leipzig.

 

Im Ergebnis des Projekts wurden in den beteiligten Bibliotheken vor allem

·        die Bestände um CD-ROMs zu den Themen Ausbildung, Beruf, Wirtschaft, ferner um berufsbezogene Fachliteratur orientiert am örtlichen Bedarf erweitert,

·        Videos über Ausbildung und Berufsbilder in die Bestände aufgenommen,

·        multimediale Benutzerarbeitsplätze in den Bibliotheken eingerichtet,

·        Kooperationen mit Arbeitsämtern und Einrichtungen der Aus- und Fortbildung begonnen, die u.a. dazu führten, dass die Bundesanstalt für Arbeit ihre Publikationen in den Bibliotheken auslegt,

·        einschlägige Adressdatenbanken aufgebaut,

·        differenzierte Formen und Angebote zur Vermittlung von Medienkompetenz eingesetzt,

·        einschlägige Schulungen für Bibliotheksmitarbeiter und Nutzer etabliert.

 

Gemessen am oben zitierten Selbstverständnis der Öffentlichen Bibliothek sind all diese Maßnahmen keineswegs innovativ. Es bedurfte aber eines Projekts, um sie zur Anwendung zu bringen.

 

Unabhängig von Projekten ergreifen immer wieder einzelne Bibliotheken die Initiative zur Einrichtung eines Bereichs mit besonders zum Lernen anregenden Medien, oft im Zusammenhang mit einem von außen einwirkenden Impuls, der zur Entwicklung eines Profils oder Leitbilds führt. Als Beispiel kann die Stadtbibliothek Rosenheim[30] genannt werden. Der Umzug in neue und großzügige Räume war Anlass, zu einem geschärften Profil zu kommen; sie versteht sich nun als Zentrum lebenslangen Lernens und richtete einen Bereich Berufs-Info mit einschlägigen Büchern, Videos, CD-ROMs, Zeitungen und Zeitschriften ein. Dieser Bereich wurde in der Nähe der bereits vorhandenen Bereiche Internet-Arbeitsplätze, Schülerhilfen und Infothek platziert.

 

Ungewöhnlich ist die Entwicklung in Emden[31]. Die extrem eng untergebrachte Stadtbibliothek mit weitgehend veraltetem Bestand war äußerst unattraktiv. Um sie fortzuführen, übergab die Stadt die Bibliothek der Volkshochschule, die in Emden als Verein geführt wird, und verpflichtete sich zu einer laufenden Finanzhilfe für den Betrieb. Die Bibliothek wurde gemeinsam mit der VHS untergebracht, räumlich wesentlich erweitert und erneuert, technisch modernisiert. Bibliotheksauskunft und VHS-Sekretariat sind zu einem gemeinsamen Servicepunkt zusammengefasst. Das Medienangebot der Bibliothek ist mit Bildungsprogrammen und Veranstaltungen der VHS verknüpft. Eine Infothek für Ausbildung, Beruf und Weiterbildung wird aufgebaut. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Leseförderung (Medienangebote für Kinder). Für das Personal beider Einrichtungen entstehen nach und nach Mischarbeitsplätze, die sich nicht mehr an den traditionellen Berufsbildern des Bibliothekars einerseits und des Erwachsenenbildners andererseits orientieren.

 

Insgesamt sind Kooperationsprojekte zwischen Bibliothek und Volkshochschule selten, auch wenn etliche Bibliotheken mehr oder minder regelmäßig Medienempfehlungen auf Faltblättern gezielt für VHS-Veranstaltungen erstellen. Als herausragend und wegweisend muss das 1997 eröffnete Medienforum in Potsdam-Kirchsteigfeld eingeschätzt werden[32]. Hintergrund der Planung war die Errichtung eines neuen Stadtviertels für 7.500 Einwohner im Südosten der Brandenburgischen Landeshauptstadt; das Projekt war zum Zeitpunkt des Baubeginns 1993 das größte Wohnungsbauvorhaben in den neuen Bundesländern. Kernidee des Medienforums, das organisatorisch als Filiale der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam geführt wird und im Zentrum des Ortsteils untergebracht ist, war die synergetische Verknüpfung der Lern- und Bildungsangebote von Bibliothek und Volkshochschule. Der Medienbestand wurde mit Blick auf den Aus-, Fort- und Weiterbildungsbedarf, die Unterstützung lebenslangen Lernens und der Förderung der Medienkompetenz profiliert. Die Volkshochschule richtete drei multimediale Selbstlernplätze mit Internetanschluss, CD-ROM-Laufwerk sowie Büroanwendungssoftware ein. Dieses Lernstudio wird außerhalb der Öffnungszeit der Bibliothek im Rahmen von VHS-Kursen, während der Bibliotheksöffnungsstunden individuell kursunabhängig genutzt. An ein bis zwei Terminen pro Woche steht unabhängig von Kursangeboten ein VHS-Dozent für spezielle Fragen und individuelle Beratung zur Verfügung. Während der übrigen Öffnungsstunden wird das Lernstudio vom Bibliothekspersonal betreut. Dieses Konzept geht insofern weit über die ebenfalls nicht sehr verbreitete Einrichtung von Arbeitskabinen mit Multimedia-PCs hinaus, wie sie im 1998 eröffneten Neubau der Stadtbibliothek Saarbrücken[33] installiert wurden. Ein ähnliches Konzept wie Potsdam verfolgen ‑ wenn auch gewiss in kleinerem Maßstab –Stadtbücherei und Volkshochschule in Schwerte (53.000 Einwohner, Nordrhein-Westfalen). Bereits jetzt sind beide Einrichtungen im selben Gebäude untergebracht, nutzen dieselben Veranstaltungsräume, bieten gemeinsame Literaturveranstaltungen, betreiben wechselseitige Werbung. Geplant ist (Stand: Frühjahr 2001) ein gemeinsamer Internet-Raum, der während der Öffnungszeiten der Bibliothek durch deren Benutzer genutzt und vom Bibliothekspersonal betreut wird; außerhalb der Öffnungszeiten steht er Kursen der VHS zur Verfügung. Dagegen ist der übliche Internet-Anschluss in einer Öffentlichen Bibliothek wie ein Surfplatz im Internetcafé angelegt, d.h. er ist entweder ein im Stehen oder Sitzen zu bedienender Netz-PC ohne Drucker und ohne oder mit sehr begrenzten Flächen zur Ablage von Büchern und Materialien, also zur intelligenten Verwendung wenig geeignet.

 

Die Stadtbücherei Flensburg[34] realisierte 1999 eine Werkstatt neuer Medien gemeinsam mit der Volkshochschule: In einem separierten Raum stehen fünf PCs mit Internetanschluss, Bürosoftware und CD-ROM-Laufwerken zur Verfügung. Der Raum wird während der Öffnungszeiten der Bibliotheken für Bibliotheksnutzer, betreut von Mitarbeitern der VHS, sonst durch Kurse der VHS genutzt.

 

Weniger punktuell ist die Zusammenarbeit zwischen Stadtbücherei, Volkshochschule und weiteren Bildungsanbietern in Hagen[35]. Bibliothek und Volkshochschule sind im selben Gebäude untergebracht. Innerhalb der kommunalen Verwaltung bilden bildet die Stadtbücherei zusammen mit der Hagen Weiterbildung Volkshochschule mit einem breit gefächerten Programm für alle Gruppen der Bevölkerung und der IQW Weiterbildungsberatung als Ansprechpartnerin in Fragen der beruflichen Fort- und Weiterbildung das Amt für Weiterbildung und Medien. Darüber hinaus kooperiert die Stadtbücherei mit Institutionen, deren Bibliotheken in Ergänzung ihrer eigenen Bestände genutzt werden können (Bibliotheken der Märkischen Fachhochschule und der Fernuniversität).

 

In Brandenburg werden seit 1993 Öffentliche Bibliotheken und Kreisbildstellen organisatorisch zusammengeführt[36], ein langwieriger Prozess, gegen den die Betroffenen sich zunächst gewehrt haben, in den sie sich dann aus der Einsicht heraus, dass ohne Zusammenführung jeweils eine der beiden Einrichtungen ersatzlos gestrichen würde, fügten. Im Zentrum der örtlichen Fusionsprozesse stand die Entdeckung, dass die Arbeitsinhalte in der jeweils anderen Einrichtung nicht grundverschieden sind, dass hier wie dort mit umfangreichen Medienbeständen gearbeitet wird, dass Arbeitsplätze zukünftig multimedial sein werden – die Chance zu einem konzeptionellen Neuanfang, nämlich zu einer Profilierung der fusionierten Einrichtung als dem Nukleus kommunaler Lernnetzwerke wurde nicht flächendeckend genutzt.

 

Vereinzelt gehen Bibliotheken auch Kooperationen mit Jugendeinrichtungen ein, die einen Bezug zum außerschulischen Lernen aufweisen. Die Dresdner Jugendbibliothek mit dem zielgruppenorientierten Namen medien@age[37] betriebt gemeinsam mit der Jugendinformationsstelle des städtischen Jugendamts Internet- und PC-Arbeitsplätze in der Bibliothek; diese bringt folgende Inhalte in das Bibliotheksangebot ein: Einsatz neuer Medien als Gebrauchsgegenstand im Alltag, Jugendberufshilfe (Erschließung neuer Berufsbilder, Einsatz der neuen Medien zu Berufsinformation), Medienschutz (kritische Auseinandersetzung mit Medieninhalten und ‑erstellungsformen).

5.2      Virtuelle Angebote

PCs mit Internetzugang sind heute weit verbreitet in Öffentlichen Bibliotheken. Dagegen ist es eine Minderheit der Öffentlichen Bibliotheken, meistens Großstadtbibliotheken, aber auch eine Reihe von Mittelstadtbibliotheken und auch einige kleine Bibliotheken, die mit eigenen Seiten ins WWW gegangen sind. Meistens handelt es sich um einen soliden werblichen Auftritt im Rahmen der Darstellung der Kommune, der über Angebote, Dienstleistungen, Öffnungszeiten, Gebühren informiert, zunehmend auch um den eigenen Katalog, der über das WWW abfragbar gemacht wird (WWW-OPAC).

 

Eine Reihe von Bibliotheken, sowohl Großstadtbibliotheken als auch mittlere und kleinere Bibliotheken, bieten darüber hinaus eine mehr oder minder substanzreiche Auswahl von Links zu fremden Websites. Die von Öffentlichen Bibliotheken durchgeführten ehrgeizigen Projekte BINE[38] (abgeschlossen 1998) und ILEKS[39] (laufend, in Kooperation der Stadtbibliotheken Bremen und Paderborn, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der Büchereizentrale Schleswig-Holstein) verfolgen das Ziel, in Form einer Datenbank, nicht nur als mehr oder minder übersichtlich gegliederte Liste, Internetressourcen unter Qualitäts- und Profilgesichtspunkten intellektuell zu selektieren, zu evaluieren und systematisch zu erschließen.

 

Insgesamt haben rund zwei Dutzend Öffentliche Bibliotheken umfangreichere Linksammlungen ins Netz gestellt. Die Themenschwerpunkte reichen von Backen über Existenzgründung und Verbraucherinformation bis Online-Zeitungen[40]. Mehrere Bibliotheken haben den Akzent auf Ressourcen gelegt, die online oder als Programmhinweis der Erwachsenenbildung dienen, führend sind hier die Zentral- und Landesbibliothek Berlin[41], die Stadtbücherei Stuttgart[42] und die Stadtbibliothek Ludwigsburg mit teilweise gemeinsamen Seiten, ferner die Öffentlichen Bibliotheken Heidelberg[43] und Biberach[44] sowie das Medienzentrum Ostprignitz-Ruppin[45] (Brandenburg).

 

Überraschend ist, dass kaum eine Öffentliche Bibliothek ihren Netzauftritt als Knotenpunkt im kommunalen Lernnetz gestaltet; diesen Ansatz verfolgen die Stadtbücherei Stuttgart, indem sie u.a. Links zu den zahlreichen, meistens privatwirtschaftlich betriebenen Sprachschulen in der Stadt legt, und die Stadtbücherei Hagen[46] mit einer umfangreichen Linksammlung zu Bildungsanbietern von den Gewerkschaften bis zum Institut der Deutschen Wirtschaft, von Telekolleg bis zur Bundesanstalt für Arbeit, von regionalen und nationalen Weiterbildungsdatenbanken zu den Volkshochschulen. Die Stadtbücherei Stuttgart und die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen[47] sind die einzigen Öffentlichen Bibliotheken, die einen Link zum Projekt Tandemlernen[48] gelegt haben. In diesem Projekt, betrieben von zwölf Universitäten in zehn Ländern, sollen sich über das Internet Partner finden, die ihre Kompetenz in einer Sprache und ihr Motiv, eine Fremdsprache zu lernen, je spiegelbildlich teilen. Links von den Seiten der Bibliotheken zur örtlichen VHS und weiteren Weiterbildungseinrichtungen mit ihren Programmangeboten sind ebenso wenig verbreitet wie zum Deutschen Bildungsserver[49], zu regionalen Bildungsservern und zur Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM[50]) mit ihrer schul- und schülerorientierten Linkdatenbank. An dieser Stelle setzt das Projekt INFOL@B in Rheinland-Pfalz an. Ziel des Projektes ist es, die Bürgerinnen und Bürger über die örtlichen Stadt- und Gemeindebibliotheken sowie über Schulbibliotheken beim lebenslangen Lernen zu unterstützen. Dazu soll eine Plattform im Internet geschaffen werden, die einen einfachen Zugang zum Netz und vor allem zu Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten schafft[51]. An dem Projekt unter Federführung der Firma BOND-Bibliothekssysteme sind beteiligt: zehn Pilotanwenderbibliotheken in der Pfalz, das Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz, die Universität Koblenz-Landau, die IHK für die Pfalz, der Landesverband des Deutschen Bibliotheksverbandes, die EDV-Kommission für Schulbibliotheken sowie die Firma ac@demy Internet-Training-Institute AG beteiligt. Mehr noch als das Produkt des Projektes – vergleichbare Internet-Portale gibt es bereits, auch in der Regie von Bibliotheken, wie die Modelle der Stadtbücherei Stuttgart, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der weiteren erwähnten Beispiele zeigen – scheint die Zusammenarbeit der Partner zu zeigen, in welche Richtung man im Sinn von Public-Private-Partnership denken kann und soll: Einerseits sind Unternehmen beteiligt, deren Interesse ohne Zweifel auch darin besteht, ihre Internet-Kompetenz im Bildungssektor unter Beweis zu stellen und womöglich über den Werbekanal Bibliothek Kunden zu gewinnen, andererseits mit Landesarbeitsamt und IHK Körperschaften, die auftragsgemäß die Kompetenzentwicklung ihrer Klientel forcieren sollen.

 

Weit verbreitet sind kurze, in der Bibliothek für körperlich anwesende Nutzer durchgeführte Einführungen in neue Medien und Internetnutzung, meistens 30 bis 120 Minuten lang, in der Regel auf eine Zielgruppe, etwa Senioren oder junge Mütter, oder ein Thema, beispielsweise Stellensuche und Bewerbung oder Newsgroups spezialisiert. Die Stadtbücherei Biberach[52] stellte fest, dass ein Viertel der Teilnehmer ihrer Kurse bisher keine Bibliotheksbenutzer waren und gut die Hälfte noch nicht im Internet gesurft hatten.

 

In der Tat haben nicht nur die Öffentlichen Bibliotheken, sondern die Masse der Verbraucher das Internet als Lernmedium noch kaum entdeckt. Zwar sind inzwischen fast 40 % der Deutschen ab 14 Jahren online, doch mit Abstand im Vordergrund der Nutzung[53] (mindestens einmal wöchentlich) stehen E-Mail, zielgerichtete Informationssuche und zielloses Surfen, aktuelle Nachrichten über Tagesgeschehen und Sport, Infos über PC, Software, Wirtschaft und Börse, Downloaden von Dateien, Homebanking. Bei den 14- bis 19-Jährigen spielen auch Chatten und Newsgroups, Unterhaltung und Musik-laufen-lassen eine herausragende Rolle.

 

Nach den ARD/ZDF-Online-Studie 2000[54] und 2001[55] haben die meisten Internet-sem Medium eine nüchtern-pragmatische Einstellung, während die Rezipienten an das Medium Fernsehen stark emotional gebunden sind. Die überwiegend funktionale Nutzungserwartung wird indessen von charakteristischen, angebotstypischen Defiziten in erheblichem Maß enttäuscht. Sowohl Online-Neulinge wie auch mehrjährig erfahrene WWW-Nutzer klagen über den Aufwand, den das gezielte Auffinden von Informationen bereitet, über unübersichtliche Homepages, veraltete Links, störende Werbung und unvollkommen arbeitende Suchmaschinen, ferner über technische Mängel wie langsamen Seitenaufbau, langwieriges oder nicht funktionierendes Herunterladen von Software bzw. über das oft überhaupt erforderliche Herunterladen und Installieren zusätzlicher Software, um Seiten betrachten zu können. Frustrationsfördernd wirkt sich aus, dass die Nutzer sich häufig selbst nicht in der Lage sehen, die Validität der gefundenen Informationen einzuschätzen.

 

Hier können die Öffentlichen Bibliotheken ansetzen, indem sie ihre Web-Auftritte ausbauen und unter entsprechenden Gesichtspunkten optimieren: Werbefreie, vorbildlich übersichtliche Seiten mit einer hochqualifizierten, kommentierten Auswahl von Links ausschließlich zu seriösen, in ihrer Kompetenz unstrittigen Anbietern.

 

Generell und in besonderem Maß bei Bildungsanbietern muss die einzelne Bibliothek im konzeptionellen Kontext die Frage klären, ob und wieweit sie Links zu kostenpflichtigen Angeboten legen will. Drei Grundvarianten sind hier zu unterscheiden:

 

Zunehmend verbreiten sich Mischformen, etwa das Angebot xipolis.net[59] der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Stuttgart, und des Verlags Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim, eine Internet-Plattform, die die Suche in mehreren Lexika und Zeitschriften mit der Suche im Internet verknüpft. Ein Teil der Lexika ist kostenlos nutzbar, während die Suche in den umfangreicheren Nachschlagewerken sowie in den Archiven von Zeitschriften wie DER ZEIT und Spektrum der Wissenschaft gebührenpflichtig ist. Vorbild ist das Microsoft-Angebot encarta.com[60]: Um ein intelligentes, kostenfreies Produkt – hier das Lexikon Encarta - wird ein Netz aus Zugängen zu und Werbung für kostenpflichtige Produkte, die sich an dieselbe Zielgruppe richten, gelegt. Zunehmend wird Werbung nur noch in derartigen Umfeldern wahrgenommen, ohne einen informationellen Mehrwert nicht akzeptiert, so dass die Kombination zukunftsträchtig wird. Encarta.com ist vor allem ein Portal zu kommerziellen Angeboten zum Lernen und für praktische Alltagsfragen, teils online, teils in Form von Büchern oder Werkzeugen, die man sich gegen Bezahlung schicken lassen kann.

 

Die Initiativen Öffentlicher Bibliotheken, die eine Erschließung von Web-Ressourcen versuchen, müssen sich an der Qualität dieser Angebote messen lassen.

 

In Hochschulen ist ein EDV-Netz mit Internetschnittstelle Standard, über das die Bibliothek auch Bibliografien, Lexika und andere Informationsmittel auf CD-ROM, seltener multimediale Lehr- und Lernmittel campusweit verfügbar macht. Ziel ist, multimediale Lehr- und Lernmittel, ob auf WWW-Servern oder auf CD-ROM verfügbar, unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche sowohl von den Campus-PCs aus als auch von den häuslichen PCs der Hochschulangehörigen aus zugänglich zu machen[61]. In Öffentlichen Bibliotheken sind EDV-Netze weniger verbreitet und bedienen meistens nur das Katalogisierungs- und Verbuchungssystem, sind hier in der Regel weder mit einem CD-ROM-Server noch mit dem Internet verknüpft; vielmehr werden für CD-ROMs meistens Einplatzsysteme und für den Internetzugang wieder andere PCs verwendet. Im Sinn eines Lernorts wäre die Verknüpfung sehr sinnvoll, setzt aber drei Dinge voraus: Die Öffentliche Bibliothek muss

  1. über die erforderliche Technik verfügen und beherrschen, was oft teils an finanziellen Voraussetzungen, teils an veralteten technischen Rahmenbedingungen, wie sie von den EDV-Abteilungen der Kommunalverwaltungen gesetzt werden, scheitert.
  2. geeignete Lernumgebungen raumorganisatorisch und zeitlich anbieten; die mangelhaften Öffnungszeiten der meisten Öffentlichen Bibliotheken stehen dem entgegen. Andererseits könnte die Bibliothek ihre CD-ROMs passwortgeschützt über das Internet für die eingetragenen Leser von deren Wohnungen aus öffnungszeitunabhängig zugänglich machen.
  3. für kostenpflichtige Netzangebote und für CD-ROMs entsprechende Lizenzen erwerben können, wenn ‑ was bei hochwertigen Informationsinhalten auf CD-ROM bzw. DVD die Regel ist – das Medium nicht allein durch Sachkauf ohne weitere Bedingungen erhältlich ist . Dies gestaltet sich für die meisten Öffentlichen Bibliotheken als schwierig, weil weder bei den Unterhaltsträgern noch bei den Lizenzgebern eine nennenswerte Bereitschaft dazu vorhanden ist. Eine Campuslizenz einschließlich der Zugriffsrechte der Hochschulangehörigen von ihren PCs daheim aus für eine lizenzpflichtige CD-ROM zu erhalten, ist in aller Regel möglich, während die Verlage Lizenzen für dieselbe CD-ROM für Netze Öffentlicher Bibliotheken meistens nicht oder nur für die Nutzung im Haus hergeben.

 

Hier fällt den Bibliotheksverbänden eine Lobbyaufgabe zu.

6                Bestandserschließung und –präsentation

Standard in Freihandbibliotheken ist die systematische Aufstellung des Bestandes. In Freihandbibliotheken ist der mit Abstand wichtigste Suchweg der Benutzer der Gang ans Regal. Katalogsuche ist von nachgeordneter Bedeutung. Einen herausragenden Stellenwert hat deshalb eine gut ausgeschilderte, für die Nutzer nachvollziehbare Bestandsgliederung und –präsentation. Die in Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland verbreiteten Systematiken[62] orientieren sich mehr oder minder eng an Wissenschaftsfächern.

 

Der Vorteil ist, dass damit eine klare und weniger subjektive Zuordnung der Medien zur Klassifikation möglich wird, dass auch differenziertere Bestände von einigen Zehntausend Bestandseinheiten angemessen erschlossen werden können. Besonders dringlich ist der Bedarf nach differenzierter Erschließung gemäß den Beständen der Bibliotheken bei den Themen EDV (das die Allgemeine Systematik für Öffentliche Bibliotheken mit 38 Systematikgruppen hinreichend differenziert darstellt) und bei verschiedenen Hobby- und Freizeitthemen (z.B. Kochen und Basteln).

 

Nachteile der Orientierung an Wissenschaftsfächern sind:

·        Orientierungsschwierigkeiten für Nutzer/innen, die mit der Gliederung der Wissenschaftsfächer wenig vertraut sind, beispielsweise für Schüler/innen. Schüler/innen suchen Literatur zum Thema Vulkane in der Regel in der Sachgruppe Geografie, weil das Thema im Geografieunterricht behandelt wird. Dagegen schlagen die Bibliotheken gemäß ihrer wissenschaftssystematisch ausgerichteten Klassifikationen das Thema den Naturwissenschaften zu (Vulkanismus als Thema der Geowissenschaften, die als Teilgebiet der Naturwissenschaften aufgefasst werden).

·        Zerstreuung von Themenaspekten, die in lebenspraktischen Zusammenhängen gemeinsam auftreten, trotz thematischer Divergenz für dieselbe Zielgruppe besonders interessant sind oder oft im selben Verwendungszusammenhang gesucht werden. Beispielsweise lesen junge, intensive EDV-Nutzer überdurchschnittlich häufig Sciencefiction; oder junge Eltern finden Medien zur speziellen Kompetenzerweiterung aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation in einer wissenschaftsorientierten Systematik verstreut in den Sachgruppen Psychologie, Pädagogik, Medizin, Hauswirtschaft, Recht und weiteren.

 

Auf diesen Nachteil wissenschaftsorientierter Klassfikationen reagieren seit den 50er Jahren Public Libraries in USA mit Reader Interest Classfications (RIC)[63]. Ihre Merkmale sind:

·        Die Klassenbildung erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Zusammenfassung von häufigen Benutzerfragestellungen. Auf diese Weise werden Medien zusammengeführt, die in stark wissenschaftssystematisch ausgerichteten Klassifikationen verschiedenen Klassen zugewiesen werden (z.B. der handwerklich-technische, der künstlerisch-gestalterische und der innenarchitektonisch-planerische Aspekt der Wohnungseinrichtung).

·        Der thematische Umfang der einzelnen Klassen ist weiter als bei herkömmlichen Aufstellungssystematiken, ihr Inhalt ist aus wissenschaftssystematischer Sicht teilweise inhomogen. Browsing soll angeregt werden und wird verlangt.

·        Die Klassenbenennungen sind kurz und allgemein verständlich.

·        Die Notationen sind sehr kurz, hierarchieabbildend, alphanumerisch oder bestehen nur aus Buchstaben, bevorzugt mnemotechnisch. Teilweise werden anstelle von Notationen verbale Benennungen verwendet.

·        Die Hierarchie ist extrem flach, umfasst i.d.R. nur zwei Hierarchiebenen.

·        Die Zahl der Klassen liegt deutlich unter 100.

 

Reader Interest Classification wird in folgenden Varianten angewendet:

·        In größeren Bibliotheken wird ein Teil des Bestandes nach der RIC aufgestellt (Browsing-Zone); teilweise handelt es sich um Doppelstücke zu Grundexemplaren in der üblichen klassifikatorischen Aufstellung.

·        In kleinen Bibliotheken wird der gesamte Bestand nach RIC aufgestellt.

·        Die RIC ist eine Erschließungsstruktur im Freihandbereich, die über dauerhaft oder vorübergehend aus der üblichen Aufstellung in den RIC-Bereich versetzte Medien in Form einer Regalbeschilderung gelegt wird. Die hierfür in Frage kommenden Medieneinheiten werden mit zwei an der Medieneinheit sichtbaren Notationen versehen: Erstens der Notation nach der üblichen Klassifikation, zweitens der Notation nach der RIC.

 

Diese Praxis wurde in Deutschland bis in die 70er Jahre kaum rezipiert. Der Grund mag sein, dass die in deutschen Öffentlichen Bibliotheken angewendeten Klassifikationen weniger strikt wissenschaftssystematisch ausgerichtet sind als die in USA übliche Dewey Decimal Classification. Obwohl in Deutschland kaum keine ausdrückliche Auseinandersetzung mit Formen der Reader Interest Classfication stattfand, entdeckten die deutschen Öffentlichen Bibliotheken seit den 70er Jahren vergleichbare Formen der Bestandserschließung. Hierbei wenden sie fast ausschließlich verbale Benennungen statt Notationen an, wodurch der Ansatz der Reader Interest Classification gewissermaßen radikalisiert wird.

 

Diese Formen der Bestandserschließung wurden in Deutschland, auch in Frankreich[64] unter dem Begriff Interessenkreiserschließung weit verbreitet. Bis in die erste Hälfte der 90er Jahre wurde indessen eine Interessenkreiserschließung bevorzugt zur Erschließung der Belletristik und Kinder- und Jugendliteratur eingesetzt (typische Interessenkreise sind etwa: Abenteuer, Bewährte Unterhaltung, Klassiker). Seitdem die Stadtbücherei Münster in ihrem 1993 eröffneten Neubau schwerpunktmäßig Sachliteratur in einer Erschließung nach Interessenkreisen zusätzlich zur weiter bestehenden fachsystematischen Aufstellung anbietet[65], wenden große Teile der Öffentlichen Bibliotheken irgend eine Art von Interessenkreiserschließung zusätzlich zur Klassifikation, die weiterhin die Hauptmasse der Sachliteratur erschließt, an; in den neuen Bundesländern ist diese Praxis wesentlich weniger ausgeprägt, was man mit der dort traditionell höheren Wertschätzung von Ordnung und Hierarchie assoziieren mag.

 

Erstaunlicherweise wurde die Akzeptanz dieser Praxis bei Benutzern bisher kaum durch Befragungen eruiert; die Bibliotheken begnügten sich mit der überall gemachten Erfahrung, dass die Ausleihen infolge dieser Angebotsformen steigen und immer wieder positive Äußerungen von Benutzern zu hören sind. Im Projekt EFIL (Entwicklung und Förderung innovativer Lernarrangements) des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung wurde in 2000 am Beispiel der Stadtbücherei Stuttgart die Akzeptanz der Interessenkreiserschließung erfragt: Zwei Drittel der Benutzer gaben an, durch Präsentation und Themeninszenierungen auf Medien aufmerksam geworden zu sein, die sie eigentlich gar nicht gesucht haben[66] – ein Wert, der typisch sein dürfte für die Masse der Bibliotheken, die ihre Bestände in modernen Angebotsformen darbieten. In den alten Bundesländern (Werte für die neuen Bundesländer wurden nicht erfragt) stuft fast ein Viertel der Bibliotheksnutzer das Angebot als unübersichtlich ein[67].

 

Im Folgenden sollen einige weitere Beispiele für umstrukturierte Bestandspräsentationen in Öffentlichen Bibliotheken aus den letzten Jahren erwähnt werden.

 

auch solche Ziele eine Rolle, durch die die Bibliothek als Lernort und Lernressource profiliert werden soll:

Konkret werden diese Ziele durch Schaffung entsprechender Themenbereiche der Bestandspräsentation umgesetzt. Insgesamt umfasst das Spektrum der Themenkreise folgende Rubriken:

 

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Praxis bei Bestandserschließung ‑präsentation herausragende Anknüpfungspunkte bietet, wenn es darum geht, die Öffentlichen Bibliotheken stärker als bisher als Lernort zu profilieren.

7                Management

 

Das Management Öffentlicher Bibliotheken unterliegt Einflüssen aus der Ausbildung der Personals, aus den über Fortbildungsveranstaltungen und der Fachliteratur vermittelten bibliothekarischen Fachdiskussionen und vor allem aus den kommunalpolitischen Rahmenbedingungen.

 

Im kommunalpolitischen Rahmen bedürfen Bibliotheken, da sie freiwillige Einrichtungen der Kommunen sind, einer besonderen Legitimation. Sie nimmt in der Regel auf den oben zitierten Funktionskatalog der Öffentlichen Bibliotheken Bezug, bleibt vielerorts freilich im Allgemeinen. Eine indessen wachsende Minderheit der Öffentlichen Bibliotheken handelt mit der politischen Führung ein klares Profil aus, das Arbeitsgrundlage und vor allen Dingen Basis der Budgetentscheidungen werden kann. Beispielhaft für diese Minderheit seien die drastischen Worte des Bibliotheksleiters im Berliner Verwaltungsbezirk Tempelhof zitiert[72], der mit seinem Team eine Antwort auf Haushaltskrise und gewandeltes Staatsverständnis gefunden hat:

 

Auch die Bibliotheken werden befragt: Was leistet Ihr? Welche Relevanz haben Eure Dienstleistungen? Können die Leute sich dette nicht selber kofen? ... Zum Grundsatz unserer Bestandspolitik haben wir eine schlichte Maxime gemacht: „Die Bibliothek wird sich in Zukunft auf die Bereiche zu konzentrieren haben und dort Leistungsstärke beweisen müssen, deren gesellschaftlicher Nutzen auf der Hand liegt.“ ... Von dieser Prämisse haben wir Prioritäten abgeleitet. Die erste: Informationsversorgung. Sie umfaßt Medien für Beruf, Aus- und Weiterbildung, daneben die Bürgerinformation mit aktueller Sachliteratur, Ratgebern, Broschüren, Bürgerberatung und so weiter. Die zweite: Leseförderung und Vermittlung von Medienkompetenz. ... Der Stellenwert der Freizeit- und Unterhaltungsangebote für Erwachsene wird drastisch eingeschränkt. ... Mit der Beschränkung machen wir Bibliothekpolitik. ... Unsere Schwerpunkte gelten uns, und so verkaufen wir sie mit wachsendem Erfolg nach außen.

 

In diesen Zusammenhang gehören auch die Anläufe zur Verwaltungsmodernisierung, die seit den frühen 90er Jahren in den Kommunen unternommen werden. Haushaltskonsolidierung und Verwaltungsmodernisierung sind während der 90er Jahre insgesamt diejenigen Problembereiche, von denen in der Wahrnehmung der kommunalen Entscheidungsträger der höchste Handlungsdruck auf Rat und Verwaltung ausgeht, gefolgt von wirtschaftlichem Strukturwandel und Arbeitsmarkt[73]. In der Tat haben einige Großstadtbibliotheken dank der Einführung der Ergebnisverantwortung zusätzliche Entscheidungsspielräume gewonnen, oft auf Basis abgesenkter Haushaltsmittel. Einige Bibliotheken wurden mit anderen Einrichtungen, nicht selten der VHS, organisatorisch oder budgetmäßig zusammengefasst, ohne dass damit inhaltlich-konzeptionelle Ziele verbunden wären.

 

Verstärkt fragen Kommunalpolitiker nach den Kosten einzelner Dienstleistungen; mancherorts können sie tatsächlich angegeben werden, weil zusätzlich zur Kameralistik eine Kostenrechnung betrieben wird. In Ermangelung eines verbindlichen Kostenrahmens sind indessen die ausgewiesenen Kosten für gleich benannte Produkte (etwa: Ausleihe, Beratung, Lesesaalnutzung...) nicht vergleichbar. Nirgendwo werden Kostenstellen, ‑arten oder –träger ausgewiesen, die das Konzept eines Lernateliers abbilden könnten, wenn man darunter mehr versteht als eine abgrenzbare Fläche mit bestimmten Medien darauf. Ein Projekt, das sich mit innovativen Lernarrangements in Bibliotheken befasst, sollte zur Sicherung der Übertragbarkeit Passfähigkeit zu Themen und Kategorien der kommunalen Verwaltungsstrukturreformen herstellen.

 

Das Münchner Bibliothekskonzept von 1997[74] nennt grundlegende Bibliotheksfunktionen im Sinn eines Leitbildes: Öffentliche Bibliotheken verwirklichen den freien Zugang zu Information und geben dem individuellen Anspruch auf die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung eine wichtige Grundlage. Die Münchner Stadtbibliothek fühlt sich auf dieser Folie folgenden Grundsatzaufgaben gleichberechtigt verpflichtet:

·        allgemeinen Informationsinteressen,

·        individuellen Aus- und Weiterbildungszielen,

·        in Teilbereichen als Basis der Forschung,

·        dem kreativen Freizeit- und Unterhaltungsbedarf,

·        sozialen Bibliotheksaufgaben und

·        allgemeiner und stadtteilnaher Kulturarbeit.

 

Die Bildungsaufgaben sind in München integraler Bestandteil der Bibliotheksaufgaben insgesamt, die sich bei dem Bibliothekssystem einer der größten deutschen Städte auf ein außerordentlich breites Spektrum beziehen. Indessen sind die als Dienstleistungsbereiche ausgewiesenen Produktgruppen des Produktkatalogs unspezifisch formuliert, weisen also keinen Bezug zu Bildung und Lernen auf. Dasselbe gilt für die Kennziffern, mit denen die Produkte, d.h. hier die Abgabe der Dienstleistungen gemessen werden sollen.

 

Bislang singulär bleibt das von der Stadtbibliothek Paderborn[75] entwickelte Steuerungsmodell, das Zielsetzung und Controlling so miteinander verknüpft, dass die gewollten und kommunalpolitisch durch Ratsbeschluss abgesicherten Prioritäten sowohl bei der Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel wie auch bei der Kontrolle auf Zielerreichung quantitativ umgesetzt werden können. Dieses Steuerungsmodell beruht auf einer Hierarchisierung der Prioritäten in Bezug auf Funktionen für Bildung und Wissen, Information und Ratgeber, Unterhaltung und Freizeit bei jedem der Kabinette; das sind thematisch abgegrenzte Großbereiche der Bibliothek (z.B. Computerbibliothek, Sprache und Literatur, Freizeit / Hobby).

 

Die Einführung betriebswirtschaftlicher Methoden in kommunalen Bibliotheken wurde in den 90er Jahren durch zwei Projekte der Bertelsmann Stiftung, an denen sich einige Dutzend Städte beteiligt haben, vorangetrieben, nachdem erste Ansätze dazu in den 70er Jahren[76] keine Resonanz fanden. Das Projekt Betriebsvergleich[77] zielte darauf, durch Gewinnung und Erprobung eines Kennziffernsystems und durch Kostenrechnung Bibliotheksleistungen transparent, vergleichbar und mithin die Bibliotheksbetriebe effizienter steuerbar zu machen. Nach Abschluss des Projekts werden die Kennziffernsysteme in Vergleichsringen beteiligter Bibliotheken mehr und mehr angewendet. Die Kennziffern greifen bekannte Messgrößen auf, ergänzen einige bislang selten oder nicht verwendete Größen und fügen sie handhabbar zusammen, etwa:

·        Bestand je Einwohner,

·        Anzahl der für das Publikum zur Verfügung stehende Mitarbeiter je Öffnungsstunde,

·        Besuche je Einwohner,

·        Vorortnutzung (Anteil der Besucher, die keine Entleihung tätigen, sondern Dienstleistungen in der Bibliothek nutzen, z.B. Zeitung lesen oder Internet surfen),

·        Ausgaben je Einwohner,

·        Anteil der Fortbildung an der Arbeitszeit je Mitarbeiter u.a.m.

 

Anhand der Kennziffer Anzahl der durchschnittlich für das Publikum zur Verfügung stehenden Mitarbeiter je Öffnungsstunde kann beispielhaft aufgezeigt werden, dass die Indikatoren nicht geeignet sind, den Betrieb unter dem Gesichtspunkt eines inhaltlich ausgewiesenen Konzepts, sei es die Profilierung der Bibliothek als Ort selbstgesteuerten Lernens, sei es als virtuelle Informationsvermittlungsstelle, zu steuern. Die Kennziffer wird als Indikator für das Bereitstellen direkter Dienstleistungen interpretiert. Indessen käme eine Bibliothek mit einem veralteten Verbuchungssystem, das viel Personalkapazität bindet und für Beratung kaum Personalressourcen übrig lässt, auf einen relativ hohen Indikatorwert für direkte Dienstleistungen – ebenso wie eine Bibliothek, die ein automatisches Verbuchungssystem einsetzt, das die Medien- und Nutzerdaten beim Durchschreiten einer elektronischen Schranke durch Funksignale erkennt, und so die gewonnene Personalkapazität für Lernberatung oder Auskünfte über Sprachlehrmaterialien einsetzt.

 

Auf dem Hintergrund des Projekts Betriebsvergleich entwickelte die Bertelsmann Stiftung ein zusammenfassendes Indikatorensystem, das die Leistung Öffentlicher Bibliotheken in einem Ranking abbilden soll: Bibliotheksindex (BIX)[78]. Folgende Kennzahlen gehen gewichtet in Rangplätze ein; die Rangplätze der an diesem Betriebsvergleich teilnehmenden Bibliotheken werden für jeden Indikator einzeln und außerdem aggregiert ausgewiesen, so dass es im Ergebnis eine Nummer eins, eine Nummer zwei usw. für jede der gewählten Einwohnergrößenklassen gibt:

·        Bestandseinheiten je Einwohner

·        Publikumsfläche je 1000 Einwohner

·        Mitarbeiter je 1000 Einwohner

·        Erneuerungsquote des Bestandes

·        Besuche je Einwohner

·        Entleihungen je Einwohner

·        Umschlag des Bestandes

·        Öffnungszeiten

·        Medienetat je Entleihung

·        Mitarbeiterstunden (gesamt) je Öffnungsstunde

·        Besucher je Öffnungsstunde

·        Ausgaben (gesamt) je Besucher

·        Verfügbarkeitsquote (Anwesenheitsquote des Personals)

·        Fortbildungsquote

·        Fluktuationsrate des Personals (Mittel über mehrere Jahre).

Auch hier werden inhaltlich-konzeptionelle Unterschiede nicht berücksichtigt. Ein „guter“ Indikatorwert kann vor allem erreicht werden, indem mit niedrigen Personalkosten eine hohe Ausleih- und Besucherfrequenz erzeugt wird.

 

Denkbare Indikatoren, die Ziele und Grade der Zielerreichung einer Bibliothek als eines kommunalen Zentrums für lebenslanges Lernen messen können, wären beispielsweise:

 

·        Anteil von VHS-Teilnehmern unter den Bibliotheksbenutzern,

·        Anteil von Bibliotheksbenutzern unter den VHS-Teilnehmern,

·        Anteil von Bibliotheksbenutzern unter den Schülern, Umschülern, Auszubildenden in der Gemeinde,

·        Verfügbarkeit von Lernmedien (die Verfügbarkeit insgesamt oder von Unterhaltungsromanen wäre hier kein brauchbarer Maßstab),

·        Anteil der Lernmedien an Bestand und Ausleihe,

·        Nutzungsgrad von Selbstlernplätzen,

·        Umfang der einschlägigen Linksammlung auf der Homepage.

 

BIX und Betriebsvergleich finden unter Bibliothekaren und den Verantwortlichen der Kommunalverwaltungen mehr und mehr Anhänger. Die Bertelsmann Stiftung strebt eine flächendeckende Anwendung des Bibliotheksindex an.

 

So wichtig der Einsatz betriebswirtschaftlicher Methoden in Bibliotheken auch ist ‑ die Bibliothekare haben dieses Feld fast ebenso lange vernachlässigt wie der Öffentliche Dienst insgesamt –, so sehr müssen diese auch auf die Spezifik des Handlungsfeldes abgestimmt sein, in dem sie steuernd eingesetzt werden sollen. Erst dann kann die berechtigte Frage, was die einzelne Dienstleistung koste, ob sie kostengünstiger zu erstellen wäre, und ob die politische Bereitschaft besteht, die Mittel für diese Dienstleistung aufzuwenden, sinnvoll verhandelt werden. Zukünftig wird es darauf ankommen, solche Indikatoren zu definieren, die die Nutzung der Bibliothek als einer Ressource und einem Ort für das selbstgesteuerte Lernen abbilden.

8                Nutzen und Nutzungen

Man könnte daran denken, aus Nutzerbefragungen gewonnene Werte über den Anteil der mit Blick auf Lernen und persönliche Kompetenzerweiterung oder berufsbezogene Motivation genutzten Medien zu berücksichtigen. Dagegen erscheint die Verwendung von Daten aus der Ausleihstatistik, die in der Regel eine Sachgruppenzuordnung ausweist, wenig geeignet, weil ein und dieselbe Medieneinheit in ganz unterschiedlichen Verwendungszusammenhängen genutzt werden kann. Oder es werden Indikatorwerte ermittelt, die für jeweilige konzeptionelle Profile charakteristisch sind, und der Vergleich bezieht sich nur auf Bibliotheken mit vergleichbarem konzeptionellem Profil. So kann der Vergleich von „Äpfeln mit Birnen“ verhindert werden. Schwieriger, aber im Sinn eines Uses-and-Gratification-Approaches besser, wäre die Berücksichtigung von Indikatoren, die auf den wirtschaftlich-gesellschaftlichen Nutzen der Bibliothek abstellen. Die wenigen Studien, die einem derartigen Ansatz folgen, verwenden quantitative oder qualitative Nutzerbefragungen.

 

Charles McClure und John Carlo Bertot[79] untersuchten durch Nutzerbefragungen Zwecke und spezifische Vorteile der Bibliotheksbenutzung in Pennsylvania (USA). Ein Drittel der Befragten gab an, dank Bibliotheksbenutzung effizienter im Beruf geworden zu sein; von den städtischen Bibliotheksbenutzern nannten 39,7 % diesen Nutzen. 16,8 % der Benutzer in ländlichen Gegenden und 29,3 % in Städten lernten mit Hilfe der Bibliothek about new jobs or other business opportunities. Rund zwei Drittel der Benutzer schöpfen die Bibliothek als Lernressource außerhalb formaler Kurse aus[80]. Auch in Großbritannien wurden empirische Studien unternommen, die die Gratifikationen der Bibliotheksbenutzung aus Nutzersicht feststellten[81].

 

Deutsche Untersuchungen richten ihre Fragestellungen stärker auf in Anspruch genommene Dienstleistungen, wobei meistens sehr konventionell nach benutzten Mediengruppen gefragt wird, weniger nach den gestifteten Nutzen. Man kann sie aber ohne Verrenkungen so interpretieren, dass auch in Deutschland Öffentliche Bibliotheken vor allem einen Nutzen stiften, der mit persönlicher Kompetenzerweiterung zu tun hat; oder jedenfalls sind dies die an die Bibliothek gerichteten Erwartungen.

 

Eine Nutzerbefragung in Brandenburg[82] fand heraus, dass die Benutzer die Bibliothek vor allem als Einrichtung für Medienausleihe und Lernen sehen. Von nachgeordneter Bedeutung ist in ihren Augen die Funktion der Bibliothek als Treffpunkt und Kommunikationsort, während die Mitarbeiter gerade hierin eine nicht zu vernachlässigende Funktion sehen. In dieser Differenz wirkt die Rezeption einer aus den 70er Jahren überlieferten politisch-euphemistischen Rollenzuweisung[83] der Öffentlichen Bibliothek gewissermaßen als der Agora der modernen Stadt nach.

 

Alle Untersuchungen ergeben, dass die Nutzung der Fach- und Sachliteratur im Vordergrund des Interesses steht. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus der Mitte der 90er Jahre richten sich 62 % der Nutzerwünsche auf Fachliteratur, 57 % auf Sachliteratur, 48 % auf Romane (Mehrfachnennungen möglich)[84]. Die Stiftung Lesen[85] kam 1992 zu ganz ähnlichen Ergebnissen: 64 % der Nutzer in den alten Bundesländer, 71 % in den neuen Bundesländern bewerten die Ausleihe von Fachbüchern als wichtig; die Werte für Sachbücher sind 70 bzw. 72 %. Damit kommen diese Angebote im Ranking auf Platz 3 und 4 nach Sich umfassend informieren zu können und Sich beraten zu lassen. Belletristik und Lesesaalnutzung kommen auf Plätze 8 bzw. 12.

 

Spezifischer war eine Befragung der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig in 1995[86]. Danach geben 71,8 % der Benutzer an, dass sie sich mit Medien für Freizeit und Hobbies versorgen wollen, 54,4 % nutzen die Bibliothek mit Blick auf Schule, Studium und Ausbildung, 42,2 % für Fort- und Weiterbildung (Mehrfachnennungen möglich).

9                Vision

Die Öffentliche Bibliothek der Zukunft, verstanden als Ort des lebenslangen selbstgesteuerten Lernens, wird ebenso ein virtueller wie ein realer Ort sein. Als realer Ort liegt eine raumorganisatorische Zusammenfassung mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung nahe. Sie könnte folgendermaßen gestaltet sein.

 

Das gemeinsame Gebäude entfaltet sich als mehrflüglige Anlage um einen überdachten, natürlich belichteten Innenhof, zu dem sich breite Galeriegeschosse öffnen. Diese sind Medienaufstellorte und Angebotsflächen für vernetzte Multimedia-Stationen, Nutzerarbeitsplätze, Leseplätze. Die Galerien führen zu den Lernräumen, die sich entlang der Außenhaut des Gebäudes entwickeln. Die Lernräume werden von Kursgruppen und von individuellen Lernern benutzt. Das Personal vereinigt in sich traditionell bibliothekarische Kompetenzen (Informations- und Medienmanagement) mit Kompetenzen der Erwachsenenbildung und fokussiert beide mit Blick auf Lernberatung. An den Beratungsplätzen kann das Publikum ebenso Auskünfte über individuell geeignete Medien – ggf. nach Durchlaufen eines kurzen Tests zur Feststellung der persönlichen Kompetenzen und des individuellen Lernstils – wie über empfehlenswerte Lernsettings und Kurse bekommen und Kursbelegungen anmelden. Die Frage, ob diese Einrichtung eine Bibliothek oder eine Volkshochschule ist, interessiert weder das Personal noch die Kunden.

10         Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgehalten werden:

 

 

 

 

 

 

 

·        Seit den 90er Jahren setzen die Öffentlichen Bibliotheken zunehmend moderne Managementmethoden ein; die begonnenen Verwaltungsreformen bieten hierfür den Hintergrund: Marketing, Qualitätsmanagement, Kostenrechnung und Budgetierung, vor allem Leistungsmessung und Betriebsvergleich. Insbesondere die Stiftung Bertelsmann hat in zwei Projekten Instrumente des Betriebsvergleichs implementiert. Diese sind freilich nicht geeignet, den Betrieb unter dem Gesichtspunkt eines inhaltlich ausgewiesenen Konzepts, sei es die Profilierung der Bibliothek als Ort selbstgesteuerten Lernens, sei es als virtuelle Informationsvermittlungsstelle, zu steuern. Zukünftig wird es darauf ankommen, solche Indikatoren zu definieren, die die Nutzung der Bibliothek als einer Ressource und einem Ort für das selbstgesteuerte Lernen abbilden.

 

·        Bisher sind es größere und mittlere Bibliotheken, die mehr oder minder intensive Ansätze zur Profilierung als Lernzentrum praktizieren. Bibliotheken unter 25.000 Medieneinheiten mit drei oder weniger Personalstellen sind kaum oder gar nicht beteiligt. Zu erörtern und zu erproben ist die Frage, wieweit das Konzept auch für kleine Bibliotheken mit ihren äußerst begrenzten Etats tragfähig sein kann oder ob vielmehr eine ausgeprägte Arbeitsteilung zwischen Öffentlichen Bibliotheken nach Größenordnungen und Leistungskraft der richtige Weg ist.



[1] http://www.die-frankfurt.de/efil/index.htm.

[2] Jouly (1996), Hannelore: Bibliotheken, Stützpunkte und Atelier für selbstgesteuertes Lernen = www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/jouly1.htm
Auer (1997), Johannes: Bibliothek als Lernort, Stadtbücherei Stuttgart = www.s.shuttle.de/buecherei/druck/auer4.htm
 Auer (1998), Johannes: Vom futuristischen leses@lon zur Bibliothek 21 = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/bibliothekarstag98.htm
Bussmann (1998), Ingrid: Bibliothek 21 - Modell eines modernen Stützpunkts für das selbstgesteuerte lebenslange Lernen = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/bussmann_lernen.htm
Jouly (1999), Hannelore: Begegnung mit dem Unerwarteten = http://www.die-frankfurt.de/zeitschrift/499/Begegnung.htm
Bibliothek 21 in Stuttgart 21, Raumprogramm (1998) = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/b21/b21_rp.htm
Bibliothek 21 FAQ - oft gestellte Fragen (2000) = http://www.stuttgart.de/stadtbuecherei/druck/b21/b21faq.htm
Bussmann (2001), Ingrid: Die Bibliothek als Atelier des innovativen Lernens. In:
Bibliothek in der Wissensgesellschaft. Festschrift für Peter Vodosek. Hrsg. von Askan Blum. München: Saur 2001, S. 186-191. - Bibliotheken und lebenslanges Lernen (2001). Stang, Richard; Puhl, Achim (Hrsg.). Bielefeld: Bertelsmann.

[3] Preugschat (1997), Judith: Eine Spezialbibliothek für alle! Die neue MedienBibliothek der StadtBibliothek Köln. In: BuB 49, S. 316-323.

[4] Thauer (1990), Wolfgang; Vodosek, Peter: Geschichte der Öffentlichen Bücherei in Deutschland. 2. Aufl. Wiesbaden: Harrassowitz.

[5] Schneider (2000), Ronald: Vom Bildungsgut zur Unterhaltungsware. In: BuB 52, S. 342-350 u. 450-459.

[6] Geschichte des Bibliothekswesens in der DDR (1999). Hrsg. von Peter Vodosek und Konrad Marwinski. Wiesbaden: Harrassowitz (Vorträge der ... Jahrestagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Bibliotheksgeschichte ... 9) (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens Bd. 31). - Marwinski (1990), Konrad: Zur Entwicklung und zum Stand des Bibliothekswesens in der DDR. In: Bibliotheksdienst 24, S. 890-899. - Alltag in öffentlichen Bibliotheken der DDR (1998). Hrsg. von Helmut Göhler. Bad Honnef: Bock und Herchen (Bibliothek und Gesellschaft).

[7] Hopfe (1991), Gerhard: Bibliothekswesen “DDR”. In: BuB 43, S. 329-333.

[8] Bibliotheken '93 (1994). Strukturen, Aufgaben, Positionen. Berlin, Göttingen: Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände.

[9] Schneider (1996), Ronald: Der lange Abschied von der Bibliothek für alle. In: BuB 48, S. 759-764 u. 831-838.

[10] Umlauf (1999a), Konrad: Leitbilder als Instrument der Profilierung und kommunalpolitischen Verankerung Öffentlicher Bibliotheken. Inhalt, Funktion. Zielgruppen, Entwicklung, Anforderungen, Motive, Umsetzung. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft. 55) = http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h55/.

[11] Süberkrüb (1976), Hansjörg: Die Aufgabe der öffentlichen Bücherei. In: Die gesellschaftliche Rolle der deutschen Öffentlichen Bibliothek im Wandel 1945-1975 (1976). Hrsg. von Tibor Süle. Berlin: Dt. Bibliotheksverband (AfB-Materialien ; 15) S. 124-134. Der Beitrag wurde zuerst 1966 als Vortrag veröffentlicht.

[12] Die effektive Bibliothek (1992). Endbericht des Projekts "Anwendung und Erprobung einer Marketing-Konzeption für Öffentliche Bibliotheken". Red.: Peter Borchardt. Band 1: Texte; Band 2: Anhänge. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut (Dbi-Materialien 119).

[13] www.slpl.lib.mo.us/using/mission.htm.

[14] Bibliotheken und lebenslanges Lernen (2001). Stang, Richard; Puhl, Achim (Hrsg.). Bielefeld: Bertelsmann.

[15] Puhl (2001), Achim: Lernarrangements und Lernorte – die Bibliothek der Zukunft. In: BuB 53, S. 172-176.

[16] Kreft (1993), Wilhelm: Ladenplanung. Leinfelden-Echterdingen: Koch.

[17] Puhl (2001), Achim: Lernarrangements und Lernorte – die Bibliothek der Zukunft. In: BuB 53, S. 172-176, hier S. 175.

[18] Umlauf (1999h), Konrad: Lernstoff aus dem Internet. (Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft. 64: Materialien zur Fortbildung. 8) = http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h64/.

[19] Umlauf (1993c), Konrad: Öffnungszeiten in Öffentlichen Bibliotheken. Ergebnisse einer Befragung von Bibliotheken zur Bewertung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen und bibliothekspolitischer Optionen. Berlin: Institut für Bibliothekswissenschaft u. Bibliothekarausbildung der Freien Universität Berlin (Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft und Bibliothekarausbildung. 10).

[20] Umlauf (1997d), Konrad: Bestandsaufbau an öffentlichen Bibliotheken. Frankfurt a.M.: Klostermann (Das Bibliothekswesen in Einzeldarstellungen), S. 121.

[21] Bibliotheken '93 (1994). Strukturen, Aufgaben, Positionen. Berlin Göttingen: Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände.

[22] Laut Sommerfeld (1993) machen 62 % der Videobestände in öffentlichen Bibliotheken Spielfilme, Kinder- und Musikvideos aus.

[23] Pirsich (2000), Volker: Ein neues Bibliothekskonzept – auch ohne Baumaßnahme. In: BuB 52, S. 281-287.

[24] Reuther (1999), Wolfgang: Computerbibliothek rundet E-Medien-Angebot ab. In: BuB 51, S. 518.

[25] Brenner (2000), Reinhard: Zum Lesen allein viel zu schade. In: BuB 52, S. 276-280.

[26] Ingwersen (2000), Bernd: Die Internetinitiative der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen. In: BuB 52, S. 351-358.

[27] Beispiel für die Praxis einer Stadtteilbibliothek: Waltemathe-Heinrichs (2000), Gudrun: Neue Angebote in Kiel-Mettenhof. In: BuB (52), S. 517-520.

[28] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei medien@ge! Neue Dresdner Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.

[29] Öffentliche Bibliotheken als Stützpunkte des lebenslangen Lernens in der Informationsgesellschaft (1998). Abschlußbericht. Berlin: Dt. Bibliotheksverband.

[30] BuB 50 (1999), S. 89-90.

[31] Burggraf (1999), Dietrich: Lesen und Lernen unter einem Dach. In: BuB 51, S. 439-442.

[32] Mattekat (1998), Marion: Medienforum Kirchsteigfeld – innovatives Projekt trotz(t) Sparzwang. In: BuB 50, S. 588-589.

[33] Theobald (1999), Hans-Josef: Die neue Hauptstelle der Stadtbibliothek Saarbrücken. In: BuB 51, S. 33-35.

[34] Jahre (1999), Lutz: Umbau und Modernisierung der Stadtbücherei Flensburg. In: BuB 51, S. 190-193.

[35] www.hagen-medien.de.

[36] Kraft (1998), Jürgen: Bibliotheken und Bildstellen im Doppelpack. In: BuB 50, S. 540.

[37] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei medien@ge! Neue Dresdner Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.

[38] http://www.darmstadt.gmd.de/PTF/Veranstaltungen/ILEKS.html.

[39] www.gbv.de/cgi-bin/ileks.pl .

[40] www.dbi-berlin.de/bib_wes/oeb/sammel_1.htm.

[41] www.zlb.de/linksammlungen/index.html.

[42] www.stuttgart.de/stadtbuecherei/lernen/.

[43] www.stadtbuecherei-heidelberg.bib-bw.de.htm.

[44] www.stadtbuecherei.bc.belwue.de./links/index.htm.

[45] home.t-online.de/home/Medienzentrum.OPR/links.htm.

[46] www.hagen-medien.de.

[47] www.rrz.uni-hamburg.de/hoeb/welcome.htm.

[48] http://www.slf.ruhr-uni-bochum.de/email/idxdeu00.html.

[49] www.dbs.schule.de/.

[50] www.zum.de/Schule.html.

[51] bibliotheken info-comp@ct. Neustadt/Weinstr.: Staatliche Büchereistelle Rheinhessen-Pfalz, Heft 1/2001. - http://www.bond-online.de/Infolab.htm.

[52] Lintner (1999), Martina; Raumel, Frank: Internetkurse in der Stadtbücherei Biberach. In: BuB 51, S. 243-244.

[53] Eimeren (2001), Birgit van; Gerhard, Heinz; Frees, Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2001. In: Media Perspektiven 2001, S. 382-397.

[54] Eimeren (2000), Birgit van; Gerhard, Heinz: ARD/ZDF-Online-Studie 2000. In: Media Perspektiven 2000, S. 338-349.

[55] Eimeren (2001), Birgit van; Gerhard, Heinz; Frees, Beate: ARD/ZDF-Online-Studie 2001. In: Media Perspektiven 2001, S. 382-397.

[56] http://www.diw-berlin.de/diwwbd/Inhalt.html.

[57] http://www.deinhard.de/lexikon.html.

[58] www.audio-on-demand.de/.

[59] www.xipolis.net/.

[60] http://encarta.msn.com/.

[61] Stock (1997), Karl F.: Von der Lehrbuchsammlung zum multimedialen Lehrmittelnetzwerk = http://info.uibk.ac.at/sci-org/voeb/vm51-34.html.

[62] Zwei Drittel der Öffentlichen Bibliotheken in den alten Bundesländern verwenden die ASB (Allgemeine Systematik für Öffentliche Bibliotheken). In den neuen Bundesländern wird nahezu ausschließlich die KAB (Klassifikation für Allgemeinbibliotheken) angewendet, die auf Vorläufer aus der DDR zurückgeht und nach der Wende „entideologisiert“ wurde. Beide sind gedruckt erschienen im Deutschen Bibliotheksinstitut, Berlin.

[63] Umlauf (1989), Konrad: Angebotspräsentation und Aufstellungssystematik in der Öffentlichen Bibliothek. In: Das Buch in Praxis und Wissenschaft. Hrsg. von Peter Vodosek. Wiesbaden: Harrassowitz (Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München. Bd. 25), S. 512-540.

[64] Roy (1986), Richard: Classer par centres d’intérêt. In: Bulletin des Bibliothèques de France. 31, S. 224-231.

[65] Rasche (1995), Monika; Glaas, Helga: Jenseits von Marketing? In: BuB 47, S. 134-142 u. 269-278.

[66] BuB 52 (2000), S. 479-480.

[67] Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken (1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 2: Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung, S. 149.

[68] Stein (1999), Anette: Intuitive Kundenführung. In: BuB 51, S. 340-342. - BuB 50 (1998), S. 41-42.

[69] Eisermann (1998), Ralf: Kultur rundum – die Stadtbibliothek Offenburg im Kulturforum. In: BuB 50, S. 275-278.

[70] Hansen (1999), Peter: Bestandspräsentation der Bücherhalle Harburg. In: BuB 51, S. 330-335.

[71] Rabe (2000), Roman: Willkommen bei medien@ge! Neue Dresdner Jugendbibliothek eröffnet. In: BuB 52, S. 599-604.

[72] Boese (1997), Engelbrecht: Roman adé! Kultur adé! – Tabula rasa in Tempelhof. In: BuB, Sonderh. Bibliothekskongreß Dortmund, S. 6-8.

[73] Difu-Bericht 1/1999, S. 4-5.

[74] Schneider (1998), Werner: Ein wichtiger Beitrag zur Zukunftssicherung. In: BuB 50, S. 108-111.

[75] Kranstedt (1999), Dieter: Das Placet der Politik einholen. In: BuB 51, S. 336-339.

[76] Beyersdorff (1974), Günter: Kosten-Leistungs-Analyse in öffentlichen Bibliotheken des Bundesgebietes. Berlin: Arbeitsstelle für das Bibliothekswesen (AfB-Materialien. 10).

[77] Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken (1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 1: Empfehlungen und Arbeitsmaterialien für ein output-orientiertes Berichtswesen. Band 2: Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung. – Öffentliche Bibliotheken im Betriebsvergleich (2000). Büning, Petra (Bearb.) Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung.

[78] http://www.stiftung.bertelsmann.de/projekte/bereiche/index.htm.

[79] McClure (1998), Charles R.; Bertot, John Carlo: Public Library Use in Pennsylvania. Final Report. Harrisburg: Pennsylvania Dept. of Education = www.istweb.syr.edu/~mcclure.

[80] McClure (1998), Charles R.; Bertot, John Carlo: Public Library Use in Pennsylvania. Final Report. Harrisburg: Pennsylvania Dept. of Education = www.istweb.syr.edu/~mcclure, S. 65.

[81] Linley (1998), Rebecca; Usherwood, Bob: New Measures for the New Library. Sheffield: Dept. of Information Studies.

[82] Hobohm (1999), Hans-Christoph: Was Bibliotheken wert sind. In: BuB 51, S. 36-43.

[83] Hohlfeld, Klaus (1973): Die Bibliothek in der menschlichen Stadt. In: Die gesellschaftliche Rolle der deutschen öffentlichen Bibliothek im Wandel 1945-1975 (1976). Hrsg. von Tibor Süle. Berlin: Dt. Bibliotheksverband (AfB-Materialien. 15), S. 189-195.

[84] Betriebsvergleich an Öffentlichen Bibliotheken (1997). Hrsg. von Marga Pöhl und Bettina Windau. Band 2: Meßergebnisse - Richtwerte – Handlungsempfehlungen. Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung, S. 148.

[85] Leseverhalten in Deutschland 1992/93 (1993). Mainz: Stiftung Lesen.

[86] Besucherumfrage in der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig. In: BuB 49, S. 235-238.