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Regeln für den Schlagwortkatalog

Sachschlagwörter Paragraph
Definition § 301
Rechtschreibung § 302
Singular oder Plural § 303
Weibliche Form des Sachschlagworts § 303a
Wiedergabe von Allgemeinbegriffen durch Sachschlagwörter § 304
Lexikalische Form § 305
Homonyme § 306
Individualnamen § 306a
Synonyme § 307
Deutsche oder fremdsprachige Bezeichnung § 308
Allgemeinsprache oder Fachsprache § 309
Veraltete oder aktuelle Bezeichnung § 310
Regional unterschiedlicher Sprachgebrauch § 311
Pleonasmus im Schlagwort § 312
Abkürzungen § 313
Formeln, naturwissenschaftliche und technische Zeichen und Symbole § 314
Quasisynonyme § 315
Verwandte Begriffe: Allgemeines § 316
Verwandte Begriffe: Gleicher Sachverhalt - verschiedene Begriffskategorien § 317
SWD-Datensatz § 318
Das Sachschlagwort in der Grundkette § 321
Verküpfung mehrerer Sachschlagwörter § 322
Pleonasmus in der Schlagwortkette § 324
Permutation § 325

Sachschlagwörter

Definition und Verwendung

Zum Anfang § 301     Definition

Als Sachschlagwörter gelten Bezeichnungen für Allgemeinbegriffe und Individualbegriffe (zu Individualnamen vgl. § 306a). Sachschlagwörter erhalten in der SWD i.d.R. den Indikator s. Titel von Werken erhalten den Indikator t (vgl. §§ 707-708).

Anm.: Allgemeinbegriffe, die zu den Geographika zählen, vgl. § 201,1,d, Zeitschlagwörter vgl. §§ 405, 408-409, Formschlagwörter vgl. §§ 501ff., Individualnamen von Personen vgl. §§ 101ff., geographische/ethnographische Namen vgl. §§ 201ff., historische Einzelereignisse vgl. § 415, Körperschaften vgl. §§ 601ff., Sprachbezeichnungen vgl. § 701.

 

Ansetzung

Zum Anfang § 302     Rechtschreibung

1. Allgemeines

Für die Rechtschreibung gilt § 16, soweit nicht im Folgenden andere Bestimmungen getroffen werden. Gebräuchliche Schreibvarianten werden als Synonyme erfasst (vgl. § 16,2).

Anm.: Das gilt auch für nach der Rechtschreibreform alternativ zugelassene Schreibungen. Ist die bisherige Schreibung eines Schlagworts als Alternative zugelassen, so wird diese als Ansetzungsform beibehalten; die neue Form wird als Synonym erfasst. Nach der Rechtschreibreform allein gültige Schreibungen werden ebenfalls so erfasst, erhalten jedoch als erläuternden Zusatz ‘*RR;’, um eine spätere maschinelle Änderung zu ermöglichen.

Die Schreibweise sollte im Stammwort und in allen Komposita einheitlich sein. Ist dies nicht möglich, muss bei abweichenden Komposita jeweils von der dem Stammwort entsprechenden Schreibung verwiesen werden. Das gilt auch bei Sachschlagwörtern, die von Individualnamen abgeleitet sind.

SW Klipper
BF Clipper

SW Carcinogenität
BF Karzinogenität

SW Cytologie
BF Zytologie

SW Photographie
BF Fotografie

SW Wolhynisches Fieber
BF Wolynisches Fieber

2. Groß- und Kleinschreibung

a) Sachschlagwörter werden i.d.R. mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben. Abweichend davon klein geschrieben werden einzelne Substantive und substantivierte Wörter aus Sprachen, Sprachstufen oder Mundarten mit Kleinschreibung der Substantive, sowie nichtsubstantivische Wörter und Wortteile, die als Gegenstand sprach- oder begriffsgeschichtlicher Untersuchungen angesetzt werden (vgl. § 305,1,c).

SW mâze

SW auctoritas

SW kommen

SW ver

b) In präkombinierten Sachschlagwörtern, also Komposita, Adjektiv-Substantiv-Verbindungen, Schlagwörtern mit Homonymenzusatz und Wortfolgen, wird das erste Wort mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben; für die folgenden Wörter gelten die Rechtschreibregeln der betreffenden Sprache. Bei präkombinierten Bezeichnungen aus deutsch- und fremdsprachigen Bestandteilen gelten die deutschen Rechtschreibregeln.

SW Captatio benevolentiae

SW Lettre de cachet

SW Modern dance

SW A-cappella-Messe

SW Self-consistent field

SW Methode der kleinsten Quadrate

3. Schreibung von Abkürzungen

Die Schreibung von Abkürzungen richtet sich nach den Nachschlagewerken; wenn sie dort nicht nachweisbar sind, werden sie nach der Vorlage geschrieben.

SW ABC-Waffen

SW GmbH

SW Radar

SW Hi-Fi

4. Bindestrich in Komposita

Komposita werden i.d.R. ohne Bindestrich in einem Wort geschrieben. Mit Bindestrich werden jedoch i.d.R. geschrieben

- Komposita mit fremdsprachigen Bestandteilen

SW Park-and-ride-System

SW Break-even-Analyse

SW Maximum-Likelihood-Prinzip

Aber:

SW Campingplatz (nach Duden)

SW Dumpingpreis (nach Duden)

- Komposita, deren Elemente Gegensätzlichkeit bezeichnen

SW Minimum-Maximum-Prinzip

SW Rechts-links-Shunt

SW Ost-West-Konflikt

- Komposita mit unübersichtlichen Aneinanderreihungen, z.B. ein Grundwort mit mehreren Bestimmungswörtern

SW Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

SW Magen-Darm-Kanal

- Komposita, die mit einem Personennamen beginnen

SW Lorentz-Gruppe

SW Geiger-Müller-Zählrohr

Aber:

SW Dieselmotor (gemäß Nachschlagewerk)

Stets mit Bindestrich geschrieben werden Komposita, die Abkürzungen oder einzelne bedeutungstragende Buchstaben enthalten.

SW pk-Wert

SW UKW-Antenne

SW K-Theorie

SW Zungen-R

Bei fremdsprachigen Komposita gelten die Bindestrichregeln der jeweiligen Sprache, wenn nicht nach deutschsprachigen Nachschlagewerken in abweichender Schreibung angesetzt wird. In letzterem Fall wird die Form in der Orthographie der Fremdsprache als Synonym erfasst.

SW Information retrieval

SW Software engineering

SW Calcitonin gene-related peptide

Aber:

SW Sciencefiction (nach Duden)
BF
Science fiction

SW Offshore-Banking (nach Gabler Bank)
BF
Offshore banking

 

Zum Anfang § 303     Singular oder Plural

1. Das Sachschlagwort wird grundsätzlich im Singular angesetzt.

SW Kind

SW Kopfschmerz

SW Ulan

SW Zwilling

SW Lutherische Kirche

Titel: Naturparks in Europa / hrsg. von Eric Duffey. - 1982
SWW Europa ; Naturpark ; Führer

Titel: ¬Die¬ deutschen Kolonien / Karlheinz Graudenz. - 1982
SWW Deutschland ; Kolonie ; Geschichte

2. Folgende Sachschlagwörter werden im Plural angesetzt:

a) Pluraliatantum, Quasipluraliatantum (Bezeichnungen, die nicht oder so gut wie nicht im Singular verwendet werden) sowie Bezeichnungen, die im allgemeinen und fachlichen Sprachgebrauch einheitlich im Plural nachweisbar sind, z.B. weil sie aus einer genau definierten Anzahl von Gegenständen bestehen.

SW Allgemeine Geschäftsbedingungen

SW Arbeitsbedingungen

SW Atemwege

SW Daten

SW Kleine Spiele

SW Musikalien

SW Ressourcen

SW Maxwellsche Gleichungen

SW Jacobi-Polynome

b) Namen der systematischen Botanik und Zoologie, soweit sie zu den systematischen Einheiten Reich bis Tribus gehören (d.h. oberhalb der Gattungen).

SW Rosenpflanzen (Ordnung)

SW Rosengewächse (Familie)

Aber:

SW Rose (Gattung)

SW Heckenrose (Art)

Wenn Gattung, Art und Familie bzw. Unterfamilie gleich benannt sind, werden die Homonymenzusätze <Gattung>, <Familie> bzw. <Unterfamilie> hinzugefügt. Bei den Arten als dem häufigsten Fall entfällt der Homonymenzusatz.

SW Pferde <Familie>

SW Pferd <Gattung>

SW Pferd (Art)

Wird die taxonomische Einheit im Plural angesetzt, dann sind auch die entsprechenden Grundwörter in präkombinierten Schlagwörtern im Plural anzusetzen.

SW Pflanzen

SW Baumschulpflanzen

SW Bedrohte Pflanzen

SW Fische

SW Fossile Fische

SW Aquarienfische

SW Vögel

SW Zugvögel

Aber:

SW Vogelzug (anderes Grundwort)

c) die chemischen und biochemischen Gruppenbezeichnungen, die der internationalen Nomenklatur unterliegen (auch Stoffgruppen, die in Medizin oder Technik benutzt werden), sowie Bezeichnungen von Mineralgruppen.

SW Alkene

SW Lipide

SW Kohlenwasserstoffe

SW Wolframate

SW Decarboxylasen

SW Polymere

SW Interleukine

Dagegen werden Substanzen, die auch außerhalb der Chemie und der Biowissenschaften bzw. in den angewandten Disziplinen gebraucht werden, sowie Gesteine mit dem Singular bezeichnet.

SW Metall

SW Nichteisenmetall

SW Kunststoff

SW Salz

SW Säure

SW Enzym

SW Neuroleptikum

SW Basalt

SW Quarzit

d) die lateinische Nomenklatur der Anatomie, soweit sie im Plural gebräuchlich ist.

SW Arteriae bronchiales

e) Bezeichnungen für Personengruppen (vgl. auch § 101) und Gruppen von historischen Einzelereignissen (vgl. § 415a,3). Zu Gruppen von Texten vgl. § 707; 708,2, zu Länder- und Sprachgruppen vgl. § 201,1,g.

SW s Präraffaeliten

SW p Parzen (vgl. § 101,1)

SW s Kirchenväter

SW s Koalitionskriege

SW s Ostverträge

SW t Apokryphen (vgl. § 708,2)

SW g Entwicklungsländer (vgl. § 201,1,g)

Für die Entscheidung zwischen Singular und Plural ist die Eintragung im „Duden" maßgeblich.

f) zusammenfassende Bezeichnungen für mehrere Wissenschaftsdisziplinen.

SW Geisteswissenschaften

SW Ingenieurwissenschaften

3. Im Singular angesetzt werden auch solche Bezeichnungen, die im allgemeinen Sprachgebrauch überwiegend im Plural verwendet werden, bei denen jedoch auch das Einzelphänomen Gegenstand der Darstellung sein kann.

SW Perle

SW Kardinaltugend

SW Weizenkeim

Aber:

SW Haferflocken
nur als Lebensmittel und nur im Plural gebräuchlich

4. Plural und Singular eines Wortes dürfen i.d.R. nicht nebeneinander als Schlagwort vorkommen, ohne durch einen Homonymenzusatz gekennzeichnet zu sein.

SW Berg

SW Berge <Bergbau>

Aber:

SW Alkohol

SW Alkohole (chemische Nomenklatur, Gruppe von Stoffen)

SW Stand

SW Stände (ständische Volksvertretung)

5. In allen Ausnahme- und Zweifelsfällen wird von der nicht gewählten Form verwiesen.

SW Metallseife
BF Metallseifen

SW Sozialwissenschaften
BF Sozialwissenschaft

SW Hamilton-Gleichungen
BF Hamilton-Gleichung

SW Logograph
BF Logographen

 

Zum Anfang § 303a     Weibliche Form des Sachschlagworts

1. Zur Bezeichnung weiblicher Personengruppen wird i.d.R. ein Wort mit femininer Endung (z.B. ‘-in’) oder ein Kompositum mit ‘-frau’ gewählt.

SW Lehrerin

SW Schülerin

SW Türkin (vgl. § 212a,5)

SW Souffleuse

SW Hotelfachfrau

2. Wenn das Femininum mit dem Plural verwechselt werden kann oder keine Femininform existiert, wird die Umschreibung mit ‘weiblich’ angesetzt.

SW Weibliche Abgeordnete

SW Weibliches Mitglied

3. Die männliche und weibliche Form eines Schlagworts werden immer durch eine assoziative Verweisung verbunden.

SW Ausreißerin
VB Ausreißer

SW Molkereifachfrau
VB Molkereifachmann

SW Angestellter
VB Weibliche Angestellte

4. Zur Verwendung der weiblichen Bezeichnungen bei zusammenfassender Darstellung weiblicher und männlicher Personen vgl. § 316,4.

 

Zum Anfang § 304     Wiedergabe von Allgemeinbegriffen durch Sachschlagwörter

1. Grundlagen

a) Es gilt das Prinzip der Gebräuchlichkeit (vgl. § 9,3), eingeschränkt durch Normierungen und andere Festlegungen, die, dem Prinzip der syntaktischen Indexierung folgend, die Wiedergabe von Begriffen durch mehrere in einer Kette verknüpfte Schlagwörter erlauben, u.a. um so der postkoordinierenden Suche in Online-Katalogen zu entsprechen und die Voraussehbarkeit der einzelnen Schlagwörter zu erhöhen.

b) Gemäß §§ 4, 8 und 10 kann ein Begriff wiedergegeben werden

- durch ein einzelnes Schlagwort, das aus einem Lexem oder einer Kombination mehrerer Lexeme (präkombiniertes Schlagwort) bestehen kann,

- durch ein mehrgliedriges Schlagwort (beim Sachschlagwort nur im Bereich der Individualbegriffe),

- durch eine Verknüpfung mehrerer Schlagwörter, die zusammen den Begriffsinhalt präzise und möglichst unmissverständlich ausdrücken.

c) Bestehen Zweifel, ob bestimmte präkombinierte Bezeichnungen gebräuchlich oder für Erschließung und Retrieval praktikabel sind, so wird für Einzelbegriffe oder ganze Begriffskomplexe in SWD bzw. „Praxisregeln" festgelegt, ob und wie Schlagwörter angesetzt bzw. verknüpft werden. Die Fachterminologie in Natur-, Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften erfordert hierbei ein differenziertes Vorgehen. Es ist darauf zu achten, dass Festlegungen, die für bestimmte Bereiche sinnvoll sind, nicht in die gebräuchliche Terminologie anderer Disziplinen eingreifen.

d) In einem der Gebräuchlichkeit folgenden, multidisziplinär aufgebauten Vokabular ist es unvermeidlich, dass Normierungen nicht immer konsequent über den gesamten Wortschatz gelten können und präkombinierte Schlagwörter und zerlegte Begriffe nebeneinander vorkommen.

Anm.: Da bestimmte Regelungen erst sukzessive eingeführt wurden, müssen auch Inkonsequenzen in Kauf genommen werden, weil Änderungen nicht immer vollständig im vorhandenen Vokabular umgesetzt werden können.

2. Auswahl der Schlagwörter für neue Begriffsinhalte

a) Zunächst muss geprüft werden, ob es zur Wiedergabe des Begriffs eine gebräuchliche Bezeichnung gibt; hierbei wird nach § 9 verfahren. Für den Nachweis einer Bezeichnung in den Nachschlagewerken ist i.d.R. ein eigener Eintrag oder eine Hervorhebung innerhalb eines Lexikonartikels erforderlich. Bloße Erwähnung im laufenden Text genügt nur in Ausnahmefällen als alleiniger Nachweis, kann aber als zusätzliche Quelle zur Erläuterung in der SWD herangezogen werden. Gebräuchliche und treffende Bezeichnungen werden i.d.R. als Schlagwort gewählt.

b) Ist keine gebräuchliche Bezeichnung nachweisbar oder ist eine nachgewiesene Bezeichnung nicht praktikabel, nicht in die vorhandene Terminologie einzupassen oder soll sie aufgrund bestehender Regelungen nicht angesetzt werden, so wird der neue Begriff gemäß § 8,5 durch eine Verknüpfung vorhandener Schlagwörter wiedergegeben (vgl. § 304,3).

c) Ist weder eine gebräuchliche Bezeichnung nachweisbar noch eine sinnvolle Verknüpfung möglich, so wird gemäß § 9,3 eine treffende Bezeichnung dem vorliegenden Dokument entnommen bzw. analog zu vorhandenen Schlagwörtern gemäß den Regeln modifiziert.

d) Mit Rücksicht auf die Homogenität der in der SWD vorhandenen Terminologie sind auch analoge Ansetzungen erlaubt. Die Fälle, in denen damit vom Prinzip der Orientierung an Nachschlagewerken abgewichen wird, sind in der SWD und in den „Praxisregeln" festgelegt. Dies erlaubt

- die Zulassung analog gebildeter präkombinierter Schlagwörter durch Regelungen für geschlossene Begriffskomplexe oder aber für einzelne Begriffe, die i.d.R. als letzter Bestandteil (Grundwort) von Komposita bzw. als Substantiv, dem Adjektive vorangestellt werden, vorkommen.

SW Erdölmarkt
Q analog Verwendungshinweis bei Markt

SW Papierherstellung
Q analog Verwendungshinweis bei Herstellung ; Lueger

SW Herstellung
H Mit dem jeweiligen Gut wird i.d.R. ein Kompositum gebildet.

SW Katholische Zeitung

- die Zerlegung nachgewiesener Komposita, um Einheitlichkeit innerhalb eines Komplexes analoger Fälle zu erreichen (z.B. in Naturwissenschaften und Technik, wo Bezeichnungen für Materialien und Stoffe beteiligt sind). In diesen Fällen wird i.d.R. der Sucheinstieg vom Kompositum als Hinweissatz in der SWD verankert, wenn die nicht als Schlagwort gewählte präkombinierte Form in einem Nachschlagewerk nachgewiesen ist.

SWW Verbundträger ; Stahl
Hinweissatz, gekennzeichnet in MAB Feld 023
BF Stahlverbundträger

SWW Eisen ; Schwefel ; Bor ; Clusterverbindungen
nicht: Bor-Eisen-Schwefel-Cluster

- die Begrenzung analoger Präkombination durch Einzelfallregelungen in der SWD, indem wenige zugelassene präkombinierte Schlagwörter mit engeren Bezeichnungen verknüpft werden.

SWW Katholisches Krankenhaus ; Kinderkrankenhaus
nicht: Katholisches Kinderkrankenhaus

SWW Plastik ; Christliche Kunst
nicht: Christliche Plastik

SWW Fische ; Bedrohte Tiere
nicht: Bedrohte Fische

SWW Kohlenwasserstoffe ; Flüchtiger Stoff
nicht: Flüchtige Kohlenwasserstoffe

SWW Wintergerste ; Gerstensorte
nicht: Wintergerstensorte

3. Wiedergabe von Allgemeinbegriffen durch Verknüpfung von Sachschlagwörtern (Begriffszerlegung)

Abgesehen von den grundsätzlichen Voraussetzungen (vgl. § 304,1 und 2) wird eine Verknüpfung mehrerer Schlagwörter zur Wiedergabe eines Begriffs bevorzugt,

- wenn es keine gebräuchliche Bezeichnung als Einzelschlagwort gibt,

SWW Analysis ; Mathematikunterricht
nicht: Analysisunterricht

- wenn nur eine extrem lange präkombinierte Form möglich wäre (vgl. § 305,2,b),

SWW Kindergarten ; Bedarfsplanung
nicht: Kindergartenbedarfsplanung

- wenn trotz Nachweis einzelner präkombinierter Bezeichnungen die Wiedergabe als Schlagwortkette unter Berücksichtigung analoger Fälle deutlich bessere, mit den vorhandenen Katalogdaten konsistente Sucheinstiege bietet.

SWW Metallischer Werkstoff ; Korrosion

SWW Beton ; Korrosion

nicht: Metallkorrosion, Betonkorrosion, da auch verknüpft wird: Amalgam ; Korrosion, usw.

4. Grenzen der Begriffszerlegung

Abgesehen von den grundsätzlichen Voraussetzungen (vgl.  § 304,1und 2) ist die Verknüpfung mehrerer Schlagwörter zur Wiedergabe eines Begriffs jedoch nur dann möglich, wenn alle einzelnen Elemente nach den Regeln angesetzt sind und zusammen den Begriffsinhalt adäquat und möglichst unmissverständlich ausdrücken. In folgenden Fällen kann daher eine präkombinierte Bezeichnung nicht durch eine Schlagwortkette ersetzt werden:

- Eine nur morphologische, aber semantisch falsche Zerlegung unterbleibt, wenn ein Bestandteil für sich allein eine andere Bedeutung hat.

SW Computervirus
Computer ; Viren wäre semantisch falsch.

SW Kraftfahrzeugbeleuchtung
SW Beleuchtung wird i.d.R. für Räume benutzt, wäre in Verknüpfung mit SW Kraftfahrzeug irreführend.

SW Publikumszeitschrift
Publikum ; Zeitschrift wäre semantisch falsch.

SW Materialfluss
nicht zerlegbar in Material ; Fluss, da das SW Fluss eine andere Bedeutung hat.

- Eine Zerlegung in nicht aussagekräftige Bezeichnungen oder Allgemeinwörter ohne selbständigen Suchwert bzw. ohne Nähe zum dargestellten Begriff unterbleibt.

SW Informationssystem
SW System ist zu allgemein.

- Eine Zerlegung unterbleibt, wenn die mögliche Schlagwortkette auch eine andere Bedeutung ergeben kann und für die Erschließung von Dokumenten mit anderen Sachverhalten benötigt wird (vgl. § 305,2,e).

SW Kinderkrankheit
nicht zerlegbar in SWW Kind ; Krankheit

SW Glücksspiel
Benutzt für Spiele, die durch Zufall bzw. Glück entschieden werden; SWW Glück ; Spiel wären zu verknüpfen für „Glück im Spiel".

SW Kanadaforschung
Die SWW Kanada ; Forschung wären zu verknüpfen für ‘Forschung in Kanada’

- Die Zahl der zu verknüpfenden Schlagwörter für einen Begriff sollte nur ausnahmsweise mehr als zwei betragen (vgl. auch § 305,2,b).

SWW Arzneimittel ; Versicherungsleistung ; Festbetrag
nicht: Arzneimittelfestbetrag

5. Synonymie-Verweisungen bei präkombinierten Schlagwörtern

Wird eine präkombinierte Form Schlagwort, so werden semantisch äquivalente Verknüpfungen mehrerer Schlagwörter als Synonyme erfasst. Dabei werden die gleichen spezifischen Bezeichnungen verwendet, die gemäß § 324 für eine Schlagwortkette zu wählen wären. Auch die Verknüpfung mit dem als Ergebnis einer morphologischen Zerlegung ermittelten Oberbegriff, der auch als Sucheinstieg zu erwarten ist, wird erfasst, wenn sie semantisch äquivalent ist.

SW Spirituosenhandel
BF Spirituosen / Getränkehandel
       Spirituosen / Handel
OB Getränkehandel

SW Ärztlicher Kunstfehler
BF Arzt / Kunstfehler
       Ärztliche Behandlung / Fehler

SW Drittmittelforschung
BF Drittmittel / Forschung
OB Forschung

 

Zum Anfang § 305     Lexikalische Form

1. Das Sachschlagwort kann aus allen einfachen Wörtern bestehen.

a) einfache Substantive, substantivierte Verben und substantivierte Adjektive der deutschen Sprache

SW Philosophie

SW Hepatitis

SW Gesellschaft

SW Hund

SW Beamter

Substantivierte Verben werden nur benutzt, soweit es kein eindeutiges entsprechendes Substantiv gibt oder es sich um fachsprachlich gebräuchliche Termini handelt bzw. die Bezeichnung für einen Vorgang von der Bezeichnung für ein Ergebnis unterschieden werden soll.

SW Lesen

SW Lernen

SW Löten

SW Sticken

SW Stickerei

SW Umformen (nach DIN)
BF
Umformung

Substantivierte Adjektive werden mit bestimmtem Artikel angesetzt, der als Suchwort übergangen wird.

SW ¬Das¬ Gute

SW ¬Das¬ Heilige

Substantivische Verbaladjektive und Partizipien werden ohne bestimmten Artikel angesetzt.

SW Ungeborenes

b) Zahlwörter (vgl. § 17)

Wenn Zahlwörter selbst Gegenstand einer Untersuchung sind oder mit einem Sachschlagwort eine feste Verbindung bilden, werden sie in aufgelöster Form angesetzt.

SW Fünf
z.B. SWW Fünf ; Märchen

SW Drei Könige

SW Zweiter Bildungsweg

SW Sieben Weltwunder

Ziffern, die lediglich der Zählung gleichartiger Sachschlagwörter dienen, werden mit Spatium nachgestellt. (Vgl. § 17,2,d; zu Ziffern in Formeln vgl. § 314, in Eigennamen von Produkten vgl. § 306a,3.)

SW Sekundarstufe 2

SW Homotopiegruppe 2

SW Satz 4

c) Buchstaben, Morpheme und Wörter als Gegenstand linguistischer Untersuchungen

Schlagwörter dieses Typs bezeichnen weder Allgemein- noch Individualbegriffe, sondern innersprachliche Phänomene. Alle Wortarten, Wortgruppen, Morpheme und Lautzeichen aus allen Sprachen, Sprachgruppen, Sprachstufen und Mundarten können als Sachschlagwörter angesetzt werden, wenn sie Gegenstand linguistischer Untersuchungen sind. Dabei treten die Sprachbezeichnung und die Bezeichnung für die genaue Wort- bzw. Morphemart bzw. Schlagwörter wie ‘Wortfeld’ oder ‘Wortfamilie’, bei Lauten die Schlagwörter ‘Phonetik’ bzw. ‘Phonologie’, in der Kette hinzu.

SW geniezen
SWW Mittelhochdeutsch ; Verb ; geniezen

SW heit
SWW Deutsch ; Suffix ; heit

SW telos
SWW Griechisch ; Wortfamilie ; telos

Statt substantivierter Formen werden die ursprünglichen Wortarten verwendet. Anstelle substantivischer Fremdwörter des Neuhochdeutschen werden die originalsprachigen Bezeichnungen benutzt.

SW causa <Wort>
SWW Latein ; Substantiv ; causa <Wort>

daneben:

SW Causa

Bindestriche entfallen bei der Ansetzung, sofern sie keine Laute repräsentieren; Asterisken entfallen stets. Alle anderen diakritischen Zeichen und Akzente werden jedoch angesetzt.

SW be
SWW Deutsch ; Präfix ; be
SWW Englisch ; Hilfsverb ; be

SW š m
SWW Hebräisch ; Wortstamm ; š m

Bei Homonymie zu Individualnamen und Allgemeinbegriffen erhalten aus Buchstabenfolgen bestehende Wörter immer den Homomymenzusatz <Wort>, Wortelemente den Homonymenzusatz <Morphem> und Laute den Homonymenzusatz <Phonem>. Als Homonyme gelten dabei auch Bezeichnungen, die sich nur in der Schreibweise (auch Groß-/ Kleinschreibung) oder in diakritischen Zeichen unterscheiden. Wörter und Allgemeinbegriffe mit gleicher Etymologie werden jedoch nicht unterschieden.

SW gotisch <Wort>
daneben:
SW
Gotisch

SW tor <Morphem>
daneben:
SW Tor

SW ei <Phonem>
daneben:
SW Ei

Aber:

SW Eifersucht
SWW Deutsch ; Substantiv ; Eifersucht

Einzelbuchstaben bleiben ohne Homonymenzusatz, auch wenn sie unterschiedliche Formen mit diakritischen Zeichen repräsentieren. Identische Buchstabenfolgen und Einzelbuchstaben werden nur einmal angesetzt und durch den Kontext in der Schlagwortkette identifiziert.

SW s

SWW Russisch ; Präposition ; s

SWW Polnisch ; Phonetik ; s

Bei Wortfeld- und Begriffsuntersuchungen wird das Archilexem (die Bezeichnung, die das Wortfeld oder den Begriff repräsentiert) bevorzugt in deutscher Sprache angegeben.

SWW Griechisch ; Wortfeld ; Schicksal

2. Sachschlagwörter können außerdem präkombinierte Bezeichnungen sein, nämlich

- Komposita

SW Musikerziehung

SW Hochtemperatursupraleiter

SW Bundestagswahl

SW Bayes-Verfahren

- Adjektiv-Substantiv-Verbindungen

Die invertierte Form wird weder als Ansetzungs- noch als Verweisungsform erfasst.

SW Medizinische Ethik
nicht: Ethik, medizinische

SW Partielle Differentialgleichung
nicht: Differentialgleichung, partielle

- Schlagwörter mit Homonymenzusatz (vgl. §§ 306; 705)

SW Knoten <Mathematik>

SW Fibel <Gewandnadel>

- Wortfolgen

SW Diktatur des Proletariats

SW Kauf auf Probe

a) Finden sich mehrere gebräuchliche Bezeichnungen für den gleichen Begriff in unterschiedlicher Form, so gilt folgende Vorzugsreihenfolge:

1. Kompositum,

2. Adjektiv-Substantiv-Verbindung,

3. Schlagwort mit Homonymenzusatz,

4. Wortfolge.

Die ermittelten Formen, die nicht Schlagwort werden, sind als Synonyme zu erfassen.

SW Mischverfassung
BF Gemischte Verfassung

SW Interessenverband
BF Verband <Politik>

SW Sprachliche Universalien
BF Universalien <Linguistik>

b) Präkombinierte Schlagwörter aus drei und mehr bedeutungstragenden Lexemen sollen nach Möglichkeit nur angesetzt werden, wenn sie in Nachschlagewerken nachgewiesen und nicht sinnvoll zerlegbar sind oder wenn nur diese Formen dem juristischen, offiziellen oder fachlichen Sprachgebrauch entsprechen.

SW Lineare partielle Differentialgleichung

SW Öffentlicher Personennahverkehr

SW Kostenträgererfolgsrechnung

c) Verkürzte Komposita werden in zwei voneinander getrennte Bezeichnungen aufgelöst, sofern jeder Bestandteil bei gleicher Bedeutung für sich stehen kann.

Inhalt: Land- und Forstwirtschaft
SW Landwirtschaft
SW Forstwirtschaft

Titel: Kinder- und Jugendliteratur / Juliane Eckhardt. - 1987
SW Kinderliteratur
SW Jugendliteratur

Aber:

SW Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

SW Industrie- und Handelskammer

SW Wirtschafts- und Rechtslehre

d) Präkombinierte Bezeichnungen, deren erster Teil ein Personenname ist, werden als Sachschlagwörter angesetzt, wenn sie in den Nachschlagewerken nachgewiesen sind. Sie sind z.B. in der Mathematik und anderen exakten Wissenschaften teils als Kompositum, teils als Adjektiv-Substantiv-Verbindung gebräuchlich. Hier wird i.d.R. das Kompositum bevorzugt, im Einzelfall auch gegen die Nachschlagewerke. Soweit möglich wird innerhalb eines Namens einheitlich verfahren.

SW s Marienverehrung
Komposita aus Name und ‘-verehrung’ werden jedoch nicht analog gebildet.

SW s Galois-Darstellung
BF s Galoissche Darstellung

SW s Hopf-Verzweigung
BF s Hopfsche Verzweigung

Aber:

SW s Noetherscher Ring

SW s Vernersches Gesetz

Werden Personennamen aus Sprachen mit nichtlateinischer Schrift Bestandteil präkombinierter Sachschlagwörter für Allgemeinbegriffe, so werden sie i.d.R. nach §§ 109 und 110 angesetzt.

SW s Markov-Kette
BF s Markovsche Kette

SW s Cebyšev-Ungleichung
BF s Tschebyschow-Ungleichung
       s Cebyševsche Ungleichung
       s Tschebyschowsche Ungleichung

Bei Sachschlagwörtern, die mit einem Personennamen präkombiniert oder von ihm abgeleitet sind, kann das Personenschlagwort als verwandter Begriff erfasst werden (vgl. § 12,5,e).

SW s George-Kreis
VB p George, Stefan

SW s Hegelianismus
VB p Hegel, Georg Wilhelm Friedrich

Schulen einzelner Künstler oder Wissenschaftler werden, wenn sie nicht als feste Verbindungen nachzuweisen sind, durch Verknüpfung des Personennamens mit Schlagwörtern wie ‘Künstlerschule’, ‘Wissenschaftliche Schule’ oder ‘Umkreis’ wiedergegeben.

SW s George-Kreis

SWW p Raffaello <Sanzio> ; s Künstlerschule

e) Präkombinierte Bezeichnungen aus Sach- und geographischem/ethnographischem Schlagwort werden, teilweise abweichend von den Nachschlagewerken, nur angesetzt

- bei Individualnamen (vgl. § 306a)

SW s Meißener Porzellan

SW s Chicago-Schule <Architektur>

- als Adjektiv-Substantiv-Verbindungen zur Bezeichnung von Volksgruppen im Ausland nach einer abgeschlossenen Liste von Substantiven, denen ein die ethnische Herkunft bzw. Nationalität bezeichnendes Adjektiv vorangestellt wird (vgl. § 212a,5):

Arbeitnehmer Junge
Ehefrau Kind und die Unterbegriffe wie Kleinkind, Vorschulkind, Säugling
Ehemann Kriegsgefangener
Einwanderer Lehrer
Eltern Mädchen
Familie Schüler
Flüchtling Soldat
Internierter Student
Jugendlicher Urlauber

sowie ggf. die weiblichen Formen.

SW s Türkischer Schüler

SW s Deutscher Urlauber

SW s Italienischer Jugendlicher
nicht: Italienische Jugend

Alle übrigen Bezeichnungen für Personen- und Berufsgruppen werden mit dem ethnographischen Schlagwort verknüpft.

SWW g USA ; s Schauspielerin ; g Deutsche

- wenn der Begriff durch die Verknüpfung von geographischem/ethnographischem Schlagwort und Sachschlagwort nicht semantisch äquivalent ausgedrückt werden kann (vgl. § 304,4).

SW s Frankreichbild

SW s Südostasienwissenschaften

SW s Römisches Recht

SW s Chinaseide

SW s Tropische Pflanzen
in den Tropen beheimatete Pflanzen

SW s Frankfurter Würstchen

SW s Chinesische Medizin
nur für die traditionelle Medizin chinesischen Ursprungs, die weltweit angewandt wird

SW s Judenverfolgung

Aber:

SWW Sowjetunion ; Außenpolitik ; Asien
nicht: Asienpolitik

SWW Rhein ; Binnenschifffahrt
nicht: Rheinschifffahrt

SWW Venedig ; Handel ; Levante
nicht: Levantehandel

f) Präkombinierte Bezeichnungen aus Sachschlagwort und Namen von Körperschaften werden nur in Ausnahmefällen gebildet.

SW Bundestagswahl

g) Sehr gebräuchliche präkombinierte Schlagwörter können auch dann gebildet werden, wenn der eine Bestandteil auch als Formschlagwort dient. I.d.R. wird jedoch in solchen Fällen ebenso verknüpft, wie dies zwischen Sach- und Formschlagwort geschieht. Als Formschlagwort sind präkombinierte Begriffe nur zulässig, soweit sie in Anl. 6 enthalten sind (vgl. § 502).

SW s Theaterzeitschrift
daneben:
SWW
s Theater ; f Zeitschrift

SW s Wirtschaftsstatistik
daneben:
SWW s Wirtschaft ; f Statistik

Aber:

SWW s Fremdwort ; s Wörterbuch
Hinweissatz, gekennzeichnet in MAB Feld 023
BF Fremdwörterbuch
daneben für vorliegende Wörterbücher:
SWW
s Fremdwort ; f Wörterbuch

SWW s Boden ; s Karte
Hinweissatz, gekennzeichnet in MAB Feld 023
BF Bodenkarte
daneben für vorliegende Karten:
SWW
s Boden ; f Karte

 

Zum Anfang § 306     Homonyme

1. Gleich lautende Sachschlagwörter (Homonyme, vgl. § 10) können sowohl Wörter verschiedenen Ursprungs sein, z.B. Ball (= Spielball) und Ball (= Tanzfest) als auch Wörter mit ursprünglich gleichem Bedeutungsinhalt, die in verschiedenen Sachgebieten unterschiedliche Bedeutungskomponenten entwickelt haben (Polyseme), z.B. Knie (= Teil des Beines) und Knie (= Teil eines Abflussrohres).

2. In manchen Fällen ist eine klare Unterscheidung von Homonym und Polysem nur mit Hilfe der historischen Linguistik möglich. Entscheidend für die Ansetzung ist daher der derzeitige Sprachgebrauch, wie er sich vor allem in der Bedeutungsdifferenzierung der Nachschlagewerke ausdrückt. Zum Zweck der Selektion, besonders in Online-Katalogen, ist es sinnvoll, ohne Rücksicht auf sprachhistorische Gegebenheiten Bedeutungsunterschiede zu kennzeichnen. Im Folgenden wird für gleich lautende Wörter mit mehreren Bedeutungen unterschiedslos die Bezeichnung Homonym verwendet.

3. Homonyme werden durch einen Homonymenzusatz in substantivischer, nicht abgekürzter Form unterschieden. Der Homonymenzusatz gibt i.d.R. das betreffende Fachgebiet an, muss aber so spezifisch gewählt werden, dass Verwechslungen mit anderen Homonymen ausgeschlossen sind.

SW Entlastung <Psychologie>
SW Entlastung <Recht>
SW Entlastung <Technik>
SW Entlastung <Raumplanung>

SW Immunität <Medizin>
SW Immunität <Recht>

SW Versetzung <Arbeitsrecht>
SW Versetzung <Beamtenrecht>
SW Versetzung <Kristallographie>
SW Versetzung <Pädagogik>

4. Bei Individualnamen besteht der Homonymenzusatz aus einem einschlägigen Sachschlagwort.

SW Venus (für die Göttin)
SW
Venus <Planet>
SW Venus <Raumsonde>

SW Lektor <Hochschule>
SW Lektor <Liturgie>
SW Lektor <Verlag>
SW LEKTOR <Programmiersprache>

5. Repräsentiert eines der Homonyme die Grundbedeutung bzw. ist es sehr viel gebräuchlicher als die anderen oder ist wesentlich mehr Literatur zu diesem Thema zu erwarten, so kann hier der Homonymenzusatz entfallen.

SW Admiral
SW Admiral <Schmetterling>

SW Gesellschaft
SW Gesellschaft <Recht>

SW Olive
SW Olive <Anatomie>

SW Jugend
SW Jugend <Zeitschrift, München, 1896-1940>

Sind Zweifel möglich, ob eines der Homonyme weit gebräuchlicher ist, so erhält auch dieses einen Homonymenzusatz.

SW Projektion <Mathematik>
SW Projektion <Optik>
SW Projektion <Linguistik>
SW Projektion <Psychologie>

Werden mit Homonymenzusatz versehene Bezeichnungen Bestandteil präkombinierter Schlagwörter, so entfällt der Homonymenzusatz.

SW Schale <Gefäß>
SW Holzschale

SW Immunität <Recht>
SW Staatenimmunität

6. Homonyme sollen vermieden werden, wenn sie durch gebräuchliche Synonyme, i.d.R. in Form präkombinierter Schlagwörter, ersetzt werden können.

SW Zensur
SW Zensur <Pädagogik> BS Notengebung

SW Karte
SW Karte <Spiel> BS Spielkarte

SW Klasse <Pädagogik> BS Schulklasse
SW Klasse <Soziologie> BS Soziale Klasse

7. Bedeutungsunterschiede einer Bezeichnung je nach ihrer Verwendung in verschiedenen Fachsprachen oder in Allgemein- und Fachsprache können zwar für die Suche relevant sein, werden aber nicht immer durch Homonymenzusätze ausgedrückt, da sich sonst zahllose Varianten ergäben. Dies gilt besonders dann, wenn die ursprüngliche Bedeutung sich nicht grundlegend geändert hat oder der Bedeutungsunterschied so gering ist, dass er beim Sucheinstieg nicht zu falschen Ergebnissen führen kann. Die Eindeutigkeit der Bedeutung wird durch die Schlagwortkette hergestellt. In Online-Katalogen ist auch der Einsatz einer Klassifikation zur Trennung verschiedener Anwendungsgebiete möglich.

SWW Präferenz ; Außenhandel
SWW Musikhören ; Präferenz
SWW Präferenz ; Nachfragetheorie
SWW Präferenz ; Konversationsanalyse

SWW Kanon ; Literatur
SWW Kanon ; Neues Testament
SWW Kanon ; Konfuzianismus

Aber:

SW Kanon <Musik>
SW Kanon <Hymnodie>

SWW Utopie ; Literatur
SWW Utopie ; Philosophie
SWW Utopie ; Kunst

In Zweifels- und Problemfällen, besonders wenn aufgrund großer Treffermengen Unübersichtlichkeit auch in der Anzeige von Schlagwortketten zu erwarten ist, sollten grundsätzlich Homonymenzusätze vergeben werden, um wichtige Bedeutungsvarianten auszugliedern, rascher erkennbar und zur Selektion relevanter Dokumente verwertbar zu machen, jedoch nur dann, wenn das Schlagwort kein unspezifisches Allgemeinwort, sondern eine fachsprachliche Bezeichnung ist.

SW Morphologie (für die allgemeine Gestaltlehre)
SW
Morphologie <Linguistik>
SW Morphologie <Biologie>

SW Harmonie
H Verknüpfe mit Anwendungsgebiet
SW Harmonie <Musik>

SW Montage (für die Technik)
SW
Montage <Künste>
SWW Montage <Künste> ; Literatur
SWW Montage <Künste> ; Film

8. Individualnamen in Form von Kunstwörtern oder Abkürzungen erhalten immer einen Homonymenzusatz, wenn sie sinntragenden Wörtern der gesprochenen Sprache (auch aus dem Englischen, Französischen oder Italienischen) bzw. gebräuchlichen Namen entsprechen.

SW SUPERVISOR <Expertensystem>
daneben:
SW
Supervisor

SW WORD <Programm>
daneben denkbar:
SW
word (für das englische ‘Wort’)

SW GISELA <Datenbanksystem>

9. Homonymenzusätze dienen nicht der Erläuterung von Schlagwörtern, die, obwohl fachsprachlich eindeutig, alltagssprachlich missverständlich sein können. Solche Schlagwörter werden durch Definitionen bzw. Verwendungshinweise eindeutig gemacht.

SW Gemischtwirtschaftliche Betriebsweise
D Nur für die Landwirtschaft
kein Homonymenzusatz <Landwirtschaft>

 

Zum Anfang § 306a     Individualnamen

1. Individualnamen, die weder Personennamen noch geographische/ethnographische Namen, Sprachbezeichnungen oder Körperschaftsnamen sind, werden als Sachschlagwörter behandelt.

Anm.: Zu historischen Einzelereignissen vgl. § 415; zu Werktiteln mit Indikator t vgl. § 708.

2. Individualnamen werden wie andere Eigennamen angesetzt, wenn sie den Gegenstand präzise beschreiben. Eine begriffliche Zerlegung in Allgemeinbegriffe ist i.d.R. ohne Verlust an Spezifität nicht möglich. Individualnamen sind z.B. alle Produktbezeichnungen, Namen von Auszeichnungen wie Preise und Ehrenzeichen, Wettbewerbe, Projekte, Forschungs- und Förderungsprogramme sowie die Namen politischer, künstlerischer u.a. Bewegungen, Geheimbünde, Sekten, Kasten, Künstler- und Schriftstellergruppen, soweit sie nicht Körperschaften im Sinn des Regelwerks, aber von solchen schwer abgrenzbar sind (vgl. aber § 306a,10).

3. Produkte werden mit ihrem Individualnamen (Produkt- oder Typenbezeichnung) angesetzt. Als Individualname gilt auch eine Kombination einzelner Buchstaben und Ziffern. (Zur Ansetzung von Ziffern vgl. § 17,2,c.) Der Marken- oder Firmenname mit der Typenbezeichnung als Zusatz kann als Synonym erfasst werden.

SW Fieseler-Storch

SW Boeing 737

SW Ju 88
BF Junkers Ju 88

Im Produktnamen kann eine andere Form des Firmennamens auftreten als im Schlagwort für die Firma selbst.

SW CDC 6600

SW Control Data Corporation
BF CDC

Software- und Hardwareprodukte werden je nach offizieller Namensform groß oder klein geschrieben, im Zweifelsfall in Großbuchstaben.

SW WORD <Programm>
BF Microsoft WORD
       MS-WORD

Verschiedene Versionen von Programmen werden entsprechend offizieller Zählung unterschieden. Die Grundform wird verwendet, wenn das Dokument sich auf mehrere oder alle Versionen bezieht.

SW WORD 5.0
BF WORD <Programm> 5.0
Der Homonymenzusatz entfällt in der Ansetzungsform, da keine Verwechslungsgefahr besteht.

Hard- oder Software, die von mehreren Firmen unter verschiedenen Namen vertrieben wird, kann auf eine Form vereinheitlicht werden, wenn es sich um identische Produkte handelt.

SW Mikroprozessor 68000
BF MC 68000

Anm.: Datenbanken, Textkorpora und andere überwiegend aus gespeicherten Textdaten bestehende Produkte erhalten den Indikator t (vgl. § 708).

4. Gruppen von Produkten einer Firma können als Individualname (präkombiniertes Schlagwort aus Firmenname und Allgemeinbegriff) angesetzt werden, wenn der Name zu einem Stilbegriff geworden und in Nachschlagewerken so nachzuweisen ist. Der Firmenname mit der Produktbezeichnung als weiterem Kettenglied wird als Synonym erfasst.

SW Meißener Porzellan
BF Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen / Porzellan

In allen anderen Fällen werden Produktgruppen als Verknüpfung von Markenname und Allgemeinbegriff wiedergegeben, und zwar auch dann, wenn der Markenname nur einen einzigen Produkttyp repräsentiert. Die Markennamen werden neben den Firmennamen (Körperschaften) in die SWD aufgenommen; von einem Firmennamen mit dem Markennamen als weiterem Kettenglied kann eine Synonymie-Verweisung auf den Markennamen gemacht werden. Ist der Markenname nicht nachweisbar, wird mit dem Firmennamen (Körperschaft) verknüpft.

SW IBM
Q Warenzeichen-Lex.
D Markenname
H Verknüpfe mit einer Produktgruppe, z.B. Großrechner
BF IBM Corporation / IBM

SW Opel
Q Warenzeichen-Lex.
D Markenname
H Verknüpfe mit einer Produktgruppe, z.B. Personenkraftwagen
BF Adam-Opel-Aktiengesellschaft / Opel

Ist der Markenname homonym zur Verweisung auf den Firmennamen oder zu einem anderen Schlagwort, so erhält er den Homonymenzusatz <Marke> (vgl. § 306,7).

SW BMW <Marke>
D Markenname

SW Bayerische Motoren-Werke
BF BMW

SW Metz <Marke>
daneben:
SW
Metz (Geographikum)

5. Bei Preisen und Wettbewerben kann die verleihende Körperschaft in einer Synonymie-Verweisung erfasst werden; außerdem kann die namengebende Person in einer Synonymie-Verweisung oder in einem mehrgliedrigen Oberbegriff erfasst werden. (Zu sportlichen Wettbewerben vgl. § 607.)

SW Georg-Büchner-Preis
BF Darmstadt / Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / Georg-Büchner-Preis Büchner, Georg / Literaturpreis
OB Literaturpreis

Besteht bei Preisen und Wettbewerben der Name aus einer unspezifischen Bezeichnung und dem Namen der verleihenden Körperschaft, so wird mit der verleihenden Körperschaft und der unspezifischen Bezeichnung als zweitem Glied angesetzt.

SWW Bundesärztekammer / Literaturpreis

6. Bei Individualnamen werden stets Oberbegriffe erfasst, um sie unter gängigen Gattungsbezeichnungen auffindbar zu machen. Der Oberbegriff kann ein- oder mehrgliedrig sein (vgl. § 12,4).

SW Pamir <Schiff>
OB Segelschulschiff

SW UNIX
OB Betriebssystem

SW WORD <Programm>
MO Textverarbeitung ; Programm

SW MIDI-Standard
MO Elektronisches Musikinstrument ; Schnittstelle ; Norm
       Schnittstelle ; Elektronisches Musikinstrument ; Norm

SW Black Muslims
MO Islam ; Sekte
       Sekte ; Islam

SW Yangwu-Bewegung
MO China ; Politische Reform ; Geschichte 1861-1894
       Politische Reform ; China ; Geschichte 1861-1894

SW Red Power
MO Indianer ; Protestbewegung
       Protestbewegung ; Indianer

7. Namen von Stilrichtungen, Gebräuchen, Kunst- und Literaturgattungen, die auf einzelne außereuropäische Länder bzw. Völker beschränkt sind, erhalten mehrgliedrige Oberbegriffe. Obwohl diese Schlagwörter nicht zu den Individualnamen im Sinn des Regelwerks zählen, ist dies sinnvoll, da die Bezeichnungen oft fremdsprachig und weniger gängig sind und sachlich den Individualnamen nahestehen.

SW Gupta-Kunst
MO Indien <Nord> ; Kunst ; Geschichte 400-600

SW Gaucho-Literatur
MO Argentinien ; Literatur

SW Marmantheorie
MO Indien ; Medizin
       Medizin ; Indien

SW Fanghzi
D Gattung der chines. Historio- und Topographie mit regionalem Inhalt
MO China ; Geschichtsschreibung
       Geschichtsschreibung ; China

SW AN.TAH.SUM-Fest
MO Hethiter ; Fest
       Fest ; Hethiter

8. Begriffe aus der Nomenklatur der Botanik, Zoologie (Tier- und Pflanzennamen), Biochemie und Chemie (Bezeichnungen einzelner nachweisbarer Stoffe und Stoffgruppen) werden wie Individualnamen behandelt; eine Zerlegung ist i.d.R. nicht möglich. Ein unkontrolliertes Wachstum der Zahl der Schlagwörter kann für einzelne Bereiche geregelt werden, z.B. werden in der Chemie Pluralformen gegenüber einzelnen Isomeren z.T. bevorzugt verwendet; in der Genetik werden Gene wo möglich nicht durch die Komposita mit ‘-gen’, sondern durch die Verknüpfung des Schlagwortes ‘Gen’ mit dem jeweiligen Genprodukt (Protein bzw. Enzym) indexiert. Näheres regeln die „Praxisregeln" und die SWD.

In der chemischen Nomenklatur sollen durch hierarchische Verweisungen Verbindungen und Verbindungsklassen sinnvoll zusammengeführt werden.

SW Digitonin
OB Saponine

SW Alkane
OB Kohlenwasserstoffe

Chemisch definierte Monosubstanzpräparate werden mit ihrer chemischen Kurzbezeichnung, soweit vorhanden mit ihrem internationalen wissenschaftlichen Freinamen angesetzt. Handelsnamen sowie die exakte chemische Bezeichnung können als Synonyme erfasst werden.

SW Ampicillin
BF Binotal
       Amblosin
       Penbrock

Kombinationspräparate werden mit dem jeweiligen Handelsnamen angesetzt, wenn sie nicht unter der chemischen Bezeichnung in der „Pharmazeutischen Stoffliste" nachzuweisen sind.

Arzneimittel erhalten eine hierarchische Verweisung von der Gattungsbezeichnung.

SW Nefiracetam
OB Nootropikum

9. Tier- und Pflanzennamen werden deutsch angesetzt, wenn in Nachschlagewerken eine eindeutige deutsche Bezeichnung nachweisbar ist.

SW Windenschwärmer
BF Agrius convolvuli
       Herse convolvuli

Es sollen keine Mischformen aus griechisch-lateinischen Wortstämmen und deutschen Endungen gebildet werden, auch wenn sich diese in Nachschlagewerken finden.

SW Streptococcus
BF Streptokokken

Im Bereich der biologischen Nomenklatur wird in der SWD i.d.R. auf hierarchische Verweisungen verzichtet. Ausnahmen sind möglich

- bei Kulturpflanzen und Nutztieren

SW Merinoschaf
OB Schaf

SW Gartentulpe
OB Tulpe

- bei Tieren und Pflanzen, die unter dem Grundwort bekannter sind, sowie in terminologisch unklaren Fällen.

SW Großer Waldgärtner
OB Waldgärtner

SW Krähen
OB Rabenvögel

10. Statt sehr entlegener Individualnamen können in bestimmten Fällen Allgemeinbegriffe für die Erschließung besser geeignet sein (vgl. § 8,2). Daher wird die Verwendung von Individualnamen in einzelnen Bereichen des Sachschlagworts eingeschränkt. Stattdessen werden dann Schlagwörter für Allgemeinbegriffe miteinander, ggf. auch mit Geographika, Körperschaftsnamen oder anderen Schlagwörtern verknüpft. Neue Bezeichnungen für Methoden und Verfahren, die erstmals oder nur in wenigen Veröffentlichungen vorkommen, müssen besonders kritisch daraufhin geprüft werden, ob nicht ein Nachweis mit gebräuchlichen, umschreibenden Schlagwörtern bessere Voraussehbarkeit und damit bessere Retrievalergebnisse bringt.

SWW Umweltchemikalie ; Umwelt ; Modell
nicht: EXINT

SWW Englischunterricht ; Gesamtschule ; Leistungsdifferenzierung ; Modell
nicht: FEGA-Modell

Anm.: In Online-Katalogen wird eine in Sachtiteln (einschließlich Zusatz) von Veröffentlichungen genannte Individualbezeichnung über eine Titelstichwort-Recherche auffindbar sein.

Projekte, Forschungs- und Förderungsprogramme werden nur dann mit der Individualbezeichnung angesetzt, wenn diese in Nachschlagewerken nachweisbar ist. Eine solche Bezeichnung wird nur dann verwendet, wenn im vorliegenden Dokument das Projekt selbst Thema der Darstellung ist.

SW PIMS
Q Gabler (13. Aufl.)
BF Profit Impact of Market Strategy
MO Strategisches Management ; Forschungsprojekt

SW Lagos plan of action
Q Lex. 3. Welt
MO Afrika ; Wirtschaftliche Integration ; Politisches Programm
       Wirtschaftliche Integration ; Politisches Programm ; Afrika

In allen Fällen, in denen eine Individualbezeichnung nicht angesetzt wird, ist eine Schlagwortkette zu bilden, die den Gegenstand des Projekts wiedergibt. Ist das Projekt selbst Thema der Darstellung, steht am Ende der Kette das Schlagwort ‘Projekt’ (bzw. ‘Forschungsprogramm’, ‘Förderungsprogramm’).

Titel: ¬Das¬ Programm Sanasilva. - 1985
SWW Schweiz ; Waldschaden ; Forschungsprogramm

 

Zum Anfang § 307     Synonyme

1. Liegen für einen Begriff mehrere bedeutungsgleiche oder quasisynonyme Bezeichnungen vor, so wählt man eine davon als Schlagwort, die übrigen werden als Synonyme erfasst (Quasisynonyme vgl. § 315).

2. Bei der Entscheidung für eine Ansetzungsform sollen folgende Kriterien in der angegebenen Reihenfolge angewandt werden:

a) Gebräuchlichkeit: Nach dem in § 9,3 erläuterten Prinzip soll die im aktuellen Sprachgebrauch meistbenutzte Bezeichnung gewählt werden (vgl. §§ 308-314).

b) Eignung zur Kompositabildung: Es soll diejenige Bezeichnung gewählt werden, die häufiger in präkombinierten Schlagwörtern vorkommt.

SW Meer
BF Ozean

Wenn aber beide Synonyme in festen Verbindungen unauswechselbar auftreten, lässt sich eine gleichzeitige Verwendung beider synonymer Elemente nicht vermeiden.

SW Eheschließung
BF Heirat

SW Ehevermittlung
BF Heiratsvermittlung

Aber:

SW Heiratsanzeige

SW Heiratsschwindler

c) breitere Anwendbarkeit: Ggf. sollte die Bezeichnung gewählt werden, die sich in breiterem Kontext verwenden lässt, wenn dies unter dem Aspekt der Struktur des Vokabulars der SWD sinnvoll ist.

SW Oberboden
Q B 1986 unter Bodenhorizont 1.
BF A-Horizont
Oberboden ist nicht nur in der Bodenkunde, sondern auch in Bautechnik und Landwirtschaft verwendbar.

d) Kürze: Trifft keines der unter a - c genannten Kriterien zu, so soll das kürzere Synonym bevorzugt werden.

SW Massenmedien
BF Massenkommunikationsmittel

SW Umweltpolitik
BF Umweltschutzpolitik

e) Wenn ein Sachverhalt durch dieselben Lexeme, aber in unterschiedlicher sprachlicher Form ausgedrückt werden kann, gilt die Vorzugsreihenfolge von § 305,2,a.

3. Bei Fachausdrücken des Rechts und der Verwaltung, die in Rechtsnormen eindeutig definiert und einheitlich verwendet werden, wird i.d.R. die amtliche Terminologie benutzt.

SW Justizvollzugsanstalt
BF Strafvollzugsanstalt
deutsche Terminologie der Gegenwart nach § 139 Strafvollzugsgesetz

SW Gefängnis
international verwendet als allgemeinster Begriff; in Deutschland früher Bezeichnung für eine Sonderform

SW Kraftfahrtversicherung
gegen B und M nach der einschlägigen Rechtsnorm „Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung", inzwischen in B 1986 übernommen

Aber:

SW Klassenarbeit
BF Schulaufgabe <Klassenarbeit>
Es gibt in Deutschland keine einheitliche amtliche Terminologie; die bayerische Terminologie, geregelt u.a. in der „Gymnasialschulordnung", wird auf die überwiegende deutsche Terminologie normiert.

SW Schelf
BF Festlandsockel
Geographischer Begriff; in der juristischen Literatur ist einheitlich von Festlandsockel die Rede.

 

Zum Anfang § 308     Deutsche oder fremdsprachige Bezeichnung

1. Das Sachschlagwort wird i.d.R. in seiner deutschen Form (als Erb- oder Lehnwort) angesetzt. In der Fachsprache geläufige fremdsprachige Bezeichnungen werden i.d.R. als Synonyme erfasst (vgl. aber auch § 309).

SW Beratung
BF Counseling

SW Fiskalpolitik
BF Fiscal policy

SW Offener Unterricht
BF Open classroom

SW Außenseiter
BF Outsider

SW Bewältigung
BF Coping

2. Fremdsprachige Bezeichnungen werden bevorzugt, wenn es keine eindeutig entsprechenden deutschen Bezeichnungen gibt. Zum Nachweis der Gebräuchlichkeit vgl. § 9,3.

SW Accent grave

SW Container

SW Dolce stil nuovo

SW Microteaching

SW Nouveau roman

SW Reformatio in peius

SW Sciencefiction

SW Political correctness

 

Zum Anfang § 309     Allgemeinsprache oder Fachsprache

Für die Entscheidung zwischen wissenschaftlicher Fachsprache und Allgemeinsprache sind die neuesten Ausgaben der deutschsprachigen Allgemeinenzyklopädien heranzuziehen (vgl. § 9,3). Ist die Bezeichnung dort nicht enthalten, so wird die Bezeichnung aus den Fachlexika gewählt; in Zweifelsfällen hat der Fachterminus Vorrang. Die nicht gewählte Bezeichnung wird i.d.R. als Synonym erfasst.

SW Inkunabel
BF Wiegendruck

SW Rhinitis
BF Schnupfen

SW Ruderfußkrebse
BF Copepoda

SW Hämoglobin
BF Roter Blutfarbstoff

SW Astronomie
BF Himmelskunde

SW Fremdenverkehr
BF Tourismus
Touristik

 

Zum Anfang § 310     Veraltete oder aktuelle Bezeichnung

1. Als Schlagwort wird die aktuelle Bezeichnung gewählt, soweit sie sich im Sprachgebrauch durchgesetzt hat. Das gilt auch für die Erschließung älterer Dokumente. Die nicht gewählte Bezeichnung wird i.d.R. als Synonym erfasst (vgl. § 12,5,b).

SW Taxi
BF Kraftdroschke
Kraftdroschke ist eine ältere Bezeichnung, die aber heute noch in der Rechtssprache verwendet wird.

SW Lernbehindertenschule
BF Hilfsschule

SW Ausländischer Arbeitnehmer
BF Gastarbeiter

2. Ist mit dem Wechsel der Bezeichnung aber auch eine Modifikation der Bedeutung verbunden, so bleiben beide Schlagwörter nebeneinander bestehen und werden durch assoziative Verweisungen verknüpft (vgl. § 12,5,b).

SW Fürsorge
VB Sozialhilfe

3. Bei historischen Sachverhalten wird ein älterer Terminus verwendet, soweit es keinen adäquaten neuen gibt.

SW Tote Hand

SW Hofmeister
VB Privatlehrer

 

Zum Anfang § 311     Regional unterschiedlicher Sprachgebrauch

1. Liegen für den gleichen Gegenstand in verschiedenen deutschsprachigen Gebieten unterschiedliche Bezeichnungen vor, so wird die allgemein übliche Bezeichnung entsprechend den Nachschlagewerken angesetzt. Die nicht gewählten Bezeichnungen, soweit sie ermittelt wurden, werden als Synonyme erfasst; dabei wird das geographische Schlagwort, das die jeweilige Region kennzeichnet, nicht hinzugesetzt.

SW Stadtstreicher
BF Sandler

SW Fleischer
BF Metzger
      Schlachter
      Selcher
      Fleischhauer
      Knochenhauer
      Schlächter

SW Intellektueller
BF Intelligenzler

Aber:

SW Karneval
VB Fastnacht

2. Bei Fachausdrücken des Rechts, der Verwaltung und des Schulwesens (vgl. § 307,3) wird die im jeweiligen deutschsprachigen Staat gebräuchliche Terminologie verwendet. Zwischen den zugehörigen Sachbegriffen werden assoziative Verweisungen gemacht. Das jeweilige Sachschlagwort wird mit dem jeweiligen Geographikum verknüpft.

SWW Österreich ; Außerstreitverfahren
SW Außerstreitverfahren
VB Freiwillige Gerichtsbarkeit

SWW Schweiz ; Mehrwertanteil
SW Mehrwertanteil
VB Zugewinn

SWW Schweiz ; Fahrnis
SW Fahrnis
VB Bewegliche Sache

Aber:

SW Verordnungsermächtigung
BF Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
Die angesetzte Bezeichnung ist offizielle österreichische Terminologie; in Deutschland ist im Grundgesetz und in Nachschlagewerken die präpositionale Wendung nachweisbar, doch kommt das Kompositum hier in der juristischen Literatur auch vor.

SW Allgemeinbildende höhere Schule
für Österreich amtliche Bezeichnung

Aber:

SWW Schweiz ; Gymnasium
Die Terminologie in der Schweiz ist uneinheitlich.

Für das nicht deutschsprachige Ausland wird von allen Anwendern der (bundes)deutsche Terminus benutzt.

SWW Zwangsvollstreckung ; Römisches Recht

 

Zum Anfang § 312     Pleonasmus im Schlagwort

Pleonastische Begriffe oder Begriffsteile, die nicht notwendig sind, um einen Begriffsinhalt eindeutig wiederzugeben, und verallgemeinernde Formen, die die Bedeutung des Grundworts nicht ändern, sollen vermieden werden. Dabei darf aber nicht gegen die Fachterminologie verstoßen werden (vgl. § 9,4; zum Pleonasmus in Schlagwortketten vgl. § 324).

Zu den Begriffsteilen, die pleonastisch sein können, zählen vor allem: ‘-frage’, ‘-heit’, ‘-kunde’, ‘-lehre’, ‘-methode’, ‘-problem’, ‘-technik’, ‘-theorie’, ‘-verfahren’, ‘-welt’, ‘-wesen’.

Die nicht gewählte Bezeichnung kann als Synonym erfasst werden.

SW Diebstahl
nicht: Diebstahlsdelikt

SW Sinn
nicht: Sinnfrage

SW Ritter
nicht: Ritterstand, Rittertum

SW Thymus
nicht: Thymusdrüse

SW Bibliothek
nicht: Bibliothekswesen

SW Aquarium
nicht: Aquarienkunde

SW Staat
nicht: Staatswesen

Aber:

SW Bildungswesen
SW Bildung

SW Christentum
SW Christ

SW Gesundheitswesen
SW Gesundheit

SW Mengenlehre
SW Menge

Als pleonastisch vermieden werden auch Begriffsteile wie ‘-bild’, ‘-idee’, ‘-gedanke’, ‘-vorstellung’ usw., die lediglich dazu dienen, bei Verknüpfung mit einem Personenschlagwort die Einstellung einer Person zur Sache auszudrücken. Solche Begriffsteile werden jedoch angesetzt, wenn ein wesentlicher inhaltlicher Unterschied ausgedrückt werden soll.

SWW Clausewitz, Carl ¬von¬ ; Krieg
nicht: Clausewitz, Carl ¬von¬ ; Kriegsbild

SWW Shaw, George Bernard ; Drama ; Frau <Motiv>
nicht: Shaw, George Bernard ; Drama ; Frauenbild

Aber:

SWW Mörike, Eduard ; Menschenbild

 

Zum Anfang § 313     Abkürzungen

1. Abkürzungen werden i.d.R. aufgelöst. Die Abkürzung wird i.d.R. als Synonym erfasst (zur Rechtschreibung vgl. § 302,3).

SW Hochtemperaturreaktor
BF HTR

SW Intelligenzquotient
BF IQ

2. Die Abkürzung kann Schlagwort werden, wobei die aufgelöste Form als Synonym erfasst wird:

a) bei Abkürzungen für sehr lange Bezeichnungen,

SW DDT
BF Dichlordiphenyltrichlorethan <1,1,1-Trichlor-2,2-bis(4-Chlorphenyl)ethan>

SW DNS
BF Desoxyribonucleinsäure

b) bei Abkürzungen, die als Kunstwörter gesprochen werden,

SW AIDS
BF Acquired immune deficiency syndrom

SW Hi-Fi
BF High fidelity

SW Bit
BF Binary digit

c) bei der Ansetzung von psychologischen Tests (vgl. § 714),

d) wenn bei Untersuchungsmethoden die Abkürzung gebräuchlicher ist.

SW HPPLC
BF High pressure planar liquid chromatography
      Hochdruckplanarflüssigkeitschromatographie

3. In Komposita kann die Abkürzung auftreten, auch wenn sie als Einzelwort nicht angesetzt wird.

SW Magnetische Kernresonanz
BF NMR

SW NMR-Spektroskopie

4. Zur Abkürzung von Körperschaftsnamen vgl. § 602,4.

 

Zum Anfang § 314    Formeln, naturwissenschaftliche und technische Zeichen und Symbole

1. Naturwissenschaftliche, technische und mathematische Begriffe, die ganz oder zum Teil aus Zahlzeichen, Buchstaben nichtlateinischer Alphabete, hoch- bzw. tiefgestellten Zeichen oder Sonderzeichen bestehen, werden soweit wie möglich mit einer verbalen Bezeichnung angesetzt, die keines der genannten Zeichen enthält.

Vorlage   Schlagwort
Ñ ²   SW Laplace-Operator
a Ori   SW Beteigeuze
a² + b² = c²   SW Pythagoreischer Lehrsatz
FeS2    SW Eisendisulfid

Die Bezeichnung mit Zahlzeichen, Sonderzeichen usw. wird nur dann als Synonym erfasst, wenn sie im allgemeinen Sprachgebrauch bekannt ist.

SW Radiokarbonmethode
BF C-14-Methode

2. Ist eine rein verbale Ansetzung nicht möglich, so gelten folgende Richtlinien:

a) Die Bildung von Komposita erfolgt nach den Rechtschreibregeln des „Duden". Zum Zusammentreffen von Ziffern und Buchstaben vgl. Abs. e).

SW Vitamin B12

SW Vitamin-B12-Mangel

b) Werden im fachsprachlichen Gebrauch bei der alphabetischen Ordnung Ziffern, einzelne Buchstaben, Vorsilben oder Sonderzeichen übergangen, so werden diese ordnungsunwichtigen Teile in der Form eines Homonymenzusatzes in Winkelklammern nachgestellt. Dabei werden griechische Buchstaben und Sonderzeichen, die im Zeichenvorrat (vgl. § 16,3) nicht enthalten sind, verbal aufgelöst, Ziffern und die im Zeichenvorrat enthaltenen Sonderzeichen dagegen nicht aufgelöst. Werden Ziffern usw. aus dem Wortinneren bei der Sortierung übergangen, so muss im Homonymenzusatz das ganze Schlagwort einschließlich der nichtsortierenden Teile angegeben werden.

Bei der Sortierung chemischer und biochemischer Verbindungsnamen und der daraus abgeleiteten Komposita (z.B. Enzyme) werden übergangen: durch Zahlen oder griechische Buchstaben ausgedrückte Stellungsbezeichnungen, Stereodeskriptoren (z.B. D-, L-) und andere Deskriptoren (z.B. Drehsinn des polarisierten Lichts [(+)(-)], Ladungsangaben [(3+)(4-)] und Oxidationsstufen [(III)(3)]).

Die Groß- bzw. Kleinschreibung richtet sich nach dem fachsprachlichen Gebrauch.

Vorlage: a -Carotin
SW Carotin <alpha->

Vorlage: Carotin
Beide Strukturisomere werden behandelt.
SW
Carotine

Aber:

Vorlage: n-Halbleiter
SW n-Halbleiter

c) Griechische Buchstaben werden in aufgelöster Form angesetzt.

SW Alphastrahlung

SW Lambda-Kalkül

SW Sigma-Hyperon

d) Ziffern am Wortanfang werden i.d.R. durch das entsprechende Zahlwort ersetzt (Ausnahme vgl. Abs. b).

SW Einundzwanzig-Zentimeter-Linie

SW Acht-Bit-Mikroprozessor

SW Drei-Fünf-Halbleiter

e) Ziffern (auch römische) im Wort oder am Wortende werden nicht aufgelöst. Treffen in einem Schlagwort Buchstaben und Ziffern unmittelbar oder unter Einschub von Sonderzeichen aufeinander, so werden sie i.d.R. durch einen Bindestrich verbunden. Das gilt nicht, wenn eine andere Schreibweise (z.B. mit runder Klammer, Punkt, Spatium, unmittelbare Abfolge Ziffer/Buchstabe) einheitlich angewandt wird.

Vorlage: SU(3)-Symmetrie
SW SU-3-Symmetrie

Vorlage: V.24-Schnittstelle
SW V.24-Schnittstelle

f) Hoch- und tiefgestellte Ziffern und Buchstaben werden auf die Grundlinie gesetzt und bei der Sortierung berücksichtigt.

SW Uran-235

SW Uran-235-Target

SW Vitamin A1

Anm.: Bibliotheken und Verbünde mit ausreichendem Zeichenvorrat können die fachsprachlich korrekte Hoch- oder Tiefstellung wiedergeben.

g) Zeichen, die dem Zeichenvorrat nach MAB2 Anhang 2 (vgl. § 16,3) nicht entsprechen und das Zeichen * werden durch ihre verbale Bezeichnung ersetzt.

Vorlage: C*-Algebra
SW C-Stern-Algebra

Anm.: Bibliotheken und Verbünde mit ausreichendem Zeichenvorrat können diese Zeichen wiedergeben.

h) Bei Mischformen der unter Abs. b - g genannten Fälle ist im Zweifel eine Auflösung der Zeichen vorzuziehen („geschrieben wie gesprochen").

i) Bei der sprachlichen Auflösung von Reaktionsformeln werden Teilchenwechselwirkungen unter Angabe der wechselwirkenden Teilchen als Komposita angesetzt (Reihenfolge der Teilchen wie in der Reaktionsgleichung).

Vorlage: p + p ® p + + d
SW Proton-Proton-Wechselwirkung

Kernreaktionen erfordern als minimale Angaben die Ansetzung des Nuklids und des Projektils.

Vorlage: 208Pb (3He,a ) 207Pb
SWW
Helium-3-Reaktion ; Blei-208-Target

Vorlage: 235U (d,p) 236U
SWW Deuteroneninduzierte Kernreaktion ; Uran-235-Target

3. Führt die Anwendung der Regelungen Abs. b - i auf zu komplexe oder nicht als Sucheinstieg geeignete Bezeichnungen, so wählt man stattdessen einen geeigneten Oberbegriff oder eine vereinfachte Bezeichnung als Schlagwort.

Vorlage: YBa2Cu3O7-x
SWW Bariumverbindungen ; Yttriumverbindungen ; Cuprate

Vorlage: Crb (D,K)
SW Raum differenzierbarer Funktionen

 

Zum Anfang § 315     Quasisynonyme

1. Synonyme sind häufig nur in einem bestimmten Kontext voll austauschbar. Der Übergang zu Quasisynonymen, die zwar nicht eigentlich bedeutungsgleich sind, aber vorwiegend so gebraucht werden, und zu lediglich sinnverwandten Bezeichnungen (vgl. § 317) ist fließend. Quasisynonyme werden i.d.R. auf die gebräuchlichere Bezeichnung normiert (vgl. § 307,2); die nicht gewählten Bezeichnungen werden als Synonyme erfasst.

SW Eisenerz
BF Oxidisches Eisenerz

SW Allergie
BF Allergose

Wann bedeutungsähnliche Bezeichnungen als Quasisynonyme betrachtet werden, kann nur pragmatisch, vom mutmaßlichen Suchverhalten ausgehend, entschieden werden. Folgende Kriterien können zur Entscheidung herangezogen werden:

a) Die begriffliche Überschneidung zweier Bezeichnungen geht so weit, dass sie im allgemeinen Sprachgebrauch in der überwiegenden Zahl der Fälle gegeneinander ausgetauscht werden können.

b) Der Bedeutungsunterschied ist auch im Dokument i.d.R. nicht eindeutig zu erkennen, so dass die Wahl der Bezeichnung von der jeweiligen Titelfassung abhängig werden kann. Uneinheitlichkeit in der Verwendung durch die Autoren deutet meist darauf hin, dass auch den meisten Katalogbenutzern ein Unterschied nicht klar sein dürfte.

c) Eine der beiden Bezeichnungen wird in der Praxis häufig als Sucheinstieg für den Begriffsinhalt der anderen benutzt.

SW Bestattung
BF Begräbnis

SW Straßenverkehr
BF Kraftfahrzeugverkehr

SW Diät
BF Ernährungstherapie

SW Bedrohte Tiere
BF Aussterbende Tiere

2. Als Quasisynonyme im Sinn des Regelwerks können z.B. gelten:

a) Begriffe mit negierendem Inhalt bzw. Antonyme: Bei Gegensätzen sind oft beide Begriffe im gleichen Sachverhalt impliziert. Wenn die Unterscheidung nicht notwendig erscheint, können die Bezeichnungen zusammengelegt werden, wobei die positive Form bevorzugt wird.

SW Spannungsabhängigkeit
BF Spannungsunabhängigkeit

SW Benutzung
BF Nichtbenutzung

Aber:

SW Moral
VB Amoral

b) Ober- und Unterbegriffe: Werden ein Ober- und ein Unterbegriff in den Dokumenten überwiegend für den gleichen Gegenstand verwendet, so kann auf die übergeordnete Bezeichnung normiert werden.

SW Transplantation
BF Organtransplantation

SW Märchen
BF Volksmärchen
daneben aber:
SW
Kunstmärchen

SW Zeitung
BF Tageszeitung
daneben aber:
SW
Wochenzeitung

SW Studium
BF Hochschulstudium

SW Hochschulsport
BF Studentensport

SW Verkehrslärm
BF Straßenverkehrslärm

Diese Regelung gilt auch für Pflanzen- und Tiernamen, bei denen der übergeordnete Name vorwiegend als Bezeichnung für eine bestimmte Art gebraucht wird, die durch die Landwirtschaft allgemein bekannt ist.

SW Schwein
BF Hausschwein

SW Gerste
BF Saatgerste

Aber:

SW Hühnerei
daneben:
SW
Ei

c) verschiedene Begriffskategorien, deren Bezeichnungen zum Zweck der konsistenten Erschließung auf ein Schlagwort normiert werden (vgl. aber § 317).

SW Alter
BF Alter Mensch

SW Schulschwierigkeit
BF Problemschüler

SW Sprachnorm
BF Sprache / Vereinheitlichung
Vereinheitlichung / Sprache

3. Kommen verwandte Begriffe (vgl. § 316) in Komposita mit dem gleichen Grundwort vor, so sind sie häufig als quasisynonym anzusehen.

SW Pädagogische Einrichtung
BF Erziehungseinrichtung

Aber:

SW Pädagogik
VB Erziehung

SW Schriftsprache
BF Schreibsprache

Aber:

SW Schrift
VB Schreiben

4. Bei chemischen Verbindungen wird i.d.R. nicht das einzelne Strukturisomer, sondern die verbale Beschreibung der Summenformel, d.h. der Oberbegriff im Plural, angesetzt. Die Gewichtung in dem erschlossenen Dokument entscheidet, ob das einzelne Isomer als Quasisynonym gilt oder ggf. angesetzt werden muss.

SW Trichlorethane
BF Trichlorethan <1,1,1->
Trichlorethan <1,1,2->

 

Zum Anfang § 316     Verwandte Begriffe: Allgemeines

1. Verwandte Begriffe sind Begriffe,

a) die sich in ihrem Begriffsumfang teilweise überschneiden,

b) die nicht als Synonyme oder Quasisynonyme anzusehen sind,

c) die nicht in einer hierarchischen Beziehung stehen,

d) auf deren gegenseitige Beziehung der Benutzer bei der Suche hingewiesen werden muss, weil möglicherweise ein Teil der mit dem einen Suchbegriff gesuchten Dokumente mit dem anderen Schlagwort erschlossen ist.

2. Bei verwandten Begriffen werden beide Bezeichnungen angesetzt. Bei beiden Schlagwörtern wird reziprok jeweils der verwandte Begriff als assoziative Verweisung erfasst (vgl. § 12,5,b).

3. Zu den verschiedenen Typen verwandter Begriffe und Beispielen dazu vgl. § 12,5,b.

4. Ein Gegenstand soll i.d.R. nicht durch zwei verwandte Begriffe erschlossen werden. In derselben Schlagwortkette dürfen zwei verwandte Begriffe nur vorkommen, wenn ein Vergleich oder eine sonstige Beziehung zwischen ihnen Thema der Darstellung ist (vgl. § 324,2).

Werden männliche und weibliche Personen geschlechtsneutral behandelt und hierfür eine grammatisch männliche (maskuline) Form in generischer Bedeutung verwendet, so kann daneben eine Kette mit der weiblichen Form gebildet werden, wenn mit Schlagwörtern verknüpft wird, die üblicherweise in geschlechtsspezifischem Kontext stehen.

Inhalt: Geschlechtsspezifische Körpersprache als prägendes Element des Unterrichtsstils
SWW Lehrer ; Geschlechtsunterschied ; Körpersprache ; Unterrichtsstil ; Prägung
SWW Lehrerin ; Geschlechtsunterschied ; Körpersprache ; Unterrichtsstil ; Prägung

 

Zum Anfang § 317     Verwandte Begriffe: Gleicher Sachverhalt - verschiedene Begriffskategorien

1. Der gleiche Sachverhalt kann in verschiedenen Begriffskategorien ausgedrückt sein, wie z.B. ein Vorgang auch durch ein Produkt oder ein Instrument, eine Eigenschaft durch einen Stoff usw.

In manchen Fällen können die Bezeichnungen für verschiedene Begriffskategorien als Quasisynonyme behandelt werden (vgl. § 315,2,c), i.d.R. handelt es sich aber um verwandte Begriffe. Wichtig ist, dass jeweils die Bezeichnung als Schlagwort gewählt wird, die dem Inhalt des Dokuments am besten entspricht.

SW Schwerbehinderter
VB Schwerbehinderung

SW Arbeitsloser
VB Arbeitslosigkeit

SW Chemische Waffe
VB Chemischer Krieg

SW Schreiben
VB Schrift

2. In bestimmten Fällen kann versucht werden, eine der möglichen Begriffskategorien bevorzugt zu verwenden, um größere Konsistenz der Daten zu erreichen.

a) Sachbegriff - Personengruppe

Wenn die Bezeichnungen für einen Sachbegriff und eine Personengruppe ähnliche Begriffsinhalte ausdrücken, so wird das Schlagwort für den Sachbegriff vorgezogen (zur Quasisynonymie vgl. § 315,2,c).

SWW AIDS ; Psychosoziale Versorgung

SWW Arbeitslosigkeit ; Umschulung

SWW Legasthenie ; Förderunterricht

Inhalt: Umweltschäden durch Touristen
SWW Fremdenverkehr ; Umweltschaden

Titel: Protestanten in Österreich / Gustav Reingrabner. - 1981
SWW Österreich ; Protestantismus ; Geschichte

Titel: Behinderte Jugendliche vor der Berufswahl. - 1989
SWW Jugend ; Behinderung ; Berufswahl

Das Schlagwort für die Personengruppe wird nur in folgenden Fällen benutzt:

- der Beruf bzw. Berufsstand ist Gegenstand der Darstellung (das gilt immer bei Ausbildungsberufen, vgl. § 771,2).

SWW Zahnarzt ; Prestige

SWW Buchhändler ; Berufsausbildung
nicht: Buchhandel ; Berufsausbildung

- soziologische, psychische o.ä. Merkmale beziehen sich auf eine bestimmte Personengruppe,

SWW Student ; Psychische Störung

SWW Polizist ; Alkoholismus

SWW Arbeitnehmer ; Behinderung

SWW Katholik ; Diskriminierung

Alkoholismus bzw. Behinderung wird als Merkmal der sozialen Gruppe verstanden; auf diese Verknüpfung wird normiert, da auch die Verknüpfung Polizist ; Alkoholiker bzw. Arbeitnehmer ; Behinderter sinnvoll begründet werden kann, beides nebeneinander aber nicht gerechtfertigt ist. Von beiden Lösungen wäre außerdem die Verknüpfung beider Schlagwörter für Personengruppen häufiger zweideutig.

- das Verhältnis von Personengruppen zueinander oder die Einstellung von Personen zu bestimmten Sachverhalten ist Gegenstand der Darstellung,

SWW Psychisch Kranker ; Einstellung ; Psychotherapie

- die Bezeichnung für die Personengruppe kann nicht durch ein gleichwertiges Abstraktum ersetzt werden bzw. steht gleichzeitig für das Abstraktum.

SW Kind
BF Kindheit

SW Erwachsener
BF Erwachsenenalter

SW Rentner
BF Rentenstand

Zur Verdeutlichung der Normierung können Schlagwortketten als Hinweissatz in die SWD aufgenommen werden.

SWW Sport ; Ernährung
Hinweissatz, gekennzeichnet in MAB Feld 023
BF
Sportler / Ernährung
      Sporternährung

b) Sachbegriff - dazugehörige Wissenschaftsdisziplin

Bei allgemeinen Darstellungen eines Sachgebiets und vor Formschlagwörtern können beide mit dem gleichen Bedeutungsinhalt auftreten. In vielen Fällen wird die Bezeichnung für das Sachgebiet ausreichen oder allein zutreffen, auch wenn es sich um eine wissenschaftliche Darstellung handelt. In Zweifelsfällen werden zwei Ketten gebildet.

SWW Spanisch ; Literatur
SWW Hispanistik ; Literaturwissenschaft

Inhalt: Wörterbuch der EDV englisch-deutsch
SWW Englisch ; Wörterbuch ; Datenverarbeitung ; Deutsch
SWW Englisch ; Wörterbuch ; Informatik ; Deutsch

 

Zum Anfang § 318     SWD-Datensatz

Überblick über die wichtigsten Informationen in einem Datensatz für ein Sachschlagwort (vgl. § 7,4)

- Indikator s bzw. (bei Wertktiteln) t (Angabe obligatorisch bei allen Sachschlagwörtern)

- Sachschlagwort in Ansetzungsform (Angabe obligatorisch)

- Quelle (Angabe obligatorisch, vgl. § 19,1)

- Definition (Angabe fakultativ, vgl. § 19,2)

- Verwendungshinweis (Angabe fakultativ, vgl. § 19,3)

- Redaktionelle Bemerkung (Angabe fakultativ, vgl. § 19,4)

- Notation (Angabe obligatorisch, vgl. § 18,1)

- Ländercode (bei Schlagwörtern, die räumlich zugeordnet werden können; immer dann, wenn in einer Synonymie-Verweisung ein geographisches Schlagwort enthalten ist, vgl. § 18,2)

- Zeitcode (bei historischen Begriffen, die einen eingrenzbaren, engeren Zeitraum umfassen, vgl. §§ 18,4; 418,3)

- Synonymie-Verweisungen (einschließlich Quasisynonyme); ggf. mit Bemerkung, eingeleitet durch *

- Synonyme Bezeichnungen einschließlich abweichende sprachliche Formen (vgl. §§ 12,2; 302; 307,1)

- zur Ansetzungsform semantisch äquivalenter Schlagwortketten (vgl. §§ 12,2; 304,5)

- quasisynonyme Begriffe (vgl. §§ 12,2; 315)

- Oberbegriffe; ggf. mit Bemerkung, eingeleitet durch *

- ein in der SWD enthaltenes begrifflich übergeordnetes Schlagwort (vgl. §§ 12,3; § 306a,5-10)

- mehrgliedriger Oberbegriff in Form einer Schlagwortkette (vgl. §§ 12,4; 306a,5-10)

- Unterbegriffe

- Verwandte Begriffe (vgl. §§ 12,5; 316; 317), ggf. mit Bemerkung, eingeleitet durch *

SW s Honorar
Q B 1996
D Vergütung bei freien Berufen
H Keine Kompositabildung mit Berufsbezeichnungen, sondern Verknüpfung mit dem jeweiligen Beruf, z.B. SWW Arzt ; Honorar
R Konsens betr. Verknüpfung, 1995
SYS 10.12; 7.11c
BF s Liquidation <Honorar>
OB s Vergütung
UB s Erfolgshonorar
VB s Honorierungssystem

SW s Gruppo 63
Q B 1986, Lett. it.
D Ital. Schriftstellergruppe (1963-ca.1969)
R Ansetzung ohne Apostroph nach Diz. enc., Lett. it., gegen B 1986
SYS 12.1b
LC XA-IT
ZC 1963-1969
BF s Gruppo sessantatre
MO g Italien ; s Schriftstellergruppe
MO s Schriftstellergruppe ; g Italien
MO g Italienisch ; s Literatur ; z Geschichte 1963-1969

 

Verknüpfung und Permutation

§§ 319, 320 entfallen

 

Zum Anfang § 321     Das Sachschlagwort in der Grundkette

Zur Stellung des Sachschlagworts in der Grundkette vgl. § 15.

 

Zum Anfang § 322     Verknüpfung mehrerer Sachschlagwörter

1. Obwohl die Art der Beziehung der in einer Kette verknüpften Schlagwörter nicht dargestellt werden kann (vgl. § 14), d.h. Eindeutigkeit der inhaltlichen Aussage durch die Kette nicht in allen Fällen zu erzielen ist, kann die Verständlichkeit durch die Reihenfolge gefördert werden. Deshalb sollte auch in allen nicht ausdrücklich geregelten Fällen eine Reihenfolge gewählt werden, die im Rahmen der formalen Abfolge nach Schlagwortkategorien (vgl. § 15,1) den aufgrund der Inhaltsanalyse gewählten Schlüsselbegriffen Priorität einräumt und Zweideutigkeiten in der Grundkette möglichst vermeidet. Bei der Bildung von Schlagwortketten sollte man sich an der Struktur des vorhandenen Datenbestandes orientieren.

Es wird aber davon ausgegangen, dass

- die angezeigten Grundketten im Allgemeinen auch bei variierender Reihenfolge gleichermaßen verständlich sind,

- falls permutiert wird, in Listenfunktionen ohnehin mehrere gleichwertige Reihenfolgen entstehen.

Beispiele für Reihenfolgen der Kettenglieder, die früher nach RSWK vorgeschrieben waren, jetzt aber als austauschbar gelten:

SWW Fußballfan ; Gewalttätigkeit
SWW Kernkraftwerk ; Abwärme
SWW Lunge ; Blutgefäß
Ganzes - Teil/Eigenschaft, RSWK 2. Aufl. § 323,4

SWW Organische Verbindungen ; Adsorption ; Aktivkohle
Objekt - Handlung - Mittel, RSWK 2. Aufl. § 323,1

SWW Eltern ; Kind
Begriffspaar mit gebräuchlicher Reihenfolge, RSWK 2. Aufl. § 322,2,b

2. Inhaltlich eng zusammengehörige Schlagwörter werden nicht getrennt, insbesondere bei Vergleich und Gegenüberstellung bzw. der Anwendung eines Gegenstandes auf einen anderen bzw. der Darstellung eines Sachverhalts unter einem Aspekt.

Anm.: Im Folgenden sind Permutationsmuster nach § 325 angegeben.

SWW Nationalsozialismus ; Widerstand ; Geschichtsunterricht ; Sekundarstufe 2
(3412)

SWW Psychische Krankheit ; Therapie ; Patient ; Erwartung
(3412) (4312)

SWW Druckrohr ; Rohrverbindung ; Hartlöten ; Automation
(2134) (3412) (4312)

Die ersten beiden und die letzten beiden Schlagwörter gehören jeweils zusammen.

3. Nach einem aussagekräftigen Sachschlagwort, auf das sie sich beziehen, stehen

a) Schlagwörter, die nur der näheren Erläuterung des anderen Schlagworts dienen, für den spezifischen Gegenstand aber zu weit oder zu farblos sind (z.B. ‘Soziologie’, ‘Philosophie’, ‘Recht’); diese permutieren auch hier nicht.

SWW Gentechnologie ; Recht

SWW Weisheitsliteratur ; Theologie

b) Schlagwörter, die eine Eigenschaft oder einen Zustand des Gegenstandes ausdrücken, mit dessen Bezeichnung sie verknüpft werden.

SWW Prognose ; Objektivität

SWW Helium ; Flüssiger Zustand

SWW Kupfer ; Einkristall

SWW Ethylen ; Thermodynamische Eigenschaft

c) alle in der SWD oder in Anl. 5 als nicht aussagekräftig gekennzeichneten Schlagwörter (diese permutieren dann auch nicht).

SWW Aminosäuren ; Chemische Synthese

SWW Commedia dell'arte ; Aufführung

SWW Lungenkrebs ; Prävention

SWW Marketing ; Bewertung

SWW Sozialwissenschaften ; Theorie

SWW Migration ; Stochastisches Modell

SWW Dialektologie ; Methode

4. Bei linguistischen Untersuchungen folgt gemäß § 305,1,c in der Kette nach Sprachbezeichnungen die Wortart (oder Schlagwort ‘Phonetik’ bzw. ‘Phonologie’) und danach die untersuchte sprachliche Einheit.

SWW Deutsch ; Substantiv ; Haus
(321)

5. Schlagwörter, die eine Untersuchungsmethode oder einen Gesichtspunkt der Darstellung ausdrücken, stehen in der Grundkette bzw. Teilkette an letzter Stelle, ggf. vor einem Formschlagwort.

SWW Bakterien ; Identifikation ; Fettsäuren ; Gaschromatographie
(2134) (3214) (4123)

SWW Humanistisches Gymnasium ; Gymnasiast ; Bildungsgang ; Längsschnittuntersuchung
(2134) (3214)

SWW USA ; Geschichtsschreibung ; Oktoberrevolution ; Quellenkritik
(2134) (3124)

 

§ 323 entfällt

 

Zum Anfang § 324     Pleonasmus in der Schlagwortkette

1. In einer Kette mehrerer Sachschlagwörter können in Komposita und Adjektiv-Substantiv-Verbindungen pleonastische Bestandteile auftreten. Grundsätzlich wird für jedes Schlagwort der Kette die präzise Bezeichnung gewählt (vgl. § 7,3).

SWW Gebirgswald ; Waldtiere

SWW Knieverletzung ; Sportverletzung

SWW Krankenhausabfall ; Abfallbeseitigung

SWW Kleinkind ; Kinderpsychologie

SWW Krankenhausarzt ; Arztrecht

SWW Musikhandschrift ; Handschriftenkatalogisierung

SWW Erwachsenenbildung ; Bildungssoziologie

2. Gemäß § 6 soll die Schlagwortkette den einzelnen Gegenstand präzise kennzeichnen und keine über den Dokumenteninhalt hinausgehenden übergeordneten Schlagwörter enthalten. Bei Ketten aus Schlagwörtern für Allgemeinbegriffe ist darauf zu achten, dass nicht ein Begriff in der Kette steht, der gemäß SWD eine hierarchische oder assoziative Beziehung zu einem anderen Begriff der Kette hat. Dies gilt aber nur für Begriffe, die durch je ein einzelnes Schlagwort repräsentiert werden.

SWW Psychiatrische Klinik ; Management
nicht: Psychiatrische Klinik ; Krankenhaus ; Management

SWW Jugendkriminalität ; Prävention
nicht: Jugendkriminalität ; Verbrechen ; Prävention

Es können jedoch pleonastische Verknüpfungen vorkommen, wenn sich die durch die Schlagwörter repräsentierten Begriffe ergänzen und teilweise überschneiden, ohne gemäß § 316 in hierarchischer oder assoziativer Beziehung zu stehen.

SWW Tennis ; Sportverletzung ; Knieverletzung

SWW Druckmaschine ; Maschinenlärm ; Lärmschutz

Zwischen den einzelnen Kettengliedern besteht keine hierarchische oder assoziative Relation.

Insbesondere ist dies angebracht, damit ein Schlagwort aus einer gängigen Verknüpfung als Sucheinstieg nicht entfallen muss, weil ein weiteres Schlagwort mit pleonastischem Bestandteil hinzutritt.

SWW Deutsch ; Aussprache ; Deutschunterricht ; Ausländer
Deutsch entfällt nicht als pleonastisch.

SWW Vögel ; Bedrohte Tiere ; Vogelkrankheit

SWW Kind ; Schwere Krankheit ; Kinderkrankenschwester ; Kinderpsychologie

SWW Eltern ; Kind ; Elternarbeit ; Evangelische Kirche

SWW Fußboden ; Holz ; Fußbodenheizung

In den in § 305,1,c geregelten Fällen werden für linguistische Untersuchungen sprachliche Einheiten mit der zugehörigen Sprachbezeichnung und Wortart verknüpft, auch wenn sie für sich bereits eindeutig sind.

SWW Französisch ; Substantiv ; gueule

3. Werden Schlagwörter für Allgemeinbegriffe mit Individualnamen (Geographika, Ethnographika, Körperschaftsnamen, historischen Einzelereignissen, Produktnamen usw.) verknüpft, so sind grundsätzlich die spezifischen Sachschlagwörter zu verwenden. Dies entspricht dem Grundsatz, dass gleiche Gegenstände gleich erschlossen werden sollen, um durch Verknüpfung der gleichen Suchbegriffe wieder auffindbar zu sein.

SWW Wilhelm Gustloff <Schiff> ; Schiffsuntergang

SWW Nürnberg ; Stadtverkehr ; Verkehrsplanung

SWW Bodensee ; Binnenschifffahrt
nicht: Bodensee ; Schifffahrt
daneben:
SWW
See ; Binnenschifffahrt

SWW Spanien / Cortes ; Parlamentswahl
daneben:
SWW
Spanien ; Parlamentswahl

Schlagwörter für Allgemeinbegriffe entfallen jedoch in der Kette, wenn ihre semantischen Merkmale im Individualnamen vollständig enthalten sind.

SWW Nürnberg ; Alltag ; Geschichte (ohne SW Stadt, Großstadt usw.)
daneben :
SWW
Bayern ; Stadt ; Alltag ; Geschichte

SWW Chanson de Roland ; Tiere <Motiv> (ohne SW Epik, Epos usw.)
daneben:
SWW
Altfranzösisch ; Heldenepos ; Tiere <Motiv>

Ein geographischer, ethnographischer oder sprachlicher Bezug kann aber auch dann ausgedrückt werden, wenn er bereits in einem Individualnamen enthalten ist, aber in Verknüpfung mit einem anderen Schlagwort der Kette recherchierbar sein soll (vgl. § 13,3).

SWW Frankreich ; Schulpolitik ; Kommunistische Partei Frankreichs

SWW Homerus ; Griechisch ; Verb ; telein
Linguistische Phänomene sollen gemäß § 305,1,c mit der Sprachbezeichnung recherchierbar sein.

Aber:

SWW Eichendorff, Joseph ¬von¬ ; Lyrik (ohne SW Deutsch)

4. Als pleonastisch zu betrachten ist bis auf wenige Ausnahmen das Schlagwort ‘Mensch’, ferner das Schlagwort ‘Staat’ bei politischen und das Schlagwort ‘Christentum’ bei theologischen Themen.

Titel: Systematische Anatomie des Menschen / hrsg. von Rolf Bertolini. - 1987
SW Anatomie

Titel: Naturwissenschaft im NS-Staat / Rainer Brauer [Hrsg.]. - 1983
SWW Nationalsozialismus ; Naturwissenschaften ; Geschichte ; Aufsatzsammlung
SWW Deutschland ; Naturwissenschaften ; Geschichte 1933-1945 ; Aufsatzsammlung
SWW Drittes Reich ; Naturwissenschaften ; Aufsatzsammlung

Titel: Anders beten : so reden junge Menschen mit Gott / Josef Prinz [Hrsg.]. - 1983
SWW Jugend ; Gebet ; Anthologie

 

Zum Anfang § 325    Permutation

Für Listenfunktionen können die Glieder einer Grundkette mit Sachschlagwort permutiert werden. In diesem Falle gilt:

1. Bei der Permutation wird gemäß den Schemata von § 15,10,c-e verfahren. Teilketten bleiben dabei erhalten und permutieren in sich (vgl. auch § 322,2).

2.

a) Bei einem oder mehreren aussagekräftigen Sachschlagwörtern in der Grundkette erhält jedes eine Eintragung (vgl. §§ 117,4; 220,4,b; 322).

b) Für sich allein nicht aussagekräftige Sachschlagwörter, die in der SWD bzw. in Anl. 2 oder Anl. 5 einen entsprechenden Hinweis tragen, werden nicht permutiert (vgl. § 322,3).

3. Zur Permutation von Sachschlagwörtern in einer Grundkette mit Personenschlagwort vgl. § 117,4; mit geographischem/ethnographischem Schlagwort vgl. § 220,4; mit Zeitschlagwort vgl. §§ 15,6; 406; mit Formschlagwort vgl. §§ 15,8; 504.

 

§§ 326 - 329 entfallen