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1. Einleitung

Diese Einführung und Handreichung richtet sich an Angestellte in kommunalen Öffentlichen Bibliotheken,

 Ferner vermittelt diese Einführung das einschlägige, über Grundkenntnisse hinausgehende Wissen für Studierende des Bibliothekwesens bzw. der Bibliothekswissenschaft, die sich vertieft mit Entlohnungsfragen in Öffentlichen Bibliotheken beschäftigen.

 Es wird darauf verzichtet, die Quellen aus der Rechtsprechung anzuführen, auch wenn die einschlägigen Arbeitsgerichtsurteile in diese Darstellung eingeflossen sind. Die Quellen sind in der Fachliteratur angegeben. Besonders sei verwiesen auf:

 Trotz größter Sorgfalt kann keine Gewähr für die Richtigkeit aller Angaben übernommen werden.

Diese Handreichung entstand im Rahmen der Mitarbeit des Verfassers in der Expertengruppe Arbeitsvorgänge an Öffentlichen Bibliotheken, die vom Deutschen Bibliotheksinstitut und vom Verein der Bibliothekare und Assistenten eingerichtet wurde. Ihre Aufgabe war die Bewertung von Arbeitsvorgängen an Öffentlichen Bibliotheken. In Form von Tabellen sollten Arbeitsvorgängen die Tätigkeitsmerkmale nach dem BAT zugeordnet werden. Die Ergebnisse der Expertengruppe wurden in 1999 als Veröffentlichung des Deutschen Bibliotheksinstituts vorgelegt [0]. Auch der Inhalt dieser Handreichung ging in verkürzter Form in jene Veröffentlichung ein, wird zugleich unabhängig davon hier in vollem Umfang veröffentlicht.

Der Expertengruppe gehörten an:

Prof. Dr. Konrad Umlauf (Vorsitz)
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Bibliothekswissenschaft
Dorotheenstr. 26
10099 Berlin
Tel.: (0 30) 20 93 44 93, Fax: (0 30) 20 93 43 35
E-Mail: konrad.umlauf@rz.hu-berlin.de  

Renate Gundel
Stadtbibliothek
Rathausplatz 4
71063 Sindelfingen
Tel.: (0 70 31) 93 79 12, Fax: (0 70 31) 9 47 91
E-Mail: r.gundel@Stadtbib.bb.shuttle.de  

Gudrun Jahn
Städtische Bibliotheken Dresden
(World Trade Center)
Freiberger Str. 33
01067 Dresden
Tel.: (03 51) 86 48 - 101, - 105, Fax: (03 51) 86 48 - 102

Dr. Volker Pirsich
Stadtbücherei
Ostenallee 1-5
59063 Hamm
Tel.: (0 23 81) 17 57 52, Fax: (0 23 81) 17 29 85
E-Mail: StadtbüchereiHamm@t-online.de  

Ich danke den Kolleginnen und dem Kollegen für die konstruktive und zielstrebige Zusammenarbeit. Viel von ihrem Sachverstand ist auch in diese Handreichung eingeflossen.

2. Geltung und Grenzen des Bundes-Angestelltentarifvertrags

2.1 Geltungsbereich des BAT

Für das Arbeitsverhältnis der Angestellten bei Bund, Ländern und Kommunen gilt der Bundes-Angestelltentarifvertrag. Er ist zwingend und unmittelbar anzuwenden, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer Mitglied in den jeweiligen Tarifverbänden sind, die den Tarifvertrag abgeschlossen haben (für die Bundesländer die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, TdL; im kommunalen Bereich die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, VkA; bzw. auf der Arbeitnehmerseite die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, ÖTV, und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft, DAG).

Der BAT wird darüber hinaus von den kommunalen Arbeitgebern allgemein auf alle Angestellten angewendet. Durch die Gemeindeordnungen der meisten Bundesländer sind die kommunalen Arbeitgeber zur Anwendung des BAT verpflichtet. Ferner wird die Anwendung des BAT auf das individuelle Arbeitsverhältnis vollzogen, ohne daß es der Mitgliedschaft des Arbeitnehmers in einer Gewerkschaft oder auch des Arbeitgebers im Tarifverband bedarf, indem die Geltung des BAT im Arbeitsvertrag vereinbart wird. Die Kommunen verwenden in der Regel entsprechende Arbeitsvertragsmuster nach einer Empfehlung der VkA.

 Der BAT legt für die Angestellten bei Bund und Ländern einerseits und bei den Kommunen andererseits unterschiedliche Fassungen der Eingruppierungsvorschriften (Vergütungsordnung) fest. In jedem der beiden Tarifbereiche (Bund/Länder einerseits, Kommunen andererseits) darf nur die jeweils spezifische Fassung angewendet werden. Beide Fassungen sind im großen und ganzen ähnlich, aber es gibt auch eine Fülle von abweichenden Details, die immerhin so gravierend sind, daß in etlichen Fällen völlig gleiche fachliche Aufgaben in einer Öffentlichen Bibliothek im Tarifbereich Bund/Länder zu einer anderen Eingruppierung und mithin Vergütung führen als im Tarifbereich der Kommunen. In dieser Publikation wird nur die Eingruppierung von Angestellten in Öffentlichen Bibliotheken im Tarifbereich der kommunalen Arbeitgeberverbände behandelt. Das sind:

 Mit anderen Worten, die hier vorgelegten Ausführungen gelten nicht für:

2.2 BAT-O in den neuen Bundesländern

In den alten bzw. den neuen Bundesländer gilt ein jeweils eigener Tarifvertrag (BAT und BAT-O). Beide Tarifverträge sind weitgehend identisch, weisen jedoch in einigen Details erhebliche Abweichungen auf. Vor allem sind nach dem BAT-O der Kündigungsschutz schlechter, die Arbeitszeit länger, und bei gleicher Vergütungsgruppe ist eine geringere Bezahlung vorgesehen (seit 1.9.1998 86,5 % des Westtarifs). Bei den in dieser Handreichung behandelten Teilen des BAT, die die Vergütungsgruppe festlegen (Vergütungsordnung), gibt es jedoch keine Unterschiede zwischen dem BAT und dem BAT-O.

Für die Eingruppierung relevant ist u.a. § 25 BAT. Im BAT-O ist § 25 des BAT nicht enthalten. Nach § 25 BAT setzt die Eingruppierung in bestimmte Vergütungsgruppen eine Erste oder eine Zweite Prüfung voraus; es handelt sich um Prüfungen im Anschluß an Verwaltungslehrgänge oder um eine außerhalb der Verwaltung erworbene gleichwertige Fachausbildung. Diplom-Bibliothekare, Assistenten an Bibliotheken und Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erfüllen insoweit diese Voraussetzung kraft ihrer Ausbildung. Bibliotheksgehilfen brauchen für die in Frage kommenden Eingruppierungen (relevant sind hier die Vergütungsgruppen VIb, Vc, Vb) die genannten Prüfungen nicht, weil sie als Beschäftigte in Bibliotheken auf einem Spezialgebiet besonders herausragende Fachkenntnisse aufweisen und in diesem Spezialgebiet beschäftigt werden. In den neuen Bundesländern ist die Fragestellung nicht gegeben, weil der BAT-O den § 25 nicht enthält.

Einige weitere Abweichungen zwischen dem BAT und dem BAT-O betreffen die Berechnung der Vergütung im einzelnen, jedoch nicht die Eingruppierung.

2.3 Grenzen des BAT, Kritik am BAT

Diese Handreichung geht nicht über die Grenzen des BAT hinaus, sondern erklärt lediglich die Anwendung der Vergütungsordnung für den Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (Vergütungsordnung VkA) im BAT. Mit anderen Worten: Wer mehr erwartet, als der BAT hergibt, wird in dieser Handreichung keine Antworten finden.

 Wiederholt ist an der Vergütungsordnung des BAT (auch am BAT insgesamt) Kritik geübt worden. Einige wichtige Argumente sind:

Indessen will dieser fachliche Kommentar zu den eingruppierungsrelevanten Tätigkeitsmerkmalen des BAT diese Mißstände im einzelnen nicht benennen. Auch die Argumentation, daß die fachspezifischen Tätigkeitsmerkmale für kommunale Öffentliche Bibliotheken veraltet sind und der Wirklichkeit der modernen Bibliothekspraxis kaum noch gerecht werden, ließe sich zwar überzeugend vortragen, hat aber bisher weder verwaltungsintern noch in der Rechtsprechung, auch nicht in Tarifverhandlungen Eingang gefunden und wird deshalb in dieser Handreichung nicht zugrunde gelegt. Schon gar nicht kann dieser Kommentar mit dem Ziel der zutreffenden Anwendung der vorhandenen Eingruppierungsvorschriften des BAT in kommunalen Öffentlichen Bibliotheken die angedeuteten Mißstände beseitigen. Letzteres bleibt Aufgabe der Tarifparteien.

3. Einführung in den BAT

3.1 Übersicht über den BAT

Das Tarifsvertragswerk des BAT besteht aus einem Hauptteil, dem Tarifvertrag vom 23.2.1961, zahlreichen späteren Änderungs- und Ergänzungstarifverträgen [2] und Sonderregelungen, Zusatztarifverträgen, Ergänzungstarifverträgen, Anlagen und Vergütungstarifverträgen. Ferner gibt es Bemerkungen und Protokollnotizen; diese sind oft an versteckter Stelle abgedruckt, haben aber dieselbe Rechtsverbindlichkeit wie alle anderen Bestimmungen des BAT.

Der Hauptteil ist in Paragraphen gegliedert und regelt Fragen des Arbeitsverhältnisses wie z.B. Probezeit, Weisungsbindung des Angestellten, Arbeitszeit, Vergütung, Bezüge im Krankheitsfall, Urlaub, Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Eine sehr knappe Einführung nach Stichworten bietet die Kreisverwaltung München der Gewerkschaft ÖTV.

Für die Eingruppierung der Angestellten (Festlegung der zutreffenden Vergütungsgruppe) sind die Anlagen 1a und 1b von Belang. Anlage 1a und Anlage 1b bilden gemeinsam die Vergütungsordnung. Anlage 1a legt die Eingruppierung der Angestellten mit Ausnahme des Pflegepersonals fest. Die Eingruppierung des Pflegepersonals ist in der Anlage 1b geregelt; diese wird hier nicht behandelt.

Die Anlage 1a formuliert für den Tarifbereich Bund/Länder im einzelnen deutlich andere Eingruppierungsmerkmale (Vergütungsordnung für den Bereich der Tarifgemeinschaft deutscher Länder) als für den Tarifbereich der Kommunen. In der vorliegenden Handreichung werden, wie bereits in Kapitel 2 gesagt, nur die Eingruppierungsmerkmale für den Tarifbereich der Kommunen behandelt (Vergütungsordnung für den Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände; steht nicht im Internet). Auch für Angestellte in wissenschaftlichen und in Öffentlichen Bibliotheken gelten unterschiedliche Eingruppierungsmerkmale. In dieser Handreichung werden nur die Eingruppierungsmerkmale für Angestellte in kommunalen Öffentlichen Bibliotheken behandelt.

Während die meisten Teile des BAT, auch die Vergütungsordnungen, aus den 60er und 70er Jahren stammen und durch spätere Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern nicht mehr grundlegend verändert wurden, sind Gegenstand der mehr oder minder jedes Jahr wiederholten Tarifverhandlungen die Geldbeträge, die den Vergütungsgruppen zugeordnet werden. Diese werden in jeweils neu - oft auf dem Hintergrund von Arbeitskämpfen - abgeschlossenen Vergütungstarifverträgen in Form von Tabellen festgehalten.

3.2 Kriterien für die Vergütung nach dem BAT

In die Vergütung der Angestellten gehen nach dem BAT drei Faktoren ein:

Dies hat für die Festlegung der Vergütung die praktische Folge, daß der Betrag der Grundvergütung aus der Tabelle (und nicht aus einer Liste) des entsprechenden Vergütungstarifvertrages abgelesen wird. In den Zeilen dieser Tabelle sind die Vergütungsgruppen und in ihren Spalten die Altersstufen abgebildet. Die jeweils aktuelle Tabelle ist abgedruckt u.a. im Bibliothekstaschenbuch [4]. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) verteilt nach Abschluß der Tarifverhandlungen Flyer mit den neuen Beträgen an ihre Mitglieder.

 Zur Grundvergütung werden der Ortszuschlag, der mit dem Beschäftigungsort nichts zu tun hat, sondern dessen Höhe sich nach dem Familienstand des Stelleninhabers richtet [5], und eine allgemeine Stellenzulage hinzuaddiert. Die Geldbeträge der Ortszuschläge und Stellenzulagen sind ebenfalls im Vergütungstarifvertrag festgelegt.

3.3 Vergütungsgruppen und Tätigkeitsmerkmale

In dieser Handreichung wird lediglich der erste dieser drei Faktoren behandelt, die Eingruppierung in die zutreffende Vergütungsgruppe. Die Vergütungsordnung (Anlage 1a des BAT und gleichlautend des BAT-O) definiert jede Vergütungsgruppe durch einen Katalog von Tätigkeitsmerkmalen. Tätigkeitsmerkmale sind Beschreibungen von Anforderungen, die der Angestellte zur Ausübung der jeweiligen Tätigkeit erfüllen muß, und in diesem Sinn Eingruppierungsmerkmale.

 Die Tätigkeitsmerkmale sind teilweise durch scheinbar einfach zu beobachtende Sachverhalte definiert. Beispielsweise werden Angestellte mit abgeschlossener Fachausbildung für den bibliothekarischen Dienst an öffentlichen Büchereien (Diplombibliothekare) mit entsprechender Tätigkeit als Leiter von Stadtteilbüchereien (Nebenstellen) mit einem Buchbestand von mindestens 15.000 Bänden und durchschnittlich 60.000 Entleihungen im Jahr [6] in die Vergütungsgruppe IVb eingruppiert. Unstrittig ist bei dieser Formulierung des BAT, daß das Tätigkeitsmerkmal erfüllt ist, wenn der betreffende Diplombibliothekar eine einzige Stadtteilbücherei leitet (nicht mehrere zugleich, wie die Formulierung im BAT auch fälschlich ausgelegt werden könnte). Strittig können dagegen die folgenden Fragen sein:

Immer wieder haben sich deshalb Arbeitsgerichte mit Eingruppierungsfragen beschäftigt.

 Ein erheblicher Teil der Tätigkeitsmerkmale ist jedoch durch unbestimmte Rechtsbegriffe definiert. Wichtige unbestimmten Rechtsbegriffe sind beispielsweise:

Besonders die Zuordnung derartiger Tätigkeitsmerkmale zu den tatsächlichen Verrichtungen (Arbeitsvorgängen) in Öffentlichen Bibliotheken erweist sich dann als Problem, wenn tarifrechtliche Kenntnisse einerseits und fachspezifische Kompetenzen andererseits nur unvollkommen miteinander verbunden sind. Das Kapitel 5 erklärt die unbestimmten Rechtsbegriffe allgemein.

3.4 Zuordnungskette Arbeitsvorgang - Tätigkeitsmerkmal - Vergütungsgruppe - Vergütung

Schaubild 1 zeigt als Zusammenfassung dieses Kapitels die Zuordnungskette von den Arbeitsvorgängen zu den Tätigkeitsmerkmalen, weiter zu den Vergütungsgruppen und schließlich zum Gehalt des betreffenden Angestellten.

 Wichtig ist dabei: Ein Arbeitsplatz kann einen einzigen Arbeitsvorgang umfassen, zum Beispiel den Arbeitsvorgang Bibliographische Erfassung nach einem komplexen Regelwerk ohne Sonderrregeln für bestimmte Medienarten. Der Angestellte auf diesem Arbeitsplatz (dieser Personalstelle) ist dann ausschließlich mit Katalogisierung nach RAK beschäftigt und hat keine anderen Aufgaben. Diese Situation ist freilich für Öffentliche Bibliotheken untypisch. Die meisten Mitarbeiter in Öffentlichen Bibliotheken haben Arbeitsplätze mit einem vielfältigen Aufgabenkreis (Mischtätigkeit, umgangssprachlich oft fälschlich Mischarbeitsplätze genannt), mit anderen Worten, ihr Arbeitsplatz umfaßt mehrere Arbeitsvorgänge.

 Häufig anzutreffende Arbeitsplätze mit einem vielfältigen Aufgabenkreis der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in Öffentlichen Bibliotheken (Assistenten an Bibliotheken) umfassen folgende Arbeitsvorgänge:

 Arbeitsplätze mit einem vielfältigen Aufgabenkreis, wie sie in Mittelstadtbibliotheken für Diplom-Bibliothekare typisch sind, umfassen oft folgende Arbeitsvorgänge:

 Aber letztlich ist jeder Arbeitsplatz individuell gestaltet. Die konkrete Auflistung der Arbeitsvorgänge, die zu einem Arbeitsplatz gehören, und der zeitliche Umfang der einzelnen Arbeitsvorgänge ergeben sich aus:

Aus diesem Grund kann diese Arbeitshilfe nicht von Arbeitsplatzbeschreibungen ausgehen, sondern geht von Arbeitsvorgängen aus.

 Wenn alle Arbeitsvorgänge, die an einem Arbeitsplatz anfallen, demselben Tätigkeitsmerkmal zugeordnet sind, gestaltet sich die Zuordnungskette in Schaubild 1 unproblematisch (Beispiel des Mitarbeiters 2, dessen Arbeitsplatz die Arbeitsvorgänge AV10, AV11 und AV12 umfaßt). Dann ist die Vergütungsgruppe dieses Tätigkeitsmerkmals zugleich die Vergütungsgruppe des Stelleninhabers.

Dies ist jedoch in der Regel nicht der Fall, weil die meisten Arbeitsplätze in Öffentlichen Bibliotheken mehrere Arbeitsvorgänge mit unterschiedlichen Tätigkeitsmerkmalen, denen unterschiedliche Vergütungsgruppen zugeordnet sind, einschließen. So umfaßt der oben beispielhaft genannte bibliothekarische Arbeitsplatzes in einer Mittelstadt Arbeitsvorgänge, deren Tätigkeitsmerkmale einem Spektrum der Vergütungsgruppen von BAT VIb bis BAT II entsprechen. Die Frage, nach welcher Vergütungsgruppe der Angestellte in diesen weitverbreiteten Fällen zu bezahlen ist, ist im BAT eindeutig beantwortet und wird in Kapitel 4.4.6 behandelt. Beim Beispiel des Mitarbeiters 1 in Schaubild 1, dessen Arbeitsplatz die Arbeitsvorgänge AV1 ff. umfaßt, ist allein das Tätigkeitsmerkmal TM1 ausschlaggebend für die Eingruppierung.

Schaubild 1: Zuordnungskette Arbeitsvorgang - Tätigkeitsmerkmal - Vergütungsgruppe - Gehalt

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3.5 Überblick über die Vergütungsgruppen und zugeordnete Aufgaben

Schaubild 2 gibt als Veranschaulichung dieser Einführung in den BAT in vereinfachter Form einen Überblick über die Vergütungsstufen, die Tätigkeitsmerkmale und beispielhaft genannte, typische Aufgaben in Öffentlichen Bibliotheken. Schaubild 3 zeigt die Verteilung der Bibliothekare in Öffentlichen Bibliotheken auf die Vergütungsgruppen.

Schaubild 2: Aufgaben, Tätigkeitsmerkmale, Vergütungsgruppen 

Beispiele für Tätigkeiten und Aufgaben Tätigkeitsmerkmale Vergütungsstufe
Bücher nach Größe sortieren vorwiegend mechanische Tätigkeit BAT X
Buchpflege einfachere Tätigkeit BAT IX
Technische Abgangsbearbeitung zweijährige Bewährung in BAT IX BAT IXa
  • Einstellarbeiten und Regalkontrolle
  • Medienverbuchung (Photoverbuchung)
  • Erfassung der ISBN und von Lokaldaten
  • Technische Einarbeitung von Medien
schwierigere Tätigkeit in Büchereien BAT VIII
  • Vorakzession
  • Mahnungsbearbeitung (EDV-gestützt)
  • Orientierende Auskünfte
  • Akzessionierung laufend eingehender Zeitschriftenhefte
  • Erstellung von Signaturschildern
gründliche Fachkenntnisse im Bibliotheksdienst BAT VII
  • Bibliographische Erfassung nach einem komplexen Regelwerk ohne Sonderregeln
  • Formalbibliographische Auskunft
  • Bestellung von Einzeltiteln mit einem komplexen EDV-System
  • Interessenkreiserschließung
  • Austausch bibliographischer Daten
gründliche und vielseitige Fachkenntnisse im Bibliotheksdienst und in nicht unerheblichem Umfang selbständige Leistungen BAT VIb
  • Leitung einer Bibliothek mit weniger als 12.000 Medieneinheiten und weniger als 48.000 Entleihungen im Jahr
  • Bestandsaufbau in Bibliotheken unter 50.000 Medieneineiten
  • Online-Dokumentbestellungen
abgeschlossene Fachausbildung für den bibliothekarischen Dienst an Öffentlichen Büchereien (Diplombibliothekare) oder gleichwertige Tätigkeiten und Erfahrungen BAT Vb
  • Leitung einer Bibliothek mit mindestens 12.000 Medieneinheiten bis unter 25.000 Medieneinheiten und 48.000 bis unter 100.000 Entleihungen im Jahr
Diplombibliothekare als Leiter von Öffentlichen Büchereien mit einem Buchbestand von 12.000 Bänden und durchschnittlich 48.000 Entleihungen im Jahr. BAT IVb
  • Leitungstätigkeit in einer Bibliothek gegenüber mindestens einem Diplombibliothekar oder einer gleichwertigen Fachkraft der Vergütungsgruppe Vb
Diplombibliothekare, denen mindestens 1 Diplombibliothekar in Vb unterstellt ist. BAT IVb
  • Leitung einer Stadtteilbibliothek (Zweigbibliotheken) mit mindestens 15.000 Medieneinheiten und durchschnittlich 60.000 Entleihungen im Jahr
Diplombibliothekare als Leiter von Stadtteilbüchereien mit einem Buchbestand von mindestens 15.000 Bänden und durchschnittlich 60.000 Entleihungen im Jahr. BAT IVb
  • Bestandsaufbau an ausgebauten Fachbeständen in Öffentlichen Bibliotheken mit einem Gesamtbestand von mindestens 50.000 Medieneinheiten, z.B. in einer Mittelstadtbibliothek
Diplombibliothekare mit besonders schwierigen Fachaufgaben in Bibliotheken von mindestens 50.000 Bänden. BAT IVb
  • Leitung einer Musikbibliotheksabteilung mit mindestens 8.000 Medieneinheiten
Diplombibliothekare als Leiter von Musikbüchereiabteilungen mit einem Bestand von mindestens 8.000 Bänden oder Tonträgern. BAT IVb
  • Leitung einer Bibliothek mit mindestens 25.000 Medieneinheiten und 100.000 Entleihungen im Jahr
Diplombibliothekare als Leiter von Öffentlichen Büchereien mit einem Buchbestand von 25.000 Bänden und durchschnittlich 100.000 Entleihungen im Jahr. BAT IVa
  • Bestandsaufbau an ausgebauten Fachbeständen in Öffentlichen Bibliotheken mit einem Gesamtbestand von mindestens 70.000 Medieneinheiten
Diplombibliothekare als Berater auf schwierigen Sachgebieten mit besonders hervorragenden Fachkentnissen in Bibliotheken von mindestens 70.000 Bänden. BAT IVa
  • Leitung einer Musikbibliotheksabteilung mit mindestens 16.000 Medieneinheiten
Diplombibliothekare als Leiter von Musikbüchereiabteilungen mit einem Bestand von mindestens 16.000 Bänden oder Tonträgern. BAT IVa
  • Leitung einer größeren Bibliothek, z.B. Amtsleitung in einer Mittelstadt
  • Leitungstätigkeit in einer Bibliothek bei besonderer Schwierigkeit und Bedeutung der Aufgabe und einem erheblichen Maß an Verantwortung, z.B. Abteilungsleitung in einer kleinen Großstadtbibliothek
Gründliche, umfassende Fachkenntnisse und selbständige Leistungen + besonders verantwortungsvolle Tätigkeit + besondere Schwierigkeit und Bedeutung + erhebliches Maß an Verantwortung BAT III
  • Leitung eines Bibliothekssystems, z.B. Leitung des Bibliothekssystems einer großen Mittelstadt
  • Leitungstätigkeit in einer Bibliothek bei besonderer Schwierigkeit und Bedeutung der Aufgaben und erheblicher Größe der Verantwortung, z.B. Abteilungsleitung in einem großstädtischen Bibliothekssystem
Angestellte mit abgeschlossener wissenschaftlicher Hochschulbildung sowie sonstige Angestellte (z.B. Diplombibliothekare), die aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben BAT II

Schaubild 3: Verteilung der Bibliothekare in Öffentlichen Bibliotheken auf die Vergütungsgruppen

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Vergütungs-
gruppe

Anteil
[7]

Aufgabe

II und höher
[8]
4 %

Leitung des Bibliothekssystems einer Großstadt
oder einer großen Mittelstadt

Abteilungsleitung in einem sehr großen Bibliothekssystem

III 6 %

Leitung einer großen Bibliothek

Abteilungsleitung in einem großstädtischen Bibliothekssystem

IVa 21 %

Leitung einer Bibliothek mit mindestens 25.000 Bänden und 100.000 Entleihungen

besonders hervorragende Fachkenntnisse voraussetzende Tätigkeit in einer Bibliothek mit mindestens 70.000 Bänden Leitung einer Musikbibliothek mit mindestens 16.000 Bestands-einheiten
IVb 33 % Vorgesetzter mindestens eines Diplom-Bibliothekars Leitung einer Bibliothek mit 12.000 bis 25.000 Bänden und 48.000 Entleihungen Leitung einer Zweigbibliothek mit mindestens 15.000 Bänden und 60.000 Entleihungen besonders schwierige Fachaufgaben in einer Bibliothek mit mindestens 50.000 Bänden Leitung einer Musikbibliothek mit 8.000 bis 16.000 Bestandseinheiten
Vb 33 % übliche bibliothekarische Aufgaben unabhängig von der Bibliotheksgröße mit Leitungsfunktion gegenüber Nicht-Bibliothekaren oder ohne Leitungsfunktion Leitung einer Bibliothek unter 12.000 Bänden Leitung einer Zweigbibliothek unter 15.000 Bänden besonders schwierige Fachaufgaben in einer Bibliothek unter 50.000 Bänden Leitung einer Musikbibliothek unter 8.000 Bestandseinheiten