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Letzte Änderung: 08.04.2012
5 Reader Interest Classification, Interessenkreiserschließung,
Themenbibliotheken
Reader Interest Classification und Interessenkreiserschließung sind Instrumente für die Erschließung von Beständen in Öffentlichen Bibliotheken vermittels Aufstellung.
5.1 Reader Interest Classification
- Reader Interest Classifications (RIC, eine deutsche Übersetzung ist nicht üblich) dienen der Erschließung populärer Bestände von begrenztem Umfang in Öffentlichen Bibliotheken.
- Ihre Merkmale sind:
- Die Klassenbildung erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Zusammenfassung von häufigen Benutzerfragestellungen. Auf diese Weise werden Medien zusammengeführt, die in stark wissenschaftssystematisch ausgerichteten Klassifikationen verschiedenen Klassen zugewiesen werden (z.B. der handwerklich-technische, der künstlerisch-gestalterische und der innenarchitektonisch-planerische Aspekte der Wohnungseinrichtung). Die Differenz zu herkömmlichen Aufstellungssystematiken ist um so größer, je stärker letztere an einer Wissenschaftssystematik orientiert sind.
- Der thematische Umfang der einzelnen Klassen ist weiter als bei herkömmlichen Aufstellungssystematiken, ihr Inhalt ist aus wissenschaftssystematischer Sicht teilweise inhomogen. Browsing soll angeregt werden und wird verlangt.
- Die Klassenbenennungen sind kurz und allgemein verständlich.
- Die Notationen sind sehr kurz, Hierarchie abbildend, alphanumerisch oder bestehen nur aus Buchstaben, bevorzugt mnemotechnisch. Teilweise werden anstelle von Notationen verbale Benennungen verwendet. Dann entspricht die Reader Interest Classification der Interessenkreiserschließung.
- Die Hierarchie ist extrem flach, umfasst i.d.R. nur zwei Hierarchiebenen.
- Die Zahl der Klassen liegt deutlich unter 100.
- Reader Interest Classification wird in folgenden Varianten angewendet:
- In größeren Bibliotheken wird ein Teil des Bestandes nach der RIC aufgestellt (Browsing-Zone); teilweise handelt es sich um Doppelstücke zu Grundexemplaren in der üblichen klassifikatorischen Aufstellung.
- In kleinen Bibliotheken wird der gesamte Bestand nach RIC aufgestellt. Beispiel: Die Öffentlichen Bibliotheken in der Grafschaft Cheshire, Großbritannien.
- Die RIC ist eine Erschließungsstruktur im Freihandbereich, die über dauerhaft oder vorübergehend aus der üblichen Aufstellung in den RIC-Bereich versetzte Medien in Form einer Regalbeschilderung gelegt wird. Die hierfür in Frage kommenden Medieneinheiten werden mit zwei an der Medieneinheit sichtbaren Notationen versehen: Erstens der Notation nach der üblichen Klassifikation, zweitens der Notation nach der RIC. Beispiel: Hoddesdon Library, Grafschaft Hertfordshire, Großbritannien.
- Letztlich kann man die Struktur vieler Linksammlungen im WWW als RIC begreifen. Beispiele hier.
5.2 Interessenkreiserschließung
- Interessenkreiserschließung kann als spezielle Form der verbalen Sacherschließung
für die Freihandpräsentation populärer Bestände in Öffentlichen
Bibliotheken gesehen werden.
- Der Inhalt eines Interessenkreises wird unter folgenden Gesichtspunkten
definiert:
- sachlich-thematische Gleichartigkeit, aber nach anderen Kriterien als
in der Klassifikation (Beispiele: Gewalt, Bauernhof, Soziale Probleme),
- Ähnlichkeiten in Stil, Genre, literarischem oder medialem Bezugssystem
(Beispiele: Road Movie, Abenteuer, Bestseller, Lyrik),
- Homogenität der Zielgruppe (Beispiele: Für Eltern, türkisch,
6-9),
- Gleichartigkeit der Leseanlässe und Funktionen (Beispiele: Ostern,
Nicht entleihbar, preisgekrönt, Prüfung).
- Die verbale Benennung soll kurz, unmittelbar und allgemein verständlich
sein.
- Liste
der Interessenkreisaufkleber, konfektioniert von der ekz.bibliotheksservice
GmbH, Reutligen, angeboten, hier eine vergleichende
Liste (Quelle: Zentrale
Schulbibliothek am Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium BRG Wien) mit
Bezug zur Interessenkreisaufklebern für Kinder- und Jugendbestände.
- Liste
von Interessenkreisaufklebern, wie sie von der ekz-Fachgruppe Kinder-
und Jugendbibliotheken 1998 zusammengestellt wurde, und eine Zusammenstellung
von Interessenkreisen im Rahmen der 4. Auflage der Systematik für Kinder-
und Jugendbibliotheken (SKJ).
Quelle: Zentrale
Schulbibliothek am Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium BRG Wien.
- Beispiele für Interessenkreisdefinitionen der Stadtbücherei Münster.
Die Stadtbücherei Münster hat die angewendeten Interessenkreisbegriffe
definiert und dokumentiert. Die Interessenkreisbegriffe - was selten vorkommt
- ergeben hier ein konsistentes Erschließungssystem.
- Interessenkreiserschließung wird in folgenden Varianten angewendet:
- Aufkleber mit den Interessenkreisbegriffen zusätzlich zum SignaturschildDie
Aufstellung erfolgt nach den Signaturen, d.h. für Freihandbestände
Öffentlicher Bibliotheken
- Aufkleber mit den Interessenkreisbegriffen zusätzlich zum Signaturschild.
Der Interessenkreis ist primäres Erschließungsmerkmal, d.h.
die Aufstellung erfolgt vorübergehend oder dauerhaft nach Interessenkreisen.
Ein Teil der Medien wird also statt am üblichen Standort gemeinsam
mit anderen Medien desselben Interessenkreises präsentiert (versetzt).
Beispiel:
- Aufkleber mit Interessenkreisbegriff anstatt Signaturschild. Die Aufstellung
erfolgt dauerhaft nach Interessenkreisen, ggf. gemischt mit Medien, die
mit Interessenkreisbegriff und Signaturschild gekennzeichnet sind und
vorübergehend im selben Interessenkreis stehen.
- Varianten mit marginaler Bedeutung sind:
- Symbole oder Farben statt verbaler Bezeichnungen ("Klartext")
auf den Klebeschildern.
- Katalogerschließung der im Verfasseralphabet aufgestellten Belletristik
nach Genres (z.B. Krimi, Abenteuer, Frauenroman, Arztroman). Eine derartige
Rubrizierung ist im Buchhandel verbreitet (Beispiel: www.amazon.de).
5.2 Themenbibliotheken
- Themenbibliotheken (Bibliotheken mit thematischer Bestandsaufstellung) sind
Öffentliche Bibliotheken, insbesondere Zweigbibliotheken, die Medien
mit viel gefragten Themen durch Interessenkreiserschließung und besondere
Präsentation (oft in Verbindung mit Dekoration) hervorheben, sich dabei
oft auf ein beschränktes Themenspektrum fokussieren (kein thematisch
universeller Bestand). Beispiele:
- medien@age
der Städtischen Bibliotheken Dresden mit den Interessenkreisen:
- CDs + Hörbücher
- Spiele
- Zeitschriften
- Comics/Mangas
- Freizeit und Sport
- Lifestyle und Party
- Reisen und Wandern
- Job und Karriere
- Sex
- Eltern
- Digitale Welt
- Ratlos
- V.I.P.
- Unbegreifliches
- Spielfilme, TV-Serien und Dokumentationen auf DVD
- Sprachen
- Rund um Dresden
- Romane
- Schule (geordnet nach Unterrichtsfächern mit allen dazugehörigen
Medien)
- Bücherei
Menden (Nordrhein-Westfalen) mit den Interessenkreisen:
- Bauen & Wohnen
- Essen & Trinken
- Feste & Feiern
- Reisebibliothek
6 Ausblicke
6.1 Datenbankmodellierung
Es fehlen Standards für
- Aufnahme von bisher in Katalogdaten nicht enthaltenen Elementen wie Inhaltsverzeichnissen, Register, Textauszügen (z. B. Einleitungen, Klappentexten), Abstracts, Nutzerkommentaren, Coverabbildungen u. a. m. (catalog enrichment). In kommerziellen Datenbanken und bei einzelnen Bibliotheken (z. B. Versandbuchhandlung www.deutschesfachbuch.de, Vorarlberger Landesbibliothek Bregenz) ist dies in mehr oder minder starkem Umfang realisiert.
- Aufbau und Modellierung von und Suchen in Katalogdatenbanken. Fragen richten sich beispielsweise darauf, welche Felder suchbar sind, ob die Suche ganze Wörter zum Kriterium nimmt oder Zeichenfolgen aus Wörtern (string search).
6.2 Gestaltung von OPACs
Die IFLA hat 2005 Richtlinien für die Gestaltung von OPACs formuliert (deutsch 2010: Richtlinien für die OPAC-Anzeige / IFLA Division of Bibliographic Control, Task Force on Guidelines for OPAC Displays (Hrsg.) Berlin 2010). Wesentliche Aussagen sind:
- Die Bedürfnisse der Nutzer sollen berücksichtigt werden:
- Alle OPAC-Seiten und -Anzeigen sollen in Wortwahl und Gestaltung konsistent sein.
- Navigation soll nachvollziehbar sein: Wie kam der Benutzer auf diese Seite, aufgrund welcher Eingabe wird dieses Resultat angezeigt?
- Codes und Abkürzungen sollen auflösbar sein, z.B. für Medientypen.
- Help-Funktionen sollen zur Verfügung stehen.
- Bibliothekarische Fachterminologie soll vermieden werden.
- Der Benutzer soll von der OPAC-Anzeige aus Zugang zum Dokument erhalten (Link zum Volltext, Standort-Signatur).
- Erläuterungen, Beschriftung von Eingabefeldern usw. in der Sprache der Benutzer.
- Der Benutzer soll zwischen Sprachen der OPAC-Seiten, Suchmodus, Anzeigeform (Kurztitel, Volltitel...) wählen können.
- Angezeigt werden soll, wonach gesucht wurde und was für die weitere Suche gebraucht wird:
- Nicht nur Katalogisate, auch Normdatensätze und Indexe sollen angezeigt werden.
- Die Trefferliste soll nach den FRBR-Kategorien gruppiert werden: Werk, Expression, Manifestation, Exemplar.
- Zunächst sollen die Treffer als Kurztitel angezeigt werden mit Link zum Volltitel.
- Bei langen Trefferlisten soll man gut in der Trefferlisten navigieren können (z.B. "Gehe zu Treffer 199")
- Die Volltrefferanzeige soll nicht nur den Inhalt des Katalogisats nennen, sondern auch die Kategorien benennen (z.B.: Herausgeber)
- Bei Elementen zur Sacherschließung soll das betreffende System, dem die sacherschließenden Termini entstammen, angegeben sein, z.B. "DDC: ...".
- Der Nutzer soll den Datensatz im codierten Format anzeigen lassen können (z.B. im MARC21-Format).
- Null-Treffer sollen als solche angezeigt werden (statt dass nichts angezeigt wird).
- Die Trefferliste soll in einer sinnvollen Reihenfolge angezeigt werden; der Nutzer soll Sortierkriterien wählen können.
- Der Benutzer soll vielfältig in der Trefferliste und damit zusammenhängenden Einheiten navigieren können und stets den Überblick behalten, wo er sich befindet:
- Von der Trefferliste mit Kurztiteln zum einzelnen Volltitel.
- Vom Volltitel zum nächsten Volltitel.
- Vom Volltitel zum Normdatensatz.
- Vom Normdatensatz zu allen verknüpften Katalogisaten
- usw.
Freilich fehlen einige Normen und Standards für die Gestaltung von OPACs und anderen Retrievalinstrumenten. Fragen sind z. B.:
- Welche Recherchekategorien (Autor, Titel ...) sollen in welcher Reihenfolge mit welchen Benennungen in der Standardmaske angeboten werden? Viele OPACs bilden mehr die Tradition der Zettelkataloge ab als die Möglichkeiten moderner Datenbanken.
- Welche Zeichen sollen für welche Arten von Verknüpfungen verwendet werden (und, +, oder ...)? Realisiert ist meistens eine implizite Verknüpfung mit dem Operator AND.
- Welche Zeichen sollen für die Trunkierung verwendet werden? Verbreitet sind die Zeichen *, ?, $.
- Welche Elemente sollen in einer Kurztitelanzeige verwendet werden?
- Auf welche Weise sollen Hilfefunktionen abrufbar sein?
7 Arbeitsorganisation
Die lehrbuchmäßige Stellung der Formal- und Inhaltserschließung im Geschäftsgang von Bibliotheken lässt sich folgendermaßen beschreiben:
- Marktsichtung und Auswahlentscheidung
- Vorakzession, d. h. Prüfung, ob die ausgewählten Titel ggf. bereits bestellt oder geliefert sind,
bei digitalen Publikationen ggf.
- Vergleich verschiedener Angebotsformen unter technischen und unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten, z. B. Online-Datenbank vs. CD-ROM/DVD, Fortführung desselben Titels zugleich als Printpublikation
- Produkttest
- Klärung der Preis- und Lizenzbedingungen
- Klärung der Preis- und Lizenzbedingungen
- Bestellung. Hiezu gehört im Einzelnen:
- Erstellen des Bestelldatensatzes
- Entscheidung über den Lieferanten und ggf. den Lieferweg
- Klärung der Preis- und Lizenzbedingungen
- Klärung der technischen Voraussetzungen
- Zugangsbearbeitung (Rechnungskontrolle, Inventarisierung), bei digitalen Publikationen ggf. Vertragsunterzeichnung. Hierzu gehören:
- Entgegennahme der Lieferung, Lieferungskontrolle
- Rechnungskontrolle
- Inventarisierung (Eigentumskennzeichnung, ggf. Vergabe einer Zugangsnummer)
- Weiterleitung der Rechnung an die zuständige Stelle, z.B. Universitätskasse
- Inhaltserschließung. Verbreitet sind:
- Indexierung durch Schlagwörter
- Indexierung durch eine Klassifikation. Bei Freihandaufstellung ist die Notation zugleich Grundlage für die Signatur (das Standortmerkmal)
- Formalerschließung. Zur Erschließung gehören:
- Erfassen der Metadaten
- Erfassen der Exemplardaten (Verbuchungscode, Nutzungsparameter)
- technische Medienbearbeitung: bei digitalen Publikationen Installation und Freischaltung im Netz, bei körperlichen Medien gehören im Einzelnen dazu:
- Anbringen des Signaturschilds, das den Standort wiedergibt
- Anbringen des Buchsicherungsträgers
- Anbringen des Verbuchungsträgers
- ggf. buchbinderische Bearbeitung (Foliierung, Einbindung in einen stabilen Einband)
- Schlusskontrolle
- Bereitstellen zur Benutzung, d.h.
- Umsetzen des Status am Exemplardatensatz von "In Bearbeitung" auf "Ausleihbar"
- meistens Einstellen ins Regal
- ggf. Bereitlegen für den Besteller und Benachrichtigung des Bestellers
- bei digitalen Publikationen ggf. Werbung und Nutzerschulung, weil erfahrungsgemäß digitale Publikationen nicht immer befriedigend genutzt werden
- bei digitalen Publikationen ggf. zusätzlich
- Mitarbeiterschulung
- Bereitstellung einer Helpdesk-Funktion
- Bereitstellung von FAQs
Freilich ist diese Abfolge in der Praxis oft modifiziert, weil
- Bestelltitelaufnahmen eingesetzt werden, d.h. bei der Vorakzession wird eine vorhandene Titelaufnahme aus der Datenbank des Bibliotheksverbundes bzw. aus einem Fremddatenpool geholt,
- der Einsatz der EDV möglich macht, dass die Titelaufnahme vor der Inhaltserschließung erfolgt und die Sachbearbeiter die Titelaufnahme um die von ihnen erstellten Daten ergänzen,
- die Inhaltserschließung entfällt, weil Fremddaten verwendet werden.
Fremddatenlieferanten zur Inhaltserschließung sind insbesondere
- für die verbale Sacherschließung durch RSWK-normierte Schlagwörter in Öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken: die Deutsche Nationalbibliothek. Deren Schlagwörter werden auf den Diensten der ekz.Bibliotheksservice weitertransportiert und gelangen so auch zu Öffentlichen Bibliotheken, die selbst nicht Kunden der Deutschen Nationalbibliothek sind.
- für Notationen nach den in Öffentlichen Bibliotheken weit verbreiteten Klassifikationen ASB, KAB, SfB: die ekz.Bibliotheksservice GmbH mit ihren Katalogisierungs- und Lektoratsdiensten. Beispiel für einen Datensatz der ekz-CD-ROM mit Notationen nach ASB, KAB und SfB.
- für Notationen nach den in wissenschaftlichen Bibliotheken verbreiteten Klassifikationen:
Der Arbeitszeitbedarf für die Formal- und Sacherschließung in Bibliotheken lässt sich mit folgenden Zahlen verdeutlichen:
| Art | Bibliothek | Jahresleistung eines Vollzeitäquivalents | Quelle |
|---|
Formal- katalogisierung | Großbritannien: British Library | 3.160 | Vitiello (1996), G.: The production and marketing of national bibliographic services in Europe. In: Alexandria 8, No. 2, S. 97-116. |
|---|
| Italien: Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze | 1.433 |
| Schweiz: ETH-Bibliothek | 2.900 | Umstätter (2005), Walther; Wagner-Döbler, Roland: Einführung in die Katalogkunde. Stuttgart: Hiersemann, S. 19 |
| USA: Verbünde | 6.000 |
| Deutschland: Wissenschaftliche Bibliotheken laut Deutscher Forschungsgemeinschaft | 1.500 | Die Ausstattung von Hochschulbibliotheken mit lokalen Bibliothekssystemen im HBFG-Verfahren (AHLB) (1992) / Dt. Forschungsgemeinschaft. In: ZfBB 39, S. 279-314. |
| Deutschland: Öffentliche Bibliotheken | 26.800 | Umlauf (2004), Konrad; Naumann, Ulrich: Richtwerte für Öffentliche Bibliotheken. In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen (2004). Hans-Christoph Hobohm, Konrad Umlauf (Hrsg.) Loseblatt-Ausg., 6. Ergänzungslieferung. Hamburg: Dashöfer, Abschnitt 4/3.3 |
Inhalts- erschließung | Deutschland: Öffentliche Bibliotheken | 37.200 |
|---|
8 Katalogbenutzung in Bibliotheken
Insgesamt sind Erkenntnisse aus der Benutzerforschung über Katalogbenutzung wenig in die Konstruktion und das Design von Bibliothekskatalogen eingeflossen.
Wichtige Erkenntnisse sind:
- In Freihandbibliotheken ist das mit Abstand wichtigste Erschließungssystem die systematische Aufstellung. Nur in einer Minderheit der Benutzungsfälle werden Kataloge benutzt.
- Bibliothekare überschätzen die Katalogbenutzung erheblich (Schaubild).
- In OPACs wird äußerst selten mit Notationen gesucht. Schaubild. Quelle: Andreas Zartl http://info.uibk.ac.at/voeb/za.html.
- In 46-62 % der Suchanfragen in OPACs werden die Felder Titelstichwörter und Schlagwörter verwendet. Ob den Nutzern die Bedeutung der Felder Titelstichwort und Schlagwort genau bekannt ist, weiss man nicht.
- In 37-50 % der Suchanfragen in OPACs wird das Feld für Personen- bzw. Verfassernamen benutzt.
- Zu in der Tendenz ähnlichen Ergebnissen kommen amerikanische Untersuchungen: Dominanz der Suche mit Titelstichwörtern und Schlagwörtern gegenüber Autorennamen. Insgesamt hat die Einführung der OPACs zu verstärkter Recherche mit Wörtern aus Titeln und mit Schlagwörtern geführt.
- Naturwissenschaftler suchen in den Schlagwortfeldern häufiger mit speziellen Fachtermini als Geisteswissenschaftler. Deshalb ist ihre Erfolgsrate besonders gering, weil diese Fachtermini in der SWD nicht verwendet werden. Quelle: Andreas Zartl http://info.uibk.ac.at/voeb/za.html.
- In über 80 % der Recherchen wird lediglich ein Feld ausgefüllt. Quelle: Andreas Zartl http://info.uibk.ac.at/voeb/za.html.