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2 Bibliothekskataloge

In Bibliotheken werden die Bestände

erschlossen.

2.1 Katalogformen

Katalogformen

Beschreibung Bilder
  • bis ins 19. Jahrhundert handgeschriebene Bandkataloge, meistens systematisch geordnet
  • Beispiel: UB Kiel 1890
Bandkatalog UB Kiel (Miniaturbild)
  • hauptsächlich in den 1970er- und 1980er-Jahren Bandkataloge als Computerausdruck, weil Katalogdaten maschinell verarbeitet wurden, die Datenbanken und Datennetze für die Online-Recherche noch teuer, umständlich in der Benutzung und deshalb wenig verbreitet waren
  • Beispiel: Stadtbücherei Stuttgart 1994
Bandkatalog Stadtbücherei Stuttgart (Miniaturbild)
  • im 19. Jahrhundert Strumpfbandkataloge und ähnliche Übergangsformen zum Zettelkatalog
Strumpfbandkatalog (Miniaturbild)
Alter Realkatalog der Staatsbibliothek zu Berlin (Miniaturbild) Neuer Sachkatalog der Staatsbibliothek zu Berlin (Miniaturbild)
  • seit dem 19. Jahrhundert: in Form gedruckter Bücher veröffentlichte Bibliothekskataloge
  • Beispiel: The British Library General Catalogue of Printed Book to 1975. Bd. 1-360 + Suppl 1-6. London u.a.: Saur 1979-1988.
Katalog der British Library London (Miniaturbild)
  • in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Mikrofichekataloge
  • Verfilmung alter Band- oder Zettelkataloge
  • COM-Kataloge (Computer Output on Microform = Ausgabe maschinenlesbarer Katalogdaten mittels Laserstrahl auf Mikrofiche)
  • Beispiel UB der Humboldt-Universität Berlin
Mikroficheleseplatz der HU Berlin in der Dorotheenstraße (Miniaturbild) Mikrofichekatalog der HU Berlin (Miniaturbild)
  • seit 1994 Imagekataloge (IPAC, Image Public Access Catalog): eingescannte Katalogkarten oder Seiten aus Bandkatalogen mit Registereintragungen in Abständen von ca. 100 Karten
  • Beispiel: Bayerische Staatsbibliothek München,
    BDB-Katalog 1501-1840, 1953-2000. Stand: 2000, inzwischen hat die BSB die Präsentation des Imagekatalogs verändert
Imagekatalog der Bayerischen Staatskatalog München (Miniaturbild 1) Imagekatalog der Bayerischen Staatskatalog München (Miniaturbild 2) Imagekatalog der Bayerischen Staatskatalog München (Miniaturbild 3)
Katalogdatenbank ILTIS (Miniaturbild) OPAC Städtische Bibliotheken Dresden (Miniaturbild) Karlsruher Virtueller Katalog (Miniaturbild)
  • seit den 1990er-Jahren: Portale, virtuelle Fachbibliotheken, Kataloganreicherung
  • Zusammenfügung von Bibliothekskatalogen mit
    • bibliografischen Datenbanken
    • spezialisierten Suchmaschinen (z.B. beschränkt auf relevante Domains)
    • Inventaren von Museen, Findbüchern von Archiven
    • Webkatalogen.
  • Bibliothekskataloge werden mit Indexaten von nicht im Bestand vorhandenen, aber beschaffbaren Ressourcen angereichert.
  • Katalogdaten werden mit Metadaten und Metatexten angereichert, die in den etablierten Regelwerken zur Katalogisierung nicht vorgesehen sind (Inhaltsverzeichnisse, Abstracts).
  • Metatexte und Metadaten werden mit Verfahren der automatischen Indexierung aufbereitet.
  • Die klassische Unterscheidung zwischen Bibliothekskatalog, Bibliografie, Suchmaschine und Webkatalog wird obsolet.
  • Beispiele:

BAM-Portal (Miniaturbild)

Econis (Miniaturbild)
Dandalon (Miniaturbild)

OPAC Kunstgeschichte (Miniaturbild)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


2.2 Gegenstände der Katalogerschließung

Gegenstände der Erschließung

Netzpublikationen werden meistens als selbstständige Publikationen angesehen, auch wenn sie dem Charakter nach eher einem Zeitschriftenaufsatz entsprechen.

2.3 Katalogarten

Die traditionelle Unterscheidung von Katalogarten knüpft an Zettelkataloge an. Diese erlauben den Zugriff auf nur wenige Merkmale der Datensätze (Sucheinstiege, vor allem Verfasser, z.T. auch Titel, auch Notationen einer Klassifikation, ferner Schlagwörter). Die Anlage von Zettelkatalogen stand unter dem Stern der Arbeitsersparnis und der einfachen Orientierung, d.h.

  1. es sollten möglichst wenig Zettel hergestellt und eingelegt werden,
  2. jeder einzelne Zettelkatalog sollte den Zugriff auf möglichst wenige Arten von Merkmalen bieten. Deshalb wurde in Europa (anders als in der angloamerikanischen Welt) der Kreuzkatalog abgelehnt (Kreuzkatalog = Zugriff unter Verfassern, Titeln, Körperschaften, Schlagwörtern in einem Alphabet).

Diese überlieferte Unterscheidung von Katalogarten setzt sich fort,

Hier ein vereinfachter und verallgemeinerter Überblick. Freilich sind die tatsächlichen Retrieval-Möglichkeiten in etlichen OPACs etwas anders als in dieser Tabelle. Die Zugriffsmöglichkeiten im Online-Dienstkatalog sind i.d.R. vielfältiger.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Retrieval in Zettelkatalogen und in Online-Katalogen besteht darin,

Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen Retrieval in Zettel– und in Online–Katalogen:

Zugriff auf in Zettelkatalogen im OPAC
AK: Alphabetischer Katalog
SK: Systematischer Katalog
SWK: Schlagwortkatalog
Verfasser, Herausgeber erster bis dritter Verf. bzw. Hrsg. im AK ja
Körperschaft AK ja, auch auf Stichwörter
Hauptsachtitel bei anonymen und Mehrverfasserwerken: AK ja, auch auf Stichwörter
Zusatz zum Sachtitel nein ja, auch auf Stichwörter
Auflage-, Ausgabebezeichnung nein nein
Erscheinungsort nein selten
Verlag nein selten
Erscheinungsjahr nein ja
Reihentitel AK ja
ISBN u.a. Nummern nein ja
Bandbezeichnung nein nein
Bandzählung nein nein
Stücktitel nein ja, auch auf Stichwörter
Fußnote nein selten
Annotationstext nein selten, Beispiel hier
Notation SK ja
Klassenbenennung zur Notation Register zum SK selten, Beispiel hier
Schlagwort SWK ja
Materialart (Karten, Noten, Tonträger...) selten: getrennte Kataloge nach Materialarten selten, Beispiel hier
Standort (Signatur) Standortkatalog selten
Neuzugänge nein selten, Beispiel Antiquariatskatalog

Selten bieten Bibliotheken auf ihren Website Standardrecherchen, die auf verbreiteten oder vermuteten Nutzerfragen beruhen und sich im Ergebnis als Auswahlliste zu einem Thema darstellen. Beispiele: Themenlisten der Stadtbibliothek Altena; Econis der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften Kiel.

Systematische und Schlagwortkataloge haben in der Bibliotheksgeschichte eine riesige Fülle von individuellen, z.T. schrulligen Ausprägungen erfahren, z.B.:

Weitere Unterscheidungen von Katalogarten im Zeitalter der Zettelkataloge betreffen u.a. folgende Aspekte:

Kriterium der Bildung von Katalogarten Motiv, anhand dieses Kriteriums eine eigene Katalogart anzulegen Beispiele
Schriftsystem, Sprache
  • gezielter Zugriff auf Publikationen in selten gesprochenen Sprachen (z.B. Arabisch, Chinesisch)
  • Unklarheiten bei Transliteration oder Transkription nicht-lateinischer Schriften
  • Behandlung in besonderen Abteilungen, u.a. wegen der Sprachkenntnisse des Bibliothekspersonals
Sonderkataloge der Staatsbibliothek Berlin
Medienart
  • gezielter Zugriff
  • Besonderheiten der Medienart bezüglich der Katalogisate und der Bestandsangaben
  • Behandlung in besonderen Abteilungen, u.a. wegen erforderlicher Spezialkenntnisse des Bibliothekspersonals
Katalog der Zeitungen, Zeitschriften, Serien
Vollständigkeit
  • Umfang: je umfangreicher ein Zettelkatalog, desto zeitaufwändiger das Einlegen weiterer Katalogzettel
  • Teilkataloge im Zusammenhang mit gesonderter Aufstellung der Bestände, z.B. in einem räumlich getrennten Institut der Hochschule
Gesamtkatalog, Institutskatalog
Zielgruppe Zusatzinformationen, die nur intern zugänglich sein sollten, z.B. Zettel bestellter, aber noch nicht gelieferter Publikationen Dienstkatalog, Publikumskatalog
Funktion für spezielle Funktionen gewählte Ordnungskriterien
  • Standortkatalog: verzeichnet die Bücher nach ihrer Reihenfolge im Regal
  • Interimskatalog, Akzessionskatalog, -kartei: verzeichnet noch nicht abschließend bearbeitete Bestandseinheiten
  • Bestellkatalog, -kartei: verzeichnet bestellte, aber noch nicht gelieferte Publikationen

Letzte Änderung: 29.02.2012