Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft

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Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft 189

Letzte Änderung: 10.04.2014

Grundkurs Informationsaufbereitung
Vorlesungsskript

von Konrad Umlauf

Umlauf, Konrad:
Informationsaufbereitung : Vorlesungsskript / von Konrad Umlauf. - Berlin : Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, 2006ff. - (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft ; 189)
ISSN 1438-7662

Abstract

Diese Seite ist noch im Aufbau. Die Vorlesung gibt einen Überblick über Informationsprodukte als Ergebnis der Informationsaufbereitung und über Methoden der Informationsaufbereitung. Behandelt werden: Indexierungsmethoden, Metadaten und Functional Requirements for bibliographic Records, International Standard Bibliographic Description und Regelwerke für die Formalerschließung, kontrollierte und freie Termini; Metatexte (Inhaltskondensate wie z.B. informatives, indikatives und kritisches Kurzreferat [Abstract], Literaturbericht; feuilletonistische Kritik; wissenschaftliche Rezension; bibliothekarische Begutachtung); Gegenstände, Arten und Formen von Katalogen in Bibliotheken; Klassifikation; Verbale Sacherschließung, Deskriptoren und Thesaurus, Regeln für den Schlagwortkatalog; Reader Interest Classsification, Interessenkreis-Erschließung; Arbeitsorganisation; Katalogbenutzung. Einige Links führen zu lizenzpflichtigen Ressourcen und funktionieren deshalb nur im Campus von deutschen Universitäten oder im Campus der Humboldt-Universität.

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0 Literatur

Für die Vor- und Nachbereitung genügt das Skript. Ich empfehle, den Ausdruck während der Vorlesung mit Notizen zu versehen statt mitzuschreiben.

Empfehlungen für vertiefte Lektüren:

Behandelt theoretisch anspruchsvoll Grundbegriffe, Metadaten, Folksonomien, Nomenklaturen, Klassifikationen, Thesauri, Ontologien, facettierte Wissensordnungen, Textwortmethode, Zitationsindices, intellektuelles und automatisches Indexieren, Abstracts, automatische Informationsextraktion. Bringt Ansätze und Sichtweisen aus Bibliotheken, Informationspraxis und Informatik zusammen, mitunter eigenwillig. Vorzügliches, aber nicht immer ganz einfaches Lehrbuch mit sehr weitem Spektrum und guten Zusammenfassungen.

1 Informationsaufbereitung und Informationsprodukte

Informationsaufbereitung

Der informationswissenschaftliche Terminus Informationsaufbereitung wird oft wie folgt definiert: Informationsaufbereitung ist die Abbildung der Menge der Relevanzinformation auf die Menge der aufbereiteten Information vermittels Methoden der Informationsarbeit (Rainer Kuhlen). Teilweise wird der Terminus enger verstanden: Dann muss die Menge der Relevanzinformation eine Mehrzahl von Informationsobjekten (dokumentarischen Bezugseinheiten) umfassen. Der traditionelle bibliothekarische Terminus Erschließung ist einerseits enger und schließt Methoden wie Abstracting nicht ein, andererseits weiter, indem er auch Erschließung durch Aufstellung umfasst. Hier sollen alle Methoden im Bereich Archiv, Bibliothek, Dokumentation und Information, Museum eingeschlossen werden, wenn sie auch nicht alle gleichermaßen behandelt werden. Insgesamt hat sich bisher keine übergreifende und einheitliche Terminologie für Methoden, Verfahren, Hilfsmittel, Arbeitsergebnisse usw. der Informationsaufbereitung herausgebildet. Die zahlreichen Normen und Regelwerke sowie die Fachliteratur beziehen sich jeweils nur auf Teilbereiche der Informationsaufbereitung oder auf Anwendungen in bestimmten Typen von Informationseinrichtungen (nur in Bibliotheken, nur bei Informationsdienstleistern usw.).

Hier wird unter Informationsaufbereitung verstanden:

Informationsaufbereitung ist die Abbildung der Menge der Relevanzinformation im Informationsraum auf die Menge der aufbereiteten Information oder ihre räumliche Platzierung vermittels Methoden der Informationsarbeit

Die aufbereitete Information besteht aus Termini der natürlichen Sprache (z.B. bei Metatexten) oder aus Termini einer Dokumentationssprache oder aus einer Mischung von beiden (bibliothekarische Titelaufnahmen). Dokumentationssprachen stellen einen normierten Wortschatz und Regeln zu ihrer Anwendung bereit (z.B. eine Normdatei mit normierten Ansetzungen antiker Verfassernamen, ein Thesaurus zur Beschlagwortung oder eine Klassifikation).

Informationsaufbereitung – Beispiele:

Beispiel Informationsraum Relevanzinformation aufbereitete Information Methode der Informationsarbeit
Ein Aktenkonvolut in einem Archiv wird ins Findbuch eingetragen Bestand des Archivs Inhalt, Provenienz und zeitliche Abdeckung der Akten Eintragung im Findbuch einfache / erweiterte / analytische Verzeichnung
Eine Musik-CD in einer Musikbibliothek wird klassifiziert Bestand der Musikbibliothek Inhalt der CD Notation der Klassifikation, die den Inhalt zum Ausdruck bringt (z.B. LX 63196 Konzerte Beethovens) Intellektuelles Klassifizieren
Ein Buch wird in einer Bibliothek beschlagwortet Bestand der Bibliothek Inhalt des Buches dem Titel zugeordnete Schlagwörter intellektuelles Indexieren
Ein Film auf DVD wird in einer Kinemathek katalogisiert Bestand der Kinemathek Angaben auf Jewel Case und im Vorspann über Film und DVD Titelaufnahme, Katalogisat Titelaufnahme, Katalogisieren
Ein Zeitschriftenaufsatz wird bei einem Informationsdienstleister zusammengefasst alle Zeitschriftenaufsätze in der Datenbank der Zeitschriftenaufsatz Abstract Abstracting (Anfertigung von Zusammenfassungen nach Regeln)
Eine Webseite wird durch eine Suchmaschine indexiert der von der Suchmaschine indexierte Teil des Internets die Wörter auf der Webseite die daraus erzeugten Eintragungen in der Datenbank der Suchmaschine automatisches Indexieren nach der Extraktionsmethode

1.1 Ziele

Beispiele für typische Fragen an Systeme, die Ergebnisse der Informationsaufbereitung präsentieren:

Weit gehend vernachlässigt wurde bisher der Aspekt der Qualitätssicherung und -filterung bei der Informationsaufbereitung. Man hat das Thema Bereichen, die der Informationsaufbereitung vorgelagert sind, überlassen, z.B.:

Zukünftig sollte sich auch die Informationsaufbereitung mit Fragen des Niveaus und der Qualität von Informationsprodukten befassen. Die (an sich schlichte) Informationsaufbereitung bei Internet-Buchhandlungen (www.amazon.de usw.) versucht, Qualität abzubilden als Ranking der Verkaufszahlen und Einschätzungen durch Kunden (kundenbezogener Qualitätsbegriff). Ansätze zur Einbeziehung des Qualitätsaspekts in die Informationsaufbereitung können sein:

1.2 Grundlegende Ansätze

Ansätze – Erläuterungen und Beispiele:

Ansatz Erläuterung Beispiele
Ordnung Anwendung eines dem Nutzer bekannten Ordnungsprinzips
  • systematische Freihandaufstellung in einer Bibliothek
  • systematische Gliederung einer Bibliografie
  • alphabetische Auflistung
  • chronologische Auflistung

Homer sagt (15. Gesang der Odyssee, Übers. von J. H. Voß): „Das Beste bei allem ist Ordnung.“
Robert Musil schreibt (Der Mann ohne Eigenschaften, Reinbek 1995, S. 465): „Irgendwie geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über.“

Informationsstrukturierung unterscheidbare Elemente, die das Informationsobjekt beschreiben, werden Kategorien zugeordnet (in die vorgesehenen Felder der Datenbank eingetragen) Bei einer Titelaufnahme wird u.a. unterschieden zwischen:
  • Hauptsachtitel und Zusatz zum Hauptsachtitel
  • Verfasser und Herausgeber
Informationsextraktion relevante Wörter, Phrasen oder Texte werden dem Informationsobjekt entnommen
  • Stichwortregister
  • Current-Contents-Dienste
  • Datenbanken der Suchmaschinen
Informationsaddition
  • Abstracting: ein referierender Text wird verfasst und dem Informationsobjekt zugeordnet
  • Indexierung: inhaltsbeschreibende Termini werden einem Thesaurus entnommen und zugeordnet
  • Titelaufnahme: normierte Ansetzungen für Verfassernamen und Einheitssachtitel werden zugeordnet
  • Titel: Götter, Gräber und Gelehrte. Schlagwort: Archäologie
  • Titelblatt: Vergil. Ansetzung: Vergilius Maro, Publius
  • Inlay Card: Beethovens mittlere Streichquartette. Ansetzung: Beethoven, Ludwig van: [Quartette, Vl 1 2 Va Vc / Ausw.]

Die meisten Methoden der Informationsaufbereitung kombinieren mehrere Ansätze. Beispiele:

Für die Informationsstrukturierung auf Basis einer Datenbank muss ein Datenformat definiert werden. Das Datenformat

Die verbreiteten Datenformate für Katalogdatenbanken in Bibliotheken sind im deutschsprachigen Raum MAB2 und in USA MARC21; zukünftig soll MARC21 auch in Deutschland angewendet werden.

1.3 Informationsprodukte

Informationsprodukte als Ergebnis der Informationsaufbereitung kann man unterscheiden nach:

Informationsprodukte (Beispiele) – Merkmale, Zweck, Hersteller, Formen:

Informationsprodukt (Beispiele) Merkmale Zwecke typische Hersteller Repräsentationsform
Platzierung, Präsentation
Lageplan UB Bielefeld
real-räumliche Aufstellung gemäß nachvollziehbaren Ordnungskriterien, z.B. gemäß einer Klassifikation.
Leit- und Orientierungssystem erforderlich
einfacher, unmittelbar einsichtiger Zugang zu körperlichen Medien Freihand-Bibliotheken, Museen im Besucherbereich real-räumlich im Nutzerbereich
Findbuch (Repertorium) knappe, pauschale Angaben über den Inhalt einer Archivierungseinheit, vor allem über den abgedeckten Zeitraum und die Provenienz; Angabe des Standorts der Archivierungseinheit; ggf. Link zum digitalen Informationsobjekt Erschließung von Archivierungseinheiten (meistens Aktenkonvolute, Konvolute von Briefen und Manuskripten) in Archiven hauptsächlich für die Archivare Archive online, Print, skriptografisch
Inventar (der Skulpturhalle Basel) mehr oder minder umfangreiche, strukturierte Beschreibung der Objekte; Angabe des Standorts des Objekts Erschließung von Objekten in Museen, hauptsächlich für die Kustoden Museen online, Print, skriptografisch
Lokaler Bibliothekskatalog
OPAC StB Altena
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; Angabe des Standorts des Exemplars; ggf. Link zum Informationsobjekt Erschließung von Bibliotheksbeständen Bibliotheken online
Bibliotheks-Verbundkatalog
GBV-OPAC
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; Angabe des Standorts des Exemplars; ggf. Link zum Informationsobjekt Erschließung von Bibliotheksbeständen Bibliotheken online
Virtueller Katalog
KVK
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; Angabe des Standorts des Exemplars; ggf. Link zum Informationsobjekt Erschließung von Bibliotheksbeständen Bibliotheken online
Titelliste, Neuwerbungslisten (UB Mannheim) knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; Standort; ggf. Link, ggf. Bestellmöglichkeit laufende Bekanntmachung von Dienstleistungen alle Typen von Informationseinrichtungen Print, online
Bibliografie, bibliografische Datenbank, Diskografie, Filmografie
www.buchhandel.de
https://portal.dnb.de/
http://dispatch.opac.d-nb.de
http://uk.imdb.com
www.zavatar.de
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; Standort; ggf. Link, ggf. Bestellmöglichkeit Erschließung oder Verzeichnung von Publikationen Verlage, Medienhändler, Dokumentationsstellen, Datenbankhersteller Print, online, CD-ROM
Bilddatenbank
http://bpkgate.picturemaxx.com
www.picture-alliance.com
mehr oder minder strukturierte, knappe verbale Beschreibung von Bildinhalt und Bildkontext; Link, Bestellmöglichkeit Erschließung von Fotos Bildagenturen online, CD-ROM
Suchmaschinen, Internetkataloge
www.google.de
www.web.de
Indexe der Volltexte von Internet-Seiten mit Ranking der Treffer; Präsentation von Informationsextrakten; Link
systematische Linksammlung, ggf. mit Kurzbeschreibung; Link
Erschließung von mehr oder minder kleinen Ausschnitten des Internets Informationsdienstleister online
Feuilleton, Rezensionsdienst
www.dvd-basen.dk/uk
mehr oder minder lange Sekundärtexte unterschiedlichen Charakters (zusammenfassend, bewertend, kommentierend) Literaturkritik, laufende Bekanntmachung und Bewertung von Neuerscheinungen Zeitungen, Zeitschriften Print, online
Current-Contents-Dienst
SSG-CC
Inhaltsverzeichnis (ggf. Kopie) von Zeitschriften; ggf. mit Link, ggf. Bestellmöglichkeit laufende Bekanntmachung neuer Aufsätze, selektiert nach Zeitschriften Informationsdienstleister Print, online
Zitierindex
Web of Knowledge
sehr knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation und der darin zitierten Literatur Ermittlung der passiven Zitierhäufigkeit von Autoren, Aufsätzen und Zeitschriften Informationsdienstleister Print, online, CD-ROM
Profildienst, Alertdienst
WISO
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; ggf. Link oder Bestellmöglichkeit; ggf. auch Lieferung der Publikationen (bzw. Kopien) laufende Bekanntmachung neuer Aufsätze, selektiert nach eng umgrenzten Fragestellungen Informationsdienstleister Print, E-Mail, online
Standardrecherchen
Econis
knappe, strukturierte Beschreibung der Publikation; ggf. Link oder Bestellmöglichkeit laufende Bekanntmachung neuer Publikationen nach vermuteten Interessen Informationsdienstleister, Forschungsinstitute Print, E-Mail, online
Register (zu den Seiten der DNB) alternativer Zugang (meistens alphabetisch statt systematisch) zum Inhalt eines, seltener mehrerer Informationsobjekts/e verbesserte Feinerschließung von Informationsobjekten Verlage, Betreiber von Websites Print, online
Referatedienst (Abstracting Service)
PsycINFO
mehr oder minder kurze, standardisierte Sekundärtexte Effizienzsteigerung der Informationsversorgung durch Informationsverdichtung Verlage, Informationsdienstleister, Forschungsinstitute Print, online
Fortschrittsbericht, Literaturbericht, Review
Spezialbibliotheken als Herausgeber von "State-of-the-Art-Reports"
mehr oder minder lange, standardisierte Sekundärtexte (zusammenfassend, einordnend, wertend) erhöhte Effizienzsteigerung der Informationsversorgung durch Informationsverdichtung Informationsdienstleister, Forschungsinstitute Print, online


Virtuelle Fachbibliotheken

b2i – Wissenschaftsportal Bibliotheks-, Buch- und Informationswissenschaften

vielfältig: Mischung aus Merkmalen mehrerer anderer Informationsprodukte; Standort, ggf. Links, ggf. Bestellmöglichkeit. Idee des One-Stop-Shops erhöhte Effizienzsteigerung der Informationsversorgung durch Informationsaufbereitung, -verdichtung, -vernetzung und -bekanntmachung Bibliotheken, wissenschaftliche Gesellschaften, Informationsdienstleister online

1.4 Anforderungen an strukturierte Beschreibungen von Informationsobjekten

Mit den FRBR Functional Requirements for Bibliographic Records (deutsche pdf-Fassung: Funktionale Anforderungen an Bibliografische Datensätze) wurde 1998 erstmals ein Modell zur strukturierten Beschreibung von Informationsobjekten vorgelegt, das

Hierzu werden zunächst Entitäten der Informationsobjekte unterschieden:

Entitäten – Erläuterungen und Beispiele:

Entität Erläuterung Beispiel
Work (Werk): a distinct intellectual or artistic creation Als neue Werke gelten: Paraphrasierungen, Bearbeitungen, Dramatisierungen, Adaptionen in einer anderen Medienart, Zusammenfassungen, Parodien, Variationen Verdi, Giuseppe: Aida. Oper in vier Akten
Expression (Expression): the intellectual or artistic realization of a work in the form of alpha-numeric, musical, or choreographic notation, sound, image, object, movement, etc., or any combinations of such forms Textvarianten, gekürzte oder ergänzte Fassungen, Fassungen mit zusätzlichem Material, Fassung mit Untertiteln; übersetzte Fassung; bei Musikwerken: Arrangement, Fassungen mit veränderter Besetzung Aufnahme Wien, Wiener Philharmoniker 2001
Manifestation (Manifestation): the physical embodiment of an expression of a work Ausgaben auf verschiedenen Datenträgern oder online; Taschenbuch-/Hardcover-Ausgabe; Dia / Papierabzug 3 CDs : DDD, Hamburg : Warner Music Germany, c 2001, 8573-85402-2
Item (Exemplar) : a single exemplare of a manifestation das einzelne Exemplar. Verschiedene Exemplare sind i.d.R. identisch. Exemplar in der ZLB mit ID# 123456
Person (Person): an individual natürliche Personen als Urheber, an der Entstehung oder Expression oder Manifestation beteiligte Personen oder als Besitzer Verdi, Giuseppe [Komp.], Nikolaus Harnoncourt [Dir.] Gallardo-Domâs, Cristina [Gesang], Borodina, Olga [Gesang] u.a., Libretto: Antonio Ghislanzoni
Corporate Body (Körperschaft): organization or group of individuals and/or organizations acting as a unit Körperschaften (auch: Ausstellungen, Konferenzen, Messen, Festspiele) als Urheber, an der Entstehung oder Expression oder Manifestation beteiligte Körperschaften oder als Besitzer Wiener Philharmoniker, Arnold Schoenberg Chor, Warner Music Germany
Concept (Begriff): abstract notion or idea Wissensgebiet, Disziplin, Denkschule, Theorien, Themen als Gegenstand eines Works Liebe, Eifersucht, Macht, Verrat
Object (Gegenstand): a material thing fest oder beweglich, belebt oder unbelebt, natürlich oder menschliche Schöpfung als Gegenstand eines Works entfällt bei diesem Beispiel
Event (Ereignis : an action or occurence historische Ereignisse, Epochen, Perioden als Gegenstand eines Works Herrschaftszeit der Pharaonen
Place (Ort) : a location terristrisch, exo-terrestrisch, historisch, aktuell, geografisch, politisch als Gegenstand eines Works Memphis und Theben

Die Beziehungen zwischen den Informationsobjekten lassen sich wie folgt darstellen:

Primäre Beziehungen:

Work (Werk)
ist realisiert durch:
Expression (Expression)
ist verkörpert in:
Manifestation (Manifestation)
ist ein:
Item (Exemplar)

Beziehungen hinsichtlich der Verantwortlichkeiten:
Entität Beziehung Entität

Work (Werk)

ist geschaffen von

Person (Person)

bzw.

Corporate Body (Körperschaft)

Expression (Expression)

ist realisiert von

Person (Person)

bzw.

Corporate Body (Körperschaft)

Manifestation (Manifestation)

ist erstellt von

Person (Person)

bzw.

Corporate Body (Körperschaft)

Item (Exemplar)

ist in Besitz von

Person (Person)

bzw.

Corporate Body (Körperschaft)


Beziehungen hinsichtlich des Gegenstands:
Entität Beziehung Entität

Work (Werk)

hat zum Thema

Work (Werk)
oder Aspekte davon,
z.B. literarische Figuren

Expression (Expression)

Manifestation (Manifestation)

Item (Exemplar)

Person (Person)

Corporate Body (Körperschaft)

Concept (Begriff)

Object (Gegenstand)

Event (Ereignis)

Place (Ort)

Den Entitäten sind Attribute zugeordnet, das sind Merkmale, die die Entitäten so beschreiben, dass Fragen der Nutzer daran anknüpfen können. Man kann folgende Fragestellungen der Nutzer unterscheiden. Diese Fragestellungen kann man als Ausdifferenzierungen der Fragen oben verstehen. Einerseits gehen diese Fragen sehr ins Detail, andererseits bleiben nach diesem Anforderungsprofil einige potenzielle Fragen unberücksichtigt, z.B. Fragen, die sich auf Zusammenfassungen eines Werks richten, oder Fragen nach dem Niveau.

(1) Suche nach Manifestations (Manifestationen). Beispiele:

(2) Suche nach einer bestimmten Manifestation (Manifestation). Beispiele:

(3) Identifikation eines Work (Werks). Beispiele:

(4) Identifikation einer Expression (Expression). Beispiele:

(5) Identifikation einer Manifestation (Manifestation). Beispiele:

(6) Auswahl eines Work (Werks). Beispiel:

(7) Auswahl einer Expression (Expression). Beispiel:

(8) Auswahl einer Manifestation (Manifestation). Beispiele:

(9) Erlangung einer Manifestation (Manifestation). Beispiele:

Attribute der Entität Work (Werk) – Erläuterungen, Beispiele, Relevanz:


Work (Werk)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Titel Titel des Werks, Einheitssachtitel [Quartette, Vl 1 2 Va Vc / Ausw.] (1) (2) (3) (6)
Form Zuordnung des Werks zu einer Klasse gleicher Formtypen Roman, Sinfonie, Karte, Foto (6)
Datum i.d.R. Jahr der Entstehung des Werks
Geplanter Abschluss Angabe, ob ein Abschluss geplant ist Schriftenreihe im Unterschied zum mehrbändigen Werk
Kontext Der historische, intellektuelle, künstlerische, sonstige Kontext der Entstehung des Werks Bei Verdis Aida: Auftragswerk für das aus Anlass der Eröffnung des Suezkanals erbaute Italienische Theater in Kairo
bei Musikwerken: Besetzung, Stimmen in Bezug auf das Werk Piano, Sopran (3) (4)
bei Musikwerken: Werknummer vom Komponisten, Musikwissenschaftler vergebene Werknummer Nummerierung der Werke Mozarts nach dem Köchel-Verzeichnis (3)
bei Musikwerken: Tonart   C-Dur, h-Moll (3)
bei kartografischen Werken: geografische Koordinaten Bezeichnung des Kartenausschnitts durch Koordinaten 53° nördlicher Breite, 47° nördlicher Breite, 6° östlicher Länge, 15° östlicher Länge (3) (6)
...

Attribute der Entität Expression (Expression) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Expression (Expression)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Titel Titel der Expression. Kann nur aus einer Nummer bestehen, wenn das Werk in mehreren Teilen realisiert wurde Mittlere Streichquartette (1) (2) (4) (6)
Form Form der Expression typografisch, Notenschrift, musikalisch, Tanz (4) (7)
Datum i.d.R. Jahr der Expression Jahr der Einspielung einer Musikaufnahme
Sprache Sprache der Expression Übersetzung, Synchronfassung (4) (7)
Erstreckung Angaben über zusätzliche Inhalte Director's Cut (4)
Umfang Umfang der Expression Spieldauer (4)
Benutzungsbeschränkungen aufgrund rechtlicher Bestimmungen oder Verfügung des Urhebers Sperrung von Archivalien bis x Jahr nach Tod des Urhebers (7)
bei Fortsetzungen: Form der nacheinander erscheinenden Teile   Bände, Nachlieferungen bei einer Loseblattausgabe
bei Fortsetzungen: Erscheinungshäufigkeit   vierteljährlich (3) (4) (7) (9)
...

Attribute der Entität Manifestation (Manifestation) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Manifestation (Manifestation)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Titel Titel der Manifestation. Z.T. gibt es mehrere Titel, z.B. auf dem Behältnis einer DVD anders als im Vorspann Formulierung auf dem Titelblatt oder Cover, z.B. Mittlere Streichquartette (1) (2) (5) (6) (9)
Angaben zur Verantwortlichkeit Personen oder Körperschaften, die für die Manifestation verantwortlich sind Herausgeber eines Sammelbands, Übersetzer, Schauspieler (1) (5) (8) (9)
Ausgabebezeichnung und
-zählung
bezeichnet Unterschiede zu früheren Manifestationen derselben Expression 2., aktualisierte und neu gefasste Auflage, Version 2.0 (5) (8) (9)
Erscheinungsort Sitzort des Verlags, Labels Wiesbaden (5) (9)
Verlagsangabe, Label   Harrassowitz (5) (9)
Erscheinungsjahr     (5) (8) (9)
Hersteller   Printed by ...
Reihentitel, Bandnummer   Band I, Folge 2 (5) (9)
Form und Anzahl des Trägermediums Medientyp, Dokumenttyp, Materialbenennung 6 Tonkassetten, 23 Mikrofilmrollen, gedrucktes Buch (5) (8) (9)
Material des Trägermediums wird in vielen Regelwerken mit der Form vermengt Papier, Plastik, Polycarbonat (8)
Aufnahmeverfahren analog, digital bei CDs: AAD, ADD, DDD
Abmessungen des Trägermediums   12 cm (5) (8)
Nummer der Manifestation singulär für die Manifestation ISBN (2) (9)
Zugangsbedingungen vom Lieferanten festgelegt Preis, Lizenzbedingungen (9)
Publikationsstatus einmalig, fortlaufend
... verschiedene weitere Angaben technischer Merkmale, z.B. mono/stereo; Verkleinerungsfaktor bei Mikroformen; Systemvoraussetzungen bei elektronischen Ressourcen; Fernzugriff (online); URL

Attribute der Entität Item (Exemplar) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Item (Exemplar)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Identifikationsnummer des Exemplars Individualsignatur, Barcode
Provenienz früherer Besitz
Erhaltungszustand
Zugangsbeschränkungen   Lesesaal-, Ausleihexemplar; Campuslizenz
...

Attribute der Entität Person (Person) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Person (Person)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Name i.d.R. normiert. Die Praxis deutscher Regelwerke, bei der Sacherschließung andere Ansetzungsformen als bei der Formalerschließung festzulegen, widerspricht diesem Ansatz Louis <France, Roi, XIV>
Ludwig <Frankreich, König, XIV>
(1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) (9)
Lebensdaten d.h. auch Verfasser werden individualisiert   (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) (9)
...

Attribute der Entität Corporate Body (Körperschaft) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Corporate Body (Körperschaft)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Name i.d.R. normiert. Die Praxis deutscher Regelwerke, bei der Sacherschließung andere Ansetzungsformen als bei der Formalerschließung festzulegen, widerspricht diesem Ansatz. Humboldt-Universität (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) (9)
Ort     (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) (9)
...

Attribute der Entität Concept (Begriff) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Concept (Begriff)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Bezeichnung des Begriffs   Wirtschaftswissenschaft, französische Literatur (1) (6)

Attribute der Entität (Object) Gegenstand – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Object (Gegenstand)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Bezeichnung des Objekts   Eiffel-Turm, Apollo 11 (1) (6)

Attribute der Entität Event (Ereignis) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Event (Ereignis)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Bezeichnung des Ereignisses   Zeitalter der Aufklärung, das 19. Jahrhundert, Französische Revolution (1) (6)

Attribute der Entität Place (Ort) – Erläuterungen, Beispiele, Relavanz:


Place (Ort)

Attribute (Auswahl) Erläuterungen Beispiele relevant für welche Fragestellung
Bezeichnung des Ortes   Paris, Landkreis Salzwedel, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (1) (6)

In herkömmlichen Regelwerken

Grenzen des Datenmodells der FRBR:

1.5 Anforderungen an Systeme der Informationsaufbereitung

Anforderungen an Systeme zur Erschließung durch Platzierung und Präsentation:

Anforderungen Umsetzung
  1. Die Anordnung der Objekte muss den Fragestellungen der Nutzer entsprechen.
In Freihandbibliotheken i.d.R. systematische Aufstellung der Sachliteratur. Andere Fragestellungen (z.B. nach Verfassern) können dann nicht durch Aufstellung beantwortet werden.
  1. Die Anordnung der Informationsobjekte muss den Merkmalen der Objekte entsprechen.
Die meisten Bücher über Radtouren behandeln auch Fahrradtechnik. Eine Aufstellungssystematik, die in der Hauptklasse Sport eine Unterklasse für Radsport und in der Hauptklasse Technik eine Unterklasse für Fahrradtechnik enthält, taugt nicht.
  1. Die körperliche Präsenz muss geeignet sein, die Objekte angemessen zu nutzen.
Schlecht wäre die Trennung der Bücher von den CD-ROM-Beilagen: Bücher im Regal nach Systematik, CD-ROMs im Schrank nach Zugangsnummer.

Anforderungen an Systeme, die mit Repräsentanten arbeiten:

Anforderungen Umsetzung
  1. Die Repräsentanten müssen diejenigen Merkmale der Informationsobjekte abbilden, auf die die Fragestellungen der Nutzer sich richten.
  • Z.B. Gewichtsangaben bei Büchern in Warenwirtschaftssystemen des Buchhandels zur Optimierung der Transport- und Verpackungslogistik.
  • Z.B. Einbandfarbe, weil Nutzer sich oft daran und an die Größe erinnern.
  • Hier ein Kategoriensystem zur Beschreibung von Kunstwerken.
  • Nicht von Belang ist, wo die Bestandteile der Repräsentanten gespeichert sind, wenn sie nur aufgrund der Recherche "richtig" zusammengesetzt werden. Z.B. verlinkt die Lane Memorial Library (Hampton <NH>, USA) ihre bibliografischen Daten im OPAC mit den Rezensionen in amazon.com.
  1. Die Abbildungen der Merkmale der Objekte (Metadaten) müssen retrievalfähig sein.
In den meisten OPACs ist nur ein Teil der Felder retrievalfähig. Fast immer sind nur verbale Beschreibungen und zugeordnete künstliche Termini einer Auswahl von Objektmerkmalen vorhanden. Wenn die Repräsentanten Bilder enthalten (z.B. Amazon), sind diese i.d.R. nicht unmittelbar retrievalfähig.
  1. Die anhand der retrievalfähigen Metadaten gefundenen Datensätze müssen zusätzlich angeben, wie man Zugriff auf das Informationsobjekt gelangt.
I.d.R. geben Bibliothekskataloge die Signatur an. Beispiele für weitergehende Lösungen:
  1. Verbreitet in OPACs ist, den Status anzugeben (ausleihbar, z.Zt. verliehen, vorbestellbar).
  2. Im OPAC der UB Bielefeld kann man bei der Ergebnisanzeige einen Grundriss mit Wegweisung aufrufen.
  3. Aus dem Zeitschrifteninhaltserschließungssystem MedPilot heraus kann man eine Aufsatzkopie bestellen.
  4. Bei digitalen Objekten in Datennetzen sollte das Objekt aus dem Retrievalsystem heraus zur Anzeige gebracht werden können;
    Beispiel: JSTOR The Scholarly Journal Archive

Für Katalogisierungsregelwerke und -praxis in Bibliotheken formulierte die IFLA als Ergebnis einer Folge internationaler Konferenzen eine "Erklärung zu den internationalen Katalogisierungsprinzipien" (2009). Danach sollen Katalogisierungsregelwerke vor allem folgende Anforderungen erfüllen:

Kataloge sollen danach so gestaltet sein, dass Benutzer in der Lage sind:

1.6 Methoden der Informationsaufbereitung

Folgende Methoden kann man unterscheiden:

1.6.1 Freie Termini

Freie Termini sind Termini, die dem Informationsobjekt entnommen sind oder dem Indexat ohne Weiteres hinzugefügt werden. Voraussetzung ist für die Entnahme ist, dass das Informationsobjekt Wörter enthält (Problem z.B. bei nicht betexteten Fotos).

Folgende freie Termini werden bevorzugt zur Indexierung verwendet:

1.6.2 Kontrollierte Termini aus einer Indexierungssprache

Kontrollierte Termini werden (auf der Basis von vorhandenen Informationsobjekten oder vorab) Informationsobjekt übergreifend festgelegt (normiert), in einer Normdatei festgehalten und dem einzelnen Informationsobjekt zugeordnet, wenn bei der Erschließung des einzelnen Informationsobjekts erkannt wird, dass der betreffende kontrollierte Terminus für dieses Informationsobjekt zutrifft.

Beispiel für einen Normdatensatz aus der Personennamendatei:

PND Normdatensatz (Miniaturbild)

Beispiel für einen Normdatensatz aus der Schlagwortnormdatei:

SWD Normdatensatz (Miniaturbild)

Bevorzugt werden kontrollierte Termini verwendet für:

Selten werden Erscheinungsorte und Verlagsnamen als kontrollierte Termini verwendet, noch seltener weitere Merkmale der bibliografischen Beschreibung. Beispiel für die Verwendung der Erscheinungsorte als kontrollierte Termini: Katalog 1501-1952 der Bayerischen Staatsbibliothek und Systematik.

Beschreibung von Indexierungssprachen

Folgende Begriffe sind bei der Beschreibung von Indexierungssprachen wichtig:

1.6.3 Metadaten

Metadaten (Daten über Daten, d.h. stark strukturierte Beschreibungen der Informationsobjekte, z.B. Titelaufnahmen, Schlagwörter, Klassifikationsmerkmale, Header in HTML-Dokumenten) werden erzeugt, indem anhand eines Strukturschemas die entsprechenden Aussagen über das Informationsobjekt (z.B. Wie lautet der Titel, wer ist der Verfasser, was ist das Thema?) diesem zugeordnet oder entnommen werden. Der Sachverhalt geht auf die Antike zurück; der Terminus Metadaten stammt aus dem Vor-Internet-Zeitalter, er erlebt seinen Durchbruch im Zusammenhang mit Versuchen, das WWW zu erschließen.

1.6.3.1 Dublin Core Metadata Element Set

(Nach dem Ort Dublin <Ohio>, wo seit 1995 Workshops zur Entwicklung dieses Kategorienschemas stattfanden.)

Das DC-Kategorienschema stellt ein Minimum an Kategorien zur Verfügung, die digitale Ressourcen so beschreiben, dass sie identifiziert und besser gefunden werden. Über eine Indexierung des Volltexts hinaus sollen genormte Angaben zur Beschreibung der digitalen Ressource erfolgen. Die Idee ist, dass spezielle Suchmaschinen die von den Autoren im Header der digitalen Ressourcen angegebenen DC-Metadaten indexieren und somit eine dem Google-Ansatz qualitativ überlegene Erschließung möglich wird. Das ist außerhalb der wissenschaftlichen Online-Publikation bisher in sehr bescheidenen Ansätzen der Fall. Fast alle Suchmaschinen ignorieren DC-Metadaten.

Das DC-Kategorienschema ist in DIN-ISO 15832-2003 kodifiziert.


DC-Kategorienschema:

Metatag Erläuterungen
Title / Titel Der für die Ressource vergebene Name (Titel)
Creator / Verfasser, Urheber Derjenige, der in erster Linie für die Erstellung des Inhalts verantwortlich ist
Subject / Thema, Schlagwörter Das Thema des Ressourceninhalts
Description / Inhaltliche Beschreibung Die Darstellung des Ressourceninhalts
Publisher / Verleger oder Herausgeber Person oder Körperschaft, die für die Veröffentlichung bzw. Verfügbarkeit der Ressource verantwortlich ist
Contributor / Weitere beteiligte Personen oder Körperschaften Weitere Personen oder Körperschaften, die zum Inhalt der Ressource beiträgt
Date / Datum Ein Datum, das ein Ereignis im Lebenzyklus der Ressource darstellt, z.B. Entstehung, erste Publikation, Aktualisierung
Type / Ressourcenart Art des Ressourceninhalts, z.B. Dataset, Event, Image, Text...
Format / Format Dateiformat, z.B. text/html, application/zip, image/jpg
Identifier / Identifikation Die eindeutige Bezeichnung, meistens der URL
Source / Quelle Hinweis auf Ressourcen, von denen die vorliegende Ressource abhängt, z.B. Diese Seite gehört zu...
Language / Sprache Die Sprache(n) des Inhalts der Ressource
Relation / Beziehung zu anderen Ressourcen auch Reference genannt. Zum Bspl.: bezieht sich auf...
Coverage / Abdeckung Geografische, zeitliche oder fachliche Erstreckung des Ressourceninhalts
Rights Management / Rechteverwaltung Informationen über die Rechte, die an der Ressource und sie betreffend vorhanden sind, z.B. lizenzpflichtig

Zu jedem Metatag soll nicht nur der Inhalt angegeben werden, sondern auch, welcher Norm oder welcher Regel die Angabe des Inhalts folgt. Beispiele:

<meta name="DC.creator" content="Umlauf, Konrad">
<meta name="DC.date.created" scheme="DCTERMS.W3C-DTF" content="2006-4-14">
1.6.3.2 Regelwerke und Instrumente zur Formalerschließung

Die Formalerschließung (Synonyme: formale Erfassung, formale Analyse, Formalkatalogisierung, alphabetische Katalogisierung, Objektdokumentation, Titelaufnahme; z.T. auch: bibliografische Beschreibung, bibliografische Aufnahme - aber die letzten beiden Termini schließen z.T. die Inhaltserschließung ein) richtet sich vor allem auf formale Merkmale des Dokuments, z. B. Verfasser, Titel, Ausgabe, Dokumenttyp. Sie soll dazu führen, dass dem Benutzer die Fragen unter 1.5 beantwortet werden können, soweit sie nicht den Inhalt betreffen. In der deutschsprachigen Bibliothekstradition werden Formalerschließung und Indexierung (Sacherschließung, Inhaltserschließung) als scharf getrennte Aufgaben angesehen, nicht so in der angloamerikanischen Bibliothekstradition und in der Tradition der Informationsdienste (Dokumentation).

Erforderlich ist ein Beschreibungsschema oder Datenformat (Synonyme: Datenerfassungsschema, Datenbasisschema, Datenkatalog, Kategorienschema), das die zu erfassenden Merkmale enthält und definiert. Regelwerke zur Formalerschließung müssen folgende Fragen beantworten:

Beispiele:

Formulierung in der Vorlage ... wird nach RAK in folgender Form erfasst,
z.T. zusätzlich zur Vorlageform:
Kunst & Kultur Kunst und Kultur
Symphony No. 1 in C major [Sinfonien op. 21]
Volume VI 6
Friedrich der Große Friedrich <II., Preußen, König>
Louis de Broglie Broglie, Louis de
Eduardo de Filippo De Filippo, Eduardo

Als grundlegender Standard ist die International Standard Bibliographic Description (ISBD) anerkannt. Geregelt ist darin, welche Elemente zu erfassen sind, in welcher Reihenfolge sie angeordnet werden und welche Deskriptionszeichen sie voneinander trennen. Die ISBD(G) – das G steht für general = allgemein – sieht folgendes Schema vor:

Sachtitel- und Verfasserangabe. - Ausgabebezeichnung. - Erscheinungsvermerk. - Kollationsvermerk. - (Gesamttitelangabe)
Erste Fußnote. - Zweite Fußnote. - [usw.]
Nummern [z. B. ISBN]
Bandaufführung des ersten Bandes
Bandaufführung des zweiten Bandes [usw.].

Jeder Bereich der Angaben (Sachtitel- und Verfasserangabe, Ausgabebezeichnung usw.) enthält eine Reihe von Elementen, z.B. sind für den Bereich Erscheinungsvermerk vorgesehen:

Außerdem ist die Interpunktion geregelt. Nicht geregelt sind in der ISBD die Form der Merkmalsausprägungen, z.B. S. Fischer Verlag oder S. Fischer oder Fischer.

Für spezielle Medientypen liegen Varianten der ISBD vor:

Die ISDB(ER) sehen beispielsweise u.a. folgende Elemente vor:

Die ISBD (Consolidated Edition 2007, Neuausgabe 2011) fasst die Varianten unter einheitlichen Gesichtspunkten zusammen.

Verbreitet sind folgende Regelwerke, die mit * umfassen Angaben zur Formal- und Inhaltserschließung:

Maßgeblich in Bibliotheken sind:

AACR2 und RAK scheinen komplizierter und schwieriger zu sein als andere, insbesondere dokumentarische Regelwerke. Der Grund ist, dass sich RAK und AACR2 auf extrem inhomogenes Material beziehen, während dokumentarische Regelwerke zur Formalerschließung stärker homogenes Material voraussetzen (z. B. keine antiken und mittelalterlichen Verfasser, keine Noten, kein Bedarf nach katalogmäßiger Zusammenführung verschiedener Ausgaben desselben Werkes).

Wichtige Unterschiede zwischen RAK und AACR2 sind:

Hesse, Hermann:
Der Steppenwolf / Hermann Hesse. - 1. Aufl.. - Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2000. -
229 S. ; 18 cm
(Suhrkamp-Taschenbuch ; 3143)
ISBN 3-518-39643-9 Pp. : DM 18.00, EUR 9.20

Der Steppenwolf [Tonträger] / Hermann Hesse. Ungekürzt gelesen von Will Quadflieg. -
Hamburg : Universal Music, 2002. - 6 CDs : stereo, ADD ; in Behältnis 13 x 14 x 2 cm
+ Texth. (12 S.)
(Deutsche Grammophon : Literatur)
ISBN 3-8291-1229-7

AACR2 und RAK werden demnächst abgelöst durch Resource Description and Access RDA. Vor allem folgende Bibliotheken und Organisationen stehen hinter dem 2008 veröffentlichten RDA-Standard: American Library Association, Canadian Library Association, CILIP (Chartered Institute of Library and Information Professionals), Library of Congress, Library and Archives Canada, British Library und National Library of Australia.

Der RDA-Standard weist folgende Merkmale auf:

Seit 2013 stehen Anwendungsregeln für den deutschen Sprachraum zur Verfügung. Sie bezieht sich auf die englischsprachige Fassung und trifft vor allem Festlegungen, wenn dort Alternativen vorgesehen sind. Angaben im Standardelemente-Set, die gegenüber herkömmlichen Katalogisaten deutlich anders sind oder eine deutliche Erweiterung darstellen, sind u.a.:

Mit RDA wird der Aufwand bei der Katalogisierung bedeutend größer als heute – es müssen mehr Daten erfasst werden -, aber der Erfolg beim Information Retrieval und der Nutzen, den Kataloge stiften, wächst auch beträchtlich. Der RDA-Standard entfaltet deshalb eine Dynamik, die einerseits eine hervorragend durchdachte internationale Arbeitsteilung und andererseits einen konsequenten Datenaustausch und eine Fremddatenübernahme in großem Stil fordert. Allerdings erlaubt RDA auch verknappte, auf wenige Kernelemente reduzierte Katalogisate.

RDA steht nicht nur als textliches Regelwerk zur Verfügung, sondern als web-basiertes Tool (www.rdatoolkit.org), das die Nachnutzung von Metadaten aus externen Quellen unterstützt. Auf Basis von RDA erstellte Bibliothekskataloge werden einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung des Semantic Web leisten, indem sie Begriffe, Benennungen und Bezeichnungen zusammenführen und Suchmaschinen erlauben, mehr zu leisten als Zeichenfolgen abzugleichen.

Bisher fehlen in allen Regelwerken Normierungen für:

Deutsche Kartenkataloge vor Mitte der 1970er-Jahre, die für den Zugang zu älterer Literatur z.T. noch bedeutsam bleiben, soweit noch nicht in die EDV konvertiert, legten meistens das Regelwerk Preußische Instruktionen PI (Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preußischen Bibliotheken, 1899, maßgebliche Fassung 1908) zugrunde. Eigenarten der PI:

1.6.3.3 Regelwerke und Instrumente zum Indexieren

Indexieren ist die Zuordnung von Termini, die den Inhalt, ggf. auch die Form eines Informationsobjekts beschreiben, zu diesem bzw. zu seinem Repräsentanten. Synonyme: Inhaltserschließung, Inhaltsdokumentation. Die zugeordneten Termini können

Typen von Indexierungssprachen

Weiterhin kann man Indexierungssprachen danach unterscheiden, wie sie mit komplexen Sachverhalten umgehen, z.B. dem Thema Öffentlichkeitsarbeit durch Universitäten:

Regelwerke zum Indexieren müssen folgende Fragen beantworten:

Regelwerke und Anleitungen:

1.6.4 Metatexte

Metatexten (Texte über Texte) sind verkürzte verbale Beschreibungen eines Informationsobjekts, z.B. Inhaltsreferate, Abstracts, Rezensionen.

Metatexte informieren über eine mehr oder minder eingegrenzte Auswahl der folgenden Aspekte. In vielen Metatexten verzichtet man auf Angaben zu etlichen dieser Aspekte, weil die bibliografische Beschreibung (die Metadaten) bereits Auskunft geben, teilweise wird die Angabe weggelassen, weil sie aus dem Kontext des Metatextes evident ist. Beispielsweise wird in wissenschaftlichen Referateorganen nie gesagt, dass die Referate sich an Wissenschaftler richten. Je heterogener Zielgruppen und Verwendung der Metatexte sind, desto mehr Explikation ist erforderlich.

  1. die Publikationsform (elektronische Ressource online oder offline, Zeitschriftenaufsatz, wissenschaftlicher Report, Monographie, Reihentitel, Loseblattwerk, Neuauflage, Neuausgabe usw.),
  2. die äußere bzw. technische Form (DVD, CD-ROM, HTML-Datei, MC, Dateiformate, Systemvoraussetzungen, Taschenbuch, Hardcover, Ringbuch; Schrift, Satzspiegel, Papierart, Umfang usw.),
  3. Preis und Preiswürdigkeit, ggf. Lizenzbedingungen, rechtliche Zugangsvoraussetzungen, z.B. für Konsortien
  4. das Profil der Verlags,
  5. Bedeutung und Ruf der Urheber aufgrund früherer Veröffentlichungen und ihrer Funktionen,
  6. Thema, Sujet, Fragestellung, Zielsetzungen, Hypothesen, inhaltliche Thesen und Details, Ergebnisse und Schlussfolgerungen,
  7. Berücksichtigung des Wissensstandes, philosophische und weltanschauliche Voraussetzungen, Methoden,
  8. gesellschaftliche, ästhetische, pädagogische Normen und Werte,
  9. Aufbau, Gliederung, Erschließung, Apparat,
  10. Präsentationsformen und Ausstattung (Text, Illustrationen, Tabellen, graphische Darstellungen, Beilagen wie z.B. ein Lösungsheft, eine CD-ROM als Beilage zur Printpublikation, multimediale Eigenschaften bei elektronischen Publikationen usw.),
  11. didaktische Aspekte (Autoreferenzen, Übungsaufgaben ...),
  12. Schwierigkeitsgrad, Voraussetzungen beim Rezipienten,
  13. Sprache, Stil, Textsorten, literarische Formen, ästhetische Strukturen,
  14. Literaturhinweise, Bibliografie,
  15. Zielgruppen, bei Kinderliteratur und -medien: Alterseignung,
  16. Verwendungsmöglichkeiten,
  17. Einordnung in den fachlichen, literarischen, methodischen und Verwendungszusammenhang,
  18. Vergleich mit ähnlichen Veröffentlichungen,
  19. Vermarktungsstrategie des Verlags bzw. des Vertreibers,
  20. bereits erfolgte Reaktionen auf die Veröffentlichung, z.B. Aufnahme aufgrund der Erstveröffentlichung, wenn es sich um eine Neuauflage oder eine Erstübersetzung handelt,
  21. zusammenfassende Bewertung.

Je nach der Art der Auswahl, dem Zweck und Adressaten der Besprechung unterscheidet man vier Arten:

In Metatexten kann man teilweise gezielt suchen, und zwar:

1.6.4.1 Dokumentarische Inhaltskondensate

Das dokumentarische Inhaltsreferat entstand aus dem Bedürfnis, in Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Planung und Rechtsprechung die unübersehbar gewordene Fülle an Fachinformation durch Informationsverdichtung besser zugänglich zu machen. Damit der Verwender prüfen kann, ob die anhand der Deskriptoren oder der Klassifikation gefundenen Artikel-, zum geringeren Teil auch Buchnachweise für ihn geeignet sind, wird der Inhalt der Artikel, Bücher, Patente, Amtsdrucksachen usw. zusammengefasst wiedergegeben. Man unterscheidet nach DIN 1426 folgende Typen von Inhaltskondensaten:

Relevant im Dokumentationswesen ist vor allem das Kurzreferat in seinen verschiedenen Formen. Für seine Erstellung legt DIN 1426 Regeln fest, damit die Informationsverdichtung in objektiver Weise, unabhängig von Kenntnisstand und Formulierungslust des Dokumentars, erfolgt, was freilich nur eingeschränkt erreichbar ist. Kurzreferate müssen folgende Kriterien erfüllen:

Weitere Unterscheidungen bei Abstracts sind:

Durch Anwendung von Erkenntnissen der Textlinguistik will man die intellektuelle Tätigkeit des Abstracting optimieren. Verfahren der Künstlichen Intelligenz, bei der vorhandenes Wissen durch Rechner mit den Inhalten neuer Dokumente verglichen wird, sollen automatisches Abstracting möglich machen.

Gegenstand dokumentarischer Inhaltsreferate sind entgegen der üblicherweise angeführten Definition, wonach sich die Dokumentation mit dem Erschließen und Nutzbarmachen von Dokumenten aller Art befasst, nahezu ausschließlich wissenschaftliche und Fachveröffentlichungen für die professionelle Verwendung. Populäre Veröffentlichungen, seien es Kochbücher, Gesundheitsratgeber, Artikel in Illustrierten, Kinderliteratur oder Broschüren zur Verbraucherinformation sind zwar teilweise bibliographisch erschlossen, aber fast nie Gegenstand dokumentarischer Inhaltsreferate.

Beispiele für Datenbanken mit Abstracts:

Beispiel für ein Abstract aus: PsycINFO

PsycInfo (Miniaturbild)

1.6.4.2 Wissenschaftliche Rezension

Die wissenschaftliche Rezension ähnelt der kritischen Variante des dokumentarischen Inhaltsreferats: Sie stellt Fragestellung und Ziel des rezensierten Werkes dar, stellt knapp den Inhalt vor und misst die Ergebnisse an den Fragestellungen. Darüber hinaus ordnet sie das rezensierte Werk in den wissenschaftlichen Zusammenhang ein und setzt sich differenziert mit den wesentlichen Ergebnissen auseinander. Zitate aus dem Werk oder aus anderen Werken sind belegt. Absicht der wissenschaftlichen Rezension ist es, die erreichten Arbeitsergebnisse kritisch zu reflektieren, das rezensierte Werk auf diesem Hintergrund zu würdigen und im besten Fall der wissenschaftlichen Forschung neue Erkenntnisse und offene Fragen auf den Weg zu geben.

Die Domäne der wissenschaftlichen Rezension sind die Geistes- und Sozialwissenschaften; ihr Gegenstand sind vor allem Bücher, weniger häufig Zeitschriftenartikel. Wissenschaftliche Rezensionen erscheinen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und in Rezensionsorganen; Rezensionsorgane sind Zeitschriften, die nur aus wissenschaftlichen Rezensionen bestehen. Rezensionen werden erschlossen durch:

IBR. Internationale Bibliographie der Rezensionen geistes- und sozialwissenschaftlicher Literatur. München: Saur.

Beispiele für wissenschaftliche Rezensionsorgane:

1.6.4.3 Feuilletonistische Kritik

Ursprünglich hatte die Literaturkritik in Zeitschriften und Zeitungen, als sie im 17. und 18. Jahrhundert im Zusammenhang der Aufklärung entstand, die Funktion eines öffentlichen Räsonnements über literarische Wertmaßstäbe und Werke. Dieser Aufgabe wird die Literaturkritik in den Massenmedien heute kaum noch gerecht; teils steht die Unterhaltungsfunktion des Feuilletons, auch dort, wo es Buchbesprechungen enthält, im Vordergrund, teils ist seine Funktion uneinheitlich und unklar. Die Buchbesprechungen in Lokal- und Regionalzeitungen haben vor allem die Funktion eines redaktionellen Seitenfüllers, wenn die Seiten durch wichtigere Beiträge nicht ganz gefüllt werden konnten oder damit umgekehrt die Zeitungsseiten nicht ausschließlich durch Inserate gefüllt werden sollen. In überregionalen Zeitungen und in Zeitschriften sind Buchkritiken durch Beliebigkeit und Subjektivität des Urteils gekennzeichnet; in zahlreichen Fällen enthalten sie nicht einmal die grundlegendste Information über das besprochene Werk, nämlich eine hinreichende Objektbeschreibung (Verfasser, Titel, Verlag, Preis oder weitere bibliographische Daten) und eine angemessene Inhaltsangabe.

Die Essayistin Barbara Sichtermann (Die Woche, 23. Februar 1996 S. 31) beklagte 1996 die schleichende Verlagerung der Aufmerksamkeit im Publikum vom Werk auf dessen Kritik, ... so daß die Inszenierungen der Kritik mehr Raum und Interesse beanspruchen als die Werke, die sie kritisiert. ... Die Kritik ist inzwischen so ahnungslos (häufig), ungeduldig (meistens), apodiktisch (gerne) und selbstverliebt (immer öfter), daß man regelrecht riecht, wonach ihr der Sinn steht, wie gerne sie diesen letzten Klotz an ihrem Bein los wäre: das Buch und die Nötigung, es zu lesen.

In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel brachten 1994 die drei Schriftsteller Irene Dische, Jens Sparschuh und Michael Wildenhain ihr Unbehagen an der Literaturkritik auf den Punkt (Der Tagesspiegel, 2./3./4. April 1994 S. 15):

Die Literaturkritiker wechseln so unter der Hand ganz flink die Positionen, und dann wird unkenntlich, daß es ja eigentlich doch des Kritikers persönliche Meinung ist. Es würde nur helfen, und es hilft auch dem Autor, wenn ein Kritiker argumentative Zusammenhänge anführt. Wenn er selbst einen Text konstituiert, mit dem man etwas anfangen kann (Jens Sparschuh). Viel wesentlicher ist, daß es im Prinzip keine irgendwie geartete verbindliche, an Kategorien orientierte Auseinandersetzung über Literatur, Ästhetiken, politische Gehalte gibt. Diese Auseinandersetzung ist längst abgebrochen und daher gibt es eben tatsächlich die Privatmeinung (Michael Wildenhain). Ich meine, die Kritik hat eine unglaubliche Macht doch nur an der untersten Ebene. Wenn man an einen bestimmten Punkt gekommen ist, nicht mehr. Günter Grass wird seine Bücher immer verkaufen. Es gibt Leute, die irgendwann unabhängig sind, da kann man sagen, was man will. Und dann finde ich es eine Verschwendung, daß die großen Kritiker sich konzentrieren auf die sogenannten großen Schriftsteller. Da braucht man doch gar nichts zu sagen (Irene Dische).

Feuilletonistische Buchbesprechungen findet man u.a. über www.perlentaucher.de.

1.6.4.4 Bibliothekarische Begutachtung

Die bibliothekarische Begutachtung ist eine Besprechung, die das Personal an Öffentlichen Bibliotheken

  1. in die Lage versetzen soll, die Auswahlentscheidung mit Bezug auf Nachfrage und vorhandenen Bestand zu treffen,
  2. mit Blick auf die Auskunfts- und Beratungstätigkeit weiterqualifizieren soll.

Besonders wichtig sind deshalb in der Begutachtung Aussagen über die folgenden Aspekte:

Insgesamt sind bibliothekarische Begutachtungen wenig normiert, freilich sind auch die Qualitätserwartungen der Abnehmer unterschiedlich. Nach Sylvia Asmus werden die Begutachtungen zur Kinder- und Jugendliteratur im ekz-Informationsdienst den Anforderungen weitgehend nicht gerecht.

Die wichtigsten Organe bibliothekarischer Begutachtungen sind:

1.6.5 Automatische Indexierung

Bei der automatischen Indexierung leistet Software die Extraktion geeigneter Indextermini oder die Addition aussagefähiger Deskriptoren.

Mitunter werden automatisch generierte Metadaten intellektuell nachbearbeitet (geprüft, ggf. ersetzt, ergänzt, gestrichen; teilautomatische Verfahren). Das erhöht die Mengenleistung gegenüber dem rein intellektuellen Indexieren.

1.6.5.1 Aufgaben der automatischen Indexierung

Verfahren der automatischen Indexierung müssen die Probleme des Indexierens mit freien Termini behandeln. Dies soll an einem Beispielsatz erklärt werden.

Dietze, Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Suchtberatung, bringt hier die in den USA und Grossbritannien seit Jahren bewährten Methoden der betrieblichen Alkohol- bzw. Suchtprävention allen Vorgesetzten, Betriebs- und Personalräten und betrieblichen Suchtbeauftragten zur Kenntnis.

Insbesondere stellen sich folgende Aufgaben:

Meistens werden hierzu die im Folgenden dargestellten Verfahren in Kombination angewendet.

1.6.5.2 Computerlinguistische Verfahren

Ziel ist, Komposita und Flexionsformen auf die Grundformen der Wörter zu reduzieren.

1.6.5.3 Statistische Verfahren

Ziel ist, geeignete Indextermini zu identifizieren. Diese werden extrahiert. Geeignet sind solche Indextermini, die für den Inhalt charakteristisch sind. Man geht von folgenden Annahmen aus:

Folgende Ansätze kommen zum Einsatz:

  1. Ermittlung der Termfrequenz im Dokument: Wie oft kommt ein Terminus im Dokument vor im Verhältnis zur Anzahl der Termini im Dokument?
    Beispiel blauer Satz:
    23 Wörter (ohne Stopppwörter, nach Kompositazerlegung), Sucht kommt 3 x vor.
    Termfrequenz des Terminus Sucht im blauen Beispiel = 3/23 = 0,13.

  2. Ermittlung der Termfrequenz in der Dokumentensammlung: Wie oft kommt ein Terminus in der Dokumentensammlung vor im Verhältnis zur Anzahl der Termini in der Dokumentensammlung?
    Beispiel:
    Die Dokumentensammlung umfasst 100.000 Wörter, der Terminus Sucht kommt darin 350 x vor.
    Termfrequenz des Terminus Sucht in der Dokumentensammlung = 350/100.000 = 0,0035.

  3. Ermittlung der Signifikanz eines Terminus: Differenz der beiden Termfrequenzen = 0,13-0,0035 = 0,1265.

Je höher die Signifikanz eines Terminus, desto besser ist er zum Indexieren geeignet.

  1. Ermittlung der Anzahl der Dokumente, in denen der Terminus vorkommt: In wie vielen Dokumenten der Sammlung kommt der Terminus vor?
    Beispiel:
    Der Terminus Sucht kommt in 100 der 1.000 Dokumente vor.

  2. Ermittlung der inversen Dokumenthäufigkeit: Wie häufig kommt der Terminus im vorliegenden Dokument vor in Relation zur Anzahl der Dokumente, in denen er vorkommt?
    Beispiel:
    Häufigkeit von Sucht im blauen Beispiel: 3.
    Anzahl der Dokumente, in denen der Terminus vorkommt: 100.
    inverse Dokumenthäufigkeit = 3/100 = 0,03.

Je höher die inverse Dokumenthäufigkeit eines Terminus, desto besser ist er zum Indexieren geeignet.

Es erweist sich jedoch, dass die beiden Ergebnisse modifiziert werden müssen: In einer Dokumentensammlung zur Informatik kommt der Terminus Computer in vielen Dokumenten vor und zugleich im einzelnen Dokument häufig; er ist wenig zur Recherche geeignet. Deshalb ermittelt man Schwellenwerte für gute Indextermini; hochfrequente und niedrigfrequente Termini werden ausgeschieden.

Auf Basis der Termfrequenzen lassen sich Ähnlichkeiten zwischen Dokumenten errechnen (Klassenbildung) und Ähnlichkeiten zwischen Klassen von Dokumenten (Bildung einer Klassifikation); das Maß der Ähnlichkeit lässt sich grafisch als Abstand darstellen, Beispiel (Brockhaus Enzyklopädie digital 2005, Artikel Bibliothekswissenschaft in Relation zu verwandten Themen):

Beispiel Brockhaus Artikel (Miniaturbild)

Je länger die automatisch indexierten Texte sind (mindestens Referate, besser Volltexte), je homogener ihr Vokabular (z.B. fachsprachliche Texte eines Fachgebiets), je größer die Dokumentensammlung, desto besser sind die Ergebnisse des automatischen Indexierens.

Seit den 1990er-Jahren nehmen die Anwendungen des automatischen Indexierens zu: