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Eingeführt am: 25.06.1998; Letzte Änderung: 11.05.2000 - IS  
Relationale Datenbanksysteme


Relationale Datenbanksysteme

im einfachsten Sinne Programme, die Daten in Form von Tabellen verwalten (Knorz, 1997, S. 669)
basieren auf dem Relationen-Modell, das Ende der 60er Jahre von E.F. Codd entwickelt wurde



Terminologie
 
Relation: eine Tabelle, in der in zweidimensionaler Anordnung die Datenelemente erfaßt sind, wobei: 
  • Bestandsrelation: bildet eine Objektklasse mit identischen Merkmalen (Feldern) ab
  • Beziehungsrelation: schafft eine Beziehung zwischen zwei verschiedenen Bestandsrelationen
relationale Datenbank: eine aus verschiedenen Relationen (Bestands- und ggf. Beziehungsrelationen) aufgebaute Datenbank
Tupel: ein Datensatz bzw. eine einzelne Zeile in der Tabelle; enthält alle auf ein Objekt bezogenen Feldwerte bzw. Merkmalsausprägungen
Attribut: einzelne Spalte in der Tabelle (Feld von einem bestimmten Datenfeldtyp)
Domäne: Menge der verschiedenen Feldwerte eines Attributs
Schlüsselfeld: dient der eindeutigen Identifikation eines Tupels in einer Relation und der Herstellung von Beziehungen zwischen verschiedenen Relationen


Struktur einer relationalen Datenbank


Aufbau einer Relation (Bestandsrelation zur Abbildung einer Objektklasse):
 
Kunden- nummer Firma Ort Umsatz
10010 Müller München 175.000
10011 Maier Hamburg 100.000
10012 Adams Köln 125.000
10013 Kaiser Zürich 110.000
10014 Weber Innsbruck 185.000
 


Beziehungen zwischen Objekten verschiedener Objektklassen Artikel n : 1 Artikelgruppe

Relation "Artikel"                                                                        Relation "Artikelgruppe"
Artnr Name Möbelart Artgrnr Artgrnr Bezeichnung Lagerort
110 Felix Stuhl M10 M10 Eßmöbel A25
120 Bruno Tisch M10 M15 Kleinmöbel B13
125 Pascha Sessel M37 M16 Gartenmöbel C12
 
Zur Realisierung der Beziehung zwischen beiden Relationen wird der Schlüssel "Artgrnr" von "Artikelgruppe" als Fremdschlüssel in "Artikel" aufgenommen.
 

Ist eine m:n-Beziehung vorhanden, so muß ausgehend von zwei Relationen eine neue Relation, eine Beziehungsrelation, hergestellt werden. Diese kann weitere Informationen enthalten.
 
Verknüpfung der Bestandsdateien "Kunde" und "Artikel" in der Datenbank eines Handelsunternehmens zur Registrierung der Bestellungen (-> Datei "Aufträge")

Will man nun die Bestellung eines Artikels durch einen Kunden registrieren, kann man nicht einfach einen Schlüssel der einen Relation in die andere übernehmen: Ein Kunde kann verschiedene Artikel bestellen, ein Artikel kann von verschiedenen Kunden bestellt werden. Um also Mehrfacheinträge zu vermeiden, wird eine dritte Relation, "Auftrag", gebildet, die eine Beziehungsrelation (im Gegensatz zu den Bestandsrelationen "Kunde" und "Artikel" darstellt:

Relation KUNDE
Kundennr. Firma Adresse Kreditlimit Rabatt
100010 Müller München 10000 25%
100011 Maier Hamburg 20000 14%
100012 Adams Köln 11000 10%
100013 Kaiser Zürich 17000 25%
100014 Weber Bern 22000 30%
Relation ARTIKEL
Artikelnr. Bezeichnung Lagerbestd. Verk.-Preis
A10101 10 Disketten3,5 10.000 05,50
A10102 10 Disketten5,25 02.000 04,17
D20103 Farbband 22S 01.500 27,75
D20104 Endlospapier 01.000 15,10
Relation AUFTRAG
Kundennr. Artikelnr. Menge Datum Netto-Wert
100013 D20103 1000 10.2.92 20612,5
100012 D20104 1000 10.2.92 12966,0
100010 A10101 1100 11.2.92 04537,5
100013 A10101 1400 11.2.92 05775,0
Die Fremdschlüssel "Kundennummer" und "Artikelnummer" bilden die Beziehung und in der neuen Relation den zusammengesetzten Schlüssel. Zwischen den Bestandsrelationen "Kunde" bzw. "Artikel" und der Beziehungsrelation "Auftrag" besteht logischerweise eine 1 : n - Beziehung. Auch bei einer 1:1 - oder einer 1 : n - Beziehung ist die Einrichtung einer Beziehungsrelation zulässig und manchmal auch sinnvoll. Bei einer m : n - Beziehung ist eine Beziehungsrelation zwingend.


Relationenmodell Normalformenlehre Beispiel für eine Normalisierung:
Datenbankbeschreibungen (s.a. Datensätze aus Gale Directory of ... databases bei DIALOG).


Relationaler Datenbankentwurf
 
Aufgabe bzw. Problem Daten sollen verwaltet werden
Werkzeug (nicht Lösung!)  ein verfügbares Datenbankmanagementsystem (DBMS)
Ziel eine Datenbank, die die Struktur des Weltausschnitts sinnvoll widerspiegelt (repräsentiert), so daß die in diesem Ausschnitt anfallenden Daten so gespeichert und verwendet werden können, wie es aus Nutzungs- bzw. Anwendungssicht erforderlich ist
"Diese Struktur ist nicht einfach gegeben, sie muß z.T. entdeckt und z.T. konstruktiv entworfen werden, und zwar beim konzeptionellen Datenbankentwurf" (Knorz, S. 665).

DBMS:

Diese Schnittstellenhierarchie ist insbesondere seit den entsprechenden Empfehlungen des Standards Planing and Requirement Commitee (SPARC) des American National Standards Committee on Computers and Information Processing (ANSI/X3-SPARC-Report) zum Ausgangspunkt der Datenbanksystem-Architektur geworden (Langendörffer, S. 13).

Schritte, die notwendig sind, wenn ein Anwendungsprogramm einen Datensatz lesen will (Langendörffer, 1979, S.15):

  1. Das Anwendungsprogramm ruft das DBMS auf.
  2. Das DBMS wertet das vom Anwenderprogramm verwendete externe Schema aus, entnimmt diesem also die Beschreibung der verlangten Daten.
  3. Das DBMS greift auf das konzeptuelle Schema zu und besorgt für die in Frage kommenden Daten die entsprechenden Teile dieser Schicht.
  4. Das DBMS verschafft sich die benötigten Teile des internen Modells, ermittelt, welche physischen Sätze zu lesen sind, und legt die ggf. auszunutzenden Zugriffspfade fest.
  5. Das DBMS übergibt dem Betriebssystem (physische Schicht) die Nummern der zu lesenden Speicherblöcke.
  6. Das Betriebssystem übergibt die verlangten Blöcke dem DBMS in einem Pufferspeicher (Cache).
  7. Alle erforderlichen Datenumformungen, die durch Unterschiede zwischen konzeptuellem und externem Schema bedingt sind, werden vom DBMS durchgeführt.
  8. Das DBMS überträgt die Daten vom Systempuffer in den Arbeitsspeicher des Anwendungsprogramms, wo sie dann weiterverarbeitet werden können.
Entsprechend dem auf der konzeptionellen Ebene angebotenen Datenmodell spricht man von einem Hierarchischen, Netzwerk- oder relationalen Datenbanksystem.
Im relationalen Modell besteht das konzeptionelle Schema aus einer Menge von Relationen, die Objekte und Beziehungen zwischen Objektklassen repräsentieren.
 

Anwendungsbereiche für DBMS:

Relationaler Datenbankentwurf nach der Coddschen Normalformenlehre
 
 
Normalformenlehre d.i. formale Entwurfsmethode für relationale Datenbanken  
bietet Regeln zur Optimierung des Datenmodells
relationaler Datenbankentwurf d.h. benötigte Relationen im Einzelnen festlegen
relationale DBMS stellen für die spätere Nutzung ein klar umrissenes Inventar an Operationen zur Verfügung, mit dem sich als Ergebnis einer Anfrage neue Sichten auf den Datenbestand aus den vorhandenen Relationen ableiten lassen.
 

Zum Entwurf
"Die Gründe für den Erfolg des relationalen Datenbank-Konzeptes sind ein überzeugender Beleg für die Behauptung, derzufolge "nichts so praktisch ist wie eine gute Theorie" :-))))) (Knorz, S. 669).
 
 

Merkmale relationaler Datenbanken im Vergleich zu Datenbanken unter IRS



Quellen:

Datenbanken (Skript für Studenten der Wirtschaftsinformatik an der TU Berlin)

Hüther, H.: Das Relationenmodell und seine Möglichkeiten für Retrievalsysteme im Bereich der Informationswissenschaft. - In: Datenbasen, Datenbanken, Netzwerke : Praxis des Information Retrieval / hrsg. von Rainer Kuhlen. - München (u.a.) : Saur. - Bd. 2: Konzepte von Datenbanken. - 1979. - S. 59-84

Knorz, G.: Datenbank-Entwurfsmethoden. - In: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. - 4. Ausg., 1997. - S. 664-687.

Langendörffer, H.: Datenmodelle und die Anwendung eines CODASYL-artigen Datenbanksystems auf ein Dokument-Retrieval-System. - In: Datenbasen, Datenbanken, Netzwerke : Praxis des Information Retrieval / hrsg. von Rainer Kuhlen. - München (u.a.) : Saur. - Bd. 2: Konzepte von Datenbanken. - 1979. - S. 11-58

Michelson, M.:  Aufbau von Datenbanken

Umstätter: Rolle der Digitalen Bibliothek im Wissensmanagement : Einige grundlegende Gedanken. - In: Informations- und Wissenstransfer in der Medizin und im Gesundheitswesen / Hrsg. K.-H. Kaltenborn. - (ZfBB Sonderheft ; 72)


rel-db2.htm