Exkursion zu Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen an Rhein und Ruhr 1999

– Exkursionsbericht –

 

Leitung: Prof. Plassmann

Text: Ben Kaden (5. Sem.), Tuisko Steinhoff (4. Sem.)

 

 

Einleitung

Libraries are as the shrines where all the relics of the ancient saints, full of true virtue, and that without delusion or imposture, are preserved and reposed.
Francis BACON (1561-1626)
 

Es hat sich einiges in den Bibliotheken verändert, seit Sir Francis Bacon seine Gedanken niederschrieb.
Und diese nahezu metamorphosischen Verwandlungen von den Büchersammlungen zu progressiven Informationsdienstleistern behalten augenscheinlich ihre Kontinuität bei. Dieses Faktum wurde den Teilnehmern der Exkursion, sechs Studierenden der Bibliothekswissenschaft, mit eindringlicher Deutlichkeit in den fünf Tagen "an Rhein und Ruhr" vor Augen geführt.

Alle besichtigten Einrichtungen sind aktiv mit dem Einstieg in die Integration und der Entdeckung neuer Routen durch die sich zunehmend verästelnden Informationswege beschäftigt, bzw. versuchen, durch Modifikationen – welche durchaus bis in die Grundstruktur der Bibliotheken eingreifen können – dem ungeheuren Informationsdruck von allen Seiten zu begegnen. Damit dieses nicht wie der berühmte don-quijotesche Kampf mit den Windmühlen endet, ist eine radikale Umorientierung des Bibliothekswesens notwendig, die offenkundig verbreitet und in ihrer Realisierung schon weit fortgeschritten ist. Eine ganzes System ist im Wandel, und es ist außerordentlich spannend, diesen Prozess zu beobachten (und natürlich noch weitaus spannender, in diesen aktiv eingreifen zu können).

Die folgende Darstellung gibt zusammengefasst die Aspekte wieder, welche unserer Gruppe subjektiv am bemerkenswertesten erschienen.

 

  1. Exkursionstag 19.10.1999
  2. Das Informationszentrum Technik und Patente (ITP) in der UB Dortmund

    Das erste Ziel unserer Exkursion war das Informationszentrum Technik und Patente, welches zur UB Dortmund gehört. Aufgabe dieser Einrichtung ist es, Informationen zu Patenten, Marken und Geschmacksmustern an sich und weiterführend zum kompletten Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes bereitzustellen. Selbstrecherchen vor Ort sind ebenso möglich wie Auftragsrecherchen. Das Angebot umfasst neben der Patentinformationsrecherche die Stichwortrecherche, die Statistikrecherche, die Neuheitsrecherche, die Namensrecherche, die Rechtsstandrecherche sowie die Überwachungsrecherche. Dafür steht ein modernes Kommunikationsnetz mit CD-ROM-Servern und Jukeboxen mit neun Benutzerarbeitsplätzen zur Verfügung. Neben fachspezifischen bibliographischen CD-Roms sind entsprechende deutsche und internationale Online-Datenbanken recherchierbar. Die Zahl der gesammelten Dokumente beläuft sich auf ca. 3-4 Millionen. Die Einrichtung bedient mit ihrem Angebot Nachfragen aus dem gesamten Ruhrgebiet.
    Internet: Depanet & Informationszentrum Technik und Patente der UB DO

    Die Universitätsbibliothek Dortmund

    Im Anschluss besuchten wir die 1965 gegründete Universitätsbibliothek. Diese Bibliothek verfügt über mehr als 1,6 Millionen Medieneinheiten, im Besonderen aus den Wissensgebieten Mathematik, Ingineur-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, darunter zahlreiche DIN-Normen, VDE-Vorschriften und VDI-Richtlinien; etwa 5.200 Zeitschriften werden laufend gehalten.

    Mit der Zentralbibliothek bilden die spezialisierten 16 Bereichsbibliotheken ein einheitliches Bibliothekssystem. Die Bibliothek bietet den Nutzern im "Elektronischen Lesesaal" eine große Anzahl von Internetzugängen mit  Recherchemöglichkeiten. Die Bibliothek ist Mitentwickler des Zeitschriftenaufsatz-Lieferdienstes JASON. Sie ist der 1997 gegründeten Digitalen Bibliothek NRW angeschlossen und bietet als neuestes Projekt unter dem Namen ELDORADO das digitale Publizieren von Dortmunder Dissertationen im Volltext an.
    Internet: UB DO
     

    Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

    Der architektonische Höhepunkt der gesamten Exkursion war zweifellos die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, deren Neubau direkt gegenüber dem Hauptbahnhof steht und unmittelbar an die Innenstadt angrenzt. Schon die Lage der "Bibliothek für das 21. Jahrhundert", wie es in der aktuellen Broschüre heißt, verdeutlicht, dass eine moderne Bibliothek im Mittelpunkt stehen und für jeden leicht erreichbar sein sollte. Nach dem Umzug der Hauptbibliothek in das zentral gelegene Gebäude blieben gleichwohl alle Zweigstellen erhalten. Das Gebäude entstand unter der Planung des Schweizer Architekten Mario Botta. Für diesen ist die Bibliothek "die verkörperte Form des Gedächtnisses" , primär also an die alte Intention des Speichers für das Wissen der Menschheit angelehnt. Daher hat er bei seinem Entwurf neben der Funktionalität auch repräsentative Attribute in den Mittelpunkt gestellt.

    Die Zeit von der Grundsteinlegung bis zur Eröffnung dauerte nur ca. zwei Jahre, der Bau an sich kostete insgesamt 49 Mio. DM. Dabei hat man sowohl die finanziellen (um etwa 1 Mio. DM) wie auch die terminlichen Planungen (um drei Monate) unterboten, betonte der Leiter der Bibliothek Ulrich Moeske.

    Die Bibliothek ist zweigeteilt: Der erste Teil ist ein langes Gebäude, der sogenannte "Riegel", in welchem sich die Verwaltung befindet, außerdem das Institut für Zeitungsforschung und ein sehr attraktiver Veranstaltungsraum auf Erdgeschosshöhe, der durch seine Glaswände direkt vom anliegenden Durchgang einsehbar ist. In diesem werden regelmäßig Veranstaltungen (Lesungen etc.) durchgeführt. Der zweite Bereich, die "Rotunde" ist für die Bibliotheksnutzung an sich vorgesehen. Der gläserne Rundbau beherbergt die Freihandbestände (etwa 200.000 Medien), Internetarbeitsplätze, Onlinedatenbanken und auf jeder Etage einen Informationsschalter. Dieser Teil des Hauses ist absolut symmetrisch entworfen, die Geschosse sind via Rolltreppe miteinander verbunden. Die Grundfläche des Freihandbereiches beträgt ca. 4.000 m². Der Boden besteht durchweg aus Doppelböden, die eine nachträgliche Verlegung von Kabelage sehr erleichtern.

    Neben diesem zugänglichen Bereich besitzt die Bibliothek im Kellergeschoss Kompaktmagazine, in denen sich weitere 800.000 Medien befinden. Ebenfalls in lokaler Verwahrung ist eine sehr bedeutende Nachlasssammlung mit Schriften u.a. von Beethoven, Einstein und Annette von Droste-Hülshoff sowie die Dortmunder Autorendokumentation. Eine weitere interessante Besonderheit des Hauses ist die Artothek, in der Aquarelle, Grafiken und Zeichnungen entleihbar sind, und die nach den vorliegenden Daten sehr intensiv in Anspruch genommen wird. Selbstverständlich bietet die Bibliothek auch einen professionellen (kostenpflichtigen) Recherchedienst an.
    Fazit: Die neue Stadt- und Landesbibliothek Dortmund hat neben dem eindrucksvollen Gebäude eine sehr benutzerorientierte Gestaltung erfahren, welche innovativ und modern sicherlich ihrer Rolle als "Bibliothek für das 21. Jahrhundert" entgegen gehen kann.
    Weitere Infos im Internet unter: hier
     

  3. Exkursionstag 20.10. 1999
  4. Die Fachhochschulbibliothek Bochum

    Auf dem Campus der Ruhr-Universität befindet sich auch die Fachhochschule Bochum, welche auf die Fachgebiete Wirtschaft und Technik  ausgerichtet ist. Das Fächerangebot bestimmt in der dazugehörigen Bibliothek das Erwerbungsprofil; das Themenspektrum spiegelt sich in den in der Bibliothek freihand aufgestellten Titeln. Die Bibliothek an sich vereint zwei Teilbibliotheken: die Fachbibliothek Wirtschaft (die anderswo untergebracht ist) und die Fachbibliothek Technik, die Studiengänge wie Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik, Vermessungswesen etc. und ganz aktuell den Studiengang Mechatronik vereint. Da diese beiden Teile zu einem verbunden werden sollen, entsteht direkt neben dem Eingangsbereich der Fachhochschule ab Ende 1999 ein Bibliotheksneubau.

    Die Benutzerschaft umfasst die ca. 4.500 Studenten der FH und die etwa 150 Professoren, die hier die Rolle der Fachreferenten übernehmen, und der Bibliothek mitteilen, welche Titel akquiriert werden sollen. Der Bestand ist weniger als Büchersammlung sondern mehr als Informationsangebot ausgelegt, weswegen das Bestandsniveau auf etwa 120.000 Monografien gehalten und möglichst nicht erhöht wird. Des weiteren hält man hier 440 Zeitschriftentitel und 21 Zeitungen. Auch die obligatorischen CD-Rom-Datenbanken und Internet-Arbeitsplätze sind vorhanden. Während die letzteren – den Ausführungen der stellvertretenden Leiterin der Bibliothek, Heidi Martin, zufolge – stark frequentiert sind, ist das Datenbankangebot noch nicht in den Mittelpunkt der Nutzeraufmerksamkeit gerückt. Regelmäßige Nutzerschulungen in den Bereichen Recherche, Multimedia, Internet und wissenschaftliches Arbeiten sollen diesen Zustand ändern. Hilfreich dabei ist das sogenannte Lernzentrum, in welchem neben den Online- und CD-ROM-Zugängen auch die Möglichkeit besteht, fachspezifische Videos zu sehen oder auch virtuelle Lernprogramme zu nutzen. Vier Stunden täglich steht ein Informationsdienst zur Verfügung. Auf diesem Gebiet arbeitet die Bibliothek mit dem Institut für zukunftsorientierte Konzeptentwicklung der FH Bochum zusammen.
    Fazit: Die Bibliothek der FH Bochum beeindruckte durch ihre ausgeprägte Nutzerorientierung, speziell mit ihrer Ausrichtung auf virtuelle Lernmöglichkeiten.
     

    Die HBZ-Speicherbibliothek Bochum

    Nur einen Steinwurf von der FH-Bibliothek liegt die Speicherbibliothek des HBZ, eine Einrichtung die in ihrem Profil einen absoluten Kontrast zu der zuvor besuchten Instutition darstellt. Nicht die aktuelle Literatur steht hier im Mittelpunkt und auch nicht die Benutzung, vielmehr findet hier das alte Bibliotheksideal des Bewahrens auf Dauer seine Darstellung in Reinkultur.

    Durch das HBZ von Köln aus verwaltet, beschäftigen sich die beiden Mitarbeiter ausschließlich mit dem Einlagern von (bislang nur) Periodika, Zeitschriftenbeständen bzw. mehrbändigen begrenzten Werken ab fünf Bänden aufwärts, aus Hochschulbibliotheken. Aufgenommen werden solche Titel, welche nicht in die Zuständigkeit der Zentralbibliotheken fallen. Eine Einlagerung von Dubletten erfolgt nicht. Sämtliche Daten sind in der ZDB recherchierbar und auch eine Ortsbenutzung ist möglich, wird allerdings selten  in Anspruch genommen. Beliebter ist die Anforderung von Aufsätzen über JASON, die die Bibliothek problemlos mittels eines A 2 Scanners bedienen kann. Das zweigeschossige Mehrzweckgebäude, in dem sich die Bibliothek befindet, liegt auf dem Campus der Ruhr-Universität, und war in vergangenen Zeiten u.a. deren provisorische Mensa. Daher sind die Decken für die Aufstellung einer Büchersammlung weniger geeignet, was Kapazitätseinschränkungen zur Folge hat. Möglich ist hier die Einlagerung von ca. 700.000 Bänden, der momentane Bestand liegt bei 280.000, worunter sich 80.000 ausgelagerte Titel der Stadtbibliothek Köln, etliche vorübergehend  aufbewahrte  Zeitschriftenbände der Staatsbibliothek Berlin und hunderte Dissertationen der Universität Bochum befinden.
    Lit.: Erwin Hardeck: Die Speicherbibliothek Bochum des Hochschulbibliothekzentrums des Landes Nordrhein-Westfalen. – In: ABI-Technik 10 (1990) S. 13-18.
     

    Die Stadtbücherei Bochum

    Im Zentrum der Stadt, mit direkter baulicher Verbindung zum Rathaus, findet man die Stadtbücherei Bochum. Das Gebäude war am Tag unseres Besuches für den öffentlichen Betrieb geschlossen, da Arbeiten an der EDV-Anlage durchgeführt wurden, was uns aber nicht von einer ausführlichen Besichtigung abhielt. Zuvor jedoch analysierte die Leiterin, Frau IrmgardMämecke, in Vortragsform den Jahresbericht 1998, welcher einige bemerkenswerte Fakten enthält. Wie an der UB Dortmund findet hier ein Verkauf von Dubletten und ausgesonderten Titeln statt, der letztes Jahr Einnahmen von ca. 30.000 DM in die Bibliothekskasse brachte. Da die Bibliothek nach dem System der Budgetierung agieren kann, fließen diese Einnahmen nicht in die Stadtkasse, sondern kommen dem Haus unmittelbar zugute. Eine weitere außergewöhnliche Unterstützung in Höhe von 2,2 Mio. DM wird der Bücherei durch die Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Projekts "Bibliotheksfilialen" zuteil, für das Bochum gemeinsam mit Dresden aus 19 Großstadtbibliotheken ausgewählt worden ist. Das Geld soll für nutzeroreintierte Projekte eingesetzt werden, und nach unserem Eindruck ist es hier zu diesem Zweck in besten Händen.

    Das Haus hält zusätzlich zu den 510.000 Medien auch einen umfangreichen Informationsservice bereit, der intensiv genutzt wird. Im Belletristikbereich fiel die Präsentation neuer Titel auf, die sowohl optisch als auch von der Aktualität in Konkurrenz zum Buchhandel durchaus bestehen kann. Die Bestseller der etwa zeitgleich stattfindenden Frankfurter Buchmesse waren in mehreren Exemplaren vorrätig. Thematisch zusammengefasste Literaturlisten, die oft parallel zu Ausstellungen oder Jahrestagen erscheinen, geben einen überschaubaren Einblick in verschiedenste Gebiete (z.B. "Stief und Halb und Adoptiv" – Neue Formen der Familie, "Natur kommt in die Stadt", "Theodor Fontane" etc.). Es ist geplant, einen Lieferdienst für bestellte Titel bis an die Haustür des Entleihers zu installieren. Ein umfangreicher Veranstaltungsplan  (410 Events im letzten Jahr), soll wiederum die Nutzer in die Bibliothek locken. Besonders im Bereich der Kinderbibliothek ist man hier aktiv. Diverse Projekte werden in Zusammenarbeit mit den ÖB in Essen, Duisburg und Möchengladbach optimiert. Weiterhin sollen ausgewählte Zweigstellen der Bibliothek in Zukunft spezialisierte Informationsaufgaben erfüllen, z.B. ist die Einrichtung einer Multimedia-, einer Jugend- und einer Aus-, Fort- und Weiterbildungsbibliothek vorgesehen.

    Fazit: Die Stadtbücherei Bochum ist eine sehr nutzerorientierte ÖB, bei der ebenfalls der Gedanke der Informationsdienstleistung verstärkt in den Vordergrund rückt, die aber daneben den Unterhaltungsaspekt einer Bibliothek weiterhin ausbaut.

     

  5. Exkursionstag 21.10.1999
  6. Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin in Köln

    Die nächste Einrichtung war wiederum eine WB, diesmal eine sehr spezielle. Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin ist eine der vier Zentralen Fachbibliotheken und, wie der Name schon sagt, ausschließlich auf Literatur zur Humanmedizin und zu ihren sämtlichen Randgebieten spezialisiert. In dieser Funktion ist sie die größte ihrer Art in Europa. Als Zentralbibliothek wird sie vom Land NW, den anderen Bundesländern und dem Bund finanziert. Die Anschaffungskosten liegen im Jahr bei etwa 5 Mio. DM. Damit werden die gesamte deutsche Produktion und der größte Teil der einschlägigen ausländischen Literatur angeschafft.

    Verstärkt kommen  auch  hier Multimedia und Online-Datenbanken zum Einsatz. Durch ihren einzigartigen Bestand ist diese Einrichtung von essentieller Bedeutung für die medizinische Forschung in Deutschland, und dem entsprechend ist die ZBMed die meist genutzte Fernleihbibliothek des Landes. Als Reaktion auf diesen Umstand wurde ein Direktversand für Dokumente eingerichtet, der ihr bei Einnahmen von etwa 4 Mio. DM einen Kostendeckungsgrad von 32% ermöglicht. Natürlich liefert die Einrichtung auch über JASON und SUBITO. Die Dokumentenlieferung ist nicht fachbezogen, d.h. als ein Full-Service-Team führen die Informationsspezialisten der ZBMed Recherchen zu jedem Fachgebiet durch (Bestellung über SUBITO). Die Ortsleihe ist dagegen verhältnismäßig klein; sie bedient in erster Linie Studenten und Professoren der Universität Köln. Als Besonderheit ist noch das vollautomatische Buchtransportsystem zu nennen, welches die einzelnen Geschosse und den alten mit dem neuen Flügel der Bibliothek verbindet.

    Fazit: Mit der ZBMed hat Deutschland eine umfassende Sammlung medizinischer Literatur, die für den angesprochenen  Benutzerkreis eine ideale Quelle darstellt, wobei der Dienstleistungsgedanke wiederum im Vordergrund steht.

    British Council in Köln

    Direkt im Anschluss an den Besuch der ZBMed war eine weitere spezielle Einrichtung auf dem Exkursionsplan als Besichtigungsobjekt vorgesehen: das British Council in Köln. Diese Institution ist eine Informationseinrichtung mit ausschließlichem Bezug auf Großbritannien bzw. das Commonwealth, besonders auf der sprachlichen und kulturellen Ebene. Ein Großteil der Aktivitäten entfällt auf die Studienberatung mit ca. 12.000 Anfragen im Jahr.

    Das System des Britisch Council umfasst fünf Büros in Deutschland, wobei das Council in Köln bislang als Zentrale fungierte. Ab April 2000 wird diese Funktion von der Zweigstelle in Berlin (Hackesche Höfe) übernommen werden. Die zum Council gehörende Bibliothek musste vor einiger Zeit unter den Auswirkungen eines neuartigen Finanzierungskonzepts im Bereich der Grundfläche halbiert und im Bestand von 30.000 auf 9.000 Bände verkleinert werden, es wird als Ersatz heute viel Wert auf Online- und CD-Rom-Datenbanken gelegt (z.B. Know UK). Auch sind Internetrecherchen an sechs Terminals möglich.  Neben diesen Datenquellen wird viel Wert auf den AV-Bereich gelegt, und es liegen aktuelle britische Zeitungen und Zeitschriften aus. Die Zielgruppe ist hauptsächlich im Bildungsbereich zu sehen, viele Studierende nutzen die akademische Beratung, Abiturienten wiederum recherchieren für Hausarbeiten, besonders im Bereich der britischen Landeskunde. Weitere Aktivitätsfelder sind z.B. Buchlesungen.

    Fazit: Für alle an Information zu Großbritannien und dem Commonwealth Interessierten ist das British Council eine sehr kompetente Anlaufstelle, die besonders im Bereich der Studienberatung und der Vermittlung von Auslandstudienplätzen eine große Rolle spielt.
     

  7. Exkursionstag 22. 10. 1999

Die Stadtbibliothek Köln

Den beeindruckenden Abschluss unserer Exkursion bildete die Stadtbibliothek Köln, welche vom Profil einen außergewöhnlich  progressiven Charakter hat, der hundertprozentig in Richtung Kundendienst strebt, wobei die wissenschaftliche Ausrichtung der ÖB weiterhin eine Rolle spielt. Der Besucherstrom von 4.000 Personen pro Tag allein in der Zentralstelle und eine aktive Mitgliederzahl von 100.000 führt die bestehenden Leistungskapazitäten bis an die Grenzen. Dieses massive Interesse resultiert besonders aus den Möglichkeiten, welche die Bibliothek neben der Bereitstellung von Büchern anbietet. Ein umfangreiches Angebot an Informationen auf allen Medientypen von der Landkarte bis zur DVD, die kostenlose Ausleihe von Modems für einen Internetzugang daheim, ein Videobestand mit solchen Titeln, die kommerzielle Videotheken selten bereithalten, sowie aktuelleste Musik-CDs aus allen Bereichen sind nur einige Aspekte, welche das Haus attraktiv machen. Viel Wert wird auch auf die Einbeziehung  von Nutzerbereichen gelegt, welche sonst weniger für ÖBs in Betracht gezogen werden. So stehen für Geschäftskunden spezielle Datenbanken (z.B. MARKUS) zur Verfügung, und es wird ein Informationsbrokeringprogramm angeboten. Innerhalb von 36 Stunden besorgen die Informationsspezialisten der Einrichtung jedes Dokument. Einige große Kölner Unternehmen, u.a. aus der Medienbranche, nutzen dieses Serviceangebot reichlich. Auch ein Lieferdienst nach Hause wird gegen Gebühr angeboten.

Andererseits bietet die Stadtbibliothek Köln eine umfangreiche Blindenbibliothek mit 4.000 Hörbüchern, speziellen Videos, Computern mit Braille-Tastatur etc. an. In der Abteilung für Musikalien ist ein Tonstudio integriert, das man für 5 DM/h mieten kann. Ganz neu ist das Angebot für 15 DM/15 min Videokonferenzen durchzuführen. Die Einrichtung dieses Dienstes erfolgte im Rahmen eines Programms zur Videovernetzung diverser Bibliotheken in ganz Europa.

Derartige kostenpflichtige Angebote oder auch der Verkauf von ausgesonderten Titeln führen zu einer guten Einnahmesituation, außerdem sorgen Sponsorengelder für finanziellen Spielraum über das städtische Budget hinaus. Eine umfangreiche, sehr professionelle Werbekampagne und ein überaus dichtes Veranstaltungsprogramm halten die Bibliothek ununterbrochen im öffentlichen Leben präsent. Für die Zukunft ist die Einrichtung einer Jugendbibliothek für die Altersgruppe 12-20 eingeplant. Auf der technischen Seite beginnt ab Mitte 2000 der Probebetrieb einer chipgesteuerten Ausleihe, welcher im Endeffekt die Theke zum reinen Informationszentrum umwandeln soll.

Fazit: Informationen unabhängig vom Medium jedem Nutzer so leicht wie möglich anzubieten, so lautet die Philosophie dieses Hauses, und es ist in der Tat nicht mehr weit davon entfernt. Ein intelligentes Finanzmanagement, ein progressives Leistungsprofil und eine strikte Orientierung auf Relevanz und Aktualität sind hierfür die Ursache und der Grund für den großen Nutzer- und Kundenstamm.

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Fazit der ganzen Exkursion: Es bewegt sich was an Rhein- und Ruhr. Und sicherlich nicht nur dort. Aber in jedem Fall eilen die besichtigten Einrichtungen der Zukunft der Information mit grossen Schritten entgegen. Sicherlich sind nicht alle Aspekte dieser Entwicklung euphorisch zu begrüßen, aber eine Umstrukturierung der äußeren Gegebenheiten fordert ihre Entsprechung auf davon abhängenden Ebenen, sofern diese ihre Position wahren wollen. Eine Rollenumverteilung im Bibliothekswesen scheint daher notwendig. Auch wenn Zukunftsprognostik immer eine sehr skeptisch zu betrachtende Angelegenheit ist, ist die folgende Tendenz doch wahrscheinlich:

Information ist nicht länger unmittelbar mit Papier verknüpft, daher entfällt für informationsvermittelnde Institutionen (PIZ, British Council, Informationsabteilungen der ÖBs) in gewissem Umfang die Notwendigkeit, Papier (Bücher/Zeitschriften etc.) aufzubewahren. Der Auftrag zur Sammlung der physischen Dokumente relativiert sich jedenfalls, und zwar in zunehmendem Maß. Eine darauf folgende Entspannung beim Raumbedarf würde eine Umorientierung der frei werdenden Kapazitäten zugunsten der Kundenausrichtung ermöglichen. Auf der anderen Seite steht die Bewahrung des Schrifttums, welche in Speicherbibliotheken (Bochum) oder in den Magazinen der National- bzw. der Zentralbibliotheken erfolgt. Somit ist eine weitere Existenz der Informationen in schriftlicher Form gegeben. Dass die Möglichkeit dieser Dualität zukünftig im Bibliothekswesen konkretisiert werden wird, ist unsere zentrale Erkenntnis im Ergebnis dieser überaus gelungenen und nachhaltig prägenden Exkursion.