Exkursion zu polnischen Bibliotheken – Sommersemester 2002

 

 

Leitung: Prof. Dr Engelbert Plassmann
Mitarbeit: Tomek Nowak und Robert Zurek
Teilnahme: 24  Studenten
Dauer: 21.07.2002 – 27.07.2002

Programm 

Sonntag, 21.07.2002 

 

  • 15:11 Uhr Abfahrt von Berlin Ostbahnhof Richtung Angermünde
  • Umsteigen Richtung Stettin
  • 18 Uhr Ankunft im Hotel
  • Abends: Freizeit wurde für einen ausgiebigen Stadtbummel

 Montag, 22.07.2002: Stettin / Szczecin 

  •  9:00 Uhr Abfahrt mit gemietetem Bus zur Stadtmitte
  •  9:30 Uhr Besichtigung der Biblioteka Glówna der Universität Stettin
  • 14:00 Uhr Abfahrt mit gemietetem Bus nach Danzig

 

Dienstag, 23.07.2002: Danzig / Gdansk 

  •  9:30 Uhr Besichtigung der Biblioteka Glówna Politechniki Gdanskiej
  • 11:30 Uhr Fahrt mit dem Bus in die Stadtmitte
  • 14:10 Uhr Besichtigung der Wojewódzka Biblioteka Publiczna
  • Rest des Tages für die Studenten frei verfügbar

 

Mittwoch, 24.07.2002: Warschau / Warszawa 

  • 7:30 Uhr Abfahrt mit gemietetem Bus nach Warschau
  • 14.00 Uhr Besichtigung der Biblioteka Uniwersytecka w Warszawie
  • 17.00 Uhr Ankunft im Hotel
  • Rest des Tages für die Studenten frei verfügbar

 

Donnerstag, 25.06.2002: Warschau / Warszawa 

  • 9.00 Uhr Fahrt mit dem Bus in die Stadtmitte
  • 9:30 Uhr Besichtigung der Biblioteka Narodowa (Teil 1, Hauptbestand)
  • 14.00 Uhr Besichtigung der Biblioteka Narodowa (Teil 2, nur Altbestand)
  • 16.00 Uhr Stadtrundfahrt in Warschau
  • Rest des Tages für die Studenten frei verfügbar

 

Freitag, 26.07.2002: Posen / PoznaD 

  •  8.00 Uhr, Abfahrt mit gemietetem Bus nach Posen
  • 14.00 Uhr Besichtigung der Biblioteka Uniwersyteckiej w Poznaniu
  • 16:30 Uhr Ankunft im Hotel
  • der Nachmittag für die Studenten frei verfügbar
  • Abends: letztes gemeinsames Essen als Gruppe im landestypischen Restaurant am Marktplatz

 

Sonnabend, 27.07.2002 

  • Rückfahrt nach Berlin mit Umsteigen in Frankfurt/Oder - Ankunft 12:30 Uhr

Reisebericht

Text: Julia Goltz

Universität Stettin / Uniwersytet Szczecinski

Hauptbibliothek / Biblioteka Glówna (Montag, 22.7.2002)

 

  • Die Universitätsbibliothek Stettin ist noch sehr jung, sie entstand 1985 mit dem Aufbau der Universität
  • in der deutschen Zeit war das heutige Bibliotheksgebäude ein Jungen-Gymnasium, nach 1945 eine Pädagogische Hochschule, in den sechziger Jahren um einen Anbau erweitert – insgesamt in gut renoviertem Zustand
  • im Bestand sind vor allem Bücher zu Technik und Naturwissenschaft
  • aufgrund von Renovierungsarbeiten am alten Teil des Gebäudes ist der Zeitschriften-Lesesaal nicht zu besichtigen
  • die Universität hat ca. 28.000 Studenten, es gibt sechs Fakultäten und 11 Zweigbibliotheken; die Universitätsbibliothek beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter
  • in der Zentralen Universitätsbibliothek sind die Räumlichkeiten wie folgt verteilt:
    • Parterre: EDV-Zugänge, PC-Terminals, Katalogrecherche (auch konventionell)
    • 1. Stock: Allgemeiner Lesesaal, Spezialsammlungen
    • 2. Stock: Zeitungslesesaal, Europäisches Informationszentrum
    • 3. Stock: Magazine.
       

Die Besichtigung im einzelnen:

Abteilung 1: die wissenschaftliche Informationsstelle

  • beschäftigt sich mit der Verteilung von wissenschaftlichen Arbeiten in der Bibliothek;
  • weiterhin erstellt sie bibliographische Hilfsmittel für die wissenschaftl. Mitarbeiter der Bibliothek (konventionell und elektronisch – neuerdings mit Aleph)
  • alle Materialien sind frei zugänglich und werden (auch für Studenten) präsent gehalten
  • Internetseite (von den Informatikern der Universität erstellt)

Abteilung 2: EDV, Bucherwerbung

  • bestellte Bücher (meist auf Wunsch der Studenten oder wiss. Mitarbeiter) werden im elektronischen System vermerkt
  • die Mitarbeiter entscheiden darüber, welche Bücher gekauft werden können: Bestellung im Internet oder bei großen Buchhändlern (in Polen gibt es keine Buchpreisbindung, so dass es billiger ist, bei großen Händlern zu kaufen)
  • Bestellschein wird ausgefüllt, Bücher werden zunächst konventionell katalogisiert
  • Zeit von der Erwerbung bis zur Bereitstellung: ca. 1 Monat (bei Express: 24h)
  • Jahresbudget für den Buchkauf bei den einzelnen Zweigbibliotheken unterschiedlich, ein Teil des Geldes wird von den Studiengebühren abgezweigt; im letzten Jahr wurden 12.000 neue Bücher erworben und 1.000 laufende Zeitschriften gehalten, 163 davon aus dem Ausland
  • in der sozialistischen Zeit wurde vor allem Tausch mit anderen Bibliotheken Polens betrieben, da dies unter den heutigen Bedingungen nicht mehr sinnvoll ist, wird es immer mehr abgebaut

Abteilung 3: Zettelkataloge, Allgemeiner Lesesaal, Spezialsammlungen

  • Zettelkataloge: alphabetischer ZK, systematischer ZK, Autorenkatalog, nach ISBN geordneter ZK
  • Lesesaal: 50 Arbeitsplätze, bisher nur Präsenzbestände, demnächst soll auch Ausleihe aus den freihand aufgestellten Beständen möglich sein – z.Z. jedoch noch keine elektronische Buchsicherung
  • Statistikbuch am Eingang; Tageszeitungen liegen aus; Internetplätze; die Bücher haben keine Signaturen auf dem Rücken (was das Auffinden erschwert), sondern nur Einordnungsnummern; Magazinbestellungen (über kleine Fahrstühle) dauern ca. 30 Minuten
  • Sondersammlungen: ebenso Statistikbuch am Eingang; Türen sind elektronisch gesichert, Eingang nur durch Code-Eingabe; Handschriften, Inkunabeln, Musikalien, Karten des 16. Jh. (vor allem von Pommern), Bildbände, audiovisuelle Medien, Zeugnisse des sozialen Lebens, Photokopien, Mikrofilme etc.

Abteilung 4: Europäisches Informationszentrum

  • das Zentrum gehört zum Informationsnetz der europäischen Dokumentation
  • Abteilung wurde 1998 gegründet und musste seine Nutzer erst einmal auf sich aufmerksam machen – jetzt zumeist von den Politologen genutzt
  • in Polen befinden sich zur zeit 16 derartige Institute; nicht nur in EU-Staaten erhält man also freien Zugang zu den Informationen der Europäischen Union, sondern auch in den Staaten, die z.Z. noch Anwärter sind
  • die Institute erhalten die gedruckten und digitalen Informationsmaterialien kostenlos, die Materialien werden hier aufgenommen, bearbeitet und erschlossen, die digitalen werden den Interessenten über eine eigene Datenbank zur Verfügung gestellt
  • alle Materialien liegen auf Englisch vor, eine polnische Version ist in Entwicklung; Bestellung von verschiedenen Beiträgen aus der EU-Kommission über die Fernleihe der Bibliothek

Abteilung 5: Zeitschriftenlesesaal

  • ist in provisorischem Zustand, da zur Zeit in diesem Bereich renoviert wird; offener Raum wird derweil für die Formalkatalogisierung genutzt
  • katalogisiert wird noch nach der UKD (Dezimalklassifikation), es soll aber auf LocNa (Schlagwortklassifikation) umgestellt werden
  • die formale (alphabetische) Katalogisierung eines Buches benötigt ca. 7-10 Minuten, bei alten Büchern dauert es etwas länger
  • es liegen polnische Regelwerke (so die Przepisy Katalogowania Ksizek) sowie internationale Standardwerke zur alphabetischen Katalogisierung in polnischer Version vor (Uniwersalna Klasifikacija Dziesietna).

 

UB der Technischen Universität Danzig (GdaDsk)

Biblioteka Glówna Politechniki Gdanskiej (Dienstag, 23.7.2002)

(Führerin: Alicja Jaroszuk-Antoniewska)

 

  • Das heutige Gebäude der Universitätsbibliothek der Technischen Universität wurde in der deutschen Zeit als Gebäude für die Technische Hochschule errichtet (1904) und auf Wunsch des Kaisers im Danziger Renaissance-Stil gestaltet
  • die beherrschende Sprache in der Bibliothek und der Universität war zunächst Deutsch, aber Studenten aus den umliegenden Gebieten mit polnischer Muttersprache begannen hier zu studieren und gründeten ihre eigenen Institute und Verbindungen
  • im Februar 1939 – noch in der Zeit des Freistaats Danzig – wurden alle polnischen Studenten der Universität verwiesen
  • 1945 wurde das Gebäude zu einem Lazarett umfunktioniert
  • die Deutschen versuchten die wertvollsten Bücher und wichtigen Gegenstände vor der Ankunft der sowjetischen Armee zu retten – das Schiff „Deutschland“ (beladen mit Büchern und Personen) schaffte die Flucht in einen westdeutschen Hafen
  • Pläne, die gesamte Hochschule nach Mitteldeutschland zu verlegen, konnten nicht mehr verwirklicht werden – bei Ankunft der sowjetischen Armee wurden alle Zurückgebliebenen erschossen; das Haus brannte aus, so dass die Restbestände nicht gerettet werden konnten.

 

Die Besichtigung im einzelnen:

Abteilung 1: EDV-Bereitstellung

  • die Bibliothek besaß bis jetzt ein eigenes System, welches allerdings auf ein neues (amerikanisches) System umgestellt werden soll: Dieses ist noch in der Anfangsphase und kann bis jetzt noch nicht über das Internet genutzt werden
  • alle Bücher werden seit 1991 im System katalogisiert und sind damit für Mitarbeiter und Studenten elektronisch abrufbar; z.Z. stehen hierfür elf Datenendgeräte zur freien Verfügung
  • es sind bis jetzt ca. 130.000 Medieneinheiten elektronisch erfasst, für den Zeitungsbestand besteht ein eigenes System, ebenso für die wissenschaftlichen Publikationen seit 1948 und die Alten Drucke; die Veröffentlichungen aller Hochschulangehörigen sind in einem besonderen Verzeichnis erfasst und über die Homepage der Hochschule abrufbar
  • die Ausleihe erfolgt ebenfalls elektronisch: Soweit das Medium im Haus vorhanden ist, gelingt die Bereitstellung ziemlich schnell (max. eine halbe Stunde)

Abteilung 2: Ausleihstelle

  • zur Ausleihe benötigt man eine Benutzerkarte mit Strichcode und Foto, jedes Buch ist ebenfalls mit einem speziellen Barcode versehen; bei der Ausleihe werden beide Codes im System miteinander verbunden
  • bei einer Bestellung geht ein Ausdruck der elektronischen Bestellung an das Magazin, hier wird das Buch herausgesucht und über einen Fahrstuhl an die Ausleihe geschickt
  • am Ende eines jeden Tages führt das System eine Kontrolle durch, um eventuell überfällige Bücher zu registrieren; Benutzerkonten, bei denen dies zutrifft, werden vorerst gesperrt
  • ein entscheidender Grund für diese „Radikalität“: Es werden keine Mahngebühren erhoben – deshalb werden auch alle Operationen, die über das jeweilige Benutzerkonto abgewickelt werden, in einem digitalen Archiv gespeichert
  • einmal pro Jahr wird eine Bestandsinventur durchgeführt

Abteilung 3: Allgemeiner Lesesaal, Zeitschriftenlesesaal, bibliographisches Informationszentrum

  • ähnelt den uns bekannten Lesesälen (Bsp.: Staatsbibliothek, Haus Unter den Linden)

Abteilung 4: Magazin

  • bei einer ankommenden Bestellung wird der Bestellschein in das betreffende Buch eingelegt und darauf an die Ausleihstelle geschickt
  • die Bestände werden im Magazin in zwei Kategorien aufgestellt – Kategorie 1: Lehrbücher und andere oft ausgeliehene Bücher; Kategorie 2: Sonstige Werke
  • Aufstellung umfangreicher Bestände in einer manuell betriebenen Kompaktus-Anlage
  • im hinteren Bereich des Magazins können die Alten Drucke eingesehen werden. Sie dürfen nur mit äußerster Vorsicht benutzt werden (die Führerin zieht sich Handschuhe über!); geordnet sind sie in drei Gruppen (Alte Drucke allgemein, Bestände aus der Gruppe „Naturforschende Gesellschaft“ und Drucke nach 1800); bei den Büchern der Naturforschenden Gesellschaft handelt es sich um Altbestände (vor allem in lateinischer und deutscher Sprache), die nach Gründung der Technischen Hochschule zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Naturforschenden Gesellschaft an die Hochschule übergeben worden und 1945 vor der anrückenden sowjetischen Armee nach Bremen geschafft worden waren, nach der politischen Wende in Europa jedoch von Bremen nach Danzig gegeben worden sind.

 

Öffentliche Wojewodschafts-Bibliothek Danzig

Wojewódzka Biblioteka Publiczna (Dienstag, 23.7.2002)

 

  • Die Wojewodschafts-Bibliothek Danzig ist in einem älteren Gebäude untergebracht, das nicht als Bibliothek errichtet wurde und daher für den heutigen Gebrauch in mancher Hinsicht unpraktisch ist; es liegt verhältnismäßig günstig in der Nähe des Hauptbahnhofs wie der historischen Altstadt
  • sie trägt den Namen eines berühmten polnischen Schriftstellers
  • 1997 wurde das polnische Bibliotheksrecht novelliert, danach hat jede Wojewodschaft den Auftrag und die Pflicht, mindestens eine Bibliothek zu unterhalten
  • Aufgabe der Bibliothek ist u.a. die Aufsicht über die anderen Bibliotheken in der Wojewodschaft (ähnlich den Aufgaben einer deutschen Büchereistelle)
  • die besichtigte Bibliothek hat die Aufsicht über insgesamt zwei eigene Zweigstellen, zwei andere Wojewodschafts-Bibliotheken und 34 Bibliotheken der Stadt Danzig
  • sie verbindet die Aufgaben der Stadtbibliothek Danzig mit denen einer Wojewodschafts-Bibliothek
  • die Stadt Danzig überweist den gesamten Jahresetat für alle städtischen Bibliotheken an die Wojewodschafts-Bibliothek; diese teilt den Betrag dann unter den einzelnen Bibliotheken auf
  • über ihre Aufgaben in Danzig hinaus hat die Bibliothek Aufsichts- und Beratungsfunktion für 340 andere in der Wojewodschaft befindliche Bibliotheken; finanziert werden diese Kreis- und Gemeindebibliotheken allerdings nicht von der Wojewodschafts-Bibliothek sondern von den jeweiligen Kreisen bzw. Gemeinden
  • nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Bestände Danzigs stark dezimiert; der Bestandsaufbau kam nur langsam wieder in Gang
  • 1952 wurden die älteren Bestände in die Bibliothek der polnischen Akademie der Wissenschaften überführt, während die für eine polnische ÖB brauchbaren Bestände in der städtischen bzw. Wojewodschafts-Bibliothek verblieben
  • heutzutage befindet sich im Bereich Danzig wieder ein Bestand von über 1 Mio. Medieneinheiten; nur ein Drittel davon sind wissenschaftlicher Natur, der Rest steht durchweg im Informations- oder Belletristikbereich; außerdem verfügt die Bibliothek über 8.000 Hörbücher


  • vor der Führung durch die Bibliothek konnten ihrem Leiter Fragen gestellt werden; wichtige Antworten waren:
    • Ausbildungsmöglichkeiten für Bibliothekare in Polen gibt es auf drei verschiedenen Ebenen: eine Lehre nach dem Abitur; eine speziellere Ausbildung, die an verschiedenen wissenschaftlichen Bibliotheken stattfindet, sowie ein Studium der Bibliothekswissenschaft an der Universität
    • in ganz Polen ist die Nutzung der Bibliotheken frei, es wird aber zunehmend eine Anmeldegebühr von ca. 3 ZBoty erhoben
    • Bibliotheken, die einen bestimmten Benutzerkreis besonders berücksichtigen, gibt es nur wenige; Danzig hat unter seinen 34 städtischen Bibliotheken nur zwei, die auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert sind; auch der Leseförderung wird Aufmerksamkeit geschenkt

  • die Wojewodschafts-Bibliothek unterteilt sich zunächst grob in drei Bereiche: Erwerbung, Benutzung und Regionalbibliographie.


Die Besichtigung im einzelnen:

Abteilung 1: Zettelkataloge und der allgemeine Lesesaal

  • die Zettelkataloge sind wie üblich systematisch nach der UDK und alphabetisch geordnet
  • sie enthalten alle Bücher seit der Trennung der älteren Bestände von der Wojewodschafts-Bibliothek 1952 sowie die Zeitschriftenbestände
  • der Allgemeine Lesesaal hat 40 Arbeitsplätze, die meisten Medieneinheiten befinden sich allerdings im Magazin und müssen von dort bestellt werden (auch über einen Online-Katalog möglich) – im Allgemeinen Lesesaal stehen nur die Nachschlagewerke; es gibt aber außerdem einen Lesesaal für belletristische Literatur, die dort alphabetisch nach Autorennamen aufgestellt ist

Abteilung 2: Ausleihstelle für Erwachsene

  • Büchermagazin in Freihandregalen: die Ausleihfrist für diese Bücher beträgt vier Wochen

Abteilung 3: Zeitungslesesaal

  • hier werden etwa 100 Zeitschriften regelmäßig bezogen (abhängig vom Jahresetat und den Wünschen der Benutzer gibt es mal mehr, mal weniger Zeitungen oder Zeitschriften)
  • da die Bibliothek vor allem lokale (seit den 50er Jahren) und die für spätere Jahre archivierungswürdigen Publikationen sammelt, besteht in dem alten Gebäude ein großes Platzproblem (es werden schon drei Magazine für die Lagerung benötigt)

Abteilung 4: Zeitungsmagazin

  • die Zeitungen liegen offen und gebunden vor (offen nur dann, wenn die jeweilige Zeitung voraussichtlich nicht länger als 5 Jahre für die Benutzer von Interesse ist)
  • bekannte Tageszeitungen werden monatlich gebunden
  • die CD-Roms, die einige Zeitschriften mit herausgeben, werden nicht ausgelegt, sondern nur archiviert, da hier noch keine Rechner bereitstehen

Abteilung 5: Büchermagazin

  • das Büchermagazin teilt sich in zwei Bereiche: den Präsenzbestand und den Ausleihbestand, der im Freihandmagazin (Abteilung 2) untergebracht ist
  • die Bibliothek besitzt ca. 160.000 Bücher, davon können 60.000 ausgeliehen und 100.000 nur im Lesesaal benutzt werden
  • Lehrbücher sind nur zwei Wochen ausleihbar

Abteilung 6: MaBa Galeria

  • Ausstellung der Werke verschiedener lokaler Künstler, öfter Vernissagen, etc.
  • die Bibliothek sucht damit Sponsoren für ihre Programmarbeit

Abteilung 7: Schulung zur besseren Nutzung der Bibliothek

  • die gesamte Bibliothek besitzt ca. 10 Arbeitsplätze mit PCs und einem integriertem Internetzugang
  • die Plätze werden besonders von Schülern und Studenten genutzt.

 

Universitätsbibliothek Warschau

Biblioteka Uniwersytecka w Warszawie (Mittwoch, 24.7.2002)

(Führer: Henryk Hollender, Direktor der Bibliothek)

 

  • die Geschichte der Universitätsbibliothek Warschau geht auf das 19. Jahrhundert zurück; sie hat heute einen Gesamtbestand von 2,5 Mio. Bänden und 1.200 laufenden Zeitschriften
  • zur Erhaltung geschädigter Altbestände besteht Kontakt zum Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig
  • Mitte der 80er Jahre wurde ein Wettbewerb zur Errichtung eines neuen Bibliotheksgebäudes ausgeschrieben. Das ausgewählte Modell wurde seit 1990 realisiert; außer der eigentlichen Bibliothek sind Geschäftsräume geschaffen worden, die vermietet werden
  • das Gebäude wurde 1998 fertiggestellt: Die Eröffnung fand allerdings erst im Dezember 1999 statt, da die technische Ausstattung viel zu spät geliefert wurde; Gesamtkosten: 80 Mio. $ (davon allein 8 Mio. $ für die Technik)
  • der Architekt hat versucht, in dem Bau die Elemente Natur und Kultur miteinander zu verbinden
  • der Betonbau ist innen unverkleidet, doch lassen die großen Fenster und das Glasdach die Natur in die Innenräume; die überall angepflanzten Blumen und Pflanzen vermitteln zusätzlich das Gefühl einer gewissen Nähe zur Natur
  • das Dach der Bibliothek ist teilweise begehbar und gartenähnlich gestaltet; man hat von dort eine schöne Aussicht zur Altstadt und über die Weichsel
  • an der nördlichen Außenwand befinden sich acht große Tafeln, die den Benutzern in verschiedenen Sprachen suggerieren sollen, dass sich hier alles Gesuchte finden lässt
  • am Haupteingang befinden sich vier große Säulen, von denen bekannte polnische Persönlichkeiten herab blicken; am oberen Ende der Treppe steht ein thronartiger Sessel, den man für Papst Johannes Paul II aufgestellt hat, der bei seinem letzten Besuch in der polnischen Heimat u.a. die neue Bibliothek in Warschau besuchte
  • der Besucher tritt zunächst in einen großen, drei Stockwerke hohen Raum: Dort befinden sich die Zettelkataloge und die PCs zum Recherchieren; an den Seiten sind die Freihandmagazine zu sehen, die vom ersten bis zum dritten Stock reichen
  • weiterhin gibt es Einzelplätze („carrels“), die vor allem von Studierenden im Abschlussjahr oder von Professoren gemietet werden
  • auch nach dem Bezug des Neubaus gibt es noch immer 43 Zweigbibliotheken, die z.T. noch nicht mit einander vernetzt sind und unabhängig von der UB geführt werden
  • die Bibliothek hat für Erwerbung neuer Bücher und Medien einen Normaletat von 100.000 ZB. [für unsere Vorstellungen äußerst bescheiden]; durch eigene Aktivitäten, z.B. günstige Vermietung der erwähnten Geschäftsräume, kann er bis auf 200.000 ZB. aufgestockt werden
  • alle Benutzer benötigen einen Bibliotheksausweis mit Photo oder eine Tageskarte, mit der sie die Schranken am Einlass passieren können; der Ausweis kostet 8 ZB. pro Jahr (Selbstkosten für die Herstellung der Karten); es fiel auf, dass mehrere Sicherheitsbeamte das Gebäude innen und außen bewachten
  • die Universitätsbibliothek ist eine allgemein zugängliche Bibliothek, die nicht nur von den Studierenden und wiss. Mitarbeitern genutzt wird sondern auch von externen Personen (diesen wird allerdings keine Ausleihe gewährt); insgesamt hat die Bibliothek ungefähr 60.000 Nutzer
  • die Ausleihe kann über das Internet erfolgen, dann benötigt das bestellte Buch ca. 60 Minuten bis zur Auslieferung aus einem entlegenen Magazin in den Lesesaal. Die Ausleihe außer Haus ist nur Studenten und anderen Universitätsangehörigen gestattet; im übrigen dürfen nur bestimmte, für die Ausleihe zugelassene Bücher mitgenommen werden (blaue Signaturschilder)
  • insgesamt teilt sich die Bibliothek mit 16 anderen Bibliotheken das Pflichtexemplarrecht Polens (die Wojewódzkas sowie die Staatsbibliotheken in Warschau und Krakau)
  • in den frühen 90ern begann man, einen Gesamtkatalog dieser Bibliotheken aufzubauen, und zwar mit dem VTLS-System – Virginia Technical Library System, das auch anderswo, z.B. in der Schweiz oder an den Universitätsbibliotheken Löwen und Lund genutzt wird: NUKAT soll(te) gleichzeitig die von allen teilnehmenden Bibliotheken erstellten bibliographischen Daten speichern und den anderen Bibliotheken zur Verfügung stellen
  • dies soll(te) einer Doppelarbeit vorbeugen und gleichzeitig einen Gesamtkatalog der in Polen bzw. in polnischer Sprache erscheinenden (erschienenen) Publikationen bilden; hierbei wird kein Unterschied zwischen der Eignung der Bücher für Wissenschaftliche oder Öffentliche Bibliotheken gemacht
  • die vollständige formale und inhaltliche Erschließung eines Buches braucht ca. 1 Woche, bei differenzierten Werken (Serie, Körperschaften etc.) kann es wesentlich länger dauern
  • die UB beherbergt mit der „Österreich-Bibliothek“ ein ausländisches Kulturinstitut, das in Polen auf ein besonderes Interesse stößt
     

 

Nationalbibliothek

Biblioteka Narodowa (Teil 1) (Donnerstag, 25.7.2002)

(Führer: Wojciech Pawlak vom Informatorium und der Abt. für Öffentlichkeitsarbeit)

 

  • die Polnische Nationalbibliothek ist die größte Bibliothek des Landes mit heute 7.350.000 Medieneinheiten (darunter 7.000 polnische laufende Periodika einschließlich Zeitungen); sie hat etwa 1.000 Mitarbeiter
  • erster Teil der Führung (im stalinistischen 60er-Jahre-Bau, dem wissenschaftlichem Zentrum):

1.       Filmschau und Geschichte der Bibliothek

2.       Gegenwärtige Funktionen und Aufgaben der Bibliothek

3.       Filmschau über den gegenwärtigen Stand der Bibliothek

4.       Besichtigung

 

1.      Filmschau und Geschichte der Bibliothek

  • Laut Bibliotheksdirektor gibt es in Polen vier für die nationale Bibliotheksgeschichte besonders wichtige Daten:
  • 1747 wurde die erste öffentliche Bibliothek von zwei adligen Brüdern, den Bischöfen Józef Andrzej und Andrzej StanisBaw ZaBewski gegründet, die in ganz Europa nach wichtigen Büchern etc. suchten; sie vermachten ihre Sammlung und ihren Palast testamentarisch der polnischen Gesellschaft für Wissenschaft, die die Bibliothek weiter unterhielt
  • 1794, nach der zweiten Teilung Polens, gab es den erfolglosen Ko[ciu[ko-Aufstand gegen die Besatzungsmächte; danach folgte die dritte Teilung des Landes. In diesem Zusammenhang ließ Katharina die Große 400.000 Bücher aus dem Bestand der Bibliothek konfiszieren und nach St. Petersburg bringen. In der gesamten Teilungszeit, also das ganze 19. Jahrhundert hindurch, war es verboten und sogar strafbar, nationale Gedenkstücke zu sammeln; trotzdem wurde von Privatleuten wie PBawe und Dmbe, einem wichtigen Literaten und Sammler, weiter gesammelt und das Sammelgut z.T. in Adelsschlössern auf dem Land verborgen
  • die Geschichte der eigentlichen Nationalbibliothek begann erst vor mehr als 70 Jahren
  • 1928 unterschrieb der damalige Staatspräsident die Gründungsurkunde; seitdem sammelt die Bibliothek alle Polen betreffende Literatur; die im 19. Jahrhundert versteckten Sammlungen wurden nach Warschau gebracht
  • im November 1930 wurde die Bibliothek feierlich eröffnet; bis zum Zweiten Weltkrieg sammelte sie (zunächst nur ca. 50 Mitarbeiter) an die 800.000 Bände; 1944 wurden über 300.000 Bände Altbestand durch die SS mutwillig vernichtet – insgesamt gingen durch die Kriegshandlungen sogar 78% der Bestände unwiderruflich verloren
  • wegen des hohen Verlusts an polnischem Kulturgut im Zweiten Weltkrieg und zur Sicherung des noch vorhandenen besteht ein Verbot des Exports von Büchern, die vor dem 8. Mai 1945 erschienen sind (etwa 15 Mio. Bände sind verloren gegangen!).

2.      Gegenwärtige Funktionen und Aufgaben der Nationalbibliothek

  • die Bibliothek besitzt ebenso wie die Universitätsbibliothek in Warschau und eine Reihe anderer Bibliotheken das Pflichtexemplarrecht (seit 1961), dieses bedeutet, dass die Bibliothek von jedem im Land publizierten Medium zwei Exemplare kostenlos erhält
  • der Gesamtbestand lässt sich in vier Bereiche einteilen: Bücher und Broschüren, Zeitungen und Zeitschriften, Dokumente des gesellschaftlichen Lebens und Sondermaterialien
  • seit den 1950er Jahren besitzt die Bibliothek eine eigene Druckerei; seit den 70er Jahren begann die Bibliothek mit der Erarbeitung und Herausgabe der polnischen Nationalbibliographie
     

    Funktionen:

    • nationale Bibliothek Polens
    • große wissenschaftliche Bibliothek
    • Konservierungszentrum
    • Normenzentrum
    • nationalbibliographisches Zentrum
    • Informationszentrum („Informatorium“)
    • Ausbildungszentrum
       

    Aufgaben:

    • Sammlung aller in Polen erscheinenden Literatur
    • Sammlung aller ausländischen Literatur über Polen (Polonica)
    • Sammlung ausländischer Literatur im Bereich der Sozialwissenschaft
    • Durchführung von Ausstellungen
    • bibliothekarische Ausbildung
    • Wartung des Gesamtkatalogs
    • Erstellung der Nationalbibliographie
    • Erarbeitung der Buchhandels- und Bibliotheksstatistik.


  • eine wichtige Aufgabe der Bibliothek ist die Beratung staatlicher Stellen in Bibliotheksangelegenheiten

 

Außer der Nationalbibliothek erfüllen einige weitere Einrichtungen nationale Aufgaben, der Aufgabenverteilung in Deutschland vergleichbar:

  • drei technische Zentralbibliotheken (in Warschau, Breslau, Krakau), die auf das Sammeln ausländischer Literatur spezialisiert sind
  • insgesamt gibt es 17 Zentralbibliotheken in Polen, die in etwa die ähnlichen Aufgaben übernehmen, wie bei uns die Bibliotheken mit Sondersammelgebieten.

 

3.      Filmschau über den gegenwärtigen Stand der Bibliothek

  • der Allgemeine Lesesaal bietet über 300 Arbeitsplätze
  • auf ein von dort bestelltes Buch wartet man ca. eine halbe Stunde
  • aufgrund der Fülle der Bestände befinden sich diese auf 11 Magazine verteilt, hier sind die Bücher etc. in Drehregalen aufgestellt, was bewirkt, dass man so pro Magazin fast 1 Mio. Bücher unterbringen kann
  • trotz allem sprengt das jährliche Anwachsen des Bestandes langsam den Rahmen – es sind kaum noch Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden
  • die Bibliographie wird jährlich nochmals auf CD-Rom veröffentlicht, damit nachträglich eingetretene Veränderungen berücksichtigt werden können
  • die bis jetzt in die Bibliothek zurückgekehrten Bücher aus den alten Beständen müssen alle restauriert und archiviert werden, was einen erheblichen Teil des jährlichen Etats verschlingt
  • die große Bedeutung der Nationalbibliothek in Polen kommt auch daher, dass Polen im Gegensatz zu Deutschland ein zentral regierter Staat ist.

4.      Besichtigung der Bibliothek

  • die Benutzung der Bibliothek ist grundsätzlich frei, nur einige Dienste verlangen eine Bezahlung (z.B. Reprographien, Computerausdrucke, Kopien oder die Fernleihe)
  • insgesamt besitzt die Bibliothek elf den Benutzern frei zugängliche Lesesäle
  • der schönste Lesesaal ist wohl der „humanistische“ (geisteswissenschaftliche) Lesesaal mit 104 Plätzen: hierfür gibt es eine blaue Benutzerkarte (für die übrige Bibliothek eine gelbe); der Lesesaal enthält eine große Menge geisteswissenschaftlicher Handbücher und die große Zahl von 800 lfd. Zeitschriften
  • der Hauptlesesaal mit 300 Plätzen bietet in seinen Freihandregalen ca. 20.000 Bücher und Broschüren
  • im Zeitschriftenlesesaal liegen 200 der wichtigsten polnischen und knapp 100 der wichtigsten ausländischen Zeitschriften aus; mit 100 Sitzplätzen und Mikrofiches/Mikrofilms sowie den dazugehörigen Lesegeräten ist er gut ausgestattet
  • die Zeitschriften dürfen nur präsent genutzt werden
  • der noch bestehende konventionelle Zeitschriftenkatalog nimmt einen ganzen Raum in Anspruch – in diesem Teil der Bibliothek liegen nur die neueren Zeitungen (ab 1950er Jahren) aus; im übrigen sind ca. 70.000 Titel seit Beginn des 19. Jahrhunderts vorhanden
  • die Sonder- und Speziallesesäle befinden sich alle auf einer Etage, so der Musiklesesaal mit Flügel und Chopinbüste, ferner der Mikrofilmlesesaal mit 90.000 Filmen und 18 Lesegeräten, der audiovisuelle Lesesaal mit allen in Polen erschienenen Musikalien und der bibliographische Lesesaal
  • das Informatorium als letztes ist die wichtigste Abteilung zur wissenschaftlichen Information: Sie bietet Information zu kartographischen, bibliographischen und bibliothekarischen Problemen an; weiterhin hat man von hier aus Zugang zu vielen polnischen und ausländischen Datenbanken; 18.500 Bände zur Information stehen in Freihandregalen zur Verfügung.
     

Nationalbibliothek

Biblioteka Narodowa (Teil 2) (Donnerstag, 25.7.2002)

 

  • das zweite Gebäude der Nationalbibliothek beinhaltet die Altbestände sowie alte Drucke und Handschriften der Bibliothek
  • das Gebäude entstand 1677 und wurde von einer Grafenfamilie errichtet, die Verzierungen stammen sogar von Schinkel: im 18 Jh. Wurde der Palast an den Staat verkauft
  • seitdem hatten zunächst viele Regierungsabteilungen ihren Sitz in dem Haus; während des Zweiten Weltkrieges wurde der Palast stark beschädigt und erst in den 50er Jahren konnte er wieder vollends restauriert werden
  1. Abteilung: Ikonographie
    • beinhaltet Zeichnungen, Graphiken, Postkarten, Kartographien und Fotographien
    • Exemplare (insg. 400000) kamen oft durch Schenkungen oder Tausch ins Haus, sehr selten wurden sie gekauft
    • Während des Krieges kamen die Bestände nach Wien (wegen der deutschen Besatzungsmacht), 1997 wurde sie dann zurückgegeben

     

  2. Abteilung: Handschriften
    • die Bibliothek ist zwar erst seit 1928 als Nationalbibliothek tituliert, begann aber schon vorher mit dem Sammeln von Handschriften; 1939 besaß die Bibliothek knapp 43000 Handschriften, 23000 Theatralien und 5000 Musikalien (in den Wirren des Krieges konnten nur gerade mal 2000 Hand-schriften gerettet werden – heutiger Besitz liegt bei ca. 18000 Handschriften)
    • gesammelt werden vor allem zeitgenössische frühere polnische Schriftsteller, die besitze verschiedener Adelsfamilien werden ebenso verwaltet wie Memoralien, Biographien oder bibliophile Sammlungen bekannter polnischer Bürger
    • neben der lateinischen und polnischen besitzt die Bibliothek die größte Sammlung von kyrillischen Handschriften, ebenso gibt es eine kleine Sammlung griechischer und illuminierter Handschriften
    • insg. Wurden 15 Kataloge herausgegeben, die heutzutage in der internen Datenbank nachzusehen sind
    • die Datenbank enthält nicht nur den Inhalt des jeweiligen Dokumentes sondern auch die Auflistung aller zurückgegebener Bestände sowie die gesamte Erfassung (ob nun im Haus vorhanden oder nicht) der polnischen Handschriften
    • alle diese Datenbänke arbeiten mit US Marc; 13 Personen arbeiten daran, weiterhin versucht den Kontakt mit dem Ausland sowie die folgende Zusammenarbeit weiterhin zu gewährleisten

     

  3. Abteilung: Frühdrucke
  • die heute in Polen befindlichen Inkunabeln gehören zu den frühesten der Welt
  • die Druckkunst in Polen begann zu Beginn des 16. Jh., vorher gab es keine Druckereien in Polen, sondern die Schriften wurden im Ausland gedruckt
  • 1939 besaß die Bibliothek über 70.000 alte Drucke; nach Ende des Warschauer Aufstandes 1944 war dieser Bestand vollends zerstört
  • nur wenige kleinere Sammlungen haben den Krieg, auf kleinen Höfen oder bei Adelsfamilien versteckt, überlebt
  • die heutige Sammlung besteht zunächst aus der von den adligen Familien gehorteten Sammlungen, die nach dem Krieg vom Staat gepfändet wurden
  • auch Bücher aus Deutschland, die sich nach dem Krieg hier befanden, sind noch im Bestand aufgenommen
  • man kann davon ausgehen, dass die Bibliothek heutzutage fast doppelt so viele Drucke besitzt wie vor dem Ersten Weltkrieg, doch es sind oft nur Kopien und sicherlich nicht dieselben Bücher

Aufgaben:

  • Mikroverfilmung der Drucke
  • bibliographische Katalogisierung der Bestände
  • elektronische Verbreitung der Informationen
  • Erstellen bzw. die Teilnahme am Union Catalogue

 

Universitätsbibliothek Posen

Biblioteka Uniwersyteckiej w Poznaniu (Freitag, 26.7.2002)

 

  • diese Bibliothek (früher die Kaiser-Wilhelm-Bibliothek genannt) wurde im November 1902 errichtet – der neuere Anbau stammt aus den 50er Jahren
  • im alten Gebäudeteil wird versucht jeden Arbeitsablauf sowie die Fassade und Ausstattung der Räume in seinem alten Zustand zu belassen (also nach einem Standard vor etwa 100 Jahren)

 

1. Abteilung: Lesesaal – Gesellschaftswissenschaften

  • der Lesesaal besteht aus insgesamt 3 Räumen mit drei PCs, alle hier stehenden Bücher sind Präsenzbestand, die nicht ausgeliehen werden dürfen
  • vor allem die Bücher der Rechtswissenschaft, die Zeitungen zum Rechtswesen und die Datenbanken zu den Gesellschaftswissenschaften sind wichtig für die Nutzer
  • die Bücher selbst werden durch eine unterschiedliche Farbkennung auf dem Buchrücken zu den verschiedenen Bestandsbereichen zugeordnet

2. Abteilung: Lesesaal – Goethe-Institut

  • der Lesesaal besteht aus zwei Räumen, in denen Bücher, Handteichungen, Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften etc. ausgelegt sind
  • dieser Lesesaal gehört zwar zur Universität, wird aber durch die Themen des Goethe Institutes subventioniert
  • das Projekt wurde vor knapp 10 Jahren gegründet und begann mit 2500 Büchern und 25 Zeitschriftentiteln – heute besitzt der Saal 6000 Bücher, 600 Videos oder Kassetten, 100 CDs, 30 CD-Roms, und 50 Zeitschriftentitel
  • die Ausleihe wird den Nutzern für zwei Wochen gewährt, unabhängig davon ob der Nutzer Angehöriger der Universität ist oder nicht
  • Aufgaben sind vor allem die Erwerbung, Erfassung, Katalogisierung etc. (nach der DK wie in jedem Goethe-Institut) des Bestandes

3. Abteilung: allg. Lesesaal, Lesesaal – Naturwissenschaften

  • der allgemeine Lesesaal ist noch sehr altmodisch mit Lampen und Mobiliar nach dem Stand 1902 gestaltet
  • ca. 70 Sitzplätze stehen den Benutzern zur Verfügung
  • der naturwissenschaftliche Lesesaal ist ebenso gestaltet, mit knapp 40 Sitzplätzen ist er einer der kleinsten Lesesäle der Bibliothek
  • vor einigen Jahren befanden sich hier für die Benutzer nur die verschiedensten polnischen und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften, heute sind auch Bücher in den Freihandregalen zu finden

4. Abteilung: Katalog

  • im alten Gebäude befindet sich noch der aus dem Beginn des Jahrhunderts stammende Kapselkatalog, auch der noch ältere Bandkatalog ist noch vorhanden
  • neue Zettelkataloge ergänzen den konventionellen Katalog
  • seit 1996 wurden keine Eintragungen mehr vorgenommen: aus Platzmangel werden die alten Requisiten nach vollständiger Übertragung in den elektronisch abrufbaren Katalog entfernt werden
  • in dem neuen Gebäudeteil sind alle Bestände in einer elektronischen Datenbank nachgewiesen
  • weiße Bestellzettel: konventionelle Art, Bücher auszuleihen; bunte Bestellzettel: konventionelle Art, Bücher in die Lesesäle zu bestellen

5. Abteilung: Ausleihe

  • die Ausleihe befindet sich im neuen Gebäudeteil, alle sich hier befindlichen Bücher sind elektronisch gesichert und im Freihandmagazin systematisch geordnet (bunte Farbkennung)
  • die Signaturen der Bücher sind auf der Buchrückseite, gemeinsam mit einem Barcode, zu finden; Bücher, die eine silberne Farbkennung besitzen dürfen nicht ausgeliehen werden, denn sie sind als letztes Exemplar zum Präsenzbestand zu zählen
  • verschiedene Listen an den Regalwänden zeigen die sich in diesem Regal, alphabetisch geordnet, befindlichen Autoren und deren Werke an
  • fast alle Bücher können ebenfalls per Fernleihe geordert werden, die Ausleihe beträgt normalerweise 4 Wochen

6. Abteilung: Alte Drucke

  • die Bibliothek besitzt eine der größten Sammlungen Polens an alten Drucken (85000 Stück insg.)
  • 3 Quellen: ehemaliger Bestand der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek; Bestände aus der Zwischenkriegszeit (oftmals Dubletten anderer Bibliotheken); Bestände, die den 2. Weltkrieg überlebt haben
  • bei der Besichtigung wurden uns dann noch verschiedene Schätze gezeigt:
  • z.B. die Schedel-Weltchronik (in der Staatsbibliothek zu Berlin liegt das Faksimile), in der die Päpstin Johanna noch erfasst war
  • lateinisches Wörterbuch aus Straßburg, mit polnischen Anmerkungen
  • das älteste polnische Buch (Krakau 1474), das die damalig bestehenden polnischen Gesetze festhält
  • die erste gedruckte Polenchronik aus dem 16. Jh.
  • u.v.a.