Institut für Bibliothekswissenschaft
Humboldt-Universität zu Berlin



T
agebuch der Zukunftstage Bibliothekswissenschaft 25. - 27. Juli 2003 in Prora/Rügen
geschrieben von Jakob Voß

mitgefahren sind:
Stefan Duhr - Elke Greifeneder - Boris Jacob - Ben Kaden - Andrea Kaufmann - Jakob Voß


Freitag, der 25.7.2003.

Prora ist gar nicht so weit von Berlin entfernt. Mit der Bahn 2 mal umsteigen, in Prora aussteigen und das Gepäck dann etwas weiter schleppen, wenn man wie wir eine Station zu früh aussteigt. Unsere Unterkunft ist für die einen ein KdF-Urlaubsparadies, für andere eine NVA-Kaserne oder einfach nur das wohl längste leer stehende Gebäude Deutschlands (etwa 3,5 km).

Blick auf die Herberge 1Blick auf die Herberge 2Blick aus dem SchlafzimmerfensterBlick auf Stefan


Der Mensch an der Rezeption scheint sich beim Thema "Bettzeug" nicht so gut auszukennen oder ist einfach nur neu hier. Da vor 6 Wochen der Blitz eingeschlagen hat, gibt es kein Internet, aber die Orginal-NVA- Ausstattung ist nicht zu viel versprochen. Wollten wir nicht alle schon mal wissen, wie die Betten im Gefängnis sind? Mit je einem 5er Zimmern für 4 Kerle und 2 Frauen haben wir dafür viel Platz. Zunächst jedoch einkaufen ? auf dem Rückweg ein Stop am Hot-Dog-Stand und dann los an den Strand ? wir sind schließlich nicht zum Spaß hier! Das Wasser ist unerwartet warm; trotzdem trauen sich zunächst nur Andrea und Jakob hinein. Und nun an die Arbeit: Boris und Elke erklären uns das Konzept? für den organisatorischen Ablauf des Wochendendes, das einstimmig angenommen wird. Erstmal sammeln wir auf "Wunschzetteln" Visionen, die zusammengeklebt einen großen Papierteppich ergeben. Wir wollen schließlich die Welt verändern oder zumindest das Bibliothekswesen oder zumindest das Institut für Bibliothekswissenschaft.

Jakob beim Wasserlauf , davor BorisBorisDenken am Strand 1Denken am Strand 2

Nachdem es zu nieseln aufhört und inzwischen alle im Wasser waren, beschließen wir, vor einer totalen Versandung drinnen zu Essen. Boris hat in Stralsund extra stark riechendes Knoblauchbrot besorgt. Das anschließende Mindmap-Brainstorming- Ideen-Sammeln wird so laut, dass ein Mitbewohner um Ruhe bittet, aber dafür kommt an diesem Abend auch schon mal sehr viel zusammen. Für morgen haben wir konkrete Arbeitsgruppen und natürlich wieder baden auf dem Programm. Ansonsten ist Ben ein guter Christ, wir werden von Hunden auf die Mauer gejagt, über die die Lebensmüden von uns balancieren und wir sehen ganz viele Sterne. Aus ?nur noch 10 Minuten am Strand weiterlaufen? wird eine Stunde, so dass Boris in Erwartung der Heimkehrer schon auf dem bloßen Federrost einschläft. Nachdem wir Ben davon überzeugt haben, jetzt keine Polonaise zu veranstalten, können auch die anderen schlafen ? mit jeweils 2 Matratzen wie die Prinzessin auf der Erbse.

Samstag, der 26.7.2003.

Es gibt Menschen, die stehen um 7 Uhr auf, um am Strand zu joggen. Kann man, muss man aber nicht. Nach dem Frühstück knobeln wir aus, wer einkaufen muss. Es regnet. Dafür bekommen wir auf Nachfrage einen sehr bunten Seminarraum mit Flipchart und Weltkarte aus sozialistischer Produktion. Jetzt geht es ans Eingemachte: konkrete Themenbereiche wie Kommunikation, Publicity, Arbeiten und Rituale werden in Gruppen von 2-3 Personen bearbeitet. Wir sprühen vor Ideen, aber irgendwann ist auch mal gut und wir beschließen, nach Binz zu laufen.

  Weg nach BinzPause auf dem Weg nach BinzFröhlich am Strand 1Fröhlich am Strand 2

Nach einigen Kilometern barfuß haben wir ordentlich Hunger und holen uns Aal und köstliches Eis (nur zu empfehlen!). Boris und Stefan meinen, vier Kugeln (etwa ein halbes Kilo) verdrücken zu müssen, die ihnen unter den Händen wegschmelzen. Elke, Ben und Andrea sind derweil beim Italiener und es fängt wieder an zu nieseln. Da nehmen wir lieber den Zug zurück: 6 Personen zusammen für 3,60 ? ? da sage noch wer, die Bahn sei teuer! Die zweite Arbeitssession geht schon etwas träger aber trotzdem produktiv voran. Bevor die Sonne untergeht, wollen wir aber doch noch mal zum Strand. Als Jakob sich gerade umzieht, kommt ein Fernsehteam hereingestürmt, das Ben zu uns eingeladen hat.

Wir zeigen Karin und Frank vom Offenen Kanal Bremen unsere Unterkunft und berichten stolz. Anschließend hat irgendjemand die Idee, den Strand auf der anderen Seite der Mauer zu erkunden. ?Ist doch nur ganz kurz?. Ja, ja. Wir versprechen, den Angehörigen der beiden Herren, die unbedingt die Mauer entlang balancieren müssen, im Ernstfall unser Beileid auszusprechen.

Mauerläufer 1Mauerläufer 2Mauerläufer 3Ostsee

Zum Glück ist dies jedoch nicht nötig. Am Strand feiert eine Gruppe jugendlicher Raver und zwei von uns entdecken die Freuden des FKK. Hinein ins Wasser! Nach dem Abendessen stellen die Gruppen ihre Ergebnisse vor. Wir diskutieren und sind fleißig bis zum Umfallen. Danach sind selbst die NVA-Betten samtweich. Die Zurückgebliebenen üben sich nach Mitternacht noch in Massage (wir wollen hier mal lieber keine Namen nennen), assoziativer Konversation und Japanischer Philosophie.

Sonntag, der 27.8.2003

Der Wecker muss sich irren. Bitte, wir wollen doch nur etwas Schlafen! Wir müssen zwar um 10 Uhr unsere Zimmer räumen, bekommen aber durch Elkes Verhandlungsgeschick den Schlüssel für den Seminarraum. Keine Müdigkeit vorschützen ? an die Arbeit.
Aus je einer halben Stunde für die restliche Ausformulierung der Gruppenergebnisse werden fast 2½. Zwischendurch kurz an den Strand und Crêpes essen. Stefans Augen (seiner Geldbörse sei Dank) sind mal wieder größer als sein Mund, aber er kann es ja gut vertragen.
Dummerweise ist im Gegensatz zu gestern heute durchgehend gutes Wetter, was das Arbeiten nicht unbedingt einfacher macht.
In den letzten beiden Stunden gehen wir schnell noch mal baden und relaxen.
Der Strand ist deutlich voller als die letzten beiden Tage.
Noch einmal den Weg mit unserem Gepäck durch die Hitze, und wenn treffen wir auf dem Bahnsteig Prora? Eine Studentin der Bibliothekswissenschaft!
Das bringt mich auf eine Idee, die Bekanntheit des IB zu steigern:
Alle Studenten machen ganz viel Urlaub in aller Welt und erzählen dort, wie toll das IB sei! Auf jeden Fall ist die gemeinsame Zugfahrt mit Carmen bis Stralsund ein netter Zufall.
Die weitere Rückfahrt nutzen wir trotz des körperlichen und geistigen Zustands, in dem wir uns inzwischen befinden, weiter ausgiebig zum Arbeiten. Ganz schön krank, oder? Aber das gemeinsame Brainstorming macht Spaß, vor allem wenn etwas dabei herauskommt. Um 22 Uhr ist endlich Schluss damit. Wir freuen uns schon aufs heimische Bett.

at the workbenchElke, denkend im Raum...denkend am Strand....denkend  am Strand 2

Fazit

Die ersten Zukunftstage Bibliothekswissenschaft waren ein voller Erfolg. Jeder hat sich mit jedem gut verstanden und dank der Abgeschnittenheit vom heimischen Moloch konnten wir uns auf die gemeinsamen Ziele konzentrieren und hatten eine Menge Spaß ? und das alles für nur 64 Euro pro Person und sogar ohne den Konsum künstlicher Drogen, was mich noch immer erstaunt (bei einem längeren Zeitraum wären aber irgendwann Aufputschmittel nötig gewesen). Die ersten Ergebnisse gibt es in Kürze ? wir hoffen, dass sich auch andere von unserer Begeisterung anstecken lassen oder einfach nur so daran mitarbeiten, ihre und unsere Visionen für das Studium und das IB zu verwirklichen.


letzte Änderung: 01.08.2003
Ben Kaden (contextur@aol.com)