|
Stadtrundgang in Warschau
(Manuela)
Da wartete also die polnische Hauptstadt,
von uns entdeckt zu werden. Zunächst mußten
wir feststellen, dass es sehr ruhig in Warschau war
- kaum Menschen auf den Straßen zu sehen, autoleere
Straßen, geschlossene, zum großen Teil verbarrikadierte
Geschäfte und Cafés, kaum Geräusche,
Absperrungen in der Innenstadt, Polizeiaufgebot...der
Grund: Zum Weltwirtschaftskongreß, der seit dem
28.04.04 tagte, wurden zahlreiche Globalisierungsgegner
erwartet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet...Unsere
Gruppe (Marina, Jana, Elke, Boris, Jule, Julia, Kath,
Stefan, Jessi, Andreas, Manuela) ließ sich aber
trotzdem nicht entmutigen, die vor Widersprüchen
trotzende Stadt zu durchforschen.
Bevor wir uns der Altstadt näherten, machten wir
erst mal eine Rast in einem gemütlichen Park. Vorbei
am Platz, auf dem abends die Feierlichkeiten zum EU-Beitritt
stattfinden sollten, ging es dann Richtung Marktplatz.
Die eindrucksvollen Bürgerhäuser mit den Barockfassaden
rund um den Platz, die Gassen und Kirchen wurden gleich
auf zahlreichen Fotos festgehalten. Übrigens wurde
die Altstadt, durch den Krieg völlig zerstört,
zwischen 1949 und 1953 wieder neu aufgebaut. Gassen,
Nischen und Geschäfte wurden von uns erkundet.
Entlang der Stadtmauer, von der man auch einen schönen
Blick auf einen Teil der Stadt hat, gingen wir dann
allmählich auf die Suche nach etwas Eß- bzw.
Trinkbarem.
Von da an trennte sich unsere Gruppe. Da ich Kaffeedurst
hatte bin ich mit Gleichgesinnten (Jana und Andreas)
in ein griechisches Restaurant gegangen (ein polnisches
Kaffee war leider nicht auszumachen...). Nach dieser
Stärkung wollten wir zur Weichsel runter und nur
mal ein wenig die Flußluft schnuppern. Daraus
wurden zwei Stunden Dauermarsch, vorbei am Zoo, am Stadion,
an der UB Warschau (was wir noch nicht wußten)
bis zur errettenden Straßenbahnstation, von der
aus wir wieder Richtung Stadt tingelten. Nach einer
kleinen Rundfahrt fanden wir uns in der Altstadt wieder
und „genossen“ jeder auf seine Art das traditionelle
polnische Gericht Bigos. Gegen 19 Uhr kamen wir im Hotel
an. Danach ging es dann gleich wieder Richtung Innenstadt,
um an der Feier zum EU-Beitritt teilzunehmen.
Warschau...ein modernes Kunstwerk, das die Beteiligung
des Betrachters sucht. Die Gegensätze der architektonischen
Gepflogenheiten lassen den neuen Besucher eine Willkür
des Bauens vermuten. Der Kulturpalast, Zentrum der Stadt,
überragt mit seinen 232 m die Stadt mit einem selbstgefälligen
Lächeln. Vom 30. Stockwerk des im Stalin-Stil erbauten
Gebäudes kann man den Blick über die Mixtur
an verschiedenen Baustilen schweifen lassen. Es ist
schwierig, den Blick von diesem Wust abzuwenden: Altstadt,
klassizistische Gebäude, Wolkenkratzer, Warenhäuser,
Plattenbauten, und zwischendurch schlängeln sich
breite Straßen mit gelb-roten Bussen und Trams
vorbei an Parkanlagen. Die Weichsel mit ihren runden
Bewegungen und ihren zahlreichen Brücken (die ebenfalls
die Spanne von alter und moderner Architektur aufweisen)
fügt sich in das Stadtgefüge ein und trennt
die Innenstadt, das neue Warschau vom alten Warschau,
Praga. Beide „Stadtteile“ haben ihre Reize
– sei es in der Lebendigkeit, Ausstrahlungskraft,
Melancholie oder in der Vergänglichkeit.
„Urlop na warszawa“
– es gibt noch mehr zu sehen…
(Maxi)
Nachdem wir die erste Nacht in unserem
Quartier, dem Hotel Felix im Distrikt Praga –
Poludnie, verbracht hatten, genossen wir dort am nächsten
Morgen zunächst das reichliche Frühstücksbuffet.
Ursprünglich angesehen waren für diesen Tag
die Besichtigungen der National- und der Universitätsbibliothek
Warschau. Aufgrund der bereits erwähnten Maßnahmen
zur Sicherung der Warschauer Innenstadt blieben die
Tore der Bibliotheken in den ersten zwei Tagen unseres
Aufenthalts verschlossen. Es war uns nicht einmal möglich
den Kulturpalast zu besuchen.
Aus diesem Grund haben wir (Tanni, Ben, Maxi) uns entschlossen
den traumhaft sonnigen Tag in den Grünanlagen der
Stadt zu verbringen und den Warschauer Zoo (Ogród
Zoologiczny) im Stadtteil Praga Polnoc zu besuchen,
den wir nach einem längeren Fußmarsch und
der Überquerung der „Most Slasko- Dabrowski“
(eine der zahlreichen Brücken, die über die
Weichsel führen) erreichten.
Der in unserem Reiseführer für die 1980er
Jahre beschriebene Zustand „einer einzigen Katastrophe“
hat sich enorm gewandelt. Wir können von einer
wunderschönen Anlage mit überwiegend artgerechter
Tierhaltung und vor allem vielen Freianlagen berichten,
diesen Wandel hat der Zoo vorrangig zahlreichen Sponsoren
zu verdanken. Wir haben dort einige wunderschöne
Stunden verbracht und sind zu dem Schluss gekommen,
dass sich der Warschauer Zoo durchaus einem Vergleich
mit dem Berliner Tierpark messen kann und absolut sehenswert
ist, wenn auch die unzähligen Imbissstände
an beinahe jedem Gehege unangenehm auffielen.
Anschließend sind wir durch die dem Zoo gegenüberliegende
Grünanlage zur Weichsel gelaufen und haben uns
dort für eine Stunde einen Platz in der Sonne gesucht.
Nun galt es den Rückweg zum Hotel anzutreten, dieser
führte uns über ein paar Irrwege am Stadion
Dziesieciolecia (Stadion des Jahrzehnts) vorbei, welches
seit 30 Jahren unbenutzt steht und heute bekannt für
sein mehr oder weniger „gefährliches“
Markttreiben.
Nach einer gemütlichen Mahlzeit im Restaurant des
Hotels haben wir uns gegen 22 Uhr auf den Weg zum Schauplatz
der Feierlichkeiten (Pl. Pilsudskiego) gemacht.
Den nächsten Tag begannen wir mit einer Besichtigung
der Kaufhäuser in der „Marszalkowska“
in unmittelbarer Nähe des Kulturpalastes, den wir
anschließend besichtigten. Auf dem 234m hohen
Turm des „Palac Kultury i Nasuki“ befindet
sich in der 30. Etage der zweithöchste Aussichtspunkt
Warschaus von welchem wir uns an einem Rundblick über
die Stadt erfreuten.
Anschließend sind wir per Metro zum „Lazienki-Park“
Park gefahren und haben zunächst den an diesem
Tag erstmals in diesem Jahr geöffneten Botanischen
Garten besichtigt, die bunte Vielfalt der über
6000 verschiedenen Pflanzenarten bestaunt und uns ein
sonniges Plätzchen zum Genießen und Postkartenschreiben
gesucht. Die Parkanlagen nebst dem Schloss Belvedere
und dem „Palais auf dem Wasser“ (Palac na
wodzie) standen anschließend auf unsere Wunschliste.
Bevor wir ins Hotel zurückfuhren haben wir den
„Ausflugstag“ mit einer etwas abenteuerlichen
(Ziel zunächst unbekannt) Busfahrt zurück
ins Zentrum und einem Rundgang durch die weniger „populäre“
Innenstadt abgeschlossen.
Blick von Praga gen
Zentrum |
Zeremonie des EU-Beitritts
(Michael)
Am Abend des 30. April trafen wir auf dem Pilsudski-Platz
ein, die Einladung eines Herrn Kwasniewski in Händen.
(Vermutlich weiß er bis heute nichts davon.) Entblößt
von allen metallischen Gegenständen durchschritten
wir die Detektoren und drängten uns an das Geländer.
Am Horizont konnten wir eine Tribüne für die
Honoratioren und einen rot-weiß gestreiften Fahnenmast
erkennen, rechts von uns befanden sich weitere Tribünen,
auf deren einer ich eine gewisse Anzahl von Bischöfen
oder Kardinälen zu erkennen glaubte. Es handelte
sich aber um einen Chor in Nationaltracht.
Die Zeremonie begann mit dem Einmarsch der Ehrenkompanie;
an dieser flanierten dann ranghohe Politiker vorbei,
um zur Tribüne zu gelangen. Es folgten die Nationalhymne
und Ansprachen des Präsidenten der Republik sowie
des Parlamentspräsidenten. Ausgerechnet Letzterer
(ein Ex-Kommunist) pries in seiner Rede Freiheit und
Demokratie, als habe er diese erfunden, was ein höhnisches
Gelächter der Zuschauermenge nach sich zog. Da
wir nichts verstanden, hielten wir das Pfeifkonzert
für eine europafeindliche Demonstration.
Kurz nach Mitternacht erfolgte schließlich die
Hissung des blau-gelben Sternenbanners zu den Klängen
der auf polnisch gesungenen "Ode an die Freude".
Es folgte ein kurzes aber bombastisches Feuerwerk.
Schließlich setzte sich Rafaela Blechaza an den
Flügel auf einer der Tribünen und spielte
Chopin, während auf einer Videoleinwand historische
Filmaufnahmen Warschaus gezeigt wurden. Es war schwierig
etwas zu erkennen, da direkt neben der Leinwand ein
Scheinwerfer installiert war, der die Zuschauer blendete.
Zu diesem Zeitpunkt löste sich die Versammlung
allmählich auf. Die Prominenten verließen
die Bühne. Ein General, der achtlos an der Ehrenkompanie
vorbeigelatscht war, wurde von zwei Ordonanzen auf diesen
Fauxpas aufmerksam gemacht, kehrte schwungvoll um und
bedankte sich mit herzlichen Worten bei seinen Jungs,
die dabei fast noch aufrechter standen als während
des ganzen Abends.
Einige Damen aus unserer Gruppe standen vor mir am Geländer
und schüttelten dem Präsidenten die Hand,
während einer seiner Begleiter uns fröhlich
etwas zurief, das wir nicht verstanden. Ein Bodyguard
stand dabei und griff irritiert unter seine Jacke, was
ihm aber nach einigen Sekunden peinlich war. Also nahm
er die Hand wieder heraus.
Für uns gab es nichts mehr zu tun; so stürzten
wir uns ins Warschauer Nachtleben. Am nächsten
Morgen erwachten wir irgendwie in unserem Hotel.
|
Der Kulturpalast
|
Boah... |
Monumentalkunst aus
vergangenen Zeiten |
Blick vom Kulturpalast... |
... von der anderen
Seite |
die Löwen sind
los |
kreative Pause |

Most Syreny |

im Park |
Marina, Elke, Jana |
|