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Zukunftstage Bibliothekswissenschaft 2004 - das Tagebuch
23.-25. Juli 2004

von Elke Greifeneder, Ben Kaden, Manuela Schulz und Andrea Oelgarten
Fotos: Ben Kaden, Katharina Lachmann, Manuela Schulz


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Binz - Juli 2004


 

Einleitung

Wenn Studenten endlich Semesterferien haben, würde man eigentlich annehmen, dass sie sich nun zunächst einmal vorübergehend zur Ruhe setzen und nichts als das sehnliche Bedürfnis nach Abstand zur Universität empfinden: alle Bücher in die Bibliothek zurückbringen, die College-Blöcke zuklappen, lange schlafen, so etwas wie Sommerwetter suchen, finden und genießen.

Tag 1

Trotzdem fanden sich am 23.07 zu der unchristlichen Uhrzeit 9.00 Uhr die ersten Studenten des Instituts am Ostbahnhof ein. Klügere stiegen erst am Zoo ein, die Cleverste stieg erst eine Stunde später in Oranienburg zu. Kein Wunder also, dass dieselbe nachts umso länger wachte....
Schon zum zweiten Mal fahren wir an die Ostsee, um an der frischen Luft,
in der kühlen bis sehr kühlen Brise und dem üblichen Sommerregen zu arbeiten.
Nach dem typischen, nicht ganz ernst gemeinten, Gequengel, wann man denn nun endlich da sei, erreichten wir nach sechs Stunden den Bahnhof Binz auf Rügen. Hier mussten wir nun feststellen, dass der „kurze Weg“ zum Bahnhof, doch recht lang war, aber nachdem wir die halbe Strandpromenade abgelaufen hatten, fanden wir endlich unsere hübsche Jugendherberge.
Denn das muss man zugeben: Im Vergleich zu vielen anderen Jugendherbergen und günstigen Hotels im östlichen EU-Raum entpuppte sich unsere als das reinste Luxushotel.
Schöne, helle, geräumige und saubere 5-6-Bett-Zimmer, eine schöne, große Tischtennisplatte, Süßwaren-, Eis- und Cola-Automaten, einen Ausblick auf das blaue Meer, davor die Strandpromenade von Binz mit vielen älteren Männern in knappsten Badehosen und dazu gehörigen Damen, täglichem Steinflötenkonzert und ein großer Speisesaal, Garant für gutes Essen: immer Salatbüffet, Hauptgang und Nachtisch.

Natürlich zog es uns nicht sofort an den Tisch zum Arbeiten, auch nicht sofort an den Tisch zum Essen, sondern wir schlüpften erst einmal in unsere schicken Strandoutfits und eilten den anbrandenden Wellen entgegen.
Von der Schlabber- 'ich bin schon 10 Jahre alt'en - Strandhose bis zum sexy Kleid war für alle etwas dabei.
Wir Studenten schauten da nur staunend zu und hielten uns modisch dezent eher im Hintergrund.
Leider war es dann doch recht kühl, so dass wir unser Sonnenbad frühzeitig, und ohne uns den Wellenkamm durchs Haar fahren zu lassen, beendeten und nach einem eher kürzeren Strandspaziergang ins 'Rialto' einkehrten.
Dieses nicht weit von unserer Herberge gelegene Restaurant sollte uns für die kommenden drei Tage als hauptsächliche Versorgungsstätte dienen. Nicht nur die Augen aßen erfolgreich mit.

Gegen 17 Uhr trafen wir uns dann alle wieder und besprachen erst einmal die Vorgehensweise der nächsten 1 ½ Tage. Als Grundstein diente uns die Ist-Analyse der Zukunftstage 2003, welche uns sofort in die erste wilde Diskussion führte.
Um die Gemüter wieder abzukühlen, ging man – etwa 1 ½ Stunden nach dem Besuch im 'Rialto' – erst einmal Abendessen, diesmal in der Herberge, und erfreute sich besonders an dem als „Eis“ betitelten Nachtisch. Ein Chemiker hätte sicher seine wahre Freude beim Decodieren der Zutaten gehabt ... Egal, es war ja im Preis enthalten.

Später gingen wir abermals zum Strand und begannen das offizielle Brainstorming zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, was alle um uns am Strand liegenden gehörig irritierte, um später am Samstag, nach Frühstück und Lebensmitteleinkauf, mit der eigentlichen Arbeit beginnen zu können.

Als aus unseren Köpfen an diesem frühen Freitagabend wirklich keine neuen und prickelnden Ideen mehr herauszuquetschen waren, machten wir einen Nachtspaziergang bis zum Ende der Seebrücke in Binz.
Zwei besonders engagierte weibliche Teilnehmer schwangen sich noch in ihre Joggingklamotten und liefen noch einige Meter. Wie weit genau und in welchem Tempo lässt sich aufgrund der Dunkelheit nicht abschätzen. Geschwitzt haben sie aber tüchtig. Während wir nachher fröstelnd bis schlotternd auf der Seebrücke standen, kamen die beiden in kurzer Hose und T-Shirt an und beklagten sich über die Hitze.

Wohlverdient für die beiden Jogger und etwas weniger wohlverdient für die faulen Biertrinker auf der Seebrücke gingen wir noch einen letzten Nachttrunk einnehmen.
Dabei wurde ganz nebenbei während des Bestellvorgangs von einer Reiseteilnehmerin ein neuartiges Getränk erfunden: die „Weinweißschorle“.
Da klappte sogar dem an sehr angetüterte Touristen gewöhnten – und zu seiner Verteidigung auch vom eifrigen Tagewerk abgenutzten - Sommerkellner im Hotel am Meer die Lade herunter und er stürzte mit seinen letzten Tagesgästen sichtlich in einen Zustand akuten Überfordertseins.

Wenig später schloß er den Laden und warf uns um 1.00 Uhr hinaus, was für uns Kneipen-, Disco-, Partymonster aus Berlin natürlich völlig indiskutabel ist. Aber im sommerlichen Binz ist das scheinbar die Stunde, wo alle Lichter verlöschen und sich jeder in die Laken wühlt.

Wir fügten uns und gingen hängenden Kopfes zurück in die Jugendherberge, um mehr oder weniger ausschlafend den nächsten Morgen zu erwarten.

Tag 2

Am Morgen des 24.07.2004 gab es Frühstück zwischen 8 und 9 Uhr, also schon wieder keine Uhrzeit für brave Studenten.
Wer Lust hatte, konnte gemeinsam mit Jugendlichen aus allen Teilen Deutschlands, die hier ihre Sommerfrische verlebten, duschen - wer nicht, hoffte auf die Reinigung durch Sonne und Wellen und lief direkt in den Speisesaal.

Nach dem Essen und nachdem wir das gestrige Brainstorming geordnet hatten, verteilten wir uns auf drei Gruppen und in verschiedene Räume.
Andrea O., Ben, Manuela, und Maxi durften das „Piratenzimmer“ entern, wohl der schönste kleine Raum der Jugendherberge, das allerdings nur mäßig piratig war.

Julia, Katharina, Marina und Sten machten es sich auf der Terrasse bequem und genossen neben dem Arbeiten gleich noch die Sonne.

Andrea K., Diana und Elke wurden in den Speisesaal abgeschoben, in dem sie jämmerlich litten, als es für die Vollpensionäre Mittagessen gab und sie mit hungrigen Mägen daneben arbeiten mussten. Es blieb die Vorfreude aufs 'Rialto'. Erschwerend kam hinzu, dass die anderen Gruppen sich illegitim beim örtlichen Supermarkt mit Süßwaren bis zur Ohnmacht eingedeckt hatten, diese aber weitgehend unter Verschluss hielten.

Immerhin konnten die drei aus dem Speisesaal so den genialen Tee der Küche mitgenießen: anstatt der üblichen Teesorten Pfefferminz und Hagebutte, gab es nämlich Apfel-Vanille, Zimt- Mango und ähnliches.

Leider schafften wir es nicht, uns eine gemeinsame Mittagspause zu organisieren, so dass die eine Gruppe schon um 12 Uhr ihre kreative Pause machte, während die anderen erst später eine kleine Strandwanderung unternahmen, die sie an Orte führte, wo keiner mehr baden will: Steinig sind die Wege für die Barfüßigen – wenigstens abseits des Binzer Hauptstrands.
Da dieses endlose Herumstreunen über Stock und - noch mehr - Stein hungrig machte, blieb im Prinzip als letzter Hafen nur das 'Rialto', das Italien in Binz.

Jeden Mittag bis 15.00 Uhr gibt es dort billige Menüs.
Da wir jedoch schon wieder zu spät ankamen, stiegen die Knauserigen von uns sofort auf die preiswerten Kinderteller um. Groß genug waren die Portionen dennoch und reichten fast problemlos bis zum Abendessen 1 ½ später.

Ein paar wagten sich jedoch an die hausgemachten Canneloni und aßen sie genüsslich, während alle anderen nur sehnsüchtige Blicke warfen.
Die schon untertassengroßen Augen wuchsen beim Anblick des folgenden Schokoladeneisbechers auf Suppentellergröße.
Die Genugtuung kam dann mit der Rechnung und natürlich später beim „Oberkörperfrei“ am Strand...

Um 16 Uhr begann endlich die Präsentation der Gruppenarbeit.
Bis zum Abendessen schafften wir jedoch nur eine Gruppe abzufrühstücken, so dass wir erst einmal eine Nahrungsaufnahmepause einlegten, in der die Gruppe drei noch fertig arbeiten musste, Gruppe zwei Tischtennis spielen konnten und Gruppe eins mit großem Appetit zum Essen ging.

Um 19 Uhr folgte der zweite Teil der Präsentation, vier Stunden später waren der Präsentationsmarathon und wir ordentlich geschafft.

Das war gerade rechtzeitig, um das Feuerwerk am Strand sehen zu können, das man in Binz als Höhepunkt des Sommerfestes von der Seebrücke aus in den Himmel jagte.

Wir hätten gerne die Nacht zum Tage und einen drauf gemacht, ordentlich aufgedreht bis die Fetzen fliegen, eine Runde nach der anderen gekippt, ein Faß aufgemacht, eine flotte Sause fabriziert oder einfach nur länger mitgefeiert, aber auch hier hieß es - nach einer kräfigen letzten Runde „Ja lebt denn der alte Holzmichel noch?“ – Schotten dicht!

Da unsere Stammtänzerin nichts mehr zum Tanzen hatteund wir anderen die Antwort auf die Schicksalsfrage des Michel nicht finden konnten, trollten wir uns zurück in die Herberge , um noch ein oder zwei Stunden im Piratenzimmer ganz still weiter zu feten: gedimmtes Licht, müde Glieder, eine Tonne voll Chips, Weinweiß und Weißwein, ein „Ärzte-CD“ – alle Zutaten für eine gelungene After-Show-Party waren versammelt und es war wirklich so schön, wie es sich jetzt anhört.

Entsprechend gingen alle recht bald zu Bett, was ja auch vernünftig ist.

Tag 3

Am Sonntag wurde der morgendliche Frühaufstehhorror bis auf die Spitze getrieben. Um 9.15 Uhr mussten wir schon aus den sauber gefegten Zimmern raus sein, d.h. also noch früher frühstücken und danach auf allen Vieren mit dem Handfeger unter den Betten herumkriechen, was etwa einem Robben über den Strand gleichkommt: Oh, ihr unendlichen Freuden des Sandes ...

Da wir noch nicht abfahren wollten, und auch noch lange nicht das volle geplante „Programm“ absolviert hatten, lagerten wir das Gepäck in einer Abstellkammer der Jugendherberge ein und gingen wieder an den Strand für die nächsten Aufgaben: „Selbstfindung“ und nebenbei etwas Fußball.
Das Fußballspiel endete damit, dass eine gewisse junge Dame einen völlig unbeteiligten ganz jungen Zuschauer mit einem wahren Kunstschuss mit nachfolgendem Kopftreffer ins Spiel brachte. Soviel zum Thema Ball und Kinder am Strand.

Mit der Schamesröte im Gesicht dachten wir dann noch ein wenig weiter nach und schafften es glücklicherweise rechtzeitig zum Vor-15:00-Uhr-Tarif ins 'Rialto'. Die Sonne war an diesem Tag nur durch Wolken zu sehen und so vergaßen wir alle die Sonnencreme. Wer uns auf dem Heimweg im Zug sah, musste denken, wir hätten 5 Wochen in Mallorca am Strand gelegen - ohne Creme natürlich! Damit wir nicht nur verbrannt, sondern auch tüchtig überernährt nach Berlin zurückkehren konnten, beendeten wir die Zukunftstage mit Eisbechern, die jeden Diätberater zur Weißglut getrieben hätten.
Wie auch immer: lecker war’s, wunderschön und zum Glück auch sehr produktiv. Weiteres folgt im SKIB und im zugehörigen Arbeitsbericht.


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