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Einleitung
Wenn Studenten endlich
Semesterferien haben, würde man eigentlich annehmen,
dass sie sich nun zunächst einmal vorübergehend
zur Ruhe setzen und nichts als das sehnliche Bedürfnis
nach Abstand zur Universität empfinden: alle Bücher
in die Bibliothek zurückbringen, die College-Blöcke
zuklappen, lange schlafen, so etwas wie Sommerwetter
suchen, finden und genießen.

Tag 1
Trotzdem fanden sich am 23.07 zu der
unchristlichen Uhrzeit 9.00 Uhr die ersten Studenten
des Instituts am Ostbahnhof ein. Klügere stiegen
erst am Zoo ein, die Cleverste stieg erst eine Stunde
später in Oranienburg zu. Kein Wunder also, dass
dieselbe nachts umso länger wachte....
Schon zum zweiten Mal fahren wir an die Ostsee, um an
der frischen Luft,
in der kühlen bis sehr kühlen Brise und dem
üblichen Sommerregen zu arbeiten.
Nach dem typischen, nicht ganz ernst gemeinten, Gequengel,
wann man denn nun endlich da sei, erreichten wir nach
sechs Stunden den Bahnhof Binz auf Rügen. Hier
mussten wir nun feststellen, dass der „kurze Weg“
zum Bahnhof, doch recht lang war, aber nachdem wir die
halbe Strandpromenade abgelaufen hatten, fanden wir
endlich unsere hübsche Jugendherberge.
Denn das muss man zugeben: Im Vergleich zu vielen anderen
Jugendherbergen und günstigen Hotels im östlichen
EU-Raum entpuppte sich unsere als das reinste Luxushotel.
Schöne, helle, geräumige und saubere 5-6-Bett-Zimmer,
eine schöne, große Tischtennisplatte, Süßwaren-,
Eis- und Cola-Automaten, einen Ausblick auf das blaue
Meer, davor die Strandpromenade von Binz mit vielen
älteren Männern in knappsten Badehosen und
dazu gehörigen Damen, täglichem Steinflötenkonzert
und ein großer Speisesaal, Garant für gutes
Essen: immer Salatbüffet, Hauptgang und Nachtisch.
Natürlich zog es uns nicht sofort
an den Tisch zum Arbeiten, auch nicht sofort an den
Tisch zum Essen, sondern wir schlüpften erst einmal
in unsere schicken Strandoutfits und eilten den anbrandenden
Wellen entgegen.
Von der Schlabber- 'ich bin schon 10 Jahre alt'en -
Strandhose bis zum sexy Kleid war für alle etwas
dabei.
Wir Studenten schauten da nur staunend zu und hielten
uns modisch dezent eher im Hintergrund.
Leider war es dann doch recht kühl, so dass wir
unser Sonnenbad frühzeitig, und ohne uns den Wellenkamm
durchs Haar fahren zu lassen, beendeten und nach einem
eher kürzeren Strandspaziergang ins 'Rialto' einkehrten.
Dieses nicht weit von unserer Herberge gelegene Restaurant
sollte uns für die kommenden drei Tage als hauptsächliche
Versorgungsstätte dienen. Nicht nur die Augen aßen
erfolgreich mit.
Gegen 17 Uhr trafen wir uns dann alle
wieder und besprachen erst einmal die Vorgehensweise
der nächsten 1 ½ Tage. Als Grundstein diente
uns die Ist-Analyse der Zukunftstage 2003, welche uns
sofort in die erste wilde Diskussion führte.
Um die Gemüter wieder abzukühlen, ging man
– etwa 1 ½ Stunden nach dem Besuch im 'Rialto'
– erst einmal Abendessen, diesmal in der Herberge,
und erfreute sich besonders an dem als „Eis“
betitelten Nachtisch. Ein Chemiker hätte sicher
seine wahre Freude beim Decodieren der Zutaten gehabt
... Egal, es war ja im Preis enthalten.
Später gingen wir abermals zum
Strand und begannen das offizielle Brainstorming zum
Thema Öffentlichkeitsarbeit, was alle um uns am
Strand liegenden gehörig irritierte, um später
am Samstag, nach Frühstück und Lebensmitteleinkauf,
mit der eigentlichen Arbeit beginnen zu können.
Als aus unseren Köpfen an diesem
frühen Freitagabend wirklich keine neuen und prickelnden
Ideen mehr herauszuquetschen waren, machten wir einen
Nachtspaziergang bis zum Ende der Seebrücke in
Binz.
Zwei besonders engagierte weibliche Teilnehmer schwangen
sich noch in ihre Joggingklamotten und liefen noch einige
Meter. Wie weit genau und in welchem Tempo lässt
sich aufgrund der Dunkelheit nicht abschätzen.
Geschwitzt haben sie aber tüchtig. Während
wir nachher fröstelnd bis schlotternd auf der Seebrücke
standen, kamen die beiden in kurzer Hose und T-Shirt
an und beklagten sich über die Hitze.
Wohlverdient für die beiden Jogger und etwas weniger
wohlverdient für die faulen Biertrinker auf der
Seebrücke gingen wir noch einen letzten Nachttrunk
einnehmen.
Dabei wurde ganz nebenbei während des Bestellvorgangs
von einer Reiseteilnehmerin ein neuartiges Getränk
erfunden: die „Weinweißschorle“.
Da klappte sogar dem an sehr angetüterte Touristen
gewöhnten – und zu seiner Verteidigung auch
vom eifrigen Tagewerk abgenutzten - Sommerkellner im
Hotel am Meer die Lade herunter und er stürzte
mit seinen letzten Tagesgästen sichtlich in einen
Zustand akuten Überfordertseins.
Wenig später schloß er den Laden und warf
uns um 1.00 Uhr hinaus, was für uns Kneipen-, Disco-,
Partymonster aus Berlin natürlich völlig indiskutabel
ist. Aber im sommerlichen Binz ist das scheinbar die
Stunde, wo alle Lichter verlöschen und sich jeder
in die Laken wühlt.
Wir fügten uns und gingen hängenden Kopfes
zurück in die Jugendherberge, um mehr oder weniger
ausschlafend den nächsten Morgen zu erwarten.
Tag 2
Am Morgen des 24.07.2004 gab es Frühstück
zwischen 8 und 9 Uhr, also schon wieder keine Uhrzeit
für brave Studenten.
Wer Lust hatte, konnte gemeinsam mit Jugendlichen aus
allen Teilen Deutschlands, die hier ihre Sommerfrische
verlebten, duschen - wer nicht, hoffte auf die Reinigung
durch Sonne und Wellen und lief direkt in den Speisesaal.
Nach dem Essen und nachdem wir das gestrige
Brainstorming geordnet hatten, verteilten wir uns auf
drei Gruppen und in verschiedene Räume.
Andrea O., Ben, Manuela, und Maxi durften das „Piratenzimmer“
entern, wohl der schönste kleine Raum der Jugendherberge,
das allerdings nur mäßig piratig war.
Julia, Katharina, Marina und Sten machten
es sich auf der Terrasse bequem und genossen neben dem
Arbeiten gleich noch die Sonne.
Andrea K., Diana und Elke wurden in
den Speisesaal abgeschoben, in dem sie jämmerlich
litten, als es für die Vollpensionäre Mittagessen
gab und sie mit hungrigen Mägen daneben arbeiten
mussten. Es blieb die Vorfreude aufs 'Rialto'. Erschwerend
kam hinzu, dass die anderen Gruppen sich illegitim beim
örtlichen Supermarkt mit Süßwaren bis
zur Ohnmacht eingedeckt hatten, diese aber weitgehend
unter Verschluss hielten.
Immerhin konnten die drei aus dem Speisesaal so den
genialen Tee der Küche mitgenießen: anstatt
der üblichen Teesorten Pfefferminz und Hagebutte,
gab es nämlich Apfel-Vanille, Zimt- Mango und ähnliches.
Leider schafften wir es nicht, uns eine
gemeinsame Mittagspause zu organisieren, so dass die
eine Gruppe schon um 12 Uhr ihre kreative Pause machte,
während die anderen erst später eine kleine
Strandwanderung unternahmen, die sie an Orte führte,
wo keiner mehr baden will: Steinig sind die Wege für
die Barfüßigen – wenigstens abseits
des Binzer Hauptstrands.
Da dieses endlose Herumstreunen über Stock und
- noch mehr - Stein hungrig machte, blieb im Prinzip
als letzter Hafen nur das 'Rialto', das Italien in Binz.
Jeden Mittag bis 15.00 Uhr gibt es dort billige Menüs.
Da wir jedoch schon wieder zu spät ankamen, stiegen
die Knauserigen von uns sofort auf die preiswerten Kinderteller
um. Groß genug waren die Portionen dennoch und
reichten fast problemlos bis zum Abendessen 1 ½
später.
Ein paar wagten sich jedoch an die hausgemachten
Canneloni und aßen sie genüsslich, während
alle anderen nur sehnsüchtige Blicke warfen.
Die schon untertassengroßen Augen wuchsen beim
Anblick des folgenden Schokoladeneisbechers auf Suppentellergröße.
Die Genugtuung kam dann mit der Rechnung und natürlich
später beim „Oberkörperfrei“ am
Strand...
Um 16 Uhr begann endlich die Präsentation der Gruppenarbeit.
Bis zum Abendessen schafften wir jedoch nur eine Gruppe
abzufrühstücken, so dass wir erst einmal eine
Nahrungsaufnahmepause einlegten, in der die Gruppe drei
noch fertig arbeiten musste, Gruppe zwei Tischtennis
spielen konnten und Gruppe eins mit großem Appetit
zum Essen ging.
Um 19 Uhr folgte der zweite Teil der
Präsentation, vier Stunden später waren der
Präsentationsmarathon und wir ordentlich geschafft.
Das war gerade rechtzeitig, um das Feuerwerk
am Strand sehen zu können, das man in Binz als
Höhepunkt des Sommerfestes von der Seebrücke
aus in den Himmel jagte.
Wir hätten gerne die Nacht zum Tage und einen drauf
gemacht, ordentlich aufgedreht bis die Fetzen fliegen,
eine Runde nach der anderen gekippt, ein Faß aufgemacht,
eine flotte Sause fabriziert oder einfach nur länger
mitgefeiert, aber auch hier hieß es - nach einer
kräfigen letzten Runde „Ja lebt denn der
alte Holzmichel noch?“ – Schotten dicht!
Da unsere Stammtänzerin nichts mehr zum Tanzen
hatteund wir anderen die Antwort auf die Schicksalsfrage
des Michel nicht finden konnten, trollten wir uns zurück
in die Herberge , um noch ein oder zwei Stunden im Piratenzimmer
ganz still weiter zu feten: gedimmtes Licht, müde
Glieder, eine Tonne voll Chips, Weinweiß und Weißwein,
ein „Ärzte-CD“ – alle Zutaten
für eine gelungene After-Show-Party waren versammelt
und es war wirklich so schön, wie es sich jetzt
anhört.
Entsprechend gingen alle recht bald zu Bett, was ja
auch vernünftig ist.
Tag 3
Am Sonntag wurde der morgendliche Frühaufstehhorror
bis auf die Spitze getrieben. Um 9.15 Uhr mussten wir
schon aus den sauber gefegten Zimmern raus sein, d.h.
also noch früher frühstücken und danach
auf allen Vieren mit dem Handfeger unter den Betten
herumkriechen, was etwa einem Robben über den Strand
gleichkommt: Oh, ihr unendlichen Freuden des Sandes
...
Da wir noch nicht abfahren wollten, und auch noch lange
nicht das volle geplante „Programm“ absolviert
hatten, lagerten wir das Gepäck in einer Abstellkammer
der Jugendherberge ein und gingen wieder an den Strand
für die nächsten Aufgaben: „Selbstfindung“
und nebenbei etwas Fußball.
Das Fußballspiel endete damit, dass eine gewisse
junge Dame einen völlig unbeteiligten ganz jungen
Zuschauer mit einem wahren Kunstschuss mit nachfolgendem
Kopftreffer ins Spiel brachte. Soviel zum Thema Ball
und Kinder am Strand.
Mit der Schamesröte im Gesicht dachten wir dann
noch ein wenig weiter nach und schafften es glücklicherweise
rechtzeitig zum Vor-15:00-Uhr-Tarif ins 'Rialto'. Die
Sonne war an diesem Tag nur durch Wolken zu sehen und
so vergaßen wir alle die Sonnencreme. Wer uns
auf dem Heimweg im Zug sah, musste denken, wir hätten
5 Wochen in Mallorca am Strand gelegen - ohne Creme
natürlich! Damit wir nicht nur verbrannt, sondern
auch tüchtig überernährt nach Berlin
zurückkehren konnten, beendeten wir die Zukunftstage
mit Eisbechern, die jeden Diätberater zur Weißglut
getrieben hätten.
Wie auch immer: lecker war’s, wunderschön
und zum Glück auch sehr produktiv. Weiteres folgt
im SKIB und im zugehörigen Arbeitsbericht.

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