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Beschriftetes und gebundenes Papier in Konkurrenz mit Bits und Bytes
Der Verleger Christoph Links über die „Zukunft des Buches“

Von Matti Stöhr

Das neue Jahr hat schon längst begonnen. Das Semesterende ist auch nicht mehr weit. Dennoch gab es kurz vor der Weihnachtspause am IB ein Ereignis, von dem ich an dieser Stelle noch berichten möchte. „Die Zukunft des Buches“ war nämlich am 17.12.2004 um 10 Uhr in der K.G. Saur-Bibliothek das Vortragsthema des Verlegers Christoph Links vom Ch. Links Verlag.

Angesichts der wachsenden Bedeutung digitaler Medien, sollte man sich stets fragen welchen Stellenwert das Buch in der Gesellschaft hat und welchen es in Zukunft haben wird.

In selbiger Reihenfolge war auch der Vortrag angelegt: Zunächst charakterisierte Herr Links die Buchlandschaft Deutschlands in der Gegenwart, um anschließend einige Überlegungen zur Zukunft des Buches anzustellen.

In Deutschland besitzt das Buch nach wie vor einen hohen Stellenwert, liegt in der kulturellen Bedeutung für das Land „weit vorn“.
Davon zeugt das Freizeitverhalten der Deutschen, in dem das Lesen von Büchern laut einer Studie für die Frankfurter Buchmesse unter den acht beliebtesten Beschäftigungen rangiert. An diesem Punkt ist zu bedenken, dass Herr Links sich hier auf ein Papier bezog, das den deutschen Buchmarkt von 2001 beschrieb.

Auch wenn eine verhältnismäßig große Zeitspanne zwischen Gegenwart und Studie liegt, so ist auch heute zu beobachten, dass die deutsche Buchlandschaft eine der besten der Welt ist. Zu nennen ist hier das dichte Netz an Buchhandlungen („geistige Tankstellen“), den drittgrößten, jährlichen Titelaustoß mit ca. 70.000 Neuerscheinungen (Großbritannien und China mit mehr als 100.000 auf den beiden vorderen Plätzen) und ein hervorragendes Vertriebs- und Verteilsystem.
Von den derzeit ungefähr 1 Mio. lieferbaren Titeln sind deutschlandweit etwa ein Drittel innerhalb eines Tages verfügbar. Die Vielfalt des Angebots, sowie das Überleben von kleinen Buchhandlungen und Verlagen wird durch das Preisbindungsgesetz gesichert. Dass dieses Gesetz aus der Sicht von Christoph Links wichtig ist, wird durch einen Vergleich des Buchumsatzes in Deutschland mit dem der USA deutlich. Während in den USA allein drei Buchhandelsketten 50 Prozent des Umsatzes erzielen, fallen dagegen in Deutschland auf die drei größten Buchhändler 10 Prozent. Das dabei Platz 1 vom Parfümeriekonzern Douglas belegt ist, sei eine kuriose Randnotiz.

Dass der Musikmarkt, in dem es keine Preisbindung gibt, nahezu ausschließlich von Megastores dominiert wird, ist für Links die Bestätigung das zu kippen drohende Preisbindungsgesetz für Bücher beizubehalten. Schon so seien beunruhigende Trends, u.a. im Bezug auf die Bibliotheken zu beobachten. Eigentlich ist es nicht neu, dass Bibliotheken durch steigende Preise um ihre Qualität und Existenz kämpfen müssen, aber dass sie „Bettelbriefe an die Verlage“ schreiben um trotz ihres dünnen Beschaffungsetats ihren Bildungsauftrag zu erfüllen, hört sich aus dem Munde eines Verlegers recht dramatisch an.

Die Überlegungen bzw. die begonnene Praxis Bücher zu digitalisieren und zur freien Nutzung z.B. in Kommunal- und Campusnetzen anzubieten, mag nicht nur aus Platzgründen für Bibliotheken Gold wert sein. Aus der Sicht der Verlage ist dies aber, so Links, existenzbedrohend. Für den klassischen Buchverlag bergen „search inside the book“ Projekte von Google und Amazon, in denen Bücher im Volltext unter bestimmten Voraussetzungen auf den heimischen PC zu holen sein werden, große wirtschaftliche Risiken. Solche aktuellen Entwicklungen machen die Zukunft des Buches in ihrer gesellschaftlichen Tragweite brisant. Links prognostizierte in seinem Vortrag, dass sich das Verhältnis zwischen Informationsproduzent und -konsument in den nächsten Jahren entscheidend verändern wird. Hierbei wird sich das Nutzerverhalten stark differenzieren: In der Wissenschaft werden digitale Inhalte eine weitaus größere Rolle spielen als in der Freizeit.

Der Zusammenbruch des Reisebücher- und des EDV-Büchermarktes mittels ihrer Verdrängung durch Navigationsgeräte und Internet zeigt schon heute einen Trend, der die bevorstehende Aufbrechung alter Verhältnisse im Medienbereich denkbar werden lässt.

Die Dominanz des Buches schwindet und im besten Falle werden die verschiedenen medialen Vermittlungsformen, sich weiterhin ergänzend, nebeneinander existieren. In dieser Hinsicht führte Herr Links aus, dass innovative Finanzierungsmodelle geschaffen werden müssen, in denen weder Verlage, Bibliotheken noch andere Informationsdienstleister übervorteilt werden können.
Hierbei sah Christoph Links in der dem Vortrag folgenden Diskussion u.a. die Bibliotheken stark in der Pflicht. Das Selbstverständnis der Bibliotheken, Wissen kostenfrei anzubieten, sei seiner Meinung nach überholt. In Zukunft sollte in diesem Sinne endlich die Erkenntnis greifen, dass Information Geld kostet.

Ein Spenderherz hatte Herr Links so kurz vor Weihnachten aber doch und brachte der äußerst interessierten und zahlreich erschienenen Zuhörerschaft mehrere Exemplare zweier Titel des Verlagssortiments mit.
Über die Festtage konnte man sich so entweder über Zensur oder über den Verlegerberuf anhand von Selbstportraits belesen.

Die Zukunft des Buches ist noch lange nicht geschrieben, und so wird es auch im nächsten Jahr kurz vor Weihnachten wieder eine Standortbestimmung von und mit dem Verleger Christoph Links am Institut für Bibliothekswissenschaft geben...

Link:
www.linksverlag.de

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