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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Ein Bericht zur Exkursion im Rahmen des Seminars "Repräsentation und Retrieval von Informationen in Datenbanken"

von Andrea Oelgarten

Im Zusammenhang mit dem Seminar von Frau Dr. phil. Iris Schwarz im Hauptstudium: Repräsentation und Retrieval von Informationen in Datenbanken, wurde die Exkursion nach Sachsenhausen angeboten. Zu dieser konnten auch Studenten, die nicht das Seminar besuchen, kommen.
Das Seminar zielt darauf ab effizient zu ermitteln welche Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen verstorben sind. Es wird in den Fakten-, Referenz- und Findbuchdatenbanken der Gedenkstätte Sachsenhausen (ca. 400.000 Datensätze) recherchiert. Für ein Totenbuch bilden diese Rechercheergebnisse die Grundlage. Dieses wird aus dem Anlass des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers erscheinen.

Geschichte von Sachsenhausen

11936 wurde das Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen von Häftlingen aus den Emslandlagern errichtet. SS-Architekten hatten es als idealtypisches KZ am Reißbrett konzipiert. Das Lager sollte das Weltbild der SS architektonisch ausdrücken und dadurch sollten sich die Häftlinge auch symbolisch der absoluten Macht der SS unterwerfen.
Durch seine unmittelbare Nähe zur Reichshauptstadt wurde dem KZ eine Sonderstellung im System der nationalsozialistischen Konzentrationslager eingeräumt. Deutlich wurde die Sonderstellung als 1938 die Inspektion der Konzentrationslager, die Verwaltungszentrale für alle Konzentrationslager im deutschen Machtbereich, von Berlin nach Oranienburg verlegt wurde.


Appellplatz

In dem Zeitraum zwischen 1936 und 1945 waren mehr als 200.000 Menschen in Sachsenhausen inhaftiert. Es handelte sich anfangs insbesondere um politische Gegner des NS Regimes und um Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch oder biologisch minderwertig erklärten Gruppen. Ab 1939 sind es meist Bürger aus den von Deutschen besetzten Gebieten gewesen. Viele von ihnen kamen vor Ort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen oder durch systematische Vernichtungsaktionen der SS ums Leben.

Durch Einheiten der russischen und polnischen Roten Armee wurde das KZ Sachsenhausen am 22.04.1945 befreit.

In der sowjetischen Besatzungszone wurde das Speziallager Nummer 7 im August 1945 nach Sachsenhausen verlegt. Die Gebäudeeinheiten wurden ihrem Sinn nach beibehalten außer dem Krematorium und der Vernichtungsanlage.

   

rechts: Mauer
oben: Turm A

Inhaftiert wurden Funktionäre des NS-Regimes, politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete aber auch von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte.
Als Speziallager Nr. 1 wurde Sachsenhausen ab 1948 das größte von drei in der sowjetischen Besatzungszone. Es waren ca. 60.000 Menschen dort inhaftiert gewesen, mindestens 12.000 sind an Unterernährung und Krankheiten gestorben.

1956 begann die Planung für die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. Am 22.04.1961 wurde die Gedenkstätte eingeweiht.
Nach der Wende von 1990-1992 wurde die Gedenkstätte kommissarisch durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur vom Land Brandenburg verwaltet. Im Januar 1993 erhielt sie den Namen "Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen" die nun zu der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten gehört. Die Stiftung betreut außerdem die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, das Museum des Todesmarsches bei Wittstock sowie eine Dokumentationsstelle im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg/Havel.

Zur Zeit findet in dem Museum die Dauerausstellung in den Baracken 38 und 39 statt "Jüdische Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen" und "Der 'Alltag’ der Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen" beide zusammen stellen eine gestalterische Einheit dar. Zudem gibt es viele weiter Ausstellungen!

Krankenrevierbaracke

Archiv und Bibliothek
Das Archiv, der 1961 gegründeten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, wurde erst in dem Jahr 1976 angelegt. Dieses war aber nicht öffentlich zugänglich. Als öffentliches Archiv wurde es Anfang 2000 anerkannt.

Das Archiv bewahrt Akten der Gedenkstätte, Akten von Häftlingsorganisationen sowie Nachlässe ehemaliger Häftlinge auf. Zudem sind umfangreiche Sammlungen zur Geschichte und Nachgeschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausens, die ständig ergänzt und erweitert werden, vorhanden. Die Sammlung von Kopien der nur bruchstückhaft erhaltenen Akten der Kommandantur des KZ Sachsenhausen aus in- und ausländischen Archiven hat eine besondere Stellung. Diese Bestände werden durch abgeschlossene Sachsenhausen-Sammlungen der „Lagerarbeitsgemeinschaft Sachsenhausen“ und des „Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR“ sowie durch Nachlässe natürlicher Personen, deren Biografie mit der Geschichte von Sachsenhausen verbunden ist vervollkommnet.
Durch Findhilfsmittel in Form von elektronischen Findbüchern, Findbüchern und Findkarteien werden die meisten Bestände erschlossen. Die meisten personenbezogenen Unterlagen wurden in Datenbanken erfasst. Die Bestände betragen ca. 280 lfm. Akteneinheiten, ohne die noch zu übernehmenden Verwaltungsakten der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Zur Zeit der Gedenkstättengründung 1961, war nur eine kleine Dienstbibliothek vorhanden. Diese stand nur den Mitarbeitern zur Verfügung. Die Dienstbibliothek wurde erst 1993 in eine öffentliche Spezialbibliothek umgewandelt. Sie ist nun für alle Besucher und Benutzer frei zugänglich.

Die Bibliothek hat folgende Sammelgebiete: Nationalsozialismus, Konzentrationslager, KZ Sachsenhausen, Nachkriegsgeschichte, Sowjetische Besatzungspolitik, Speziallager sowie Erinnerungspolitik, Gedenkstätten, Gedenkstättenpädagogik. Diese haben einen Umfang von ca. 11.000 Medieneinheiten.


   

Unter anderem ist darunter eine Sammlung von NS-Literatur (ca. 1.800 Bände) sowie Nachlässe und Schenkungen ehemaliger KZ-Häftlinge.

Die Bibliothek von Martha und Harry Naujoks, ist da mit 2.000 Bänden die umfangreichste. Außerdem sind in den Beständen auch Quelleneditionen auf Mikrofiches wie die Akten des Nürnberger Ärzteprozesses, die Urteile des Volksgerichtshofes wegen Hochverrats ferner die Akten der NSDAP-Parteikanzlei, zu dessen Benutzung ein Readerprinter für Mikroformen vorhanden ist.

Diese werden durch etwa 40 laufend gehaltene Fachzeitschriften und Periodika ergänzt, es sind auch Fotos und audiovisuelle Medien einzusehen.

Zusammen mit dem Depot sind Archiv und Bibliothek in einem historischen Gebäude des ehemaligen Industriehofs untergebracht. Von Forschern und interessierten Besuchern können diese Bestände nach einer Voranmeldung genutzt werden.
In dem Archiv, der Bibliothek oder dem Depot ist jederzeit die Möglichkeit vorhanden ein Praktikum zu absolvieren. Eine Bewerbung kann an folgende Adresse geschickt werden:


Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Archiv/Bibliothek/Depot
Straße der Nationen 22
16515 Oranienburg

mehr dazu im Internet: www.gedenkstaette-sachsenhausen.de

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