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Thalia
in Athenens Tempel
Eine Rezension zum Stück "Ein Tag
am IB" von Michael Rieck
Bilder
Der Streit ist Jahrhunderte alt: Sollen Schauspieler
professionell spielen oder sich vollständig mit der Rolle
identifizieren und sie leben?
Dieses Problem hatten die Darsteller der Satire „Ein
Tag am IB“ nicht; stellten sie doch ihr und unser Leben
dar. Schon Molière wusste, dass hierfür die Form
der Komödie am geeignetsten ist: „Der Tragiker
kann dem frei entfalteten Flug seiner Phantasie folgen (…).
Der Komödienschreiber dagegen muss lebensähnliche
Porträts geben, in denen man die Menschen unserer Zeit
erkennt.“
An der Reaktion der ca. 40-50 Zuschauer wurde deutlich, dass
diverse „Menschen unserer Zeit“ durchaus erkannt
wurden.
Zur Handlung: Ein Dozent (kein bestimmter, irgendeiner …)
hält ein Seminar ab. Ein Referat wird gehalten. Man tratscht.
Die Fachschaft tagt. Zwischendurch belagern entzürnte
Studenten immer wieder den Kaffeeautomaten.
Die Regiekonzeption erheischt eine Einbeziehung des Zuschauers.
Diese erfolgte höchst unterschiedlich und zeitigte verschiedene
Resultate. Zunächst ist da ein kaum zu leugnender Lerneffekt.
Es wird wohl keinen Anwesenden geben, der nach der Behandlung
des Themas „Einführung in die Auflösung bzw.
Ablösung fachspezifischer Abkürzungen anhand ausgewählter
Datenbanken im Kontext der einführenden Auflösung
des ablösenden Einführens“ nicht sämtliche
relevanten Abkürzungen aus dem BID-Bereich beherrscht.
Des Weiteren wissen wir nun bis ins Kleinste, wie ein Computer
funktioniert.
Es wurden alle Sinne angesprochen. Gegen Ende der Vorstellung
fand eine subtile Beeinflussung der Zuschauer statt; dergestalt,
dass das Publikum durch wiederholte Hinweise auf das Büffet
in ein Rudel Pawlowscher Hunde verwandelt wurde, das mit
erhöhtem Speichelfluss zu kämpfen hatte.
Erhöhten Speichelfluss (zumindest bei den anwesenden
Herren) verursachte auch Julia Goltz, die in der Mitte des
Stücks in einem Kostüm auftrat, das den durchschnittlichen
Berliner Bauarbeiter dazu veranlasst, vom Gerüst zu fallen.
Man merkte den Mitwirkenden die Freude am Spiel an. Es ist
eben keine hohle Phrase, dass diese Bretter „die Welt
bedeuten“; wer einmal auf ihnen stand, kann sich dem
nur schwer entziehen. Auch dieser sichtbare Genuss am Rampenlicht
war der Erringung der Zuschauergunst dienlich.
Die Kostüme, die minimalistische Ausstattung des Bühnenbilds
sowie die Nutzung IB-üblicher Alltagsgegenstände
lassen avantgardistische Einflüsse erkennen. Gerade die
Symbiose aus realem Spiel, PowerPoint und Video erinnert den
Betrachter an die „Montage der Attraktionen“ eines
Sergej Eisenstein und dessen Absicht, die Bühne in ein
„Laboratorium des neuen gesellschaftlichen Lebens“
umzuwandeln. Dies ist dem Ensemble geglückt.
Trotz der persiflierten Mängel war das Stück geeignet,
so etwas wie Stolz auf unser, von Missgunst heimgesuchtes
und ständig von Schließung bedrohtes, Institut
zu wecken. Also doch eine Liebeserklärung an das IB?
Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Weltpremiere,
neben den schon beschriebenen, noch eine weitere Botschaft
kundtat: Unsere Kommilitoninnen sind dazu fähig, selbst
Kaffeeautomaten zu betören. Daran hatte ich nie gezweifelt.
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Ein
paar Bilder

Große Erwartungen: Boris
- lange bekannt als Held der Fachschaft - und Jessica gleichen
die ihren ab.

Gegen die Wand: der "Dozent" - gespielt von Matti
- im Schatten von Jakob, dem Streber.

Gouchi gouchi ya ya here: : "Lady Marmelade" Katharinas
Passion für den El Tango mit
dem Automaten
Zwei vom Fach: Julia und Julia beim "guerrilla marketing"

Das Leben geht weiter: Nach dem Stück ist vor dem Stück
bzw. unser Rezensent
mittendrin in den Geschichten, die das ib-Leben schreibt.

Nachspiel: der "Dozent" Matti mit dem Dozenten Klaus-Peter
Mieth und Zuschauerin Sophia
bei einer ersten Auswertung

Aletheia - von wegen: eine "anonyme" Besucherin
beim Ver- statt Entbergen, hier mit
Sektglas hinter dem "Tag am IB"
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