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Lotka Matthäus

Untersuchungen zu Most Cited Authors im BBK am 23.11.2004

von Alexander Struck und Ben Kaden

"Zitationsraten gelten oft als Maß für die wissenschaftliche Bedeutung eines Wissenschaftler."

"Es wird öfter positiv als negativ zitiert."

"Es hat sich wiederholt gezeigt, dass die Produktivität eines Wissenschafters stark mit der Institution, in der er arbeitet korreliert."

Drei Aussagen aus dem Vortrag, die das Thema grob umreißen und im Prinzip deutlich machen, worum es geht.

Da eine kommende Veröffentlichung des Vortragenden Hamzehali Nourmohammadi in Kooperartion mit Prof. Umstätter, die in direkten Zusammenhang mit diesem Vortrag steht, folgt, soll der Vortragsinhalt an dieser Stelle nur ganz knapp wiedergeben werden.

Im Rahmen seiner Promotion untersucht der Referent in Zusammenarbeit mit Prof. Umstätter verschiedene Aspekte von Zitierungen im wissenschaftlichen Umfeld unter verschiedenen Gesichtspunkten.

Im Vortrag nannte er verschiedene Gründe, warum Wissenschaftler eigene oder fremde Arbeiten zitieren und ging näher auf oft referenzierte Schriften ein.

Beispielhaft wurden Arbeiten unter dem Aspekt der Zitierung über längere Zeit (Citation Classics) oder hoher Zitation über kurze Zeit (Most Cited Articles) gezeigt und in Tabellen und Diagrammen dargestellt.

Dass ein subjektiv hoher Prozentsatz der zitierten Arbeiten nicht gelesen wird, wobei der Anteil der Selbstzitation noch höher liegt, verzerrt das Bild etwas.

Hamzehali Nourmohammadi hat den besonderen Aspekt der Nobelpreisträger hervorgehoben und ist auf deren Zitationen eingegangen.

Die Anmerkung über den hohen Prozentsatz von Zitationen auf vergleichsweise wenige Zeitschriften haben dieses Bild noch weiter ausgeleuchtet.

Desweiteren hat er die hoch zitierten Publikationen nach Ländern aufgeschlüsselt; interessanterweise liegt Deutschland dabei auf Platz 2 hinter "England", die USA fehlen, was ebenfalls sehr interessant ist.

Eine Aufbrechung nach Fachgebiet nahm der Referent ebenfalls vor, wobei der Vortragende auf die häufigere Zitation von Methoden hingewiesen hat.

In der Folge setzte er sich ausführlicher mit dem Impact Factor auseinander und ging auf folgende Fragestellungen ein:
Was lässt sich aus dem IF ablesen, wer benutzt ihn und wie kann man dem IF berechnen?
Welche Zusammenhänge existieren zur den Aspekten wie der Auflage, dem Preis oder der Anzahl der Autoren einer Publikation?

Einschränkungen hinsichtlich der Aussagekraft des IF haben das in der Lehre oft monolithisch erscheinende Bild etwas relativiert und den interessanten Vortrag abgerundet.

Zwei Begriff zum Thema, die jeder kennen muss:

Matthäus Effekt, nach Robert K. Merton (bzw. dem Bibelwort "wer hat, dem wird gegeben"): besagt, "dass Wissenschaftlern mit hoher Reputation oder auch solchen, die an sehr bekannten und angesehenen Institutionen arbeiten, Aufmerksamkeit und Anerkennung zuteil werden, die über ihre tatsächlichen Leistungen hinausgehen", was sich u.a. in einer höheren Zahl von Zitierungen ihrer Arbeiten niederschlägt. (Zitat nach Weingart, Peter (2003) Wissenschaftssoziologie. Bielefeld: transcript. S. 23)

Lotkas Gesetz, nach Alfred Lotka: die Zahl der Autoren, die n Artikel publizieren, ist umgekehrt proportional zu nhoch2 aller publizierenden Autoren. "Es besagt, dass es in jeder Fachgemeinschaft ein starkes Ungleichgewicht unter den Wissenschaftlern hinsichtlich ihrer Publikationsaktivität gibt." (Zitat nach ebd., S. 26) Dies gilt übrigens z.T. auch für die Publikationsaktivität im IB.Weblog, wie eine Spontanberechnung im September zeigt. (vgl. dort Comment 10)

weitere Literatur:
Nourmohammadi, Hamzehali; Umstätter. Walther: Die Verteilung der Autorenhäufigkeit in wissenschaftlichen Zeitschriften bei verschiedenen Themen und Ländern. In: Information. Wissenschaft&Praxis. 55 (2004) 5. 275-281

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