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Bibliothekswissenschaft
in Berlin aufgewertet
Vorläufiges Ende einer Zitterpartie um den Erhalt der
Bibliothekswissenschaft in Deutschland
von Prof. Dr. Konrad Umlauf
Ausdruck der spontanen Freude der Studierenden über die
AS-Entscheidung.
Der Akademische Senat der Humboldt-Universität
Berlin hat jetzt die vakante Professur für Bibliothekswissenschaft
(Nachfolge Prof. Plassmann, der in 2000 emeritierte) zur Neubesetzung
freigegeben. Die exponierte Forscherstelle für Bibliotheks-
und
Informationswissenschaft soll mit dem Schwerpunkt Digitale
Bibliotheken international ausgeschrieben werden.
Damit fand die über ein Jahr dauernde
Zitterpartie um den Erhalt des Faches, das in Deutschland
an keiner anderen Universität als an der Humboldt-Universität
vertreten ist, ein Ende. Sie begann, als im Herbst 2003 die
Berliner Landesregierung den Universitäten
die Mittel so einschneidend kürzte, dass an der Humboldt-Universität
rund ein Drittel der Professuren ersatzlos gestrichen werden
musste. Obwohl das Institut für Bibliothekswissenschaft
und seine Studiengänge kurz zuvor durch international
besetzte
Gutachtergremien positiv evaluiert worden waren, setzte das
Präsidium der Universität in Berlin-Mitte die Bibliothekswissenschaft
auf die Streichliste, ebenso wie die agrarwissenschaftliche
Fakultät und zahlreiche weitere Fächer.
Eine nachvollziehbare Begründung für
diesen Schritt gab es nie. Zwar hatte die Leitung der Humboldt-Universität
Kriterien für eine interne Evaluation festgelegt, doch
lag die Bibliothekwissenschaft nach diesen Kriterien teils
im Mittelfeld, teils über dem
Durchschnitt und bei keinem Wertungsbereich im unteren Drittel.
Achselzuckend verlautbarte das Präsidium als Begründung
für die beabsichtigte Schließung der Bibliothekswissenschaft:
Ein Rest von Dezisionismus bleibt.
Es hagelte Proteste aus dem In- und Ausland,
unter anderem wandten sich mehrere prominente Vertreter des
Faches in USA in persönlichen Briefen an den Präsidenten
der Humboldt-Universität, um die Bedeutung des Faches
für die Wissensgesellschaft zu
betonen.
Im Sommer 2004 tagte auf Initiative der Bibliothekswissenschaft
eine auch mit externen Fachvertretern besetzte Kommission,
die das zukünftige Profil des Faches in Berlin festlegen
und geeignete Forscherpersönlichkeiten für die vakante
Professur finden sollte.
Die Voten dieser Findungskommission unter dem Vorsitz von
Prof. Elmar Mittler, Direktor der Niedersächsischen Staats-
und Universitätsbibliothek Göttingen, überzeugten
jetzt Präsidium und Gremien der Humboldt-Universität.
Mit dieser Entscheidung, so erklären
der Institutsdirektor Prof. Walther Umstätter und sein
Stellvertreter Prof. Konrad Umlauf, finden auch die Forschungsleistungen
des Instituts, wie sie besonders in mehreren Dissertationen
jedes Jahr dokumentiert werden, ihre Anerkennung.
Parallel dazu ist eine Studienreform in Arbeit,
die den Direkt-Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft
an der Humboldt-Universität auf Bachelor- und Master-Abschlüsse
umstellt. Es ist dieser Umstellung geschuldet und kein Zeichen
einer Gefährdung des Faches, wenn die Humboldt-Universität
im Wintersemester 2005/2006 im Direktstudiengang keine Studenten
aufnimmt.
Auch das postgraduale Fernstudium des Instituts
wird weitergeführt; in diesem Studiengang ist die Immatrikulation
auch zum Wintersemester 2005/2006 möglich (Immatrikulationsschlus:
15. Juli 2005). In diesem durch Studienentgelte finanzierten
Studiengang bereiten sich Hochschulabsolventen aus dem In-
und Ausland (u.a. aus Bosnien-Herzegowina, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Lettland, Luxemburg, Österreich, Polen, Russland,
Schweiz, Spanien, Türkei und den USA) auf hochqualifizierte
Tätigkeiten im Informationssektor vor. Integriert in
den Fernstudiengang ist die Ausbildung von Bibliotheksreferendaren
und -volontären aus
mehreren deutschen Bundesländern.
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