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Regeln für das Lernen

eine Zusammenfassung zur Vollversammlung zur Vorstellung des neuen Studienordnungsentwurfs am 14.07.2004

von Ben Kaden

Ergänzung 19. Juli 2004:

Wie die LSK auf ihrer Sitzung am 16. Juli 2004 entschied, wird es zu einer umfassenden Neubearbeitung der Studienordnungsentwürfe kommen. Die Entwürde werden im Webangebot des IB präsentiert.

Parellel dazu wird den Mitarbeitern und Studierenden des IB die Möglichkeit gegeben, sich über ein elektronisches FORUM zu beteiligen.

- weitere Informationen folgen -

 

Es war fast zu erwarten, dass es bei der Vollversammlung ein wenig kontrovers zugehen würde.

Zu konträr stehen die beiden Ansätze:

Auf der einen Seite der maßgeblich von der Institutsleitung über-
arbeitete und favorisierte Studienordnungsentwurf, welcher auf der Studienordnung für das Fernstudium in Kooperation mit der Universität Koblenz-Landau aufbaut und auf der anderen Seite der Alternativentwurf der auf langfristigen institutsinternen Überlegungen zur Umstellung der Studienordnung basiert und von Vertretern des Mittelbaus und der Studierendenschaft redaktionell bearbeitet wurde.

Unbestritten ist, dass – nicht nur, aber besonders dringend - angesichts der geplanten Umstellung des Direktstudiums auf Bachelor- und Magisterprogramme ein neuer Studienordnungs-
entwurf so schnell als möglich auf den Weg durch die Gremien gebracht werden muss.

Die vorgestelllten
Studienordnungsentwürfe (als .doc-files)

Studienordnungsentwurf, der von Herrn Prof. Umlauf auf der Vollversammlung vorgestellt wurde. 

Ein alternativer Entwurf, basierend auf früher ent-wickelten Vorstellungen am Institut
(enthält im Moment nur die Studienordnung für den Bachelorstudiengang)
Redaktionell bearbeitet von Kaufmann, Heinz & Co.

Schon jetzt ist es z.T. nicht mehr möglich ein Studium der Bibliothekswissenschaft mit anderen Fächern zu kombinieren, da sich die Studienordnungen nicht mehr miteinander vereinbaren lassen.

Erfolgt hier keine rasche Abstimmung, ist mit einem „Verlust an Studierenden“ zu rechnen.

Prof. Umlauf präsentiert den Vorschlag der Institutsleitung.

Es geht also längst nicht mehr um das „ob“ und darüber, dass es eigentlich schon fünf Minuten nach zwölf ist, herrscht ebenfalls übergreifender Konsens.

Es geht den Kritikern des von der Institutsleitung vorgeschlagenen Modells in erster Linie um zwei Aspekte:

1. die im Entwurf vorgesehene vergleichsweise radikale Verringerung der Präsenzzeiten der Studierenden und die Verteilung der der verbleibenden Stunden auf eigene Themenbereiche (Module)

2. die Formulierung der Modulbeschreibungen sowie inhaltliche Unstimmigkeiten.


 

Die Zahl der Stunden vor Ort würde sich insgesamt auf ca. ein Drittel reduzieren,
was das Präsenzstudium in den Augen der Kritiker schlicht in ein Fernstudium verwandeln würde. Gerade im Bereich des Grundstudiums, in dem Fähigkeiten zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden können, ist die Zahl der Präsenzstunden zu gering.
Aus der Studierendenschaft kam der –
schon häufiger hervorgebrachte – Hinweis, dass die Ressourcen für ein solches
Studium am Institut nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind. Dies beginnt bei der Zugänglichkeit und Ausstattung der Räumlichkeiten und reicht bis zur Bibliothek und dem in ihr vorhandenen Literaturbestand.
So sind einige Grundlagenwerke nicht in ausreichender Menge verfügbar.
Hier gilt es in jedem Fall neue Konzepte
der Informationsversorgung für die Studierenden zu entwickeln, welche ein erfolgreiches „blended learning“ bzw. eine primär auf multimedialen Kommunikationsmöglichkeiten beruhende Lehre erst möglich machen.

PD Wolfgang Jänsch weist mahnend auf den Zeitverzug hin und plädiert für Synergie-
effekte mit dem Fernstudium

Weiterhin bleibt die Frage, inwieweit diese Möglichkeiten wirklich effektiv angenommen werden. Bisherige Erfahrungen mit Forensoftware, gemeinsamen elektronischen Lern-plattformen und Videokonferenzen sowie auch Untersuchungen zum Thema „Kanalreduktion“ zeigen, dass diese Kommunikationsmöglichkeiten die face-to-face-Situation im Direktstudium kaum ersetzen, allenfalls unterstützen können.

Angemerkt wurde zudem, dass die speziell in der Studierendenschaft an diesem Institut in den letzten Semestern entstandene „Gemeinschaft“, einhergehend mit einer - wie das Wintersemester 2003/04 bewiesen hat – ungemein hohen Identifikation eines großen Teils der Studierenden mit Institut und Fach, durch eine Verringerung der Anwesenheitszeiten am IB gefährdet sei. Lehrveranstaltungen erfüllen neben der Funktion der Inhaltsvermittlung durchaus auch eine soziale Aufgabe.

Zu diesem Punkt wurde schließlich ein kleiner Konsens dahingehend erzielt, dass die Zahl der Präsenzstunden auf der Grundlage vorhandener Kapazitäten noch einmal überdacht werden sollte.
Zwar ist ein Universitätsstudium – im Gegensatz zu einem Fachhochschulstudium – generell
methodisch stärker auf ein Selbststudium ausgerichtet, jedoch sind die oben genannten Argumente zu berücksichtigen und gerade bei Studienanfängern scheinen höhere Betreuungszeiten angebracht.

Ergänzend wurde angemerkt, dass die in der verabschiedeten Studienordnung festgelegte Zahl der Betreuungsstunden das Maß vorgeben, welches rechtlich verbindlich und gegebenenfalls durch Studierende einklagbar ist.

Manche Zuhörer bleiben skeptisch.

Der zweite Kritikpunkt bezog sich auf die Ausformulierung der Modulbeschreibungen.
Hier wurde von den Kritikern argumentiert, dass eine Verwendung konkreter Begriffe die Lehrinhalte besser abbilden könnte.
Dem wurde widersprochen: eine zu konkrete Formulierung würde eher bindend wirken.
Für eine in die Zukunft zielende Prüfungsordnung müsste man gerade darauf verzichten, aktuell bestimmende Themen ("Modethemen") verbal zu fixieren, da kommende – heute noch nicht in ihrer Wirkung absehbare - Entwicklungen mitunter Veränderungen in den inhaltlichen Rahmenbedingungen mit sich bringen. Insofern scheint es sinnvoller, die Formulierungen so offen wie möglich zu halten.

Eine jeweils zeitgemäße inhaltliche Schwerpunktsetzung würde ein noch ins Leben zu rufendes „advisory board“, also ein wissenschaftliche Beirat garantieren. Dieser soll als kommunikative Brücke zur Praxis dienen. Ein ausschließlicher Zuschnitt des Studiums auf die Bedürfnisse der Praxis scheint in Anbetracht des wissenschaftlichen Anspruchs einer akademischen Ausbildung unzureichend. Vielmehr muss - wie treffenderweise erwähnt wurde – ein wissenschaftlicher Überbau gegeben sein, der eine Reflexion über die Inhalte berücksichtigt.

Als Fazit bleibt, dass es notwenig ist - da einerseits ein relativ großer Dissenz zwischen den beiden Parteien gegeben zu sein scheint, aber andererseits eine hohe Dringlichkeit zur Verabschiedung der Studienordnung besteht - die nächsten drei Monate für die produktive Zusammenarbeit zu nutzen, um einen konstruktiven Weg zur Zusammenführung der Ansprüche beider Seiten zu finden.

(letzte Änderung: 16.Juli 2004)