Humboldt Universität zu Berlin Institut für Bibliothekswissenschaft
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Das Semester des späten Sommers

Ein kleiner Rückblick auf die Aktivitäten und Ereignisse am Institut für Bibliothekswissenschaft im Sommersemester 2004

Von Maxi Kindling und Matti Stöhr (20. Juli 2004)

Warschau 2004
Der voweggenommene Sommer - Studenten des IB in Warschau Mai 2004

Wir sind uns doch alle einig: es ist doch sehr eigenartig, dass der Sommer sich dieses Jahr erst pünktlich nach dem Semester einstellte. Die Sonnentage bis dahin waren eher spärlich zwischen gestreut und ab und an wähnte man sich im Juni auch schon mitten im Herbst.

Ob dies nun gut oder schlecht war, ist letztendlich eine Frage der persönlichen Einstellung. Leute, die sich gerne auf der Wiese vor dem Seminargebäude oder im Hof des Hauptgebäudes sonnen, waren sicher etwas traurig.
Für andere machte das lang anhaltende Aprilwetter beispielsweise die Entscheidung für einen ausgiebigen Gang in die Bibliothek einfacher, sofern diese - wenigstens im Falle unserer Zweigbibliothek - aufgrund der radikal eingeschränkten Öffnungszeiten möglich war.
In ihrem Fall war das Semester durch eine Dauerschwebe zwischen Hoffen und Bangen geprägt, ihre Schließung aufgrund von Einsparungen an der UB sicher für den Sommer vorhergesagt und die erst ein halbes Jahr dort tätige Fachangestellte prophylaktisch gekündigt (bzw. nicht verlängert). Nun geht es anscheinend dort noch etwas weiter - mit verringerter personeller Ausstattung und vermutlich noch weiter gekürzten Öffnungszeiten.
Wie sagt man so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt und das Institut ist ja auch schon seit einigen Jahren an ständige "Amputationen" gewöhnt.

So mittendrin im Erinnern liegt es nah an einem verregneten Juliabend einmal innezuhalten und das ausgehende Semester, mit dem lächerlichen Wort Sommer davor, Revue passieren zu lassen.

Ein heikles und unmögliches Unterfangen wäre es natürlich, dies stellvertretend und objektiv für ein ganzes Institut zu tun, denn jeder Mensch setzt andere Akzente.
Als Studierende und gleichzeitig neugierige und aufmerksame Beobachter und ab und an Mitgestalter des Geschehens, wagen wir uns nicht auf dieses Eis sondern und möchten hiermit die kleinen und großen Highlights dieses Semester in der Dorotheenstr. 26 mit einer subjektiven Tönung zusammenfassen.

Die Situation war (und ist) ernst: Nach der akuten Konfrontation mit der drohenden Schließung des IB und der aktiven Streikzeit im vergangenen Wintersemester sollte nun das Sommersemester etwas Ruhe und produktiven Abstand bringen:
der Weg zurück zum regulären, reibungslosen Lehrbetrieb und nach vorn zu einer hinter den Kulissen stattfindenden Basisarbeit am Struktur- (und Überlebens)konzept des Instituts.
An der Tragfähigkeit desselben wird sich der Erhalt des IB zum Ende des kommenden Wintersemesters entscheiden.

Und was sonst neben dem Ausruhen und dem Planen in den Hinterzimmern?
Die Kräfte aufgebraucht? Die Ideen los? Ausgebrannt? Keineswegs!
Auch das Sommersemester hat, durch großes Engagement vieler alter und einiger neuer Protagonisten des IB, einiges an Ereignissen und Leistungen bereitgehalten.

Kurz nach den traditionellen Veranstaltungen zur Erstsemestereinführung, wie dem von den „Ersties“ gut angenommen und in Form der präsentierten Speisen aufgenommenen Semesteranfangsfrühstück, stellte die Exkursionsfahrt von und mit Prof. Plassmann (29. April bis 6. Mai) zu Bibliotheken in Polen und Litauen ein erster Glanzlicht dar.
Durch die Berichterstattung der teilnehmenden Studierenden und die Präsentation unzähliger Fotos sowie eines Exkursionsfilms war man - auch ohne Teilnehmer der Fahrt gewesen zu sein - irgendwie dabei.

Unter den regulären Lehrveranstaltungen des Sommersemesters ist die Seminarreihe „Von der Idee zum Buch – Publikationsprojekt einschließlich DTP“ unter der Leitung von Frau Petra Hauke hervorzuheben.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Projekte der vergangenen Sommersemester 2002 (RAK versus AACR) und 2003 (Ehrensache?! Zivilgesellschaftliches Engagement in öffentlichen Bibliotheken) - wobei letzteres von den Studierenden auf dem Bibliothekskongress in Leipzig vor einem interessierten Auditorium präsentiert wurde - fand sich auch in diesem Semester ein Redaktionsteam, bestehend aus der Seminarleiterin Petra Hauke und etwa zwanzig Studierenden, zusammen.

Unter dem Arbeitstitel „Bibliothekswissenschaft – quo vadis?“ stellte sich das Team in diesem Semester einer ganz besonderen Herausforderung:
Beiträge von Autoren aus dem internationalen BID- Bereich werden den Standort der Bibliothekswissenschaft im heutigen Informationszeitalter neu bestimmen und Perspektiven des Faches ebenso wie Projekte und deren praktische Umsetzung vorstellen.
Über das Semester hinaus werden alle Beteiligten das Projekt bis zum Redaktionsschluss Anfang September über eine eigens für den Kurs eingerichtete Mailingliste weiterführen.
Der Band soll noch im Dezember dieses Jahres bei einem großen deutschen Fachverlag erscheinen.
Das geschieht sicherlich nicht ganz uneigennützig:
So bleibt zu hoffen, dass mit diesem weit über das eigentliche Seminar hinausweisenden Projekt, ein Beitrag zu einer zukunftsorientierten Profilierung der Bibliothekswissenschaft - und damit zum Erhalt des Studienganges an der Humboldt Universität bzw. in Deutschland
- geleistet werden kann.

Die Ergebnisse des "Publikationsteams" werden traditionell - soweit man das nach zwei Durchläufen sagen kann - im Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium BBK am IB ausführlich im jeweils folgenden Wintersemester vorgestellt. Das diese "Tradition" bei "Bibliothekswissenschaft - quo vadis?" nicht abreißen wird, ist sicher.
Im Sommer jedoch stand ein anderes Konzept im Zentrum des BBK:
Quasi als Novum fand am IB eine Ringvorlesung statt. Das Thema „Die Zukunft der Bibliotheken“.

Hier hätte das Buchprojekt in jedem Fall auch seinen Platz gefunden, nun kann bzw. muss man es als sehr erweiterte Ergänzung zu vielen dort angeführten Thesen sehen (und ab Herbst lesen).
Die Berichterstattung zu zahlreichen Vorträgen findet man im Archiv der Rubrik "Aktuelles" oder auch verlinkt im Veranstaltungsplan. Die Veranstaltungsform wurde gut angenommen, wenn auch fachfremde Zuhörer in der Ringvorlesung ausblieben. Zünftige Buffets nach den Vorträgen von Guy St. Clair und Christian Hasiewiscz rundeten die Veranstaltungen ab und boten Gelegenheit zu anregenden Gesprächen zwischen den Referenten und seinem Publikum, das übrigens zu fast allen Vorträgen - positiv - überraschend zahlreich war.

Ein ähnlich großes Interesse, wenn auch nicht mit ganz so üppig Besuchszahlen, verzeichnete auch der kleine Bruder des BBK, dass Studentische Kolloquiums am IB (SKIB).

Das SKIB kann man in seinem zweiten "Lebenssemester" zweifellos als etabliert bezeichnen. Mit studentischen Vorträgen wie zum Beispiel über den Bibliothekskongress in Leipzig, der freien Enzyklopädie Wikipedia (pdf) oder einer Gesprächsrunde mit Alumni wurde ein breites Spektrum an ansprechenden Themen geboten - von Studenten für Studenten (und natürlich auch alle anderen Interessierten). Für die Zukunft gibt es "Expansionsgedanken": es sollen vermehrt institutsexterne Interessenten sowohl für die Vorträge wie auch als Zuhörer gewonnen werden.

Eine Gelegenheit der Öffnung der schweren Tore des IBs bot die mit großem Aufwand und viel Einsatz und Liebe zum Detail umgesetzte Beteiligung des IB an der Langen Nacht der Wissenschaften 2004 am 12. Juni, die Berlinweit in zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt wird. in dieser etwas dezentralen Ausrichtung ist vermutlich die Ursache für die eher geringe Zahl der Besucher (ca. 65) zu sehen. Diejenigen, die hier waren gingen jedoch häufig mit einem Lächeln und der fröhlichen Gewissheit, etwas mehr über Recherchemethoden, Katalogarten, Videokonferenzen, die Hintergründe der Suchmaschinen etc. zu wissen nach Hause. Für einige war es der "Erstkontakt" mit dem Fach und wir sind sehr glücklich, dass wir diesen so positiven gestalten konnten. Grund genug, sich im nächsten Jahr wieder, mit einem etwas konzentrierteren Programm an der Langen Nacht zu beteiligen.

Erfrischt in diesem Semester zeigte sich auch das Webangebot des Instituts. Was anfangs mit lockeren Hinweisen auf der Treppe oder im Foyer begann und in unregelmäßigen Abständen zu kleineren Beiträge führte, entwickelte sich im weiteren Verlauf zu einem Kern von festen Mitarbeitern des Arbeitskreises "Webredaktion".
Auch hier stehen alle Zeichen auf Wachstum und für das nächste Semester wird - um es etwas reißerisch und "vollmundig" zu formulieren - mehr Inhalt noch aktueller und in höherer Qualität zu erwarten sein.

Der Sinn liegt in einer umfassenden und auch nach außen transparenten Dokumentation von Ereignissen und Aktivitäten am IB.
Zu diesen zählt die Kooperation im Rahmen des SOKRATES-Projekts mit der Kommunikationswissenschaftlichen Fakultät der Universität Vilnius .
Diese trägt ihre Früchte einerseits bei den Studierenden: Während Karsten Sydow das Semester in Vilnius verbrachte, studierte Viktorija Voitechovic an unserem Institut.
Andererseits kommt es zu einem regen Hin und Her von Dozenten: Allein vier Lehrende der Universität Vilnius besuchten unser Institut boten einen guten Einblick in ihre Fach-/Forschungsgebiete.

Prof. Dr. Algirdas Budrevicius (Besuch im Mai), Irina Kriviene und Dr. Violeta Cerniauskaite (Besuch in der letzten Juniwoche), sowie Dr. Arvydas Pacevicius (Besuch in der ersten Juliwoche) hielten zahlreiche Gastvorträge und stellten sich zu Fachdiskussionen mit Professoren, akademischen Mitarbeitern und Studierenden des IB. Leider nutzten nur wenige Studierende die Möglichkeit, über die Vorträge in Lehrveranstaltungen hinaus mit den Gastdozenten ins Gespräch zu kommen. Vor allem in den Fachdiskussionen erfuhr man u.a. einiges über den Charakter und die Möglichkeiten der universitären Ausbildung an der Universität Vilnius oder das Profil der Literaturversorgung in Litauen. Von der Institutsleitung selbst wird eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Partneruniversität angestrebt.

Ein gesellschaftlicher Höhepunkt am IB war das traditionelle Hoffest, welches am 7. Juli stattfand. In entspannter Runde labten sich die Anwesenden an Gegrilltem, frischen Salaten und vielen weiteren kulinarischen Köstlichkeiten sowie anregenden Gesprächen. Ein gelungener Abend, dem erstaunlich gutes Wetter beschert war.
Es ist schon bezeichnend im Juli einen Abend Trockenheit als bemerkenswert zu empfinden.

Ein paar Tage später wurde dann das mögliche Profil einer neuen Studienordnung für das Direktstudium des Faches Bibliothekswissenschaft Thema Nr. 1 am IB.
In der Vollversammlung am Mittwoch, dem 14. Juli, kam es bisweilen zu einer sehr kontroversen und ein bisschen emotional geführten Diskussion zum Konzept der Institutsleitung bezüglich der einzuführenden Bachelor- und Masterstudiengänge.
Einen zentralen Streitpunkt bildete hier das Verhältnis von Lehr- bzw. Präsenzstunden und Selbststudium. Das Meinungsbild auf der Vollversammlung hat gezeigt, dass hinsichtlich der Konzeption der Studienordnung ein großer Bedarf zur Überarbeitung besteht. Insofern war die Einberufung der VV richtig und wichtig. Eine umfassende Einschätzung bietet der Bericht von Ben Kaden.

Die vorlesungsfreie Zeit wird also im Zeichen der konzeptionellen Arbeit zur Neuprofilierung des Faches stehen. Sowohl die Fachschaftsinitiative Bibliothekswissenschaft als auch die Institutsleitung werden in dieser Zeit verschiedene Treffen, Workshops und Gespräche durchführen. An dieser Stelle seien die Zukunftstage erwähnt: Vom 23. bis zum 25. Juli werden sich elf Studierende ein ganzes Wochenende in Binz auf Rügen nicht dem
Meer, einem aufregendem Strandleben, dem stundenlangem Herumhängen auf der Seebrücke, frischen Fisch zum Abendessen und was man so sonst tun könnte, wenn man den schon mal dort ist, sondern einzig und allein dem Institut nach dem Prinzip des Kaizen widmen.

Eine weiterhin gute Zusammenarbeit, hervorragende Ideen und positive Ergebnisse sind wünschenswerte Faktoren für einen weiterhin erfolgreichen Verlauf der Arbeit am Institut.

Unter solchen Vorzeichen stellt sich nun in diesen Tagen auch endlich der Sommer ein und wird – wir sind sehr zuversichtlich - den Beitrag zur nötigen Energiegewinnung und Motivation leisten; sei es für die Aktivitäten in den Semesterferien, als auch für das kommende Wintersemester, an dessen Ende die Abgabe des Strukturkonzeptes zum Erhalt des IB steht.

Das Wetter werden wir nicht beeinflussen können - unsere Zukunft schon.

In diesem Sinne sei allen Mitgliedern des IB eine erfolgreiche (dies vor allem Prüfungskandi-daten), erholsame, ereignisreiche und inspirierende vorlesungsfreie Zeit gewünscht.

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