Big Yellow
Pinboard
(Ben Kaden, 05.November 2004)

Wer heute in das IB-Gebäude in der Dorotheenstraße
das Foyer durchschritt, wurde vielleicht von dem unbestimmten
Gefühl durchdrungen, dass sich etwas verändert hat.
Vermutlich ist nicht jeder sofort stehen geblieben, um der
Ursache für dieses Gefühl nachzugehen. Wer es aber
getan hat, dem wurde schnell klar, dass sich über Nacht,
quasi wie aus den Händen der berühmten Heinzelmännchen,
die Informationstafeln im Foyer verwandelt haben.
Ganz fertig ist es noch nicht - die nun holzverkleidete Säule
wird bald ebenfalls zum Pinboard. Fertig sind aber das (gelbe)
schwarze Brett am Fachschaftsraum, die Informationskorkwand
und die - auch gelbe - Instituts-Info-Tafel.
Ebenfalls verkorkt wurde die Begrüßungtstafel an
der Haupttreppe. Die Veränderung erschien der Fachschaftsinitiative
als sinnvoll, da nach wie vor ein nicht-virtuelles Äquivalent
zum weblog
als nützlich angesehen wird.
Insofern war die Aktion "ib-nightshift" notwendig
und alle die da waren, haben sich außer dem hochglänzende
Heimwerker-Sporen verdient.
Wider Erwarten ging alles ohne Zwischen- und Unfälle
über die Bühne.
Wie erwartet hatten alle Nachtarbeiter viel Spaß.
Nach der Semestereröffnungsparty letzte Woche wurde also
diese Woche durch den Aufmarsch mit Hammer, Schere und Klebepistole
der Beweis angetreten, dass sich die Studierenden des IBs
durchaus auf ein ausgefülltes Nachtleben stehen.
So flogen die Farbpigmente,
dass es eine wahre Freude war und aufgrund der Tatsache, dass
sich niemand die Mühe gemacht hatte, malgerechte Kleidung
bereit zu halten, wurde auf den Lieblings-T-Shirts und Jeans
die Mode des Batik erfolgreich (und gleichzeitig
die Schule des Tachismus zitierend) imitiert. Der Versuch
das schwarze Brett in ein schwarzes Brett zu verwandeln schlug
gründlich fehl. Während sich die Haupt-Informationswand
im Stile des color field bald zu einem - entfernt
vielliecht an Olivier Mosset bzw. aufgrund der verwaschenen
Ausführung zunächst an Rothkos Untitled 16 erinnerndes
- monochrome jaune sans titre umgestalten lies.
Das "Schwarze Brett" durchlief dagegen mehrere Bearbeitungsreihen,
z.T. durch drei Akteure gleichzeitig und während man
zwischendurch hätte vermuten können, die Spuren
einer wütenden Helen Frankenthaler an der Wand zu sehen,
erhielten wir später immerhin eine schöne Variation
im Stile Twomblys. Allerdings tritt die ganze Klasse des Bildes
nun hinter diversen Informationsblättern zurück.
("blätterfreie" Abbildung
unten)
Neben der Webredaktion
und der AG für Öffentlichkeitsarbeit
gibt es nun offensichtlich eine weitere informelle studentische
Arbeitsgruppe am IB: Kunst und Information; und das
auch und Beachtung der Tatsache, dass der Zweig der Skulptur
noch etwas unzureichend repäsentiert ist und sich die
die Säule umschließende Holzinstallation nur mit
Mühe als Hommage an Chillida interpretieren lässt.
Für das erste derartige
Happening sind die Ergebnisse dieser "ib-nighshift"
durchaus als hoch zufriedenstellend zu bewerten. Wer sich
also neben Buch, Maus und Internetz gern mit Holz, Hammer
und Pinsel vergnügen mag, ist ganz herzlich zu einer
der sicher folgenden Aktionen eingeladen.
Wer weitere Ideen zur oder
auch Kritik an der neuen Gestaltung der Informationswände
äußern mag, ist ausdrücklich aufgerufen uns
diese mitzuteilen.
Zu hoffen bleibt, dass sich
der Refrain aus Joni Mitchells Song, auf den sich der Titel
zu diesem Text etwas plakativ - was für Plakatwände
auch passend ist - in diesem Kontext nicht bewahrheitet: "Don’t
it always seem to go that you don’t know what you’ve
got till it’s gone".
 |
unser "Rothko
" |
 |
unser "Twombly"
(Zwischenstadium) |
| |
|
nach
oben |