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Die Alternative zur herkömmlichen Zeitschrift

„Eprints in der wissenschaftlichen Kommunikation“, vorgestellt im Rahmen der Ringvorlesung „Die Zukunft der Bibliotheken“ am IB

von Matti Stöhr

Am 01.06.04 referierte Dr. Frank Havemann vor einer zahlreich erschienenen Zuhörerschaft in der Saur-Bibliothek zum Thema: „Eprints in der wissenschaftlichen Kommunikation“.

Dabei war folgende zentrale Fragestellungen maßgebend:
Beschleunigen Eprints die wissenschaftliche Kommunikation, wenn ja inwiefern?

Der Vortrag gliederte sich in diesem Sinne wie folgt:

1) Die Zeitschriftenkrise und der Übergang zu Open Access
2) PrePrints unt Eprints – Wie kam es dazu?
3) Eprint Retrieval
4) Studien an ausgewählten Eprints – In welchem Maße wird die Kommunikation beschleunigt?
5) Fazit und Ausblick

Ausgehend von der sogenanntenZeitschriftenkrise, in welcher die Erwerbungsmöglichkeiten von Literatur für die Wissenschaft vor dem Hintergrund des exponentiellen Literaturwachstums nicht nur aber besonders in Bibliotheken an finanzielle Grenzen stößt, zeichnete Dr. Havemann zunächst die Hinwendung zur Open-Access-Publikation und die Entwicklung der Eprints nach.

Im Gegensatz zur „normalen“ gedruckten Zeitschrift werden Eprints vor der Publikation keiner inhaltlichen Kontrolle, i.d.R. peer review-Verfahren, unterzogen.
Da sie im Internet veröffentlicht werden, können die Kosten für Herstellung und Distribution drastisch gesenkt und daher z.T: dem Leser unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.

Das allgemeine Finanzierungsmodell bei Eprints ist dergestalt, dass die Autoren zahlen um publizieren zu dürfen.

In der Folge brachte Dr. Havemann mehrere Beispiele für die Umsetzung des Eprint-Verfahren, z.B. das Projekt OAIster der Open Access Initiative. Hervorzuheben sind auch Zitations-Projekte zu denen beispielsweise CiteSeer gehört, da sie in der Lage sind Zitationskontexte in Eprints wiederzugeben. Diesbezüglich gab Prof. Havemann zu bedenken, dass dieser automatisierte Prozess bisweilen noch stark fehlerhaft ist.

Im Mittelpunkt stand aber die Vorstellung von Studien zu Eprints unter dem Gesichtspunkt der Kommunikationsbeschleunigung unter Wissenschaftlern im Vergleich zur gedruckten Publikation.

Diese wurden in einem Projektseminar im Wintersemester 2003/04 anhand dreier Bände einer Fachzeitschrift für Physik durchgeführt. Hier wurde betont, dass keinerlei Anspruch auf Repräsentativität erhoben wird.
Es wurde in dieser Studie zunächst untersucht, welche zeitliche Differenz zwischen dem Erscheinen eines Artikels als Eprint und des selben in gedruckter Form besteht.
Das Ergebnis fiel zugunsten der Eprints aus, da sie früher als die auf Papier gedruckte Zeitschriften erscheinen.
Durch weitere Fragestellungen, ob z.B. der Zeitgewinn genutzt wird, was man anhand von Zitationsanalysen bewerkstelligte, kam man zu dem Ergebnis, dass Eprints tatsächlich die wissenschaftliche Kommunikation beschleunigen.
Dr. Havemann veranschaulichte dazu die gewonnenen Erkenntnisse u.a. anhand von Streudiagrammen. Somit ist der zunehmende Erfolg der Eprints an der ihrer immer größer werdenden Beachtung von der Fachwelt über eine ansteigendes Zitationsvolumen abzuleiten.

Der Vortrag schloss mit den Bemerkungen, dass zum einen nur spekuliert werden kann in welchem Maße Verlage Wissenschaftler, Fachgemeinschaften etc. zu Open Access hinsichtlich des wissenschaftlichen Publizierens, zum anderen, die Zeitschriftenkrise durch den „grünen Weg zu Open Access" bei weitem nicht gelöst ist und die Verlage entscheidend zu der Lösung beitragen müssen.

Anschließend wurde im Gespräch teilweise leidenschaftlich darüber diskutiert welchen Sinn Eprints haben und ob sie wissenschaftlich, im Bezug auf die fehlende Kontrolle durch das peer review, sind.

Freilich behandelte Dr. Havemann den hier als Titelfrage aufgeführten Aspekt. Eprints seien für die schnelle Kommunikation in Fachgemeinschaften.
Informationen aus fachfremden Gebieten entnehme man besser begutachteten Zeitschriften.
Somit werden diese Foren wissenschaftlicher Publikation auch in Zukunft sicherlich nebeneinander bestehen bleiben.
In Anlehnung zu den abschließenden Bemerkungen des Referenten, fragt es sich nur in welchem ökonomisch und wissenschaftlich sinnvollen Verhältnis.

Der Vortrag ist hier im Volltext als pdf (276 kB) abrufbar:
E-Prints in der wissenschaftlichen Kommunikation

Systemisch Denken

Kurzbericht zum BBK am 25.8.2004 mit einem Vortrag von Charles François und Heiner
Benking

von Jakob Voss

Anlass des Vortrages von Charles François war das Erscheinen der zweiten Ausgabeder von ihm herausgegebenen "Encyclopedia of Systems and Cybernetics" im Saur- Verlag.

Es handelt sich um eine vollständige Neubearbeitung, bei der die einzelnen Einträge durch die intensive Verwendung von Verweisen und die Thematische Einordnung miteinander verbunden sind.

Im Vortrag stellte Charles François jedoch weniger die Enzyklopädie selber als die hinter ihr stehende Motivation vor. Diese Erklärungen sollen als Sammlung transdisziplinärer Konzepte dem Verständnis über Fächergrenzen hinweg dienen.
Ursache für viele Mißverständnisse ist eine monokausale Denkweise anstatt die adaptive Betrachtung von Strukturen.
Die extreme Spezialisierung führt dazu, dass bei der Untersuchung die meisten Verbindungen, Aspekte und Betrachtungsebenen eines Phänomens ausgeblendet werden. Aus diesem Grund ist die Kommunikation von besonderer Bedeutung.
Die Systemtheorie und Kybernetik betrachtet Systeme hat für Strukturen aus vielen unterschiedlichen Bereichen gemeinsame Begriffe gefunden, die dazu verwendet werden können.
Leider ist die Enzyklopädie aus ökonomischen Gründen nicht als Hypertext verfügbar und auch nicht frei im Internet.
Charles François lud am Ende alle ein mit ihm bei Fragen, Kritik und Anregungen Kontakt aufzunehmen.

Einige weitere Informationen finden sich hier.


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