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"Bücher kann man stehen lassen, aber Menschen kann man nicht stehen lassen" - Alumni im Gespräch

Ein Bericht zum SKIB vom 02.Juni 2004
von Jakob Voss - Fotos: Michael Rieck

Studium vorbei..und nun?
Studium vorbei..und nun?

Im Zentrum des Studentischen Kolloquiums standen dieses mal nicht die Studenten am
Institut für Bibliothekswissenschaft, sondern solche, die es einmal waren - die Absolventen.
Sechs Ehemalige waren einer Einladung gefolgt.

Nach der Begrüßung gab es eine kleine Vorstellungsrunde, in der jeder Absolvent kurz erzählte,
was er studiert hatte, wann er das Studium abgeschlossen hatte und was er inzwischen macht.
Dies waren:

Herr G.(BiWi/Informatik, 1999) arbeitet an der StaBi in der EDV-Abteilung und als Privatdozent am IB

Frau S. (Geschichte/BiWi 2001) hat nach dem Studium erstmal Kinder bekommen und arbeitet nebenbei etwas als Historikerin (Zeitschriftenartikel, Werkverträge....)

Frau J. (BiWi/Informatik/Neuere Deutsche Literatur, 2000) hat sofort nach dem Abschluss eine Stelle als Referentin in einer Firma für Management- und Gründungs-Beratung im Technik-Bereich bekommen. Dort ist sie für die Öffentlichkeitsarbeit und für verschiedene Datenbanken verantwortlich.
Nach einer kurzen Kinderpause arbeitet sie dort etwa 10 Stunden pro Woche Teilzeit.

Frau Pannier (1973) war eher als Dozentin anwesend, sie ist allerdings auch Absolventin des IB

Herr H. war seit einem Studium der Geschichte mit postgradualem Studium Information Management in London nur im Grundstudium am IB.
Nach dem Abschluss 2000 in London arbeitet er in einer OPL in einer Rechtsanwaltskanzlei

Frau S. (2000) hat bisher keine Anstellung in einer Bibliothek bekommen sondern arbeitete in verschiedenen Jobs und macht jetzt ihren Doktor. Nach ihrer Erfahrung ist es sehr schwierig als Absolvent des IB im gehobenen oder höheren Dienst unterzukommen.

Frau V. (1975) arbeitete zunächst in ÖBs und der Redaktion. Nach der Wende gab es Probleme mit der Anerkennung ihres Abschlusses. Seit 1992 arbeitet sie im Information Resource Center der Amerikanischen Botschaft.

Darüber hinaus waren mehrere Studenten, Dozenten und einige Gäste anwesend.

viele verschiedene Lebensläufe an einem Tisch
viele verschiedene Lebensläufe an einem Tisch

Probleme

BAT und Öffentlicher Dienst

Bereits während der Vorstellung wurden mehrere Probleme angesprochen. Eines davon ist die mangelnde Bekanntheit des IB und dass Absolventen der Bibliothekswissenschaft nicht im BAT vorgesehen sind. So sind weder Anstellungen im gehobenen (FH) noch im höheren Dienst (Refendariat) möglich.
Allerdings wiesen Frau Weiland (StaBi) und Herr Gragert darauf hin, dass es viele neue
Abschlüsse aus dem Bereich der Information Professionals, (z.B. als Diplom-Informationswirt
an der der FH Darmstadt), wir damit also nicht alleine dastehen.
Frau Pannier nannte das Verhältnis von 600 Bewerbungen auf 2 kürzlich an der UB ausgeschriebene Referendriatsstellen.
Herr Heinz gab zu bedenken, dass sich mit der allgemeinen Umstellung auf Bachelor/Master
und die Einführung der Fachangestellen für Medien und Kommunikationsdienste vielleicht einiges
ändern wird.
Allgemein war die Einschätzung jedoch eher, dass ein Aufbrechen des Laufbahnrechtes BAT und
der Strukturen im Öffentlichen Dienst eine Sisyphusarbeit ist. Wenn Ausschreibungen allerdings
offen gestaltet werden und die Arbeitgeber wollen, ist eine Öffnung möglich.
Dies ist jedoch nur selten der Fall.

Bekanntheit des IB und der Bibliothekswissenschaft

Das IB und die dort erworbenen Qualifikationen sind sehr unbekannt.

Die geringe Bekanntheit der Bibliothekswissenschaft und Stellenwert hängen auch mit dem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein des Faches zusammen. So ist es nicht allgemein
bekannt, was Bibliothekswissenschaftler besser als alle anderen können.
Dabei kam der Einwand, dass stärker zwischen Ausbildung (praktische Tätigkeit) und
Wissenschaft (Forschung) differenziert werden müsse.

Allgemein wurde deutlich, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist. Sowohl Bibliotheken und das Bibliothekswesen allgemein als auch das IB sollten stärker bekannt gemacht werden.
Dass nur ein einziges Institut für Bibliothekswissenschaft in Deutschland existiert, ist zwar ein
Nachteil, kann aber auch positiv genutzt werden, da wir damit etwas Besonderes sind.

Als Adressaten für mehr Lobbyarbeit wurden genannt:

Die Berufsverbände (BIB, VDB, DBI und die Gewerkschaften)
Die Kultusministerkonferenz, Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat.
Dort werden wesentliche Entscheidungen getroffen.

Weitere Erfahrungen

Die technische Komponente hat stetig zugenommen. Es bleibt nichts anderes übrig, als der Technik einen größeren Schwerpunkt beizumessen. Dem konnte Herr Heinz nur sehr kräftig beipflichten.

Auf die Frage nach Praktika und deren Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen wurde erwidert, das 4-6
Wochen zu kurz seien, und nur einen Einblick ermöglichen. Um wirklich arbeiten zu können, sollte
ein Praktikum mindestens ein halbes Jahr dauern. Allerdings helfen Kontakte durch Werkverträge,
Praktika, Konferenzen, Diskussionen in jedem Fall.

Nach dem SKIB setzten noch einige der Studenten und Absolventen, die Diskussion in gemütlicher Runde in der Destille fort.

für das Fach kämpfen bedeutet für die Absolventen kämpfen
für das Fach kämpfen bedeutet auch für die Absolventen kämpfen

Fazit

Es war ein interessantes SKIB, bei dem sehr viel diskutiert wurde. Leider war die Stimmung
teilweise etwas pessimistisch. Es darf bezweifelt werden, ob die anwesenden Absolventen wirklich
repräsentativ waren. Zusammenfassend lassen sich unter Anderem folgende Punkte festhalten:

Absolventen des IB sollten auf keinen Fall erwarten, im öffentlichen Dienst unterzukommen. Dies ist nur in wenigen Ausnahmefällen (z.B. in Verbindung mit Informatik) möglich.

Die Perspektiven im Dokumentationswesen (Datenbanken, Informatik...) sind eindeutig besser.

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig

Öffentlichkeitsarbeit ist sehr wichtig

Zusatzqualifikationen und -Tätigkeiten spielen bei der Einstellung eine wesentliche Rolle

Absolvententreffen sollten wiederholt und intensiviert werden (Alumni)


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