Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993

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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

1900-1934

Die erste Zusammenkunft deutscher Bibliothekare fand 1900 in Marburg statt, bei der die Gründung des "Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB)", eines Zusammenschlusses wissenschaftlich vorgebildeter Bibliothekare, beschlossen wurde.

Die Büroklammer, eine Klammer aus gebogenem Draht oder Plastik zum Zusammenhalten von losen Papierblättern, ohne dabei das Papier zu beschädigen, erfand der Norweger Johann Vaaler, für die er im Jahr 1900 ein deutsches Patent erhielt.

Als erste estländische (estnische) Enzyklopädie gilt das von Karl A. Herman herausgegebene "Eesti üleüldise teaduse raamat ehk encyclopädia konversationilexikon", Tartu (Dorpat) 1900-(?).

Die ersten "Tonfilme" wurden als Film/Schallplatte-Kombination (Nadeltonverfahren) während der Pariser Weltausstellung zwischen 15. April und 31. Oktober 1900 in drei Etablissements einem zahlenden Publikum vorgeführt. (Im "Phonorama" wurden farbige Szenen vom Pariser Leben mit Musik-, Gesang- und Sprechbegleitung von der Schallplatte geboten; im "Phono-Cinéma"-Theater waren die berühmtesten Schauspieler der Zeit auf der Leinwand zu sehen und von der Platte zu hören [u.a. Sarah Bernhardt in einer Szene aus Shakespeares Hamlet]; im "Théâtre de la Grande Rue" präsentierte der französische Erfinder Marie Henry Joseph Joly die Filmkomödie "Lolotte", in der er selbst eine Hauptrolle spielte.) Bei der Verbindung zwischen Film und Platte wurde allerdings eine befriedigende Synchronisation von Bild und Ton erst mit der Einführung der Langspielplatte erreicht, deren Laufzeit mit der einer Filmrolle normalerweise identisch war.

Die älteste deutsche Zeitschrift für den Automobilsport (zugleich offizielles Organ des "Deutschen Automobilclubs" [gegr. 1899]) war die "Allgemeine Automobil-Zeitung" (1904 ff.: Automobil-Zeitung), Wien (1904 ff.: München) 1900-1942.

In Deutschland begann im Jahre 1900 Bruno Naumann in Dresden als erster Fabrikant mit der Herstellung von Schreibmaschinen.

Ferdinand Graf von Zeppelin (* Konstanz 1838, † Berlin 1917), ein ehemaliger württembergischer Offizier, der sich seit 1873 mit Plänen für Luftschiffe beschäftigte, erfand das lenkbare Starr-Luftschiff und entwickelte es zu einem betriebsfähigen Luftfahrzeug. Am 2. Juli 1900 startete der Prototyp "LZ 1" in Friedrichshafen/Bodensee zu seiner Jungfernfahrt. Mit 128 m Länge und 11,73 m Durchmesser faßte das durch ein Aluminiumgerippe versteifte Luftschiff als Füllgas 11327 m3 Wasserstoff in 17 gasdichten Kammern; als Antrieb dienten zwei 16-PS- (11,8 kW-) Daimlermotoren. Mit Zeppelin-Luftschiffen verbesserter Bauweise wurden 1910-1914 in Deutschland Verkehrsflüge, meist auf Kurzstrecken, durchgeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg spielten Zeppeline als Transport- und Verkehrsmittel über große Entfernungen eine Rolle. Nach dem ersten erfolgreichen Flug über den Atlantik ohne Zwischenlandung durch "ZR III" (1924) überquerte "LZ 127", das 1929 auch einen Flug um die Erde durchführte, bei seinen Fahrten mehr als hundertmal den Ozean.
Am 6. Mai 1937 ging das größte und modernste Luftschiff der Welt "LZ 129", die "Hindenburg", (Inhalt 200 000 m3 Wasserstoffgas, Länge 245 m, größter Durchmesser 41,20 m, vier Dieselmotoren von je 1320 PS) bei der Landung in Lakehurst (USA) in Flammen auf. Von den an Bord befindlichen 100 Personen konnten nur 35, von den einigen tausend Postsendungen lediglich 138 Stück gerettet werden. Die Ära der großen Luftschiffe war damit zu Ende, da kein Helium als unbrennbares Füllgas zu erhalten war. Überdies war der Flugzeugbau in ein Entwicklungsstadium getreten, das das Luftschiff entbehrlich machte.

Im Jahr 1900 waren in den USA rd. 1,6 Mio. km Telefon-Drahtleitungen verlegt, so daß etwa die halbe Bevölkerung der Staaten telefonisch miteinander verbunden werden konnte.
William McKinley (* Niles [Oh.] 1843, † [ermordet] Buffalo [N. Y.] 1901), der 25. Präsident der USA (1897-1901), war das erste amerikanische Staatsoberhaupt, das per Telefon Dauergespräche führte.

Die 1900 von dem Mechaniker und damaligen Fahrradrennfahrer Ernst Sachs erfundene "Torpedo"-Freilaufnabe mit Rücktrittbremse, die erste kugelgelagerte Fahrradnabe, verhalf dem Fahrrad zum entscheidenden Durchbruch als Massenverkehrsmittel.

Am 12. Dezember 1901 gelang dem Italiener Guglielmo Marconi (* Bologna 1874, † Rom 1937) die erste funktelegrafische Verbindung über den Atlantik zwischen Europa (Cornwall im Südwesten Englands) und Amerika (Neufundland) über 3600 km, wobei der Buchstabe S als Morsezeichen, drei Punkte, gesendet wurde.
Für seine Verdienste um die drahtlose Nachrichtenübermittlung erhielt Marconi (zusammen mit Karl Ferdinand Braun) 1909 den Nobelpreis für Physik.

Der erste Nobelpreisträger für Literatur (1901) war der französische Schriftsteller Sully Prudhomme (eigtl. René François Armand Prudhomme) (* Paris 1839, † Châtenay-Malabry [Hauts-de-Seine] 1907).

Auf der Suche nach einem Gerät mit leichterem Anschlag als die mechanische Schreibmaschine wurden elektrische Modelle konstruiert. Erstmals versuchte Malling Hansen 1867, die Schreibmaschine elektrisch anzutreiben. Die erste für den Handel produzierte elektrische Schreibmaschine wurde von dem Amerikaner Thaddeus Cahill aus Washington (D. C.) entworfen und 1901 in der von ihm gegründeten Cahill Writing Machine Company hergestellt. Die Produktion wurde allerdings nach 40 Stück wieder eingestellt.

Die älteste jüdische Enzyklopädie in englischer Sprache ist "The Jewish encyclopedia", 12 Bde., New York, London 1901-1906.

Die Geschichte des Farbfernsehens begann bereits 1902, als der deutsche Physiker und Erfinder Otto von Bronk (* Danzig 1872, † Berlin 1951) ein Patent für ein Farbfernsehsystem erhielt.

Der erste Münzfernsprecher in Deutschland wurde in Berlin von der Firma Zwietusch & Co. 1902 hergestellt.

Ein erstes Handbuch der Presse (des Zeitungs- und Zeitschriftenwesens) ist das von dem Lexikographen Joseph Kürschner (* Gotha 1853, † Windischmatrei [heute Matrei, Osttirol] 1902) herausgegebene "Handbuch der Presse. Für Schriftsteller, Redaktionen, Verleger, überhaupt für alle, die mit der Presse in Beziehung stehen", Berlin 1902.

In Deutschland wurde die erste Rotationsmaschine, die gleichzeitig Text und Bilder drucken konnte, 1902 für den Druck der "Berliner Illustrirten Zeitung" (Berlin 1892-1945, seit 1894 im Verlag Ullstein) in Betrieb genommen.

Ein Jahr nach dem spektakulären Funkexperiment über den Atlantik (1901) beschränkte sich der Begründer der drahtlosen Telegrafie Guglielmo Marconi (* Bologna 1874 † Rom 1937) nicht mehr nur auf den ortsfesten Verkehr, sondern entwickelte als nächstes Funk- und Empfangsstationen für Schiffe. Die ersten Nachrichten per Schiffsfunk erhielt am 22. Februar 1902 der britische Dampfer "Philadelphia" über eine Entfernung von 3200 km.

Der auf die Kolonisationszeit im "Wilden Westen" der USA bezogene Wildwestroman (auch Wildwestgeschichte, -erzählung, -film), der Western (amerik.), der die Kämpfe der Pioniere mit den Indianern, der Siedler, Goldsucher, Cowboys usw. zum Inhalt hat, hat seine Vorläufer in den "Dime-Novels" (Groschenheften) des Amerikaners Erastus F. Beadle (1860), in den Wildwestgeschichten der amerikanischen Schriftsteller Mark Twain (* Florida [Mo.] 1835, † Redding [Conn.] 1910), Francis Bret(t) Harte (* Albany [N. Y.] 1836, † Camberley[bei London ] 1902) u.a.
Der erste "klassische" Western ist jedoch erst der Cowboyroman "The Virginian" des amerikanischen Schriftstellers Owen Wister (* Philadelphia [Pa.] 1860, † North Kingston [R. I.] 1938), New York 1902. Er begründete die ernsthaftere Linie des Western und überwand das Niveau der Dime-Novel.

Im Jahre 1903 entwickelten die Brüder Auguste Marie Louis Nicolas Lumière (* Besançon 1862, † Lyon 1954) und Louis Jean Lumière (* Besançon 1864, † Bandol [Dép. Var] 1948), die Erfinder des ersten brauchbaren Kinematographen (1895), das erste praktisch verwertbare Farbphotoverfahren. Ihr 1907 vorgestelltes Autochrome-Verfahren war ein additives Rasterverfahren, das mit Glasplatten arbeitete, die unter ihrer lichtempfindlichen Schicht mikroskopisch kleine Körner aus Kartoffelstärke, zu gleichen Teilen rot, grün und blau gefärbt, enthielten. Beim auftreffenden Licht ließ jedes einzelne dieser Körner jeweils nur das ihm komplementäre Licht durch. Eine solche Autochrome-Platte lieferte nach Belichtung ein Diapositiv. Die Autochrome-Farbrasterplatten wurden ab 1907 in der 1882 in Lyon von Vater Antoine Lumière gegründeten Fabrik für photographische Platten hergestellt.
(Die Firma Agfa AG, Leverkusen, brachte 1916 eine Farbphotoplatte heraus, deren Raster aus gefärbten Harzpartikeln bestand, und die brillantere Farbbilder als die Lumière-Autochrome-Platte lieferte.)

1903 erfand der dänische Radiotechniker Valdemar Poulsen (* Kopenhagen 1869, † New York 1942) den Lichtbogensender zur Erzeugung ungedämpfter Hochfrequenzschwingungen als Voraussetzung für die drahtlose Telefonie. (Drei Jahre später überlagerte der Kanadier Reginald Aubrey Fessenden die in einem Poulsen-Sender erzeugten elektromagnetischen Wellen mit dem Sprechstrom aus einem Mikrophon, was zur ersten drahtlosen Sprachübertragung führte [1906].)

Das erste Telegramm rund um die Erde wurde am 11. Juli 1903 von der Pariser Zeitung "Le Temps" aufgegeben. Es durchlief eine Strecke von rd. 60 000 km - dabei großenteils durch Seekabel (weltweit waren 1902 rd. 380 000 km Seekabel verlegt) - in gut sechs Stunden (von 11.35 Uhr bis 17.55 Uhr).

Der erste Motorflug der Welt gelang dem Deutsch-Amerikaner Gustav Weißkopf (* Leutershausen [Franken] 1873, † Fairfield [Conn.] 1927), der 1895 in die USA auswanderte und sich dort Gustave Whitehead nannte. Mit einer selbstgebauten Maschine flog er am 14. August 1901 in Bridgeport (Conn.) etwa 2700 m weit. Seine Leistung blieb jedoch unbeachtet, und er gab später seine Versuche wegen Geldmangels auf.
Erfolgreicher waren die amerikanischen Brüder Wilbur Wright (* Henty County 1867, † Dayton [Oh.] 1912) und Orville Wright (* Dayton [Oh.] 1871, † ebd. 1948). Am 17. Dezember 1903 gelangen ihnen in den Kill Devil Hills bei Kitty Hawk, North Carolina, die ersten gesteuerten Motorflüge (1. Flug 50 m in 12 sec; 4. Flug 260 m in 59 sec) mit einem bemannten Doppeldecker "Flyer 1" (Gewicht: 355 kg), der von zwei durch einen 12-PS-Benzinmotor angetriebenen Luftschrauben bewegt wurde. Die Brüder Wright verhalfen dem Motorflug zum Durchbruch.

In Deutschland wurden nach der Erfindung des Automobils bereits im Jahre 1898 mit diesem neuen Fahrzeug die ersten Betriebsversuche in einigen großen Städten und auf einigen Landkursen unternommen, die aber wegen der noch nicht ausgereiften Kraftfahrzeugtechnik nicht sehr befriedigend waren. Nach Verbesserung der Kraftfahrzeuge wurden sie ab 1903 in Köln für die Güterpost und die Paketzustellung benutzt.

Die erste deutsche elektrifizierte Eisenbahnstrecke wurde 1903 zwischen Marienfelde und Zossen (bei Berlin) eröffnet.

Die moderne Bildtelegrafie begann mit der Einführung des Lichtstrahls als abtastendes Mittel im Sender sowie der Photozelle zur Umsetzung der Lichtschwankungen in entsprechende elektrische Stromstöße (die im Empfänger wieder in entsprechende Helligkeitsschwankungen umgewandelt werden).
Dem deutschen Physiker Arthur Korn (* Breslau 1870, † Jersey City [N. J.] 1945) gelang erstmals 1904, mit Lichtabtastung und (Selen-) Photozelle eine Photographie über die Schleifenleitung München - Nürnberg - München telegrafisch zu übertragen.

Der erste täglich in einer Zeitung erscheinende (jedoch nach vierzehn Tagen wieder eingestellte) Comic strip war "A. Piker Clerk", gezeichnet von Clare Briggs im Jahre 1904 für den "Chicago American".

Die 1876 gegründete, 1878 vom Ullstein-Verlag, Berlin, erworbene Tageszeitung "Berliner Zeitung" wurde 1904 mit ihrer Titeländerung "B. Z. am Mittag" eine der ersten deutschen Kaufzeitungen. Sie erschien bis 1943 und wurde 1953 als Berliner Morgenzeitung mit dem Titel "B. Z." neu gegründet.

Der Klappentext (Text auf den nach innen umgeschlagenen Teilen [Klappen] des Schutzumschlages eines Buches mit kurzer Inhaltscharakteristik oder Kurzbiographie des Autors, auch Auszügen aus Rezensionen), der in Deutschland von dem Verleger Karl Robert Langewiesche (* Rheydt [heute zu Mönchengladbach] 1874, † Königstein im Taunus 1931) eingeführt wurde, setzte sich ab etwa 1904 allgemein durch.

Die Spamersche Verlagsanstalt in Leipzig (hervorgegangen aus dem 1847 von Franz Otto Spamer [* 1820, † 1886]gegründeten Verlag) führte als erster deutscher Verlag 1904 eine Monotype-Setz- und Gießmaschinenanlage ein.

Der Offsetdruck, eine Weiterentwicklung der Lithographie (1798), ist ein indirektes Flachdruckverfahren, bei dem nicht unmittelbar von der Druckform auf das Papier gedruckt, sondern die Druckfarbe zunächst auf ein Gummituch "abgesetzt" (engl.: off set) und von dort auf das Papier übertragen wird. Der Offsetdruck wurde von dem Amerikaner Ira Washington Rubel, dem Besitzer einer kleinen Papierfabrik in Nutley (N. J.), 1904 entwickelt. Die erste Offsetmaschine der Welt wurde 1905 nach Rubels Angaben von der Druckmaschinenfabrik "Potter Printing Press Company" in New Jersey gebaut.
Der Offsetdruck ist heute das am häufigsten angewandte Druckverfahren, sowohl beim Druck von Büchern (Bogen-Offsetmaschine) als auch beim Zeitungsdruck (Rotations-Offsetmaschine).

Trotz aller Neuerungen auf dem Schallplattenmarkt (z.B. wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1904 die doppelseitig bespielbare Schallplatte vorgestellt) konnte das dringlichste Problem, nämlich die Spieldauer der Platten zu verlängern, nicht sogleich gelöst werden. Die ersten "Langspielplatten" wurden zwischen 1904 und 1906 von der Londoner Plattenfirma Neophone Company hergestellt. Sie hatten eine Spieldauer bis zu 12 Minuten, aber einen Durchmesser von 50 cm. Diese riesigen, unhandlichen und leicht zerbrechlichen Platten fanden verständlicherweise keinen Absatz.

Die erste Tageszeitung in Marokko war das französische Blatt "La Dépêche marocaine", Tanger 1904-1959.

Nachdem der Nürnberger Kupferstecher Georg Meisenbach durch die 1881 erfundene Autotypie die Photographie druckfähig gemacht hatte, stellte sich der Londoner "Daily Mirror" 1904 als erste Zeitung zur Wiedergabe von photographischen Bildinformationen vollständig auf den Autotypiedruck um.

Kraftpost nannte man früher ein von der Post betriebenes Unternehmen zur Beförderung von Personen mit Omnibussen. Die erste deutsche Kraftpostlinie wurde am 1. Januar 1905 in Bayern zwischen Bad Tölz und Lenggries eröffnet. (Kurz darauf folgten Verbindungen von Bad Tölz nach Bichl und von Sonthofen nach Hindelang.)

Die erste Musikbox mit Münzeinwurf und Vorwahleinrichtung wurde 1905 von John C. Dunton aus Grand Rapids (Mich.) konstruiert. Sein Musikautomat "Multiphone" war ein zwei Meter hoher Mahagonikasten, der die Form einer überdimensionalen Lyra hatte. Der Selektormechanismus wurde mit einer Handkurbel in Gang gesetzt; 24 auf Edison-Walzen gespeicherte Melodien standen zur Auswahl. Anschließend mußte der Benutzer den Motor des Phonographen aufziehen und ein Geldstück einwerfen, um die Musik seiner Wahl hören zu können.

Nach den Erfolgen der drahtlosen Telegrafie war die Frage naheliegend, ob sich nicht auch Sprache und Musik über elektromagnetische Wellen drahtlos übertragen lassen.
Die ersten Versuche zur drahtlosen Sprachübertragung unternahm im Jahre 1900 der kanadische Elektrotechniker Reginald Aubrey Fessenden (* East Bolton [Prov. Quebec] 1866, † Bermuda-Inseln 1932), dem am 28. September 1901 das erste Patent für die Übertragung der menschlichen Stimme durch Funkwellen erteilt wurde. Fünf Jahre später gelang ihm die erste Funkübertragung von Sprache und Musik unter Verwendung eines Lichtbogensenders (1903 von dem dänischen Physiker Valdemar Poulsen [* 1869, † 1942] zur Erzeugung ungedämpfter elektrischer Schwingungen erfunden) und einer Hochfrequenzmaschine (zwischen 1904 und 1906 von dem schwedischen Hochfrequenztechniker Ernst Frederik Werner Alexanderson[* 1878, † 1975] konstruiert): Von seiner Versuchsstation in Brant Rock (Mass.) aus sendete Fessenden am 24. Dezember 1906 als Weihnachtsüberraschung über einen 130 m hohen Antennenmast das erste Rundfunkprogramm der Welt. Es begann mit Gounods Lied "O heilige Nacht", von Fessenden auf der Violine gespielt. Dann sang und rezitierte er einige Verse aus dem Lukasevangelium. Der nächste Programmpunkt war eine Grammophonwiedergabe von Händels "Largo". Mit der Übermittlung von Weihnachtsgrüßen an seine Zuhörer beendete Fessenden die Funksendung. Sie überraschte einige Bordfunker, die sich in einer Zone von 8 km um die Radiostation befanden. Dieses Ereignis kann man als die Geburtsstunde des Rundfunks als eines publizistischen Mediums ansehen.

Die ersten, schon seit 1896 bekannten farbigen Kinofilme (Farbfilme) waren noch handkolorierte oder seit 1905 schablonenkolorierte Schwarzweißfilme. Das erste brauchbare Farbfilmverfahren für Kinofilme war die von dem britischen Photographen George Albert Smith (* 1864, † 1959) für die britische Filmgesellschaft Charles Urban Trading Company, Brighton, 1906 entwickelte (im November 1906 patentierte) Kinemacolor-Technik, ein zweifarbiges additives Verfahren, bei dem der Film durch rotierende Rot-Grün-Filter photographiert und projiziert wurde. Den ersten Kurzfilm nach diesem Verfahren nahm Smith im Juli 1906 im Garten seines Hauses in Southwick bei Brighton mit seinen Kindern auf.

Der deutsche Physiker Karl Ferdinand Braun (* Fulda 1850, † New York 1918) erfand 1897 die nach ihm benannte Elektronenstrahlröhre (Braunsche Röhre), die zur Grundlage der modernen Fernsehkameras und Fernsehempfänger wurde und noch heute als Bildröhre verwendet wird. Der Einsatz der Braunschen Röhre in der Fernsehtechnik erfolgte erstmals durch den deutschen Physiker Max Dieckmann (* Hermannsacker [Kr. Nordhausen] 1882, † Gräfeling 1960) (1906: Patent für "Verfahren zur Übertragung von Schriftzeichen und Strichzeichnungen unter Benutzung der Katodenstrahlröhre") sowie durch den russischen Physiker Boris Iwowitsch Rosing (* 1869, † 1933) (1907: Patent auf einen elektrischen Fernseher ["Elektrisches Teleskop"], dessen erstes arbeitsfähiges Modell er am 9. Mai 1911 in Rußland vor namhaften Physikern demonstrierte). Dieckmann und Rosing, die beide noch mit mechanischen Bildzerlegern arbeiteten, begründeten mit diesem ersten Einsatz der Braunschen Röhre ein halbelektronisches Fernsehen; beide Systeme waren wahrscheinlich die ersten funktionierenden Fernsehsysteme der Welt.

Das erste norwegische Konversationslexikon war das im Verlag Aschehoug erschienene "Illustreret Norsk Konversasjons-Leksikon", 6 Bde., Kristiana 1906-1913, das bald (ab 2. Aufl. [1920-1932] u.d.T. "Aschehougs Konversasjons-Leksikon") das führende Nachschlagewerk in Norwegen wurde.

Die Elektronenröhre (ein luftdicht abgeschlossenes Glas- oder Metallgefäß mit mindestens zwei Elektroden, in dem ein Elektronenstrom fließt), deren Entwicklung ihren Ausgang von dem von Thomas Alva Edison (* 1847, † 1931) 1883 an Glühlampen entdeckten "glühelektrischen Effekt" nahm, sollte in der ersten Hälfte des 20. Jh. zum grundlegenden Bauelement der Elektronik werden und das Nachrichtenwesen revolutionieren. Ein wichtiger Aspekt der Elektronenröhre war, daß mit ihr das durch Fernsprech- und Funktechnik wachsende Bedürfnis nach einem die elektrischen Ströme verstärkenden Element erfüllt wurde und damit in der Nachrichtenübertragung eine Reichweitenbegrenzung entfiel.
Unabhängig voneinander erfanden 1906 der Österreicher Robert von Lieben und der Amerikaner Lee de Forest die (Elektronen-) Verstärkerröhre: Der amerikanische Funkingenieur Lee de Forest (* Council Bluffs [Ia.] 1873, † Hollywood [Calif.] 1961) setzte in einer Zweielektrodenröhre (Diode) zwischen Kathode und Anode ein Steuergitter und schuf damit eine Dreielektrodenröhre (Triode) als steuerbare Verstärkerröhre (Patentschrift vom 25. 10. 1906), die er bald zu einer zugleich als Gleichrichter und Verstärker wirkenden, "Audion" genannten Triode umarbeitete (am 29. 1. 1907 patentiert). Der österreichische Physiker Robert von Lieben (* Wien 1878, † ebd. 1913) konstruierte eine Elektronenröhre (Diode) mit "Kathodenstrahlenrelais", in der die von der Kathode ausgestrahlten Elektronen durch ein äußeres Magnetfeld gesteuert wurden (patentiert am 4. 3. 1906). 1910 führte er das Steuergitter als dritte Elektrode zwischen Kathode und Anode ein und ließ sich seine Triode patentieren (1910). 1911 führte er sie der Berliner Physikalischen Gesellschaft als funktionsfähigen Telefonverstärker vor.
Die industrielle Röhrenproduktion begann 1913.

Die erste Musikbox mit Vorwahleinrichtung und Schallplatten anstelle der Musikwalzen, also der erste Musikautomat im heutigen Sinne, war der von John Gabel in Chicago (Ill.) gebaute "Automatic Entertainer". Das an drei Seiten eingeglaste Gerät war 1,50 m hoch; ihm oben aufgesetzt war ein Schalltrichter mit einem Durchmesser von über einem Meter. 24 Schallplatten standen zur Auswahl. 1908 stellte Gabel die Produktion ein. Grund für den Mißerfolg dieser Geräte war ihre schlechte Klangqualität, zudem begleitet von mehreren Nebengeräuschen. Erst nach einigen technischen Verbesserungen ging die Musikbox Anfang der dreißiger Jahre in Serienproduktion.

Die erste jüdische Enzyklopädie in russischer Sprache war die in St. Petersburg 1906-1913 erschienene 16bändige "Jevrejskaja entsiklopedija".

1906 wurde in dem kleinen Ort Nauen in der Nähe von Berlin die Großfunkstelle Nauen mit einem 100 m hohen Antennenmast in Betrieb genommen. Anfangs erzielte sie schon Weiten bis 3 600 km. Nach der Umrüstung auf Löschfunkensender (1906-1909) (eine Erfindung des deutschen Physikers Max Wien [* Königsberg, Pr., 1866, † Jena 1938] zur Erzeugung schwach gedämpfter elektrischer Schwingungen [1905]) konnte Nauen über Funk mit Togo (über 5000 km) telegrafieren. 1914 warnte die Großfunkstelle Nauen deutsche Handelsschiffe auf den Ozeanen vor dem bevorstehenden Weltkrieg und überbrückte dabei Entfernungen bis zu 8 300 km.

Das erste Photostudio, das Porträts in natürlichen Farben anbot, war das von der Photographic Rotary Co. 1906 gegründete "St. James's Studio" in London.

Das drahtlose Fernsprechen wurde von dem kanadischen Radiotechniker Reginald Aubrey Fessenden (* East Bolton [Prov. Quebec] 1866, † Bermuda-Inseln 1932) begründet. Zusammen mit dem Schweden Ernst Frederik Werner Alexanderson (* 1878, † 1975) gelang ihm 1907 die Einrichtung einer Sprechfunkverbindung (von Brant Rock [Mass.] aus) über eine Entfernung von 320 km. (Trotz dieses Erfolges, erstmals drahtlos telefonieren zu können, wurde das drahtlose Fernsprechen zunächst nicht eingeführt, da der Kommunikationsbedarf damals noch durch die Drahttelefonie und -telegrafie abgedeckt wurde.)

Als erste Zeitungen bedienten sich die Blätter "L'Illustration" in Paris und "Daily Mirror" in London der von dem deutschen Physiker Arthur Korn entwickelten neuen Technik der Bildtelegrafie (1904). Am 8. November 1907 fand die erste Übermittlung einer zur Veröffentlichung bestimmten Photographie zwischen diesen beiden Zeitungen statt: Das erste Photo, eine Aufnahme des Prinzen von Wales (5,5 cm x 7,5 cm), wurde innerhalb von 12 Minuten über ein Unterwasserkabel des Ärmelkanals von Paris nach London geschickt und am nächsten Tag in einer Vergrößerung (11,5 cm x 16,5 cm) im "Daily Mirror" veröffentlicht. Photos des damaligen französischen Präsidenten und eines Mitglieds des britischen Parlaments wurden als Gegenleistung von London an die Zeitung "L'Illustration" gesandt.

Nach dem Aufkommen der Photographie traten an die Stelle der mechanischen Kopierverfahren immer mehr photomechanische Vervielfältigungstechniken. Der erste photomechanische Kopierapparat wurde 1907 von der Rectigraph Company, Rochester (N. Y.), auf den Markt gebracht. Patentinhaber des Rectigraph genannten Geräts war der Amerikaner George C. Beidler, der die Photographie als schnelle Reproduktion von Dokumenten durch die Sofortentwicklung eines photographischen Negativs 1903 erfunden hatte (1906 patentiert).

Die erste in Deutschland gebaute Offsetmaschine ("Triumph") geht auf den deutsch-amerikanischen Konstrukteur Caspar Hermann (* 1871, † 1934) zurück. Sie entstand im pfälzischen Zweibrücken und wurde 1907 in der Leipziger Buchdruckerei C. G. Röder aufgestellt.

Die erste deutsche Privatpresse wurde 1907 von dem Buchdrucker und Verleger Carl Ernst Poeschel (* Leipzig 1874, † Scheidegg [Allgäu] 1944) und dem Schrift- und Buchkünstler Walter Tiemann (* Delitzsch 1876, † Leipzig 1951) in Leipzig gegründet. Ihre Janus-Presse bestand bis 1923.

Die von dem Amerikaner Lee de Forest erfundene Elektronenröhre "Audion" (1906 [1907]) ging in den USA ab 1907 in die praktische Erprobung.
Im Februar strahlte De Forest vom obersten Geschoß des Parker Building in der New Yorker Fourth Avenue die ersten regelmäßigen Rundfunk-Versuchssendungen aus. Das Programm bestand aus Grammophonaufnahmen. Im September 1907 wurden von einem im Hafen von Brooklyn ankernden Schiff zwei von der schwedischen Sopranistin Eugenia Ferrar gesungene Lieder live übertragen.

Zu den ältesten Betriebszweigen des Funkverkehrs über Grenzen und Ozeane gehört der Seefunk. Er zählt zu den beweglichen Funkdiensten, da er sich nicht zwischen zwei festen Punkten, wie etwa der Überseefunkdienst, abspielt, sondern zwischen einer Funkstelle an Land (Küstenfunkstelle) und den Funkstationen der Schiffe auf hoher See (Seefunkstellen). Die älteste deutsche (und zugleich größte) Küstenfunkstelle ist Norddeich Radio. Sie nahm am 1. Juni 1907 als die "Funktelegraphenstation Norddeich" mit dem Rufzeichen KND ihren Betrieb auf. Weitere Funkstellen kamen hinzu: Elbe-Weser Radio 1912, Kiel Radio 1946 u.a.

Das erste in einer Polargegend gedruckte Buch (vom Buchdruck in Grönland einmal abgesehen) war das von dem britischen Südpolarforscher Sir (seit 1909) Ernest Henry Shackleton (* Kilkee [Irland] 1874, † Südgeorgien 1922) herausgegebene Buch "Aurora australis", das zur Unterhaltung der Mitglieder der Südpolexpedition in einer Auflage von 90 Exemplaren während der Wintermonate (April, Mai, Juni) 1908 am Pol gedruckt und in Brettern von Lebensmittelkisten eingebunden wurde.

Die ersten Bibeln in Hotelzimmern (Hotelbibeln) wurden im November 1908 von den Gideons, einer religiös ausgerichteten Gemeinschaft von Handlungsreisenden, im "Superior Hotel" in Iron Mountain (Mont.), USA, verteilt.

Die erste finnische Enzyklopädie ("Tietosanakirja") erschien zehnbändig in Helsinki in den Jahren 1908-1919 nebst einem Ergänzungsband 1922.

Mit Hilfe der Bildtelegrafie konnte der erste Kriminalfall im Jahre 1908 gelöst werden: Am 17. März 1908 veröffentlichte die Londoner Zeitung "Daily Mirror" das Photo eines Mannes, der am Tag zuvor in der französischen Hauptstadt Juwelen geraubt hatte. Paris hatte das Fahndungsphoto über Bildtelegraf nach London geschickt. Ein "Daily Mirror"-Leser identifizierte den in der Zeitung abgebildeten Dieb, der daraufhin festgenommen werden konnte. (Trotz dieses spektakulären Erfolges zeigte zunächst nur die Presse und nicht die Polizei Interesse an der Bildtelegrafie; sie wurde bei der deutschen Polizei erst 1928 eingeführt.)

Das erste deutsche Selbstanschlußamt für den öffentlichen Fernsprechdienst (Ortsdienst) (automatische Telefonzentrale) wurde am 10. Juli 1908 in Hildesheim (mit 1200 möglichen Anschlüssen) in Betrieb genommen.

Die Grundlage für den gehobenen Bibliotheksdienst in Deutschland schuf ein preußischer "Erlaß betreffend die Einführung einer Diplomprüfung für den mittleren Bibliotheksdienst an wissenschaftlichen Bibliotheken sowie für den Dienst an Volksbibliotheken und verwandten Instituten" vom 10. 8. 1909.

Am 26. Februar 1909 wurden im Londoner Variététheater "Palace" einem zahlenden Publikum erstmals nach dem von dem englischen Photographen George Albert Smith 1906 entwickelten "Kinemacolor"-Verfahren gedrehte Farbfilme (21 Kurzfilme) gezeigt.

1909 errichtete die Berliner Firma Siemens & Halske das erste europäische Großstadt-Wählamt für den öffentlichen Fernsprechdienst (automatische Telefonzentrale) für zunächst 2500 Teilnehmer in München-Schwabing.

Den Versuch, ein Lexikon in Form einer Loseblattausgabe (d.i. eine in einzelnen [gelochten] Blättern mit den zugehörigen Ordnern erscheinende Veröffentlichung) ständig aktuell zu halten, machte erstmals (wahrscheinlich) der New Yorker Verlag Nelson mit seiner 1909 erschienenen zwölfbändigen "Nelson's perpetual looseleaf encyclopaedia". Die einzelnen Seiten dieser Loseblatt-Enzyklopädie trugen das Datum der Veröffentlichung und konnten gegen aktualisierte neue Seiten ausgewechselt werden.

Die schwedische Schriftstellerin Selma (Ottiliana Lovisa) Lagerlöf (* Gut Marbacka [Värmland] 1858, † ebd. 1940) erhielt 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur.

1909 veranstaltete Lee de Forest (* Council Bluffs [Ia.] 1873, † Hollywood [Calif.] 1961) einer der Pioniere des Rundfunks, in New York zusammen mit seiner Schwiegermutter Harriet Stanton Black die erste Talk- (Rundfunk-)Sendung der Welt. Thema war das Frauenwahlrecht.

Schon im vorigen Jahrhundert fehlte es nicht an Versuchen, zur besseren Nutzung der teuren Leitungs- und Kabelwege über eine einmal gelegte Leitung mehrere Telegrafie- oder Telefonieverbindungen gleichzeitig herzustellen.
Erstmals auf den Erfahrungen der Funktechnik aufbauend konnte der deutsche Physiker Ernst Ruhmer (* 1878, † 1913) in Versuchen 1909 zeigen, wie man statt eines einzigen gleich vier Telefongespräche auf einer Leitung mittels Hochfrequenz übertragen konnte. Damit begann die Entwicklung der sogenannten Trägerfrequenztechnik, welche die Mehrfachausnutzung eines drahtgebundenen oder drahtlosen Übertragungswegs durch die mit den Nachrichten modulierten hochfrequenten Trägerwellen ermöglicht.

Die von Charles Pathé (* Chevry-Cossigny [Dép. Seine-etMarne] 1863, † Monte Carlo 1957) und seinen Brüdern 1896 in Paris gegründete Filmgesellschaft "Pathé frères" produzierte ab 1909 mit dem "Pathé Journal" die erste Wochenschau (Filmwochenschau), eine früher im Beiprogramm der Filmtheater gezeigte, wöchentlich wechselnde Zusamenstellung kurzer Filme über aktuelle Ereignisse.

Der französische Flugpionier Louis Blériot (* Cambrai 1872, † Paris 1936) überquerte als erster mit einem kleinen, von einem 25-PS-Motor angetriebenen Eindecker ("Monoplan Blériot Type XI") am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal zwischen Calais und Dover.

Die erste deutsche Fibel, welche die Altersmundart zur Grundlage ihrer Texte machte, war die von dem Pädagogischen Verein zu Chemnitz herausgegebene "Chemnitzer Fibel", Chemnitz 1910. Mit dieser Fibel wurde erstmals der von dem deutschen Pädagogen Berthold Otto (* Bienowitz [bei Guhrau] 1859, † Berlin 1933) gegebene Anstoß ("Kindesmundart", Berlin 1908) im Schulbereich aufgegriffen, das Kind in der jeder Entwicklungsstufe eigenen Sprache (Altersmundart) sprechen und schreiben zu lassen.

Der erste im Tag- und Nachtbetrieb ständige transatlantische Funktelegrafendienst wurde am 23. April 1910 zwischen Clifton in Irland und Glace Bay in der kanadischen Provinz Nova Scotia aufgenommen.

Mit Hilfe der drahtlosen Telegrafie konnte der wahrscheinlich erste Kriminalfall im Jahre 1910 gelöst werden: Der Londoner Zahnarzt Dr. Hawley Harvey Crippen, der seine Ehefrau durch Gift ermordet hatte, war mit seiner Geliebten an Bord eines Atlantikdampfers von Liverpool nach Quebec geflohen. Der Kapitän schöpfte Verdacht, telegrafierte an Scotland Yard, und der Mörder konnte durch einen Funkbefehl der Londoner Kriminalpolizei noch vor Ankunft des Schiffes in Amerika verhaftet werden. (Crippen wurde am 23. November 1910 gehenkt.)

Der Amerikaner Lee de Forest (* Council Bluffs [Ia.] 1873, † Hollywood [Calif.] 1961), einer der Rundfunkpioniere, veranstaltete am 13. Januar 1910 aus dem Metropolitan Opera House in New York die erste Opernübertragung im Rundfunk. Auf dem Programm stand "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni. Als Sänger hatte er Enrico Caruso gewinnen können. Diese Übertragung war zudem die erste nicht in einem Studio aufgenommene Direktsendung.

In Deutschland wurde die erste tragbare Kleinschreibmaschine (Reiseschreibmaschine) 1910 von der Firma Seidel & Naumann, Dresden, unter dem Namen "Erika" hergestellt.

Der erste deutsche Leitfaden für Erste-Hilfe-Leistung war der "Leitfaden für die Erste Hilfeleistung an Bord von Seefischereifahrzeugen", Berlin 1911.

In großen Mengen (6500 Briefe) wurde Post zum ersten Mal mit einem Flugzeug (Doppeldecker) am 18. Februar 1911 vom Gelände der Nationalausstellung in Allahabad, Indien, in das 8 km entfernte Städtchen Najni geflogen und anschließend mit der Bahn weiter transportiert. Dies war der erste offizielle Postflug der Welt.

1911 konnte zum erstenmal ein Luftschiff, das Zeppelin-Luftschiff "Z 2", mit einer Funkstation ausgestattet werden.

Der Philipp Reclam jun. Verlag in Leipzig (gegr. 1828 durch Anton Philipp Reclam [* Leipzig 1807, † ebd. 1896]) setzte als erster und einziger Verlag in Deutschland zwischen 1912 und 1940 Automaten zum Vertrieb seiner 1867 ins Leben gerufenen "Reclams Universal-Bibliothek" ein. Die ersten Apparate wurden in Erfurt aufgestellt. 1914 gab es bereits auf 1600 deutschen Bahnhöfen Bücherautomaten, die jeweils 12 Titel à 20 Pfg. (in den dreißiger Jahren à 40 Pfg.) bereithielten. (Zum 125jährigen Bestehen der Universal-Bibliothek ließ Reclam in Ditzingen im Jubiläumsjahr 1992 die Bücherautomaten in fünf Exemplaren nachbauen.)

Die am 3. Oktober 1912 in Leipzig gegründete "Deutsche Bücherei" war die erste (und bis 1945 einzige) zentrale Archivbibliothek und bibliographisches Zentrum für die deutschsprachige Literatur. Indem sie die seit 1913 in Deutschland erscheinenden Schriften sowie das deutschsprachige Schrifttum des Auslandes mit größtmöglicher Vollständigkeit sammelte, nahm sie die Funktionen einer deutschen Nationalbibliothek zum Teil wahr. (3.10.1990: Vereinigung mit der "Deutschen Bibliothek", Frankfurt/M., [gegr. 1946].)
(Für die andere Teilaufgabe einer Nationalbibliothek - die Erwerbung der wichtigsten ausländischen Literatur aller Fachrichtungen - sind in der Bundesrepublik Deutschland vor allem die Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz und die Bayerische Staatsbibliothek in München zuständig.)

Das erste brauchbare Dreifarbenverfahren für Kinofilme (Farbfilmverfahren) entwickelte der Franzose Léon Gaumont 1912 mit seiner Technik "Chronochrome". Er nahm seine Filme mit einer Kamera mit drei Objektiven auf, wobei vor jedem Objektiv ein Filter in einer der drei Grundfarben angebracht war. Entsprechendes galt für die Projektion. Trotz einer erfolgreichen Präsentation vor der französischen Photographischen Gesellschaft in Paris am 15. November 1912 (gezeigt wurden ländliche Szenen) und obwohl Gaumont 1913 in New York Chronochrome auch schon bei "Tonfilmen" (einer Serie von humoristischen Sketchen) verwendete (ein Phonograph lieferte Sprache, Musik und Geräusche), setzte sich sein Verfahren kommerziell nicht durch und verschwand um 1920.

In Deutschland wurden erstmals ab 1912 Postsendungen durch Flugzeuge und Luftschiffe, so von Mannheim nach Heidelberg, Frankfurt/M. nach Darmstadt, Worms, Mainz u.a., befördert.

Nach ergebnislosen Bemühungen mehrerer Erfinder im 18. Jh., Musiknoten auf einer Maschine zu schreiben, wurde die erste brauchbare (auf einer Typenradschreibmaschine basierende) Notenschreibmaschine ("Noco-Blick") 1912 in Köln (von einem Mann namens Groyen [Vorname unbekannt]) erfunden.

Da in der Anfangszeit des künstlerischen Films Drehbücher als Vorlage für einen Film noch unbekannt waren, versuchte man, eine dem Film gemäße Handlungsvorlage von einem bekannten zeitgenössischen Autor zu finden. Der erste deutsche "Autorenfilm" wurde mit der Verfilmung des Dramas "Der Andere" (1893) des deutschen Theaterleiters und Schriftstellers Paul Lindau (* Magdeburg 1839, † Berlin 1919) geschaffen. Regisseur dieses 1912 gedrehten (Stumm-) Films war der Filmpionier Max Mack (* Halberstadt 1884).

Der wohl erste spektakuläre und dramatische Einsatz der Funktelegrafie im Bereich der Schiffahrt erfolgte in der Nacht vom 14. zum 15. April 1912, als der britische Luxusdampfer "Titanic" auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York einen Eisberg rammte und 1503 Menschen (von den 1308 Passagieren und 898 Mann Besatzung) im Nordatlantik den Tod fanden. 703 Menschen konnten der Katastrophe entrinnen, weil der Funker Philips bis zur letzten Minute die Notsignale "SOS" und "CQD" aussandte und dadurch Hilfe an den Unglücksort holte. Philips ertrank.
Nach dem Untergang der Titanic wurde auf der internationalen Funkkonferenz in London 1912 (Titanic-Konferenz) der SOS-Ruf als internationales Seenotsignal eingeführt, das im Morsealphabet (...---... ohne Pause) optisch, akustisch oder durch Funk, möglichst mit dem Namen des Betroffenen und dem Standort, ausgesendet wird. Die wegen des eindringlichen Rhythmus gewählte Buchstabenfolge wurde erst nachträglich als Abkürzung für engl. "Save Our Souls" (Rettet unsere Seelen) gedeutet. Der SOS-Ruf trat an die Stelle des von der Marconi's Wireless Telegraph Co. Ltd. eingeführten und ab 1. Februar 1904 geltenden Notsignals für Schiffe "CQD" (Abk. für engl.: Come Quick, Danger [Kommt schnell, Gefahr]). Das SOS-Signal war schon am 3. Oktober 1906 auf der Berliner Funkkonferenz durch ein Übereinkommen der britischen Marconi Company (Marconi's Wireless Telegraph Co. Ltd.) und der deutschen Telefunken-Gesellschaft (Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, später: Telfunken) (wenn auch noch nicht international) eingeführt und ab 1. Juli 1908 verwendet worden. Am 10. Juni 1909 wurde zum erstenmal ein SOS-Notruf ausgesandt, als die "Slavonia" der Cunard-Linie vor den Azoren Schiffbruch erlitt; zwei Dampfer nahmen die Signale auf und kamen zur Hilfe.

Nachdem der deutsche Ingenieur Rudolf Christian Karl Diesel (* Paris 1858, †[ertrunken im Ärmelkanal ] 1913) 1897 den nach ihm benannten Dieselmotor gebaut hatte, nahm im September 1912 die Preußisch-Hessische Staatsbahn die erste Diesellokomotive (d.i. eine von einem oder mehreren Dieselmotoren angetriebene Lokomotive) in Betrieb.

Der erste Drehbleistift, den man nie anspitzen mußte, wurde 1912 von dem Japaner Tokuji Hayakawa erfunden und als "Ever-Sharp Pencil" 1914 in den Vereinigten Staaten auf den Markt gebracht. Der Erfolg war so groß, daß noch heute in Amerika alle Drehbleistifte als "Ever-Sharps" bezeichnet werden.

Erste Schritte zu einer verlegerischen Buchmarktforschung (einer wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Forschung über den Absatz von Büchern) in Deutschland tat der Verlagsbuchhändler Eugen Diederichs (* Löbitz [Kr. Naumburg] 1867, † Jena 1930) in Jena zwischen 1913 und 1915, indem er seinen Büchern Umfragekarten zur Erkundung der Kaufgründe beilegte und nach Abschluß der Umfrage die ermittelten Faktoren prozentual darstellte und veröffentlichte. Andere Verlage folgten seinem Beispiel.

Der Photochemiker Gustav Kögel (* München 1882, † Karlsruhe 1945-(urspr. Priester [seit 1906 ] und Benediktinermönch [bis 1922]) wandte 1913 erstmals die Fluoreszenzphotographie zum Wiedersichtbarmachen der ursprünglichen Texte auf Palimpsesten an. Er veröffentlichte seine Erfindung u.d.T. "Die Palimpsestphotographie" in; Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1914.

Als die erste pharmaziehistorische Zeitschrift gilt die "Revue d'histoire de la pharmacie", Paris 1913 ff. (1913-1929 u.d.T. "Bulletin de la Société de la Pharmacie".)

Die nahezu gleichzeitig in den USA und in Deutschland 1913 erfundene funkepochemachende Rückkopplungsschaltung mit der erstmals ungedämpfte Hochfrequenzschwingungen erzeugt werden konnten, war der Beginn der modernen Sende- und Empfangstechnik. Unter Ausnutzung grundlegender Erfindungen (der Entdeckung der Gleichrichtereigenschaften von Kristallen durch den US-Wissenschaftler H. H. C. Dunwoody [1906], der Erfindung der Verstärkerröhre durch Robert von Lieben und Lee de Forest [1906] und des Hochfrequenzverstärkers durch Otto von Bronk [1911patentiert]) konstruierte in Deutschland (Berlin) der Funktechniker Alexander Meißner (* Wien 1883, † Berlin 1958) einen Röhrensender mit Rückkopplung, der alle damaligen Sender an Empfindlichkeit übertraf (patentiert am 10. April 1913); sein Prinzip ist noch bis heute gültig.

Der deutsche Elektroingenieur Hans Bredow (* Schlawe [Pommern] 1879, † Wiesbaden 1959), seit 1904 in der Projektabteilung der Telefunken GmbH, Berlin, der sich vor allem mit der Einführung und Entwicklung der Funktelegrafie befaßte, schuf 1913 die Voraussetzungen für den Transatlantikfunkverkehr zwischen Deutschland und den USA und förderte den Ausbau der 1906 in Betrieb genommenen Großfunkstelle im sächsischen Nauen.
Am 14. Oktober 1913 wurde zwischen Eilvese bei Hannover und Tuckerton, USA, der erste transatlantische Funkverkehr aufgenommen. Vier Tage später wurde das erste Funktelegramm von Nauen nach Sayville, USA, geschickt.

Der erste tragbare Plattenspieler war der "Decca Portable"' der von der Firma Barnett Samuel & Co., London, 1913 hergestellt wurde.

Das erste Zeitzeichen im Rundfunk ([Ton, Tonfolge als] Signal, das die genaue Zeit anzeigt), das dann regelmäßig gesendet wurde, wurde vom Pariser Sender auf dem Eiffelturm im Jahr 1913 ausgestrahlt.

Der Fernschreiber ist ein als Endgerät der Fernschreibtechnik benutzter schreibmaschinenähnlicher Drucktelegraf für Ein- und Ausgabe im Klartext.
Die ersten, noch mechanisch funktionierenden Fernschreiber wurden vor 1914 in den USA gebaut. Von Bedeutung für die weitere Entwicklung waren der dort seit 1914 von dem Deutschen Edward Ernst Kleinschmidt (* Bremen 1875, † 1977) konstruierte Springschreiber, ein Fernschreiber mit synchronisiertem Sender und Empfänger, sowie der um dieselbe Zeit von der Berliner Firma Siemens & Halske hergestellte Tastenschnelltelegraf, eine Vorstufe des elektrischen Fernschreibers der heutigen Form.

Die "Chicago Tribune" (Chicago [Ill.] 1914 ff.) veröffentlichte ab 1914 als erste Zeitung regelmäßig Filmkritiken.

Nach Aufnahme des transkontinentalen Funkverkehrs zwischen Deutschland und den USA (1913) führte im Januar 1914 die Kaiserliche Post in Deutschland Funk-Grußtelegramme nach den Vereinigten Staaten ein.

Der Kinotechniker Oskar Meßter (* Berlin 1866, † Tegernsee 1943) war der Produzent der ersten deutschen Wochenschau ("Meßter-Woche"), die ab 1914 im Beiprogramm der deutschen Filmtheater gezeigt wurde.

Der Einsatz der Elektronenröhre in der Funktechnik ermöglichte den Bau leistungsfähiger Sender und hochempfindlicher Empfänger. So konnte bereits 1915 zu Versuchszwecken, bewerkstelligt von der American Telephone and Telegraph Company (AT & T), New York, mit Röhrensendern und -empfängern die erste transatlantische drahtlose Telefonverbindung zwischen den USA (Arlington [Va.]) und Frankreich (Paris, Eiffelturm) hergestellt werden.

1915 richteten die Amerikaner eine 5400 km lange, mit Röhrenverstärkern ausgerüstete Fernsprechverbindung zwischen der Ost- und der Westküste der USA ein. Sie war die erste transkontinentale Telefonverbindung (Atlantik [New York] - Pazifik [San Francisco]).

Das bedeutendste Farbfilmverfahren in der Geschichte des Kinofilms ist "Technicolor". Sein geistiger Vater ist der aus Chelsea (Mass.) stammende amerikanische Physiker Herbert Thomas Kalmus (* 1881, † 1963), der 1915 in Boston (Mass.) die "Technicolor Motion Picture Corporation" gründete, aus der 1922 die "Technicolor Incorporated" hervorging. Der von ihr hergestellte erste farbige Kinofilm in Technicolor ("The Gulf Between") wurde 1917 in den Vereinigten Staaten vorgeführt. Während es sich bei den bisher gezeigten Kinofilmen in Farbe, hergestellt nach dem "Kinemacolor"-Verfahren (1906; 1909), um Schwarzweißmaterial handelte, das abwechselnd durch zwei verschiedene Farbfilter sowohl aufgenommen wie auch projiziert wurde, enthielt der erste Technicolor-Film die Farben bereits auf dem Filmstreifen und ließ sich deshalb mit normalen Filmprojektoren vorführen. Allerdings war der frühe Technicolor-Film (bis 1932) nur zweifarbig: rotorange und blaugrün.

Wenn auch die erste deutsche zeitungswissenschaftliche Dissertation schon 1690 angefertigt wurde, hat sich die Zeitungskunde (später: Publizistik) als Universitätsfach erst in diesem Jahrhundert und zudem nur zögernd etabliert. Der Volkswirtschaftler und Soziologe Karl Bücher (* Kirberg [bei Limburg a.d. Lahn ] 1847, † Leipzig 1930) gründete 1917 an der Universität Leipzig das Institut für Zeitungskunde und wurde damit zum Begründer der Publizistik an deutschen Universitäten.

Im Sommer 1917 übertrug der deutsche Funkoffizier Hans Bredow (* Schlawe [Pommern] 1879, † Wiesbaden 1959), der spätere "Vater des deutschen Rundfunks", an der deutschen Westfront in Frankreich für seine Kameraden über die Frontfunkstellen kurze Unterhaltungsprogramme (Sprache und Musik). Aufgrund der Begeisterung der Funkersoldaten über diese ersten deutschen Rundfunkversuche, die eine unverhoffte Abwechslung in den dienstlichen Funkverkehr brachten, faßte Bredow den Entschluß, den Rundfunkempfang für jedermann zu schaffen.

Schon 1905 hatte der kanadische Elektrotechniker Reginald Aubrey Fessenden (* East Bolton [Prov. Quebec ] 1866, † Bermuda-Inseln 1932) das Prinzip des Überlagerungs- oder Heterodynempfangs vorgestellt, bei dem die von der Empfänger-Antenne aufgenommenen Schwingungen von einer im Empfänger erzeugten Hilfsschwingung überlagert wurden. Die dabei entstandene Mischfrequenz, die anschließend demoduliert wurde, war den beiden anderen an Empfindlichkeit und Störungsfreiheit überlegen. Das Heterodyn-Empfangssystem wurde später von mehreren Erfindern zur "Superheterodyn-Schaltung" vervollkommnet und zur Standardausrüstung der Röhrenempfänger.
Der amerikanische Elektrotechniker Edwin Howard Armstrong (* New York 1890, † ebd. 1954) konstruierte 1918 den ersten brauchbaren Überlagerungsempfänger (Superheterodynempfänger oder Superhet). Mit ihm stiegen Trennschärfe und Wiedergabequalität der Empfänger beträchtlich, und zur Sendersuche wurde nur noch ein einziger Knopf benötigt. Der Superhet wurde zum heute fast ausschließlich verwendeten Typ des Rundfunkempfängers.

In England wurden die ersten regelmäßigen Rundfunksendungen (zweimal täglich eine halbe Stunde Sprache und Musik) in Chelmsford (Essex) zwischen 1919 und 1920 ausgestrahlt. (1922: Gründung der "British Broadcasting Company [BBC]", London, als private Gesellschaft, seit 1927 öffentlich-rechtliche Körperschaft.)

Die erste amerikanische illustrierte Tageszeitung wurde in New York u.d.T. "Illustrated Daily News" von den Verlegern Joseph Medill Patterson (* Chicago 1879, † New York 1946) und Robert Rutherford McCormick (* Chicago 1880, † Wheaton [Ill.] 1955) gegründet. Im Laufe des ersten Erscheinungsjahres erfolgte die Titeländerung in "Daily News"; unter diesem Titel erscheint das Blatt noch heute als erfolgreiche Kaufzeitung.

Am 6. Februar 1919 eröffnete die "Deutsche Luftreederei" aus Anlaß und für die Dauer der Nationalversammlung in Weimar einen Luftpostdienst Weimar - Berlin. Dies war der Beginn einer planmäßigen Luftpostbeförderung in Deutschland. (1929 bestand der deutsche Luftpostverkehr mit fast allen europäischen Ländern.)

Die beiden britischen Flugpioniere Sir John William Alcock (* Manchester 1892, † Bei Rouen [Flugzeugunfall] 1919) und Arthur Whitten Brown (* 1886, † 1948) unternahmen am 14./15. Juni 1919 mit einer zweimotorigen, umgebauten Vickers "Vimy" den ersten ununterbrochenen Flug über den Atlantischen Ozean von St. John`s (Neufundland) nach Clifden (Irland) (3050 km in 16 1/2 Stunden).

Die 1919 von dem Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer Hugo Junkers (* Rheydt 1859, † Gauting 1935) entwickelte und in seiner Firma "Junkers Flugzeugwerke AG", Dessau, gebaute "Junkers F 13" war das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt und der Grundtyp des heutigen Verkehrsflugzeugs. Es wurde in Serienproduktion hergestellt.

Die am 27. Oktober 1920 unter den Codebuchstaben KDKA registrierte Rundfunkstation in Pittsburgh (Pa.), USA, war der erste (nicht mehr Versuchszwecken dienende) kommerzielle regelmäßig arbeitende Rundfunksender der Welt. Er nahm am 2. November 1920 seinen Betrieb im Mittelwellenbereich auf und sendete unterhaltsame und informative Programme. Zur Eröffnung übertrug die Rundfunkstation KDKA die Wahlergebnisse der damaligen Präsidentschaftswahlen; in den Pausen wurde Musik gesendet.

Unter der Leitung des deutschen Radiopioniers Hans Bredow (* Schlawe [Pommern] 1879, † Wiesbaden 1959), der im März 1919 als Ministerialdirektor ins Reichspostministerium berufen wurde und der in Berlin am 16. November 1919 in seinem berühmten Vortrag über "Funkentelegraphie und Presse" erstmals die Möglichkeiten eines Rundfunkempfangs für jedermann in der Öffentlichkeit darlegte sowie die Bezeichnung Rundfunk prägte, wurden ab März 1920 in der Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen die ersten Rundfunkversuche in Deutschland unternommen. Am 22. Dezember 1920 übertrug der posteigene Langwellensender Königs Wusterhausen zum erstenmal ein Instrumentalkonzert.

Die ersten Rundfunknachrichten wurden am 20. August 1920 von der Rundfunkstation 8 MK in Detroit (Mich.) ausgestrahlt. Die aus Agenturmeldungen zusammengestellten Nachrichten waren von der Zeitung "Detroit News" zur Verfügung gestellt worden.

Die erste Übertragung eines Orchesterkonzertes im Rundfunk fand im April 1920 in San Francisco statt. Aus dem dortigen Theater wurde ein einstündiges Konzert des California Theatre Orchestra unter dem Dirigenten Hermann Heller gesendet.

Die älteste Kaufzeitung Portugals ist der seit 1921 in Lissabon erscheinende "Diário de Lisboa".

Die elektromagnetischen Wellen umfassen einen riesigen Wellen- bzw. Frequenzbereich. Die von Guglielmo Marconi (1894) begründete Funktechnik entwickelte sich aufgrund der technischen Voraussetzungen und der stabilen Ausbreitungsbedingungen zunächst im Langwellenbereich (1-10 Km/300-30 kHz).
Die weitere Erschließung des Spektrums der elektromagnetischen Wellen war durch das Vordringen zu immer kürzeren Wellenlängen bzw. höheren Frequenzen charakterisiert. Bereits die ersten Rundfunksender nutzten den Mittelwellenbereich (182-1000 m/1650-300 kHz).
1921
entdeckten amerikanische Funkamateure den Kurzwellenbereich (10-100 m/30-3 MHz). Seitdem wurde der Kurzwellenfunk entwickelt. Der Kurzwellenbereich ist der wichtigste Frequenzbereich für funktechnische Fernverbindungen.

In Dänemark strahlten Amateurstationen regelmäßige Rundfunksendungen seit 1921 aus; der offizielle staatliche Rundfunk begann 1925.

Die erste Sportübertragung im Rundfunk (Boxkampf Johnny Ray gegen Johnny Dundee in Pittsburgh [Pa.]) wurde vom Pittsburgher Sender KDKA am 11. April 1921 ausgestrahlt. Kommentator war Florent Gibson von der Zeitung "Pittsburgh Star".

Das erste Autoradio wurde von dem damals achtzehnjährigen George Frost, dem Präsidenten des Lane High School Radio Club in Chicago (Ill.), im Mai 1922 in die Tür eines Ford-T-Modells eingebaut.

Der buchkundliche Schriftsteller Gustav Adolf Erich Bogeng (* Tilsit 1881, † Bad Harzburg 1960) verfaßte mit "Die großen Bibliophilen. Geschichte der Büchersammler und ihrer Sammlungen", 2 Bde., Leipzig 1922, die erste zusammenfassende Geschichte der Bibliophilie.

Der (das) erste Digest (engl.), ein Nachdruckblatt für Auszüge aus Zeitschriften und Büchern, gelegentlich auch mit Originalbeiträgen, ist auf Unterhaltungssektor die 1922 in Pleasantville (N. Y.) gegründete Monatszeitschrift "Reader's Digest", die in verschiedenen Länderausgaben und Sprachen herausgegeben wird. Die erste Auslandsausgabe erschien 1938 für Großbritannien; die deutsche Ausgabe wurde u.d.T. "Das Beste aus Reader's Digest" 1948 in Stuttgart gegründet.

Bereits im vorigen Jahrhundert wurde mit einem Film experimentiert, der beim Zuschauer einen plastischen, dreidimensionalen Eindruck hervorrief (dreidimensionaler Film, 3-D-Film, Stereofilm). Der erste 3-D-Film wurde von der amerikanischen Filmgesellschaft Perfect Pictures 1922 mit dem Streifen "The Power of Love" nach dem Anaglyphenverfahren produziert. Bei diesem Verfahren werden zwei Halbbilder in zwei verschiedenen Komplementärfarben (meist in Rot und Grün) übereinander projiziert, die durch Betrachtung mit einer Brille, deren Gläser wie die Halbbilder, jedoch vertauscht, gefärbt sind, den räumlichen Effekt ergeben. Das Verfahren geriet wieder in Vergessenheit; zudem fehlte ihm der Ton.

Das erste transatlantische Funkbild, ein Photo von Papst Pius XI., wurde am 11. Juni 1922 in der New Yorker Zeitung "World" abgedruckt. Es war von dem Pionier der modernen Bildtelegrafie Arthur Korn (* Breslau 1870, † Jersey City [N. J.] 1945) am 6. Mai 1922 von Berlin über Centecello in der Nähe von Rom nach Otter Cliffs im US-Staat Maine übertragen worden. Damit war Korn die erste drahtlose transkontinentale Bildübertragung gelungen.

Ab 1. September 1922 wurde auf dem Langwellensender Königs Wusterhausen der "Wirtschaftsrundspruchdienst" als erster regelmäßiger und gebührenpflichtiger Rundfunkdienst angeboten. Rund 1000 Abonnenten konnten diesen direkten Vorläufer des deutschen Rundfunks mit posteigenen, plombierten Mietgeräten empfangen. (Ein jedermann zugänglicher Rundfunk schien dem Reichstelegraphenamt noch zu gewagt. 1923 wurde aber das Empfangsverbot für Privatpersonen aufgehoben.)

In der Sowjetunion wurde am 1. September 1922 der erste Radiosender ("Komintern") in Betrieb genommen. Der erste französische Rundfunksender ("Radiola") begann am 6. November 1922 mit der Ausstrahlung seines Programms.

Mit dem in der Tonfilmtechnik zunächst dominierenden Nadeltonverfahren (Ton von der Schallplatte) konkurrierte eine Zeitlang ein von dem Elektrotechniker Hans Vogt (* Wurlitz [Oberfranken] 1890, † Passau 1979), dem Physiker Jo Benedict Engl (* München 1893, † New York 1942) und dem Ingenieur Joseph Massolle (* Bielefeld 1889, † Berlin 1957) zur Aufnahme und Wiedergabe von Tonfilmen seit 1919 entwickeltes, auf dem Lichtton beruhendes Verfahren, bei dem Bild und Ton auf Filmstreifen (zunächst getrennt auf einem Bild-Film und einem Tonspur-Film, dann auf ein und demselben Film) aufgezeichnet wurden. Dieses mit zahlreichen Patenten abgesicherte Lichttonverfahren nannten seine Erfinder Triergon-Verfahren (tri-ergon [griech.] = Werk der Drei).
1921/1922 zeigte das Kollektiv erstmals längere Tonfilmstreifen nach dem Lichttonverfahren. 1922 drehte es den ersten Kinofilm mit integrierter Lichttonspur. Es war ein Einakter des niederländischen Schriftstellers Herman Heijermans (* Rotterdam 1864, † Zandvoort 1924) mit dem Titel "Der Brandstifter".
(Das Lichttonverfahren konnte sich in Deutschland zunächst nicht durchsetzen. Die Erfinder verkauften ihre Rechte einer Schweizer Firma, die sie wiederum an eine amerikanische Firma veräußerte.) Nach 1945 trat zum Lichtton der Magnetton. Der Nadelton geriet in Vergessenheit.

Die erste Rundfunkwerbung wurde am 28. August 1922 von der WEAF-Station, New York, ausgestrahlt und dauerte zehn Minuten. Auftraggeber war die Queensboro Corporation, Gegenstand der Werbung ein neues Appartementhaus in Jackson Heights (N. Y.); ein Mr. Blackwell der Firma Queensboro las den Text. Aufgrund der an fünf aufeinanderfolgenden Tagen gesendeten Werbespots, für die das Unternehmen 500 Dollar bezahlte, konnten zwei Wohnungen verkauft werden.

Das Hörspiel ist eine für den Rundfunk nur mit akustischen Mitteln konzipierte Kunstform. Die Geschichte des Hörspiels begann mit Bearbeitungen vor allem von Theaterstücken für den Funk. Das erste Hörspiel, das Melodrama "The Wolf" von Eugene Walter, war eine solche Bearbeitung. Es wurde am 3. August 1922 von der Station WGY in Schenectady (N. Y.) gesendet. Als Drama war es in New York 1908 veröffentlicht worden.

Ab 1923 brachte die von dem Engländer Sir Francis Meynell (* 1891, † 1975) in London (1923) gegründete Nonesuch Press durch entsprechenden Einsatz maschineller Druckverfahren erstmals bibliophile Bücher in größerer Auflage und daher zu erschwinglichen Preisen auf den Buchmarkt.

Die Automatisierung des deutschen Fernsprech-Fernverkehrs begann am 16. Mai 1923. Die Geburtsstätte der Fernwähltechnik (Selbstanschlußtechnik) war Weilheim (Oberbayern) mit fünf Ortnetzen. (1972: Abschluß des Aufbaus eines flächendeckenden automatischen Fernsprechnetzes in der Bundesrepublik Deutschland.)

Die eigentliche Entwicklung der Fernsehtechnik begann erst nach dem Ersten Weltkrieg unter Ausnutzung der Elektronik. Als "Vater" des elektronischen Fernsehens gilt der amerikanische Elektroingenieur russischer Herkunft Wladimir Kosma Zworykin (* Murom [Rußland ] 1889, † Princeton [N. J.] 1982), der mit seinem "Ikonoskop" den ersten brauchbaren elektronischen Bildzerleger oder die erste elektronische Fernsehkamera schuf (Patentgesuch: 29. 12. 1923, stattgegeben erst am 20. 12. 1938). Außer der elektronischen Bildaufnahmeröhre hatte er bis Ende 1923 auch eine Bildröhre entwickelt, die der Wiedergabe diente (Fernsehempfänger). Allerdings konnte er mit diesen Geräten nur ein einfaches Kreuz übertragen. Doch verbesserte er das Ikonoskop, so daß es 1931 voll funktionsfähig war und ab 1934 serienmäßig hergestellt wurde.

Das Nachrichtenmagazin (engl.: news magazine) (ein Typ der politischen Wochenzeitschrift, gekennzeichnet durch Anonymität der Beiträge, Tatsachen- und Detailschilderungen in einer sachlichen Sprache, gezielte Nachforschungen und umfassende Dokumentation mit Hilfe eines Redaktionsarchivs) wurde von den amerikanischen Publizisten Henry Robinson Luce (* Penglai [Prov. Shandong] 1898, † Phoenix [Ariz.] 1967) und Briton Hadden (* 1890, † 1929) mit der von ihnen in New York 1923 gegründeten Zeitschrift "Time. The weekly news magazine" eingeführt.

Als erster offizieller deutscher Rundfunkdienst verbreitete vom 29. Oktober 1923 an der "Unterhaltungs-Rundfunk" über einen im Hause der Schallplattenfirma "Vox" in Berlin installierten Mittelwellensender regelmäßig Rundfunksendungen mit Nachrichten und Unterhaltungsmusik. (Die erste Nachrichtensendung erfolgte wenige Tage nach dem 29. 10. 1923.)
(Regelmäßige Rundfunksendungen gab es 1923, etwa gleichzeitig mit Deutschland, in Belgien, Spanien und der Tschechoslowakei, 1924 in Finnland und Italien, 1925 folgten Norwegen, Polen, Mexiko und Japan u.a. Das Zeitalter der elektrischen Massenkommunikation begann.)

Trotz der offiziellen Eröffnung des deutschen Rundfunks (für jedermann) am 29. Oktober 1923 mußte zum privaten Rundfunkempfang beim Reichstelegraphenamt eine Genehmigung beantragt werden; die Betriebserlaubnis berechtigte auch zum Kauf eines Rundfunkapparates.
Der erste registrierte Rundfunkhörer in Berlin war der Tabakwarenhändler Wilhelm Hollhof, wohnhaft in Berlin, Turmstraße 47, wie die von der Reichstelegraphenverwaltung am 31. Oktober 1923 ausgestellte "Genehmigungsurkunde für Rundfunkempfänger Nr. 1" belegt. Hollhof zahlte für die Lizenz 350 Milliarden Inflationsmark.
(1924 betrug die Zahl der Rundfunkteilnehmer in Deutschland bereits rd. 100 000 Hörer; 1926 konnten rd. 1 Mio., 1934 über 5 Mio. Rundfunkhörer gezählt werden.)

Die erste deutsche (Rundfunk-) Programmzeitschrift war "Der Deutsche Rundfunk", Berlin 1923-1941.

Die älteste, noch erscheinende Schallplattenfachzeitschrift wurde u.d.T. "Gramophone" 1923 in London von dem englischen Schriftsteller Sir (seit 1952) Edward Montague Compton Mackenzie (* West Hartlepool [bei Durham] 1883, † Edinburgh 1972) gegründet.

Die erste Buchgemeinschaft in Deutschland mit internationalem Buchprogram war die 1924 in Berlin gegründete "Deutsche Buchgemeinschaft" (heute Darmstadt). Sie sprach die breite Schicht des bürgerlichen Mittelstandes an. Das erste von ihr herausgegebene Buch war Goethes "Faust". Es folgte 1924 Flauberts "Madame Bovary".

Das von dem österreichischen Dramaturgen und Drehbuchautor Carl Mayer (* Graz 1894, † London 1944) 1923 geschriebene Filmskript "Sylvester" zum gleichnamigen Film (uraufgeführt am 3. 1. 1924) war das erste Drehbuch (d.i. Textbuch eines Films mit genauen Anweisungen für Darstellung, Aufnahmetechnik u.ä.) in Deutschland, welches auch als Buchveröffentlichung (beim Verlag Kiepenheuer in Potsdam [als Bd. 1 der Reihe "Das Drehbuch"]) erschien.

Der englische Schriftsteller Richard Arthur Warren Hughes (* Weybridge 1900, † Moredrin [Wales] 1976) schrieb das erste (Original-) Hörspiel ("Danger"), das am 15. 1. 1924 vom englischen Rundfunk gesendet wurde. Ihm folgte im gleichen Jahr in Frankreich "Maremoto" von Pierre Cusy und Gabriel Germinet. Das erste deutsche Hörspiel war die Funkgroteske "Zauberei auf dem Sender" von Hans Georg Flesch (* 1896, verschollen 1945), gesendet am 24. 10. 1924.

Der zu Anfang der Rundfunktechnik gebräuchlich gewesene Rundfunkempfänger war der Detektorempfänger, bestehend aus einem elektrischen Schwingkreis und einem Kristall zur Demodulation (Gleichrichtung), der wegen der geringen Lautstärke nur einen Kopfhörerempfang ermöglichte. Mit der Erfindung der Elektronenröhre wurde der Röhrenempfänger entwickelt, der eine weit größere Empfangsqualität hatte und die Annehmlichkeit des Lautsprecherempfangs brachte. In Deutschland wurden die ersten Röhrenrundfunkempfänger auf der Berliner Funkausstellung 1924 neben den üblichen Detektorempfängern vorgestellt.

Nach langen Auseinandersetzungen und Richtungskämpfen wurde in Deutschland 1924 die "Deutsche Einheitskurzschrift" in Kraft gesetzt. Sie war ein Kompromißsystem aus den Stenographiesystemen von Franz Xaver Gabelsberger (* München 1789, † ebd. 1849) (1834), von Heinrich August Wilhelm Stolze (* Berlin 1798, † ebd. 1867) (1841) und von Ferdinand Schrey (* Elberfeld 1850, † Berlin 1938) (1887 und 1897). Bis zur Festlegung der Deutschen Einheitskurzschrift waren in Deutschland über 600 Kurzschriftsysteme entwickelt worden.

1925 wurde an der Handelshochschule in Leipzig durch Stiftung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler weltweit zum ersten Mal ein Lehrstuhl für Buchhandelsbetriebslehre eingerichtet. (Erster Lehrstuhlinhaber war Gerhard Menz.)

Als erste jugoslawische Enzyklopädie gilt die von St. Stanojevic herausgegebene "Narodna enciklopedija srpsko-hrvatsko-slovenacka" (serbokroatisch-slowenische Enzyklopädie) in 4 bzw. 5 Bänden, je eine Ausgabe in kyrillischer und lateinischer Schrift, Zagreb 1925-1929.

Die ersten öffentlichen Fernsehvorführungen fanden 1925 gleich in drei Ländern statt: in Deutschland durch August Karolus, in Großbritannien durch John Logie Baird und in den USA durch Charles Francis Jenkins. Allen diesen ersten praktischen Vorführungen war gemeinsam, daß sie mit mechanischen Bildzerlegern arbeiteten. Der deutsche Physiker August Karolus (* Reihen [heute zu Sinsheim ] 1893, † Zollikon 1972) stellte sein auf der von ihm 1923 entwickelten Kerr-Zelle (Vorrichtung zur nahezu trägheitslosen Umwandlung elektrischer Spannungsschwankungen in Lichtintensitätsschwankungen) beruhendes Fernsehen der Öffentlichkeit vor.
Dem britischen Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946) gelang (unter Benutzung der Nipkow-Scheibe) nach ersten erfolgreichen Fernsehversuchen in Hastings im Februar 1924 (Übertragung der Silhouette eines aus Papier ausgeschnittenen Malteserkreuzes über eine Entfernung von 3 m) in London am 2. Oktober 1925 die erste Fernseh-Live-Übertragung: Baird übertrug nach Versuchen mit einer ausrangierten Bauchrednerpuppe das Gesicht des fünfzehnjährigen Bürolehrlings William Taynton live auf dem Bildschirm. (Der Junge war damit der erste Mensch auf der Welt, der jemals im Fernsehen erschien.)
Der amerikanische Erfinder und Fernsehpionier Charles Francis Jenkins (* bei Dayton [Oh. ] 1867, † Washington [D. C.] 1934), der 1923 mit mechanischen Fernsehverfahren zu experimentieren begann und dabei ein stehendes Bild von US-Präsident Warren Gamaliel Harding über eine Entfernung von rd. 200 km von Washington nach Philadelphia übertrug, übermittelte 1925 Fernsehbilder. (Sein System war allerdings kommerziell nicht lebensfähig.)

Die erste umfassende internationale Inkunabelbibliographie ist der (von der Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke herausgegebene) "Gesamtkatalog der Wiegendrucke", Leipzig 1925-1940. (Neudruck: Stuttgart 1968-1978; Weiterführung durch die Deutsche Staatsbibliothek, Berlin.)

In einer langen Entwicklungszeit der photographischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Photokästen der photographischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras. Denn als mit der Einführung von lichtempfindlichen Filmen das Vergrößern kein Problem mehr war, konnte man auf kleinere Aufnahmeformate und damit auch auf kompaktere Kameras übergehen. Auch der Siegeszug der Amateurphotographie veranlaßte die Kameraindustrie zum Bau einfacherer und handlicherer Photoapparate. Als erste Kleinbildkamera konnte sich die von Oskar Barnack (* Lynow [Kr. Luckenwalde] 1879, † Bad Nauheim 1936), einem Mitarbeiter der optischen Werke Werner Leitz, Wetzlar, seit 1913 entwickelte und von der Firma Leitz auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 erstmals vorgeführte "Leica" (Abk. für: Leitz Camera) mit einem Negativformat von 24 x 36 Millimetern durchsetzen. Bis Ende 1925 konnten 1000 Apparate verkauft werden. Im Jahr 1928 erhielt der Luftfahrtpionier Hugo Eckener (* Flensburg 1868, † Friedrichshafen 1954) die 10 000. Leica zum Geschenk, der Asienforscher Sven Hedin (* Stockholm 1865, † ebd. 1952) ein Jahr später die 25 000. Kamera.

Bis 1925 erfolgte die Schallplattenaufnahme akustisch-mechanisch: In den Schalltrichter, dessen Durchmesser sich nach der Art der Aufnahme richtete, wurde hineingesungen und -gesprochen, und ein an der Aufnahmemembran befestigter Schneidstichel grub die Schallwellen in eine rotierende Wachsplatte. Die Nachteile waren offensichtlich: Durch Resonanzwirkung des Trichters kam es zu Tonverzerrungen; ein Orchester oder die Solisten mußten sich dicht um den Aufnahmetrichter gruppieren, damit die Schallschwingungen eingefangen werden konnten; wurde ein falscher Ton gespielt oder gesungen, mußte das ganze Musikstück wiederholt werden u.a. Eine neue Epoche der Aufnahmetechnik begann, als 1925 ein Team der Bell Telephone Laboratories in den USA das elektrische Mikrophon erfand. Statt des Schalltrichters verwendete man bei der Tonaufnahme nun das Mikrophon, das die Schallschwingungen in elektrischen Strom umwandelte. Der Strom wurde durch eine elektrische Verstärkerröhre (1906) verstärkt; anschließend erzeugte er (elektromagnetisch) eine mechanische Kraft im Plattenschneidgerät. Die erste nach diesem kommerziell verwertbaren elektrischen Aufnahmeverfahren hergestellte Schallplatte kam im April 1925 in Amerika in den Handel.
Auch die Deutsche Grammophon Gesellschaft, die 1922 mit elektrischen Aufnahmeversuchen über Mikrophon und Verstärker begonnen hatte, brachte 1925 die ersten brauchbaren elektrisch aufgenommenen Schallplatten auf den Markt.
Bald veränderten sich die Grammophone, da nun auch die Wiedergabe elektrisch über einen Verstärker und Lautsprecher erfolgte. Und wie das Mikrophon die riesigen Schalltrichter bei der Plattenaufnahme überflüssig gemacht hatte, so löste der Lautsprecher bei der Tonwiedergabe nun auch die lautverstärkenden Trichter ab.

Der erste elektrische Plattenspieler (mit Röhrenverstärker und Lautsprecher anstelle des traditionellen Schalltrichters) war das "Brunswick Panatrope", das 1925 von der Brunswick Co., Dubuque (Ia.), hergestellt wurde.

Der erste berufsmäßige Rundfunksportkommentator der Welt war der Australier Mick Ferry, der sein Debut mit einer Reportage vom Pferderennen in Randwick am 11. April 1925 für die Rundfunkstation 2 FC in Sydney gab.

Die erste sowjetische Enzyklopädie war die "Bol`saja sovetskaja enciklopedija" (Große Sowjetenzyklopädie), 65 Bde., Moskau 1926-1947.

1926 brachte der schottische Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946) den ersten Fernsehempfänger der Welt unter dem Namen "Televisor" heraus, der ab 1930 in nennenswerter Stückzahl gebaut und zum Preis von 20 Pfund verkauft wurde.

Ausgerechnet der überzeugte Anhänger der Phonographenwalze als Tonträger Thomas Alva Edison (1877) stellte 1926 die erste Langspielplatte mit einer Spielzeit von 20 Minuten je Plattenseite vor. Diese Laufzeit erreichte er durch eine große Rillendichte (16 Rillen auf 1 mm); das für eine derartige Dichte erforderliche besonders widerstandsfähige Material fand er im Bakelit. Die Platten mit einem Durchmesser von 30 cm und 80 U/min. wogen zwischen 500 und 750 g und waren 6 mm dick. Die Edison-Langspielplatten bestanden aus überspielten Aufnahmen alter Stücke und waren wahrscheinlich deshalb nicht sehr erfolgreich. Zudem nutzten sich die so dicht nebeneinander liegenden Rillen bei häufigem Gebrauch sehr schnell ab. (Im November 1929 gab der 82jährige Edison die Produktion von Schallplatten und Plattenspielern auf.)

Die erste der Science-fiction, dem Bereich der wissenschaftlich-utopischen Literatur, gewidmete Zeitschrift erscheint in New York seit 1926 u.d.T. "Amazing stories".

Mobilfunk ist die allgemein gebräuchliche Bezeichnung aller beweglichen Landfunkdienste, bei denen sich die mobile Funkstelle in einem Straßen-, Schienen- oder einem Wasserfahrzeug der Binnenschiffahrt befindet. Dabei wird unterschieden zwischen Mobilfunkdiensten in nichtöffentlichen Funknetzen, die dem internen Verkehr besonderer Teilnehmergruppen (wie Polizei, Militär, Feuerwehr, Rettungsdienst, Taxiunternehmen u.ä.) dienen, und den jedermann zugänglichen Mobilfunkdiensten in öffentlichen Netzen (Mobiltelefone in Funktelefonnetzen, Funkrufdienst [Eurosignal, Cityruf] , schnurlose Telefone u.a.).
In Deutschland nahm der öffentliche Mobilfunk seinen Ausgang im Jahre 1926, als von der Deutschen Reichsbahn ein Funktelefondienst in fahrenden Zügen (zunächst zwischen Hamburg und Berlin) angeboten wurde. Die Gespräche wurden damals von den Zügen auf die parallel zur Fahrstrecke verlaufenden Fernsprechleitungen, d.h. nur wenige Meter über Funk übertragen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Bundesrepublik Deutschland mit immer verbesserter Technik mehrere Funktelefonnetze aufgebaut: A-Netz, erstes Mobiltelefonnetz, bestehend aus mehreren Teilnetzen (A1, A2, A3, A4), manuelles Funknetz im 160 MHz-Bereich, Aufbau ab 1958; B-Netz (B1/B2-Netz), automatisches Mobiltelefonnetz im 160 MHz-Bereich, Inbetriebnahme des B1-Netzes 1972, Erweiterung zum B2-Netz 1980; C-Netz, Mobiltelefonnetz im 450 MHz-Bereich, Probebetrieb: 1. 9. 1985, Inbetriebnahme: 1. 5. 1986. Über dieses Netz können neben Sprache auch Bilder (über Fernkopierer) oder Daten (z.B. über einen Laptop) übertragen werden; D-Netz, Bezeichnung der Bundesrepublik für das paneuropäische digitale GSM (Abk. für engl.: Global system for mobile communications)-Mobiltelefonsystem im 900 MHz-Bereich, das sowohl von der Deutschen Bundespost (D1-Netz) als auch von der Mannesmann Mobilfunk GmbH (D2-Netz) betrieben wird, Inbetriebnahme beider Netze: 1. 7. 1991. Vorteile des D-Netzes gegenüber dem C-Netz sind grenzüberschreitende Einsetzbarkeit, effizientere Frequenzausnutzung, höhere Teilnehmerkapazität, Abhörsicherheit durch digitale Verschlüsselung, Kompatibilität zum ISDN.

Das erste Unternehmen, das Autoradios industriell herstellte, war die Rundfunkfirma "Storage Battery Co." in Philadelphia (Pa.). Sie brachte 1927 den "Philco Transitone" auf den Markt.

1927 schlossen sich erstmals nationale bibliothekarische Vereinigungen zu einem internationalen Verband, der "International Federation of Library Associations (IFLA)" zusammen. Die IFLA hielt ihren ersten Weltkongreß 1929 in Rom und Venedig ab. (Heute sind Mitglieder der IFLA außer nationalen bibliothekarischen Vereinen und Verbänden auch einzelne Bibliotheken und Einrichtungen des Bibliothekswesens [Ausbildungsstätten u.ä.].)

Die von dem deutschen Physiker Arthur Korn entwickelte Bildtelegrafie (1904) wurde von dem deutschen Physiker August Karolus (* Reihen [heute zu Sinsheim] 1893, † Zollikon 1972) vervollkommnet, indem er die von ihm 1923 erfundene Kerr-Zelle (eine Vorrichtung zur nahezu trägheitslosen Umwandlung elektrischer Spannungsschwankungen in Lichtschwankungen) als Lichtsteuerzelle für Bildtelegrafen nutzbar gemacht hatte. Nach dem von Karolus in Zusammenarbeit mit den Firmen Siemens und Telefunken entwickelten BildtelegrafieSystem und nach einem Probelauf 1925 auf der Strecke Berlin - Leipzig über Postleitungen fand am 1. Dezember 1927 die offizielle Eröffnung des ersten regelmäßigen Bildübertragungsdienstes in Deutschland auf einer Leitung Berlin - Wien statt. Diese erste Bildtelegrafenlinie in Deutschland wurde mit zwei Bildtelegrammen eröffnet. Sie zeigten den deutschen Reichskanzler Wilhelm Marx und den österreichischen Bundeskanzler Ignaz Seipel mit ihren Grußworten.

Die erste (große) griechische Enzyklopädie ("Megale hellenike enkyklopaideaia") erschien in 24 Bänden in Athen 1927-1934.

Der schweizerische Volkskundler Hanns Bächtold-Stäubli (* Schaffhausen 1886, † Basel 1941) gab mit dem "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens", 10 Bde., Berlin 1927-1942, die erste volkskundliche Enzyklopädie heraus.

Am 4. Mai 1927 gelang dem schottischen Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946) die erste Fernsehübertragung über Fernsprechleitung von England (London) nach Schottland (Glasgow) (640 km).

Der amerikanische Ingenieur und Fernsehpionier Herbert Eugene Ives (* Philadelphia [Pa.] 1882, † Upper Montclair [N. J.] 1953), der 1925 ein funktionsfähiges elektromechanisches Fernsehsystem entwickelt hatte, veranstaltete mit ihm am 7. April 1927 in New York vor fünfzig Gästen die erste öffentliche Fernsehübertragung in den USA. Übertragen wurde zunächst eine Rede des Wirtschaftsministers und späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten Herbert Clark Hoover (* West Branch [Ia.] 1874, † New York 1964). Das Auditorium konnte seine Stimme über Lautsprecher hören und dabei den Sprechenden sehen. Die Sendung kam über Telefonleitung aus Washington.

Die erste Kurzwellen-Rundfunksendung nach Übersee wurde am 11. März 1927 ausgestrahlt. Die Station PCJJ der Philips-Werke in Eindhoven sendete in die niederländischen Kolonien in Ostindien ein Musikprogramm. Am 1. Juni 1927 sprach Königin Wilhelmina zu ihren Untertanen im Kolonialreich.

Nach Entwicklung der Elektronenröhre und der Verstärker erlangte zur Filmvertonung das Nadeltonverfahren (Ton von der Schallplatte) mit Wiedergabe über Lautsprecher vorübergehend Verbreitung. Durch ein in den Laboratorien der Bell Telephone Company, New York, 1926 entwickeltes Verfahren zur Filmvertonung unter Verwendung von Langspielplatten wurde dem Tonfilm zum Durchbruch verholfen.
Die amerikanische Filmgesellschaft Warner Brothers Pictures Inc., kurz Warner Bros., New York, (1913 gegründet von den Brüdern Harry Morris Warner [* 1881, † 1958] und Jack L. Warner[* 1892, † 1978]) produzierte nach der neuen, nun "Vitaphon" genannten Technik als ersten Tonfilm "The Jazz Singer" mit dem Negerimitator-Sänger Al Jolson in der Hauptrolle. Die Premiere des Films am 6. Oktober 1927 in New York gilt als Beginn des Tonfilm-Zeitalters.
Der Nadelton nach dem Vitaphon-Verfahren verbreitete sich rasch. Zugleich war aber schon der Lichtton aufgekommen, so daß beide Verfahren heftig mieinander konkurrierten.

Als erste deutsche Wochenzeitschrift im Zeitungsformat wurde "Die Grüne Post" 1927 im Ullstein-Verlag, Berlin, gegründet. Sie wurde zunächst von dem Schriftsteller und Publizisten Richard Katz (* Prag 1888, † Locarno 1968), später von dem Schriftsteller Ehm Welk (* Biesenbrow [Kr. Angermünde] 1884, † Bad Doberan 1966) geleitet. Das Blatt ist 1944 erloschen.

"Television" war der Titel der ersten Fernsehzeitschrift der Welt, die in New York 1927-1929 erschien.

Die erste Zeitschrift für Miniaturbuchsammler (Miniaturbuchfreunde) war "The Newsletter of the LXIV mos", Brooklin (Mass.) u.a. 1927-1929. Sie war das Berichtsorgan des Clubs der LXIV, einer losen Vereinigung amerikanischer Miniaturbuchfreunde.

In den USA wurde das erste vollelektronische Fernsehsystem von dem amerikanischen Erfinder Philo Taylor Farnsworth (* bei Beaver City [Ut.] 1906, † Provo [Ut.] [?] 1971) in Los Angeles entwickelt. (Patentanmeldung: 7. 1. 1927; Patenterteilung: 26. 8. 1930.) Seine Patente auf dem Gebiet des Fernsehens wurden 1939 der Radio Corporation of America (RCA), New York, übertragen.

Dem schottischen Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946) gelang 1927 auch auf dem Gebiet der Bildspeicherung eine Pioniertat: Indem er sich an der Schallplatte als Trägermedium für die Speicherung von Schallsignalen orientierte, nahm er mit einem nicht-photographischen Verfahren, das er "Phonovision" nannte, 30-Zeilen-Fernsehbilder auf Schellackplatten auf. Die Platten spielte er mit 78 Umdrehungen pro Minute über seinem Fernsehgerät "Televisor" ab.
Durch die rasche Entwicklung der Fernsehtechnik veraltete Bairds Methode sehr bald. Doch wurde die Idee mit Bildern auf Platte weiterhin verfolgt.

1927 kamen in den USA die ersten vollelektronisch betriebenen Musikboxen auf den Markt, die nach Einwurf von entsprechenden Geldmünzen und Betätigung einer Tastatur o.ä. zur Wahl Schallplatten mit Unterhaltungsmusik automatisch abspielten. Mit der Einführung von elektrostatischen Lautsprechern wurde die Musikbox endgültig modernsten Ansprüchen gerecht. "Juke Box" (Jukebox) nannten die Amerikaner im Jargon einen solchen Musikroboter, der bald in jeder Gaststätte, Kneipe u.ä. aufgestellt wurde.
1934 setzte die Massenproduktion ein. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es in den Vereinigten Staaten bereits über 300 000 Musikautomaten. In der Bundesrepublik Deutschland begann in den fünfziger Jahren die Jukebox sich von Hamburg aus durchzusetzen.

Aufgrund eines Vertrages zwischen der amerikanischen Gesellschaft Brunswick-Balke-Collander Company und der Deutschen Grammophon AG kamen seit 1927 auch in Deutschland die ersten elektrischen Plattenspieler zum Verkauf.

Der amerikanische Flieger Charles Augustus Lindbergh (* Detroit [Mich.] 1902, † auf Maui [Hawaij ] 1974) überquerte am 20./21. Mai 1927 mit seinem einmotorigen Flugzeug "Spirit of St. Louis" im Alleinflug nonstop als erster den Atlantischen Ozean von New York nach Paris in 33,5 Stunden.

Der erste gewerblich hergestellte Fernsehempfänger wurde von der Daven Corporation in Newark (N. J.) in der Juli-/Augustausgabe des Jahres 1928 der Zeitschrift "Television" (New York) zum Preis von 75 Dollar angeboten.

In Deutschland entwickelten das mechanische Fernsehen fast zur gleichen Zeit der deutsche Physiker August Karolus (* Reihen [heute zu Sinsheim] 1893, † Zollikon 1972) (Vorstellung seines Systems 1925) und der seit 1925 in Berlin lebende ungarische Ingenieur Dénes von Mihály (* 1894, † 1953), der mit Hilfe eines oszillographischen Bildzerlegers bereits am 7. Juli 1919 in Budapest bewegliche Schattenbilder über eine fünf Kilometer lange Leitung übertragen hatte. Mit der Vorstellung des Systems Karolus und des Systems Mihály auf der Berliner Funkausstellung 1928 wurde das Fernsehen in Deutschland erstmals der Allgemeinheit vorgeführt.

In Deutschland war einer der ersten privaten Fernsehgerätbesitzer bereits 1928 der Weinhändler Paul Kressmann in Berlin.

Am 8. Februar 1928 gelang dem schottischen Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhillon-Sea 1946) die erste internationale Fernsehübertragung und zugleich die erste über den Atlantik. Das Fernsehbild einer Puppe (oder, verschiedenen Angaben zufolge, sein eigenes oder das einer gewissen Mrs. Mia Howe) ging von London aus nach New York. Zwei Mitarbeiter Bairds und ein Vertreter der Nachrichtenagentur Reuter bestätigten den einwandfreien Empfang über ca. 6000 km per Funk.

In Amerika begannen die ersten regelmäßigen Fernsehversuchssendungen am 11. Mai 1928 mit dem Sender WGY, den die Firma General Electric Company, New York, in Schenectady (N. Y.) eingerichtet hatte. Der Sender arbeitete nach einem von dem schwedischen Hochfrequenztechniker Ernst Frederik Werner Alexanderson (* 1878, † 1975) entwickelten System mit mechanischer Bildabtastung. (Die Sendezeiten waren jeweils Dienstag, Donnerstag und Freitag von 13.30 bis 14.00 Uhr.)

Die ersten Fernsehnachrichten über ein aktuelles Thema wurden am 22. August 1928 in den USA ausgestrahlt. Es ging um die Nominierung von Alfred Emanuel Smith (* New York 1873, † ebd. 1944) zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Der Bericht wurde in Albany (N. Y.) aufgenommen und von der WGY-Station in Schenectady (N. Y.) gesendet.

Das erste Fernsehspiel der TV-Geschichte wurde am 11. September 1928 von der WGY-Station der General Electric in Schenectady (N. Y.) ausgestrahlt. Es war das Theaterstück "The Queen's Messenger" von J. Hartley Manners in der Fernsehbearbeitung von Mortimer Stewart (Dauer: 40 Minuten).

Der erste, der farbige Fernsehbilder übertragen konnte, war der Schotte John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhill-on-Sea 1946). In einer ersten Test-Farbfernsehübertragung in London am 3. Juli 1928 zeigte Baird blaue und rote Tücher, einen Strauß roter Rosen, einen Polizeihelm, ein glühendes Zigarettenende und schließlich einen Mann, der seine Zunge heraustreckte. Baird machte die Nipkow-Scheibe sowie rotierende rote, blaue und grüne Filter zur Basis seines Farbfernsehsystems.

Die von dem amerikanischen Erfinder George Eastman (* Waterville [N. Y.] 1854, † Rochester [N. Y.] 1932) in Rochester (N. Y.) 1880 gegründete Eastman Kodak Co. entwickelte 1928 unter der Bezeichnung "Recordak" das (industrielle) Verfahren der Mikroverfilmung, mit dem Dokumente photographisch stark verkleinert werden können. Da bei der Archivierung von mikroverfilmtem Schriftgut eine Raumeinsparung bis zu 98% möglich ist, werden Mikroformen zunehmend in Archiven, Bibliotheken u.ä. verwendet. (So stellte die 1835 gegründete amerikanische Tageszeitung "The New York Herald Tribune" als eine der ersten Zeitungen 1935 ihr Archiv mit den 100 ersten Jahrgängen des Blattes, das einen Raum von über 5000 Kubikmetern beansprucht hatte, auf Mikrofilm [Rollfilm] um und kam nun mit einem normalen Bücherschrank aus.)

Ein ideenreicher Außenseiter der Technik mit Namen Fritz Pfleumer aus Dresden verwendete nicht mehr wie der dänische Physiker Valdemar Poulsen (1898) einen magnetisierbaren Draht, sondern erstmals ein magnetisierbares Band als Tonträger für die magnetische Schallaufzeichnung. Pfleumer kam aus der Buntpapierbranche, experimentierte mit Papieren, Pulvern, Magneten und Verstärkern und ließ sich 1928 seine magnetisierbaren Papierbänder patentieren. Mit seiner Erfindung hatte er das erste Tonband (Magnettonband) geschaffen.

Die amerikanische Filmgesellschaft "Twentieth Century Fox-Film Corporation (Abk.; 20th Century Fox)", Los Angeles (Calif.), produzierte die erste tönende Wochenschau ("Fox-Movietone-News"), die in den USA (regelmäßig) ab 1928 bis 1963 (in Deutschland 1930-1940 als "Fox tönende Wochenschau") gezeigt wurde.

Telefongespräche über den Atlantik hinweg wurden erstmals 1928 möglich, als man zu diesem Zweck eine drahtlose Verbindung zwischen London und New York einrichtete.
Zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wurde der Telefonverkehr am 10. Februar 1928 eröffnet. Sämtliche Orte in den USA waren anfangs nur von Berlin, Frankfurt/M. und Hamburg, ab 19. März 1928 auch von Bremen, Düsseldorf, Köln und Mannheim zu erreichen. Dabei konnte jeweils immer nur ein einziges Gespräch geführt werden, das zudem lange vorher beim Fernmeldeamt angemeldet werden mußte. Das Amt setzte sich über Kabel mit dem Fernsprechamt in London in Verbindung. Nächste Station war Rugby in Warwickshire (Mittelengland), eine Funkstation nach Übersee. Die amerikanische Empfangsstation in Houlton im US-Staat Maine war über Kabelleitungen mit dem zentralen Amt in New York verbunden, welches schließlich für den Kontakt mit dem amerikanischen Teilnehmer sorgte. Für den Fernsprechverkehr von den USA nach Deutschland gab es eine andere Funkstrecke.

Im Oktober 1928 flog zum erstenmal das Luftschiff "Graf Zeppelin" (LZ 127) mit 64 000 Postsendungen an Bord über den Ozean nach Amerika.

1929 gelang dem Amerikaner Herbert Eugene Ives (* Philadelphia [Pa.] 1882, † Upper Montclair [N. J.] 1953) (unter Benutzung der Nipkow-Scheibe) die Übertragung eines Farbfernsehbildes von New York nach Washington. (Im Gegensatz zu John Logie Baird, der die drei Farbauszüge Rot, Blau, Grün in schneller Folge nacheinander [sequentiell] verarbeitete [1928], gab Ives die Farben gleichzeitig [simultan] wieder.)

Am 30. September 1929 begann der britische Fernsehpionier John Logie Baird (* Helensburgh 1888, † Bexhillon-Sea 1946) bei der British Broadcasting Corporation (BBC) in London mit regelmäßigen Fernsehversuchsübertragungen für die Öffentlichkeit.

Angeregt durch die Fernsehvorführungen auf der Berliner Funkausstellung 1928, vor allem durch Dénes von Mihály, richtete das Reichspostzentralamt in Berlin 1928 ein Forschungslaboratorium für Fernsehtechnik ein und begann vom September 1929 an über den Sender Witzleben (Berlin) mit der regelmäßigen Ausstrahlung von Versuchssendungen (auf Langwellen und ab 1930 auch auf Ultrakurzwellen).
1934 nahm die Reichsrundfunkgesellschaft die technische Entwicklung auf (Ende 1930 war in Berlin der Fachwelt das erste vollelektronische Fernsehbild vorgestellt worden) und strahlte gemeinsam mit der Post Versuchsprogramme aus. Das Programm bestand zunächst aus Dias und kurzen Stummfilmen, später wurden auch Filme mit Ton übertragen.

Die erste amerikanische Wirtschaftszeitung erscheint u.d.T. "Business Week" seit 1929 in Greenwich (Conn.).

Der erste in Deutschland gedrehte Tonfilm (Spielfilm) war "Die Nacht gehört uns" (Regisseur: Carl Froelich [* Berlin 1875, † ebd. 1953]), der am 23. Dezember 1929 in Berlin uraufgeführt wurde.

Der erste Breitwandspielfilm ("The Fox Movietone Follies") wurde von der amerikanischen Filmgesellschaft "Twentieth Century Fox-Film Corporation (Abk.: 20th Century Fox)", Los Angeles (Calif.), (nach einem ähnlichen Verfahren wie "Cinéorama [1897]) hergestellt. Er wurde im September 1929 in New York in einem Filmtheater am Broadway auf einer 8 x 4 m großen Filmleinwand uraufgeführt.

Das erste magnetische Tonaufzeichnungsgerät, bei dem ein Stahlband anstelle eines Stahldrahtes (wie noch von Valdemar Poulsen [1898]) verwendet wurde, war das "Blattnerphone", das der Engländer E. Blattner 1928/1929 erfunden hatte und das er 1929 auf den Markt brachte.
Ihm lagen die Patente zugrunde, die er von dem deutschen Physiker Curt Stille (* Hannover 1873, † Berlin-Köpenick 1957) erworben hatte. (Stille, eine der aktivsten Persönlichkeiten auf dem Gebiet des Magnettons, hatte u.a. ein Magnettongerät mit Verstärker und Entzerrer ["Daylygraph"]und ein ausgereiftes Magnettondiktiergerät ["Textophon"] entwickelt.)
Das Blattnerphone leistete der staatlichen englischen Rundfunkgesellschaft BBC wertvolle Dienste. 1932 wurde die Weihnachtsansprache König Georg V. mit dem Gerät aufgenommen und von der BBC gesendet. Anfang 1933 richtete die BBC eine eigene Abteilung für Tonbandprogramme ein. Auch in Deutschland fand die "Stahltonmaschine" Anwendungsgebiete z.B. für Reportagen aus dem Freiluftballon, einem Bergwerk u.ä. An Musikwiedergabe war zu dieser Zeit jedoch noch nicht zu denken.

Das erste Aktualitätenkino (Filmtheater mit [durchgehend laufendem]aus Kurzfilmen verschiedener Art gemischtem aktuellem Programm, Kurzwort: Aki) war das Embassy am New Yorker Broadway, das am 2. November 1929 eröffnet wurde.

1930 hatte der deutsche Physiker Manfred von Ardenne (Hamburg 1907) in Berlin einen (erstmals von dem Russen Wladimir Kosma Zworykin[* 1889, † 1982]vorgeschlagenen) elektronischen Leuchtfleckabtaster erstmalig realisiert, den er in der Fernsehtechnik sowohl zur elektronischen Bildabtastung als auch zur elektronischen Bildwiedergabe benutzte.
Am 14. Dezember 1930 führte er einigen Fachleuten das erste elektronische Fernsehbild in Europa vor.

Die erste Fernsehwerbung - die Vorstellung einer Spezial-Dauerwelle für Damen durch die Londoner Firma "Messrs. Eugène Ltd." anläßlich einer Friseurmesse in London wurde zwischen dem 5. und 13. November 1930 auf den englischen Bildschirmen ausgestrahlt.

Nach der Erfindung der Photographie versuchte man, sie auch für den Satz von Texten nutzbar zu machen, was zur Entwicklung der Photosetzmaschine führte. Die Maschine liefert einen Schriftsatz, bei dem die Schriftzeichen nicht wie im Bleisatz als körperliche Buchstaben aneinandergereiht, sondern als Abbildung negativ oder positiv auf einen Film oder ein Photopapier übertragen werden (Photosatz).
Die erste zur Serienreife gediehene Photosatzapparatur war die von dem ungarischen Photographen Edmond Uher (* 1892) um 1930 entwickelte "Uhertype".
Weitere wesentliche Entwicklungen erfolgten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die ersten Anlagen erreichten, lochkartengesteuert, Setzleistungen von bis zu 20 000 Buchstaben je Stunde. 20 000 bis 50 000 Buchstaben stündlich leisten die elektronisch gesteuerten Photosetzmaschinen, die ab Mitte der 1950er Jahre Eingang in die Praxis fanden.

Konnten die ersten farbigen Kinofilme nur zweifarbig produziert und vorgeführt werden, so entwickelte die Technicolor Inc., Boston (Mass.), (nach ihrem Zweifarbenverfahren [1917]) 1930 ein Verfahren, das drei Grundfarben und damit (über entsprechende Farbmischungen) alle Farben wiedergab.
Als erster setzte Walt Disney (* Chicago [Ill.] 1901, † Burbank [Calif.] 1966) diese neue Technik für seine Zeichentrickfilme ein. Aber erst 1935 wurde mit "Becky Sharp" (Regisseur: Rouben Mamoulin[* Tiflis 1897, † Los Angeles, Calif., 1987]) in Hollywood der erste große dreifarbige Technicolor-Kinofilm gedreht.

Nach ersten Experimenten mit Ultrakurzwellen (Abk.: UKW), elektromagnetischen Wellen mit Wellenlängen von 1 bis 10 m bzw. Frequenzen von 300 bis 30 MHz, durch den italienischen Funkpionier Guglielmo Marconi (* Bologna 1874, † Rom 1937) im Jahre 1917 und nach ihrer systematischen Erforschung seit etwa 1923 setzte ihre technische Anwendung in der Funktechnik (Rundfunk, Fernsehen) um 1930 ein. Doch erhielt die Ultrakurzwellentechnik mit ihrer hohen Übertragungsqualität erst ab 1949 größte Bedeutung für die Unterhaltungselektronik (Hör- und Fernsehfunk).

In Deutschland wurde 1930 die Trägerfrequenztelefonie von der Firma Siemens, Berlin, unter der Leitung ihres Wissenschaftlers Hans F. Mayer (* 1895, † 1980) zum ersten brauchbaren System ausgearbeitet. Mit ihm war man 1930 in der Lage, die Übertragungsleistung des 160 km-Seekabels zwischen Stralsund und Malmö zu verdoppeln.

Das erste Fernsehinterview fand am 29. April 1930 auf der Ausstellung "Ideal Home" in Southampton statt. Die Schauspielerin Peggy O'Neil wurde von dem Kolumnisten des "Southern Daily Echo" interviewt.

Die erste litauische Enzyklopädie war die "Lietuviska enciclopedija", 9 Bde., Kaunas 1931-1944.

Die American Telephone and Telegraph Company (Abk.: AT & T), New York, die größte private Telefongesellschaft der Erde, führte 1931 das erste Fernschreibsystem ein, bei dem die Teilnehmer die Geräte bei sich aufstellen konnten. Durch eine Zentrale wurden sie mit dem gewünschten Teilnehmer verbunden und konnten diesem die Nachricht direkt übermitteln. Ab 1932 entstanden in Europa ähnliche Systeme.

In Deutschland wurde das elektronische Fernsehen von dem Physiker Manfred von Ardenne (* Hamburg 1907) eingeführt. Im Herbst 1931 fand auf der Berliner Funkausstellung (nach dem Ardenne-System) die erste öffentliche Vorführung ("Weltpremiere") des elektronischen Fernsehens statt.

René Barthélémy (* 1889, † 1954), Ingenieur und Frankreichs Fernsehpionier, arbeitete seit 1928 an einem mechanischen Fernsehsystem, das er am 14. April 1931 in Paris 3000 Zuschauern vorführte. Es war die erste Fernseh-Bild-Ton-Übertragung in Frankreich.

Bei der Entwicklung der Langspielplatte wurde auch die Möglichkeit verfolgt, die Spieldauer einer Schallplatte durch Herabsetzung ihrer Umdrehungsgeschwindigkeit zu verlängern. So wurde am 17. September 1931 die erste für die Öffentlichkeit bestimmte Langspielplatte mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute im Savoy Plaza Hotel in New York vorgestellt.
Die Platte und der dazugehörige Plattenspieler wurden von der amerikanischen Firma RCA-Victor Company Inc. auf den Markt gebracht.
Im November 1931 erschien die erste Langspielplatte mit Beethovens 5. Sinfonie, gespielt vom Sinfonie-Orchester von Philadelphia (Pa.) unter Leitung von Leopold Stokowski. Es war die erste Schallplatte, die ein ganzes Orchesterwerk enthielt.
Das RCA-Victor-Projekt scheiterte aber bald, was wahrscheinlich am Preis lag. Der Plattenspieler mit eingebautem Radio kostete zwischen 250 und fast 1000 Dollar.

Die erste deutsche mathematische Referatezeitschrift ist das international über Fortschritte auf dem Gebiet der Mathematik und ihrer Grenzgebiete berichtende "Zentralblatt der Mathematik und ihre Grenzgebiete. Mathematics abstracts", Berlin 1931 ff.

Der Richtfunk, die drahtlose Nachrichtenübertraung durch gerichtete Abstrahlung und gerichteten Empfang sehr kurzer elektromagnetischer Wellen, wurde in den 1930er Jahren entwickelt. Er wird u.a. dort eingesetzt, wo sich das Auslegen von Kabeln als schwierig, wenn nicht gar als unmöglich erweist (Gebirge, Sumpfgebiet u.ä.). Die Entwicklung der Richtfunktechnik war gekennzeichnet durch Anwendung immer höherer Frequenzen, die heute im Dezimeterwellen- (300-3000 Hz) und Zentimeterwellenbereich (3-30 GHz) liegen, sowie durch steigende Zahl der gleichzeitig benutzten Nachrichtenkanäle (Hörfunk, Fernsehen, Fernsprechen, Datenfernübertraung). Eine Richtfunkstrecke besteht aus zwei Endstellen (Sender und Empfäger), die entweder direkt (bis etwa 60 km Entfernung) oder meistens über Relaisstationen mit stark gebündelten Funkwellen verbunden werden. Von den Relaisstationen werden die elektromagnetischen Wellen entweder nur umgelenkt (passive Relaisstationen) oder aufgefangen, verstärkt, auf eine andere Frequenz umgesetzt und wieder ausgesendet (aktive Relaisstationen).
Ein wesentlicher Teil des Richtfunkverkehrs wird heute über Nachrichtensatelliten als aktive Relaisstationen abgewickelt.
Die erste öffentliche Demonstration einer (als Telefon und Fernschreibverbindung vorgesehenen) Richtfunkstrecke fand am 31. März 1931 zwischen Calais und Dover über eine Entfernung von 40 km statt.

Die erste Sportveranstaltung im Fernsehen fand am17. Februar 1931 in Japan statt. Unter der Leitung des Japaners Dr. Yamamoto Tadaoki wurde ein Baseballspiel des Waseda University Baseball Club in Tokio über Kabel in das elektrotechnische Laboratorium der Waseda-Universität übertragen und war auf einem quadratischen Bildschirm mit rd. 90 cm Seitenlänge zu bewundern.

Die erste türkische Enzyklopädie u.d.T. "Hayat Ansiklopedisi" begann in Istanbul 1932 zu erscheinen.

Die erste Fernsehserie hieß "The Wide World Review", die von der Columbia Broadcasting Station W2XAB in New York vom 15. August bis 12. Dezember 1932 jeweils am Montagabend in 25minütigen Episoden mit fortlaufender Handlung ausgestrahlt wurde.

Die Firma Agfa AG, Leverkusen, brachte 1932 den ersten Farb-Diapositivfilm (Agfacolor-Farbrasterfilm für Dias) auf den Markt.

Der österreichische Ingenieur Gustav Tauschek (* 1899, † 1945) konstruierte 1932 für die Datenverarbeitung in Anlehnung an das Magnettonverfahren (1898) den ersten Magnettrommelspeicher als Informationsträger auf magnetischer Grundlage. Er bestand aus einem mit hoher Geschwindigkeit rotierenden Zylinder (Trommel), auf dessen in Spuren eingeteilten Mantel eine magnetisierbare Schicht aufgetragen war. Jeder zu beschreibenden Spur war in geringem Abstand von der Trommel ein in seiner Lage nicht veränderlicher Magnetkopf zum Schreiben und Lesen zugeordnet. Die Speicherkapazität war abhängig vom Durchmesser des Zylinders, der Anzahl der Spuren, der Umdrehungsgeschwindigkeit u.a.

Das erste stereophonische Tonverfahren beim Film, das ein räumliches Hören ermöglichte, wurde 1932 den französischen Filmproduzenten Abel Gance (* Paris 1889, † ebd. 1981) und André Debrie patentiert.
Der erste stereophonische Tonfilm war eine Wiederaufnahme des von Gance im Breitwandverfahren produzierten achtstündigen stummen Epos "Napoléon Bonaparte" von 1927, das unter Hinzufügung von Dialogen und Klangeffekten in Stereo in Paris 1935 aufgeführt wurde.

Die erste Stereoschallplatte der Welt (Schallplatte, die ein räumliches Hören ermöglicht) wurde nach einem von dem englischen Wissenschaftler Alan Dower Blumlein (* 1903, † 1942) entwickelten stereophonischen Aufzeichnungsverfahren (britisches Patent vom 14. 12. 1931) von der Electric and Musical Industries Ltd. (EMI), Hayes (Middlesex), 1932 geschnitten. Für eine Vermarktung dieser Erfindung war jedoch die Zeit noch nicht reif.

Der erste Versuch, akademische Bildung über das Medium Fernsehen zu vermitteln, wurde von der Columbia Broadcasting Station W2XAB am 5. Februar 1932 unternommen. Dr. Ernst von Nardoff, Direktor der Stuyvesant High School in New York, führte im Studio als physikalische Belehrung einige Experimente mit flüssigen Gasen vor. Diese Sendung war Teil eines regelmäßigen Fernsehprogramms der CBS (Columbia Broadcasting System Inc.), New York.

Die erste Meinungsumfrage für den Rundfunk wurde am 27. Juni 1932 von Ted Husing von der CBS (Columbia Broadcasting System Inc.), New York, durchgeführt. Husing befragte im Foyer des "Congress Hotel" in Chicago (Ill.), wo die demokratischen Delegierten tagten, die Umstehenden über die Nominierungsaussichten Franklin D. Roosevelts als Präsidentschaftskandidaten.
(Franklin Delano Roosevelt [* Hyde Park, N. Y., 1882, † Warm Springs, Ga., 1945 ]wurde 1932 zum 32. Präsidenten der USA [1933-1945] gewählt.)

Das erste Comic book wurde 1933 u.d.T. "Funnies on Parade" von der Eastern Color Co., Waterbury (Conn.), veröffentlicht. Es war jedoch nicht im Handel erhältlich, sondern diente nur als Werbegeschenk großer Industriefirmen.

Nachdem die Berliner Firma Siemens & Halske einen auf der Grundlage ihres Tastenschnellschreibers und des in den USA entwickelten Springschreibers (beide 1914) konstruierten mechanischen Fernschreiber vorgestellt hatte, nahm die Deutsche Reichspost 1933 mit den Siemens-Geräten zwischen Berlin und Hamburg das Fernschreiben als öffentlichen Dienst mit Selbstwählbetrieb auf. Bei der Eröffnung des Telex- (Abk. für engl.: Teleprinter exchange - Fernschreiberaustausch) Dienstes, damals noch "Öffentlicher Fernschreibdienst" genannt, waren 13 Teilnehmer in Berlin und 8 Teilnehmer in Hamburg angeschlossen.

Die erste kommerzielle Richtfunkstrecke wurde 1933 zwischen Lympne in England und St. Inglevert in Frankreich eingerichtet.

Die erste Zeitschrift für Ökonometrie wurde von der "Econometric Society", einer Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftstheorie in ihrer Beziehung zur Statistik, die sich 1930 in Cleveland (Oh.) konstituierte, u.d.T. "Econometrica" gegründet. Sie erscheint seit 1933 in Menasha (Wis.).

Autokinos (Freilichtkinos, engl.: Drive-in-movies) haben nach Rängen gegliederte Parkplätze (für 200-1000 Wagen), von denen man im Auto sitzend die Filmvorführung auf der Leinwand verfolgen kann. Für je zwei Autos ist ein Lautsprecheranschluß vorhanden. Das Drive-in-movies ist vor allem in den USA verbreitet. Das erste Autokino wurde am 6. Juni 1933 auf einem 40000 m2 großen Gelände in Camden (N. J.) gegründet. (Das erste Autokino Deutschlands wurde 1960 bei Frankfurt/M. eröffnet.)

Das erste periodisch erscheinende und an den Zeitungskiosken verkaufte Comic book (Comic-Heft) hieß "Famous Funnies" und wurde von der Eastern Color Co., Waterbury (Conn.), ab 10. Mai 1934 zum Preis von 10 Cent herausgegeben.

Als erste deutsche Fernsehansagerin wurde die deutsche Schauspielerin Ursula Patzschke von der Deutschen Reichspost gegen Ende 1934 engagiert, um das seit 1. März des Jahres täglich laufende Fernsehversuchsprogramm anzusagen. (1935 stellte die Reichspost als zweite Ansagerin Annemarie Beck ein. Die Berufsbezeichnung "Fernsehansagerin" gab es damals noch nicht. So wurden die Damen zu "Postfacharbeiterinnen" erklärt, die in Sendepausen auch mit Filmeschneiden und -kleben beschäftigt wurden.)

Als in den 1930er Jahren die ersten Fernsehsendungen ausgestrahlt wurden, stellte man fest, daß die Übertragung sehr breitbandige Kabel erforderte, d.h. daß deren Kapazität im MHz-Bereich liegt im Unterschied zu den herkömmlichen schmalbandigen Fernschreib-, Fernsprech- und Hörfunkübertragungen mit mehreren kHz Bandbreite. In diesem Zusammenhang wurde nach 1930 das Koaxialkabel entwickelt, das aus einem zylindrischen 5 mm starken Innenleiter und einem tubenförmigen Außenleiter von 18 mm Durchmesser bestand.
Der erste Einsatz eines Koaxialkabels in Deutschland erfolgte im September 1934 innerhalb Berlins. Über dieses 11,5 km lange Kabel (zwischen dem Reichspostzentralamt und dem posteigenen Fernsehlaboratorium) konnten neben einer Fernsehsendung gleichzeitig 200 Ferngespräche übertragen werden.
(Heute besitzen Koaxialkabel ein oder mehrere koaxiale Leiterpaare. Über ein Koaxialpaar können[mit international genormter Stärke des Innenleiters: 2,6 mm, des Außenleiters: 9,5 mm]gleichzeitig mehrere Fernsehsendungen oder bis zu 10 800 Telefongespräche übertragen werden. Auf Fernstrecken eingesetzte Kabel haben bis zu 12 Koaxialkabel, was einer Kapazität von mehr als 64 000 Telefongesprächen oder bis zu 30 Fernsehsignalen entspricht.)

Die erste im Fernsehen gesendete Oper war eine konzertante Aufführung von Georges Bizets "Carmen" mit einem Drei-Mann-Orchester. Die Ausstrahlung erfolgte am 6. Juli 1934 von der BBC (British Broadcasting Corporation). Die Sendezeit betrug nur 45 Minuten.

Die erste regelmäßige Transatlantik-Luftpostbeförderung wurde von der Deutschen Lufthansa am 3. Februar 1934 zwischen Berlin und Buenos Aires eingeführt. Die Zustellungszeit betrug vier Tage. (Mit der Ausweitung des internationalen Flugverkehrs entstanden Luftpostverbindungen in alle Teile der Welt.)

 


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Last update: 2. May 2000 © by Walther Umstaetter