Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993

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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

1870-1899

Der niederländische Pfarrer und Schriftsteller Anthony Winkler Prins (* 1817, † 1908) begründete mit seiner auf der Grundlage von Brockhaus-Material geschaffenen "Winkler Prins Geillustreerde Encyclopaedie", 16 Bde., Amsterdam 1870-1882, das niederländische Großlexikon. Diese (zwischenzeitlich neu konzipierte) erste große niederländische Enzyklopädie erscheint bis heute.

Während der Belagerung von Paris durch die Preußen 1870/1871 ließ man zur Postbeförderung Ballons mit Briefen aus Paris aufsteigen. Die erste Postsendung dieser Art startete am 23. September 1870. So wurden diese "Par ballon monté"-Briefe zur ersten Luftpost (Postbeförderung auf dem Luftweg) überhaupt.

Die Mikroverfilmung, die stark photographische Verkleinerung von Dokumenten, wurde erstmals zur Nachrichtenübermittlung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 praktisch angewandt: Zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen der von den Preußen belagerten Stadt Paris und dem unbesetzten Frankreich hatte der Franzose René Prudent Patrice Dagron (* 1819, † 1900), der sich schon seit fünf Jahren mit der Herstellung stark verkleinerter photographischer Abbildungen beschäftigt hatte, eine Brieftaubenpost eingerichtet. Amtliche und private Nachrichten wurden für ein klares Schriftbild erst gedruckt und dann auf ein Hundertstel verkleinert; durch Projektion konnten sie wieder lesbar gemacht werden. Jede Taube konnte pro Flug Mikrofilme mit 60 000 bis 80 000 Depeschen zu je 20 Wörtern mitnehmen. Für den Nachrichtenrücklauf waren Verkleinerungsstationen in Bordeaux und Tours eingerichtet. Auf diese Weise wurden während der Belagerungszeit (19. 9. 1870 - 28. 1. 1871) Hunderttausende von Nachrichten befördert. Danach geriet die Mikroverfilmung für Jahrzehnte in Vergessenheit.

In Deutschland wurde die Postkarte von der Postverwaltung des Norddeutschen Bundes zusammen mit jener Bayerns, Württembergs und Badens vom 1. Juli 1870 an als "Correspondenzkarte" eingeführt; vom 1. März 1872 an wurde sie Postkarte genannt.

Die Karte hatte anfangs ein Format von 10,8 x 16,3 cm. Die eine - vorgedruckte - Seite war ausschließlich für die Anschrift bestimmt; Mitteilungen durfte allein die Rückseite enthalten. Nur etwas später als die schlichte (Schrift-) Postkarte kam die gedruckte Bildpostkarte (Postkarte mit Abbildungen) auf: Am 16. Juli 1870 verschickte der 0ldenburger Hofbuchhändler und Druckereibesitzer August Schwartz die erste bekanntgewordene Bildpostkarte, eine Correspondenzkarte, deren Anschriftenseite in der linken oberen Ecke mit der Vignette eines Artilleristen mit Kanone geschmückt war. Adressat war sein Schwiegervater, der Rentner W. Berndt in Magdeburg. In den Handel ist diese erste bebilderte Karte wahrscheinlich nicht gekommen. Um 1885 kann die Bildpostkarte als eingeführt gelten.

Am 1. Februar 1905 gestattete die Post Mitteilungen auch auf der Anschriftenseite; und der damals eingeführte senkrechte Strich trennt bis heute die rechte Seitenhälfte für die Adresse ab.

So wie die Postkarte als neues Korrespondenzmedium dem Massenbedürfnis nach vereinfachtem und raschem Informationsaustausch nachkam, so erfüllte die gedruckte Bildpostkarte den Anspruch auf ein preiswertes Massenmedium visueller Kommunikation. Und trotz elektronischer Kommunikationsformen wie Telefon, Telex, Telefax und Bildschirmtext hat sich die Bildpostkarte bis heute als ein Instrument der "handvermittelten Nachrichtenübertragung" behauptet.

Nach ersten Entwicklungen eines (das geistige Eigentum eines schöpferischen Werkes schützenden) Urheberrechtsgesetzes in einigen deutschen Ländern war das erste gesamtdeutsche Urheberrechtsgesetz das am 11. Juni 1870 vom Norddeutschen Bund erlassene "Gesetz betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken, Abbildungen, musikalischen Kompositionen und dramatischen Werken" (veröffentlicht in: Bundes-Gesetzblatt des Norddeutschen Bundes [Berlin], Nr. 19 vom 20. Juni 1870). Nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde es unverändert als Reichsgesetz übernommen und ist die Grundlage der heutigen Urheberrechtsgesetzgebung.

Im Jahr 1870 führte der britische Physiker John Tyndall (* Leighlin Bridge [Irland] 1820, † Hind Head bei Haslemere [England] 1893) den Mitgliedern der königlichen Gesellschaft in London die Totalreflexion des Lichtes in einem bogenförmigen Wasserstrahl vor, d.h. er zeigte, daß Licht u.U. aus einem Wasserstrahl nicht austreten kann, sondern von ihm wie von einem Kabel von einer Stelle zu einer anderen weitergeleitet wird. Er hatte damit einen Lichtleiter entdeckt. (Eine praktische Anwendung von Tyndalls Experiment gab es erst 1955 durch den Briten Narinder S. Kapany.)

"General-Anzeiger" ist ein Titelbestandteil deutscher Tageszeitungen, der Blätter ohne parteipolitische oder richtungsbestimmte Bindung als "allgemeine" (General-) Zeitungen mit einem ausgedehnten Anzeigenteil (-Anzeiger) bezeichnet. Als Schöpfer des Generalanzeigertyps in Deutschland gilt der Aachener Verleger Josef La Ruelle, der 1871 mit dem "Aachener Anzeiger" (Aachen 28. 5. 1871 - 12. 9. 1944) den ersten General-Anzeiger gründete.

Nach Einführung des nassen Kollodiumverfahrens zur Herstellung von Glasnegativen von Frederick Scott Archer (1851) versuchte man bald, mit Trockenplatten zu arbeiten. Ihr Vorteil bestand darin, daß der Photograph nicht mehr Chemikalien und umständliche Geräte mit sich führen mußte; zudem brauchte die Trockenplatte nicht sofort entwickelt zu werden. Aber das erste erfolgreiche Verfahren ist erst dem britischen Arzt Richard Leach Maddox (* 1816, † 1902) zu verdanken, der das Kollodium durch Gelatine ersetzte und 1871 seine mit Gelatine beschichteten Trockenplatten vorstellte. Sie kamen mit Belichtungszeiten von 1/25 Sekunde aus.

Nachdem nach der Einführung des ersten deutschen Arzneibuches (1546) Pharmakopöen für größere Städte, dann für Länder entstanden waren, erschien in Berlin 1872 die erste für Deutschland einheitliche "Pharmacopoea Germanica".

Einer der Pioniere auf dem Gebiet der Photographie von Bewegungsabläufen und damit einer der Wegbereiter der Kinematographie war der britische Photograph Eadweard Muybridge (* Kingston upon Thames 1830, † ebd. 1904), der 1852 nach Amerika auswanderte. In Kalifornien bat ihn der Rennstallbesitzer Leland Stanford, mit Hilfe der Photographie eine alte Streitfrage zu lösen: ob ein Pferd beim Galopp jemals alle vier Beine gleichzeitig vom Boden abhebt. Daraufhin stellte Muybridge 1872 in einer Reitbahn nebeneinander 24 Kameras auf, deren Verschlüsse der Reihe nach durch gespannte Fäden ausgelöst wurden, die das galoppierende Pferd auf seinem Weg zerriß. (Damit konnte Muybridge beweisen, daß ein Pferd im Galopp zeitweise mit keinem seiner vier Beine den Boden berührt.) Diese Phasenbilder wurden 1878 veröffentlicht.

Muybridge baute sein erstes chronophotographisches Verfahren weiter aus, bis es ihm gelang, mit sehr kurzen Verschlußzeiten bei Menschen und Tieren schnelle Bewegungsphasen aufzunehmen.

1879 konstruierte er sein "Zoopraxiskop", mit welchem er seine Reihenphotos auf eine Leinwand projizieren konnte (Vorläufer des Filmprojektors). Für die Chicagoer Weltausstellung 1893 wurde für Muybridge eigens ein Vorführgebäude errichtet, in dem er seine Projektionen einem großen Publikum zeigen konnte. Diese "Zoopraxographical Hall" war ein Vorläufer der späteren Filmtheater.

Der Amerikaner James W. Paige aus Philadelphia (Pa.) († 1921) erfand um 1872 die erste komplett arbeitende Setzmaschine, die nicht nur setzen, sondern auch ausschließen und ablegen konnte. Doch die Maschine war derartig kompliziert (sie hatte 800 Räder und Rädchen, dazu weitere rd. 17 000 Einzelteile, die Lettern nicht mitgerechnet), und ihr Herstellungspreis ging in die Millionen Dollar, so daß sie praktisch unverwendbar blieb. Erst 1894 wurde die Paige-Setzmaschine beim "Chicago Herald" für kurze Zeit eingesetzt.

Der amerikanische Astronom Henry Draper (* Prince Edward County [Va.] 1837, † New York 1882) photographierte 1872 als erster ein Fixsternspektrum (Spektrum der Wega).

Die meist national begrenzten Buchhandelsbibliographien verzeichnen die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Handel erhältliche Buchproduktion ("Verzeichnisse lieferbarer Bücher", engl.: "books in print"). Sieht man von der besonderen, an die Einrichtung des Barsortimentes gebundene Entwicklung in Deutschland ab, so liegt ihr Ursprung in den USA und in Großbritannien, wo 1873/1874 derartige Verzeichnisse entstanden: "The publishers`trade list annual", New York 1873 ff. und "Reference catalogue of current literature", London 1874-1961. Forts.: "British books in print", London 1965 ff.

Die erste Rollenrotationsmaschine in Deutschland baute die Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg, die spätere M. A. N., für die österreichische Tageszeitung "Die Presse" (Wien). Sie lief 1873 an. (1876 kamen auch die ersten Rotationsmaschinen der Firma Koenig & Bauer auf den Markt.)

Die erste deutsche Fachzeitschrift für das Fleischergewerbe war die wöchentlich erscheinende "Allgemeine Schlächter-Zeitung. Organ für die Interessen der Schlachtkunst, des Viehhandels und der Viehzucht", Berlin 1873-1875 (Forts.: Deutsche Fleischer-Zeitung [zugleich Organ des "Deutschen Fleischer-Verbandes"' gegr. 1875], Berlin 1876 - [1. Oktober] 1922).

Der Pharmakologe Oswald Schmiedeberg (* Gut Laidsen [Kurland] 1838, † Baden-Baden 1921) gründete gemeinsam mit dem Pathologen Edwin Klebs und dem Internisten Bernhard Naunyn (* Berlin 1839, † Baden-Baden 1925) das "Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie" (ab Bd. 158; Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie, seit 1972: Naunyn-Schmiedeberg's archives of pharmacology), Leipzig, später Berlin 1873 ff., die erste deutsche Fachzeitschrift der Pharmakologie als einer selbständigen experimentellen Wissenschaft.

Die erste dampfbetriebene Straßenbahn wurde 1873 in San Francisco in Betrieb genommen.

In Deutschland wurde die erste Rotationsmaschine für den Buchdruck 1874 im Bibliographischen Institut, Leipzig, aufgestellt.

Der Buchdrucker und Journalist Christopher Latham Sholes (* Mooresburg [Pa.] 1819, † Milwaukee [Wis.] 1890) entwickelte seit 1867 eine Schreibmaschine, für die er zusammen mit den Amerikanern Carlos Glidden und Samuel W. Soule 1868 ein Patent erhielt. Diese erste moderne Schreibmaschine wurde von der Firma Remington Small Arms Company, Ilion (N. Y.), zwecks fabrikmäßiger Herstellung 1873/1874 verbessert und kam am 1. Juli 1874 als "Sholes & Glidden Type-Writer" auf den Markt; 1876 wurde sie in "Remington No. 1" umbenannt. Mit diesem Schreibmaschinenmodell begann Remington die Großserienproduktion.

Der erste Schriftsteller im Besitz einer (Remington-) Schreibmaschine war Mark Twain (* Florida[Mo.] 1835, † Redding [Conn.] 1910), der sie, angelockt durch ein im Schaufenster eines Bostoner Geschäftes ausgestelltes Modell, 1874 erstand. Er konnte als erster Autor seinem Verlag ein maschinengeschriebenes Buchmanuskript abliefern: den Text zu "The Adventures of Tom Sawyer", London: Chatto & Windus 1876.

Die erste brauchbare (Buch-) Drahtheftmaschine erfand der Lübecker Hugo Brehmer (* 1844, † 1900) in Amerika im Zusammenhang mit der Konstruktion einer Drahtheftmaschine zur industriellen Faltschachtelherstellung, mit der er sich mit seinem Bruder August Brehmer (* 1846, † 1904) befaßte (1872 patentiert). Die Entwicklung einer Buchdrahtheftmaschine dauerte noch bis 1875. Das erste mit Draht geheftete Buch war der amtliche Katalog zur Weltausstellung in Philadelphia (Pa.) 1876. (Die Drahtheftmaschine wurde wegen ihrer bald offensichtlichen Nachteile [Durchrosten der Drahtklammern, Rostflecken auf dem Papier] allmählich durch die Fadenheftmaschine verdrängt.)

Als erste belgische Enzyklopädie gilt die "Patria Belgica. Encyclopédie nationale", 3 Bde., Brüssel 1875.

Mit der Aufnahme von Illustrationen in den stenographischen Zeitschriften entstand die Kurzschrift-Illustrierte oder das stenographische Unterhaltungsblatt. Die ersten Beispiele für diesen Zeitschriftentyp waren die "Illustrierte stenografische Gartenlaube", Graz 1875-1885, und die "Stenographische Gartenlaube. Unterhaltungsblatt für Anfänger der Stolze'schen Schule", Leipzig 1875-1876, sozusagen geistige Abkömmlinge der deutschen Familienzeitschrift "Die Gartenlaube", Leipzig 1853-1944.

Die einzige bis heute kontinuierlich erschienene deutschsprachige humoristisch-satirische Zeitschrift ist die von dem Züricher Jean Nötzli († 1900) gegründete, erstmals am 1. Januar 1875 in Zürich herausgegebene Wochenschrift "Der Nebelspalter". (Ab 27. November 1922 erscheint sie in Rorschach mit dem Untertitel "Schweizerische humoristisch-satirische Wochenschrift".)

Federhalter aus Holz mit einer Metallhülse oder auch ganz aus Holz wurden nach einer Konstruktion von Friedrich Soennecken (* 1848, † 1919) eingeführt, der 1875 in Remscheid eine Schreibwarenfabrik gründete (seit 1876 Sitz in Bonn).

Der erste amerikanische Bibliothekskongreß fand 1876 in Philadelphia (Pa.) statt, auf dem der amerikanische Bibliotheksverband, die "American Library Association (ALA)", gegründet wurde. Der älteste Bibliotheksverband (bibliothekarischer Berufsverband) der Welt ist die 1876 in Philadelphia (Pa.) gegründete "American Library Association (ALA)" mit Bibliotheken und Bibliothekaren als Mitglieder.

Die erste und heute noch erscheinende amerikanische Bibliothekszeitschrift ist das in New York 1876 gegründete "Library Journal".

Die älteste bekannte portugiesische Enzyklopädie ist das von Manuel Pinheiro Chagas (* 1842, † 1895) herausgegebene "Diccionário popular, histórico, geográphico, mythológico, biográphico, artístico, bibliográphico e litterario", 17 Bde., Lissabon 1876-1890.

Den ersten für den praktischen Telefonverkehr brauchbaren Fernsprecher schuf der britisch-amerikanische Physiologe und Erfinder Alexander Graham Bell (* Edinburgh 1847, † Bei Baddeck [Prov. NoVa Scotia, Kanada] 1922) (US-Patent angemeldet am 14. Februar 1876, erteilt am 7. März 1876). Von Thomas Alva Edison 1877 durch Verwendung des Kohlemikrophons verbessert, stellt Bells Apparat das im Prinzip noch heute verwendete Telefon dar. Bell gilt als "Vater des Telefons", obwohl gleichzeitig mit ihm der amerikanische Erfinder Elisha Gray (* Barnesville [Oh.] 1835, † Newtonville [heute zu Newton, Mass.] 1901) ein Telefon entwickelt und am 14. Februar 1876 - wenige Stunden nach Bell - das Patent angemeldet hatte. (Gerichtlich wurde die Priorität Bell zuerkannt.) Nach der ersten gelungenen Telefonübertragung am 2. Juni 1875 zwischen Bell und seinem technischen Assistenten Thomas Augustus Watson (* 1854, † 1934) wurden als erster verständlicher Satz durch das Bell-Telefon am 10. März 1876 in Bells Haus in Boston (Mass.) die historischen Worte übertragen: "Mr. Watson, please come here, I want you." (engl.= Herr Watson, bitte kommen Sie her, ich brauche Sie.") Watson folgte der Aufforderung Bells, d.h. das Telefon hatte funktioniert.

Bells Telefon wurde am 25. Juni 1876 im Rahmen der Jahrhundertfeier der amerikanischen Unabhängigkeit in Philadelphia (Pa.) erstmals öffentlich vorgeführt. Nach weiteren Verbesserungen hatte Bell im Mai 1877 die endgültige und dabei denkbar einfachste Form seines Telefons gefunden: Sender und Empfänger waren eins. Deshalb mußte jeder, der ein Telefongespräch führte, das Gerät abwechselnd zum Sprechen an den Mund und zum Hören ans Ohr halten. Im selben Jahr 1877 wurde die Bell Telephone Association gegründet, die das Bell-Patent auswerten und mit dem Aufbau von Fernsprechnetzen in amerikanischen Städten beginnen sollte. Aus ihr ging 1885 die American Telephone and Telegraph Company (Abk.: AT & T) (Sitz: New York) als die größte private Telefongesellschaft der Erde hervor.

Das erste deutsche Verbrecherlichtbildalbum wurde 1876 von dem "Criminal-Schutzmann" Albert Baschin in Berlin als Muster und Lehrmittel angelegt. Es enthielt die Photos verurteilter oder verdächtiger Täter (u.a. von Mördern, Brandstiftern, Räubern, Einbrechern, Schlafstellen-, Laden- und Taschendieben, Hehlern, Fälschern, Hochstaplern, Schwindlern, Bauernfängern, Falschspielern u.ä.) aus Berlin und der näheren Umgebung (heute im Besitz der "Polizeihistorischen Samlung" des Polizeipräsidiums in Berlin).

Die erste der Fischkunde (Ichthyologie [Fischzucht und Fischerei]) gewidmete deutsche Zeitschrift, in München 1876 als "Mittheilungen über Fischereiwesen" gegründet, erscheint nach mehreren Titeländerungen heute noch in 0ffenbach/M. u.d.T. "Fischwaid".

Der erste englische Bibliothekskongreß fand 1877 in London statt, auf dem es zur Gründung des englischen Bibliothekarvereins, der "Library Association (of the United Kingdom) (LA bzw. LAUK)", kam.

Der erste internationale Kongreß von Bibliothekaren fand 1877 in London statt.

Die Vermittlungstechnik, das Herstellen von Verbindungen zwischen Fernsprechteilnehmern, wurde mit Beginn des öffentlichen Fernsprechdienstes zu einem Hauptentwicklungsgebiet, da die Zahl der Teilnehmer sehr rasch wuchs. Die erste Fernsprechvermittlungsstelle wurde von Edwin Holmes, dem Besitzer einer Einbruchssicherungsgesellschaft, der "Holmes Burglar Alarm Company", in Boston (Mass.) eingerichtet. Die Vermittlung wurde am 17. Mai 1877 in Betrieb genommen und verband über bereits bestehende Einbruchsalarmleitungen fünf Klienten von Holmes, davon waren vier Banken. Diese Telefonvermittlungsstelle, deren Dienste gebührenfrei waren, war nur tagsüber besetzt; nachts dienten die Leitungen ihrem ursprünglichen Zweck. Da das Fernsprechvermittlungsgeschäft so vielversprechend erschien, gründete Holmes kurze Zeit später die "Edwin Holmes Telephone Despatch Company", für die er am 1. September 1878 die erste Telefonistin einstellte. Die Vermittlung war jetzt nicht mehr gebührenfrei.

Auf Initiative des deutschen Generalpostmeisters Heinrich von (seit 1885) Stephan (* Stolp 1831, † Berlin 1897) wurde mit dem von Alexander Graham Bell entwickelten Telefon die erste Telefonverbindung Deutschlands (und zugleich Europas) in Berlin am 26. Oktober 1877 für Versuchszwecke in Betrieb genommen. Die Verbindung bestand über einer Entfernung von 2 km zwischen dem Generalpostamt und dem Generaltelegraphenamt. Beeindruckt von der ausgezeichneten Verständigung sprach Stephan die berühmten Worte: "Meine Herren, diesen Tag müssen wir uns merken." Und so wurde dieser Tag zum Geburtstag des Fernsprechens in Deutschland erkoren.

(In einer Verordnung vom 28. November 1877 des deutschen oberen Postherrn wurde zur Vermeidung von Fremdwörtern in der Postamtssprache das "Telephon" in "Fernsprecher" umbenannt. Im Juni 1980 machte die Deutsche Bundespost aus dem amtsdeutschen Fernsprecher wieder ein "Telefon".)

Die Entwicklung der Schallplatte, welche die beliebige Wiederholbarkeit eines "konservierten" akustischen Ereignisses ermöglicht, nahm ihren Ausgang bei dem amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison (* Milan [Oh.] 1847, † West Orange [N. J.] 1931), der 1877 den ersten Apparat zur Schallaufzeichnung und -wiedergabe unter dem Namen "Phonograph" (auch "Speaking Machine" [engl.= Sprechmaschine]) herausbrachte (Patent vom 19. Februar 1878). Der Phonograph bestand im wesentlichen aus einer mit Stanniolpapier umwickelten Metallwalze, die mit einer Handkurbel gedreht wurde. Tonaufnahme und -wiedergabe waren getrennt. Ein Schalltrichter lenkte den Schall gegen eine Aufnahmemembran, die zu Schwingungen angeregt wurde. Diese Schallschwingungen wurden mit einer an der Membran befestigten Stahlnadel als spiralförmige Rille auf der Walze aufgezeichnet. Wurde die Walze wieder in ihre Ausgangsstellung gebracht und durchgekurbelt, so folgte die Abspielnadel der spiralförmigen Rille und versetzte eine Wiedergabemembran in Schallschwingungen, die durch den Schalltrichter verstärkt wurden.

Das erste Wort, das Edison mit dem Gerät aufzeichnete und wiedergab, war ein zweimaliges "Hallo". Er war damit der erste Mensch, der die Wiedergabe seiner eigenen Stimme hörte.

Der erste Phonograph wurde (nach einer Handskizze Edisons vom 29. November 1877) von Edisons Mitarbeiter John Heinrich Kruesi, einem nach Amerika ausgewanderten Schweizer, in Menlo Park bei New York gebaut und am 6. Dezember 1877 fertiggestellt. An diesem Tag wurde zur Premiere die erste Aufnahme gemacht. Edison sang das englische Kinderlied "Mary had a little lamb, its fleece was white as snow, and everywhere that Mary went, the lamb was sure to go." (engl.= Marie hatte ein kleines Lamm, sein Fell war weiß wie Schnee, und überall dort, wo Marie ging, war auch das Lamm zu finden.); alsdann spielte er es seinen erstaunten Mitarbeitern vor.

Ursprünglich waren für den Phonographen (so in Handskizze und Patentschrift) zwei Schalltrichter mit Membran vorgesehen; bald gab es in der Regel nur noch einen Trichter und eine Membran.

Edison erschien noch zehn Jahre nach seiner Erfindung die Verwendung des Phonographen als Diktiergerät (Gerät zur Aufnahme und Wiedergabe eines gesprochenen Textes) am erfolgversprechendsten. Auch versuchte er, den Phonographen als automatischen Anrufbeantworter in der Telefontechnik (Gerät, das bei Abwesenheit des Inhabers dem Anrufer eine aufgezeichnete Mitteilung durchgibt[und eine Nachricht des Anrufers aufzeichnet]) (so in San Francisco), wenn auch ohne großen Erfolg, einzuführen. So gesehen kann der Phonograph als erstes Diktiergerät und als erster automatischer Anrufbeantworter gelten.

Die erste amerikanische humoristische Zeitschrift erschien u.d.T. "Puck" in New York 1877-1918.

Die erste deutsche Zeitschrift für das Uhrmachergewerbe war die "Deutsche Uhrmacher-Zeitung. Organ des CentralVerbandes der deutschen Uhrmacher", Berlin 1877-1943.

In Deutschland wurden die ersten Drahtheftmaschinen 1878 von der Geschäftsbücherfabrik König & Ebhard in Hannover und kurze Zeit später von der Leipziger Großbuchbinderei J. R. Herzog in Betrieb genommen.

In Deutschland war die Rechenmaschine "Arithmométré" von Charles Xavier Thomas (1820) Ausgangspunkt einer eigenständigen Rechenmaschinenindustrie in Glashütte (Sachsen). Ab 1878 verbesserte hier der Mechaniker Arthur Burkhardt (* 1857, † 1918) die Thomas-Maschine und stellte sie ebenfalls serienmäßig her.

Die kommerzielle Herstellung des von Thomas Alva Edison 1877 erfundenen Phonographen wurde von der am 24. April 1878 in New York gegründeten "Edison Speaking Phonograph Company" 1878 aufgenommen. Die meisten Geräte wurden von der Gesellschaft an umherziehende Schausteller vermietet, die sie einem zahlenden Publikum vorführten. Den begeisterten Leuten wurde u.a. die erste bekanntgewordene Musikaufnahme geboten, die Edison bereits 1878 machte. Es war das volkstümliche nordamerikanische Lied "Yankee Doodle" (mit dem Anfang "A Yankee boy is trim and tall [engl.- Ein Yankeebursch ist schlank und rank]), das Jules Levy auf seinem Horn spielte.

Der erste käufliche Phonograph für den Hausgebrauch, der "Edison Parlor Speaking Phonograph", kam 1878 zum Preis von 10 Dollar auf den Markt.

War der Phonograph zunächst eine Sensation, so ließ wegen zutagegetretener Mängel (schlechte Tonqualität, kurze Laufzeit des Zylinders [nicht viel länger als eine Minute], oft erforderlicher Austausch des Zylinders u.a.) das öffentliche Interesse bald nach, und schließlich hörte man kaum noch etwas von der Sprechmaschine. Edison wandte sich enttäuscht anderen Erfindungen zu.

Erst 1888 nahm er seine Arbeit an der Sprechmaschine wieder auf und gab in den folgenden Jahren durch Wachszylinder, Saphirstift, Elektroantrieb, Federwerkantrieb u.a. ausgerüstete und damit verbesserte Geräte heraus, nachdem schon 1886 zwei Amerikaner, Cichester Bell (ein Vetter von Alexander Graham Bell, dem Erfinder des in der Praxis einsetzbaren Telefons) und Charles Summer Tainter, ein Patent auf einen Phonographen mit Wachswalze und Saphir erhalten hatten, den sie "Graphophon" nannten und der ab 1888 vermarktet wurde. Noch 1922 arbeitete Edison an seinem Phonographen, während zu dieser Zeit die Phonographenwalze schon durch die Schallplatte abgelöst wurde.

Mit der Einrichtung der Fernsprechvermittlungsstellen wurde der neue Beruf des Telefonisten geschaffen. Der erste hauptberufliche Telefonist war vermutlich George Willard Coy, der am 28. Januar 1878 in der Telefonzentrale der District Telephone Company in New Haven (Conn.) seine Arbeit aufnahm. Die erste Telefonistin war Miss Emma Nutt, die ab 1. September 1878 in der Telefonzentrale der Edwin Holmes Telephone Despatch Company in Boston (Mass.) tätig war.

Die Brüder Hugo Brehmer (* 1844, † 1900) und August Brehmer (* 1846, † 1904) gründeten 1879 in Leipzig-Plagwitz die Maschinenfabrik Gebr. Brehmer, die, spezialisiert auf den Bau von Faden- und Drahtheftmaschinen, die erste Buchheftmaschinenfabrik in Deutschland war.

Die erste norwegische Enzyklopädie war das von Johan Christian Johnsen herausgegebene "Norsk haandlexikon for almennyttige kundskaber" (Norwegisches Handlexikon für allgemeinnütziges Wissen), 3 Bde., Kristiana 1879-1888.

Die Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg (später M. A. N.) baute 1879 die erste Rotationsmaschine für den Illustrationsdruck der Zeitschrift "Die illustrierte Welt", die in der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart, erschien.

Die erste brauchbare elektrische Lokomotive wurde 1879 von Werner von Siemens (* Lenthe [bei Hannover] 1816, † Berlin 1892) auf der Berliner Gewerbeausstellung vorgestellt. Sie bezog die Energie aus einer stromführenden Schiene.

Die ersten Versuche, auf photographischem Weg Druckvorlagen auf Kupferplatten zu übertragen, gehen auf die Frühzeit der Photographie zurück. Aber erst der tschechische Maler und Graphiker Karel Klic (Karl Klietsch) (* Arnau [Ostböhm. Kr.] 1841, † Wien 1926) machte 1879 die Heliogravüre (Photogravüre) praktisch anwendbar, ein Verfahren zur Herstellung von Ätzungen auf Kupferplatten für den (Handpressen-) Tiefdruck mit Hilfe der Photographie. Die Heliogravüre wurde besonders zwischen 1890 und 1910 zur einfarbigen Illustrierung anspruchsvoller Bücher verwendet.

Das von dem Philologen Konrad Duden (* Gut Bossigt [bei Wesel] 1829, † Sonnenberg [heute zu Wiesbaden] 1911) verfaßte "Vollständige orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache", Leipzig 1880, ("Duden") wurde wegweisend für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. (Ab 9. Aufl. [1915] u.d.T. "Duden-Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter".)

Der amerikanische Ingenieur Josef Thorne konstruierte (unter Verwendung des Modells des dänischen Schriftsetzers Christian Sörensen [1849]) 1880 eine Setzmaschine, die das Ablegen erstmalig automatisch besorgte, so daß zur Bedienung nur ein Setzer und ein Ausschließer notwendig waren. Bei Stundenleistungen von 6000-7000 Lettern fand die Thorne-Setzmaschine große Verbreitung; sie wurde in 2000 Exemplaren gebaut.

Nach Erfindung der Blindenschrift in ihrer heutigen Form durch Louis Braille (1825) und der technischen Ausbildung des Brailledruckes wurden nicht nur Bücher, sondern auch Zeitschriften für Blinde herausgegeben. Die erste deutschsprachige Zeitschrift für Blinde (in Braille'schem Druck), die zugleich die erste Zeitschrift für Blinde überhaupt war, erschien u.d.T. "Erholungsstunden. Zeitschrift für Blinde", Bromberg (Januar) 1880-(Anfang) 1883 (Forts.: Die Rundschau. Zeitschrift für Blinde, Breslau [Juli] 1883-1887).

Die erste Zeitungsphotographie, ein von einer Photographie hergestelltes Halbtonbild (es zeigte ein schäbiges New Yorker Vorstadtviertel), erschien im "New York Daily Graphic" am 4. März 1880. (Das dazugehörige Klischee war allerdings noch nicht nach dem Netzrasterverfahren der Autotypie hergestellt, sondern nach einer verhältnismäßig groben Linienauflösungstechnik mit je nach Grauwert dünneren oder stärkeren senkrechten Linien.)

Die erste in Deutschland nachweisbare Künstlerpostkarte (von einem Künstler gestaltete Bildpostkarte) wurde am 11. Juni 1880 von dem Landschafts- und Genremaler Philipp Franck (* 1860, † 1944), Mitglied der nach 1860 in Kronberg im Taunus gegründeten "Kronberger Malerkolonie", an seine Schwester Lilly Franck von Kronberg/Ts. nach Frankfurt/M. geschickt.

Franck benutzte eine bereits frankierte Postkarte der Deutschen Reichspost. Außer einem sechszeiligen Text ("Einen herzlichen Gruß und Kuß! Oben dies ist ein katholisches Kinderbegräbnis bei Regen wie du siehst. Behalte lieb und schreib einmahl Deinem Philipp. Kronberg 11. 6. 80.") illustrierte er die genannte Szene durch eine aquarellierte Federzeichnung und schuf damit eine, wenn auch noch nicht gedruckte Künstlerpostkarte.

Die um 1885 allgemein eingeführte gedruckte Bildpostkarte fand nach dem 1. Februar 1905 besondere Verbreitung, als die Post nun auch auf der Anschriftenseite Mitteilungen gestattete, so daß eine ganze Seite (Rückseite) für eine bildliche Darstellung zur Verfügung stand. So bedienten sich nicht nur die Verleger von Bildpostkarten, sondern auch bildende Künstler des neuen Mediums.

Das erste Funksprechgerät, das die Sprache verständlich wiederzugeben vermochte, hatte Alexander Graham Bell (* Edinburgh 1847, † Bei Baddeck [Prov. Nova Scotia, Kanada] 1922) zusammen mit Charles Summer Tainter 1880 mit dem "Photophone" entwickelt, einem Gerät, mit dem man (mittels einer Selenzelle) auf einem Lichtstrahl telefonieren kann. Die Erfinder demonstrierten das Photophone erstmals erfolgreich am 15. September 1880 über eine Entfernung von 2,4 km. Allerdings funktionierte es nur im Freien, wo es für den Lichtstrahl kein Hindernis gab, so daß es nur beschränkt einsetzbar war. Das erste moderne Sprechfunksystem (d.h. Gesprächsübermittlung durch den Äther ohne Rücksicht auf etwaige Hindernisse zwischen Sender und Empfänger) wurde erst von dem Kanadier Reginald Aubrey Fessenden ab 1900 entwickelt.

1881 erfand der Kupferstecher Georg Meisenbach (* Nürnberg 1841, † Emmering [Kr. Ebersberg ] 1912) die Autotypie (griech.= Selbstdruck) (Rasterätzung), ein photochemisches Reproduktionsverfahren zur Wiedergabe von Halbtonvorlagen (Photographien, Gemälden u.a.) sowie die entsprechende Druckplatte in Buch- und Flachdruck (1882 patentiert). Sie beruht auf der Zerlegung der Bildvorlage entsprechend den Helligkeitswerten in verschieden große Punkte mittels eines Netzrasters. Meisenbachs erste Rasterätzung (ein Männerporträt) ist erhalten.

Etwa zur gleichen Zeit wie Meisenbach erfand der Amerikaner Frederick E. Ives (* 1856, † 1937) ein LinienrasterVerfahren zur Halbtonwiedergabe im Druck. Deshalb konnte in einer amerikanischen Zeitung schon 1880 das erste Halbtonphoto veröffentlicht werden.

Heute gibt es elektronisch arbeitende Reproduktionsanlagen zur Druckvorlagenherstellung (Scanner [engl.], welche die Bildinformation von Halbtonvorlagen zeilenweise abtasten, wobei die Rasterpunkte elektronisch aufgebaut und rechnergesteuert mit Hilfe von Laserstrahlen auf das lichtempfindliche Material übertragen werden.

Die erste (private) Buchbinderfachschule in Deutschland war die 1881 in Gera gegründete "Vergoldeschule" der Buchbindermeister 0tto Horn und Wilhelm Patzelt.

Als älteste australische Enzyklopädie gilt die einbändige "Cyclopaedia of Australasia", Melbourne 1881, von David Blair.

Nach den ersten deutschen Fernsprechversuchen seit 1877 wurde am 1. April 1881 in Berlin das erste öffentliche Fernsprechamt (mit 48 Anschlüssen) eröffnet. (Die Klappenschränke [Handvermittlungseinrichtungen für den öffentlichen Fernsprechdienst]lieferte die Firma Siemens & Halske, Berlin.)

Das älteste erhaltene in Deutschland erschienene amtliche Fernsprechbuch ist das von der "FernsprechVermittlungs-Anlage in Berlin" herausgegebene "Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten" vom 14. Juli 1881. Das Verzeichnis (ein Exemplar befindet sich im Deutschen Postmuseum, Frankfurt/M.) enthält 97 Eintragungen, alphabetisch nach dem Namen der Fernsprechteilnehmer und nach der laufenden Telefonnummer geordnet.

(Das dokumentierte "erste" Telefonbuch Deutschlands [Carl 0tto Haman: Das Buch der 94 "Narren". In: Braunschweigische Landeszeitung, Nr. 167 vom 18. Juni 1935] ist mit 94 Teilnehmern bereits am 14. Juni 1881 erschienen. Als erster Teilnehmer ist die Börse genannt, der die Bank für Handel und Industrie, die Deutsche Bank und die Disconto-Gesellschaft sowie große Geschäftshäuser folgen. Den einzigen privaten Telefonanschluß besaß ein Maurermeister namens Bethge, wohnhaft in der Elsässerstraße.)

Die älteste deutsche Referatezeitschrift für die Biologie ist das "Biologische C(Z)entralblatt", Leipzig 1881 ff.

Die erste, noch erscheinende englische Schachzeitschrift ist "The British Chess Magazine", Huddersfield (heute Leonards on Sea [Sussex]) 1881 ff.

Die erste deutsche, noch erscheinende Fachzeitschrift für das Blindenwesen wurde u.d.T. "Der Blindenfreund" in Hannover 1881 gegründet. Nach mehreren Titeländerungen ist ihr Titel seit Bd. 104(1984) "Blind, sehbehindert: Zeitschrift für das Sehgeschädigten-Bildungs wesen".

Die erste deutsche Zeitschrift für den Radfahrsport war "Das Velociped. Fachblatt für die GesammtInteressen des deutschen Velocipeden-Sports", Berlin (Leipzig) 1881-1885 (Forts.: Der Radfahrer. Ältestes Fachblatt für die Interessen des deutschen Radfahr-Sportes und der Fahrrad-Industrie, Leipzig 1886-1891).

Versuche zur Stereophonie ( elektroakustischen Schallübertragung über zwei oder mehr Kanäle, die einen räumlichen Klangeffekt entstehen läßt) wurden schon im vorigen Jahrhundert unternommen. Der französische Flugpionier und vielseitige Erfinder Clément Ader (* Muret 1841, † Toulouse 1925) entwickelte mit seinem "Theatrophon" ein stereophonisches Übertragungssystem, das ihm am 30.8.1881 vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin als "Neuerungen an Telephonanlagen für Theater" patentiert wurde. Aufgrund dieser Erfindung war auf der Bühne jeder Schauspieler über zwei Sender (Aufnahmemikrophone) (links und rechts vom Souffleurkasten) mit zwei beim Zuhörer zu Hause befindlichen Empfangsapparaten (Hörern) verbunden. Die Vermittlung lief über die "Theatrophon-Zentrale" in Paris, wo eine Dame einen Telefonteilnehmer direkt mit der Bühne verbinden konnte. Auf diese Weise gelang Ader 1881 die erste stereophonische Übertragung aus der Pariser Oper.

Mit der Einführung der Gelatine-Trockenplatten (1871) wurden die Belichtungszeiten kürzer, so daß nun leichtere und handlichere Plattenkameras hergestellt wurden, mit denen man aus der Hand, d.h. ohne Stativ, photographieren konnte (Handkameras). Die erste (kastenförmige) Handkamera, auch Detektivkamara genannt (da man mit ihr relativ unbemerkt photographieren konnte), wurde 1881 von Thomas Bolas konstruiert und in England zum Patent angemeldet.

Die erste elektrisch betriebene Straßenbahn der Welt war ein von Werner von Siemens (* Lenthe [bei Hannover] 1816, † Berlin 1892) gebauter 26sitziger Wagen, der 1881 in Lichterfelde bei Berlin in Betrieb genommen wurde.

Der französische Physiologe Étienne Jules Marey (* Beaune 1830, † Paris 1904) entwickelte zur Erforschung tierischer Bewegungsabläufe mit Hilfe der Photographie zahlreiche Verfahren, wobei er im Gegensatz zu seinen Vorgängern stets mit einer Kamera statt mit mehreren in Reihe nebeneinander aufgestellten Apparaten arbeitete. Am bekanntesten wurde seine 1882 konstruierte gewehrähnliche und deshalb als "photographisches Gewehr" bezeichnete Kamera zur Aufnahme von Reihenbildern (Reihenbildkamera).

Die erste amerikanische Frauenzeitschrift erscheint u.d.T. "Ladies Home Journal" seit 1883 in Philadelphia (Pa.).

Die älteste, noch erscheinende deutsche Friseurfachzeitschrift ist die 1883 in Berlin gegründete "Deutsche allgemeine Friseur-Zeitung" (1887 ff.: Allgemeine deutsche Friseur-Zeitung).

Die erste deutsche Zeitschrift für den Wassersport (zugleich offizielles Organ des Deutschen Ruderverbandes [gegr. 1883]) war "Wassersport. Fachzeitschrift fuürRudern, Segeln und verwandte Sportzweige", Berlin 1883-1943.

Die erste Photographie (ein Gralsbecher) in einem deutschen Presseorgan druckte die "Leipziger Illustrirte Zeitung"nach dem von Georg Meisenbach 1881 entwickelten Autotypieverfahren 1883 ab.

Die älteste bibliophile Gesellschaft in den USA wurde mit dem Grolier Club in New York 1884 gegründet, benannt nach dem königlich-französischen Generalschatzmeister Jean Grolier de Servières, Vicomte d'Aiguisy (* Lyon 1479, † Paris 1565), der ein leidenschaftlicher Büchersammler war.

Das "Deutsche Buch- und Schriftmuseum" zu Leipzig (früher: Deutsches Museum für Buch und Schrift) ist die älteste deutsche Sammlung zur Geschichte, zur künstlerischen Entwicklung sowie zur Herstellung des Buches, gegründet 1884 in Leipzig vom "Centralverein für das gesamte Buchgewerbe", 1950 der Deutschen Bücherei, Leipzig, angegliedert (ebenso 1964 das frühere Deutsche Papiermuseum in Greiz [gegr. 1897]).

In Deutschland wurde die erste Fadenheftmaschine von der Maschinenfabrik Gebr. Brehmer, Leipzig, 1884 eingeführt.

Bei dem Fernsehen (engl.: Television, Abk.: TV), der Bildübertragungstechnik auf elektrischem Wege, stand die Bildtelegrafie Pate und lieferte zwei wichtige Voraussetzungen: die zeilenförmige Zerlegung des zu übertragenden Bildes und die Umwandlung der unterschiedlichen Helligkeitswerte von Bildpunkten in elektrische Werte.

Das mechanische Fernsehen begründete der deutsche Ingenieur Paul Nipkow (* Lauenburg [Pommern] 1860, † Berlin 1940) mit dem von ihm erfundenen, am 6. Januar 1884 zum Patent angemeldeten "elektrischen Teleskop", einer sowohl zur Bildzerlegung als auch zur Bildzusamensetzung verwendeten Scheibe mit spiralig angeordneten Löchern, die später Nipkow-Scheibe genannt wurde (Patent erteilt am 15. Januar 1885). Auf der Aufnahmeseite drehte sie sich vor dem abzubildenden Gegenstand und tastete alle seine Punkte, Zeile für Zeile, ab, wobei das räumliche Nebeneinander der so erhaltenen verschiedenen Helligkeitswerte (Bildelemente) mit Hilfe von Selenzellen in ein zeitliches Nacheinander elektrischer Spannungswerte (Bildsignale) umgesetzt wurde. Auf der Wiedergabeseite erfolgte der Aufbau des Fernsehbildes nach einem Zeilenverfahren auf elektromechanischer Grundlage. Dies war der Ursprung des Fernsehens. Die Nipkow-Scheibe wurde bis 1938 neben elektronischen Bildzerlegern benutzt.

Alle älteren Konstruktionen des Füllfederhalters hatten den Nachteil, daß sich der Tintenfluß nicht genau genug regulieren ließ: Entweder blieb die Tinte ganz aus, oder sie strömte so kräftig in die Schreibspitze, daß der Federhalter kleckste.

Für Abhilfe sorgte erst der am 12. Februar 1884 patentierte erste Kapillarfüllfederhalter des amerikanischen Versicherungsvertreters Lewis Edson Waterman (* 1837, † 1901). Sein Füllfederhalter arbeitete mit drei Kanälen, die den Zufluß von Tinte und Luft in richtigen Mengen regelten. Noch in demselben Jahr begann Waterman in New York mit seiner Produktion, die ein Millionengeschäft wurde.

Hochschulschriften sind Veröffentlichungen, die auf Veranlassung oder unter der Autorität von Hochschulen entstehen (Dissertationen [Doktorarbeiten], Habilitationsschriften [Befähigungsschriften für angehende Hochschullehrer], Personal- und Vorlesungsverzeichnisse, Berichte u.a.). Die erste laufende, staatlich veranlaßte Sonderverzeichnung von Hochschulschriften auf nationaler Basis entstand in Frankreich mit "Catalogue des thèses de doctorat soutenues devant les universités françaises". Année 1.1884 ff., Paris 1885 ff. (1.1884 - 75.1958 u.d.T. "Catalogue des thèses et écrits académiques".) (Es folgten Deutschland: 1885 [1887] ff.; Schweiz: 1897 [1898 ] ff.; USA: 1912 [1913] ff. u.a.)

Einigen Ruhm brachten die photographischen Reihenaufnahmen dem deutschen Photographen 0ttomar Anschütz (* Lissa [heute Leszno, Polen] 1846, † Berlin 1907), der sich in der Aufnahmetechnik nach dem Verfahren von Eadweard Muybridge (1872) richtete, aber wesentlich bessere Aufnahmen als der Engländer erzielte. Als Betrachtungsapparat für seine Reihenbilder erfand er 1884 den "elektrischen Schnellseher", der später Elektrotachyskop genannt wurde und der ein unmittelbarer Vorläufer der Kinematographie war. Er wurde von der Firma Siemens & Halske, Berlin, ab 1892 in einer Serie von 78 Exemplaren gebaut und seit 1895 in vielen Städten öffentlich aufgestellt (der erste stand in einem Berliner Postgebäude). Der Schnellseher trug auf einer drehbaren Scheibe die auf Glasplättchen kopierten Phasenphotos; nach Einwurf einer Zehnpfennigmünze wurde die Scheibe von einem Elektromotor angetrieben, und die von der Rückseite aus mit elektrischen Lichtblitzen beleuchteten Bilder konnten jeweils von einer Person in der Durchsicht betrachtet werden. Ab 1894 war es möglich, die Bilder des Elektrotachyskops auch (für einen größeren Personenkreis) zu projizieren. Der erste Versuch mit einer 6 x 8 m großen Leinwand fand in einem Berliner Postgebäude statt.

George Eastman (* Waterville [N. Y.] 1854, † [N. Y.] 1932), der in Rochester (N. Y.) 1880 ein Unternehmen zur Herstellung von photographischen Trockenplatten gründete (Anfang der späteren Eastman Kodak Company), beantragte am 8. August 1884 ein Patent auf den (Papier-) Rollfilm (Patent erteilt am 5. Mai 1885). Mit dieser Erfindung begann das Zeitalter des Rollfilms, der auch die Voraussetzung für die Amateurkamera war, die Eastman 1888 als Kodak Nr. 1 vorstellte.

In den siebziger Jahren des 19. Jh. verstärkte sich das Bestreben der Erfinder, eine Ein-Mann-Setzmaschine zu bauen, bei der das Setzen, Ausschließen und Ablegen mechanisch erfolgen. Das gelang zuerst dem 1872 nach Amerika ausgewanderten deutschen Uhrmacher und Feinmechaniker 0ttmar Mergenthaler (* Hachtel [heute zu Bad Mergentheim] 1854, † Baltimore [Md.] 1899). Im Gegensatz zu den bisher konstruierten Typensetzmaschinen verwendete Mergenthaler nicht die einzelnen Bleilettern des Setzers, sondern die Matrizen des Schriftgießers (allerdings in Form von Messingmatrizen), setzte sie zu Zeilen zusamen und goß diese Zeilen. So wurde er zum Erfinder der Zeilenguß-Setzmaschine "Linotype", zu deren Handhabung nur eine Person notwendig ist, die eine Tastatur zu bedienen hat (Patent 1888).

(Die Massenproduktion der Matrizen, auf denen das mechanische Setzverfahren beruht, wurde aber erst durch zwei Erfindungen des amerikanischen Schriftgießers Linn Boyd Benton aus Milwaukee [Wis.] möglich: der Stempelschneidemaschine [1885] und der Matrizenbohrmaschine [1906].)

Als Geburtstag der Linotype gilt der 26. Juli 1884. An diesem Tage führte Mergenthaler seine erste funktionierende Maschine einem Kreis von Fachleuten vor. Die erste Linotype-Maschine wurde bei der "New York Tribune" aufgestellt und nahm am 3. Juli 1886 ihre Arbeit auf. (Dabei sah der Verleger der New York Tribune, Whitelaw Reid, zu und soll "A line of types!" [engl.= Eine Zeile aus Lettern!] ausgerufen und damit den Namen "Linotype" erfunden haben.) Die Linotype Mergenthalers, die eine Setzleistung von etwa 6000 Buchstaben je Stunde erreichte, fand besonders im Zeitungsdruck Verwendung.

Die älteste, noch erscheinende deutsche Bäckerfachzeitschrift wurde gegründet als "Der Wecker", Berlin (3. April) 1884 -(28. September) 1899 (Forts.: Deutsche Bäckerzeitung, Berlin [12.Oktober] 1889-1891). Nach mehreren weiteren Titeländerungen, Änderungen des Erscheinungsortes und Fusionen mit anderen Zeitschriften sowie einer letzten Verschmelzung mit dem rheinischwestfälischen Bäckerfachblatt "Weckruf",Bochum 1913-1969, erscheint sie seit 1970 in Bochum u.d.T. "Deutsche Bäckerzeitung: dbz; Weckruf".

Die älteste, noch erscheinende deutsche Fachzeitschrift (Zeitung) für das Fleischergewerbe ist die "Allgemeine Fleischerzeitung" (mit wechselnder Erscheinungsweise von anfangs wöchentlich bis täglich), Berlin 1884-1945; neugegr. Frankfurt/M. 1947, ab 1952 Organ des "Deutschen Fleischer-Verbandes".

Die erste deutsche Zeitschrift für das Sattlergewerbe war das "Centralblatt für Sattlerei, Tapeziererei und verwandte Gewerbe", Bielefeld 1884-1917.

Die erste englische (der aktuellen Wirtschaftsberichterstattung und -kommentierung dienende) Wirtschaftszeitung war "The Financial News", London 1884-1945 (danach aufgegangen in "The Financial Times", London 1888 ff.).

Die Franzosen Charles Renard (* 1847, † 1905) und Arthur C. Krebs benutzten zum Antrieb ihres Luftschiffes "La France" erstmals einen Elektromotor, der 6 kW leistete. Am 9. August 1884 unternahmen sie mit ihrem torpedoförmigen 50,3 m langen, 1869 m3 großen und elektromotorisch über einen Propeller von 7 m Durchmesser angetriebenen Luftfahrzeug einen Flugversuch über Chalais-Meudon, bei dem auch der Rückflug, insgesamt ein voll kontrollierter Rundflug von 8 km Länge und bei einer Maximalgeschwindigkeit von 23,5 km/h glückte.

Die vermutlich älteste, noch erscheinende englische Bäckerfachzeitschrift wurde 1885 in London als "The British miller and baker" gegründet. Ab 3. Jg. (1887) erscheint sie u.d.T. "The British baker".

Die Tageszeitung "Berliner Börsen-Courier" (gegr. 1868, 1934 mit "Berliner Börsen-Zeitung" vereinigt) stellte 1885 den ersten Sportredakteur in Deutschland ein.

Das erste deutsche internationale Zeitungsmuseum wurde 1885 in Aachen von dem Aachener Bürger Oscar von Forckenbeck (* 1822, † 1898) (als Privatsamlung) gegründet. Seit 1899 im Besitz der Stadt Aachen nennt es sich heute "Internationales Zeitungsmuseum der Stadt Aachen".  

Um 1850 kamen in den USA und in England die ersten tastengesteuerten Rechenmaschinen auf. Die erste gewerblich hergestellte Addiermaschine mit Tastatur wurde von dem Amerikaner Dorr E. Felt aus Chicago entworfen. 1884 begann der zweiundzwanzigjährige Felt mit dem Bau eines Prototyps; als Gehäuse diente ihm eine alte Makkaronischachtel. 1885 war die "Makkaroni-Box", das erste Modell einer Tastenaddiermaschine",funktionsfähig.

Im Herbst 1886 begann Felt mit der Produktion; er stellte lauter handgefertigte Einzelstücke her. Im Januar 1888 konnte er die erste fehlerlos funktionierende Addiermaschine an die "Equitable Gas, Light and Fuel Co." in Chicago verkaufen.

Am 25. Januar 1889 gründete er in Chicago zusammen mit Robert Tarrant die Firma Felt & Tarrant Manufacturing Co. mit einem Monopol auf Tastenaddiermaschinen für die nächsten zwölf Jahre.

Einen Wagen mit einem mechanischen Antrieb auszustatten, war ein langgehegter Traum des Menschen; aber die ersten einsatzfähigen Automobile (Kraftfahrzeuge zur Beförderung von Personen und/oder Lasten sowie für Sonderzwecke) setzten eine Vielzahl von Erfindungen voraus. Vorläufer des Kraftwagens war der von dem Franzosen Nicolas Joseph Cugnot (* Void[heute Void-Vacon, Dép. Meuse] 1725, † Paris 1804) 1769 gebaute Dampfwagen, der sich aber, wie auch nachfolgende Konstruktionen anderer Erfinder, nicht bewährte.

Die Geschichte des eigentlichen Automobils begann mit dem französischen Mechaniker Jean Joseph Étienne Lenoir (* Mussy-la-Ville [Prov. Luxemburg, Belgien] 1822, † La Varenne [Dép. Main-et-Loire] 1900), der 1860 den ersten betriebsfähigen, wenn auch noch unwirtschaftlichen Gasmotor konstruierte und ihn 1863 zum Antrieb einer Kutsche erprobte. Diesem Fahrzeug war jedoch kein Erfolg beschieden.

Erst 1885/1886 hatten die Ingenieure Carl Friedrich Benz (* Karlsruhe 1844, † Ladenburg 1929) und Gottlieb Wilhelm Daimler (* Schorndorf 1834, † Cannstatt [heute zu Stuttgart] 1900) unabhängig voneinander Kraftfahrzeuge gebaut, an die sich eine erfolgreiche Entwicklung anschloß: 1885 konstruierte Benz den ersten dreirädrigen Kraftwagen, der schon eine Einheit von Fahrgestell und Motor darstellte, also nicht mehr nach dem Vorbild einer Pferdekutsche konzipiert worden war (deutsche und ausländische Patente 1886). Die erste öffentliche Demonstration des Dreiradwagens fand am 3. Juli 1886 statt, als er in Mannheim eine Strecke von rd. 1 km mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h zurücklegte.

Daimler schuf zusammen mit seinem Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach (* Heilbronn 1846, † Stuttgart 1929) 1886 den ersten vierrädrigen Kraftwagen, der, im Gegensatz zum ersten Motorwagen von Benz, ein "Wagen ohne Pferde", d.h. eine Kutsche mit eingebautem Motor war. Sie fuhr erstmals im März 1887 durch Cannstatt mit der beachtlichen Geschwindigkeit von 17,5 km/h. Basis für die ersten Fahrzeugmotoren (Benzinmotoren) war der von dem Maschinenbauer Nikolaus August 0tto (* Holzhausen an der Haide [bei Nassau ] 1832, † Köln 1891) 1876 entwickelte Viertaktmotor.

Der Prototyp des modernen Fahrrads war das Sicherheitsrad "Rover", das 1885 von dem Engländer John Kemp Starley gebaut wurde. Es vereinigte die wichtigsten Bauelemente des heutigen Fahrrads: Räder von gleicher Größe, Kettenantrieb mit Übersetzung, direkte Lenkung mit schräggestellter Gabel und einen trapezförmigen Rahmen.

Das erste Motorrad der Welt, konstruiert von Gottlieb Wilhelm Daimler (* Schorndorf 1834, † Cannstatt [heute zu Stuttgart] 1900) und Wilhelm Maybach (* Heilbronn 1846, † Stuttgart 1929), wurde 1885 als "Reitwagen" patentiert. Das Fahrzeug, ein hölzernes Zweirad, hatte einen Viertakt-Einzylinder-Petroleummotor von 264 cm3 Hubraum mit 0,5 PS, der ihm eine Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h verlieh.

Das erste multilaterale Urheberrechtsabkommen war die "Berner Übereinkunft", eine internationale Vereinbarung, die in Bern am 9. 9. 1886 zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst getroffen wurde (mehrfach revidiert).

Die älteste, noch bestehende deutsche Buchbinderfachzeitschrift wurde 1886 in Stuttgart als "Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien" gegründet und erscheint seit 1982 u.d.T. "Bindereport".

Die erste der Kynologie (Lehre von Zucht, Dressur und Krankheiten von Hunden) gewidmete deutsche Zeitschrift war "Der Hundesport", München 1886-1912.

Herausgeber des ersten lexikalischen Nachschlagewerkes über das Judentum, der "Real-Enzyklopädie des Judentums", 7 Bde., Leipzig 1886-1900, war der Lexikograph und Landesrabbiner von Mecklenburg (seit 1859) Jacob Hamburger (* Loslau [Oberschles. ] 1826, † Strelitz [Mecklenburg] 1911).

Als erste deutsche Tageszeitung führten 1886 die "Neuesten Nachrichten" (München 9. 4. 1848 - Juni 1887; Forts.; Münch[e]ner Neueste Nachrichten, München 14. 6. 1887 - 28. 4. 1945) eine Sportrubrik ein.

Das erste Esperantolehrbuch erschien in Warschau 1887 in russischer Sprache u.d.T. "Lingvo Internavica". Verfasser war der polnische Augenarzt Ludwig Lazarus Zamenhof (* Bialystok 1859, † Warschau 1917), der das Buch unter dem Pseudonym "Doktoro Esperanto" (der Hoffende) veröffentlichte. Nach diesem Decknamen erhielt die von ihm erfundene Welthilfssprache (Esperanto) ihren Namen.

Der amerikanische Elektrotechniker deutscher Herkunft Emil Berliner (* Hannover 1851, † Washington [D. C.] 1929) meldete am 26. 9. 1887 seine Erfindung des Grammophons zum Patent an. Es stellte eine wesentliche Weiterentwicklung des Phonographen von Thomas Alva Edison (1877) dar und wurde die Grundlage der modernen Tonindustrie.

Am 16. Mai 1888 führte Berliner seinen Apparat zum erstenmal öffentlich für die sachverständigen Mitglieder des Franklin Instituts in Philadelphia (Pa.) vor. Die grundlegende Neuerung seiner Erfindung bestand darin, daß er statt der Walze eine runde Platte als Tonträger verwendete. Die Schallplatte war geboren, wenn es sich zunächst auch nur um eine sehr primitive Platte mit einer Rußoberfläche handelte, die der Erfinder nach Fertigstellung der Aufnahme härtete, um sie wieder abspielen zu können.

Auch Berliner benutzte noch Schalltrichter, Membran und Nadel, aber ein anderes Tonaufzeichnungsverfahren: Während nach dem Edisonschen Prinzip die Tonaufzeichnung senkrecht in die Walze eingeritzt wurde, ließ Berliner seine Nadel nicht auf- und abschwingen, sondern in einer waagerechten Rinne mehr oder weniger weit nach rechts und links ausschlagen ("Berliner Schrift"). Durch diese Technik der seitlichen Bewegungen der Abtastnadel war die Tonqualität erheblich verbessert worden.

Im Gegensatz zu Edisons frühen Apparaten, mit denen man selbst aufnehmen konnte, diente das Grammophon nur zum Abspielen fertiger Platten. Zur Aufnahme entwickelte Berliner später eine eigene Vorrichtung und löste auch das Problem der Vervielfältigung als Voraussetzung für die massenhafte Verbreitung der Schallplatte.

Die stärkste Konkurrenz erwuchs der Linotype von Ottmar Mergenthaler (1884) in der von dem Amerikaner Tolbert Lanston (* 1844, † 1913) 1885 zum Patent angemeldeten und 1887 zum erstenmal in Washington öffentlich vorgeführten Typenguß- oder Einzelbuchstaben-Setzmaschine "Monotype". Sie arbeitete auch mit Matrizen, stieß aber nicht wie die Linotype Typenzeilen "im Stück" aus, sondern fertig ausgeschlossene, aus Einzeltypen bestehende Zeilen. Setz- und Gießvorgang waren dabei getrennte Arbeitsgänge.

Nach mehreren Verbesserungen wurde das erste gebrauchsfähige und handelsfertige Modell erst 1897 herausgebracht.

Die Monotype (mit einer Setzleistung von über 8000 Buchstaben je Stunde) wurde besonders für den Buchdruck mit besonderen und schwierigen Satzarten verwendet, während sie wegen der getrennten Arbeitsvorgänge (Setzen und Gießen) für die Zeitungsherstellung einen zu großen Zeitverlust ergab.

George Eastman (* Waterville [N. Y.] 1854, † Rochester [N. Y.] 1932), Erfinder des Rollfilms (1884), brachte 1888 mit seiner "Kodak Nr. 1" genannten Kamera den ersten für einen Rollfilm konstruierten Photoapparat auf den Markt.

(Wurde bisher ausschließlich auf Plattenmaterial photographiert, was den Wechsel des lichtempfindlichen Materials nach jeder einzelnen Aufnahme erforderte, so brauchte bei der Rollfilmtechnik nach jeder Belichtung der Film für die nächste Aufnahme nur noch weitergespult zu werden.)

Die Kodak Nr. 1, eine handliche Boxkamera (kompakte kastenförmige Kleinkamera) mit den Maßen 82 x 95 x 165 mm, enthielt einen mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichteten Papierrollfilm für 100 runde Photos (Durchmesser 65 mm, jeweils mit einer Belichtungszeit von einem Sekundenbruchteil). Da zum Kopieren der Negative der Film vom Papier abgezogen wurde, mußte der Besitzer der Kamera sie mit dem belichteten Film darin an die Firma Eastman schicken, die 1888 den ersten Entwicklungsservice der Welt einrichtete. Er bekam dann die fertigen Bilder mit der neu geladenen Kamera zurück. Weil die Kamera nebst Film beim Erstkauf nur 25 Dollar kostete und jede neue Ladung einschließlich der Kopien des alten Films 10 Dollar, fand diese erste Amateurkamera schnell weite Verbreitung, und Eastmann wurde mit ihr und seinem Entwicklungs- und Kopierdienst zum Begründer der Amateurphotographie.

Der Initiative des Verlagsbuchhändlers Adolf Kröner (* Stuttgart 1836, † ebd. 1911) verdankt der deutsche Buchhandel die Einführung des festen Ladenpreises (1888), des vom Verleger für ein bestimmtes Buch festgelegten Endpreises, zu dessen Einhaltung sich die Bucheinzelhändler verpflichtet haben ("Krönersche Reform").

Das erste Patent auf ein ohne Feder, aber mit Tinte arbeitendes, dem Kugelschreiber ähnliches Schreibgerät (Kugelschreiber-Vorläufer) erhielt 1888 der Amerikaner John J. Loud. Der für das Beschreiben von Leder und Textilien gedachte Loud-Schreiber wurde niemals praktisch verwirklicht. Mit dem Kugelschreiber der Brüder Laszlo und Georg Biró (1938) hatte er nicht viel gemeinsam.

Die erste benzinbetriebene Straßenbahn wurde (im oder vor Juni) 1888 in Stuttgart in Betrieb genommen. Der mit Daimler-Motoren ausgestattete Triebwagen befuhr die Strecke der Pferdestraßenbahn.

1888 erfand der britische Tierarzt John Boyd Dunlop (* Dreghorn [Ayrshire] 1840, † Balls Bridge[heute zu Dublin] 1921) den pneumatischen Gummireifen für das Fahrrad (wohl in Unkenntnis dessen, daß bereits 1845 Robert William Thomson[* Stonehaven, Schottland, 1822, † Edinburgh 1873]der luftgefüllte Gummischlauch für die Bereifung von Wagenrädern patentiert worden war).

Die erste Bibliotheksschule (zur Ausbildung von Bibliothekaren) wurde 1889 in Albany (N. Y.) von dem amerikanischen Bibliothekar Melvil Dewey (* Adams Center [N. Y.] 1851, † Lake Placid [Fla.] 1931) gegründet.

1889 erfand der Amerikaner Almon Brown Strowger (* 1839, † 1902), Leichenbestatter in Kansas City, ein auf dekadischer Grundlage beruhendes System zur automatischen Herstellung von Fernsprechverbindungen durch den Teilnehmer selbst mit Hilfe von "Hebdrehwählern" (Patentanmeldung am 12. März 1889). Bisher wurden Telefonate zwischen den einzelnen Gesprächspartnern ausschließlich von dem Telefonisten durch "Stöpseln" handvermittelt. (Es heißt, daß Strowger zur Erfindung der automatischen Fernsprechvermittlung dadurch veranlaßt wurde, daß die Telefonistin der Telefonzentrale von Kansas City alle für ihn bestimmten Geschäftsanrufe an seinen schärfsten Konkurrenten im Bestattungsunternehmen weitergab, weshalb er sie überflüssig zu machen versuchte.)

Die erste automatische Telefonzentrale der Welt (mit Strowger-Wählern) wurde am 3. November 1892 in La Porte (Ill.) in Betrieb genommen.

Während beim ersten Strowger-System der Wählvorgang am Telefon durch das Drücken dreier Tasten (je eine für die Hunderter-, Zehner- und Einerstelle der Rufnummer) ausgelöst wurde, entwickelten Strowgers Mitarbeiter Alexander E. Keith und die Brüder John und Charles J. Erickson 1896 das erste Telefon mit Wählscheibe.

Die Serienproduktion des Grammophons (1887) wurde in Deutschland 1889 aufgenommen. Der Erfinder Emil Berliner hatte damit die Puppenfabrik Kämmerer & Reinhardt in Waltershausen beauftragt. Die mit einer Handkurbel versehenen Geräte waren noch recht einfach und hauptsächlich als Spielzeug gedacht. Der Aufschwung der Schallplattenindustrie begann, als die von Emil Berliner und seinem Bruder Josef 1898 in Hannover gegründete Deutsche Grammophon-Gesellschaft den Plattenspieler unter dem Namen Grammophon auf den Markt brachte.

Der Amerikaner William Gray aus Hartford (Conn.) erhielt am 13. August 1889 ein Patent für einen Telefonapparat mit Münzeinwurf (Münzfernsprecher). Der erste (für die Öffentlichkeit bestimmte) Münzfernsprecher wurde 1889 in der Hartford Bank in Hartford (Conn.) von der Southern New England Telephone Company installiert.

1891 gründete Gray mit anderen die "Telephone Pay-Station Company, die Münztelefone an Geschäftsinhaber vermietete.

Da der 1888 mit der photographischen Kamera "Kodak Nr. 1" auf den Markt gekommene Papierrollfilm zwar eine brauchbare, aber keine ideale Lösung war, suchte man in der Firma "Eastman Dry Plate and Film Company", Rochester (N. Y.), nach anderen photographischen Schichtträgern und stieß dabei auf das Zelluloid. Die auf diesen transparenten Träger aufgetragene Emulsion brauchte zum Kopieren der Negative nicht mehr abgelöst zu werden. 1889 fertigte George Eastman die ersten Rollfilme aus Zelluloid und brachte sie auf den Markt.

(Im Zusamenhang mit der Patentanmeldung stellte sich heraus, daß der amerikanische Geistliche Hannibal Goodwin[* 1822, † 1900] bereits 1887 ein Zelluloidrollfilmpatent angemeldet hatte. Nach einem langjährigen Prioritätsstreit wurde Goodwin das US-Patent am 13. 9. 1898 als zu Recht bestehend zuerkannt; Eastman mußte an Goodwin eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen.)

Die erste deutsche Fachzeitschrift für das Zeitungswesen war "Das Zeitungs-Museum", Aachen (Jg. 1) 1889-1890. Herausgeber war Oscar von Forckenbeck (* 1822, † 1898), der Gründer des heutigen "Internationalen Zeitungsmuseums der Stadt Aachen" (gegr. 1885).

Die erste Musikbox mit Münzeinwurf wurde am 23. November 1889 im Palais Royal in San Francisco von Louis Glass, Direktor der Firma Pacific Phonograph Co., aufgestellt. Es handelte sich um einen elektrisch betriebenen umgebauten Edison-Phonographen mit vier Hörrohren. Jedes Hörrohr, zu dem jeweils ein separater Münzeinwurf gehörte, konnte nur von einer Person benutzt werden. Die Verwendung des Phonographen als Münzautomat war eigentlich nicht im Sinne des Erfinders. Aber da die neuen Geräte beim Publikum sehr beliebt waren, ließ Thomas Alva Edison ab 1891 auch Walzen mit Musikaufnahmen produzieren.

Die erste Tastenaddiermaschine mit Druckwerk brachte die Firma Felt & Tarrant Manufacturing Co., Chicago (Ill.), im Dezember 1889 heraus. Bei ihr wurden die Einzelposten und die Endsumme auf einem Papierstreifen ausgedruckt. Die erste Maschine dieser Art wurde von der "Merchants and Manufacturers National Bank", Pittsburgh (Pa.), erworben.

Die erste Pharmakopöe in deutscher Sprache erschien in Berlin 1890 als "Arzneibuch für das Deutsche Reich" (zugleich als 3. Ausgabe der "Pharmacopoea Germanica" [1872]).

Der französische Physiologe Étienne Jules Marey (* Beaune 1830, † Paris 1904) konstruierte mit seiner 1890 patentierten chronophotographischen Kamera, einer verbesserten Version seines "photographischen Gewehrs" (1882), die erste funktionsfähige Filmkamera der Welt. Für sie verwendete er die von George Eastman entwickelten Rollfilme (1884, 1889) (zunächst den Papierfilm, später den Zelluloidfilm). 1893 erhielt er ein Patent auf einen Projektor zur Vorführung der mit der chronophotographischen Kamera produzierten Filmstreifen. Kamera und Projektor waren die unmittelbaren Vorläufer der modernen Filmkameras und Kinoprojektoren. Durch schnelle Folgen von 50-60 Bildern pro Sekunde bei der Aufnahme und einer Wiedergabegeschwindigkeit von etwa 10 Bildern pro Sekunde konnte Marey erstmals einen Zeitlupeneffekt erzielen.

Die Aufbereitung von Informationen in maschinenlesbarer Form erfolgte erstmals konsequent durch den deutschamerikanischen Ingenieur Hermann Hollerith (* Buffalo [N. Y.] 1860, † Washington [D. C.] 1929) mit dem von ihm entwickelten Lochkartenverfahren, bei dem gelochte Karten (als Informationsträger) durch Abtastfedern einer elektromechanischen (Lochkarten-) Maschine entsprechend der Lochung automatisch sortiert, ausgezählt und tabelliert werden. Das am 8. Januar 1889 vom Deutschen Reichspatentamt patentierte Hollerith-Lochkartenverfahren (erstes Datenverarbeitungspatent) wurde zum erstenmal bei der amerikanischen Volkszählung 1890 in größerem Umfang angewandt und bestand dabei seine erste große Bewährungsprobe. (Während nach der Volkszählung von 1880, bei der die Daten von etwa 50 Millionen Menschen erfaßt wurden, 500 Helfer nahezu 7 Jahre damit beschäftigt waren, die Ergebnisse auszuwerten, bewältigte Hollerith die Angaben von rd. 65 Millionen Menschen mit 43 Lochkartenmaschinen in 4 Wochen.) Hollerith war mit der Erfindung der Lochkartentechnik (zum Zwecke der Datenverarbeitung) der Wegbereiter der maschinellen Verarbeitung von statistischen Daten.

Der tschechische Maler und Graphiker Karel Klic (Karl Klietsch) (* Arnau [Ostböhm. Kr.] 1841, † Wien 1926) entwickelte über die Heliogravüre (1878) um 1890 den Rakeltiefdruck, einen (mit Zylindern arbeitenden) maschinellen Tiefdruck, bei dem der (geätzte) Druckzylinder zum Teil in einen Farbbehälter eintaucht und vor dem Druck die überschüssige Druckfarbe von der Oberfläche der Druckform durch eine Rakel entfernt wird. 1904 wurde die erste Rakeltiefdruck-Rotationsmaschine von der Elsässischen Maschinengesellschaft in Mülhausen konstruiert und gebaut.

Die erste Tageszeitung in Bulgarien war "Balkanska Zora" (Balkanmorgenröte), Plowdiw 1890-1900.

Die erste europäische illustrierte Tageszeitung wurde in London am 4. 1. 1890 u.d.T. "Daily Graphic" gegründet (3. 1. 1953 ff.; Daily Sketch and Daily Graphic). Sie wurde durch ihre aktuellen Zeichnungen, u.a. aus dem Parlament, bekannt.

Die erste deutsche politische und gewerkschaftliche Frauenzeitschrift war die von der Politikerin und Gewerkschaftlerin Emma Ihrer (* Glatz 1857, † Berlin 1911) herausgegebene Zeitschrift "Die Arbeiterin. Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes", Hamburg 1890-1891 (Forts.: Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, Berlin [Stuttgart] 1892-1923, herausgegeben von Emma Ihrer, später von der Politikerin Clara Zetkin[* Wiederau, Sachsen, 1857, † Archangelskoje bei Moskau 1933]).

Die Grundlage für die heutige Schreibmaschine mit sichtbarer Schrift wurde 1890 durch den Deutschamerikaner Franz Xaver Wagner (* Heimbach [bei Neuwied] 1837, † New York 1907) und seinem Sohn Hermann mit der segmentartigen Anordnung der Typenhebel gelegt. Die Tastatur entsprach der 1888 auf dem ersten Maschinenschreiberkongreß in Toronto (Kanada) festgelegten noch heute gültigen Buchstabenaufteilung. Die Konstruktion der Wagner-Maschine führte zum revolutionären Verkaufserfolg der von der Underwood-Typewriter Company, New York, serienmäßig hergestellten "Underwood", nachdem die Firma 1898 von Wagner, der in finanzielle Schwierigkeiten gekommen war, alle Patente und Herstellungsrechte übernommen hatte.

Die erste norwegische Bibelübersetzung erschien in Christiana (Oslo) erst in den Jahren 1891 bis 1904 (1930 revidiert); zuvor wurden in Norwegen dänische Bibelausgaben benutzt.

Die erste und heute noch erscheinende französische Bibliothekszeitschrift ist die in Paris 1891 gegründete "Revue des bibliothèques".

Eine Buchgemeinschaft (Buchklub) ist ein buchhändlerisches Unternehmen, das Bücher, Schallplatten und dgl. auf der Grundlage einer festen Abnahmeverpflichtung zu reduzierten Preisen verkauft. Nach Vorläufern wie konfessionell, gewerkschaftlich u.ä. organisierten Lesevereinen Anfang des 19. Jh. begann in Deutschland die Geschichte der Buchgemeinschaften mit der aus dem Arbeiterbildungsgedanken ("Wissen ist Macht", "Das Buch dem Volke") entstandenen Gründung des "Vereins der Bücherfreunde", 1891.

Exlibris (Bücherzeichen mit dem Namen[szeichen] des Bucheigentümers) sind begehrte Sammelobjekte. Exlibrissammler haben sich zu Vereinen und Tauschringen zusammengeschlossen. Der älteste Zusammenschluß von Exlibrissammlern ist die 1891 in London gegründete "Ex Libris Society". Ebenfalls 1891 wurde in Deutschland der "Ex-libris-Verein zu Berlin" gegründet. (Ab 1892: "Deutscher Verein für Exlibriskunst und Gebrauchsgraphik"; 1949 Neugründung als "Deutsche Exlibris-Gesellschaft" mit Sitz in Frankfurt/M.) Andere Länder folgten.

Der französische Physiker luxemburgischer Herkunft und spätere Nobelpreisträger Gabriel Jonas Lippmann (* Hollerich 1845, † auf einer Seereise 1921) entwickelte 1891 ein auf Lichtinterferenzen beruhendes Verfahren der Farbphotographie. Das später nach ihm benannte Lippmann-Verfahren lieferte erstmals ausgezeichnete Farbphotos, wurde aber nur experimentell (bis zum Ersten Weltkrieg) angewandt; für die Anwendung in der Praxis war es zu umständlich (u.a. zu lange Belichtungszeiten).

Der erste kommerziell entwickelte Filmprozeß (Filmaufnahme und -wiedergabe) stammte aus dem von dem amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison (* Milan [Oh.] 1847, † West Orange[ N. J.] 1931) 1887 in West Orange (N. J.) eingerichteten Laboratorium. Zwei Geräte gingen aus ihm hervor, die sich Edison 1891 patentieren ließ: sein Kinetograph, ein mit perforiertem, 35 mm breitem Film (dessen Maße seitdem als internationale Norm gelten) arbeitendes Filmaufnahmegerät (Filmkamera) und sein Kinetoskop, ein dazugehöriger Filmbetrachter, der allerdings nur von jeweils einer Person benutzt werden konnte. In dem für Aufnahmen mit dem Kinetographen in West Orange gebauten Atelier, dem ersten Filmatelier der Welt, wurden die ersten Filme von je 6000 Bildern gedreht. Themen der gefilmten kurzen Handlungsabläufe waren "Der Hufschmied", "Der Hahnenkampf", "Trapezakt", "Der Friseurladen" u.a.
Fünf Apparate des Kinetoskops wurden erstmals 1894 in New York auf dem Broadway aufgestellt. Sie waren als Münzautomaten eingerichtet und fanden regen Zulauf, so daß bald in mehreren Ländern zahlreiche Kinetoskop-Salons eröffnet wurden. Trotzdem hielt Edison den Film noch für unbedeutend und entwickelte sein Kinetoskop nicht, was naheliegend gewesen wäre, zu einem Projektionsapparat. Das besorgten erst die Brüder Lumière in Paris mit ihrem ausgereiften kinematographischen Verfahren (1895).

Die 1891 von dem englischen Dichter, Kunsthandwerker und Reformator der Buchkunst William Morris (* Walthamstow[heute zu London] 1834, † Hammersmith [heute zu London] 1896) gegründete Kelmscott Press in London-Hammersmith (bis 1898 in Betrieb) löste, vor allem in Deutschland und in den USA, die Gründung von Privatpressen aus, die als Alternative zur zunehmenden Technisierung der Buchproduktion bibliophile Bücher handwerklich herstellten.

1891 wurde das erste unter Wasser verlegte Telefonkabel zwischen England und Frankreich in Betrieb genommen.

Der erste deutsche Bestsellerautor war Karl May (* Ernstthal [heute zu Hohenstein-Ernstthal ] 1842, † Radebeul 1912). Seine Reiseromane erschienen in größerem Umfang ab 1892, begonnen mit "Durch die Wüste", im Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg/Br.

Die erste lettische Enzyklopädie ("Konversacijas vardnica") erschien mit 27 Lieferungen in Riga(?) 1892-1898. Bis zum Stichwort "Kristjans" reichend blieb sie unvollendet.

Das erste in Deutschland hergestellte Kunstdruckpapier (besonders hochwertiges Papier mit glatter Oberfläche) lieferte 1892 die Firma C. Scheufelen in Oberlenningen (Kr. Nürtingen) aus.

Der Franzose Emile Reynaud (* 1844, † 1918) verbesserte sein 1877 geschaffenes Praxinoskop und kombinierte es (vermutlich in Anlehnung an die Erfindung des Freiherrn Franz von Uchatius [1852]) mit einer Laterna magica, so daß er es zur Projektion laufender Bilder benutzen konnte. Die erste öffentliche Vorführung seines 1889 patentierten Verfahrens, das Reynaud "Théatre Optique" nannte, fand am 28. Oktober 1892 im Musée Grévin am Boulevard Montmartre in Paris statt. Jeder kleine Geschichten darstellende, zumeist farbige (wenn auch nicht photochemisch zustande gekommene) "Film" dauerte bis zu 15 Minuten, hatte maximal 700 Bilder und wurde sogar von zu den Bildern passenden elektrisch ausgelösten Geräuschen begleitet. Mit einem farbigen Plakat (mit der Aufschrift "Musée Grévin. Pantomimes lumineuses. Théatre Optique de E. Reynaud. Musique de Gaston Paulin. Tous les jours de 3 h.á 6 h. & de 8 h. á 11 h."), dem wohl ältesten Kinoplakat der Welt (1892), lockte Reynaud von 1892 bis 1900 eine halbe Million Menschen in 12800 Vorstellungen.

Die erste deutsche Zeitschrift für Athletik war die 1892 in München gegründete "Internationale Illustrierte Athleten-Zeitung", die unter mehreren Titeländerungen (letzter Titel ab 1908; Illustrierte Sportzeitung zur Hebung der Volkskraft) bis 1914 erschien.

Die Zulassungsbedingungen zum wissenschaftlichen Bibliotheksdienst für ganz Deutschland stellte erstmalig der preußische "Erlaß betreffend die Befähigung zum wissenschaftlichen Bibliotheksdienst an der Königlichen Bibliothek zu Berlin und den königlichen Universitätsbibliotheken" vom 15. 12. 1893 dar, der dem Sinn nach für alle deutschen Länder verbindlich wurde.

Seit 1893 erscheint in Amsterdam als älteste niederländische Kaufzeitung die Tageszeitung "De Telegraaf".

Die erste (im Koffer) tragbare Schreibmaschine (Kofferschreibmaschine) wurde 1889 von dem Amerikaner George C. Blickensderfer aus Erie (Pa.) entwickelt und 1893 von der Blickensderfer Manufacturing Company in Stamford (Conn.) unter der Bezeichnung "Blick No. 5" hergestellt.

Die erste deutsche Zeitschrift für den Schießsport wurde 1893 in München als "Illustrierte bayerische Schützen-Zeitung" gegründet, die noch heute, nach Titeländerungen, als "Allgemeine Bayerische Schützenzeitung" erscheint.

Die erste deutsche Zeitschrift für den Skisport war "Der Schneeschuh", München 1893-1895.

Die älteste öffentliche Blindenbibliothek in Deutschland (die für blinde und sehbehinderte Personen geeignete Medien in Groß- oder Punktschrift, Tonbandkassetten u.ä. sammelt, erschließt und verleiht) ist die 1894 in Leipzig gegründete "Zentralbücherei für Blinde", heute unter dem Namen "Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)".

Der Rundfunk, Radio (engl.: Broadcasting), die Verbreitung von Darbietungen in Ton (Hör-, Ton-Rundfunk) oder Bild (Fernseh-Rundfunk, Fernsehen, engl.: Television) durch elektromagnetische Wellen, meist drahtlos, aber auch über Fernsprech- und Stromversorgungsleitungen sowie über spezielle Kabel (Drahtfunk, Kabelrundfunk) oder über Satellitenverbindungen, für einen unbegrenzten Personenkreis, wurde ein bedeutendes Medium in technischer, publizistischer und künstlerischer Hinsicht und das erste elektrische Massenmedium. Der Rundfunk nahm seinen Ausgang von der drahtlosen Telegrafie (Funktelegrafie), an deren Verwirklichung nahezu gleichzeitig der italienische Ingenieur und Physiker Guglielmo Marconi (* Bologna 1874, † Rom 1937) und der russische Physiker Aleksandr Stepanowitsch Popow (* Turinskije Rudniki [heute Krasnoturinsk] 1859, † Petersburg 1906) 1894/1895 arbeiteten. Doch Erfolg und Ruhm waren nur Marconi beschieden, nicht zuletzt deshalb, weil er für seine Experimente finanzielle Unterstützung fand. Beide Wissenschaftler griffen auf bereits vorhandene Erkenntnisse und Erfindungen zurück. Neu war, daß sie sie für die drahtlose Nachrichtenübermittlung (Funktechnik) zu nutzen wußten. Grundlagen der Funktechnik waren:
1) Der britische Physiker James Clerk Maxwell (* Edinburgh 1831, † Cambridge 1879) wies im wesentlichen in den Jahren 1861-1864 theoretisch die Existenz elektromagnetischer Wellen nach, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten.
2) Dem deutschen Physiker Heinrich Rudolf Hertz (* Hamburg 1857, † Bonn 1894) gelang es 1888, die elektromagnetischen Wellen experimentell nachzuweisen: Mit einem von ihm konstruierten Sender (Funkeninduktor), den er Resonator nannte, konnte er erstmals Wellen, die man später als elektromagnetische Wellen bezeichnete, erzeugen und über eine bestimmte Entfernung übertragen.
3) Der französische Physiker Edouard Branly (* Amiens 1844, † Paris 1940) konstruierte 1888 ein Gerät (später Kohärer genannt), mit dem elektromagnetische Wellen nachgewiesen und in elektrischen Strom umgewandelt werden konnten (was ihm 1921 den Nobelpreis für Physik einbrachte).
Marconi begann im Sommer 1894 mit den Hertzschen Wellen zu experimentieren. Er konstruierte einen aus einem Hertzschen Funkenerzeuger und einem Branlyschen Kohärer bestehenden Sender und sendete damit im Dezember 1894 ein Funksignal durch den Raum, das eine elektrische Klingel (sozusagen ferngesteuert) zum Läuten brachte. Dies war der Anfang der Funktechnik.

Zusätzlich zu den im Mittelalter aufgekommenen Theaterzetteln gaben manche Theatergruppen ab Mitte des 19. Jh. größere gedruckte Plakate, auch mit Wochenspielplan, heraus, wodurch das Ende des Theaterzettels eingeleitet war. Er verschwand bald endgültig, nachdem am 30. August 1894 am Berliner Schiller-Theater das erste Theaterprogramm heutiger Machart verkauft worden war.

Die erste für Freunde des Automobilsports bestimmte Zeitschrift war die Monatsschrift "La Locomotion Automobile", Paris (1. Dezember) 1894-1908.

Die erste Elektrifizierung einer Eisenbahnstrecke wurde in den USA von der Baltimore & Ohio Railroad im Jahr 1894 auf einer knapp 6 km langen, teils über, teils unter der Erde verlaufenden Strecke durch Baltimore (Md.) vorgenommen. Die elektrifizierte Strecke wurde am 4. August 1894 für den Güterverkehr und am 1. Mai 1895 für den Personenverkehr eröffnet.

Ein von den Ingenieuren Heinrich Hildebrand und Alois Wolfmüller 1894 in München konstruiertes Zweirad mit Zweizylinder-Viertaktmotor war das erste Kraftrad, das den Erfindern unter der Bezeichnung "Motorrad" patentiert wurde. Es war zudem das erste in Serie hergestellte Motorrad, von dem angeblich rd. 800 Stück entstanden sind.

Bestsellerlisten, Listen von in kurzer Zeit verkauften Büchern mit hoher Auflage, wurden erstmals in den USA 1895 herausgegeben.

Bona Peiser (* 1864, † 1929) gilt als erste deutsche Bibliothekarin. Nach einer Vorbereitung auf den Bibliotheksdienst während eines längeren Englandaufenthaltes durch individuelle Fachstudien und Tätigkeit in einer Public library wurde sie 1895 Leiterin der öffentlichen Lesehalle der "Gesellschaft für Ethische Kultur" in Berlin (gegr. 1895).

Aufgrund der gegen Ende des 19. Jh. aufkommenden volksbildnerischen Bestrebungen wurden kurz vor und nach 1900 in einer Reihe von deutschen Großstädten nach dem Vorbild der angelsächsischen Public libraries, teils als kommunale Einrichtungen, teils als private Stiftungen, allgemeinbildende öffentliche Bibliotheken gegründet, die Bücherhallen oder Lesehallen genannt wurden. Die Bücherhalle, die eine Verbindung zwischen Ausleihbibliothek und Lesesaal darstellte, reformierte die alte Volksbücherei und schuf den Typ der modernen öffentlichen Bibliothek. Die erste Bücherhalle wurde von der 1892 gegründeten "Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur", einer bürgerlichen Bildungsvereinigung, in Berlin am 1. Januar 1895 gegründet. (Sie wurde als Keimzelle des inzwischen verstärkt entwickelten städtischen Büchereiwesens Berlins in dieses 1927 in Form einer Zweigstelle integriert.)

Die wohl erste indonesische Enzyklopädie war die "Encyclopaedie van Nederlandsch-Indië", 4 Bde., Den Haag um 1895-1905.

Das Jahr 1895 wurde für die Entwicklung der Filmtechnik entscheidend, da in ihm (nach vielen Vorläufern) die ersten brauchbaren Aufnahme- und Wiedergabegeräte von beweglichen Bildern gebaut wurden, mit denen 1895 auch die ersten Filme öffentlich vorgeführt wurden:
Am 20. Mai 1895 fand in New York am Broadway vor zahlendem Publikum auf einer Leinwand eine Filmvorführung durch Major Woodville Latham, Mitbegründer der 1894 gegründeten Filmvorführungsgesellschaft "Lambda Company", statt. Den Apparat für die Laufbildprojektion ("Eidoloskop") hatte ein ehemaliger Mitarbeiter von Thomas Alva Edison, der Franzose Eugène Lauste, entwickelt. (Gezeigt wurde ein Boxkampf.)
Die deutschen Brüder Max Skladanowsky (* Berlin 1863, † ebd. 1939) und Emil Skladanowsky (* 1859, † 1945), von Haus aus Schausteller, führten ihre ersten Filmstreifen mit ihrem 1895 patentierten Reihenbildprojektor ("Bioskop") erstmals öffentlich am 1. November 1895 im Berliner "Wintergarten" vor. (Das Filmprogram umfaßte Schauturnen, Tänze, Darbietungen eines Jongleurs, einen Ringkampf u.ä.) In beiden Fällen blieben die Erfindungen ohne Nachwirkung.
Zukunftsweisend war dagegen der von dem Phototechniker Auguste Marie Louis Nicolas Lumière (* Besançon 1862, † Lyon 1954) zusammen mit seinem Bruder Louis Jean (* Besançon 1864, † Bandol [Dép. Var] 1948) ab 1894, von vornherein mit der Zielsetzung einer industriellen Produktion, entwickelte "Kinematograph" ("Cinématographe"), das erste kombinierte Filmaufnahme- und -vorführgerät, das sich in der Praxis bewährte (Patentanmeldung: 13. Feruar 1895). Die erste geschlossene Vorführung fand am 22. März 1895 in der Rue de Rennes in Paris vor den Mitgliedern der französischen Industrieförderungsgesellschaft ("Société d'Encouragement pour l`Industrie nationale") statt. Dabei zeigten die Brüder Lumière den ersten von ihnen in Lyon gedrehten Film mit dem Titel "La sortie des ouvriers de l'usine Lumière" (frz.= Arbeiter beim Verlassen des Lumière-Werkes [d.i. der 1882 von Vater Antoine Lumière gegründeten Fabrik für photographische Platten]). Die öffentlichen Vorführungen begannen am 28. Dezember 1895 vor einem zahlenden Publikum im Indischen Salon des Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris. (Alle halbe Stunde fand eine Vorführung statt und dauerte 15 Minuten; das Programm bestand aus 15 Kurzfilmen.) Damit war das erste öffentliche Kino der Welt entstanden. Die Lumière-Erfindung, durch welche die technischen Voraussetzungen für die Entwicklung des Films von einem anfangs wissenschaftlichen Spielzeug zu einem Massenunterhaltungs- und Informationsmittel geschaffen worden waren, machte der Filmindustrie den Weg frei.

Der russische Physiker Aleksandr Stepanowitsch Popow (* Turinskije Rudniki [heute zu Krasnoturinsk] 1859, † Petersburg 1906), wie der Italiener Guglielmo Marconi Pionier der Funktechnik, führte am 7. Mai 1895 in Petersburg seinen ersten Empfänger für Funksignale vor. Ausgehend von der Idee, daß Blitze bei Gewittern auch Funken sind und demzufolge elektromagnetische Wellen ausstrahlen müssen, verband er einen Branly-Kohärer mit einem "Luftdraht" und einer Erdleitung. Durch die Einführung des Luftdrahtes, der später als Antenne bezeichnet werden sollte, konnte er Gewitter (also elektromagnetische Wellen) auf größere Entfernungen (20-30 km) registrieren.

Nachdem der Italiener Guglielmo Marconi 1894 mit seiner "Klingel ohne Draht" Aufsehen erregt hatte, begann er im September 1895 seine Versuche mit den elektromagnetischen Wellen im Freien und beobachtete dabei, daß die Reichweite seiner Morsesignale wuchs, wenn er jeweils einen Pol von Sender und Empfänger mit der Erde verband und die beiden anderen Pole mit senkrecht hochgeführten Luftdrähten zusammenschaltete. Dadurch konnte er fast 2,5 km überbrücken und die Signale sogar über natürliche Hindernisse (Hügel, Berge) hinweg empfangen. (Vermutlich in Unkenntnis der Versuche des Russen Aleksandr Stepanowitsch Popow [1895] hatte Marconi damit zum zweitenmal Luftdraht und Erdverbindung erfunden.) Zur praktischen Auswertung seiner Erfindung, der Erdung der Sende- und Empfangsantenne, für die er in Italien kein Interesse fand, ging Marconi im Februar 1896 nach England und widmete sich hier vorwiegend als Geschäftsmann der Leitung seines 1897 gegründeten Unternehmens "Wireless Telegraph Trading Signal Co. Ltd." (seit 1900 "Marconi`s Wireless Telegraph Co. Ltd."), führte aber seine Funkversuche über ständig größere Entfernungen durch. Bedeutsam waren seine Funkversuche am Bristolkanal am 13./14. Mai 1897.

Der Erfinder der Schallplatte, Emil Berliner (* Hannover 1851, † Washington [D. C.] 1929), machte diese mit seiner 1895 entwickelten Schellackplatte zu einem Massenprodukt. Fast 60 Jahre beherrschte die ab 1897 kommerziell hergestellte, mit 78 U/min abgespielte Schellackplatte den Markt. Um 1892 war das Problem der Plattenvervielfältigung noch nicht gelöst. Jede Schallplatte mußte einzeln hergestellt werden. Wollte man viele Platten von einer Aufnahme fabrizieren, mußte z.B. der Sänger dasselbe Lied immer und immer wieder singen. Zur Herstellung der einzelnen Aufnahmeplatte kam Berliner von seiner berußten Platte als Tonträger bald ab und verwendete eine mit einer Wachsschicht bedeckte Zinkscheibe. Der Stift ritzte die Spirallinie der Schallschwingungen in das Wachs ein und legte das Metall frei. Das Rillenmuster wurde mit Säure in das Zink eingeätzt. Das Wachs wurde entfernt, und eine fertige Schallplatte aus Metall war abspielbereit. Das Problem der Vervielfältigung wurde dadurch gelöst, daß es Berliner durch zahlreiche Versuche gelang, seine Aufnahmeplatte, jetzt in Form einer massiven Wachsplatte, elektrisch leitend zu machen, so daß ein galvanischer Abzug der Originalplatte aus Kupfer hergestellt und davon Kopien gepreßt werden konnten. Schließlich fand Berliner für die nach dem neuen Verfahren gepreßten Platten ein geeignetes Material in einer Masse, die zu ca. 70% aus feinem Gesteinsmehl und zu ca. 30% aus Schellack mit Zusätzen bestand. Das Gesteinsmehl gab der Platte die notwendige Härte, aber auch die vielfach beklagte Zerbrechlichkeit.

1895 druckten die Verlage Georg Westermann, Braunschweig, (gegr. 1838) und Velhagen & Klasing, Bielefeld, (gegr. 1835) ihre illustrierten "Monatshefte" ("Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte", 1856-1985, "Velhagen & Klasings Monatshefte", 1886-1953) zu großen Teilen erstmals auf Kunstdruckpapier.

Der erste benzinbetriebene Omnibus war ein 5 PS starker geschlossener Kutschwagen der Firma Benz mit acht Sitzen im Innern und zwei weiteren außen in der Fahrerkabine. Der Autobus verkehrte ab 18. März 1895 auf der 15 km langen Strecke Siegen - Netphen - Deuz und wurde von der Netphener Omnibusgesellschaft betrieben; am 1. Juli 1895 kam ein zweiter Kraftomnibus hinzu. Beide 0mnibusse hatten eine Geschwindigkeit von 14 km/h. Da sich das Unternehmen als unwirtschaftlich erwies, stellte es schon am 20. Dezember 1895 seinen Betrieb ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten beide Autobusse 10 600 zahlende Fahrgäste befördert.

"The Illustrated London News" wendete als erste Zeitung 1895 für ihre Bildinformationen das von dem Tschechen Karel Klic 1879 entwickelte Photographie-Reproduktionsverfahren an. (Von 1912 an erschien sie regelmäßig mit acht Bildseiten nach dem Klic-Prinzip.) Aber erst die Entwicklung einer Hochdruck-Bildtechnik durch den Deutschen Georg Meisenbach (Autotypie [1881]) verhalf der Pressephotographie zum Durchbruch.

Die erste vollständige Miniaturbibel ("The Holy Bible") wurde von dem Miniaturbuchhersteller David Bryce in Glasgow 1896 verlegt. Sie umfaßt 876 Seiten, ist auf Dünndruckpapier gedruckt und 46 x 32 mm groß.

Die in den USA entstandenen Comics (engl., amerik.= Drolliges) sind mit Texten gekoppelte Bildergeschichten, die in regelmäßigen Fortsetzungen als Streifen (Comic strips) in den Tageszeitungen bzw. seitenfüllend als Beilage der Sonntagsblätter oder als Fortsetzungshefte (Comic books) erscheinen. Die Zeichnungen sind leicht verständlich, oft farbig, mit Sprechblasen. Inhaltlich handelt es sich bei ihnen meist um Abenteuer-, Kriegs- und Liebesgeschichten u.ä. Als erster Comic gilt die von Richard Felton Outcault gezeichnete Serie "The yellow kid", eine sozialkritische Lausbubengeschichte, die ab 18. Oktober 1896 für eine kurze Zeit im "New York Journal" erschien.

Der französische Bühnenarchitekt und Karikaturist sowie Filmpionier Georges Méliès (* Paris 1861, † ebd. 1938), der von 1896 bis 1913 Hunderte von Filmen drehte, gilt als der erste eigentliche Filmschöpfer. Er führte Spielhandlung in den Film ein und warb berufsmäßige Schauspieler an ("L'escamotage d'une dame" [1896], erster Film mit Spielhandlung und Schauspielern, "L'histoire d'une crime" [1899], erster Kriminalfilm) und erfand den Zeichentrickfilm ("Le voyage dans la lune" [1902]).

Die erste in Kurzschrift abgefaßte Frauenzeitschrift in Deutschland gab der "Deutsche Gabelsberger Damen-Stenographen-Verein in Brünn" u.d.T. "Erste stenographische Frauenzeitung" heraus. Sie erschien mit allerdings nur einem Jahrgang in Wolfenbüttel 1896.

Nachdem der russische Physiker Aleksandr Stepanowitsch Popow festgestellt hatte, daß sein 1895 demonstriertes Gewitterregistriergerät auch künstlich erzeugte elektromagnetische Wellen empfing, machte er den Branly-Kohärer für die Übermittlung von Telegrafiezeichen brauchbar. 1896 übertrug er auf dem Petersburger Universitätsgelände über eine Entfernung von 250 m in Morseschrift zu Ehren des Entdeckers der elektromagnetischen Wellen drahtlos die Worte "Heinrich Hertz". Dies war das erste Funktelegramm der Geschichte und der Anfang der Funktelegrafie.

Nach dem spektakulären Erfolg des Einsatzes von Lochkarten bei der amerikanischen Volkszählung von 1890 gründete Hermann Hollerith 1896 in New York mit der "Tabulating Machine Company" die erste Lochkartenmaschinenfirma, aus der sowie aus weiteren zugekauften Hollerith-Firmen 1924 die IBM (International Business Machines Corporation), Armonk (N. Y.), entstand. Sie erlangte bald die Herrschaft über den damaligen Markt mechanischer Lochkartenmaschinen als Grundlage für ihre spätere Vormachtstellung in der Computerbranche.

1896 brachte Thomas Alva Edison (* Milan [Oh.] 1847, † West Orange [N. J.] 1931) sein Kinetophon (auch Kinetophonograph genannt) heraus, eine mechanische Kopplung zwischen seinem Kinetoskop zum Betrachten von Filmstreifen (1891) und seinem Phonographen (1877). Es gestattete, einen 15 m langen Endlosfilmstreifen mit Sprache und Musik zu unterlegen. Dieses Film-Ton-Gerät machte, als Münzapparat ausgebildet, allerdings für nur kurze Zeit das Kinematographentheater zu einer neuen Attraktion.

Seit Bestehen der Kinematographie versuchte man, durch Breitwandverfahren (Breitbildverfahren), d.h. durch Wiedergabe von Filmbildern mit besonders gestrecktem Seitenverhältnis und damit Erweiterung des Blickfeldes, den Betrachter zu beeindrucken. Das erste Breitwandverfahren wurde 1897 von der amerikanischen Filmgesellschaft "Veriscope Company", New York, angewendet. Sie arbeitete mit einem 70-mm-Film, bei dem die Bildbreite auf der Leinwand doppelt so groß wie die Bildhöhe war. Gezeigt wurde ein von Enoch J. Rector produzierter 15-Minuten-Film über einen Boxkampf. Ebenfalls im Jahre 1897 ließ sich der französische Filmpionier Raoul Grimoin-Sanson (* 1860, † 1941) ein Panoramaprojektionsverfahren ("Cinéorama") patentieren, mit welchem eine totale Rundumprojektion verwirklicht wurde. Zur Massenattraktion wurde auf der Pariser Weltausstellung von 1900 sein Panoramafilm von einem Ballonaufstieg, den er als lebendes Rundbild, erzeugt von zehn im Kreis montierten Filmprojektoren, auf einer (um die Zuschauer gespannten) Rundumleinwand von 100 m Umfang vorführte.

Am 12. Dezember 1897 erschien im "New York Journal" die an "Max und Moritz" (1865) von Wilhelm Busch orientierte Comic-Serie "The Katzenjammer kids", die der aus Deutschland eingewanderte Zeichner Rudolph Dirks hergestellt hatte. Sie ist der älteste, heute noch erscheinende Comic strip.

In Deutschland wurden die ersten Funkversuche (nach dem Marconi-System) 1897 von dem Ingenieur und Hochfrequenztechniker Adolf Slaby (* Berlin 1849, † ebd. 1919) mit Unterstützung seines Assistenten Georg Graf von Arco (* Großgorschütz [bei Ratibor] 1869, † Berlin 1940) durchgeführt. Im Juni telegrafierten beide von einem Hörsaal der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg aus bis zu einem rd. 500 m entfernten Wasserturm; im Herbst erreichten sie bereits eine Reichweite von 21 km. Später entwickelten beide Funkpioniere ein eigenes System drahtloser Telegrafie.

Die erste deutsche Zeitschrift für Bibliophilie war die "Zeitschrift für Bücherfreunde", Bielefeld, Leipzig 1897-1936. Herausgeber 1897-1909 war der deutsche Schriftsteller Fedor von Zobelitz (* Spiegelberg [heute zu Neustadt/Dosse, Kr. Kyritz ] 1857, † Berlin 1934).

Eine zweite Entwicklungslinie der photographischen Kamera für Rollfilm, die der Klapp- oder Faltkameras, setzte sich im Gegensatz zur Boxkamera nicht bis in die Gegenwart durch. Bei diesem Kameratyp handelte es sich um Apparate mit ausklappbaren oder herausziehbaren Balgen; im geschlossenen Zustand hatten sie die Gestalt eines handgroßen Etuis. Das erste Modell einer Klappkamera stellte die Eastman Kodak Company 1897 in London erstmals öffentlich vor. Es setzte sich unter der Bezeichnung "Folding Pocket Kodak" durch und kostete anfangs acht Dollar. (Der entscheidende Durchbruch für die Idee der Pocket-Kamera kam aber erst mit der "Instamatic", für die Eastman Kodak die Filme in schnell auswechselbaren Kassetten lieferte [1963].)
In der Folgezeit gaben fast alle Kamerahersteller Klappkameras heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ das Interesse an diesem Kameratyp nach; ab den sechziger Jahren wurde er nicht mehr produziert.

Nach einem ersten Versuch einer einheitlichen Regelung der deutschen Bühnenaussprache, einer normierten, für die Bühnen verbindlich erklärten Aussprache des Hochdeutschen, durch Goethes "Regeln für Schauspieler" (1803), wurden die von einer Kommission erstmals systematisch festgelegten Regeln von dem Germanisten und Sprachforscher Theodor Siebs (* Bremen 1862, † Breslau 1941) in seinem Buch "Deutsche Bühnenaussprache", Köln 1898, zusammengefaßt.

Hildegard Wegscheider, geb. Ziegler (* Berlin 1871, † 1953), die erste Abiturientin Preußens, erlangte mit ihrer Dissertation "Chronicon Carionis. Ein Beitrag zur Geschichtsschreibung des 16. Jahrhunderts" 1898 an der Universität Halle/Saale als erste Frau in Preußen den Doktorgrad der philosophischen Fakultät (Dr. phil.). (Vielfach gilt als erster weiblicher Dr. phil. in Deutschland Dorothea von Schlözer[* Göttingen 1770, † Tvignon 1825], der 1787 von der Universität Göttingen zwar "nach ordentlichem Examen", aber ohne Anfertigung einer Dissertation die philosophische Doktorwürde erteilt wurde.)

Als erste rumänische Enzyklopädie erschien die von Cornelius Diaconovich herausgegebene "Enciclopedia Româna", 3 Bde., Sibiu (Hermannstadt) 1898-1904.

Erzeugte man bisher elektromagnetische Wellen einfach mit einer Funkenstrecke, so verlegte der deutsche Physiker und Funkpionier Karl Ferdinand Braun (* Fulda 1850, † New York 1918) die Funkenstrecke in einen Schwingungskreis (aus Spule und Kondensator) und koppelte ihn mit einer Antenne. Durch diesen 1898 patentierten "gekoppelten Sender" wurde es möglich, elektromagnetische Wellen in eine bestimmte Richtung zu senden und größere Reichweiten zu erzielen. Sein Schwingungskreis im Telegrafensender und sein Kristalldetektorempfänger (1899) waren ein bedeutender Fortschritt in der drahtlosen Telegrafie. Hierfür erhielt Braun (zusammen mit Guglielmo Marconi) 1909 den Nobelpreis der Physik.

Die ersten drahtlos übermittelten Korrespondentenberichte in einer Zeitung erschienen als Extrablätter des "Dublin Express" mit laufenden Nachrichten über eine Regatta auf der Irischen See im Juli 1898. (Der Begründer der drahtlosen Telegrafie, Guglielmo Marconi, von der Zeitung als Reporter und Telegraf beauftragt, folgte von einem Schlepper aus der Regatta und funkte seine Berichte über das Ergebnis laufend zu einer Landestation.)

Der dänische Physiker Valdemar Poulsen (* Kopenhagen 1869, † New York 1942) erfand das erste Gerät zur magnetischen Schallaufzeichnung und -wiedergabe mit Hilfe eines magnetisierbaren Stahldrahtes als Tonträger. Dieses Gerät, das er "Telegraphon" nannte, 1898 in den USA und in Deutschland patentiert, sollte zur Aufzeichnung von Telefongesprächen dienen, die sich später über den Telefonhörer wieder abhören ließen.
In seinem ursprünglichen Gerät verwendete Poulsen einen von einer Walze ablaufenden Stahldraht, der an einem mit einem Mikrophon verbundenen Elektromagneten vorbeigeführt und entsprechend den Tonwerten unterschiedlich magnetisiert wurde. Ließ man den (magnetisierten) Draht ein zweites Mal an dem Elektromagneten vorbeilaufen, entstanden in ihm veränderliche elektrische Ströme, die die Membran des Telefonhörers zum Schwingen brachten. Die aufgezeichneten Töne konnten so beliebig oft abgehört werden.
In Verbindung mit dieser Konstruktion machte Poulsen die Grundlagenerfindung des Magnettonverfahrens (des Verfahrens zur Aufnahme und Wiedergabe von Schallereignissen mit Hilfe eines überwiegend bandförmigen magnetisierbaren Tonträgers). Das Telegraphon, der Vorläufer des heutigen Tonbandgerätes, stieß in der technischen Welt aber auf kein großes Interesse.
In den USA versuchte man allerdings, Poulsens System kommerziell zu verwerten. 1903 begann die American Telegraphone Company, Springfield (Mass.), mit der Produktion des Telegraphons, das sie als Diktiergerät und automatischen Anrufbeantworter verkaufte, jedoch ohne großen Erfolg, da sich das Gerät für den Heim- und Bürogebrauch als zu unhandlich erwies. Trotzdem waren der Stahldraht und das Stahlband dreißig Jahre lang das bevorzugte Material für die magnetische Tonaufzeichnung. 1908 wurden beim Internationalen Technikerkongreß in Kopenhagen sämtliche Reden mit einer gesamten Sprechzeit von etwa 14 Stunden auf ca. 2500 km Draht aufgenommen. Entscheidende Fortschritte brachten aber erst beschichtete Papier- und später Folienbänder (1928).

Der erste Sprachatlas (ein die geographische Verbreitung von [Dialekt-] Wörtern, Lauten oder anderen sprachlichen Erscheinungen verzeichnendes Kartenwerk) war der "Linguistische Atlas des dacorumänischen Sprachgebietes", Leipzig 1898-1909, des Romanisten und Balkanforschers Gustav Ludwig Weigand (* Disburg 1860, † Belgershain [bei Leipzig] 1930).

Da das menschliche Auge viele Bewegungsvorgänge nicht erfassen kann, weil sie entweder zu langsam (z.B. Wachstum einer Pflanze) oder zu schnell (z.B. rasche Umdrehung eines Rades) verlaufen, können zahlreiche Bewegungsabläufe nur mit der Kamera mit Hilfe eines Zeitraffer- bzw. Zeitlupenverfahrens sichtbar gemacht werden. Konnte schon der Franzose Étienne Jules Marey einen Zeitlupeneffekt erzielen (1890), so machte der deutsche Kinotechniker Oskar Eduard Meßter (* Berlin 1866, † Tegernsee 1943) 1898 in Berlin die ersten Zeitlupenaufnahmen für einen Publikumsfilm. Er benutzte eine dafür 1897 speziell konstruierte Kamera (Zeitlupenkamera) mit 60-mm-Film und einer Bildfrequenz von 100 Bildern je Sekunde. Unter anderem filmte er zeitgedehnt den Sprung einer Katze von einer Mauer mit 66 Bildern je Sekunde.

Als erste Lautsprecher (Geräte zur Umwandlung von elektrischen Schwingungen [tonfrequenten Wechselströmen] in hörbare [akustische] Schwingungen zur Wiedergabe von Sprache, Geräuschen, Musik) dienten Mikrophone und Grammophonschalltrichter. Das Prinzip des (heute bei fast allen Tonwiedergabegeräten verwendeten elektrodynamischen) Lautsprechers erfand der britische Physiker Sir (seit 1902) Oliver Joseph Lodge (* Penkhull [Cty. Staffordshire] 1851, † Lake [bei Salisbury] 1940) 1898 mit einem besonderen Telefon: Eine zwischen den speziell geformten Polen eines Magneten aufgehängte Spule wurde bei Stromdurchgang in Schwingungen versetzt. Lodge verband die Spule mit einem Kohlemikrophon, das die Schwingungen verstärkte, die schließlich von einem Telefonhörer wiedergegeben wurden.

Der Brasilianer Alberto Santos-Dumont (* São Paulo 1873, † Guarujá 1932) verwendete 1898 erstmals einen Benzinmotor als Antrieb für ein von ihm gebautes lenkbares, unstarres Luftschiff und flog damit eine Acht. In einem verbesserten Typ durchflog er 1901 einen 10 km langen Rundkurs um den Eiffelturm in weniger als 30 Minuten.

Die Möglichkeiten, die Erfindung des Automobils für den Post- und auch Reiseverkehr zu nutzen, wurden schon sehr früh erkannt. Der erste reguläre Postautodienst wurde mit einem Daimler-Kraftfahrzeug am 17. Juni 1898 in Schottland zwischen Inveraray und Adrishaig, Argyll, auf einer 42 km langen Strecke aufgenommen. Die Fahrt dauerte rd. drei Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 km/h entsprach. Der Dienst wurde so lange aufrechterhalten, bis schlechte Straßenverhältnisse und mechanische Schäden die Rückkehr zum Pferdewagen erforderlich machten.

Die älteste bibliophile Gesellschaft in Deutschland wurde 1899 in Weimar mit der "Gesellschaft der Bibliophilen" gegründet.

Die erste und heute noch erscheinende englische Bibliothekszeitschrift wurde in London 1899 u.d.T. "The Library Association Record" gegründet.

Die wohl älteste bulgarische Enzyklopädie ist das von L. J. Kasarov herausgegebene enzyklopädische Wörterbuch "Enciklopediceski recnik", 3 Bde., Plovdiv 1899-1907.

Der italienische Funkpionier Guglielmo Marconi (* Bologna 1874, † Rom 1937) stellte am 27. März 1899 die erste drahtlose Telegrafie-Verbindung zwischen England (Dover) und Frankreich (Wimereux) über 50 km her. Aus diesem Anlaß übertrug er an den französischen Physiker Edouard Branly (* Amiens 1844, † Paris 1940) ein Telegramm folgenden Wortlauts: "Mr. Marconi envoi à Mr. Branly ses respectueux compliments par le télégraph sans fil à travers la Manche ce beau résultat étant du en partie aux remarquables travaux de Mr. Branly".

"Die Woche. Moderne illustrierte Zeitschrift", erschienen 1899-1944 in dem von August Hugo Friedrich Scherl (* Düsseldorf 1849, † Berlin 1921) 1883 in Berlin gegründeten Scherl-Verlag, führte als erste deutsche Illustrierte den Mehrfarbendruck und die aktuelle Photoreportage ein.

Der amerikanische Elektroingenieur Michael Idvorsky Pupin (* Idvor [Banat] 1858, † New York 1935) erfand 1899 die nach ihm benannte Selbstinduktionsspule zur Verbesserung der Übertragungsleistungen von Fernsprechleitungen. Die Einführung der Pupinspulen in Fernsprechleitungen in regelmäßigen Abständen ("Pupinisierung"), wodurch die Dämpfung der Leitung vermindert wurde, war zu dieser Zeit das erste und einzige Mittel, Fernsprechen über einige 100 km Kabelleitungen mit wirtschaftlich tragbaren Drahtdurchmessern zu ermöglichen. Die trotzdem vorhandene Reichweitenbegrenzung entfiel erst durch die Erfindung der Elektronenröhre.
In Deutschland wurde die Pupinisierung nach 1900 durch den Siemens-Wissenschaftler August Ebeling (* 1859, † 1935) zur Praxisreife gebracht. 1902/1903 wurde ein Kabel von Berlin nach Potsdam zum ersten Mal mit Pupinspulen versehen; 1906 wurde als erstes Seekabel ein Kabel mit Pupinspulen durch den Bodensee verlegt.

Das erste Funknotsignal wurde am 17. März 1899 von einem versuchsweise mit einem Marconi-Sender ausgerüsteten Patrouillenboot ausgesandt, nachdem es ein auf den Goodwin Sands gestrandetes Handelsschiff entdeckt hatte. Die Nachricht wurde von dem diensthabenden Funker des Leuchtturms von South Foreland aufgefangen, der daraufhin Hilfe anforderte. Alle Seeleute und die Ladung wurden durch diesen ersten Seenotruf der Geschichte gerettet.

Die erste Funklinie in Deutschland wurde 1899 zwischen Cuxhaven und dem Feuerschiff "Elbe 1" eingerichtet.

Im Südafrikanischen Krieg 1899-1902 wurde von der britischen Armee erstmals die drahtlose Telegrafie zu militärischen Zwecken eingesetzt. Die Marconi-Gesellschaft hatte zivile Radioingenieure nach Kapstadt geschickt, die ihre Radiostationen in gefederten Pferdewagen installierten. Im Gegensatz zu Feldberichten behauptete Marconi, daß sein Nachrichtensystem eine Zeitlang im Einsatz gewesen sei.

 


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Last update: 27. April 2000 © by Walther Umstaetter