Zur Person von Dr. Margarete Rehm
Vorwort
Vom Anfang - 1. Jh. n. Chr.
............ 2. Jh. - 14. Jh.
............15. Jh.
............16. Jh.
............17. Jh.
............18. Jh.
..........1800 - 1834
..........1835 - 1869
..........1870 - 1899
..........1900 - 1934
..........1935 - 1969
..........1970 - 1993

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Information und Kommunikation in Geschichte und Gegenwart

von

Margarete Rehm

2. Jh. n. Chr. - Ende 14. Jh.

Der griechische Astronom, Mathematiker und Naturforscher Claudius Ptolemäus (Klaudios Ptolemaios) (* Ptolemais [Oberägypten ] um 100, † vermutlich Canopus [bei Alexandria] nach 160) verfaßte um 140 das erste systematische Handbuch der mathematischen Astronomie ("Syntaxis mathematike ...") [griech.- Mathematische Zusammenstellung... ] , das später "Megale syntaxis" [ griech.- Große Zusammenstellung] genannt wurde). In ihm hatte er die astronomischen Beobachtungen und Entdeckungen seiner Vorgänger in einem System zusammengefaßt, das die Erde als Mittelpunkt der Welt annahm (geozentrisches oder Ptolemäisches Weltsystem) und das durch das ganze Mittelalter bis zu Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler maßgebend blieb.
Um 800 wurde die "Syntaxis" ins Arabische übersetzt und seit dem Hochmittelalter (durch Verstümmelung des Titels der arabischen Übersetzung) "Almagest" genannt. Seit dem 12. Jh. wurde der Almagest mehrfach ins Lateinische übersetzt.
(Erste vollständige Druckausg. [lat.]: Venedig 1515, [griech.]: Basel 1538.)
Ferner schuf Ptolemäus mit seinem "Tetrabiblos" (griech.Vierbücherwerk) das erste (auf der Physik des Weltalls) wissenschaftlich begründete astrologische Handbuch (Erste arabische Übers.: um 780; erste Druckausg. [griech.]: Nürnberg 1535, [lat.]: Basel 1553, [ dt.]: Berlin 1923.)
Schließlich gab Ptolemäus in seinem Werk "Geographike hyphegesis" (griech.- Einführung in die Geographie) Positionen von rd. 8.000 Punkten der bekannten Erdoberfläche und machte überdies Vorschläge für die Landkartenprojektion. Damit hat er erstmals die Grundlagen für eine geodätisch fundierte Kartographie, d.h. für die Herstellung eines Atlasses geschaffen. (Es ist nicht bekannt, ob er selbst je einen Atlas verfaßte.)
(Erste gedruckte Ausg. der "Geographie": [lat. u.d.T. Cosmographia]: Vicenza 1475 [ohne Landkarten], [lat.]: Bologna 1477 [mit Landkarten in Kupferstich, aber von geringer Qualität] , [ lat.] : Rom 1478 [mit Kupferstichkarten von hervorragender Qualität] ,[griech.]: Basel 1533.)

Artemidoros von Ephesus, griechischer Schriftsteller der 2. Hälfte des 2. Jh., (* Daldis [Lydien]) ist der Verfasser des ersten ganz erhaltenen griechischen Traumbuches ("Oneirokritika"[griech.]- Traumdeutung). (Erstdruck [griech.]: Venedig 1518, [dt.]: Straßburg 1540.)

Als literarische Gattung entstand die abendländische Biographie (Beschreibung der Lebensgeschichte einer Person) in der griechisch-römischen Antike. Am Anfang steht das zwischen 100 und 115 entstandene Werk "Bioi paralleloi" (griech.- Parallelbiographien) des griechischen philosophischen Schriftstellers Plutarch (Plutarchos) (* Chaironeia um 46, † um 120), in dem typisierend berühmte Griechen und Römer nebeneinander gestellt sind.

Das von dem römischen Schriftsteller Sueton (Gaius Suetonius Tranquillus) (* Hippo Regius [?] um 70, † um 130) um 120 verfaßte biographische Werk "De vita Caesarum" (lat.- Über das Leben der Cäsaren), eine Sammlung von zwölf Kaiserviten von Caesar bis Domitian, ist die älteste (fast vollständig erhaltene) Herrscherbiographie, die Vorbild für alle späteren Biographien dieser Art wurde.

Die Handschriften des (von Anfang an griechisch geschriebenen) Neuen Testaments reichten bis zu Beginn des 20. Jh. bis in das 4. Jh. zurück. Das älteste vollständige Neue Testament ist im Codex Sinaiticus (4. Jh.) überliefert, den der evangelische Theologe Konstantin von (seit 1869) Tischendorf (* Lengenfeld [Vogtland] 1815, † Leipzig 1874) in einzelnen Teilen 1844 und 1859 im Katharinenkloster auf dem Berg Sinai entdeckte (heute im Britischen Museum, London). Seitdem haben Papyrusfunde die Zeitgrenze bis ins 2. Jh. zurückgeschoben. Die heute älteste bekannte Handschrift des Neuen Testaments ist ein Papyrusfragment aus dem Johannesevangelium, um 125 geschrieben (heute in der John Rylands Library, Manchester, England).

Die Berufsbezeichnung "Bibliothekar" (lat.: bibliothecarius) geht auf den römischen Kaiser Mark Aurel (* Rom 121, † Wien 180, seit 161 Kaiser) zurück, der sie zum erstenmal im Jahr 144 in einem Brief verwendete.

Die Periegese (griech.: periegesis - das Herumführen), eine Beschreibung von Ländern, Städten, Sehenswürdigkeiten in Form eines Reiseberichtes, war eine im antiken Griechenland gepflegte Literaturgattung; Ahnherr war der ionische Geograph und Historiograph Hekataios von Milet (* um 560 v.Chr., † um 480 v.Chr.).
Das einzig vollständig erhaltene Werk periegetischer Literatur ist (als Bericht eigener Reisen) die "Periegesis tes Helládos" (griech.- Beschreibung Griechenlands) von dem griechischen Schriftsteller Pausanias (* wohl Magnesia [Kleinasien] um 115, † um 180), entstanden zwischen 160 und 180.

Die arabische Schrift entwickelte sich seit dem 3. bis 4. Jh. aus der altsemitischen Konsonantenschrift und trat im 6./7. Jh. als eine eckige, heute nicht mehr gebräuchliche Monumentalschrift und als eine runde Kursivschrift auf, die für mehrere Sprachen bis heute, teilweise mit abgewandeltem Zeichenbestand und in verschiedenem Duktus, gebraucht wird. Wohl nach syrischem Vorbild führte die arabische Schrift schon früh die Vokalbezeichnung durch Punkte und Striche ein. Mit der Ausbreitung des Islams wurde sie Weltschrift, wird aber heute zum Teil vom lateinischen Alphabet zurückgedrängt. Einer der wichtigsten Einschnitte in der arabischen Schriftgeschichte erfolgte 1928 durch die Einführung der Lateinschrift bei den Türken.

Im 3. Jh. kam in Rom das Verfahren auf, Eichengalläpfel mit Eisenvitriol zu färbenden Lösungen aufzukochen. Diese Tinten dienten aber noch nicht zu Schreibzwecken, sondern zum Einfärben von Leder. Erst im Mittelalter begann sich die Eisengallustinte durch zusetzen, die es auch in Pulverform für die Reise gab.

Die ältesten (Pergament-) Handschriften für die fast komplette Überlieferung der griechischen Bibel (Altes Testament und Neues Testament) sind der Codex Vaticanus, wohl um 350 in Ägypten entstanden (enthält Altes Testament [ Septuaginta] fast vollständig und Neues Testament; seit 1475 in der Vatikanischen Bibliothek) und der Codex Sinaiticus (4. Jh.), 1844 und 1859 von Konstantin von (seit 1869) Tischendorf (* Lengenfeld [Vogtland] 1815, † Leipzig 1874) im Katharinenkloster auf dem Berg Sinai entdeckt, (enthält Altes Testament mit Lücken, Neues Testament vollständig; seit 1933 im Britischen Museum, London).

Die ersten lateinischen Bibelübersetzungen (zunächst nur einzelner Teile) entstanden in christlichen Gemeinden der römischen Provinz Africa proconsularis ab etwa 200 n.Chr., von 250 an auch auf europäischem Boden. Diese (der Vulgata des Hieronymus vorausgehenden) altlateinischen Bibelübersetzungen wurden von dem lateinischen Kirchenlehrer (Aurelius) Augustinus (* Tagaste [Numidien ] 354, † Hippo Regius 430) als Itala (lat. zu Italus - aus Italien) bezeichnet. Das älteste Zeugnis bieten die Quedlinburger Itala-Fragmente, Fragmente einer Bibelhandschrift, die 1865 - 1869 aus alten Quedlinburger Bucheinbänden herausgelöst wurden. Es sind Blätter aus einem Pergamentcodex, die Bilder zu alttestamentlichen Büchern enthalten und zugleich die ältesten Beispiele christlicher Buchmalerei darstellen; zudem sind sie das erste originale Beispiel für eine Bibelillustration. Sie werden in das 4. Jh. datiert (heute in der Deutschen Staatsbibliothek, Berlin).

Die Entwicklung des Bucheinbandes (d.i. der die Gesamtheit der Seiten [ Lagen] zusammenhaltende und schützende Teil eines Buches, bestehend aus den beiden Buchdeckeln und dem Buchrücken) begann mit der Herausbildung des Codexes. Während die ersten Codices vor Beschädigungen wohl nur durch einen umgelegten Pergamentbogen oder in Aufbewahrungskästen geschützt wurden, wurden etwa vom 4. Jh. an die ersten Codices gebunden, und zwar in Holzdeckel, die, vor allem im frühen Mittelalter, mit Edelsteinen, Gold, Silber und Elfenbeinschnitzereien oder mit Email-Schmelzarbeiten geschmückt (Prachteinbände), im allgemeinen aber mit Leder überzogen wurden (Ledereinbände).

Die Gänsefeder (Vogelfeder) wurde als Schreibgerät seit dem 4. Jh. benutzt und war in ganz Europa bis ins 19. Jh. in Gebrauch.

Den im 4. Jh. im Schwarzmeergebiet ansässigen Westgoten schuf ihr Bischof Wulfila (griech.: Ulfilas) (* um 311, † Konstantinopel 383) für seine aus dem Griechischen übersetzte gotische Bibel (auf der Grundlage vor allem der griechischen Unziale) eine der westgotischen Sprache angepaßte Schrift, die erste gotische Schrift (Wulfila-Schrift).

Das Rätsel, eine zu erratende meist bildhaft-konkrete Umschreibung eines Gegenstandes, eines Vorgangs, einer Person u.a., ist eine Urform der Dichtung und hat seinen Ursprung im Orient.
Die erste lateinische Rätselsammlung mit Themen aus dem Alltagsleben verfaßte der Römer Symphosius (4./5. Jh.); sie wurde Grundlage der mittelalterlichen Rätseldichtung. (Wahrscheinlich ist aber Symphosius kein Eigenname, sondern der Titel [ lat.- der Gelagefreund] der Rätselsammlung.)

Die Alchimie (Alchemie, Alchymie [arab.]), eine Kunstlehre hohen Alters und unbekannten Ursprungs, war im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit die wissenschaftliche Beschäftigung mit chemischen Stoffen, bis sie ab dem 17. Jh. als "geheime Kunst" mit ihren Bemühungen, Gold zu machen und den "Stein der Weisen" zu finden, ein Eigenleben außerhalb der Naturwissenschaft zu führen begann.
Das alchimistische Schrifttum ist sehr umfangreich und unübersichtlich. Die ältesten Schriften sollen von Moses, Isis, Zoroaster oder von Hermes Trismegistos stammen.
Der älteste als Person greifbare Alchimist ist der Grieche Zosimos von Panapolis, der um 300 in Alexandria wirkte. Aus seinem 28 Bücher umfassenden Werk "Chemeutika" sind Buch 24 und teilweise stark entstellte Bruchstücke bei späteren Alchimisten erhalten.

Im Rahmen der großen Christenverfolgung (303 -311) befahlen der römische Kaiser Diokletian (284 -305) (* in Dalmatien um 245, † Spalatum [heute Split] 313[?]) und sein Mitkaiser Maximian (286 -305, 307 -308) (* bei Sirmium um 240, † in Gallien 310) im Jahre 303, die Schriften der Christen zu verbrennen. Dies war die erste systematische Vernichtung christlichen Schrifttums.

Der griechische Kirchenschriftsteller Eusebius von Caesarea (* um 263, † 339), seit 313 Bischof von Caesarea, schrieb um 324/325 die erste Kirchengeschichte des Christentums ("Historia ekklesiasike [griech.Kirchengeschichte]).

Iulius Firmicus Maternus, lateinischer Schriftsteller des 4. Jh. aus Syrakus, schrieb um 335 das erste aus dem Altertum erhaltene umfangreichste lateinische Lehrbuch der Astrologie ("Matheseos libri octo" [lat.- Acht Bücher der Erkenntnis]).

Eine (Heiligen-) Legende ist die Darstellung der Lebensgeschichte eines Heiligen oder Märtyrers oder exemplarischer Geschehnisse daraus. Die ältesten Legenden finden sich in apogryphen Evangelien und Apostelgeschichten.
Die erste christliche Legende verfaßte der griechische Kirchenvater Athanasios (* um 295, † Alexandria 373) um 357 in griechischer Sprache (dt.: Leben und Wirken unseres heiligen Vaters Antonius [Eremit in Ägypten, 251/252 -356), überliefert in lateinischer Übersetzung durch den Mönch Euagrios Pontikos (lat.: Evagrius Ponticus) (Pontos [Kleinasien] 346, † Ägypten 396). Sie wurde Vorbild für viele nachfolgende Heiligenviten.

Wulfila (griech.: Ulfilas), der Missionar der Westgoten, (* um 311, † Konstantinopel 383) begann vermutlich um 369, die Bibel aus dem Griechischen ins Gotische zu übersetzen. Mit dieser ersten germanischen Bibelübersetzung schuf er zugleich das früheste germanische Schriftdokument. Größere Teile der gotischen Bibelübersetzung (so die vier Evangelien) sind in einer Prachthandschrift des 6. Jh., einem mit Silber- und Goldtinte auf purpurfarbenem Pergament geschriebenen Codex ("Codex argenteus" [lat.- Silberne Handschrift]) überliefert (seit 1669 in der Universitätsbibliothek Uppsala).

In der Absicht, die Vielfalt der altlateinischen Bibelübersetzungen zu beenden, erarbeitete der lateinische Kirchenvater und -lehrer Sophronius Eusebius Hieronymus (* Stridon [ Dalmatien] um 347, † Bethlehem 419 [420?]) ab 383 eine teils revidierte, teils neu geschaffene lateinische Bibelübersetzung, die seit dem 13. Jh. Vulgata (lat.- die allgemein verbreitete [Ausgabe]) genannt wurde. Sie wurde auf dem Konzil von Trient 1546 für verbindlich erklärt.

Der lateinische Kirchenvater und -lehrer Sophronius Eusebius Hieronymus (* Stridon [ Dalmatien] um 347, † Bethlehem 419 [ 420ß])schuf mit seinem literaturhistorischen Werk "De viris illustribus" (lat.- Von berühmten Männern), entstanden im Jahr 392, die erste christliche Literaturgeschichte.

Als älteste europäische Autobiographie (literarische Darstellung des eigenen Lebens oder einzelner Lebensphasen) gelten die "Confessiones" (lat.- Bekenntnisse) des lateinischen Kirchenlehrers des christlichen Altertums (Aurelius) Augustinus (* Tagaste [Numidien] 354, † Hippo Regius 430), entstanden 397 -398. (Erstdruck: Straßburg um 1470.)

Der armenische Mönch und Theologe Mesrop (urspr.: Maschtotz) (* Hatsek [Armenien] 360, † Etschmiadsin 440), Erfinder der armenischen Schrift, übersetzte mit dem Katholikos Sahak (* 353, † 439) die Bibel aus dem Griechischen ins Armenische und schuf damit die erste Bibel in armenischer Sprache.

Die erste erhaltene Abbildung eines Bücherschrankes ist vermutlich der Bücherschrank der weströmischen Kaiserin Galla Placidia (* Konstantinopel um 390, † Rom 450) auf dem Laurentiusmosaik in dem nach ihr benannten Mausoleum in Ravenna, erbaut wohl im 2. Viertel des 5. Jh.

Flavius V. Renatus Vegetius, römischer Verwaltungsbeamter und Fachschriftsteller, (3./4. Jh.) ist wahrscheinlich der Verfasser eines lateinischen Lehrbuchs der Veterinärmedizin ("Digesta artis mulomedicinae", um 401), das unter dem Namen eines Publius Vegetius Renatus überliefert und die einzige erhaltene römische Tierheilkunde ist.

Der Codex Theodosianus (lat.- Gesetzsammlung des Theodosius), die erste offizielle Sammlung des römischen Rechts, auf Veranlassung des oströmischen Kaisers Theodosius II. (408-450) (* Konstantinopel 401, † ebd. 450) zusammengestellt, 439 öffentlich bekanntgemacht, befahl u.a. die Vernichtung aller jüdischen Schriften.

Der erste namentlich bekannte Buchbinder ist der irische Mönch Dagaeus aus dem 6. Jh.

Kirchenschriftsteller sind, im Gegensatz zu Kirchenvätern und -lehrern, Verfasser theologischer Schriften des christlichen Altertums, deren kirchliche Rechtgläubigkeit nicht unbestritten ist, denen aber trotzdem Bedeutung für die theologiegeschichtlichtliche Entwicklung zukommt.
Im sogenannten "Decretum Gelasianum" (Anfang des 6. Jh.), das fälschlicherweise Papst Gelasius I. (492-496) zuschrieben wurde, sind zum erstenmal alle anerkannten und nicht anerkannten Kirchenschriftsteller zusammengestellt. Das Decretum Gelasianum kann als ein Vorläufer des Index librorum prohibitorum angesehen werden.

Das Autorenbild, ein Bild des Verfassers, das seinem Werk vorangestellt wird, war Bestandteil schon der antiken Buchmalerei. Es ist zuerst in einem unter der Bezeichnung Dioskurides-Handschrift bekannten, auf Pergament geschriebenen und mit naturwissenschaftlichen Illustrationen ausgestatteten Pflanzenbuch (enthält neben anderem die Schrift "De materia medica" des Pedanios Dioskurides [ 1. Jh.]) überliefert, das um 512 in Konstantinopel in Auftrag gegeben wurde (heute in der österreichischen Nationalbibliothek, Wien).

Als Formularbuch galten die im Mittelalter für den Gebrauch in Kanzleien bestimmten Vorlagen für Urkunden und Briefe (Mustersammlung) mit lehrbuchartiger Einführung.
Das erste mittelalterliche Formularbuch (auf römischer Grundlage) geht auf den römischen Staatsmann, Gelehrten und Schriftsteller Flavius Magnus Aurelius Cassiodor(us) (* Scylaceum [heute Squillace, Kalabrien] um 490, † Kloster Vivarium bei Squillace 583[?]) zurück, der um 538 Reden, sorgfältig stilisierte Briefe und Erlasse aus der Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit in seinen "Variae" (lat.- Verschiedenes) zur Unterweisung junger Leute im Kanzlei- und Geschäftsbereich publizierte.

Die erste abendländische Klosterbibliothek gründete der römische Staatsmann, Gelehrte und Schriftsteller Flavius Magnus Aurelius Cassiodor(us) (* Scylaceum [heute Squillace, Kalabrien ] um 490, † Kloster Vivarium bei Squillace 583[?]) im Kloster Vivarium, in das er sich 540 zurückzog.
In seinen um 550 verfaßten "Institutiones" (lat. Unterweisungen), einem Handbuch für die Mönche, verpflichtete Cassiodor als erster die Klosterinsassen zu wissenschaftlichen Studien und zum Sammeln von Handschriften.

Benedikt von Nursia (* bei Nursia[ heute Norcia, Prov. Perugia]um 480, † Monte Cassino 547 [ ?]), Abt des von ihm 529 gegründeten Klosters in Monte Cassino (der Keimzelle des Benediktinerordens und des abendländischen Mönchswesens), ist der Verfasser der ersten abendländischen Kloster- (Ordens-) regel, der "Regula monasteriorum", auch "Regula Benedicti" (lat.- Klosterregel, auch Regel Benedikts), entstanden um 540. Der in ihr niedergelegten Anordnung zur Lesung der Bibel und der Kirchenväter sind nicht zuletzt die Erhaltung und Überlieferung der antiken Literatur zu verdanken. Da die zur Pflicht gemachten Schriftenlesungen eine Bibliothek im Kloster und eine rege Abschreibetätigkeit von seiten der Mönche voraussetzten, waren die Klöster (bis Gutenberg) die Pflegestätten des abendländischen Buch- und Schreibwesens. Schließlich sind der Verfügung, ein Verzeichnis über den Besitz des Klosters an beweglichen und unbeweglichen Gütern anzulegen, die frühesten und seit dem 9. Jh. nicht mehr abreißenden Bibliothekskataloge zu verdanken.

Die älteste erhaltene lateinische Heiligenlegendensammlung (in Prosa) verfaßte um 594 Papst Gregor I., der Große, (590-604) (* Rom um 540, † ebd. 604) mit seinen "Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum" (lat.Dialoge über Leben und Wunder der italischen Väter).

Das erste (bedeutende) Formularbuch der päpstlichen Kanzlei war der "Liber diurnus Romanorum pontificum" (lat.- Tägliches Handbuch der römischen Päpste), eine Sammlung amtlicher Formulare (Weihe-, Schenkungs-, Privilegienformulare u.ä.), die vom 7. Jh. bis ins 11. Jh. in Gebrauch war. Einzelne Teile gehen bis in die Zeit von Gregor I. (590-604) zurück.

Das erste (bedeutende) für weltliche Kanzleien bestimmte Formularbuch waren die Ende des 7. Jh. entstandenen "Formulae Marculfi" (von einem Privatmann namens Marculf[us] verfaßt), die dem Schulunterricht sowie der Ausbildung von Notaren und Urkundenschreibern dienen sollten, später aber auch im offiziellen Gebrauch der fränkischen Königskanzlei waren.

Der Koran (arab.: kur'an - Rezitationstext, Lesung), das heilige Buch des Islam, entstand ab Anfang des 7. Jh. Er enthält die von dem Propheten Mohammed (* Mekka um 570, † Medina 632) zwischen 609/610 und 632 als Gottesbotschaft in arabischer Sprache verkündeten Texte, die zunächst nur mündlich tradiert, später niedergeschrieben und im Jahre 653 durch eine vom Kalifen Othman ibn Affan (644 -656) eingesetzte Kommission endgültig redigiert wurden. Der in Reimprosa abgefaßte Koran stellt das älteste arabische Buch (Prosawerk) dar.

Aufgrund literarischer Quellen hat es schon im 4. Jh. reich mit Edelsteinen, Gold, Silber und Elfenbeinschnitzereien oder mit Emailschmelzarbeiten geschmückte Bucheinbände, sogenannte Prachteinbände, gegeben, die bei gottesdienstlichen Handlungen verwendet wurden.
Das älteste überlieferte Beispiel ist der Einband für das im Dom zu Monza aufbewahrte Evangeliar der Langobardenkönigin Theodelinde († um 626) vom Anfang des 7. Jh.

Schon die Römer kannten die aus Kupfer- und Bronzeblech gearbeitete Schreibfeder (Metallfeder), die der älteren ägyptischen, unten zugespitzten Rohrfeder nachgebildet war.
Als erster erwähnte der Bischof und Kirchenlehrer Isidor von Sevilla (* Cartagena [?] um 560, † Sevilla 636) in seinen zwanzig Bücher umfassenden, das ganze Wissen seiner Zeit enzyklopädisch enthaltenden "Etymologiae" (auch " Origines" genannt) (um 624) die Feder als Schreibwerkzeug. Als Schreibflüssigkeit nannte er die aus dem Saft von Eichengalläpfeln hergestellte Tinte (Eisengallustinte).

Die Ziffern unseres heutigen Dezimalsystems mit der Null als Zahl ist als Erfindung der Inder (um 600 n.Chr.) seit dem 7. Jh. n. Chr. aus Inschriften und Erwähnungen nachweisbar.
Die Vorschriften über das Rechnen mit diesem Zahlensystem hat erstmals grundlegend der indische Mathematiker und Astronom Brahmagupta (* 598, † 660[?]) in einem von ihm 628 (in Versform) verfaßten Lehrbuch der Astronomie und Mathematik ("Brahmasphutasiddhanta") beschrieben, das u.d.T. "Sindhind" 775 ins Arabische übersetzt und im 12. Jh. als lateinische Übersetzung durch den englischen Philosophen Adelard von Bath (* Bath um 1090, † nach 1160) auch in Europa bekannt wurde.

Der Holztafeldruck oder Blockdruck war vor Gutenbergs Erfindung das übliche Druckverfahren mit Holztafeln, aus denen Text und Bilder seitenverkehrt herausgeschnitten wurden; nach Einfärbung der Tafel wurde die Farbe auf aufgelegtes, angefeuchtetes Papier abgerieben. (Ein Vorläufer des Holztafeldrucks war der aus dem Alten Orient stammende Zeugdruck, ein Druckverfahren zur Musterung von Textilien mit Hilfe von erhaben geschnittenen Holzmodeln [Modeldruck].)
Der Holztafeldruck war in Ostasien bereits seit dem 7. Jh. bekannt; in Europa entwickelte sich der Blockdruck erst im 14. Jh. 1966 wurde in Kyongju, der ehemaligen Hauptstadt des altkoreanischen Staates Silla, der (bis heute) älteste Blockdruck der Welt, das "Makellose Große Dharani Sutra", ein auf Maulbeerbaumpapier gedruckter Kanon buddhistischer Lehrsätze, gefunden, dessen Herstellung zwischen 704 und 751 zu datieren ist. Das in Form einer 8 cm breiten und 630 cm langen Rolle vorliegende Werk besteht aus aneinandergeklebten Drucken von 12 Holzblöcken. Es war in einem Exemplar im Innern der Sokka-Pagode des buddhistischen Tempels Pulguksa (2. Hälfte des 8. Jh.) verwahrt.

Der Ledereinband, bei dem Deckel und Rücken des Buches mit Leder überzogen sind, war im Mittelalter für Gebrauchsbücher ausschließlich in Anwendung; er war zwar einfacher als der Prachteinband, dafür aber durch Verzierungen (Blinddruck, Ritzungen u.a.) nicht weniger kunstvoll geschmückt.
Die ältesten erhaltenen Ledereinbände entstanden im 6. Jh. in Ägypten. Die ältesten überlieferten abendländischen Ledereinbände umgeben drei Codices aus dem 8. Jh., die zu den Büchern des angelsächsischen Benediktiners und Missionars der Deutschen, Bonifatius (* im Königreich Wessex 672/673, † bei Dokkum [Friesland]754) gehört haben sollen (heute in der Landesbibliothek Fulda).

Das älteste bekannte Schriftwerk in deutscher Sprache ist der sogenannte deutsche Abrogans, ein um die Mitte des 8. Jh. verdeutschtes spätlateinisches Synonymenlexikon aus dem Langobardenreich, benannt nach seinem ersten Stichwort "abrogans" (= demütig, bescheiden).

Der römische Cursus publicus wurde im Abendland erst durch die Frankenkönige (ohne große Veränderungen) übernommen; Karl dem Großen (768 -814) (* 747, † Aachen 814) diente zur Verwaltung seines großen Reiches ein gut organisiertes Botennetz.
Neben der staatlichen Post unterhielten im Mittelalter auch die geistlichen Orden, Universitäten und Zünfte ihre eigenen Botendienste (ab 11./12. Jh.) und bildeten sich (ab 13./14. Jh.) städtische Botenanstalten mit Läuferboten aus, die über eine große Reichweite in ganz Europa verfügten; ihre Aufgaben übernahm im 17. Jh. zunehmend die Taxissche Post.

Die Leimung des Papiers ist bei den Chinesen seit 768 nachweisbar. Sie hat den Zweck, dem Papier eine größere Festigkeit zu geben und es tintenfest zu machen.

Unter Karl dem Großen, König der Franken (768 -814; * 747, † Aachen 814), entstand um 780 als Hofschrift des Fränkischen Reiches die karolingische Minuskel, eine klare, leicht lesbare Kleinbuchstabenschrift. Sie ist die erste abendländische Schrift und die Vorform der Antiqua, der führenden europäischen Buchschrift der Neuzeit.

Der lateinische Schriftsteller und Mönch des Klosters Reichenau Walahfrid Strabo (* in Schwaben 808 oder 809, † 849 [in der Loire ertrunken])beschrieb in seinem in Hexametern abgefaßten Gedicht "De cultura hortorum" (lat.- Über den Gartenbau) 23 Pflanzen und Heilkräuter des Klostergartens und verfaßte damit das erste "Lehrbuch" der Botanik Deutschlands.
(Erstdruck u.d.T. "Hortulus": Wien 1510 u.ö.)

Die älteste bekannte Aufzeichnung von Neumen (Neumenschrift) (Notenzeichen [Buchstaben, Striche, Häkchen ohne Notenlinien] des Mittelalters, mit denen einstimmige Melodien, vor allem liturgische Gesänge aufgezeichnet wurden) findet sich auf dem letzten Blatt einer von dem Kleriker Engyldeo von Regensburg zwischen 817 und 834 geschriebenen Handschrift mit Texten des heiligen Ambrosius (heute in der Bayerischen Staatsbibliothek, München). Die Neumen sind dem Text eines Gesanges, beginnend mit den Worten "Psalle modulamina laudis canora..." (lat.= Singe diese süßen Melodien...), hinzugefügt.

Der persisch-arabische Mathematiker und Astronom Mohamed ibn Musa al-Chwarismi (al-Khwarismi,al-Chwarazmi, mlat. Algorismi) (* in Charism um 780, † Bagdad nach 846) machte durch eine Bearbeitung des "Sindhind" Von Brahmagupta (628) und durch sein Rechenbuch "Hisab al-jabr w.almuqabalah" (um 825) die Araber mit dem Gebrauch indischer Ziffern, ihrem Stellenwertsystem und der Null (Dezimalsystem) bekannt. Der Anfang des arabischen Titels des Rechenbuches lebt in dem Wort "Algebra" weiter, al-Chwarismis Name in "Algorithmus". Das "Hisab al-jabr" erschien im 12. Jh. in lateinischer Sprache.

Ein unter Kaiser Ludwig I., dem Frommen, (814 -840; * Chasseneuil-du-Poitou [bei Potiers ]778, † bei Ingelheim am Rhein 840) durchweg aus Urkunden dieses Herrschers zusamengestelltes Formularbuch ("Formulae imperiales") wurde erstmals ausschließlich für die Hofkanzlei um 830 in Gebrauch genommen.

Das älteste, vollbebilderte Psalterium (Psalter) (Gebetbuch für den geistlichen Chordienst mit den Psalmen, erweitert durch Litaneien und Heiligenlegenden) ist der um 830 entstandene, mit karolingischer Buchmalerei der Reimser Schule (Federzeichnungen) versehene Utrecht Psalter (seit 1718 in der Universitätsbibliothek Utrecht).

Der fränkische Geschichtsschreiber und Gelehrte Einhard (Eginhard) (* im Maingebiet um 770, † Seligenstadt 840) verfaßte mit seiner an Suetons Kaiser-Viten (um 120) orientierten Biographie Karls des Großen ("Vita Caroli Magni" [lat.= Das Leben Karls des Großen]) (um 835) die erste Herrscherbiographie des Mittelalters.

Zu allen Zeiten widmete der Verfasser, Schreiber, Drucker oder Verleger eines Werkes dieses aus verschiedensten Motiven heraus (erhoffte Protektion, Privilegien, finanzielle Zuwendungen, vor allem in der Zeit, als noch kein Autorenhonorar bezahlt wurde) Vertretern der herrschenden Klasse (Fürsten, Bischöfen oder anderen Mäzenen).
Eine Form der Widmung (Dedikation) ist das Dedikationsbild in den mittelalterlichen Handschriften, auf dem zumeist die Überreichung des Werkes durch den Autor an den Auftraggeber oder Stifter dargestellt ist.
Das älteste Dedikationsbild schmückt eine prachtvoll ausgestattete Bibel, die, wie das Bild zeigt, von Vivian, Abt von St. Martin zu Tours, Karl II., dem Kahlen gewidmet wurde.

Lange (bis 1966) galt als der älteste Holztafeldruck der Welt, bekannt als sogenannte Diamant-Sutra, eine 5 m lange Pergamentrolle mit 6 Textblättern und einem Blatt mit einer Holzschnittillustration (jeweils mit den Maßen 30 cm x 75 cm). Es handelt sich dabei um einen ins Chinesische übersetzten buddhistischen Text, der am Schluß vermerkt, daß das Werk von einem Wang Jie (Wang Chieh) am 11. Mai 868 (nach Umrechnung des Datums in unsere Zeitrechnung) gedruckt sei. Der Chinese Wang Jie ist demnach der erste geschichtlich einzuordnende Drucker.
Die Rolle wurde im Jahre 1900 in einer Höhle bei Tun-huang in der chinesischen Provinz Kansu gefunden (heute im Britischen Museum, London). Sie ist das älteste erhaltene chinesische Buch und zugleich das älteste in der Welt bekannte Druckwerk mit genauem Herstellungsdatum.

Das älteste erhaltene historische Lied in deutscher Sprache (Lied, das von zeitgenössisch-aktuellen, geschichtlichen Ereignissen berichtet und dessen Verfasser meist anonym bleibt) ist das zwischen 881 und 882 entstandene, in althochdeutschen Reimversen abgefaßte "Ludwigslied", überliefert in einer flandrischen Handschrift aus dem 9. Jh. Es verherrlicht den Sieg des Königs Ludwig III. von Frankreich über die Normannen in der Schlacht bei Saucourt am 1. oder 3. August 881.
In die Tradition des historischen Liedes gehören die Neuen Zeitungen und der Bänkelsang.

Ab dem 10. Jh. verdrängte die kyrillische Schrift, eine Form der kirchenslawischen Schrift, die ältere von den griechischen Brüdern und Slawenaposteln Kyrillos (eigtl. Konstantinos) (* Thessalonike [Saloniki] 826/827, † Rom 869) und Methodios (* Thessalonike [Saloniki] um 815, † in Mähren 885) vor 862 geschaffene glagolitische Schrift (Glagoliza) und wurde zur alleinigen Schrift der griechisch-orthodoxen Slawen. Sie deckt sich im wesentlichen mit der griechischen Majuskel, ist aber den phonetischen Besonderheiten des Slawischen angepaßt. Nach entsprechenden Veränderungen, Zusätzen oder Reformen wird das kyrillische Alphabet heute von den Russen, Bulgaren, Weißrussen, Ukrainern, Serben und Makedoniern verwendet. (Dagegen übernahmen die Polen, Tschechen, Slowaken, Slowenen und Kroaten mit dem römisch-katholischen Glauben das lateinische Alphabet.)

Das älteste erhaltene deutsche Kirchenlied (das von der Gemeinde im christlichen Gottesdienst gesungene Lied) ist das vermutlich von einem Geistlichen verfaßte und um 900 in einer Freisinger Handschrift eingetragene Petruslied (Bittgesang an Petrus), bestehend aus drei Strophen von je zwei Langzeilen und dem Refrain "Kyrie eleison" (griech.= Herr, erbarme dich!).

Im 9. Jh. entstanden erstmals volkssprachige Heiligenlegendendichtungen. Die älteste erhaltene Legendendichtung in deutscher Sprache ist das um 900 entstandene althochdeutsche (gereimte) Georgslied, eine Vita des heiligen Georg, von einem unbekannten Verfasser. Die Überführung der Georgsreliquie in die Georgskirche auf der Reichenau (896) war wahrscheinlich der Anlaß zur Abfassung des Gedichts. Es ist in einer Handschrift des 10. Jh. überliefert.

Die Urform der photographischen Kamera ist die Camera obscura (lat.= dunkle Kammer), ein innen geschwärzter Kasten, auf dessen transparenter Rückwand (Mattscheibe) ein auf der Vorderseite befindliches kleines Loch oder eine Sammellinse (1589 von dem italienischen Physiker Giovanni Battista Della Porta[* Neapel 1535, † ebd. 1615] eingeführt) von einem Gegenstand außerhalb des Kastens ein verkleinertes, auf dem Kopf stehendes, seitenverkehrtes Bild erzeugt. Das Prinzip der Lochkamera beschrieb als erster der arabische Physiker und Mathematiker Ibn al-Haitham (* Basra 965, † Kairo um 1040).
Um 900 verwendeten arabische Gelehrte den Kamera-Vorläufer als astronomisches Gerät beispielsweise zur Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Bis ins 19. Jh. benutzten Künstler die Camera obscura als Hilfsmittel, um naturgetreue Zeichnungen anzufertigen. Was für eine Photographie noch fehlte, war eine Möglichkeit, das Lichtbild irgendwie festzuhalten.

Die erste Übersetzung der Bibel ins Arabische (um 935[?]) ist das Werk des jüdischen Gelehrten Sa`adja (eigtl. Sa`adja ben Josef) (* Fajjum [Ägypten]832, † Sura [Babylonien] 942).

Im Jahre 968 erfand der chinesische Philosoph Kung-FooWhing das Fadentelefon. Es bestand aus zwei durch einen straff gespannten langen Faden miteinander verbundenen Zylindern aus Bambusrohr, deren eines Ende mit einer fest gespannten Membran verschlossen war. Sprach man in einen Zylinder hinein, so wirkte er als akustischmechanisches Mikrophon und der Zylinder auf der Gegenseite als Lautsprecher. Dieser akustische Fernsprecher wurde noch Ende des 19. Jh., als längst schon das elektrische Telefon erfunden war, auf Jahrmärkten u.a. feilgeboten.

Die älteste erhaltene Anthologie (Samlung von ausgewählten literarischen Texten [Gedichten, Epigrammen, Sprüchen, Zitaten, Prosastücken ]) ist die "Anthologia Palatina", auch: Anthologia Graeca, eine Sammlung von rd. 4.000 Liebesgedichten und Epigramen griechischer Autoren aus der Zeit vom 6. Jh. v.Chr. bis zum 10. Jh. n.Chr., benannt nach der um 980 in Konstantinopel geschriebenen Pfälzer Handschrift, dem Codex Palatinus. Dieser Codex der Anthologia Palatina wurde erst um 1600 in Heidelberg entdeckt, kam 1623 in den Vatikan (dort in zwei Bände gebunden) und 1797 nach Paris. 1816 kehrte nur der erste Band nach Heidelberg zurück; der zweite, zunächst verschollene Band ist seit 1839 in der französischen Nationalbibliothek, Paris.

Portolane (Portulane) (ital.-lat.) waren mittelalterliche Navigationsanleitungen für Seefahrer, die Küstenbeschreibungen in fortlaufender Folge enthielten. Portolane, deren Anfänge bis ins 11. Jh. zurückgehen, wurden zuerst in Italien gefertigt und blieben bis ins 16./17. Jh. in Gebrauch. Das älteste Portolanfragment in Form einer Segelanweisung ist in dem zwischen 1074 und 1076 entstandenen Geschichtswerk "Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum" (lat.= Taten der Hamburger Kirchenfürsten) von Adam von Bremen († nach 1085) enthalten.
Den Portolanen beigefügt waren Portolankarten (auch Rumbenkarten, Windstrahlenkarten), Seekarten, auf denen die Windstrahlen (Rumben) in das Kartenbild eingetragen waren. Ältestes bekanntes Original ist die nach ihrem Fundort benannte Pisaner Karte, um 1300 (heute in der Bibliothèque Nationale, Paris).

Der italienische Benediktinermönch und Musiktheoretiker Guido von Arezzo (Guido Aretinus) (* Arezzo[?] um 992, † 1050 [?]) verfaßte um 1025 u.d.T. "Micrologus de disciplina artis musicae" (lat.= Kurzgefaßter Abriß der Musiklehre) die erste umfassende Musiklehre. Sie war das im ganzen Mittelalter am häufigsten benutzte Musiklehrbuch.

Der italienische Benediktinermönch und Musiktheoretiker Guido von Arezzo (Guido Aretinus) (* Arezzo [?] um 992, † 1050 [?]) setzte die bisher verwendeten Neumen im Terzabstand auf vier Linien und gab damit den Anstoß zum heute gebräuchlichen Notenliniensystem. Seine Neuerung beschrieb er im Vorwort ("Aliae regulae") eines Antiphonars, das er vermutlich 1028 dem Papst überreichte.

Vorläufer des in seiner heutigen Form auf die Erfindung Johannes Gutenbergs zurückgehenden Buchdrucks (Hochdrucks) finden sich in Ostasien.
Es ist überliefert, daß der chinesische Schmied Pi Sheng zwischen 1040 und 1048 chinesische Wortzeichen einzeln aus Ton formte, sie durch Brennen härtete, aus ihnen den (zu druckenden) Text auf einer Metallplatte zusammensetzte und sie zum Drucken (im Reiberdruckverfahren) mittels einer Harzmasse auf der Platte festschmolz. Abdrucke sind nicht erhalten.
Da die chinesische Schrift einen so immensen Typenvorrat erforderte, konnte sich dieses erste Druckverfahren mit austauschbaren (Ton-) Lettern (auch bei späterer Verwendung von Holz- und Zinntypen) nicht durchsetzen.

Der erste (frei erfundene) Roman in Deutschland ist der "Ruodlieb", ein nach der Hauptperson, einem adligen Ritter, benanntes lateinisches Epos in leonischen Hexametern von unbekanntem deutschen Verfasser, wahrscheinlich einem Geistlichen; es ist um 1050 wohl im Kloster Tegernsee entstanden und nur in Bruchstücken (2300 von etwa 4.000 Versen) erhalten.

Das erste zeitgeschichtliche und zeitbiographische Werk in deutscher Sprache ist das Annolied, eine vermutlich von einem Geistlichen aus Köln oder Siegburg um 1080 verfaßte Versdichtung zu Ehren des Erzbischofs Anno II. von Köln († 1075) (erhalten nur in der Druckfassung von Martin Opitz [Danzig 1639] ).

Eine vermutlich im dritten Viertel des 12. Jh. entstandene (Bamberger) Ambrosius-Handschrift (im Besitz der Staatsbibliothek Bamberg) zeigt in Federzeichnungen die älteste bekannte Darstellung einer Heftlade (mit deren Hilfe der Buchblock geheftet wird) und damit einer Buchbinderwerkstatt überhaupt.

Das aus der liturgischen Osterfeier (10. Jh.) entstandene Osterspiel führt das dem Osterfest zugrundeliegende biblische Geschehen in dramatischer Gestaltung vor. Aufgrund ihrer Entstehung aus der lateinischen Liturgie sind die lateinischen Osterspiele älter als die volkssprachlichen. Frühestes Zeugnis eines lateinischen Osterspiels ist in einer Handschrift des 12. Jh. aus Ripoll in Spanien überliefert ("Osterspiel von Ripoll").

Von dem Minnesänger Dietmar von Aist der zweiten Hälfte des 12. Jh. aus niederösterreichischem Adelsgeschlecht stammt das älteste deutsche Tagelied, ein mittelhochdeutsches, den morgendlichen Abschied zweier Liebenden nach einer Liebesnacht schilderndes Lied ("Slâfst du, friedel ziere ...").

Als Vorläufer des heutigen Bleistifts kamen im 12. Jh. Stifte aus einer Zinn-Blei-Legierung, sogenannte Silberstifte, auf, die auf geeigneter Unterlage abfärbten.

Die älteste gedruckte Landkarte ist eine Westchina darstellende Holzschnittkarte in einer chinesischen Enzyklopädie ("Liu Ching Thu") aus der Zeit um 1155. (Eine Kopie der Karte befindet sich in der chinesischen Nationalbibliothek, Peking.)

Kreuzlieder waren mittelalterliche "Werbelieder" mit geistlich, politisch oder minnethematisch ausgerichtetem Aufruf zur Teilnahme am Kreuzzug. Das erste deutsche Kreuzlied ("Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden ...") verfaßte um 1189 der mittelhochdeutsche Dichter Friedrich von Hausen (* um 1150, gefallen bei Philomelion [Kleinasien] 1190).

Der "Hortus deliciarum" (lat.= Garten der Köstlichkeiten) der Herrad von Hohenburg, Äbtissin des Klosters Hohenburg auf dem Odilienberg (Elsaß),(† nach 1196) ist ein zwischen 1175 und 1195 entstandenes mit (350) Miniaturen illustriertes enzyklopädisches lateinisches Werk des theologischen und profanen Wissens der damaligen Zeit zur Belehrung der Klosterfrauen und die erste von einer Frau verfaßte Enzyklopädie (Original 1870 in Straßburg verbrannt).

Ende des 13. Jh. wurde in Oberitalien (wahrscheinlich in Venedig) die Brille als augennahe Sehhilfe erfunden; der Erfinder ist namentlich nicht bekannt. Vorläufer der Brille waren die im 13. Jh. als Vergrößerungsgläser verwendeten "Lesesteine", geschliffene Berylle oder Quarze, die man aber nicht dem Auge näherte, sondern beim Lesen auf die betreffende Textstelle legte. (Von dem als Sehhilfe dienenden geschliffenen Beryll leitet sich das Wort Brille [ spätmhd.: b(e)rille = einzelnes Augenglas] ab.)
Bis zum heutigen Alltagsrequisit entwickelte sich die Brille auf einem langen Weg. (Noch im 13. Jh.: Zusammenfassung zweier Eingläser mit Niet zum Zweiglas [Niet-Brille], das vor die Augen gehalten wurde; 15. Jh.: Verbindung der Gläser durch Bügel [Bügel-Brille]; seit etwa 1450: Verwendung nicht mehr nur konvexer, sondern auch konkaver Gläser; ab 17. Jh.: Brille wird vor Augen getragen, zunächst als Klemm-Brille, später als Stirnreifen-Brille, dann als Ohren-Brille; Spezialformen: Monokel [um 1727], Lorgnette[um 1780],Klemmer [um 1840]; ab Mitte des 19. Jh.: Entwicklung wissenschaftlicher Grundlagen für Korrektur von Brechungsfehlern und Abbildungsmängeln des Auges.)

Nach dem wirklichkeitsfremden, aber von kirchlichen Stellen gebilligten Weltbild des weitgereisten griechischen Pilgermönchs Kosmas Indikopleustes (griech.= Kosmas der Indienfahrer) des 6. Jh. aus Alexandria bildeten sich im christlichen Hochmittelalter die sogenannten Mönchskarten (runde oder ovale Abbildungen der Erde als rings vom Weltmeer ["Ozean"] umgebene Scheibe) heraus, entweder als T-O- (Rad-) Karten, als Zonenkarten oder als Mischformen von beiden. Die stark schematisierten T-O -Karten wurden durch die in den Kreis (O) eingezeichnete T-förmige Anordnung der Flüsse Don und Nil (waagerechte Balken) sowie des Mittelmeers (senkrechter Balken) in eine obere Hälfte (Asien) und unten in ein linkes (Europa) und ein rechtes Viertel (Afrika) gegliedert. Das Zentrum der Scheibe bildete Jerusalem, den obersten, östlichsten Platz nahm das Paradies ein. Die Zonenkarte teilte die Erdscheibe in parallele, Westost verlaufende Klimastreifen ein.
Zu den ältesten Dokumenten dieser mittelalterlichen Kartographie gehört die Ebstorfer Weltkarte, eine farbige, runde und zugleich die größte Radkarte (358 cm x 356 cm), entstanden zwischen 1230 und 1250, um 1830 im Kloster Ebstorf, Kr. Uelzen, entdeckt; Original (30 Pergamentblätter) 1943 im Staatsarchiv Hannover verbrannt, erhalten noch in zwei Faksimiledrucken (im Kloster Ebsdorf und in Lüneburg).

Das das Leben und Sterben Jesu Christi dramatisch darstellende Passionsspiel, neben dem Osterspiel der bedeutendste Typ des geistlichen Spiels, entstand im 13. Jh. und erlebte seine Blütezeit im 15. und 16. Jh.
Das früheste, in lateinischer Sprache abgefaßte Passionsspiel ("Kleines Benediktbeurer Passionsspiel") ist in der Sammelhandschrift "Carmina Burana" (lat.= Lieder aus Beuren) (13. Jh.) aus dem Kloster Benediktbeuren überliefert.

Die zu der Gattung der Anstandsliteratur gehörenden Tischzuchten, im hohen und späten Mittelalter dichterisch gestaltete Lehrschriften über das rechte Verhalten bei den Mahlzeiten, entstammten der Klosterkultur und waren ursprünglich lateinisch abgefaßt; sie richteten sich zunächst an ein höfisches Publikum, später auch an das Bürgertum.
Die erste überlieferte volkssprachliche höfische Tischzucht wird dem mittelhochdeutschen Lyriker Tannhäuser (mhd.: Tan[n]huser) (* vermutlich Tannhausen bei Neumarkt i. d. OPf. nach 1200, † nach 1266) zugeschrieben.

Das Weihnachtsspiel, ein Typus des mittelalterlichen geistlichen Spiels, entwickelte sich, ähnlich wie das nur wenig ältere Osterspiel, aus der kirchlichen Liturgie. Ein die ganze Weihnachtsgeschichte umfassendes Weihnachtsspiel in lateinischer Sprache findet sich erstmals in der im Kloster Benediktbeuren gefundenen Handschrift "Carmina Burana" (lat.= Lieder aus Beuren) des 13. Jh. Das erste volkssprachliche (deutsche) Weihnachtsspiel ist das "St. Gallener Spiel von der Kindheit Jesu"(Ende des 13. Jh.).

In Europa wurde das indisch-arabische Zahlenrechnen (Dezimalsystem) erst durch den italienischen Kaufmann und Mathematiker Leonardo Fibonacci, genannt Leonardo von Pisa,(* Pisa um 1170, † ebd. nach 1240) bekannt. Er hatte auf Reisen nach Afrika, Byzanz und Syrien die arabische Mathematik kennengelernt und vermittelte sie in seinem Rechenbuch "Liber abaci" (lat.- Buch des Abakus) (1202, neubearbeitet 1228). Aber erst mit der Erfindung des Buchdrucks setzte sich das Rechnen mit den zehn Ziffern in Europa endgültig durch. In Deutschland war die Verbreitung des Dezimalsystems den Rechenbüchern des Adam Ries zu verdanken (1518).

Früheste Hofzuchten, die zu den Anstandsbüchern des 13. bis 16. Jh. gehörenden meist gereimten Versdichtungen, welche Tugend-, Anstands- und allgemeine Verhaltensregeln für das höfische Leben zu begründen und zu vermitteln suchten, waren: "Der wälsche Gast" (1215/1216) des mittelhochdeutschen Dichters Thomasin von Zerklaere (Circlaere) (* in Friaul um 1186, † nach 1216) und "Der Winsbeke" (Windsbeke) (1210/1220), wahrscheinlich von einem ritterlichen Verfasser aus dem fränkischen Ort Windsbach.

Rechtsbücher waren im deutschen Mittelalter private Darstellungen des geltenden Rechts, die später zum Teil gesetzähnliches Ansehen erlangten.
Das älteste (und einflußreichste) deutsche Rechtsbuch ist der Sachsenspiegel, der von dem Rechtskundigen Eike von Repgow (Repgau, Repegouw) (* Reppichau [bei Dessau] um 1180, † nach 1233) um 1225 in niederdeutscher Sprache verfaßt wurde.

Der Stricker, ein aus dem südlichen Franken stammender mittelhochdeutscher Dichter und Fahrender († um 1250), schuf mit "Der Pfaffe Amis" (um 1230) (der mit List und Schläue Toren aller Welt prellt), die älteste Schwanksammlung in deutscher Sprache.

Im 13. Jh. wurde in Korea der auf chinesische Vorstufen zurückgehende Druck mit gegossenen Einzeltypen aus Metall (Einzelletterndruck) erfunden. Die Herstellung der Schriftzeichentypen erfolgte (nach dem chinesischen Verfahren des Münzgusses) dadurch, daß mit Ton- oder Holzpatrizen Vertiefungen in Sand gedrückt und diese dann mit Metall ausgegossen wurden, wodurch man in kürzester Zeit standardisierte Lettern in unbegrenzter Zahl erhalten konnte. Als Druckform diente ein umrandetes Holztablett, in welches die Einzeltypen eingefügt und durch Auffüllen mit Wachs zusammengehalten wurden. Die Abdrucke wurden im Reiberverfahren hergestellt.
Das erste mit gegossenen Einzeltypen gedruckte Buch, das "Sangjong Yemun", ein umfangreiches konfuzianisch ausgerichtetes Handbuch der Riten und Zeremonien, entstand auf der Insel Kanghwa in nur 28 Exemplaren und datiert aus dem Jahr 1232.
Die koreanische Gußmethode und die Herstellung von Drucken nur durch das Reiberverfahren konnten maschinell nicht perfektioniert und damit nicht kommerziell verwertbar gemacht werden (das gelang erst in Europa mit Johannes Gutenbergs Erfindung). Deshalb wurde das aufwendige Unternehmen Typenguß und Drucken in Korea fast nur im Regierungsauftrag betrieben.

Seit dem ausgehenden 12. Jh. hielten Baumeister ihre Kenntnisse und Technik zur eigenenen Wissensakkumulation und zur Weitergabe innerhalb ihrer Berufsgruppe, der "Bauhütte" (dem mittelalerlichen Werkstattverband von Bauleuten), in sogenannten Bauhüttenbüchern fest.
Das früheste erhaltene Bauhüttenbuch ist das um 1235 vollendete Merk- und Arbeitsbuch (Skizzenbuch) des Villard de Honnecourt, eines französischen Baumeisters aus Honnecourt (Picardie), nachweisbar um 1230 - 1235 (heute in der Bibliothèque Nationale, Paris).

Seit der Antike erfolgte bis in die Neuzeit die Nachrichtenübermittlung durch laufende, reitende oder fahrende Boten. Ihre Tätigkeit wurde durch Botenordnungen geregelt. Erhalten ist (heute im Deutschen Postmuseum, Frankfurt/M.) als älteste handgeschriebene, in lateinischer Sprache abgefaßte Botenordnung die am 28. Mai 1244 in Stahrenberg (Niederdonau) unterzeichnete Boten-, Maut- und Zollordnung Friedrichs II., des Streitbaren, Herzogs von Österreich und Steiermark (seit 1232) (* um 1210, † 1246).

Die älteste in Deutschland vorhandene Papierhandschrift, geschrieben auf spanisches, wahrscheinlich in Lyon gekauftes Papier, ist das 1246 begonnene Registerbuch des Domherrn (seit 1212) und Domdekans (seit 1245) von Passau Albert Behaim (* um 1180, † um 1260).

Das Falkenbuch des römischen Kaisers Friedrich II. (seit 1220) (* Iesi 1194, † Fiorentino [bei Lucera] 1250) "De arte venandi cum avibus" (lat.- Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen) ist das erste wissenschaftliche Werk der Ornithologie. Dieses um 1250 vollendete, mit naturgetreuen Vogelzeichnungen versehene Buch behandelt nämlich nicht nur die Pflege und Abrichtung verschiedenartiger Jagdfalken sowie deren Verwendung zu verschiedenen Jagden, sondern einleitend auch die Vogelwelt (Einteilung, Anatomie, Gewohnheiten, Wanderungen, Flug u.ä. der Vögel, speziell der Raubvögel). (Erstdruck: Augsburg 1596.)

Das älteste Osterspiel in deutscher Sprache ist das um 1250 im schweizerischen Aargau entstandene und in alemannischem Dialekt verfaßte (1840 im Kloster Muri gefundene) "Osterspiel von Muri".

Die deutsche Tierheilkunde ist in ihren ältesten literarischen Zeugnissen im Zusammenhang mit der Pflege vor allem edler Tiere (Beizvögel, Hunde, Pferde u.a.) entwickelt worden; dabei nahm die "Roßarznei" eine Vorrangstellung ein.
Die erste deutschsprachige Pferdeheilkunde war das um 1250 entstandene "Roßarzneibuch" des Meisters Albrant, wahrscheinlich eines deutschen Gefolgsmanns Kaiser Friedrichs II. (seit 1220) (* 1194, † 1250) und Reitlehrers junger Adeliger in Neapel.
(Erstdruck u.d.T.: "Ein gut Arzneibüchlein der Rosse", Augsburg 1485.)
Gehobeneren Ansprüchen genügte die etwa gleichzeitig (um 1250/1254) in lateinischer Sprache von dem kalabresischen Höfling Jordanus Ruffus (ebenfalls aus der Umgebung Friedrichs II.) verfaßte "Hippiatria" (griech.lat.= Pferdeheilkunde), die sich über die Pferdeheilkunde hinaus mit allgemeinen Fragen der Pferdekunde (Hippologie) (Haltung von Pferden u.ä.) befaßte. Dieses erste mittelalterliche Buch zur Pferdekunde gelangte über die italienischen Reitschulen an alle europäischen Höfe.

Der französische Pädagoge und Dominikaner Vinzenz von Beauvais (* zwischen 1184 und 1194, † Beauvais um 1264) verfaßte mit seinem dreiteiligen "Speculum maius" (lat.= Größerer Spiegel) die erste und umfassendste (nach 1256 abgeschlossene) Enzyklopädie des Mittelalters, eine Zusammenfassung des scholastischen Wissens und der damals bekannten Natur- und Weltgeschichte (bis 1250).

Der italienische Dichter und Gelehrte Brunetto Latini (* Florenz zwischen 1210 und 1220, † ebd. 1294 oder 1295) verfaßte in Paris (wo er in diplomatischer Mission und später im Exil lebte) in der Sprache seines Gastlandes um 1265 u.d.T. "Li livres dou trésor" (afrz.- Das Schatzbuch) die erste Laienenzyklopädie (von Rang). Sie wollte den zeitgenössischen Wissensstand einem größeren Leserkreis zugänglich machen und vor allem praktisches Wissen vermitteln.

Die erste Papiermühle Italiens war seit 1268(?) in Fabriano (Provinz Ancona) in Betrieb.

Wasserzeichen sind im Papier durchscheinende Zeichen (Buchstaben, Namen, Figuren), die zur Sicherung gegen Fälschungen (bei Banknoten, Urkunden u.ä.) oder als Kennzeichnung für die Herkunft des Papiers dienen.
Das Wasserzeichen, das weder die Chinesen noch die Araber gekannt haben, kam erst Ende des 13. Jh. auf. Das älteste Wasserzeichen ist aus dem Jahre 1282 in Bologna nachgewiesen (Papiermühle unbekannt).

Das "Libro de acedrex, dados e tablas" (span.- Buch über das Schach-, Würfel- und Tafelspiel), eine unter König Alfons X., dem Weisen (span.: el Sabio), von Kastilien und León (1252 - 1284) (* Toledo 1221, † Sevilla 1284) aus nicht bekannten arabischen Vorlagen 1283 übersetzte Abhandlung über Gesellschaftsspiele, enthält die erste ausführliche in Europa erschienene Darstellung des Schachspiels und stellt zugleich das erste europäische Schachlehrbuch dar.
(Erstdruck u.d.T.: "El tratado de ajedrez ordenado por mandato del Rey D. Alfonso el Sabio en el ano 1283" mit dt. Übers., Leipzig 1913.)

Die älteste Kollegienbibliothek (als Vorläufer der. Universitätsbibliothek) entstand um 1289 als Bibliothek des von dem Hofkaplan Ludwigs IX. (1226 - 1270) Robert de Sorbon (Robertus de Sorbona) (* 1201, † 1274) im Jahre 1257 in Paris gegründeten theologischen Kollegiums, des später nach ihm benannten Collège de Sorbonne, der Keimzelle der Pariser Universität (Sorbonne). Diese Bibliothek ist (schon 1289) frühestes Beispiel für den Typus der spätmittelalterlichen Pultbibliothek, eines größeren Raumes, in dem die Bücher, auf Pulten angekettet, an Ort und Stelle zur Lektüre ausgelegt waren.

Von der Mitte des 14. Jh. bis zur Mitte des 16. Jh. war es Sitte, Beutelbücher, Bücher mit beutelartig verlängertem Einband zum Tragen in der Hand oder zur Befestigung am Gürtel, vornehmlich für Kreise der Kirche, herzustellen. Auf mittelalterlichen Darstellungen der bildenden Kunst erschien das Beutelbuch als Heiligenattribut. Das vermutlich früheste Beispiel hierfür ist der (nur in Nachzeichnung erhaltene) Grabstein der Jeanne Brichard († 1312) (wahrscheinlich erst mehrere Jahrzehnte nach dem Tod der [mit Beutelbuch abgebildeten ]Verstorbenen angefertigt).

Als ältester bisher namentlich bekannter deutscher bürgerlicher Buchbinder gilt der Buchbinder Hermann (Vorname unbekannt), der 1302 in Wien tätig war.

Als Briefpapier ist Papier in Deutschland erstmalig im Jahre 1302 mit einem Fehdebrief des Johann Van Buren an die Stadt Aachen nachweisbar. Dieser Fehdebrief ist etwa 21 cm lang, 9,5 cm hoch, 0,02 cm dick (von 107 g/qm Schwere).

Die auf einen wahrscheinlich schon in der Antike gepflegten Brauch zurückgehende Dichterkrönung war seit dem 14. Jh. die offizielle Auszeichnung eines Dichters in Form der Krönung durch Lorbeer und Verleihung des Ehrentitels "Poeta laureatus" (lat.= [lorbeer] gekrönter Dichter). (Während die Dichterkrönung seit Ende des Humanismus ihre Bedeutung verlor, besteht die englische Institution des "Poet laureate" bis heute.)
Die erste Dichterkrönung war die des italienischen Geschichtsschreibers und Dichters Albertino Mussato (* Padua 1261, † Chioggia 1329) 1315 durch den Bischof und Rektor der Universität zu Padua.

Mondino de Luzzi (Mundinus), Anatom an der Universität Bologna, (* Bologna um 1275, † ebd. 1326) führte erstmals 1306 und 1315 öffentlich Leichensektionen für anatomische Zwecke durch, was zu seiner 1316 vollendeten "Anathomia" führte, dem ersten anatomischen Lehrbuch, das sich auf die Sektion menschlicher Leichen stützt.
(Erstdruck lat. u.d.T.: "Anatomia corporis humani", Padua 1476.)

Die älteste erhaltene deutsche Briefsammlung ist der Briefwechsel (1332 - 1350) der Mystikerin Margarete Ebner (* Donauwörth um 1291, † Mödingen [bei Dillingen a.d. Donau] 1351), seit 1306 im Dominikanerinnenkloster Mödingen, mit dem Mystiker und Wanderprediger Heinrich von Nördlingen († Pillenreuth [bei Nürnberg ] 1379).

Die erste Papiermühle Frankreichs ist 1338 bei Troyes urkundlich nachgewiesen.

Richard de Bury (eigtl.: Richard Aungerville) (* bei Bury Saint Edmunds [Suffolk] 1287, † Durham 1345), Bischof von Durham (1333), leidenschaftlicher Büchersammler und Begründer der Bibliophilie (Bücherliebhaberei), verfaßte in lateinischer Sprache das erste Handbuch der Bibliophilie ("Philobiblon", kurz vor seinem Tode vollendet). (Erstdruck: Köln 1473.)

In einer um 1350 entstandenen englischen Handschrift (heute im Besitz des Britischen Museums, London) zeigt eine ihrer Illustrationen das Innere einer Buchhandlung, in der sich ein Pilger und eine Heilige begegnen. Sie ist die früheste europäische bildliche Darstellung einer Buchhandlung und (dem Text zufolge) die erste einer Buchhändlerin.

Das älteste überlieferte weltliche Drama in deutscher Sprache ist das St. Pauler Neidhartspiel (1350; erhalten als Handschrift des Benediktinerstiftes St. Paul in Kärnten), ein derber Schwank um den mittelhochdeutschen Minnesänger Neidhart von Reuental (1. Hälfte des 13. Jh.).

Die älteste deutsche Kochrezeptsammlung ("daz buch von guter spise") wurde für den fürstbischöflichen Protonotar Michael Jud, genannt de Leone, in Würzburg gegen 1350 verfaßt und auf Pergament (als Anhang eines Tierarzneibuches) geschrieben. (Erstdruck: Stuttgart 1844.)

Das älteste bekannte naturkundliche Werk in deutscher Sprache ist das "Buch der Natur" (1350), eine Übersetzung des von dem in Loewen wirkenden Dominikaners Thomas Cantimpratensis (Thomas von Cantimpré, * 1201, † 1272 [?] ) zwischen 1230 und 1244 verfaßten lateinischen naturgeschichtlichen Kompendiums "De rerum natura" (lat.= Über die Natur der Dinge) durch den Theologen und Schriftsteller Konrad von Megenberg (* Mäbenberg [heute zu Georgensgmünd bei Roth] 1309, † Regensburg 1374).

Die sogenannte Frankfurter Dirigierrolle (eine um zwei Stäbchen laufende Pergamentrolle) ist eines der ältesten Regiebücher im deutschen Sprachraum. Es wurde um 1350 von dem Spielleiter des zweitägigen Frankfurter Passionsspiels, dem Kanonikus des St.-Bartholomäus-Stiftes am Kaiserdom zu Frankfurt/M. Baldemar von Peterweil († um 1382) angefertigt. Die Frankfurter Dirigierrolle enthält neben Bühnenanweisungen ein Verzeichnis aller auftretenden Personen sowie den zu jedem Auftritt gehörenden Anfangstext.

Die wahrscheinlich älteste erhaltene bildliche Darstellung eines Brillenträgers zeigt ein Fresko (mit Ausschnitt "Lesender Mönch mit Brille") des italienischen Malers Tomaso da Modena (* Modena 1325/1326, † 1379) aus dem Jahr 1352 im Kapitelsaal des Klosters San Nicolò in Treviso.

Während das Mittelalter die in der griechisch-römischen Antike wurzelnde Biographie vornehmlich nur als legendenhafte Heiligenbiographie (Legende) kannte, aber auch schon Biographien geistlicher und weltlicher Fürsten (Herrscherbiographien) entwickelte, kamen in der italienischen Renaissance mit erwachendem Sinn für das Individuelle die Biographien einzelner bemerkenswerter Persönlichkeiten auf. Am Anfang steht die 1360 entstandene "Vita di Dante" (ital.= Das Leben Dantes) des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio (* wahrscheinlich Florenz [ oder Certaldo] 1313, † Certaldo[bei Florenz ] 1375). (Erstdruck in: Dante Alighieri: Divina Commedia, Venedig 1477.)

Die älteste Autobiographie (literarische Darstellung des eigenen Lebens oder einzelner Lebensphasen) in deutscher Sprache ist die Lebensbeschreibung des deutschen Mystikers Heinrich Seuse (latinisiert Suso) (* Konstanz oder Überlingen 1295[?], † Ulm 1366), die u.d.T. "Der Seuse" nach Mitteilungen Seuses von der Dominikanerin Elsbeth Stagel (* um 1300, † um 1360) niedergeschrieben und um 1362 von Seuse selbst abgeschlossen wurde.

Die 1348 gegründete Universität Prag, die älteste deutsche Universität, erhielt 1366 durch Kaiser Karl IV. (1355 - 1378) (* Prag 1316, † ebd. 1378) das "Collegium Carolinum" mit einer reich ausgestatteten Bibliothek. Sie war die erste deutsche Kollegienbibliothek und Vorläufer der Universitätsbibliothek.

Die erste französische Kochrezeptsammlung ("Le Viandier") wurde 1370 von Guillaume Tirel, genannt Taillevent, (* 1326, † 1395), dem Küchenmeister der französischen Könige Karl V. (1364 - 1380) und Karl VI. (1380 - 1422), verfaßt.

Der englische Philosoph und Theologe John Wyclif (Wycliffe, Wiclif) (* Sprewell bei Wycliffe-on-Tees [Yorkshire] um 1320, † Lutterworth 1384) besorgte (unter Zugrundelegung der Vulgata) 1380 - 1382 die erste vollständige Bibelübersetzung ins Englische.

Die älteste deutsche Universitätsbibliothek ist die 1386 gegründete Universitätsbibliothek Heidelberg.

In Deutschland wurde die erste Papiermühle (Papiermacherwerkstatt) 1390 von dem Nürnberger Handelsherrn Ulman Stromer (* 1329, † 1407) in Betrieb genommen. Er hatte 1389/1390 eine alte Kornmühle, die "Gleismühl" an der Pegnitz bei Nürnberg, zu einer mit Wasserradantrieb arbeitenden Papiermühle umbauen lassen. (Als Holzschnitt findet sie sich auf einer Darstellung der Stadt Nürnberg in Hartmann Schedels "Weltchronik" Von 1493.)

Das älteste Fronleichnamsspiel (geistliches an Fronleichnam aufgeführtes Passionsspiel des späteren Mittelalters) im deutschsprachigen Raum ist das Fronleichnamsspiel von Neustift im Stubaital in Tirol (1391).


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Last update: 24. April 2000 © by Walther Umstaetter